Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 121 Ajāmila wird von den Viṣṇudūtas errettet

śrī-bādarāyaṇir uvāca / evaṁ te bhagavad-dūtā / yamadūtābhibhāṣitam / upadhāryātha tān rājan / pratyāhur naya-kovidāḥ

Śrī Bādarāyaṇi sprach: Nachdem die Boten des Herrn so das von den Yamadūtas Gesagte vernommen hatten, o König, erwiderten ihnen darauf jene, die in rechter Urteilskraft kundig waren.

Wort für Wort
śrī-bādarāyaṇiḥ
Śrī Bādarāyaṇi/Śukadeva (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
evam
so (Adv.)
te
sie (Nom. Pl.)
bhagavad-dūtāḥ
die Boten des Herrn (Nom. Pl.)
yamadūta-abhibhāṣitam
das von den Yamadūtas Gesprochene (Akk. Sg.)
upadhārya
vernommen habend (Ger.)
atha
dann (Adv.)
tān
ihnen/zu jenen (Akk. Pl.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
pratyāhuḥ
sie erwiderten (3. Pl. Perf.)
naya-kovidāḥ
kundig in rechter Urteilskraft (Nom. Pl.)

śrī-bādarāyaṇiḥ = Śukadeva Gosvāmī, Sohn Vyāsadevas (Bādarāyaṇa).

śrī-viṣṇudūtā ūcuḥ / aho kaṣṭaṁ dharma-dṛśām / adharmaḥ spṛśate sabhām / yatrādaṇḍyeṣv apāpeṣu / daṇḍo yair dhriyate vṛthā

Die Viṣṇudūtas sprachen: Ach, wie leidvoll ist es, dass Unrecht die Versammlung derer berührt, die das Recht im Blick haben – jene Versammlung, in der von manchen unnötig Strafe über Unbestrafbare, Schuldlose verhängt wird!

Wort für Wort
śrī-viṣṇudūtāḥ
die Viṣṇudūtas (Nom. Pl.)
ūcuḥ
sprachen (3. Pl. Perf.)
aho
ach (Interj.)
kaṣṭam
leidvoll/schmerzlich (Nom. Sg. Neutr.)
dharma-dṛśām
derer, die das Recht im Blick haben (Gen. Pl.)
adharmaḥ
das Unrecht (Nom. Sg.)
spṛśate
berührt (3. Sg. Med.)
sabhām
die Versammlung (Akk. Sg.)
yatra
worin (Adv.)
adaṇḍyeṣu
bei den nicht zu Bestrafenden (Lok. Pl.)
apāpeṣu
bei den Schuldlosen (Lok. Pl.)
daṇḍaḥ
Strafe (Nom. Sg.)
yaiḥ
von denen (Instr. Pl.)
dhriyate
wird auferlegt (3. Sg. Pass.)
vṛthā
unnötig/vergeblich (Adv.)

prajānāṁ pitaro ye ca / śāstāraḥ sādhavaḥ samāḥ / yadi syāt teṣu vaiṣamyaṁ / kaṁ yānti śaraṇaṁ prajāḥ

Wenn bei denen, die die Väter der Untertanen sind, die als Lehrer wirken, rechtschaffen und allen gegenüber gleich, Parteilichkeit bestünde – zu welcher Zuflucht sollten die Untertanen dann gehen?

Wort für Wort
prajānām
der Untertanen (Gen. Pl.)
pitaraḥ
Väter (Nom. Pl.)
ye ca
und die, welche (Nom. Pl.)
śāstāraḥ
Lehrer/Gesetzgeber (Nom. Pl.)
sādhavaḥ
rechtschaffen (Nom. Pl.)
samāḥ
gleich, unparteiisch (Nom. Pl.)
yadi
wenn (Konj.)
syāt
wäre (3. Sg. Opt.)
teṣu
bei ihnen (Lok. Pl.)
vaiṣamyam
Parteilichkeit/Ungleichheit (Nom. Sg.)
kam
zu welcher (Akk. Sg.)
yānti
gehen (3. Pl. Präs.)
śaraṇam
Zuflucht (Akk. Sg.)
prajāḥ
die Untertanen (Nom. Pl.)

yad yad ācarati śreyān / itaras tat tad īhate / sa yat pramāṇaṁ kurute / lokas tad anuvartate

Was immer ein Vorzüglicher tut, das erstrebt auch der Geringere; was immer er als maßgeblich setzt, dem folgt die Welt.

Wort für Wort
yat yat
was immer (Akk. Sg. Neutr., wiederholt)
ācarati
tut/handelt (3. Sg. Präs.)
śreyān
der Vorzüglichere (Nom. Sg.)
itaraḥ
der Geringere/Andere (Nom. Sg.)
tat tat
das (Akk. Sg. Neutr.)
īhate
erstrebt (3. Sg. Med.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
yat
was (Akk. Sg.)
pramāṇam
als Maßstab (Akk. Sg.)
kurute
setzt/macht (3. Sg. Med.)
lokaḥ
die Welt (Nom. Sg.)
tat
dem (Akk. Sg.)
anuvartate
folgt (3. Sg. Med.)

yasyāṅke śira ādhāya / lokaḥ svapiti nirvṛtaḥ / svayaṁ dharmam adharmaṁ vā / na hi veda yathā paśuḥ // sa kathaṁ nyarpitātmānaṁ / kṛta-maitram acetanam / visrambhaṇīyo bhūtānāṁ / saghṛṇo dogdhum arhati

Auf dessen Schoß das Volk sein Haupt bettet und beruhigt schläft – selbst weiß es weder um Recht noch Unrecht, gleich einem Tier –, wie könnte ein solcher [Herrscher], der das Vertrauen der Wesen verdienen und mitfühlend sein sollte, dem, der sich ihm ganz anvertraut hat, der ihm Freundschaft erwiesen hat und arglos ist, Leid zufügen?

Wort für Wort
yasya
dessen (Gen. Sg.)
aṅke
auf dem Schoß (Lok. Sg.)
śiraḥ
das Haupt (Akk. Sg.)
ādhāya
gelegt habend (Ger.)
lokaḥ
das Volk (Nom. Sg.)
svapiti
schläft (3. Sg. Präs.)
nirvṛtaḥ
beruhigt (Nom. Sg.)
svayam
selbst (Adv.)
dharmam
Recht (Akk. Sg.)
adharmam
Unrecht (Akk. Sg.)
vā
oder (Konj.)
na hi
gar nicht/fürwahr nicht (Partikel)
veda
weiß (3. Sg. Perf.)
yathā
wie (Adv.)
paśuḥ
ein Tier (Nom. Sg.)
saḥ
er, der Herrscher (Nom. Sg.)
katham
wie (Adv.)
nyarpita-ātmānam
den, der sein Selbst übergeben hat (Akk. Sg.)
kṛta-maitram
dem Freundschaft erwiesen wurde (Akk. Sg.)
acetanam
den Arglosen, Unbewussten (Akk. Sg.)
visrambhaṇīyaḥ
vertrauenswürdig (Nom. Sg.)
bhūtānām
der Wesen (Gen. Pl.)
sa-ghṛṇaḥ
mitfühlend (Nom. Sg.)
dogdhum
zu quälen (Inf.)
arhati
vermag/verdient (3. Sg. Präs.)

ayaṁ hi kṛta-nirveśo / janma-koṭy-aṁhasām api / yad vyājahāra vivaśo / nāma svasty-ayanaṁ hareḥ

Dieser hat fürwahr schon Buße getan für die Sünden von Millionen Geburten, weil er, hilflos, den Namen Haris aussprach, der das Mittel zum Heil ist.

