Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 170: Bhagavataḥ Aditi-putratva-svīkāraḥ Der Höchste Herr willigt ein, Aditis Sohn zu werden

śrī-śuka uvāca | ity uktā sāditī rājan sva-bhartrā kaśyapena vai | anv atiṣṭhad vratam idaṁ dvādaśāham atandritā

Śrī Śuka sprach: So von ihrem Gatten Kaśyapa angesprochen, o König, befolgte Aditi dieses Gelübde zwölf Tage lang, ohne Trägheit.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
iti uktā
so angesprochen (Nom. Sg. f., Ptz. Perf. Pass.)
sā aditiḥ
sie, Aditi
rājan
o König (Vok.)
sva-bhartrā
von ihrem eigenen Gatten (Instr. Sg.)
kaśyapena
von Kaśyapa (Instr. Sg.)
vai
fürwahr
anu atiṣṭhat
sie befolgte, vollzog (3. Sg. Impf.)
vratam idam
dieses Gelübde
dvādaśa-aham
zwölf Tage lang
atandritā
unermüdlich, ohne Trägheit (Nom. Sg. f.)

cintayanty ekayā buddhyā mahā-puruṣam īśvaram | pragṛhyendriya-duṣṭāśvān manasā buddhi-sārathiḥ || manaś caikāgrayā buddhyā bhagavaty akhilātmani | vāsudeve samādhāya cacāra ha payo-vratam

Während sie mit ungeteiltem Denken beständig an den Großen Puruṣa, den Herrscher, dachte, die widerspenstigen Sinnespferde mit dem Denken fest im Zaum haltend, [sie,] deren Wagenlenker die Unterscheidungskraft war - indem sie so mit einsgerichteter Unterscheidungskraft den Geist auf den Erhabenen, die Seele von allem, auf Vāsudeva, versenkte, vollzog sie das Milch-Gelübde.

Wort für Wort
cintayantī
beständig denkend (Nom. Sg. f., Ptz. Präs.)
ekayā buddhyā
mit einer (ungeteilten) Unterscheidungskraft (Instr. Sg.)
mahā-puruṣam
an den Großen Puruṣa (Akk. Sg.)
īśvaram
den Herrscher (Akk. Sg.)
pragṛhya
fest ergreifend, im Zaum haltend (Absolutiv)
indriya-duṣṭa-aśvān
die durch die Sinne widerspenstigen [Wagen-]Pferde (Akk. Pl.)
manasā
mit dem Geist/Denken (Instr. Sg.)
buddhi-sārathiḥ
deren Wagenlenker die Unterscheidungskraft [war] (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
manaḥ
den Geist (Akk. Sg.)
ca
und
eka-agrayā buddhyā
mit einsgerichteter Unterscheidungskraft (Instr. Sg.)
bhagavati
auf den Erhabenen (Lok. Sg.)
akhila-ātmani
die Seele von allem (Lok. Sg.)
vāsudeve
auf Vāsudeva (Lok. Sg.)
samādhāya
versenkend, festlegend (Absolutiv)
cacāra
sie vollzog, ging umher (3. Sg. Perf.)
ha
fürwahr, wie berichtet wird
payaḥ-vratam
das Milch-Gelübde (Akk. Sg.)

tasyāḥ prādurabhūt tāta bhagavān ādi-puruṣaḥ | pīta-vāsāś catur-bāhuḥ śaṅkha-cakra-gadā-dharaḥ

Vor ihr erschien, mein Lieber, der Erhabene, die Urperson, in gelbes Gewand gekleidet, vierarmig, Muschelhorn, Diskus und Keule tragend.

Wort für Wort
tasyāḥ
vor ihr (Gen./Dat. Sg. f.)
prādurabhūt
erschien (3. Sg. Aor.)
tāta
mein Lieber (Vok., Anrede des Erzählers an den König)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
ādi-puruṣaḥ
die Urperson (Nom. Sg.)
pīta-vāsāḥ
in gelbes Gewand gekleidet (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
catuḥ-bāhuḥ
vierarmig (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
śaṅkha-cakra-gadā-dharaḥ
Muschelhorn, Diskus und Keule tragend (Nom. Sg.)

taṁ netra-gocaraṁ vīkṣya sahasotthāya sādaram | nanāma bhuvi kāyena daṇḍavat-prīti-vihvalā

Als sie ihn, in ihr Blickfeld getreten, erblickte, erhob sie sich plötzlich und verneigte sich ehrfurchtsvoll, wie ein Stab [der Länge nach] zu Boden fallend, mit dem ganzen Körper, von Liebe überwältigt.

