Kapitel 50: manu-kardama-saṁvādaḥ
Gespräch zwischen Manu und Kardama
Skandha 3, Adhyāya 21. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt. Verse 38-39, 42-43, 45-47 und 52-54 auf der Quellseite jeweils als zusammengehoerige Einheiten gefuehrt. Beginn der Kardama-Devahuti-Erzaehlung, die zur Geburt Kapilas fuehrt.
Vidura sprach: Das höchst geachtete Geschlecht des Svāyambhuva Manu möge erzählt werden, o Erhabener, worin die Nachkommen sich durch eheliche Vereinigung vermehrten.
Wort für Wort
viduraḥ uvāca
Vidura sprach
svāyambhuvasya ca manoḥ vaṁśaḥ
das Geschlecht des Svāyambhuva Manu
parama-sammataḥ kathyatām bhagavan
das höchst geachtete möge erzählt werden, o Erhabener
yatra maithunena edhire prajāḥ
worin die Nachkommen sich durch eheliche Vereinigung vermehrten
tasyāṁ sa vai mahā-yogī yuktāyāṁ yoga-lakṣaṇaiḥ sasarja katidhā vīryaṁ tan me śuśrūṣave vada
In ihr, die mit den Zeichen des Yoga ausgestattet war, erzeugte jener große Yogī seinen Samen - von wie vielerlei Art? Sage mir das, denn ich begehre es zu hören.
Dann nahm Kardama, durch mit Versenkung verbundene rituelle Praxis (Kriyā-Yoga), voller Hingabe Zuflucht bei Hari, dem Gewähre-Geber für die zu ihm Zuflucht Nehmenden.
Wort für Wort
tataḥ samādhi-yuktena kriyā-yogena
dann durch mit Versenkung verbundene rituelle Praxis
Da zeigte sich der erhabene, lotosäugige Herr, zufrieden, im Kṛta-Zeitalter, ihm, o Kṣattā, indem er eine aus dem Klang-Brahman (der geoffenbarten Rede) bestehende Gestalt annahm.
Wort für Wort
tāvat prasannaḥ bhagavān puṣkara-akṣaḥ
da zeigte sich der zufriedene, lotosäugige Erhabene
kṛte yuge darśayām āsa tam kṣattaḥ
im Kṛta-Zeitalter zeigte er sich ihm, o Kṣattā
śābdam brahma dadhat vapuḥ
indem er eine aus dem Klang-Brahman bestehende Gestalt annahm
sa taṁ virajam arkābhaṁ sita-padmotpala-srajam snigdha-nīlālaka-vrāta-vaktrābjaṁ virajo 'mbaram
Er sah ihn, staublos, sonnengleich glänzend, mit einer Girlande aus weißem Lotos und blauer Wasserlilie, mit einem Lotosgesicht, umrahmt von einer Fülle glänzender, dunkler Locken, in staubloses Gewand gekleidet -
Wort für Wort
saḥ tam virajam arka-ābham
er [sah] ihn, staublos, sonnengleich glänzend
sita-padma-utpala-srajam
mit einer Girlande aus weißem Lotos und blauer Wasserlilie
snigdha-nīla-alaka-vrāta-vaktra-abjam
mit einem Lotosgesicht, umrahmt von einer Fülle glänzender, dunkler Locken
- gekrönt, mit Ohrringen, Muschelhorn, Diskus und Keule tragend, mit einer weißen Wasserlilie spielend, mit einem das Herz berührenden Lächeln und Blick.
Als er sah, wie er, mit den Lotosfüßen auf die Schulter Garuḍas gesetzt, im Himmel stand, mit der Schönheit seiner Brust und dem Kaustubha-Juwel am Hals -
Wort für Wort
vinyasta-caraṇa-ambhojam
mit den Lotosfüßen darauf gesetzt
aṁsa-deśe garutmataḥ
auf der Schulter Garuḍas
dṛṣṭvā khe avasthitam
als er sah, wie er im Himmel stand
vakṣaḥ-śriyam kaustubha-kandharam
mit der Schönheit seiner Brust und dem Kaustubha-Juwel am Hals
- fiel er, von Freude erfüllt, mit dem Haupt zu Boden, sein Herzenswunsch erlangt; mit Worten aber, sein ganzes Wesen von Liebe erfüllt, pries er ihn mit gefalteten Händen.
