Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 159: deva-asura-sandhi Die Götter und Dämonen vereinbaren einen Waffenstillstand

śrī-śuka uvāca evaṁ stutaḥ sura-gaṇair bhagavān harir īśvaraḥ teṣām āvirabhūd rājan sahasrārkodaya-dyutiḥ

Śrī Śuka sprach: So von den Scharen der Götter gepriesen, erschien der erhabene Herr Hari, der Herrscher, vor ihnen, o König, mit dem Glanz des Aufgangs von tausend Sonnen.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śuka
uvāca
sprach
evam
so, auf diese Weise
stutaḥ
gepriesen
sura-gaṇaiḥ
von den Scharen der Götter
bhagavān
der Erhabene
hariḥ
Hari
īśvaraḥ
der Herrscher
teṣām
vor ihnen
āvirabhūt
erschien
rājan
o König
sahasra-arka-udaya-dyutiḥ
mit dem Glanz des Aufgangs tausender Sonnen

tenaiva sahasā sarve devāḥ pratihatekṣaṇāḥ nāpaśyan khaṁ diśaḥ kṣauṇīm ātmānaṁ ca kuto vibhum

Eben dadurch waren plötzlich alle Götter im Blick geblendet; sie sahen weder den Himmel noch die Richtungen noch die Erde noch sich selbst – wie hätten sie gar den Allmächtigen sehen können?

Wort für Wort
tena eva
eben dadurch
sahasā
plötzlich
sarve
alle
devāḥ
die Götter
pratihata-īkṣaṇāḥ
deren Blick geblendet/behindert war
na apaśyan
sahen nicht
kham
den Himmel
diśaḥ
die Richtungen
kṣauṇīm
die Erde
ātmānam ca
und sich selbst
kutaḥ
wie gar
vibhum
den Allmächtigen

viriñco bhagavān dṛṣṭvā saha śarveṇa tāṁ tanum svacchāṁ marakata-śyāmāṁ kañja-garbhāruṇekṣaṇām

Der erhabene Viriñca (Brahmā) erblickte, zusammen mit Śarva (Śiva), jene Gestalt – rein, smaragddunkel, mit Augen rötlich wie das Innere eines Lotos –

Wort für Wort
viriñcaḥ
Viriñca (Brahmā)
bhagavān
der Erhabene
dṛṣṭvā
nachdem er gesehen hatte
saha śarveṇa
zusammen mit Śarva (Śiva)
tām tanum
jene Gestalt
svacchām
rein, klar
marakata-śyāmām
smaragddunkel
kañja-garbha-aruṇa-īkṣaṇām
mit Augen rötlich wie das Innere eines Lotos

tapta-hemāvadātena lasat-kauśeya-vāsasā prasanna-cāru-sarvāṅgīṁ sumukhīṁ sundara-bhruvam

mit einem strahlenden Seidengewand, leuchtend wie geschmolzenes Gold, an allen Gliedern heiter und schön, mit schönem Antlitz und schönen Brauen,

Wort für Wort
tapta-hema-avadātena
mit [einem Gewand] leuchtend wie geschmolzenes Gold
lasat-kauśeya-vāsasā
mit strahlendem Seidengewand
prasanna-cāru-sarva-aṅgīm
deren sämtliche Glieder heiter und schön sind
su-mukhīm
mit schönem Antlitz
sundara-bhruvam
mit schönen Augenbrauen

mahā-maṇi-kirīṭena keyūrābhyāṁ ca bhūṣitām karṇābharaṇa-nirbhāta-kapola-śrī-mukhāmbujām

geschmückt mit einer Krone aus großen Juwelen und mit Armreifen, deren Wangen vom Ohrschmuck erstrahlten, mit lotosgleichem, glückverheißendem Antlitz,

Wort für Wort
mahā-maṇi-kirīṭena
mit einer Krone aus großen Juwelen
keyūrābhyām ca
und mit den Armreifen
bhūṣitām
geschmückt
karṇa-ābharaṇa-nirbhāta-kapola
deren Wangen vom Ohrschmuck erstrahlten
śrī-mukha-ambujām
mit lotosgleichem, glückverheißendem Antlitz

kāñcī-kalāpa-valaya-hāra-nūpura-śobhitām kaustubhābharaṇāṁ lakṣmīṁ bibhratīṁ vana-mālinīm

geschmückt mit Hüftgürtel, Schmuckketten, Armreifen, Halsketten und Fußknöchelringen, das Kaustubha-Juwel tragend, von Glanz erfüllt, mit einer Waldblumengirlande bekränzt –