Wort für Wort
ayam
dieser (Nom. Sg.)
hi
fürwahr (Partikel)
kṛta-nirveśaḥ
hat Buße geleistet (Nom. Sg.)
janma-koṭi-aṁhasām
der Sünden von Millionen Geburten (Gen. Pl.)
api
sogar (Partikel)
yat
weil (Konj.)
vyājahāra
er aussprach (3. Sg. Perf.)
vivaśaḥ
hilflos (Nom. Sg.)
nāma
den Namen (Akk. Sg.)
svasti-ayanam
das Mittel zum Heil (Akk. Sg.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)

etenaiva hy aghono 'sya / kṛtaṁ syād agha-niṣkṛtam / yadā nārāyaṇāyeti / jagāda catur-akṣaram

Eben hierdurch schon wäre für diesen Sünder die Sühne seiner Sünde vollbracht, da er 'Nārāyaṇa' – die vier Silben – aussprach.

Wort für Wort
etena eva
eben hierdurch (Instr. Sg.)
hi
fürwahr (Partikel)
aghonaḥ
des Sünders (Gen. Sg.)
asya
dieses (Gen. Sg.)
kṛtam
vollzogen (Nom. Sg. Neutr.)
syāt
wäre (3. Sg. Opt.)
agha-niṣkṛtam
die Sühne der Sünde (Nom. Sg.)
yadā
als (Adv.)
nārāyaṇāya
[für] Nārāyaṇa (Dat. Sg.)
iti
so rufend (Partikel)
jagāda
er sprach (3. Sg. Perf.)
catur-akṣaram
die vier Silben (Akk. Sg.)

catur-akṣaram = die vier Silben nā-rā-ya-ṇa; Ajāmila rief eigentlich seinen Sohn Nārāyaṇa, sprach dabei aber unbeabsichtigt den Gottesnamen aus.

stenaḥ surā-po mitra-dhrug / brahma-hā guru-talpa-gaḥ / strī-rāja-pitṛ-go-hantā / ye ca pātakino 'pare // sarveṣām apy aghavatām / idam eva suniṣkṛtam / nāma-vyāharaṇaṁ viṣṇor / yatas tad-viṣayā matiḥ

Ein Dieb, ein Trinker von Rauschgetränk, wer den Freund verrät, ein Brahmanenmörder, wer das Lager des Lehrers schändet, wer Frau, König, Vater oder Kuh tötet, und wer sonst noch sündige Taten begangen hat – für alle diese Sünder ist eben dies die vollkommene Sühne: das Aussprechen des Namens Viṣṇus, wodurch der Geist auf Ihn gerichtet wird.

Wort für Wort
stenaḥ
ein Dieb (Nom. Sg.)
surā-paḥ
ein Weintrinker (Nom. Sg.)
mitra-dhruk
wer den Freund verrät (Nom. Sg.)
brahma-hā
ein Brahmanenmörder (Nom. Sg.)
guru-talpa-gaḥ
wer das Lager des Lehrers schändet (Nom. Sg.)
strī-rāja-pitṛ-go-hantā
der Mörder von Frau, König, Vater, Kuh (Nom. Sg.)
ye ca
und die (Nom. Pl.)
pātakinaḥ
Sünder (Nom. Pl.)
apare
andere (Nom. Pl.)
sarveṣām
von allen (Gen. Pl.)
api
auch (Partikel)
agha-vatām
der Sündenbehafteten (Gen. Pl.)
idam eva
eben dies (Nom. Sg. Neutr.)
su-niṣkṛtam
die vollkommene Sühne (Nom. Sg.)
nāma-vyāharaṇam
das Aussprechen des Namens (Nom. Sg.)
viṣṇoḥ
Viṣṇus (Gen. Sg.)
yataḥ
wodurch (Konj.)
tad-viṣayā
auf Ihn gerichtete (Nom. Sg. Fem.)
matiḥ
Gesinnung/Geist (Nom. Sg.)

tad-viṣayā matiḥ ist doppeldeutig: entweder 'der [des Sünders] auf Ihn [Viṣṇu] gerichtete Geist' oder 'Seine [Viṣṇus] auf ihn gerichtete Aufmerksamkeit'. Beide Lesarten sind grammatisch möglich; hier wurde die erste, sprachlich unmittelbarere gewählt. [?]

na niṣkṛtair uditair brahma-vādibhis / tathā viśuddhyaty aghavān vratādibhiḥ / yathā harer nāma-padair udāhṛtais / tad uttamaśloka-guṇopalambhakam

Nicht wird ein Sünder durch die von den Kennern des Brahman verkündeten Sühneriten, durch Gelübde und dergleichen, so sehr gereinigt, wie durch die ausgesprochenen Silben des Namens Haris, das die Eigenschaften des Preiswürdigen vergegenwärtigt.

Wort für Wort
na
nicht (Neg.)
niṣkṛtaiḥ
durch Sühneriten (Instr. Pl.)
uditaiḥ
verkündete (Instr. Pl.)
brahma-vādibhiḥ
von den Kennern des Brahman (Instr. Pl.)
tathā
so sehr (Adv.)
viśuddhyati
wird gereinigt (3. Sg. Präs.)
agha-vān
ein Sünder (Nom. Sg.)
vrata-ādibhiḥ
durch Gelübde u.a. (Instr. Pl.)
yathā
wie (Adv.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
nāma-padaiḥ
durch die Silben des Namens (Instr. Pl.)
udāhṛtaiḥ
ausgesprochene (Instr. Pl.)
tat
das (Nom. Sg. Neutr.)
uttamaśloka
des Preiswürdigen (Gen. Sg.)
guṇa
Eigenschaften (Akk.)
upalambhakam
vergegenwärtigend (Nom. Sg.)

naikāntikaṁ tad dhi kṛte 'pi niṣkṛte / manaḥ punar dhāvati ced asat-pathe / tat karma-nirhāram abhīpsatāṁ harer / guṇānuvādaḥ khalu sattva-bhāvanaḥ

Denn jenes Herz wird durch die vollzogene Sühne nicht endgültig gereinigt, wenn der Geist wieder auf den Pfad des Unwahren läuft; für jene, die das Auslöschen der Tatenfolgen begehren, ist wahrlich das Besingen der Eigenschaften Haris das, was das reine Sein hervorbringt.

