Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 2: sūtoktabhāgavatadharmavarṇanam Die von Sūta dargelegte Bhāgavata-Dharma-Lehre

Skandha 1, Adhyāya 2. Quelle wie Kap.1 (GRETIL bhp_01u.htm, abschnittsweise per WebFetch abgerufen). Enthält mehrere der berühmtesten Lehrverse des gesamten Werks: die Definition des wahren Dharma als grundlose Bhakti (V.6), die Muṇḍaka-Upaniṣad-Parallele vom Herzensknoten (V.21), und den anaphorischen Vāsudeva-Hymnus (V.28-29).

{vyāsa uvāca: } iti sampraśnasaṃhṛṣṭo viprāṇāṃ raumaharṣaṇiḥ / pratipūjya vacasteśāṃ pravaktum upacakrame //

Vyāsa sprach: Nachdem er so, durch die Frage der Brahmanen hoch erfreut, der Sohn Romaharṣaṇas ihre Worte gewürdigt hatte, begann er zu sprechen:

Wort für Wort
iti sampraśnasaṃhṛṣṭo viprāṇāṃ
so, durch die Frage der Brahmanen hoch erfreut
raumaharṣaṇiḥ
der Sohn Romaharṣaṇas
pratipūjya vacasteśāṃ
nachdem er ihre Worte gewürdigt hatte
pravaktum upacakrame
begann er zu sprechen

{sūta uvāca: } yaṃ pravrajantam anupetam apetakṛtyaṃ dvaipāyano virahakātara ājuhāva / putreti tanmayatayā taravo 'bhinedus taṃ sarvabhūtahṛdayaṃ munim ānato 'smi //

Sūta sprach: Vor dem, den, als er fortzog - ohne die Initiation empfangen, ohne noch rituelle Pflichten erfüllt zu haben -, Dvaipāyana, von der Trennung geängstigt, 'Sohn!' rufend anrief, und dem aus Einssein mit ihm die Bäume statt seiner Widerhall gaben - vor diesem Weisen, dem Herz aller Wesen, verneige ich mich. [Anm.]

Wort für Wort
yaṃ pravrajantam anupetam
den, als er fortzog, ohne die Initiation empfangen
apetakṛtyaṃ dvaipāyano
ohne rituelle Pflichten erfüllt, Dvaipāyana
virahakātara ājuhāva
von der Trennung geängstigt, rief an
putreti tanmayatayā taravo 'bhinedus
'Sohn!', worauf aus Einssein mit ihm die Bäume Widerhall gaben
taṃ sarvabhūtahṛdayaṃ munim ānato 'smi
vor diesem Weisen, dem Herz aller Wesen, verneige ich mich

[Anm.] Anspielung auf die berühmte Legende von Śukas Weggang: der junge Śuka, Vyāsas Sohn, zog ohne die vorgeschriebene Initiation und ohne Erfüllung ritueller Pflichten unmittelbar in die Weltentsagung; als der verzweifelte Vater 'Sohn!' rief, antworteten aus Mitgefühl die Bäume des Waldes an seiner Stelle.

yaḥ svānubhāvam akhilaśrutisāram ekam adhyātmadīpam atititīrṣatāṃ tamo 'ndham / saṃsāriṇāṃ karuṇayāha purāṇaguhyaṃ taṃ vyāsasūnum upayāmi guruṃ munīnām //

Bei jenem Sohn des Vyāsa, dem Lehrer der Weisen, suche ich Zuflucht - bei ihm, der aus eigener Erfahrung das geheime Wissen des Purāṇa verkündete, aus Mitgefühl mit denen, die im Daseinskreislauf durch die blinde Finsternis hindurchzukommen wünschen - er, der die einzige Lampe der Selbst-Erkenntnis, den Kerngehalt der gesamten Schrift, darlegte.

