Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 47: varāha-hiraṇyākṣayoḥ yuddham Der Kampf zwischen dem Herrn Eber und dem Dämon Hiraṇyākṣa

Skandha 3, Adhyāya 18. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (nur Englisch 'The Battle Between Lord Boar and the Demon Hiranyaksa'). Verse 22-23 auf der Quellseite als zusammengehoerige Einheit gefuehrt.

maitreya uvāca tad evam ākarṇya jaleśa-bhāṣitaṁ mahā-manās tad vigaṇayya durmadaḥ harer viditvā gatim aṅga nāradād rasātalaṁ nirviviśe tvarānvitaḥ

Maitreya sprach: Nachdem er so die Worte des Herrn der Gewässer vernommen, sie erwogen hatte - der Hochmütige, von großem Geist -, und von Nārada Haris Aufenthaltsort erfahren hatte, o Lieber, drang er eilends in Rasātala ein.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
tat evam ākarṇya jaleśa-bhāṣitam
nachdem er so die Worte des Herrn der Gewässer vernommen hatte
mahā-manāḥ tat vigaṇayya durmadaḥ
der Hochmütige, von großem Geist, dies erwogen habend
hareḥ viditvā gatim aṅga nāradāt
von Nārada Haris Aufenthaltsort erfahren habend, o Lieber
rasātalam nirviviśe tvarā-anvitaḥ
drang er eilends in Rasātala ein

dadarśa tatrābhijitaṁ dharā-dharaṁ pronnīyamānāvanim agra-daṁṣṭrayā muṣṇantam akṣṇā sva-ruco 'ruṇa-śriyā jahāsa cāho vana-gocaro mṛgaḥ

Dort sah er den ruhmreichen Erdenträger, wie er die Erde mit der Spitze seines Stoßzahnes emporhob, mit seinem Auge von rötlichem Glanz gleichsam den eigenen Schimmer raubend; und er lachte: 'Ha, ein waldbewohnendes Tier!'

Wort für Wort
dadarśa tatra abhijitam dharā-dharam
dort sah er den ruhmreichen Erdenträger
pronnīyamāna-avanim agra-daṁṣṭrayā
wie er die Erde mit der Spitze seines Stoßzahnes emporhob
muṣṇantam akṣṇā sva-ruco aruṇa-śriyā
mit seinem Auge von rötlichem Glanz gleichsam [den Blick] raubend
jahāsa ca aho vana-gocaraḥ mṛgaḥ
und er lachte: 'Ha, ein waldbewohnendes Tier'

āhainam ehy ajña mahīṁ vimuñca no rasaukasāṁ viśva-sṛjeyam arpitā na svasti yāsyasy anayā mamekṣataḥ surādhamāsādita-sūkarākṛte

Er sprach zu ihm: 'Komm her, Unwissender, gib die Erde frei; sie ist uns, den Bewohnern der Unterwelt, vom Weltenschöpfer anvertraut worden; du wirst mit ihr nicht heil davonkommen, während ich zusehe, o du niedrigster der Götter, der eine Eberform angenommen hat.'

Wort für Wort
āha enam ehi ajña mahīm vimuñca naḥ
er sprach zu ihm: 'komm her, Unwissender, gib uns die Erde frei'
rasa-okasām viśva-sṛjā iyam arpitā
sie ist uns, den Bewohnern der Unterwelt, vom Weltenschöpfer anvertraut
na svasti yāsyasi anayā mama īkṣataḥ
du wirst mit ihr nicht heil davonkommen, während ich zusehe
sura-adhama āsādita-sūkara-ākṛte
o niedrigster der Götter, der eine Eberform angenommen hat

tvaṁ naḥ sapatnair abhavāya kiṁ bhṛto yo māyayā hanty asurān parokṣa-jit tvāṁ yoga-māyā-balam alpa-pauruṣaṁ saṁsthāpya mūḍha pramṛje suhṛc-chucaḥ

'Warum wurdest du von unseren Feinden zu unserem Untergang aufgezogen, der du durch Illusion, unsichtbar siegend, Dämonen tötest? Nachdem ich dich, dessen Kraft nur Yogamāyā ist, von geringer Manneskraft, zur Ruhe gebracht habe, du Tor, werde ich die Trauer meiner Freunde tilgen.'

