Śrī Śuka sprach: Nachdem er das Wirken [Prahlādas], das in der Versammlung [der Weisen] trefflich gepriesen worden war, vernommen hatte, fragte Yudhiṣṭhira – der Erste unter den Größten, dessen Sinn dem [Herrn] von den weiten Schritten [Viṣṇu] ergeben war – von Freude erfüllt, abermals den Sohn des Selbstentstandenen [Nārada] nach dem Herrn der Daityas.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka (Nom.) sprach
śrutvā
gehört habend (Absolutiv)
īhitam
das Wirken/die Tat (Akk. Sg. n.)
sādhu
trefflich (Adv.)
sabhā-sabhājitam
in der Versammlung gepriesen (Akk. Sg. n., Ptz.)
mahattama-agraṇyaḥ
der Erste unter den Größten (Nom. Sg. m.)
urukrama-ātmanaḥ
dessen Sinn dem [Gott] der weiten Schritte [ergeben war] (Gen./Nom.-Bez. Sg. m.)
yudhiṣṭhiraḥ
Yudhiṣṭhira (Nom. Sg. m.)
daitya-pateḥ
nach dem Herrn der Daityas (Gen. Sg. m.)
mudā-anvitaḥ
von Freude begleitet (Nom. Sg. m.)
papraccha
er fragte (3. Sg. Perf.)
bhūyaḥ
abermals (Adv.)
tanayam
den Sohn (Akk. Sg. m.)
svayambhuvaḥ
des Selbstentstandenen [Brahmā] (Gen. Sg. m.)
daitya-pateḥ bezieht sich auf Prahlāda, dessen Geschichte im vorangehenden Kapitel (7.10) behandelt wurde.
Śrī Yudhiṣṭhira sprach: O Herr, ich wünsche die ewige Pflicht der Menschen zu hören, verbunden mit dem Brauch der [vier] Stände und Lebensstufen, durch welche der Mensch das Höchste erlangt.
Wort für Wort
śrī-yudhiṣṭhiraḥ uvāca
Śrī Yudhiṣṭhira (Nom.) sprach
bhagavan
o Herr (Vok.)
śrotum
zu hören (Inf.)
icchāmi
ich wünsche (1. Sg. Präs.)
nṛṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
dharmam
die Pflicht (Akk. Sg. m.)
sanātanam
ewige (Akk. Sg. m.)
varṇa-āśrama-ācāra-yutam
verbunden mit dem Brauch der Stände und Lebensstufen (Akk. Sg. m.)
Du bist der unmittelbare leibliche Sohn des Prajāpati, des Höchststehenden [Brahmā], und unter [seinen] Söhnen durch Askese, Yoga und [meditative] Versenkung anerkannt, o Brahmane.
Die Nārāyaṇa ergebenen Brahmanen – mitfühlend, rechtschaffen, friedvoll, deinesgleichen – kennen die geheime, höchste Pflicht; andere hingegen nicht ebenso.
Śrī Nārada sprach: Mich verneigend vor dem ungeborenen Herrn, dem Damm [Hüter] der Pflicht der Welten, werde ich die ewige Pflicht verkünden, die ich aus dem Mund Nārāyaṇas vernommen habe.
yo 'vatīryātmano 'ṁśena dākṣāyaṇyāṁ tu dharmataḥ lokānāṁ svastaye 'dhyāste tapo badarikāśrame
Er [der Herr], der mit einem Teil seiner selbst, von Dharma [gezeugt], in [den Schoß der] Dākṣāyaṇī herabstieg, übt zum Wohl der Welten Askese in Badarikāśrama.
dharma-mūlaṁ hi bhagavān sarva-vedamayo hariḥ smṛtaṁ ca tad-vidāṁ rājan yena cātmā prasīdati
Fürwahr, der Erhabene Hari, der aus allen Veden besteht, ist die Wurzel der Pflicht – so wird von denen überliefert, die dies kennen, o König – und wodurch [diese Pflicht ausgeübt wird], wird das Selbst heiter.
