Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 57: Bhakti-yoga-sādhana-vidhiḥ Anleitung zur Praxis des hingebungsvollen Dienstes (Bhakti-Yoga)

śrī-bhagavān uvāca yogasya lakṣaṇaṁ vakṣye sabījasya nṛpātmaje mano yenaiva vidhinā prasannaṁ yāti sat-patham

Der erhabene Herr sprach: Ich werde, o Königstochter, das Merkmal des mit einer Grundlage [einem Meditationsobjekt] versehenen [?] Yoga darlegen, durch welche Methode eben der Geist heiter zum Pfad des Wahren gelangt.

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der erhabene Herr sprach
yogasya lakṣaṇam vakṣye
das Merkmal des Yoga werde ich erklären
sabījasya
des mit Samen/Grundlage versehenen (Yoga)
nṛpa-ātma-je
o Tochter des Königs
manaḥ yena eva vidhinā
der Geist, durch welche Methode eben
prasannam yāti sat-patham
heiter zum Pfad des Wahren/Seienden gelangt

[Anm.: 'sabīja' (wörtl. 'mit Samen') bezeichnet hier einen Yoga mit Objekt/Stütze der Meditation, im Gegensatz zu 'nirbīja'-Yoga; Bedeutung leicht unsicher, daher [?].]

sva-dharmācaraṇaṁ śaktyā vidharmāc ca nivartanam daivāl labdhena santoṣa ātmavic-caraṇārcanam

Das Ausüben der eigenen Pflicht nach Kräften, das Abstehen von fremder [unrechtmäßiger] Pflicht, Zufriedenheit mit dem, was durch Fügung erlangt wird, und die Verehrung der Füße dessen, der das Selbst kennt.

Wort für Wort
sva-dharma-ācaraṇam śaktyā
das Ausüben der eigenen Pflicht nach Kräften
vidharmāt ca nivartanam
und das Abstehen von fremder/falscher Pflicht
daivāt labdhena santoṣaḥ
Zufriedenheit mit dem durch Fügung Erlangten
ātma-vit-caraṇa-arcanam
Verehrung der Füße des Selbstkundigen

grāmya-dharma-nivṛttiś ca mokṣa-dharma-ratis tathā mita-medhyādanaṁ śaśvad vivikta-kṣema-sevanam

Und das Aufgeben weltlicher Gewohnheiten, ebenso die Freude an der zur Erlösung führenden Übung, stets maßvolle und reine Nahrung, und das Aufsuchen eines abgeschiedenen, sicheren Ortes.

Wort für Wort
grāmya-dharma-nivṛttiḥ ca
und das Aufhören weltlicher/dörflicher Gepflogenheiten
mokṣa-dharma-ratiḥ tathā
ebenso die Freude an der zur Befreiung führenden Praxis
mita-medhya-adanam śaśvat
stets maßvolles, reines Essen
vivikta-kṣema-sevanam
das Aufsuchen eines abgeschiedenen, sicheren Ortes

ahiṁsā satyam asteyaṁ yāvad-artha-parigrahaḥ brahmacaryaṁ tapaḥ śaucaṁ svādhyāyaḥ puruṣārcanam

Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nicht-Stehlen, das Besitzen nur dessen, was notwendig ist, Keuschheit, Askese, Reinheit, das Studium [der heiligen Schriften] und die Verehrung der Höchsten Person.

Wort für Wort
ahiṁsā
Gewaltlosigkeit
satyam
Wahrhaftigkeit
asteyam
Nicht-Stehlen
yāvad-artha-parigrahaḥ
Besitznahme nur soweit nötig
brahmacaryam
Keuschheit
tapaḥ
Askese
śaucam
Reinheit
svādhyāyaḥ
Selbststudium (der Schriften)
puruṣa-arcanam
Verehrung der Höchsten Person

maunaṁ sad-āsana-jayaḥ sthairyaṁ prāṇa-jayaḥ śanaiḥ pratyāhāraś cendriyāṇāṁ viṣayān manasā hṛdi

Schweigen, das Meistern einer guten Sitzhaltung, Standfestigkeit, das allmähliche Bezähmen des Lebensatems, und das Zurückziehen der Sinne von ihren Objekten mittels des Geistes, sie ins Herz zurückführend.

Wort für Wort
maunam
Schweigen
sat-āsana-jayaḥ
das Meistern einer guten Sitzhaltung
sthairyam
Standfestigkeit
prāṇa-jayaḥ śanaiḥ
das allmähliche Bezähmen des Lebensatems
pratyāhāraḥ ca indriyāṇām
und das Zurückziehen der Sinne
viṣayān manasā hṛdi
von den Objekten, mittels des Geistes, ins Herz

sva-dhiṣṇyānām eka-deśe manasā prāṇa-dhāraṇam vaikuṇṭha-līlābhidhyānaṁ samādhānaṁ tathātmanaḥ

Das Festhalten des Lebensatems mit dem Geist an einer Stelle der eigenen [Energiezentren], die Meditation auf die Spiele des Herrn von Vaikuṇṭha, und so die völlige Sammlung des Geistes.

Wort für Wort
sva-dhiṣṇyānām eka-deśe
an einer Stelle der eigenen (Sitz-)Zentren
manasā prāṇa-dhāraṇam
das Festhalten des Lebensatems mit dem Geist
vaikuṇṭha-līlā-abhidhyānam
die Meditation auf die Spiele des Herrn von Vaikuṇṭha
samādhānam tathā ātmanaḥ
und so die völlige Sammlung des Geistes

etair anyaiś ca pathibhir mano duṣṭam asat-patham buddhyā yuñjīta śanakair jita-prāṇo hy atandritaḥ

Durch diese und andere Methoden soll man den fehlerhaften, auf dem Pfad des Unwirklichen wandelnden Geist mit Hilfe des Verstandes allmählich lenken – wachsam und nachdem man den Lebensatem bezwungen hat.

