Śrī Bādarāyaṇi sprach: Nachdem er Indra so unterwiesen hatte, verschwand der Herr Hari, der Urheber der ganzen kosmischen Manifestation, eben dort, während die Unblinzelnden (die Götter) zusahen.
Wort für Wort
śrī-bādarāyaṇiḥ uvāca
Śrī Śukadeva Gosvāmī sprach
indram
Indra (Akk.)
evam
so
samādiśya
nachdem er angewiesen hatte (Absol.)
bhagavān
der Herr, der Segenreiche (Nom.)
viśva-bhāvanaḥ
der Urheber der kosmischen Manifestation (Nom.)
paśyatām animeṣāṇām
während die Unblinzelnden (Götter) zusahen (Gen. Pl.)
api vṛndārakā yūyaṁ
na jānītha śarīriṇām
saṁsthāyāṁ yas tv abhidroho
duḥsahaś cetanāpahaḥ
Obwohl ihr Götter seid, wisst ihr wohl nicht, welch unerträglicher, das Bewusstsein raubender Schmerz jene befällt, die einen Körper haben, wenn sie ihn beim Tod verlassen.
Wort für Wort
api
obwohl
vṛndārakāḥ
o Götter (Vok. Pl.)
yūyam
ihr (Nom. Pl.)
na jānītha
ihr wisst nicht (2. Pl. Präs.)
śarīriṇām
der Verkörperten, der Körperbesitzer (Gen. Pl.)
saṁsthāyām
beim Verscheiden, beim Verlassen des Körpers (Lok.)
Der Körper ist für die Lebewesen, die weiterleben wollen, das Liebste und hier am meisten Begehrte - wer könnte es wagen, ihn sogar dem bettelnden Viṣṇu zu geben?
śrī-devā ūcuḥ
kiṁ nu tad dustyajaṁ brahman
puṁsāṁ bhūtānukampinām
bhavad-vidhānāṁ mahatāṁ
puṇya-ślokeḍya-karmaṇām
Die Götter sprachen: Was, o Brahmane, wäre für Männer wie Euch, die Mitgefühl mit den Lebewesen haben, für die Großen, deren Taten von den durch fromme Verse Gepriesenen gerühmt werden, schwer aufzugeben?
Wort für Wort
śrī-devāḥ ūcuḥ
die Götter sprachen
kim nu
was denn
tat
das (Nom.)
dustyajam
schwer aufzugeben (Nom.)
brahman
o Brahmane (Vok.)
puṁsām
für Männer, Personen (Gen. Pl.)
bhūta-anukampinām
die Mitgefühl mit den Lebewesen haben (Gen. Pl.)
bhavad-vidhānām
wie Euer Ehren, von Eurer Art (Gen. Pl.)
mahatām
der Großen (Gen. Pl.)
puṇya-śloka-īḍya-karmaṇām
deren Taten von den durch fromme Verse Gepriesenen gelobt werden (Gen. Pl.)
nūnaṁ svārtha-paro loko
na veda para-saṅkaṭam
yadi veda na yāceta
neti nāha yad īśvaraḥ
Gewiss kennt der auf seinen eigenen Nutzen bedachte Mensch nicht die Not des anderen; wüsste er sie, würde er nicht bitten. [Doch ich sage] nicht Nein, da ich [dazu] imstande bin. [?]
Wort für Wort
nūnam
gewiss
sva-artha-paraḥ
der auf den eigenen Nutzen bedachte (Nom.)
lokaḥ
die Menschen, die Welt (Nom.)
na veda
kennt nicht (3. Sg. Perf.)
para-saṅkaṭam
die Not, Bedrängnis des anderen (Akk.)
yadi veda
wenn er kennte (3. Sg. Perf., konditional)
na yāceta
würde nicht bitten (Opt.)
na āha iti
so spricht er nicht [Nein]
yat
da, weil
īśvaraḥ
fähig, imstande (Nom.)
Die Syntax der zweiten Vershälfte ist stark verdichtet; die Zuordnung von 'nāha' (er/ich sage nicht) zum sprechenden Dadhīci ist eine Auslegungsentscheidung mit den wenigsten Zusatzannahmen.
Der Weise sprach: Da ich, der ich von euch die Grundsätze der Religion hören wollte, von euch eine entgegengesetzte Antwort erhalten habe, gebe ich diesen für euch lieben Körper, der mich ohnehin, heute oder morgen, verlassen wird, hiermit auf.
Wort für Wort
śrī-ṛṣiḥ uvāca
der große Weise sprach
dharmam
die Grundsätze der Religion (Akk.)
vaḥ
von euch (Abl./Gen.)
