Kapitel 21: hṛdi-sthasya bhagavato dhyānam
Der Herr im Herzen
Skandha 2, Adhyāya 2. Quelle: vedabase.io, vers-für-vers abgerufen (nur Devanagari/IAST-Quelltext). Śuka warnt vor bloßem, bedeutungslosem Wort-Ritualismus und stellt die Dringlichkeit hingebungsvoller Erinnerung an den Höchsten heraus, illustriert an der Rhetorik der Entsagungsfreiheit gegenüber materiellem Besitz (V.1-7). Es folgt eine ausführliche Meditationsanleitung auf die vierarmige Gestalt Viṣṇus im Herzlotos, Glied für Glied vergegenwärtigt (V.8-14), sowie eine Beschreibung des yogischen Sterbeprozesses: Kontrolle der Lebenswinde, Aufstieg durch die feinstofflichen Zentren, Durchbruch am Scheitel, und - je nach Ziel - unterschiedliche Wege durch die kosmischen Sphären bis hin zur endgültigen Auflösung ins reine Selbst (V.15-31). Das Kapitel schließt mit der Zusammenfassung der beiden gezeigten Wege (Meditation auf die kosmische Form / auf die Herzensform) als von Vāsudeva selbst einst Brahmā gelehrt, und der abschließenden Feststellung, dass es keinen heilvolleren Pfad als hingebungsvolle Verbindung (bhakti-yoga) zu Vāsudeva gibt (V.32-37).
Śrī Śuka sprach: So erlangte einst der Selbstentsprungene [Brahmā] durch diese Fixierung, vom Zufriedenen [Viṣṇu] erleuchtet, die verlorene Erinnerung wieder und schuf, von untrüglicher Einsicht, dieses Universum ebenso, wie seine schöpferische Erkenntnis zuvor beim Weltenende eingegangen war.
Wort für Wort
śrī-śuka uvāca
Śrī Śuka sprach
evam purā dhāraṇayā ātma-yoniḥ
so einst durch Fixierung der Selbstentsprungene
naṣṭām smṛtim pratyavarudhya tuṣṭāt
die verlorene Erinnerung wiedererlangend, vom Zufriedenen
tathā sasarja idam amogha-dṛṣṭiḥ
so schuf er dies, von untrüglicher Einsicht
yathā apyayāt prāk vyavasāya-buddhiḥ
wie zuvor die Schöpferabsicht eingegangen war
[?: Die genaue Konstruktion 'yathāpyayāt prāg vyavasāya-buddhiḥ' - der Vergleich zwischen dem Wiedererlangen und dem früheren Vergehen der Schöpferabsicht - lässt syntaktisch mehrere Lesarten zu.]
śābdasya hi brahmaṇa eṣa panthā
yan nāmabhir dhyāyati dhīr apārthaiḥ
paribhramaṁs tatra na vindate 'rthān
māyāmaye vāsanayā śayānaḥ
Dies ist fürwahr der Pfad des Wort-Brahman, worin der Verstand mit bedeutungslosen Namen meditiert; darin umherirrend erlangt er nicht die wahren Bedeutungen, im aus Māyā bestehenden Bereich durch seine karmischen Neigungen wie schlafend liegend.
Wort für Wort
śābdasya hi brahmaṇaḥ eṣa panthāḥ
dies der Pfad des Wort-Brahman
yat nāmabhiḥ dhyāyati dhīḥ apārthaiḥ
worin der Verstand mit bedeutungslosen Namen meditiert
paribhraman tatra na vindate arthān
darin umherirrend erlangt er nicht die Bedeutungen
ataḥ kavir nāmasu yāvad arthaḥ
syād apramatto vyavasāya-buddhiḥ
siddhe 'nyathārthe na yateta tatra
pariśramaṁ tatra samīkṣamāṇaḥ
Deshalb soll der Weise sich mit den heiligen Namen befassen, soweit dies dem wahren Zweck dient, unachtsamkeitslos, mit entschlossenem Verstand; ist der weltliche Nutzen ohnehin auf andere Weise erfüllt, möge er sich nicht zusätzlich darum bemühen, die Nutzlosigkeit solcher Mühe darin erkennend.