Wort für Wort
tvam naḥ sapatnaiḥ abhavāya kim bhṛtaḥ
warum wurdest du von unseren Feinden zu unserem Untergang aufgezogen
yaḥ māyayā hanti asurān parokṣa-jit
der du durch Illusion, unsichtbar siegend, Dämonen tötest
tvām yoga-māyā-balam alpa-pauruṣam
dich, dessen Kraft nur Yogamāyā ist, von geringer Manneskraft
saṁsthāpya mūḍha pramṛje suhṛt-śucaḥ
zur Ruhe gebracht habend, du Tor, werde ich die Trauer der Freunde tilgen

tvayi saṁsthite gadayā śīrṇa-śīrṣaṇy asmad-bhuja-cyutayā ye ca tubhyam baliṁ haranty ṛṣayo ye ca devāḥ svayaṁ sarve na bhaviṣyanty amūlāḥ

'Wenn du daliegst, dein Haupt zerschmettert von der Keule, die meinem Arm entfahren ist, dann werden all jene Weisen und jene Götter, die dir Opfergaben darbringen, von selbst ohne Grundlage sein.'

Wort für Wort
tvayi saṁsthite gadayā śīrṇa-śīrṣaṇi
wenn du daliegst, dein Haupt von der Keule zerschmettert
asmat-bhuja-cyutayā
die meinem Arm entfahren ist
ye ca tubhyam balim haranti ṛṣayaḥ ye ca devāḥ
jene Weisen und jene Götter, die dir Opfergaben darbringen
svayam sarve na bhaviṣyanti amūlāḥ
werden alle von selbst ohne Grundlage sein

sa tudyamāno 'ri-durukta-tomarair daṁṣṭrāgra-gāṁ gām upalakṣya bhītām todaṁ mṛṣan niragād ambu-madhyād grāhāhataḥ sa-kareṇur yathebhaḥ

Er, von den bösen Wortspeeren des Feindes gestochen, doch die an seiner Stoßzahnspitze [ruhende] Erde als ängstlich wahrnehmend, den Stich ertragend, kam aus der Mitte des Wassers hervor, wie ein von einem Krokodil angegriffener Elefant samt seiner Elefantenkuh.

Wort für Wort
saḥ tudyamānaḥ ari-durukta-tomaraiḥ
er, von den bösen Wortspeeren des Feindes gestochen
daṁṣṭra-agra-gām gām upalakṣya bhītām
die an seiner Stoßzahnspitze [ruhende] Erde als ängstlich wahrnehmend
todam mṛṣan niragāt ambu-madhyāt
den Stich ertragend, kam er aus der Mitte des Wassers hervor
grāha-āhataḥ sa-kareṇuḥ yathā ibhaḥ
wie ein von einem Krokodil angegriffener Elefant samt seiner Elefantenkuh

taṁ niḥsarantaṁ salilād anudruto hiraṇya-keśo dviradaṁ yathā jhaṣaḥ karāla-daṁṣṭro 'śani-nisvano 'bravīd gata-hriyāṁ kiṁ tv asatāṁ vigarhitam

Der Goldhaarige verfolgte ihn, als er aus dem Wasser hervorkam, wie ein Fisch [einen] Elefanten, mit furchterregenden Stoßzähnen, mit der Stimme eines Blitzschlages, und sprach zu dem Schamlosen: 'Was gibt es, das den Schlechten nicht zum Vorwurf gemacht wird?'

