Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 174: Balir Baddhaḥ Bali Mahārāja wird vom Herrn gefangengenommen

śrī-śuka uvāca | satyaṃ samīkṣya abja-bhavo nakha-indubhir hata-sva-dhāma-dyutir āvṛto 'bhyagāt | marīci-miśrā ṛṣayo bṛhad-vratāḥ sanandana-ādyā nara-deva yoginaḥ

Śrī Śuka sprach: Nachdem der Lotusgeborene (Brahmā) die Wahrheit erkannt hatte, näherte er sich – er, dessen eigener Wohnstätte Glanz von den Mond-gleichen Nägeln (des Herrn) überstrahlt worden war –, umgeben von den Weisen mit Marīci an der Spitze, den Strenggelobten, und den Yogis mit Sanandana an der Spitze, o Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
satyam
die Wahrheit
samīkṣya
erkannt/erblickt habend
abja-bhavaḥ
der Lotusgeborene (Brahmā)
nakha-indubhiḥ
durch die Mond-(gleichen) Nägel
hata-sva-dhāma-dyutiḥ
dessen eigener Wohnstätte Glanz überstrahlt/besiegt war
āvṛtaḥ
umgeben
abhyagāt
er näherte sich, ging hin
marīci-miśrāḥ ṛṣayaḥ
die Weisen mit Marīci vermengt (an der Spitze)
bṛhad-vratāḥ
von großen/strengen Gelübden
sanandana-ādyāḥ
mit Sanandana an der Spitze
nara-deva
o Gott unter den Menschen (Anrede an den König)
yoginaḥ
die Yogis

veda-upavedā niyamā yama-anvitās tarka-itihāsa-aṅga-purāṇa-saṃhitāḥ | ye ca apare yoga-samīra-dīpita jñāna-agninā randhita-karma-kalmaṣāḥ | vavandire yat-smaraṇa-anubhāvataḥ svāyambhuvaṃ dhāma gatā akarmakam

Die Veden und Upaveden, die Niyamas samt den Yamas, die Logiklehren, Geschichtswerke, Vedāṅgas und Purāṇas samt den Saṃhitās – und was es sonst noch gab, deren Sünden des Handelns durch das vom Wind des Yoga entfachte Feuer der Erkenntnis verbrannt waren [und] die durch die Macht des Sich-Erinnerns an Ihn zum selbstentstandenen, handlungsfreien Reich gelangt waren –, sie alle huldigten [Ihm].

Wort für Wort
veda-upavedāḥ
die Veden und Upaveden (personifiziert)
niyamāḥ yama-anvitāḥ
die Niyamas, verbunden mit den Yamas
tarka-itihāsa-aṅga-purāṇa-saṃhitāḥ
die Logiklehren, Geschichtswerke, Vedāṅgas, Purāṇas [und] Saṃhitās
ye ca apare
und welche anderen [es noch gab]
yoga-samīra-dīpita-jñāna-agninā
durch das vom Wind des Yoga entfachte Feuer der Erkenntnis
randhita-karma-kalmaṣāḥ
deren Sünden/Makel des Handelns verbrannt/gekocht waren
vavandire
sie huldigten, priesen
yat-smaraṇa-anubhāvataḥ
durch die Kraft des Sich-Erinnerns an Ihn
svāyambhuvam dhāma
zum selbstentstandenen Reich/Wohnsitz
gatāḥ
gelangt
akarmakam
handlungsfrei, jenseits des Karma

Subjekt: personifizierte Schriften/Disziplinen, die durch Erkenntnis von Karma befreit waren und den Herrn priesen.

atha aṅghraye pronnamitāya viṣṇor upāharat padma-bhavo 'rhaṇa-udakam | samarcya bhaktyā abhyagṛṇāc chuci-śravā yan-nābhi-paṅkeruha-sambhavaḥ svayam

Da brachte der Lotusgeborene (Brahmā) dem erhobenen Fuß Viṣṇus das Ehrenwasser (Arghya) dar; nachdem er [ihn] mit Hingabe verehrt hatte, pries ihn der Reinberühmte – er, der selbst aus dem Lotus Seines Nabels entstanden war.

