Maitreya sprach: Als der Sohn Venas [Pṛthu], der Selbstbeherrschte, einst gesehen hatte, dass sein Körper gealtert war – er, der Herr der Untertanen, der durch sich selbst seine gesamte eigene Schöpfung [Nachkommenschaft, Reichtum] vermehrt hatte, der den Beweglichen und Unbeweglichen Unterhalt gab und der Dharma-Wahrer der Rechtschaffenen war, der den Befehl des Herrn erfüllt hatte, zu dessen Zweck er hier [auf Erden] geboren worden war –, da übergab er seinen Söhnen [die Erde], seine Tochter, die wie aus Trennungsschmerz zu weinen schien, und ging, allein, nur mit seiner Gattin, von den betrübten Untertanen fort in den Büßerwald.
Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach (Nom. + Perf.)
dṛṣṭvā
gesehen habend (Absolutiv)
ātmānam
den Körper/das Selbst (Akk.)
pravayasam
gealtert, vorgerückt an Jahren (Akk. Adj.)
ekadā
einst (Adv.)
vainyaḥ
der Sohn Venas [Pṛthu] (Nom.)
ātma-vān
selbstbeherrscht, seiner selbst kundig (Nom.)
ātmanā
durch sich selbst (Instr.)
vardhita-aśeṣa-sva-anusargaḥ
der seine gesamte eigene Schöpfung/Nachkommenschaft vermehrt hatte (Nom. Bahuvrihi)
prajā-patiḥ
der Herr der Untertanen (Nom.)
jagataḥ
der beweglichen [Geschöpfe] (Gen.)
tasthuṣaḥ
der unbeweglichen [Geschöpfe] (Gen.)
ca api
und auch/sogar
vṛtti-daḥ
Unterhalt-Geber (Nom.)
dharma-bhṛt
Dharma-Wahrer (Nom.)
satām
der Rechtschaffenen (Gen. Pl.)
niṣpādita-īśvara-ādeśaḥ
der den Befehl des Herrn ausgeführt hatte (Nom. Bahuvrihi)
yad-artham
wozu, zu welchem Zweck
iha
hier (auf Erden)
jajñivān
geboren worden war (Perf.-Part. Nom.)
ātmajeṣu
unter/an seine Söhne (Lok. Pl.)
ātmajām
die Tochter [= die Erde] (Akk.)
nyasya
anvertrauend, übergebend (Absolutiv)
virahāt
aus Trennung(sschmerz) (Abl.)
rudatīm iva
wie weinend (Akk. Part. + Partikel)
prajāsu
unter den Untertanen (Lok. Pl.)
vimanaḥsu
den betrübten (Lok. Pl.)
ekaḥ
allein (Nom.)
sa-dāraḥ
mit [seiner] Gattin (Nom. Bahuvrihi)
agāt
er ging (Aorist)
tapaḥ-vanam
in den Büßerwald (Akk.)
Vers 1-3 bilden auf vedabase.io eine kombinierte Einheit. 'ātmajām' (wörtl. 'Tochter') bezeichnet hier die Erde, die als Pṛthus 'Tochter' gilt.
Auch dort begann er, in der von den Vaikhānasa-Asketen wohlanerkannten [Ordnung], mit unfehlbarer Gelübdetreue strenge Askese – ebenso [entschlossen], wie einst bei seiner [Welt-]Eroberung.
Wort für Wort
tatra
dort (im Wald)
api
auch, sogar
adābhya-niyamaḥ
unfehlbare Gelübdetreue (Nom.)
vaikhānasa-susammate
in der von den Vaikhānasas wohlanerkannten [Ordnung] (Lok.)
Er nährte sich von Wurzeln und Früchten, aß manchmal trockene Blätter, [dann] nur Wasser, für einige Halbmonate, und danach schließlich nur [noch] Luft.
Wort für Wort
kanda-mūla-phala-āhāraḥ
der sich von Knollen, Wurzeln und Früchten ernährte (Nom.)
Im Sommer [übte er], der Held, die Fünf-Feuer-Askese; in der Regenzeit ertrug er, gleich einem Weisen, die [herabstürzenden] Regenschauer; im Winter [stand er] bis zum Hals im Wasser eingetaucht, [sonst] schlief er auf bloßem Boden.
Wort für Wort
grīṣme
im Sommer (Lok.)
pañca-tapāḥ
die Fünf-Feuer-Askese übend (Nom.)
vīraḥ
der Held (Nom.)
varṣāsu
in der Regenzeit (Lok.)
