Śrī Śuka sprach: Damals, während Viṣṇu, der leibhaftige Genießer aller Opfer, [Seinen zweiten] Schritt tat, [entstand] jene äußere Wasserströmung, die durch die vom Nagel der großen Zehe Seines linken Fußes durchbohrte Öffnung der oberen Schale des Welteneies nach innen eingedrungen war – jene Strömung, die durch das Waschen Seiner Lotosfüße von rötlichem Blütenstaub gefärbt wurde und, da schon ihre bloße Berührung die Sünden und Unreinheiten der ganzen Welt hinwegnimmt, rein ist, die man geradewegs als „vom Fuße des Herrn [stammend]“ mit jenem nicht näher bestimmten Ausdruck bezeichnet – und die nach sehr langer Zeit, bemessen an tausend Zeitaltern, auf den Scheitel des Himmels herabstieg: eben das nennt man den „Viṣṇupada“.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka (Nom.) sprach (3.Sg.Perf.)
tatra
dort/damals (Adv.)
bhagavataḥ
des Erhabenen (Gen.Sg.)
sākṣāt
unmittelbar, leibhaftig (Adv.)
yajña-liṅgasya
des Kennzeichens/Genießers des Opfers (Gen.Sg., Kompositum)
die durch das Waschen Seiner Lotosfüße mit rötlichem Blütenstaub gefärbte, [deren] bloße Berührung die Sünden der ganzen Welt hinwegnimmt, [daher] reine (Nom.Sg.f., Kompositum)
sākṣāt bhagavat-padī iti
als 'unmittelbar vom Fuße des Herrn [stammend]' (Zitatpartikel iti)
anupalakṣita-vacaḥ
mit nicht näher bestimmtem Ausdruck (Instr./Nom., Kompositum)
abhidhīyamānā
genannt werdend (Nom.Sg.f.Part.Präs.Pass.)
ati-mahatā kālena
durch sehr lange Zeit (Instr.Sg.)
yuga-sahasra-upalakṣaṇena
gekennzeichnet durch tausend Zeitalter (Instr.Sg., Kompositum)
divaḥ mūrdhani
auf den Scheitel des Himmels (Lok.Sg.)
avatatāra
stieg herab (3.Sg.Perf.)
yat tat
das, jenes (Rel./Dem.Pron., Nom.Sg.n.)
viṣṇu-padam
'Viṣṇu-Fuß/-Stätte' (Nom.Sg.n.)
āhuḥ
sie nennen (3.Pl.Perf.)
Hochkomplexer einsätziger Bahuvrīhi-Prosa-Vers; Gliederung nach Sinnabschnitten.
Dort trägt fürwahr Dhruva, der Sohn Uttānapādas, dessen Gelübde heldenhaft ist, der höchste Gottgeweihte, noch jetzt mit größter Verehrung auf seinem Haupt jenes Wasser, das er – im Gedanken „dies ist das Wasser von den Lotosfüßen unserer Familiengottheit“ – bei jeder Gelegenheit [empfangen hat]: ein Wasser, durch das, angesichts seiner beständig wachsenden Hingabe zum Herrn, sein Herzinneres fest aufgeweicht wird, dessen Augenpaar-Knospen, von Sehnsucht überwältigt, sich halb schließen, und dessen Schar von Haarsträuben durch das Herabrinnen reiner Tränenströme sichtbar wird.
Wort für Wort
yatra
wo, dort (Adv.)
ha vāva
fürwahr, gewiss (Partikeln)
vīra-vrataḥ
dessen Gelübde heldenhaft ist (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
auttānapādiḥ
der Sohn Uttānapādas [Dhruva] (Nom.Sg.)
parama-bhāgavataḥ
der höchste Geweihte (Nom.Sg.)
asmat-kula-devatā-caraṇa-aravinda-udakam
das Wasser vom Lotosfuß unserer Familiengottheit (Nom./Akk.Sg., Kompositum)
iti
so [denkend] (Zitatpartikel)
yām
welches (Rel.Pron.Akk.Sg.f., bez. auf Wasser/Strömung)
anusavanam
bei jeder [rituellen] Gelegenheit, beständig (Adv.)
utkṛṣyamāṇa-bhagavad-bhakti-yogena
durch die sich steigernde Bhakti-Hingabe zum Herrn (Instr.Sg., Kompositum)
dṛḍham
fest, stark (Adv.)