Wahrhaftigkeit, Mitgefühl, Askese, Reinheit, Standhaftigkeit, [rechte] Unterscheidung, Bezähmung des Geistes, Bezähmung der Sinne, Gewaltlosigkeit, Keuschheit, Verzicht, Studium der heiligen Schriften, Aufrichtigkeit, Zufriedenheit, Dienst an Gleichgesinnten [Heiligen], allmähliches Abstandnehmen vom weltlichen Streben, Betrachtung des diesem entgegengesetzten [Treibens] der Menschen, Schweigsamkeit, Erforschung des Selbst, gerechte Verteilung von Speise und Trank an die Lebewesen, sowie – vor allem unter den Menschen, o Pāṇḍava-Sohn – die Auffassung, in ihnen das Selbst [bzw. die Gottheit] zu erblicken; Hören, Verkünden und Gedenken an Ihn, der die Zuflucht der Großen ist, [Ihm] zu dienen, Ihn zu verehren, sich vor Ihm zu verneigen, dienende Ergebenheit, Freundschaft [mit Ihm] und die Hingabe des eigenen Selbst – dies ist, o König, die höchste, für alle [Stände] verkündete Pflicht der Menschen, ausgestattet mit dreißig Merkmalen, wodurch das Selbst aller [Wesen] zufrieden wird.
Wort für Wort
satyam
Wahrhaftigkeit
dayā
Mitgefühl
tapaḥ
Askese
śaucam
Reinheit
titikṣā
Standhaftigkeit/Duldsamkeit
īkṣā
(rechte) Unterscheidung
śamaḥ
Bezähmung des Geistes
damaḥ
Bezähmung der Sinne
ahiṁsā
Gewaltlosigkeit
brahmacaryam
Keuschheit
ca
und
tyāgaḥ
Verzicht/Freigebigkeit
svādhyāyaḥ
Studium der heiligen Schriften
ārjavam
Aufrichtigkeit
santoṣaḥ
Zufriedenheit
samadṛk-sevā
Dienst an Gleichgesinnten (Heiligen)
grāmya-īhā-uparamaḥ
allmähliches Abstandnehmen vom weltlichen Streben
śanaiḥ
allmählich
nṛṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
viparyaya-īhā
das entgegengesetzte Treiben
īkṣā
Betrachtung
maunam
Schweigsamkeit
ātma-vimarśanam
Erforschung des Selbst
anna-ādya-ādeḥ
von Speise, Trank usw. (Gen.)
saṁvibhāgaḥ
gerechte Verteilung
bhūtebhyaḥ
an die Lebewesen (Dat. Pl.)
ca
auch
yathā-arhataḥ
wie es [jeweils] gebührt
teṣu
in ihnen (Lok. Pl.)
ātma-devatā-buddhiḥ
die Auffassung, [darin] das Selbst bzw. die Gottheit [zu erblicken] (Nom. Sg.)
sutarām
vor allem
nṛṣu
unter den Menschen (Lok. Pl.)
pāṇḍava
o Pāṇḍava-Sohn (Vok.)
śravaṇam
Hören
kīrtanam
Verkünden
ca
und
asya
von Ihm (Gen. Sg.)
smaraṇam
Gedenken
mahatām
der Großen (Gen. Pl.)
gateḥ
der Zuflucht (Gen. Sg.)
sevā
Dienst
ijyā
Verehrung
avanatiḥ
Verneigung
dāsyam
dienende Ergebenheit
sakhyam
Freundschaft
ātma-samarpaṇam
Hingabe des eigenen Selbst
ayam
dies (Nom. Sg.)
paraḥ
höchste (Nom. Sg.)
dharmaḥ
Pflicht (Nom. Sg.)
nṛṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
sarveṣām
für alle (Gen. Pl.)
samudāhṛtaḥ
verkündet (Nom. Sg. Ptz.)
triṁśal-lakṣaṇa-vān
mit dreißig Merkmalen versehen (Nom. Sg.)
rājan
o König (Vok.)
sarva-ātmā
das Selbst aller [Wesen] (Nom. Sg.)
yena
wodurch (Instr.)
tuṣyati
wird zufrieden (3. Sg. Präs.)
Aufzählung der triṁśal-lakṣaṇa, der 'dreißig Merkmale' der vollkommenen menschlichen Pflicht; die fünf Verse werden wegen der zusammenhängenden Aufzählung als eine Einheit behandelt.
Derjenige, bei dem die Weihehandlungen ununterbrochen [vollzogen werden], den nannte der Ungeborene [Brahmā] einen Zweifachgeborenen. Opferverehrung, Vedenstudium und Almosengeben sind für die Zweifachgeborenen vorgeschrieben, [ebenso] die Handlungen, die – für die durch Geburt und Tat Geläuterten – von der [jeweiligen] Lebensstufe geboten sind.
