Kapitel 187: śrī-rāmacandra-carita
Die Taten des Höchsten Herrn Rāmacandra
Aufgrund wiederholter Zugriffsblockaden (HTTP 429) bei vedabase.io wurde ab Vers 45 zusätzlich die lokale GRETIL-Quelldatei (bhp_09u.htm) zur Sanskrit-Verifikation herangezogen; die Vers-/Pada-Zuordnung zwischen GRETIL-Nummerierung und der hier verwendeten (vedabase-basierten) Zählung wurde durch Inhaltsabgleich rekonstruiert.
Von ihm wiederum erschien dieser Herr, der leibhaftige, aus reinem Sein bestehende Hari, durch einen Teilaspekt Seiner Erweiterung vierfach, von den Göttern erbeten, zur Sohnschaft, unter den Namen Rāma, Lakṣmaṇa, Bharata und Śatrughna.
O König, das Wirken Jenes, geschildert von den die Wahrheit schauenden Weisen, hast du, den Gemahl der Sītā betreffend, wahrlich vielfach immer wieder gehört.
Er, der um des Vaters willen das Königreich aufgab, wanderte mit Seinen zwei lotusgleichen Füßen – die nicht einmal die Berührung der Hand Seiner Geliebten ertragen konnten – von Wald zu Wald, wobei die Erschöpfung des Weges durch den Herrn der Affen und den jüngeren Bruder gelindert wurde; Er, der durch den Zorn der Trennung von der Geliebten wegen der Entstellung der Śūrpaṇakhā mit hochgezogenen, zuckenden Augenbrauen den Ozean erschreckte, eine Brücke baute und die Übeltäter wie ein Waldbrand verzehrte – dieser Herr von Kosala möge uns beschützen!
Wort für Wort
guru-arthe
um des Vaters (Lehrers) willen
tyakta-rājyaḥ
der das Königreich aufgegeben hat
vyacarat anuvanam
wanderte von Wald zu Wald
padma-padbhyām
mit den beiden Lotosfüßen
priyāyāḥ
der Geliebten
pāṇi-sparśa-akṣamābhyām
die die Berührung ihrer Hand nicht ertragen konnten
mṛjita-patha-rujaḥ
deren Wegschmerz gelindert wurde
yaḥ
er, welcher
harīndra-anujābhyām
durch den Herrn der Affen (Hanumān) und den jüngeren Bruder (Lakṣmaṇa)
vairūpyāt śūrpaṇakhyāḥ
wegen der Entstellung der Śūrpaṇakhā
priya-viraha-ruṣā
durch den Zorn der Trennung von der Geliebten
āropita-bhrū-vijṛmbha
mit hochgezogenen, zuckenden Augenbrauen
trasta-abdhiḥ
den Ozean erschreckend
baddha-setuḥ
der die Brücke baute
khala-dava-dahanaḥ
der Verbrenner der Bösewichte wie ein Waldfeuer
kosala-indraḥ avatāt naḥ
der Herr von Kosala möge uns beschützen
Langzeiliger Bittvers (āśīr), der die gesamte Rāma-Erzählung vorausschauend zusammenfasst; Fortsetzung in V.5 und 6-7.
Er, durch den im Opfer des Viśvāmitra die von Mārīca angeführten Nachtwandler getötet wurden, jene Häupter der Rākṣasas, während Lakṣmaṇa selbst zusah –
Wort für Wort
viśvāmitra-adhvare
im Opfer des Viśvāmitra
yena
durch wen
mārīca-ādyāḥ
angeführt von Mārīca
niśā-carāḥ
die Nachtwandler
paśyataḥ lakṣmaṇasya eva
während Lakṣmaṇa selbst zusah
hatāḥ
getötet wurden
nairṛta-puṅgavāḥ
die Häupter der Rākṣasas
Setzt den Relativsatz-Stil von V.4 fort (Bezug auf 'kosalendraḥ').
Er, der in der Versammlung der Helden der Welt den gewaltigen Bogen Śivas, der beim Svayaṃvara der Sītā von dreihundert Männern herbeigebracht worden war, ergriff und, o König, wie ein junger Elefant spielerisch ein Zuckerrohrstück, den gespannten Bogen in der Mitte auseinanderzog und zerbrach; nachdem Er sie gewonnen hatte – deren Eigenschaften, Charakter, Alter, Gestalt und Schönheit Ihm entsprachen, die unter dem Namen Sītā als am Busen erlangte Glücksgöttin galt –, bezwang Er auf dem Weg den aufkeimenden Hochmut des Herrn der Bhṛgus (Paraśurāma), der die Erde dreimal von Königsgeschlecht entblößt hatte.