klidyamāna-antaḥ-hṛdayaḥ
dessen Herzinneres aufgeweicht wird (Nom.Sg., Bahuvrīhi, Part.Präs.Pass.)
autkaṇṭhya-vivaśa-amīlita-locana-yugala-kuḍmala
dessen Augenpaar-Knospen, von Sehnsucht überwältigt, sich halb schließen (Kompositum)
vigalita-amala-bāṣpa-kalayā
durch das Herabrinnen reiner Tränenströme (Instr.Sg.)
abhivyajyamāna-roma-pulaka-kulakaḥ
dessen Schar von Haarsträuben offenbar wird (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
Danach tragen die sieben Weisen, welche um dessen [des Wassers] Macht wissen, noch heute mit großer Ehrfurcht in ihren Asketenhaarknoten jenes Wasser, das gleichsam die endgültige Vollkommenheit der Askese darstellt und das ihnen – die durch das ununterbrochene Erlangen von Bhakti-Yoga zum alldurchdringenden Herrn Vāsudeva alle anderen Ziele des Selbst für gering erachtet haben – gleichsam als Befreiung selbst zuteilgeworden ist, so wie es Befreiung-Suchende [mit Ehrfurcht trügen].
Wort für Wort
tataḥ
danach (Adv.)
sapta ṛṣayaḥ
die sieben Weisen (Nom.Pl.)
tat-prabhāva-abhijñāḥ
die dessen Macht kennen (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
yām
welches [Wasser] (Rel.Pron.Akk.Sg.f.)
nanu
fürwahr, gewiss (Partikel)
tapasaḥ
der Askese (Gen.Sg.)
ātyantikī siddhiḥ
die endgültige/äußerste Vollkommenheit (Nom.Sg.f.)
etāvatī
so groß, ebendiese (Nom.Sg.f.)
bhagavati sarva-ātmani vāsudeve
zum Erhabenen, dem Alldurchdringenden, Vāsudeva (Lok.Sg.)
anuparata-bhakti-yoga-lābhena
durch das ununterbrochene Erlangen von Bhakti-Yoga (Instr.Sg.)
eva
gerade, eben (Partikel)
upekṣita-anya-artha-ātma-gatayaḥ
die anderen Ziele des Selbst gering geachtet habend (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
tato 'neka-sahasra-koṭi-vimānānīka-saṅkula-deva-yānenāvatarantīndu-maṇḍalam āvārya brahma-sadane nipatati.
Danach, auf dem mit vielen tausend Millionen Luftwagen-Heerscharen überfüllten Götterweg herabsteigend, bedeckt sie die Mondscheibe und fällt in die Wohnstätte Brahmās.
Dort, sich in vier [Arme] teilend, mit vier Namen in die vier Himmelsrichtungen strömend, mündet sie eben in den Herrn der Flüsse [das Meer]: Sītā, Alakanandā, Cakṣu und Bhadrā genannt.
Wort für Wort
tatra
dort (Adv.)
caturdhā
vierfach (Adv.)
bhidyamānā
sich teilend (Nom.Sg.f.Part.Präs.Pass.)
catur-bhiḥ nāmabhiḥ
mit vier Namen (Instr.Pl.)
catur-diśam
in die vier Himmelsrichtungen (Akk., Adv.)
abhispandantī
strömend (Nom.Sg.f.Part.Präs.)
nada-nadī-patim
den Herrn der [männlichen und weiblichen] Flüsse [das Meer] (Akk.Sg.)
Sītā aber, von der Wohnstätte Brahmās über die Gipfel des Kesarācala und anderer Berge immer weiter abwärts fließend, fällt auf die Höhen des Gandhamādana und tritt, mitten durch das Land Bhadrāśva [fließend], in östlicher Richtung in den salzigen Ozean ein.
Wort für Wort
sītā
Sītā (Nom.Sg., Eigenname des Flusses)
tu
aber (Partikel)
brahma-sadanāt
von der Wohnstätte Brahmās (Abl.Sg.)
kesarācala-ādi-giri-śikharebhyaḥ
von den Gipfeln des Kesarācala und anderer Berge (Abl.Pl.)
Ebenso fällt die [als] Cakṣu [bekannte Strömung], vom Gipfel des Mālyavān herabstürzend und danach mit ununterbrochener Geschwindigkeit durch das Land Ketumāla fließend, in westlicher Richtung in den Herrn der Flüsse [das Meer] ein.