śrotu-kāmena
von mir, der ich hören wollte (Instr. Desid.-Adj.)
yūyam
ihr (Nom.)
me
von mir (Instr./Gen.)
pratyudāhṛtāḥ
entgegnet, gegenteilig geantwortet (Nom. Pl. Ptz.)
yo 'dhruveṇātmanā nāthā
na dharmaṁ na yaśaḥ pumān
īheta bhūta-dayayā
sa śocyaḥ sthāvarair api
Wer, o Herren, mit diesem unbeständigen Körper nicht durch Mitleid mit den Lebewesen nach Frömmigkeit und Ruhm strebt, jener ist selbst von den unbeweglichen Geschöpfen zu bedauern.
etāvān avyayo dharmaḥ
puṇya-ślokair upāsitaḥ
yo bhūta-śoka-harṣābhyām
ātmā śocati hṛṣyati
Dies allein ist die unvergängliche Tugend, die von den durch fromme Verse Gepriesenen befolgt wird: dass der Geist über den Kummer der Lebewesen trauert und sich über deren Freude freut.
Ach, welch Elend, ach, welch Leiden ist es, wenn ein sterblicher Mensch nicht mit seinem Besitz, seinen Verwandten und Freunden und seinem eigenen Körper - die ohnehin jeden Augenblick vergänglich, fremdem Nutzen preisgegeben und dem Eigeninteresse nicht dienlich sind - anderen hilft.
Wort für Wort
aho dainyam
ach, welch Elend
aho kaṣṭam
ach, welch Leiden
pārakyaiḥ
was nach dem Tod anderen (Hunden, Schakalen) zufällt (Instr.)
yatākṣāsu-mano-buddhis
tattva-dṛg dhvasta-bandhanaḥ
āsthitaḥ paramaṁ yogaṁ
na dehaṁ bubudhe gatam
Mit gezügelten Sinnen, Lebensluft, Geist und Verstand, die Wahrheit erkennend, von aller Bindung befreit, in höchster Versenkung verweilend, bemerkte er nicht einmal, dass der Körper ihn verlassen hatte.
Wort für Wort
yata-akṣa-asu-manaḥ-buddhiḥ
dessen Sinne, Lebensluft, Geist und Verstand gezügelt sind (Nom.)
tattva-dṛk
der die Wahrheit, die Prinzipien der Wirklichkeit erkennt (Nom.)
Darauf ergriff Indra den von Viśvakarmā hergestellten Donnerkeil, erfüllt mit den Kräften des Weisen (Dadhīci) und ausgestattet mit der spirituellen Macht des Herrn; umgeben von allen Scharen der Götter erstrahlte er auf dem Rücken des Elefantenfürsten, von den Scharen der Weisen gepriesen, gleichsam die drei Welten erfreuend.
Voller Zorn griff er (Indra) mit Kraft den Feind Vṛtra an, der von den Anführern der Dämonenheere umgeben war, o König, wie Rudra, der zornig den Tod (Antaka) angreift.
Darauf fand am (Ufer des Flusses) Narmadā, zu Beginn des Tretā-Zeitalters, im ersten Zeitalter, ein höchst schrecklicher Kampf der Götter mit den Dämonen statt.
Wort für Wort
tataḥ
darauf
surāṇām
der Götter (Gen.)
asuraiḥ
mit den Dämonen (Instr.)
raṇaḥ
Kampf (Nom.)
parama-dāruṇaḥ
höchst schrecklich (Nom.)
tretā-mukhe
zu Beginn des Tretā-Zeitalters (Lok.)
narmadāyām
am Narmadā (Fluss) (Lok.)
abhavat
fand statt, geschah (3. Sg. Impf.)
prathame
im ersten (Lok.)
yuge
Zeitalter (Lok.)
'prathame yuge' bezeichnet hier wohl den ersten Zyklus/Anfang des betreffenden Zeitalters, nicht das Kṛta-yuga; wörtlich beibehalten.
Als sie den Herrn der Maruts (Indra), den Träger des Donnerkeils, der von Rudras, Vasus, Ādityas, den beiden Aśvins, den Pitṛs und Vahnis, den Maruts, Ṛbhus, Sādhyas und Viśvadevas umgeben war und in eigenem Glanz erstrahlte, sahen, ertrugen es die Dämonen, angeführt von Vṛtra, o König, im Kampf nicht.
Namuci, Śambara, Anarvā, Dvimūrdhā, der Dämon Ṛṣabha, Hayagrīva, Śaṅkuśirā, Vipracitti, Ayomukha, Pulomā, Vṛṣaparvā, ferner Praheti, Heti, Utkala - Daityas, Dānavas, Yakṣas und Rākṣasas zu Tausenden, angeführt von Sumāli und Māli, in goldenen Schmuck gekleidet, hielten die Spitze von Indras Heerschar zurück, die selbst für den Tod schwer zu bezwingen war; furchtlos und (vor Kampfeslust) trunken bedrängten sie sie mit Löwengebrüll, mit Keulen, eisenbeschlagenen Streitkolben, Pfeilen, Wurfspeeren, Hämmern und Lanzen.
Mit Speeren, Äxten, Schwertern, Śataghnīs und Bhuśuṇḍis überschütteten sie von allen Seiten die Anführer der Götter mit Waffen und mit von Mantras gelenkten Geschossen.
na te 'dṛśyanta sañchannāḥ
śara-jālaiḥ samantataḥ
puṅkhānupuṅkha-patitair
jyotīṁṣīva nabho-ghanaiḥ
Von allen Seiten durch Netze von Pfeilen, die einer nach dem anderen, Schaft an Schaft, niederfielen, gänzlich verhüllt, waren sie nicht mehr zu sehen, wie die Sterne (am Himmel) durch dichte Wolken.