Wort für Wort
yaḥ svānubhāvam akhilaśrutisāram
der aus eigener Erfahrung den Kerngehalt der gesamten Schrift
ekam adhyātmadīpam atititīrṣatāṃ tamo 'ndham
die einzige Lampe der Selbst-Erkenntnis, für die durch blinde Finsternis Hindurchzukommen-Wollenden
saṃsāriṇāṃ karuṇayāha purāṇaguhyaṃ
aus Mitgefühl mit denen im Daseinskreislauf das geheime Wissen des Purāṇa verkündete
taṃ vyāsasūnum upayāmi guruṃ munīnām
bei jenem Sohn des Vyāsa, dem Lehrer der Weisen, suche ich Zuflucht

nārāyaṇaṃ namaskṛtya naraṃ caiva narottamam / devīṃ sarasvatīṃ vyāsaṃ tato jayam udīrayet //

Nachdem man sich vor Nārāyaṇa und auch vor Nara, dem Besten der Menschen, vor der Göttin Sarasvatī und vor Vyāsa verneigt hat, möge man dann den 'Jaya' vortragen. [Anm.]

Wort für Wort
nārāyaṇaṃ namaskṛtya
nachdem man sich vor Nārāyaṇa verneigt hat
naraṃ caiva narottamam
und auch vor Nara, dem Besten der Menschen
devīṃ sarasvatīṃ vyāsaṃ
vor der Göttin Sarasvatī, vor Vyāsa
tato jayam udīrayet
möge man dann den 'Jaya' vortragen

[Anm.] Klassische Invokationsformel, die (in leicht abgewandelter Form) auch am Anfang des Mahābhārata steht; 'Jaya' ('Sieg') ist ein alter Name für das große Epos bzw. hier für die folgende Erzählung.

munayaḥ sādhu pṛṣṭo 'haṃ bhavadbhirlokamaṅgalam / yat kṛtaḥ kṛṣṇasampraśno yenātmā suprasīdati //

O Weise, trefflich bin ich von euch gefragt worden, zum Heil der Welt, da die Frage über Kṛṣṇa gestellt wurde, wodurch die Seele wahrhaft zufrieden wird.

Wort für Wort
munayaḥ sādhu pṛṣṭo 'haṃ
o Weise, trefflich bin ich gefragt worden
bhavadbhirlokamaṅgalam
von euch, zum Heil der Welt
yat kṛtaḥ kṛṣṇasampraśno
da die Frage über Kṛṣṇa gestellt wurde
yenātmā suprasīdati
wodurch die Seele wahrhaft zufrieden wird

sa vai puṃsāṃ paro dharmo yato bhaktiradhokṣaje / ahaitukyapratihatā yayātmā suprasīdati //

Das eben ist der höchste Dharma für die Menschen, wodurch Hingabe zum Transzendenten entsteht - grundlos und ungehindert -, wodurch die Seele wahrhaft zufrieden wird. [Anm.]

Wort für Wort
sa vai puṃsāṃ paro dharmo
das eben ist der höchste Dharma für die Menschen
yato bhaktiradhokṣaje
wodurch Hingabe zum Transzendenten entsteht
ahaitukyapratihatā
grundlos und ungehindert
yayātmā suprasīdati
wodurch die Seele wahrhaft zufrieden wird

[Anm.] Einer der berühmtesten und meistzitierten Verse der gesamten Vaiṣṇava-Theologie: die Definition des wahren Dharma als grundlose, ungehinderte Hingabe (Bhakti) zum Transzendenten (Adhokṣaja, Beiname Viṣṇus).

vāsudeve bhagavati bhaktiyogaḥ prayojitaḥ / janayatyāśu vairāgyaṃ jñānaṃ ca yadahaitukam //

Die zum erhabenen Vāsudeva ausgeübte Hingabe-Praxis erzeugt rasch Leidenschaftslosigkeit und grundlose Erkenntnis.

Wort für Wort
vāsudeve bhagavati
zum erhabenen Vāsudeva
bhaktiyogaḥ prayojitaḥ
die ausgeübte Hingabe-Praxis
janayatyāśu vairāgyaṃ
erzeugt rasch Leidenschaftslosigkeit
jñānaṃ ca yadahaitukam
und grundlose Erkenntnis

dharmaḥ svanuṣṭhitaḥ puṃsāṃ viṣvaksenakathāsu yaḥ / notpādayedyadi ratiṃ śrama eva hi kevalam //

Die von den Menschen wohl ausgeübte Pflicht, wenn sie nicht Zuneigung zu den Erzählungen Viṣvaksenas erzeugt, ist wahrlich nur bloße Mühe.

