Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 50: manu-kardama-saṁvādaḥ Gespräch zwischen Manu und Kardama

Skandha 3, Adhyāya 21. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt. Verse 38-39, 42-43, 45-47 und 52-54 auf der Quellseite jeweils als zusammengehoerige Einheiten gefuehrt. Beginn der Kardama-Devahuti-Erzaehlung, die zur Geburt Kapilas fuehrt.

vidura uvāca svāyambhuvasya ca manor vaṁśaḥ parama-sammataḥ kathyatāṁ bhagavan yatra maithunenaidhire prajāḥ

Vidura sprach: Das höchst geachtete Geschlecht des Svāyambhuva Manu möge erzählt werden, o Erhabener, worin die Nachkommen sich durch eheliche Vereinigung vermehrten.

Wort für Wort
viduraḥ uvāca
Vidura sprach
svāyambhuvasya ca manoḥ vaṁśaḥ
das Geschlecht des Svāyambhuva Manu
parama-sammataḥ kathyatām bhagavan
das höchst geachtete möge erzählt werden, o Erhabener
yatra maithunena edhire prajāḥ
worin die Nachkommen sich durch eheliche Vereinigung vermehrten

priyavratottānapādau sutau svāyambhuvasya vai yathā-dharmaṁ jugupatuḥ sapta-dvīpavatīṁ mahīm

Priyavrata und Uttānapāda, die beiden Söhne des Svāyambhuva, beschützten, dem Dharma gemäß, die aus sieben Inseln bestehende Erde.

Wort für Wort
priyavrata-uttānapādau sutau
Priyavrata und Uttānapāda, die beiden Söhne
svāyambhuvasya vai
des Svāyambhuva, wahrlich
yathā-dharmam jugupatuḥ
beschützten sie dem Dharma gemäß
sapta-dvīpavatīm mahīm
die aus sieben Inseln bestehende Erde

tasya vai duhitā brahman devahūtīti viśrutā patnī prajāpater uktā kardamasya tvayānagha

Dessen Tochter, o Brahmane, bekannt unter dem Namen Devahūti, wurde, wie du mir sagtest, o Sündloser, zur Gattin des Prajāpati Kardama gemacht.

Wort für Wort
tasya vai duhitā brahman
dessen Tochter, o Brahmane
devahūti iti viśrutā
bekannt unter dem Namen Devahūti
patnī prajāpateḥ uktā
wurde zur Gattin des Prajāpati gemacht, wie gesagt
kardamasya tvayā anagha
des Kardama, von dir, o Sündloser

tasyāṁ sa vai mahā-yogī yuktāyāṁ yoga-lakṣaṇaiḥ sasarja katidhā vīryaṁ tan me śuśrūṣave vada

In ihr, die mit den Zeichen des Yoga ausgestattet war, erzeugte jener große Yogī seinen Samen - von wie vielerlei Art? Sage mir das, denn ich begehre es zu hören.

Wort für Wort
tasyām saḥ vai mahā-yogī
in ihr [erzeugte] jener große Yogī, wahrlich
yuktāyām yoga-lakṣaṇaiḥ
die mit den Zeichen des Yoga ausgestattet war
sasarja katidhā vīryam
erzeugte er seinen Samen, von wie vielerlei Art
tat me śuśrūṣave vada
sage mir das, denn ich begehre es zu hören

rucir yo bhagavān brahman dakṣo vā brahmaṇaḥ sutaḥ yathā sasarja bhūtāni labdhvā bhāryāṁ ca mānavīm

Ruci, der erhabene, o Brahmane, oder Dakṣa, der Sohn Brahmās - wie erschufen sie Geschöpfe, nachdem sie eine Tochter Manus zur Gattin erlangt hatten?

Wort für Wort
ruciḥ yaḥ bhagavān brahman
Ruci, der erhabene, o Brahmane
dakṣaḥ vā brahmaṇaḥ sutaḥ
oder Dakṣa, der Sohn Brahmās
yathā sasarja bhūtāni
wie erschufen sie Geschöpfe
labdhvā bhāryām ca mānavīm
nachdem sie eine Tochter Manus zur Gattin erlangt hatten

maitreya uvāca prajāḥ sṛjeti bhagavān kardamo brahmaṇoditaḥ sarasvatyāṁ tapas tepe sahasrāṇāṁ samā daśa

Maitreya sprach: 'Erschaffe Nachkommen' - so von Brahmā aufgefordert, übte der erhabene Kardama an der Sarasvatī zehntausend Jahre lang Askese.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
prajāḥ sṛja iti bhagavān kardamaḥ
'erschaffe Nachkommen' - so [aufgefordert], der erhabene Kardama
brahmaṇā uditaḥ
von Brahmā aufgefordert
sarasvatyām tapaḥ tepe sahasrāṇām samāḥ daśa
übte an der Sarasvatī zehntausend Jahre lang Askese

tataḥ samādhi-yuktena kriyā-yogena kardamaḥ samprapede hariṁ bhaktyā prapanna-varadāśuṣam

Dann nahm Kardama, durch mit Versenkung verbundene rituelle Praxis (Kriyā-Yoga), voller Hingabe Zuflucht bei Hari, dem Gewähre-Geber für die zu ihm Zuflucht Nehmenden.

Wort für Wort
tataḥ samādhi-yuktena kriyā-yogena
dann durch mit Versenkung verbundene rituelle Praxis
kardamaḥ samprapede harim bhaktyā
nahm Kardama voller Hingabe Zuflucht bei Hari
prapanna-varada-āśuṣam
dem Gewähre-Geber für die Zuflucht Nehmenden

tāvat prasanno bhagavān puṣkarākṣaḥ kṛte yuge darśayām āsa taṁ kṣattaḥ śābdaṁ brahma dadhad vapuḥ

Da zeigte sich der erhabene, lotosäugige Herr, zufrieden, im Kṛta-Zeitalter, ihm, o Kṣattā, indem er eine aus dem Klang-Brahman (der geoffenbarten Rede) bestehende Gestalt annahm.