Wort für Wort
atha
da, sodann
aṅghraye pronnamitāya
dem erhobenen Fuß
viṣṇoḥ
Viṣṇus
upāharat
er brachte dar, opferte
padma-bhavaḥ
der Lotusgeborene (Brahmā)
arhaṇa-udakam
das Ehrenwasser (Arghya)
samarcya
verehrt habend
bhaktyā
mit Hingabe
abhyagṛṇāt
er pries, lobte
śuci-śravāḥ
der Reinberühmte (Brahmā)
yat-nābhi-paṅkeruha-sambhavaḥ
der aus dem Lotus von dessen Nabel entstanden war
svayam
selbst

dhātuḥ kamaṇḍalu-jalaṃ tad-urukramasya pāda-avanejana-pavitratayā nara-indra | svardhuny abhūn nabhasi sā patatī nimārṣṭi loka-trayaṃ bhagavato viśadā eva kīrtiḥ

O Herrscher der Menschen! Das Wasser aus dem Wasserkrug des Schöpfers (Brahmā) wurde, kraft seiner reinigenden Wirkung beim Waschen der Füße jenes Herrn der weiten Schritte (Urukrama), zur Himmelsflut (Svardhunī) am Firmament; sie, herabfallend, reinigt die drei Welten – sie ist wahrhaftig der lautere Ruhm des Herrn selbst.

Wort für Wort
dhātuḥ kamaṇḍalu-jalam
das Wasser aus dem Wasserkrug des Schöpfers (Brahmā)
tat-urukramasya
jenes [Herrn] der weiten Schritte
pāda-avanejana-pavitratayā
durch die reinigende Kraft des Fuß-Waschens
nara-indra
o Herrscher der Menschen
svardhunī
die Himmelsflut (Gaṅgā)
abhūt
wurde, entstand
nabhasi
am Firmament, im Himmel
sā patatī
sie, herabfallend
nimārṣṭi
sie reinigt
loka-trayam
die drei Welten
bhagavataḥ
des Herrn
viśadā eva kīrtiḥ
wahrhaftig der lautere/makellose Ruhm

brahma-ādayo loka-nāthāḥ sva-nāthāya samādṛtāḥ | sa-anugā baliṃ ājahruḥ saṅkṣipta-ātma-vibhūtaye

Brahmā und die anderen Herren der Welten brachten, samt ihrem Gefolge, ehrerbietig Opfergaben (Bali) ihrem eigenen Herrn dar – Ihm, dessen [unermessliche] Eigenmacht [in der Gestalt Vāmanas] zusammengezogen war.

Wort für Wort
brahma-ādayaḥ
Brahmā und die anderen
loka-nāthāḥ
die Herren der Welten
sva-nāthāya
ihrem eigenen Herrn
samādṛtāḥ
ehrerbietig, achtungsvoll
sa-anugāḥ
samt [ihrem] Gefolge
balim
Opfergaben
ājahruḥ
sie brachten dar
saṅkṣipta-ātma-vibhūtaye
dem, dessen eigene Herrlichkeit/Macht zusammengezogen war

toyaiḥ samarhaṇaiḥ sragbhir divya-gandha-anulepanaiḥ | dhūpair dīpaiḥ surabhibhir lāja-akṣata-phala-aṅkuraiḥ

mit Wasser, mit trefflichen Ehrengaben, mit Blumengirlanden, mit himmlischen duftenden Salben, mit Räucherwerk, mit Lichtern, mit wohlriechenden [Stoffen], mit geröstetem Reis, ungebrochenen Reiskörnern, Früchten und Sprossen,

Wort für Wort
toyaiḥ
mit Wasser
samarhaṇaiḥ
mit trefflichen Ehrengaben
sragbhiḥ
mit Blumengirlanden
divya-gandha-anulepanaiḥ
mit himmlischen duftenden Salben
dhūpaiḥ
mit Räucherwerk
dīpaiḥ
mit Lichtern
surabhibhiḥ
mit wohlriechenden [Dingen]
lāja-akṣata-phala-aṅkuraiḥ
mit geröstetem Reis, ungebrochenen Reiskörnern, Früchten und Sprossen