Dem Brahmanen [stehen] die sechs [Pflichten], angefangen mit dem Studium, [zu]; dem anderen [dem Kṣatriya, dieselben sechs, jedoch] ohne die Annahme von Gaben. Der Lebensunterhalt des Königs, der die Untertanen beschützt, [besteht] in Steuern und dergleichen, [erhoben] von den Nicht-Brahmanen.
vaiśyas tu vārtā-vṛttiḥ syān nityaṁ brahma-kulānugaḥ śūdrasya dvija-śuśrūṣā vṛttiś ca svāmino bhavet
Der Vaiśya hingegen soll seinen Lebensunterhalt stets durch Handel[, Ackerbau und Viehzucht] bestreiten, den Brahmanenfamilien folgend. Des Śūdra Lebensunterhalt aber sei der Dienst an den Zweifachgeborenen, [nämlich] an seinem Herrn.
Mannigfaltig ist der [Vaiśyas] Erwerb. Der Lebenserwerb des Brahmanen ist vierfach: mühelos erworbenes [Gut], [durch] Betteln [beim Bauern erlangtes], Ährenlesen und Auflesen [verstreuter Körner] – und dieser [Erwerb] ist jeweils umso besser, je später [er in dieser Aufzählung genannt ist].
Wort für Wort
vārtā
der [Vaiśya-]Erwerb (Nom. Sg. f.)
vicitrā
mannigfaltig (Nom. Sg. f.)
śālīna
mühelos erworbenes [Gut] (Nom. Sg. n.)
yāyāvara
durch Betteln auf dem Feld [Erlangtes] (Nom. Sg. n.)
śila
Ährenlesen (Nom. Sg. n.)
uñchanam
Auflesen verstreuter Körner (Nom. Sg. n.)
vipra-vṛttiḥ
der Lebenserwerb des Brahmanen (Nom. Sg. f.)
caturdhā
vierfach (Adv.)
iyam
dieser (Nom. Sg. f.)
śreyasī
besser (Nom. Sg. f., Komp.)
ca
und
uttara-uttarā
der jeweils spätere [im Vergleich zum vorhergehenden] (Nom. Sg. f.)
Ein Niedrigerstehender soll, solange keine Notlage besteht, nicht die höhere Erwerbsart ergreifen – ausgenommen die des Kṣatriya; in Notzeiten [jedoch stehen] allen [Ständen] sogar sämtliche [Erwerbsarten offen].
ṛtāmṛtābhyāṁ jīveta mṛtena pramṛtena vā satyānṛtābhyām api vā na śva-vṛttyā kadācana ṛtam uñchaśilaṁ proktam amṛtaṁ yad ayācitam mṛtaṁ tu nitya-yācñā syāt pramṛtaṁ karṣaṇaṁ smṛtam satyānṛtaṁ ca vāṇijyaṁ śva-vṛttir nīca-sevanam varjayet tāṁ sadā vipro rājanyaś ca jugupsitām sarva-vedamayo vipraḥ sarva-devamayo nṛpaḥ
Man lebe durch [die Erwerbsarten] ṛta und amṛta, oder durch mṛta oder pramṛta, [ja] auch durch satyānṛta – niemals jedoch durch die Erwerbsart des Hundes [Schmarotzertum]. Ṛta wird das Auflesen [übriggebliebener Körner] genannt, amṛta das, was ohne Betteln erlangt wird; mṛta hingegen sei das tägliche Betteln, pramṛta gilt als Ackerbau. Satyānṛta aber ist der Handel; die 'Hundeweise' ist der Dienst an Niedrigen – diese soll der Brahmane, und ebenso der Kṣatriya, stets als verabscheuungswürdig meiden. Der Brahmane besteht ganz aus den Veden, der Kṣatriya-König besteht ganz aus [der Kraft] aller Götter.
Wort für Wort
ṛta-amṛtābhyām
durch [die Erwerbsarten] ṛta und amṛta (Instr. Du.)
jīveta
man lebe (3. Sg. Opt.)
mṛtena
durch mṛta (Instr. Sg.)
pramṛtena
durch pramṛta (Instr. Sg.)
vā
oder
satyānṛtābhyām
durch [die Erwerbsart] satyānṛta (Instr. Du.)
api vā
auch/sogar
na
nicht
śva-vṛttyā
durch die Erwerbsart des Hundes (Instr. Sg.)
kadācana
jemals
ṛtam
ṛta (Nom. Sg. n.)
uñcha-śilam
Auflesen [übriggebliebener Körner] (Nom. Sg. n.)