Wort für Wort
tāvat prasannaḥ bhagavān puṣkara-akṣaḥ
da zeigte sich der zufriedene, lotosäugige Erhabene
kṛte yuge darśayām āsa tam kṣattaḥ
im Kṛta-Zeitalter zeigte er sich ihm, o Kṣattā
śābdam brahma dadhat vapuḥ
indem er eine aus dem Klang-Brahman bestehende Gestalt annahm

sa taṁ virajam arkābhaṁ sita-padmotpala-srajam snigdha-nīlālaka-vrāta-vaktrābjaṁ virajo 'mbaram

Er sah ihn, staublos, sonnengleich glänzend, mit einer Girlande aus weißem Lotos und blauer Wasserlilie, mit einem Lotosgesicht, umrahmt von einer Fülle glänzender, dunkler Locken, in staubloses Gewand gekleidet -

Wort für Wort
saḥ tam virajam arka-ābham
er [sah] ihn, staublos, sonnengleich glänzend
sita-padma-utpala-srajam
mit einer Girlande aus weißem Lotos und blauer Wasserlilie
snigdha-nīla-alaka-vrāta-vaktra-abjam
mit einem Lotosgesicht, umrahmt von einer Fülle glänzender, dunkler Locken
virajaḥ ambaram
in staubloses Gewand gekleidet

kirīṭinaṁ kuṇḍalinaṁ śaṅkha-cakra-gadā-dharam śvetotpala-krīḍanakaṁ manaḥ-sparśa-smitekṣaṇam

- gekrönt, mit Ohrringen, Muschelhorn, Diskus und Keule tragend, mit einer weißen Wasserlilie spielend, mit einem das Herz berührenden Lächeln und Blick.

Wort für Wort
kirīṭinam kuṇḍalinam
gekrönt, mit Ohrringen
śaṅkha-cakra-gadā-dharam
Muschelhorn, Diskus und Keule tragend
śveta-utpala-krīḍanakam
mit einer weißen Wasserlilie spielend
manaḥ-sparśa-smita-īkṣaṇam
mit einem das Herz berührenden Lächeln und Blick

vinyasta-caraṇāmbhojam aṁsa-deśe garutmataḥ dṛṣṭvā khe 'vasthitaṁ vakṣaḥ-śriyaṁ kaustubha-kandharam

Als er sah, wie er, mit den Lotosfüßen auf die Schulter Garuḍas gesetzt, im Himmel stand, mit der Schönheit seiner Brust und dem Kaustubha-Juwel am Hals -

Wort für Wort
vinyasta-caraṇa-ambhojam
mit den Lotosfüßen darauf gesetzt
aṁsa-deśe garutmataḥ
auf der Schulter Garuḍas
dṛṣṭvā khe avasthitam
als er sah, wie er im Himmel stand
vakṣaḥ-śriyam kaustubha-kandharam
mit der Schönheit seiner Brust und dem Kaustubha-Juwel am Hals

jāta-harṣo 'patan mūrdhnā kṣitau labdha-manorathaḥ gīrbhis tv abhyagṛṇāt prīti- svabhāvātmā kṛtāñjaliḥ

- fiel er, von Freude erfüllt, mit dem Haupt zu Boden, sein Herzenswunsch erlangt; mit Worten aber, sein ganzes Wesen von Liebe erfüllt, pries er ihn mit gefalteten Händen.

Wort für Wort
jāta-harṣaḥ apatan mūrdhnā kṣitau
von Freude erfüllt, fiel er mit dem Haupt zu Boden
labdha-manorathaḥ
sein Herzenswunsch erlangt
gīrbhiḥ tu abhyagṛṇāt
mit Worten aber pries er
prīti-svabhāva-ātmā kṛta-añjaliḥ
sein Wesen von Liebe erfüllt, mit gefalteten Händen

ṛṣir uvāca juṣṭaṁ batādyākhila-sattva-rāśeḥ sāṁsiddhyam akṣṇos tava darśanān naḥ yad-darśanaṁ janmabhir īḍya sadbhir āśāsate yogino rūḍha-yogāḥ

Der Weise sprach: Erlangt ist heute, wahrlich, durch den Anblick deiner [Gestalt] mit unseren Augen die Vollendung der ganzen Fülle meines Seins - jener Anblick, den, o Verehrungswürdiger, selbst gefestigte Yogis nach vielen Geburten noch erhoffen.

Wort für Wort
ṛṣiḥ uvāca
der Weise sprach
juṣṭam bata adya
erlangt ist heute, wahrlich
akhila-sattva-rāśeḥ sāṁsiddhyam akṣṇoḥ tava darśanāt naḥ
die Vollendung der ganzen Fülle meines Seins, durch den Anblick deiner [Gestalt] mit unseren Augen
yat-darśanam janmabhiḥ īḍya sadbhiḥ
jener Anblick, o von den Guten nach vielen Geburten Verehrter
āśāsate yoginaḥ rūḍha-yogāḥ
erhoffen selbst gefestigte Yogis

ye māyayā te hata-medhasas tvat- pādāravindaṁ bhava-sindhu-potam upāsate kāma-lavāya teṣāṁ rāsīśa kāmān niraye 'pi ye syuḥ

Jenen, deren Verstand durch deine Māyā verwirrt ist, die dein Lotosfuß-Boot über den Ozean des Daseins nur um eines Splitters von Verlangen willen verehren - denen gewährst du, o Herr, [selbst] jene Wünsche, mögen sie auch zur Hölle führen.

Wort für Wort
ye māyayā te hata-medhasaḥ
jene, deren Verstand durch deine Māyā zerstört ist
tvat-pāda-aravindam bhava-sindhu-potam
dein Lotosfuß-Boot über den Ozean des Daseins
upāsate kāma-lavāya teṣām
verehren um eines Splitters von Verlangen willen, denen
rāsi īśa kāmān api ye niraye syuḥ
gewährst du, o Herr, [selbst jene] Wünsche, mögen sie auch zur Hölle führen

tathā sa cāhaṁ parivoḍhu-kāmaḥ samāna-śīlāṁ gṛhamedha-dhenum upeyivān mūlam aśeṣa-mūlaṁ durāśayaḥ kāma-dughāṅghripasya

So auch ich, begehrend, eine Frau gleicher Art zu ehelichen - die Milchkuh des häuslichen Opferlebens -, bin, von schlechter Gesinnung, zur Wurzel, der alles umfassenden Wurzel, des wunscherfüllenden Baumes gegangen.

