Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 129 Die Schlacht zwischen den Halbgöttern und Vṛtrāsura

śrī-bādarāyaṇir uvāca indram evaṁ samādiśya bhagavān viśva-bhāvanaḥ paśyatām animeṣāṇāṁ tatraivāntardadhe hariḥ

Śrī Bādarāyaṇi sprach: Nachdem er Indra so unterwiesen hatte, verschwand der Herr Hari, der Urheber der ganzen kosmischen Manifestation, eben dort, während die Unblinzelnden (die Götter) zusahen.

Wort für Wort
śrī-bādarāyaṇiḥ uvāca
Śrī Śukadeva Gosvāmī sprach
indram
Indra (Akk.)
evam
so
samādiśya
nachdem er angewiesen hatte (Absol.)
bhagavān
der Herr, der Segenreiche (Nom.)
viśva-bhāvanaḥ
der Urheber der kosmischen Manifestation (Nom.)
paśyatām animeṣāṇām
während die Unblinzelnden (Götter) zusahen (Gen. Pl.)
tatra
dort
eva
eben, gerade
antardadhe
verschwand (3. Sg. Perf. Med.)
hariḥ
Hari (Nom.)

tathābhiyācito devair ṛṣir ātharvaṇo mahān modamāna uvācedaṁ prahasann iva bhārata

So von den Göttern angefleht, sprach der große Weise, der Sohn Atharvās, erfreut und gleichsam lächelnd dies, o Bhārata (Parīkṣit).

Wort für Wort
tathā
so
abhiyācitaḥ
angefleht, gebeten (Nom. Sg. Ptz. Perf. Pass.)
devaiḥ
von den Göttern (Instr.)
ṛṣiḥ
der Weise (Nom.)
ātharvaṇaḥ
der Sohn Atharvās, Dadhīci (Nom.)
mahān
der große (Nom.)
modamānaḥ
erfreut, fröhlich (Nom. Ptz. Med.)
uvāca
sprach
idam
dies (Akk.)
prahasan
lächelnd (Nom. Ptz.)
iva
gleichsam, gewissermaßen
bhārata
o Nachkomme Bharatas (Vok., Anrede an Parīkṣit)

api vṛndārakā yūyaṁ na jānītha śarīriṇām saṁsthāyāṁ yas tv abhidroho duḥsahaś cetanāpahaḥ

Obwohl ihr Götter seid, wisst ihr wohl nicht, welch unerträglicher, das Bewusstsein raubender Schmerz jene befällt, die einen Körper haben, wenn sie ihn beim Tod verlassen.

Wort für Wort
api
obwohl
vṛndārakāḥ
o Götter (Vok. Pl.)
yūyam
ihr (Nom. Pl.)
na jānītha
ihr wisst nicht (2. Pl. Präs.)
śarīriṇām
der Verkörperten, der Körperbesitzer (Gen. Pl.)
saṁsthāyām
beim Verscheiden, beim Verlassen des Körpers (Lok.)
yaḥ tu
welcher aber (Nom.)
abhidrohaḥ
der heftige Schmerz, der Angriff (Nom.)
duḥsahaḥ
unerträglich (Nom.)
cetana-apahaḥ
das Bewusstsein raubend (Nom.)

jijīviṣūṇāṁ jīvānām ātmā preṣṭha ihepsitaḥ ka utsaheta taṁ dātuṁ bhikṣamāṇāya viṣṇave

Der Körper ist für die Lebewesen, die weiterleben wollen, das Liebste und hier am meisten Begehrte - wer könnte es wagen, ihn sogar dem bettelnden Viṣṇu zu geben?

Wort für Wort
jijīviṣūṇām
der am Leben bleiben wollenden (Gen. Pl. Desid.)
jīvānām
der Lebewesen (Gen. Pl.)
ātmā
der Körper, das Selbst (Nom.)
preṣṭhaḥ
der liebste (Nom. Superl.)
iha
hier
īpsitaḥ
begehrt (Nom.)
kaḥ
wer (Nom.)
utsaheta
könnte wagen, ertragen (Opt.)
tam
jenen (Körper) (Akk.)
dātum
zu geben (Inf.)
bhikṣamāṇāya
dem Bettelnden (Dat. Ptz.)
viṣṇave
sogar Viṣṇu (Dat.)

śrī-devā ūcuḥ kiṁ nu tad dustyajaṁ brahman puṁsāṁ bhūtānukampinām bhavad-vidhānāṁ mahatāṁ puṇya-ślokeḍya-karmaṇām

Die Götter sprachen: Was, o Brahmane, wäre für Männer wie Euch, die Mitgefühl mit den Lebewesen haben, für die Großen, deren Taten von den durch fromme Verse Gepriesenen gerühmt werden, schwer aufzugeben?

