Während sie mit ungeteiltem Denken beständig an den Großen Puruṣa, den Herrscher, dachte, die widerspenstigen Sinnespferde mit dem Denken fest im Zaum haltend, [sie,] deren Wagenlenker die Unterscheidungskraft war - indem sie so mit einsgerichteter Unterscheidungskraft den Geist auf den Erhabenen, die Seele von allem, auf Vāsudeva, versenkte, vollzog sie das Milch-Gelübde.
Wort für Wort
cintayantī
beständig denkend (Nom. Sg. f., Ptz. Präs.)
ekayā buddhyā
mit einer (ungeteilten) Unterscheidungskraft (Instr. Sg.)
mahā-puruṣam
an den Großen Puruṣa (Akk. Sg.)
īśvaram
den Herrscher (Akk. Sg.)
pragṛhya
fest ergreifend, im Zaum haltend (Absolutiv)
indriya-duṣṭa-aśvān
die durch die Sinne widerspenstigen [Wagen-]Pferde (Akk. Pl.)
manasā
mit dem Geist/Denken (Instr. Sg.)
buddhi-sārathiḥ
deren Wagenlenker die Unterscheidungskraft [war] (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
manaḥ
den Geist (Akk. Sg.)
ca
und
eka-agrayā buddhyā
mit einsgerichteter Unterscheidungskraft (Instr. Sg.)
Als sie ihn, in ihr Blickfeld getreten, erblickte, erhob sie sich plötzlich und verneigte sich ehrfurchtsvoll, wie ein Stab [der Länge nach] zu Boden fallend, mit dem ganzen Körper, von Liebe überwältigt.
Sie, aufgestanden, mit gefalteten Händen zum Lobpreisen dastehend, vermochte es nicht [zu sprechen], ihre Augen von Freudentränen umflort; sie wurde stumm, ihre Gestalt von Haaresträuben überzogen, ihr Körper zitternd vor dem übergroßen Entzücken bei diesem Anblick.
Wort für Wort
sā
sie (Nom. Sg. f.)
utthāya
aufgestanden (Absolutiv)
baddha-añjaliḥ
mit gefalteten Händen (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
īḍitum
um zu preisen (Infinitiv)
sthitā
dastehend (Nom. Sg. f.)
na utsehe
sie vermochte nicht (3. Sg. Impf. Med.)
ānanda-jala-ākula-īkṣaṇā
deren Blick von Wonne-Tränen umflort war (Nom. Sg. f., Bahuvrīhi)
babhūva
sie wurde (3. Sg. Perf.)
tūṣṇīm
stumm, schweigend (Adv.)
pulaka-ākula-ākṛtiḥ
deren Gestalt von Haarsträuben überzogen war (Nom. Sg. f., Bahuvrīhi)
Mit Liebe, langsam, mit stockender Stimme, pries jene Göttin Aditi Hari, o Bester der Kuru; emporblickend, gleichsam ihn mit den Augen trinkend, [pries sie] den Gatten der Ramā, den Herrn des Opfers, den Herrn der Welt.
Śrī Aditi sprach: O Herr des Opfers, o Wesen des Opfers, Unfehlbarer, dessen Füße Pilgerstätten [sind], dessen Ruhm [selbst] Pilgerstätte [ist], dessen Hören und Name heilbringend [sind]; o Ursprünglicher, dessen Erscheinen das Leid der [Ihm] ergebenen Menschen zur Ruhe bringt - schaffe uns Wohlergehen, o Herrscher; du, Erhabener, bist der Zufluchtsherr der Elenden.
Wort für Wort
śrī-aditiḥ uvāca
Śrī Aditi sprach
yajña-īśa
o Herr des Opfers (Vok.)
yajña-puruṣa
o Wesen/Person des Opfers (Vok.)
acyuta
o Unfehlbarer (Vok.)
tīrtha-pāda
o dessen Füße Pilgerstätten sind (Vok.)
tīrtha-śravaḥ
o dessen Ruhm [selbst eine] Pilgerstätte [ist] (Vok.)
śravaṇa-maṅgala-nāmadheya
o dessen Hören [über dich] und Name heilbringend sind (Vok.)
Dem All, dem Bewirker von Entstehung, Erhaltung und Auflösung des Alls, der nach eigenem Willen die vielfältigen Kräfte [in Gestalt der] Erscheinungsweisen angenommen hat, dem Erhabenen, dem in sich selbst Gegründeten, dessen eigene Finsternis durch ewig anwachsendes, volles Erwachen [restlos] vernichtet ist - dir, Hari, [gilt] die Verehrung.
