brāhmaṇa uvāca
duratyaye 'dhvany ajayā niveśito
rajas-tamaḥ-sattva-vibhakta-karmadṛk
sa eṣa sārtho 'rtha-paraḥ paribhraman
bhavāṭavīṁ yāti na śarma vindati
Der Brahmane sprach: Auf dem schwer zu überwindenden Weg, von Māyā hineinversetzt, dessen Sicht der Taten durch Rajas, Tamas und Sattva geteilt ist, wandert er, dieser Karawanenreisende, dem Gewinn ergeben, umher; er durchzieht den Wald des [weltlichen] Daseins und findet kein Glück.
Wort für Wort
brāhmaṇaḥ
der Brahmane (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
duratyaye
auf dem schwer zu überwindenden (Lok. Sg.)
adhvani
Weg (Lok. Sg.)
ajayā
durch Māyā/Nichtwissen (Instr. Sg.)
niveśitaḥ
hineinversetzt (Nom. Sg. m., PPP)
rajas-tamaḥ-sattva-vibhakta-karma-dṛk
dessen Sicht der Taten durch Rajas, Tamas, Sattva geteilt ist (Nom. Sg., Bahuvrihi)
saḥ eṣaḥ
er, dieser (Nom. Sg.)
sa-arthaḥ
der Karawanenreisende (Nom. Sg.)
artha-paraḥ
dem Gewinn ergeben (Nom. Sg., Bahuvrihi)
paribhraman
umherirrend (Präs. Part. Nom. Sg. m.)
bhava-aṭavīm
den Wald des Daseins (Akk. Sg. f.)
yāti
durchzieht/geht (3. Sg. Präs.)
na śarma vindati
findet kein Glück (3. Sg. Präs.)
[Anm.: 'sārtha' (Karawane/Karawanenreisender) eröffnet die zentrale Bildkette dieses Kapitels - der bedingten Seele als Kaufmann, der mit einer Handelskarawane durch den gefahrvollen Wald der materiellen Existenz zieht; das Bild wird in den folgenden Versen fortgeführt.]
O Menschengott [König], in diesem Wald plündern jene sechs Räuber mit Gewalt die von einem schlechten Führer geleitete Karawane; dort rauben die Schakale den unachtsamen Karawanenführer hinweg, so wie Wölfe, in die Herde eindringend, ein beschütztes Lamm.
Wort für Wort
yasyām
in welchem [Wald] (Lok. Sg. f., Relativ)
ime ṣaṭ
diese sechs (Nom. Pl. m.)
nara-deva
o Menschengott/König (Vok. Sg.)
dasyavaḥ
Räuber (Nom. Pl. m.)
sārtham
die Karawane (Akk. Sg. m.)
vilumpanti
sie plündern (3. Pl. Präs.)
ku-nāyakam
von schlechtem Führer geleitet (Akk. Sg. m.)
balāt
mit Gewalt (Abl. Sg.)
gomāyavaḥ
Schakale (Nom. Pl. m.)
yatra
wo (Adv.)
haranti
sie rauben (3. Pl. Präs.)
sārthikam
den Karawanenführer (Akk. Sg. m.)
pramattam
den unachtsamen (Akk. Sg. m.)
āviśya
eindringend (Absolutiv)
yathā uraṇam vṛkāḥ
wie Wölfe ein Lamm (Vergleich)
[Anm.: die 'sechs Räuber' (ṣaṭ dasyavaḥ) sind traditionell die fünf Erkenntnissinne und der Geist (manas).]
In der Dickung reichlicher Schlingpflanzen, Gräser und Büsche von den harten Bissen der Mücken geplagt, erblickt er manchmal die Gandharva-Stadt [ein Trugbild], und manchmal, manchmal auch einen schnell dahineilenden, meteorgleichen Unhold.
Wort für Wort
prabhūta-vīrut-tṛṇa-gulma-gahvare
in der Dickung reichlicher Schlingpflanzen, Gräser, Büsche (Lok. Sg. n.)
nivāsa-toya-draviṇātma-buddhis
tatas tato dhāvati bho aṭavyām
kvacic ca vātyotthita-pāṁsu-dhūmrā
diśo na jānāti rajas-valākṣaḥ
Wohnstätte, Wasser und Reichtum für sein wahres Selbst haltend, läuft er, o [König], bald hierhin, bald dorthin im Wald umher; und manchmal, wenn die Himmelsrichtungen durch von einem Wirbelwind aufgewirbelten Staub rauchgrau [verhüllt] sind, erkennt er, dessen Augen vom Staub geblendet sind, die Himmelsrichtungen nicht.
