maitreya uvāca
bhagavān api vaikuṇṭhaḥ sākaṁ maghavatā vibhuḥ
yajñair yajña-patis tuṣṭo yajña-bhuk tam abhāṣata
Maitreya sprach: Der Erhabene, der Herr von Vaikuṇṭha, der Mächtige, zusammen mit Maghavan [Indra], zufrieden durch die Opfer – der Herr des Opfers, der Genießer des Opfers – sprach zu ihm [Pṛthu].
śrī-bhagavān uvāca
eṣa te 'kārṣīd bhaṅgaṁ haya-medha-śatasya ha
kṣamāpayata ātmānam amuṣya kṣantum arhasi
Der erhabene Herr sprach: Wahrlich, dieser [Indra] hat dein hundertstes Pferdeopfer gestört; da er sich selbst zur Verzeihung darbietet [dich um Verzeihung bittet], solltest du geruhen, ihm zu vergeben.
Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der erhabene Herr sprach
eṣaḥ
dieser [Indra] (Nom.Sg.m.)
te
dein (Gen.Sg.)
akārṣīt
er verursachte (3.Sg.Aor.)
bhaṅgam
Störung (Akk.Sg.m.)
haya-medha-śatasya
des hundertsten Pferdeopfers (Gen.Sg.n., Kompositum)
ha
wahrlich (Partikel)
kṣamāpayataḥ
der [sich] um Verzeihung bitten lässt (Gen./gen.abs., Part.Präs.Kaus.)
ātmānam
sich selbst (Akk.Sg.m.)
amuṣya
dieses/ihn (Gen.Sg.m.)
kṣantum
zu verzeihen (Inf.)
arhasi
du solltest/bist wert (2.Sg.Präs.)
[Anm.: Die Syntax von kṣamāpayataḥ/ātmānam/amuṣya ist im Sanskrit stark verdichtet; die Übersetzung folgt der plausibelsten Lesart 'da er sich selbst dir zur Verzeihung darbietet, solltest du ihn/diesen verzeihen'.]
Die Klugen, die Tugendhaften in dieser Welt, o König, die Besten unter den Menschen, hegen keinen Groll gegen andere Lebewesen, weil [ihnen bewusst ist, dass] das Selbst nicht der [materielle] Körper ist.
Wenn Personen wie du durch die Māyā des Herrn verwirrt werden, dann ist [allein] Mühe entstanden durch den langwährenden Dienst an den Älteren [Weisen] – und nichts weiter.
Wort für Wort
puruṣāḥ
Personen (Nom.Pl.m.)
yadi
wenn
muhyanti
sie werden verwirrt (3.Pl.Präs.)
tvādṛśāḥ
wie du/deinesgleichen (Nom.Pl.m.)
deva-māyayā
durch die Māyā des Herrn (Instr.Sg.f., Kompositum)
śramaḥ
Mühe/Anstrengung (Nom.Sg.m.)
eva
gewiss
param
nur/lediglich (Adv.)
jātaḥ
entstanden (Nom.Sg.m., PPP)
dīrghayā
durch langwährende (Instr.Sg.f.)
vṛddha-sevayā
durch den Dienst an den Älteren (Instr.Sg.f., Kompositum)
Deshalb haftet der Wissende, der weiß, dass dieser Körper durch Unwissenheit, Verlangen und [vergangene] Handlungen hervorgebracht wurde, als Erwachter keineswegs an ihm.
Wort für Wort
ataḥ
deshalb
kāyam
den Körper (Akk.Sg.m.)
imam
diesen (Akk.Sg.m.)
vidvān
der Wissende (Nom.Sg.m., Part.Perf.Akt.)
avidyā-kāma-karmabhiḥ
durch Unwissenheit, Verlangen und Handlungen (Instr.Pl., Kompositum)
Unangehaftet an diesem Körper – wer, der weise ist, würde dann an Haus, Nachkommenschaft oder Reichtum, die durch diesen [Körper] hervorgebracht wurden, ein Ich-Mein-Gefühl hegen?