Wort für Wort
dharmaḥ svanuṣṭhitaḥ puṃsāṃ
die von den Menschen wohl ausgeübte Pflicht
viṣvaksenakathāsu yaḥ
welche an den Erzählungen Viṣvaksenas
notpādayedyadi ratiṃ
wenn sie nicht Zuneigung erzeugt
śrama eva hi kevalam
ist wahrlich nur bloße Mühe

dharmasya hyāpavargyasya nārtho 'rthāyopakalpate / nārthasya dharmaikāntasya kāmo lābhāya hi smṛtaḥ //

Denn des zur Erlösung führenden Dharma Zweck dient nicht dem Erwerb von Gewinn; und des Gewinns, der doch allein dem Dharma dienen soll, wird das Sinnenverlangen ja nicht als rechtes Ziel überliefert.

Wort für Wort
dharmasya hyāpavargyasya
denn des zur Erlösung führenden Dharma
nārtho 'rthāyopakalpate
Zweck dient nicht dem Erwerb von Gewinn
nārthasya dharmaikāntasya
und des Gewinns, der allein dem Dharma dienen soll
kāmo lābhāya hi smṛtaḥ
wird das Verlangen nicht als Ziel überliefert

kāmasya nendriyaprītirlābho jīveta yāvatā / jīvasya tattvajijñāsā nārtho yaśceha karmabhiḥ //

Des Sinnenverlangens rechtes Ziel ist nicht die Sinnenfreude, sondern nur so viel, wie man zum Leben braucht; ebenso ist der Seele rechtes Ziel das Verlangen nach Erkenntnis der Wahrheit, nicht aber das, was hier durch bloße rituelle Werke erlangt wird.

Wort für Wort
kāmasya nendriyaprītir
des Verlangens Ziel ist nicht die Sinnenfreude
lābho jīveta yāvatā
der Gewinn, nur so viel wie man zum Leben braucht
jīvasya tattvajijñāsā
der Seele das Verlangen nach Erkenntnis der Wahrheit
nārtho yaśceha karmabhiḥ
nicht das Ziel, das hier durch Werke [erlangt wird]

vadanti tat tattvavidastattvaṃ yaj jñānam advayam / brahmeti paramātmeti bhagavān iti śabdyate //

Jene Wahrheit, die die nicht-duale Erkenntnis selbst ist, nennen die Kenner der Wahrheit; sie wird als 'Brahman', als 'höchstes Selbst', als 'der Erhabene' bezeichnet.

Wort für Wort
vadanti tat tattvavidastattvaṃ
die Kenner der Wahrheit nennen jene Wahrheit
yaj jñānam advayam
die die nicht-duale Erkenntnis ist
brahmeti paramātmeti
als 'Brahman', als 'höchstes Selbst'
bhagavān iti śabdyate
als 'der Erhabene' wird sie bezeichnet

tac chraddadhānā munayo jñānavairāgyayuktayā / paśyantyātmani cātmānaṃ bhaktyā śrutagṛhītayā //

Daran gläubig vertrauend, schauen die Weisen im Selbst das Selbst, durch die mit Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit verbundene Hingabe, die durch das heilige Gehörte erfasst wurde.

Wort für Wort
tac chraddadhānā munayo
daran gläubig vertrauend, die Weisen
jñānavairāgyayuktayā
durch die mit Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit verbundene
paśyantyātmani cātmānaṃ
schauen im Selbst das Selbst
bhaktyā śrutagṛhītayā
durch die Hingabe, die durch das Gehörte erfasst wurde

ataḥ pumbhirdvijaśreṣṭhā varṇāśramavibhāgaśaḥ / svanuṣṭhitasya dharmasya saṃsiddhirharitoṣaṇam //

Deshalb, o ihr Besten der Zweifachgeborenen, ist die Vollendung des von den Menschen gemäß der Einteilung nach Stand und Lebensstufe wohl ausgeübten Dharma das Erfreuen Haris.

Wort für Wort
ataḥ pumbhirdvijaśreṣṭhā
deshalb, von den Menschen, o Beste der Zweifachgeborenen
varṇāśramavibhāgaśaḥ
gemäß der Einteilung nach Stand und Lebensstufe
svanuṣṭhitasya dharmasya
des wohl ausgeübten Dharma
saṃsiddhirharitoṣaṇam
die Vollendung ist das Erfreuen Haris

tasmādekena manasā bhagavān sātvatāṃ patiḥ / śrotavyaḥ kīrtitavyaśca dhyeyaḥ pūjyaśca nityadā //

Deshalb ist der erhabene Herr der Sātvatas mit gesammeltem Geist zu hören, zu besingen, zu betrachten und immerdar zu verehren.

