Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 48: hiraṇyākṣa-vadhaḥ Die Tötung des Dämons Hiraṇyākṣa

Skandha 3, Adhyāya 19. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (nur Englisch 'The Killing of the Demon Hiranyaksa'). Dieses Kapitel schliesst die mit Adhyaya 13 begonnene Varaha-Erzaehlung ab.

maitreya uvāca avadhārya viriñcasya nirvyalīkāmṛtaṁ vacaḥ prahasya prema-garbheṇa tad apāṅgena so 'grahīt

Maitreya sprach: Nachdem er die aufrichtige, nektargleiche Rede des Viriñca (Brahmā) vernommen hatte, nahm er (Varāha) dies lachend, mit einem von Liebe erfüllten Seitenblick, an.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
avadhārya viriñcasya
nachdem er des Viriñca (Brahmā)
nirvyalīka-amṛtam vacaḥ
aufrichtige, nektargleiche Rede vernommen hatte
prahasya prema-garbheṇa
lachend, mit einem von Liebe erfüllten
tat apāṅgena saḥ agrahīt
Seitenblick nahm er dies an

tataḥ sapatnaṁ mukhataś carantam akuto-bhayam jaghānotpatya gadayā hanāv asuram akṣajaḥ

Da schlug der Augengeborene (Varāha), aufspringend, mit der Keule dem Feind, der furchtlos vor seinem Gesicht umherzog, auf den Kiefer.

Wort für Wort
tataḥ sapatnam mukhataḥ carantam
da [schlug er] dem Feind, der vor seinem Gesicht umherzog
akutaḥ-bhayam
furchtlos
jaghāna utpatya gadayā
schlug, aufspringend, mit der Keule
hanau asuram akṣajaḥ
auf den Kiefer des Dämons, der Augengeborene

[?] 'akṣajaḥ' ('augengeboren') als Epitheton Varāhas unsicher; möglicherweise Bezug auf eine hier nicht näher erläuterte Herkunftsvorstellung.

sā hatā tena gadayā vihatā bhagavat-karāt vighūrṇitāpatad reje tad adbhutam ivābhavat

Jene [Keule des Erhabenen], von seiner (des Dämons) Keule getroffen, wurde aus der Hand des Erhabenen geschlagen, fiel wirbelnd zu Boden und erstrahlte - dies war wie ein Wunder.

Wort für Wort
sā hatā tena gadayā
jene, von seiner Keule getroffen
vihatā bhagavat-karāt
geschlagen aus der Hand des Erhabenen
vighūrṇitā apatat reje
fiel wirbelnd zu Boden [und] erstrahlte
tat adbhutam iva abhavat
dies war wie ein Wunder

sa tadā labdha-tīrtho 'pi na babādhe nirāyudham mānayan sa mṛdhe dharmaṁ viṣvaksenaṁ prakopayan

Er (der Dämon), obwohl er da die Gelegenheit erlangt hatte, griff den Waffenlosen nicht an, den Kampfes-Dharma achtend, und reizte dadurch Viṣvaksena (den Erhabenen) noch mehr zum Zorn.

Wort für Wort
saḥ tadā labdha-tīrthaḥ api
er, obwohl er da die Gelegenheit erlangt hatte
na babādhe nirāyudham
griff den Waffenlosen nicht an
mānayan saḥ mṛdhe dharmam
den Kampfes-Dharma achtend
viṣvaksenam prakopayan
Viṣvaksena [dadurch] zum Zorn reizend

gadāyām apaviddhāyāṁ hāhā-kāre vinirgate mānayām āsa tad-dharmaṁ sunābhaṁ cāsmarad vibhuḥ

Als [seine] Keule fortgeschleudert war und ein Wehruf ertönte, würdigte der Allmächtige jene Rechtschaffenheit [des Feindes] und gedachte [dabei zugleich] seiner Scheibe Sunābha (Sudarśana).

Wort für Wort
gadāyām apaviddhāyām
als [seine] Keule fortgeschleudert war
hāhā-kāre vinirgate
und ein Wehruf ertönte
mānayām āsa tat-dharmam
würdigte er jene Rechtschaffenheit
sunābham ca asmarat vibhuḥ
und der Allmächtige gedachte [zugleich] seiner Scheibe Sunābha

taṁ vyagra-cakraṁ diti-putrādhamena sva-pārṣada-mukhyena viṣajjamānam / citrā vāco 'tad-vidāṁ khe-carāṇāṁ tatra smāsan svasti te 'muṁ jahīti

Als sie ihn, den Scheibenträger, in Kampf verwickelt mit dem niedrigsten Sohn Ditis - [in Wahrheit] seinem eigenen obersten Gefolgsmann [in Verkleidung] -, [erblickten], erhoben sich dort mancherlei Rufe der die Wahrheit nicht kennenden Himmelswanderer: 'Heil dir! Töte ihn!'