Wort für Wort
jāta-harṣaḥ apatan mūrdhnā kṣitau
von Freude erfüllt, fiel er mit dem Haupt zu Boden
labdha-manorathaḥ
sein Herzenswunsch erlangt
gīrbhiḥ tu abhyagṛṇāt
mit Worten aber pries er
prīti-svabhāva-ātmā kṛta-añjaliḥ
sein Wesen von Liebe erfüllt, mit gefalteten Händen
Der Weise sprach: Erlangt ist heute, wahrlich, durch den Anblick deiner [Gestalt] mit unseren Augen die Vollendung der ganzen Fülle meines Seins - jener Anblick, den, o Verehrungswürdiger, selbst gefestigte Yogis nach vielen Geburten noch erhoffen.
ye māyayā te hata-medhasas tvat-
pādāravindaṁ bhava-sindhu-potam
upāsate kāma-lavāya teṣāṁ
rāsīśa kāmān niraye 'pi ye syuḥ
Jenen, deren Verstand durch deine Māyā verwirrt ist, die dein Lotosfuß-Boot über den Ozean des Daseins nur um eines Splitters von Verlangen willen verehren - denen gewährst du, o Herr, [selbst] jene Wünsche, mögen sie auch zur Hölle führen.
Wort für Wort
ye māyayā te hata-medhasaḥ
jene, deren Verstand durch deine Māyā zerstört ist
tvat-pāda-aravindam bhava-sindhu-potam
dein Lotosfuß-Boot über den Ozean des Daseins
upāsate kāma-lavāya teṣām
verehren um eines Splitters von Verlangen willen, denen
rāsi īśa kāmān api ye niraye syuḥ
gewährst du, o Herr, [selbst jene] Wünsche, mögen sie auch zur Hölle führen
So auch ich, begehrend, eine Frau gleicher Art zu ehelichen - die Milchkuh des häuslichen Opferlebens -, bin, von schlechter Gesinnung, zur Wurzel, der alles umfassenden Wurzel, des wunscherfüllenden Baumes gegangen.
Wort für Wort
tathā saḥ ca aham
so auch ich
parivoḍhu-kāmaḥ samāna-śīlām
begehrend, eine Frau gleicher Art zu ehelichen
gṛhamedha-dhenum upeyivān
bin zur Milchkuh des häuslichen Opferlebens gegangen
mūlam aśeṣa-mūlam durāśayaḥ
zur Wurzel, der alles umfassenden Wurzel, von schlechter Gesinnung
kāma-dugha-aṅghripasya
des wunscherfüllenden Baumes
[?] Bildkomplex ('gṛhamedha-dhenu' = Milchkuh des Hausvater-Opferlebens; 'kāma-dugha-aṅghripa' = wunscherfüllender Baum) selbstkritische Metapher Kardamas für sein eigenes weltliches Verlangen nach einer Ehefrau; Übersetzung sinngemäß.
prajāpates te vacasādhīśa tantyā lokaḥ kilāyaṁ kāma-hato 'nubaddhaḥ ahaṁ ca lokānugato vahāmi baliṁ ca śuklānimiṣāya tubhyam
Durch dein Wort, o Prajāpati, o Gebieter, ist diese Welt wahrlich wie durch ein Seil gebunden, von Verlangen geschlagen; und auch ich, der Welt folgend, bringe dir Opfergaben dar, o Reiner, Unblinzelnder.