Wort für Wort
viśvāya
dem All (Dat. Sg.)
viśva-bhavana-sthiti-saṁyamāya
dem Bewirker von Entstehung, Erhaltung und Auflösung des Alls (Dat. Sg.)
svairam
aus eigenem Willen, frei (Adv.)
gṛhīta-puru-śakti-guṇāya
der die vielfältigen Kräfte [in Form der] Erscheinungsweisen angenommen hat (Dat. Sg., Bahuvrīhi)
bhūmne
dem Großen/Erhabenen (Dat. Sg.)
sva-sthāya
dem in sich selbst Gegründeten (Dat. Sg.)
śaśvat-upabṛṁhita-pūrṇa-bodha
durch ewig anwachsendes, volles Erwachen/Wissen
vyāpādita-ātma-tamase
dessen eigene Finsternis [dadurch] vernichtet ist (Dat. Sg., Bahuvrīhi)
āyuḥ paraṁ vapur abhīṣṭam atulya-lakṣmīr dyo-bhū-rasāḥ sakala-yoga-guṇās tri-vargaḥ | jñānaṁ ca kevalam ananta bhavanti tuṣṭāt tvatto nṛṇāṁ kim u sapatna-jayādir āśīḥ
Höchstes Lebensalter, ersehnte Gestalt, unvergleichlicher Reichtum, Himmel, Erde und Unterwelt, alle Vollkommenheiten des Yoga, die drei Ziele [des Lebens] und selbst reines Wissen - all das wird den Menschen zuteil, wenn du zufrieden bist, o Unendlicher; was soll da erst der Segen [wie] der Sieg über Feinde [und dergleichen sein]?
Wort für Wort
āyuḥ
Lebensalter (Nom. Sg.)
param
höchstes
vapuḥ
Gestalt, Körper (Nom. Sg.)
abhīṣṭam
ersehnt (Nom. Sg.)
atulya-lakṣmīḥ
unvergleichlicher Reichtum (Nom. Sg.)
dyo-bhū-rasāḥ
Himmel, Erde und Unterwelt (Nom. Pl.)
sakala-yoga-guṇāḥ
alle Vollkommenheiten des Yoga (Nom. Pl.)
tri-vargaḥ
die Dreiheit [der Lebensziele: Pflicht, Gewinn, Genuss] (Nom. Sg.)
Śrī Śuka sprach: So von Aditi gepriesen, o König, sprach der Erhabene, der Lotusäugige, der Kenner des Feldes [d.h. die Seele] aller Wesen, [folgendermaßen], o Nachkomme Bharatas.
Der Erhabene Herr sprach: O Mutter der Götter, von mir ist dein lang gehegtes Verlangen erkannt worden: dass [du wünschst,] deine [Söhne], denen von den Rivalen ihr Glanz geraubt und die aus ihrer eigenen Wohnstatt vertrieben wurden, [wieder eingesetzt zu sehen].
Du wünschst, von [deinen] Söhnen umgeben zu sein, die, nachdem sie jene vor Übermut trunkenen Erststiere der Asuras im Kampf besiegt haben, Sieg und Glanz zurückgewonnen haben, um [von ihnen] verehrt zu werden.
Wort für Wort
tān
jene (Akk. Pl. m.)
vinirjitya
nachdem besiegt (Absolutiv)
samare
im Kampf (Lok. Sg.)
durmadān
vor Übermut trunkene (Akk. Pl.)
asura-ṛṣabhān
die Erststiere/Besten der Asuras (Akk. Pl.)
pratilabdha-jaya-śrībhiḥ
die Sieg und Glanz zurückgewonnen haben (Instr. Pl., Bahuvrīhi)
putraiḥ
mit [deinen] Söhnen (Instr. Pl.)
icchasi
du wünschst (2. Sg. Präs.)
upāsitum
verehrt zu werden / [von ihnen] umgeben zu sein (Infinitiv)
Du wünschst, die weinenden, leidgeprüften Ehefrauen der von deinen eigenen Söhnen, mit Indra als dem Ältesten, im Kampf erschlagenen Feinde zu erblicken, [nachdem sie an deren Leichen] herangetreten sind.
Du wünschst, deine eigenen, wohlgediehenen Söhne zu sehen, die Ruhm und Glanz zurückgewonnen haben, wie sie, auf dem Himmelsgewölbe [d.h. dem höchsten Himmel] wohnend, sich vergnügen.
