Śrī Śuka sprach: So von dem Erhabenen gekränkt, o König, erwiderte der Asura Bali, obgleich er verletzt wurde, mit ungebrochenem Geist unbeirrte Worte.
śrī-baliḥ uvāca | yady uttama-śloka bhavān mama īritaṃ vaco vyalīkaṃ sura-varya manyate | karomy ṛtaṃ tan na bhavet pralambhanaṃ padaṃ tṛtīyaṃ kuru śīrṣṇi me nijam
Śrī Bali sprach: Wenn du, o Bester der Besungenen, mein gesprochenes Wort für Lüge hältst, o Bester der Götter, so mache ich es wahr – das soll kein Betrug sein: Setze den dritten Schritt auf mein eigenes Haupt.
bibhemi na ahaṃ nirayāt pada-cyuto na pāśa-bandhād vyasanād duratyayāt | na eva artha-kṛcchrād bhavato vinigrahād asādhu-vādād bhṛśam udvije yathā
Ich fürchte mich nicht vor der Hölle, obwohl ich meines Ranges beraubt bin, nicht vor der Fesselung durch den Strick, nicht vor dem schwer zu überwindenden Unglück, auch nicht vor dem Verlust meines Besitzes oder vor deiner Bezwingung – doch vor übler Nachrede erschrecke ich so sehr.
puṃsāṃ ślāghya-tamaṃ manye daṇḍam arhat-tama-arpitam | yaṃ na mātā pitā bhrātā suhṛdaś ca ādiśanti hi
Ich halte die von dem Höchstwürdigen auferlegte Strafe für das Rühmlichste unter den Menschen – eine Strafe, die weder Mutter noch Vater noch Bruder noch Freunde verhängen.
Du bist gewiss für uns Asuras der verborgene, höchste Lehrer, der du uns, die wir durch vielfachen Rausch verblendet waren, den Sturz zum Auge (der Einsicht) gemacht hast.
Wort für Wort
tvam
du
nūnam
gewiss, fürwahr
asurāṇām naḥ
von uns Asuras
parokṣaḥ
der verborgene, unsichtbare
paramaḥ guruḥ
der höchste Lehrer
yaḥ
der (du)
naḥ aneka-mada-andhānām
uns, die durch vielfachen Rausch Verblendeten
vibhraṃśam
den Sturz
cakṣuḥ ādiśat
hast zum Auge gemacht
cakṣuḥ und vibhraṃśam stehen beide im Akkusativ; Sinn: 'hast (uns) den Sturz als Auge/Einsicht gewiesen'.
yasmin vaira-anubandhena vyūḍhena vibudha-itarāḥ | bahavo lebhire siddhiṃ yām u ha ekānta-yoginaḥ
Durch die fest verankerte Bindung der Feindschaft zu dir haben viele Nicht-Götter jene Vollendung erlangt, welche fürwahr sonst nur die ausschließlich Hingegebenen erlangen.
tena ahaṃ nigṛhīto 'smi bhavatā bhūri-karmaṇā | baddhaś ca vāruṇaiḥ pāśair na ati-vrīḍe na ca vyathe
Deshalb bin ich, von dir, dessen Taten unermesslich sind, gebändigt und mit den Stricken Varuṇas gefesselt worden – ich schäme mich nicht übermäßig und leide auch nicht darunter.
Mein Großvater Prahlāda, dir genehm, dessen Ruf als Heiliger offenkundig geworden ist, wurde von seinem eigenen Vater, deinem Widersacher, mannigfaltiger Qual unterworfen, weil du der Höchste bist.
kim ātmanā anena jahāti yo 'ntataḥ kiṃ riktha-hāraiḥ sva-jana-ākhya-dasyubhiḥ | kiṃ jāyayā saṃsṛti-hetu-bhūtayā martyasya gehaiḥ kim iha āyuṣo vyayaḥ
Was nützt dieser Leib als „Selbst“, der einen am Ende verlässt? Was nützen die sich Verwandte nennenden Räuber, die das Erbe rauben? Was nützt dem Sterblichen die Ehefrau, die Ursache des Wiedergeburtskreislaufs ist? Was die Häuser – wozu hier die Verschwendung der Lebenszeit?
itthaṃ sa niścitya pitāmaho mahān agādha-bodho bhavataḥ pāda-padmam | dhruvaṃ prapede hy akuto-bhayaṃ janād bhītaḥ sva-pakṣa-kṣapaṇasya sattama
So nahm, nachdem er dies erkannt hatte, der große Großvater von unergründlicher Weisheit gewisslich Zuflucht zu deinem Lotosfuß, der frei von jeder Furcht ist – aus Furcht vor dem Dasein, das die eigene Sippe vernichtet, o Bester.