āsāra-ṣāṭ
der Regenschauer erträgt (Nom.) [?]
muniḥ
wie ein Weiser (Nom.)
ākaṇṭha-magnaḥ
bis zum Hals eingetaucht (Nom.)
śiśire
im Winter (Lok.)
udake
im Wasser (Lok.)
sthaṇḍile-śayaḥ
auf bloßem Boden liegend (Nom.)
sthaṇḍileśayaḥ bezieht sich vermutlich auf die übrige Zeit außerhalb der drei genannten Jahreszeiten-Askesen.
titikṣur yata-vāg dānta ūrdhva-retā jitānilaḥ ārirādhayiṣuḥ kṛṣṇam acarat tapa uttamam
Duldsam, [seine] Rede gezügelt, [seine] Sinne beherrschend, keusch [den Samen zurückhaltend], [seinen] Atem bezwingend, und danach verlangend, Kṛṣṇa zu verehren, übte er die höchste Askese.
Wort für Wort
titikṣuḥ
duldsam, geduldig (Nom.)
yata-vāk
der die Rede gezügelt hat (Nom.)
dāntaḥ
der die Sinne beherrscht (Nom.)
ūrdhva-retāḥ
keusch, den Samen zurückhaltend (Nom.)
jita-anilaḥ
der den Lebensatem bezwungen hat (Nom.)
ārirādhayiṣuḥ
danach verlangend zu verehren (Desiderativ-Nomen, Nom.)
tena kramānusiddhena dhvasta-karma-malāśayaḥ prāṇāyāmaiḥ sanniruddha-ṣaḍ-vargaś chinna-bandhanaḥ
Durch diese [Askese], die stufenweise zur Vollendung geführt wurde, war [sein] Herz vom Schmutz der karmischen [Reaktionen] gereinigt; durch Atemkontrolle hatte er die Sechsergruppe [Geist und Sinne] gebändigt und [seine] Fesseln durchtrennt.
Wort für Wort
tena
durch dieses (Instr.)
krama-anusiddhena
das stufenweise vollendet wurde (Instr.)
dhvasta-karma-mala-āśayaḥ
dessen Herz vom Schmutz der karmischen Reaktionen vernichtet/gereinigt war (Nom.)
prāṇāyāmaiḥ
durch Atemkontrollübungen (Instr. Pl.)
sanniruddha-ṣaḍ-vargaḥ
dessen Sechsergruppe [Geist und fünf Sinne] gebändigt war (Nom.)
sanat-kumāro bhagavān yad āhādhyātmikaṁ param yogaṁ tenaiva puruṣam abhajat puruṣarṣabhaḥ
Was Sanat-kumāra, der Erhabene, als höchsten spirituellen Yoga verkündet hatte, eben dadurch verehrte er, der Beste unter den Menschen, die [Höchste] Person.
Bei dem Frommen, der den Dienst des Erhabenen ausübte und sich stets mit Glauben bemühte, entstand [so] ausschließliche, auf nichts anderes gerichtete Hingabe zum Erhabenen, dem [Ursprung des unpersönlichen] Brahman.
Wort für Wort
bhagavat-dharmiṇaḥ
der den Dienst des Erhabenen ausübte (Gen.)
sādhoḥ
des Frommen (Gen., Pṛthu)
śraddhayā
mit Glauben (Instr.)
yatataḥ
der sich beständig bemühte (Gen. Part.)
sadā
immer
bhaktiḥ
Hingabe (Nom.)
bhagavati brahmaṇi
zum Erhabenen, dem [Ursprung des] Brahman (Lok.)
ananya-viṣayā
auf nichts anderes gerichtet, ausschließlich (Nom.)
Durch diese [Hingabe] entstand ihm – dessen Wesen durch den [hingebungsvollen] Dienst des Erhabenen [ganz] gereinigtes Sattva geworden war – durch die vollständige Erfüllung des beständigen Erinnerns an Ihn ein von Entsagung begleitetes Wissen, mit dem, geschärft, er den Sitz des Zweifels, die eigene Hülle des Lebewesens, durchtrennte.
