Der König sprach: Ist es nicht gewiss so, o Herr, dass für die Selbstzufriedenen (ātmārāma), deren Same der [fruchttragenden] Werke durch das vom Yoga entfachte Wissen verbrannt ist, die zufällig erlangten mystischen Kräfte nicht wieder zu Quellen des Leids werden können?
Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
na nūnam
nicht gewiss/wahrlich
bhagavaḥ
o Herr (Vok.)
ātmārāmāṇām
der Selbstzufriedenen (Gen. Pl.)
yoga-samīrita
durch Yoga entfacht (Kompositionsglied)
jñāna
Wissen
avabharjita
verbrannt (Part. Perf. Pass.)
karma-bījānām
deren Same der Werke (Gen. Pl.)
aiśvaryāṇi
die mystischen Kräfte (Nom. Pl.)
punaḥ
wieder, erneut
kleśadāni
leidverursachend (Adj., Nom. Pl.)
bhavitum
zu werden (Inf.)
arhanti
sie sind imstande/würdig (3. Pl. Präs.)
yadṛcchayā
zufällig (Instr.)
upagatāni
erlangt, angekommen (Part. Perf., Nom. Pl.)
Frage König Parīkṣits, mit der Kapitel 6 einsetzt; Fortsetzung des Themas aus Kap. 5 (Gefahren mystischer Kräfte für Yogīs).
Der Weise sprach: Wahr ist das Gesagte; doch hier vertrauen manche dem unbeständigen Geist nicht unmittelbar, [sondern] begegnen [ihm] gleich einem hinterlistigen Jäger [mit Vorsicht].
Wort für Wort
ṛṣiḥ uvāca
der Weise (Śukadeva) sprach
satyam
wahr (Nom./Akk. n.)
uktam
gesagt (Part. Perf. Pass.)
kintu
aber, jedoch
iha
hier (in dieser Welt)
vā
oder, wohl
eke
manche, einige (Nom. Pl. m.)
na
nicht
manasaḥ
des Geistes (Gen. Sg.)
addhā
unmittelbar, direkt (Adv.)
viśrambham
Vertrauen (Akk. Sg.)
anavasthānasya
des Unbeständigen (Gen. Sg., attr. zu manasaḥ)
śaṭha-kirātaḥ
ein hinterlistiger Jäger (Nom. Sg.)
iva
wie, gleich
saṅgacchante
sie kommen zusammen/begegnen (3. Pl. Med.)
[?] Genaue syntaktische Verknüpfung von 'na ... saṅgacchante' mit dem Gleichnis ist auslegungsbedürftig; hier als warnende Zurückhaltung gegenüber dem Geist gedeutet.
na kuryāt karhicit sakhyaṁ manasi hy anavasthite
yad-viśrambhāc cirāc cīrṇaṁ caskanda tapa aiśvaram
Man sollte niemals Freundschaft mit dem Geist schließen, denn er ist unbeständig: Durch das Vertrauen in ihn verfiel [selbst] die lange geübte, machtvolle Askese.
Wort für Wort
na kuryāt
man sollte nicht tun/schließen (Opt. 3. Sg.)
karhicit
jemals
sakhyam
Freundschaft (Akk. Sg.)
manasi
mit dem Geist (Lok., 'in Bezug auf')
hi
denn, gewiss
anavasthite
der unbeständig ist (Lok. Sg., attr.)
yad-viśrambhāt
aus Vertrauen in welchen (Abl.)
cirāt
seit langer Zeit (Abl./Adv.)
cīrṇam
geübt, ausgeführt (Part. Perf. Pass.)
caskanda
verfiel, zerfiel (Perf. 3. Sg. von skand)
tapaḥ
Askese (Nom. Sg.)
aiśvaram
machtvoll, herrschaftlich (Adj. zu tapaḥ)
'aiśvaram tapaḥ' bezieht sich traditionell auf die Askese großer Wesen (z. B. Śiva, Saubhari); im Vers selbst nicht namentlich genannt.
nityaṁ dadāti kāmasya cchidraṁ tam anu ye 'rayaḥ
yoginaḥ kṛta-maitrasya patyur jāyeva puṁścalī
Beständig gibt [der Geist] der Begierde eine Angriffsfläche, und dieser folgen [seine] Feinde: Für den Yogī, der [mit ihm] Freundschaft geschlossen hat, ist [der Geist] wie die untreue Gattin für ihren Ehemann.
