Kapitel 109: jambūdvīpa-varṇanam [?]
Eine Beschreibung von Jambūdvīpa
Titel aus dem englischen Kapitelkopf von vedabase.io erschlossen (dort 'A Description of Jambūdvīpa'); im Sanskrit-Text selbst ist an dieser Stelle kein Kolophon-Titel angegeben, daher [?]. Das Kapitel enthält zahlreiche kosmographische Eigennamen (Berge, Flüsse, Länder), die durchgehend in IAST unübersetzt belassen wurden.
Der König sprach: Von dir wurde die besondere Ausdehnung des Bhū-maṇḍala dargelegt, soweit die Sonne scheint und wo sie, zusammen mit den Scharen der Gestirne oder dem Mond, gesehen wird.
Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
uktaḥ
gesagt, dargelegt (PPP, Nom.Sg.m.)
tvayā
von dir (Instr. Sg.)
bhū-maṇḍala-āyāma-viśeṣaḥ
die besondere Ausdehnung des Erdenkreises (Nom.Sg.)
yāvat
soweit als
ādityaḥ
die Sonne (Nom.Sg.)
tapati
scheint, erhitzt (3.Sg.Präs.)
yatra
wo
ca
und
asau
jene, diese [Sonne] (Nom.Sg.)
jyotiṣām gaṇaiḥ
mit den Scharen der Gestirne (Instr.Pl.)
candramāḥ
der Mond (Nom.Sg.)
vā
oder
saha
zusammen mit
dṛśyate
wird gesehen (Passiv, 3.Sg.Präs.)
Parīkṣit knüpft an die vorangegangene Darstellung des vorigen Kapitels an; bhū-maṇḍala bezeichnet den gesamten kosmischen 'Erdenkreis', nicht nur die Erde im heutigen Sinn.
Auch dort wurden durch die sieben Gräben, die von den Rädern des Wagens Priyavratas gezogen wurden, sieben Ozeane hervorgebracht, wodurch die besondere Unterteilung dieses [Bhū-maṇḍala] in sieben Inseln von dir, o Herr, ja angedeutet wurde. Dies alles möchte ich, nach Maß und Merkmal, vollständig erfahren.
Wort für Wort
tatra api
auch dort, darin
priyavrata-ratha-caraṇa-parikhātaiḥ
durch die von den Rädern des Wagens Priyavratas gegrabenen Gräben (Instr.Pl.)
saptabhiḥ
durch sieben (Instr.)
sapta
sieben
sindhavaḥ
Ozeane (Nom.Pl.)
upakḷptāḥ
wurden hervorgebracht, geschaffen (PPP, Nom.Pl.)
yataḥ
wodurch, weshalb
etasyāḥ
von dieser [Erde] (Gen.Sg.)
sapta-dvīpa-viśeṣa-vikalpaḥ
die besondere Unterteilung in sieben Inseln (Nom.Sg.)
tvayā
von dir (Instr.)
bhagavan
o Herr (Vok.)
khalu
fürwahr
sūcitaḥ
angedeutet (PPP)
etat
dies (Akk.)
eva
ja, gerade
akhilam
das Ganze (Akk.)
aham
ich (Nom.)
mānataḥ
nach Maß
lakṣaṇataḥ
nach Merkmal
ca
und
sarvam
alles (Akk.)
vijijñāsāmi
ich wünsche zu erfahren (Desiderativ, 1.Sg.Präs.)
Bezug auf die Erzählung aus SB 5.1-2, wo Priyavratas Wagenfahrt um die Sonne die sieben Ozeane und Inseln entstehen ließ.
bhagavato guṇamaye sthūla-rūpa āveśitaṁ mano hy aguṇe 'pi sūkṣmatama ātma-jyotiṣi pare brahmaṇi bhagavati vāsudevākhye kṣamam āveśituṁ tad u haitad guro 'rhasy anuvarṇayitum iti.
Der Geist, der in die aus den [drei] Erscheinungsweisen bestehende grobe Form des Erhabenen versenkt ist, ist gewiss auch fähig, sich in dessen eigenschaftslose, feinste, selbstleuchtende [Form], das höchste Brahman - den Erhabenen mit Namen Vāsudeva -, zu versenken. Dies, o Meister, mögest du nun eingehend darlegen.
