śrī-bhagavān uvāca
atha te sampravakṣyāmi
tattvānāṁ lakṣaṇaṁ pṛthak
yad viditvā vimucyeta
puruṣaḥ prākṛtair guṇaiḥ
Der Höchste Herr sprach: Nun will ich dir die Merkmale der Wahrheitskategorien (tattvas) einzeln darlegen, durch deren Erkenntnis ein Mensch von den Erscheinungsweisen der materiellen Natur befreit werden kann.
Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Höchste Herr sprach
atha te sampravakṣyāmi
nun werde ich dir ausführlich verkünden
tattvānāṁ lakṣaṇaṁ pṛthak
die Merkmale der Wahrheitskategorien einzeln
yad viditvā vimucyeta
wodurch erkannt ein Mensch befreit werden könnte
puruṣaḥ prākṛtair guṇaiḥ
eine Person von den aus der materiellen Natur stammenden Erscheinungsweisen
jñānaṁ niḥśreyasārthāya
puruṣasyātma-darśanam
yad āhur varṇaye tat te
hṛdaya-granthi-bhedanam
Das Wissen, das der Selbstschau des Menschen dient und zum höchsten Heil führt, jenes Wissen, das [die Weisen] als das bezeichnen, was den Knoten des Herzens zerschneidet - das will ich dir nun erklären.
Ohne Anfang ist der Purusha, das Selbst, frei von den [materiellen] Erscheinungsweisen, jenseits der materiellen Natur; er ist dem Innersten zugewandt, selbstleuchtend, durch den das ganze Universum durchdrungen ist.
Wort für Wort
anādir ātmā puruṣo
ohne Anfang ist das Selbst, der Purusha
nirguṇaḥ prakṛteḥ paraḥ
frei von den Erscheinungsweisen, jenseits der materiellen Natur
sa eṣa prakṛtiṁ sūkṣmāṁ
daivīṁ guṇa-mayīṁ vibhuḥ
yadṛcchayaivopagatām
abhyapadyata līlayā
Eben dieser Allmächtige nahm die feine, göttliche, aus den [drei] Erscheinungsweisen bestehende materielle Natur, die sich ganz von selbst [ihm] näherte, spielerisch an.
Wort für Wort
sa eṣa prakṛtiṁ sūkṣmāṁ
eben dieser die feine materielle Natur
daivīṁ guṇa-mayīṁ vibhuḥ
der Allmächtige, die göttliche, aus den Erscheinungsweisen bestehende
Als er die materielle Natur erblickte, wie sie durch die Erscheinungsweisen mannigfaltige, mit eigenen Formen versehene Geschöpfe hervorbrachte, wurde er hier sogleich durch die das Wissen verhüllende [Kraft] verblendet.
Wort für Wort
guṇair vicitrāḥ sṛjatīṁ
durch die Erscheinungsweisen mannigfaltige hervorbringend
sa-rūpāḥ prakṛtiṁ prajāḥ
mit [eigenen] Formen versehene Geschöpfe, die materielle Natur
vilokya mumuhe sadyaḥ
nachdem er erblickt hatte, wurde er sogleich verblendet
So hält sich der Mensch, indem er sich mit dem Anderen [der materiellen Natur] identifiziert, wenn Handlungen durch die Erscheinungsweisen der materiellen Natur ausgeführt werden, selbst für den Handelnden.
Wort für Wort
evaṁ parābhidhyānena
so, durch das Sich-Versenken in das Andere
kartṛtvaṁ prakṛteḥ
das Urheber-Sein der materiellen Natur
pumān karmasu kriyamāṇeṣu
der Mensch, während Handlungen ausgeführt werden
guṇair ātmani manyate
durch die Erscheinungsweisen hält er sich selbst dafür
tad asya saṁsṛtir bandhaḥ
pāra-tantryaṁ ca tat-kṛtam
bhavaty akartur īśasya
sākṣiṇo nirvṛtātmanaḥ
Dadurch entstehen für ihn, der doch [in Wahrheit] nicht handelt, unabhängig ist, Zeuge ist und von Natur aus voll Glückseligkeit ist, das weltliche Dasein, die Bindung und die dadurch bewirkte Abhängigkeit.