Wort für Wort
evam
ebenso (Adv.)
mālyavat-śikharāt
vom Gipfel des [Berges] Mālyavān (Abl.Sg.)
niṣpatantī
herabfallend (Nom.Sg.f.Part.Präs.)
tataḥ
danach (Adv.)
anuparata-vegā
deren Geschwindigkeit ununterbrochen ist (Nom.Sg.f., Bahuvrīhi)
Und Bhadrā, von der Nordseite des Gipfels des Meru herabgefallen, von Bergspitze zu Bergspitze überspringend, vom Gipfel des [Berges] Śṛṅgavān herabströmend, tritt, das Land der nördlichen Kurus rings umgebend, in nördlicher Richtung in den Ozean ein.
Ebenso [fließt] Alakanandā auf der Südseite von der Wohnstätte Brahmās, viele Bergspitzen überquerend, vom Hemakūṭa über die Hemakūṭa-Berge mit überaus heftiger Geschwindigkeit dahinstürzend, und tritt in das Land Bhārata ein, [wo sie] in südlicher Richtung in den Ozean mündet – ein Fluss, in dem für einen Menschen, der zum Baden kommt, Schritt für Schritt die Frucht [von Opfern] wie dem Aśvamedha- und Rājasūya-Opfer nicht schwer zu erlangen ist.
Wort für Wort
tathā eva
ebenso (Adv.)
alakanandā
Alakanandā (Nom.Sg., Eigenname)
dakṣiṇena
auf der Südseite (Adv.)
brahma-sadanāt
von der Wohnstätte Brahmās (Abl.Sg.)
bahūni giri-kūṭāni
viele Bergspitzen (Akk.Pl.)
atikramya
überquerend (Absolutiv)
hemakūṭāt haimakūṭāni
vom Hemakūṭa über die Hemakūṭa-Berge (Abl./Akk.)
ati-rabhasatara-raṁhasā
mit überaus heftiger Geschwindigkeit (Instr.Sg.)
luṭhayantī
dahinstürzend, sich wälzend (Nom.Sg.f.Part.Präs.)
bhāratam abhivarṣam
das Land Bhārata (Akk.Sg.)
dakṣiṇasyām diśi
in südlicher Richtung (Lok.Sg.)
jaladhim
in den Ozean (Akk.Sg.)
abhipraviśati
sie tritt ein (3.Sg.Präs.)
yasyām
in welchem [Fluss] (Rel.Pron.Lok.Sg.f.)
snāna-artham
zum Zweck des Badens (Akk., Adv.)
ca
und (Konj.)
āgacchataḥ puṁsaḥ
für einen Menschen, der kommt (Gen.Sg.Part.Präs.)
pade pade
Schritt für Schritt (Lok., Wiederholung)
aśvamedha-rājasūya-ādīnām
des Aśvamedha-, Rājasūya- und anderer [Opfer] (Gen.Pl.)
Von diesen [Ländern] wird allein Bhārata-varṣa als das Feld der [fruchtbringenden] Handlung bezeichnet; die anderen acht Länder bezeichnet man als irdische Himmelsstätten, als Orte des Genusses des restlichen frommen Verdienstes der Himmelsbewohner.
Wort für Wort
tatra api
darunter, davon auch (Adv.)
bhāratam eva varṣam
allein das Land Bhārata (Akk.Sg.)
karma-kṣetram
als Feld der Handlung (Akk.Sg., Prädikatsnomen)
anyāni aṣṭa varṣāṇi
die anderen acht Länder (Akk.Pl.)
svargiṇām
der Himmelsbewohner (Gen.Pl.)
puṇya-śeṣa-upabhoga-sthānāni
Orte des Genusses des übrigen frommen Verdienstes (Akk.Pl.)
eṣu puruṣāṇām ayuta-puruṣāyur-varṣāṇāṁ deva-kalpānāṁ nāgāyuta-prāṇānāṁ vajra-saṁhanana-bala-vayo-moda-pramudita-mahā-saurata-mithuna-vyavāyāpavarga-varṣa-dhṛtaika-garbha-kalatrāṇāṁ tatra tu tretā-yuga-samaḥ kālo vartate.