Wort für Wort
tam
ihn (Akk. Sg.)
netra-gocaram
in das Blickfeld der Augen getreten (Akk. Sg.)
vīkṣya
nachdem sie erblickt hatte (Absolutiv)
sahasā
plötzlich
utthāya
nachdem sie sich erhoben hatte (Absolutiv)
sa-ādaram
mit Ehrfurcht/Achtung (Adv.)
nanāma
sie verneigte sich (3. Sg. Perf.)
bhuvi
auf dem Boden (Lok. Sg.)
kāyena
mit dem Körper (Instr. Sg.)
daṇḍa-vat
wie ein Stab [der Länge nach hinfallend]
prīti-vihvalā
von Liebe überwältigt (Nom. Sg. f.)

sotthāya baddhāñjalir īḍituṁ sthitā notseha ānanda-jalākulekṣaṇā | babhūva tūṣṇīṁ pulakākulākṛtis tad-darśanātyutsava-gātra-vepathuḥ

Sie, aufgestanden, mit gefalteten Händen zum Lobpreisen dastehend, vermochte es nicht [zu sprechen], ihre Augen von Freudentränen umflort; sie wurde stumm, ihre Gestalt von Haaresträuben überzogen, ihr Körper zitternd vor dem übergroßen Entzücken bei diesem Anblick.

Wort für Wort
sā
sie (Nom. Sg. f.)
utthāya
aufgestanden (Absolutiv)
baddha-añjaliḥ
mit gefalteten Händen (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
īḍitum
um zu preisen (Infinitiv)
sthitā
dastehend (Nom. Sg. f.)
na utsehe
sie vermochte nicht (3. Sg. Impf. Med.)
ānanda-jala-ākula-īkṣaṇā
deren Blick von Wonne-Tränen umflort war (Nom. Sg. f., Bahuvrīhi)
babhūva
sie wurde (3. Sg. Perf.)
tūṣṇīm
stumm, schweigend (Adv.)
pulaka-ākula-ākṛtiḥ
deren Gestalt von Haarsträuben überzogen war (Nom. Sg. f., Bahuvrīhi)
tat-darśana
durch den Anblick dessen
ati-utsava
durch übergroßes Entzücken
gātra-vepathuḥ
deren Körper zitterte (Nom. Sg. f., Bahuvrīhi)

prītyā śanair gadgadayā girā hariṁ tuṣṭāva sā devy aditiḥ kurūdvaha | udvīkṣatī sā pibatīva cakṣuṣā ramā-patiṁ yajña-patiṁ jagat-patim

Mit Liebe, langsam, mit stockender Stimme, pries jene Göttin Aditi Hari, o Bester der Kuru; emporblickend, gleichsam ihn mit den Augen trinkend, [pries sie] den Gatten der Ramā, den Herrn des Opfers, den Herrn der Welt.

Wort für Wort
prītyā
mit Liebe (Instr. Sg.)
śanaiḥ
langsam, allmählich
gadgadayā girā
mit stockender Stimme (Instr. Sg.)
harim
Hari (Akk. Sg.)
tuṣṭāva
sie pries (3. Sg. Perf.)
sā devī aditiḥ
jene Göttin Aditi (Nom. Sg.)
kuru-udvaha
o Bester der Kuru (Vok.)
udvīkṣatī
emporblickend (Nom. Sg. f., Ptz. Präs.)
sā
sie
pibatī iva
gleichsam trinkend (Nom. Sg. f.)
cakṣuṣā
mit den Augen (Instr. Sg.)
ramā-patim
den Gatten der Ramā (Akk. Sg.)
yajña-patim
den Herrn des Opfers (Akk. Sg.)
jagat-patim
den Herrn der Welt (Akk. Sg.)

śrī-aditir uvāca | yajñeśa yajña-puruṣācyuta tīrtha-pāda tīrtha-śravaḥ śravaṇa-maṅgala-nāmadheya | āpanna-loka-vṛjinopaśamodayādya śaṁ naḥ kṛdhīśa bhagavann asi dīna-nāthaḥ

Śrī Aditi sprach: O Herr des Opfers, o Wesen des Opfers, Unfehlbarer, dessen Füße Pilgerstätten [sind], dessen Ruhm [selbst] Pilgerstätte [ist], dessen Hören und Name heilbringend [sind]; o Ursprünglicher, dessen Erscheinen das Leid der [Ihm] ergebenen Menschen zur Ruhe bringt - schaffe uns Wohlergehen, o Herrscher; du, Erhabener, bist der Zufluchtsherr der Elenden.