Wort für Wort
tad asya saṁsṛtir bandhaḥ
dadurch entsteht für ihn das weltliche Dasein, die Bindung
pāra-tantryaṁ ca tat-kṛtam
und die davon bewirkte Abhängigkeit
bhavaty akartur īśasya
entsteht für den, der nicht handelt, den Unabhängigen
sākṣiṇo nirvṛtātmanaḥ
den Zeugen, dessen Wesen von Natur aus Glückseligkeit ist
Als Ursache für das Hervorbringen von Wirkung und Werkzeug [Körper und Sinne] erkennen die Kundigen die materielle Natur; als den Genießenden von Glück und Leid [erkennen sie] den Purusha, der jenseits der materiellen Natur steht.
Wort für Wort
kārya-kāraṇa-kartṛtve
hinsichtlich des Hervorbringens von Wirkung und Werkzeug
devahūtir uvāca
prakṛteḥ puruṣasyāpi
lakṣaṇaṁ puruṣottama
brūhi kāraṇayor asya
sad-asac ca yad-ātmakam
Devahūti sprach: O Bester unter den Purushas, erkläre mir die Merkmale sowohl der materiellen Natur als auch des Purusha, dieser beiden Ursachen, sowie wessen Wesens jenes Manifeste und Unmanifeste [des Universums] ist.
Wort für Wort
devahūtir uvāca
Devahūti sprach
prakṛteḥ puruṣasyāpi lakṣaṇaṁ
die Merkmale der materiellen Natur und auch des Purusha
puruṣottama brūhi
o Bester der Purushas, sprich, erkläre
kāraṇayor asya
der beiden Ursachen von diesem [Universum]
sad-asac ca yad-ātmakam
und von welchem Wesen das Manifeste und Unmanifeste ist
Der Höchste Herr sprach: Jenes Unmanifeste, das aus den drei Erscheinungsweisen besteht, ewig ist und dessen Wesen Ursache und Wirkung [zugleich] ist, nennt man Pradhana oder Prakriti - undifferenziert, doch Differenziertes enthaltend.
Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Höchste Herr sprach
yat tat tri-guṇam avyaktaṁ
jenes Unmanifeste, das aus drei Erscheinungsweisen besteht
Mit fünf [groben Elementen] und fünf [feinstofflichen Elementen] - [zusammen] das Brahman [die materielle Gesamtheit] -, ebenso mit vier [inneren Sinnesorganen] und zehn [äußeren Sinnesorganen]: dies kennt man als die aus vierundzwanzig [Elementen] bestehende Gruppe des Pradhana.
Wort für Wort
pañcabhiḥ pañcabhir brahma
mit fünf und fünf [Elementen], das Brahman
caturbhir daśabhis tathā
mit vier und zehn ebenso
etac catur-viṁśatikaṁ
diese aus vierundzwanzig bestehende
gaṇaṁ prādhānikaṁ viduḥ
Gruppe kennt man als die des Pradhana
[Anm.: 'brahma' bezeichnet hier die materielle Gesamtheit/das Mahat, vgl. BG 14.3 'mahad brahma'.]
mahā-bhūtāni pañcaiva
bhūr āpo 'gnir marun nabhaḥ
tan-mātrāṇi ca tāvanti
gandhādīni matāni me
Die groben Elemente sind genau fünf: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther; ebenso viele sind die feinstofflichen Elemente, [nämlich] Geruch und die übrigen, wie sie von mir betrachtet werden.
Die Sinne sind zehn: Gehör, Tastsinn, Sehsinn, Geschmackssinn und Geruchssinn; [dazu] Sprache, die beiden Hände, die beiden Füße, das Zeugungsorgan, und das Ausscheidungsorgan wird als das zehnte genannt.