Wort für Wort
nivāsa-toya-draviṇa-ātma-buddhiḥ
dessen Auffassung vom Selbst Wohnstätte, Wasser und Reichtum ist (Nom. Sg., Bahuvrihi)
tataḥ tataḥ
dahin und dorthin
dhāvati
er läuft (3. Sg. Präs.)
bhoḥ
o [König] (Vok.-Partikel)
aṭavyām
im Wald (Lok. Sg. f.)
kvacit ca
und manchmal
vātyā-utthita
durch Wirbelwind aufgewirbelt (Adj.)
pāṁsu-dhūmrāḥ
staubgrau (Nom. Pl. f.)
diśaḥ
die Himmelsrichtungen (Akk. Pl. f.)
na jānāti
er erkennt nicht (3. Sg. Präs.)
rajaḥ-vala-akṣaḥ
dessen Augen vom Staub/von Leidenschaft geblendet sind (Nom. Sg., Bahuvrihi)
[Anm.: Wortspiel mit 'rajas' = Staub / zugleich die Erscheinungsweise der Leidenschaft; 'rajas-vala-akṣaḥ' kann auch auf die Verblendung durch die Gattin anspielen.]
Durch den Laut unsichtbarer Grillen mit Ohrenschmerz geplagt, durch die Rufe der Eulen im Herzen gequält, sucht er, von Hunger gepeinigt, Zuflucht bei unheiligen [fruchtlosen] Bäumen, und manchmal läuft er den Wassern einer Luftspiegelung hinterher.
kvacid vitoyāḥ sarito 'bhiyāti
parasparaṁ cālaṣate nirandhaḥ
āsādya dāvaṁ kvacid agni-tapto
nirvidyate kva ca yakṣair hṛtāsuḥ
Manchmal betritt er wasserlose Flüsse, und, ohne Vorrat, begehrt er wechselseitig [von anderen etwas]; manchmal, einen Waldbrand antreffend, vom Feuer versengt, wird er verzweifelt, und irgendwo, wenn seine Lebenskraft [sein Gut] von Yakṣas geraubt ist, [verzweifelt er ebenso].
Wort für Wort
kvacit
manchmal
vitoyāḥ saritaḥ
wasserlose Flüsse (Akk. Pl. f.)
abhiyāti
er betritt/geht zu (3. Sg. Präs.)
parasparam
wechselseitig (Adv.)
ca ālaṣate
und er begehrt (3. Sg. Präs. Med.)
nirandhaḥ
ohne Vorrat (Nom. Sg. m.)
āsādya
antreffend (Absolutiv)
dāvam
Waldbrand (Akk. Sg. m.)
kvacit
manchmal
agni-taptaḥ
vom Feuer versengt (Nom. Sg. m.)
nirvidyate
wird verzweifelt/überdrüssig (3. Sg. Präs. Pass.)
kva ca
und irgendwo
yakṣaiḥ
durch Yakṣas [Räuberdämonen] (Instr. Pl.)
hṛta-asuḥ
dessen Lebenskraft geraubt ist (Nom. Sg., Bahuvrihi)
[Anm.: 'hṛtāsuḥ' wörtlich 'dessen Lebenskraft geraubt ist' - übertragen auf den Verlust von Besitz, der einem so teuer ist wie das eigene Leben.]
śūrair hṛta-svaḥ kva ca nirviṇṇa-cetāḥ
śocan vimuhyann upayāti kaśmalam
kvacic ca gandharva-puraṁ praviṣṭaḥ
pramodate nirvṛtavan muhūrtam
Manchmal, wenn sein Eigentum von Mächtigen geraubt ist, verzagten Geistes, trauernd und verwirrt, gerät er in Bewusstlosigkeit [Verzweiflung]; und manchmal, wenn er die Gandharva-Stadt betreten hat, freut er sich für einen Augenblick wie ein [wahrhaft] Glücklicher.
Manchmal, während er wandert, die Füße von Dornen und Kieselsteinen zerstochen, verharrt er mutlos, gleichsam einen Berg besteigen wollend; Schritt für Schritt vom inneren Feuer [des Hungers] gequält, wird der Familienvater fürwahr zornig auf seine Angehörigen.