Wort für Wort
yaḥ
er, welcher (Rāma)
loka-vīra-samitau
in der Versammlung der Helden der Welt
dhanuḥ aiśam ugram
den gewaltigen Bogen Śivas
sītā-svayaṃvara-gṛhe
im Haus des Svayaṃvara der Sītā
triśata-upanītam
von dreihundert (Männern) herbeigebracht
ādāya
ergreifend
bāla-gaja-līlaḥ iva
wie ein spielender junger Elefant
ikṣu-yaṣṭim
ein Zuckerrohrstück
sajjyī-kṛtam
gespannt
nṛpa
o König
vikṛṣya babhañja madhye
anziehend zerbrach er in der Mitte
jitvā
nachdem er gewonnen hatte
anurūpa-guṇa-śīla-vayo-'ṅga-rūpām
deren Eigenschaften, Charakter, Alter, Gestalt und Schönheit entsprachen
Er, der den Befehl des Vaters – gefesselt vom Band der Wahrheit und ergeben seiner Frau – mitsamt Gemahlin ehrfürchtig auf dem Haupt annahm, und, Königreich, Reichtum, liebende Verwandte, Freunde und Wohnstatt aufgebend, wie eine von aller Bindung befreite Seele ihr Leben aufgibt, in den Wald zog.
Er entstellte die Gestalt der Rākṣasa-Schwester, deren Verstand unrein war, und tötete ihre Verwandten, angeführt von Khara, Triśiras und Dūṣaṇa, vierzehntausend an der Zahl, während Er, den unbesiegbaren Bogen in der Hand, wandernd, Entbehrung ertrug.
Wort für Wort
rakṣaḥ-svasuḥ
der Schwester des Rākṣasa (Śūrpaṇakhā)
vyakṛta rūpam
entstellte die Gestalt
aśuddha-buddheḥ tasyāḥ
deren Verstand unrein war
khara-triśira-dūṣaṇa-mukhya-bandhūn
deren Verwandte, angeführt von Khara, Triśiras und Dūṣaṇa
Als Er, o König, den [Zauberhirsch] erblickte, den der Zehnköpfige erschuf, dessen Liebesverlangen durch das Hören der Geschichte Sītās entflammt war, tötete der Furchtbare, von der Einsiedelei durch die wunderbare Hirschgestalt fortgelockt, den Mārīca rasch mit einem Pfeil, wie einst der Furchtbare [Rudra] den Ka [erlegte].
Wort für Wort
sītā-kathā-śravaṇa-dīpita-hṛc-chayena
durch das vom Hören der Geschichte Sītās entflammte Liebesverlangen (des Rāvaṇa)
sṛṣṭam
das Geschaffene (den Zauberhirsch)
vilokya
erblickend
nṛpate
o König
daśa-kandhareṇa
durch den Zehnköpfigen (Rāvaṇa) geschaffen
jaghne
er tötete
adbhuta-eṇa-vapuṣā
durch die wunderbare Hirschgestalt
āśramataḥ apakṛṣṭaḥ
von der Einsiedelei fortgelockt
mārīcam
den Mārīca
āśu viśikhena
rasch mit einem Pfeil
yathā kam ugraḥ
wie der Furchtbare (einst) Ka (tötete) [?]
[Anm.: 'yathā kam ugraḥ' ist eine knappe mythologische Anspielung (vermutlich auf Rudra/Śiva und Prajāpati Dakṣa 'Ka'); die genaue Referenz ist unsicher und mit [?] markiert.]
Als die Tochter des Königs von Videha von dem niedrigsten der Rākṣasas, wie ein Wolf, im Wald unbeobachtet fortgeraubt worden war, wanderte Er, mit dem Bruder, von der Geliebten getrennt, wie ein Elender im Wald umher und zeigte dadurch das Schicksal derer auf, die an Frauen hängen.