Wort für Wort
tasya
seines (Gen., Pṛthu)
anayā
durch diese [Hingabe] (Instr. Fem.)
bhagavataḥ
des Erhabenen (Gen.)
parikarma-śuddha-sattva-ātmanaḥ
dessen Wesen durch [den] Dienst gereinigtes Sattva war (Gen. Bahuvrihi)
tat-anusaṁsmaraṇa-anupūrtyā
durch die vollständige Erfüllung des beständigen Erinnerns an Ihn (Instr.)
jñānam
Wissen, Erkenntnis (Nom.)
virakti-mat
von Entsagung begleitet (Nom.)
abhūt
entstand, wurde (Aorist)
niśitena
durch das geschärfte [Wissen] (Instr.)
yena
wodurch (Instr. Relativ)
ciccheda
er durchtrennte (Perf.)
saṁśaya-padam
den Sitz des Zweifels (Akk.)
nija-jīva-kośam
die eigene Hülle des Lebewesens (Akk.)
Syntaktisch dichter Vers; [?] bei der genauen Zuordnung einzelner Kompositionsglieder.
chinnānya-dhīr adhigatātma-gatir nirīhas tat tatyaje 'cchinad idaṁ vayunena yena tāvan na yoga-gatibhir yatir apramatto yāvad gadāgraja-kathāsu ratiṁ na kuryāt
Er, dessen Denken an anderes abgeschnitten war, der das [wahre] Ziel des Selbst erlangt hatte, wunschlos, gab dies auf – [ja] durchtrennte es mit dem Wissen, wodurch [es sich verhält, dass] ein Asket niemals durch die Errungenschaften des Yoga unbeirrt [vollkommen ist], solange er nicht Zuneigung zu den Erzählungen von Gadāgraja [Kṛṣṇa] entwickelt.
Wort für Wort
chinna-anya-dhīḥ
dessen Denken an anderes abgeschnitten war (Nom.)
adhigata-ātma-gatiḥ
der das Ziel des Selbst erlangt hatte (Nom.)
nirīhaḥ
wunschlos (Nom.)
tat
das (Akk.)
tatyaje
er gab auf (Perf.)
acchinat
er durchtrennte (Imperf.)
idam
dies (Akk.)
vayunena
durch [dieses] Wissen (Instr.)
yena
wodurch
tāvat na ... yāvat na kuryāt
nicht eher ..., solange er nicht entwickelt (Korrelativkonstruktion)
yoga-gatibhiḥ
durch die Errungenschaften des Yoga (Instr.)
yatiḥ
ein Asket (Nom.)
apramattaḥ
unbeirrt (Nom.)
gadāgraja-kathāsu
an den Erzählungen von Gadāgraja [Kṛṣṇa] (Lok.)
ratim
Zuneigung (Akk.)
na kuryāt
er möge nicht entwickeln (Optativ)
Gadāgraja = 'älterer Bruder Gadas', Beiname Kṛṣṇas.
So vereinigte er, der Beste der Helden, das [individuelle] Selbst fest mit dem [Über-]Selbst, zu Brahman geworden, und gab zur [rechten] Zeit seinen Leib auf.
Den After mit den Fersen verschließend, die Lebensluft allmählich hinauftreibend, sie vom Nabel aus in den Körperregionen – Herz, Brust, Kehle und Kopf – fixierend,
[Sie] wunschlos stufenweise zum Scheitel hinaufführend, vereinigte er [die Elemente seines Körpers mit ihren kosmischen Gegenstücken]: die [körpereigene] Luft mit der [kosmischen] Luft, den [erdhaften Teil des] Körpers mit der Erde, das Feuer[element] mit dem [kosmischen] Feuer,
Wort für Wort
utsarpayan
hinaufführend (Präs.-Part.)
tu
aber, weiter
tam
sie [die Lebensluft] (Akk.)
mūrdhni
zum Scheitel (Lok.)
krameṇa
stufenweise
āveśya
hineinführend (Absolutiv)
niḥspṛhaḥ
wunschlos (Nom.)
vāyum vāyau
die körpereigene Luft in die kosmische Luft (Akk./Lok.)
kṣitau kāyam
den [erdhaften] Körper in die Erde (Akk./Lok.)
tejaḥ tejasi
das Feuerelement ins kosmische Feuer (Akk./Lok.)
ayūyujat
er vereinigte (Aorist/Perf.)