Wort für Wort
indriyāṇi daśa śrotraṁ
die Sinne sind zehn: das Gehör
tvag dṛg rasana-nāsikāḥ
Tastsinn, Sehsinn, Geschmackssinn, Geruchssinn
vāk karau caraṇau meḍhraṁ
Sprache, die beiden Hände, die beiden Füße, das Zeugungsorgan
Geist, Intelligenz, falsches Ego und Bewusstsein - so wird das innere Selbst als vierfach unterschieden erkannt, durch die Funktion, die dessen Merkmal bildet.
etāvān eva saṅkhyāto
brahmaṇaḥ sa-guṇasya ha
sanniveśo mayā prokto
yaḥ kālaḥ pañca-viṁśakaḥ
Genau so viel wurde von mir die Anordnung des mit Eigenschaften versehenen Brahman aufgezählt und dargelegt; hinzu kommt die Zeit als das Fünfundzwanzigste.
Wort für Wort
etāvān eva saṅkhyāto
genau so viel wurde aufgezählt
brahmaṇaḥ sa-guṇasya ha
des mit Eigenschaften versehenen Brahman, wahrlich
Manche nennen die Zeit die Macht des Purusha, aus der Furcht entsteht für den vom falschen Ego verblendeten Handelnden, der in die materielle Natur eingegangen ist.
Wort für Wort
prabhāvaṁ pauruṣaṁ prāhuḥ
sie nennen sie die Macht des Purusha
kālam eke yato bhayam
manche die Zeit, woraus Furcht [entsteht]
ahaṅkāra-vimūḍhasya
für den vom falschen Ego verblendeten
kartuḥ prakṛtim īyuṣaḥ
Handelnden, der in die materielle Natur eingegangen ist
O Tochter Manus, jene Bewegung/Erregung der im Gleichgewicht der Erscheinungsweisen befindlichen, undifferenzierten materiellen Natur, wovon sie ausgeht - er, der Erhabene, wird als Zeit gekennzeichnet.
Wort für Wort
prakṛter guṇa-sāmyasya
der im Gleichgewicht der Erscheinungsweisen befindlichen materiellen Natur
antaḥ puruṣa-rūpeṇa
kāla-rūpeṇa yo bahiḥ
samanvety eṣa sattvānāṁ
bhagavān ātma-māyayā
Er, der Erhabene, der im Inneren in der Gestalt des Purusha [als Überseele] und im Äußeren in der Gestalt der Zeit alle Lebewesen durchdringt - dies [tut er] durch seine eigene [göttliche] Māyā.
In seinem eigenen Schoß [der materiellen Natur], deren Gleichgewicht durch das Schicksal erregt worden war, legte der Höchste Purusha [seinen] Samen; sie gebar daraufhin das goldene Mahat-tattva.
Wort für Wort
daivāt kṣubhita-dharmiṇyāṁ
durch das Schicksal, deren Wesen erregt worden war
Indem es das in ihm selbst enthaltene Universum offenbarte, [dieses] unveränderliche, den Keim der Welt [bildende Mahat-tattva], verschlang es durch seinen eigenen Glanz die heftige, es selbst einschläfernde Finsternis.
Wort für Wort
viśvam ātma-gataṁ vyañjan
das in sich selbst enthaltene Universum offenbarend
kūṭa-stho jagad-aṅkuraḥ
das unveränderliche, den Keim der Welt bildende
sva-tejasāpibat tīvram
durch seinen eigenen Glanz verschlang es die heftige
yat tat sattva-guṇaṁ svacchaṁ
śāntaṁ bhagavataḥ padam
yad āhur vāsudevākhyaṁ
cittaṁ tan mahad-ātmakam
Jene Erscheinungsweise der Tugend, die klar und ruhig ist, der Sitz des Erhabenen, die sie mit dem Namen Vāsudeva nennen - jenes Bewusstsein besteht aus dem Mahat[-tattva].
Klarheit, Unveränderlichkeit und Ruhe - so wird durch [seine] Funktionen das Merkmal des Bewusstseins beschrieben, gleich der reinen, ursprünglichen Natur des Wassers.
Aus dem sich wandelnden Mahat-tattva, das aus der Kraft des Erhabenen entstanden ist, entstand das falsche Ego, ausgestattet mit der Kraft zum Handeln, in dreifacher Gestalt.