Wort für Wort
ittham
so
saḥ
er
niścitya
nachdem er (dies) erkannt hatte
pitāmahaḥ mahān
der große Großvater
agādha-bodhaḥ
von unergründlicher Weisheit
bhavataḥ pāda-padmam
zu deinem Lotosfuß
dhruvam prapede
nahm gewisslich Zuflucht
akutaḥ-bhayam
der frei von jeder Furcht ist
janāt bhītaḥ
aus Furcht vor dem Dasein/den Wesen [?]
sva-pakṣa-kṣapaṇasya
das die eigene Sippe vernichtet [?]
sattama
o Bester (der Reinen)
Konstruktion von 'janād ... svapakṣakṣapaṇasya' im Original unsicher (Kasus-Inkongruenz janāt Abl. / kṣapaṇasya Gen.); Sinn sinngemäß erschlossen: Furcht vor dem (Kreislauf des) Geborenwerdens, der die eigene Sippe vernichtet.
atha aham api ātma-ripos tava antikaṃ daivena nītaḥ prasabhaṃ tyājita-śrīḥ | idaṃ kṛta-anta-antika-varti jīvitaṃ yayā adhruvaṃ stabdha-matir na budhyate
Nun bin auch ich, gewaltsam durch das Schicksal in deine Nähe geführt worden, du Feind des (falschen) Ich, und meines Glanzes beraubt worden. Dieses dem Tode nahe, unbeständige Leben erkennt, wer starren Geistes ist, nicht als solches.
Wort für Wort
atha aham api
nun auch ich
ātma-ripoḥ tava antikam
in deine Nähe, (dich,) den Feind des (falschen) Ich
daivena nītaḥ
durch das Schicksal geführt
prasabham
gewaltsam
tyājita-śrīḥ
meines Glanzes beraubt
idam kṛta-anta-antika-varti jīvitam
dieses dem Tode nahe Leben
yayā adhruvam
welches unbeständig ist
stabdha-matiḥ
wer starren Geistes ist
na budhyate
erkennt nicht
'yayā' grammatisch unklar bezogen; sinngemäß auf 'jīvitam' (unbeständig) bezogen übersetzt.
Ihn, seinen eigenen Großvater, erblickte Indrasena (Bali) – erstrahlend von Glanz, mit lotosgleich gestreckten Augen, hochgewachsen, in rötlich-gelbem Gewand, von der Farbe der Augenschminke, mit langen herabhängenden Armen, den Stier unter den Glückhaften.
tasmai balir vāruṇa-pāśa-yantritaḥ samarhaṇaṃ na upajahāra pūrva-vat | nanāma mūrdhnā aśru-vilola-locanaḥ sa-vrīḍa-nīcīna-mukho babhūva ha
Ihm konnte Bali, durch die Stricke Varuṇas gefesselt, nicht wie zuvor die gebührende Ehrerbietung darbringen; er verneigte sich mit dem Haupt, seine Augen von Tränen überflutet, und sein Gesicht wurde fürwahr vor Scham gesenkt.
sa tatra ha āsīnam udīkṣya sat-patiṃ hariṃ sunanda-ādi-anugair upāsitam | upetya bhūmau śirasā mahā-manā nanāma mūrdhnā pulaka-aśru-viklavaḥ
Er, als er dort Hari, den Herrn der Guten, sitzend erblickte, umgeben von Dienern wie Sunanda, trat heran und verneigte sich, der Großgesinnte, mit dem Haupt zur Erde, überwältigt von Freudenschauer und Tränen.