Wort für Wort
na
nicht (Neg.)
aikāntikam
endgültig (Nom. Sg. Neutr.)
tat
jenes [Herz] (Nom. Sg. Neutr.)
hi
denn (Partikel)
kṛte
vollzogen (Lok. Sg.)
api
obwohl (Partikel)
niṣkṛte
Sühne (Lok. Sg.)
manaḥ
der Geist (Nom. Sg.)
punaḥ
wieder (Adv.)
dhāvati
läuft (3. Sg. Präs.)
cet
wenn (Konj.)
asat-pathe
auf den Pfad des Unwahren (Lok. Sg.)
tat
daher (Adv.)
karma-nirhāram
die Auslöschung der Tatenfolgen (Akk. Sg.)
abhīpsatām
für die Begehrenden (Gen. Pl.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
guṇa-anuvādaḥ
das Besingen der Eigenschaften (Nom. Sg.)
khalu
wahrlich (Partikel)
sattva-bhāvanaḥ
das reine Sein hervorbringend (Nom. Sg.)

athainaṁ māpanayata / kṛtāśeṣāgha-niṣkṛtam / yad asau bhagavan-nāma / mriyamāṇaḥ samagrahīt

So führt ihn denn nicht fort – er hat bereits die vollständige Sühne all seiner Sünden vollzogen, da er im Sterben den Namen des Herrn vollständig ergriffen hat.

Wort für Wort
atha
so (Adv.)
enam
ihn (Akk. Sg.)
mā apanayata
führt nicht fort (2. Pl. Imp. + Neg.)
kṛta
vollzogen (Adj.)
aśeṣa
vollständig (Adj.)
agha-niṣkṛtam
die Sühne der Sünde (Akk. Sg.)
yat
da (Konj.)
asau
er (Nom. Sg.)
bhagavat-nāma
den Namen des Herrn (Akk. Sg.)
mriyamāṇaḥ
sterbend (Nom. Sg. Part.)
samagrahīt
vollständig ergriff/aussprach (3. Sg. Aor.)

sāṅketyaṁ pārihāsyaṁ vā / stobhaṁ helanam eva vā / vaikuṇṭha-nāma-grahaṇam / aśeṣāgha-haraṁ viduḥ

Ob als Verabredungszeichen, im Scherz, als Gesangseinlage oder gar aus Nachlässigkeit – das Aussprechen des Namens des Herrn von Vaikuṇṭha, so wissen die Weisen, tilgt jegliche Sünde vollständig.

Wort für Wort
sāṅketyam
als Verabredungszeichen (Akk. Sg.)
pārihāsyam
im Scherz (Akk. Sg.)
vā
oder (Konj.)
stobham
als Gesangseinlage (Akk. Sg.)
helanam
aus Nachlässigkeit (Akk. Sg.)
eva vā
oder gar (Partikel)
vaikuṇṭha-nāma-grahaṇam
das Aussprechen des Namens des Herrn von Vaikuṇṭha (Nom. Sg.)
aśeṣa-agha-haram
vollständig die Sünde tilgend (Nom. Sg.)
viduḥ
sie wissen (3. Pl. Perf.)

patitaḥ skhalito bhagnaḥ / sandaṣṭas tapta āhataḥ / harir ity avaśenāha / pumān nārhati yātanāḥ

Ein Mensch, der gestürzt, gestrauchelt, gebrochen, gebissen, fiebernd oder verletzt unwillkürlich 'Hari!' ausruft, verdient keine Höllenqualen.

Wort für Wort
patitaḥ
gestürzt (Nom. Sg.)
skhalitaḥ
gestrauchelt (Nom. Sg.)
bhagnaḥ
gebrochen (Nom. Sg.)
sandaṣṭaḥ
gebissen (Nom. Sg.)
taptaḥ
fiebernd/glühend (Nom. Sg.)
āhataḥ
verletzt (Nom. Sg.)
hariḥ
'Hari' (Nom. Sg.)
iti
so rufend (Partikel)
avaśena
unwillkürlich (Instr. Sg. Adj.)
āha
ruft aus (3. Sg. Perf.)
pumān
ein Mensch (Nom. Sg.)
na
nicht (Neg.)
arhati
verdient (3. Sg. Präs.)
yātanāḥ
Qualen (Akk. Pl.)

gurūṇāṁ ca laghūnāṁ ca / gurūṇi ca laghūni ca / prāyaścittāni pāpānāṁ / jñātvoktāni maharṣibhiḥ

Für schwere und leichte Sünden wurden schwere und leichte Sühnehandlungen von den großen Weisen kundgetan, nachdem diese sie wohl erkannt hatten.

Wort für Wort
gurūṇām
der schweren (Gen. Pl.)
ca
und (Konj.)
laghūnām
der leichten (Gen. Pl.)
ca
und (Konj.)
gurūṇi
schwere (Nom./Akk. Pl. Neutr.)
ca
und (Konj.)
laghūni
leichte (Nom./Akk. Pl. Neutr.)
ca
und (Konj.)
prāyaścittāni
Sühnehandlungen (Nom. Pl.)
pāpānām
der Sünden (Gen. Pl.)
jñātvā
erkannt habend (Ger.)
uktāni
wurden kundgetan (Nom. Pl. Part.)
mahā-ṛṣibhiḥ
von den großen Weisen (Instr. Pl.)

tais tāny aghāni pūyante / tapo-dāna-vratādibhiḥ / nādharmajaṁ tad-dhṛdayaṁ / tad apīśāṅghri-sevayā

Durch jene Mittel – Askese, Spenden, Gelübde und dergleichen – werden jene Sünden zwar getilgt, nicht aber das aus Unrecht entstandene Herz selbst; dieses wird allein durch den Dienst an den Füßen des Herrn gereinigt.

Wort für Wort
taiḥ
durch jene (Instr. Pl.)
tāni
jene (Nom. Pl.)
aghāni
Sünden (Nom. Pl.)
pūyante
werden getilgt (3. Pl. Pass.)
tapaḥ
Askese (Instr.)
dāna
Spende (Instr.)
vrata-ādibhiḥ
Gelübde u.a. (Instr. Pl.)
na
nicht (Neg.)
adharma-jam
aus Unrecht entstanden (Nom. Sg.)
tat
jenes (Gen. Sg.)
hṛdayam
Herz (Nom. Sg.)
tat
dieses (Nom. Sg.)
api
aber (Partikel)
īśa-aṅghri
der Füße des Herrn (Gen.)
sevayā
durch Dienst (Instr. Sg.)

ajñānād athavā jñānād / uttamaśloka-nāma yat / saṅkīrtitam aghaṁ puṁso / dahed edho yathānalaḥ

Sei es aus Unwissenheit oder mit Wissen – wenn der Name des Preiswürdigen gesungen wird, verbrennt er die Sünde eines Menschen, wie Feuer trockenes Gras verbrennt.

