Śrī Śuka sprach: So von den Scharen der Götter gepriesen, erschien der erhabene Herr Hari, der Herrscher, vor ihnen, o König, mit dem Glanz des Aufgangs von tausend Sonnen.
Eben dadurch waren plötzlich alle Götter im Blick geblendet; sie sahen weder den Himmel noch die Richtungen noch die Erde noch sich selbst – wie hätten sie gar den Allmächtigen sehen können?
mahā-maṇi-kirīṭena keyūrābhyāṁ ca bhūṣitām
karṇābharaṇa-nirbhāta-kapola-śrī-mukhāmbujām
geschmückt mit einer Krone aus großen Juwelen und mit Armreifen, deren Wangen vom Ohrschmuck erstrahlten, mit lotosgleichem, glückverheißendem Antlitz,
geschmückt mit Hüftgürtel, Schmuckketten, Armreifen, Halsketten und Fußknöchelringen, das Kaustubha-Juwel tragend, von Glanz erfüllt, mit einer Waldblumengirlande bekränzt –
Wort für Wort
kāñcī
Hüftgürtel
kalāpa
Schmuckkette/Bündel
valaya
Armreifen
hāra
Halskette
nūpura
Fußknöchelringe
śobhitām
geschmückt/verschönert
kaustubha-ābharaṇām
mit dem Kaustubha-Juwel als Schmuck
lakṣmīm
Glanz/Schönheit [Anm.: evtl. Anklang an die Göttin Lakṣmī]
umgeben von Sudarśana und seinen anderen, personifizierten Waffen – diese Gestalt pries der Beste der Götter (Brahmā) zusammen mit Śarva als die höchste Person, gemeinsam mit allen Scharen der Unsterblichen, die sich mit allen Gliedern zu Boden geworfen hatten.
ajāta-janma-sthiti-saṁyamāya guṇāya nirvāṇa-sukhārṇavāya
aṇor aṇimne 'parigaṇya-dhāmne mahānubhāvāya namo namas te
Verneigung, immer wieder Verneigung dir, dessen Schöpfung, Erhaltung und Auflösung der Welt unverursacht [transzendental] sind, dem Träger [transzendentaler] Eigenschaften, dem Ozean der Glückseligkeit der Befreiung, dir, dessen Feinheit feiner ist als das Feinste, dessen Herrlichkeit unermesslich ist, dem Großmächtigen.
Wort für Wort
ajāta-janma-sthiti-saṁyamāya
dir, dessen Schöpfung, Erhaltung und Auflösung [der Welt] unverursacht/transzendental sind
rūpaṁ tavaitat puruṣarṣabhejyaṁ śreyo-'rthibhir vaidika-tāntrikeṇa
yogena dhātaḥ saha nas trilokān paśyāmy amuṣminn u ha viśva-mūrtau
Diese deine Gestalt, o Schöpfer, die von den Besten unter den Menschen verehrt wird, von jenen, die nach dem höchsten Heil streben, durch das Yoga, das sowohl vedisch als auch tantrisch überliefert ist – in eben dieser Gestalt, deiner All-Form, sehe ich die drei Welten zusammen mit uns.
In dir war dieses Universum am Anfang, in dir war es in der Mitte, in dir war es am Ende, o du Selbstabhängiger [Unabhängiger] – du bist Anfang, Ende und Mitte dieser Welt, so wie der Ton das Wesen des Tongefäßes ist, du, höher als das Höchste.
Du, der du durch deine eigene, in dir selbst gegründete Māyā dieses Universum erschaffen hast, bist in es eingegangen; die im Geist geeinten, weisen Gelehrten sehen dich, den von den materiellen Erscheinungsweisen Unberührten, selbst inmitten des Wirkens der Erscheinungsweisen.
Wort für Wort
tvam
du
māyayā ātma-āśrayayā
durch [deine] Māyā, die in dir selbst gegründet ist
svayā
durch deine eigene
idam nirmāya
nachdem du dieses [Universum] erschaffen hast
viśvam
das Universum
tat anupraviṣṭaḥ
bist du in dieses eingegangen
paśyanti
sie sehen
yuktāḥ manasā
die im Geist geeinten
manīṣiṇaḥ
die weisen Denker
guṇa-vyavāye api
selbst inmitten des Wirkens der [materiellen] Erscheinungsweisen
yathāgnim edhasy amṛtaṁ ca goṣu
bhuvy annam ambūdyamane ca vṛttim
yogair manuṣyā adhiyanti hi tvāṁ
guṇeṣu buddhyā kavayo vadanti
So wie man das Feuer im Brennholz, den Nektar (die Milch) in den Kühen, die Nahrung in der Erde und den Lebensunterhalt durch das Schöpfen von Wasser mittels geeigneter Methoden findet, so erkennen die Menschen wahrlich dich mittels entsprechender Methoden; dass du in den materiellen Erscheinungsweisen verborgen bist, das erklären die Weisen durch ihren Verstand.