Wort für Wort
ataḥ kaviḥ nāmasu yāvat arthaḥ syāt
deshalb der Weise bei den Namen, soweit der Zweck ist
apramattaḥ vyavasāya-buddhiḥ
unachtsamkeitslos, mit entschlossenem Verstand
siddhe anyathā arthe na yateta
wenn der Zweck anders erfüllt ist, möge er sich nicht bemühen
satyāṁ kṣitau kiṁ kaśipoḥ prayāsair
bāhau svasiddhe hy upabarhaṇaiḥ kim
saty añjalau kiṁ purudhānna-pātryā
dig-valkalādau sati kiṁ dukūlaiḥ
Wenn doch die Erde vorhanden ist, was nützt die Mühe um ein Bett? Wenn der eigene Arm von selbst bereitsteht, was nützt ein Kissen? Wenn die hohle Hand vorhanden ist, was nützt ein vielfältiges Essgefäß? Wenn Himmelsrichtung und Baumrinde und dergleichen vorhanden sind, was nützen feine Gewänder?
Wort für Wort
satyām kṣitau kim kaśipoḥ prayāsaiḥ
wenn die Erde ist, was nützt die Mühe um ein Bett
bāhau svasiddhe hi upabarhaṇaiḥ kim
wenn der Arm bereitsteht, was nützt ein Kissen
sati añjalau kim purudha-anna-pātryā
wenn die hohle Hand ist, was nützt ein Essgefäß
dik-valkala-ādau sati kim dukūlaiḥ
wenn Richtung und Rinde sind, was nützen feine Gewänder
Gibt es nicht Lumpenkleider auf dem Weg? Reichen nicht die andere nährenden Bäume Almosen? Sind etwa die Flüsse versiegt? Sind die Höhlen verschlossen? Beschützt der Unbesiegte nicht die, die sich ihm nähern? Warum verehren dann die Weisen die vom Reichtumsrausch Verblendeten?
Wort für Wort
cīrāṇi kim pathi na santi
gibt es nicht Lumpenkleider auf dem Weg
diśanti bhikṣām na eva aṅghripāḥ para-bhṛtaḥ
reichen nicht die andere nährenden Bäume Almosen
saritaḥ api aśuṣyan
sind die Flüsse etwa versiegt
ruddhāḥ guhāḥ
sind die Höhlen verschlossen
kim ajitaḥ avati na upasannān
beschützt der Unbesiegte nicht die Genaherten
kasmāt bhajanti kavayaḥ dhana-durmada-andhān
warum verehren die Weisen die Reichtumsverblendeten
evaṁ sva-citte svata eva siddha
ātmā priyo 'rtho bhagavān anantaḥ
taṁ nirvṛto niyatārtho bhajeta
saṁsāra-hetūparamaś ca yatra
So möge man, im eigenen Herzen von selbst schon verwirklicht, ihn verehren — das wahre Selbst, den liebsten Zweck, den unendlichen Erhabenen — zufrieden, mit feststehendem Ziel, wodurch auch die Ursache des Daseinskreislaufs zum Stillstand kommt.
Wort für Wort
evam sva-citte svataḥ eva siddhaḥ
so im eigenen Herzen von selbst verwirklicht
ātmā priyaḥ arthaḥ bhagavān anantaḥ
das Selbst, der liebste Zweck, der unendliche Erhabene
tam nirvṛtaḥ niyata-arthaḥ bhajeta
ihn möge der Zufriedene mit feststehendem Ziel verehren
saṁsāra-hetu-uparamaḥ ca yatra
wodurch die Ursache des Kreislaufs zum Stillstand kommt
kas tāṁ tv anādṛtya parānucintām
ṛte paśūn asatīṁ nāma kuryāt
paśyañ janaṁ patitaṁ vaitaraṇyāṁ
sva-karmajān paritāpāñ juṣāṇam
Wer, außer den Tieren gleichen Menschen, könnte diese höchste Erinnerung an Gott als etwas Unwirkliches missachten, wenn er doch die in den Höllenfluss Vaitaraṇī gefallenen Menschen sieht, die die aus ihren eigenen Taten entstandenen Qualen erleiden?
Wort für Wort
kaḥ tām tu anādṛtya parā-anucintām
wer, diese höchste Erinnerung missachtend
ṛte paśūn asatīm nāma kuryāt
außer den Tieren, möge sie für unwirklich halten
paśyan janam patitam vaitaraṇyām
obwohl er die in Vaitaraṇī Gefallenen sieht
sva-karma-jān paritāpān juṣāṇam
die aus eigenen Taten entstandenen Qualen erleidend
Manche gedenken durch meditative Fixierung des nur handspannengroßen Puruṣa, der im Raum des Herzens im eigenen Körper weilt, vierarmig, Lotos, Diskus, Muschelhorn und Keule tragend.