Wort für Wort
ajñānāt
aus Unwissenheit (Abl. Sg.)
athavā
oder (Konj.)
jñānāt
aus Wissen (Abl. Sg.)
uttamaśloka-nāma
der Name des Preiswürdigen (Nom. Sg.)
yat
welcher (Nom. Sg.)
saṅkīrtitam
gesungen (Nom. Sg. Part.)
agham
Sünde (Akk. Sg.)
puṁsaḥ
eines Menschen (Gen. Sg.)
dahet
verbrennt (3. Sg. Opt.)
edhaḥ
trockenes Gras (Akk. Sg.)
yathā
wie (Adv.)
analaḥ
Feuer (Nom. Sg.)

yathāgadaṁ vīryatamam / upayuktaṁ yadṛcchayā / ajānato 'py ātma-guṇaṁ / kuryān mantro 'py udāhṛtaḥ

So wie ein höchst wirksames Heilmittel, zufällig eingenommen, seine Wirkung auch bei einem Unwissenden entfaltet, so bewirkt auch ein ausgesprochenes Mantra seine eigene Kraft.

Wort für Wort
yathā
so wie (Adv.)
agadam
Heilmittel (Nom. Sg.)
vīrya-tamam
höchst wirksam (Nom. Sg.)
upayuktam
eingenommen (Nom. Sg. Part.)
yadṛcchayā
zufällig (Instr. Sg.)
ajānataḥ
eines Unwissenden (Gen. Sg. Part.)
api
auch (Partikel)
ātma-guṇam
seine eigene Kraft (Akk. Sg.)
kuryāt
bewirkt (3. Sg. Opt.)
mantraḥ
Mantra (Nom. Sg.)
api
auch (Partikel)
udāhṛtaḥ
ausgesprochen (Nom. Sg. Part.)

śrī-śuka uvāca / ta evaṁ suvinirṇīya / dharmaṁ bhāgavataṁ nṛpa / taṁ yāmya-pāśān nirmucya / vipraṁ mṛtyor amūmucan

Śrī Śuka sprach: Nachdem sie so den Dharma der Hingabe wohl dargelegt hatten, o König, befreiten sie den Brahmanen von den Fesseln Yamas und erretteten ihn vom Tod.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śuka (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
te
sie (Nom. Pl.)
evam
so (Adv.)
su-vinirṇīya
wohl dargelegt habend (Ger.)
dharmam
den Dharma (Akk. Sg.)
bhāgavatam
der Hingabe (Akk. Sg.)
nṛpa
o König (Vok. Sg.)
tam
ihn (Akk. Sg.)
yāmya-pāśāt
von den Fesseln Yamas (Abl. Sg.)
nirmucya
befreit habend (Ger.)
vipram
den Brahmanen (Akk. Sg.)
mṛtyoḥ
vom Tod (Abl. Sg.)
amūmucan
sie erretteten (3. Pl. Aor.)

iti pratyuditā yāmyā / dūtā yātvā yamāntikam / yama-rājñe yathā sarvam / ācacakṣur arindama

So erwidert, gingen die Boten Yamas zur Nähe Yamas und berichteten dem König Yama alles der Wahrheit gemäß, o Bezwinger der Feinde.

Wort für Wort
iti
so (Partikel)
pratyuditāḥ
erwidert (Nom. Pl. Part.)
yāmyāḥ
Yamas [Boten] (Nom. Pl.)
dūtāḥ
Boten (Nom. Pl.)
yātvā
gegangen seiend (Ger.)
yama-antikam
zur Nähe Yamas (Akk. Sg.)
yama-rājñe
dem König Yama (Dat. Sg.)
yathā
der Wahrheit gemäß (Adv.)
sarvam
alles (Akk. Sg.)
ācacakṣuḥ
sie berichteten (3. Pl. Perf.)
arindama
o Bezwinger der Feinde (Vok. Sg.)

dvijaḥ pāśād vinirmukto / gata-bhīḥ prakṛtiṁ gataḥ / vavande śirasā viṣṇoḥ / kiṅkarān darśanotsavaḥ

Der Brahmane, von den Fesseln befreit, seiner Furcht ledig, zu seiner natürlichen Fassung zurückgekehrt, verneigte sich mit dem Haupt vor den Dienern Viṣṇus, erfreut über ihren Anblick.

Wort für Wort
dvijaḥ
der Brahmane (Nom. Sg.)
pāśāt
von den Fesseln (Abl. Sg.)
vinirmuktaḥ
befreit (Nom. Sg. Part.)
gata-bhīḥ
seiner Furcht ledig (Nom. Sg.)
prakṛtim
zur natürlichen Fassung (Akk. Sg.)
gataḥ
zurückgekehrt (Nom. Sg. Part.)
vavande
verneigte sich (3. Sg. Perf.)
śirasā
mit dem Haupt (Instr. Sg.)
viṣṇoḥ
Viṣṇus (Gen. Sg.)
kiṅkarān
vor den Dienern (Akk. Pl.)
darśana-utsavaḥ
erfreut über den Anblick (Nom. Sg.)

taṁ vivakṣum abhipretya / mahāpuruṣa-kiṅkarāḥ / sahasā paśyatas tasya / tatrāntardadhire 'nagha

Da sie erkannten, dass er sprechen wollte, verschwanden die Diener des Höchsten Wesens dort plötzlich, während er noch zusah, o Sündloser.

Wort für Wort
tam
ihn (Akk. Sg.)
vivakṣum
den Sprechenwollenden (Akk. Sg. Part.)
abhipretya
erkannt habend (Ger.)
mahāpuruṣa-kiṅkarāḥ
die Diener des Höchsten Wesens (Nom. Pl.)
sahasā
plötzlich (Adv.)
paśyataḥ tasya
während er zusah (Gen. Sg. Part.)
tatra
dort (Adv.)
antardadhire
verschwanden (3. Pl. Perf. Med.)
anagha
o Sündloser (Vok. Sg.)

ajāmilo 'py athākarṇya / dūtānāṁ yama-kṛṣṇayoḥ / dharmaṁ bhāgavataṁ śuddhaṁ / trai-vedyaṁ ca guṇāśrayam // bhaktimān bhagavaty āśu / māhātmya-śravaṇād dhareḥ / anutāpo mahān āsīt / smarato 'śubham ātmanaḥ

Nachdem Ajāmila so das Gespräch der Boten Yamas und Kṛṣṇas vernommen hatte – über den reinen Dharma der Hingabe und über den auf den drei Veden beruhenden, den [materiellen] Erscheinungsweisen unterworfenen Dharma –, wurde er alsbald, durch das Hören der Größe Haris, ein Hingegebener; große Reue erfasste ihn, da er sich seiner unheilvollen Taten erinnerte.