In diesen [acht Ländern], wo die Menschen eine Lebensspanne von zehntausend Jahren haben, den Göttern gleichen, die Kraft von zehntausend Elefanten besitzen, deren Körper fest wie der Donnerkeil sind, die sich an Kraft und Jugend erfreuen, [und] deren Gattinnen, hocherfreut durch großen, wonnevollen ehelichen Umgang, nach dessen Vollendung ein einziges Kind[-paar] austragen – dort herrscht eine Zeit, die dem Tretā-Zeitalter gleicht.
Wort für Wort
eṣu
in diesen [Ländern] (Lok.Pl.)
puruṣāṇām
der Menschen (Gen.Pl.)
ayuta-puruṣa-āyuḥ-varṣāṇām
deren Lebensjahre zehntausend Manneslebenslängen [entsprechen] (Gen.Pl.)
deva-kalpānām
den Göttern gleichenden (Gen.Pl.)
nāga-ayuta-prāṇānām
mit der Kraft von zehntausend Elefanten (Gen.Pl.)
vajra-saṁhanana-bala-vayaḥ
mit donnerkeilfestem Körperbau, Kraft und Jugend (Kompositum)
Dort, wo die Herren der Götter, von ihren jeweiligen Gefolgsführern mit großer Verehrung bedient, in den Bergtälern jener Länder, deren anmutige Wälder, Einsiedeleien und Wohnstätten von Ranken und Bäumen geschmückt sind, die sich unter der Pracht der Blütenbüschel, Früchte und Blätter aller Jahreszeiten neigen, und ebenso an den Ufern klarer Wasserbecken, die vom Summen bienenschwarmgleicher [Insekten] und vom Ruf königlicher Schwäne, Wasserhühner, Kāraṇḍava-Enten, Kraniche und Cakravāka-Vögel widerhallen, die sich am Duft der sich öffnenden, vielfältigen frischen Lotosblüten erfreuen – dort ergehen sie sich mit mannigfaltigen Vergnügungen wie Wasserspielen, ihren geistigen Blick von den kokett-lächelnden, spielerischen Blicken der bezaubernden Götterfrauen angezogen, frei nach Belieben.
Wort für Wort
yatra ha
dort, wo fürwahr (Adv.)
deva-patayaḥ
die Herren der Götter (Nom.Pl.)
svaiḥ svaiḥ gaṇa-nāyakaiḥ
von ihren jeweiligen Gefolgsführern (Instr.Pl.)
vihita-mahā-arhaṇāḥ
denen große Verehrung erwiesen wird (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
navasv api varṣeṣu bhagavān nārāyaṇo mahā-puruṣaḥ puruṣāṇāṁ tad-anugrahāyātma-tattva-vyūhenātmanādyāpi sannidhīyate.
Auch in [allen] neun Ländern ist der Erhabene Nārāyaṇa, die Höchste Person, den Menschen zu Seiner Gnade durch die Erweiterung Seines eigenen wesenhaften [vierfachen] Wesens noch heute persönlich gegenwärtig.
Wort für Wort
navasu api varṣeṣu
auch in den neun Ländern (Lok.Pl.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.Sg.)
nārāyaṇaḥ
Nārāyaṇa (Nom.Sg.)
mahā-puruṣaḥ
die Höchste Person (Nom.Sg.)
puruṣāṇām
den Menschen (Gen.Pl., dat. Sinn)
tat-anugrahāya
zu deren Gnade (Dat.Sg.)
ātma-tattva-vyūhena
durch die Erweiterung Seines eigenen wesenhaften [Wesens] (Instr.Sg.)
ilāvṛte tu bhagavān bhava eka eva pumān na hy anyas tatrāparo nirviśati bhavānyāḥ śāpa-nimitta-jño yat-pravekṣyataḥ strī-bhāvas tat paścād vakṣyāmi.
In Ilāvṛta[-varṣa] aber ist einzig und allein der Erhabene Bhava [Śiva] der [einzige] Mann; kein anderer männliches Wesen betritt dort [dieses Land], da er den Grund des Fluches der Bhavānī kennt – nach dem für jeden, der einzudringen versuchte, die Verwandlung in eine Frau [erfolgen würde]. Das werde ich später erklären.
