Śrī Śuka sprach: Die beiden [Weisen] sprachen zu dem vom Kummer überwältigten König, der neben der Leiche lag wie eine Leiche, und unterwiesen ihn mit wahrhaftigen Worten.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ
der glückreiche Śuka (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (Perf. 3. Sg.)
ūcatuḥ
sie beide sprachen (Perf. 3. Du.)
mṛtaka-upānte
in der Nähe des Leichnams (Lok. Sg.)
patitam
gefallen, liegend (Akk. Sg. m., Part. Perf. Pass.)
mṛtaka-upamam
einem Leichnam gleichend (Akk. Sg. m.)
śoka-abhibhūtam
von Kummer überwältigt (Akk. Sg. m.)
rājānam
zum König (Akk. Sg.)
bodhayantau
die beiden belehrend (Nom. Du., Part. Präs. Kaus.)
So wie Sandkörner durch die Kraft der Strömung auseinandergehen und zusammenkommen, vereinigt und wieder getrennt werden, so werden die verkörperten Wesen durch die Zeit vereinigt und getrennt.
yathā dhānāsu vai dhānā bhavanti na bhavanti ca evaṁ bhūtāni bhūteṣu coditānīśa-māyayā
So wie aus Getreidekörnern (neue) Körner entstehen und (manche) nicht entstehen, so entstehen ebenso die Geschöpfe aus (anderen) Geschöpfen, angetrieben durch die Māyā des Herrn.
vayaṁ ca tvaṁ ca ye ceme tulya-kālāś carācarāḥ janma-mṛtyor yathā paścāt prāṅ naivam adhunāpi bhoḥ
Wir, du und alle diese beweglichen und unbeweglichen Wesen, die jetzt zur selben Zeit [hier versammelt sind] - so, wie es vor der Geburt und nach dem Tod [nicht dieselbe Verbindung] war [oder sein wird], so ist es, o Herr, auch jetzt nicht [von Bestand]. [?]
Wort für Wort
vayam
wir (Nom. Pl.)
ca
und
tvam
du (Nom. Sg.)
ca
und
ye
die, welche (Nom. Pl., Relativpron.)
ca
und
ime
diese (Nom. Pl.)
tulya-kālāḥ
zur gleichen Zeit versammelt (Nom. Pl.)
cara-acarāḥ
die beweglichen und unbeweglichen (Nom. Pl.)
janma-mṛtyoḥ
von Geburt und Tod (Gen. Sg.)
yathā
so wie
paścāt
danach
prāk
davor
na
nicht
evam
so
adhunā
jetzt
api
auch
bhoḥ
o (Herr) (Vokativ-Partikel)
Syntax stark verdichtet; Sinn: die gegenwärtige Verbindung der Wesen ist ebenso vergänglich wie vor der Geburt und nach dem Tod.
bhūtair bhūtāni bhūteśaḥ sṛjaty avati hanti ca ātma-sṛṣṭair asvatantrair anapekṣo 'pi bālavat
Der Herr der Geschöpfe erschafft, erhält und vernichtet Geschöpfe durch [andere] Geschöpfe, die von ihm selbst erschaffen und nicht unabhängig sind - unbeteiligt, gleichwohl, wie ein Knabe [beim Spiel].
Durch den Körper eines Verkörperten, o König, entsteht aus [dessen] Körper [wieder] ein Körper - so wie aus einem Samen ein [neuer] Same [entsteht] - und der Verkörperte [erscheint] gleichsam ewig wie die [materiellen] Elemente.
Diese Unterscheidung von Körper und Verkörpertem ist von jeher durch Unwissenheit gemacht - [ebenso wie] diese Unterscheidung von Gattung und Einzelwesen, wie sie im [eigentlichen] Gegenstand [nur] eingebildet ist.
Śrī Śuka sprach: So durch die Worte der Zweifachgeborenen getröstet, wischte König Citraketu mit der Hand sein vor Kummer welkes Gesicht ab und sprach.