Wort für Wort
bhagavataḥ
des Erhabenen (Gen.Sg.)
guṇamaye
in die aus den Erscheinungsweisen bestehende (Lok.Sg.)
sthūla-rūpe
grobe Form (Lok.Sg.)
āveśitam
versenkt, eingedrungen (PPP, Nom.Sg.n.)
manaḥ
der Geist (Nom.Sg.)
hi
gewiss, denn
aguṇe
in die eigenschaftslose (Lok.Sg.)
api
auch, selbst
sūkṣmatame
in die feinste (Lok.Sg.)
ātma-jyotiṣi
in die selbstleuchtende (Lok.Sg.)
pare brahmaṇi
in das höchste Brahman (Lok.Sg.)
bhagavati
in den Erhabenen (Lok.Sg.)
vāsudeva-ākhye
mit Namen Vāsudeva (Lok.Sg.)
kṣamam
fähig, geeignet (Nom./Akk.)
āveśitum
sich zu versenken (Inf.)
tat
das
u ha
fürwahr, nun
etat
dies
guro
o Meister (Vok.)
arhasi
du sollst, mögest (2.Sg.Präs.)
anuvarṇayitum
eingehend zu beschreiben (Inf.)
iti
so [Redeschluss]
Argument des Parīkṣit: Da der Geist sogar die feinste, transzendente Form des Herrn (Vāsudeva/Paramātmā) erfassen kann, sollte er erst recht die grobmaterielle kosmische Form (bhū-maṇḍala) begreifen können - daher die Bitte um die Beschreibung.
ṛṣir uvāca
na vai mahārāja bhagavato māyā-guṇa-vibhūteḥ kāṣṭhāṁ manasā vacasā vādhigantum alaṁ vibudhāyuṣāpi puruṣas tasmāt prādhānyenaiva bhū-golaka-viśeṣaṁ nāma-rūpa-māna-lakṣaṇato vyākhyāsyāmaḥ.
Der Weise sprach: Wahrlich, o großer König, nicht einmal ein Mensch mit einer Lebensdauer wie die eines Gottes ist imstande, mit dem Geist oder mit Worten das Ende der aus den Erscheinungsweisen der Māyā [entstandenen] Herrlichkeit des Erhabenen vollständig zu erfassen. Deshalb werde ich die besondere [Gestalt] der Erdkugel nur summarisch, nach Namen, Form, Maß und Merkmal, erklären.
Wort für Wort
ṛṣiḥ uvāca
der Weise [Śukadeva] sprach
na vai
wahrlich nicht
mahā-rāja
o großer König (Vok.)
bhagavataḥ
des Erhabenen (Gen.Sg.)
māyā-guṇa-vibhūteḥ
der Herrlichkeit der Erscheinungsweisen der Māyā (Gen.Sg.)
kāṣṭhām
das Ende, die Grenze (Akk.Sg.)
manasā
mit dem Geist (Instr.)
vacasā
mit dem Wort (Instr.)
vā
oder
adhigantum
zu erfassen, zu erreichen (Inf.)
alam
imstande, fähig
vibudha-āyuṣā
mit einer Lebensdauer wie ein Gott (Instr.)
api
selbst, auch
puruṣaḥ
ein Mensch (Nom.Sg.)
tasmāt
deshalb
prādhānyena
hauptsächlich, summarisch (Instr.)
eva
nur, gerade
bhū-golaka-viśeṣam
die besondere Erdkugel (Akk.Sg.)
nāma-rūpa-māna-lakṣaṇataḥ
nach Namen, Form, Maß und Merkmal
vyākhyāsyāmaḥ
ich werde erklären (Fut., 1.Pl. als pluralis modestiae)
vibudhāyuṣā ("mit der Lebensdauer eines Gottes") bezieht sich traditionell auf die Lebensspanne Brahmās.
yo vāyaṁ dvīpaḥ kuvalaya-kamala-kośābhyantara-kośo niyuta-yojana-viśālaḥ samavartulo yathā puṣkara-patram.
Diese Insel [Jambūdvīpa], die der innere Kelch des Kelches der Lotosblume [ist, die der Erdenkreis ist], ist eine Million Yojanas breit und gleichmäßig rund wie ein Lotosblatt.