Wort für Wort
tam niḥsarantam salilāt anudrutaḥ
ihn, als er aus dem Wasser hervorkam, verfolgend
hiraṇya-keśaḥ dviradam yathā jhaṣaḥ
der Goldhaarige, wie ein Fisch [einen] Elefanten
karāla-daṁṣṭraḥ aśani-nisvanaḥ
mit furchterregenden Stoßzähnen, mit der Stimme eines Blitzschlages
abravīt gata-hriyām kim tu asatām vigarhitam
sprach zu dem Schamlosen: 'was wird den Schlechten nicht zum Vorwurf gemacht'

sa gām udastāt salilasya gocare vinyasya tasyām adadhāt sva-sattvam abhiṣṭuto viśva-sṛjā prasūnair āpūryamāṇo vibudhaiḥ paśyato 'reḥ

Er setzte die Erde oberhalb der Reichweite des Wassers ab, legte auf ihr seine eigene Kraft nieder, gepriesen vom Weltenschöpfer, mit Blumen überschüttet von den Göttern, während der Feind zusah.

Wort für Wort
saḥ gām udastāt salilasya gocare vinyasya
er setzte die Erde oberhalb der Reichweite des Wassers ab
tasyām adadhāt sva-sattvam
legte auf ihr seine eigene Kraft/Existenz nieder
abhiṣṭutaḥ viśva-sṛjā
gepriesen vom Weltenschöpfer
prasūnaiḥ āpūryamāṇaḥ vibudhaiḥ
mit Blumen überschüttet von den Göttern
paśyataḥ areḥ
während der Feind zusah

parānuṣaktaṁ tapanīyopakalpaṁ mahā-gadaṁ kāñcana-citra-daṁśam marmāṇy abhīkṣṇaṁ pratudantaṁ duruktaiḥ pracaṇḍa-manyuḥ prahasaṁs taṁ babhāṣe

Zu ihm, dem nahenden Feind mit goldverziertem [Rüstzeug], der großen Keule, dem golden-bunten Panzer, der wiederholt mit bösen Worten seine verletzlichen Stellen traf, sprach er, von heftigem Zorn [erfüllt], lachend.

Wort für Wort
para-anuṣaktam tapanīya-upakalpam
zu dem nahenden Feind mit goldverziertem [Rüstzeug]
mahā-gadam kāñcana-citra-daṁśam
der großen Keule, dem golden-bunten Panzer
marmāṇi abhīkṣṇam pratudantam duruktaiḥ
der wiederholt mit bösen Worten [seine] verletzlichen Stellen traf
pracaṇḍa-manyuḥ prahasan tam babhāṣe
sprach er, von heftigem Zorn [erfüllt], lachend, zu ihm

śrī-bhagavān uvāca satyaṁ vayaṁ bho vana-gocarā mṛgā yuṣmad-vidhān mṛgaye grāma-siṁhān na mṛtyu-pāśaiḥ pratimuktasya vīrā vikatthanaṁ tava gṛhṇanty abhadra

Der Erhabene sprach: 'Wahr ist es, wir sind, o Freund, waldbewohnende Tiere, die Dorfhunde deiner Art jagen; Helden, die in die Schlingen des Todes verstrickt sind, nehmen dein Prahlen nicht ernst, du Unheilvoller.'

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene sprach
satyam vayam bho vana-gocarāḥ mṛgāḥ
wahr ist es, wir sind, o Freund, waldbewohnende Tiere
yuṣmat-vidhān mṛgaye grāma-siṁhān
die Dorfhunde deiner Art jagen
na mṛtyu-pāśaiḥ pratimuktasya vīrāḥ
Helden, die in die Schlingen des Todes verstrickt sind, nicht
vikatthanam tava gṛhṇanti abhadra
nehmen dein Prahlen ernst, du Unheilvoller

ete vayaṁ nyāsa-harā rasaukasāṁ gata-hriyo gadayā drāvitās te tiṣṭhāmahe 'thāpi kathañcid ājau stheyaṁ kva yāmo balinotpādya vairam

'Hier stehen wir, die wir das anvertraute Gut der Unterweltbewohner geraubt haben, schamlos, von deiner Keule in die Flucht geschlagen; dennoch stehen wir, wie es sei, im Kampf; wohin sollten wir gehen, nachdem wir mit einem Mächtigen Feindschaft erregt haben?'