Wort für Wort
mahat-tattvād vikurvāṇād
aus dem sich wandelnden Mahat-tattva
bhagavad-vīrya-sambhavāt
das aus der Kraft des Erhabenen entstanden ist
kriyā-śaktir ahaṅkāras
das falsche Ego, mit der Kraft zum Handeln
tri-vidhaḥ samapadyata
entstand in dreifacher Gestalt
[Anm.: Auf vedabase.io sind die Verse 23 und 24 auf einer gemeinsamen Seite (URL .../3/26/23-24/) zusammengefasst; hier gemäß Vorgabe als getrennte Einheiten 23 und 24 wiedergegeben.]
Aus dem sich wandelnden Vaikarika[-Ego] entstand das Prinzip des Geistes, durch dessen Überlegung und Zweifel das Entstehen des Begehrens vor sich geht.
yad vidur hy aniruddhākhyaṁ
hṛṣīkāṇām adhīśvaram
śāradendīvara-śyāmaṁ
saṁrādhyaṁ yogibhiḥ śanaiḥ
[Diesen Geist] kennt man wahrlich unter dem Namen Aniruddha, den höchsten Gebieter der Sinne, dunkel wie eine herbstliche blaue Lotusblüte, der von den Yogis allmählich verehrt wird.
Wort für Wort
yad vidur hy aniruddhākhyaṁ
welchen man wahrlich unter dem Namen Aniruddha kennt
taijasāt tu vikurvāṇād
buddhi-tattvam abhūt sati
dravya-sphuraṇa-vijñānam
indriyāṇām anugrahaḥ
Aus dem sich wandelnden Taijasa[-Ego] aber, o Tugendhafte, entstand das Prinzip der Intelligenz - das Erkennen des Hervortretens der Dinge, eine Gunst für die Sinne.
Wort für Wort
taijasāt tu vikurvāṇād
aus dem sich wandelnden Taijasa[-Ego] aber
buddhi-tattvam abhūt sati
entstand das Prinzip der Intelligenz, o Tugendhafte
saṁśayo 'tha viparyāso
niścayaḥ smṛtir eva ca
svāpa ity ucyate buddher
lakṣaṇaṁ vṛttitaḥ pṛthak
Zweifel, ferner Irrtum, Gewissheit sowie Erinnerung und Schlaf - so werden, gemäß ihren Funktionen einzeln unterschieden, die Merkmale der Intelligenz genannt.
taijasānīndriyāṇy eva
kriyā-jñāna-vibhāgaśaḥ
prāṇasya hi kriyā-śaktir
buddher vijñāna-śaktitā
Die aus dem Taijasa[-Ego] entstandenen Sinne [teilen sich] eben in Handlungs- und Erkenntnissinne: dem Lebensatem [Prana] eignet nämlich die Kraft zum Handeln, der Intelligenz die Kraft zur Erkenntnis.
tāmasāc ca vikurvāṇād
bhagavad-vīrya-coditāt
śabda-mātram abhūt tasmān
nabhaḥ śrotraṁ tu śabdagam
Und aus dem sich wandelnden, von der Kraft des Erhabenen angetriebenen Tamasa[-Ego] entstand das feinstoffliche Element Klang; daraus [entstand] der Äther, und [daraus] das den Klang erfassende Gehör.
arthāśrayatvaṁ śabdasya
draṣṭur liṅgatvam eva ca
tan-mātratvaṁ ca nabhaso
lakṣaṇaṁ kavayo viduḥ
Das Träger-Sein der Bedeutung des Klangs sowie das Anzeichen-Sein für den Wahrnehmenden und das Sein als dessen feinstoffliches Element - dies erkennen die Weisen als Merkmal des Äthers.
