Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 98: ṛṣabhadeva-putrānuśāsanam [?] Die Lehren Ṛṣabhadevas an Seine Söhne

ṛṣabha uvāca nāyaṁ deho deha-bhājāṁ nṛloke kaṣṭān kāmān arhate viḍ-bhujāṁ ye tapo divyaṁ putrakā yena sattvaṁ śuddhyed yasmād brahma-saukhyaṁ tv anantam

Ṛṣabha sprach: Dieser Körper ist unter den verkörperten Wesen in der Menschenwelt nicht dazu bestimmt, sich um jene mühevollen Sinnesgenüsse zu bemühen, welche [auch] den Kotfressern zuteilwerden. Göttliche Askese, oh meine Söhne, ist [das rechte Ziel], wodurch das Herz gereinigt wird und woraus unendliches, geistiges Glück [entspringt].

Wort für Wort
ṛṣabhaḥ
Ṛṣabha (Nom. Sg., Subjekt)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
na
nicht
ayam
dieser (Nom. Sg. m.)
dehaḥ
Körper (Nom. Sg.)
deha-bhājām
der Körperträger (Gen. Pl.)
nṛloke
in der Menschenwelt (Lok. Sg.)
kaṣṭān
mühevolle (Akk. Pl.)
kāmān
Begierden/Sinnesgenüsse (Akk. Pl.)
arhate
verdient/ist bestimmt für (3. Sg. Präs.)
viḍ-bhujām
der Kotfresser (Gen. Pl.)
ye
welche (Nom. Pl., relativisch)
tapaḥ
Askese (Nom. Sg.)
divyam
göttliche (Nom. Sg. Adj.)
putrakāḥ
oh Söhne (Vok. Pl.)
yena
wodurch (Instr. Sg.)
sattvam
das Wesen/Herz (Nom. Sg.)
śuddhyet
möge gereinigt werden (3. Sg. Opt.)
yasmāt
woraus (Abl. Sg.)
brahma-saukhyam
geistiges Glück (Nom. Sg.)
tu
aber/wahrlich
anantam
unendliches (Nom. Sg. Adj.)

arhate wörtlich 'ist wert/verdient (etwas)'; das Prädikat des zweiten Satzabschnitts (tapaḥ ...) ist elliptisch und sinngemäß ergänzt.

mahat-sevāṁ dvāram āhur vimuktes tamo-dvāraṁ yoṣitāṁ saṅgi-saṅgam mahāntas te sama-cittāḥ praśāntā vimanyavaḥ suhṛdaḥ sādhavo ye

Den Dienst an den Großen nennt man das Tor zur Befreiung; die Gesellschaft derer, die an Frauen hängen, [nennt man] das Tor zur Finsternis. Jene Großen sind von gleichmütigem Sinn, befriedet, frei von Zorn, wohlgesinnt und tugendhaft – das sind sie, die 'die Großen' [genannt werden].

Wort für Wort
mahat-sevām
Dienst an den Großen (Akk. Sg.)
dvāram
Tor (Akk. Sg.)
āhuḥ
sie nennen (3. Pl. Perf.)
vimukteḥ
der Befreiung (Gen. Sg.)
tamaḥ-dvāram
Tor zur Finsternis (Akk. Sg.)
yoṣitām
der Frauen (Gen. Pl.)
saṅgi-saṅgam
Gesellschaft der Anhaftenden (Akk. Sg.)
mahāntaḥ
die Großen (Nom. Pl.)
te
sie/jene (Nom. Pl.)
sama-cittāḥ
von gleichmütigem Sinn (Nom. Pl.)
praśāntāḥ
befriedet (Nom. Pl.)
vimanyavaḥ
frei von Zorn (Nom. Pl.)
suhṛdaḥ
Wohlgesinnte (Nom. Pl.)
sādhavaḥ
Tugendhafte (Nom. Pl.)
ye
die welche (Nom. Pl., relativisch)

ye vā mayīśe kṛta-sauhṛdārthā janeṣu dehambhara-vārtikeṣu gṛheṣu jāyātmaja-rātimatsu na prīti-yuktā yāvad-arthāś ca loke

Diejenigen aber, die es sich zum Ziel gemacht haben, Zuneigung zu Mir, dem Herrn, zu entwickeln, hängen nicht an Menschen, die nur mit der Erhaltung des Körpers beschäftigt sind, noch an Häusern, die Gattin, Kinder und Verwandte enthalten; und in der Welt begnügen sie sich mit dem, was gerade nötig ist.

Wort für Wort
ye
die welche (Nom. Pl.)
vā
aber/oder
mayi
in mir (Lok. Sg.)
īśe
dem Herrn (Lok. Sg., Apposition)
kṛta-sauhṛda-arthāḥ
die Zuneigung zum Ziel gemacht haben (Nom. Pl.)
janeṣu
unter den Menschen (Lok. Pl.)
dehambhara-vārtikeṣu
die nur den Körper erhalten (Lok. Pl.)
gṛheṣu
an den Häusern (Lok. Pl.)
jāyātmaja-rātimatsu
mit Gattin, Kindern, Verwandten (Lok. Pl.)
na
nicht
prīti-yuktāḥ
mit Zuneigung verbunden (Nom. Pl.)
yāvad-arthāḥ
nur so viel wie nötig besitzend (Nom. Pl.)
ca
und
loke
in der Welt (Lok. Sg.)

nūnaṁ pramattaḥ kurute vikarma yad indriya-prītaya āpṛṇoti na sādhu manye yata ātmano 'yam asann api kleśada āsa dehaḥ

Fürwahr, verblendet begeht [der Mensch] verbotene Taten, wenn er sich der Sinnesbefriedigung widmet. Ich halte das nicht für recht, denn dieser Körper, obwohl [in Wahrheit] unwirklich für das Selbst, ist zur Quelle des Leidens geworden.

Wort für Wort
nūnam
fürwahr/gewiss
pramattaḥ
der Verblendete (Nom. Sg.)
kurute
tut (3. Sg. Präs. Med.)
vikarma
verbotene Tat (Akk. Sg.)
yat
wenn/weil
indriya-prītaye
zur Sinnesbefriedigung (Dat. Sg.)
āpṛṇoti
er widmet sich (3. Sg. Präs.)
na
nicht
sādhu
recht/gut (Adv./Prädikativ)
manye
ich halte für (1. Sg. Präs.)
yataḥ
weil/wodurch
ātmanaḥ
des Selbst (Gen. Sg.)
ayam
dieser (Nom. Sg.)
asan
unwirklich seiend (Nom. Sg. Part.)
api
obwohl
kleśadaḥ
Leid gebend (Nom. Sg.)
āsa
wurde/ward (3. Sg. Perf.)
dehaḥ
der Körper (Nom. Sg.)

parābhavas tāvad abodha-jāto yāvan na jijñāsata ātma-tattvam yāvat kriyās tāvad idaṁ mano vai karmātmakaṁ yena śarīra-bandhaḥ

Solange man nicht nach der Wahrheit des Selbst zu erkennen sucht, solange währt das aus Unwissenheit entstandene Unterliegen [im Daseinskampf]. Solange Handlungen [bestehen], solange ist dieser Geist wahrlich von Werk durchdrungen, wodurch die Bindung an den Körper [entsteht].