Wort für Wort
ete vayam nyāsa-harāḥ rasa-okasām
hier sind wir, die wir das anvertraute Gut der Unterweltbewohner geraubt haben
gata-hriyaḥ gadayā drāvitāḥ
schamlos, von [deiner] Keule in die Flucht geschlagen
te tiṣṭhāmahe atha api kathañcit ājau
dennoch stehen wir, wie es sei, im Kampf
stheyam kva yāmaḥ balinā utpādya vairam
wo sollen wir bleiben, wohin gehen, nachdem wir mit einem Mächtigen Feindschaft erregt haben

tvaṁ pad-rathānāṁ kila yūthapādhipo ghaṭasva no 'svastaya āśv anūhaḥ saṁsthāpya cāsmān pramṛjāśru svakānāṁ yaḥ svāṁ pratijñāṁ nātipiparty asabhyaḥ

'Du bist wahrlich der Anführer der Fußkämpfer-Heerführer; bereite uns rasch, ohne Zögern, das Unheil; und, nachdem du uns zur Ruhe gebracht hast, wische die Tränen deiner eigenen [Angehörigen], du Unhöflicher, der sein eigenes Gelübde nicht ganz erfüllt.'

Wort für Wort
tvam pat-rathānām kila yūthapa-adhipaḥ
du bist wahrlich der Anführer der Fußkämpfer-Heerführer
ghaṭasva naḥ asvastaye āśu anūhaḥ
bereite uns rasch, ohne Zögern, das Unheil
saṁsthāpya ca asmān pramṛja aśru svakānām
und, nachdem du uns zur Ruhe gebracht hast, wische die Tränen deiner eigenen [Leute]
yaḥ svām pratijñām na atipiparti asabhyaḥ
der du, Unhöflicher, dein eigenes Gelübde nicht ganz erfüllst

[?] Ironisch-höhnischer Tonfall gegenüber Varāha; genaue Bezugsrichtung von 'yaḥ svāṁ pratijñāṁ nātipiparti' (der sein Gelübde nicht erfüllt) unsicher - evtl. Spott über ein früheres Versprechen Varāhas.

maitreya uvāca so 'dhikṣipto bhagavatā pralabdhaś ca ruṣā bhṛśam ājahārolbaṇaṁ krodhaṁ krīḍyamāno 'hi-rāḍ iva

Maitreya sprach: Er, vom Erhabenen so getadelt und heftig voller Zorn verspottet, geriet in gewaltigen Grimm, wie ein Schlangenkönig, der geneckt wird.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
saḥ adhikṣiptaḥ bhagavatā
er, vom Erhabenen so getadelt
pralabdhaḥ ca ruṣā bhṛśam
und heftig voller Zorn verspottet
ājahāra ulbaṇam krodham
geriet in gewaltigen Grimm
krīḍyamānaḥ ahi-rāṭ iva
wie ein Schlangenkönig, der geneckt wird

sṛjann amarṣitaḥ śvāsān manyu-pracalitendriyaḥ āsādya tarasā daityo gadayā nyahanad dharim

Schwer atmend, unduldsam, seine Sinne von Zorn erschüttert, näherte sich der Dämon rasch und schlug Hari mit der Keule.

Wort für Wort
sṛjan amarṣitaḥ śvāsān
schwer atmend, unduldsam
manyu-pracalita-indriyaḥ
seine Sinne von Zorn erschüttert
āsādya tarasā daityaḥ
der Dämon näherte sich rasch
gadayā nyahanat harim
und schlug Hari mit der Keule

bhagavāṁs tu gadā-vegaṁ visṛṣṭaṁ ripuṇorasi avañcayat tiraścīno yogārūḍha ivāntakam

Der Erhabene aber wich der auf seine Brust geschleuderten Wucht der Keule des Feindes seitwärts aus, wie ein im Yoga Gefestigter dem Tod ausweicht.