Einzig, rein, selbstleuchtend, frei von [materiellen] Eigenschaften und doch jene Zufluchtsstätte [aller guten] Eigenschaften, allgegenwärtig, unverhüllt, Zeuge, ohne [ein ihm übergeordnetes] Selbst, ist er transzendent gegenüber dem Selbst des Selbst [d.h. gegenüber Körper und Geist].
Wort für Wort
ekaḥ
einzig (Nom.Sg.m.)
śuddhaḥ
rein (Nom.Sg.m.)
svayam-jyotiḥ
selbstleuchtend (Nom.Sg.m., Kompositum)
nirguṇaḥ
frei von [materiellen] Eigenschaften (Nom.Sg.m.)
asau
jener (Nom.Sg.m.)
guṇa-āśrayaḥ
Zufluchtsstätte der [guten] Eigenschaften (Nom.Sg.m.)
sarva-gaḥ
allgegenwärtig (Nom.Sg.m.)
anāvṛtaḥ
unverhüllt (Nom.Sg.m.)
sākṣī
Zeuge (Nom.Sg.m.)
nirātmā
ohne [übergeordnetes] Selbst (Nom.Sg.m.)
ātma-ātmanaḥ
des Selbst des Selbst [Körper/Geist] (Gen.Sg.m.)
paraḥ
transzendent/höher (Nom.Sg.m.)
[Anm.: nirātmā wörtl. 'ohne Selbst' – hier im Sinn von 'ohne ein ihm übergeordnetes zweites Selbst' verstanden, nicht als Verneinung seiner eigenen Existenz.]
ya evaṁ santam ātmānam ātma-sthaṁ veda pūruṣaḥ
nājyate prakṛti-stho 'pi tad-guṇaiḥ sa mayi sthitaḥ
Eine Person, die das Selbst, das so beschaffen ist und im [eigenen] Selbst weilt, [auf diese Weise] erkennt, wird, obwohl sie sich in der materiellen Natur befindet, nicht von deren Eigenschaften befleckt; sie weilt in mir.
Wort für Wort
yaḥ
wer (Nom.Sg.m.)
evam
so
santam
seiend (Akk.Sg.m., Part.Präs.)
ātmānam
das Selbst (Akk.Sg.m.)
ātma-stham
im [eigenen] Selbst weilend (Akk.Sg.m.)
veda
kennt (3.Sg.Perf.)
pūruṣaḥ
eine Person (Nom.Sg.m.)
na ajyate
wird nicht befleckt (3.Sg.Präs.Pass.)
prakṛti-sthaḥ
in der materiellen Natur befindlich (Nom.Sg.m.)
api
obwohl
tad-guṇaiḥ
durch jene [materiellen] Eigenschaften (Instr.Pl.m.)
Wer mir durch die eigene [vorgeschriebene] Pflicht beständig dient, frei von [weltlichem] Verlangen und mit Glauben ausgestattet – dessen Geist, o König, wird allmählich zufrieden.
parityaktaguṇaḥ samyag darśano viśadāśayaḥ
śāntiṁ me samavasthānaṁ brahma kaivalyam aśnute
Wer die [materiellen] Eigenschaften aufgegeben hat, mit rechter Sicht und lauterem Herzen, erlangt Frieden, meinen [eigenen] Gleichstand, das Brahman [und] die Alleinheit [Befreiung].
Wort für Wort
parityakta-guṇaḥ
der die [materiellen] Eigenschaften aufgegeben hat (Nom.Sg.m.)
samyag-darśanaḥ
mit rechter Sicht (Nom.Sg.m.)
viśada-āśayaḥ
mit lauterem Herzen (Nom.Sg.m.)