śrī-prahrādaḥ uvāca | tvayā eva dattaṃ padam aindram ūrjitaṃ hṛtaṃ tad eva adya tathā eva śobhanam | manye mahān asya kṛto hy anugraho vibhraṃśito yac chriya ātma-mohanāt
Śrī Prahlāda sprach: Von dir allein wurde der mächtige Rang Indras gegeben, und eben dieser wird heute genommen – ebenso wohlgetan. Ich halte dies für eine große Gunst, die diesem erwiesen wurde, dass er von jenem das Selbst verblendenden Reichtum gestürzt wurde.
yayā hi vidvān api muhyate yatas tat ko vicaṣṭe gatim ātmano yathā | tasmai namas te jagad-īśvarāya vai nārāyaṇāya akhila-loka-sākṣiṇe
Durch die Māyā, welche fürwahr selbst den Gelehrten verblendet – wer erkennt da den rechten Weg des Selbst, wie er wirklich ist? Dir sei Verehrung, dem Herrn der Welt, fürwahr Nārāyaṇa, dem Zeugen aller Welten.
Als sie ihren Gatten gefesselt erblickte, sprach dessen tugendhafte Gattin, von Furcht überwältigt, mit gefalteten Händen, sich vor Upendra verneigend, mit gesenktem Gesicht, o König.
śrī-vindhyāvaliḥ uvāca | krīḍā-artham ātmana idaṃ tri-jagat kṛtaṃ te svāmyaṃ tu tatra kudhiyo 'para īśa kuryuḥ | kartuḥ prabhos tava kim asyata āvahanti tyakta-hriyas tvad-avaropita-kartṛ-vādāḥ
Śrī Vindhyāvali sprach: Zum Zwecke des Spieles wurden von dir, dem Selbst, diese drei Welten erschaffen; die Herrschaft darüber aber mögen andere von schlechtem Verstand beanspruchen, o Herr. Was bringt dies dir, dem Schöpfer und Herrn, an Schaden – jenen, die, die Scham abgelegt, den ihnen nur von dir verliehenen Anspruch der Urheberschaft geltend machen?
Wort für Wort
śrī-vindhyāvaliḥ uvāca
Śrī Vindhyāvali sprach
krīḍā-artham
zum Zweck des Spiels
ātmanaḥ idam tri-jagat kṛtam
von dir (deinem Selbst) diese drei Welten erschaffen
te svāmyam tu
deine Herrschaft aber
tatra kudhiyaḥ apare
darüber andere von schlechtem Verstand
īśa
o Herr
kuryuḥ
mögen beanspruchen
kartuḥ prabhoḥ tava
für dich, den Schöpfer und Herrn
kim asyataḥ āvahanti
was bringt dies (an Schaden) herbei
tyakta-hriyaḥ
die die Scham abgelegt haben
tvat-avaropita-kartṛ-vādāḥ
deren Anspruch der Urheberschaft (nur) von dir verliehen ist
Śrī Brahmā sprach: O Erzeuger der Wesen, o Herr der Wesen, o Gott der Götter, o der du das Weltall durchdringst – lass diesen frei, dessen ganzer Besitz genommen ist; er verdient keine weitere Bestrafung.
kṛtsnā te 'nena dattā bhūr lokāḥ karma-arjitāś ca ye | niveditaṃ ca sarvasvam ātmā aviklavayā dhiyā
Die ganze Erde wurde dir von diesem gegeben, auch die Welten, die durch seine Werke erworben waren, und mit unbeirrtem Sinn wurde dir sein ganzer Besitz, ja sein eigenes Selbst, dargebracht.
Wort für Wort
kṛtsnā bhūḥ
die ganze Erde
te anena dattā
dir von diesem gegeben
lokāḥ karma-arjitāḥ ca ye
und die Welten, welche durch seine Werke erworben wurden
Wer zu deinen beiden Füßen mit aufrichtigem Sinn Wasser darbringt und mit Dūrvā-Grasspitzen die wahrhafte Verehrung vollzieht, der erlangt sogar das höchste Ziel – was wäre da erst die Herrschaft über die drei Welten! Wie sollte ein solcher Geber, von unerschüttertem Sinn, Leid erfahren?
Śrī Bhagavān sprach: O Brahmā, wen ich begünstige, dessen Besitz entziehe ich; durch dessen Rausch der Mensch hochmütig wird und die Welt und mich missachtet.