Wort für Wort
bhagavān tu gadā-vegam
der Erhabene aber [der] der Wucht der Keule
visṛṣṭam ripuṇā urasi
die vom Feind auf seine Brust geschleudert wurde
avañcayat tiraścīnaḥ
wich seitwärts aus
yoga-ārūḍhaḥ iva antakam
wie ein im Yoga Gefestigter dem Tod [ausweicht]

punar gadāṁ svām ādāya bhrāmayantam abhīkṣṇaśaḥ abhyadhāvad dhariḥ kruddhaḥ saṁrambhād daṣṭa-dacchadam

Als jener [Hiraṇyākṣa] wiederum seine eigene Keule ergriff und sie unablässig schwang, stürzte Hari, erzürnt, im Grimm seine Lippe beißend, auf ihn zu.

Wort für Wort
punaḥ gadām svām ādāya
als er wiederum seine eigene Keule ergriff
bhrāmayantam abhīkṣṇaśaḥ
und sie unablässig schwang
abhyadhāvat hariḥ kruddhaḥ
stürzte Hari, erzürnt, auf ihn zu
saṁrambhāt daṣṭa-dacchadam
im Grimm seine Lippe beißend

tataś ca gadayārātiṁ dakṣiṇasyāṁ bhruvi prabhuḥ ājaghne sa tu tāṁ saumya gadayā kovido 'hanat

Und da schlug der Herr den Feind mit der Keule an der rechten Augenbraue; er aber, o Sanftmütiger, kundig [im Kampf], schlug diesen [Schlag] mit seiner eigenen Keule ab.

Wort für Wort
tataḥ ca gadayā aratim
und da [schlug] der Herr den Feind mit der Keule
dakṣiṇasyām bhruvi prabhuḥ ājaghne
an der rechten Augenbraue schlug der Herr
saḥ tu tām saumya gadayā
er aber, o Sanftmütiger, [wehrte] diesen [Schlag] mit der Keule
kovidaḥ ahanat
kundig [im Kampf], schlug ab

evaṁ gadābhyāṁ gurvībhyāṁ haryakṣo harir eva ca jigīṣayā susaṁrabdhāv anyonyam abhijaghnatuḥ

So schlugen Haryakṣa (Hiraṇyākṣa) und Hari selbst, beide von der Sucht nach Sieg heftig erregt, einander mit ihren schweren Keulen.

Wort für Wort
evam gadābhyām gurvībhyām
so mit [ihren] schweren Keulen
haryakṣaḥ hariḥ eva ca
Haryakṣa (Hiraṇyākṣa) und Hari selbst
jigīṣayā su-saṁrabdhau
beide von der Sucht nach Sieg heftig erregt
anyonyam abhijaghnatuḥ
schlugen einander

tayoḥ spṛdhos tigma-gadāhatāṅgayoḥ kṣatāsrava-ghrāṇa-vivṛddha-manyvoḥ vicitra-mārgāṁś carator jigīṣayā vyabhād ilāyām iva śuṣmiṇor mṛdhaḥ

Von diesen beiden Rivalen, deren Glieder von den scharfen Keulen getroffen waren, deren Zorn durch den Geruch des fließenden Blutes ihrer Wunden noch wuchs, die aus Siegesbegierde wundersame Bewegungsmuster ausführten, erstrahlte der Kampf auf Erden wie [der] zweier brünstiger, gewaltiger Elefanten.

Wort für Wort
tayoḥ spṛdhoḥ tigma-gadā-āhata-aṅgayoḥ
von diesen beiden Rivalen, deren Glieder von den scharfen Keulen getroffen waren
kṣata-āsrava-ghrāṇa-vivṛddha-manyvoḥ
deren Zorn durch den Geruch des fließenden Blutes ihrer Wunden wuchs
vicitra-mārgān carataḥ jigīṣayā
die aus Siegesbegierde wundersame Bewegungsmuster ausführten
vyabhāt ilāyām iva śuṣmiṇoḥ mṛdhaḥ
erstrahlte der Kampf auf Erden wie [der] zweier brünstiger, gewaltiger [Elefanten]

daityasya yajñāvayavasya māyā-gṛhīta-vārāha-tanor mahātmanaḥ kauravya mahyāṁ dviṣator vimardanaṁ didṛkṣur āgād ṛṣibhir vṛtaḥ svarāṭ

Um die Vernichtung dieser beiden auf Erden einander feindlichen [Wesen] zu sehen - des Dämons, [der doch] ein Teil des Opfers ist, und des großmütigen [Herrn], der durch Māyā die Gestalt des Ebers angenommen hat -, kam der Selbstherrscher (Brahmā), o Nachkomme Kurus, von Weisen umgeben.