Wort für Wort
śrī-aditiḥ uvāca
Śrī Aditi sprach
yajña-īśa
o Herr des Opfers (Vok.)
yajña-puruṣa
o Wesen/Person des Opfers (Vok.)
acyuta
o Unfehlbarer (Vok.)
tīrtha-pāda
o dessen Füße Pilgerstätten sind (Vok.)
tīrtha-śravaḥ
o dessen Ruhm [selbst eine] Pilgerstätte [ist] (Vok.)
śravaṇa-maṅgala-nāmadheya
o dessen Hören [über dich] und Name heilbringend sind (Vok.)
āpanna-loka
der [dir] ergebenen Menschen
vṛjina-upaśama
deren Leid/Übel zur Ruhe bringend
udaya
durch [dein] Erscheinen
ādya
o Ursprünglicher (Vok.)
śam
Wohlergehen, Glück (Akk. Sg.)
naḥ
uns (Gen./Dat. Pl.)
kṛdhi
erschaffe, bewirke (Imp. 2. Sg.)
īśa
o Herrscher (Vok.)
bhagavan
o Erhabener (Vok.)
asi
du bist (2. Sg. Präs.)
dīna-nāthaḥ
der Herr/die Zuflucht der Elenden (Nom. Sg.)

viśvāya viśva-bhavana-sthiti-saṁyamāya svairaṁ gṛhīta-puru-śakti-guṇāya bhūmne | sva-sthāya śaśvad-upabṛṁhita-pūrṇa-bodha-vyāpāditātma-tamase haraye namas te

Dem All, dem Bewirker von Entstehung, Erhaltung und Auflösung des Alls, der nach eigenem Willen die vielfältigen Kräfte [in Gestalt der] Erscheinungsweisen angenommen hat, dem Erhabenen, dem in sich selbst Gegründeten, dessen eigene Finsternis durch ewig anwachsendes, volles Erwachen [restlos] vernichtet ist - dir, Hari, [gilt] die Verehrung.

Wort für Wort
viśvāya
dem All (Dat. Sg.)
viśva-bhavana-sthiti-saṁyamāya
dem Bewirker von Entstehung, Erhaltung und Auflösung des Alls (Dat. Sg.)
svairam
aus eigenem Willen, frei (Adv.)
gṛhīta-puru-śakti-guṇāya
der die vielfältigen Kräfte [in Form der] Erscheinungsweisen angenommen hat (Dat. Sg., Bahuvrīhi)
bhūmne
dem Großen/Erhabenen (Dat. Sg.)
sva-sthāya
dem in sich selbst Gegründeten (Dat. Sg.)
śaśvat-upabṛṁhita-pūrṇa-bodha
durch ewig anwachsendes, volles Erwachen/Wissen
vyāpādita-ātma-tamase
dessen eigene Finsternis [dadurch] vernichtet ist (Dat. Sg., Bahuvrīhi)
haraye
Hari (Dat. Sg.)
namaḥ te
Verehrung [sei] dir

āyuḥ paraṁ vapur abhīṣṭam atulya-lakṣmīr dyo-bhū-rasāḥ sakala-yoga-guṇās tri-vargaḥ | jñānaṁ ca kevalam ananta bhavanti tuṣṭāt tvatto nṛṇāṁ kim u sapatna-jayādir āśīḥ

Höchstes Lebensalter, ersehnte Gestalt, unvergleichlicher Reichtum, Himmel, Erde und Unterwelt, alle Vollkommenheiten des Yoga, die drei Ziele [des Lebens] und selbst reines Wissen - all das wird den Menschen zuteil, wenn du zufrieden bist, o Unendlicher; was soll da erst der Segen [wie] der Sieg über Feinde [und dergleichen sein]?

Wort für Wort
āyuḥ
Lebensalter (Nom. Sg.)
param
höchstes
vapuḥ
Gestalt, Körper (Nom. Sg.)
abhīṣṭam
ersehnt (Nom. Sg.)
atulya-lakṣmīḥ
unvergleichlicher Reichtum (Nom. Sg.)
dyo-bhū-rasāḥ
Himmel, Erde und Unterwelt (Nom. Pl.)
sakala-yoga-guṇāḥ
alle Vollkommenheiten des Yoga (Nom. Pl.)
tri-vargaḥ
die Dreiheit [der Lebensziele: Pflicht, Gewinn, Genuss] (Nom. Sg.)
jñānam
Wissen (Nom. Sg.)
ca
und
kevalam
reines, alleiniges
ananta
o Unendlicher (Vok.)
bhavanti
sie werden, entstehen (3. Pl. Präs.)
tuṣṭāt
aus [deiner] Zufriedenheit (Abl. Sg.)
tvattaḥ
von dir (Abl.)
nṛṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
kim u
was erst, geschweige denn
sapatna-jaya-ādiḥ
Sieg über Feinde und dergleichen
āśīḥ
Segen, Wunsch (Nom. Sg.)