Wort für Wort
tasmādekena manasā
deshalb mit gesammeltem Geist
bhagavān sātvatāṃ patiḥ
der erhabene Herr der Sātvatas
śrotavyaḥ kīrtitavyaśca
ist zu hören und zu besingen
dhyeyaḥ pūjyaśca nityadā
zu betrachten und immerdar zu verehren

yadanudhyāsinā yuktāḥ karmagranthinibandhanam / chindanti kovidāstasya ko na kuryāt kathāratim //

Durch dessen beständiges Bedenken durchtrennen die damit verbundenen Kundigen die Fessel des Karma-Knotens - wer würde nicht Freude an seiner Erzählung haben?

Wort für Wort
yadanudhyāsinā yuktāḥ
durch dessen beständiges Bedenken verbunden
karmagranthinibandhanam
die Fessel des Karma-Knotens
chindanti kovidāstasya
durchtrennen die Kundigen an dessen
ko na kuryāt kathāratim
wer würde nicht Freude an der Erzählung haben

śuśrūṣoḥ śraddadhānasya vāsudevakathāruciḥ / syān mahatsevayā viprāḥ puṇyatīrthaniṣevaṇāt //

Für den, der zu hören begehrt und gläubig vertraut, o Brahmanen, entstehe die Vorliebe für die Erzählung von Vāsudeva durch den Dienst an den Heiligen und durch das wiederholte Verweilen an heiligen Pilgerstätten.

Wort für Wort
śuśrūṣoḥ śraddadhānasya
für den, der zu hören begehrt und gläubig vertraut
vāsudevakathāruciḥ
die Vorliebe für die Erzählung von Vāsudeva
syān mahatsevayā viprāḥ
entstehe durch den Dienst an den Heiligen, o Brahmanen
puṇyatīrthaniṣevaṇāt
durch das Verweilen an heiligen Pilgerstätten

śṛṇvatāṃ svakathāḥ kṛṣṇaḥ puṇyaśravaṇakīrtanaḥ / hṛdyantaḥstho hyabhadrāṇi vidhunoti suhṛtsatām //

Für die, die seine Erzählungen anhören - dessen Hören und Besingen verdienstvoll ist -, entfernt Kṛṣṇa, im Innern des Herzens weilend, ja die Übel, er, der Freund der Guten.

Wort für Wort
śṛṇvatāṃ svakathāḥ kṛṣṇaḥ
für die, die seine Erzählungen anhören, Kṛṣṇa
puṇyaśravaṇakīrtanaḥ
dessen Hören und Besingen verdienstvoll ist
hṛdyantaḥstho hyabhadrāṇi
im Innern des Herzens weilend ja die Übel
vidhunoti suhṛtsatām
entfernt er, der Freund der Guten

naṣṭaprāyeṣvabhadreṣu nityaṃ bhāgavatasevayā / bhagavatyuttamaśloke bhaktirbhavati naiṣṭhikī //

Wenn durch beständigen Dienst am Bhāgavata die Übel fast gänzlich vernichtet sind, entsteht standhafte Hingabe zum erhabenen, in vortrefflichen Versen besungenen Herrn.

Wort für Wort
naṣṭaprāyeṣvabhadreṣu
wenn die Übel fast gänzlich vernichtet sind
nityaṃ bhāgavatasevayā
durch beständigen Dienst am Bhāgavata
bhagavatyuttamaśloke
zum erhabenen, in vortrefflichen Versen besungenen Herrn
bhaktirbhavati naiṣṭhikī
entsteht standhafte Hingabe

tadā rajastamobhāvāḥ kāmalobhādayaśca ye / ceta etairanāviddhaṃ sthitaṃ sattve prasīdati //

Dann, unberührt von den Zuständen von Rajas und Tamas und von Regungen wie Begehren, Habgier usw., wird der im Sattva verweilende Geist heiter.