proktam
genannt (Nom. Sg. n., Ptz.)
amṛtam
amṛta (Nom. Sg. n.)
yat
was
ayācitam
ohne Betteln [Erlangtes] (Nom. Sg. n.)
mṛtam
mṛta (Nom. Sg. n.)
tu
aber
nitya-yācñā
tägliches Betteln (Nom. Sg. f.)
syāt
sei (3. Sg. Opt.)
pramṛtam
pramṛta (Nom. Sg. n.)
karṣaṇam
Ackerbau (Nom. Sg. n.)
smṛtam
wird überliefert/gilt (Nom. Sg. n., Ptz.)
satyānṛtam
satyānṛta (Nom. Sg. n.)
ca
und/aber
vāṇijyam
Handel (Nom. Sg. n.)
śva-vṛttiḥ
die Erwerbsart des Hundes (Nom. Sg. f.)
nīca-sevanam
der Dienst an Niedrigen (Nom. Sg. n.)
varjayet
soll meiden (3. Sg. Opt.)
tām
diese (Akk. Sg. f.)
sadā
stets
vipraḥ
der Brahmane (Nom. Sg. m.)
rājanyaḥ
der Kṣatriya (Nom. Sg. m.)
ca
und
jugupsitām
als verabscheuungswürdig (Akk. Sg. f.)
sarva-veda-mayaḥ
ganz aus den Veden bestehend (Nom. Sg. m.)
vipraḥ
der Brahmane (Nom. Sg. m.)
sarva-deva-mayaḥ
ganz aus [der Kraft] aller Götter bestehend (Nom. Sg. m.)
nṛpaḥ
der König [Kṣatriya] (Nom. Sg. m.)
Vers 20 umfasst im Quelltext sechs Padas (statt der üblichen vier); dies ist im Original so vorhanden [Anm.].
Bezähmung des Geistes, Bezähmung der Sinne, Askese, Reinheit, Zufriedenheit, Nachsicht, Aufrichtigkeit, Wissen, Mitgefühl, das Erkennen des Selbst als [Diener] des Unvergänglichen, und Wahrhaftigkeit – dies sind die Kennzeichen eines Brahmanen.
Wort für Wort
śamaḥ
Bezähmung des Geistes
damaḥ
Bezähmung der Sinne
tapaḥ
Askese
śaucam
Reinheit
santoṣaḥ
Zufriedenheit
kṣāntiḥ
Nachsicht
ārjavam
Aufrichtigkeit
jñānam
Wissen
dayā
Mitgefühl
acyuta-ātmatvam
das Erkennen des Selbst als [Diener] des Unvergänglichen
śauryaṁ vīryaṁ dhṛtis tejas tyāgaś cātmajayaḥ kṣamā brahmaṇyatā prasādaś ca satyaṁ ca kṣatra-lakṣaṇam
Tapferkeit, Kraft, Standhaftigkeit, Glanz, Freigebigkeit und Selbstbezwingung, Nachsicht, Ehrerbietung gegenüber den Brahmanen, Wohlwollen und Wahrhaftigkeit – dies sind die Kennzeichen eines Kṣatriya.
Hingabe zu den Göttern, zum Lehrer und zum Unvergänglichen, das Pflegen der drei [Lebensziele], Gläubigkeit, stete Unternehmungslust und Geschicklichkeit – dies sind die Kennzeichen eines Vaiśya.
Wort für Wort
deva-guru-acyute
gegenüber den Göttern, dem Lehrer und dem Unvergänglichen (Lok.)
bhaktiḥ
Hingabe
tri-varga-paripoṣaṇam
das Pflegen der drei [Lebensziele: Dharma, Artha, Kāma]
Unterwürfigkeit, Reinheit, arglistloser Dienst am Herrn, Opfer ohne [vedische] Mantras, Nichtstehlen, Wahrhaftigkeit und der Schutz von Kühen und Brahmanen – dies sind [die Kennzeichen] eines Śūdra.
strīṇāṁ ca pati-devānāṁ tac-chuśrūṣānukūlatā tad-bandhuṣv anuvṛttiś ca nityaṁ tad-vrata-dhāraṇam
Bei den Frauen aber, denen der Gatte als Gottheit gilt: Dienstbereitschaft und Wohlgesinntheit ihm gegenüber, Gefügigkeit gegenüber seinen Angehörigen, sowie das stete Befolgen seiner Gelübde.