Wann auch immer diese machtlose individuelle Seele, im Daseinskreislauf durch eigene Werke durch verschiedene Geburtsformen wandernd, den menschlichen Zustand erreicht –
janma-karma-vayo-rūpa vidyā-aiśvarya-dhana-ādibhiḥ | yady asya na bhavet stambhas tatra ayaṃ mad-anugrahaḥ
– wenn diesem durch Geburt, Werk, Alter, Gestalt, Wissen, Herrschaft, Reichtum und dergleichen kein Hochmut entstünde, dann eben darin besteht meine Gnade.
Wort für Wort
janma-karma-vayaḥ-rūpa
durch Geburt, Werk, Alter, Gestalt
vidyā-aiśvarya-dhana-ādibhiḥ
durch Wissen, Herrschaft, Reichtum und dergleichen
māna-stambha-nimittānāṃ janma-ādīnāṃ samantataḥ | sarva-śreyaḥ-pratīpānāṃ hanta muhyen na mat-paraḥ
Durch die Dinge wie Geburt usw., die Ursache von Stolz und Starrsinn sind und allem Heil gänzlich entgegenstehen – ach, der mir Ergebene wird dadurch nicht verblendet.
guruṇā bhartsitaḥ śapto jahau na satyaṃ suvrataḥ | chalair uktaḥ mayā dharmo na ayaṃ tyajati satya-vāk
– vom Lehrer gescholten und verflucht, verließ der Tugendhafte dennoch die Wahrhaftigkeit nicht; obwohl von mir mit List angesprochen, lässt dieser Wahrhaftige die Pflicht nicht fahren.
Wort für Wort
guruṇā bhartsitaḥ
vom Lehrer gescholten
śaptaḥ
verflucht
jahau na satyam
verließ die Wahrhaftigkeit nicht
suvrataḥ
der Tugendhafte, an das Gelübde Gebundene
chalaiḥ uktaḥ mayā
obwohl von mir mit List angesprochen
dharmam na ayam tyajati
lässt dieser die Pflicht nicht fahren
satya-vāk
dessen Wort wahrhaftig ist
Vers 29–30 bilden einen zusammenhängenden Satz (Aufzählung von Balis Leiden, dennoch Standhaftigkeit).
eṣa me prāpitaḥ sthānaṃ duṣprāpam amarair api | sāvarṇer antarasya ayaṃ bhavitā indro mad-āśrayaḥ
Diesen habe ich zu einem Rang geführt, der selbst für die Unsterblichen schwer erreichbar ist; dieser wird, unter meinem Schutz, der Indra des Sāvarṇi-Manvantara sein.
Wort für Wort
eṣaḥ me prāpitaḥ sthānam
diesen habe ich zu einem Rang geführt
duṣprāpam amaraiḥ api
der selbst für die Unsterblichen schwer erreichbar ist
tāvat sutalam adhyāstāṃ viśvakarma-vinirmitam | yad ādhayo vyādhayaś ca klamas tandrā parābhavaḥ | na upasargā nivasatāṃ sambhavanti mama īkṣayā
Unterdessen möge er Sutala bewohnen, das von Viśvakarman erbaute Reich, wo für die Bewohner durch meine Aufsicht weder seelische noch körperliche Leiden, weder Erschöpfung noch Mattigkeit, weder Niederlage noch sonstige Übel entstehen.
na tvām abhibhaviṣyanti loka-īśāḥ kim uta apare | tvac-chāsana-atigān daityāṃś cakraṃ me sūdayiṣyati
Nicht einmal die Weltenherren werden dich bezwingen können, wieviel weniger andere; die Daityas, die deinem Gebot zuwiderhandeln, wird meine Scheibe vernichten.
tatra dānava-daityānāṃ saṅgāt te bhāva āsuraḥ | dṛṣṭvā mad-anubhāvaṃ vai sadyaḥ kuṇṭho vinaṅkṣyati
Dort wird deine dämonische Gesinnung, die durch den Umgang mit den Dānavas und Daityas entstanden ist, sobald du meine Macht gesehen hast, sogleich geschwächt schwinden.