Wort für Wort
kāñcī
Hüftgürtel
kalāpa
Schmuckkette/Bündel
valaya
Armreifen
hāra
Halskette
nūpura
Fußknöchelringe
śobhitām
geschmückt/verschönert
kaustubha-ābharaṇām
mit dem Kaustubha-Juwel als Schmuck
lakṣmīm
Glanz/Schönheit [Anm.: evtl. Anklang an die Göttin Lakṣmī]
bibhratīm
tragend
vana-mālinīm
mit einer Waldblumengirlande geschmückt

sudarśanādibhiḥ svāstrair mūrtimadbhir upāsitām tuṣṭāva deva-pravaraḥ saśarvaḥ puruṣaṁ param sarvāmara-gaṇaiḥ sākaṁ sarvāṅgair avaniṁ gataiḥ

umgeben von Sudarśana und seinen anderen, personifizierten Waffen – diese Gestalt pries der Beste der Götter (Brahmā) zusammen mit Śarva als die höchste Person, gemeinsam mit allen Scharen der Unsterblichen, die sich mit allen Gliedern zu Boden geworfen hatten.

Wort für Wort
sudarśana-ādibhiḥ
mit Sudarśana und anderen [Waffen]
sva-astraiḥ
seinen eigenen Waffen
mūrtimadbhiḥ
die personifizierte Gestalt angenommen hatten
upāsitām
die verehrt/umgeben wurde
tuṣṭāva
pries
deva-pravaraḥ
der Beste der Götter (Brahmā)
sa-śarvaḥ
zusammen mit Śarva (Śiva)
puruṣam param
die höchste Person
sarva-amara-gaṇaiḥ sākam
zusammen mit allen Scharen der Unsterblichen
sarva-aṅgaiḥ
mit allen Gliedern
avanim gataiḥ
die zu Boden gegangen [niedergeworfen] waren

ajāta-janma-sthiti-saṁyamāya guṇāya nirvāṇa-sukhārṇavāya aṇor aṇimne 'parigaṇya-dhāmne mahānubhāvāya namo namas te

Verneigung, immer wieder Verneigung dir, dessen Schöpfung, Erhaltung und Auflösung der Welt unverursacht [transzendental] sind, dem Träger [transzendentaler] Eigenschaften, dem Ozean der Glückseligkeit der Befreiung, dir, dessen Feinheit feiner ist als das Feinste, dessen Herrlichkeit unermesslich ist, dem Großmächtigen.

Wort für Wort
ajāta-janma-sthiti-saṁyamāya
dir, dessen Schöpfung, Erhaltung und Auflösung [der Welt] unverursacht/transzendental sind
guṇāya
dem Träger [transzendentaler] Eigenschaften
nirvāṇa-sukha-arṇavāya
dem Ozean der Glückseligkeit der Befreiung
aṇoḥ aṇimne
dir, dessen Feinheit feiner ist als das Feinste
aparigaṇya-dhāmne
dessen Herrlichkeit unzählbar/unermesslich ist
mahā-anubhāvāya
dem Großmächtigen
namaḥ namaḥ te
Verneigung, immer wieder Verneigung dir

rūpaṁ tavaitat puruṣarṣabhejyaṁ śreyo-'rthibhir vaidika-tāntrikeṇa yogena dhātaḥ saha nas trilokān paśyāmy amuṣminn u ha viśva-mūrtau

Diese deine Gestalt, o Schöpfer, die von den Besten unter den Menschen verehrt wird, von jenen, die nach dem höchsten Heil streben, durch das Yoga, das sowohl vedisch als auch tantrisch überliefert ist – in eben dieser Gestalt, deiner All-Form, sehe ich die drei Welten zusammen mit uns.

Wort für Wort
rūpam tava etat
diese deine Gestalt
puruṣa-ṛṣabha-ijyam
die von den Besten der Menschen verehrt wird
śreyaḥ-arthibhiḥ
von denen, die nach dem höchsten Heil streben
vaidika-tāntrikeṇa yogena
durch das Yoga, das vedisch und tantrisch ist
dhātaḥ
o Schöpfer
saha naḥ trilokān
zusammen mit uns die drei Welten
paśyāmi
ich sehe
amuṣmin u ha
in eben dieser [Gestalt]
viśva-mūrtau
in [deiner] All-Form

tvayy agra āsīt tvayi madhya āsīt tvayy anta āsīd idam ātma-tantre tvam ādir anto jagato 'sya madhyaṁ ghaṭasya mṛtsneva paraḥ parasmāt

In dir war dieses Universum am Anfang, in dir war es in der Mitte, in dir war es am Ende, o du Selbstabhängiger [Unabhängiger] – du bist Anfang, Ende und Mitte dieser Welt, so wie der Ton das Wesen des Tongefäßes ist, du, höher als das Höchste.