Wort für Wort
tadā rajastamobhāvāḥ
dann die Zustände von Rajas und Tamas
kāmalobhādayaśca ye
und welche wie Begehren, Habgier usw.
ceta etairanāviddhaṃ
der Geist, von diesen unberührt
sthitaṃ sattve prasīdati
im Sattva verweilend wird heiter

evaṃ prasannamanaso bhagavadbhaktiyogataḥ / bhagavattattvavijñānaṃ muktasaṅgasya jāyate //

So entsteht für den, dessen Geist durch die Hingabe-Praxis an den Erhabenen heiter geworden ist, und der von aller Anhaftung befreit ist, die wahre Erkenntnis der Wesenheit des Erhabenen.

Wort für Wort
evaṃ prasannamanaso
so für den, dessen Geist heiter geworden ist
bhagavadbhaktiyogataḥ
durch die Hingabe-Praxis an den Erhabenen
bhagavattattvavijñānaṃ
die Erkenntnis der Wesenheit des Erhabenen
muktasaṅgasya jāyate
entsteht für den von Anhaftung Befreiten

bhidyate hṛdayagranthiśchidyante sarvasaṃśayāḥ / kṣīyante cāsya karmāṇi dṛṣṭa evātmanīśvare //

Der Herzensknoten wird gesprengt, alle Zweifel werden durchtrennt, und dessen karmische Wirkungen schwinden, sobald man das Selbst als den Herrn erblickt hat. [Anm.]

Wort für Wort
bhidyate hṛdayagranthiś
der Herzensknoten wird gesprengt
chidyante sarvasaṃśayāḥ
alle Zweifel werden durchtrennt
kṣīyante cāsya karmāṇi
und dessen karmische Wirkungen schwinden
dṛṣṭa evātmanīśvare
sobald man das Selbst als den Herrn erblickt hat

[Anm.] Nahezu wörtliche Parallele zu Muṇḍaka-Upaniṣad 2.2.8 ('bhidyate hṛdayagranthiś chidyante sarvasaṃśayāḥ / kṣīyante cāsya karmāṇi tasmin dṛṣṭe parāvare').

ato vai kavayo nityaṃ bhaktiṃ paramayā mudā / vāsudeve bhagavati kurvantyātmaprasādanīm //

Deshalb üben die Weisen wahrlich beständig, mit höchster Freude, die das Selbst erheiternde Hingabe zum erhabenen Vāsudeva.

Wort für Wort
ato vai kavayo nityaṃ
deshalb die Weisen wahrlich beständig
bhaktiṃ paramayā mudā
die Hingabe mit höchster Freude
vāsudeve bhagavati
zum erhabenen Vāsudeva
kurvantyātmaprasādanīm
üben die das Selbst erheiternde

sattvaṃ rajastama iti prakṛterguṇāstair yuktaḥ paramapuruṣa eka ihāsya dhatte / sthityādaye hariviriñcihareti saṃjñāḥ śreyāṃsi tatra khalu sattvatanornṛṇāṃ syuḥ //

Sattva, Rajas, Tamas genannt sind die Erscheinungsweisen der Urnatur; mit diesen versehen nimmt der eine höchste Puruṣa hier für dieses Universum, zum Zwecke von Erhaltung usw., die Bezeichnungen Hari, Virañci und Hara an - die Heilsgüter dabei mögen den Menschen wahrlich von dem zuteilwerden, der die Sattva-Gestalt hat.

Wort für Wort
sattvaṃ rajastama iti prakṛterguṇāstair yuktaḥ
Sattva, Rajas, Tamas, die Erscheinungsweisen der Urnatur, mit diesen versehen
paramapuruṣa eka ihāsya dhatte
nimmt der eine höchste Puruṣa hier für dieses Universum an
sthityādaye hariviriñcihareti saṃjñāḥ
zum Zwecke von Erhaltung usw. die Bezeichnungen Hari, Virañci, Hara
śreyāṃsi tatra khalu sattvatanornṛṇāṃ syuḥ
die Heilsgüter dabei mögen den Menschen von dem mit Sattva-Gestalt zuteilwerden

pārthivāddāruṇo dhūmastasmādagnistrayīmayaḥ / tamasastu rajastasmāt sattvaṃ yadbrahmadarśanam //

Aus dem Erdigen entsteht der Rauch, daraus das aus dem dreifachen Veda-Wissen bestehende Feuer; aus dem Tamas aber entsteht das Rajas, daraus das Sattva, welches die Schau des Brahman ermöglicht.