Wort für Wort
prajāpateḥ te vacasā adhīśa
durch dein Wort, o Prajāpati, o Gebieter
tantyā lokaḥ kila ayam kāma-hataḥ anubaddhaḥ
ist diese Welt wahrlich wie durch ein Seil gebunden, von Verlangen geschlagen
aham ca loka-anugataḥ
und auch ich, der Welt folgend
vahāmi balim ca śukla-animiṣāya tubhyam
bringe dir, dem Reinen, Unblinzelnden, Opfergaben dar
lokāṁś ca lokānugatān paśūṁś ca hitvā śritās te caraṇātapatram parasparaṁ tvad-guṇa-vāda-sīdhu-pīyūṣa-niryāpita-deha-dharmāḥ
Diejenigen aber, die die Welten und ihre Gefolgschaften und die Tiere aufgegeben haben und Zuflucht unter dem Schirm deiner Füße gesucht haben, deren Körperlichkeit gegenseitig durch den Nektar-Wein des Redens über deine Eigenschaften aufgelöst wird -
Wort für Wort
lokān ca loka-anugatān paśūn ca hitvā
die die Welten und ihre Gefolgschaften und die Tiere aufgegeben haben
śritāḥ te caraṇa-ātapatram
Zuflucht gesucht haben unter dem Schirm deiner Füße
na te 'jarākṣa-bhramir āyur eṣāṁ trayodaśāraṁ tri-śataṁ ṣaṣṭi-parva ṣaṇ-nemy ananta-cchadi yat tri-ṇābhi karāla-sroto jagad ācchidya dhāvat
- deren Lebenszeit nicht dem alterslosen Kreisen deines [Rades] unterworfen ist, [jenes Rades] mit dreizehn Speichen, dreihundertsechzig Gliedern, sechs Felgen, endlosen Blättern, drei Naben, einem furchtbaren Strom, der, die Welt durchschneidend, dahinjagt.
Wort für Wort
na te ajara-akṣa-bhramiḥ āyuḥ eṣām
deren Lebenszeit nicht dem alterslosen Kreisen [deines Rades] unterworfen ist
trayodaśa-aram tri-śatam ṣaṣṭi-parva
mit dreizehn Speichen, dreihundertsechzig Gliedern
ṣaṭ-nemi ananta-chadi
sechs Felgen, endlosen Blättern
yat tri-nābhi karāla-srotaḥ
jenes mit drei Naben, ein furchtbarer Strom
jagat ācchidya dhāvat
der, die Welt durchschneidend, dahinjagt
[Anm.] Zeitrad-Symbolik (kāla-cakra): 13 Speichen = Monate, 360 Glieder = Tage des Jahres, 6 Felgen = Jahreszeiten, 3 Naben = die drei Zeitabschnitte/Weltperioden - traditionelle kosmologische Zahlensymbolik.
Allein, selbst seiend, mit dem Wunsch, die Welt zu erschaffen, durch deine als 'zweites [Prinzip]' [wirkende] höchste Yogamāyā - so erschaffst du dies, beschützt es, und wirst es wieder verschlingen, wie die Spinne durch ihre eigenen Kräfte, o Erhabener.
Wort für Wort
ekaḥ svayam san jagataḥ sisṛkṣayā
allein, selbst seiend, mit dem Wunsch, die Welt zu erschaffen
dvitīyayā ātman adhi-yogamāyayā
durch deine als 'zweites [Prinzip]' wirkende höchste Yogamāyā
sṛjasi adaḥ pāsi punaḥ grasiṣyase
erschaffst du dies, beschützt es, und wirst es wieder verschlingen
yathā ūrṇa-nābhiḥ bhagavan sva-śaktibhiḥ
wie die Spinne, o Erhabener, durch ihre eigenen Kräfte
naitad batādhīśa padaṁ tavepsitaṁ
yan māyayā nas tanuṣe bhūta-sūkṣmam
anugrahāyāstv api yarhi māyayā
lasat-tulasyā bhagavān vilakṣitaḥ
Nicht ist dies, ach, o Gebieter, deine [letztlich] erstrebte Stätte, dass du uns durch deine Māyā die feinstoffliche Gestalt der Wesen zeigst; möge es dennoch zur Gunst gereichen, wenn du, der Erhabene, durch deine Māyā, geschmückt mit glänzendem Tulasī, sichtbar wirst.