Wort für Wort
rakṣaḥ-adhamena
durch den niedrigsten der Rākṣasas
vṛka-vat
wie ein Wolf
vipine asamakṣam
im Wald, unbeobachtet
vaideha-rāja-duhitari apayāpitāyām
als die Tochter des Königs von Videha fortgeraubt worden war
dagdhvātma-kṛtya-hata-kṛtyam ahan kabandhaṃ sakhyaṃ vidhāya kapibhir dayitā-gatiṃ taiḥ / buddhvātha vālini hate plavagendra-sainyair velām agāt sa manujo 'ja-bhavārcitāṅghriḥ
Nachdem Er die geschuldete Totenpflicht erfüllt hatte, tötete Er den Kabandha, dessen eigenes Tun seine Bestimmung zunichtegemacht hatte; nachdem Er mit den Affen Freundschaft geschlossen und durch sie den Verbleib der Geliebten erfahren hatte, und nachdem Vāli getötet worden war, zog Er, der Mensch gewordene Herr, dessen Füße von Brahmā und Śiva verehrt werden, mit den Heeren des Affenfürsten zum Strand des Ozeans.
Wort für Wort
dagdhvā
nachdem er (die Totenfeuer-Pflicht) vollzogen hatte
ātma-kṛtya-hata-kṛtyam
dessen eigenes Tun die (ihm gebührende) Bestimmung zunichtegemacht hatte
Der Ozean, dessen Krokodile und Makaras durch das Fallen Seiner im Zorn wild umherrollenden Seitenblicke in Bestürzung gerieten und dessen Tosen von Furcht verschlungen wurde, nahm, eine Gestalt annehmend, Opfergaben auf dem Haupt, näherte sich Seinem Lotosfuß und sprach dieses:
Wort für Wort
yad-roṣa-vibhrama-vivṛtta-kaṭākṣa-pāta
durch das Fallen der im Zorn wild umherrollenden Seitenblicke von dem
na tvāṃ vayaṃ jaḍa-dhiyo nu vidāma bhūman kūṭa-stham ādi-puruṣaṃ jagatām adhīśam / yat-sattvataḥ sura-gaṇā rajasaḥ prajeśā manyoś ca bhūta-patayaḥ sa bhavān guṇeśaḥ
Wir, stumpfsinnig, kennen Dich wahrlich nicht, o Allumfassender, den unveränderlichen Urmenschen, den Herrscher der Welten, aus dessen Erscheinungsweise der Tugend die Götterscharen, aus der Leidenschaft die Herren der Geschöpfe und aus Zorn die Herren der Wesen entstehen – Du bist der Herr der Erscheinungsweisen.
Wort für Wort
na tvām vayam
dich nicht wir
jaḍa-dhiyaḥ
die Stumpfsinnigen
nu vidāma
kennen wahrlich
bhūman
o Allumfassender
kūṭa-stham
den Unveränderlichen
ādi-puruṣam
den Urmenschen
jagatām adhīśam
den Herrscher der Welten
yat-sattvataḥ sura-gaṇāḥ
aus dessen (Erscheinungsweise der) Tugend die Götterscharen
Gehe nach Belieben über mich hinweg, bezwinge die Schande des Viśravas, der die drei Welten zum Weinen bringt; erlange, o Held, Deine Gattin zurück; baue hier eine Brücke zur Ausbreitung Deines Ruhmes, zu der hingehend die welterobernden Könige singen.
Der Herr der Raghus baute im Ozean eine Brücke aus verschiedenen Bergesgipfeln, deren Bäume von den Händen der Affenfürsten erschüttert worden waren, und betrat, geführt vom Blick des Vibhīṣaṇa, mit den Heeren, angeführt von Sugrīva, Nīla und Hanumān, Laṅkā, das zuvor in Brand gesteckt worden war.
Wort für Wort
baddhvā udadhau
nachdem er im Ozean gebaut hatte
raghu-patiḥ
der Herr der Raghus
vividha-adri-kūṭaiḥ setum
mit verschiedenen Berggipfeln eine Brücke
kapīndra-kara-kampita-bhūruha-aṅgaiḥ
deren Baumglieder von den Händen der Affenfürsten erschüttert waren
sugrīva-nīla-hanumat-pramukhaiḥ anīkaiḥ
mit den Heeren, angeführt von Sugrīva, Nīla und Hanumān
Jenes Laṅkā, dessen Lustgärten, Vorratshäuser, prächtige Tore, Torbögen, Versammlungshallen, Dachterrassen und Taubenschläge von der Streitmacht der Affenfürsten überwältigt wurden, dessen Ratshäuser, Banner, goldene Turmkuppeln und Straßenkreuzungen zerbrochen wurden, geriet in Aufruhr wie ein Fluss durch Elefantenherden.