śāntim
Frieden (Akk.Sg.f.)
me
mein (Gen.)
samavasthānam
Gleichstand/Zustand des Verweilens [bei mir] (Akk.Sg.n.)
udāsīnam ivādhyakṣaṁ dravya-jñāna-kriyātmanām
kūṭa-stham imam ātmānaṁ yo vedāpnoti śobhanam
Wer dieses Selbst kennt – unveränderlich, gleichsam gleichgültig, doch Aufseher über die [physischen] Elemente, die wissenserwerbenden und handelnden [Sinnesorgane] und den Geist –, erlangt alles Glückverheißende.
Wort für Wort
udāsīnam
gleichgültig/unbeteiligt (Akk.Sg.m.)
iva
gleichsam
adhyakṣam
den Aufseher/Zeugen (Akk.Sg.m.)
dravya-jñāna-kriyā-ātmanām
der [physischen] Elemente, der Wissens- und Handlungsorgane und des Geistes (Gen.Pl., Kompositum)
[Auch wenn] der Strom der [materiellen] Eigenschaften des wandelbaren [subtilen] Körpers – bestehend aus [physischen] Elementen, Handlungsorganen und Bewusstsein – in Wohlstand und Unglück erfahren wird, werden die Weisen, deren Freundschaft an mich gebunden ist, nicht erschüttert.
Wort für Wort
bhinnasya
des wandelbaren/unterschiedlichen (Gen.Sg.n.)
liṅgasya
des [subtilen] Körpers (Gen.Sg.n.)
guṇa-pravāhaḥ
der Strom der [materiellen] Eigenschaften (Nom.Sg.m.)
dravya-kriyā-kāraka-cetanā-ātmanaḥ
bestehend aus Elementen, Handlungen, Sinnesorganen und Bewusstsein (Gen.Sg., Kompositum, zu liṅgasya)
dṛṣṭāsu
wenn erfahren/gesehen (Lok.Pl.f., Lok.abs.)
sampatsu
in Wohlstand (Lok.Pl.f.)
vipatsu
in Unglück (Lok.Pl.f.)
sūrayaḥ
die Weisen (Nom.Pl.m.)
na vikriyante
werden nicht erschüttert (3.Pl.Präs.Pass.)
mayi
an mir (Lok.)
baddha-sauhṛdāḥ
deren Freundschaft gebunden ist (Nom.Pl.m.)
[Anm.: liṅga hier im technischen Sinn 'subtiler Körper' (liṅga-śarīra) verstanden, nicht als grammatisches Genus.]
samaḥ samānottamamadhyamādhamaḥ
sukhe ca duḥkhe ca jitendriyāśayaḥ
mayopakḷptākhilalokasaṁyuto
vidhatsva vīrākhilalokarakṣaṇam
Gleichmütig, [gleich gesinnt] gegenüber Gleichen, Höheren, Mittleren und Niederen, in Glück wie in Leid, mit bezwungenen Sinnen und bezwungenem Denken, ausgestattet mit allen Untertanen, die ich [dir] bereitgestellt habe – vollziehe, o Held, den Schutz aller Untertanen.
Wort für Wort
samaḥ
gleichmütig (Nom.Sg.m.)
samāna-uttama-madhyama-adhamaḥ
gegenüber Gleichen, Höheren, Mittleren, Niederen (Nom.Sg.m., Kompositum)
sukhe
in Glück (Lok.Sg.n.)
ca
und
duḥkhe
in Leid (Lok.Sg.n.)
ca
und
jita-indriya-āśayaḥ
mit bezwungenen Sinnen und [bezwungenem] Denken (Nom.Sg.m.)
mayā
von mir (Instr.)
upakḷpta-akhila-loka-saṁyutaḥ
ausgestattet mit allen [von mir] bereitgestellten Untertanen (Nom.Sg.m.)
Das Schützen der Untertanen ist gewiss das Heilbringende für den König, weil er dadurch im Jenseits den sechsten Teil von deren frommen Taten empfängt; andernfalls, wenn er nicht schützt und dennoch Steuern einnimmt, verzehrt er [nur] Sünde und verliert [seine eigene] Frömmigkeit.