śrī-śuka uvāca | adityaivaṁ stuto rājan bhagavān puṣkarekṣaṇaḥ | kṣetra-jñaḥ sarva-bhūtānām iti hovāca bhārata

Śrī Śuka sprach: So von Aditi gepriesen, o König, sprach der Erhabene, der Lotusäugige, der Kenner des Feldes [d.h. die Seele] aller Wesen, [folgendermaßen], o Nachkomme Bharatas.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
adityā
von Aditi (Instr. Sg.)
evam
so
stutaḥ
gepriesen (Nom. Sg. m.)
rājan
o König (Vok.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
puṣkara-īkṣaṇaḥ
der Lotusäugige (Nom. Sg.)
kṣetra-jñaḥ
der Kenner des Feldes [die Seele] (Nom. Sg.)
sarva-bhūtānām
aller Wesen (Gen. Pl.)
iti
so, folgendermaßen
ha
fürwahr
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
bhārata
o Nachkomme Bharatas (Vok.)

śrī-bhagavān uvāca | deva-mātar bhavatyā me vijñātaṁ cira-kāṅkṣitam | yat sapatnair hṛta-śrīṇāṁ cyāvitānāṁ sva-dhāmataḥ

Der Erhabene Herr sprach: O Mutter der Götter, von mir ist dein lang gehegtes Verlangen erkannt worden: dass [du wünschst,] deine [Söhne], denen von den Rivalen ihr Glanz geraubt und die aus ihrer eigenen Wohnstatt vertrieben wurden, [wieder eingesetzt zu sehen].

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene Herr sprach
deva-mātaḥ
o Mutter der Götter (Vok.)
bhavatyāḥ
von dir (Gen. Sg.)
me
von mir (Instr./Agens)
vijñātam
erkannt (Nom. Sg. n.)
cira-kāṅkṣitam
lang Ersehntes/Gehegtes (Nom. Sg. n.)
yat
dass, nämlich dass
sapatnaiḥ
durch die Rivalen (Instr. Pl.)
hṛta-śrīṇām
denen der Glanz geraubt wurde (Gen. Pl.)
cyāvitānām
der Vertriebenen (Gen. Pl.)
sva-dhāmataḥ
aus der eigenen Wohnstatt (Abl.)

tān vinirjitya samare durmadān asurarṣabhān | pratilabdha-jaya-śrībhiḥ putrair icchasy upāsitum

Du wünschst, von [deinen] Söhnen umgeben zu sein, die, nachdem sie jene vor Übermut trunkenen Erststiere der Asuras im Kampf besiegt haben, Sieg und Glanz zurückgewonnen haben, um [von ihnen] verehrt zu werden.

Wort für Wort
tān
jene (Akk. Pl. m.)
vinirjitya
nachdem besiegt (Absolutiv)
samare
im Kampf (Lok. Sg.)
durmadān
vor Übermut trunkene (Akk. Pl.)
asura-ṛṣabhān
die Erststiere/Besten der Asuras (Akk. Pl.)
pratilabdha-jaya-śrībhiḥ
die Sieg und Glanz zurückgewonnen haben (Instr. Pl., Bahuvrīhi)
putraiḥ
mit [deinen] Söhnen (Instr. Pl.)
icchasi
du wünschst (2. Sg. Präs.)
upāsitum
verehrt zu werden / [von ihnen] umgeben zu sein (Infinitiv)

indra-jyeṣṭhaiḥ sva-tanayair hatānāṁ yudhi vidviṣām | striyo rudantīr āsādya draṣṭum icchasi duḥkhitāḥ

Du wünschst, die weinenden, leidgeprüften Ehefrauen der von deinen eigenen Söhnen, mit Indra als dem Ältesten, im Kampf erschlagenen Feinde zu erblicken, [nachdem sie an deren Leichen] herangetreten sind.

Wort für Wort
indra-jyeṣṭhaiḥ
mit Indra als dem Ältesten (Instr. Pl.)
sva-tanayaiḥ
von [deinen] eigenen Söhnen (Instr. Pl.)
hatānām
der Erschlagenen (Gen. Pl.)
yudhi
im Kampf (Lok. Sg.)
vidviṣām
der Feinde (Gen. Pl.)
striyaḥ
die Ehefrauen (Akk. Pl.)
rudantīḥ
weinende (Akk. Pl. f.)
āsādya
nachdem [sie] herangetreten sind (Absolutiv)
draṣṭum
zu sehen (Infinitiv)
icchasi
du wünschst (2. Sg. Präs.)
duḥkhitāḥ
leidgeprüfte, betrübte (Akk. Pl. f.)