Der König sprach: Wer seid ihr beide, vollkommen im Wissen und die Größten unter den Großen, die, in der Tracht wandernder Asketen verhüllt, hierher gekommen seid?
caranti hy avanau kāmaṁ brāhmaṇā bhagavat-priyāḥ mādṛśāṁ grāmya-buddhīnāṁ bodhāyonmatta-liṅginaḥ
Wahrlich, Brahmanen, die dem Herrn lieb sind, wandern nach Belieben auf der Erde, in der Verkleidung von Wahnsinnigen, um solche wie mich, die weltlich gesinnt sind, zu erwecken.
Kumāra, Nārada, Ṛbhu, Aṅgirā, Devala, Asita, Apāntaratamā, Vyāsa, Mārkaṇḍeya und Gautama; Vasiṣṭha, der erhabene Rāma [Paraśurāma], Kapila, der Sohn Bādarāyaṇas [Śukadeva], Durvāsā, Yājñavalkya und Jātukarṇa, sowie Aruṇi; Romaśa, Cyavana, Datta [Dattātreya], Āsuri, zusammen mit dem Weisen Patañjali, Vedaśirā, der Weise Dhaumya, ebenso Pañcaśikha; Hiraṇyanābha, Kauśalya, Śrutadeva [und] Ṛtadhvaja - diese und andere Meister der Vollkommenheit wandern umher als Urheber des Wissens.
Wort für Wort
kumāraḥ
Kumāra (Sanat-kumāra) (Nom. Sg.)
nāradaḥ
Nārada (Nom. Sg.)
ṛbhuḥ
Ṛbhu (Nom. Sg.)
aṅgirāḥ
Aṅgirā (Nom. Sg.)
devalaḥ
Devala (Nom. Sg.)
asitaḥ
Asita (Nom. Sg.)
apāntaratamāḥ
Apāntaratamā, früherer Name Vyāsas (Nom. Sg.)
vyāsaḥ
Vyāsa (Nom. Sg.)
mārkaṇḍeyaḥ
Mārkaṇḍeya (Nom. Sg.)
atha
und, sodann
gautamaḥ
Gautama (Nom. Sg.)
vasiṣṭhaḥ
Vasiṣṭha (Nom. Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
rāmaḥ
Rāma, Paraśurāma (Nom. Sg.)
kapilaḥ
Kapila (Nom. Sg.)
bādarāyaṇiḥ
der Sohn Bādarāyaṇas, Śukadeva (Nom. Sg.)
durvāsāḥ
Durvāsā (Nom. Sg.)
yājñavalkyaḥ
Yājñavalkya (Nom. Sg.)
ca
und
jātukarṇaḥ
Jātukarṇa (Nom. Sg.)
tathā
ebenso
aruṇiḥ
Aruṇi (Nom. Sg.)
romaśaḥ
Romaśa (Nom. Sg.)
cyavanaḥ
Cyavana (Nom. Sg.)
dattaḥ
Datta, Dattātreya (Nom. Sg.)
āsuriḥ
Āsuri (Nom. Sg.)
sapatañjaliḥ
zusammen mit Patañjali (Nom. Sg.)
ṛṣiḥ
der Weise (Nom. Sg.)
veda-śirāḥ
Vedaśirā (Nom. Sg.)
dhaumyaḥ
Dhaumya (Nom. Sg.)
muniḥ
der Weise (Nom. Sg.)
pañcaśikhaḥ
Pañcaśikha (Nom. Sg.)
tathā
ebenso
hiraṇyanābhaḥ
Hiraṇyanābha (Nom. Sg.)
kauśalyaḥ
Kauśalya (Nom. Sg.)
śrutadevaḥ
Śrutadeva (Nom. Sg.)
ṛtadhvajaḥ
Ṛtadhvaja (Nom. Sg.)
ete
diese (Nom. Pl.)
pare
andere (Nom. Pl.)
ca
und
siddheśāḥ
Meister der Vollkommenheit (Nom. Pl.)
caranti
wandern (Präs. 3. Pl.)
jñāna-hetavaḥ
Urheber des Wissens (Nom. Pl.)
Verse 12-15 sind auf der Quellseite zu einer einzigen kombinierten Seite zusammengefasst (reine Namensaufzählung großer Weiser).