Wort für Wort
pārthivāddāruṇo dhūmas
aus dem Erdigen der Rauch
tasmādagnistrayīmayaḥ
daraus das aus dem dreifachen Veda-Wissen bestehende Feuer
tamasastu rajastasmāt
aus dem Tamas aber das Rajas, daraus
sattvaṃ yadbrahmadarśanam
das Sattva, welches die Schau des Brahman ermöglicht

bhejire munayo 'thāgre bhagavantam adhokṣajam / sattvaṃ viśuddhaṃ kṣemāya kalpante ye 'nu tān iha //

Die Weisen wandten sich einst zuerst dem erhabenen Transzendenten durch reines Sattva zum Heil zu; wer ihnen hier nachfolgt, ist ebenso dazu fähig.

Wort für Wort
bhejire munayo 'thāgre
die Weisen wandten sich einst zuerst zu
bhagavantam adhokṣajam
dem erhabenen Transzendenten
sattvaṃ viśuddhaṃ kṣemāya
durch reines Sattva zum Heil
kalpante ye 'nu tān iha
sind fähig, die ihnen hier nachfolgen

mumukṣavo ghorarūpān hitvā bhūtapatīn atha / nārāyaṇakalāḥ śāntā bhajanti hyanasūyavaḥ //

Die nach Erlösung Verlangenden, die neidlosen, verehren, nachdem sie die schrecklichen Gestalten, die Herren der niederen Wesen, verlassen haben, ja die friedvollen Teilerscheinungen Nārāyaṇas.

Wort für Wort
mumukṣavo ghorarūpān
die nach Erlösung Verlangenden, die schrecklichen Gestalten
hitvā bhūtapatīn atha
verlassen habend, die Herren der Wesen, sodann
nārāyaṇakalāḥ śāntā
die friedvollen Teilerscheinungen Nārāyaṇas
bhajanti hyanasūyavaḥ
verehren ja die Neidlosen

rajastamaḥprakṛtayaḥ samaśīlā bhajanti vai / pitṛbhūtaprajeśādīn śriyaiśvaryaprajepsavaḥ //

Die von rajasischer und tamasischer Wesensart, von gleichartigem Wesen wie jene, verehren wahrlich die Ahnen, niederen Wesen, Herren der Geschöpfe und dergleichen, sie, die nach Wohlstand, Herrschaft und Nachkommenschaft verlangen.

Wort für Wort
rajastamaḥprakṛtayaḥ
die von rajasischer und tamasischer Wesensart
samaśīlā bhajanti vai
von gleichartigem Wesen verehren wahrlich
pitṛbhūtaprajeśādīn
die Ahnen, niederen Wesen, Herren der Geschöpfe usw.
śriyaiśvaryaprajepsavaḥ
die nach Wohlstand, Herrschaft, Nachkommenschaft Verlangenden

vāsudevaparā vedā vāsudevaparā makhāḥ / vāsudevaparā yogā vāsudevaparāḥ kriyāḥ //

Auf Vāsudeva hingerichtet sind die Veden, auf Vāsudeva hingerichtet die Opfer, auf Vāsudeva hingerichtet die Yoga-Praktiken, auf Vāsudeva hingerichtet die rituellen Handlungen. [Anm.]

Wort für Wort
vāsudevaparā vedā
auf Vāsudeva hingerichtet die Veden
vāsudevaparā makhāḥ
auf Vāsudeva hingerichtet die Opfer
vāsudevaparā yogā
auf Vāsudeva hingerichtet die Yoga-Praktiken
vāsudevaparāḥ kriyāḥ
auf Vāsudeva hingerichtet die Handlungen

[Anm.] Beginn eines berühmten anaphorischen Hymnus (V.28-29), der Vāsudeva als das letzte Ziel jeder religiösen und philosophischen Bestrebung feiert.

vāsudevaparaṃ jñānaṃ vāsudevaparaṃ tapaḥ / vāsudevaparo dharmo vāsudevaparā gatiḥ //

Auf Vāsudeva hingerichtet ist die Erkenntnis, auf Vāsudeva hingerichtet die Askese, auf Vāsudeva hingerichtet der Dharma, auf Vāsudeva hingerichtet das letzte Ziel.