Wort für Wort
tvayi agre āsīt
in dir war es am Anfang
tvayi madhye āsīt
in dir war es in der Mitte
tvayi ante āsīt
in dir war es am Ende
idam
dies [das Universum]
ātma-tantre
o du Selbstabhängiger
tvam ādiḥ antaḥ
du [bist] Anfang [und] Ende
jagataḥ asya madhyam
die Mitte dieser Welt
ghaṭasya mṛtsnā iva
wie der Ton des Tongefäßes
paraḥ parasmāt
höher als das Höchste

tvaṁ māyayātma-āśrayayā svayedaṁ nirmāya viśvaṁ tad anupraviṣṭaḥ paśyanti yuktā manasā manīṣiṇo guṇa-vyavāye 'py aguṇaṁ vipaścitaḥ

Du, der du durch deine eigene, in dir selbst gegründete Māyā dieses Universum erschaffen hast, bist in es eingegangen; die im Geist geeinten, weisen Gelehrten sehen dich, den von den materiellen Erscheinungsweisen Unberührten, selbst inmitten des Wirkens der Erscheinungsweisen.

Wort für Wort
tvam
du
māyayā ātma-āśrayayā
durch [deine] Māyā, die in dir selbst gegründet ist
svayā
durch deine eigene
idam nirmāya
nachdem du dieses [Universum] erschaffen hast
viśvam
das Universum
tat anupraviṣṭaḥ
bist du in dieses eingegangen
paśyanti
sie sehen
yuktāḥ manasā
die im Geist geeinten
manīṣiṇaḥ
die weisen Denker
guṇa-vyavāye api
selbst inmitten des Wirkens der [materiellen] Erscheinungsweisen
aguṇam
den [von den guṇas] Unberührten
vipaścitaḥ
die Gelehrten/Weisen

yathāgnim edhasy amṛtaṁ ca goṣu bhuvy annam ambūdyamane ca vṛttim yogair manuṣyā adhiyanti hi tvāṁ guṇeṣu buddhyā kavayo vadanti

So wie man das Feuer im Brennholz, den Nektar (die Milch) in den Kühen, die Nahrung in der Erde und den Lebensunterhalt durch das Schöpfen von Wasser mittels geeigneter Methoden findet, so erkennen die Menschen wahrlich dich mittels entsprechender Methoden; dass du in den materiellen Erscheinungsweisen verborgen bist, das erklären die Weisen durch ihren Verstand.

Wort für Wort
yathā
so wie
agnim edhasi
das Feuer im Brennholz [verborgen ist]
amṛtam ca goṣu
und den Nektar [die Milch] in den Kühen
bhuvi annam
die Nahrung in der Erde
ambu-udyamane ca vṛttim
und den Lebensunterhalt im Schöpfen von Wasser
yogaiḥ
durch [geeignete] Methoden
manuṣyāḥ adhiyanti hi tvām
die Menschen erkennen wahrlich dich
guṇeṣu
in den [materiellen] Erscheinungsweisen
buddhyā
durch [ihren] Verstand
kavayaḥ vadanti
die Weisen erklären

taṁ tvāṁ vayaṁ nātha samujjihānaṁ sarojanābhāticirepsitārtham dṛṣṭvā gatā nirvṛtam adya sarve gajā davārtā iva gāṅgam ambhaḥ

Dich, o Herr (Lotosnabeliger), den wir gerade jetzt emporsteigen sehen – dich, dessen Erscheinen lange ersehnt wurde – haben wir heute erblickt und sind alle zur Freude gelangt, so wie von Waldbrand gequälte Elefanten beim Erreichen des Gangeswassers.