Durch Kehren und Bestreichen [des Bodens], durch das Schmücken und Instandhalten des Hauses [ist sie beschäftigt]; sie selbst sei stets geschmückt, [und] ihre Kleider und Geräte gepflegt/rein. Mit vielfältigen, seinen Wünschen [entsprechenden Diensten], mit Bescheidenheit und Selbstbeherrschung, mit wahrhaftigen, angenehmen Worten und mit Liebe verehre die tugendhafte [Frau] zu gegebener Zeit ihren Gatten.
Wort für Wort
sammārjana
durch Kehren
upalepābhyām
und Bestreichen [des Bodens] (Instr. Du.)
gṛha-maṇḍana-vartanaiḥ
durch das Schmücken und Instandhalten des Hauses (Instr. Pl.)
svayam
sie selbst
ca
und
maṇḍitā
geschmückt (Nom. Sg. f., Ptz.)
nityam
stets
parimṛṣṭa-paricchadā
[deren] Kleider und Geräte gepflegt sind (Nom. Sg. f.)
kāmaiḥ
mit [seinen] Wünschen (Instr. Pl.)
ucca-avacaiḥ
mit vielfältigen [wörtl. hohen und niederen] (Instr. Pl.)
Zufrieden, ohne Gier, geschickt, die Pflicht kennend, in [ihrer] Rede angenehm und wahrhaftig, unachtsamkeitslos, rein und liebevoll – so verehre sie den Gatten, sofern er nicht [aus seiner Kaste] gefallen ist.
Wort für Wort
santuṣṭā
zufrieden (Nom. Sg. f.)
alolupā
ohne Gier (Nom. Sg. f.)
dakṣā
geschickt (Nom. Sg. f.)
dharma-jñā
die Pflicht kennend (Nom. Sg. f.)
priya-satya-vāk
in [ihrer] Rede angenehm und wahrhaftig (Nom. Sg. f.)
apramattā
unachtsam-los/wachsam (Nom. Sg. f.)
śuciḥ
rein (Nom. Sg. f.)
snigdhā
liebevoll (Nom. Sg. f.)
patim
den Gatten (Akk. Sg. m.)
tu
aber/sofern
apatitam
der nicht [aus der Kaste] gefallen ist (Akk. Sg. m.)
Jene [Frau], die ihren Gatten mit der Gesinnung [wie gegenüber] Hari verehrt, ihm ganz ergeben, gleich [der Göttin] Śrī – sie erfreut sich, den Sinn ganz auf Hari gerichtet, zusammen mit ihrem Gatten in der Welt Haris, gleich der Śrī.
Wort für Wort
yā
jene [Frau], die (Nom. Sg. f.)
patim
den Gatten (Akk. Sg. m.)
hari-bhāvena
mit der Gesinnung [wie gegenüber] Hari (Instr. Sg.)
Der Lebenserwerb der Mischkasten – sofern sie nicht Diebe und nicht sündig sind, [einschließlich] der Niedrigsten und der Antevasāyin – sei jeweils der ihrer eigenen Familientradition gemäß.
Wort für Wort
vṛttiḥ
Lebenserwerb (Nom. Sg. f.)
saṅkara-jātīnām
der Mischkasten (Gen. Pl. f.)
tat-tat-kula-kṛtā
gemäß der jeweils eigenen Familientradition (Nom. Sg. f.)
[Anm.: erste Pada rekonstruiert] prāyaḥ sva-bhāva-vihito nṛṇāṁ dharmo yuge yuge veda-dṛgbhiḥ smṛto rājan pretya ceha ca śarma-kṛt
Die Pflicht der Menschen, die im Allgemeinen durch die eigene Wesensart bestimmt ist, wird in jedem Zeitalter von den Vedenkennern überliefert, o König – [und sie ist es,] die sowohl nach dem Tod als auch hier [im gegenwärtigen Leben] Heil bewirkt.
Wort für Wort
prāyaḥ
im Allgemeinen (Adv.) [Anm.: aus Gloss rekonstruiert]
sva-bhāva-vihitaḥ
durch die eigene Wesensart bestimmt (Nom. Sg. m.) [Anm.: aus Gloss rekonstruiert]
nṛṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
dharmaḥ
die Pflicht (Nom. Sg. m.)
yuge yuge
in jedem Zeitalter (Lok. Sg.)
veda-dṛgbhiḥ
von den Vedenkennern (Instr. Pl. m.)
smṛtaḥ
überliefert (Nom. Sg. m., Ptz.)
rājan
o König (Vok.)
pretya
nach dem Tod (Adv./Absolutiv)
ca
und
iha
hier [im gegenwärtigen Leben]
ca
auch
śarma-kṛt
Heil bewirkend (Nom. Sg. m.)