Wort für Wort
tathā saḥ ca aham
so auch ich
parivoḍhu-kāmaḥ samāna-śīlām
begehrend, eine Frau gleicher Art zu ehelichen
gṛhamedha-dhenum upeyivān
bin zur Milchkuh des häuslichen Opferlebens gegangen
mūlam aśeṣa-mūlam durāśayaḥ
zur Wurzel, der alles umfassenden Wurzel, von schlechter Gesinnung
kāma-dugha-aṅghripasya
des wunscherfüllenden Baumes

[?] Bildkomplex ('gṛhamedha-dhenu' = Milchkuh des Hausvater-Opferlebens; 'kāma-dugha-aṅghripa' = wunscherfüllender Baum) selbstkritische Metapher Kardamas für sein eigenes weltliches Verlangen nach einer Ehefrau; Übersetzung sinngemäß.

prajāpates te vacasādhīśa tantyā lokaḥ kilāyaṁ kāma-hato 'nubaddhaḥ ahaṁ ca lokānugato vahāmi baliṁ ca śuklānimiṣāya tubhyam

Durch dein Wort, o Prajāpati, o Gebieter, ist diese Welt wahrlich wie durch ein Seil gebunden, von Verlangen geschlagen; und auch ich, der Welt folgend, bringe dir Opfergaben dar, o Reiner, Unblinzelnder.

Wort für Wort
prajāpateḥ te vacasā adhīśa
durch dein Wort, o Prajāpati, o Gebieter
tantyā lokaḥ kila ayam kāma-hataḥ anubaddhaḥ
ist diese Welt wahrlich wie durch ein Seil gebunden, von Verlangen geschlagen
aham ca loka-anugataḥ
und auch ich, der Welt folgend
vahāmi balim ca śukla-animiṣāya tubhyam
bringe dir, dem Reinen, Unblinzelnden, Opfergaben dar

lokāṁś ca lokānugatān paśūṁś ca hitvā śritās te caraṇātapatram parasparaṁ tvad-guṇa-vāda-sīdhu-pīyūṣa-niryāpita-deha-dharmāḥ

Diejenigen aber, die die Welten und ihre Gefolgschaften und die Tiere aufgegeben haben und Zuflucht unter dem Schirm deiner Füße gesucht haben, deren Körperlichkeit gegenseitig durch den Nektar-Wein des Redens über deine Eigenschaften aufgelöst wird -

Wort für Wort
lokān ca loka-anugatān paśūn ca hitvā
die die Welten und ihre Gefolgschaften und die Tiere aufgegeben haben
śritāḥ te caraṇa-ātapatram
Zuflucht gesucht haben unter dem Schirm deiner Füße
parasparam tvat-guṇa-vāda-sīdhu-pīyūṣa-niryāpita-deha-dharmāḥ
deren Körperlichkeit gegenseitig durch den Nektar-Wein des Redens über deine Eigenschaften aufgelöst wird

na te 'jarākṣa-bhramir āyur eṣāṁ trayodaśāraṁ tri-śataṁ ṣaṣṭi-parva ṣaṇ-nemy ananta-cchadi yat tri-ṇābhi karāla-sroto jagad ācchidya dhāvat

- deren Lebenszeit nicht dem alterslosen Kreisen deines [Rades] unterworfen ist, [jenes Rades] mit dreizehn Speichen, dreihundertsechzig Gliedern, sechs Felgen, endlosen Blättern, drei Naben, einem furchtbaren Strom, der, die Welt durchschneidend, dahinjagt.

Wort für Wort
na te ajara-akṣa-bhramiḥ āyuḥ eṣām
deren Lebenszeit nicht dem alterslosen Kreisen [deines Rades] unterworfen ist
trayodaśa-aram tri-śatam ṣaṣṭi-parva
mit dreizehn Speichen, dreihundertsechzig Gliedern
ṣaṭ-nemi ananta-chadi
sechs Felgen, endlosen Blättern
yat tri-nābhi karāla-srotaḥ
jenes mit drei Naben, ein furchtbarer Strom
jagat ācchidya dhāvat
der, die Welt durchschneidend, dahinjagt

[Anm.] Zeitrad-Symbolik (kāla-cakra): 13 Speichen = Monate, 360 Glieder = Tage des Jahres, 6 Felgen = Jahreszeiten, 3 Naben = die drei Zeitabschnitte/Weltperioden - traditionelle kosmologische Zahlensymbolik.

ekaḥ svayaṁ sañ jagataḥ sisṛkṣayā- dvitīyayātmann adhi-yogamāyayā sṛjasy adaḥ pāsi punar grasiṣyase yathorṇa-nābhir bhagavan sva-śaktibhiḥ

Allein, selbst seiend, mit dem Wunsch, die Welt zu erschaffen, durch deine als 'zweites [Prinzip]' [wirkende] höchste Yogamāyā - so erschaffst du dies, beschützt es, und wirst es wieder verschlingen, wie die Spinne durch ihre eigenen Kräfte, o Erhabener.