ātmajān susamṛddhāṁs tvaṁ pratyāhṛta-yaśaḥ-śriyaḥ | nāka-pṛṣṭham adhiṣṭhāya krīḍato draṣṭum icchasi

Du wünschst, deine eigenen, wohlgediehenen Söhne zu sehen, die Ruhm und Glanz zurückgewonnen haben, wie sie, auf dem Himmelsgewölbe [d.h. dem höchsten Himmel] wohnend, sich vergnügen.

Wort für Wort
ātma-jān
die eigenen Söhne (Akk. Pl.)
su-samṛddhān
wohlgediehene, wohlhabende (Akk. Pl.)
tvam
du (Nom. Sg.)
pratyāhṛta-yaśaḥ-śriyaḥ
die Ruhm und Glanz zurückgewonnen haben (Akk. Pl., Bahuvrīhi)
nāka-pṛṣṭham
das Himmelsgewölbe, den höchsten Himmel (Akk. Sg.)
adhiṣṭhāya
bewohnend, sich aufhaltend auf (Absolutiv)
krīḍataḥ
sich vergnügende (Akk. Pl., Ptz. Präs.)
draṣṭum
zu sehen (Infinitiv)
icchasi
du wünschst (2. Sg. Präs.)

prāyo 'dhunā te 'sura-yūtha-nāthā apāraṇīyā iti devi me matiḥ | yat te 'nukūleśvara-vipra-guptā na vikramas tatra sukhaṁ dadāti

Fast unbezwingbar sind jetzt jene Anführer der Dämonenscharen, so ist meine Ansicht, o Göttin; da sie durch [ihnen] wohlgesonnene Herrscher und Brahmanen beschützt werden, gibt dort Gewaltanwendung kein Glück.

Wort für Wort
prāyaḥ
beinahe, größtenteils
adhunā
jetzt
te
jene (Nom. Pl.)
asura-yūtha-nāthāḥ
die Anführer der Dämonenscharen (Nom. Pl.)
apāraṇīyāḥ
unüberwindbar, nicht zu bezwingen (Nom. Pl.)
iti
so
devi
o Göttin (Vok.)
me matiḥ
meine Ansicht (Nom. Sg.)
yat
weil, da
te
sie (Nom. Pl.)
anukūla-īśvara-vipra-guptāḥ
durch [ihnen] wohlgesonnene Herrscher und Brahmanen beschützt (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
na
nicht
vikramaḥ
Gewaltanwendung, Heldenmut (Nom. Sg.)
tatra
dort, dabei
sukham
Glück (Akk. Sg.)
dadāti
gibt (3. Sg. Präs.)

athāpy upāyo mama devi cintyaḥ santoṣitasya vrata-caryayā te | mamārcanaṁ nārhati gantum anyathā śraddhānurūpaṁ phala-hetukatvāt

Dennoch muss von mir, o Göttin, ein Mittel erwogen werden, da ich von dir durch den Vollzug des Gelübdes zufriedengestellt worden bin; denn die Verehrung meiner Person kann nicht ohne [Ergebnis] verlaufen, da [ihre] Frucht dem [jeweiligen] Glauben entsprechend gewiss ist.

Wort für Wort
atha api
dennoch, gleichwohl
upāyaḥ
ein Mittel (Nom. Sg.)
mama
von mir (Gen. Sg.)
devi
o Göttin (Vok.)
cintyaḥ
muss erwogen werden (Nom. Sg., Gerundivum)
santoṣitasya
des Zufriedengestellten [meiner] (Gen. Sg.)
vrata-caryayā
durch den Vollzug des Gelübdes (Instr. Sg.)
te
durch dich (Instr. Sg.)
mama arcanam
die Verehrung meiner [Person] (Nom. Sg.)
na arhati
kann nicht, ziemt sich nicht (3. Sg. Präs.)
gantum anyathā
anders zu verlaufen (Infinitiv)
śraddhā-anurūpam
dem Glauben entsprechend
phala-hetukatvāt
weil [sie] Ursache der Frucht [ist] (Abl.)

tvayārcitaś cāham apatya-guptaye payo-vratenānuguṇaṁ samīḍitaḥ | svāṁśena putratvam upetya te sutān goptāsmi mārīca-tapasy adhiṣṭhitaḥ

Und ich, von dir zum Schutz [deiner] Nachkommenschaft verehrt, bin durch das Milch-Gelübde angemessen gepriesen worden; durch meinen eigenen Anteil werde ich, indem ich Sohnschaft [bei dir] annehme, im Rahmen der Askese des Sohnes Marīcis [d.h. Kaśyapas] weilend, deine Söhne beschützen.