Der Herr der Rākṣasas, dies sehend, entsandte Nikumbha, Kumbha, Dhūmrākṣa, Durmukha, Surāntaka, Narāntaka und andere, seinen Sohn Prahasta, Atikāya, Vikampana und andere, alle Gefolgsleute, und schließlich Kumbhakarṇa.
Er zog, begleitet von Sugrīva, Lakṣmaṇa, dem Sohn des Windgottes, Gandhamāda, Nīla, Aṅgada, Ṛkṣa, Panasa und anderen, gegen jenes Heer der Rākṣasas, das durch Schwerter, Lanzen, Bögen, Speere, Ṛṣṭis, Śaktis, Pfeile, Tomaras und Schwerter wie eine Festung uneinnehmbar war.
Jene Heerführer des Herrn der Raghus, angeführt von Aṅgada, griffen alle einzeln die Kriegerschar an, die aus Elefanten, Fußvolk, Wagenkriegern und Reitern bestand, und schlugen mit Bäumen, Bergen, Keulen und Pfeilen die Krieger Rāvaṇas, deren Glück durch die Kränkung Sītās zunichtegemacht war.
Wort für Wort
te anīka-pāḥ raghupateḥ
jene Heerführer des Herrn der Raghus
abhipatya sarve dvandvam
alle einzeln (im Zweikampf) angreifend
varūtham ibha-patti-ratha-aśva-yodhaiḥ
die Kriegerschar aus Elefanten, Fußvolk, Wagenkriegern und Reitern
jaghnuḥ drumaiḥ giri-gadā-iṣubhiḥ
schlugen mit Bäumen, Bergen, Keulen und Pfeilen
aṅgada-ādyāḥ
angeführt von Aṅgada
sītā-abhimarṣa-hata-maṅgala-rāvaṇa-īśān
die Krieger Rāvaṇas, deren Glück durch die Kränkung Sītās zunichte war
Der Herr der Rākṣasas, den Untergang seiner eigenen Streitmacht sehend, wurde zornig, bestieg sein Flugfahrzeug und griff dann Rāma an, der, auf dem von Mātali herbeigebrachten, glänzenden Himmelswagen strahlend, mit scharfen Pfeilen beschossen wurde.
rāmas tam āha puruṣāda-purīṣa yan naḥ kāntāsamakṣam asatāpahṛtā śvavat te / tyakta-trapasya phalam adya jugupsitasya yacchāmi kāla iva kartur alaṅghya-vīryaḥ
Rāma sprach zu ihm: 'O Kot der Menschenfresser! Weil du, gleich einem Hund, in Abwesenheit meine Gattin wie ein Schändlicher geraubt hast, gebe ich dir, dem Schamlosen und Widerwärtigen, heute den Lohn dafür, wie die unwiderstehliche Zeit dem Täter den Lohn gibt.'
evaṃ kṣipan dhanuṣi sandhitam utsasarja bāṇaṃ sa vajram iva tad-dhṛdayaṃ bibheda / so 'sṛg vaman daśamukhair nyapatad vimānād dhāheti jalpati jane sukṛtīva riktaḥ
So ihn schmähend, schoss Er den auf dem Bogen angelegten Pfeil ab; dieser durchbohrte, einem Blitz gleich, dessen Herz. Dieser, Blut aus den zehn Mündern speiend, fiel von seinem Flugwagen, während die Leute 'Ach!' riefen, wie ein Tugendhafter, dessen Verdienst erschöpft ist.
Wort für Wort
evam kṣipan
so schmähend
dhanuṣi sandhitam
den auf dem Bogen angelegten
utsasarja bāṇam
er schoss den Pfeil ab
saḥ vajram iva
dieser, einem Blitz gleich
tat-hṛdayam bibheda
durchbohrte dessen Herz
saḥ asṛk vaman daśamukhaiḥ
dieser, Blut speiend aus den zehn Mündern
nyapatat vimānāt
fiel vom Flugwagen
hā iti jalpati jane
während die Leute 'Ach!' riefen
sukṛtī iva riktaḥ
wie ein Tugendhafter, dessen (Verdienst) erschöpft ist
Sie umarmten ihre jeweils eigenen, durch die Pfeile Lakṣmaṇas verwundeten Angehörigen, weinten elend mit lauter Stimme und schlugen sich selbst mit den eigenen Händen.