Mit heiterem Antlitz, mit lotusgleichen, weiten Augen, mit einem Gewand, gelbgolden wie der Blütenstaub der Kadamba-Blüte, mit glänzenden, aus großen Juwelen und Gold gefertigten Armreifen, mit funkelnden, aus großen Juwelen gefertigten Krone und Ohrringen —
— in der erblühten Fruchtknospe des Herzenslotos wohnend, dessen zart-blattgleiche Füße von den Herren der Yogīs dort fest verankert werden, mit dem Śrī-Zeichen, mit dem Kaustubha-Juwel am Hals, bedeckt mit einer nie welkenden, glanzvollen Waldblumengirlande —
— geschmückt mit einem Gürtel, mit Ringen, mit kostbaren Fußringen, Armreifen und dergleichen, mit glänzenden, makellosen, gelockten, dunkelblauen Haaren, mit einem strahlenden Antlitz, anmutig im Lächeln —
adīna-līlā-hasitekṣaṇollasad-
bhrū-bhaṅga-saṁsūcita-bhūry-anugraham
īkṣeta cintāmayam enam īśvaraṁ
yāvan mano dhāraṇayāvatiṣṭhate
— mit einem von unbekümmertem, spielerischem Lächeln und Blick erstrahlenden, durch das Spiel der Augenbrauen angedeuteten überreichen Gnade: diesen, aus reiner Vorstellungskraft erschauten Herrn möge er erblicken, solange der Geist durch diese Fixierung darin verweilt.
Wort für Wort
adīna-līlā-hasita-īkṣaṇa-ullasat
mit von unbekümmertem Lächeln und Blick erstrahlendem
Eines nach dem anderen möge er die Glieder mit dem Verstand vergegenwärtigen, von den Füßen an bis zum Lächeln des Keulenträgers; jeden gemeisterten Bereich loslassend, halte er den jeweils höheren fest, je mehr und mehr sich dabei der Verstand läutert.
Wort für Wort
eka-ekaśaḥ aṅgāni dhiyā anubhāvayet
eines nach dem anderen die Glieder vergegenwärtigen
Solange noch keine hingebungsvolle Verbindung zu diesem höchsten, zugleich in allem gegenwärtigen Herrn des Universums, dem Betrachtenden, entsteht, möge man solange am Ende jeder Handlung achtsam der grobstofflichsten Gestalt des Puruṣa gedenken.
Wort für Wort
yāvat na jāyeta parāvare asmin
solange nicht entsteht bei diesem höchsten-zugleich-gegenwärtigen
viśveśvare draṣṭari bhakti-yogaḥ
die Hingabe-Verbindung zum Weltherrn, dem Betrachtenden
sthiraṁ sukhaṁ cāsanam āsthito yatir
yadā jihāsur imam aṅga lokam
kāle ca deśe ca mano na sajjayet
prāṇān niyacchen manasā jitāsuḥ
Wenn der Asket, auf festem und bequemem Sitz verweilend, o Lieber, diese Welt zu verlassen wünscht, möge er den Geist nicht an Zeit und Ort haften lassen und, die Lebensatems bezwungen, sie mit dem Geist zügeln.
Wort für Wort
sthiram sukham ca āsanam āsthitaḥ yatiḥ
auf festem, bequemem Sitz der Asket
yadā jihāsuḥ imam aṅga lokam
wenn er diese Welt verlassen will, o Lieber
kāle ca deśe ca manaḥ na sajjayet
möge den Geist nicht an Zeit und Ort haften lassen
Den Geist mit dem eigenen, makellosen Verstand bezähmend, möge der Feldkenner diesen Geist in das höhere Selbst hinüberleiten; das Selbst im Selbst festhaltend, möge der Standhafte, Frieden erlangend, von allem weiteren Tun ablassen.
Wort für Wort
manaḥ sva-buddhyā amalayā niyamya
den Geist mit eigenem makellosem Verstand bezähmend
na yatra kālo 'nimiṣāṁ paraḥ prabhuḥ
kuto nu devā jagatāṁ ya īśire
na yatra sattvaṁ na rajas tamaś ca
na vai vikāro na mahān pradhānam
Wo weder die Zeit, der höchste Herr der Unblinzelnden, wirkt — wieviel weniger dort die Götter, die über die Welten herrschen —, wo weder Sattva, Rajas noch Tamas sind, noch fürwahr Wandlung, noch Mahat, noch Pradhāna, die Urmaterie —
paraṁ padaṁ vaiṣṇavam āmananti
tad yan neti netīty atad utsisṛkṣavaḥ
visṛjya daurātmyam ananya-sauhṛdā
hṛdopaguhyārha-padaṁ pade pade
Jenen höchsten Ort Viṣṇus nennt man das, was man nur mit ‚nicht so, nicht so' umschreiben kann — den Ort jener, die alles, was nicht Er ist, aufzugeben wünschen, die, ihr übles Wesen aufgebend, mit ungeteilter Zuneigung Schritt für Schritt mit dem Herzen den verehrungswürdigen Ort umarmen.