Darum, ihr beiden Herren, möge für mich, der ich wie ein Haustier bin, dessen Verstand verblendet und der in blinde Finsternis versunken ist, das Licht des Wissens entzündet werden.
Wort für Wort
tasmāt
deshalb
yuvām
ihr beide (Nom. Du.)
grāmya-paśoḥ
für mich, [der ich wie] ein Haustier [bin] (Gen. Sg.)
Śrī Aṅgirā sprach: Ich bin Aṅgirā, o König, der dir, der du dir einen Sohn wünschtest, den Sohn gab; und dieser hier ist der Sohn Brahmās, leibhaftig Nārada, der erhabene Weise.
Eingedenk dessen, dass dies für dich, der du im Umkreis des Höchsten Wesens weilst, unangemessen ist, [kamen wir], da du so in den Kummer um den Sohn in unüberwindliche Finsternis versunken bist. Um dir Gnade zu erweisen, sind wir beide hierhergekommen, o Herr; da du der Brahmanenkultur zugetan und ein Geweihter des Herrn bist, geziemt es dir nicht, [in solcher Trübsal] zu verharren.
Wort für Wort
ittham
so, auf diese Weise
tvām
dich (Akk. Sg.)
putra-śokena
durch den Kummer um den Sohn (Instr. Sg.)
magnam
versunken (Akk. Sg., Part. Perf. Pass.)
tamasi
in Finsternis (Lok. Sg.)
dustare
unüberwindliche (Lok. Sg.)
atad-arham
unwürdig dessen, unangemessen (Akk. Sg.)
anusmṛtya
eingedenk seiend, sich erinnernd (Absolutiv)
mahāpuruṣa-gocaram
der im Bereich des Höchsten Wesens weilt (Akk. Sg.)
anugrahāya
zur Gnadenerweisung (Dat. Sg.)
bhavataḥ
dir (Gen. Sg.)
prāptau
angekommen (Nom. Du., Part. Perf.)
āvām
wir beide (Nom. Du.)
iha
hierher
prabho
o Herr (Vok. Sg.)
brahmaṇyaḥ
der Brahmanenkultur/dem Absoluten zugetan (Nom. Sg.)
bhagavad-bhaktaḥ
ein Geweihter des Herrn (Nom. Sg.)
na
nicht
avāsāditum
in Bedrängnis zu geraten (Inf.)
arhasi
es ziemt dir (Präs. 2. Sg.)
Verse 18-19 sind auf der Quellseite zu einer kombinierten Seite zusammengefasst.
tadaiva te paraṁ jñānaṁ dadāmi gṛham āgataḥ jñātvānyābhiniveśaṁ te putram eva dadāmy aham
Schon damals, als ich zu deinem Hause kam, hätte ich dir das höchste Wissen gegeben; doch da ich deine Vertiefung in anderes [d.h. in weltliche Dinge] erkannte, gab ich dir nur einen Sohn.
Wort für Wort
tadā
damals
eva
schon, eben
te
dir (Dat. Sg.)
param
das höchste (Akk. Sg.)
jñānam
Wissen (Akk. Sg.)
dadāmi
ich hätte gegeben (Präs. 1. Sg. mit konditionalem Sinn)
Jetzt erfährst gerade du das Leid derer, die Söhne haben. Ebenso sind Gattin, Haus, Reichtümer und die mannigfaltigen Schätze der Fülle, die Sinnesobjekte angefangen mit dem Klang, die Herrlichkeiten des Königreichs - Land, Reich, Macht, Schatzkammer, Diener, Minister und Wohlgesinnte -, alle diese, o Herr über die Śūrasena, Geber von Kummer, Verblendung, Furcht und Schmerz; sie gleichen einer Luftstadt der Gandharven, [sind wie] Traum, Trugbild und Wunschgebilde des Geistes.
Wort für Wort
adhunā
jetzt
putriṇām
derer, die Söhne haben (Gen. Pl.)
tāpaḥ
das Leid (Nom. Sg.)
bhavatā
von dir (Instr. Sg.)
eva
gerade, eben
anubhūyate
wird erfahren (Präs. Pass. 3. Sg.)
evam
ebenso
dārāḥ
Gattin (Nom. Pl.)
gṛhāḥ
Haus (Nom. Pl.)
rāyaḥ
Reichtümer (Nom. Pl.)
vividha-aiśvarya-sampadaḥ
mannigfaltige Schätze der Fülle (Nom. Pl.)