Wort für Wort
tam vyagra-cakram
ihn, den [Herrn] mit der in Bewegung [befindlichen] Scheibe
diti-putra-adhamena
mit dem niedrigsten Sohn Ditis
sva-pārṣada-mukhyena viṣajjamānam
in Kampf verwickelt mit seinem eigenen obersten Gefolgsmann [in Verkleidung]
citrāḥ vācaḥ a-tat-vidām khe-carāṇām
mancherlei Rufe der die Wahrheit nicht kennenden Himmelswanderer
tatra sma āsan svasti te amum jahi iti
erhoben sich dort: 'Heil dir, töte ihn!'

[Anm.] Anspielung auf die Jaya-Vijaya-Vorgeschichte (Kap. 15-16): der 'niedrigste Sohn Ditis' (Hiraṇyākṣa) ist in Wahrheit der verfluchte Torhüter, was die Himmelswanderer jedoch nicht wissen.

sa taṁ niśāmyātta-rathāṅgam agrato vyavasthitaṁ padma-palāśa-locanam vilokya cāmarṣa-pariplutendriyo ruṣā sva-danta-cchadam ādaśac chvasan

Er (Hiraṇyākṣa), ihn wahrnehmend - den Rad(-Scheiben-)träger -, vor sich stehend, mit Augen wie Lotosblütenblättern, und ihn anblickend, seine Sinne von Unduldsamkeit überflutet, biss er zischend in Zorn auf seine eigene Lippe.

Wort für Wort
saḥ tam niśāmya ātta-rathāṅgam
er, ihn, den Rad(-Scheiben-)träger, wahrnehmend
agrataḥ vyavasthitam padma-palāśa-locanam
vor sich stehend, mit Augen wie Lotosblütenblättern
vilokya ca amarṣa-pariplutendriyaḥ
und ihn anblickend, seine Sinne von Unduldsamkeit überflutet
ruṣā sva-danta-cchadam ādaśat śvasan
biss zischend in Zorn auf seine eigene Lippe

karāla-daṁṣṭraś cakṣurbhyāṁ sañcakṣāṇo dahann iva abhiplutya sva-gadayā hato 'sīty āhanad dharim

Mit furchterregenden Stoßzähnen, mit seinen beiden Augen wie brennend blickend, stürzte er sich vor, und mit seiner eigenen Keule, 'du bist erschlagen!' [rufend], schlug er Hari.

Wort für Wort
karāla-daṁṣṭraḥ cakṣurbhyām sañcakṣāṇaḥ dahan iva
mit furchterregenden Stoßzähnen, mit beiden Augen wie brennend blickend
abhiplutya sva-gadayā
sich vorstürzend, mit seiner eigenen Keule
hataḥ asi iti āhanat harim
'du bist erschlagen!' [rufend], schlug er Hari

padā savyena tāṁ sādho bhagavān yajña-sūkaraḥ / līlayā miṣataḥ śatroḥ prāharad vāta-raṁhasam

Mit dem linken Fuß, o Guter, schlug der Erhabene, der Opfer-Eber, spielend jene mit der Geschwindigkeit des Windes [heranfliegende Keule] fort, während der Feind zusah.

Wort für Wort
padā savyena tām sādho
mit dem linken Fuß, o Guter, jene [Keule]
bhagavān yajña-sūkaraḥ līlayā
der Erhabene, der Opfer-Eber, spielend
miṣataḥ śatroḥ
während der Feind zusah
prāharat vāta-raṁhasam
schlug er fort, mit der Geschwindigkeit des Windes [heranfliegend]

āha cāyudham ādhatsva ghaṭasva tvaṁ jigīṣasi ity uktaḥ sa tadā bhūyas tāḍayan vyanadad bhṛśam

Und er (Varāha) sprach: 'Nimm [eine andere] Waffe, strenge dich an, du willst ja siegen'; so angesprochen, schlug jener (der Dämon) da erneut zu und brüllte heftig auf.