Wort für Wort
parābhavaḥ
Niederlage/Unterliegen (Nom. Sg.)
tāvat
solange
abodha-jātaḥ
aus Unwissenheit entstanden (Nom. Sg.)
yāvat
solange als
na
nicht
jijñāsate
er sucht zu erkennen (3. Sg. Präs. Med.)
ātma-tattvam
die Wahrheit des Selbst (Akk. Sg.)
kriyāḥ
Handlungen (Nom. Pl.)
idam
dieser (Nom. Sg.)
manaḥ
Geist (Nom. Sg.)
vai
wahrlich
karma-ātmakam
aus Werk bestehend (Nom. Sg.)
yena
wodurch (Instr. Sg.)
śarīra-bandhaḥ
Bindung an den Körper (Nom. Sg.)

evaṁ manaḥ karma-vaśaṁ prayuṅkte avidyayātmany upadhīyamāne prītir na yāvan mayi vāsudeve na mucyate deha-yogena tāvat

So gerät der Geist unter die Macht des Werks, während [das Selbst] durch Unwissenheit überlagert wird. Solange keine Liebe zu Mir, Vāsudeva, [entsteht], so lange wird man nicht von der Verbindung mit dem Körper befreit.

Wort für Wort
evam
so
manaḥ
der Geist (Nom. Sg.)
karma-vaśam
unter die Macht des Werks (Akk. Sg.)
prayuṅkte
gerät/setzt sich ein (3. Sg. Präs. Med.)
avidyayā
durch Unwissenheit (Instr. Sg.)
ātmani
im Selbst (Lok. Sg.)
upadhīyamāne
während überlagert wird (Lok. Sg. Part. Präs. Pass.)
prītiḥ
Liebe (Nom. Sg.)
na
nicht
yāvat
solange
mayi
zu mir (Lok. Sg.)
vāsudeve
Vāsudeva (Lok. Sg., Apposition)
mucyate
wird befreit (3. Sg. Präs. Pass.)
deha-yogena
durch Verbindung mit dem Körper (Instr. Sg.)
tāvat
so lange

yadā na paśyaty ayathā guṇehāṁ svārthe pramattaḥ sahasā vipaścit gata-smṛtir vindati tatra tāpān āsādya maithunyam agāram ajñaḥ

Wenn selbst der Gelehrte, verblendet im eigenen Interesse, das unrichtige Streben nach den Sinnesobjekten nicht [als solches] erkennt, verliert er plötzlich die Besinnung; als Unwissender findet er, nachdem er sich ein auf Paarung gegründetes Heim erworben hat, dort [nur] Qualen.

Wort für Wort
yadā
wenn
na
nicht
paśyati
er erkennt (3. Sg. Präs.)
ayathā
unrichtig/sinnlos
guṇa-īhām
das Streben nach den Sinnesqualitäten (Akk. Sg.)
sva-arthe
im eigenen Interesse (Lok. Sg.)
pramattaḥ
verblendet (Nom. Sg.)
sahasā
plötzlich
vipaścit
der Gelehrte (Nom. Sg.)
gata-smṛtiḥ
die Besinnung verloren habend (Nom. Sg.)
vindati
er findet (3. Sg. Präs.)
tatra
dort
tāpān
Qualen (Akk. Pl.)
āsādya
nachdem er erlangt hat (Gerundium)
maithunyam
auf Paarung gegründet (Akk. Sg.)
agāram
Heim (Akk. Sg.)
ajñaḥ
der Unwissende (Nom. Sg.)

puṁsaḥ striyā mithunī-bhāvam etaṁ tayor mitho hṛdaya-granthim āhuḥ ato gṛha-kṣetra-sutāpta-vittair janasya moho 'yam ahaṁ mameti

Diesen Zustand der Paarung des Mannes mit der Frau nennt man den gegenseitigen Herzensknoten der beiden. Daher [entsteht] durch Haus, Feld, Kinder, Verwandte und Reichtum die Verblendung des Menschen, [ausgedrückt] als 'ich' und 'mein'.

Wort für Wort
puṁsaḥ
des Mannes (Gen. Sg.)
striyā
mit der Frau (Instr. Sg.)
mithunī-bhāvam
den Zustand der Paarung (Akk. Sg.)
etam
diesen (Akk. Sg.)
tayoḥ
der beiden (Gen. Du.)
mithaḥ
gegenseitig
hṛdaya-granthim
den Herzensknoten (Akk. Sg.)
āhuḥ
sie nennen (3. Pl. Perf.)
ataḥ
daher
gṛha-kṣetra-suta-āpta-vittaiḥ
durch Haus, Feld, Kinder, Verwandte, Reichtum (Instr. Pl.)
janasya
des Menschen (Gen. Sg.)
mohaḥ
Verblendung (Nom. Sg.)
ayam
diese (Nom. Sg.)
aham
ich (Nom. Sg.)
mama
mein (Gen. Sg.)
iti
so (Zitatpartikel)

yadā mano-hṛdaya-granthir asya karmānubaddho dṛḍha āślatheta tadā janaḥ samparivartate 'smād muktaḥ paraṁ yāty atihāya hetum

Wenn sich der feste, durch Werk gebundene Geist-Herz-Knoten dieses [Menschen] lockert, dann wendet sich der Mensch von diesem [Zustand] ab; befreit geht er, nachdem er die Ursache überwunden hat, zum Höchsten.

Wort für Wort
yadā
wenn
manaḥ-hṛdaya-granthiḥ
der Geist-Herz-Knoten (Nom. Sg.)
asya
dieses (Gen. Sg.)
karma-anubaddhaḥ
durch Werk gebunden (Nom. Sg.)
dṛḍhaḥ
fest (Nom. Sg.)
āślatheta
möge sich lockern (3. Sg. Opt.)
tadā
dann
janaḥ
der Mensch (Nom. Sg.)
samparivartate
wendet sich ab (3. Sg. Präs. Med.)
asmāt
von diesem (Abl. Sg.)
muktaḥ
befreit (Nom. Sg.)
param
zum Höchsten (Akk. Sg.)
yāti
er geht (3. Sg. Präs.)
atihāya
nachdem er überschritten hat (Gerundium)
hetum
die Ursache (Akk. Sg.)

haṁse gurau mayi bhaktyānuvṛtyā vitṛṣṇayā dvandva-titikṣayā ca sarvatra jantor vyasanāvagatyā jijñāsayā tapasehā-nivṛttyā mat-karmabhir mat-kathayā ca nityaṁ mad-deva-saṅgād guṇa-kīrtanān me nirvaira-sāmyopaśamena putrā jihāsayā deha-gehātma-buddheḥ adhyātma-yogena vivikta-sevayā prāṇendriyātmābhijayena sadhryak sac-chraddhayā brahmacaryeṇa śaśvad asampramādena yamena vācām sarvatra mad-bhāva-vicakṣaṇena jñānena vijñāna-virājitena yogena dhṛty-udyama-sattva-yukto liṅgaṁ vyapohet kuśalo 'ham-ākhyam

Durch Hingabe an den Paramahaṁsa, den geistigen Lehrer, [der Mir gleich ist], durch [beständiges] Folgen, durch Freiheit von Begierde und durch das Ertragen der Gegensatzpaare, durch das überall [geübte] Erkennen des Elends der Lebewesen, durch das Verlangen zu erkennen und durch Askese, [verbunden] mit dem Aufgeben des [weltlichen] Strebens (10) – durch Taten für Mich und durch beständige Erzählungen über Mich, durch die Gemeinschaft mit Meinen Anhängern und durch das Besingen Meiner Eigenschaften, oh Söhne, durch Feindlosigkeit, Gleichmut und Befriedung [des Zorns], durch das Verlangen, die Auffassung von Körper und Heim als Selbst aufzugeben (11) – durch geistige Schulung, durch das Aufsuchen der Einsamkeit, durch das vollständige Bezwingen von Lebensatem, Sinnen und Geist, durch aufrichtigen Glauben, durch beständige Keuschheit, durch Unachtsamkeitslosigkeit und durch Zügelung der Worte (12) – durch das überall [geübte] Erkennen Meiner Gegenwart, durch Wissen, das durch [praktische] Erkenntnis erleuchtet ist, [und] durch [diesen] Yoga, ausgestattet mit Standhaftigkeit, Eifer und Tatkraft, möge der Geschickte das 'Ich' genannte [Trugbild-]Kennzeichen abwerfen. (13)