Fortsetzung des vorigen Verses; Beschreibung der yogischen Auflösung der Körperelemente in ihre kosmischen Entsprechungen.
die Hohlräume [seines Körpers] mit dem [kosmischen] Äther, das Flüssige mit dem [kosmischen] Wasser – jeweils an ihrem Ort, der Reihe nach [aufgelöst]; [dann löste er] die Erde ins Wasser, dieses ins Feuer, dieses in die Luft, diese in den Äther,
Wort für Wort
khāni
die Hohlräume/Öffnungen [des Körpers] (Akk. Pl.)
ākāśe
mit dem [kosmischen] Äther (Lok.)
dravam
das Flüssige (Akk.)
toye
mit dem kosmischen Wasser (Lok.)
yathā-sthānam
jeweils an seinem Ort
vibhāgaśaḥ
der Reihe nach, einzeln aufgeteilt
kṣitim ambhasi
die Erde ins Wasser (Akk./Lok.)
tat tejasi
dieses [Wasser] ins Feuer (Akk./Lok.)
adaḥ vāyau
jenes [Feuer] in die Luft (Akk./Lok.)
nabhasi amum
jene [Luft] in den Äther (Lok./Akk.)
Standardfolge der Elemente-Auflösung (Erde→Wasser→Feuer→Luft→Äther).
Den Geist [ordnete er] den Sinnesorganen zu; diese [Sinne wiederum ordnete er] ihren [feinstofflichen] Sinnesobjekten entsprechend ihrer Herkunft zu; und indem er diese mittels des [Ich-Bewusstseins als] Ursprung der Elemente herauszog, fügte er [alles] in das Mahat, [das kosmische] Selbst, ein.
Wort für Wort
indriyeṣu
den Sinnesorganen (Lok.)
manaḥ
der Geist (Nom./Akk.)
tāni
diese [Sinnesorgane] (Akk. Pl.)
tan-mātreṣu
in die [feinstofflichen] Sinnesobjekte (Lok.)
yathā-udbhavam
entsprechend ihrer Herkunft
bhūta-ādinā
durch das Bhūtādi [Ich-Bewusstsein, Ursprung der Elemente] (Instr.)
amūni
diese (Akk. Pl.)
utkṛṣya
herausziehend (Absolutiv)
mahati
in das Mahat [kosmische Intelligenz] (Lok.)
ātmani
in das Selbst (Lok.)
sandadhe
er fügte ein, vereinigte (Perf.)
[?] Technische sāṅkhya-Terminologie der yogischen Auflösung von Sinnen/Geist/Ahaṅkāra in Mahat; genaue Richtung der Kompositionsglieder unsicher.
Diese Zusammensetzung, die Anordnung aller [drei] Erscheinungsweisen, legte er in das aus Māyā bestehende Lebewesen; und jene Anhäufung [karmischer Prägungen], die im Selbst wohnte, gab er, der [einst] damit behaftete Mensch, der Meister, nun in seiner Wesensform verweilend, durch die Kraft von Wissen und Entsagung auf.
Wort für Wort
tam
dieses (Akk.)
sarva-guṇa-vinyāsam
die Anordnung aller Erscheinungsweisen (Akk.)
jīve māyā-maye
in das aus Māyā bestehende Lebewesen (Lok.)
nyadhāt
er legte hinein (Imperf.)
tam ca anuśayam
und diese Anhäufung [von Prägungen] (Akk.)
ātma-stham
im Selbst befindlich (Akk.)
asau
jener (Nom., Pṛthu)
anuśayī
der [zuvor] damit Behaftete (Nom.)
pumān
der Mensch (Nom.)
jñāna-vairāgya-vīryeṇa
durch die Kraft von Wissen und Entsagung (Instr.)
svarūpa-sthaḥ
in seiner Wesensform verweilend (Nom.)
ajahāt
er gab auf (Imperf.)
prabhuḥ
der Meister (Nom.)
[?] Bezug von 'tam' auf den in V.17 genannten Aggregat-Komplex.
Arci mit Namen, die große Königin, seine Gattin, war ihm in den Wald gefolgt – sie, die Zartgliedrige, die dessen eigentlich nicht würdig war, deren Füßen [schon] die bloße Berührung der Erde [zu rau war].
Durch übergroße Standhaftigkeit in Gelübde und Pflicht gegenüber [ihrem] Gatten, durch [ihren] Dienst und die karge, den Weisen gemäße Lebensführung des Körpers empfand sie, obgleich [dadurch] abgemagert, kein Leid – sie, deren Zufriedenheit die wonnevolle Berührung und Wertschätzung [ihres Gatten] war.