Wort für Wort
āha ca āyudham ādhatsva
und er sprach: 'nimm [eine andere] Waffe'
ghaṭasva tvam jigīṣasi
strenge dich an, du willst ja siegen
iti uktaḥ saḥ tadā bhūyaḥ
so angesprochen, er da erneut
tāḍayan vyanadat bhṛśam
schlug zu und brüllte heftig auf

tāṁ sa āpatatīṁ vīkṣya bhagavān samavasthitaḥ jagrāha līlayā prāptāṁ garutmān iva pannagīm

Jene [erneut geschleuderte Waffe] auf sich zukommen sehend, fest stehend, ergriff der Erhabene sie spielend, als sie ankam, wie Garuḍa eine Schlangenweibchen [ergreift].

Wort für Wort
tām saḥ āpatatīm vīkṣya
jene, auf sich zukommend sehend
bhagavān samavasthitaḥ
der Erhabene, fest stehend
jagrāha līlayā prāptām
ergriff sie spielend, als sie ankam
garutmān iva pannagīm
wie Garuḍa eine Schlangenweibchen

sva-pauruṣe pratihate hata-māno mahāsuraḥ naicchad gadāṁ dīyamānāṁ hariṇā vigata-prabhaḥ

Da seine eigene Manneskraft vereitelt war, sein Stolz gebrochen, wollte der große Dämon, seines Glanzes beraubt, die ihm von Hari [zurück]gegebene Keule nicht [annehmen].

Wort für Wort
sva-pauruṣe pratihate
da seine eigene Manneskraft vereitelt war
hata-mānaḥ mahāsuraḥ
sein Stolz gebrochen, der große Dämon
na aicchat gadām dīyamānām
wollte die [ihm zurück]gegebene Keule nicht [annehmen]
hariṇā vigata-prabhaḥ
von Hari, seines Glanzes beraubt

jagrāha tri-śikhaṁ śūlaṁ jvalaj-jvalana-lolupam yajñāya dhṛta-rūpāya viprāyābhicaran yathā

Er ergriff den dreizackigen Speer, gierig wie loderndes Feuer, wie [einer, der] Zauberei gegen einen Brahmanen [übt], der die Gestalt des Opfers angenommen hat.

Wort für Wort
jagrāha tri-śikham śūlam
er ergriff den dreizackigen Speer
jvalat-jvalana-lolupam
gierig wie loderndes Feuer
yajñāya dhṛta-rūpāya
gegen den, der die Gestalt des Opfers angenommen hat
viprāya abhicaran yathā
wie [einer, der] Zauberei gegen einen Brahmanen übt

[?] Vergleich mit magischer Anfeindung eines opfergestaltigen Brahmanen sinnbildlich auf Varāha als Verkörperung des Opfers bezogen (vgl. Kap. 13); Bild bleibt andeutend.

tad ojasā daitya-mahā-bhaṭārpitaṁ cakāsad antaḥ-kha udīrṇa-dīdhiti cakreṇa ciccheda niśāta-neminā harir yathā tārkṣya-patatram ujjhitam

Jenen [Speer], mit der Kraft des großen Dämonen-Kriegers geschleudert, im Innern des Himmels leuchtend, mit aufsteigendem Glanz, zerschnitt Hari mit seiner Scheibe von scharfem Rand, wie [Garuḍa,] der Sohn des Tārkṣya, eine fallengelassene Feder [zerteilt].

Wort für Wort
tat ojasā daitya-mahā-bhaṭa-arpitam
jenen [Speer], mit der Kraft des großen Dämonen-Kriegers geschleudert
cakāsat antaḥ-khe udīrṇa-dīdhiti
im Innern des Himmels leuchtend, mit aufsteigendem Glanz
cakreṇa ciccheda niśāta-neminā
zerschnitt [Hari] mit seiner Scheibe von scharfem Rand
hariḥ yathā tārkṣya-patatram ujjhitam
wie [Garuḍa,] der Sohn des Tārkṣya, eine fallengelassene Feder [zerteilt]

vṛkṇe sva-śūle bahudhāriṇā hareḥ pratyetya vistīrṇam uro vibhūtimat pravṛddha-roṣaḥ sa kaṭhora-muṣṭinā nadan prahṛtyāntaradhīyatāsuraḥ

Als sein Speer so vielfach zerteilt war, näherte sich der Dämon, sein Zorn gewachsen, der breiten, herrlichen Brust Haris, schlug brüllend mit hartem Faustschlag zu und verschwand [dann].