Wort für Wort
etaiḥ anyaiḥ ca pathibhiḥ
durch diese und andere Wege/Methoden
manaḥ duṣṭam asat-patham
den fehlerhaften, auf dem Pfad des Unwirklichen befindlichen Geist
buddhyā yuñjīta śanakaiḥ
soll man mit dem Verstand allmählich lenken
jita-prāṇaḥ hi atandritaḥ
da der Lebensatem bezwungen ist, wachsam

śucau deśe pratiṣṭhāpya vijitāsana āsanam tasmin svasti samāsīna ṛju-kāyaḥ samabhyaset

Nachdem man an einem reinen Ort den Sitz aufgestellt hat, soll der Yogī, die Sitzhaltung gemeistert habend, darauf wohlbehalten sitzend, mit aufrechtem Körper üben.

Wort für Wort
śucau deśe pratiṣṭhāpya āsanam
nachdem man an einem reinen Ort den Sitz aufgestellt hat
vijita-āsanaḥ
die Sitzhaltung gemeistert habend
tasmin svasti samāsīnaḥ
darauf wohlbehalten/bequem sitzend
ṛju-kāyaḥ samabhyaset
mit aufrechtem Körper soll er üben

prāṇasya śodhayen mārgaṁ pūra-kumbhaka-recakaiḥ pratikūlena vā cittaṁ yathā sthiram acañcalam

Er soll die Bahn des Lebensatems reinigen durch Einatmen, Anhalten und Ausatmen, oder in umgekehrter Reihenfolge, damit der Geist fest und unbewegt werde.

Wort für Wort
prāṇasya śodhayet mārgam
er soll die Bahn des Lebensatems reinigen
pūra-kumbhaka-recakaiḥ
durch Einatmen, Anhalten und Ausatmen
pratikūlena vā
oder in umgekehrter Reihenfolge
cittam yathā sthiram acañcalam
damit der Geist fest und unbewegt werde

mano 'cirāt syād virajaṁ jita-śvāsasya yoginaḥ vāyv-agnibhyāṁ yathā lohaṁ dhmātaṁ tyajati vai malam

Bald wird der Geist des Yogī, dessen Atem bezwungen ist, rein sein – so wie Gold, das mit Wind und Feuer geschmolzen wird, gewiss seinen Schmutz ablegt.

Wort für Wort
manaḥ acirāt syāt virajam
der Geist wird bald leidenschaftslos/rein sein
jita-śvāsasya yoginaḥ
des Yogī, dessen Atem bezwungen ist
vāyu-agnibhyām yathā loham
wie Gold durch Wind und Feuer
dhmātam tyajati vai malam
geschmolzen, legt es gewiss den Schmutz ab

prāṇāyāmair dahed doṣān dhāraṇābhiś ca kilbiṣān pratyāhāreṇa saṁsargān dhyānenānīśvarān guṇān

Durch Prāṇāyāma soll er die Fehler verbrennen, durch Dhāraṇā die Sünden, durch Pratyāhāra die schädlichen Verbindungen, durch Dhyāna die [noch] unbeherrschten [?] Erscheinungsweisen der Natur.

Wort für Wort
prāṇāyāmaiḥ dahet doṣān
durch Atemkontrolle soll er die Fehler verbrennen
dhāraṇābhiḥ ca kilbiṣān
und durch Konzentration die Sünden
pratyāhāreṇa saṁsargān
durch Sinneszurückziehung die schädlichen Verbindungen
dhyānena anīśvarān guṇān
durch Meditation die unbeherrschten Erscheinungsweisen (der Natur)

[Anm.: 'anīśvarān guṇān' wörtl. 'herrenlose/unbeherrschte guṇas' – Bedeutung leicht unsicher, daher [?].]

yadā manaḥ svaṁ virajaṁ yogena susamāhitam kāṣṭhāṁ bhagavato dhyāyet sva-nāsāgrāvalokanaḥ

Wenn der eigene Geist rein und durch Yoga wohlgesammelt ist, soll er, auf die Spitze der eigenen Nase blickend, auf die höchste Gestalt des Herrn meditieren.

Wort für Wort
yadā manaḥ svam virajam
wenn der eigene Geist rein ist
yogena su-samāhitam
durch Yoga wohlgesammelt
kāṣṭhām bhagavataḥ dhyāyet
soll er auf die höchste Gestalt des Herrn meditieren
sva-nāsā-agra-avalokanaḥ
auf die Spitze der eigenen Nase blickend

prasanna-vadanāmbhojaṁ padma-garbhāruṇekṣaṇam nīlotpala-dala-śyāmaṁ śaṅkha-cakra-gadā-dharam

[Auf ihn, dessen] Lotusgesicht heiter ist, dessen Augen wie das Innere eines Lotus rötlich sind, dessen [Leib] dunkel ist wie das Blütenblatt einer blauen Lotusblume, und der Muschelhorn, Diskus und Keule trägt.