Wort für Wort
na etat bata adhīśa padam tava īpsitam
nicht ist dies, ach, o Gebieter, deine erstrebte Stätte
yat māyayā naḥ tanuṣe bhūta-sūkṣmam
dass du uns durch deine Māyā die feinstoffliche Gestalt der Wesen zeigst
anugrahāya astu api
möge es dennoch zur Gunst gereichen
yarhi māyayā lasat-tulasyā bhagavān vilakṣitaḥ
wenn du, der Erhabene, durch deine Māyā, geschmückt mit glänzendem Tulasī, sichtbar wirst
[?] Metaphysisch dichter Vers: die dem Kardama erscheinende Gestalt wird als nicht notwendig die 'letzte' Wesensform des Erhabenen relativiert, zugleich aber als gnadenhaftes Erscheinen gewürdigt.
Dich, dessen Sinn - durch diese Erfahrung - die [rituellen] Handlungen zum Stillstand gebracht hat, der das Gewebe der Welten durch seine eigene Māyā aufrechterhält, dich mit den verehrungswürdigen Lotosfüßen, verneige ich mich immer wieder, o du, der du auch dem Geringsten Wünsche regnen lässt.
Wort für Wort
tam tvā anubhūtyā uparata-kriyā-artham
dich, dessen Sinn durch diese Erfahrung die [rituellen] Handlungen zum Stillstand gebracht hat
sva-māyayā vartita-loka-tantram
der das Gewebe der Welten durch seine eigene Māyā aufrechterhält
namāmi abhīkṣṇam namanīya-pāda-sarojam
verneige ich mich immer wieder, mit den verehrungswürdigen Lotosfüßen
alpīyasi kāma-varṣam
o du, der du auch dem Geringsten Wünsche regnen lässt
Der Weise (Maitreya) sprach: So aufrichtig gepriesen, sprach der Lotos-Genabelte (Hari), auf den Schwingen Garuḍas erstrahlend, mit vor liebevollem Lächeln bewegten Brauen, zu ihm mit nektargleichen Worten.
Wort für Wort
ṛṣiḥ uvāca
der Weise sprach
iti avyalīkam praṇutaḥ abja-nābhaḥ
so aufrichtig gepriesen, der Lotos-Genabelte
tam ābabhāṣe vacasā amṛtena
sprach zu ihm mit nektargleichen Worten
suparṇa-pakṣa-upari rocamānaḥ
auf den Schwingen Garuḍas erstrahlend
prema-smita-udvīkṣaṇa-vibhramat-bhrūḥ
mit vor liebevollem Lächeln und Blick bewegten Brauen
prajāpati-sutaḥ samrāṇ
manur vikhyāta-maṅgalaḥ
brahmāvartaṁ yo 'dhivasan
śāsti saptārṇavāṁ mahīm
Der Sohn des Prajāpati, der Alleinherrscher Manu, von weithin bekanntem Segen, der Brahmāvarta bewohnt, herrscht über die von sieben Ozeanen [umgebene] Erde.
Wort für Wort
prajāpati-sutaḥ samrāṭ manuḥ
der Sohn des Prajāpati, der Alleinherrscher Manu
vikhyāta-maṅgalaḥ
von weithin bekanntem Segen
brahmāvartam yaḥ adhivasan
der Brahmāvarta bewohnt
śāsti sapta-arṇavām mahīm
herrscht über die von sieben Ozeanen [umgebene] Erde
Er, der königliche Weise, o Brahmane, kundig im Dharma, wird übermorgen, zusammen mit seiner Königin Śatarūpā, hierher kommen, im Wunsch, dich zu sehen.
kṛtvā dayāṁ ca jīveṣu dattvā cābhayam ātmavān / mayy ātmānaṁ saha jagad drakṣyasy ātmani cāpi mām
Mitleid gegenüber den Lebewesen übend, ihnen Furchtlosigkeit gewährend, selbstbeherrscht, wirst du [dein] Selbst samt der Welt in mir erblicken, und auch mich in deinem Selbst.