Wort für Wort
ekaḥ svayam san jagataḥ sisṛkṣayā
allein, selbst seiend, mit dem Wunsch, die Welt zu erschaffen
dvitīyayā ātman adhi-yogamāyayā
durch deine als 'zweites [Prinzip]' wirkende höchste Yogamāyā
sṛjasi adaḥ pāsi punaḥ grasiṣyase
erschaffst du dies, beschützt es, und wirst es wieder verschlingen
yathā ūrṇa-nābhiḥ bhagavan sva-śaktibhiḥ
wie die Spinne, o Erhabener, durch ihre eigenen Kräfte

naitad batādhīśa padaṁ tavepsitaṁ yan māyayā nas tanuṣe bhūta-sūkṣmam anugrahāyāstv api yarhi māyayā lasat-tulasyā bhagavān vilakṣitaḥ

Nicht ist dies, ach, o Gebieter, deine [letztlich] erstrebte Stätte, dass du uns durch deine Māyā die feinstoffliche Gestalt der Wesen zeigst; möge es dennoch zur Gunst gereichen, wenn du, der Erhabene, durch deine Māyā, geschmückt mit glänzendem Tulasī, sichtbar wirst.

Wort für Wort
na etat bata adhīśa padam tava īpsitam
nicht ist dies, ach, o Gebieter, deine erstrebte Stätte
yat māyayā naḥ tanuṣe bhūta-sūkṣmam
dass du uns durch deine Māyā die feinstoffliche Gestalt der Wesen zeigst
anugrahāya astu api
möge es dennoch zur Gunst gereichen
yarhi māyayā lasat-tulasyā bhagavān vilakṣitaḥ
wenn du, der Erhabene, durch deine Māyā, geschmückt mit glänzendem Tulasī, sichtbar wirst

[?] Metaphysisch dichter Vers: die dem Kardama erscheinende Gestalt wird als nicht notwendig die 'letzte' Wesensform des Erhabenen relativiert, zugleich aber als gnadenhaftes Erscheinen gewürdigt.

taṁ tvānubhūtyoparata-kriyārthaṁ sva-māyayā vartita-loka-tantram | namāmy abhīkṣṇaṁ namanīya-pāda-sarojam alpīyasi kāma-varṣam

Dich, dessen Sinn - durch diese Erfahrung - die [rituellen] Handlungen zum Stillstand gebracht hat, der das Gewebe der Welten durch seine eigene Māyā aufrechterhält, dich mit den verehrungswürdigen Lotosfüßen, verneige ich mich immer wieder, o du, der du auch dem Geringsten Wünsche regnen lässt.

Wort für Wort
tam tvā anubhūtyā uparata-kriyā-artham
dich, dessen Sinn durch diese Erfahrung die [rituellen] Handlungen zum Stillstand gebracht hat
sva-māyayā vartita-loka-tantram
der das Gewebe der Welten durch seine eigene Māyā aufrechterhält
namāmi abhīkṣṇam namanīya-pāda-sarojam
verneige ich mich immer wieder, mit den verehrungswürdigen Lotosfüßen
alpīyasi kāma-varṣam
o du, der du auch dem Geringsten Wünsche regnen lässt

ṛṣir uvāca ity avyalīkaṁ praṇuto 'bja-nābhas tam ābabhāṣe vacasāmṛtena suparṇa-pakṣopari rocamānaḥ prema-smitodvīkṣaṇa-vibhramad-bhrūḥ

Der Weise (Maitreya) sprach: So aufrichtig gepriesen, sprach der Lotos-Genabelte (Hari), auf den Schwingen Garuḍas erstrahlend, mit vor liebevollem Lächeln bewegten Brauen, zu ihm mit nektargleichen Worten.

Wort für Wort
ṛṣiḥ uvāca
der Weise sprach
iti avyalīkam praṇutaḥ abja-nābhaḥ
so aufrichtig gepriesen, der Lotos-Genabelte
tam ābabhāṣe vacasā amṛtena
sprach zu ihm mit nektargleichen Worten
suparṇa-pakṣa-upari rocamānaḥ
auf den Schwingen Garuḍas erstrahlend
prema-smita-udvīkṣaṇa-vibhramat-bhrūḥ
mit vor liebevollem Lächeln und Blick bewegten Brauen

śrī-bhagavān uvāca viditvā tava caityaṁ me puraiva samayoji tat yad-artham ātma-niyamais tvayaivāhaṁ samarcitaḥ

Der Erhabene sprach: Deine Herzensabsicht kennend, wurde dies von mir schon zuvor arrangiert - das, wofür du mich durch Selbstdisziplin verehrt hast.

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene sprach
viditvā tava caityam me
deine Herzensabsicht kennend, von mir
purā eva samayoji tat
wurde dies schon zuvor arrangiert
yat-artham ātma-niyamaiḥ tvayā eva aham samarcitaḥ
das, wofür du mich durch Selbstdisziplin verehrt hast

na vai jātu mṛṣaiva syāt prajādhyakṣa mad-arhaṇam bhavad-vidheṣv atitarāṁ mayi saṅgṛbhitātmanām

Niemals kann meine Verehrung fürwahr vergeblich sein, o Herr der Geschöpfe, bei denen, die wie du ihr Selbst gänzlich in mir gefasst haben.

Wort für Wort
na vai jātu mṛṣā eva syāt
niemals kann fürwahr vergeblich sein
prajā-adhyakṣa mat-arhaṇam
o Herr der Geschöpfe, meine Verehrung
bhavat-vidheṣu atitarām
bei denen deiner Art, gänzlich
mayi saṅgṛbhita-ātmanām
die ihr Selbst in mir gefasst haben

prajāpati-sutaḥ samrāṇ manur vikhyāta-maṅgalaḥ brahmāvartaṁ yo 'dhivasan śāsti saptārṇavāṁ mahīm

Der Sohn des Prajāpati, der Alleinherrscher Manu, von weithin bekanntem Segen, der Brahmāvarta bewohnt, herrscht über die von sieben Ozeanen [umgebene] Erde.

Wort für Wort
prajāpati-sutaḥ samrāṭ manuḥ
der Sohn des Prajāpati, der Alleinherrscher Manu
vikhyāta-maṅgalaḥ
von weithin bekanntem Segen
brahmāvartam yaḥ adhivasan
der Brahmāvarta bewohnt
śāsti sapta-arṇavām mahīm
herrscht über die von sieben Ozeanen [umgebene] Erde

sa ceha vipra rājarṣir mahiṣyā śatarūpayā āyāsyati didṛkṣus tvāṁ paraśvo dharma-kovidaḥ

Er, der königliche Weise, o Brahmane, kundig im Dharma, wird übermorgen, zusammen mit seiner Königin Śatarūpā, hierher kommen, im Wunsch, dich zu sehen.