Wort für Wort
vṛkṇe sva-śūle bahudhā ariṇā hareḥ
als sein Speer vom Feind Haris vielfach zerteilt war
pratyetya vistīrṇam uraḥ vibhūtimat
sich der breiten, herrlichen Brust nähernd
pravṛddha-roṣaḥ saḥ kaṭhora-muṣṭinā
sein Zorn gewachsen, er mit hartem Faustschlag
nadan prahṛtya antaradhīyata asuraḥ
brüllend zuschlagend, verschwand der Dämon

tenettham āhataḥ kṣattar bhagavān ādi-sūkaraḥ nākampata manāk kvāpi srajā hata iva dvipaḥ

So von ihm geschlagen, o Kṣattā, erzitterte der Erhabene, der urzeitliche Eber, nirgends auch nur im Geringsten, wie ein Elefant, der von einer Blumengirlande getroffen wird.

Wort für Wort
tena ittham āhataḥ kṣattaḥ
so von ihm geschlagen, o Kṣattā
bhagavān ādi-sūkaraḥ
der Erhabene, der urzeitliche Eber
na akampata manāk kva api
erzitterte nirgends auch nur im Geringsten
srajā hataḥ iva dvipaḥ
wie ein Elefant, der von einer Girlande getroffen wird

athorudhāsṛjan māyāṁ yoga-māyeśvare harau yāṁ vilokya prajās trastā menire 'syopasaṁyamam

Da entfesselte er eine gewaltige Māyā gegen Hari, den Herrn der Yogamāyā selbst; als die Geschöpfe diese sahen, erschrocken, hielten sie es für dessen (Haris) Untergang.

Wort für Wort
atha uru udha asṛjat māyām
da entfesselte er eine gewaltige Māyā
yoga-māyā-īśvare harau
gegen Hari, den Herrn der Yogamāyā
yām vilokya prajāḥ trastāḥ
als die Geschöpfe diese sahen, erschrocken
menire asya upasaṁyamam
hielten sie es für dessen Untergang/Bezwingung

pravavur vāyavaś caṇḍās tamaḥ pāṁsavam airayan digbhyo nipetur grāvāṇaḥ kṣepaṇaiḥ prahitā iva

Wilde Winde wehten, wirbelten staubige Finsternis auf; aus den Himmelsrichtungen fielen Steine herab, wie von Schleudern geschossen.

Wort für Wort
pravavuḥ vāyavaḥ caṇḍāḥ
wilde Winde wehten
tamaḥ pāṁsavam airayan
wirbelten staubige Finsternis auf
digbhyaḥ nipetuḥ grāvāṇaḥ
aus den Himmelsrichtungen fielen Steine herab
kṣepaṇaiḥ prahitāḥ iva
wie von Schleudern geschossen

dyaur naṣṭa-bhagaṇābhraughaiḥ sa-vidyut-stanayitnubhiḥ varṣadbhiḥ pūya-keśāsṛg-viṇ-mūtrāsthīni cāsakṛt

Der Himmel, seine Sternbilder von Wolkenmassen ausgelöscht, ließ, samt Blitz und Donner, wiederholt Eiter, Haare, Blut, Kot, Urin und Knochen regnen.

Wort für Wort
dyauḥ naṣṭa-bhagaṇa-abhra-oghaiḥ
der Himmel, seine Sternbilder von Wolkenmassen ausgelöscht
sa-vidyut-stanayitnubhiḥ varṣadbhiḥ
samt Blitz und Donner regnend
pūya-keśa-asṛk-viṭ-mūtra-asthīni ca asakṛt
und wiederholt Eiter, Haare, Blut, Kot, Urin und Knochen

girayaḥ pratyadṛśyanta nānāyudha-muco 'nagha dik-vāsaso yātudhānyaḥ śūlinyo mukta-mūrdhajāḥ

Berge erschienen, mancherlei Waffen ausstoßend, o Sündloser; Dämoninnen zeigten sich, mit den Himmelsrichtungen als Gewand, mit Dreizacken bewaffnet, mit gelöstem Haar.