[Anm.: Die erste Pada (prāyaḥ sva-bhāva-vihitaḥ) fehlt im 'Text'-Abschnitt der Quellseite vedabase.io/en/library/sb/7/11/31/ (mehrfach geprüft), ist jedoch anhand der dort vorhandenen Wort-für-Wort-Gloss-Einträge 'prāyaḥ' und 'sva-bhāva-vihitaḥ' rekonstruierbar und wurde entsprechend ergänzt.]
Wer, in der durch seine eigene Wesensart bestimmten Erwerbsart lebend, sein eigenes [vorgeschriebenes] Werk verrichtet, der möge, indem er das aus seiner eigenen Wesensart entstandene Werk [schließlich] aufgibt, allmählich zur Eigenschaftslosigkeit [Transzendenz] gelangen.
Wort für Wort
vṛttyā
in der Erwerbsart (Instr. Sg. f.)
sva-bhāva-kṛtayā
durch die eigene Wesensart bestimmt (Instr. Sg. f.)
vartamānaḥ
lebend/befindlich (Nom. Sg. m., Ptz.)
sva-karma-kṛt
sein eigenes Werk verrichtend (Nom. Sg. m.)
hitvā
aufgegeben habend (Absolutiv)
sva-bhāva-jam
aus der eigenen Wesensart entstanden (Akk. Sg. n.)
Ein Feld, das immer wieder bebaut wird, verliert von selbst seine Fruchtbarkeit; es taugt nicht mehr zum [erneuten] Hervorbringen, und auch der gesäte Same geht zugrunde. Ebenso, o König, kann das von Begierden erfüllte Herz durch das wiederholte Auskosten der Begierden [selbst] Loslösung [Überdruss] erfahren [?], so wie ein Feuer durch [immer neue] Tropfen von geklärter Butter [?].
Wort für Wort
upyamānam
das [immer wieder] bebaut wird (Nom. Sg. n., Ptz.)
muhuḥ
wiederholt
kṣetram
ein Feld (Nom. Sg. n.)
svayam
von selbst
nirvīryatām
Fruchtbarkeitslosigkeit (Akk. Sg. f.)
iyāt
es erlangt (3. Sg. Opt.)
na
nicht
kalpate
es taugt (3. Sg. Präs.)
punaḥ
erneut
sūtyai
zum Hervorbringen (Dat. Sg. f.)
uptam
gesät (Nom. Sg. n., Ptz.)
bījam
der Same (Nom. Sg. n.)
ca
und
naśyati
geht zugrunde (3. Sg. Präs.)
evam
ebenso
kāma-āśayam
von Begierden erfüllt (Nom. Sg. n.)
cittam
das Herz/der Geist (Nom. Sg. n.)
kāmānām
der Begierden (Gen. Pl.)
ati-sevayā
durch übermäßiges Auskosten (Instr. Sg. f.)
virajyeta
es kann Loslösung erfahren (3. Sg. Opt.)
yathā
so wie
rājan
o König (Vok.)
agni-vat
wie ein Feuer
kāma-bindubhiḥ
durch Tropfen von [Begierde wie] geklärter Butter (Instr. Pl.)
[Anm.: Der Vergleich 'agnivat kāma-bindubhiḥ' (wie ein Feuer durch Tropfen von Ghee) ist in seiner genauen Stoßrichtung unklar – wörtlich würde Ghee ein Feuer eher anfachen als es zu einer 'Loslösung' (virajyeta) führen zu lassen; die Lesart als Bild für allmähliches Erlöschen/Verzehren des Brennstoffs beziehungsweise für einen Kontrast (Sättigungseffekt trotz Nährung) bleibt unsicher und ist entsprechend markiert.]
yasya yal lakṣaṇaṁ proktaṁ puṁso varṇābhivyañjakam yad anyatrāpi dṛśyeta tat tenaiva vinirdiśet
Wessen [Menschen] welches Merkmal, das die [Stands-]Klasse eines Menschen anzeigt, auch genannt wurde – wenn dieses [Merkmal] auch anderswo [bei einem Angehörigen einer anderen Klasse] beobachtet wird, so soll man [jenen Menschen] eben nach diesem [Merkmal] bestimmen.