Wort für Wort
saḥ ca iha vipra rāja-ṛṣiḥ
er, der königliche Weise, hierher, o Brahmane
mahiṣyā śatarūpayā
zusammen mit seiner Königin Śatarūpā
āyāsyati didṛkṣuḥ tvām paraśvaḥ
wird übermorgen kommen, im Wunsch, dich zu sehen
dharma-kovidaḥ
kundig im Dharma

ātmajām asitāpāṅgīṁ vayaḥ-śīla-guṇānvitām mṛgayantīṁ patiṁ dāsyaty anurūpāya te prabho

Seine dunkeläugige Tochter, mit Alter, Charakter und Tugenden ausgestattet, die einen Gatten sucht, wird er dir, dem Ebenbürtigen, geben, o Herr.

Wort für Wort
ātmajām asita-apāṅgīm
seine dunkeläugige Tochter
vayaḥ-śīla-guṇa-anvitām
mit Alter, Charakter und Tugenden ausgestattet
mṛgayantīm patim dāsyati
die einen Gatten sucht, wird er geben
anurūpāya te prabho
dir, dem Ebenbürtigen, o Herr

samāhitaṁ te hṛdayaṁ yatremān parivatsarān sā tvāṁ brahman nṛpa-vadhūḥ kāmam āśu bhajiṣyati

Sie, o Brahmane, die königliche Braut, deren Herz die vergangenen Jahre auf dich gerichtet war, wird dir bald nach Wunsch dienen.

Wort für Wort
samāhitam te hṛdayam
deine? [ihr] Herz, worauf gerichtet
yatra imān parivatsarān
während dieser vergangenen Jahre
sā tvām brahman nṛpa-vadhūḥ
sie, o Brahmane, die königliche Braut, dir
kāmam āśu bhajiṣyati
wird bald nach Wunsch dienen

yā ta ātma-bhṛtaṁ vīryaṁ navadhā prasaviṣyati vīrye tvadīye ṛṣaya ādhāsyanty añjasātmanaḥ

Sie wird deinen selbstgehegten Samen neunfach zur Geburt bringen; in deinem Samen werden die Weisen sogleich [ihr eigenes] Selbst anlegen.

Wort für Wort
yā te ātma-bhṛtam vīryam
sie, deinen selbstgehegten Samen
navadhā prasaviṣyati
wird sie neunfach zur Geburt bringen
vīrye tvadīye ṛṣayaḥ
in deinem Samen werden die Weisen
ādhāsyanti añjasā ātmanaḥ
sogleich [ihr eigenes] Selbst anlegen

tvaṁ ca samyag anuṣṭhāya nideśaṁ ma uśattamaḥ mayi tīrthī-kṛtāśeṣa- kriyārtho māṁ prapatsyase

Und du, meine Anweisung vollständig ausführend, du Vortrefflichster, wirst, all deine Handlungen zu einer Pilgerfahrt zu mir machend, mich erlangen.

Wort für Wort
tvam ca samyak anuṣṭhāya
und du, vollständig ausführend
nideśam me uśattamaḥ
meine Anweisung, du Vortrefflichster
mayi tīrthī-kṛta-aśeṣa-kriyā-arthaḥ
der du all deine Handlungen zu einer Pilgerfahrt zu mir machst
mām prapatsyase
wirst du mich erlangen

kṛtvā dayāṁ ca jīveṣu dattvā cābhayam ātmavān / mayy ātmānaṁ saha jagad drakṣyasy ātmani cāpi mām

Mitleid gegenüber den Lebewesen übend, ihnen Furchtlosigkeit gewährend, selbstbeherrscht, wirst du [dein] Selbst samt der Welt in mir erblicken, und auch mich in deinem Selbst.

Wort für Wort
kṛtvā dayām ca jīveṣu
Mitleid übend gegenüber den Lebewesen
dattvā ca abhayam ātmavān
und Furchtlosigkeit gewährend, selbstbeherrscht
mayi ātmānam saha jagat drakṣyasi
wirst du [dein] Selbst samt der Welt in mir erblicken
ātmani ca api mām
und auch mich in [deinem] Selbst

sahāhaṁ svāṁśa-kalayā tvad-vīryeṇa mahā-mune tava kṣetre devahūtyāṁ praṇeṣye tattva-saṁhitām

Ich selbst werde zusammen mit einem Teil meiner eigenen Kraft, durch deinen Samen, o großer Weiser, in deinem Feld, in Devahūti, die Zusammenfassung der Wahrheit hervorbringen.

Wort für Wort
saha aham sva-aṁśa-kalayā
ich selbst, zusammen mit einem Teil meiner eigenen Kraft
tvat-vīryeṇa mahā-mune
durch deinen Samen, o großer Weiser
tava kṣetre devahūtyām
in deinem Feld, in Devahūti
praṇeṣye tattva-saṁhitām
werde ich die Zusammenfassung der Wahrheit hervorbringen

maitreya uvāca evaṁ tam anubhāṣyātha bhagavān pratyag-akṣajaḥ jagāma bindusarasaḥ sarasvatyā pariśritāt

Maitreya sprach: Nachdem er so zu ihm gesprochen hatte, ging der Erhabene, jenseits der [Sinnes-]Wahrnehmung Geborene, von Bindusaras fort, das von der Sarasvatī umflossen ist.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
evam tam anubhāṣya atha
nachdem er so zu ihm gesprochen hatte
bhagavān pratyak-akṣajaḥ
der Erhabene, jenseits der Sinneswahrnehmung Geborene
jagāma bindusarasaḥ
ging von Bindusaras fort
sarasvatyā pariśritāt
das von der Sarasvatī umflossen ist

nirīkṣatas tasya yayāv aśeṣa-siddheśvarābhiṣṭuta-siddha-mārgaḥ ākarṇayan patra-rathendra-pakṣair uccāritaṁ stomam udīrṇa-sāma

Während jener (Kardama) zusah, ging er, auf dem von allen Herren der Vollendeten gepriesenen Pfad der Siddhas, während er dem von den Schwingen des Königs der Vögel (Garuḍa) erhobenen, in erhabenem Sāman-Gesang [erklungenen] Lobgesang lauschte.