Wort für Wort
kṛtvā dayām ca jīveṣu
Mitleid übend gegenüber den Lebewesen
dattvā ca abhayam ātmavān
und Furchtlosigkeit gewährend, selbstbeherrscht
mayi ātmānam saha jagat drakṣyasi
wirst du [dein] Selbst samt der Welt in mir erblicken
Ich selbst werde zusammen mit einem Teil meiner eigenen Kraft, durch deinen Samen, o großer Weiser, in deinem Feld, in Devahūti, die Zusammenfassung der Wahrheit hervorbringen.
Wort für Wort
saha aham sva-aṁśa-kalayā
ich selbst, zusammen mit einem Teil meiner eigenen Kraft
tvat-vīryeṇa mahā-mune
durch deinen Samen, o großer Weiser
tava kṣetre devahūtyām
in deinem Feld, in Devahūti
praṇeṣye tattva-saṁhitām
werde ich die Zusammenfassung der Wahrheit hervorbringen
Maitreya sprach: Nachdem er so zu ihm gesprochen hatte, ging der Erhabene, jenseits der [Sinnes-]Wahrnehmung Geborene, von Bindusaras fort, das von der Sarasvatī umflossen ist.
Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
evam tam anubhāṣya atha
nachdem er so zu ihm gesprochen hatte
bhagavān pratyak-akṣajaḥ
der Erhabene, jenseits der Sinneswahrnehmung Geborene
Während jener (Kardama) zusah, ging er, auf dem von allen Herren der Vollendeten gepriesenen Pfad der Siddhas, während er dem von den Schwingen des Königs der Vögel (Garuḍa) erhobenen, in erhabenem Sāman-Gesang [erklungenen] Lobgesang lauschte.
Wort für Wort
nirīkṣataḥ tasya yayau
während jener zusah, ging er
aśeṣa-siddha-īśvara-abhiṣṭuta-siddha-mārgaḥ
auf dem von allen Herren der Vollendeten gepriesenen Pfad der Siddhas
ākarṇayan patra-ratha-indra-pakṣaiḥ
während er den von den Schwingen des Königs der Vögel [erhobenen]
uccāritam stomam udīrṇa-sāma
erhobenen Lobgesang, in erhabenem Sāman-Gesang, hörte
An jenem Tag, o Sudhanvan, den der Erhabene bestimmt hatte, gelangte er zu jener Einsiedelei des Weisen von friedvollen Gelübden.
Wort für Wort
tasmin sudhanvan ahani
an jenem Tag, o Sudhanvan
bhagavān yat samādiśat
den der Erhabene bestimmt hatte
upāyāt āśrama-padam muneḥ
gelangte er zur Einsiedelei des Weisen
śānta-vratasya tat
von friedvollen Gelübden
[?] Anredeform 'sudhanvan' (etwa: 'du mit dem guten Bogen') für Vidura hier ungewöhnlich, an anderer Stelle wird er meist 'kṣattā' genannt; Bezug im Wortlaut belassen.
yasmin bhagavato netrān nyapatan aśru-bindavaḥ kṛpayā samparītasya prapanne 'rpitayā bhṛśam tad vai bindusaro nāma sarasvatyā pariplutam puṇyaṁ śivāmṛta-jalaṁ maharṣi-gaṇa-sevitam
Jener [Ort], wo aus den Augen des Erhabenen Tränentropfen fielen, aus dem Mitleid, das ihn, gegenüber dem sich Ergebenden, heftig ergriffen hatte - jener [Ort] eben ist Bindusaras genannt, von der Sarasvatī durchflossen, heilig, mit segensreichem, nektargleichem Wasser, von Scharen großer Weiser aufgesucht.