Wort für Wort
prasanna-vadana-ambhojam
dessen heiteres Lotusgesicht
padma-garbha-aruṇa-īkṣaṇam
mit Augen rötlich wie das Innere eines Lotus
nīla-utpala-dala-śyāmam
dunkel wie das Blütenblatt einer blauen Lotusblume
śaṅkha-cakra-gadā-dharam
Muschelhorn, Diskus und Keule tragend

[Anm.: Vers ohne eigenes Prädikat, Fortsetzung des 'dhyāyet' aus Vers 12.]

lasat-paṅkaja-kiñjalka-pīta-kauśeya-vāsasam śrīvatsa-vakṣasaṁ bhrājat kaustubhāmukta-kandharam

[Ihn, der] ein gelbes Seidengewand trägt, das wie der schimmernde Blütenstaub des Lotus leuchtet, mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust, den strahlenden Kaustubha-Edelstein am Hals tragend.

Wort für Wort
lasat-paṅkaja-kiñjalka-pīta-kauśeya-vāsasam
mit gelbem Seidengewand, [gelb] wie schimmernder Lotus-Blütenstaub
śrīvatsa-vakṣasam
mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust
bhrājat-kaustubha-āmukta-kandharam
das strahlende Kaustubha-Juwel am Hals tragend

matta-dvirepha-kalayā parītaṁ vana-mālayā parārdhya-hāra-valaya- kirīṭāṅgada-nūpuram

[Ihn], umgeben von einer Waldblumengirlande, um die ein Schwarm berauschter Bienen summt, geschmückt mit unschätzbar wertvoller Halskette, Armreifen, Krone, Oberarmreifen und Fußspangen.

Wort für Wort
matta-dvirepha-kalayā
durch einen Schwarm berauschter, summender Bienen
parītam vana-mālayā
umgeben von einer Waldblumengirlande
parārdhya-hāra-valaya-kirīṭa-aṅgada-nūpuram
mit unschätzbarer Halskette, Armreifen, Krone, Oberarmreifen, Fußspangen

kāñcī-guṇollasac-chroṇiṁ hṛdayāmbhoja-viṣṭaram darśanīyatamaṁ śāntaṁ mano-nayana-vardhanam

[Ihn], dessen Hüften durch das schimmernde Gürtelband erstrahlen, dessen Sitz der Lotus des Herzens ist, den höchst sehenswerten, friedvollen, der Geist und Augen erfreut.

Wort für Wort
kāñcī-guṇa-ullasat-śroṇim
dessen Hüften durch das Gürtelband erstrahlen
hṛdaya-ambhoja-viṣṭaram
dessen Sitz der Herzens-Lotus ist
darśanīya-tamam śāntam
höchst sehenswert, friedvoll
manaḥ-nayana-vardhanam
Geist und Augen erfreuend/mehrend

apīcya-darśanaṁ śaśvat sarva-loka-namaskṛtam santaṁ vayasi kaiśore bhṛtyānugraha-kātaram

[Ihn], von schönem, ewigem Anblick, von allen Welten verehrt, im jugendlichen Alter verweilend, eifrig darauf bedacht, seinen Dienern Gnade zu erweisen.

Wort für Wort
apīcya-darśanam śaśvat
von schönem, beständigem Anblick
sarva-loka-namaskṛtam
von allen Welten verehrt
santam vayasi kaiśore
im jugendlichen Alter befindlich
bhṛtya-anugraha-kātaram
eifrig, seinen Dienern Gnade zu erweisen

kīrtanya-tīrtha-yaśasaṁ puṇya-śloka-yaśaskaram dhyāyed devaṁ samagrāṅgaṁ yāvan na cyavate manaḥ

Auf den Gott, dessen Ruhm heilig ist und der den Ruhm der Frommen mehrt, soll er in seiner Gesamtgestalt meditieren, bis der Geist nicht mehr davon abweicht.

Wort für Wort
kīrtanya-tīrtha-yaśasam
dessen Ruhm preiswürdig/heilig ist
puṇya-śloka-yaśaskaram
der den Ruhm der Frommen mehrt
dhyāyet devam samagra-aṅgam
er soll auf den Gott in seiner Gesamtgestalt meditieren
yāvat na cyavate manaḥ
bis der Geist nicht mehr abweicht

sthitaṁ vrajantam āsīnaṁ śayānaṁ vā guhāśayam prekṣaṇīyehitaṁ dhyāyec chuddha-bhāvena cetasā

[Ihn], der im Herzen weilt, stehend, gehend, sitzend oder liegend, und dessen Taten sehenswert sind, soll er mit reinem, hingegebenem Geist betrachten.

Wort für Wort
sthitam vrajantam āsīnam śayānam vā
stehend, gehend, sitzend oder liegend
guhā-āśayam
im Herzen weilend
prekṣaṇīya-īhitam
dessen Taten sehenswert sind
dhyāyet śuddha-bhāvena cetasā
er soll mit reinem, hingegebenem Geist meditieren

tasmiḻ labdha-padaṁ cittaṁ sarvāvayava-saṁsthitam vilakṣyaikatra saṁyujyād aṅge bhagavato muniḥ

Wenn der Geist des Weisen, in ihm Halt gefunden habend, auf allen seinen Gliedern ruht, soll er, jedes Glied wahrnehmend, den Geist auf eine einzelne Stelle, ein Glied des Herrn, richten.

Wort für Wort
tasmin labdha-padam cittam
der Geist, der in ihm Halt gefunden hat
sarva-avayava-saṁsthitam
auf allen Gliedern ruhend
vilakṣya ekatra saṁyujyāt
nachdem er wahrgenommen hat, soll er auf eine Stelle richten
aṅge bhagavataḥ muniḥ
auf ein Glied des Herrn, der Weise

sañcintayed bhagavataś caraṇāravindaṁ vajrāṅkuśa-dhvaja-saroruha-lāñchanāḍhyam uttuṅga-rakta-vilasan-nakha-cakravāla- jyotsnābhir āhata-mahad-dhṛdayāndhakāram

Er soll auf den Lotosfuß des Herrn meditieren, der reich geschmückt ist mit den Zeichen des Donnerkeils, Elefantenstachels, der Fahne und des Lotus, und der durch den Glanz des Kreises seiner hoch aufragenden, roten, glänzenden Nägel die tiefe Dunkelheit des Herzens vertreibt.