Wort für Wort
nirīkṣataḥ tasya yayau
während jener zusah, ging er
aśeṣa-siddha-īśvara-abhiṣṭuta-siddha-mārgaḥ
auf dem von allen Herren der Vollendeten gepriesenen Pfad der Siddhas
ākarṇayan patra-ratha-indra-pakṣaiḥ
während er den von den Schwingen des Königs der Vögel [erhobenen]
uccāritam stomam udīrṇa-sāma
erhobenen Lobgesang, in erhabenem Sāman-Gesang, hörte

atha samprasthite śukle kardamo bhagavān ṛṣiḥ āste sma bindusarasi taṁ kālaṁ pratipālayan

Als dann die helle [Monatshälfte] fortgeschritten war, verweilte der erhabene Weise Kardama an Bindusaras, jene [angekündigte] Zeit erwartend.

Wort für Wort
atha samprasthite śukle
als dann die helle [Monatshälfte] fortgeschritten war
kardamaḥ bhagavān ṛṣiḥ
der erhabene Weise Kardama
āste sma bindusarasi
verweilte an Bindusaras
tam kālam pratipālayan
jene Zeit erwartend

manuḥ syandanam āsthāya śātakaumbha-paricchadam āropya svāṁ duhitaraṁ sa-bhāryaḥ paryaṭan mahīm

Manu, seinen mit Goldschmuck versehenen Wagen besteigend, seine eigene Tochter hinaufgeleitend, zusammen mit seiner Gemahlin, durchzog die Erde.

Wort für Wort
manuḥ syandanam āsthāya
Manu, seinen Wagen besteigend
śātakaumbha-paricchadam
mit Goldschmuck versehen
āropya svām duhitaram
seine eigene Tochter hinaufgeleitend
sa-bhāryaḥ paryaṭan mahīm
zusammen mit seiner Gemahlin durchzog er die Erde

tasmin sudhanvann ahani bhagavān yat samādiśat | upāyād āśrama-padaṁ muneḥ śānta-vratasya tat ||

An jenem Tag, o Sudhanvan, den der Erhabene bestimmt hatte, gelangte er zu jener Einsiedelei des Weisen von friedvollen Gelübden.

Wort für Wort
tasmin sudhanvan ahani
an jenem Tag, o Sudhanvan
bhagavān yat samādiśat
den der Erhabene bestimmt hatte
upāyāt āśrama-padam muneḥ
gelangte er zur Einsiedelei des Weisen
śānta-vratasya tat
von friedvollen Gelübden

[?] Anredeform 'sudhanvan' (etwa: 'du mit dem guten Bogen') für Vidura hier ungewöhnlich, an anderer Stelle wird er meist 'kṣattā' genannt; Bezug im Wortlaut belassen.

yasmin bhagavato netrān nyapatan aśru-bindavaḥ kṛpayā samparītasya prapanne 'rpitayā bhṛśam tad vai bindusaro nāma sarasvatyā pariplutam puṇyaṁ śivāmṛta-jalaṁ maharṣi-gaṇa-sevitam

Jener [Ort], wo aus den Augen des Erhabenen Tränentropfen fielen, aus dem Mitleid, das ihn, gegenüber dem sich Ergebenden, heftig ergriffen hatte - jener [Ort] eben ist Bindusaras genannt, von der Sarasvatī durchflossen, heilig, mit segensreichem, nektargleichem Wasser, von Scharen großer Weiser aufgesucht.

Wort für Wort
yasmin bhagavataḥ netrāt nyapatan aśru-bindavaḥ
wo aus den Augen des Erhabenen Tränentropfen fielen
kṛpayā samparītasya prapanne arpitayā bhṛśam
aus dem Mitleid, das ihn, gegenüber dem sich Ergebenden, heftig ergriffen hatte
tat vai bindusaraḥ nāma
jener [Ort] eben ist Bindusaras genannt
sarasvatyā pariplutam puṇyam
von der Sarasvatī durchflossen, heilig
śiva-amṛta-jalam maharṣi-gaṇa-sevitam
mit segensreichem, nektargleichem Wasser, von Scharen großer Weiser aufgesucht

puṇya-druma-latā-jālaiḥ kūjat-puṇya-mṛga-dvijaiḥ sarvartu-phala-puṣpāḍhyaṁ vana-rāji-śriyānvitam

Reich an heiligen Bäumen und Schlinggewächsen, mit rufenden heiligen Tieren und Vögeln, reich an Früchten und Blüten aller Jahreszeiten, ausgestattet mit der Schönheit von Waldreihen -

Wort für Wort
puṇya-druma-latā-jālaiḥ
reich an heiligen Bäumen und Schlinggewächsen
kūjat-puṇya-mṛga-dvijaiḥ
mit rufenden heiligen Tieren und Vögeln
sarva-ṛtu-phala-puṣpa-āḍhyam
reich an Früchten und Blüten aller Jahreszeiten
vana-rāji-śriyā anvitam
ausgestattet mit der Schönheit von Waldreihen

matta-dvija-gaṇair ghuṣṭaṁ matta-bhramara-vibhramam matta-barhi-naṭāṭopam āhvayan-matta-kokilam

- widerhallend von Scharen berauschter Vögel (oder: berauschter Zweifachgeborener), mit dem Umherschwärmen berauschter Bienen, mit dem prunkvollen Tanz berauschter Pfauen, mit dem Rufen berauschter Kuckucke -

Wort für Wort
matta-dvija-gaṇaiḥ ghuṣṭam
widerhallend von Scharen berauschter Vögel
matta-bhramara-vibhramam
mit dem Umherschwärmen berauschter Bienen
matta-barhi-naṭa-āṭopam
mit dem prunkvollen Tanz berauschter Pfauen
āhvayat-matta-kokilam
mit dem Rufen berauschter Kuckucke