So wirst du, indem dein Hauptanliegen die von den vorzüglichsten Brahmanen gebilligte, überlieferte Rechtsordnung ist, als hervorragender Beschützer dieser [Erde], von deinen Untertanen geliebt, in kurzer Zeit die Vollkommenen [Siddhas] sehen, die von selbst zu [deinem] Haus gekommen sind.
Wort für Wort
evam
so
dvija-agrya-anumata
von den vorzüglichsten Brahmanen gebilligt (Kompositum)
anuvṛtta-dharma-pradhānaḥ
dessen Hauptanliegen die überlieferte Rechtsordnung ist (Nom.Sg.m.)
varaṁ ca mat kañcana mānavendra
vṛṇīṣva te 'haṁ guṇaśīlayantritaḥ
nāhaṁ makhair vai sulabhas tapobhi-
ryogena vā yat samacittavartī
Und erbitte dir von mir, o Herr der Menschen, irgendeine Gabe – ich bin gebunden durch [deine guten] Eigenschaften und [dein] Wesen. Ich bin wahrlich nicht leicht zu erreichen durch Opfer, durch Askese oder durch Yoga, so wie [ich es bin] für den, der in gleichmütigem Bewusstsein [bei mir] weilt.
Wort für Wort
varam
eine Gabe (Akk.Sg.m.)
ca
und
mat
von mir (Abl.)
kañcana
irgendeine
mānava-indra
o Herr der Menschen (Vok.Sg.m.)
vṛṇīṣva
erbitte (2.Sg.Imp.Med.)
te
dir (Dat./Gen.)
aham
ich (Nom.)
guṇa-śīla-yantritaḥ
gebunden durch [deine] Eigenschaften und dein Wesen (Nom.Sg.m.)
na aham
nicht ich
makhaiḥ
durch Opfer (Instr.Pl.m.)
vai
fürwahr
sulabhaḥ
leicht erreichbar (Nom.Sg.m.)
tapobhiḥ
durch Askese (Instr.Pl.n.)
yogena
durch Yoga (Instr.Sg.m.)
vā
oder
yat
wie/weil
sama-citta-vartī
der in gleichmütigem Bewusstsein weilt (Nom.Sg.m.)
Darauf ergriff [Pṛthu] mit wachsender Hingabe die Lotosfüße des Erhabenen, der Seele des Universums, dem er die Verehrungsgegenstände dargebracht hatte.
Wort für Wort
bhagavān
der Erhabene (Nom.Sg.m.)
atha
darauf
viśva-ātmā
die Seele des Universums (Nom.Sg.m.)
pṛthunā
von Pṛthu (Instr.Sg.m.)
upahṛta-arhaṇaḥ
dem Verehrungsgegenstände dargebracht wurden (Nom.Sg.m.)
samujjihānayā
zunehmender (Instr.Sg.f., Part.Präs.)
bhaktyā
durch Hingabe (Instr.Sg.f.)
gṛhīta-caraṇa-ambujaḥ
dessen Lotosfüße ergriffen wurden (Nom.Sg.m.)
[Anm.: Passivische Kompositum-Konstruktion; Agens (Pṛthu) aus Kontext/Instr. bhaktyā erschlossen.]
prasthānābhimukho 'py enam anugrahavilambitaḥ
paśyan padmapalāśākṣo na pratasthe suhṛt satām
Obwohl zum Aufbruch bereit, brach [der Herr], der lotosblütenblattäugige Freund der Frommen, durch [eigene] Güte aufgehalten, ihn [Pṛthu] anblickend, nicht auf.
sa ādirājo racitāñjalir hariṁ
vilokituṁ nāśakad aśrulocanaḥ
na kiñcanovāca sa bāṣpaviklavo
hṛdopaguhyāmum adhād avasthitaḥ
Der Urkönig, mit gefalteten Händen, vermochte, seine Augen von Tränen erfüllt, Hari nicht [mehr klar] zu erblicken. Er sprach nichts, seine Stimme von Tränen erstickt; er umarmte jenen [Herrn] im Herzen und verharrte [so] stehend.