Wort für Wort
tam tvām
dich, jenen
vayam
wir
nātha
o Herr
samujjihānam
der [du] emporkommst/erscheinst
saroja-nābha
o Lotosnabeliger
ati-cira-īpsita-artham
dich, dessen [Erscheinen] lange ersehnt wurde
dṛṣṭvā
nachdem wir gesehen haben
gatāḥ nirvṛtam
gelangt zur Freude
adya sarve
heute alle
gajāḥ
Elefanten
dava-artāḥ
von Waldbrand gequält
iva gāṅgam ambhaḥ
wie [beim Erreichen] des Gangeswassers

sa tvaṁ vidhatsvākhila-loka-pālā vayaṁ yad-arthās tava pāda-mūlam samāgatās te bahir-antar-ātman kiṁ vānya-vijñāpyam aśeṣa-sākṣiṇaḥ

So bestimme du denn, o Beschützer aller Welten, für uns, was zu tun ist – wir, deren Ziel dies ist, weswegen wir zu deinen Lotosfüßen gekommen sind, o du, der du innen und außen die Seele von allem bist. Was gäbe es sonst noch, das dir, dem Allzeugen, von jemand anderem mitzuteilen wäre?

Wort für Wort
saḥ tvam
du, jener
vidhatsva
bestimme
akhila-loka-pālāḥ
[wir,] die Hüter aller Welten [Anrede: o Beschützer aller Welten]
vayam yad-arthāḥ
wir, deren Ziel dies ist
tava pāda-mūlam
zu deinen Lotosfüßen
samāgatāḥ
gekommen
te
dir
bahiḥ-antaḥ-ātman
o du, [der] innen und außen das Selbst [von allem bist]
kim vā anya-vijñāpyam
was [gäbe es], das von einem anderen mitzuteilen wäre
aśeṣa-sākṣiṇaḥ
dir, dem Allzeugen

ahaṁ giritraś ca surādayo ye dakṣādayo 'gner iva ketavas te kiṁ vā vidāmeśa pṛthag vibhātā vidhatsva śaṁ no dvija-deva-mantram

Ich (Brahmā), Giritra (Śiva) und die Götter und anderen, wie Dakṣa und die übrigen – wir sind wie Funken des einen Feuers. Was könnten wir denn wissen, o Herr, die wir scheinbar gesondert erscheinen? Gewähre uns Wohlergehen durch deinen Ratschluss für die Zweifachgeborenen und die Götter.

Wort für Wort
aham
ich
giritraḥ ca
und Giritra (Śiva)
sura-ādayaḥ ye
und die Götter und die anderen
dakṣa-ādayaḥ
Dakṣa und die anderen
agneḥ iva ketavaḥ te
wir sind wie Funken des Feuers
kim vā vidāma īśa
was könnten wir wissen, o Herr
pṛthak vibhātāḥ
die wir gesondert erscheinen
vidhatsva śam naḥ
gewähre uns Wohl
dvija-deva-mantram
den Ratschluss für die Zweifachgeborenen und die Götter

evaṁ viriñcādibhir īḍitas tad vijñāya teṣāṁ hṛdayaṁ yathaiva jagāda jīmūta-gabhīrayā girā baddhāñjalīn saṁvṛta-sarva-kārakān

So von Viriñca (Brahmā) und den anderen gepriesen, erkannte der Herr deren Herzenswunsch, genau wie er war, und sprach mit einer Stimme, tief wie der Donner der Gewitterwolken, zu ihnen, die mit gefalteten Händen dastanden und alle ihre Sinne gezügelt hielten.

Wort für Wort
evam
so
viriñca-ādibhiḥ
von Viriñca (Brahmā) und den anderen
īḍitaḥ
gepriesen
tat vijñāya
dies erkennend
teṣām hṛdayam
ihr Herz [ihren Wunsch]
yathā eva
genau so, wie es war
jagāda
sprach
jīmūta-gabhīrayā girā
mit einer Stimme, tief wie [der Donner der] Gewitterwolken
baddha-añjalīn
zu denen mit gefalteten Händen
saṁvṛta-sarva-kārakān
die alle ihre Sinnesorgane gezügelt hielten

eka eveśvaras tasmin sura-kārye sureśvaraḥ vihartu-kāmas tān āha samudronmathanādibhiḥ

Der eine, alleinige Herrscher, der Herr der Götter, der in jener Angelegenheit der Götter wirken wollte, sprach zu ihnen, beginnend mit dem Vorschlag des Aufquirlens des Ozeans.