Wort für Wort
girayaḥ pratyadṛśyanta
Berge erschienen
nānā-āyudha-mucaḥ anagha
mancherlei Waffen ausstoßend, o Sündloser
dik-vāsasaḥ yātudhānyaḥ
Dämoninnen mit den Himmelsrichtungen als Gewand
śūlinyaḥ mukta-mūrdhajāḥ
mit Dreizacken bewaffnet, mit gelöstem Haar

bahubhir yakṣa-rakṣobhiḥ patty-aśva-ratha-kuñjaraiḥ ātatāyibhir utsṛṣṭā hiṁsrā vāco 'tivaiśasāḥ

Von vielen Yakṣas und Rākṣasas, mit Fußvolk, Pferden, Streitwagen und Elefanten, bewaffneten Angreifern, wurden grausame, überaus mörderische Worte ausgestoßen.

Wort für Wort
bahubhiḥ yakṣa-rakṣobhiḥ
von vielen Yakṣas und Rākṣasas
patti-aśva-ratha-kuñjaraiḥ
mit Fußvolk, Pferden, Streitwagen und Elefanten
ātatāyibhiḥ utsṛṣṭāḥ
von bewaffneten Angreifern ausgestoßen
hiṁsrāḥ vācaḥ ativaiśasāḥ
grausame, überaus mörderische Worte

prāduṣkṛtānāṁ māyānām āsurīṇāṁ vināśayat sudarśanāstraṁ bhagavān prāyuṅkta dayitaṁ tri-pāt

Um die entstandenen dämonischen Trugbilder zu vernichten, setzte der Erhabene, der Dreifüßige, seine geliebte Sudarśana-Waffe ein.

Wort für Wort
prāduṣkṛtānām māyānām āsurīṇām
der entstandenen dämonischen Trugbilder
vināśayat sudarśana-astram
um sie zu vernichten, die Sudarśana-Waffe
bhagavān prāyuṅkta dayitam tri-pāt
setzte der Erhabene, der Dreifüßige, seine geliebte [Waffe] ein

[?] 'tri-pāt' (der Dreifüßige) unsicher; möglicherweise Epitheton, das den Erhabenen als über die drei Welten Herrschenden bezeichnet.

tadā diteḥ samabhavat sahasā hṛdi vepathuḥ smarantyā bhartur ādeśaṁ stanāc cāsṛk prasusruve

Da überkam Diti plötzlich ein Zittern im Herzen, als sie sich der Warnung ihres Gemahls erinnerte, und aus ihrer Brust floss Blut hervor.

Wort für Wort
tadā diteḥ samabhavat sahasā hṛdi vepathuḥ
da überkam Diti plötzlich ein Zittern im Herzen
smarantyāḥ bhartuḥ ādeśam
als sie sich der Warnung ihres Gemahls erinnerte
stanāt ca asṛk prasusruve
und aus ihrer Brust floss Blut hervor

vinaṣṭāsu sva-māyāsu bhūyaś cāvrajya keśavam / ruṣopagūhamāno 'muṁ dadṛśe 'vasthitaṁ bahiḥ

Als seine eigenen Trugbilder vernichtet waren, näherte er sich Keśava (Hari) wiederum, ihn in Zorn umklammernd, und sah ihn [dennoch unversehrt] draußen stehen.

Wort für Wort
vinaṣṭāsu sva-māyāsu
als seine eigenen Trugbilder vernichtet waren
bhūyaḥ ca āvrajya keśavam
näherte er sich Keśava wiederum
ruṣā upagūhamānaḥ amum
ihn in Zorn umklammernd
dadṛśe avasthitam bahiḥ
sah [ihn] draußen stehen

[?] Genaue Bedeutung von 'upagūhamānaḥ' (umklammernd/umarmend) im Kontext des Angriffs unsicher.

taṁ muṣṭibhir vinighnantaṁ vajra-sārair adhokṣajaḥ kareṇa karṇa-mūle 'han yathā tvāṣṭraṁ marut-patiḥ

Ihn, der mit Fäusten hart wie Donnerkeile zuschlug, traf der Transzendente (Adhokṣaja) mit der Hand an der Wurzel des Ohres, wie der Herr der Winde [Vṛtra,] den Sohn des Tvaṣṭṛ, [traf].