Wort für Wort
daityasya yajña-avayavasya
des Dämons, [der] ein Teil des Opfers [ist]
māyā-gṛhīta-vārāha-tanoḥ mahātmanaḥ
und des großmütigen, durch Māyā die Eberform angenommen habenden [Herrn]
kauravya mahyām dviṣatoḥ vimardanam didṛkṣuḥ
o Nachkomme Kurus, die Vernichtung der beiden auf Erden Feindlichen zu sehen wünschend
āgāt ṛṣibhiḥ vṛtaḥ svarāṭ
kam der Selbstherrscher (Brahmā), von Weisen umgeben

[?] Bezug des Epithetons 'yajña-avayavasya' ('ein Teil/Glied des Opfers') unsicher: grammatisch dem Dämon (Hiraṇyākṣa) zugeordnet, inhaltlich womöglich eher auf Varāha als Verkörperung des Opfers (vgl. Kapitel 13) bezogen; hier wörtlich beim Dämon belassen, da so im Sanskrit-Text konstruiert.

āsanna-śauṇḍīram apeta-sādhvasaṁ kṛta-pratīkāram ahārya-vikramam vilakṣya daityaṁ bhagavān sahasra-ṇīr jagāda nārāyaṇam ādi-sūkaram

Den nahen, übermütigen, furchtlosen Dämon erblickend, der Gegenmaßnahmen ergriffen hatte, von unbezwingbarer Kraft, sprach der Erhabene, der Anführer von Tausenden, zu Nārāyaṇa, dem urzeitlichen Eber.

Wort für Wort
āsanna-śauṇḍīram apeta-sādhvasam
den nahen, übermütigen, furchtlosen [Dämon]
kṛta-pratīkāram ahārya-vikramam
der Gegenmaßnahmen ergriffen hatte, von unbezwingbarer Kraft
vilakṣya daityam bhagavān sahasra-ṇīḥ
den Dämon erblickend, der Erhabene, der Anführer von Tausenden
jagāda nārāyaṇam ādi-sūkaram
sprach zu Nārāyaṇa, dem urzeitlichen Eber

[?] 'sahasra-ṇīḥ' (Anführer/Herr von Tausenden) als Epitheton Brahmās unsicher übersetzt.

brahmovāca eṣa te deva devānāṁ aṅghri-mūlam upeyuṣāṁ viprāṇāṁ saurabheyīṇāṁ bhūtānām apy anāgasām āgas-kṛd bhaya-kṛd duṣkṛd asmad-rāddha-varo 'suraḥ anveṣann apratiratho lokān aṭati kaṇṭakaḥ

Brahmā sprach: 'Dies ist, o Gott der Götter, [eine Bedrohung] für die Brahmanen, die Nachkommen Surabhis (die Kühe), und für die schuldlosen Wesen, die zu deinen Füßen Zuflucht gesucht haben - ein Übeltäter, Furchterreger, Bösewicht, ein Dämon, der von uns einen Segen erlangt hat, unbesiegt im Streitwagenkampf, [der] suchend, wie ein Dorn, durch die Welten wandert.'

Wort für Wort
brahmā uvāca
Brahmā sprach
eṣa te deva devānām
dies ist, o Gott der Götter
aṅghri-mūlam upeyuṣām
für die, die zu [deinen] Füßen Zuflucht gesucht haben
viprāṇām saurabheyīṇām
für die Brahmanen, die Nachkommen Surabhis (Kühe)
bhūtānām api anāgasām
und auch für die schuldlosen Wesen
āgaḥ-kṛt bhaya-kṛt duṣkṛt
ein Übeltäter, Furchterreger, Bösewicht
asmat-rāddha-varaḥ asuraḥ
ein Dämon, der von uns einen Segen erlangt hat
anveṣan apratirathaḥ
suchend, unbesiegt im Streitwagenkampf
lokān aṭati kaṇṭakaḥ
wandert wie ein Dorn durch die Welten

mainaṁ māyāvinaṁ dṛptaṁ niraṅkuśam asattamam ākrīḍa bālavad deva yathāśīviṣam utthitam

'Behandle diesen illusionsmächtigen, hochmütigen, ungezügelten, allerschlimmsten [Dämon] nicht wie im Kinderspiel, o Gott, als wäre er eine [ungefährlich] aufgerichtete Giftschlange.'