Wort für Wort
śrī-devāḥ ūcuḥ
die Götter sprachen
kim nu
was denn
tat
das (Nom.)
dustyajam
schwer aufzugeben (Nom.)
brahman
o Brahmane (Vok.)
puṁsām
für Männer, Personen (Gen. Pl.)
bhūta-anukampinām
die Mitgefühl mit den Lebewesen haben (Gen. Pl.)
bhavad-vidhānām
wie Euer Ehren, von Eurer Art (Gen. Pl.)
mahatām
der Großen (Gen. Pl.)
puṇya-śloka-īḍya-karmaṇām
deren Taten von den durch fromme Verse Gepriesenen gelobt werden (Gen. Pl.)

nūnaṁ svārtha-paro loko na veda para-saṅkaṭam yadi veda na yāceta neti nāha yad īśvaraḥ

Gewiss kennt der auf seinen eigenen Nutzen bedachte Mensch nicht die Not des anderen; wüsste er sie, würde er nicht bitten. [Doch ich sage] nicht Nein, da ich [dazu] imstande bin. [?]

Wort für Wort
nūnam
gewiss
sva-artha-paraḥ
der auf den eigenen Nutzen bedachte (Nom.)
lokaḥ
die Menschen, die Welt (Nom.)
na veda
kennt nicht (3. Sg. Perf.)
para-saṅkaṭam
die Not, Bedrängnis des anderen (Akk.)
yadi veda
wenn er kennte (3. Sg. Perf., konditional)
na yāceta
würde nicht bitten (Opt.)
na āha iti
so spricht er nicht [Nein]
yat
da, weil
īśvaraḥ
fähig, imstande (Nom.)

Die Syntax der zweiten Vershälfte ist stark verdichtet; die Zuordnung von 'nāha' (er/ich sage nicht) zum sprechenden Dadhīci ist eine Auslegungsentscheidung mit den wenigsten Zusatzannahmen.

śrī-ṛṣir uvāca dharmaṁ vaḥ śrotu-kāmena yūyaṁ me pratyudāhṛtāḥ eṣa vaḥ priyam ātmānaṁ tyajantaṁ santyajāmy aham

Der Weise sprach: Da ich, der ich von euch die Grundsätze der Religion hören wollte, von euch eine entgegengesetzte Antwort erhalten habe, gebe ich diesen für euch lieben Körper, der mich ohnehin, heute oder morgen, verlassen wird, hiermit auf.

Wort für Wort
śrī-ṛṣiḥ uvāca
der große Weise sprach
dharmam
die Grundsätze der Religion (Akk.)
vaḥ
von euch (Abl./Gen.)
śrotu-kāmena
von mir, der ich hören wollte (Instr. Desid.-Adj.)
yūyam
ihr (Nom.)
me
von mir (Instr./Gen.)
pratyudāhṛtāḥ
entgegnet, gegenteilig geantwortet (Nom. Pl. Ptz.)
eṣaḥ
dieser (Nom.)
vaḥ
für euch (Dat./Gen.)
priyam
lieb, teuer (Akk.)
ātmānam
den Körper, das Selbst (Akk.)
tyajantam
der verlässt, aufgibt (Akk. Ptz. Präs.)
santyajāmi
ich gebe auf (1. Sg. Präs.)
aham
ich (Nom.)

yo 'dhruveṇātmanā nāthā na dharmaṁ na yaśaḥ pumān īheta bhūta-dayayā sa śocyaḥ sthāvarair api

Wer, o Herren, mit diesem unbeständigen Körper nicht durch Mitleid mit den Lebewesen nach Frömmigkeit und Ruhm strebt, jener ist selbst von den unbeweglichen Geschöpfen zu bedauern.

Wort für Wort
yaḥ
wer (Nom.)
adhruveṇa
mit dem unbeständigen (Instr.)
ātmanā
mit dem Körper (Instr.)
nāthāḥ
o Herren (Vok. Pl.)
na dharmam
nicht Frömmigkeit, Religion (Akk.)
na yaśaḥ
nicht Ruhm (Akk.)
pumān
ein Mensch (Nom.)
īheta
strebt an (Opt.)
bhūta-dayayā
durch Mitleid mit den Lebewesen (Instr.)
saḥ
jener (Nom.)
śocyaḥ
zu bedauern, bemitleidenswert (Nom.)
sthāvaraiḥ
von den unbeweglichen (Wesen, Pflanzen) (Instr.)
api
sogar, selbst

etāvān avyayo dharmaḥ puṇya-ślokair upāsitaḥ yo bhūta-śoka-harṣābhyām ātmā śocati hṛṣyati

Dies allein ist die unvergängliche Tugend, die von den durch fromme Verse Gepriesenen befolgt wird: dass der Geist über den Kummer der Lebewesen trauert und sich über deren Freude freut.