Wort für Wort
sañcintayet bhagavataḥ caraṇa-aravindam
er soll auf den Lotosfuß des Herrn meditieren
vajra-aṅkuśa-dhvaja-saroruha-lāñchana-āḍhyam
reich geschmückt mit Donnerkeil-, Stachel-, Fahnen-, Lotus-Zeichen
uttuṅga-rakta-vilasan-nakha-cakravāla-jyotsnābhiḥ
durch den Glanz des Kreises der hohen, roten, glänzenden Nägel
āhata-mahat-hṛdaya-andhakāram
der die tiefe Dunkelheit des Herzens vertreibt

yac-chauca-niḥsṛta-sarit-pravarodakena tīrthena mūrdhny adhikṛtena śivaḥ śivo 'bhūt dhyātur manaḥ-śamala-śaila-nisṛṣṭa-vajraṁ dhyāyec ciraṁ bhagavataś caraṇāravindam

Er, durch dessen Waschwasser, das als heiliges Tīrtha des besten der Flüsse entsprang und auf dem Haupt Śivas getragen wird, selbst Śiva noch glückverheißender wurde – lange soll er auf diesen Lotosfuß des Herrn meditieren, der wie ein gegen den Berg der Unreinheit im Geist des Meditierenden geschleuderter Donnerkeil ist.

Wort für Wort
yat-śauca-niḥsṛta-sarit-pravara-udakena
durch das aus dessen Waschung entsprungene Wasser des besten Flusses
tīrthena mūrdhni adhikṛtena
als heiliges Tīrtha auf dem Haupt getragen
śivaḥ śivaḥ abhūt
wurde Śiva (noch) glückverheißender
dhyātuḥ manaḥ-śamala-śaila-nisṛṣṭa-vajram
ein gegen den Berg der Geistes-Unreinheit des Meditierenden geschleuderter Donnerkeil
dhyāyet ciram bhagavataḥ caraṇa-aravindam
lange soll er auf den Lotosfuß des Herrn meditieren

jānu-dvayaṁ jalaja-locanayā jananyā lakṣmyākhilasya sura-vanditayā vidhātuḥ ūrvor nidhāya kara-pallava-rociṣā yat saṁlālitaṁ hṛdi vibhor abhavasya kuryāt

Das Knie-Paar des allmächtigen, ungeborenen Herrn, das seine lotusäugige Mutter Lakṣmī – die von den Göttern verehrte Mutter des gesamten Universums, auch Brahmās – auf ihre Schenkel gelegt und mit dem Glanz ihrer knospengleichen Hände liebkost hat, möge man im Herzen betrachten.

Wort für Wort
jānu-dvayam
das Knie-Paar
jalaja-locanayā jananyā
von der lotusäugigen Mutter
lakṣmyā akhilasya sura-vanditayā vidhātuḥ
von Lakṣmī, der von den Göttern verehrten Mutter des Alls und Brahmās
ūrvoḥ nidhāya kara-pallava-rociṣā
auf ihre Schenkel gelegt, mit dem Glanz ihrer knospengleichen Hände
yat saṁlālitam
welches, liebkost
hṛdi vibhoḥ abhavasya kuryāt
möge man im Herzen des allmächtigen, ungeborenen Herrn betrachten

ūrū suparṇa-bhujayor adhi śobhamānāv ojo-nidhī atasikā-kusumāvabhāsau vyālambi-pīta-vara-vāsasi vartamāna- kāñcī-kalāpa-parirambhi nitamba-bimbam

Die beiden Schenkel, die auf den Schultern Garuḍas schön erstrahlen, beide Speicher der Kraft, im Glanz der Leinblüte leuchtend, und die runde Hüfte, auf dem herabhängenden, gelben, prächtigen Gewand befindlich, von der Gürtelkette umschlungen – [auf diese soll er meditieren].

Wort für Wort
ūrū suparṇa-bhujayoḥ adhi śobhamānau
die beiden auf Garuḍas Schultern schön erstrahlenden Schenkel
ojaḥ-nidhī atasikā-kusuma-avabhāsau
beide Kraftspeicher, im Glanz der Leinblüte
vyālambi-pīta-vara-vāsasi vartamāna
auf dem herabhängenden, gelben, prächtigen Gewand befindlich
kāñcī-kalāpa-parirambhi nitamba-bimbam
von der Gürtelkette umschlungene, runde Hüfte

nābhi-hradaṁ bhuvana-kośa-guhodara-sthaṁ yatrātma-yoni-dhiṣaṇākhila-loka-padmam vyūḍhaṁ harin-maṇi-vṛṣa-stanayor amuṣya dhyāyed dvayaṁ viśada-hāra-mayūkha-gauram

Den Nabelsee, der im Innern der Höhle liegt, die der Schatz der Welten ist, aus dem der Lotus hervorsproß – die Wohnstätte Brahmās, der alle Welten enthält –, und das Paar der smaragdgleichen Brustwarzen dieses Herrn, weiß erstrahlend vom Glanz der klaren Perlenkette – auf dieses Paar soll er meditieren.