Wort für Wort
atīva
sehr, über die Maßen
bhartuḥ
des Gatten (Gen.)
vrata-dharma-niṣṭhayā
durch Standhaftigkeit in Gelübde und Pflicht (Instr.)
śuśrūṣayā
durch [ihren] Dienst (Instr.)
ca
und
ārṣa-deha-yātrayā
durch die den Weisen gemäße karge Lebensführung des Körpers (Instr.)
na avindata
sie empfand nicht (Imperf.)
ārtim
Leid (Akk.)
parikarśitā api
obwohl abgemagert (Nom.)
sā
sie (Nom.)
preyaskara-sparśana-māna-nirvṛtiḥ
deren Zufriedenheit die wonnevolle Berührung/Wertschätzung war (Nom.)
dehaṁ vipannākhila-cetanādikaṁ patyuḥ pṛthivyā dayitasya cātmanaḥ ālakṣya kiñcic ca vilapya sā satī citām athāropayad adri-sānuni
Als sie den Körper ihres Gatten, des von der Erde Geliebten und ihr selbst [teuren Gemahls], erblickte, an dem alle Lebenszeichen gänzlich erloschen waren, und ein wenig wehklagte, da bestieg sie, die Tugendhafte, den Scheiterhaufen auf dem Bergrücken.
Wort für Wort
deham
den Körper (Akk.)
vipanna-akhila-cetana-ādikam
dessen sämtliche Lebenszeichen erloschen waren (Akk.)
patyuḥ
des Gatten (Gen.)
pṛthivyāḥ dayitasya
des von der Erde Geliebten (Gen.)
ca ātmanaḥ
und des eigenen [Gatten] (Gen.)
ālakṣya
erblickend (Absolutiv)
kiñcit ca vilapya
und ein wenig wehklagend (Absolutiv)
sā satī
sie, die Tugendhafte (Nom.)
citām
den Scheiterhaufen (Akk.)
atha
dann
āropayat
sie bestieg/legte hinauf (Kausativ Imperf.)
adri-sānuni
auf dem Bergrücken (Lok.)
[?] Genaues Objekt von 'āropayat' (bestieg [ihn]/legte [ihn hinauf]) bleibt zweideutig.
Nachdem sie, im Flusswasser gebadet, die [vorgeschriebene] Pflicht vollzogen, für [ihren] Gatten von edlen Taten das Wasseropfer dargebracht, sich vor den im Himmel weilenden Göttern verneigt und [sie] dreimal umschritten hatte, betrat sie, über die Füße [ihres] Gatten meditierend, das Feuer.
Als sie die tugendhafte [Arci] erblickten, die [ihrem] Gatten Pṛthu, dem Besten der Helden, gefolgt war, priesen die Gattinnen der Götter zu Tausenden, zusammen mit den segenspendenden Göttern, [sie].
Wort für Wort
vilokya
erblickend (Absolutiv)
anugatām
die gefolgte (Akk.)
sādhvīm
die Tugendhafte (Akk.)
pṛthum vīra-varam patim
[ihrem] Gatten Pṛthu, dem Besten der Helden (Akk.)
kurvatyaḥ kusumāsāraṁ tasmin mandara-sānuni nadatsv amara-tūryeṣu gṛṇanti sma parasparam
Während sie, auf jenem Gipfel des [Berges] Mandara, einen Blütenregen hervorbrachten und die Instrumente der Unsterblichen erklangen, sprachen sie zueinander:
Wort für Wort
kurvatyaḥ
hervorbringend (Präs.-Part. Nom. Pl. Fem.)
kusuma-āsāram
einen Blütenregen (Akk.)
tasmin mandara-sānuni
auf jenem Gipfel des Mandara (Lok.)
nadatsu amara-tūryeṣu
während die Instrumente der Unsterblichen erklangen (Lok. Absolutiv)
Die Göttinnen sprachen: Ach, glückgesegnet ist diese Gattin, die so, mit ihrem ganzen Selbst, den Gatten, den Herrn der Erdbeherrscher, verehrte – ihn, den Herrn des Opfers, wie [die Göttin] Śrī [ihren Gemahl Viṣṇu verehrt].
teṣāṁ durāpaṁ kiṁ tv anyan martyānāṁ bhagavat-padam bhuvi lolāyuṣo ye vai naiṣkarmyaṁ sādhayanty uta
Was könnte da für jene Sterblichen, deren Lebensspanne auf Erden [so] flüchtig ist, noch schwer zu erreichen sein, die dennoch Handlungslosigkeit [naiṣkarmya] erlangen? [Selbst] der Zustand des Erhabenen [ist ihnen nicht verwehrt]!