Wort für Wort
haṁse
im Paramahaṁsa (Lok. Sg.)
gurau
im geistigen Lehrer (Lok. Sg.)
mayi
in mir (Lok. Sg.)
bhaktyā
durch Hingabe (Instr. Sg.)
anuvṛtyā
durch [beständiges] Folgen (Instr. Sg.)
vitṛṣṇayā
durch Freiheit von Begierde (Instr. Sg.)
dvandva-titikṣayā
durch Ertragen der Gegensatzpaare (Instr. Sg.)
ca
und
sarvatra
überall
jantoḥ
des Lebewesens (Gen. Sg.)
vyasana-avagatyā
durch Erkennen des Elends (Instr. Sg.)
jijñāsayā
durch das Verlangen zu erkennen (Instr. Sg.)
tapasā
durch Askese (Instr. Sg.)
īhā-nivṛttyā
durch das Aufgeben des Strebens (Instr. Sg.)
mat-karmabhiḥ
durch Taten für mich (Instr. Pl.)
mat-kathayā
durch Rede über mich (Instr. Sg.)
nityam
beständig
mat-deva-saṅgāt
durch Gemeinschaft mit meinen Anhängern (Abl. Sg.)
guṇa-kīrtanāt
durch das Besingen der Eigenschaften (Abl. Sg.)
me
mein/von mir (Gen. Sg.)
nirvaira-sāmya-upaśamena
durch Feindlosigkeit, Gleichmut, Befriedung (Instr. Sg.)
putrāḥ
oh Söhne (Vok. Pl.)
jihāsayā
durch das Verlangen aufzugeben (Instr. Sg.)
deha-geha-ātma-buddheḥ
der Auffassung von Körper und Heim als Selbst (Gen. Sg.)
adhyātma-yogena
durch geistige Schulung (Instr. Sg.)
vivikta-sevayā
durch das Aufsuchen der Einsamkeit (Instr. Sg.)
prāṇa-indriya-ātma-abhijayena
durch Bezwingen von Lebensatem, Sinnen, Geist (Instr. Sg.)
sadhryak
vollständig
sat-śraddhayā
durch aufrichtigen Glauben (Instr. Sg.)
brahmacaryeṇa
durch Keuschheit (Instr. Sg.)
śaśvat
beständig
asampramādena
durch Unachtsamkeitslosigkeit (Instr. Sg.)
yamena
durch Zügelung (Instr. Sg.)
vācām
der Worte (Gen. Pl.)
mat-bhāva-vicakṣaṇena
durch Erkennen meiner Gegenwart (Instr. Sg.)
jñānena
durch Wissen (Instr. Sg.)
vijñāna-virājitena
durch praktische Erkenntnis erleuchtet (Instr. Sg.)
yogena
durch Yoga (Instr. Sg.)
dhṛti-udyama-sattva-yuktaḥ
mit Standhaftigkeit, Eifer, Tatkraft ausgestattet (Nom. Sg.)
liṅgam
das Kennzeichen (Akk. Sg.)
vyapohet
möge abwerfen (3. Sg. Opt.)
kuśalaḥ
der Geschickte (Nom. Sg.)
aham-ākhyam
das 'Ich' genannte (Akk. Sg.)

Vier Verse bilden eine einzige, fortlaufende Satzperiode (Aufzählung der Mittel, deren Frucht erst in Vers 13 mit 'vyapohet' erscheint); daher hier als eine Einheit übersetzt.

karmāśayaṁ hṛdaya-granthi-bandham avidyayāsāditam apramattaḥ anena yogena yathopadeśaṁ samyag vyapohyoparameta yogāt

Die durch Unwissenheit hervorgebrachte Fessel des Herzensknotens, [nämlich] die Neigung zu Werken, möge der Wachsame durch diesen Yoga, gemäß der Unterweisung, vollständig abwerfen – und [danach] auch vom Yoga selbst ablassen.

Wort für Wort
karma-āśayam
die Neigung zu Werken (Akk. Sg.)
hṛdaya-granthi-bandham
die Fessel des Herzensknotens (Akk. Sg.)
avidyayā
durch Unwissenheit (Instr. Sg.)
āsāditam
hervorgebracht (Akk. Sg.)
apramattaḥ
der Wachsame (Nom. Sg.)
anena yogena
durch diesen Yoga (Instr. Sg.)
yathā-upadeśam
gemäß der Unterweisung
samyak
vollständig
vyapohya
nachdem er abgeworfen hat (Gerundium)
uparameta
möge ablassen (3. Sg. Opt.)
yogāt
vom Yoga (Abl. Sg.)

putrāṁś ca śiṣyāṁś ca nṛpo gurur vā mal-loka-kāmo mad-anugrahārthaḥ ittham vimanyur anuśiṣyād ataj-jñān na yojayet karmasu karma-mūḍhān kaṁ yojayan manujo 'rthaṁ labheta nipātayan naṣṭa-dṛśaṁ hi garte

Ein König oder Lehrer, der Mein Reich begehrt und dem Meine Gnade das Ziel ist, möge so, frei von Zorn, Söhne und Schüler, die diese Wahrheit nicht kennen, unterweisen; er möge die im Werk Verblendeten nicht [weiter] in [fruchtbringende] Werke verstricken. Welchen Nutzen sollte ein Mensch erlangen, der [jemanden] einsetzt und dabei einen Sehunfähigen in eine Grube stürzen lässt?

Wort für Wort
putrān
Söhne (Akk. Pl.)
ca
und
śiṣyān
Schüler (Akk. Pl.)
nṛpaḥ
ein König (Nom. Sg.)
guruḥ
ein Lehrer (Nom. Sg.)
vā
oder
mat-loka-kāmaḥ
der Mein Reich begehrt (Nom. Sg.)
mat-anugraha-arthaḥ
dem meine Gnade Ziel ist (Nom. Sg.)
ittham
so
vimanyuḥ
frei von Zorn (Nom. Sg.)
anuśiṣyāt
möge unterweisen (3. Sg. Opt.)
a-tat-jñān
die dies nicht kennen (Akk. Pl.)
na yojayet
möge nicht verstricken (3. Sg. Opt.)
karmasu
in Werke (Lok. Pl.)
karma-mūḍhān
die im Werk Verblendeten (Akk. Pl.)
kam
welchen (Akk. Sg.)
yojayan
einsetzend (Part. Präs. Nom. Sg.)
manujaḥ
ein Mensch (Nom. Sg.)
artham
Nutzen (Akk. Sg.)
labheta
möge erlangen (3. Sg. Opt.)
nipātayan
hinabstürzen lassend (Part. Präs. Nom. Sg.)
naṣṭa-dṛśam
einen Sehunfähigen (Akk. Sg.)
hi
denn
garte
in eine Grube (Lok. Sg.)

lokaḥ svayaṁ śreyasi naṣṭadṛṣṭir yo 'rthān samīheta nikāma-kāmaḥ anyonya-vairaḥ sukha-leśa-hetor ananta-duḥkhaṁ ca na veda mūḍhaḥ

Der Mensch, der selbst hinsichtlich seines [wahren] Heils die Sicht verloren hat und, von übermäßigem Verlangen erfüllt, nach [Sinnes-]Dingen strebt, [lebt] in gegenseitiger Feindschaft um eines winzigen Bruchteils an Glück willen; der Verblendete kennt das unendliche Leid [das daraus folgt] nicht.