Wort für Wort
calan
wandernd (Präs. Part.)
kvacit
manchmal
kaṇṭaka-śarkara-aṅghriḥ
dessen Füße von Dornen und Kieselsteinen [verletzt sind] (Nom. Sg., Bahuvrihi)
naga-ārurukṣuḥ
der den Berg zu besteigen wünscht (Nom. Sg., Desiderativ-Bahuvrihi)
kvacin nigīrṇo 'jagarāhinā jano
nāvaiti kiñcid vipine 'paviddhaḥ
daṣṭaḥ sma śete kva ca danda-śūkair
andho 'ndha-kūpe patitas tamisre
Manchmal, im Dickicht preisgegeben, von der Riesenschlange [Python] verschlungen, erkennt das Lebewesen nichts mehr; und irgendwo liegt es, von anderen Schlangen gebissen, blind, in einen verborgenen Brunnen gefallen, in Finsternis.
karhi sma cit kṣudra-rasān vicinvaṁs
tan-makṣikābhir vyathito vimānaḥ
tatrāti-kṛcchrāt pratilabdhamāno
balād vilumpanty atha taṁ tato 'nye
Manchmal, während er nach geringfügigen Säften [Honig] sucht, von deren Bienen gequält und entehrt, es dort nach großer Mühsal endlich erlangend, rauben es ihm andere sogleich mit Gewalt.
Wort für Wort
karhi sma cit
manchmal, irgendwann
kṣudra-rasān
geringfügige Säfte/Genüsse [Honig] (Akk. Pl. m.)
vicinvan
suchend (Präs. Part.)
tat-makṣikābhiḥ
von deren Bienen (Instr. Pl.)
vyathitaḥ
gequält (Nom. Sg. m., PPP)
vimānaḥ
entehrt/beleidigt (Nom. Sg. m., PPP)
tatra
dort
ati-kṛcchrāt
nach großer Mühsal (Abl.)
pratilabdhamānaḥ
es erlangend (Nom. Sg. m., Präs. Part. Med.)
balāt
mit Gewalt (Abl.)
vilumpanti
sie rauben (3. Pl. Präs.)
atha
sogleich/dann
tam
es (Akk. Sg.)
tataḥ anye
danach andere (Nom. Pl.)
[Anm.: In der überlieferten Deutung stehen die 'geringfügigen Säfte' (kṣudra-rasa, Honig) für flüchtige sinnliche Genüsse, die 'Bienen' für Nebenbuhler/Angehörige der begehrten Frau.]
kvacic ca śītātapa-vāta-varṣa-
pratikriyāṁ kartum anīśa āste
kvacin mitho vipaṇan yac ca kiñcid
vidveṣam ṛcchaty uta vitta-śāṭhyāt
Und manchmal bleibt er, unfähig, Kälte, Hitze, Wind und Regen abzuwehren, hilflos zurück; manchmal, wenn er miteinander etwas auch immer verhandelt, gerät er, wie es heißt, durch Betrug um des Geldes willen in Feindschaft.
Hier und da, wenn sein Reichtum geschwunden ist, ohne Lager, Sitz, Wohnstatt und Vergnügen, bettelt er bei einem anderen, doch seine Wünsche bleiben unerfüllt; mit dem Blick auf fremdes Gut gerichtet, erntet er nur Schmach.
Wort für Wort
kvacit kvacit
hier und da
kṣīṇa-dhanaḥ
dessen Reichtum geschwunden ist (Nom. Sg., Bahuvrihi)
tu
aber
tasmin
in jenem [Wald] (Lok. Sg.)
śayyā-āsana-sthāna-vihāra-hīnaḥ
ohne Lager, Sitz, Wohnstatt, Vergnügen (Nom. Sg., Bahuvrihi)
yācan
bettelnd (Präs. Part.)
parāt
von einem anderen (Abl. Sg.)
apratilabdha-kāmaḥ
dessen Wünsche unerfüllt bleiben (Nom. Sg., Bahuvrihi)
pārakya-dṛṣṭiḥ
dessen Blick auf Fremdes gerichtet ist (Nom. Sg., Bahuvrihi)
Durch gegenseitige Geldverstrickungen wächst das Band der Feindschaft, selbst wenn man untereinander heiratet; auf jenem Weg, wandelnd unter großer Mühsal, Geldnot und Krankheiten, geht er zugrunde.