Ach, wir sind vernichtet, o Herr! O Rāvaṇa, der die Welt zum Weinen brachte! Zu wem soll Laṅkā, deiner beraubt, von Feinden gepeinigt, Zuflucht nehmen?
Gemacht wurde diese Laṅkā zur Witwe, und wir auch, o Freude des Geschlechts! Dein Leib wurde zur Speise der Geier gemacht, deine Seele zur Ursache der Hölle.
Śrī Śuka sprach: Vibhīṣaṇa, vom Herrn von Kosala dazu ermächtigt, vollzog für die Seinen die für das Jenseits vorgeschriebenen Riten nach der Ordnung des Ahnenopfers.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
svānām
für die Seinen
vibhīṣaṇaḥ cakre
Vibhīṣaṇa vollzog
kosala-indra-anumoditaḥ
vom Herrn von Kosala ermächtigt
pitṛ-medha-vidhānena
nach der Ordnung des Ahnenopfers
yat uktam sāmparāyikam
was als für das Jenseits (vorgeschrieben) bezeichnet wird
tato dadarśa bhagavān aśokavanikāśrame / kṣāmāṃ svaviraha-vyādhiṃ śiṃśapā-mūlam āśritām
Darauf erblickte der Herr sie in der Einsiedelei des Aśoka-Hains, abgemagert von der Krankheit der Trennung von Ihm, am Fuß des Śiṃśapā-Baumes Zuflucht suchend.
Rāma, als Er Seine elende, liebste Gattin erblickte, deren lotusgleiches Antlitz sich vor Freude über das Wiedersehen mit Ihm aufblühte, wurde von Mitgefühl ergriffen.
Sie hinaufführend, bestieg Er das Flugfahrzeug, begleitet von den Brüdern und Hanumān; der Herr, nachdem Er Vibhīṣaṇa die Herrschaft über die Rākṣasa-Scharen und Laṅkā samt einer Lebensspanne bis zum Ende des Zeitalters verliehen hatte, zog, Sein Gelübde erfüllt, zur Stadt Ayodhyā.
Wort für Wort
āropya
hinaufführend (Sītā)
āruruhe yānam
er bestieg das Flugfahrzeug
bhrātṛbhyām hanumat-yutaḥ
begleitet von den beiden Brüdern und Hanumān
vibhīṣaṇāya
dem Vibhīṣaṇa
bhagavān dattvā
der Herr, verleihend
rakṣaḥ-gaṇa-īśatām
die Herrschaft über die Rākṣasa-Scharen
laṅkām āyuḥ ca kalpāntam
Laṅkā und Lebenszeit bis zum Ende des Zeitalters
yayau
zog
cīrṇa-vrataḥ
dessen Gelübde erfüllt war
purīm
zur Stadt (Ayodhyā)
Drei Halbverse (irregulärer Umfang); vgl. dieselbe Struktur bei Vers 50.
Als Er hörte, dass Sein Bruder Gerstenbrei mit Kuhurin aß, in Baumrinde gekleidet, mit verfilzten Haarsträhnen, auf bloßer Erde liegend, litt der Hochmitleidsvolle sehr.
Als Bharata von der Ankunft hörte, setzte er sich die heiligen Sandalen aufs Haupt und zog, umgeben von Bürgern, Ministern und Priestern, Seinem älteren Bruder Rāma entgegen – aus Nandigrāma, seinem eigenen Lager, unter dem Klang von Gesang und Instrumenten und dem beständigen, von Kennern des Brahman rezitierten vedischen Klang, mit goldbestickten Bannern, goldenen, bunt beflaggten Wagen, edlen, golden geschirrten Pferden, Soldaten in goldener Rüstung, mit Zünften, angeführt von den vornehmsten Kurtisanen, und mit Dienern zu Fuß, alle königlichen Insignien und mannigfaltige Waren mit sich führend – und fiel, Herz und Augen von Liebe überströmt, Ihm zu Füßen.