śabda-ādayaḥ
Klang und die übrigen [Sinnesobjekte] (Nom. Pl.)
ca
und
viṣayāḥ
Sinnesobjekte (Nom. Pl.)
calāḥ
vergänglich, wandelbar (Nom. Pl.)
rājya-vibhūtayaḥ
die Herrlichkeiten des Königreichs (Nom. Pl.)
mahī
Land (Nom. Sg.)
rājyam
Reich (Nom. Sg.)
balam
Macht (Nom. Sg.)
koṣaḥ
Schatzkammer (Nom. Sg.)
bhṛtya-amātya-suhṛt-janāḥ
Diener, Minister und Wohlgesinnte (Nom. Pl.)
sarve
alle (Nom. Pl.)
api
sogar, auch
śūrasena
o Herr der Śūrasena (Vok. Sg.)
ime
diese (Nom. Pl.)
śoka-moha-bhaya-arti-dāḥ
Geber von Kummer, Verblendung, Furcht und Schmerz (Nom. Pl.)
gandharva-nagara-prakhyāḥ
einer Gandharva-Stadt gleichend (Nom. Pl.)
svapna-māyā-manorathāḥ
Traum, Trugbild und Wunschgebilde des Geistes (Nom. Pl.)
Verse 21-23 sind auf der Quellseite zu einer kombinierten Seite zusammengefasst.
dṛśyamānā vinārthena na dṛśyante manobhavāḥ karmabhir dhyāyato nānā-karmāṇi manaso 'bhavan
Was ohne [wirkliche] Grundlage wahrgenommen wird, sind [letztlich] nicht wirklich bestehende Erzeugnisse des Geistes; durch [frühere] Werke entstehen, wenn man [über sie] nachsinnt, aus dem Geist die mannigfaltigen [neuen] Werke. [?]
ayaṁ hi dehino deho dravya-jñāna-kriyātmakaḥ dehino vividha-kleśa-santāpa-kṛd udāhṛtaḥ
Dieser Körper des Verkörperten nämlich, bestehend aus [groben] Elementen, Wissenssinnen und Tätigkeitssinnen, wird als Verursacher mannigfaltiger Leiden und Schmerzen für den Verkörperten erklärt.
Wort für Wort
ayam
dieser (Nom. Sg.)
hi
fürwahr
dehinaḥ
des Verkörperten (Gen. Sg.)
dehaḥ
Körper (Nom. Sg.)
dravya-jñāna-kriyā-ātmakaḥ
bestehend aus Substanz, Wissens- und Tätigkeitssinnen (Nom. Sg.)
dehinaḥ
für den Verkörperten (Gen. Sg.)
vividha-kleśa-santāpa-kṛt
Verursacher mannigfacher Leiden und Schmerzen (Nom. Sg.)
Darum erwäge mit ruhigem Geist das [wahre] Ziel des Selbst, gib das Vertrauen auf die Beständigkeit dessen, was in der Zweiheit [d.h. in der materiellen Dualität] ist, auf, und tritt ein in den Frieden.
Śrī Nārada sprach: Nimm geläutert dieses geheime Mantra von mir an, durch dessen Bewahrung du nach sieben Nächten den allmächtigen Saṅkarṣaṇa schauen wirst.
yat-pāda-mūlam upasṛtya narendra pūrve śarvādayo bhramam imaṁ dvitayaṁ visṛjya sadyas tadīyam atulānadhikaṁ mahitvaṁ prāpur bhavān api paraṁ na cirād upaiti
Zu dessen Füßen einst Zuflucht nehmend, o Herrscher der Menschen, erlangten Götter wie Śarva [Śiva], nachdem sie sogleich diese zweifache Täuschung aufgegeben hatten, seine unvergleichliche, unübertroffene Herrlichkeit; auch du wirst das Höchste nicht erst nach langer Zeit erlangen.