Wort für Wort
yasmin bhagavataḥ netrāt nyapatan aśru-bindavaḥ
wo aus den Augen des Erhabenen Tränentropfen fielen
kṛpayā samparītasya prapanne arpitayā bhṛśam
aus dem Mitleid, das ihn, gegenüber dem sich Ergebenden, heftig ergriffen hatte
tat vai bindusaraḥ nāma
jener [Ort] eben ist Bindusaras genannt
sarasvatyā pariplutam puṇyam
von der Sarasvatī durchflossen, heilig
śiva-amṛta-jalam maharṣi-gaṇa-sevitam
mit segensreichem, nektargleichem Wasser, von Scharen großer Weiser aufgesucht
Reich an heiligen Bäumen und Schlinggewächsen, mit rufenden heiligen Tieren und Vögeln, reich an Früchten und Blüten aller Jahreszeiten, ausgestattet mit der Schönheit von Waldreihen -
- widerhallend von Scharen berauschter Vögel (oder: berauschter Zweifachgeborener), mit dem Umherschwärmen berauschter Bienen, mit dem prunkvollen Tanz berauschter Pfauen, mit dem Rufen berauschter Kuckucke -
Wort für Wort
matta-dvija-gaṇaiḥ ghuṣṭam
widerhallend von Scharen berauschter Vögel
matta-bhramara-vibhramam
mit dem Umherschwärmen berauschter Bienen
matta-barhi-naṭa-āṭopam
mit dem prunkvollen Tanz berauschter Pfauen
āhvayat-matta-kokilam
mit dem Rufen berauschter Kuckucke
[?] 'matta-dvija-gaṇaiḥ' doppeldeutig ('Zweifachgeborene' = sowohl Vögel als auch Brahmanen); hier im Kontext der Naturbeschreibung als 'Vögel' übersetzt.
- geschmückt mit Kadamba-, Campaka-, Aśoka-, Karañja-, Bakula- und Asana-[Bäumen], mit Kunda, Mandāra, Kuṭaja[-Sträuchern] und Mangoschösslingen; lieblich widerhallend von Kāraṇḍava-Enten, Tauchvögeln, Schwänen, Fischadlern, Wasserhühnern, Kranichen, Cakravāka-Vögeln und Cakora-Vögeln.
Wort für Wort
kadamba-campaka-aśoka-karañja-bakula-asanaiḥ
mit Kadamba-, Campaka-, Aśoka-, Karañja-, Bakula-, Asana-[Bäumen]
kunda-mandāra-kuṭajaiḥ cūta-potaiḥ alaṅkṛtam
geschmückt mit Kunda, Mandāra, Kuṭaja[-Sträuchern] und Mangoschösslingen
Diesen besten Wallfahrtsort betretend, sah der urzeitliche König (Manu), zusammen mit seiner Tochter, dort den Weisen sitzen, der ins [heilige] Feuer geopfert hatte, mit seinem Leib strahlend, obwohl er lange strenge Askese geübt hatte, doch nicht sonderlich abgezehrt - durch den zärtlichen Seitenblick des Erhabenen und durch das Hören des Nektartropfens von dessen unsterblichen Worten -, den Hochgewachsenen, mit lotosblattgleichen Augen, mit verfilztem Haar, in Rindenkleidung, sich [selbst] versorgend, staubbedeckt, [doch] nach Gebühr [verehrungswürdig], ungeschmückt.
Wort für Wort
praviśya tat tīrtha-varam
diesen besten Wallfahrtsort betretend
ādi-rājaḥ saha-ātmajaḥ
der urzeitliche König, zusammen mit seiner Tochter
dadarśa munim āsīnam tasmin huta-hutāśanam
sah den Weisen dort sitzen, der ins [heilige] Feuer geopfert hatte
vidyotamānam vapuṣā tapasi ugra-yujā ciram
strahlend mit seinem Leib, obwohl er lange strenge Askese geübt hatte
na atikṣāmam bhagavataḥ snigdha-apāṅga-avalokanāt
nicht sonderlich abgezehrt, durch den zärtlichen Seitenblick des Erhabenen
tat-vyāhṛta-amṛta-kalā-pīyūṣa-śravaṇena ca
und durch das Hören des Nektartropfens von dessen unsterblichen Worten
prāṁśum padma-palāśa-akṣam jaṭilam cīra-vāsasam
den Hochgewachsenen, mit lotosblattgleichen Augen, mit verfilztem Haar, in Rindenkleidung
upasaṁśritya malinam yathā-arhaṇam asaṁskṛtam
sich [selbst] versorgend, staubbedeckt, nach Gebühr [verehrungswürdig], ungeschmückt
Da empfing er den zu seiner Hütte gekommenen, vor ihm sich verneigenden Herrscher der Menschen, ihn willkommen heißend, mit angemessener Gastfreundschaft.