Wort für Wort
saḥ
er (Nom.Sg.m.)
ādi-rājaḥ
der Urkönig (Nom.Sg.m.)
racita-añjaliḥ
mit gefalteten Händen (Nom.Sg.m.)
harim
Hari (Akk.Sg.m.)
vilokitum
zu erblicken (Inf.)
na aśakat
vermochte nicht (3.Sg.Impf.)
aśru-locanaḥ
mit tränenerfüllten Augen (Nom.Sg.m.)
na kiñcana uvāca
er sprach nichts
saḥ
er (Nom.Sg.m.)
bāṣpa-viklavaḥ
von Tränen überwältigt/erstickte Stimme (Nom.Sg.m.)
hṛdā
mit dem Herzen (Instr.Sg.n.)
upaguhya
umarmend (Absolutiv)
amum
jenen (Akk.Sg.m.)
adhāt
blieb/verharrte (3.Sg.Aor.)
avasthitaḥ
verweilend/stehend (Nom.Sg.m.)
[Anm.: Wurzel von 'adhāt' unsicher (dhā oder sthā) [?]; im Sinne von 'verharren' übersetzt gemäß Kontext.]
Darauf, die Tränenspuren abwischend, sprach er [Pṛthu] zu der [höchsten] Person, die seinem [noch immer] ungesättigten Blick zugänglich war – [zu jenem, der] mit einem Fuß die Erde berührte, während [seine andere] Handfläche auf der erhobenen Schulter Garuḍas, des Feindes der Schlangen, ruhte.
Wort für Wort
atha
darauf
avamṛjya
abwischend (Absolutiv)
aśru-kalāḥ
die Tränenspuren (Akk.Pl.f.)
vilokayan
betrachtend (Nom.Sg.m., Part.Präs.)
atṛpta-dṛk-gocaram
dem [noch] ungesättigten Blick zugänglich (Akk.Sg.m.)
pṛthur uvāca
varān vibho tvadvaradeśvarād budhaḥ
kathaṁ vṛṇīte guṇavikriyātmanām
ye nārakāṇām api santi dehinā-
ntānīśa kaivalyapate vṛṇe na ca
Pṛthu sprach: O Mächtiger, wie sollte ein Weiser von dir, dem Herrn der Gabenspender, [solche] Gaben erbitten, die [nur] denen [zukommen], deren Wesen durch die [materiellen] Eigenschaften verwandelt ist – Gaben, die sogar bei den Höllenbewohnern unter den verkörperten [Wesen] vorhanden sind? Jene erbitte ich nicht, o Herr, o Herr der Alleinheit.
Wort für Wort
pṛthuḥ uvāca
Pṛthu sprach
varān
Gaben (Akk.Pl.m.)
vibho
o Mächtiger (Vok.Sg.m.)
tvat-vara-da-īśvarāt
von dir, dem Herrn der Gabenspender (Abl.Sg.m.)
budhaḥ
ein Weiser (Nom.Sg.m.)
katham
wie
vṛṇīte
erbittet (3.Sg.Präs.Med.)
guṇa-vikriyā-ātmanām
derer, deren Wesen durch die [materiellen] Eigenschaften verändert ist (Gen.Pl.m.)
na kāmaye nātha tad apy ahaṁ kvacin
na yatra yuṣmaccaraṇāmbujāsavaḥ
mahattamāntarhṛdayān mukhacyuto
vidhatsva karṇāyutam eṣa me varaḥ
O Herr, ich begehre selbst jenes [höchste Ziel] nirgends, wo nicht der Nektar deiner Lotosfüße [zugegen ist] – der, aus dem Innersten des Herzens der Größten entströmt, aus [ihrem] Mund fließt. Gewähre [mir] zehntausend Ohren – dies ist mein [einziger] Wunsch.