Umgeben von tausend zehn Millionen [d.h. unzähligen] Scharen von Frauen, den Gattinnen Bhavānīs, verehrt Bhava [Śiva], indem er in Gestalt seiner eigenen [meditativen] Selbstversenkung die vierte, mit der Erscheinungsweise der Dunkelheit [verbundene] Gestalt des Erhabenen, der in vier Formen [expandierten] Höchsten Person – jene, die unter dem Namen Saṅkarṣaṇa als Grundstoff seiner selbst bekannt ist – gegenwärtig werden lässt und, dies rezitierend, [Ihn anbetet].
Wort für Wort
bhavānī-nāthaiḥ
den Gattinnen Bhavānīs [d.h. Śivas Frauen] (Instr.Pl.)
strī-gaṇa-arbuda-sahasraiḥ
von tausend zehn Millionen Scharen von Frauen (Instr.Pl.)
avarudhyamānaḥ
umgeben, begleitet (Nom.Sg.Part.Präs.Pass.)
bhagavataḥ catuḥ-mūrteḥ
des in vier Formen [expandierten] Erhabenen (Gen.Sg.)
mahā-puruṣasya
der Höchsten Person (Gen.Sg.)
turīyām tāmasīm mūrtim
die vierte, mit Dunkelheit [verbundene] Gestalt (Akk.Sg.)
prakṛtim ātmanaḥ
als Grundstoff seiner selbst (Akk.Sg.)
saṅkarṣaṇa-saṁjñām
mit Namen Saṅkarṣaṇa (Akk.Sg.)
ātma-samādhi-rūpeṇa
in Gestalt der eigenen [meditativen] Selbstversenkung (Instr.Sg.)
śrī-bhagavān uvāca oṁ namo bhagavate mahā-puruṣāya sarva-guṇa-saṅkhyānāyānantāyāvyaktāya nama iti.
Der glückselige Herr [Śiva] sprach: Oṃ. Verehrung dem Erhabenen, der Höchsten Person, dem Kenner/Zähler aller [transzendentalen] Eigenschaften, dem Unbegrenzten, dem Unmanifestierten – Verehrung! So [sprach er].
Ich verehre [Dich], o Verehrungswürdiger, dessen Lotosfuß Schutz gewährt, den höchsten letzten Zufluchtsort der gesamten [göttlichen] Herrlichkeit, der Seinen Geweihten überreichlich [Gnade schenkt], der die [Ihn] verwirklicht habenden Wesen [wiederum] hervorbringt, der die [Kette des] Werdens hinwegnimmt – Dich, den Ursprung des Werdens, den Herrscher.
Wort für Wort
bhaje
ich verehre (1.Sg.Präs.)
bhajanya
o Verehrungswürdiger (Vok./Adj.)
araṇa-pāda-paṅkajam
dessen Lotosfuß Schutz gewährt (Akk.Sg., Bahuvrīhi)
bhagasya kṛtsnasya
der gesamten [göttlichen] Herrlichkeit (Gen.Sg.)
param parāyaṇam
den höchsten letzten Zufluchtsort (Akk.Sg.)
bhakteṣu
den Geweihten gegenüber (Lok.Pl.)
alam
überreichlich, hinlänglich (Adv.)
bhāvita-bhūta-bhāvanam
der die [Ihn] verwirklicht habenden Wesen hervorbringt (Akk.Sg.)
bhava-apaham
der das Werden [Geburt und Tod] hinwegnimmt (Akk.Sg.)
na yasya māyā-guṇa-citta-vṛttibhir nirīkṣato hy aṇv api dṛṣṭir ajyate īśe yathā no 'jita-manyu-raṁhasāṁ kas taṁ na manyeta jigīṣur ātmanaḥ.
Dessen Blick wird, wenn er [auf die Welt] schaut, durch die Wirkungen des Geistes [im Bereich] der Erscheinungsweisen Seiner Māyā auch nicht im Geringsten beeinflusst – so wie Er fähig ist, uns, deren [innerer] Zornesdrang unbezwungen ist, zu beherrschen –, wer, der danach strebt, seine [eigenen] Sinne zu bezwingen, würde Ihn nicht verehren?
Wort für Wort
na
nicht (Neg.)
yasya
dessen (Rel.Pron.Gen.Sg.)
māyā-guṇa-citta-vṛttibhiḥ
durch die Wirkungen des Geistes [im Bereich] der Erscheinungsweisen der Māyā (Instr.Pl.)
nirīkṣataḥ
des Schauenden (Gen.Sg.Part.Präs.)
hi
gewiss, denn (Partikel)
aṇu api
auch nur im Geringsten (Adv.)
dṛṣṭiḥ
der Blick, die Sicht (Nom.Sg.)
ajyate
wird beeinflusst, getrübt (3.Sg.Präs.Pass.)