Wort für Wort
atha uṭajam upāyātam
da [empfing er] den zur Hütte Gekommenen
nṛdevam praṇatam puraḥ
den Herrscher der Menschen, sich vor ihm verneigend
saparyayā paryagṛhṇāt
empfing er mit Gastfreundschaft
pratinandya anurūpayā
willkommen heißend, mit angemessener [Gastfreundschaft]
Den die Bewirtung angenommen habenden, gesammelt sitzenden [König] erfreuend, sprach der Weise, sich der Weisung des Erhabenen erinnernd, mit sanfter Stimme also:
Wort für Wort
gṛhīta-arhaṇam āsīnam saṁyatam
den die Bewirtung angenommen habenden, gesammelt sitzenden [König]
nūnaṁ caṅkramaṇaṁ deva satāṁ saṁrakṣaṇāya te vadhāya cāsatāṁ yas tvaṁ hareḥ śaktir hi pālinī
'Gewiss, o Gott (König), geschieht dein Umherziehen zum Schutz der Rechtschaffenen und zur Vernichtung der Unrechten; denn du bist wahrlich die beschützende Kraft Haris.'
Wort für Wort
nūnam caṅkramaṇam deva
gewiss, o Gott, dein Umherziehen
satām saṁrakṣaṇāya te
geschieht zum Schutz der Rechtschaffenen
vadhāya ca asatām
und zur Vernichtung der Unrechten
yaḥ tvam hareḥ śaktiḥ hi pālinī
denn du bist wahrlich die beschützende Kraft Haris
yo 'rkendv-agnīndra-vāyūnāṁ
yama-dharma-pracetasām
rūpāṇi sthāna ādhatse
tasmai śuklāya te namaḥ
'Der du an [ihrer jeweiligen] Stätte die Gestalten von Sonne, Mond, Feuer, Indra, Wind, Yama, Dharma und Pracetas (Varuṇa) annimmst - dir, dem Reinen, [sei] Verehrung.'
Wort für Wort
yaḥ arka-indu-agni-indra-vāyūnām
der du von Sonne, Mond, Feuer, Indra, Wind
yama-dharma-pracetasām
von Yama, Dharma und Pracetas (Varuṇa)
rūpāṇi sthāne ādhatse
an [ihrer jeweiligen] Stätte die Gestalten annimmst
'Würdest du nicht, deinen mit Edelsteinen besetzten Siegeswagen besteigend, mit lauttönendem, gewaltigem Bogen, die Sünder durch deinen Wagen erschreckend, den von den Füßen deines eigenen Heeres zertretenen Erdkreis erzittern lassend, dein großes Heer heranziehend, umherziehen wie die strahlende Sonne - dann, ach, würden wahrlich alle Dämme, die Kaste und Lebensstufe (Varṇāśrama) binden, vom Erhabenen errichtet, durch Räuber gebrochen werden, o König.'
Wort für Wort
na yadā ratham āsthāya jaitram
würdest du nicht deinen Siegeswagen besteigen
maṇi-gaṇa-arpitam visphūrjat-caṇḍa-kodaṇḍaḥ
mit Edelsteinen besetzt, mit lauttönendem, gewaltigem Bogen
rathena trāsayan aghān
die Sünder durch deinen Wagen erschreckend
sva-sainya-caraṇa-kṣuṇṇam vepayan maṇḍalam bhuvaḥ
den von den Füßen deines eigenen Heeres zertretenen Erdkreis erzittern lassend
vikarṣan bṛhatīm senām paryaṭasi aṁśumān iva
dein großes Heer heranziehend, umherziehst du wie die strahlende Sonne
tadā eva setavaḥ sarve varṇāśrama-nibandhanāḥ
dann würden alle Dämme, die Kaste und Lebensstufe binden
bhagavat-racitāḥ rājan bhidyeran bata dasyubhiḥ
vom Erhabenen errichtet, o König, ach, durch Räuber gebrochen werden