Wort für Wort
lokaḥ
der Mensch (Nom. Sg.)
svayam
selbst
śreyasi
in Bezug auf das Heil (Lok. Sg.)
naṣṭa-dṛṣṭiḥ
der die Sicht verloren hat (Nom. Sg.)
yaḥ
der welcher (Nom. Sg.)
arthān
Sinnesdinge (Akk. Pl.)
samīheta
möge begehren (3. Sg. Opt.)
nikāma-kāmaḥ
von übermäßigem Verlangen erfüllt (Nom. Sg.)
anyonya-vairaḥ
in gegenseitiger Feindschaft (Nom. Sg.)
sukha-leśa-hetoḥ
um eines Bruchteils an Glück willen (Gen. Sg.)
ananta-duḥkham
unendliches Leid (Akk. Sg.)
ca
und/aber
na veda
kennt nicht (3. Sg. Perf.)
mūḍhaḥ
der Verblendete (Nom. Sg.)

kas taṁ svayaṁ tad-abhijño vipaścid avidyāyām antare vartamānam dṛṣṭvā punas taṁ saghṛṇaḥ kubuddhiṁ prayojayed utpathagaṁ yathāndham

Welcher Weise, der selbst dies erkennt, würde, nachdem er den Verirrten, [der] inmitten der Unwissenheit weilt, erblickt hat, ihn – voller Mitleid – [noch weiter] einsetzen, gleichwie man einen Blinden auf dem falschen Weg [gehen lässt]?

Wort für Wort
kaḥ
wer (Nom. Sg.)
tam
ihn (Akk. Sg.)
svayam
selbst
tat-abhijñaḥ
der dies erkennt (Nom. Sg.)
vipaścit
der Weise (Nom. Sg.)
avidyāyām antare
inmitten der Unwissenheit (Lok. Sg.)
vartamānam
befindlich (Akk. Sg. Part.)
dṛṣṭvā
nachdem er gesehen hat (Gerundium)
punaḥ
wieder
tam
ihn (Akk. Sg.)
sa-ghṛṇaḥ
voller Mitleid (Nom. Sg.)
ku-buddhim
den Übelgesinnten/Verirrten (Akk. Sg.)
prayojayet
würde einsetzen (3. Sg. Opt.)
utpatha-gam
auf falschem Weg gehend (Akk. Sg.)
yathā
wie
andham
einen Blinden (Akk. Sg.)

gurur na sa syātsvajano na sa syāt pitā na sa syājjananī na sā syāt daivaṁ na tatsyānna patiśca sa syān na mocayedyaḥ samupetamṛtyum

Wer nicht [einen anderen], der dem [wiederholten] Tod ausgesetzt ist, zu befreien vermag, der sollte weder ein Lehrer noch ein Verwandter sein, weder ein Vater noch eine Mutter, weder eine Gottheit noch auch ein Gatte.

Wort für Wort
guruḥ
ein Lehrer (Nom. Sg.)
na
nicht
saḥ
er (Nom. Sg.)
syāt
möge sein (3. Sg. Opt.)
sva-janaḥ
ein Verwandter (Nom. Sg.)
pitā
ein Vater (Nom. Sg.)
jananī
eine Mutter (Nom. Sg.)
sā
sie (Nom. Sg.)
daivam
eine Gottheit (Nom. Sg.)
tat
das (Nom. Sg.)
patiḥ
ein Gatte (Nom. Sg.)
ca
auch
mocayet
möge befreien (3. Sg. Opt.)
yaḥ
wer (Nom. Sg.)
samupeta-mṛtyum
einen, der dem Tod ausgesetzt ist (Akk. Sg.)

idaṁ śarīraṁ mama durvibhāvyaṁ sattvaṁ hi me hṛdayaṁ yatra dharmaḥ pṛṣṭhe kṛto me yadadharma ārād ato hi mām ṛṣabhaṁ prāhur āryāḥ

Dieser Mein Körper ist unbegreiflich; wahrlich, reines Sein ist Mein Herz, worin Rechtschaffenheit [wohnt]. Weil Ich das Unrecht weit von Mir gewiesen habe, darum nennen Mich die Edlen wahrlich 'Ṛṣabha' [den Besten].

Wort für Wort
idam
dieser (Nom. Sg.)
śarīram
Körper (Nom. Sg.)
mama
mein (Gen. Sg.)
durvibhāvyam
unbegreiflich (Nom. Sg.)
sattvam
reines Sein (Nom. Sg.)
hi
wahrlich
me
mein (Gen. Sg.)
hṛdayam
Herz (Nom. Sg.)
yatra
worin
dharmaḥ
Rechtschaffenheit (Nom. Sg.)
pṛṣṭhe
fern/auf den Rücken (Lok. Sg.)
kṛtaḥ
gemacht (Nom. Sg.)
me
von mir (Instr./Gen. Sg.)
yat
weil
adharmaḥ
Unrecht (Nom. Sg.)
ārāt
fern
ataḥ
daher
mām
mich (Akk. Sg.)
ṛṣabham
den Ṛṣabha/Besten (Akk. Sg.)
prāhuḥ
sie nennen (3. Pl. Perf.)
āryāḥ
die Edlen (Nom. Pl.)

tasmād bhavanto hṛdayena jātāḥ sarve mahīyāṁsam amuṁ sanābham akliṣṭabuddhyā bharataṁ bhajadhvaṁ śuśrūṣaṇaṁ tadbharaṇaṁ prajānām

Daher, ihr alle, die ihr aus [Meinem] Herzen geboren seid, dient mit ungetrübtem Verstand jenem erhabeneren [Bruder], eurem leiblichen Bruder Bharata; dieser Dienst [an ihm] ist [zugleich] die Erhaltung der Untertanen.

Wort für Wort
tasmāt
daher
bhavantaḥ
ihr (Nom. Pl.)
hṛdayena
aus dem Herzen (Instr. Sg.)
jātāḥ
geboren (Nom. Pl.)
sarve
alle (Nom. Pl.)
mahīyāṁsam
dem Erhabeneren (Akk. Sg.)
amum
jenem (Akk. Sg.)
sa-nābham
dem leiblichen Bruder (Akk. Sg.)
akliṣṭa-buddhyā
mit ungetrübtem Verstand (Instr. Sg.)
bharatam
Bharata (Akk. Sg.)
bhajadhvam
dient! (2. Pl. Imp.)
śuśrūṣaṇam
Dienst (Nom. Sg.)
tat
das (Nom. Sg.)
bharaṇam
Erhaltung (Nom. Sg.)
prajānām
der Untertanen (Gen. Pl.)

bhūteṣu vīrudbhya uduttamā ye sarīsṛpāsteṣu sabodhaniṣṭhāḥ tato manuṣyāḥ pramathāstato 'pi gandharvasiddhā vibudhānugā ye devāsurebhyo maghavatpradhānā dakṣādayo brahmasutāstu teṣām bhavaḥ paraḥ so 'tha viriñcavīryaḥ sa matparo 'haṁ dvijadevadevaḥ

Unter den Geschöpfen sind die, welche [Lebenskraft besitzen], den Pflanzen weit überlegen; die Kriechtiere [stehen höher] als diese, [und höher noch] die mit Bewusstsein ausgestatteten [Tiere]; höher als diese die Menschen, höher noch als diese die Unholde, [höher als diese wiederum] die Gandharvas und Siddhas, [und] die Kinnaras, die Gefolgsleute der Götter. (21) Über die Götter und Dämonen erhaben sind jene, angeführt von Indra – [nämlich] Dakṣa und die anderen Söhne Brahmās; über sie ist Śiva erhaben. Er [Śiva] aber [entstammt] der Zeugungskraft Brahmās; und dieser [Brahmā] ist Mir hingegeben. Ich [aber] bin der Gott der Zweifachgeborenen und der Götter [selbst]. (22)