Wort für Wort
ajāmilaḥ
Ajāmila (Nom. Sg.)
api
auch (Partikel)
atha
dann (Adv.)
ākarṇya
vernommen habend (Ger.)
dūtānām
der Boten (Gen. Pl.)
yama
Yamas (Gen.)
kṛṣṇayoḥ
und Kṛṣṇas (Gen. Dual)
dharmam
den Dharma (Akk. Sg.)
bhāgavatam
der Hingabe (Akk. Sg.)
śuddham
den reinen (Akk. Sg.)
trai-vedyam
den auf den drei Veden beruhenden (Akk. Sg.)
ca
und (Konj.)
guṇa-āśrayam
den auf den Erscheinungsweisen beruhenden (Akk. Sg.)
bhakti-mān
ein Hingegebener (Nom. Sg.)
bhagavati
im Herrn (Lok. Sg.)
āśu
alsbald (Adv.)
māhātmya
der Größe (Akk./Gen.)
śravaṇāt
durch das Hören (Abl. Sg.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
anutāpaḥ
Reue (Nom. Sg.)
mahān
groß (Nom. Sg.)
āsīt
war (3. Sg. Impf.)
smarataḥ
sich erinnernd (Gen. Sg. Part.)
aśubham
Unheilvolles (Akk. Sg.)
ātmanaḥ
seiner selbst (Gen. Sg.)

trai-vedyaṁ ca guṇāśrayam wird hier als zweites, dem bhāgavata-Dharma gegenübergestelltes Objekt zu dharmam gelesen (der auf den drei Veden beruhende, an die materiellen guṇas gebundene Dharma). [?]

aho me paramaṁ kaṣṭam / abhūd avijitātmanaḥ / yena viplāvitaṁ brahma / vṛṣalyāṁ jāyatātmanā

Ach, welch äußerstes Elend ist über mich gekommen, der ich mein Selbst nicht bezwungen habe – wodurch meine brahmanische Würde zerstört wurde, indem ich selbst mit einer Śūdra-Frau Kinder zeugte!

Wort für Wort
aho
ach (Interj.)
me
mein (Gen. Sg.)
paramam
äußerstes (Nom. Sg.)
kaṣṭam
Elend (Nom. Sg.)
abhūt
kam über (3. Sg. Aor.)
avijita-ātmanaḥ
dessen Selbst unbezwungen ist (Gen. Sg.)
yena
wodurch (Instr. Sg.)
viplāvitam
zerstört (Nom. Sg. Part.)
brahma
brahmanische Würde (Nom. Sg. Neutr.)
vṛṣalyām
mit einer Śūdra-Frau (Lok. Sg.)
jāyatā
zeugend (Instr. Sg. Part.)
ātmanā
selbst (Instr. Sg.)

dhiṅ māṁ vigarhitaṁ sadbhir / duṣkṛtaṁ kula-kajjalam / hitvā bālāṁ satīṁ yo 'haṁ / surā-pīm asatīm agām

Schande über mich, den von den Rechtschaffenen Verurteilten, den Übeltäter, den Schandfleck meiner Familie, der ich, meine junge, tugendhafte Gattin verlassend, zu einer unzüchtigen, Wein trinkenden Frau ging!

Wort für Wort
dhik
Schande (Interj.)
mām
über mich (Akk. Sg.)
vigarhitam
verurteilt (Akk. Sg. Part.)
sadbhiḥ
von den Rechtschaffenen (Instr. Pl.)
duṣkṛtam
Übeltäter (Akk. Sg.)
kula-kajjalam
Schandfleck der Familie (Akk. Sg.)
hitvā
verlassen habend (Ger.)
bālām
die junge (Akk. Sg.)
satīm
tugendhafte (Akk. Sg.)
yaḥ
der ich (Nom. Sg.)
aham
ich (Nom. Sg.)
surā-pīm
die Wein trinkende (Akk. Sg.)
asatīm
die unzüchtige (Akk. Sg.)
agām
ich ging (1. Sg. Aor.)

vṛddhāv anāthau pitarau / nānya-bandhū tapasvinau / aho mayādhunā tyaktāv / akṛtajñena nīcavat

Meine alten, hilflosen Eltern, die keinen anderen Beschützer hatten und Entbehrungen erlitten – ach, sie wurden nun von mir, dem Undankbaren, verlassen, wie es ein Niedrigster tut!

Wort für Wort
vṛddhau
alte (Akk. Dual)
anāthau
hilflose (Akk. Dual)
pitarau
Eltern (Akk. Dual)
na anya-bandhū
die keinen anderen Beschützer hatten (Akk. Dual)
tapasvinau
Entbehrungen erleidend (Akk. Dual)
aho
ach (Interj.)
mayā
von mir (Instr. Sg.)
adhunā
nun (Adv.)
tyaktau
verlassen (Akk. Dual Part.)
akṛta-jñena
von dem Undankbaren (Instr. Sg.)
nīca-vat
wie ein Niedrigster (Adv.)

so 'haṁ vyaktaṁ patiṣyāmi / narake bhṛśa-dāruṇe / dharma-ghnāḥ kāmino yatra / vindanti yama-yātanāḥ

Ich, ein solcher, werde offenkundig in die überaus schreckliche Hölle fallen, in der die den Dharma zerstörenden, von Begierde Getriebenen die Qualen Yamas erleiden.

Wort für Wort
saḥ
ich, ein solcher (Nom. Sg.)
aham
ich (Nom. Sg.)
vyaktam
offenkundig (Adv.)
patiṣyāmi
ich werde fallen (1. Sg. Fut.)
narake
in die Hölle (Lok. Sg.)
bhṛśa-dāruṇe
überaus schreckliche (Lok. Sg.)
dharma-ghnāḥ
die den Dharma zerstören (Nom. Pl.)
kāminaḥ
von Begierde Getriebene (Nom. Pl.)
yatra
worin (Adv.)
vindanti
erleiden (3. Pl. Präs.)
yama-yātanāḥ
die Qualen Yamas (Akk. Pl.)

kim idaṁ svapna āho svit / sākṣād dṛṣṭam ihādbhutam / kva yātā adya te ye māṁ / vyakarṣan pāśa-pāṇayaḥ

War dies nun ein Traum, oder war es hier wirklich, unmittelbar erlebtes Wunder? Wohin sind sie nun gegangen, die mich, Stricke in Händen, fortzerrten?

Wort für Wort
kim
ob (Frage)
idam
dies (Nom. Sg.)
svapne
im Traum (Lok. Sg.)
āho svit
oder (Konj.)
sākṣāt
unmittelbar (Adv.)
dṛṣṭam
gesehen (Nom. Sg. Part.)
iha
hier (Adv.)
adbhutam
wunderbar (Nom. Sg.)
kva
wohin (Adv.)
yātāḥ
gegangen (Nom. Pl. Part.)
adya
jetzt (Adv.)
te
sie (Nom. Pl.)
ye
die (Nom. Pl.)
mām
mich (Akk. Sg.)
vyakarṣan
sie zerrten (3. Pl. Impf.)
pāśa-pāṇayaḥ
mit Stricken in den Händen (Nom. Pl.)

atha te kva gatāḥ siddhāś / catvāraś cāru-darśanāḥ / vyāmocayan nīyamānaṁ / baddhvā pāśair adho bhuvaḥ

Und wohin sind jene vier vollkommenen, von schönem Anblick gegangen, die mich befreiten, als ich, mit Stricken gefesselt, hinab in die unteren Regionen der Welt geführt wurde?