Wort für Wort
bharataḥ prāptam ākarṇya
als Bharata von der Ankunft hörte
paura-amātya-purohitaiḥ
mit Bürgern, Ministern und Priestern
pāduke śirasi nyasya
die Sandalen aufs Haupt legend
rāmam pratyudyataḥ agrajam
dem älteren Bruder Rāma entgegenziehend
nandigrāmāt sva-śibirāt
aus Nandigrāma, seinem eigenen Lager
gīta-vāditra-niḥsvanaiḥ
mit dem Klang von Gesang und Instrumenten
brahma-ghoṣeṇa ca muhuḥ
und mit beständigem vedischem Rezitationsklang
paṭhadbhiḥ brahma-vādibhiḥ
von rezitierenden Kennern des Brahman
svarṇa-kakṣa-patākābhiḥ
mit goldbestickten Bannern
haimaiḥ citra-dhvajaiḥ rathaiḥ
mit goldenen, bunt beflaggten Wagen
sad-aśvaiḥ rukma-sannāhaiḥ
mit edlen Pferden mit goldenem Geschirr
bhaṭaiḥ puraṭa-varmabhiḥ
mit Soldaten in goldener Rüstung
śreṇībhiḥ vāra-mukhyābhiḥ
mit Zünften, angeführt von den vornehmsten Kurtisanen
bhṛtyaiḥ ca eva padānugaiḥ
und mit Dienern zu Fuß
pārameṣṭhyāni upādāya
die königlichen Insignien mit sich führend
paṇyāni uccāvacāni ca
und mannigfaltige Waren
pādayoḥ nyapatat premṇā
fiel aus Liebe zu Füßen
praklinna-hṛdaya-īkṣaṇaḥ
dessen Herz und Augen erweicht/überströmt waren
Vier zusammengehörige Verse (35-38), die einen einzigen langen Satz über Bharatas Empfang bilden.
pāduke nyasya purataḥ prāñjalir bāṣpa-locanaḥ / tam āśliṣya ciraṃ dorbhyāṃ snāpayan netrajair jalaiḥ // rāmo lakṣmaṇa-sītābhyāṃ viprebhyo ye 'rha-sattamāḥ / tebhyaḥ svayaṃ namaścakre prajābhiś ca namaskṛtaḥ
Er legte die Sandalen vor Ihm nieder, stand mit gefalteten Händen und tränenden Augen da; Rāma umarmte ihn lange mit beiden Armen und badete ihn mit dem Wasser Seiner Augen. Rāma erwies zusammen mit Lakṣmaṇa und Sītā den Brahmanen und anderen, die der Verehrung höchst würdig waren, eigenhändig Verehrung, und wurde seinerseits von den Untertanen verehrt.
Wort für Wort
pāduke nyasya purataḥ
die Sandalen davor niederlegend
prāñjaliḥ bāṣpa-locanaḥ
mit gefalteten Händen und tränenden Augen
tam āśliṣya ciram dorbhyām
ihn lange mit beiden Armen umarmend
snāpayan netrajaiḥ jalaiḥ
badend mit dem Wasser der Augen (Tränen)
rāmaḥ lakṣmaṇa-sītābhyām
Rāma zusammen mit Lakṣmaṇa und Sītā
viprebhyaḥ ye arha-sattamāḥ
den Brahmanen, die der höchsten Verehrung würdig waren
Die Bürger von Nordkosala, ihre oberen Gewänder schwenkend, ihren Herrn nach langer Zeit zurückgekehrt sehend, streuten Blumengirlanden und tanzten vor Freude.
Wort für Wort
dhunvantaḥ uttara-āsaṅgān
ihre oberen Gewänder schwenkend
patim vīkṣya cira-āgatam
ihren nach langer Zeit zurückgekehrten Herrn sehend
Bharata trug die Sandalen; Vibhīṣaṇa zusammen mit Sugrīva den vorzüglichen Chamara-Wedel und Fächer; der Sohn des Windgottes den weißen Sonnenschirm; Śatrughna trug Bogen und Köcher, Sītā den Topf mit heiligem Pilgerwasser; Aṅgada trug das goldene Schwert, und der König der Bären den Schild, o König.
Wort für Wort
pāduke bharataḥ agṛhṇāt
die Sandalen trug Bharata
cāmara-vyajana-uttame
den vorzüglichen Chamara-Wedel und Fächer
vibhīṣaṇaḥ sa-sugrīvaḥ
Vibhīṣaṇa zusammen mit Sugrīva
śveta-chatram marut-sutaḥ
den weißen Sonnenschirm der Sohn des Windgottes (Hanumān)
Auf dem Puṣpaka-Wagen sitzend, von den Frauen verehrt und von den Hofsängern gepriesen, erstrahlte der Herr, o König, wie der aufgegangene Mond inmitten der Planeten.