Wort für Wort
nityam
beständig, ständig
dadāti
gibt (3. Sg. Präs.)
kāmasya
der Begierde (Gen. Sg.)
chidram
Lücke, Angriffsfläche (Akk. Sg.)
tam anu
diesem folgend (Akk. + anu)
ye
welche (Nom. Pl. m.)
arayaḥ
Feinde (Nom. Pl.)
yoginaḥ
des Yogī (Gen. Sg.)
kṛta-maitrasya
der Freundschaft geschlossen hat (Gen. Sg., attr.)
patyuḥ
des Ehemannes (Gen. Sg.)
jāyā iva
wie die Gattin (Nom. Sg.)
puṁścalī
eine zu anderen Männern laufende, untreue Frau (Nom. Sg.)
kāmo manyur mado lobhaḥ śoka-moha-bhayādayaḥ
karma-bandhaś ca yan-mūlaḥ svīkuryāt ko nu tad budhaḥ
Begierde, Zorn, Rausch, Gier, Kummer, Verblendung, Furcht und dergleichen sowie die Bindung an [fruchttragende] Werke – deren Wurzel eben [der unbeständige Geist] ist – welcher Weise würde sich diesen [Geist] wohl zu eigen machen?
Wort für Wort
kāmaḥ
Begierde (Nom.)
manyuḥ
Zorn (Nom.)
madaḥ
Rausch, Stolz (Nom.)
lobhaḥ
Gier (Nom.)
śoka-moha-bhaya-ādayaḥ
Kummer, Verblendung, Furcht und so weiter (Nom. Pl.)
Darauf, obwohl er die Zierde aller Weltenherrscher war, verbarg er auf solche Weise, durch mannigfaltige, wie stumpfsinnig wirkende Kleidung, Sprache und Verhaltensweisen eines Avadhūta, seine Herrlichkeit als Herr; und indem er den Yogīs die Methode des Hinscheidens aus dem Körper lehrte, seinen eigenen Körper aufzugeben wünschend, sich selbst als das im [höchsten] Selbst ungetrennte Selbst betrachtend, ohne [Wahrnehmung] eines davon verschiedenen Gegenstandes, kam er, seine [äußere] Betätigung einstellend, zur Ruhe.
Wort für Wort
atha evam
darauf, auf diese Weise
akhila-loka-pāla-lalāmaḥ
die Zierde aller Weltenherrscher (Nom. Sg.)
api
obwohl, sogar
vilakṣaṇaiḥ
durch mannigfaltige/eigentümliche [Verhaltensweisen] (Instr. Pl.)
jaḍa-vat
wie ein Stumpfsinniger (Adv.)
avadhūta-veṣa-bhāṣā-caritaiḥ
durch Kleidung, Sprache und Verhalten eines Avadhūta (Instr. Pl.)
avilakṣita-bhagavat-prabhāvaḥ
dessen Herrenmacht unbemerkt blieb (Nom. Sg.)
yogīnām
der Yogīs (Gen. Pl.)
sāmparāya-vidhim
die Methode des Hinscheidens (Akk. Sg.)
anuśikṣayan
lehrend (Präs.-Part. Akt., Nom.)
sva-kalevaram
seinen eigenen Körper (Akk.)
jihāsuḥ
aufgeben wollend (Desiderativ-Part., Nom.)
ātmani
im Selbst (Lok.)
ātmānam
das Selbst (Akk.)
asaṁvyavahitam
ungetrennt, unvermittelt (Akk., Adj.)
anarthāntara-bhāvena
durch [Betrachtung als] nicht-verschiedenen Zustand (Instr.)
anvīkṣamāṇaḥ
betrachtend (Präs.-Part. Med., Nom.)
uparata-anuvṛttiḥ
dessen [körperliche] Betätigung eingestellt war (Nom.)
upararāma
er kam zur Ruhe (Perf. 3. Sg.)
Langer Prosa-Satz (SB-typisch); Kompositionsgrenzen nach bestem sprachlichen Ermessen gesetzt.
Von ihm, dem Herrn Ṛṣabha, dessen [Identifikation mit dem] Körper[merkmal] so gelöst war, wanderte fürwahr, durch den [bloß fortwirkenden] Antrieb der Yoga-māyā, der Körper – die Erde durchziehend, [wie] durch den Anschein von Ich-Bezogenheit [getrieben] – zufällig in die Länder Koṅka, Veṅka und Kuṭaka, die südlichen Karṇāṭaka-Länder; und in einem Hain am Berg Kuṭakācala zog er, mit einem Bissen Stein im Mund, wie ein Wahnsinniger, mit losem Haar, gänzlich unbekleidet, umher.