Wort für Wort
tvayā
von dir (Instr. Sg.)
arcitaḥ
verehrt (Nom. Sg. m.)
ca
und
aham
ich (Nom. Sg.)
apatya-guptaye
zum Schutz der Nachkommenschaft (Dat. Sg.)
payaḥ-vratena
durch das Milch-Gelübde (Instr. Sg.)
anuguṇam
angemessen, entsprechend
samīḍitaḥ
gepriesen (Nom. Sg. m.)
sva-aṁśena
durch meinen eigenen Anteil (Instr. Sg.)
putratvam
Sohnschaft (Akk. Sg.)
upetya
annehmend, erlangend (Absolutiv)
te sutān
deine Söhne (Akk. Pl.)
goptā asmi
ich werde beschützen (1. Sg. Fut.-Umschr.)
mārīca-tapasi
in der Askese des Sohnes Marīcis [Kaśyapas] (Lok. Sg.)
adhiṣṭhitaḥ
weilend, [darin] befindlich (Nom. Sg. m.)

upadhāva patiṁ bhadre prajāpatim akalmaṣam | māṁ ca bhāvayatī patyāv evaṁ rūpam avasthitam

Nahe dich, o Holde, deinem makellosen Gatten, dem Prajāpati, und betrachte mich dabei als in dieser Gestalt im Gatten weilend.

Wort für Wort
upadhāva
nahe dich, diene (Imp. 2. Sg.)
patim
dem Gatten (Akk. Sg.)
bhadre
o Holde (Vok. Sg. f.)
prajāpatim
dem Prajāpati (Akk. Sg.)
akalmaṣam
dem Makellosen (Akk. Sg.)
mām
mich (Akk. Sg.)
ca
und
bhāvayatī
betrachtend, dir vorstellend (Nom. Sg. f., Ptz. Präs.)
patyau
im Gatten (Lok. Sg.)
evam
so, auf diese Weise
rūpam
[dieser] Gestalt (Akk. Sg.)
avasthitam
weilend, befindlich (Akk. Sg. n., Ptz. Perf. Pass.)

naitat parasmā ākhyeyaṁ pṛṣṭayāpi kathañcana | sarvaṁ sampadyate devi deva-guhyaṁ susaṁvṛtam

Dies darf keinem Außenstehenden mitgeteilt werden, selbst wenn du irgendwie gefragt wirst; alles gelingt, o Göttin, wenn es, den Göttern geheim, wohlverwahrt bleibt.

Wort für Wort
na
nicht
etat
dies (Nom./Akk. Sg. n.)
parasmai
einem Außenstehenden (Dat. Sg.)
ākhyeyam
ist mitzuteilen (Nom. Sg. n., Gerundivum)
pṛṣṭayā api
selbst wenn [du] gefragt [wirst] (Instr. Sg. f., Ptz. Perf. Pass.)
kathañcana
auf irgendeine Weise
sarvam
alles (Nom. Sg. n.)
sampadyate
gelingt, gedeiht (3. Sg. Präs. Med.)
devi
o Göttin (Vok.)
deva-guhyam
den Göttern geheim (Nom. Sg. n.)
su-saṁvṛtam
wohlverwahrt, gut verborgen (Nom. Sg. n.)

śrī-śuka uvāca | etāvad uktvā bhagavāṁs tatraivāntaradhīyata | aditir durlabhaṁ labdhvā harer janmātmani prabhoḥ

Śrī Śuka sprach: Nachdem er dies gesagt hatte, verschwand der Erhabene eben dort. Aditi aber hatte die schwer erlangbare Geburt Haris, des Herrn, in sich [empfangen zu haben] erlangt.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
etāvat
so viel, dies (Akk. Adv.)
uktvā
nachdem gesagt (Absolutiv)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
tatra eva
eben dort
antaradhīyata
verschwand (3. Sg. Impf.)
aditiḥ
Aditi (Nom. Sg.)
durlabham
das schwer Erlangbare (Akk. Sg. n.)
labdhvā
nachdem erlangt (Absolutiv)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
janma
die Geburt (Akk. Sg. n.)
ātmani
in [ihrem] Selbst (Lok. Sg.)
prabhoḥ
des Herrn (Gen. Sg.)

upādhāvat patiṁ bhaktyā parayā kṛta-kṛtyavat | sa vai samādhi-yogena kaśyapas tad abudhyata

Sie diente ihrem Gatten mit höchster Hingabe, wie eine, die [ihr Ziel] bereits erreicht hat; er, Kaśyapa, gewahrte dies fürwahr durch [seinen] Yoga der Versenkung.