īśe
er ist fähig, zu beherrschen (3.Sg.Präs.Ātm.)
yathā
so wie (Konj.)
naḥ
uns (Gen.Pl.)
ajita-manyu-raṁhasām
deren Zornesdrang unbezwungen ist (Gen.Pl., Bahuvrīhi)
kaḥ
wer (Interr.Pron.Nom.Sg.)
tam
Ihn (Akk.Sg.)
na manyeta
würde nicht verehren/denken an (3.Sg.Opt.)
jigīṣuḥ ātmanaḥ
der danach strebt, [seine] Sinne zu bezwingen (Nom.Sg.)
Er, der durch [die Kraft Seiner] Māyā dem, der falsch sieht, erscheint wie ein Berauschter mit von Honigwein kupferrot [gefärbten] Augen – nicht einmal die Frauen der Schlangen[-dämonen], deren Sinne durch die Berührung Seiner Füße erregt wurden, vermochten es aus Scham, Ihn [gebührend] zu verehren.
Wort für Wort
asat-dṛśaḥ
dem, der falsch/mit unwirklichem Blick sieht (Gen.Sg.)
yaḥ
der (Rel.Pron.Nom.Sg.)
pratibhāti
erscheint (3.Sg.Präs.)
māyayā
durch [Seine] Māyā (Instr.Sg.)
kṣībaḥ iva
wie ein Berauschter (Nom.Sg.)
madhu-āsava-tāmra-locanaḥ
mit von Honigwein kupferrot [gefärbten] Augen (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
na
nicht (Neg.)
nāga-vadhvaḥ
die Frauen der Schlangen[-dämonen] (Nom.Pl.)
arhaṇe
bei der Verehrung (Lok.Sg.)
īśire
sie vermochten (3.Pl.Perf.Ātm.)
hriyā
aus Scham (Instr.Sg.)
yat-pādayoḥ
Seiner beiden Füße (Gen.Du.)
sparśana-dharṣita-indriyāḥ
deren Sinne durch die Berührung erregt wurden (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
yam āhur asya sthiti-janma-saṁyamaṁ tribhir vihīnaṁ yam anantam ṛṣayaḥ na veda siddhārtham iva kvacit sthitaṁ bhū-maṇḍalaṁ mūrdha-sahasra-dhāmasu.
Ihn, von dem die Weisen sagen, dass Er, [obgleich] frei von den drei [Vorgängen] – Erhaltung, Entstehung und Auflösung dieser [Welt] –, dennoch [deren Grundlage ist]; Ihn, den Unendlichen, dessen Erdenkreis, auf Seinen tausend Hauptes-Stätten [Schlangenköpfen] ruhend, man nicht einmal wie ein [winziges] Senfkorn irgendwo [lastend] wahrnimmt.
Wort für Wort
yam
den (Rel.Pron.Akk.Sg.)
āhuḥ
sie sagen (3.Pl.Perf.)
asya
dieser [Welt] (Gen.Sg.)
sthiti-janma-saṁyamam
Erhaltung, Entstehung und Auflösung (Akk.Sg., Kompositum)
tribhiḥ vihīnam
frei von diesen drei [Vorgängen] (Akk.Sg.)
yam anantam
den Unendlichen (Akk.Sg.)
ṛṣayaḥ
die Weisen (Nom.Pl.)
na veda
man nicht wahrnimmt/fühlt (3.Sg.Perf., unpers.)
siddha-artham iva
wie ein Senfkorn (Akk.Sg.)
kvacit
irgendwo (Adv.)
sthitam
lastend, befindlich (Akk.Sg.n.Part.Perf.)
bhū-maṇḍalam
den Erdenkreis (Akk.Sg.)
mūrdha-sahasra-dhāmasu
auf [Seinen] tausend Hauptes-Stätten [Schlangenköpfen] (Lok.Pl.)