Wort für Wort
tasya
von ihm (Gen.)
ha vā
fürwahr, wie es heißt
evam
so
mukta-liṅgasya
dessen [Identifikations-]Merkmal gelöst war (Gen., attr.)
atha samīra-vega-vidhūta-veṇu-vikarṣaṇa-jātogra-dāvānalas tad vanam ālelihānaḥ saha tena dadāha
Darauf verbrannte ein heftiges Waldfeuer, entstanden durch das vom Windessturm bewirkte Aneinanderreiben der hin- und hergeschüttelten Bambusrohre, jenen Wald gleichsam verschlingend, zusammen mit jenem [Körper].
Wort für Wort
atha
darauf
samīra-vega
durch die Wucht des Windes (Kompositionsglied)
vidhūta
geschüttelt, hin- und hergeworfen (Kompositionsglied)
Dessen Lebensweise fürwahr gehört habend, wird der König von Koṅka, Veṅka und Kuṭaka, mit Namen Arhat, [dessen Verhalten] nachahmend, im Zeitalter Kali, während die Unrechtmäßigkeit zunimmt, durch das Schicksal getäuscht, den von aller Furcht freien Pfad der eigenen [religiösen] Pflicht verlassend, aus eigenem, beschränktem Verstand töricht einen unangemessenen häretischen Irrweg einführen.
Wort für Wort
yasya
dessen (Gen., bezogen auf Ṛṣabha)
kila
fürwahr, bekanntlich (Partikel)
anucaritam
die Lebensweise, das Verhalten (Akk.)
upākarṇya
gehört habend (Absolutiv)
koṅka-veṅka-kuṭakānām
von Koṅka, Veṅka und Kuṭaka (Gen. Pl.)
rājā
der König (Nom.)
arhat-nāma
mit Namen Arhat (Nom., Adj.)
upaśikṣya
nachahmend, sich aneignend (Absolutiv)
kalau
im Kali[-Zeitalter] (Lok.)
adharme utkṛṣyamāṇe
während die Unrechtmäßigkeit zunimmt (Lok. absolutus)
bhavitavyena
durch das Schicksal, das Kommende (Instr.)
vimohitaḥ
verwirrt, getäuscht (Part. Perf. Pass., Nom.)
sva-dharma-patham
den Pfad der eigenen Pflicht (Akk.)
akutaḥ-bhayam
der frei von jeder Furcht ist (Akk., Adj.)
apahāya
aufgebend (Absolutiv)
kupatha-pākhaṇḍam
einen häretischen Irrpfad (Akk.)
asamañjasam
unangemessen (Akk., Adj.)
nija-manīṣayā
durch seinen eigenen [beschränkten] Verstand (Instr.)
Durch diesen [Irrweg] werden fürwahr im Kali[-Zeitalter] die niedrigsten Menschen, durch die Täuschungsmacht [Gottes] getäuscht, ohne eigene [vorgeschriebene] Regel, Pflichtverrichtung, Reinheit und guten Wandel, Handlungen annehmend, die Gott missachten, unheilige Gelübde nach jeweils eigenem Belieben [befolgend, wie] Nichtbaden, Unterlassen des rituellen Mundspülens, Unreinheit, Haareausreißen und dergleichen, durch das an Unrecht reiche Kali[-Zeitalter] an Verstand geschädigt, größtenteils zu Lästerern des heiligen Wissens, der Brahmanen, des Opfers, der Höchsten Person und der [guten] Menschen werden.
Wort für Wort
yena
durch welchen [Irrweg] (Instr.)
ha vāva
fürwahr, gewiss
kalau
im Kali[-Zeitalter] (Lok.)
manuja-apasadāḥ
die niedrigsten Menschen (Nom. Pl.)
deva-māyā-mohitāḥ
durch die Täuschungsmacht Gottes getäuscht (Nom. Pl.)
sva-vidhi-niyoga-śauca-cāritra-vihīnāḥ
ohne eigene Regel, Pflichtverrichtung, Reinheit und guten Wandel (Nom. Pl.)
deva-helanāni
Gott missachtende [Handlungen] (Akk. Pl.)
apavratāni
unheilige Gelübde (Akk. Pl.)