Wort für Wort
param padam vaiṣṇavam āmananti tat
jenen höchsten Ort Viṣṇus nennt man
yat neti neti iti
den man nur 'nicht so, nicht so' nennt
atad-utsisṛkṣavaḥ
die alles Nicht-Er aufzugeben wünschen
visṛjya daurātmyam ananya-sauhṛdāḥ
das üble Wesen aufgebend, ungeteilt zugetan
hṛdā upaguhya arha-padam pade pade
mit dem Herzen den würdigen Ort Schritt für Schritt umarmend
So möge der Weise, darin gefestigt, dessen Geist durch die Kraft der höheren Erkenntnis-Schau gefestigt ist, zur Ruhe kommen: mit der eigenen Ferse den After zusammendrückend, möge er danach, die Ermüdung überwindend, den Lebenswind durch die sechs Zentren emporführen.
Den im Nabel befindlichen Lebenswind zum Herzen erhebend, möge der Weise ihn von dort mittels der Udāna-Bewegung zur Brust führen; danach möge der Geistesstarke, mit Bedacht durch den Verstand ihm folgend, ihn langsam zur Wurzel des eigenen Gaumens führen.
Wort für Wort
nābhyām sthitam hṛdi adhiropya tasmāt
den im Nabel befindlichen zum Herzen erhebend, von dort
udāna-gatyā urasi tam nayet muniḥ
mittels Udāna-Bewegung zur Brust führen
tataḥ anusandhāya dhiyā manasvī
danach mit Bedacht durch den Verstand, der Geistesstarke
Von dort möge er ihn zum Raum zwischen den Augenbrauen emporführen; die sieben Sinnesöffnungen verschlossen habend, unabhängig, ein halbes Muhūrta verweilend, mit ungetrübtem Blick, möge er, durch den Scheitel durchbrechend, den Körper loslassen, zum Höchsten gelangt.
Wort für Wort
tasmāt bhruvoḥ antaram unnayeta
von dort zum Raum zwischen den Brauen führen
niruddha-sapta-āyatanaḥ anapekṣaḥ
die sieben Öffnungen verschlossen, unabhängig
sthitvā muhūrta-ardham akuṇṭha-dṛṣṭiḥ
ein halbes Muhūrta verweilend, ungetrübten Blicks
nirbhidya mūrdhan visṛjet param gataḥ
durch den Scheitel durchbrechend loslassen, zum Höchsten gelangt
yadi prayāsyan nṛpa pārameṣṭhyaṁ
vaihāyasānām uta yad vihāram
aṣṭādhipatyaṁ guṇa-sannivāye
sahaiva gacchen manasendriyaiś ca
Wenn er, o König, im Begriff ist, zum höchsten Brahmā-Reich zu gehen, oder zum Wandeln der Luftwandelnden, oder zur achtfachen Herrschaft im Bereich der materiellen Erscheinungsweisen, möge er zusammen mit Geist und Sinnen dorthin gehen.
Den Weg der Herren der Yogīs nennt man den Weg derer, deren inneres Selbst der Lebenswind ist, innerhalb und außerhalb der drei Welten; nicht durch gewöhnliche Taten erlangt man jenen Weg, sondern nur als Anteil derer, die Wissen, Askese, Yoga und Versenkung üben.
Wort für Wort
yogeśvarāṇām gatim āhuḥ
den Weg der Yoga-Herren nennt man
antar-bahiḥ-tri-lokyāḥ pavana-antar-ātmanām
derer, innerhalb/außerhalb der drei Welten, mit Wind-Selbst
na karmabhiḥ tām gatim āpnuvanti
nicht durch Taten erlangt man jenen Weg
vidyā-tapo-yoga-samādhi-bhājām
der Anteil der Wissens-, Askese-, Yoga-, Versenkungs-Übenden
Er geht, durch den Luftraum reisend, zu Vaiśvānara, durch die Suṣumṇā, den strahlenden Brahman-Pfad; seine Verunreinigungen abgeschüttelt habend, geht er sodann, o König, oberhalb des Sitzes Haris zum Sternbild-Rad des Śiśumāra.