Wort für Wort
anyonya-vitta-vyatiṣaṅga
durch gegenseitige Geldverflechtung (Kompositum)
vṛddha-vaira-anubandhaḥ
dessen Band der Feindschaft angewachsen ist (Nom. Sg., Bahuvrihi)
tāṁs tān vipannān sa hi tatra tatra
vihāya jātaṁ parigṛhya sārthaḥ
āvartate 'dyāpi na kaścid atra
vīrādhvanaḥ pāram upaiti yogam
Diese und jene, die zugrunde gegangen sind, dort und da zurücklassend und immer wieder einen Neugeborenen aufnehmend, kehrt die Karawane im Kreis wieder; selbst jetzt noch, o Held, erreicht hier keiner das jenseitige Ufer des Weges, die Vereinigung [mit dem Höchsten].
manasvino nirjita-dig-gajendrā
mameti sarve bhuvi baddha-vairāḥ
mṛdhe śayīran na tu tad vrajanti
yan nyasta-daṇḍo gata-vairo 'bhiyāti
Die Stolzen, die die Elefantenfürsten der Himmelsrichtungen [an Macht] besiegt haben, mögen alle, ‚mein! mein!' [denkend], auf Erden Feindschaft geschlossen habend, in der Schlacht fallen - doch jenes [Ziel] erreichen sie nicht, welches der erreicht, der den Stab niedergelegt hat und dem jede Feindschaft gewichen ist.
Wort für Wort
manasvinaḥ
die Stolzen/Geistvollen (Nom. Pl. m.)
nirjita-dik-gajendrāḥ
die die Elefantenfürsten der Richtungen besiegt haben (Nom. Pl., Bahuvrihi)
mama iti
‚mein!' [denkend]
sarve
alle (Nom. Pl. m.)
bhuvi
auf Erden (Lok. Sg.)
baddha-vairāḥ
die Feindschaft geschlossen haben (Nom. Pl., Bahuvrihi)
mṛdhe
in der Schlacht (Lok. Sg.)
śayīran
mögen sie fallen (3. Pl. Optativ)
na tu
aber nicht
tat vrajanti
jenes erreichen sie (3. Pl. Präs.)
yat
welches (Akk.)
nyasta-daṇḍaḥ
der den Stab niedergelegt hat (Nom. Sg., Bahuvrihi)
gata-vairaḥ
dem die Feindschaft gewichen ist (Nom. Sg., Bahuvrihi)
Manchmal hängt er an den [schlingpflanzengleichen] Armen [seiner Frau] als Zuflucht, begehrend die undeutlichen Laute der Vögel zu hören, die in jenen Ranken wohnen; und manchmal, irgendwann, vor dem Löwenrudel erschreckend, schließt er Freundschaft mit Reihern, Habichten und Geiern.
Wort für Wort
prasajjati
er hängt an (3. Sg. Präs.)
kvāpi
irgendwo/manchmal
latā-bhuja-āśrayaḥ
der Zuflucht bei den schlingpflanzengleichen Armen [der Frau] sucht (Nom. Sg., Bahuvrihi)
tat-āśraya
bei diesen [Ranken] Zuflucht habend (Adj.)
avyakta-pada
mit undeutlichen Lauten (Adj.)
dvija-spṛhaḥ
der die Vögel [zu hören] begehrt (Nom. Sg., Bahuvrihi)
Von jenen [Betrügern] getäuscht, wendet er sich, obwohl er sich der Schar der Schwäne [den wahren Heiligen] angeschlossen hatte, doch an deren Wesen kein Gefallen findend, den Affen zu; durch das Treiben mit seinesgleichen, die Sinne wohl befriedigt, vergisst er, einander nur anstarrend, das Ende seines Lebens.
Wort für Wort
taiḥ vañcitaḥ
von jenen [Betrügern] getäuscht (Instr./Nom.)
haṁsa-kulam
die Schar der Schwäne (Akk. Sg. n.)
samāviśan
sich anschließend (Präs. Part.)
arocayan
kein Gefallen findend (Präs. Part.)