Wort für Wort
ekaḥ eva īśvaraḥ
der eine, alleinige Herrscher
tasmin sura-kārye
in jener Angelegenheit der Götter
sura-īśvaraḥ
der Herr der Götter
vihartu-kāmaḥ
wünschend zu wirken/zu handeln
tān āha
sprach zu ihnen
samudra-unmathana-ādibhiḥ
mit [Worten,] beginnend mit dem Aufquirlen des Ozeans

hanta brahmann aho śambho he devā mama bhāṣitam śṛṇutāvahitāḥ sarve śreyo vaḥ syād yathā surāḥ

Wohlan, o Brahmā! Ei, o Śambhu! O ihr Götter! Hört alle aufmerksam meine Worte, o Götter, auf dass euch Heil widerfahre.

Wort für Wort
hanta
wohlan!
brahman
o Brahmā
aho śambho
ei, o Śambhu
he devāḥ
o ihr Götter
mama bhāṣitam
meine Worte
śṛṇuta avahitāḥ
hört aufmerksam
sarve
alle
śreyaḥ vaḥ syāt yathā
auf dass euch Heil widerfahre
surāḥ
o Götter

yāta dānava-daiteyais tāvat sandhir vidhīyatām kālenānugṛhītais tair yāvad vo bhava ātmanaḥ

Geht [zu den Dämonen]! Solange schließt ein Bündnis mit den Dānavas und Daityas, die gegenwärtig von der Zeit begünstigt sind – solange, bis euer eigenes Anliegen erreicht ist.

Wort für Wort
yāta
geht
dānava-daiteyaiḥ
mit den Dānavas und Daityas
tāvat
so lange
sandhiḥ vidhīyatām
möge ein Bündnis geschlossen werden
kālena anugṛhītaiḥ
die von der Zeit begünstigt sind
taiḥ
mit jenen
yāvat vaḥ bhavaḥ ātmanaḥ
solange, bis euer eigenes Anliegen erreicht ist

arayo 'pi hi sandheyāḥ sati kāryārtha-gaurave ahi-mūṣikavad devā hy arthasya padavīṁ gataiḥ

Auch Feinde sollen wahrlich in ein Bündnis eingebunden werden, wenn das Gewicht einer wichtigen Sache dies erfordert – wie im Gleichnis von Schlange und Maus, o Götter, wenn sie den Weg eines gemeinsamen Nutzens eingeschlagen haben.

Wort für Wort
arayaḥ api hi
auch Feinde wahrlich
sandheyāḥ
sollen [in ein Bündnis] eingebunden werden
sati kārya-artha-gaurave
wenn das Gewicht einer [wichtigen] Sache vorhanden ist
ahi-mūṣikavat
wie [im Gleichnis von] Schlange und Maus
devāḥ
o Götter
hi
wahrlich
arthasya padavīm gataiḥ
mit [jenen,] die den Weg des gemeinsamen Nutzens eingeschlagen haben

amṛtotpādane yatnaḥ kriyatām avilambitam yasya pītasya vai jantur mṛtyu-grasto 'maro bhavet

Möge unverzüglich Anstrengung zur Hervorbringung des Nektars unternommen werden, durch dessen Trinken wahrlich selbst ein vom Tod ergriffenes Lebewesen unsterblich würde.

Wort für Wort
amṛta-utpādane
bei der Hervorbringung des Nektars
yatnaḥ kriyatām
möge Anstrengung unternommen werden
avilambitam
unverzüglich
yasya pītasya
von dem, wenn es getrunken ist
vai
wahrlich
jantuḥ
ein Lebewesen
mṛtyu-grastaḥ
vom Tod ergriffen
amaraḥ bhavet
würde unsterblich werden

kṣiptvā kṣīrodadhau sarvā vīrut-tṛṇa-latauṣadhīḥ manthānaṁ mandaraṁ kṛtvā netraṁ kṛtvā tu vāsukim

Werft alle Schlingpflanzen, Gräser, Kletterpflanzen und Kräuter in den Milchozean, macht den Berg Mandara zum Quirlstab und Vāsuki zum Quirlseil,

Wort für Wort
kṣiptvā
nachdem [ihr] geworfen habt
kṣīra-udadhau
in den Milchozean
sarvāḥ
alle
vīrut-tṛṇa-latā-oṣadhīḥ
Schlingpflanzen, Gräser, Kletterpflanzen und Kräuter
manthānam mandaram kṛtvā
den Berg Mandara zum Quirlstab gemacht habend
netram kṛtvā tu vāsukim
und Vāsuki zum Quirlseil gemacht habend

sahāyena mayā devā nirmanthadhvam atandritāḥ kleśa-bhājo bhaviṣyanti daityā yūyaṁ phala-grahāḥ

Quirlt, o Götter, unermüdlich mit mir als Helfer; die Daityas werden dabei nur die Mühsal erhalten, ihr aber werdet die Frucht des Ergebnisses empfangen.