Wort für Wort
vaiśvānaram yāti vihāyasā gataḥ
zu Vaiśvānara geht er, durch den Luftraum reisend
suṣumṇayā brahma-pathena śociṣā
durch die Suṣumṇā, den strahlenden Brahman-Pfad
vidhūta-kalkaḥ atha hareḥ udastāt
Verunreinigungen abgeschüttelt, sodann oberhalb Haris
prayāti cakram nṛpa śaiśumāram
geht er zum Śiśumāra-Sternrad, o König
[Anm.: 'Cakraṁ śaiśumāram' bezeichnet die traditionelle Vorstellung des Himmelspols/Polarkreises in Gestalt eines Delfins (śiśumāra), an dem die Sterne wie Speichen befestigt gedacht werden.]
tad viśva-nābhiṁ tv ativartya viṣṇor
aṇīyasā virajenātmanaikaḥ
namaskṛtaṁ brahma-vidām upaiti
kalpāyuṣo yad vibudhā ramante
Jenen Weltnabel Viṣṇus überschreitend, gelangt er, mit einem subtilsten, staublosen Körper, allein, zu dem von den Brahman-Kennern verehrten Ort, wo die Götter, deren Lebensdauer ein ganzes Kalpa währt, sich erfreuen.
atho anantasya mukhānalena
dandahyamānaṁ sa nirīkṣya viśvam
niryāti siddheśvara-yuṣṭa-dhiṣṇyaṁ
yad dvai-parārdhyaṁ tad u pārameṣṭhyam
Sodann, das ganze Universum durch das Mundfeuer des Ananta-Śeṣa verbrennen sehend, geht er hinaus zum von den Herren der Siddhas bewohnten Sitz, jenem Sitz Brahmās, der eine Dauer von zwei Parārdhas währt.
na yatra śoko na jarā na mṛtyur
nārtir na codvega ṛte kutaścit
yac cit tato 'daḥ kṛpayānidaṁ-vidāṁ
duranta-duḥkha-prabhavānudarśanāt
Wo weder Kummer, noch Alter, noch Tod, noch Schmerz, noch Angst herrschen, außer aus irgendeinem seltenen Anlass — wobei selbst dort, aus Mitleid mit jenen, die dieses höhere Wissen nicht kennen, durch das beständige Betrachten des Ursprungs endlosen Leids ein Rest von Mitgefühl bleibt.
Wort für Wort
na yatra śokaḥ na jarā na mṛtyuḥ
wo weder Kummer, Alter, Tod
na ārtiḥ na ca udvegaḥ ṛte kutaścit
noch Schmerz, Angst, außer aus irgendeinem Anlass
yat cit tataḥ adaḥ kṛpayā anidaṁ-vidām
wobei aus Mitleid mit den Unwissenden
duranta-duḥkha-prabhava-anudarśanāt
durch das Betrachten des Ursprungs endlosen Leids
[?: Die Konstruktion 'yac cit tato 'daḥ kṛpayānidaṁ-vidāṁ' ist stark verdichtet; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Lesart, dass selbst in dieser leidfreien Sphäre ein Mitgefühl mit den Unwissenden fortbesteht.]
Von dort, zur feinstofflichen Besonderheit gelangend, furchtlos, durchschreitet er eilends mit jenem subtilen Selbst die Stufe des Wassers, dann die Feuergestalt annehmend, lichterfüllt; mit der Zeit zum Wind gelangend, erreicht er mit dem Wind-Selbst den Raum, das große Kennzeichen des kosmischen Selbst.
Wort für Wort
tataḥ viśeṣam pratipadya nirbhayaḥ
von dort zur Besonderheit gelangend, furchtlos
tena ātmanā āpaḥ analamūrtiḥ atvaran
mit jenem Selbst Wasser, Feuergestalt, eilend
jyotirmayaḥ vāyum upetya kāle
lichterfüllt zum Wind gelangend, mit der Zeit
vāyu-ātmanā kham bṛhat ātma-liṅgam
mit Wind-Selbst zum Raum, dem großen Selbst-Kennzeichen
[?: Die Passage beschreibt komprimiert die yogische Auflösungsfolge durch die fünf Elemente (Erde-Wasser-Feuer-Wind-Raum); die genaue grammatische Zuordnung der Einzelschritte bleibt unsicher.]
ghrāṇena gandhaṁ rasanena vai rasaṁ
rūpaṁ ca dṛṣṭyā śvasanaṁ tvacaiva
śrotreṇa copetya nabho-guṇatvaṁ
prāṇena cākūtim upaiti yogī
Durch den Geruchssinn löst er sich auf in den Duft, durch den Geschmackssinn fürwahr in den Geschmack, und durch das Sehen in die Form, durch die Haut selbst in die Berührung, und durch das Gehör gelangt er zur Eigenschaft des Raumes, und durch den Lebensatem gelangt der Yogī zur reinen Willensabsicht.