Wort für Wort
yaḥ vā ayam
diese nun (Nom.Sg.)
dvīpaḥ
die Insel (Nom.Sg.)
kuvalaya-kamala-kośa
der Blütenkelch der Lotosblume [des Erdenkreises] (Kompositumsglied)
abhyantara-kośaḥ
der innere Kelch (Nom.Sg.)
niyuta-yojana-viśālaḥ
eine Million Yojanas breit (Nom.Sg.)
samavartulaḥ
gleichmäßig rund (Nom.Sg.)
yathā
wie
puṣkara-patram
ein Lotosblatt (Nom.Sg.)
kuvalaya ("blaue Lotosblume") wird hier metaphorisch als Bild für den gesamten Bhū-maṇḍala verwendet; niyuta = 100.000 laut manchen Wörterbüchern, im kosmographischen Kontext des Bhāgavata jedoch traditionell als 1.000.000 (zehn Lakh) verstanden.
In der Mitte dieser [neun Länder liegt] das innere Land namens Ilāvṛta, in dessen Nabel der ganz aus Gold bestehende Meru, der König der Stammgebirge, sich befindet, dessen Höhe der Ausdehnung der Insel gleichkommt. Er ist gleichsam der Fruchtboden auf dem Gipfel der Lotosblume [des Erdenkreises], an der Spitze zweiunddreißigtausend Yojanas ausgedehnt, an der Wurzel [aber] sechzehntausend [Yojanas breit] und ist ebenso weit in die Erde eingedrungen.
Wort für Wort
eṣām madhye
in der Mitte dieser (Lok.)
ilāvṛtam nāma
namens Ilāvṛta
abhyantara-varṣam
das innere Land (Nom.Sg.)
yasya
dessen (Gen.Sg.)
nābhyām
im Nabel (Lok.Sg.)
avasthitaḥ
befindlich (PPP)
sarvataḥ
ganz und gar
sauvarṇaḥ
golden, aus Gold bestehend (Nom.Sg.)
kula-giri-rājaḥ
der König der Stammgebirge (Nom.Sg.)
meruḥ
[Berg] Meru (Nom.Sg.)
dvīpa-āyāma-samunnāhaḥ
dessen Höhe gleich der Ausdehnung der Insel ist (Nom.Sg.)
Weiter nördlich von Ilāvṛta [liegen] die drei [Gebirge] Nīla, Śveta [und] Śṛṅgavān, die Grenzgebirge der Länder Ramyaka, Hiraṇmaya und Kuru, [die] nach Osten hin ausgedehnt sind und auf beiden Seiten bis zum salzigen Ozean reichen, je zweitausend [Yojanas] breit; eines nach dem anderen wird - je weiter nördlich [gelegen] gegenüber dem vorhergehenden - an Länge um jeweils ein Zehntel geringer.
Wort für Wort
uttara-uttareṇa
immer weiter nördlich (Instr.)
ilāvṛtam
von Ilāvṛta (Bezugswort)
nīlaḥ śvetaḥ śṛṅgavān
Nīla, Śveta, Śṛṅgavān [Berge] (Nom.Pl.)
iti
so [benannt]
trayaḥ
drei
ramyaka-hiraṇmaya-kurūṇām
der [Länder] Ramyaka, Hiraṇmaya, Kuru (Gen.Pl.)
varṣāṇām
der Länder (Gen.Pl.)
maryādā-girayaḥ
Grenzgebirge (Nom.Pl.)
prāk-āyatāḥ
nach Osten ausgedehnt (Nom.Pl.)
ubhayataḥ
auf beiden Seiten
kṣāroda-avadhayaḥ
bis zum Salzozean reichend (Nom.Pl.)
dvi-sahasra-pṛthavaḥ
zweitausend [Yojanas] breit (Nom.Pl.)
eka-ekaśaḥ
je einzeln, eines nach dem anderen
pūrvasmāt pūrvasmāt
als das jeweils vorhergehende (Abl.)
uttaraḥ uttaraḥ
das jeweils nördlichere (Nom.)
daśa-aṁśa-adhika-aṁśena
um den Anteil, der ein Zehntel übersteigt [d.h. um ein Zehntel] (Instr.)
dairghye
an Länge (Lok.)
eva
eben
hrasanti
werden geringer, nehmen ab
kṣāroda = der 'salzige Ozean', der erste der sieben Ozeane um Jambūdvīpa.