Wort für Wort
bhūteṣu
unter den Geschöpfen (Lok. Pl.)
vīrudbhyaḥ
als die Pflanzen (Abl. Pl.)
uduttamāḥ
weit überlegen (Nom. Pl.)
ye
die welche (Nom. Pl.)
sarīsṛpāḥ
die Kriechtiere (Nom. Pl.)
teṣu
im Vergleich zu ihnen (Lok. Pl.)
sa-bodha-niṣṭhāḥ
die mit Bewusstsein ausgestatteten (Nom. Pl.)
tataḥ
als diese
manuṣyāḥ
die Menschen (Nom. Pl.)
pramathāḥ
die Unholde (Nom. Pl.)
tataḥ api
noch höher als diese
gandharva-siddhāḥ
die Gandharvas und Siddhas (Nom. Pl.)
vibudha-anugāḥ
die Gefolgsleute der Götter, Kinnaras (Nom. Pl.)
deva-asurebhyaḥ
als Götter und Dämonen (Abl. Pl.)
maghavat-pradhānāḥ
die mit Indra an der Spitze (Nom. Pl.)
dakṣa-ādayaḥ
Dakṣa und die übrigen (Nom. Pl.)
brahma-sutāḥ
Söhne Brahmās (Nom. Pl.)
tu
aber
teṣām
über diese (Gen. Pl.)
bhavaḥ
Śiva (Nom. Sg.)
paraḥ
erhaben/höher (Nom. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
atha
ferner
viriñca-vīryaḥ
aus Brahmās Zeugungskraft entstanden (Nom. Sg.)
mat-paraḥ
mir hingegeben (Nom. Sg.)
aham
ich (Nom. Sg.)
dvija-deva-devaḥ
der Gott der Zweifachgeborenen und Götter (Nom. Sg.)

Vers 22 ist syntaktisch dicht und lässt mehrere Lesarten zu; 'so 'tha viriñca-vīryaḥ' wurde hier als Aussage über Śiva (aus Brahmās Zeugungskraft entstanden) gedeutet, 'sa mat-paraḥ' als Aussage über Brahmā [?]. Alternative Deutung: beide Halbverse beziehen sich durchgehend auf Śiva. Mit [?] markiert.

na brāhmaṇais tulaye bhūtam anyat paśyāmi viprāḥ kim ataḥ paraṁ tu yasmin nṛbhiḥ prahutaṁ śraddhayāham aśnāmi kāmaṁ na tathāgni-hotre

Ich stelle kein anderes Wesen den Brahmanen gleich; oh Brahmanen, ich sehe [nichts], was höher wäre als dies. Was von Menschen mit Glauben [durch die Hand eines Brahmanen] dargebracht wird, das esse Ich gern – nicht ebenso [gern das, was] beim Feueropfer [dargebracht wird].

Wort für Wort
na
nicht
brāhmaṇaiḥ
mit den Brahmanen (Instr. Pl.)
tulaye
ich vergleiche (1. Sg. Präs. Med.)
bhūtam
ein Wesen (Akk. Sg.)
anyat
ein anderes (Akk. Sg.)
paśyāmi
ich sehe (1. Sg. Präs.)
viprāḥ
oh Brahmanen (Vok. Pl.)
kim
was
ataḥ param
höher als dies
tu
aber
yasmin
worin (Lok. Sg.)
nṛbhiḥ
von Menschen (Instr. Pl.)
prahutam
dargebracht (Akk. Sg.)
śraddhayā
mit Glauben (Instr. Sg.)
aham
ich (Nom. Sg.)
aśnāmi
ich esse (1. Sg. Präs.)
kāmam
gern (Adv.)
na tathā
nicht ebenso
agni-hotre
beim Feueropfer (Lok. Sg.)

dhṛtā tanūr uśatī me purāṇī yeneha sattvaṁ paramaṁ pavitram śamo damaḥ satyam anugrahaś ca tapastitikṣānubhavaśca yatra

Angenommen habe Ich diese Meine reine, uralte Gestalt, wodurch hier [in der Welt] die höchste, reinste Erscheinungsweise der Güte [verkörpert ist] – worin Geistesruhe, Sinnenbeherrschung, Wahrhaftigkeit und Güte, Askese, Duldsamkeit und [unmittelbare] Erkenntnis wohnen.

Wort für Wort
dhṛtā
angenommen/getragen (Nom. Sg.)
tanūḥ
Gestalt (Nom. Sg.)
uśatī
rein/leuchtend (Nom. Sg.)
me
mein (Gen. Sg.)
purāṇī
uralt (Nom. Sg.)
yena
wodurch (Instr. Sg.)
iha
hier
sattvam
die Erscheinungsweise der Güte (Nom. Sg.)
paramam
höchste (Nom. Sg.)
pavitram
reinste (Nom. Sg.)
śamaḥ
Geistesruhe (Nom. Sg.)
damaḥ
Sinnenbeherrschung (Nom. Sg.)
satyam
Wahrhaftigkeit (Nom. Sg.)
anugrahaḥ
Güte (Nom. Sg.)
ca
und
tapaḥ
Askese (Nom. Sg.)
titikṣā
Duldsamkeit (Nom. Sg.)
anubhavaḥ
Erkenntnis (Nom. Sg.)
yatra
worin

Im Kontext der vorangehenden und folgenden Verse (Lob der Brahmanen) legt sich nahe, dass mit 'tanūḥ' der Brahmanenstand als Gestalt/Leib des Herrn gemeint ist; dies bleibt hier als Deutungsmöglichkeit markiert [?], da der Vers selbst dies nicht explizit macht.

matto 'py anantāt parataḥ parasmāt svargāpavargādhipater na kiñcit yeṣāṁ kim u syād itareṇa teṣām akiñcanānāṁ mayi bhakti-bhājām

Selbst von Mir, dem Grenzenlosen, höher als das Höchste, dem Herrn über Himmel und Erlösung, [gibt es] nichts [zu erlangen für die Brahmanen] – was also könnten die Besitzlosen, die an Mir Hingabe üben, mit irgendetwas anderem [anfangen]?

Wort für Wort
mattaḥ
von mir (Abl. Sg.)
api
selbst/sogar
anantāt
dem Grenzenlosen (Abl. Sg.)
parataḥ parasmāt
höher als das Höchste (Abl. Sg.)
svarga-apavarga-adhipateḥ
dem Herrn über Himmel und Erlösung (Abl. Sg.)
na kiñcit
nichts
yeṣām
derer (Gen. Pl.)
kim u
was denn
syāt
könnte sein (3. Sg. Opt.)
itareṇa
mit einem anderen (Instr. Sg.)
teṣām
für diese (Gen. Pl.)
akiñcanānām
der Besitzlosen (Gen. Pl.)
mayi
in mir (Lok. Sg.)
bhakti-bhājām
der Hingabe Teilhaftigen (Gen. Pl.)

sarvāṇi mad-dhiṣṇyatayā bhavadbhiś carāṇi bhūtāni sutā dhruvāṇi sambhāvitavyāni pade pade vo vivikta-dṛgbhis tad u hārhaṇaṁ me

Alle Wesen, ob beweglich oder unbeweglich, oh Söhne, sollen von euch, die ihr mit unterscheidendem Blick [versehen seid], bei jedem Schritt geachtet werden, da sie Mein Sitz sind – das eben ist wahrlich die Verehrung, [die ihr] Mir [erweist].