Wort für Wort
na kāmaye
ich begehre nicht (1.Sg.Präs.Med.)
nātha
o Herr (Vok.Sg.m.)
tat
jenes (Akk.Sg.n.)
api
sogar
aham
ich (Nom.)
kvacit
irgendwo
na yatra
wo nicht
yuṣmat-caraṇa-ambuja-āsavaḥ
der Nektar deiner Lotosfüße (Nom.Sg.m.)
mahat-tama-antaḥ-hṛdayāt
aus dem Innersten des Herzens der Größten (Abl.Sg.n.)
mukha-cyutaḥ
aus dem Mund entströmt (Nom.Sg.m.)
vidhatsva
gewähre (2.Sg.Imp.Med.)
karṇa-ayutam
zehntausend Ohren (Akk.Sg.n.)
eṣaḥ
dies (Nom.Sg.m.)
me
mein (Gen.)
varaḥ
Wunsch (Nom.Sg.m.)
[Anm.: Die vedabase-Seite zu diesem Vers bot keine vollständige Wort-für-Wort-Liste; die Analyse wurde eigenständig aus IAST und Einzelglossen erarbeitet.]
sa uttamaśloka mahanmukhacyuto
bhavatpadāmbhojasudhā kaṇānilaḥ
smṛtiṁ punar vismṛtatattvavartmanāṁ
kuyogināṁ no vitaraty alaṁ varaiḥ
O du, der mit erhabenen Versen Gepriesene, jener Hauch der Nektartröpfchen deiner Lotosfüße, der aus dem Mund der Großen entströmt, schenkt uns, die wir den Pfad der Wahrheit vergessen haben, den schlechten Yogis, die Erinnerung wieder – [weitere] Gaben sind [daher] überflüssig.
Wort für Wort
saḥ
jener (Nom.Sg.m.)
uttamaśloka
o [du], der mit erhabenen Versen Gepriesene (Vok.Sg.m.)
mahat-mukha-cyutaḥ
aus dem Mund der Großen entströmt (Nom.Sg.m.)
bhavat-pada-ambhoja-sudhā-kaṇa-anilaḥ
der Hauch der Nektartröpfchen deiner Lotosfüße (Nom.Sg.m.)
smṛtim
Erinnerung (Akk.Sg.f.)
punaḥ
wieder
vismṛta-tattva-vartmanām
derer, die den Pfad der Wahrheit vergessen haben (Gen.Pl.m.)
O vielgerühmter [Herr], wer in der Gesellschaft der Heiligen auch nur zufällig einmal deinen heilvollen Ruhm vernimmt – wie könnte ein Kenner [deiner] Eigenschaften davon ablassen, außer er wäre ein Tier – jener Ruhm, um dessentwillen selbst die Glücksgöttin [dich] erwählte, aus Verlangen, [deine] Eigenschaften zu erlangen.
Wort für Wort
yaśaḥ
Ruhm (Akk.Sg.n.)
śivam
heilvoll (Akk.Sg.n.)
su-śravaḥ
o vielgerühmter [Herr] (Vok.Sg.m.) [?]
ārya-saṅgame
in der Gesellschaft der Edlen (Lok.Sg.m.)
yadṛcchayā
zufällig (Instr.Sg.f., Adv.)
ca
und
upaśṛṇoti
vernimmt (3.Sg.Präs.)
te
deinen (Gen.Sg.)
sakṛt
einmal
katham
wie
guṇa-jñaḥ
ein Kenner der [guten] Eigenschaften (Nom.Sg.m.)
viramet
könnte ablassen (3.Sg.Opt.)
vinā paśum
außer ein Tier (Akk.Sg.m.)