Ebenso [liegen] südlich von Ilāvṛta die [Gebirge] Niṣadha, Hemakūṭa [und] Himālaya, nach Osten ausgedehnt wie die mit Nīla beginnenden [Gebirge], zehntausend Yojanas hoch, [und sie sind die Grenzgebirge] der Länder Hari-varṣa, Kimpuruṣa [und] Bhārata, der Reihe nach entsprechend.
Wort für Wort
evam
ebenso
dakṣiṇena
südlich (Instr.)
ilāvṛtam
von Ilāvṛta
niṣadhaḥ hemakūṭaḥ himālayaḥ
Niṣadha, Hemakūṭa, Himālaya (Nom.Pl.)
iti
so [benannt]
prāk-āyatāḥ
nach Osten ausgedehnt (Nom.Pl.)
yathā
wie
nīla-ādayaḥ
die mit Nīla beginnenden [Gebirge] (Nom.Pl.)
ayuta-yojana-utsedhāḥ
zehntausend Yojanas hoch (Nom.Pl.)
hari-varṣa-kimpuruṣa-bhāratānām
der [Länder] Hari-varṣa, Kimpuruṣa, Bhārata (Gen.Pl.)
yathā-saṅkhyam
der Reihe nach entsprechend
bhāratānām bezieht sich auf Bhārata-varṣa, das von den Kommentaren traditionell mit dem indischen Subkontinent identifiziert wird.
Ebenso erstrecken sich westlich und östlich von Ilāvṛta die [Berge] Mālyavat [und] Gandhamādana, bis Nīla [und] Niṣadha ausgedehnt, zweitausend [Yojanas] breit; sie bilden die Grenze der [Länder] Ketumāla [und] Bhadrāśva.
Mandara, Merumandara, Supārśva [und] Kumuda - so [genannt], je zehntausend Yojanas breit und hoch, sind als die vier Stützgebirge nach den vier Himmelsrichtungen des Meru errichtet.
Auf diesen vier [Bergen stehen] vier vorzügliche Bäume - der Mangobaum, Jambū, Kadamba [und] Nyagrodha -, gleichsam Flaggenstangen der Berge, über tausend Yojanas hoch, ebenso weit ihre Astausbreitung, [und] hundert Yojanas im Umfang.
Es gibt vier Seen, deren Wasser mit Milch, Honig [und] Zuckerrohrsaft rein vermengt ist, durch deren Berührung die Scharen der Halbgötter, o Bester der Bharatas, natürliche mystische Vollkommenheiten besitzen. Und es gibt vier Göttergärten: Nandana, Caitraratha, Vaibhrājaka [und] Sarvatobhadra.
Wort für Wort
hradāḥ
Seen (Nom.Pl.)
catvāraḥ
vier
payaḥ-madhu-ikṣurasa-mṛṣṭa-jalāḥ
deren Wasser mit Milch, Honig, Zuckerrohrsaft vermengt, rein ist (Nom.Pl.)
yeṣv amara-parivṛḍhāḥ saha sura-lalanā-lalāma-yūtha-pataya upadeva-gaṇair upagīyamāna-mahimānaḥ kila viharanti.
In diesen [Gärten] vergnügen sich fürwahr die Häupter der Unsterblichen, als Gatten der zierlichen, schmuckgleichen Frauen der Götter, deren Ruhm von den Scharen der Halbgötter besungen wird.
Wort für Wort
yeṣu
in welchen [Gärten] (Lok.Pl.)
amara-parivṛḍhāḥ
die Häupter, Besten der Unsterblichen (Nom.Pl.)
saha
zusammen mit
sura-lalanā-lalāma
der als Schmuck [geltenden] Frauen der Götter (Kompositumsglied)
Am Hang des [Berges] Mandara fallen von der Spitze des Mangobaumes Devacūta, [der] elfhundert Yojanas hoch [ist], Früchte, so dick wie Berggipfel, [und] nektargleich, herab.
Wort für Wort
mandara-utsaṅge
am Hang, Schoß des Mandara (Lok.Sg.)
ekādaśa-śata-yojana-uttuṅga
elfhundert Yojanas hoch
devacūta-śirasaḥ
von der Spitze, Krone des [Mangobaums] Devacūta (Abl.Sg.)
Durch den überaus süßen, duftenden, wohlriechenden, reichlichen, rötlichen Saft dieser [Früchte], die beim Fallen zerbersten, [entsteht] der Fluss namens Aruṇodā, der, von der Spitze des Berges Mandara herabfallend, den östlichen [Teil] von Ilāvṛta überflutet.