Wort für Wort
sarvāṇi
alle (Nom. Pl.)
mat-dhiṣṇyatayā
aufgrund des Mein-Sitzes-Seins (Instr. Sg.)
bhavadbhiḥ
von euch (Instr. Pl.)
carāṇi
die beweglichen (Nom. Pl.)
bhūtāni
Wesen (Nom. Pl.)
sutāḥ
oh Söhne (Vok. Pl.)
dhruvāṇi
die unbeweglichen (Nom. Pl.)
sambhāvitavyāni
sind zu achten (Nom. Pl., Gerundivum)
pade pade
bei jedem Schritt
vaḥ
von euch (Instr./Gen. Pl.)
vivikta-dṛgbhiḥ
mit unterscheidendem Blick (Instr. Pl.)
tat u ha
das eben wahrlich
arhaṇam
Verehrung (Nom. Sg.)
me
mir (Dat./Gen. Sg.)

mano-vaco-dṛk-karaṇehitasya sākṣāt-kṛtaṁ me paribarhaṇaṁ hi vinā pumān yena mahā-vimohāt kṛtānta-pāśān na vimoktum īśet

Das [rechte] Streben von Geist, Rede, Blick und den [übrigen] Sinnesorganen ist, unmittelbar [Mir] dargebracht, wahrlich Meine [rechte] Verehrung; ohne dies vermag ein Mensch sich nicht aus der großen Verblendung, aus der Schlinge des Todes[gottes], zu befreien.

Wort für Wort
manaḥ-vacaḥ-dṛk-karaṇa-īhitasya
des Strebens von Geist, Rede, Blick, Sinnesorganen (Gen. Sg.)
sākṣāt-kṛtam
unmittelbar dargebracht (Nom. Sg.)
me
mir (Gen./Dat. Sg.)
paribarhaṇam
Verehrung (Nom. Sg.)
hi
wahrlich
vinā
ohne
pumān
ein Mensch (Nom. Sg.)
yena
wodurch (Instr. Sg.)
mahā-vimohāt
aus der großen Verblendung (Abl. Sg.)
kṛtānta-pāśāt
aus der Schlinge des Todesgottes (Abl. Sg.)
na vimoktum
nicht zu befreien
īśet
vermöchte (3. Sg. Opt.)

śrī-śuka uvāca evam anuśāsyātmajān svayam anuśiṣṭān api lokānuśāsanārthaṁ mahānubhāvaḥ parama-suhṛd bhagavān ṛṣabhāpadeśa upaśama-śīlānām uparata-karmaṇāṁ mahāmunīnāṁ bhakti-jñāna-vairāgya-lakṣaṇaṁ pāramahaṁsya-dharmam upaśikṣamāṇaḥ sva-tanaya-śata-jyeṣṭhaṁ parama-bhāgavataṁ bhagavaj-jana-parāyaṇaṁ bharataṁ dharaṇi-pālanāyābhiṣicya svayaṁ bhavana evorvarita-śarīra-mātra-parigraha unmatta iva gagana-paridhānaḥ prakīrṇa-keśa ātmany āropitāhavanīyo brahmāvartāt pravavrāja

Śrī Śuka sprach: Nachdem Er so Seine Söhne unterwiesen hatte – obwohl sie selbst schon wohlunterrichtet waren, [geschah dies] nur, um die [übrige] Welt zu belehren –, Er, die erhabene Persönlichkeit, der höchste Wohltäter, der Erhabene, [unter dem Namen] Ṛṣabha bekannt, indem Er den großen, von Begierde freien und von [fruchtbringenden] Werken abgekehrten Weisen die durch Hingabe, Wissen und Loslösung gekennzeichnete Lebensweise der Paramahaṁsas lehrte, salbte Er Bharata, den ältesten Seiner hundert Söhne, den höchsten Gottgeweihten, ganz den Geweihten des Herrn ergeben, zur Herrschaft über die Erde; Er selbst aber, im eigenen Haus nur noch den bloßen Körper behaltend, zog wie ein Wahnsinniger, den Himmel als Gewand [tragend], mit zerzaustem Haar, das [heilige] Feuer in Sich selbst aufgenommen, von Brahmāvarta fort.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
evam
so
anuśāsya
nachdem er unterwiesen hatte (Gerundium)
ātma-jān
seine Söhne (Akk. Pl.)
svayam
selbst
anuśiṣṭān
wohlunterrichtet (Akk. Pl.)
api
obwohl
loka-anuśāsana-artham
um die Welt zu belehren
mahā-anubhāvaḥ
die erhabene Persönlichkeit (Nom. Sg.)
parama-suhṛt
der höchste Wohltäter (Nom. Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
ṛṣabha-apadeśaḥ
als Ṛṣabha bekannt (Nom. Sg.)
upaśama-śīlānām
der von Begierde Freien (Gen. Pl.)
uparata-karmaṇām
der von Werken Abgekehrten (Gen. Pl.)
mahā-munīnām
der großen Weisen (Gen. Pl.)
bhakti-jñāna-vairāgya-lakṣaṇam
durch Hingabe, Wissen, Loslösung gekennzeichnet (Akk. Sg.)
pāramahaṁsya-dharmam
die Lebensweise der Paramahaṁsas (Akk. Sg.)
upaśikṣamāṇaḥ
lehrend (Nom. Sg. Part.)
sva-tanaya-śata-jyeṣṭham
den ältesten seiner hundert Söhne (Akk. Sg.)
parama-bhāgavatam
den höchsten Gottgeweihten (Akk. Sg.)
bhagavat-jana-parāyaṇam
ganz den Geweihten des Herrn ergeben (Akk. Sg.)
bharatam
Bharata (Akk. Sg.)
dharaṇi-pālanāya
zur Herrschaft über die Erde
abhiṣicya
nachdem er gesalbt hatte (Gerundium)
svayam
selbst
bhavane eva
im eigenen Haus
urvarita-śarīra-mātra-parigrahaḥ
nur den bloßen Körper behaltend (Nom. Sg.)
unmattaḥ iva
wie ein Wahnsinniger
gagana-paridhānaḥ
den Himmel als Gewand tragend (Nom. Sg.)
prakīrṇa-keśaḥ
mit zerzaustem Haar (Nom. Sg.)
ātmani āropita-āhavanīyaḥ
das Opferfeuer in sich aufgenommen (Nom. Sg.)
brahmāvartāt
von Brahmāvarta (Abl. Sg.)
pravavrāja
er zog fort (3. Sg. Perf.)

Langer Prosa-Satz (Vers 28); die deutsche Wiedergabe folgt der Satzstruktur so eng wie im Deutschen möglich.

jaḍāndha-mūka-badhira-piśāconmādaka-vad-avadhūta-veṣo 'bhibhāṣyamāṇo 'pi janānāṁ gṛhīta-mauna-vratas tūṣṇīṁ babhūva

In der Gestalt eines Avadhūta, [erscheinend] wie ein Stumpfsinniger, ein Blinder, ein Stummer, ein Tauber, ein Gespenst oder ein Wahnsinniger, blieb Er, obwohl von den Menschen [immer wieder] angesprochen, [da Er] das Gelübde des Schweigens abgelegt hatte, still.