Wort für Wort
arthāśrayatvaṁ śabdasya
das Träger-Sein der Bedeutung des Klangs
draṣṭur liṅgatvam eva ca
und auch das Anzeichen-Sein für den Wahrnehmenden
tan-mātratvaṁ ca nabhaso
und das Sein als dessen feinstoffliches Element, des Äthers
bhūtānāṁ chidra-dātṛtvaṁ
bahir antaram eva ca
prāṇendriyātma-dhiṣṇyatvaṁ
nabhaso vṛtti-lakṣaṇam
Den Wesen Raum zu gewähren, äußerlich wie innerlich, sowie das Sein als Sitz des Lebensatems, der Sinne und des Geistes - dies ist das Merkmal der Funktion des Äthers.
Wort für Wort
bhūtānāṁ chidra-dātṛtvaṁ
den Wesen das Gewähren von Raum
bahir antaram eva ca
äußerlich und auch innerlich
prāṇendriyātma-dhiṣṇyatvaṁ
das Sein als Sitz von Lebensatem, Sinnen und Geist
nabhasaḥ śabda-tanmātrāt
kāla-gatyā vikurvataḥ
sparśo 'bhavat tato vāyus
tvak sparśasya ca saṅgrahaḥ
Aus dem Äther, der aus dem feinstofflichen Element Klang [besteht] und sich im Gang der Zeit wandelte, entstand die Berührung; daraus die Luft, und der Tastsinn zum Erfassen der Berührung.
Wort für Wort
nabhasaḥ śabda-tanmātrāt
aus dem Äther, der aus dem feinstofflichen Element Klang besteht
Bewegen, Zusammenführen, Erreichen[-Lassen] und das Leiten von Stoffen und Klang, sowie das Sein als das eigentliche Wesen aller Sinne - dies ist die kennzeichnende Wirkweise der Luft.
Und aus der Luft, die aus dem feinstofflichen Element Berührung [besteht] und durch das Schicksal angetrieben wurde, entstand die Form; daraus erhob sich das Feuer, [und] das Auge, das die Form wahrnimmt.
Wort für Wort
vāyoś ca sparśa-tanmātrād
und aus der Luft, die aus dem feinstofflichen Element Berührung besteht
dravyākṛtitvaṁ guṇatā
vyakti-saṁsthātvam eva ca
tejastvaṁ tejasaḥ sādhvi
rūpa-mātrasya vṛttayaḥ
Das Ausmaß eines Gegenstandes zu sein, [dessen] Beschaffenheit sowie das Sein als individuell geformte Erscheinung, [und] die Leuchtkraft des Feuers, o Tugendhafte - dies sind die Funktionen des feinstofflichen Elements Form.
Wort für Wort
dravyākṛtitvaṁ guṇatā
das Gestalt-Sein eines Gegenstandes, die Beschaffenheit
vyakti-saṁsthātvam eva ca
und auch das Sein als individuell geformte Erscheinung
Aus dem Feuer, das aus dem feinstofflichen Element Form [besteht] und durch das Schicksal angetrieben sich wandelte, entstand das feinstoffliche Element Geschmack; daraus das Wasser, [und] die Zunge, die den Geschmack erfasst.
Wort für Wort
rūpa-mātrād vikurvāṇāt
aus dem feinstofflichen Element Form, sich wandelnd
tejaso daiva-coditāt
aus dem Feuer, durch das Schicksal angetrieben
rasa-mātram abhūt tasmād
entstand das feinstoffliche Element Geschmack, daraus
Herb, süß, bitter, scharf und sauer - so wird der [ursprünglich] eine Geschmack durch die Umwandlung der stofflichen [Bestandteile] auf vielfache Weise unterteilt.
Wort für Wort
kaṣāyo madhuras tiktaḥ
herb, süß, bitter
kaṭv amla iti naikadhā
scharf, sauer - so auf vielfache Weise
bhautikānāṁ vikāreṇa
durch die Umwandlung der stofflichen Bestandteile
rasa eko vibhidyate
wird der eine [ursprüngliche] Geschmack unterteilt
kledanaṁ piṇḍanaṁ tṛptiḥ
prāṇanāpyāyanondanam
tāpāpanodo bhūyastvam
ambhaso vṛttayas tv imāḥ
Befeuchten, Verdichten, Sättigung, Lebenserhaltung, Erfrischung, Einweichen, Vertreiben der Hitze und Überfließen - dies sind die Funktionen des Wassers.