Dich, o Herr (Lotosnabeliger), den wir gerade jetzt emporsteigen sehen – dich, dessen Erscheinen lange ersehnt wurde – haben wir heute erblickt und sind alle zur Freude gelangt, so wie von Waldbrand gequälte Elefanten beim Erreichen des Gangeswassers.
sa tvaṁ vidhatsvākhila-loka-pālā
vayaṁ yad-arthās tava pāda-mūlam
samāgatās te bahir-antar-ātman
kiṁ vānya-vijñāpyam aśeṣa-sākṣiṇaḥ
So bestimme du denn, o Beschützer aller Welten, für uns, was zu tun ist – wir, deren Ziel dies ist, weswegen wir zu deinen Lotosfüßen gekommen sind, o du, der du innen und außen die Seele von allem bist. Was gäbe es sonst noch, das dir, dem Allzeugen, von jemand anderem mitzuteilen wäre?
Wort für Wort
saḥ tvam
du, jener
vidhatsva
bestimme
akhila-loka-pālāḥ
[wir,] die Hüter aller Welten [Anrede: o Beschützer aller Welten]
vayam yad-arthāḥ
wir, deren Ziel dies ist
tava pāda-mūlam
zu deinen Lotosfüßen
samāgatāḥ
gekommen
te
dir
bahiḥ-antaḥ-ātman
o du, [der] innen und außen das Selbst [von allem bist]
kim vā anya-vijñāpyam
was [gäbe es], das von einem anderen mitzuteilen wäre
ahaṁ giritraś ca surādayo ye
dakṣādayo 'gner iva ketavas te
kiṁ vā vidāmeśa pṛthag vibhātā
vidhatsva śaṁ no dvija-deva-mantram
Ich (Brahmā), Giritra (Śiva) und die Götter und anderen, wie Dakṣa und die übrigen – wir sind wie Funken des einen Feuers. Was könnten wir denn wissen, o Herr, die wir scheinbar gesondert erscheinen? Gewähre uns Wohlergehen durch deinen Ratschluss für die Zweifachgeborenen und die Götter.
Wort für Wort
aham
ich
giritraḥ ca
und Giritra (Śiva)
sura-ādayaḥ ye
und die Götter und die anderen
dakṣa-ādayaḥ
Dakṣa und die anderen
agneḥ iva ketavaḥ te
wir sind wie Funken des Feuers
kim vā vidāma īśa
was könnten wir wissen, o Herr
pṛthak vibhātāḥ
die wir gesondert erscheinen
vidhatsva śam naḥ
gewähre uns Wohl
dvija-deva-mantram
den Ratschluss für die Zweifachgeborenen und die Götter
So von Viriñca (Brahmā) und den anderen gepriesen, erkannte der Herr deren Herzenswunsch, genau wie er war, und sprach mit einer Stimme, tief wie der Donner der Gewitterwolken, zu ihnen, die mit gefalteten Händen dastanden und alle ihre Sinne gezügelt hielten.
Wort für Wort
evam
so
viriñca-ādibhiḥ
von Viriñca (Brahmā) und den anderen
īḍitaḥ
gepriesen
tat vijñāya
dies erkennend
teṣām hṛdayam
ihr Herz [ihren Wunsch]
yathā eva
genau so, wie es war
jagāda
sprach
jīmūta-gabhīrayā girā
mit einer Stimme, tief wie [der Donner der] Gewitterwolken
Der eine, alleinige Herrscher, der Herr der Götter, der in jener Angelegenheit der Götter wirken wollte, sprach zu ihnen, beginnend mit dem Vorschlag des Aufquirlens des Ozeans.
Wort für Wort
ekaḥ eva īśvaraḥ
der eine, alleinige Herrscher
tasmin sura-kārye
in jener Angelegenheit der Götter
sura-īśvaraḥ
der Herr der Götter
vihartu-kāmaḥ
wünschend zu wirken/zu handeln
tān āha
sprach zu ihnen
samudra-unmathana-ādibhiḥ
mit [Worten,] beginnend mit dem Aufquirlen des Ozeans
yāta dānava-daiteyais tāvat sandhir vidhīyatām
kālenānugṛhītais tair yāvad vo bhava ātmanaḥ
Geht [zu den Dämonen]! Solange schließt ein Bündnis mit den Dānavas und Daityas, die gegenwärtig von der Zeit begünstigt sind – solange, bis euer eigenes Anliegen erreicht ist.
arayo 'pi hi sandheyāḥ sati kāryārtha-gaurave
ahi-mūṣikavad devā hy arthasya padavīṁ gataiḥ
Auch Feinde sollen wahrlich in ein Bündnis eingebunden werden, wenn das Gewicht einer wichtigen Sache dies erfordert – wie im Gleichnis von Schlange und Maus, o Götter, wenn sie den Weg eines gemeinsamen Nutzens eingeschlagen haben.