Von Seinem Bruder willkommen geheißen, betrat Er darauf die festlich geschmückte Stadt; nach dem Betreten des königlichen Palastes nahte Er sich den Frauen Seiner Lehrer, Seiner eigenen Mutter, den Lehrern, Altersgenossen und jüngeren Brüdern, und, Selbst geehrt, erwies Er ihnen Gegenverehrung; auch die Videha-Tochter Sītā und Lakṣmaṇa begrüßten sie alle in gebührender Weise.
Wort für Wort
bhrātrā abhinanditaḥ
von seinem Bruder willkommen geheißen
saḥ atha sa-utsavām prāviśat purīm
er betrat darauf die festliche Stadt
praviśya rāja-bhavanam
nach dem Betreten des königlichen Palastes
guru-patnīḥ sva-mātaram
zu den Frauen der Lehrer, der eigenen Mutter
gurūn vayasya-avarajān
zu den Lehrern, Altersgenossen, jüngeren (Brüdern)
Jene Seine Mütter aber, als wäre ihr eigenes Leben oder ihr eigener Körper wieder auferstanden, hoben die Söhne auf ihren Schoß, benetzten sie mit Tränen und legten durch Tränenfluten ihren Kummer ab.
Wort für Wort
putrān
die Söhne
sva-mātaraḥ tāḥ tu
jene ihre (eigenen) Mütter aber
prāṇān tanvaḥ iva utthitāḥ
als wäre (ihr eigenes) Leben oder der Körper auferstanden
Nachdem man Ihm die verfilzten Haare vorschriftsmäßig gelöst hatte, weihte der Guru zusammen mit den Familienältesten Ihn mit dem Wasser der vier Ozeane und anderem, ganz wie einst Indra.
So, nach vollzogener Kopfwaschung, schön gekleidet, mit Girlanden geschmückt, erstrahlte Er zusammen mit Seinen gutgekleideten, geschmückten Brüdern und Seiner Gattin.
agrahīdāsanaṃ bhrātrā praṇipatya prasāditaḥ / prajāḥ svadharmaniratā varṇāśramaguṇānvitāḥ / jugopa pitṛvadrāmo menire pitaraṃ ca tam
Durch die Niederwerfung Seines Bruders besänftigt, nahm Er den Königsthron ein; Rāma beschützte die Untertanen, die ihren eigenen Pflichten hingegeben und mit den Eigenschaften von Kaste und Lebensstand ausgestattet waren, wie ein Vater, und sie wiederum betrachteten Ihn als ihren Vater.
Wort für Wort
agrahīt āsanam
er nahm den (Königs-)Thron ein
bhrātrā praṇipatya prasāditaḥ
durch die Niederwerfung des Bruders besänftigt
prajāḥ sva-dharma-niratāḥ
die Untertanen, ihren eigenen Pflichten hingegeben
varṇāśrama-guṇa-anvitāḥ
mit den Eigenschaften von Kaste und Lebensstand ausgestattet
Geistesqual, Krankheit, Alter, Erschöpfung, Leid, Kummer, Furcht und Ermattung gab es nicht, noch den Tod für die, die ihn nicht wünschten, solange Rāma, der die Sinne übersteigende, König war.
Wort für Wort
na ādhi-vyādhi-jarā-glāni
nicht Geistesqual, Krankheit, Alter, Erschöpfung
duḥkha-śoka-bhaya-klamāḥ
Leid, Kummer, Furcht und Ermattung
mṛtyuḥ ca anicchatām
und der Tod für die (ihn) nicht Wünschenden
na āsīt
gab es nicht
rāme rājani adhokṣaje
solange Rāma, der die Sinne übersteigende, König war
Er, der das Gelübde der Einehe hielt, sich wie ein königlicher Weiser betrug, rein war, lehrte durch Sein eigenes Handeln die Pflicht des Hausvaterlebens, indem Er sie Selbst ausübte.
Durch ihre liebevolle Ergebenheit, ihren guten Charakter, ihre von Bescheidenheit geprägte Demut, durch Furcht und Scham – die treue, die Gemütsart ihres Gatten verstehende Sītā – raubte sie das Herz ihres Gatten.