Wort für Wort
etāvān
so viel, dies allein (Nom.)
avyayaḥ
unvergänglich (Nom.)
dharmaḥ
Tugend, Pflicht (Nom.)
puṇya-ślokaiḥ
von den durch fromme Verse Gepriesenen (Instr.)
upāsitaḥ
verehrt, befolgt (Nom. Ptz. Perf. Pass.)
yaḥ
welcher (Nom.)
bhūta-śoka
durch den Kummer der Lebewesen
harṣābhyām
und durch die Freude (Instr. Dual)
ātmā
der Geist, das Selbst (Nom.)
śocati
trauert (3. Sg. Präs.)
hṛṣyati
freut sich (3. Sg. Präs.)

aho dainyam aho kaṣṭaṁ pārakyaiḥ kṣaṇa-bhaṅguraiḥ yan nopakuryād asvārthair martyaḥ sva-jñāti-vigrahaiḥ

Ach, welch Elend, ach, welch Leiden ist es, wenn ein sterblicher Mensch nicht mit seinem Besitz, seinen Verwandten und Freunden und seinem eigenen Körper - die ohnehin jeden Augenblick vergänglich, fremdem Nutzen preisgegeben und dem Eigeninteresse nicht dienlich sind - anderen hilft.

Wort für Wort
aho dainyam
ach, welch Elend
aho kaṣṭam
ach, welch Leiden
pārakyaiḥ
was nach dem Tod anderen (Hunden, Schakalen) zufällt (Instr.)
kṣaṇa-bhaṅguraiḥ
jeden Augenblick vergänglich (Instr.)
yat
dass, weil
na upakuryāt
nicht helfen würde (Opt.)
a-sva-arthaiḥ
die nicht dem Eigeninteresse dienen (Instr.)
martyaḥ
ein Sterblicher (Nom.)
sva
mit dem Eigenen, dem Besitz
jñāti
Verwandte und Freunde
vigrahaiḥ
und mit dem eigenen Körper (Instr.)

evaṁ kṛta-vyavasito dadhyaṅṅ ātharvaṇas tanum pare bhagavati brahmaṇy ātmānaṁ sannayañ jahau

So fest entschlossen, gab Dadhyaṅ, der Sohn Atharvās, indem er sein Selbst dem höchsten Brahman, dem Herrn, zuführte, seinen Körper auf.

Wort für Wort
evam
so
kṛta-vyavasitaḥ
fest entschlossen (Nom.)
dadhyaṅ
Dadhyaṅ, Dadhīci (Nom.)
ātharvaṇaḥ
der Sohn Atharvās (Nom.)
tanum
den Körper (Akk.)
pare
in dem höchsten (Lok.)
bhagavati
dem Herrn, der Persönlichkeit Gottes (Lok.)
brahmaṇi
in dem höchsten Brahman (Lok.)
ātmānam
das Selbst, die Seele (Akk.)
sannayan
hinführend, vereinend (Nom. Ptz. Präs.)
jahau
gab auf (3. Sg. Perf.)

yatākṣāsu-mano-buddhis tattva-dṛg dhvasta-bandhanaḥ āsthitaḥ paramaṁ yogaṁ na dehaṁ bubudhe gatam

Mit gezügelten Sinnen, Lebensluft, Geist und Verstand, die Wahrheit erkennend, von aller Bindung befreit, in höchster Versenkung verweilend, bemerkte er nicht einmal, dass der Körper ihn verlassen hatte.

Wort für Wort
yata-akṣa-asu-manaḥ-buddhiḥ
dessen Sinne, Lebensluft, Geist und Verstand gezügelt sind (Nom.)
tattva-dṛk
der die Wahrheit, die Prinzipien der Wirklichkeit erkennt (Nom.)
dhvasta-bandhanaḥ
von der Bindung befreit (Nom.)
āsthitaḥ
verweilend, verharrend in (Nom. Ptz.)
paramam
im höchsten (Akk.)
yogam
in der Versenkung, Trance (Akk.)
na
nicht
deham
den Körper (Akk.)
bubudhe
bemerkte (3. Sg. Perf. Med.)
gatam
fortgegangen, verlassen (Akk. Ptz. Perf. Pass.)

athendro vajram udyamya nirmitaṁ viśvakarmaṇā muneḥ śaktibhir utsikto bhagavat-tejasānvitaḥ vṛto deva-gaṇaiḥ sarvair gajendropary aśobhata stūyamāno muni-gaṇais trailokyaṁ harṣayann iva

Darauf ergriff Indra den von Viśvakarmā hergestellten Donnerkeil, erfüllt mit den Kräften des Weisen (Dadhīci) und ausgestattet mit der spirituellen Macht des Herrn; umgeben von allen Scharen der Götter erstrahlte er auf dem Rücken des Elefantenfürsten, von den Scharen der Weisen gepriesen, gleichsam die drei Welten erfreuend.