Wort für Wort
teṣām
von diesen [Früchten] (Gen.Pl.)
viśīryamāṇānām
die zerbrechend, sich auflösend (Gen.Pl.Part.Präs.Pass.)
Durch den Gebrauch von dessen [Wasser] wird der Wind, der durch die Berührung der Glieder der Dienerinnen Bhavānīs - der Gattinnen der Yakṣas - wohlriechend geworden ist, ringsum bis zu zehn Yojanas [alles] mit Duft erfüllen.
Wort für Wort
yat-upajoṣaṇāt
durch dessen Gebrauch, Genuss (Abl.Sg.)
bhavānyāḥ
der Bhavānī [Gattin Śivas] (Gen.Sg.)
anucarīṇām
der Begleiterinnen, Dienerinnen (Gen.Pl.)
puṇya-jana-vadhūnām
der Gattinnen der Yakṣas (Gen.Pl.)
avayava-sparśa-sugandha-vātaḥ
der durch Berührung der Glieder wohlriechende Wind (Nom.Sg.)
daśa-yojanam
zehn Yojanas [weit] (Akk.)
samantāt
ringsum
anuvāsayati
macht duftend, durchduftet (3.Sg.Präs.)
puṇya-jana ist eine übliche Bezeichnung für Yakṣas; bhavānī ist Śivas Gattin Pārvatī.
Ebenso [entsteht] durch den Saft der Jambū-Früchte, die durch den Fall aus sehr großer Höhe zerbersten, fast kernlos sind [und] den Körpern von Elefanten gleichen, der Fluss namens Jambū, der von der zehntausend [Yojanas hohen] Spitze des Merumandara auf die Erdoberfläche herabfällt [und] im Süden das ganze Ilāvṛta durchströmt.
Wort für Wort
evam
ebenso
jambū-phalānām
der Jambū-Früchte (Gen.Pl.)
ati-ucca-nipāta-viśīrṇānām
die durch den Fall aus großer Höhe zerborsten sind (Gen.Pl.)
tāvad ubhayor api rodhasor yā mṛttikā tad-rasenānuvidhyamānā vāyv-arka-saṁyoga-vipākena sadāmara-lokābharaṇaṁ jāmbū-nadaṁ nāma suvarṇaṁ bhavati; yad u ha vāva vibudhādayaḥ saha yuvatibhir mukuṭa-kaṭaka-kaṭi-sūtrādy-ābharaṇa-rūpeṇa khalu dhārayanti.
Der Lehm, der an beiden Ufern [dieses Flusses liegt] und mit dessen Saft durchtränkt wird, wird durch das Zusammenwirken von Wind und Sonne zu jenem Gold, genannt Jāmbūnada, [das] stets der Schmuck der Welt der Unsterblichen [ist]. Dieses tragen fürwahr die Götter und andere, zusammen mit ihren jungen Frauen, in Form von Schmuck wie Kronen, Armreifen, Hüftgürteln und dergleichen.
Wort für Wort
tāvat
so viel, ganz
ubhayoḥ api
von beiden auch (Gen.Dual)
rodhasoḥ
der Ufer (Gen.Dual)
yā mṛttikā
welcher Lehm (Nom.Sg.)
tat-rasena
durch dessen Saft (Instr.Sg.)
anuvidhyamānā
durchtränkt werdend (Part.Präs.Pass., Nom.Sg.)
vāyu-arka-saṁyoga-vipākena
durch die Reifung des Zusammenwirkens von Wind und Sonne (Instr.Sg.)
sadā
stets
amara-loka-ābharaṇam
der Schmuck der Welt der Unsterblichen (Nom.Sg.)
jāmbū-nadam nāma
genanntes Jāmbūnada
suvarṇam
Gold (Nom.Sg.)
bhavati
wird (3.Sg.Präs.)
yat
welches
u ha vāva
fürwahr
vibudha-ādayaḥ
die Götter und andere (Nom.Pl.)
saha yuvatibhiḥ
zusammen mit den jungen Frauen (Instr.Pl.)
mukuṭa-kaṭaka-kaṭi-sūtra-ādi-ābharaṇa-rūpeṇa
in Form von Schmuck wie Kronen, Armreifen, Hüftgürteln usw. (Instr.Sg.)