Wort für Wort
sahāyena mayā
mit mir als Helfer
devāḥ
o Götter
nirmanthadhvam
quirlt
atandritāḥ
unermüdlich
kleśa-bhājaḥ bhaviṣyanti
werden die Mühsal erhalten
daityāḥ
die Daityas
yūyam phala-grahāḥ
ihr [werdet] die Empfänger der Frucht [sein]

yūyaṁ tad anumodadhvaṁ yad icchanty asurāḥ surāḥ na saṁrambheṇa sidhyanti sarvārthāḥ sāntvayā yathā

Stimmt, o Götter, dem zu, was immer die Asuras wünschen; durch Zorn gelingen nicht alle Ziele, so wie sie durch besänftigende Worte gelingen.

Wort für Wort
yūyam tat anumodadhvam
stimmt dem zu
yat icchanti
was [immer] wünschen
asurāḥ
die Asuras
surāḥ
o Götter
na saṁrambheṇa sidhyanti
gelingen nicht durch Zorn
sarva-arthāḥ
alle Ziele
sāntvayā yathā
wie durch besänftigende [Worte]

na bhetavyaṁ kālakūṭād viṣāj jaladhi-sambhavāt lobhaḥ kāryo na vo jātu roṣaḥ kāmas tu vastuṣu

Vor dem Kālakūṭa-Gift, das aus dem Ozean entstehen wird, sollt ihr euch nicht fürchten; auch sollt ihr niemals Gier hegen, noch Zorn, noch Verlangen nach den dabei entstehenden Dingen.

Wort für Wort
na bhetavyam
es ist nicht zu fürchten
kālakūṭāt viṣāt
vor dem Kālakūṭa-Gift
jaladhi-sambhavāt
das aus dem Ozean entsteht
lobhaḥ na kāryaḥ
Gier soll nicht gehegt werden
vaḥ jātu
von euch jemals
roṣaḥ
Zorn
kāmaḥ tu vastuṣu
und Verlangen nach den [entstehenden] Dingen

iti devān samādiśya bhagavān puruṣottamaḥ teṣām antardadhe rājan svacchanda-gatir īśvaraḥ

So, nachdem er die Götter angewiesen hatte, verschwand der erhabene höchste Purusha, der Herrscher, der nach eigenem Willen kommt und geht, o König, vor ihren Augen.

Wort für Wort
iti
so
devān samādiśya
nachdem er die Götter angewiesen hatte
bhagavān puruṣottamaḥ
der erhabene höchste Purusha
teṣām antardadhe
verschwand vor ihnen
rājan
o König
svacchanda-gatiḥ
dessen Gang nach eigenem Willen geschieht
īśvaraḥ
der Herrscher

atha tasmai bhagavate namaskṛtya pitāmahaḥ bhavaś ca jagmatuḥ svaṁ svaṁ dhāmopeyur baliṁ surāḥ

Darauf, nachdem sie sich vor jenem Erhabenen verneigt hatten, gingen der Großvater (Brahmā) und Bhava (Śiva) beide zu ihrem jeweils eigenen Wohnsitz, und die Götter begaben sich zu Bali.

Wort für Wort
atha
darauf
tasmai bhagavate
vor jenem Erhabenen
namaskṛtya
nachdem sie sich verneigt hatten
pitāmahaḥ
der Großvater (Brahmā)
bhavaḥ ca
und Bhava (Śiva)
jagmatuḥ
die beiden gingen
svam svam dhāma
zu ihrem jeweils eigenen Wohnsitz
upeyuḥ balim
gingen zu Bali
surāḥ
die Götter

dṛṣṭvārīn apy asaṁyattān jāta-kṣobhān sva-nāyakān nyaṣedhad daitya-rāṭ ślokyaḥ sandhi-vigraha-kāla-vit

Als er sah, dass sogar die Feinde unvorbereitet zum Kampf waren, während seine eigenen Anführer schon in Aufruhr geraten waren, hielt der rühmenswerte König der Daityas (Bali), kundig der rechten Zeit für Bündnis und Krieg, sie zurück.