śrīḥ
die Glücksgöttin (Nom.Sg.f.)
yat
weswegen
pravavre
erwählte (3.Sg.Perf.Med.)
guṇa-saṅgraha-icchayā
mit dem Wunsch, [deine] Eigenschaften zu erlangen (Instr.Sg.f.)
[Anm.: su-śravaḥ grammatisch als Vokativ zu su-śravas (der Wohlberühmte) gedeutet, gemäß engl. Glosse 'highly glorified Lord'; alternative Lesart als Akkusativ-Attribut zu yaśaḥ ist nicht ausgeschlossen [?].]
So will auch ich dich verehren, o höchste Person von allem, Sitz [aller guten] Eigenschaften, sehnsüchtig verlangend wie Lakṣmī, die Lotos-in-der-Hand-Habende – möge zwischen uns beiden, die wir um denselben [einen] Gatten wetteifern, kein Streit entstehen, da wir beide unsere [ganze] Aufmerksamkeit einzig auf deine Füße gerichtet haben.
Wort für Wort
atha
so/nun
ābhaje
ich will verehren (1.Sg.Präs.Med.)
tvā
dich (Akk.)
akhila-pūruṣottamam
o höchste Person von allem (Akk.Sg.m.)
guṇa-ālayam
Sitz [aller guten] Eigenschaften (Akk.Sg.m.)
padma-karā
die Lotos-Hand-Habende [Lakṣmī] (Nom.Sg.f.)
iva
wie
lālasaḥ
sehnsüchtig verlangend (Nom.Sg.m.)
api
[Partikel]
āvayoḥ
von uns beiden (Gen.Du.)
eka-pati-spṛdhoḥ
die um einen [einzigen] Gatten wetteifern (Gen.Du.m.)
kaliḥ
Streit (Nom.Sg.m.)
na syāt
möge nicht entstehen (3.Sg.Opt.)
kṛta-tvat-caraṇa-eka-tānayoḥ
derer, die ihre Aufmerksamkeit einzig auf deine Füße gerichtet haben (Gen.Du.m.)
jagajjananyāṁ jagadīśa vaiśasaṁ
syād eva yatkarmaṇi naḥ samīhitam
karoṣi phalgv apy uru dīnavatsalaḥ
sva eva dhiṣṇye 'bhiratasya kiṁ tayā
O Herr des Universums, in Bezug auf die Mutter des Universums [Lakṣmī] könnte durch mein Bestreben gewiss Feindschaft entstehen; doch du, der den Demütigen zugeneigt ist, machst selbst Großes gering. Was hättest du, der in deinem eigenen Reichtum vollkommen erfreut ist, mit ihr [zu schaffen]?
Wort für Wort
jagat-jananyām
in Bezug auf die Mutter des Universums (Lok.Sg.f.)
bhajanty atha tvām ata eva sādhavo
vyudastamāyāguṇavibhramodayam
bhavatpadānusmaraṇād ṛte satāṁ
nimittam anyad bhagavan na vidmahe
Deshalb verehren dich die Frommen, dich, der die aus den [materiellen] Eigenschaften der Māyā entstehende Täuschung verworfen hat; abgesehen vom [beständigen] Gedenken an deine Füße kennen wir keinen anderen Grund der Heiligen [für ihre Hingabe].
Wort für Wort
bhajanti
sie verehren (3.Pl.Präs.)
atha
daher
tvām
dich (Akk.)
ataḥ eva
eben deshalb
sādhavaḥ
die Frommen (Nom.Pl.m.)
vyudasta-māyā-guṇa-vibhrama-udayam
dessen die aus den Eigenschaften der Māyā entstehende Täuschung verworfen ist (Akk.Sg.m.)
manye giraṁ te jagatāṁ vimohinīṁ
varaṁ vṛṇīṣveti bhajantam āttha yat
vācā nu tantyā yadi te jano 'sita:
kathaṁ punaḥ karma karoti mohitaḥ
Ich halte dafür, dass deine Rede, die die Welten verwirrt, [darin besteht, dass] du zu mir, dem Dienenden, gesagt hast: 'Erbitte eine Gabe' – denn wenn dein Volk durch das Band deines Wortes nicht [wirklich] gebunden wäre, wie könnte es, so getäuscht, immer wieder [fruchtbringende] Handlungen vollziehen?