Wort für Wort
atha
darauf
indraḥ
Indra (Nom.)
vajram
den Donnerkeil (Akk.)
udyamya
ergreifend (Absol.)
nirmitam
hergestellt (Akk.)
viśvakarmaṇā
von Viśvakarmā (Instr.)
muneḥ
des Weisen, Dadhīcis (Gen.)
śaktibhiḥ
mit den Kräften (Instr.)
utsiktaḥ
gesättigt, erfüllt (Nom.)
bhagavat-tejasā
mit der spirituellen Macht des Herrn (Instr.)
anvitaḥ
ausgestattet (Nom.)
vṛtaḥ
umgeben (Nom.)
deva-gaṇaiḥ
von den Scharen der Götter (Instr.)
sarvaiḥ
allen (Instr.)
gajendra
des Elefantenfürsten (Airāvata)
upari
auf dem Rücken, oben
aśobhata
erstrahlte (3. Sg. Impf.)
stūyamānaḥ
gepriesen (Nom. Ptz. Präs. Pass.)
muni-gaṇaiḥ
von Scharen der Weisen (Instr.)
trai-lokyam
die drei Welten (Akk.)
harṣayan
erfreuend (Nom. Ptz. Präs. Kaus.)
iva
gleichsam

vṛtram abhyadravac chatrum asurānīka-yūthapaiḥ paryastam ojasā rājan kruddho rudra ivāntakam

Voller Zorn griff er (Indra) mit Kraft den Feind Vṛtra an, der von den Anführern der Dämonenheere umgeben war, o König, wie Rudra, der zornig den Tod (Antaka) angreift.

Wort für Wort
vṛtram
Vṛtra (Akk.)
abhyadravat
griff an (3. Sg. Impf.)
śatrum
den Feind (Akk.)
asura-anīka-yūthapaiḥ
von den Anführern der Dämonenheere (Instr.)
paryastam
umgeben (Akk.)
ojasā
mit Kraft (Instr.)
rājan
o König (Vok.)
kruddhaḥ
zornig (Nom.)
rudraḥ
Rudra (Nom.)
iva
wie
antakam
den Tod, Yama (Akk.)

tataḥ surāṇām asurai raṇaḥ parama-dāruṇaḥ tretā-mukhe narmadāyām abhavat prathame yuge

Darauf fand am (Ufer des Flusses) Narmadā, zu Beginn des Tretā-Zeitalters, im ersten Zeitalter, ein höchst schrecklicher Kampf der Götter mit den Dämonen statt.

Wort für Wort
tataḥ
darauf
surāṇām
der Götter (Gen.)
asuraiḥ
mit den Dämonen (Instr.)
raṇaḥ
Kampf (Nom.)
parama-dāruṇaḥ
höchst schrecklich (Nom.)
tretā-mukhe
zu Beginn des Tretā-Zeitalters (Lok.)
narmadāyām
am Narmadā (Fluss) (Lok.)
abhavat
fand statt, geschah (3. Sg. Impf.)
prathame
im ersten (Lok.)
yuge
Zeitalter (Lok.)

'prathame yuge' bezeichnet hier wohl den ersten Zyklus/Anfang des betreffenden Zeitalters, nicht das Kṛta-yuga; wörtlich beibehalten.

rudrair vasubhir ādityair aśvibhyāṁ pitṛ-vahnibhiḥ marudbhir ṛbhubhiḥ sādhyair viśvedevair marut-patim dṛṣṭvā vajra-dharaṁ śakraṁ rocamānaṁ svayā śriyā nāmṛṣyann asurā rājan mṛdhe vṛtra-puraḥsarāḥ

Als sie den Herrn der Maruts (Indra), den Träger des Donnerkeils, der von Rudras, Vasus, Ādityas, den beiden Aśvins, den Pitṛs und Vahnis, den Maruts, Ṛbhus, Sādhyas und Viśvadevas umgeben war und in eigenem Glanz erstrahlte, sahen, ertrugen es die Dämonen, angeführt von Vṛtra, o König, im Kampf nicht.