Wort für Wort
upādhāvat
sie diente, näherte sich (3. Sg. Impf.)
patim
dem Gatten (Akk. Sg.)
bhaktyā
mit Hingabe (Instr. Sg.)
parayā
höchster (Instr. Sg. f.)
kṛta-kṛtya-vat
wie eine, die [ihr Ziel] erreicht hat (Adv.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
vai
fürwahr
samādhi-yogena
durch [seinen] Yoga der Versenkung (Instr. Sg.)
kaśyapaḥ
Kaśyapa (Nom. Sg.)
tat
dies (Akk. Sg. n.)
abudhyata
gewahrte, erkannte (3. Sg. Impf. Med.)

praviṣṭam ātmani harer aṁśaṁ hy avitathekṣaṇaḥ | so 'dityāṁ vīryam ādhatta tapasā cira-sambhṛtam | amāhita-manā rājan dāruṇy agniṁ yathānilaḥ

Denn er, dessen Blick untrüglich war, [gewahrte,] dass Haris Anteil in [ihr] Selbst eingegangen war; er legte den durch Askese lange genährten Samen in Aditi, den Sinn nicht [bewusst] darauf gerichtet, o König, so wie der Wind [unabsichtlich] Feuer ins Holz [legt].

Wort für Wort
praviṣṭam
eingegangen (Akk. Sg. m., Ptz. Perf. Pass.)
ātmani
in [ihr] Selbst (Lok. Sg.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
aṁśam
den Anteil (Akk. Sg.)
hi
denn, fürwahr
avitatha-īkṣaṇaḥ
dessen Blick untrüglich [war] (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
saḥ
er (Nom. Sg.)
adityām
in Aditi (Lok. Sg.)
vīryam
den Samen, die [Zeugungs-]Kraft (Akk. Sg.)
ādhatta
legte hinein, setzte (3. Sg. Impf.)
tapasā
durch Askese (Instr. Sg.)
cira-sambhṛtam
lange [Zeit] genährt/angesammelt (Akk. Sg.)
amāhita-manāḥ [?]
dessen Sinn nicht [bewusst] darauf gerichtet [war] (Nom. Sg.)
rājan
o König (Vok.)
dāruṇi
im Holz (Lok. Sg.)
agnim
Feuer (Akk. Sg.)
yathā anilaḥ
wie der Wind (Nom. Sg.)

[Anm.: amāhita-manāḥ ist unsicher; hier als 'ohne bewusste Absicht, gleichsam unwillentlich [wirkend]' gedeutet, in Analogie zum Bild des Windes, der Feuer im Holz entfacht, ohne dies bewusst zu beabsichtigen.]

aditer dhiṣṭhitaṁ garbhaṁ bhagavantaṁ sanātanam | hiraṇyagarbho vijñāya samīḍe guhya-nāmabhiḥ

Nachdem Hiraṇyagarbha erkannt hatte, dass der ewige Erhabene im Schoß Aditis weilte, pries er ihn mit geheimen Namen.

Wort für Wort
aditeḥ
Aditis (Gen. Sg.)
dhiṣṭhitam
weilend, befindlich (Akk. Sg. m.)
garbham
im Schoß [befindlich] (Akk. Sg.)
bhagavantam
den Erhabenen (Akk. Sg.)
sanātanam
den Ewigen (Akk. Sg.)
hiraṇyagarbhaḥ
Hiraṇyagarbha [Brahmā] (Nom. Sg.)
vijñāya
nachdem erkannt (Absolutiv)
samīḍe
er pries (3. Sg. Impf. Med.)
guhya-nāmabhiḥ
mit geheimen Namen (Instr. Pl.)