Wort für Wort
jaḍa
stumpfsinnig
andha
blind
mūka
stumm
badhira
taub
piśāca
ein Gespenst
unmādaka
ein Wahnsinniger
vat
wie
avadhūta-veṣaḥ
in der Gestalt eines Avadhūta (Nom. Sg.)
abhibhāṣyamāṇaḥ
angesprochen werdend (Nom. Sg. Part. Pass.)
api
obwohl
janānām
von den Menschen (Gen./Instr. Pl.)
gṛhīta
angenommen (Nom. Sg.)
mauna
des Schweigens
vrataḥ
das Gelübde (Nom. Sg.)
tūṣṇīm babhūva
er blieb still (3. Sg. Perf.)

tatra tatra pura-grāmākara-kheṭa-vāṭa-kharvaṭa-śibira-vraja-ghoṣa-sārtha-giri-vanāśramādiṣv anupatham avanicarāpasadaiḥ paribhūyamāno makṣikābhir iva vana-gajas tarjana-tāḍanāvamehana-ṣṭhīvana-grāva-śakṛd-rajaḥ-prakṣepa-pūti-vāta-duruktais tad avigaṇayann evāsat-saṁsthāna etasmin dehopalakṣaṇe sad-apadeśa ubhayānubhava-svarūpeṇa sva-mahimāvasthānenāsamāropitāhaṁ-mamābhimānatvād avikhaṇḍita-manāḥ pṛthivīm eka-caraḥ paribabhrāma

Hier und dort, in Städten, Dörfern, Bergwerksorten, Ackerbausiedlungen, Gärten, Taldörfern, Feldlagern, Kuhhürden, Hirtensiedlungen, Pilgerrastplätzen, Bergen, Wäldern, Einsiedeleien und dergleichen, wanderte Er auf den Pfaden entlang, von niederträchtigen Wegelagerern umringt wie ein Waldelefant von Fliegen – durch Drohungen, Schläge, Urinbespritzung, Anspucken, das Bewerfen mit Steinen, Kot und Staub sowie üble Schmähworte, all dies unbeachtet lassend; da Er sich hinsichtlich dieses Körpers, [der nur] ein äußeres Merkmal [des Selbst], eine für einen Edlen unwürdige Behausung ist, obgleich er als 'wirklich' bezeichnet wird, keine Vorstellung von 'Ich' und 'Mein' zueignete – kraft des Verweilens in Seiner eigenen Herrlichkeit, [erfahren] in der Wesensform, die beiderlei [Körper und Selbst] umfasst –, zog Er, ungebrochenen Geistes, allein über die ganze Erde umher.

Wort für Wort
tatra tatra
hier und dort
pura
Städte
grāma
Dörfer
ākara
Bergwerksorte
kheṭa
Ackerbausiedlungen
vāṭa
Gärten
kharvaṭa
Taldörfer
śibira
Feldlager
vraja
Kuhhürden
ghoṣa
Hirtensiedlungen
sārtha
Pilgerrastplätze
giri
Berge
vana
Wälder
āśrama
Einsiedeleien
ādiṣu
und dergleichen (Lok. Pl.)
anupatham
auf den Pfaden entlang
avanicara-apasadaiḥ
von niederträchtigen Wegelagerern (Instr. Pl.)
paribhūyamānaḥ
umringt werdend (Nom. Sg. Part. Pass.)
makṣikābhiḥ iva
wie von Fliegen
vana-gajaḥ
ein Waldelefant (Nom. Sg.)
tarjana
Drohungen
tāḍana
Schläge
avamehana
Urinbespritzung
ṣṭhīvana
Anspucken
grāva-śakṛt-rajaḥ-prakṣepa
das Bewerfen mit Steinen, Kot, Staub
pūti-vāta
übler Wind
duruktaiḥ
und Schmähworte (Instr. Pl.)
tat avigaṇayan
dies unbeachtet lassend (Part. Präs.)
asat-saṁsthāne
in unwürdiger Behausung (Lok. Sg.)
etasmin deha-upalakṣaṇe
in diesem Körper als Merkmal (Lok. Sg.)
sat-apadeśe
als 'wirklich' bezeichnet (Lok. Sg.)
ubhaya-anubhava-svarūpeṇa
durch die Wesensform, die beides erfährt (Instr. Sg.)
sva-mahimā-avasthānena
durch Verweilen in eigener Herrlichkeit (Instr. Sg.)
asamāropita-aham-mama-abhimānatvāt
weil er sich kein 'Ich und Mein' zueignete (Abl. Sg.)
avikhaṇḍita-manāḥ
ungebrochenen Geistes (Nom. Sg.)
pṛthivīm
über die Erde (Akk. Sg.)
eka-caraḥ
allein wandernd (Nom. Sg.)
paribabhrāma
er wanderte umher (3. Sg. Perf.)

Ein einziger, sehr langer Sanskrit-Satz mit zahlreichen Komposita; die deutsche Wiedergabe bemüht sich um Nachvollziehbarkeit, bleibt an manchen Stellen aber notwendig interpretierend [?].

ati-sukumāra-kara-caraṇor:sthala-vipula-bāhv-aṁsa-gala-vadanādy-avayava-vinyāsaḥ prakṛti-sundara-svabhāva-hāsa-sumukho nava-nalina-dalāyamāna-śiśira-tārāruṇāyata-nayana-ruciraḥ sadṛśa-subhaga-kapola-karṇa-kaṇṭha-nāso vigūḍha-smita-vadana-mahotsavena pura-vanitānāṁ manasi kusuma-śarāsanam upadadhānaḥ parāg-avalambamāna-kuṭila-jaṭila-kapiśa-keśa-bhūri-bhāro 'vadhūta-malina-nija-śarīreṇa graha-gṛhīta ivādṛśyata

Mit äußerst zarten Händen, Füßen, breiter Brust, langen Armen, Schultern, Hals und Antlitz und den übrigen Gliedern wohlgestaltet, von Natur aus schön mit einem von Natur lächelnden, schönen Antlitz, mit reizenden, wie frische Lotusblütenblätter [wirkenden], kühlen, von rötlichen Iriden [durchzogenen], weit geöffneten Augen, mit ebenmäßig schönen Wangen, Ohren, Hals und Nase – durch das Freudenfest Seines tief verborgenen, lächelnden Antlitzes weckte Er in den Herzen der Frauen der Stadt den Blumenpfeil-Bogen [des Liebesgottes]; [doch zugleich] mit einer gewaltigen Last von wirrem, verfilztem, braunem Haar, das nach hinten herabhing, erschien Er, in Seinem vernachlässigten, schmutzigen eigenen Leib, wie von einem Dämon besessen.

Wort für Wort
ati-sukumāra
äußerst zart
kara-caraṇa-uraḥ-sthala
Hände, Füße, Brust
vipula-bāhu-aṁsa-gala-vadana
lange Arme, Schultern, Hals, Antlitz
ādi-avayava-vinyāsaḥ
und die übrigen Glieder wohlgestaltet (Nom. Sg.)
prakṛti-sundara-svabhāva-hāsa-sumukhaḥ
von Natur schön, mit natürlich lächelndem Antlitz (Nom. Sg.)
nava-nalina-dala-āyamāna
wie frische Lotusblütenblätter wirkend
śiśira-tāra-aruṇa-āyata-nayana-ruciraḥ
mit kühlen, rötlichen, weiten, reizenden Augen (Nom. Sg.)
sadṛśa-subhaga-kapola-karṇa-kaṇṭha-nāsaḥ
mit ebenmäßig schönen Wangen, Ohren, Hals, Nase (Nom. Sg.)
vigūḍha-smita-vadana-mahā-utsavena
durch das Freudenfest des verborgenen, lächelnden Antlitzes (Instr. Sg.)
pura-vanitānām
der Frauen der Stadt (Gen. Pl.)
manasi
im Herzen (Lok. Sg.)
kusuma-śarāsanam
den Blumenpfeil-Bogen (Akk. Sg.)
upadadhānaḥ
weckend/hervorrufend (Nom. Sg. Part.)
parāk-avalambamāna
nach hinten herabhängend
kuṭila-jaṭila-kapiśa-keśa-bhūri-bhāraḥ
mit gewaltiger Last wirren, verfilzten, braunen Haars (Nom. Sg.)
avadhūta-malina-nija-śarīreṇa
mit vernachlässigtem, schmutzigem eigenem Leib (Instr. Sg.)
graha-gṛhītaḥ iva
wie von einem Dämon besessen
adṛśyata
er erschien (3. Sg. Impf. Pass.)

yarhi vāva sa bhagavān lokam imaṁ yogasyāddhā pratīpam ivācakṣāṇas tat-pratikriyā-karma bībhatsitam iti vratam ājagaram āsthitaḥ śayāna evāśnāti pibati khādaty avamehati hadati sma ceṣṭamāna uccarita ādigdhoddeśaḥ

Als der Erhabene sah, dass die Menschenwelt [Seiner] Yoga-Übung völlig feindlich gesinnt war, und da Er [jede] Gegenmaßnahme dafür für abstoßend hielt, nahm Er das Gelübde eines Python an: liegend nur aß, trank und kaute Er, ließ Er Urin und Kot ab, indem Er Sich [darin] wälzte, [Seinen] Körper mit [dem eigenen] Kot beschmiert.