Von wem am Anfang der aus den [drei] Erscheinungsweisen [bestehende] Mahat[-tattva] herrührte, der Sitz des [kosmischen] Wissens, der Erhabene, der Ungeborene [Brahmā] – von wem, so heißt es, auch ich entstanden bin –, [durch dessen Gnade] erschaffe ich mit meiner eigenen Kraft in dreifacher Weise das aus dem Sattva Hervorgegangene, das Tamas-Element und das die Sinne [bildende Element]. Wir alle – der Mahat[-tattva], ich [Brahmā] und die aus Verwandlung, Dunkelheit und Sinnen [hervorgegangenen Schöpfungen] – stehen unter der Kontrolle von dessen großem Selbst, wie an einer Schnur gebundene Vögel; [nur] durch dessen Gnade erschaffen wir alle dieses [Universum].
Wort für Wort
yasya
von wem (Rel.Pron.Gen.Sg.)
ādyaḥ
am Anfang (Nom.Sg., Adv. Sinn)
āsīt
war (3.Sg.Impf.)
guṇa-vigrahaḥ mahān
der aus den Erscheinungsweisen bestehende Mahat[-tattva] (Nom.Sg.)
vijñāna-dhiṣṇyaḥ
der Sitz des [kosmischen] Wissens (Nom.Sg.)
bhagavān ajaḥ
der Erhabene, Ungeborene [Brahmā] (Nom.Sg.)
kila
fürwahr, wie man sagt (Partikel)
yat-sambhavaḥ aham
von wem ich entstanden bin (Nom.Sg.)
tri-vṛtā
in dreifacher Weise (Instr.Sg.)
sva-tejasā
mit eigener Kraft (Instr.Sg.)
vaikārikam tāmasam aindriyam
das Sattva-hafte, das Tamas-hafte, das Sinnes[-element] (Akk.Sg.)
sṛje
ich erschaffe (1.Sg.Präs.)
ete vayam
wir, diese hier (Nom.Pl.)
yasya vaśe
unter dessen Kontrolle (Lok.Sg.)
mahā-ātmanaḥ
dessen großen Selbst (Gen.Sg.)
sthitāḥ
stehend, befindlich (Nom.Pl.Part.Perf.)
śakuntāḥ iva
wie Vögel (Nom.Pl.)
sūtra-yantritāḥ
an einer Schnur gebunden/gelenkt (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
mahān aham
der Mahat[-tattva und] ich (Nom.Sg.)
vaikṛta-tāmasa-indriyāḥ
die aus Verwandlung, Dunkelheit und Sinnen [hervorgegangenen Schöpfungen] (Nom.Pl.)
sṛjāmaḥ
wir erschaffen (1.Pl.Präs.)
sarve
alle (Nom.Pl.)
yat-anugrahāt
durch dessen Gnade (Abl.Sg.)
idam
dieses [Universum] (Akk.Sg.n.)
Zwei Verse (22 und 23) sind auf der Quellseite zu einer Einheit zusammengefasst.
yan-nirmitāṁ karhy api karma-parvaṇīṁ māyāṁ jano 'yaṁ guṇa-sarga-mohitaḥ na veda nistāraṇa-yogam añjasā tasmai namas te vilayodayātmane.
Die von Ihm zu jeder Zeit geschaffene, die Knoten der [fruchtbringenden] Handlung [bildende] Māyā erkennt dieser Mensch, verblendet durch die Schöpfung der [drei] Erscheinungsweisen, nicht [als solche] – noch weniger den Weg, mühelos aus ihr herauszukommen. Ihm, Dir, dessen Wesen Auflösung und Entstehung [des Universums] ist, sei Verehrung!
Wort für Wort
yat-nirmitām
von Ihm geschaffen (Akk.Sg.f.)
karhi api
zu jeder beliebigen Zeit (Adv.)
karma-parvaṇīm
die Knoten der [fruchtbringenden] Handlung [bildend] (Akk.Sg.f.)
māyām
die Māyā (Akk.Sg.)
janaḥ ayam
dieser Mensch (Nom.Sg.)
guṇa-sarga-mohitaḥ
verblendet durch die Schöpfung der Erscheinungsweisen (Nom.Sg.)
na veda
erkennt nicht (3.Sg.Perf.)
nistāraṇa-yogam
den Weg des Herauskommens (Akk.Sg.)
añjasā
mühelos, unmittelbar (Adv.)
tasmai
Ihm (Dat.Sg.)
namaḥ
Verehrung (Nom.Sg.)
te
Dir (Dat.Sg., enklit.)
vilaya-udaya-ātmane
dessen Wesen Auflösung und Entstehung ist (Dat.Sg., Bahuvrīhi)