Wort für Wort
teṣām
für jene (Gen. Pl.)
durāpam
schwer erreichbar (Nom.)
kim tu anyat
was denn anderes
martyānām
für die Sterblichen (Gen. Pl.)
bhagavat-padam
der Zustand des Erhabenen (Nom.)
bhuvi
auf Erden (Lok.)
lola-āyuṣaḥ
deren Lebensspanne flüchtig ist (Gen. Pl.)
ye vai
die gewiss (Nom. Pl.)
naiṣkarmyam
Freiheit von [bindendem] Handeln (Akk.)
sādhayanti
sie erlangen (Präs.)
uta
sogar, wahrlich
[?] Rhetorische Struktur des Verses; 'bhagavat-padam' als impliziertes Beispiel des ohnehin nicht Unerreichbaren.
sa vañcito batātma-dhruk kṛcchreṇa mahatā bhuvi labdhvāpavargyaṁ mānuṣyaṁ viṣayeṣu viṣajjate
Ach, fürwahr betrogen ist [ein solcher], sich selbst schädigender Mensch, der, nachdem er auf Erden durch große Mühe die zur Befreiung [geeignete] Menschengeburt erlangt hat, sich [dennoch wieder] an die Sinnesobjekte verstrickt.
Maitreya sprach: Während die Frauen der Unsterblichen [sie so] priesen, gelangte die Gattin zur Welt [ihres] Gatten – eben zu jener [Welt], die der Vorzüglichste unter den Selbstkundigen, der Sohn Venas, der im Unfehlbaren Zuflucht hatte, erreicht hatte.
Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
stuvatīṣu amara-strīṣu
während die Frauen der Unsterblichen priesen (Lok. Absolutiv)
ittham-bhūtānubhāvo 'sau pṛthuḥ sa bhagavattamaḥ kīrtitaṁ tasya caritam uddāma-caritasya te
Von solcher Wirkkraft war jener Pṛthu, er, der Gottnächste – dessen Lebenswandel, dessen Taten außerordentlich [groß waren], wurde dir [nun] dargelegt.
ya idaṁ sumahat puṇyaṁ śraddhayāvahitaḥ paṭhet śrāvayec chṛṇuyād vāpi sa pṛthoḥ padavīm iyāt
Wer diese sehr große, verdienstvolle [Erzählung] mit Glauben und Aufmerksamkeit liest, [andere] hören lässt oder [selbst] hört, der möge den Zustand des Pṛthu erlangen.
Wort für Wort
yaḥ
wer (Nom.)
idam su-mahat puṇyam
diese sehr große verdienstvolle [Erzählung] (Akk.)
Ein Brahmane wird, indem er [es] liest, von geistlicher Ausstrahlung erfüllt, ein Angehöriger des Kriegerstandes zum Herrn der Welt, ein Angehöriger des Händlerstandes würde zum Herrn der Vaiśyas, ein Angehöriger des Dienerstandes möge den Zustand der Höchstvortrefflichen erlangen.
Wort für Wort
brāhmaṇaḥ
ein Brahmane (Nom.)
brahma-varcasvī
von geistlicher Ausstrahlung erfüllt (Nom.)
rājanyaḥ
ein Angehöriger des Kriegerstandes (Nom.)
jagatī-patiḥ
Herr der Welt (Nom.)
vaiśyaḥ
ein Angehöriger des Händlerstandes (Nom.)
paṭhan
lesend (Präs.-Part.)
viṭ-patiḥ syāt
würde zum Herrn der Vaiśyas (Optativ)
śūdraḥ
ein Angehöriger des Dienerstandes (Nom.)
sattamatām iyāt
möge den Zustand der Höchstvortrefflichen erlangen (Optativ)
Nachdem ein Mann oder eine ehrerbietige Frau dies dreimal gehört hat: der Kinderlose wird zum Reichbeschenkten an Nachkommen, der Mittellose wird zum Reichsten.
[Dies ist] reichtumbringend, ruhmbringend, lebensverlängernd, himmelserlangend, und beseitigt den Schmutz des [Zeitalters] Kali. Von denen, die die vollständige Vollendung von Tugend, Wohlstand, Sinnesfreude und Befreiung begehren, muss dies mit Glauben angehört werden – es ist die höchste Ursache dieser vier [Ziele].