Wort für Wort
atha
und (Adv.)
te
sie (Nom. Pl.)
kva
wohin (Adv.)
gatāḥ
gegangen (Nom. Pl. Part.)
siddhāḥ
vollkommene (Nom. Pl.)
catvāraḥ
vier (Nom. Pl.)
cāru-darśanāḥ
von schönem Anblick (Nom. Pl.)
vyāmocayan
sie befreiten (3. Pl. Impf.)
nīyamānam
mich, der geführt wurde (Akk. Sg. Part.)
baddhvā
gefesselt (Ger.)
pāśaiḥ
mit Stricken (Instr. Pl.)
adhaḥ bhuvaḥ
hinab zur unteren Welt (Adv./Gen.)

athāpi me durbhagasya / vibudhottama-darśane / bhavitavyaṁ maṅgalena / yenātmā me prasīdati

Doch muss auch mir, dem Unglücklichen, durch den Anblick jener höchsten Weisen etwas Glückverheißendes zuteil geworden sein, wodurch nun mein Selbst sich beruhigt.

Wort für Wort
atha api
doch auch (Adv.)
me
mir (Gen. Sg.)
durbhagasya
dem Unglücklichen (Gen. Sg.)
vibudha-uttama
der höchsten Weisen (Gen. Pl.)
darśane
im Anblick (Lok. Sg.)
bhavitavyam
muss gewesen sein (Nom. Sg. Ger.)
maṅgalena
durch Glückverheißendes (Instr. Sg.)
yena
wodurch (Instr. Sg.)
ātmā
das Selbst (Nom. Sg.)
me
mein (Gen. Sg.)
prasīdati
sich beruhigt (3. Sg. Präs.)

anyathā mriyamāṇasya / nāśucer vṛṣalī-pateḥ / vaikuṇṭha-nāma-grahaṇaṁ / jihvā vaktum ihārhati

Andernfalls vermöchte die Zunge eines im Sterben liegenden, unreinen Gatten einer Śūdra-Frau hier nicht, den Namen des Herrn von Vaikuṇṭha auszusprechen.

Wort für Wort
anyathā
andernfalls (Adv.)
mriyamāṇasya
eines Sterbenden (Gen. Sg. Part.)
na
nicht (Neg.)
aśuceḥ
eines Unreinen (Gen. Sg.)
vṛṣalī-pateḥ
des Gatten einer Śūdra-Frau (Gen. Sg.)
vaikuṇṭha-nāma-grahaṇam
das Aussprechen des Namens des Herrn von Vaikuṇṭha (Akk. Sg.)
jihvā
die Zunge (Nom. Sg.)
vaktum
auszusprechen (Inf.)
iha
hier (Adv.)
arhati
vermag (3. Sg. Präs.)

kva cāhaṁ kitavaḥ pāpo / brahma-ghno nirapatrapaḥ / kva ca nārāyaṇety etad / bhagavan-nāma maṅgalam

Wo stehe ich – ein Betrüger, ein Sünder, ein Zerstörer meiner brahmanischen Würde, ein Schamloser –, und wo steht dieser Name 'Nārāyaṇa', der glückverheißende Name des Herrn?

Wort für Wort
kva
wo (Adv.)
ca
und (Konj.)
aham
ich (Nom. Sg.)
kitavaḥ
Betrüger (Nom. Sg.)
pāpaḥ
Sünder (Nom. Sg.)
brahma-ghnaḥ
Zerstörer der brahmanischen Würde (Nom. Sg.)
nirapatrapaḥ
schamlos (Nom. Sg.)
kva
wo (Adv.)
ca
und (Konj.)
nārāyaṇa
'Nārāyaṇa' (Nom. Sg.)
iti
so (Partikel)
etat
dieser (Nom. Sg.)
bhagavat-nāma
Name des Herrn (Nom. Sg.)
maṅgalam
glückverheißend (Nom. Sg.)

so 'haṁ tathā yatiṣyāmi / yata-cittendriyānilaḥ / yathā na bhūya ātmānam / andhe tamasi majjaye

So werde auch ich mich nun bemühen, Geist, Sinne und Lebensatem gezügelt, dass ich mein Selbst nicht wieder in blinde Finsternis tauche.

Wort für Wort
saḥ
dieser (Nom. Sg.)
aham
ich (Nom. Sg.)
tathā
so (Adv.)
yatiṣyāmi
ich werde mich bemühen (1. Sg. Fut.)
yata-citta-indriya-anilaḥ
mit gezügeltem Geist, Sinnen und Lebensatem (Nom. Sg.)
yathā
auf dass (Konj.)
na
nicht (Neg.)
bhūyaḥ
wieder (Adv.)
ātmānam
mein Selbst (Akk. Sg.)
andhe
in blinde (Lok. Sg.)
tamasi
Finsternis (Lok. Sg.)
majjaye
ich tauche (1. Sg. Med.)

vimucya tam imaṁ bandham / avidyā-kāma-karmajam / sarva-bhūta-suhṛc chānto / maitraḥ karuṇa ātmavān // mocaye grastam ātmānaṁ / yoṣin-mayyātma-māyayā / vikrīḍito yayaivāhaṁ / krīḍā-mṛga ivādhamaḥ

Von dieser Fessel, die aus Unwissenheit, Begierde und Handeln entsteht, befreit, will ich, allen Wesen freundlich gesinnt, friedvoll, wohlwollend, mitfühlend und selbstbeherrscht, mein Selbst erlösen, das durch die illusionäre Kraft [des Herrn] in Gestalt der Frau gefangen ist, von der ich, ein Elendester, wie ein dressiertes Spieltier hin- und hergetrieben wurde.

Wort für Wort
vimucya
befreit habend (Ger.)
tam imam
diese (Akk. Sg.)
bandham
Fessel (Akk. Sg.)
avidyā-kāma-karma-jam
aus Unwissenheit, Begierde und Handeln entstandene (Akk. Sg.)
sarva-bhūta-suhṛt
allen Wesen freundlich gesinnt (Nom. Sg.)
śāntaḥ
friedvoll (Nom. Sg.)
maitraḥ
wohlwollend (Nom. Sg.)
karuṇaḥ
mitfühlend (Nom. Sg.)
ātma-vān
selbstbeherrscht (Nom. Sg.)
mocaye
ich will erlösen (1. Sg. Med.)
grastam
gefangenes (Akk. Sg. Part.)
ātmānam
Selbst (Akk. Sg.)
yoṣit-mayyā
in Gestalt der Frau (Instr. Sg.)
ātma-māyayā
durch die illusionäre Kraft [des Herrn] (Instr. Sg.)
vikrīḍitaḥ
hin- und hergespielt (Nom. Sg. Part.)
yayā eva
eben durch die (Instr. Sg.)
aham
ich (Nom. Sg.)
krīḍā-mṛgaḥ
ein dressiertes Spieltier (Nom. Sg.)
iva
wie (Adv.)
adhamaḥ
der Elendeste (Nom. Sg.)

mamāham iti dehādau / hitvāmithyārtha-dhīr matim / dhāsye mano bhagavati / śuddhaṁ tat-kīrtanādibhiḥ

Die Gesinnung 'Ich' und 'Mein', bezogen auf den Körper und dergleichen, aufgebend und die auf Wahrhaftes gerichtete Erkenntnis annehmend, werde ich meinen Geist, gereinigt durch Sein Besingen und Ähnliches, auf den Herrn richten.