śīlam
das Wesen/Verhalten (Akk. Sg. n.)
upaiti
wendet sich zu (3. Sg. Präs.)
vānarān
den Affen (Akk. Pl. m.)
tat-jāti-rāsena
durch das Treiben mit Seinesgleichen (Instr.)
sunirvṛta-indriyaḥ
dessen Sinne wohl befriedigt sind (Nom. Sg., Bahuvrihi)
paraspara-udvīkṣaṇa
durch gegenseitiges Anstarren (Kompositum)
vismṛta-avadhiḥ
dessen Lebensende vergessen ist (Nom. Sg., Bahuvrihi)
In den Bäumen sich vergnügend, an Kindern und Gattin hängend, elend durch den Geschlechtstrieb, unfrei in der eigenen Fessel, [treibt er es weiter]; manchmal, aus Unachtsamkeit in eine Bergschlucht stürzend, eine Ranke ergreifend, verharrt er, vor dem Elefanten [des Todes] sich fürchtend, dort hängend.
ataḥ kathañcit sa vimukta āpadaḥ
punaś ca sārthaṁ praviśaty arindama
adhvany amuṣminn ajayā niveśito
bhramañ jano 'dyāpi na veda kaścana
Von dieser Gefahr irgendwie befreit, tritt er, o Feindebezwinger, wieder in die Karawane ein; auf jenem Weg von Māyā hineinversetzt, erkennt der umherirrende Mensch selbst jetzt noch nichts.
rahūgaṇa tvam api hy adhvano 'sya
sannyasta-daṇḍaḥ kṛta-bhūta-maitraḥ
asaj-jitātmā hari-sevayā śitaṁ
jñānāsim ādāya tarāti-pāram
O Rahūgaṇa, auch du, den Stab dieses Weges niedergelegt, Freundschaft mit allen Wesen geschlossen habend, dessen Geist vom Unwirklichen nicht bezwungen ist - ergreife das durch den Dienst an Hari geschärfte Schwert des Wissens und überquere damit das ferne jenseitige Ufer!
Wort für Wort
rahūgaṇa
o Rahūgaṇa (Vok.)
tvam api hi
auch du gewiss
adhvanaḥ asya
dieses Weges (Gen. Sg.)
sannyasta-daṇḍaḥ
der den Stab niedergelegt hat (Nom. Sg., Bahuvrihi)
kṛta-bhūta-maitraḥ
der Freundschaft mit allen Wesen geschlossen hat (Nom. Sg., Bahuvrihi)
asat-jita-ātmā
dessen Geist vom Unwirklichen nicht bezwungen ist (Nom. Sg., Bahuvrihi)
rājā uvāca
aho nṛ-janmākhila-janma-śobhanaṁ
kiṁ janmabhis tv aparair apy amuṣmin
na yad dhṛṣīkeśa-yaśaḥ-kṛtātmanāṁ
mahātmanāṁ vaḥ pracuraḥ samāgamaḥ
Der König sprach: Ach, die Menschengeburt ist die schönste unter allen Geburten! Wozu nützen andere, höhere Geburten in jenem [nächsten Leben], wenn es nicht darin die häufige Zusammenkunft mit euch großen Seelen gibt, deren Selbst durch den Ruhm Hṛṣīkeśas [des Sinnesherrn] geformt ist?
Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
aho
ach! (Interjektion)
nṛ-janma
die Menschengeburt (Nom. Sg. n.)
akhila-janma-śobhanam
die schönste unter allen Geburten (Nom. Sg. n.)
kim janmabhiḥ
was nützen [andere] Geburten (Instr. Pl.)
tu aparaiḥ api
aber auch mit anderen [höheren]
amuṣmin
in jenem [nächsten Leben] (Lok. Sg.)
na yat
wenn nicht (Konj.)
hṛṣīkeśa-yaśaḥ-kṛta-ātmanām
derer, deren Selbst durch Hṛṣīkeśas Ruhm geformt ist (Gen. Pl.)
na hy adbhutaṁ tvac-caraṇābja-reṇubhir
hatāṁhaso bhaktir adhokṣaje 'malā
mauhūrtikād yasya samāgamāc ca me
dustarka-mūlo 'pahato 'vivekaḥ
Nicht verwunderlich wäre es fürwahr, wenn durch den Staub deiner Lotosfüße in einem, dessen Sünden dadurch vernichtet sind, makellose Hingabe an den Transzendenten entstünde - ist doch schon durch die nur einen Augenblick währende Begegnung mit dir mein in falscher Schlussfolgerung wurzelnder Mangel an Urteilskraft vertrieben worden.