Wort für Wort
na
nicht
te
sie (die Götter) (Nom.)
adṛśyanta
wurden gesehen (3. Pl. Impf. Pass.)
sañchannāḥ
gänzlich verhüllt, bedeckt (Nom.)
śara-jālaiḥ
durch Netze von Pfeilen (Instr.)
samantataḥ
von allen Seiten
puṅkha-anupuṅkha-patitaiḥ
die einer nach dem anderen, Schaft an Schaft, niederfielen (Instr.)
na te śastrāstra-varṣaughā
hy āseduḥ sura-sainikān
chinnāḥ siddha-pathe devair
laghu-hastaiḥ sahasradhā
Doch jene Fluten von Waffen und Geschossen erreichten die Soldaten der Götter nicht, denn sie wurden von den flinkhändigen Göttern noch im Luftraum, auf dem Pfad der Siddhas, in tausend Stücke zerschnitten.
atha kṣīṇāstra-śastraughā
giri-śṛṅga-drumopalaiḥ
abhyavarṣan sura-balaṁ
cicchidus tāṁś ca pūrvavat
Als darauf ihre Fluten von Geschossen und Waffen erschöpft waren, überschütteten sie die Streitmacht der Götter mit Berggipfeln, Bäumen und Steinen; doch diese zerschnitten auch sie wie zuvor.
Wort für Wort
atha
darauf
kṣīṇa-astra-śastra-oghāḥ
deren Fluten von Geschossen und Waffen erschöpft waren (Nom.)
Als die von Vṛtra angeführten Dämonen sahen, dass jene Götter durch die Vielzahl ihrer Waffen und Geschosse unverletzt und wohlbehalten blieben, und dass Indras Soldaten auch durch Bäume, Steine und mancherlei Berggipfel unversehrt blieben, gerieten sie in Furcht.
Wort für Wort
tān
jene (Akk.)
akṣatān
unverletzt (Akk.)
svasti-mataḥ
wohlbehalten, heil (Akk.)
niśāmya
sehend, wahrnehmend (Absol.)
śastra-astra-pūgaiḥ
durch die Vielzahl von Waffen und Geschossen (Instr.)
Alle Anstrengungen, die von den Dämonen immer wieder gegen die Scharen der Götter unternommen wurden, blieben fruchtlos - so wie unfreundliche, raue Worte, die von Niedrigen gegen die Kṛṣṇa stets zugetanen Großen gerichtet werden, wirkungslos bleiben.
te sva-prayāsaṁ vitathaṁ nirīkṣya
harāv abhaktā hata-yuddha-darpāḥ
palāyanāyāji-mukhe visṛjya
patiṁ manas te dadhur ātta-sārāḥ
Als sie, die Hari nicht ergebenen Dämonen, sahen, dass ihre eigenen Anstrengungen vergeblich waren, und da ihr Kampfesstolz gebrochen war, wandten sie schon am Beginn der Schlacht, ihren Herrn (Vṛtra) verlassend, ihrer Kraft beraubt, ihren Sinn der Flucht zu.
Als der hochgesinnte Vṛtra sah, dass seine dämonischen Gefolgsleute davonliefen, und als der Held sah, dass sein Heer, von heftiger Furcht ergriffen, geflohen und gebrochen war, sprach er, bitter lachend, dies:
kālopapannāṁ rucirāṁ manasvināṁ
jagāda vācaṁ puruṣa-pravīraḥ
he vipracitte namuce puloman
mayānarvañ chambara me śṛṇudhvam
Der Held unter den Helden sprach der Lage angemessene, schöne Worte an die hochgesinnten Dämonen: 'He, Vipracitti, Namuci, Pulomā, Maya, Anarvā, Śambara - hört mich an!'
jātasya mṛtyur dhruva eva sarvataḥ
pratikriyā yasya na ceha kḷptā
loko yaśaś cātha tato yadi hy amuṁ
ko nāma mṛtyuṁ na vṛṇīta yuktam
Für jeden Geborenen ist der Tod überall gewiss; ein Gegenmittel dagegen gibt es hier nicht. Wenn daher aus ihm himmlische Welt und Ruhm erwachsen - wer würde diesen so angemessenen Tod nicht wählen?
dvau sammatāv iha mṛtyū durāpau
yad brahma-sandhāraṇayā jitāsuḥ
kalevaraṁ yoga-rato vijahyād
yad agraṇīr vīra-śaye 'nivṛttaḥ
Zwei Todesarten gelten hier als gebilligt und sind schwer zu erlangen: wenn einer, dessen Lebenshauch bezwungen ist, in Yoga vertieft, den Körper in Versenkung auf das Brahman aufgibt, oder wenn einer als Anführer, ohne zu weichen, auf dem Lager der Helden [dem Schlachtfeld] fällt.