Wort für Wort
arayaḥ api hi
auch Feinde wahrlich
sandheyāḥ
sollen [in ein Bündnis] eingebunden werden
sati kārya-artha-gaurave
wenn das Gewicht einer [wichtigen] Sache vorhanden ist
ahi-mūṣikavat
wie [im Gleichnis von] Schlange und Maus
devāḥ
o Götter
hi
wahrlich
arthasya padavīm gataiḥ
mit [jenen,] die den Weg des gemeinsamen Nutzens eingeschlagen haben
Möge unverzüglich Anstrengung zur Hervorbringung des Nektars unternommen werden, durch dessen Trinken wahrlich selbst ein vom Tod ergriffenes Lebewesen unsterblich würde.
Quirlt, o Götter, unermüdlich mit mir als Helfer; die Daityas werden dabei nur die Mühsal erhalten, ihr aber werdet die Frucht des Ergebnisses empfangen.
na bhetavyaṁ kālakūṭād viṣāj jaladhi-sambhavāt
lobhaḥ kāryo na vo jātu roṣaḥ kāmas tu vastuṣu
Vor dem Kālakūṭa-Gift, das aus dem Ozean entstehen wird, sollt ihr euch nicht fürchten; auch sollt ihr niemals Gier hegen, noch Zorn, noch Verlangen nach den dabei entstehenden Dingen.
So, nachdem er die Götter angewiesen hatte, verschwand der erhabene höchste Purusha, der Herrscher, der nach eigenem Willen kommt und geht, o König, vor ihren Augen.
Darauf, nachdem sie sich vor jenem Erhabenen verneigt hatten, gingen der Großvater (Brahmā) und Bhava (Śiva) beide zu ihrem jeweils eigenen Wohnsitz, und die Götter begaben sich zu Bali.
Als er sah, dass sogar die Feinde unvorbereitet zum Kampf waren, während seine eigenen Anführer schon in Aufruhr geraten waren, hielt der rühmenswerte König der Daityas (Bali), kundig der rechten Zeit für Bündnis und Krieg, sie zurück.
te vairocanim āsīnaṁ guptaṁ cāsura-yūthapaiḥ
śriyā paramayā juṣṭaṁ jitāśeṣam upāgaman
Sie (die Götter) näherten sich Vairocani (Bali), der dort saß, umgeben von den Anführern der Asura-Scharen, ausgestattet mit höchster Pracht, er, der alles Übrige besiegt hatte.
tat tv arocata daityasya tatrānye ye 'surādhipāḥ
śambaro 'riṣṭanemiś ca ye ca tripura-vāsinaḥ
Das nun gefiel dem Daitya-König (Bali) und den anderen dort, die Anführer der Asuras waren – Śambara und Ariṣṭanemi und denen, die Bewohner von Tripura waren.
tato devāsurāḥ kṛtvā saṁvidaṁ kṛta-sauhṛdāḥ
udyamaṁ paramaṁ cakrur amṛtārthe parantapa
Darauf trafen die Götter und Dämonen ein Übereinkommen, schlossen Freundschaft und unternahmen höchste Anstrengung für das Erlangen des Nektars, o Bezwinger der Feinde (Parīkṣit).
Darauf rissen sie, die vor Kraft Übermütigen, mit gewaltiger Kraft den Berg Mandara aus und brachten ihn brüllend zum Ozean, sie, die Kräftigen, deren Arme stark wie eiserne Riegel waren.
Erschöpft vom Tragen der schweren Last über die weite Strecke, unfähig, ihn weiter zu tragen, ließen Indra, Vairocani (Bali) und die anderen, hilflos geworden, den Berg auf dem Weg fallen.
Wort für Wort
dūra-bhāra-udvaha-śrāntāḥ
erschöpft vom Tragen der schweren Last über eine weite Strecke
tāṁs tathā bhagna-manaso bhagna-bāhūru-kandharān
vijñāya bhagavāṁs tatra babhūva garuḍa-dhvajaḥ
Als der Erhabene sie so erkannte – deren Mut gebrochen und deren Arme, Schenkel und Nacken gebrochen waren – erschien er dort, er, dessen Banner Garuḍa trägt.
Als er die Götter und Dānavas erblickte, die durch das Herabfallen des Berges zerquetscht worden waren, machte er sie durch seinen bloßen Blick wieder lebendig, so als wären sie unversehrt und ohne Wunden.
Wort für Wort
giri-pāta-viniṣpiṣṭān
die vom Herabfallen des Berges zerquetscht worden waren
Und nachdem er den Berg mit nur einer Hand mühelos auf Garuḍa gehoben hatte, bestieg er selbst Garuḍa und zog, umgeben von den Scharen der Götter und Dämonen, zum Ozean.
Nachdem Suparṇa (Garuḍa), der Beste der Fliegenden, den Berg von seiner Schulter abgeladen und am Rand des Wassers abgesetzt hatte, zog er sich zurück, nachdem er von Hari entlassen worden war.
Wort für Wort
avaropya girim
nachdem er den Berg herabgesetzt hatte
skandhāt
von der Schulter
suparṇaḥ
Suparṇa (Garuḍa)
patatām varaḥ
der Beste der Fliegenden
yayau
zog fort
jala-ante utsṛjya
nachdem er [ihn] am Rand des Wassers abgesetzt hatte