Wort für Wort
nābhi-hradam bhuvana-kośa-guhā-udara-stham
der Nabelsee im Innern der Welten-Schatz-Höhle
yatra ātma-yoni-dhiṣaṇa-akhila-loka-padmam vyūḍham
woraus der alle Welten enthaltende Lotus, Brahmās Sitz, hervorsproß
harin-maṇi-vṛṣa-stanayoḥ amuṣya
die smaragdgleichen Brustwarzen dieses Herrn
dhyāyet dvayam viśada-hāra-mayūkha-gauram
er soll auf das Paar meditieren, weiß vom Glanz der klaren Perlenkette

vakṣo 'dhivāsam ṛṣabhasya mahā-vibhūteḥ puṁsāṁ mano-nayana-nirvṛtim ādadhānam kaṇṭhaṁ ca kaustubha-maṇer adhibhūṣaṇārthaṁ kuryān manasy akhila-loka-namaskṛtasya

Die Brust – Wohnstätte des höchsten Herrn, die Mahā-Lakṣmī birgt –, die den Menschen Freude für Geist und Augen verleiht, und den Hals, der zur Zierde des Kaustubha-Juwels dient, möge er im Geist betrachten, er, der von allen Welten verehrt wird.

Wort für Wort
vakṣaḥ adhivāsam ṛṣabhasya mahā-vibhūteḥ
die Brust, Wohnstätte des höchsten, mit großer Fülle versehenen Herrn
puṁsām manaḥ-nayana-nirvṛtim ādadhānam
die Freude für Geist und Augen der Menschen verleiht
kaṇṭham ca kaustubha-maṇeḥ adhibhūṣaṇa-artham
und den Hals, zur Zierde des Kaustubha-Juwels
kuryāt manasi akhila-loka-namaskṛtasya
möge er im Geist betrachten, dessen, der von allen Welten verehrt wird

bāhūṁś ca mandara-gireḥ parivartanena nirṇikta-bāhu-valayān adhiloka-pālān sañcintayed daśa-śatāram asahya-tejaḥ śaṅkhaṁ ca tat-kara-saroruha-rāja-haṁsam

Und die Arme, deren Armreifen durch das Drehen des Mandara-Berges poliert wurden, die die Stütze der Weltenhüter sind, soll er sich vergegenwärtigen, ebenso den Diskus mit tausend Speichen von unerträglichem Glanz, und das Muschelhorn, das wie ein königlicher Schwan in seiner Lotoshand ruht.

Wort für Wort
bāhūn ca mandara-gireḥ parivartanena
und die Arme, durch das Drehen des Mandara-Berges
nirṇikta-bāhu-valayān adhiloka-pālān
deren Armreifen poliert wurden, die Stütze der Weltenhüter
sañcintayet daśa-śata-aram asahya-tejaḥ
er soll sich das Rad mit tausend Speichen, von unerträglichem Glanz, vergegenwärtigen
śaṅkham ca tat-kara-saroruha-rāja-haṁsam
und das Muschelhorn, wie ein Schwan in seiner Lotoshand

kaumodakīṁ bhagavato dayitāṁ smareta digdhām arāti-bhaṭa-śoṇita-kardamena mālāṁ madhuvrata-varūtha-giropaghuṣṭāṁ caityasya tattvam amalaṁ maṇim asya kaṇṭhe

Er soll sich der Keule Kaumodakī erinnern, die dem Herrn lieb ist, befleckt mit dem blutigen Schlamm feindlicher Krieger, ebenso der Girlande, umsummt vom Klang der Bienenschwärme, und des makellosen Juwels an seinem Hals – des reinen Prinzips des inneren Zeugen [?].

Wort für Wort
kaumodakīm bhagavataḥ dayitām smareta
er soll sich der dem Herrn lieben Keule Kaumodakī erinnern
digdhām arāti-bhaṭa-śoṇita-kardamena
befleckt mit dem blutigen Schlamm feindlicher Krieger
mālām madhuvrata-varūtha-girā-upaghuṣṭām
der Girlande, umsummt vom Klang der Bienenschwärme
caityasya tattvam amalam maṇim asya kaṇṭhe
des reinen Juwels an seinem Hals, das Prinzip des inneren Zeugen

[Anm.: 'caityasya tattvam' – 'das Prinzip des Caitya/inneren Zeugen' als Sinnbild des Halsjuwels; Deutung unsicher, daher [?].]

bhṛtyānukampita-dhiyeha gṛhīta-mūrteḥ sañcintayed bhagavato vadanāravindam yad visphuran-makara-kuṇḍala-valgitena vidyotitāmala-kapolam udāra-nāsam

Auf das Lotosgesicht des Herrn, der aus Mitgefühl für seine Diener hier eine Gestalt angenommen hat, soll er meditieren – das Gesicht, dessen makellose Wangen durch das Schwingen der funkelnden, krokodilförmigen Ohrringe erhellt werden, mit edler Nase.

Wort für Wort
bhṛtya-anukampita-dhiyā iha gṛhīta-mūrteḥ
dessen, der aus Mitgefühl für seine Diener hier Gestalt angenommen hat
sañcintayet bhagavataḥ vadana-aravindam
er soll auf das Lotosgesicht des Herrn meditieren
yat visphuran-makara-kuṇḍala-valgitena
das durch das Schwingen der funkelnden, krokodilförmigen Ohrringe
vidyotita-amala-kapolam udāra-nāsam
erhellte, makellose Wangen, mit edler Nase

yac chrī-niketam alibhiḥ parisevyamānaṁ bhūtyā svayā kuṭila-kuntala-vṛnda-juṣṭam mīna-dvayāśrayam adhikṣipad abja-netraṁ dhyāyen manomayam atandrita ullasad-bhru

Auf das Gesicht, die Wohnstätte der Schönheit, von Bienen umschwärmt wegen seiner eigenen Pracht, geziert von einer Fülle lockigen Haares, dessen Lotusaugen – die einem Fischpaar gleichen – die Fische selbst beschämen, soll er unermüdlich, mit spielerisch erhobenen Brauen, im Geiste gebildet, meditieren.