Wort für Wort
mā enam māyāvinam dṛptam
behandle diesen illusionsmächtigen, hochmütigen [Dämon] nicht
niraṅkuśam asattamam
den ungezügelten, allerschlimmsten
ākrīḍa bāla-vat deva
wie im Kinderspiel, o Gott
yathā āśīviṣam utthitam
als wäre er eine aufgerichtete Giftschlange

na yāvad eṣa vardheta svāṁ velāṁ prāpya dāruṇaḥ svāṁ deva māyām āsthāya tāvaj jahy agham acyuta

'Solange dieser Furchtbare, seine [ihm bestimmte] Zeit erreichend, noch nicht [weiter] erstarkt ist, töte, o Gott, indem du deine eigene Māyā annimmst, sogleich diesen Sünder, o Unfehlbarer.'

Wort für Wort
na yāvat eṣa vardheta
solange dieser noch nicht [weiter] erstarkt ist
svām velām prāpya dāruṇaḥ
der Furchtbare, seine [bestimmte] Zeit erreichend
svām deva māyām āsthāya
indem du, o Gott, deine eigene Māyā annimmst
tāvat jahi agham acyuta
töte sogleich diesen Sünder, o Unfehlbarer

eṣā ghoratamā sandhyā loka-cchambaṭ-karī prabho / upasarpati sarvātman surāṇāṁ jayam āvaha

'Diese schrecklichste Dämmerung, die der Welt Verderben bringt, o Herr, naht heran; o Seele von allem, bringe den Göttern den Sieg.'

Wort für Wort
eṣā ghora-tamā sandhyā
diese schrecklichste Dämmerung
loka-śambaṭ-karī prabho
die der Welt Verderben bringt, o Herr
upasarpati sarva-ātman
naht heran, o Seele von allem
surāṇām jayam āvaha
bringe den Göttern den Sieg

adhunaiṣo 'bhijin nāma yogo mauhūrtiko hy agāt śivāya nas tvaṁ suhṛdām āśu nistara dustaram

'Nun ist diese als Abhijit bekannte, dem Muhūrta [zugehörige] günstige Stunde beinahe vergangen; überwinde rasch das Unüberwindliche, zum Heil für uns, deine Freunde.'

Wort für Wort
adhunā eṣaḥ abhijit nāma yogaḥ
nun ist diese als Abhijit bekannte [günstige Stunde]
mauhūrtikaḥ hi agāt
dem Muhūrta [zugehörige], ist wahrlich [beinahe] vergangen
śivāya naḥ tvam suhṛdām
zum Heil für uns, deine Freunde
āśu nistara dustaram
überwinde rasch das Unüberwindliche

diṣṭyā tvāṁ vihitaṁ mṛtyum ayam āsāditaḥ svayam vikramyainaṁ mṛdhe hatvā lokān ādhehi śarmaṇi

'Glücklicherweise ist dieser [Dämon] von selbst zu dem ihm bestimmten Tod - dir - gelangt; zeige deine Kraft, töte ihn im Kampf, und versetze die Welten in Frieden.'

Wort für Wort
diṣṭyā tvām vihitam mṛtyum
glücklicherweise [ist er] zu dir, dem [ihm] bestimmten Tod
ayam āsāditaḥ svayam
dieser [Dämon] von selbst gelangt
vikramya enam mṛdhe hatvā
zeige deine Kraft, töte ihn im Kampf
lokān ādhehi śarmaṇi
und versetze die Welten in Frieden

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