Wort für Wort
tam muṣṭibhiḥ vinighnantam
ihn, der mit Fäusten zuschlug
vajra-sāraiḥ adhokṣajaḥ
hart wie Donnerkeile, der Transzendente
kareṇa karṇa-mūle ahan
traf mit der Hand an der Wurzel des Ohres
yathā tvāṣṭram marut-patiḥ
wie der Herr der Winde den Sohn des Tvaṣṭṛ [traf]

sa āhato viśva-jitā hy avajñayā paribhramad-gātra udasta-locanaḥ viśīrṇa-bāhv-aṅghri-śiroruho 'patad yathā nagendro lulito nabhasvatā

Er, so vom Welteneroberer nur beiläufig geschlagen, seine Glieder taumelnd, die Augen hervorquellend, Arme, Füße und Haare zerzaust, stürzte nieder, wie ein großer Berg, vom Sturmwind erschüttert.

Wort für Wort
saḥ āhataḥ viśva-jitā hi avajñayā
er, wahrlich nur beiläufig vom Welteneroberer geschlagen
paribhramat-gātraḥ udasta-locanaḥ
seine Glieder taumelnd, die Augen hervorquellend
viśīrṇa-bāhu-aṅghri-śiroruhaḥ apatat
Arme, Füße und Haare zerzaust, stürzte er nieder
yathā naga-indraḥ lulitaḥ nabhasvatā
wie ein großer Berg, vom Sturmwind erschüttert

kṣitau śayānaṁ tam akuṇṭha-varcasaṁ karāla-daṁṣṭraṁ paridaṣṭa-dacchadam ajādayo vīkṣya śaśaṁsur āgatā aho imaṁ ko nu labheta saṁsthitim

Als Brahmā und die anderen, die herbeigekommen waren, ihn auf dem Boden liegen sahen, von ungetrübtem Glanz, mit furchterregenden Stoßzähnen, die Lippe zerbissen, priesen sie: 'Ach, wer könnte wohl solch ein Ende erlangen wie dieser!'

Wort für Wort
kṣitau śayānam tam akuṇṭha-varcasam
ihn, auf dem Boden liegend, von ungetrübtem Glanz
karāla-daṁṣṭram paridaṣṭa-dacchadam
mit furchterregenden Stoßzähnen, die Lippe zerbissen
aja-ādayaḥ vīkṣya śaśaṁsuḥ āgatāḥ
Brahmā und die anderen, die herbeigekommen waren, sahen und priesen
aho imam kaḥ nu labheta saṁsthitim
'ach, wer könnte wohl solch ein Ende erlangen wie dieser'

yaṁ yogino yoga-samādhinā raho dhyāyanti liṅgād asato mumukṣayā tasyaiṣa daitya-ṛṣabhaḥ padāhato mukhaṁ prapaśyaṁs tanum utsasarja ha

Ihn, den die Yogis in Zurückgezogenheit durch yogische Versenkung, aus Verlangen nach Befreiung von der unwirklichen [äußeren] Gestalt, betrachten - dessen Antlitz sah dieser Beste der Dämonen, von [seinem] Fuß getroffen, und gab so seinen Leib auf.

Wort für Wort
yam yoginaḥ yoga-samādhinā rahaḥ
ihn, den die Yogis in Zurückgezogenheit durch yogische Versenkung
dhyāyanti liṅgāt asataḥ mumukṣayā
betrachten, aus Verlangen nach Befreiung von der unwirklichen Gestalt
tasya eṣaḥ daitya-ṛṣabhaḥ padā āhataḥ
dessen [Antlitz sah] dieser Beste der Dämonen, von [seinem] Fuß getroffen
mukham prapaśyan tanum utsasarja ha
das Antlitz erblickend, gab er seinen Leib auf

etau tau pārṣadāv asya śāpād yātāv asad-gatim punaḥ katipayaiḥ sthānaṁ prapatsyete ha janmabhiḥ

Diese beiden, seine (des Erhabenen) Gefolgsleute, waren durch den Fluch in den Zustand der Gottlosen (Dämonen) gegangen; nach [nur] wenigen weiteren Geburten werden sie wieder ihre [rechtmäßige] Stätte erlangen.

Wort für Wort
etau tau pārṣadau asya
diese beiden, seine Gefolgsleute
śāpāt yātau asat-gatim
waren durch den Fluch in den Zustand der Gottlosen gegangen
punaḥ katipayaiḥ sthānam
wieder nach wenigen [weiteren Geburten] ihre Stätte
prapatsyete ha janmabhiḥ
werden sie erlangen, nach [diesen] Geburten

namo namas te 'khila-yajña-tantave sthitau gṛhītāmala-sattva-mūrtaye diṣṭyā hato 'yaṁ jagatām aruntudas tvat-pāda-bhaktyā vayam īśa nirvṛtāḥ

Verehrung, Verehrung dir, dem Faden allen Opfers, der du zur Erhaltung [der Welt] die Gestalt reiner, unbefleckter Güte angenommen hast; glücklicherweise ist dieser Peiniger der Welten erschlagen; durch Hingabe zu deinen Füßen sind wir, o Herr, befriedet.