[?] 'matta-dvija-gaṇaiḥ' doppeldeutig ('Zweifachgeborene' = sowohl Vögel als auch Brahmanen); hier im Kontext der Naturbeschreibung als 'Vögel' übersetzt.

kadamba-campakāśoka-karañja-bakulāsanaiḥ kunda-mandāra-kuṭajaiś cūta-potair alaṅkṛtam kāraṇḍavaiḥ plavair haṁsaiḥ kurarair jala-kukkuṭaiḥ sārasaiś cakravākaiś ca cakorair valgu kūjitam

- geschmückt mit Kadamba-, Campaka-, Aśoka-, Karañja-, Bakula- und Asana-[Bäumen], mit Kunda, Mandāra, Kuṭaja[-Sträuchern] und Mangoschösslingen; lieblich widerhallend von Kāraṇḍava-Enten, Tauchvögeln, Schwänen, Fischadlern, Wasserhühnern, Kranichen, Cakravāka-Vögeln und Cakora-Vögeln.

Wort für Wort
kadamba-campaka-aśoka-karañja-bakula-asanaiḥ
mit Kadamba-, Campaka-, Aśoka-, Karañja-, Bakula-, Asana-[Bäumen]
kunda-mandāra-kuṭajaiḥ cūta-potaiḥ alaṅkṛtam
geschmückt mit Kunda, Mandāra, Kuṭaja[-Sträuchern] und Mangoschösslingen
kāraṇḍavaiḥ plavaiḥ haṁsaiḥ kuraraiḥ jala-kukkuṭaiḥ
mit Kāraṇḍava-Enten, Tauchvögeln, Schwänen, Fischadlern, Wasserhühnern
sārasaiḥ cakravākaiḥ ca cakoraiḥ valgu kūjitam
mit Kranichen, Cakravāka-Vögeln und Cakora-Vögeln lieblich widerhallend

tathaiva hariṇaiḥ kroḍaiḥ śvāvid-gavaya-kuñjaraiḥ gopucchair haribhir markair nakulair nābhibhir vṛtam

- ebenso umgeben von Hirschen, Wildschweinen, Stachelschweinen, Wildrindern, Elefanten, Kuhschwanz-[Affen], Löwen, Affen, Mungos und Moschustieren.

Wort für Wort
tathā eva hariṇaiḥ kroḍaiḥ
ebenso von Hirschen, Wildschweinen
śvāvit-gavaya-kuñjaraiḥ
Stachelschweinen, Wildrindern, Elefanten
gopucchaiḥ haribhiḥ markaiḥ
Kuhschwanz-[Affen], Löwen, Affen
nakulaiḥ nābhibhiḥ vṛtam
Mungos und Moschustieren umgeben

praviśya tat tīrtha-varam ādi-rājaḥ sahātmajaḥ dadarśa munim āsīnaṁ tasmin huta-hutāśanam vidyotamānaṁ vapuṣā tapasy ugra-yujā ciram nātikṣāmaṁ bhagavataḥ snigdhāpāṅgāvalokanāt tad-vyāhṛtāmṛta-kalā-pīyūṣa-śravaṇena ca prāṁśuṁ padma-palāśākṣaṁ jaṭilaṁ cīra-vāsasam upasaṁśritya malinaṁ yathārhaṇam asaṁskṛtam

Diesen besten Wallfahrtsort betretend, sah der urzeitliche König (Manu), zusammen mit seiner Tochter, dort den Weisen sitzen, der ins [heilige] Feuer geopfert hatte, mit seinem Leib strahlend, obwohl er lange strenge Askese geübt hatte, doch nicht sonderlich abgezehrt - durch den zärtlichen Seitenblick des Erhabenen und durch das Hören des Nektartropfens von dessen unsterblichen Worten -, den Hochgewachsenen, mit lotosblattgleichen Augen, mit verfilztem Haar, in Rindenkleidung, sich [selbst] versorgend, staubbedeckt, [doch] nach Gebühr [verehrungswürdig], ungeschmückt.

Wort für Wort
praviśya tat tīrtha-varam
diesen besten Wallfahrtsort betretend
ādi-rājaḥ saha-ātmajaḥ
der urzeitliche König, zusammen mit seiner Tochter
dadarśa munim āsīnam tasmin huta-hutāśanam
sah den Weisen dort sitzen, der ins [heilige] Feuer geopfert hatte
vidyotamānam vapuṣā tapasi ugra-yujā ciram
strahlend mit seinem Leib, obwohl er lange strenge Askese geübt hatte
na atikṣāmam bhagavataḥ snigdha-apāṅga-avalokanāt
nicht sonderlich abgezehrt, durch den zärtlichen Seitenblick des Erhabenen
tat-vyāhṛta-amṛta-kalā-pīyūṣa-śravaṇena ca
und durch das Hören des Nektartropfens von dessen unsterblichen Worten
prāṁśum padma-palāśa-akṣam jaṭilam cīra-vāsasam
den Hochgewachsenen, mit lotosblattgleichen Augen, mit verfilztem Haar, in Rindenkleidung
upasaṁśritya malinam yathā-arhaṇam asaṁskṛtam
sich [selbst] versorgend, staubbedeckt, nach Gebühr [verehrungswürdig], ungeschmückt

athoṭajam upāyātaṁ nṛdevaṁ praṇataṁ puraḥ saparyayā paryagṛhṇāt pratinandyānurūpayā

Da empfing er den zu seiner Hütte gekommenen, vor ihm sich verneigenden Herrscher der Menschen, ihn willkommen heißend, mit angemessener Gastfreundschaft.