śrī-brahmā uvāca | jayorugāya bhagavann urukrama namo 'stu te | namo brahmaṇya-devāya tri-guṇāya namo namaḥ

Śrī Brahmā sprach: Heil [dir], o Weitbesungener, o Erhabener, o [du] von gewaltigem Schritt! Verehrung sei dir. Verehrung dem Gott der Brahmanen, [dem Herrn] der drei Erscheinungsweisen [der Natur] - Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
śrī-brahmā uvāca
Śrī Brahmā sprach
jaya
Heil! (Interjektion)
urugāya
o Weitbesungener (Vok.)
bhagavan
o Erhabener (Vok.)
urukrama
o [du] von gewaltigem Schritt (Vok.)
namaḥ astu te
Verehrung sei dir
namaḥ
Verehrung
brahmaṇya-devāya
dem Gott der Brahmanen (Dat. Sg.)
tri-guṇāya
dem [Herrn] der drei Erscheinungsweisen (Dat. Sg.)
namaḥ namaḥ
Verehrung, Verehrung

namas te pṛśni-garbhāya veda-garbhāya vedhase | tri-nābhāya tri-pṛṣṭhāya śipiviṣṭāya viṣṇave

Verehrung sei dir, der du im Schoß der Pṛśni weiltest, dem Keim der Veden, dem Ordner, dem mit drei Nabeln, dem mit drei Rücken, dem in den Strahlen Weilenden, Viṣṇu!

Wort für Wort
namaḥ te
Verehrung [sei] dir
pṛśni-garbhāya
dem im Schoß der Pṛśni [Weilenden] (Dat. Sg.)
veda-garbhāya
dem Keim/Ursprung der Veden (Dat. Sg.)
vedhase
dem Ordner, Schöpfer (Dat. Sg.)
tri-nābhāya
dem mit drei Nabeln (Dat. Sg.)
tri-pṛṣṭhāya
dem mit drei Rücken (Dat. Sg.)
śipiviṣṭāya
dem in den Strahlen Weilenden (Dat. Sg.)
viṣṇave
Viṣṇu (Dat. Sg.)

tvam ādir anto bhuvanasya madhyam ananta-śaktiṁ puruṣaṁ yam āhuḥ | kālo bhavān ākṣipatīśa viśvaṁ sroto yathāntaḥ patitaṁ gabhīram

Du bist Anfang, Ende und Mitte der Welt, jene Person unendlicher Macht, die man [Puruṣa] nennt. Als Zeit reißt du, o Herr, das All fort, wie ein tiefer Strom das hineingefallene [Ding] mit sich reißt.

Wort für Wort
tvam
du (Nom. Sg.)
ādiḥ
Anfang (Nom. Sg.)
antaḥ
Ende (Nom. Sg.)
bhuvanasya
der Welt (Gen. Sg.)
madhyam
Mitte (Nom. Sg.)
ananta-śaktim
von unendlicher Macht (Akk. Sg., Adj.)
puruṣam
die Person (Akk. Sg.)
yam
die (Rel.-Pron. Akk. Sg.)
āhuḥ
man nennt (3. Pl. Perf.)
kālaḥ
die Zeit (Nom. Sg.)
bhavān
du (höflich) (Nom. Sg.)
ākṣipati
reißt fort, schleudert (3. Sg. Präs.)
īśa
o Herr (Vok.)
viśvam
das All (Akk. Sg.)
srotaḥ
ein Strom (Nom. Sg. n.)
yathā
wie
antaḥ patitam
das hineingefallene [Ding] (Akk. Sg. n.)
gabhīram
tief, reißend (Nom./Akk. Sg. n.)

tvaṁ vai prajānāṁ sthira-jaṅgamānāṁ prajāpatīnām asi sambhaviṣṇuḥ | divaukasāṁ deva divaś cyutānāṁ parāyaṇaṁ naur iva majjato 'psu

Du fürwahr bist der Ursprung der unbeweglichen und beweglichen Geschöpfe [sowie] der Prajāpatis. Für die Himmelsbewohner, o Gott, [zumal] für die vom Himmel Gefallenen, bist du die letzte Zuflucht, wie ein Boot für einen im Wasser Versinkenden.

Wort für Wort
tvam
du (Nom. Sg.)
vai
fürwahr
prajānām
der Geschöpfe (Gen. Pl.)
sthira-jaṅgamānām
der unbeweglichen und beweglichen (Gen. Pl.)
prajāpatīnām
der Prajāpatis (Gen. Pl.)
asi
du bist (2. Sg. Präs.)
sambhaviṣṇuḥ
der Ursprung, die Quelle des Entstehens (Nom. Sg.)
divaukasām
der Himmelsbewohner (Gen. Pl.)
deva
o Gott (Vok.)
divaḥ
vom Himmel (Abl. Sg.)
cyutānām
der Gefallenen (Gen. Pl.)
parāyaṇam
die letzte Zuflucht (Nom. Sg. n.)
nauḥ iva
wie ein Boot (Nom. Sg.)
majjataḥ
für einen Versinkenden (Gen. Sg., Ptz. Präs.)
apsu
im Wasser (Lok. Pl.)

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