Wort für Wort
ātma-jān
die eigenen Söhne (Akk. Pl.)
su-samṛddhān
wohlgediehene, wohlhabende (Akk. Pl.)
tvam
du (Nom. Sg.)
pratyāhṛta-yaśaḥ-śriyaḥ
die Ruhm und Glanz zurückgewonnen haben (Akk. Pl., Bahuvrīhi)
nāka-pṛṣṭham
das Himmelsgewölbe, den höchsten Himmel (Akk. Sg.)
prāyo 'dhunā te 'sura-yūtha-nāthā apāraṇīyā iti devi me matiḥ | yat te 'nukūleśvara-vipra-guptā na vikramas tatra sukhaṁ dadāti
Fast unbezwingbar sind jetzt jene Anführer der Dämonenscharen, so ist meine Ansicht, o Göttin; da sie durch [ihnen] wohlgesonnene Herrscher und Brahmanen beschützt werden, gibt dort Gewaltanwendung kein Glück.
Wort für Wort
prāyaḥ
beinahe, größtenteils
adhunā
jetzt
te
jene (Nom. Pl.)
asura-yūtha-nāthāḥ
die Anführer der Dämonenscharen (Nom. Pl.)
apāraṇīyāḥ
unüberwindbar, nicht zu bezwingen (Nom. Pl.)
iti
so
devi
o Göttin (Vok.)
me matiḥ
meine Ansicht (Nom. Sg.)
yat
weil, da
te
sie (Nom. Pl.)
anukūla-īśvara-vipra-guptāḥ
durch [ihnen] wohlgesonnene Herrscher und Brahmanen beschützt (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
athāpy upāyo mama devi cintyaḥ santoṣitasya vrata-caryayā te | mamārcanaṁ nārhati gantum anyathā śraddhānurūpaṁ phala-hetukatvāt
Dennoch muss von mir, o Göttin, ein Mittel erwogen werden, da ich von dir durch den Vollzug des Gelübdes zufriedengestellt worden bin; denn die Verehrung meiner Person kann nicht ohne [Ergebnis] verlaufen, da [ihre] Frucht dem [jeweiligen] Glauben entsprechend gewiss ist.
Und ich, von dir zum Schutz [deiner] Nachkommenschaft verehrt, bin durch das Milch-Gelübde angemessen gepriesen worden; durch meinen eigenen Anteil werde ich, indem ich Sohnschaft [bei dir] annehme, im Rahmen der Askese des Sohnes Marīcis [d.h. Kaśyapas] weilend, deine Söhne beschützen.
Wort für Wort
tvayā
von dir (Instr. Sg.)
arcitaḥ
verehrt (Nom. Sg. m.)
ca
und
aham
ich (Nom. Sg.)
apatya-guptaye
zum Schutz der Nachkommenschaft (Dat. Sg.)
payaḥ-vratena
durch das Milch-Gelübde (Instr. Sg.)
anuguṇam
angemessen, entsprechend
samīḍitaḥ
gepriesen (Nom. Sg. m.)
sva-aṁśena
durch meinen eigenen Anteil (Instr. Sg.)
putratvam
Sohnschaft (Akk. Sg.)
upetya
annehmend, erlangend (Absolutiv)
te sutān
deine Söhne (Akk. Pl.)
goptā asmi
ich werde beschützen (1. Sg. Fut.-Umschr.)
mārīca-tapasi
in der Askese des Sohnes Marīcis [Kaśyapas] (Lok. Sg.)
Dies darf keinem Außenstehenden mitgeteilt werden, selbst wenn du irgendwie gefragt wirst; alles gelingt, o Göttin, wenn es, den Göttern geheim, wohlverwahrt bleibt.
Wort für Wort
na
nicht
etat
dies (Nom./Akk. Sg. n.)
parasmai
einem Außenstehenden (Dat. Sg.)
ākhyeyam
ist mitzuteilen (Nom. Sg. n., Gerundivum)
pṛṣṭayā api
selbst wenn [du] gefragt [wirst] (Instr. Sg. f., Ptz. Perf. Pass.)
Śrī Śuka sprach: Nachdem er dies gesagt hatte, verschwand der Erhabene eben dort. Aditi aber hatte die schwer erlangbare Geburt Haris, des Herrn, in sich [empfangen zu haben] erlangt.
upādhāvat patiṁ bhaktyā parayā kṛta-kṛtyavat | sa vai samādhi-yogena kaśyapas tad abudhyata
Sie diente ihrem Gatten mit höchster Hingabe, wie eine, die [ihr Ziel] bereits erreicht hat; er, Kaśyapa, gewahrte dies fürwahr durch [seinen] Yoga der Versenkung.
praviṣṭam ātmani harer aṁśaṁ hy avitathekṣaṇaḥ | so 'dityāṁ vīryam ādhatta tapasā cira-sambhṛtam | amāhita-manā rājan dāruṇy agniṁ yathānilaḥ
Denn er, dessen Blick untrüglich war, [gewahrte,] dass Haris Anteil in [ihr] Selbst eingegangen war; er legte den durch Askese lange genährten Samen in Aditi, den Sinn nicht [bewusst] darauf gerichtet, o König, so wie der Wind [unabsichtlich] Feuer ins Holz [legt].