Wort für Wort
atha uṭajam upāyātam
da [empfing er] den zur Hütte Gekommenen
nṛdevam praṇatam puraḥ
den Herrscher der Menschen, sich vor ihm verneigend
saparyayā paryagṛhṇāt
empfing er mit Gastfreundschaft
pratinandya anurūpayā
willkommen heißend, mit angemessener [Gastfreundschaft]

gṛhītārhaṇam āsīnaṁ saṁyataṁ prīṇayan muniḥ smaran bhagavad-ādeśam ity āha ślakṣṇayā girā

Den die Bewirtung angenommen habenden, gesammelt sitzenden [König] erfreuend, sprach der Weise, sich der Weisung des Erhabenen erinnernd, mit sanfter Stimme also:

Wort für Wort
gṛhīta-arhaṇam āsīnam saṁyatam
den die Bewirtung angenommen habenden, gesammelt sitzenden [König]
prīṇayan muniḥ
erfreuend, der Weise
smaran bhagavat-ādeśam
sich der Weisung des Erhabenen erinnernd
iti āha ślakṣṇayā girā
sprach so mit sanfter Stimme

nūnaṁ caṅkramaṇaṁ deva satāṁ saṁrakṣaṇāya te vadhāya cāsatāṁ yas tvaṁ hareḥ śaktir hi pālinī

'Gewiss, o Gott (König), geschieht dein Umherziehen zum Schutz der Rechtschaffenen und zur Vernichtung der Unrechten; denn du bist wahrlich die beschützende Kraft Haris.'

Wort für Wort
nūnam caṅkramaṇam deva
gewiss, o Gott, dein Umherziehen
satām saṁrakṣaṇāya te
geschieht zum Schutz der Rechtschaffenen
vadhāya ca asatām
und zur Vernichtung der Unrechten
yaḥ tvam hareḥ śaktiḥ hi pālinī
denn du bist wahrlich die beschützende Kraft Haris

yo 'rkendv-agnīndra-vāyūnāṁ yama-dharma-pracetasām rūpāṇi sthāna ādhatse tasmai śuklāya te namaḥ

'Der du an [ihrer jeweiligen] Stätte die Gestalten von Sonne, Mond, Feuer, Indra, Wind, Yama, Dharma und Pracetas (Varuṇa) annimmst - dir, dem Reinen, [sei] Verehrung.'

Wort für Wort
yaḥ arka-indu-agni-indra-vāyūnām
der du von Sonne, Mond, Feuer, Indra, Wind
yama-dharma-pracetasām
von Yama, Dharma und Pracetas (Varuṇa)
rūpāṇi sthāne ādhatse
an [ihrer jeweiligen] Stätte die Gestalten annimmst
tasmai śuklāya te namaḥ
dir, dem Reinen, [sei] Verehrung

na yadā ratham āsthāya jaitraṁ maṇi-gaṇārpitam / visphūrjac-caṇḍa-kodaṇḍo rathena trāsayann aghān // sva-sainya-caraṇa-kṣuṇṇaṁ vepayan maṇḍalaṁ bhuvaḥ / vikarṣan bṛhatīṁ senāṁ paryaṭasy aṁśumān iva // tadaiva setavaḥ sarve varṇāśrama-nibandhanāḥ / bhagavad-racitā rājan bhidyeran bata dasyubhiḥ //

'Würdest du nicht, deinen mit Edelsteinen besetzten Siegeswagen besteigend, mit lauttönendem, gewaltigem Bogen, die Sünder durch deinen Wagen erschreckend, den von den Füßen deines eigenen Heeres zertretenen Erdkreis erzittern lassend, dein großes Heer heranziehend, umherziehen wie die strahlende Sonne - dann, ach, würden wahrlich alle Dämme, die Kaste und Lebensstufe (Varṇāśrama) binden, vom Erhabenen errichtet, durch Räuber gebrochen werden, o König.'

Wort für Wort
na yadā ratham āsthāya jaitram
würdest du nicht deinen Siegeswagen besteigen
maṇi-gaṇa-arpitam visphūrjat-caṇḍa-kodaṇḍaḥ
mit Edelsteinen besetzt, mit lauttönendem, gewaltigem Bogen
rathena trāsayan aghān
die Sünder durch deinen Wagen erschreckend
sva-sainya-caraṇa-kṣuṇṇam vepayan maṇḍalam bhuvaḥ
den von den Füßen deines eigenen Heeres zertretenen Erdkreis erzittern lassend
vikarṣan bṛhatīm senām paryaṭasi aṁśumān iva
dein großes Heer heranziehend, umherziehst du wie die strahlende Sonne
tadā eva setavaḥ sarve varṇāśrama-nibandhanāḥ
dann würden alle Dämme, die Kaste und Lebensstufe binden
bhagavat-racitāḥ rājan bhidyeran bata dasyubhiḥ
vom Erhabenen errichtet, o König, ach, durch Räuber gebrochen werden

adharmaś ca samedheta lolupair vyaṅkuśair nṛbhiḥ śayāne tvayi loko 'yaṁ dasyu-grasto vinaṅkṣyati

'Und das Unrecht würde gedeihen durch gierige, ungezügelte Menschen; wenn du schliefest, würde diese Welt, von Räubern verschlungen, zugrunde gehen.'

Wort für Wort
adharmaḥ ca samedheta
und das Unrecht würde gedeihen
lolupaiḥ vyaṅkuśaiḥ nṛbhiḥ
durch gierige, ungezügelte Menschen
śayāne tvayi lokaḥ ayam
wenn du schliefest, diese Welt
dasyu-grastaḥ vinaṅkṣyati
von Räubern verschlungen, würde zugrunde gehen

athāpi pṛcche tvāṁ vīra yad-arthaṁ tvam ihāgataḥ tad vayaṁ nirvyalīkena pratipadyāmahe hṛdā

'Dennoch frage ich dich, o Held: Wozu bist du hierher gekommen? Das wollen wir mit aufrichtigem Herzen erfüllen.'

Wort für Wort
atha api pṛcche tvām vīra
dennoch frage ich dich, o Held
yat-artham tvam iha āgataḥ
wozu bist du hierher gekommen
tat vayam nirvyalīkena
das wollen wir mit aufrichtigem
pratipadyāmahe hṛdā
Herzen erfüllen

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