Wort für Wort
yarhi vāva
als (temporal)
saḥ bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
lokam imam
diese Welt/Menschenwelt (Akk. Sg.)
yogasya
des Yoga (Gen. Sg.)
addhā
völlig/geradezu
pratīpam iva ācakṣāṇaḥ
als feindlich betrachtend (Nom. Sg. Part.)
tat-pratikriyā-karma
die Gegenmaßnahme dazu (Akk./Nom. Sg.)
bībhatsitam iti
für abstoßend haltend
vratam
das Gelübde (Akk. Sg.)
ājagaram
eines Python (Adj. Akk. Sg.)
āsthitaḥ
angenommen habend (Nom. Sg.)
śayānaḥ eva
nur liegend
aśnāti
er isst (3. Sg. Präs.)
pibati
er trinkt (3. Sg. Präs.)
khādati
er kaut (3. Sg. Präs.)
avamehati
er lässt Urin (3. Sg. Präs.)
hadati sma
er ließ Kot (3. Sg. Präs./Impf.)
ceṣṭamānaḥ
sich wälzend (Nom. Sg. Part.)
uccarite
im Kot (Lok. Sg.)
ādigdha-uddeśaḥ
[Seinen Körper] beschmiert habend (Nom. Sg.)

tasya ha yaḥ purīṣa-surabhi-saugandhya-vāyus taṁ deśaṁ daśa-yojanaṁ samantāt surabhiṁ cakāra

Der wohlriechende, duftende Wind Seines Kotes machte jenes Land ringsum auf zehn Yojanas [Entfernung] wohlriechend.

Wort für Wort
tasya
seines (Gen. Sg.)
ha
wahrlich
yaḥ
welcher (Nom. Sg.)
purīṣa-surabhi-saugandhya-vāyuḥ
der wohlriechende, duftende Wind des Kotes (Nom. Sg.)
tam deśam
jenes Land (Akk. Sg.)
daśa-yojanam
zehn Yojanas (Akk. Sg.)
samantāt
ringsum
surabhim
wohlriechend (Akk. Sg.)
cakāra
er machte (3. Sg. Perf.)

evaṁ go-mṛga-kāka-caryayā vrajaṁs tiṣṭhann āsīnaḥ śayānaḥ kāka-mṛga-go-caritaḥ pibati khādaty avamehati sma

So, nach der Lebensweise von Kühen, Rehen und Krähen, wandelnd, stehend, sitzend und liegend, [Sich] verhaltend wie Krähen, Rehe und Kühe, trank, aß und ließ Er Urin.

Wort für Wort
evam
so
go-mṛga-kāka-caryayā
nach der Lebensweise von Kühen, Rehen, Krähen (Instr. Sg.)
vrajan
wandelnd (Part. Präs. Nom. Sg.)
tiṣṭhan
stehend (Part. Präs. Nom. Sg.)
āsīnaḥ
sitzend (Nom. Sg.)
śayānaḥ
liegend (Nom. Sg.)
kāka-mṛga-go-caritaḥ
sich wie Krähen, Rehe, Kühe verhaltend (Nom. Sg.)
pibati
er trinkt (3. Sg. Präs.)
khādati
er isst (3. Sg. Präs.)
avamehati sma
er ließ Urin (3. Sg. Präs./Impf.)

iti nānā-yoga-caryācaraṇo bhagavān kaivalya-patir ṛṣabho 'virata-parama-mahānandānubhava ātmani sarveṣāṁ bhūtānām ātma-bhūte bhagavati vāsudeva ātmano 'vyavadhānānantarodara-bhāvena siddha-samastārtha-paripūrṇo yogaiśvaryāṇi vaihāyasa-mano-javāntardhāna-parakāya-praveśa-dūra-grahaṇādīni yadṛcchayopagatāni nāñjasā nṛpa hṛdayenābhyanandat

So, verschiedene Yoga-Übungen praktizierend, [Er,] der Erhabene, der Herr der Kaivalya[-Befreiung], Ṛṣabha, unaufhörlich die höchste, große Wonne erfahrend in der Seele, [die] das Selbst aller Wesen [ist], im Erhabenen, Vāsudeva – durch die Ununterschiedenheit [Seines Wesens von Ihm] und die endlose, alle Trennung überwindende Innigkeit [mit Ihm] völlig erfüllt mit allem, was an Vollkommenheit zu erlangen ist –, nahm die mystischen Yoga-Kräfte, [wie] das Fliegen im Himmelsraum, [die Geschwindigkeit] des Gedankens, das Verschwinden, das Eindringen in fremde Körper, das Wahrnehmen aus der Ferne und dergleichen, die sich [Ihm] von selbst darboten, o König, nicht unmittelbar in Seinem Herzen an.

Wort für Wort
iti
so
nānā-yoga-caryā-ācaraṇaḥ
verschiedene Yoga-Übungen praktizierend (Nom. Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
kaivalya-patiḥ
der Herr der Kaivalya (Nom. Sg.)
ṛṣabhaḥ
Ṛṣabha (Nom. Sg.)
avirata-parama-mahā-ānanda-anubhavaḥ
unaufhörlich höchste, große Wonne erfahrend (Nom. Sg.)
ātmani
in der Seele (Lok. Sg.)
sarveṣām bhūtānām
aller Wesen (Gen. Pl.)
ātma-bhūte
dem Selbst aller (Lok. Sg.)
bhagavati vāsudeve
im Erhabenen Vāsudeva (Lok. Sg.)
ātmanaḥ avyavadhāna-ananta-rodara-bhāvena
durch die Ununterschiedenheit und endlose Innigkeit des Selbst (Instr. Sg.)
siddha-samasta-artha-paripūrṇaḥ
erfüllt mit allem zu Erlangenden (Nom. Sg.)
yoga-aiśvaryāṇi
die Yoga-Kräfte (Akk. Pl.)
vaihāyasa
Fliegen im Himmelsraum
manaḥ-java
Geschwindigkeit des Gedankens
antardhāna
Verschwinden
parakāya-praveśa
Eindringen in fremde Körper
dūra-grahaṇa
Fernwahrnehmung
ādīni
und dergleichen (Akk. Pl.)
yadṛcchayā upagatāni
von selbst sich darbietend (Akk. Pl.)
na añjasā
nicht unmittelbar
nṛpa
o König (Vok. Sg.)
hṛdayena
im Herzen (Instr. Sg.)
abhyanandat
er begrüßte/schätzte (3. Sg. Impf.)

'nāñjasā ... hṛdayena abhyanandat' wörtlich 'begrüßte/hieß nicht unmittelbar im Herzen willkommen', hier sinngemäß als 'schätzte sie nicht' wiedergegeben.

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