Der große Kadambabaum aber, der auf [dem Berg] Supārśva wurzelt - aus dessen Höhlungen entspringen fünf Ströme von Honig, [jeweils] fünf [Vyāma] im Umfang, die, vom Gipfel des Supārśva herabfallend, im Westen das ganze Ilāvṛta erfreuen.
Wort für Wort
yaḥ tu
der aber
mahā-kadambaḥ
der große Kadambabaum (Nom.Sg.)
supārśva-nirūḍhaḥ
auf Supārśva wurzelnd (Nom.Sg.)
yāḥ
welche [Ströme] (Nom.Pl.Fem.)
tasya
von diesem (Gen.Sg.)
koṭarebhyaḥ
aus den Höhlungen (Abl.Pl.)
viniḥsṛtāḥ
hervorgeströmt (PPP, Nom.Pl.)
pañca-āyāma-pariṇāhāḥ
fünf [Maßeinheiten] im Umfang (Nom.Pl.)
pañca
fünf
madhu-dhārāḥ
Honigströme (Nom.Pl.)
supārśva-śikharāt
vom Gipfel des Supārśva (Abl.Sg.)
patantyaḥ
herabfallend (Nom.Pl.Part.)
apareṇa
im Westen (Instr.)
ātmānam
ganz (Akk.)
ilāvṛtam
Ilāvṛta (Akk.Sg.)
anumodayanti
sie erfreuen (3.Pl.Präs.)
pañca-āyāma-pariṇāhāḥ: das Grundmaß (āyāma, hier wohl im Sinne von vyāma, einer Armspanne) bleibt in der Glosse ungenau; als 'fünf [Maßeinheiten] im Umfang' wiedergegeben.
evaṁ kumuda-nirūḍho yaḥ śatavalśo nāma vaṭas tasya skandhebhyo nīcīnāḥ payo-dadhi-madhu-ghṛta-guḍānnādy-ambara-śayyāsanābharaṇādayaḥ sarva eva kāma-dughā nadāḥ kumudāgrāt patantas tam uttareṇelāvṛtam upayojayanti.
Ebenso strömen von den Ästen des auf [dem Berg] Kumuda wurzelnden Banyanbaumes namens Śatavalśa abwärts alle Ströme, die jeden Wunsch erfüllen - Milch, Yoghurt, Honig, geklärte Butter, Melasse, Speise und dergleichen, sowie Kleidung, Lagerstatt, Sitzplatz, Schmuck und dergleichen -, [und] fallen vom Gipfel des Kumuda [herab und] versorgen so im Norden [das Land] Ilāvṛta.
Wort für Wort
evam
ebenso
kumuda-nirūḍhaḥ
auf Kumuda wurzelnd (Nom.Sg.)
yaḥ
der [Baum]
śatavalśaḥ nāma
namens Śatavalśa
vaṭaḥ
der Banyanbaum (Nom.Sg.)
tasya
von diesem (Gen.Sg.)
skandhebhyaḥ
von den [dicken] Ästen (Abl.Pl.)
nīcīnāḥ
abwärts fließend (Nom.Pl.)
payaḥ-dadhi-madhu-ghṛta-guḍa-anna-ādi
Milch, Yoghurt, Honig, Ghee, Melasse, Speise usw.
ambara-śayyā-āsana-ābharaṇa-ādayaḥ
Kleidung, Lager, Sitz, Schmuck usw. (Nom.Pl.)
sarve
alle (Nom.Pl.)
eva
fürwahr
kāma-dughāḥ
jeden Wunsch erfüllend (Nom.Pl.)
nadāḥ
Ströme (Nom.Pl.)
kumuda-agrāt
vom Gipfel des Kumuda (Abl.Sg.)
patantaḥ
herabfallend (Nom.Pl.Part.)
tam
dieses (Akk.)
uttareṇa
im Norden
ilāvṛtam
Ilāvṛta (Akk.Sg.)
upayojayanti
sie versorgen, statten aus (3.Pl.Präs.)
śatavalśa ("hundert Zweige/Stämme") als Eigenname des Banyanbaumes.
yān upajuṣāṇānāṁ na kadācid api prajānāṁ valī-palita-klama-sveda-daurgandhya-jarāmaya-mṛtyu-śītoṣṇa-vaivarṇyopasargādayas tāpa-viśeṣā bhavanti yāvaj jīvaṁ sukhaṁ niratiśayam eva.