Wort für Wort
dṛṣṭvā
nachdem er gesehen hatte
arīn api
sogar die Feinde
asaṁyattān
unvorbereitet
jāta-kṣobhān
die in Aufruhr geraten waren
sva-nāyakān
seine eigenen Anführer
nyaṣedhat
hielt zurück
daitya-rāṭ
der König der Daityas (Bali)
ślokyaḥ
der Rühmenswerte
sandhi-vigraha-kāla-vit
kundig der rechten Zeit für Bündnis und Krieg

te vairocanim āsīnaṁ guptaṁ cāsura-yūthapaiḥ śriyā paramayā juṣṭaṁ jitāśeṣam upāgaman

Sie (die Götter) näherten sich Vairocani (Bali), der dort saß, umgeben von den Anführern der Asura-Scharen, ausgestattet mit höchster Pracht, er, der alles Übrige besiegt hatte.

Wort für Wort
te
sie
vairocanim
zu Vairocani (Bali)
āsīnam
der [dort] saß
guptam ca
und beschützt/umgeben
asura-yūthapaiḥ
von den Anführern der Asura-Scharen
śriyā paramayā juṣṭam
ausgestattet mit höchster Pracht
jita-aśeṣam
der alles Übrige besiegt hatte
upāgaman
näherten sich

mahendraḥ ślakṣṇayā vācā sāntvayitvā mahā-matiḥ abhyabhāṣata tat sarvaṁ śikṣitaṁ puruṣottamāt

Der große, kluge Indra, nachdem er ihn mit sanfter Rede besänftigt hatte, sprach zu ihm all das, was er vom Höchsten Purusha gelehrt worden war.

Wort für Wort
mahā-indraḥ
der große Indra
ślakṣṇayā vācā
mit sanfter Rede
sāntvayitvā
nachdem er besänftigt hatte
mahā-matiḥ
von großem Verstand
abhyabhāṣata
sprach
tat sarvam
all das
śikṣitam
was gelehrt worden war
puruṣottamāt
vom Höchsten Purusha

tat tv arocata daityasya tatrānye ye 'surādhipāḥ śambaro 'riṣṭanemiś ca ye ca tripura-vāsinaḥ

Das nun gefiel dem Daitya-König (Bali) und den anderen dort, die Anführer der Asuras waren – Śambara und Ariṣṭanemi und denen, die Bewohner von Tripura waren.

Wort für Wort
tat tu arocata
das nun gefiel
daityasya
dem Daitya[-König]
tatra anye ye
und den anderen dort
asura-adhipāḥ
die Anführer der Asuras
śambaraḥ ariṣṭanemiḥ ca
Śambara und Ariṣṭanemi
ye ca tripura-vāsinaḥ
und die Bewohner von Tripura

tato devāsurāḥ kṛtvā saṁvidaṁ kṛta-sauhṛdāḥ udyamaṁ paramaṁ cakrur amṛtārthe parantapa

Darauf trafen die Götter und Dämonen ein Übereinkommen, schlossen Freundschaft und unternahmen höchste Anstrengung für das Erlangen des Nektars, o Bezwinger der Feinde (Parīkṣit).

Wort für Wort
tataḥ
darauf
deva-asurāḥ
die Götter und Dämonen
kṛtvā saṁvidam
nachdem sie ein Übereinkommen getroffen hatten
kṛta-sauhṛdāḥ
die Freundschaft geschlossen hatten
udyamam paramam cakruḥ
unternahmen höchste Anstrengung
amṛta-arthe
für [das Erlangen] des Nektars
parantapa
o Bezwinger der Feinde

tataste mandara-girim ojasotpāṭya durmadāḥ nadanta udadhiṁ ninyuḥ śaktāḥ parigha-bāhavaḥ

Darauf rissen sie, die vor Kraft Übermütigen, mit gewaltiger Kraft den Berg Mandara aus und brachten ihn brüllend zum Ozean, sie, die Kräftigen, deren Arme stark wie eiserne Riegel waren.

Wort für Wort
tataḥ te
darauf sie
mandara-girim
den Berg Mandara
ojasā utpāṭya
mit Kraft ausreißend
durmadāḥ
die vor Kraft Übermütigen
nadantaḥ
brüllend
udadhim ninyuḥ
brachten zum Ozean
śaktāḥ
die Kräftigen
parigha-bāhavaḥ
deren Arme [stark] wie eiserne Riegel waren

dūra-bhārodvaha-śrāntāḥ śakra-vairocanādayaḥ apārayantas taṁ voḍhuṁ vivaśā vijahuḥ pathi

Erschöpft vom Tragen der schweren Last über die weite Strecke, unfähig, ihn weiter zu tragen, ließen Indra, Vairocani (Bali) und die anderen, hilflos geworden, den Berg auf dem Weg fallen.