Wort für Wort
namaḥ namaḥ te akhila-yajña-tantave
Verehrung, Verehrung dir, dem Faden allen Opfers
sthitau gṛhīta-amala-sattva-mūrtaye
der du zur Erhaltung die Gestalt reiner, unbefleckter Güte angenommen hast
diṣṭyā hataḥ ayam jagatām aruntudaḥ
glücklicherweise ist dieser Peiniger der Welten erschlagen
tvat-pāda-bhaktyā vayam īśa nirvṛtāḥ
durch Hingabe zu deinen Füßen sind wir, o Herr, befriedet

maitreya uvāca evaṁ hiraṇyākṣam asahya-vikramaṁ sa sādayitvā harir ādi-sūkaraḥ jagāma lokaṁ svam akhaṇḍitotsavaṁ samīḍitaḥ puṣkara-viṣṭarādibhiḥ

Maitreya sprach: So Hiraṇyākṣa, den von unerträglicher Kraft, bezwungen habend, ging Hari, der urzeitliche Eber, gepriesen von den [Weisen] auf Puṣkara(-dvīpa) und anderen, zu seiner eigenen, in ungebrochenem Fest verweilenden Welt.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
evam hiraṇyākṣam asahya-vikramam
so Hiraṇyākṣa, den von unerträglicher Kraft
saḥ sādayitvā hariḥ ādi-sūkaraḥ
bezwungen habend, Hari, der urzeitliche Eber
jagāma lokam svam akhaṇḍita-utsavam
ging zu seiner eigenen, in ungebrochenem Fest [verweilenden] Welt
samīḍitaḥ puṣkara-viṣṭara-ādibhiḥ
gepriesen von den [Weisen] auf Puṣkara und anderen

mayā yathānūktam avādi te hareḥ kṛtāvatārasya sumitra ceṣṭitam yathā hiraṇyākṣa udāra-vikramo mahā-mṛdhe krīḍanavan nirākṛtaḥ

So, wie ich es vernommen habe, o guter Freund, habe ich dir das Wirken Haris in seiner angenommenen Inkarnation berichtet - wie Hiraṇyākṣa, von gewaltiger Kraft, in großer Schlacht wie im bloßen Spiel vernichtet wurde.

Wort für Wort
mayā yathā anūktam avādi te
so, wie ich es vernommen habe, habe ich dir berichtet
hareḥ kṛta-avatārasya sumitra ceṣṭitam
das Wirken Haris in seiner angenommenen Inkarnation, o guter Freund
yathā hiraṇyākṣaḥ udāra-vikramaḥ
wie Hiraṇyākṣa, von gewaltiger Kraft
mahā-mṛdhe krīḍana-vat nirākṛtaḥ
in großer Schlacht wie im bloßen Spiel vernichtet wurde

sūta uvāca iti kauṣāravākhyātām āśrutya bhagavat-kathām kṣattānandaṁ paraṁ lebhe mahā-bhāgavato dvija

Sūta sprach: Nachdem er so diese von Kauṣārava (Maitreya) erzählte Geschichte des Erhabenen vernommen hatte, erlangte Kṣattā (Vidura), der große Gottgeweihte, höchste Freude, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
sūtaḥ uvāca
Sūta sprach
iti kauṣārava-ākhyātām
nachdem er so diese von Kauṣārava erzählte
āśrutya bhagavat-kathām
Geschichte des Erhabenen vernommen hatte
kṣattā ānandam param lebhe
erlangte Kṣattā höchste Freude
mahā-bhāgavataḥ dvija
der große Gottgeweihte, o Zweifachgeborener

anyeṣāṁ puṇya-ślokānām uddāma-yaśasāṁ satām upaśrutya bhaven modaḥ śrīvatsāṅkasya kiṁ punaḥ

Wenn schon aus dem Hören von anderen tugendhaften, hochberühmten Rechtschaffenen Freude entstehen kann, wie viel mehr dann von dem, der das Śrīvatsa-Zeichen trägt!