Wort für Wort
dhanyam
reichtumbringend (Nom./Akk.)
yaśasyam
ruhmbringend
āyuṣyam
lebensverlängernd
svargyam
himmelserlangend
kali-mala-apaham
das den Schmutz des Kali-Zeitalters beseitigt
dharma-artha-kāma-mokṣāṇām
von Tugend, Wohlstand, Sinnesfreude und Befreiung (Gen. Pl.)
Ein König, der, nachdem er dies gehört hat, auf den Sieg [seines Feldzugs] ausgezogen ist, dem bringen [andere] Könige von sich aus Tribut dar – so wie [einst dem König] Pṛthu.
Wort für Wort
vijaya-abhimukhaḥ
dem Sieg zugewandt (Nom.)
rājā
ein König (Nom.)
śrutvā etat
dies gehört habend (Absolutiv)
abhiyāti
er zieht aus (Präs.)
yān
[?] auf dem Wagen/Weg (Akk.)
balim
Tribut (Akk.)
tasmai
ihm (Dat.)
haranti
sie bringen dar (Präs.)
agre
von sich aus, zuvor
rājānaḥ
andere Könige (Nom. Pl.)
pṛthave yathā
wie einst dem Pṛthu (Dat. + Vergleichspartikel)
[?] 'yān' (evtl. 'auf dem Wagen' bzw. Fahrzeug) bleibt in der genauen morphologischen Zuordnung unsicher.
Wer, von aller anderen [weltlichen] Bindung befreit, makellose Hingabe für den Erhabenen pflegt, der möge die fromme Lebensgeschichte des Sohnes Venas hören, [andere] hören lassen und lesen.
Wort für Wort
mukta-anya-saṅgaḥ
von aller anderen Bindung befreit (Nom.)
bhagavati
für den Erhabenen (Lok.)
amalām bhaktim
makellose Hingabe (Akk.)
udvahan
pflegend, tragend (Präs.-Part.)
vainyasya caritam puṇyam
die fromme Lebensgeschichte des Sohnes Venas (Akk.)
[Dies], o Sohn des Vicitravīrya, wurde dir dargelegt – [eine Erzählung], die die Größe des Erhabenen anzeigt. Wer [an] die in ihr vollbrachte übermenschliche [Tat glaubt], möge den Zustand [des Gefolgten] Pṛthus erlangen.
Wort für Wort
vaicitravīrya
o Sohn des Vicitravīrya [Vidura] (Vok./Bezug)
abhihitam
dargelegt, verkündet (Ppp.)
mahat-māhātmya-sūcakam
das die Größe des Erhabenen anzeigt (Nom./Akk.)
asmin
in dieser [Erzählung] (Lok.)
kṛtam ati-martyam
die vollbrachte übermenschliche [Tat] (Akk.)
pārthavīm gatim
den Zustand des Pṛthu-Gefolgten (Akk.)
āpnuyāt
er möge erlangen (Optativ)
[?] Genauer syntaktischer Bezug von 'kṛtam atimartyam' auf ein implizites Subjekt des Hörens/Glaubens.
anudinam idam ādareṇa śṛṇvan pṛthu-caritaṁ prathayan vimukta-saṅgaḥ bhagavati bhava-sindhu-pota-pāde sa ca nipuṇāṁ labhate ratiṁ manuṣyaḥ
Wer Tag für Tag dies mit Ehrerbietung hört und die Geschichte des Pṛthu verbreitet, wird von [aller weltlichen] Bindung befreit, und ein solcher Mensch erlangt vollkommene Zuneigung zu dem Erhabenen, dessen Füße [wie] ein Boot über den Ozean des [weltlichen] Daseins [sind].
Wort für Wort
anu-dinam
Tag für Tag
idam ādareṇa śṛṇvan
dies mit Ehrerbietung hörend (Präs.-Part.)
pṛthu-caritam prathayan
die Geschichte des Pṛthu verbreitend (Präs.-Part.)
vimukta-saṅgaḥ
von Bindung befreit (Nom.)
bhagavati
für den Erhabenen (Lok.)
bhava-sindhu-pota-pāde
dessen Füße ein Boot über den Ozean des Daseins sind (Lok. Bahuvrihi)