Wort für Wort
praviṣṭam
eingegangen (Akk. Sg. m., Ptz. Perf. Pass.)
ātmani
in [ihr] Selbst (Lok. Sg.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
aṁśam
den Anteil (Akk. Sg.)
hi
denn, fürwahr
avitatha-īkṣaṇaḥ
dessen Blick untrüglich [war] (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
saḥ
er (Nom. Sg.)
adityām
in Aditi (Lok. Sg.)
vīryam
den Samen, die [Zeugungs-]Kraft (Akk. Sg.)
ādhatta
legte hinein, setzte (3. Sg. Impf.)
tapasā
durch Askese (Instr. Sg.)
cira-sambhṛtam
lange [Zeit] genährt/angesammelt (Akk. Sg.)
amāhita-manāḥ [?]
dessen Sinn nicht [bewusst] darauf gerichtet [war] (Nom. Sg.)
rājan
o König (Vok.)
dāruṇi
im Holz (Lok. Sg.)
agnim
Feuer (Akk. Sg.)
yathā anilaḥ
wie der Wind (Nom. Sg.)
[Anm.: amāhita-manāḥ ist unsicher; hier als 'ohne bewusste Absicht, gleichsam unwillentlich [wirkend]' gedeutet, in Analogie zum Bild des Windes, der Feuer im Holz entfacht, ohne dies bewusst zu beabsichtigen.]
śrī-brahmā uvāca | jayorugāya bhagavann urukrama namo 'stu te | namo brahmaṇya-devāya tri-guṇāya namo namaḥ
Śrī Brahmā sprach: Heil [dir], o Weitbesungener, o Erhabener, o [du] von gewaltigem Schritt! Verehrung sei dir. Verehrung dem Gott der Brahmanen, [dem Herrn] der drei Erscheinungsweisen [der Natur] - Verehrung, Verehrung!
Wort für Wort
śrī-brahmā uvāca
Śrī Brahmā sprach
jaya
Heil! (Interjektion)
urugāya
o Weitbesungener (Vok.)
bhagavan
o Erhabener (Vok.)
urukrama
o [du] von gewaltigem Schritt (Vok.)
namaḥ astu te
Verehrung sei dir
namaḥ
Verehrung
brahmaṇya-devāya
dem Gott der Brahmanen (Dat. Sg.)
tri-guṇāya
dem [Herrn] der drei Erscheinungsweisen (Dat. Sg.)
namas te pṛśni-garbhāya veda-garbhāya vedhase | tri-nābhāya tri-pṛṣṭhāya śipiviṣṭāya viṣṇave
Verehrung sei dir, der du im Schoß der Pṛśni weiltest, dem Keim der Veden, dem Ordner, dem mit drei Nabeln, dem mit drei Rücken, dem in den Strahlen Weilenden, Viṣṇu!
Du bist Anfang, Ende und Mitte der Welt, jene Person unendlicher Macht, die man [Puruṣa] nennt. Als Zeit reißt du, o Herr, das All fort, wie ein tiefer Strom das hineingefallene [Ding] mit sich reißt.
tvaṁ vai prajānāṁ sthira-jaṅgamānāṁ prajāpatīnām asi sambhaviṣṇuḥ | divaukasāṁ deva divaś cyutānāṁ parāyaṇaṁ naur iva majjato 'psu
Du fürwahr bist der Ursprung der unbeweglichen und beweglichen Geschöpfe [sowie] der Prajāpatis. Für die Himmelsbewohner, o Gott, [zumal] für die vom Himmel Gefallenen, bist du die letzte Zuflucht, wie ein Boot für einen im Wasser Versinkenden.
Wort für Wort
tvam
du (Nom. Sg.)
vai
fürwahr
prajānām
der Geschöpfe (Gen. Pl.)
sthira-jaṅgamānām
der unbeweglichen und beweglichen (Gen. Pl.)
prajāpatīnām
der Prajāpatis (Gen. Pl.)
asi
du bist (2. Sg. Präs.)
sambhaviṣṇuḥ
der Ursprung, die Quelle des Entstehens (Nom. Sg.)