Wort für Wort
anyeṣām puṇya-ślokānām
von anderen tugendhaften
uddāma-yaśasām satām
hochberühmten Rechtschaffenen
upaśrutya bhavet modaḥ
kann aus dem Hören Freude entstehen
śrīvatsa-aṅkasya kim punaḥ
wie viel mehr von dem, der das Śrīvatsa-Zeichen trägt

yo gajendraṁ jhaṣa-grastaṁ dhyāyantaṁ caraṇāmbujam krośantīnāṁ kareṇūnāṁ kṛcchrato 'mocayad drutam

Er, der den vom Fisch (Krokodil) ergriffenen Elefantenfürsten, der über seine Lotosfüße meditierte, während seine Elefantenkühe klagend riefen, mit Mühe rasch befreite -

Wort für Wort
yaḥ gajendram jhaṣa-grastam
er, der den vom Fisch (Krokodil) ergriffenen Elefantenfürsten
dhyāyantam caraṇa-ambujam
der über [seine] Lotosfüße meditierte
krośantīnām kareṇūnām
während seine Elefantenkühe klagend riefen
kṛcchrataḥ amocayat drutam
mit Mühe rasch befreite

[Anm.] Vorausdeutende Erwähnung der später erzählten Gajendra-Mokṣa-Episode.

taṁ sukhārādhyam ṛjubhir ananya-śaraṇair nṛbhiḥ kṛtajñaḥ ko na seveta durārādhyam asādhubhiḥ

Ihn, den von den Aufrichtigen, die keine andere Zuflucht haben, leicht zu erfreuenden, von den Bösen aber schwer zu erfreuenden - welcher Dankbare würde ihm nicht dienen?

Wort für Wort
tam sukha-ārādhyam ṛjubhiḥ
ihn, den von den Aufrichtigen leicht zu erfreuenden
ananya-śaraṇaiḥ nṛbhiḥ
die keine andere Zuflucht haben
kṛtajñaḥ kaḥ na seveta
welcher Dankbare würde ihm nicht dienen
durārādhyam asādhubhiḥ
den von den Bösen schwer zu erfreuenden

yo vai hiraṇyākṣa-vadhaṁ mahādbhutaṁ vikrīḍitaṁ kāraṇa-sūkarātmanaḥ śṛṇoti gāyaty anumodate 'ñjasā vimucyate brahma-vadhād api dvijāḥ

Wer immer diese höchst wundersame Tötung Hiraṇyākṣas, das Spiel dessen, der in Ebergestalt die Ursache [allen Werdens] ist, hört, singt oder billigt, wird sogleich sogar von der Sünde des Brahmanenmordes befreit, o Zweifachgeborene.

Wort für Wort
yaḥ vai hiraṇyākṣa-vadham mahā-adbhutam
wer immer diese höchst wundersame Tötung Hiraṇyākṣas
vikrīḍitam kāraṇa-sūkara-ātmanaḥ
das Spiel dessen, der in Ebergestalt die Ursache [allen Werdens] ist
śṛṇoti gāyati anumodate
hört, singt oder billigt
añjasā vimucyate brahma-vadhāt api dvijāḥ
wird sogleich sogar von der Sünde des Brahmanenmordes befreit, o Zweifachgeborene

etan mahā-puṇyam alaṁ pavitraṁ dhanyaṁ yaśasyaṁ padam āyur-āśiṣām prāṇendriyāṇāṁ yudhi śaurya-vardhanaṁ nārāyaṇo 'nte gatir aṅga śṛṇvatām

Dies ist höchst verdienstvoll, überaus reinigend, segensreich, ruhmbringend, eine Quelle langen Lebens und aller Segnungen, im Kampf die Tapferkeit von Lebenskraft und Sinnen mehrend; für die, die es hören, ist Nārāyaṇa, mein Lieber, am Ende die [letzte] Zuflucht.

Wort für Wort
etat mahā-puṇyam alam pavitram
dies ist höchst verdienstvoll, überaus reinigend
dhanyam yaśasyam padam āyuḥ-āśiṣām
segensreich, ruhmbringend, eine Quelle langen Lebens und aller Segnungen
prāṇa-indriyāṇām yudhi śaurya-vardhanam
im Kampf die Tapferkeit von Lebenskraft und Sinnen mehrend
nārāyaṇaḥ ante gatiḥ aṅga śṛṇvatām
für die, die es hören, ist Nārāyaṇa am Ende die Zuflucht, mein Lieber

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