Wort für Wort
ghrāṇena gandham rasanena vai rasam
durch Geruchssinn den Duft, Geschmackssinn den Geschmack
rūpam ca dṛṣṭyā śvasanam tvacā eva
die Form durch Sehen, Berührung durch die Haut
śrotreṇa ca upetya nabhaḥ-guṇatvam
durch Gehör zur Raum-Eigenschaft gelangend
prāṇena ca ākūtim upaiti yogī
durch Lebensatem zur Willensabsicht gelangt der Yogī
sa bhūta-sūkṣmendriya-sannikarṣaṁ
manomayaṁ devamayaṁ vikāryam
saṁsādya gatyā saha tena yāti
vijñāna-tattvaṁ guṇa-sannirodham
Er, die Verbindung der subtilen Elemente und Sinne, die aus Geist und Göttern bestehende, wandelbare Hülle auflösend, geht zusammen mit jener Bewegung zum Prinzip des reinen Erkennens, wo die Erscheinungsweisen der Materie zum Stillstand kommen.
Wort für Wort
sa bhūta-sūkṣma-indriya-sannikarṣam
er, die Verbindung der subtilen Elemente und Sinne
tenātmanātmānam upaiti śāntam
ānandam ānandamayo 'vasāne
etāṁ gatiṁ bhāgavatīṁ gato yaḥ
sa vai punar neha viṣajjate 'ṅga
Mit jenem geläuterten Selbst gelangt er zum ruhevollen Selbst, am Ende wonneerfüllt zur Wonne; wer diesen Weg zum Erhabenen gegangen ist, der haftet, o Lieber, fürwahr nicht mehr hier in der Welt.
ete sṛtī te nṛpa veda-gīte
tvayābhipṛṣṭe ca sanātane ca
ye vai purā brahmaṇa āha tuṣṭa
ārādhito bhagavān vāsudevaḥ
Dies sind die beiden von dir erfragten Wege, o König, im Veda besungen, uralt, die einst der verehrte, zufriedene erhabene Vāsudeva dem Brahmā verkündete.
na hy ato 'nyaḥ śivaḥ panthā viśataḥ
saṁsṛtāv iha
vāsudeve bhagavati
bhakti-yogo yato bhavet
Es gibt fürwahr keinen anderen, heilvolleren Pfad für den, der hier in den weltlichen Kreislauf eingetreten ist, als jenen, aus dem die hingebungsvolle Verbindung zum erhabenen Vāsudeva entstehen möge.
Der erhabene Brahmā, nachdem er es dreimal vollständig mit seiner Weisheit durchdacht hatte, kam, fest verankert, zu diesem Schluss: jenes ist das Beste, wodurch Zuneigung zum höchsten Selbst entstehen möge.
Der Erhabene, Hari, der Betrachtende, wird durch das eigene Selbst in allen Wesen wahrgenommen, durch die sichtbaren Werkzeuge wie Verstand und dergleichen, nämlich durch deren auf ihn hinweisende Merkmale.
pibanti ye bhagavata ātmanaḥ satāṁ
kathāmṛtaṁ śravaṇa-puṭeṣu sambhṛtam
punanti te viṣaya-vidūṣitāśayaṁ
vrajanti tac-caraṇa-saroruhāntikam
Die den Nektar der Erzählungen vom erhabenen Selbst der Heiligen trinken, in den Muscheln ihrer Ohren gesammelt, jene reinigen ihr durch Sinnesobjekte verunreinigtes Herz und gelangen in die Nähe seiner Lotosfüße.
Wort für Wort
pibanti ye bhagavataḥ ātmanaḥ satām
die trinken vom erhabenen Selbst der Heiligen
kathā-amṛtam śravaṇa-puṭeṣu sambhṛtam
den Erzählungs-Nektar, in den Ohrmuscheln gesammelt