nija-nija-icchayā
nach jeweils eigenem Belieben (Instr.)
gṛhṇānāḥ
annehmend (Präs.-Part. Med., Nom. Pl.)
asnāna-anācamana-aśauca-keśa-ulluñcana-ādīni
Nichtbaden, Nicht-Mundspülen, Unreinheit, Haareausreißen u. dgl. (Akk. Pl.)
kalinā
durch [die Zeit] Kali (Instr.)
adharma-bahulena
die reich an Unrecht ist (Instr., Adj.)
upahata-dhiyaḥ
deren Verstand geschädigt ist (Nom. Pl.)
brahma-brāhmaṇa-yajña-puruṣa-loka-vidūṣakāḥ
Lästerer des heiligen Wissens, der Brahmanen, des Opfers, der Höchsten Person und der Menschen (Nom. Pl.)
te ca hy arvāktanayā nija-loka-yātrayāndha-paramparayāśvastās tamasy andhe svayam eva prapatiṣyanti
Und jene werden, fürwahr, durch eine niedere, auf eigener Lebenspraxis beruhende Überlieferung von Blinden bestärkt, von selbst in blinde Finsternis hinabfallen.
Wort für Wort
te
jene (Nom. Pl.)
ca hi
und fürwahr
arvāktanayā
durch die niedere/weltliche [Überlieferung] (Instr.)
Diese Herabkunft dient dem Zweck, [denen,] die von der Erscheinungsweise der Leidenschaft überwältigt sind, die Befreiung [des Selbst] zu lehren.
Wort für Wort
ayam
diese (Nom.)
avatāraḥ
die Herabkunft, Inkarnation (Nom.)
rajasā
durch die Erscheinungsweise der Leidenschaft (Instr.)
upapluta
überwältigt, überflutet (Part. Perf. Pass.)
kaivalya
Alleinsein, Befreiung (Kompositionsglied)
upaśikṣaṇa-arthaḥ
zum Zweck der Belehrung (Nom., Adj.)
[?] Kompositum 'rajasā-upapluta-kaivalya-upaśikṣaṇa-arthaḥ' lässt auch die Lesart 'Belehrung über die von der Leidenschaft überflutete Alleinheit' zu; hier als 'Belehrung der von Leidenschaft Überwältigten über die Befreiung' gedeutet.
Über ihn singen sie passende Verse: 'Oh, unter den Inseln und Ländern der Erde, die die sieben Meere besitzt, ist dies [Bhārata-varṣa] das frömmste, worüber die dort ansässigen Leute die aus [seinen zahlreichen] Herabkünften [hervorgegangenen], segensreichen Taten Murāris [Kṛṣṇas] besingen.'
Wort für Wort
tasya
über ihn (Gen.)
anuguṇān
passende, entsprechende (Akk. Pl., Adj.)
ślokān
Verse (Akk. Pl.)
gāyanti
sie singen (3. Pl.)
aho
oh!
bhuvaḥ
der Erde (Gen.)
sapta-samudra-vatyāḥ
die die sieben Meere besitzt (Gen., Adj.)
dvīpeṣu
unter den Inseln (Lok. Pl.)
varṣeṣu
unter den Ländern (Lok. Pl.)
adhipuṇyam
das frömmste (Nom./Akk. n.)
etat
dies (Nom./Akk. n.)
yatratya-janāḥ
die dort ansässigen Leute (Nom. Pl.)
murāreḥ
des Feindes Muras, Kṛṣṇas (Gen.)
karmāṇi
Taten (Akk. Pl.)
bhadrāṇi
segensreiche (Akk. Pl., Adj.)
avatāravanti
aus den Herabkünften hervorgegangene (Akk. Pl., Adj.)
aho nu vaṁśo yaśasāvadātaḥ praiyavrato yatra pumān purāṇaḥ
kṛtāvatāraḥ puruṣaḥ sa ādyaś cacāra dharmaṁ yad akarma-hetum
Oh, wahrlich glanzvoll durch Ruhm ist die Dynastie des Priyavrata, worin die uralte, ursprüngliche Höchste Person, [als] Mensch erschienen, eine Herabkunft vollzogen hat und jene Rechtschaffenheit vollzog, die die Ursache für das Ende bindender Taten ist.