Für die Geschöpfe, die diese [Ströme] genießen, entstehen niemals besondere Leiden wie Falten, graues Haar, Ermattung, Schweiß, üblen Geruch, Alter, Krankheit, Tod, Kälte, Hitze, Verblassen des Glanzes, Plagen und dergleichen, sondern solange das Leben währt, [ist da nur] unübertreffliches Glück.
Kuraṅga, Kurara, Kusumbha, Vaikaṅka, Trikūṭa, Śiśira, Pataṅga, Rucaka, Niṣadha, Śinīvāsa, Kapila, Śaṅkha, Vaidūrya, Jārudhi, Haṁsa, Ṛṣabha, Nāga, Kālañjara, Nārada und weitere - [dies] sind die zwanzig Berge, die, gleichsam den Staubfäden des Blütenkelches des Meru gleich, ringsum an seiner Basisregion angeordnet sind.
Die Aufzählung nennt namentlich 19 Berge und schließt mit 'ādayaḥ' ('und weitere'), während die Gesamtzahl mit 'zwanzig' (viṁśati) angegeben wird - ein in der Überlieferung bekanntes Zahl-Namen-Missverhältnis [Anm.].
Jaṭhara [und] Devakūṭa liegen im Osten des Meru, achtzehntausend Yojanas von Nord nach Süd ausgedehnt, zweitausend [Yojanas] breit und hoch. Ebenso [liegen] im Westen Pavana [und] Pāriyātra, im Süden Kailāsa [und] Karavīra, [gleichfalls] ausgedehnt, ebenso im Norden Triśṛṅga [und] Makara. Von diesen acht [Bergen] umgeben, erstrahlt der goldene Berg [Meru] ringsum wie [von] Feuer [umgeben].
Auf dem Gipfel des Meru, so sagt man, [befindet sich] in der Mitte die errichtete Stadt des Erhabenen, des Selbstgeborenen [Brahmā], [im Ausmaß von] zehntausend Yojanas, mit gleichen Seiten [und] aus Gold [bestehend].
Wort für Wort
meroḥ
des Meru (Gen.Sg.)
mūrdhani
auf dem Haupt, Gipfel (Lok.Sg.)
bhagavataḥ
des Erhabenen (Gen.Sg.)
ātma-yoneḥ
des Selbstgeborenen [Brahmā] (Gen.Sg.)
madhyataḥ
in der Mitte
upakḷptām
errichtet (PPP, Akk.Sg.)
purīm
die Stadt (Akk.Sg.)
ayuta-yojana-sāhasrīm
[im Ausmaß von] zehntausend Yojanas (Akk.Sg.)
sama-caturasrām
mit gleichen [vier] Seiten (Akk.Sg.)
śāta-kaumbhīm
aus Gold [bestehend] (Akk.Sg.)
vadanti
man sagt, die Weisen sagen (3.Pl.Präs.)
ātma-yoni ('der aus sich selbst Entstandene') ist ein gängiger Beiname Brahmās; die Stadt ist die als Brahmapurī bekannte Residenz Brahmās auf dem Meru-Gipfel.
tām anuparito loka-pālānām aṣṭānāṁ yathā-diśaṁ yathā-rūpaṁ turīya-mānena puro 'ṣṭāv upakḷptāḥ.
Rings um diese [Stadt] sind, entsprechend den [jeweiligen] Himmelsrichtungen und entsprechend [ihrer] Gestalt, im Maß eines Viertels [davon], die acht Städte der acht Weltenhüter errichtet.
Wort für Wort
tām
um diese (Akk.Sg., Bezug: Brahmapurī)
anuparitaḥ
ringsum
loka-pālānām
der Weltenhüter (Gen.Pl.)
aṣṭānām
der acht (Gen.Pl.)
yathā-diśam
entsprechend den Richtungen
yathā-rūpam
entsprechend der Gestalt
turīya-mānena
im Maß eines Viertels (Instr.Sg.)
puraḥ
Städte (Nom.Pl.)
aṣṭau
acht
upakḷptāḥ
errichtet (PPP, Nom.Pl.)
loka-pālāḥ ("Weltenhüter") = die acht Hüter der Himmelsrichtungen (Indra, Agni, Yama, Nirṛti, Varuṇa, Vāyu, Kubera, Śiva/Īśāna u.ä.).