Wort für Wort
yat śrī-niketam alibhiḥ parisevyamānam
welches, die Wohnstätte der Schönheit, von Bienen umschwärmt
bhūtyā svayā kuṭila-kuntala-vṛnda-juṣṭam
wegen seiner eigenen Pracht, geziert von lockigem Haar
mīna-dvaya-āśrayam adhikṣipat abja-netram
dessen lotusgleiche Augen das Fischpaar-Vorbild beschämen
dhyāyet manaḥ-mayam atandritaḥ ullasat-bhru
er soll unermüdlich, im Geist gebildet, mit spielenden Brauen meditieren

tasyāvalokam adhikaṁ kṛpayātighora- tāpa-trayopaśamanāya nisṛṣṭam akṣṇoḥ snigdha-smitānuguṇitaṁ vipula-prasādaṁ dhyāyec ciraṁ vipula-bhāvanayā guhāyām

Auf dessen häufigen Blick, der aus Mitleid zur Linderung der überaus furchtbaren dreifachen Leiden aus seinen Augen entsandt wird, begleitet von einem liebevollen Lächeln, voll überreicher Gnade, soll er lange, mit tiefer innerer Hingabe, im Herzen meditieren.

Wort für Wort
tasya avalokam adhikam
dessen häufigen Blick
kṛpayā atighora-tāpa-traya-upaśamanāya nisṛṣṭam akṣṇoḥ
aus Mitleid zur Linderung der überaus furchtbaren dreifachen Leiden aus seinen Augen entsandt
snigdha-smita-anuguṇitam vipula-prasādam
begleitet von liebevollem Lächeln, voll überreicher Gnade
dhyāyet ciram vipula-bhāvanayā guhāyām
er soll lange, mit tiefer Hingabe, im Herzen meditieren

hāsaṁ harer avanatākhila-loka-tīvra- śokāśru-sāgara-viśoṣaṇam atyudāram sammohanāya racitaṁ nija-māyayāsya bhrū-maṇḍalaṁ muni-kṛte makara-dhvajasya

Auf das erhabene Lächeln Haris, das den Tränenozean des heftigen Kummers aller demütigen Welten austrocknet, und auf den Bogen seiner Augenbrauen, durch seine eigene Māyā zur Bezauberung erschaffen, zum Wohle der Weisen gegen den mit dem Makara-Banner [den Liebesgott, gerichtet – auf all dies soll er meditieren].

Wort für Wort
hāsam hareḥ
das Lächeln Haris
avanata-akhila-loka-tīvra-śoka-aśru-sāgara-viśoṣaṇam
das den Tränenozean des heftigen Kummers aller demütigen Welten austrocknet
ati-udāram sammohanāya racitam nija-māyayā asya
höchst erhaben, zur Bezauberung durch seine eigene Māyā erschaffen
bhrū-maṇḍalam muni-kṛte makara-dhvajasya
der Augenbrauenbogen, zum Wohle der Weisen, gegen den mit dem Makara-Banner (Kāma)

dhyānāyanaṁ prahasitaṁ bahulādharoṣṭha- bhāsāruṇāyita-tanu-dvija-kunda-paṅkti dhyāyet svadeha-kuhare 'vasitasya viṣṇor bhaktyārdrayārpita-manā na pṛthag didṛkṣet

Auf das für die Meditation zugängliche Lächeln, dessen Reihe feiner, jasminknospengleicher Zähne vom reichlichen Glanz der Unterlippe gerötet erscheint, soll er meditieren – auf Viṣṇu, der in der Höhle des eigenen Körpers weilt –, mit einem von liebevoller Hingabe durchtränkten Geist, und er soll nicht mehr verlangen, irgendetwas anderes zu sehen.

Wort für Wort
dhyāna-ayanam prahasitam
das für die Meditation zugängliche Lächeln
bahula-adhara-oṣṭha-bhāsa-aruṇāyita-tanu-dvija-kunda-paṅkti
die vom Glanz der Unterlippe gerötete Reihe feiner, jasminknospengleicher Zähne
dhyāyet sva-deha-kuhare avasitasya viṣṇoḥ
er soll auf Viṣṇu meditieren, der in der Höhle des eigenen Körpers weilt
bhaktyā ārdrayā arpita-manāḥ
mit einem von Hingabe durchtränkten, hingegebenen Geist
na pṛthak didṛkṣet
er soll nicht verlangen, etwas anderes zu sehen

evaṁ harau bhagavati pratilabdha-bhāvo bhaktyā dravad-dhṛdaya utpulakaḥ pramodāt autkaṇṭhya-bāṣpa-kalayā muhur ardyamānas tac cāpi citta-baḍiśaṁ śanakair viyuṅkte

So, nachdem er Liebe zu Hari, dem Herrn, erlangt hat, sein Herz durch Hingabe schmelzend, mit sich sträubenden Haaren vor Freude, beständig überwältigt von einem Strom sehnsuchtsvoller Tränen, löst er allmählich auch diesen 'Angelhaken des Geistes' [das grobe Meditationsobjekt] von sich.