Wort für Wort
mama aham
'mein', 'ich' (Gen./Nom.)
iti
so (Partikel)
deha-ādau
bezogen auf Körper u.a. (Lok. Sg.)
hitvā
aufgegeben habend (Ger.)
amithyā-artha-dhīḥ
auf Wahrhaftes gerichtete Erkenntnis (Nom. Sg.)
matim
Gesinnung (Akk. Sg.)
dhāsye
ich werde richten (1. Sg. Fut. Med.)
manaḥ
den Geist (Akk. Sg.)
bhagavati
auf den Herrn (Lok. Sg.)
śuddham
gereinigt (Akk. Sg.)
tat-kīrtana-ādibhiḥ
durch Sein Besingen u.a. (Instr. Pl.)

iti jāta-sunirvedaḥ / kṣaṇa-saṅgena sādhuṣu / gaṅgā-dvāram upeyāya / mukta-sarvānubandhanaḥ

So, von echter Entsagung erfüllt durch die nur augenblickliche Gemeinschaft mit den Heiligen, ging er, von allen weltlichen Bindungen befreit, nach Gaṅgādvāra.

Wort für Wort
iti
so (Partikel)
jāta-sunirvedaḥ
von echter Entsagung erfüllt (Nom. Sg.)
kṣaṇa-saṅgena
durch augenblickliche Gemeinschaft (Instr. Sg.)
sādhuṣu
mit den Heiligen (Lok. Pl.)
gaṅgā-dvāram
nach Gaṅgādvāra/Hardwar (Akk. Sg.)
upeyāya
er ging (3. Sg. Perf.)
mukta-sarva-anubandhanaḥ
von allen Bindungen befreit (Nom. Sg.)

gaṅgā-dvāram = Hardwar, 'das Tor des Ganges'.

sa tasmin deva-sadana / āsīno yogam āsthitaḥ / pratyāhṛtendriya-grāmo / yuyoja mana ātmani

Er, in jenem Tempel des Herrn sitzend, dem Yoga hingegeben, die Gesamtheit seiner Sinne zurückgezogen, richtete seinen Geist auf das Selbst.

Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg.)
tasmin
in jenem (Lok. Sg.)
deva-sadane
Tempel des Herrn (Lok. Sg.)
āsīnaḥ
sitzend (Nom. Sg. Part.)
yogam
dem Yoga (Akk. Sg.)
āsthitaḥ
hingegeben (Nom. Sg. Part.)
pratyāhṛta-indriya-grāmaḥ
dessen Sinnesgesamtheit zurückgezogen ist (Nom. Sg.)
yuyoja
er richtete (3. Sg. Perf.)
manaḥ
den Geist (Akk. Sg.)
ātmani
auf das Selbst (Lok. Sg.)

tato guṇebhya ātmānaṁ / viyujyātma-samādhinā / yuyuje bhagavad-dhāmni / brahmaṇy anubhavātmani

Sodann, seinen Geist von den Erscheinungsweisen loslösend durch Selbstversenkung, richtete er ihn auf das Brahman, das die Gestalt des Herrn ist, dessen Wesen unmittelbare Erfahrung ist.

Wort für Wort
tataḥ
sodann (Adv.)
guṇebhyaḥ
von den Erscheinungsweisen (Abl. Pl.)
ātmānam
den Geist (Akk. Sg.)
viyujya
losgelöst habend (Ger.)
ātma-samādhinā
durch Selbstversenkung (Instr. Sg.)
yuyuje
er richtete (3. Sg. Perf.)
bhagavat-dhāmni
auf die Gestalt des Herrn (Lok. Sg.)
brahmaṇi
auf das Brahman (Lok. Sg.)
anubhava-ātmani
dessen Wesen unmittelbare Erfahrung ist (Lok. Sg.)

yarhy upārata-dhīs tasminn / adrākṣīt puruṣān puraḥ / upalabhyopalabdhān prāg / vavande śirasā dvijaḥ

Als sein Geist zur Ruhe gekommen war, sah er zu jener Zeit die Personen wieder vor sich, die er zuvor schon einmal wahrgenommen hatte, und der Brahmane verneigte sich mit dem Haupt.

Wort für Wort
yarhi
als (Adv.)
upārata-dhīḥ
dessen Geist zur Ruhe gekommen war (Nom. Sg.)
tasmin
zu jener Zeit (Lok. Sg.)
adrākṣīt
er sah (3. Sg. Aor.)
puruṣān
die Personen (Akk. Pl.)
puraḥ
vor sich (Adv.)
upalabhya
wahrgenommen habend (Ger.)
upalabdhān
die wahrgenommenen (Akk. Pl. Part.)
prāk
zuvor (Adv.)
vavande
er verneigte sich (3. Sg. Perf.)
śirasā
mit dem Haupt (Instr. Sg.)
dvijaḥ
der Brahmane (Nom. Sg.)

hitvā kalevaraṁ tīrthe / gaṅgāyāṁ darśanād anu / sadyaḥ svarūpaṁ jagṛhe / bhagavat-pārśva-vartinām

Nachdem er seinen Leib an der heiligen Stätte am Ganges aufgegeben hatte, nahm er sogleich, nach jenem Anblick, die Wesensgestalt derer an, die an der Seite des Herrn weilen.

Wort für Wort
hitvā
aufgegeben habend (Ger.)
kalevaram
den Leib (Akk. Sg.)
tīrthe
an der heiligen Stätte (Lok. Sg.)
gaṅgāyām
am Ganges (Lok. Sg.)
darśanāt
nach dem Anblick (Abl. Sg.)
anu
danach (Postp.)
sadyaḥ
sogleich (Adv.)
sva-rūpam
die eigene Wesensgestalt (Akk. Sg.)
jagṛhe
er nahm an (3. Sg. Perf. Med.)
bhagavat-pārśva-vartinām
derer, die an der Seite des Herrn weilen (Gen. Pl.)

sākaṁ vihāyasā vipro / mahāpuruṣa-kiṅkaraiḥ / haimaṁ vimānam āruhya / yayau yatra śriyaḥ patiḥ

Zusammen mit den Dienern des Höchsten Wesens bestieg der Brahmane, auf dem Luftweg, ein goldenes Flugwerk und ging dorthin, wo der Gemahl der Glücksgöttin weilt.