Fortsetzung der Aufzählung der Verehrungsgaben aus Vers 5.

stavanair jaya-śabdaiś ca tad-vīrya-mahima-aṅkitaiḥ | nṛtya-vāditra-gītaiś ca śaṅkha-dundubhi-niḥsvanaiḥ

mit Lobgesängen und Siegesrufen, die von Seiner Heldenkraft und Erhabenheit kündeten, mit Tanz, Instrumentalmusik und Gesang, mit dem Schall von Muschelhörnern und Kesselpauken –

Wort für Wort
stavanaiḥ
mit Lobgesängen
jaya-śabdaiḥ ca
und mit Siegesrufen
tad-vīrya-mahima-aṅkitaiḥ
die von Seiner Heldenkraft und Erhabenheit gekennzeichnet/gezeichnet waren
nṛtya-vāditra-gītaiḥ ca
und mit Tanz, Instrumentalmusik und Gesang
śaṅkha-dundubhi-niḥsvanaiḥ
mit dem Schall von Muschelhörnern und Kesselpauken

jāmbavān ṛkṣa-rājas tu bherī-śabdair mano-javaḥ | vijayaṃ dikṣu sarvāsu mahā-utsavam aghoṣayat

Jāmbavān aber, der König der Bären, gedankenschnell, verkündete mit dem Klang von Kriegstrommeln in alle Himmelsrichtungen den Sieg und das große Fest.

Wort für Wort
jāmbavān
Jāmbavān
ṛkṣa-rājaḥ tu
der König der Bären aber
bherī-śabdaiḥ
mit dem Klang von Kriegstrommeln
manaḥ-javaḥ
gedankenschnell
vijayam
den Sieg
dikṣu sarvāsu
in alle Himmelsrichtungen
mahā-utsavam
das große Fest
aghoṣayat
er verkündete, ließ ausrufen

mahīṃ sarvāṃ hṛtāṃ dṛṣṭvā tri-pada-vyāja-yācñayā | ūcuḥ sva-bhartur asurā dīkṣitasya ati-amarṣitāḥ

Als sie sahen, dass die ganze Erde unter dem Vorwand der Bitte um drei Schritte geraubt worden war, sprachen die Asuras, aufs Äußerste erzürnt, zu ihrem [noch] geweihten Herrn (Bali):

Wort für Wort
mahīm sarvām
die ganze Erde
hṛtām
geraubt
dṛṣṭvā
gesehen habend
tri-pada-vyāja-yācñayā
unter dem Vorwand der Bitte um drei Schritte
ūcuḥ
sie sprachen
sva-bhartuḥ
zu ihrem eigenen Herrn
asurāḥ
die Asuras
dīkṣitasya
des Geweihten (im Opfer Befindlichen)
ati-amarṣitāḥ
aufs Äußerste erzürnt

na vā ayaṃ brahma-bandhur viṣṇur māyāvinām varaḥ | dvija-rūpa-praticchanno deva-kāryaṃ cikīrṣati

Das ist wahrlich kein bloßer Möchtegern-Brahmane! Das ist Viṣṇu, der Beste der Zauberkundigen, verborgen in der Gestalt eines Zweifachgeborenen – er will das Werk der Götter vollbringen.

Wort für Wort
na vai ayam
dieser [ist] wahrlich nicht
brahma-bandhuḥ
ein bloßer 'Brahmanen-Verwandter' (Brahmane nur dem Namen nach)
viṣṇuḥ
Viṣṇu
māyāvinām varaḥ
der Beste der Zauberkundigen/Illusionisten
dvija-rūpa-praticchannaḥ
verborgen in der Gestalt eines Zweifachgeborenen
deva-kāryam
das Werk der Götter
cikīrṣati
er wünscht zu vollbringen

anena yācamānena śatruṇā vaṭu-rūpiṇā | sarva-svaṃ no hṛtaṃ bhartur nyasta-daṇḍasya barhiṣi

Von diesem Feind, der bettelnd in Gestalt eines jungen Brahmacārin-Schülers (Vaṭu) erschien, wurde alles Hab und Gut unseres Herrn geraubt – unseres Herrn, der [während des Opfers] auf dem Opfergras seinen Stab niedergelegt hatte.