Wort für Wort
na hi adbhutam
nicht wundersam wäre es fürwahr
tvat-caraṇa-abja-reṇubhiḥ
durch den Staub deiner Lotosfüße (Instr. Pl.)
hata-aṁhasaḥ
dessen Sünden vernichtet sind (Gen. Sg., Bahuvrihi)
bhaktiḥ
Hingabe (Nom. Sg. f.)
adhokṣaje
an den Transzendenten (Lok. Sg.)
amalā
makellos (Nom. Sg. f.)
mauhūrtikāt
durch die nur augenblickliche (Abl. Sg.)
yasya
dessen (Gen. Sg.)
samāgamāt ca
und durch die Begegnung (Abl. Sg.)
me
mein (Gen. Sg.)
dustarka-mūlaḥ
dessen Wurzel falsche Schlussfolgerung ist (Nom. Sg., Bahuvrihi)
namo mahadbhyo 'stu namaḥ śiśubhyo
namo yuvabhyo nama āvaṭubhyaḥ
ye brāhmaṇā gām avadhūta-liṅgāś
caranti tebhyaḥ śivam astu rājñām
Verehrung sei den Großen, Verehrung den Kindern, Verehrung den Jünglingen, Verehrung den Knaben - allen jenen Brahmanen, die unter verworfenem [unerkennbarem] äußeren Erscheinungsbild die Erde durchwandern, ihnen [gebühre Verehrung]; den Königen sei Heil durch sie.
Wort für Wort
namaḥ mahadbhyaḥ astu
Verehrung sei den Großen (Dat. Pl.)
namaḥ śiśubhyaḥ
Verehrung den Kindern (Dat. Pl.)
namaḥ yuvabhyaḥ
Verehrung den Jünglingen (Dat. Pl.)
namaḥ āvaṭubhyaḥ
Verehrung den Knaben (Dat. Pl.)
ye brāhmaṇāḥ
die welche Brahmanen [sind] (Nom. Pl.)
gām
die Erde (Akk. Sg. f.)
avadhūta-liṅgāḥ
mit verworfenem äußeren Erscheinungsbild (Nom. Pl., Bahuvrihi)
Śrī Śuka sprach: So also, o Sohn der Uttarā [Parīkṣit], belehrte jener Sohn des Brahmanen-Weisen [Jaḍa Bharata], von höchster geistiger Erfahrung, den Herrn von Sindhu [König Rahūgaṇa] - obwohl dieser ihn zuvor geringgeachtet hatte - aus höchstem Mitleid über die wahre Beschaffenheit des Selbst; und nachdem Rahūgaṇa demütig seine Füße verehrt hatte, durchwanderte er, gleich einem randvollen Ozean, dessen Herz - wie dessen Wellen - vollkommen still war, diese Erde.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
iti evam
so, auf diese Weise
uttarā-mātaḥ
o Sohn der Uttarā (Vok., d.i. Parīkṣit)
saḥ vai
jener fürwahr
brahmarṣi-sutaḥ
der Sohn des Brahmanen-Weisen (Nom. Sg.)
sindhu-pataye
dem Herrn von Sindhu (Dat. Sg.)
ātma-sa-tattvam
die wahre Beschaffenheit des Selbst (Akk. Sg. n.)
vigaṇayataḥ
der [ihn zuvor] geringachtete (Gen. Sg. Part., auf Rahūgaṇa bezogen)
para-anubhāvaḥ
von höchster [geistiger] Erfahrung (Nom. Sg. m.)
parama-kāruṇikatayā
aus höchstem Mitleid (Instr.)
upadiśya
belehrt habend (Absolutiv)
rahūgaṇena
von Rahūgaṇa (Instr. Sg.)
sa-karuṇam
demütig/mitleiderregend (Adv.)
abhivandita-caraṇaḥ
dessen Füße verehrt wurden (Nom. Sg., Bahuvrihi)
āpūrṇa-arṇavaḥ iva
wie ein randvoller Ozean (Vergleich)
nibhṛta-karaṇa-ūrmi-āśayaḥ
dessen Herz - wie dessen Wellen die Sinne - vollkommen still ist (Nom. Sg., Bahuvrihi)
dharaṇim imām
diese Erde (Akk. Sg. f.)
vicacāra
durchwanderte (3. Sg. Perf.)