Wort für Wort
rudraiḥ
von den Rudras (Instr.)
vasubhiḥ
von den Vasus (Instr.)
ādityaiḥ
von den Ādityas (Instr.)
aśvibhyām
von den beiden Aśvin (Instr. Dual)
pitṛ
von den Pitṛs
vahnibhiḥ
und den Vahnis (Instr.)
marudbhiḥ
von den Maruts (Instr.)
ṛbhubhiḥ
von den Ṛbhus (Instr.)
sādhyaiḥ
von den Sādhyas (Instr.)
viśvedevaiḥ
von den Viśvadevas (Instr.)
marut-patim
den Herrn der Maruts, Indra (Akk.)
dṛṣṭvā
sehend (Absol.)
vajra-dharam
den Träger des Donnerkeils (Akk.)
śakram
Śakra, Indra (Akk.)
rocamānam
erstrahlend (Akk. Ptz.)
svayā
mit eigenem (Instr.)
śriyā
Glanz, Pracht (Instr.)
na amṛṣyan
ertrugen nicht (3. Pl. Impf.)
asurāḥ
die Dämonen (Nom.)
rājan
o König (Vok.)
mṛdhe
im Kampf (Lok.)
vṛtra-puraḥsarāḥ
angeführt von Vṛtra (Nom. Pl.)

namuciḥ śambaro 'narvā dvimūrdhā ṛṣabho 'suraḥ hayagrīvaḥ śaṅkuśirā vipracittir ayomukhaḥ pulomā vṛṣaparvā ca prahetir hetir utkalaḥ daiteyā dānavā yakṣā rakṣāṁsi ca sahasraśaḥ sumāli-māli-pramukhāḥ kārtasvara-paricchadāḥ pratiṣidhyendra-senāgraṁ mṛtyor api durāsadam abhyardayann asambhrāntāḥ siṁha-nādena durmadāḥ gadābhiḥ parighair bāṇaiḥ prāsa-mudgara-tomaraiḥ

Namuci, Śambara, Anarvā, Dvimūrdhā, der Dämon Ṛṣabha, Hayagrīva, Śaṅkuśirā, Vipracitti, Ayomukha, Pulomā, Vṛṣaparvā, ferner Praheti, Heti, Utkala - Daityas, Dānavas, Yakṣas und Rākṣasas zu Tausenden, angeführt von Sumāli und Māli, in goldenen Schmuck gekleidet, hielten die Spitze von Indras Heerschar zurück, die selbst für den Tod schwer zu bezwingen war; furchtlos und (vor Kampfeslust) trunken bedrängten sie sie mit Löwengebrüll, mit Keulen, eisenbeschlagenen Streitkolben, Pfeilen, Wurfspeeren, Hämmern und Lanzen.

Wort für Wort
namuciḥ
Namuci (Nom.)
śambaraḥ
Śambara (Nom.)
anarvā
Anarvā (Nom.)
dvimūrdhā
Dvimūrdhā (Nom.)
ṛṣabhaḥ
Ṛṣabha (Nom.)
asuraḥ
der Dämon (Nom.)
hayagrīvaḥ
Hayagrīva (Nom.)
śaṅkuśirāḥ
Śaṅkuśirā (Nom.)
vipracittiḥ
Vipracitti (Nom.)
ayomukhaḥ
Ayomukha (Nom.)
pulomā
Pulomā (Nom.)
vṛṣaparvā
Vṛṣaparvā (Nom.)
ca
auch
prahetiḥ
Praheti (Nom.)
hetiḥ
Heti (Nom.)
utkalaḥ
Utkala (Nom.)
daiteyāḥ
die Daityas (Nom.)
dānavāḥ
die Dānavas (Nom.)
yakṣāḥ
die Yakṣas (Nom.)
rakṣāṁsi
die Rākṣasas (Nom.)
ca
und
sahasraśaḥ
zu Tausenden
sumāli-māli-pramukhāḥ
angeführt von Sumāli und Māli (Nom.)
kārtasvara-paricchadāḥ
in goldenen Schmuck gekleidet (Nom.)
pratiṣidhya
zurückhaltend (Absol.)
indra-senā-agram
die Spitze von Indras Heerschar (Akk.)
mṛtyoḥ
für den Tod (Gen.)
api
selbst, sogar
durāsadam
schwer zu bezwingen, unnahbar (Akk.)
abhyardayan
bedrängten (3. Pl. Impf.)
asambhrāntāḥ
furchtlos, ungerührt (Nom. Pl.)
siṁha-nādena
mit Löwengebrüll (Instr.)
durmadāḥ
trunken (vor Kampfeslust) (Nom. Pl.)
gadābhiḥ
mit Keulen (Instr.)
parighaiḥ
mit eisenbeschlagenen Streitkolben (Instr.)
bāṇaiḥ
mit Pfeilen (Instr.)
prāsa-mudgara-tomaraiḥ
mit Wurfspeeren, Hämmern und Lanzen (Instr.)