Wort für Wort
vāsudevaparaṃ jñānaṃ
auf Vāsudeva hingerichtet die Erkenntnis
vāsudevaparaṃ tapaḥ
auf Vāsudeva hingerichtet die Askese
vāsudevaparo dharmo
auf Vāsudeva hingerichtet der Dharma
vāsudevaparā gatiḥ
auf Vāsudeva hingerichtet das letzte Ziel

sa evedaṃ sasarjāgre bhagavān ātmamāyayā / sadasadrūpayā cāsau guṇamayāguṇo vibhuḥ //

Er selbst, der Erhabene, der Alldurchdringende, selbst frei von den Guṇas, schuf zu Beginn dieses Universum durch seine eigene Māyā, die die Form von Sein und Nichtsein hat und aus den Guṇas besteht.

Wort für Wort
sa evedaṃ sasarjāgre
er selbst schuf zu Beginn dieses Universum
bhagavān ātmamāyayā
der Erhabene, durch seine eigene Māyā
sadasadrūpayā cāsau
die Form von Sein und Nichtsein hat, und dieser
guṇamayāguṇo vibhuḥ
aus den Guṇas bestehend, [selbst] guṇa-los, der Alldurchdringende

tayā vilasiteṣveṣu guṇeṣu guṇavān iva / antaḥpraviṣṭa ābhāti vijñānena vijṛmbhitaḥ //

In diesen durch sie entfalteten Guṇas erscheint er, ins Innere eingegangen, wie mit Guṇas versehen, durch sein eigenes Wissen sich entfaltend.

Wort für Wort
tayā vilasiteṣveṣu guṇeṣu
in diesen durch sie entfalteten Guṇas
guṇavān iva
wie mit Guṇas versehen
antaḥpraviṣṭa ābhāti
ins Innere eingegangen erscheint er
vijñānena vijṛmbhitaḥ
durch sein Wissen sich entfaltend

yathā hyavahito vahnirdāruṣvekaḥ svayoniṣu / nāneva bhāti viśvātmā bhūteṣu ca tathā pumān //

So wie das eine Feuer, das in den Hölzern, seinen eigenen Ursprungsstätten, verborgen ist, wie vielfältig erscheint, so erscheint ebenso die Weltseele, der Puruṣa, vielfältig in den Wesen.

Wort für Wort
yathā hyavahito vahnir
so wie das verborgene Feuer
dāruṣvekaḥ svayoniṣu
eines, in den Hölzern, seinen eigenen Ursprungsstätten
nāneva bhāti viśvātmā
wie vielfältig erscheint die Weltseele
bhūteṣu ca tathā pumān
ebenso der Puruṣa in den Wesen

asau guṇamayairbhāvairbhūtasūkṣmendriyātmabhiḥ / svanirmiteṣu nirviṣṭo bhuṅkte bhūteṣu tadguṇān //

Dieser Puruṣa, eingegangen in die von ihm selbst geschaffenen, aus den Guṇas bestehenden Zustände - die aus groben Elementen, Feinstoffen und Sinnesorganen bestehen -, erfährt in den Wesen deren Eigenschaften.

Wort für Wort
asau guṇamayairbhāvair
dieser, in die aus den Guṇas bestehenden Zustände
bhūtasūkṣmendriyātmabhiḥ
die aus Elementen, Feinstoffen, Sinnesorganen bestehen
svanirmiteṣu nirviṣṭo
in die von ihm selbst geschaffenen eingegangen
bhuṅkte bhūteṣu tadguṇān
erfährt er in den Wesen deren Eigenschaften

bhāvayatyeṣa sattvena lokān vai lokabhāvanaḥ / līlāvatārānurato devatiryaṅnarādiṣu //

Dieser Welten-Erhalter lässt durch seine Sattva-Gestalt wahrlich die Welten gedeihen, er, der sich in spielerischen Herabkünften unter Göttern, Tieren, Menschen und dergleichen ergeht.

Wort für Wort
bhāvayatyeṣa sattvena
dieser lässt durch seine Sattva-Gestalt
lokān vai lokabhāvanaḥ
die Welten gedeihen, der Welten-Erhalter
līlāvatārānurato
der sich in spielerischen Herabkünften ergeht
devatiryaṅnarādiṣu
unter Göttern, Tieren, Menschen usw.

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