[Anm.: 'vigaṇayataḥ' ist grammatisch ein freistehender Genitiv, der sich sinngemäß auf Rahūgaṇa bezieht, der Jaḍa Bharata zuvor (Kap. 10) missachtet und beschimpft hatte - so auch in der Tradition (Prabhupāda) gedeutet [?].]
sauvīra-patir api sujana-samavagata-paramātma-satattva ātmany avidyādhyāropitāṁ ca dehātma-matiṁ visasarja; evaṁ hi nṛpa bhagavad-āśritāśritānubhāvaḥ
Auch der Herr von Sauvīra [Rahūgaṇa], der von dem edlen [Jaḍa Bharata] die wahre Beschaffenheit der Überseele erfahren hatte, gab die im eigenen Selbst durch Unwissenheit fälschlich zugeschriebene Vorstellung, der Körper sei das Selbst, gänzlich auf. So, o König, zeigt sich die Wirkung [der Zuflucht] bei dem, der bei einem Zuflucht gesucht hat, der [selbst wiederum] beim Herrn Zuflucht gesucht hat.
Wort für Wort
sauvīra-patiḥ api
auch der Herr von Sauvīra (Nom. Sg.)
su-jana-samavagata-paramātma-sa-tattvaḥ
der vom edlen [Jaḍa Bharata] die wahre Beschaffenheit der Überseele erfahren hatte (Nom. Sg., Bahuvrihi)
ātmani
im [eigenen] Selbst (Lok. Sg.)
avidyā-adhyāropitām
durch Unwissen fälschlich zugeschrieben (Akk. Sg. f., PPP)
ca
und
deha-ātma-matim
die Vorstellung, der Körper sei das Selbst (Akk. Sg. f.)
visasarja
gab gänzlich auf (3. Sg. Perf.)
evam hi
so nämlich
nṛpa
o König (Vok., d.i. Parīkṣit)
bhagavat-āśrita-āśrita-anubhāvaḥ
die Wirkung [der Zuflucht] bei dem, der bei einem Diener des Herrn Zuflucht gesucht hat (Nom. Sg. m.)
rājā uvāca
yo ha vā iha bahu-vidā mahā-bhāgavata tvayābhihitaḥ parokṣeṇa vacasā jīva-loka-bhavādhvā sa hy ārya-manīṣayā kalpita-viṣayo nāñjasāvyutpanna-loka-samadhigamaḥ; atha tad evaitad duravagamaṁ samavetānukalpena nirdiśyatām iti
Der König sprach: Was du hier, o großer Gottgeweihter, kundig, mit verhüllter Rede über den Weg des Werdens der Lebewesen-Welt dargelegt hast - dies ist, durch die Weisheit der Edlen bildhaft ausgestaltet, für ungebildete Menschen nicht unmittelbar verständlich. Möge daher eben dies, so schwer verständlich es ist, in einer uns angemessenen, einfacheren Weise dargelegt werden.
Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
yaḥ ha vā iha
was hier fürwahr
bahu-vidā
durch [dich], den Vielwissenden (Instr. Sg.)
mahā-bhāgavata
o großer Gottgeweihter (Vok.)
tvayā abhihitaḥ
von dir dargelegt (Instr./Nom., PPP)
parokṣeṇa vacasā
mit verhüllter Rede (Instr.)
jīva-loka-bhava-adhvā
der Weg des Werdens der Lebewesenwelt (Nom. Sg. m.)
saḥ hi
dieser fürwahr
ārya-manīṣayā
durch die Weisheit der Edlen (Instr.)
kalpita-viṣayaḥ
dessen Gegenstand [bildhaft] ausgestaltet ist (Nom. Sg., Bahuvrihi)
na añjasā
nicht unmittelbar (Adv.)
avyutpanna-loka-samadhigamaḥ
für ungebildete Menschen verständlich (Nom. Sg. m., verneint)
atha
daher
tat eva etat
eben dies (Akk.)
duravagamam
schwer verständlich (Akk. Sg. n.)
samaveta-anukalpena
mit einer uns angemessenen, einfacheren Darstellung (Instr.)
nirdiśyatām
möge dargelegt werden (3. Sg. Passiv-Imperativ)
iti
so [sprach er]
[Anm.: 'rājā uvāca' bezeichnet im Erzählrahmen weiterhin König Rahūgaṇa im Gespräch mit Jaḍa Bharata, nicht Parīkṣit (der als Zuhörer der Rahmenerzählung erst in Vers 24-25 direkt angesprochen wird).]