Aus dem Wasser, das aus dem feinstofflichen Element Geschmack [besteht] und durch das Schicksal angetrieben sich wandelte, entstand das feinstoffliche Element Geruch; daraus die Erde, [und] die Nase, die den Geruch erfasst.
Wort für Wort
rasa-mātrād vikurvāṇād
aus dem feinstofflichen Element Geschmack, sich wandelnd
ambhaso daiva-coditāt
aus dem Wasser, durch das Schicksal angetrieben
gandha-mātram abhūt tasmāt
entstand das feinstoffliche Element Geruch, daraus
Gemischt, übelriechend, wohlriechend, mild, stark und sauer und so fort - je nach Ungleichmäßigkeit der stofflichen Bestandteile wird der eine [ursprüngliche] Geruch gesondert unterteilt.
Wort für Wort
karambha-pūti-saurabhya-
gemischt, übelriechend, wohlriechend
śāntogrāmlādibhiḥ pṛthak
mild, stark, sauer und dergleichen, gesondert
dravyāvayava-vaiṣamyād
durch die Ungleichmäßigkeit der Bestandteile des Stoffes
Das Hervorbringen [von Formen], das Sein als Wohnstätte des Brahman, das Tragen, das Unterscheiden des Seienden sowie das Hervortreten aller Eigenschaften der Wesen - dies sind die kennzeichnenden Funktionen der Erde.
Jenes, dessen Gegenstand die besondere Eigenschaft des Äthers [der Klang] ist, wird das Gehör genannt; jenes, dessen Gegenstand die besondere Eigenschaft der Luft [die Berührung] ist, kennt man als den Tastsinn.
Wort für Wort
nabho-guṇa-viśeṣo 'rtho
die besondere Eigenschaft des Äthers als Gegenstand
tejo-guṇa-viśeṣo 'rtho
yasya tac cakṣur ucyate
ambho-guṇa-viśeṣo 'rtho
yasya tad rasanaṁ viduḥ
bhūmer guṇa-viśeṣo 'rtho
yasya sa ghrāṇa ucyate
Jenes, dessen Gegenstand die besondere Eigenschaft des Feuers [die Form] ist, wird das Auge genannt; jenes, dessen Gegenstand die besondere Eigenschaft des Wassers [der Geschmack] ist, kennt man als den Geschmackssinn; jenes, dessen Gegenstand die besondere Eigenschaft der Erde [der Geruch] ist, wird der Geruchssinn genannt.
Wort für Wort
tejo-guṇa-viśeṣo 'rtho
die besondere Eigenschaft des Feuers als Gegenstand
yasya tac cakṣur ucyate
dessen [Sinnesorgan] wird das Auge genannt
ambho-guṇa-viśeṣo 'rtho
die besondere Eigenschaft des Wassers als Gegenstand
yasya tad rasanaṁ viduḥ
dessen [Sinnesorgan] kennt man als den Geschmackssinn
parasya dṛśyate dharmo
hy aparasmin samanvayāt
ato viśeṣo bhāvānāṁ
bhūmāv evopalakṣyate
Die Eigenschaft des Vorherigen zeigt sich nämlich, [ihm] folgend, im Nachfolgenden; daher wird die Besonderheit [die Summe] aller [vorangehenden] Elemente eben in der Erde erkennbar.
Wort für Wort
parasya dṛśyate dharmo
die Eigenschaft des Vorherigen zeigt sich
hy aparasmin samanvayāt
nämlich, im Nachfolgenden, infolge des Zusammenhangs
etāny asaṁhatya yadā
mahad-ādīni sapta vai
kāla-karma-guṇopeto
jagad-ādir upāviśat
Als diese sieben [Prinzipien], beginnend mit dem Mahat, noch unvereint waren, da trat der Ursprung der Welt [die Überseele], begleitet von Zeit, Karma und den Erscheinungsweisen, [in sie] ein.