Wort für Wort
evam harau bhagavati pratilabdha-bhāvaḥ
so, nachdem er zu Hari, dem Herrn, Liebe erlangt hat
bhaktyā dravat-hṛdayaḥ utpulakaḥ pramodāt
durch Hingabe schmelzenden Herzens, mit sich sträubenden Haaren vor Freude
autkaṇṭhya-bāṣpa-kalayā muhuḥ ardyamānaḥ
beständig überwältigt von einem Strom sehnsuchtsvoller Tränen
tat ca api citta-baḍiśam śanakaiḥ viyuṅkte
und auch diesen Angelhaken des Geistes löst er allmählich

muktāśrayaṁ yarhi nirviṣayaṁ viraktaṁ nirvāṇam ṛcchati manaḥ sahasā yathārciḥ ātmānam atra puruṣo 'vyavadhānam ekam anvīkṣate pratinivṛtta-guṇa-pravāhaḥ

Wenn der Geist, an das Befreite Zuflucht nehmend, frei von Sinnesobjekten, entsagend, plötzlich zum Erlöschen gelangt wie eine verlöschende Flamme, dann erschaut die Person hier unmittelbar das eine Selbst, während der Strom der materiellen Erscheinungsweisen in ihr zur Ruhe gekommen ist.

Wort für Wort
mukta-āśrayam yarhi nirviṣayam viraktam
wenn, an das Befreite Zuflucht nehmend, frei von Objekten, entsagend
nirvāṇam ṛcchati manaḥ sahasā yathā arciḥ
der Geist plötzlich zum Erlöschen gelangt wie eine Flamme
ātmānam atra puruṣaḥ avyavadhānam ekam anvīkṣate
erschaut die Person hier unmittelbar das eine Selbst
pratinivṛtta-guṇa-pravāhaḥ
dessen Strom der Erscheinungsweisen zur Ruhe gekommen ist

so 'py etayā caramayā manaso nivṛttyā tasmin mahimny avasitaḥ sukha-duḥkha-bāhye hetutvam apy asati kartari duḥkhayor yat svātman vidhatta upalabdha-parātma-kāṣṭhaḥ

Er, der durch dieses endgültige Aufhören des Geistes in jener [eigenen] Erhabenheit verweilt, jenseits von Lust und Leid, [erkennt, dass] die Ursächlichkeit für Lust und Leid in Wahrheit dem nicht-wirklichen [falschen] Handelnden [dem Ego] zugehört – er, der die höchste Grenze der Erkenntnis des Höchsten Selbst erlangt hat [?].

Wort für Wort
saḥ api etayā caramayā manasaḥ nivṛttyā
er, durch dieses endgültige Aufhören des Geistes
tasmin mahimni avasitaḥ sukha-duḥkha-bāhye
in jener Erhabenheit verweilend, jenseits von Lust und Leid
hetutvam api asati kartari duḥkhayoḥ yat
die Ursächlichkeit, die dem nicht-wirklichen Handelnden für die beiden (Lust/Leid) zugehört
sva-ātman vidhatte
dem eigenen Selbst zuschreibt/beilegt
upalabdha-para-ātma-kāṣṭhaḥ
der die höchste Grenze der Erkenntnis des Höchsten Selbst erlangt hat

[Anm.: Vers philosophisch sehr verdichtet und syntaktisch mehrdeutig (Bezug von 'vidhatte' auf 'sva-ātman' unklar); Übersetzung als beste Annäherung markiert [?].]

dehaṁ ca taṁ na caramaḥ sthitam utthitaṁ vā siddho vipaśyati yato 'dhyagamat svarūpam daivād upetam atha daiva-vaśād apetaṁ vāso yathā parikṛtaṁ madirā-madāndhaḥ

Und diesen Körper – ob er nun sitzt oder aufsteht – sieht der Vollendete nicht mehr als sein letztes eigentliches Selbst, da er seine wahre Gestalt erlangt hat; er betrachtet ihn wie ein Kleidungsstück, das durch Schicksal angelegt und wieder durch die Macht des Schicksals abgelegt wird – so wie ein vom Weinrausch Verblendeter [sein Gewand kaum bemerkt].

Wort für Wort
deham ca tam na caramaḥ sthitam utthitam vā
und diesen Körper, sitzend oder stehend, nicht als letztes (Selbst)
siddhaḥ vipaśyati yataḥ adhyagamat sva-rūpam
sieht der Vollendete, da er seine wahre Gestalt erlangt hat
daivāt upetam atha daiva-vaśāt apetam
durch Schicksal gekommen und durch die Macht des Schicksals gegangen
vāsaḥ yathā parikṛtam madirā-mada-andhaḥ
wie ein angelegtes Gewand, das ein vom Weinrausch Verblendeter (kaum bemerkt)

deho 'pi daiva-vaśagaḥ khalu karma yāvat svārambhakaṁ pratisamīkṣata eva sāsuḥ taṁ sa-prapañcam adhirūḍha-samādhi-yogaḥ svāpnaṁ punar na bhajate pratibuddha-vastuḥ

Auch der Körper, dem Schicksal unterworfen, besteht mitsamt seinen Sinnen fort, solange das von ihm selbst begonnene Karma wirkt; doch wer zur Höhe des Samādhi-Yoga aufgestiegen und zum wahren Wesen erwacht ist, nimmt diesen Körper mitsamt seiner Entfaltung nicht wieder als sein eigen an – wie man nach dem Erwachen einen Traumkörper nicht mehr für real hält.