Wort für Wort
aho nu
oh wahrlich!
vaṁśaḥ
die Dynastie (Nom.)
yaśasā
durch Ruhm (Instr.)
avadātaḥ
geläutert, glänzend (Nom., Adj.)
praiyavrataḥ
die des Priyavrata (Nom., Adj.)
yatra
worin
pumān
die [Ur-]Person (Nom.)
purāṇaḥ
der uralte (Nom., Adj.)
kṛta-avatāraḥ
der eine Herabkunft vollzogen hat (Nom., Adj.)
puruṣaḥ
die Höchste Person (Nom.)
saḥ ādyaḥ
er, der Ursprüngliche (Nom.)
cacāra
er vollzog (Perf. 3. Sg. von car)
dharmam
Rechtschaffenheit (Akk.)
yat
welche (Akk., bezogen auf dharmam)
akarma-hetum
die Ursache für das Ende [bindender] Taten (Akk., Adj.)
ko nv asya kāṣṭhām aparo 'nugacchen mano-rathenāpy abhavasya yogī
yo yoga-māyāḥ spṛhayaty udastā hy asattayā yena kṛta-prayatnāḥ
Wer könnte wohl selbst nur im Gedankenwagen dem Höchstmaß dieses Ungeborenen [Ṛṣabha] folgen – ihm, dem [wahren] Yogī, der die von [anderen, sich darum] bemühenden [Yogīs] begehrten mystischen Yoga-Kräfte fürwahr wegen ihrer Wertlosigkeit verworfen hat?
Wort für Wort
kaḥ nu
wer denn, wer wohl
asya
von ihm (Gen., Ṛṣabha)
kāṣṭhām
das Ziel, den Höchstgrad (Akk.)
aparaḥ
ein anderer (Nom.)
anugacchet
könnte folgen (Opt. 3. Sg.)
manaḥ-rathena api
selbst durch den Gedankenwagen (Instr.)
abhavasya
des Ungeborenen (Gen., Adj.)
yogī
ein Yogī (Nom.)
yaḥ
welcher (Nom.)
yoga-māyāḥ
die mystischen Yoga-Kräfte (Akk. Pl.)
spṛhayati
begehrt (3. Sg.)
udastāḥ
verworfen (Akk. Pl., Part. Perf. Pass.)
hi
fürwahr
asattayā
wegen [ihrer] Wertlosigkeit (Instr.)
yena
durch welchen (Instr.)
kṛta-prayatnāḥ
die, für die Anstrengungen unternommen wurden (Nom. Pl., Adj.)
[?] Die syntaktische Zuordnung von 'yaḥ...spṛhayati' und 'yena kṛta-prayatnāḥ' ist im Sanskrit-Prosastil verschachtelt; hier so gedeutet, dass Ṛṣabha die von anderen begehrten Kräfte selbst verwirft.
iti ha sma sakala-veda-loka-deva-brāhmaṇa-gavāṁ parama-guror bhagavata ṛṣabhākhyasya viśuddhācaritam īritaṁ puṁsāṁ samasta-duścaritābhiharaṇaṁ parama-mahā-maṅgalāyanam idam anuśraddhayopacitayānuśṛṇoty āśrāvayati vāvahito bhagavati tasmin vāsudeva ekāntato bhaktir anayor api samanuvartate
So wurde, wie berichtet wird, dieses reine Wirken des Herrn mit Namen Ṛṣabha, des höchsten Lehrers aller Veden, Welten, Götter, Brahmanen und Kühe, das alle üblen Taten der Menschen hinwegnimmt und die Zuflucht höchsten, großen Segens ist, dargelegt; und wer dies mit wachsendem Glauben anhört oder [es andere] hören lässt, achtsam auf jenen Herrn Vāsudeva [gerichtet] – bei beiden stellt sich ausschließliche Hingabe ein.
Wort für Wort
iti ha sma
so, fürwahr (Erzählpartikeln)
sakala-veda-loka-deva-brāhmaṇa-gavām
aller Veden, Welten, Götter, Brahmanen und Kühe (Gen. Pl.)
parama-guroḥ
des höchsten Lehrers (Gen.)
bhagavataḥ ṛṣabha-ākhyasya
des Herrn mit Namen Ṛṣabha (Gen.)
viśuddha-ācaritam
das reine Wirken (Nom./Akk.)