Wort für Wort
etāny asaṁhatya yadā
als diese, ohne vereinigt zu sein
mahad-ādīni sapta vai
die mit dem Mahat beginnenden sieben, wahrlich
kāla-karma-guṇopeto
begleitet von Zeit, Karma und den Erscheinungsweisen
Dann entstand, aus diesen von ihm durchdrungenen und vereinigten [Prinzipien], das unbewusste Ei; daraus erhob sich der [kosmische] Purusha, jener berühmte Virat.
Wort für Wort
tataḥ tenānuviddhebhyo
dann, von ihm [dem Herrn] durchdrungenen
yuktebhyo 'ṇḍam acetanam
vereinigten, das unbewusste Ei
utthitaṁ puruṣo yasmād
entstand; der Purusha, woraus
udatiṣṭhad asau virāṭ
erhob sich jener [berühmte] Virat
[Anm.: Die erste Verszeile ('tataḥ tenānuviddhebhyo') wurde anhand der Wort-Glosse der Seite rekonstruiert, da der abgerufene Sanskrit-Textblock nur die drei letzten Pādas anzeigte.]
Dieses Ei, Vishesha genannt, ist umhüllt von Wasser und den übrigen [Hüllen], die, je zehnfach an Umfang zunehmend, es äußerlich umgeben, umschlossen vom Pradhana - [ein Ei], worin sich diese Ausbreitung der Welten befindet, die Gestalt des Erhabenen Hari.
Zuerst öffnete sich bei ihm der Mund; daraus entstand die Sprache; mit der Sprache [entstand] das Feuer; dann die beiden Nasenlöcher; der Lebensatem [entstand], mit ihnen verbunden, [und] der Geruchssinn.
Wort für Wort
nirabhidyatāsya prathamaṁ
es öffnete sich bei ihm zuerst
mukhaṁ vāṇī tato 'bhavat
der Mund; die Sprache entstand daraus
vāṇyā vahnir atho nāse
mit der Sprache das Feuer, dann die beiden Nasenlöcher
prāṇoto ghrāṇa etayoḥ
der Lebensatem, mit ihnen verbunden, der Geruchssinn
Aus dem Geruchssinn [entstand] die Luft; es öffneten sich die beiden Augen, mit ihnen der Sehsinn; daraus [entstand] die Sonne; es öffneten sich die beiden Ohren, [mit ihnen] das Gehör, daraus die Himmelsrichtungen.
Wort für Wort
ghrāṇād vāyur abhidyetām
aus dem Geruchssinn die Luft; es öffneten sich
akṣiṇī cakṣur etayoḥ
die beiden Augen, mit ihnen der Sehsinn
tasmāt sūryo nyabhidyetāṁ
daraus die Sonne; es öffneten sich
karṇau śrotraṁ tato diśaḥ
die beiden Ohren, das Gehör, daraus die Himmelsrichtungen
Es öffnete sich [an] Viraj die Haut; daraus entstanden Haare, Bart und dergleichen; daraus wiederum entstanden die Heilkräuter; darauf öffnete sich das Zeugungsorgan.
retas tasmād āpa āsan
nirabhidyata vai gudam
gudād apāno 'pānāc ca
mṛtyur loka-bhayaṅkaraḥ
Aus diesem [Zeugungsorgan] entstand der Same, [und] das Wasser; es öffnete sich wahrlich der After; aus dem After [entstand] der Ausscheidungsatem, und aus dem Ausscheidungsatem der Tod, der der Welt Furcht bereitet.
Wort für Wort
retas tasmād āpa āsan
der Same, daraus entstand das Wasser
nirabhidyata vai gudam
es öffnete sich wahrlich der After
gudād apāno 'pānāc ca
aus dem After der Ausscheidungsatem, und aus dem Ausscheidungsatem
hastau ca nirabhidyetāṁ
balaṁ tābhyāṁ tataḥ svarāṭ
pādau ca nirabhidyetāṁ
gatis tābhyāṁ tato hariḥ
Und es entstanden die beiden Hände; mit ihnen [entstand] die Kraft, daraus [der Gott] Svarat; und es entstanden die beiden Füße; mit ihnen die Bewegung, daraus [der Gott] Hari.
manasaś candramā jāto
buddhir buddher girāṁ patiḥ
ahaṅkāras tato rudraś
cittaṁ caityas tato 'bhavat
Aus dem Geist wurde der Mond geboren; [dann] die Intelligenz, aus der Intelligenz der Herr der Rede [Brahma]; daraus das falsche Ego, [dessen Gottheit] Rudra; daraus entstand das Bewusstsein, [dessen Gottheit] Chaitya.