tvanmāyayāddhā jana īśa khaṇḍito
yad anyad āśāsta ṛtātmano 'budhaḥ
yathā cared bālahitaṁ pitā svayaṁ
tathā tvam evārhasi naḥ samīhitum
O Herr, durch deine Māyā ist das Volk wahrlich vom wahren Selbst getrennt, sodass es, unwissend, Anderes begehrt. So wie ein Vater von selbst zum Wohl des Kindes handelt, so solltest gewiss du selbst für uns [das Rechte] bestimmen.
maitreya uvāca
iti ādirājena nutaḥ sa viśvadṛk
tam āha rājan mayi bhaktir astu te
diṣṭyedṛśī dhīr mayi te kṛtā yayā
māyāṁ madīyāṁ tarati sma dustyajām
Maitreya sprach: So von dem Urkönig gepriesen, sprach jener Allsehende zu ihm: 'O König, möge deine Hingabe zu mir bestehen. Glücklicherweise wurde eine solche, auf mich [gerichtete] Gesinnung von dir entwickelt, wodurch du meine Māyā, die schwer aufzugeben ist, überwindest.'
Maitreya sprach: So, nachdem er die bedeutungsvolle Rede des königlichen Weisen, des Sohnes Venas, gelobt hatte, verehrt und nachdem er ihm Gnade erwiesen hatte, fasste der Unfehlbare den Entschluss zu gehen.
Die Halbgötter, Weisen, Ahnen, Gandharvas, Siddhas, Cāraṇas und Schlangenwesen, die Kinnaras und Apsaras, die Sterblichen, die Vögel und die Lebewesen in vielfältiger Gestalt – vom König, der ihn als Herrn des Opfers betrachtete, durch [ehrende] Worte, Reichtum, gefaltete Hände und Hingabe geehrt, gingen sie alle darauf, dem Herrn von Vaikuṇṭha folgend, davon.
Wort für Wort
deva
Halbgötter (Nom.Pl.m., Kompositumsglied)
ṛṣi
Weise
pitṛ
Ahnen
gandharva
Gandharvas
siddha
Siddhas
cāraṇa
Cāraṇas
pannagāḥ
Schlangenwesen (Nom.Pl.m.)
kinnara-apsarasaḥ
Kinnaras und Apsaras (Nom.Pl.)
martyāḥ
Sterbliche (Nom.Pl.m.)
khagāḥ
Vögel (Nom.Pl.m.)
bhūtāni
Lebewesen (Nom.Pl.n.)
anekaśaḥ
auf vielerlei Weise
yajña-īśvara-dhiyā
mit der Gesinnung [an ihn] als Herrn des Opfers (Instr.Sg.f.)
rājñā
durch den König (Instr.Sg.m.)
vāk-vitta-añjali-bhaktitaḥ
durch [ehrende] Worte, Reichtum, gefaltete Hände und Hingabe (Adv.)
bhagavān api rājarṣeḥ sopādhyāyasya cācyutaḥ
harann iva mano 'muṣya svadhāma pratyapadyata
Der Erhabene, der Unfehlbare, kehrte auch, gleichsam den Geist des königlichen Weisen samt seinen Priestern hinwegnehmend, zu seiner eigenen Wohnstatt zurück.
adṛṣṭāya namaskṛtya nṛpaḥ sandarśitātmane
avyaktāya ca devānāṁ devāya svapuraṁ yayau
Nachdem der König dem Unsichtbaren, der [dennoch] sein [eigenes] Selbst gezeigt hatte, dem Unmanifesten und dem Gott der Götter, Verehrung erwiesen hatte, kehrte er in seine eigene Stadt zurück.