śūlaiḥ paraśvadhaiḥ khaḍgaiḥ śataghnībhir bhuśuṇḍibhiḥ sarvato 'vākiran śastrair astraiś ca vibudharṣabhān

Mit Speeren, Äxten, Schwertern, Śataghnīs und Bhuśuṇḍis überschütteten sie von allen Seiten die Anführer der Götter mit Waffen und mit von Mantras gelenkten Geschossen.

Wort für Wort
śūlaiḥ
mit Speeren (Instr.)
paraśvadhaiḥ
mit Äxten (Instr.)
khaḍgaiḥ
mit Schwertern (Instr.)
śataghnībhiḥ
mit Śataghnīs (Instr.)
bhuśuṇḍibhiḥ
mit Bhuśuṇḍis (Instr.)
sarvataḥ
von allen Seiten
avākiran
überschütteten (3. Pl. Impf.)
śastraiḥ
mit Waffen (Instr.)
astraiḥ
mit Geschossen, Mantrawaffen (Instr.)
ca
und
vibudha-ṛṣabhān
die Anführer der Götter (Akk.)

na te 'dṛśyanta sañchannāḥ śara-jālaiḥ samantataḥ puṅkhānupuṅkha-patitair jyotīṁṣīva nabho-ghanaiḥ

Von allen Seiten durch Netze von Pfeilen, die einer nach dem anderen, Schaft an Schaft, niederfielen, gänzlich verhüllt, waren sie nicht mehr zu sehen, wie die Sterne (am Himmel) durch dichte Wolken.

Wort für Wort
na
nicht
te
sie (die Götter) (Nom.)
adṛśyanta
wurden gesehen (3. Pl. Impf. Pass.)
sañchannāḥ
gänzlich verhüllt, bedeckt (Nom.)
śara-jālaiḥ
durch Netze von Pfeilen (Instr.)
samantataḥ
von allen Seiten
puṅkha-anupuṅkha-patitaiḥ
die einer nach dem anderen, Schaft an Schaft, niederfielen (Instr.)
jyotīṁṣi iva
wie die Sterne, Lichter
nabhaḥ-ghanaiḥ
durch die Wolken des Himmels (Instr.)

na te śastrāstra-varṣaughā hy āseduḥ sura-sainikān chinnāḥ siddha-pathe devair laghu-hastaiḥ sahasradhā

Doch jene Fluten von Waffen und Geschossen erreichten die Soldaten der Götter nicht, denn sie wurden von den flinkhändigen Göttern noch im Luftraum, auf dem Pfad der Siddhas, in tausend Stücke zerschnitten.

Wort für Wort
na
nicht
te
jene (Nom.)
śastra-astra-varṣa-oghāḥ
Fluten von Waffen und Geschossen (Nom.)
hi
denn, fürwahr
āseduḥ
erreichten (3. Pl. Perf.)
sura-sainikān
die Soldaten der Götter (Akk.)
chinnāḥ
zerschnitten (Nom.)
siddha-pathe
auf dem Pfad der Siddhas, im Luftraum (Lok.)
devaiḥ
von den Göttern (Instr.)
laghu-hastaiḥ
flinkhändig (Instr.)
sahasradhā
in tausend Teile

atha kṣīṇāstra-śastraughā giri-śṛṅga-drumopalaiḥ abhyavarṣan sura-balaṁ cicchidus tāṁś ca pūrvavat

Als darauf ihre Fluten von Geschossen und Waffen erschöpft waren, überschütteten sie die Streitmacht der Götter mit Berggipfeln, Bäumen und Steinen; doch diese zerschnitten auch sie wie zuvor.

Wort für Wort
atha
darauf
kṣīṇa-astra-śastra-oghāḥ
deren Fluten von Geschossen und Waffen erschöpft waren (Nom.)
giri-śṛṅga
mit Berggipfeln
druma
mit Bäumen
upalaiḥ
und mit Steinen (Instr.)
abhyavarṣan
überschütteten (3. Pl. Impf.)
sura-balam
die Streitmacht der Götter (Akk.)
cicchiduḥ
zerschnitten (3. Pl. Perf.)
tān
sie, jene (Akk.)
ca
und, aber
pūrva-vat
wie zuvor

tān akṣatān svastimato niśāmya śastrāstra-pūgair atha vṛtra-nāthāḥ drumair dṛṣadbhir vividhādri-śṛṅgair avikṣatāṁs tatrasur indra-sainikān

Als die von Vṛtra angeführten Dämonen sahen, dass jene Götter durch die Vielzahl ihrer Waffen und Geschosse unverletzt und wohlbehalten blieben, und dass Indras Soldaten auch durch Bäume, Steine und mancherlei Berggipfel unversehrt blieben, gerieten sie in Furcht.