Wort für Wort
dehaḥ api daiva-vaśagaḥ khalu
auch der Körper, dem Schicksal unterworfen, wahrlich
karma yāvat sva-ārambhakam pratisamīkṣate eva sa-asuḥ
solange das von ihm selbst begonnene Karma wirkt, bleibt er mit den Lebenskräften bestehen
tam sa-prapañcam adhirūḍha-samādhi-yogaḥ
diesen mitsamt seiner Entfaltung, er, der zur Höhe des Samādhi-Yoga aufgestiegen ist
svāpnam punaḥ na bhajate pratibuddha-vastuḥ
nimmt nicht wieder als Traum(-Körper) an, zum wahren Wesen erwacht

yathā putrāc ca vittāc ca pṛthaṅ martyaḥ pratīyate apy ātmatvenābhimatād dehādeḥ puruṣas tathā

Wie der Sterbliche, obwohl er Sohn und Vermögen als zu seinem eigenen Selbst gehörig erachtet, dennoch als von ihnen verschieden erkannt wird, so ist ebenso die wahre Person verschieden vom Körper und den übrigen äußeren Hüllen.

Wort für Wort
yathā putrāt ca vittāt ca
wie von seinem Sohn und von seinem Vermögen
pṛthak martyaḥ pratīyate
der Sterbliche als getrennt erkannt wird
api ātmatvena abhimatāt
obwohl als zum eigenen Selbst gehörig erachtet
deha-ādeḥ puruṣaḥ tathā
so die (wahre) Person vom Körper und den übrigen (Hüllen)

yatholmukād visphuliṅgād dhūmād vāpi sva-sambhavāt apy ātmatvenābhimatād yathāgniḥ pṛthag ulmukāt

Wie das Feuer, obgleich Funke und Rauch, die von ihm selbst entstanden sind, als zu seinem eigenen Wesen gehörig erachtet werden, dennoch verschieden ist von der Fackel selbst –

Wort für Wort
yathā ulmukāt visphuliṅgāt
wie von der Fackel, vom Funken
dhūmāt vā api sva-sambhavāt
oder auch vom Rauch, von ihm selbst entstanden
api ātmatvena abhimatāt
obgleich als zum eigenen Wesen gehörig erachtet
yathā agniḥ pṛthak ulmukāt
so ist das Feuer verschieden von der Fackel

bhūtendriyāntaḥ-karaṇāt pradhānāj jīva-saṁjñitāt ātmā tathā pṛthag draṣṭā bhagavān brahma-saṁjñitaḥ

– ebenso ist das Selbst, der reine Zeuge, der Erhabene, als Brahman bezeichnet, verschieden von den groben Elementen, den Sinnen und dem inneren Organ, verschieden von der Urmaterie, die als 'Jīva' bezeichnet wird.

Wort für Wort
bhūta-indriya-antaḥ-karaṇāt
von den Elementen, Sinnen und dem inneren Organ
pradhānāt jīva-saṁjñitāt
von der Urmaterie, die als Jīva bezeichnet wird
ātmā tathā pṛthak draṣṭā
so ist das Selbst, der Zeuge, verschieden (davon)
bhagavān brahma-saṁjñitaḥ
der Erhabene, als Brahman bezeichnet

sarva-bhūteṣu cātmānaṁ sarva-bhūtāni cātmani īkṣetānanya-bhāvena bhūteṣv iva tad-ātmatām

Und er soll das Selbst in allen Wesen und alle Wesen im Selbst erschauen, mit einer Haltung der Nicht-Verschiedenheit, so wie er in den Wesen auch dessen Wesenseinheit erblicken soll.

Wort für Wort
sarva-bhūteṣu ca ātmānam
und das Selbst in allen Wesen
sarva-bhūtāni ca ātmani
und alle Wesen im Selbst
īkṣeta ananya-bhāvena
er soll mit einer Haltung der Nicht-Verschiedenheit erschauen
bhūteṣu iva tat-ātmatām
wie in den Wesen dessen Wesenseinheit

sva-yoniṣu yathā jyotir ekaṁ nānā pratīyate yonīnāṁ guṇa-vaiṣamyāt tathātmā prakṛtau sthitaḥ

Wie das Feuer, obwohl eines, in seinen verschiedenen Brennstoffen aufgrund der Ungleichheit der Eigenschaften der Brennstoffe verschieden erscheint, so erscheint auch das Selbst, das in der materiellen Natur weilt, verschieden.

Wort für Wort
sva-yoniṣu yathā jyotiḥ
wie das Feuer in seinen (verschiedenen) Ursprüngen/Brennstoffen
ekam nānā pratīyate
obwohl eines, verschieden erscheint
yonīnām guṇa-vaiṣamyāt
wegen der Ungleichheit der Eigenschaften der Brennstoffe
tathā ātmā prakṛtau sthitaḥ
so das Selbst, das in der materiellen Natur weilt

tasmād imāṁ svāṁ prakṛtiṁ daivīṁ sad-asad-ātmikām durvibhāvyāṁ parābhāvya svarūpeṇāvatiṣṭhate

Deshalb, nachdem er diese seine eigene, göttliche, aus grobem und feinem Sein bestehende, schwer zu begreifende Natur überwunden hat, verweilt er in seiner eigenen wahren Gestalt.

Wort für Wort
tasmāt imām svām prakṛtim
deshalb diese seine eigene Natur
daivīm sat-asat-ātmikām
die göttliche, aus Sein und Nichtsein (grob und fein) bestehende
durvibhāvyām parābhāvya
die schwer zu begreifende, überwunden habend
svarūpeṇa avatiṣṭhate
verweilt er in seiner eigenen wahren Gestalt

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