Wort für Wort
dūra-bhāra-udvaha-śrāntāḥ
erschöpft vom Tragen der schweren Last über eine weite Strecke
śakra-vairocana-ādayaḥ
Indra, Vairocani (Bali) und die anderen
apārayantaḥ
unfähig [seiend]
tam voḍhum
ihn [den Berg] zu tragen
vivaśāḥ
hilflos
vijahuḥ pathi
ließen auf dem Weg fallen

nipatan sa giris tatra bahūn amara-dānavān cūrṇayām āsa mahatā bhāreṇa kanakācalaḥ

Jener goldene Berg, der dort herabfiel, zermalmte mit seinem gewaltigen Gewicht viele Götter und Dānavas – der Goldberg.

Wort für Wort
nipatan
herabfallend
saḥ giriḥ
jener Berg
tatra
dort
bahūn amara-dānavān
viele Götter und Dānavas
cūrṇayām āsa
zermalmte
mahatā bhāreṇa
mit gewaltigem Gewicht
kanaka-acalaḥ
der Goldberg

tāṁs tathā bhagna-manaso bhagna-bāhūru-kandharān vijñāya bhagavāṁs tatra babhūva garuḍa-dhvajaḥ

Als der Erhabene sie so erkannte – deren Mut gebrochen und deren Arme, Schenkel und Nacken gebrochen waren – erschien er dort, er, dessen Banner Garuḍa trägt.

Wort für Wort
tān tathā
sie so
bhagna-manasaḥ
deren Mut gebrochen war
bhagna-bāhu-ūru-kandharān
deren Arme, Schenkel und Nacken gebrochen waren
vijñāya
erkennend
bhagavān
der Erhabene
tatra babhūva
erschien dort
garuḍa-dhvajaḥ
der, dessen Banner Garuḍa ist

giri-pāta-viniṣpiṣṭān vilokyāmara-dānavān īkṣayā jīvayām āsa nirjarān nirvraṇān yathā

Als er die Götter und Dānavas erblickte, die durch das Herabfallen des Berges zerquetscht worden waren, machte er sie durch seinen bloßen Blick wieder lebendig, so als wären sie unversehrt und ohne Wunden.

Wort für Wort
giri-pāta-viniṣpiṣṭān
die vom Herabfallen des Berges zerquetscht worden waren
vilokya
erblickend
amara-dānavān
die Götter und Dānavas
īkṣayā
durch [seinen bloßen] Blick
jīvayām āsa
machte [er sie] lebendig
nirjarān
unversehrt/alterslos
nirvraṇān yathā
so als ob ohne Wunden

giriṁ cāropya garuḍe hastenaikena līlayā āruhya prayayāv abdhiṁ surāsura-gaṇair vṛtaḥ

Und nachdem er den Berg mit nur einer Hand mühelos auf Garuḍa gehoben hatte, bestieg er selbst Garuḍa und zog, umgeben von den Scharen der Götter und Dämonen, zum Ozean.

Wort für Wort
girim ca āropya
und nachdem er den Berg hinaufgehoben hatte
garuḍe
auf Garuḍa
hastena ekena
mit nur einer Hand
līlayā
mühelos, spielend
āruhya
nachdem er [selbst] bestiegen hatte
prayayau
zog [er] los
abdhim
zum Ozean
sura-asura-gaṇaiḥ vṛtaḥ
umgeben von den Scharen der Götter und Dämonen

avaropya giriṁ skandhāt suparṇaḥ patatāṁ varaḥ yayau jalānta utsṛjya hariṇā sa visarjitaḥ

Nachdem Suparṇa (Garuḍa), der Beste der Fliegenden, den Berg von seiner Schulter abgeladen und am Rand des Wassers abgesetzt hatte, zog er sich zurück, nachdem er von Hari entlassen worden war.

Wort für Wort
avaropya girim
nachdem er den Berg herabgesetzt hatte
skandhāt
von der Schulter
suparṇaḥ
Suparṇa (Garuḍa)
patatām varaḥ
der Beste der Fliegenden
yayau
zog fort
jala-ante utsṛjya
nachdem er [ihn] am Rand des Wassers abgesetzt hatte
hariṇā
von Hari
saḥ visarjitaḥ
er entlassen

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