Wort für Wort
tān
jene (Akk.)
akṣatān
unverletzt (Akk.)
svasti-mataḥ
wohlbehalten, heil (Akk.)
niśāmya
sehend, wahrnehmend (Absol.)
śastra-astra-pūgaiḥ
durch die Vielzahl von Waffen und Geschossen (Instr.)
atha
darauf
vṛtra-nāthāḥ
die von Vṛtra angeführten (Dämonen) (Nom.)
drumaiḥ
durch Bäume (Instr.)
dṛṣadbhiḥ
durch Steine (Instr.)
vividha
mancherlei
adri
der Berge
śṛṅgaiḥ
durch Gipfel (Instr.)
avikṣatān
unversehrt (Akk.)
tatrasuḥ
gerieten in Furcht (3. Pl. Perf.)
indra-sainikān
Indras Soldaten (Akk.)

sarve prayāsā abhavan vimoghāḥ kṛtāḥ kṛtā deva-gaṇeṣu daityaiḥ kṛṣṇānukūleṣu yathā mahatsu kṣudraiḥ prayuktā ūṣatī rūkṣa-vācaḥ

Alle Anstrengungen, die von den Dämonen immer wieder gegen die Scharen der Götter unternommen wurden, blieben fruchtlos - so wie unfreundliche, raue Worte, die von Niedrigen gegen die Kṛṣṇa stets zugetanen Großen gerichtet werden, wirkungslos bleiben.

Wort für Wort
sarve
alle (Nom.)
prayāsāḥ
Anstrengungen (Nom.)
abhavan
wurden, waren (3. Pl. Impf.)
vimoghāḥ
fruchtlos, vergeblich (Nom.)
kṛtāḥ kṛtāḥ
immer wieder unternommen (Nom.)
deva-gaṇeṣu
gegen die Scharen der Götter (Lok.)
daityaiḥ
von den Dämonen (Instr.)
kṛṣṇa-anukūleṣu
die Kṛṣṇa zugetan, wohlgesinnt sind (Lok.)
yathā
so wie
mahatsu
gegen die Großen (Lok.)
kṣudraiḥ
von den Niedrigen, Geringen (Instr.)
prayuktāḥ
gerichtet, angewandt (Nom.)
ūṣatīḥ
unfreundlich, feindselig (Nom.)
rūkṣa-vācaḥ
raue Worte (Nom.)

te sva-prayāsaṁ vitathaṁ nirīkṣya harāv abhaktā hata-yuddha-darpāḥ palāyanāyāji-mukhe visṛjya patiṁ manas te dadhur ātta-sārāḥ

Als sie, die Hari nicht ergebenen Dämonen, sahen, dass ihre eigenen Anstrengungen vergeblich waren, und da ihr Kampfesstolz gebrochen war, wandten sie schon am Beginn der Schlacht, ihren Herrn (Vṛtra) verlassend, ihrer Kraft beraubt, ihren Sinn der Flucht zu.

Wort für Wort
te
sie (Nom.)
sva-prayāsam
ihre eigene Anstrengung (Akk.)
vitatham
vergeblich, fruchtlos (Akk.)
nirīkṣya
sehend (Absol.)
harau abhaktāḥ
die Hari nicht ergeben sind, ohne Hingabe (Nom.)
hata-yuddha-darpāḥ
deren Kampfesstolz gebrochen war (Nom.)
palāyanāya
zur Flucht (Dat.)
āji-mukhe
am Beginn der Schlacht (Lok.)
visṛjya
verlassend, aufgebend (Absol.)
patim
ihren Herrn, Anführer (Akk.)
manaḥ
den Sinn (Akk.)
te
sie (Nom.)
dadhuḥ
wandten zu, richteten (3. Pl. Perf.)
ātta-sārāḥ
ihrer Kraft beraubt (Nom.)

vṛtro 'surāṁs tān anugān manasvī pradhāvataḥ prekṣya babhāṣa etat palāyitaṁ prekṣya balaṁ ca bhagnaṁ bhayena tīvreṇa vihasya vīraḥ

Als der hochgesinnte Vṛtra sah, dass seine dämonischen Gefolgsleute davonliefen, und als der Held sah, dass sein Heer, von heftiger Furcht ergriffen, geflohen und gebrochen war, sprach er, bitter lachend, dies:

Wort für Wort
vṛtraḥ
Vṛtra (Nom.)
asurān
die Dämonen (Akk.)
tān
jene (Akk.)
anugān
Gefolgsleute (Akk.)
manasvī
der Hochgesinnte (Nom.)
pradhāvataḥ
davonlaufend (Akk. Ptz.)
prekṣya
sehend (Absol.)
babhāṣa
sprach (3. Sg. Perf.)
etat
dies (Akk.)
palāyitam
geflohen (Akk.)
prekṣya
sehend (Absol.)
balam
das Heer (Akk.)
ca
und
bhagnam
gebrochen (Akk.)
bhayena
durch Furcht (Instr.)
tīvreṇa
heftig (Instr.)
vihasya
lachend (Absol.)
vīraḥ
der Held (Nom.)

kālopapannāṁ rucirāṁ manasvināṁ jagāda vācaṁ puruṣa-pravīraḥ he vipracitte namuce puloman mayānarvañ chambara me śṛṇudhvam

Der Held unter den Helden sprach der Lage angemessene, schöne Worte an die hochgesinnten Dämonen: 'He, Vipracitti, Namuci, Pulomā, Maya, Anarvā, Śambara - hört mich an!'

Wort für Wort
kāla-upapannām
der Zeit, der Lage angemessen (Akk.)
rucirām
schön, angenehm (Akk.)
manasvinām
zu den Hochgesinnten (Dat./Gen. Pl.)
jagāda
sprach (3. Sg. Perf.)
vācam
Worte, Rede (Akk.)
puruṣa-pravīraḥ
der Held unter den Helden (Nom.)
he
o (Anredepartikel)
vipracitte
o Vipracitti (Vok.)
namuce
o Namuci (Vok.)
puloman
o Pulomā (Vok.)
maya
o Maya (Vok.)
anarvan
o Anarvā (Vok.)
śambara
o Śambara (Vok.)
me
mich (Akk./Gen.)
śṛṇudhvam
hört (2. Pl. Imp.)

jātasya mṛtyur dhruva eva sarvataḥ pratikriyā yasya na ceha kḷptā loko yaśaś cātha tato yadi hy amuṁ ko nāma mṛtyuṁ na vṛṇīta yuktam

Für jeden Geborenen ist der Tod überall gewiss; ein Gegenmittel dagegen gibt es hier nicht. Wenn daher aus ihm himmlische Welt und Ruhm erwachsen - wer würde diesen so angemessenen Tod nicht wählen?

Wort für Wort
jātasya
für den Geborenen (Gen.)
mṛtyuḥ
der Tod (Nom.)
dhruvaḥ
gewiss, unausweichlich (Nom.)
eva
gerade, wirklich
sarvataḥ
überall
pratikriyā
Gegenmittel, Abhilfe (Nom.)
yasya
dessen (Gen.)
na
nicht
ca
und
iha
hier
kḷptā
vorhanden, ersonnen (Nom.)
lokaḥ
(himmlische) Welt (Nom.)
yaśaḥ
Ruhm (Nom.)
ca
und
atha
dann
tataḥ
daraus
yadi
wenn
hi
fürwahr
amum
jenen (Akk.)
kaḥ nāma
wer denn (Nom.)
mṛtyum
den Tod (Akk.)
na vṛṇīta
würde nicht wählen (Opt.)
yuktam
angemessen, passend (Akk.)

dvau sammatāv iha mṛtyū durāpau yad brahma-sandhāraṇayā jitāsuḥ kalevaraṁ yoga-rato vijahyād yad agraṇīr vīra-śaye 'nivṛttaḥ

Zwei Todesarten gelten hier als gebilligt und sind schwer zu erlangen: wenn einer, dessen Lebenshauch bezwungen ist, in Yoga vertieft, den Körper in Versenkung auf das Brahman aufgibt, oder wenn einer als Anführer, ohne zu weichen, auf dem Lager der Helden [dem Schlachtfeld] fällt.

Wort für Wort
dvau
zwei (Nom.)
sammatau
gebilligt, anerkannt (Nom. Dual)
iha
hier
mṛtyū
Todesarten (Nom. Dual)
durāpau
schwer zu erlangen (Nom. Dual)
yat
dass, wenn
brahma-sandhāraṇayā
durch Konzentration auf das Brahman (Instr.)
jita-asuḥ
dessen Lebenshauch/Sinne bezwungen sind (Nom.)
kalevaram
den Körper (Akk.)
yoga-rataḥ
in Yoga vertieft, dem Yoga hingegeben (Nom.)
vijahyāt
möge aufgeben (Opt.)
yat
dass, wenn
agraṇīḥ
der Anführer, Vorderste (Nom.)
vīra-śaye
auf dem Lager der Helden, dem Schlachtfeld (Lok.)
anivṛttaḥ
ohne zu weichen, nicht zurückweichend (Nom.)

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