īritam
dargelegt (Part. Perf. Pass.)
puṁsām
der Menschen (Gen. Pl.)
samasta-duścarita-abhiharaṇam
das alle üblen Taten hinwegnimmt (Nom./Akk., Adj.)
parama-mahā-maṅgala-āyanam
die Zuflucht höchsten großen Segens (Nom./Akk., Adj.)
yasyām eva kavaya ātmānam avirataṁ vividha-vṛjina-saṁsāra-paritāpopatapyamānam anusavanaṁ snāpayantas tayaiva parayā nirvṛtyā hy apavargam ātyantikaṁ parama-puruṣārtham api svayam āsāditaṁ no evādriyante bhagavadīyatvenaiva parisamāpta-sarvārthāḥ
Eben in dieser [Hingabe], indem die Weisen das unaufhörlich von den mannigfaltigen, durch Sünde bedingten Leiden des Daseinskreislaufs gepeinigte Selbst fortwährend [in ihr] reinwaschen, erlangen sie durch eben jene höchste Glückseligkeit zwar von selbst die endgültige Befreiung – obgleich sie das höchste Ziel des Menschen ist –, achten diese jedoch überhaupt nicht, da für sie, eben durch das Bewusstsein der Zugehörigkeit zum Herrn, alle [anderen] Anliegen vollständig erfüllt sind.
Wort für Wort
yasyām eva
eben worin (Lok., bezogen auf bhakti)
kavayaḥ
die Weisen, Seher (Nom. Pl.)
ātmānam
das Selbst (Akk.)
aviratam
unaufhörlich (Adv.)
vividha-vṛjina-saṁsāra-paritāpa-upatapyamānam
gepeinigt von mannigfaltigen, durch Sünde bedingten Leiden des Daseinskreislaufs (Akk., Part. Präs. Pass.)
anusavanam
fortwährend (Adv.)
snāpayantaḥ
reinwaschend (Präs.-Part. Akt., Nom. Pl.)
tayā eva parayā nirvṛtyā
eben durch jene höchste Glückseligkeit (Instr.)
hi
fürwahr
apavargam
die Befreiung (Akk.)
ātyantikam
endgültig (Akk., Adj.)
parama-puruṣa-artham api
obgleich das höchste Ziel des Menschen (Akk.)
svayam
von selbst
āsāditam
erlangt (Part. Perf. Pass., Akk.)
no eva ādriyante
sie achten überhaupt nicht (3. Pl. Med.)
bhagavadīyatvena eva
eben durch das Zugehörig-Sein zum Herrn (Instr.)
parisamāpta-sarva-arthāḥ
deren alle Anliegen vollständig erfüllt sind (Nom. Pl., Adj.)
rājan patir gurur alaṁ bhavatāṁ yadūnāṁ daivaṁ priyaḥ kula-patiḥ kva ca kiṅkaro vaḥ
astv evam aṅga bhagavān bhajatāṁ mukundo muktiṁ dadāti karhicit sma na bhakti-yogam
O König, wahrlich ist er der Beschützer, Lehrer, das Schicksal und der liebe Anführer der Familie von euch Yadus, und manchmal sogar euer Diener – so möge es sein, o [Lieber]! Der Herr Mukunda gibt denen, die [ihn] verehren, mitunter wohl die Befreiung, nicht aber ebenso [leicht] den Pfad hingebungsvoller Verehrung.
Verehrung sei jenem Herrn Ṛṣabha, dessen Verlangen durch die ewig erfahrene eigene Errungenschaft [des Selbst] aufgehört hat, der aus Mitleid der Welt, deren Verstand im wahren Heil durch ein ihr wesensfremdes Gebilde seit langem eingeschlafen ist, die furchtlose Wahrheit des Selbst verkündete.
durch ein davon verschiedenes Gebilde (Instr.) [?]
cira-supta-buddheḥ
dessen Verstand seit langem eingeschlafen ist (Gen.)
lokasya
der Welt (Gen.)
yaḥ
welcher (Nom., Ṛṣabha)
karuṇayā
aus Mitleid (Instr.)
abhayam
Furchtlosigkeit (Akk.)
ātma-lokam
die Wahrheit des Selbst (Akk.)
ākhyāt
er verkündete (Aor./Impf. 3. Sg.)
namaḥ
Verehrung
bhagavate ṛṣabhāya tasmai
jenem Herrn Ṛṣabha (Dat.)
[?] 'atad-racanayā' (wörtl. 'durch ein Davon-Verschiedenes-Gebilde') ist unsicher; hier als 'durch ein dem wahren Heil wesensfremdes [Welt-]Gebilde' gedeutet.