Wort für Wort
sākam
zusammen (Adv.)
vihāyasā
auf dem Luftweg (Instr. Sg.)
vipraḥ
der Brahmane (Nom. Sg.)
mahāpuruṣa-kiṅkaraiḥ
mit den Dienern des Höchsten Wesens (Instr. Pl.)
haimam
goldenes (Akk. Sg.)
vimānam
Flugwerk (Akk. Sg.)
āruhya
bestiegen habend (Ger.)
yayau
er ging (3. Sg. Perf.)
yatra
wohin (Adv.)
śriyaḥ patiḥ
der Gemahl der Glücksgöttin (Nom. Sg.)

evaṁ sa viplāvita-sarva-dharmā / dāsyāḥ patiḥ patito garhya-karmaṇā / nipātyamāno niraye hata-vrataḥ / sadyo vimukto bhagavan-nāma gṛhṇan

So wurde er, dessen gesamter Dharma zerstört war, der Gatte einer Dienerin, durch tadelnswerte Taten gefallen, der seine Gelübde gebrochen hatte und der bereits in die Hölle hinabgestoßen wurde, sogleich befreit, indem er den Namen des Herrn ergriff.

Wort für Wort
evam
so (Adv.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
viplāvita-sarva-dharmā
dessen gesamter Dharma zerstört war (Nom. Sg.)
dāsyāḥ patiḥ
der Gatte einer Dienerin (Nom. Sg.)
patitaḥ
gefallen (Nom. Sg.)
garhya-karmaṇā
durch tadelnswerte Taten (Instr. Sg.)
nipātyamānaḥ
hinabgestoßen werdend (Nom. Sg. Part.)
niraye
in die Hölle (Lok. Sg.)
hata-vrataḥ
dessen Gelübde gebrochen waren (Nom. Sg.)
sadyaḥ
sogleich (Adv.)
vimuktaḥ
befreit (Nom. Sg. Part.)
bhagavat-nāma
den Namen des Herrn (Akk. Sg.)
gṛhṇan
ergreifend (Nom. Sg. Part. Präs.)

nātaḥ paraṁ karma-nibandha-kṛntanaṁ / mumukṣatāṁ tīrtha-pādānukīrtanāt / na yat punaḥ karmasu sajjate mano / rajas-tamobhyāṁ kalilaṁ tato 'nyathā

Es gibt kein besseres Mittel als dieses zur Durchtrennung der Fesseln des Handelns für jene, die nach Befreiung streben, als das beständige Besingen dessen, dessen Füße heilige Stätten sind – wodurch der Geist sich nicht wieder in Taten verstrickt, die durch die Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Dunkelheit befleckt sind; auf andere Weise gelingt dies nicht.

Wort für Wort
na
nicht (Neg.)
ataḥ
als dies (Abl.)
param
besseres [Mittel] (Nom. Sg.)
karma-nibandha-kṛntanam
die Durchtrennung der Fesseln des Handelns (Nom. Sg.)
mumukṣatām
für die nach Befreiung Strebenden (Gen. Pl.)
tīrtha-pāda-anukīrtanāt
als das Besingen dessen, dessen Füße heilige Stätten sind (Abl. Sg.)
na
nicht (Neg.)
yat
wodurch (Konj.)
punaḥ
wieder (Adv.)
karmasu
an Taten (Lok. Pl.)
sajjate
haftet (3. Sg. Med.)
manaḥ
der Geist (Nom. Sg.)
rajaḥ-tamobhyām
durch Leidenschaft und Dunkelheit (Instr. Dual)
kalilam
befleckt (Nom. Sg.)
tataḥ
dadurch (Adv.)
anyathā
auf andere Weise (Adv.)

tīrtha-pāda ist ein Beiname des Herrn: 'dessen Füße [selbst] heilige Stätten sind'.

ya etaṁ paramaṁ guhyam / itihāsam aghāpaham / śṛṇuyāc chraddhayā yukto / yaś ca bhaktyānukīrtayet // na vai sa narakaṁ yāti / nekṣito yama-kiṅkaraiḥ / yady apy amaṅgalo martyo / viṣṇu-loke mahīyate

Wer diese höchst geheime, Sünde tilgende Geschichte mit Glauben ausgestattet hört, und wer sie mit Hingabe nachsingt, der geht gewiss nicht zur Hölle und wird von den Dienern Yamas nicht beachtet; selbst wenn er ein unglückverfolgter Sterblicher ist, wird er in der Welt Viṣṇus geehrt.

Wort für Wort
yaḥ
wer (Nom. Sg.)
etam
diese (Akk. Sg.)
paramam
höchst (Akk. Sg.)
guhyam
geheime (Akk. Sg.)
itihāsam
Geschichte (Akk. Sg.)
agha-apaham
Sünde tilgend (Akk. Sg.)
śṛṇuyāt
höre (3. Sg. Opt.)
śraddhayā
mit Glauben (Instr. Sg.)
yuktaḥ
ausgestattet (Nom. Sg. Part.)
yaḥ ca
und wer (Nom. Sg.)
bhaktyā
mit Hingabe (Instr. Sg.)
anukīrtayet
nachsinge (3. Sg. Opt.)
na vai
gewiss nicht (Partikel)
saḥ
er (Nom. Sg.)
narakam
zur Hölle (Akk. Sg.)
yāti
geht (3. Sg. Präs.)
na
nicht (Neg.)
īkṣitaḥ
beachtet (Nom. Sg. Part.)
yama-kiṅkaraiḥ
von den Dienern Yamas (Instr. Pl.)
yadi api
selbst wenn (Konj.)
amaṅgalaḥ
unglückverfolgt (Nom. Sg.)
martyaḥ
Sterblicher (Nom. Sg.)
viṣṇu-loke
in der Welt Viṣṇus (Lok. Sg.)
mahīyate
wird geehrt (3. Sg. Pass.)

mriyamāṇo harer nāma / gṛṇan putropacāritam / ajāmilo 'py agād dhāma / kim uta śraddhayā gṛṇan

Selbst Ajāmila, der im Sterben den Namen Haris aussprach – nur in Bezug auf seinen Sohn gemeint –, ging in das Reich Haris ein; wie viel mehr gilt dies für den, der ihn mit Glauben ausspricht!

Wort für Wort
mriyamāṇaḥ
sterbend (Nom. Sg. Part.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
nāma
Namen (Akk. Sg.)
gṛṇan
aussprechend (Nom. Sg. Part. Präs.)
putra-upacāritam
auf den Sohn bezogen gemeint (Akk. Sg.)
ajāmilaḥ
Ajāmila (Nom. Sg.)
api
sogar (Partikel)
agāt
ging ein (3. Sg. Aor.)
dhāma
ins Reich (Akk. Sg.)
kim uta
wie viel mehr (Adv.)
śraddhayā
mit Glauben (Instr. Sg.)
gṛṇan
aussprechend (Nom. Sg. Part.)

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