Wort für Wort
manasaś candramā jāto
aus dem Geist wurde der Mond geboren
buddhir buddher girāṁ patiḥ
die Intelligenz, aus der Intelligenz der Herr der Rede
ete hy abhyutthitā devā
naivāsyotthāpane 'śakan
punar āviviśuḥ khāni
tam utthāpayituṁ kramāt
Diese erschienenen Götter vermochten es jedoch nicht, ihn [den Virat] zu erwecken; sie traten daraufhin der Reihe nach wieder in [seine] Öffnungen ein, um ihn zu erwecken.
Das Feuer trat mit der Sprache in den Mund ein; dennoch erhob sich der Virat da nicht; die Luft [trat] mit dem Geruchssinn in die Nasenlöcher [ein]; dennoch erhob sich der Virat da nicht.
Die Sonne [trat] mit dem Sehsinn in die beiden Augen [ein]; dennoch erhob sich der Virat da nicht; die Himmelsrichtungen [traten] mit dem Gehör in die beiden Ohren [ein]; dennoch erhob sich der Virat da nicht.
Wort für Wort
akṣiṇī cakṣuṣādityo
die Sonne mit dem Sehsinn in die beiden Augen
nodatiṣṭhat tadā virāṭ
dennoch erhob sich der Virat da nicht
śrotreṇa karṇau ca diśo
die Himmelsrichtungen mit dem Gehör in die beiden Ohren
Die Heilkräuter [traten] mit den Haaren in die Haut [ein]; dennoch erhob sich der Virat da nicht; das Wasser [trat] mit dem Samen in das Zeugungsorgan [ein]; dennoch erhob sich der Virat da nicht.
Der Tod [trat] mit dem Ausscheidungsatem in den After [ein]; dennoch erhob sich der Virat da nicht; Indra [trat] mit der Kraft eben in die beiden Hände [ein]; dennoch erhob sich der Virat da nicht.
Vishnu [trat] mit der Bewegung eben in die beiden Füße [ein]; dennoch erhob sich der Virat da nicht; die Flüsse [traten] mit dem Blut in die Adern [ein]; dennoch erhob sich der Virat da nicht.
Der Ozean [trat] mit Hunger und Durst in den Bauch [ein]; dennoch erhob sich der Virat da nicht; der Mond [trat] mit dem Geist in das Herz [ein]; dennoch erhob sich der Virat da nicht.
Auch Brahma [trat] mit der Intelligenz in das Herz [ein]; dennoch erhob sich der Virat da nicht; Rudra [trat] mit dem falschen Ego in das Herz [ein]; dennoch erhob sich der Virat da nicht.
Als aber der Kenner des Feldes [die individuelle Seele], die Gottheit des Bewusstseins, mit dem Bewusstsein in das Herz eintrat, da erst erhob sich der Virat, der [kosmische] Purusha, aus dem Wasser.
Wort für Wort
cittena hṛdayaṁ caityaḥ
mit dem Bewusstsein in das Herz, die Gottheit des Bewusstseins
tam asmin pratyag-ātmānaṁ
dhiyā yoga-pravṛttayā
bhaktyā viraktyā jñānena
vivicyātmani cintayet
- [ebenso] soll man auf ihn, die diesem [Körper] innewohnende Überseele, durch eine im Yoga geübte Erkenntniskraft, durch Hingabe, Entsagung und Wissen wohl unterscheidend, im Selbst meditieren.
Wort für Wort
tam asmin pratyag-ātmānaṁ
auf ihn, die diesem [Körper] innewohnende Überseele