Wort für Wort
anena
von diesem
yācamānena
der da bettelte, bat
śatruṇā
vom Feind
vaṭu-rūpiṇā
in Gestalt eines jungen [Brahmacārin-]Schülers
sarva-svam
alles Eigentum, Hab und Gut
naḥ bhartuḥ
unseres Herrn
hṛtam
geraubt
nyasta-daṇḍasya
der [seinen] Stab/[seine] Strafgewalt niedergelegt hatte
barhiṣi
auf dem Opfergras

satya-vratasya satataṃ dīkṣitasya viśeṣataḥ | na anṛtaṃ bhāṣituṃ śakyaṃ brahmaṇyasya dayā-vataḥ

Für einen, der stets wahrhaftig im Gelübde ist, zumal für einen [gerade] Geweihten, für einen den Brahmanen Ergebenen, einen Mitleidsvollen – für einen solchen ist es nicht möglich, Unwahrheit zu sprechen.

Wort für Wort
satya-vratasya
für den, dessen Gelübde wahrhaftig ist
satatam
stets, immer
dīkṣitasya
für den Geweihten
viśeṣataḥ
insbesondere, zumal
na anṛtam
nicht Unwahres
bhāṣitum
zu sprechen
śakyam
möglich
brahmaṇyasya
für den den Brahmanen Ergebenen
dayā-vataḥ
für den Mitleidsvollen

tasmād asya vadho dharmo bhartuḥ śuśrūṣaṇaṃ ca naḥ | ity āyudhāni jagṛhur baler anucarā asurāḥ

'Darum ist es unsere Pflicht, ihn zu töten, und [zugleich] unser Dienst an unserem Herrn' – so [sprechend] ergriffen die Asura-Gefolgsleute Balis ihre Waffen.

Wort für Wort
tasmāt
deshalb, darum
asya vadhaḥ
dessen Tötung
dharmaḥ
Pflicht
bhartuḥ śuśrūṣaṇam ca naḥ
und Dienst an unserem Herrn
iti
so [sprechend]
āyudhāni
die Waffen
jagṛhuḥ
sie ergriffen
baleḥ anucarāḥ asurāḥ
die Asura-Gefolgsleute Balis

te sarve vāmanaṃ hantuṃ śūla-paṭṭiśa-pāṇayaḥ | anicchanto bale rājan prādravan jāta-manyavaḥ

Alle diese, Dreizacke und Paṭṭiśa-Spieße in Händen, von Zorn ergriffen, stürmten vor, um Vāmana zu töten – obwohl Bali, o König, dies nicht wollte.

Wort für Wort
te sarve
sie alle
vāmanam hantum
um Vāmana zu töten
śūla-paṭṭiśa-pāṇayaḥ
mit Dreizacken und Paṭṭiśa-Spießen in den Händen
anicchataḥ bale
obwohl Bali [es] nicht wollte
rājan
o König
prādravan
sie stürmten vor, liefen los
jāta-manyavaḥ
von Zorn ergriffen

tān abhidravato dṛṣṭvā diti-jān anīka-pān nṛpa | prahasya anucarā viṣṇoḥ pratyaṣedhann udāyudhāḥ

Als sie diese heranstürmenden Söhne Ditis, die Heerführer, sahen, o König, lachten die Gefolgsleute Viṣṇus und hielten sie, die Waffen erhoben, ab.

Wort für Wort
tān abhidravataḥ
diese heranstürmenden
dṛṣṭvā
gesehen habend
diti-jān
die Söhne Ditis
anīka-pān
die Heerführer
nṛpa
o König
prahasya
gelacht habend
anucarāḥ viṣṇoḥ
die Gefolgsleute Viṣṇus
pratyaṣedhan
sie hielten ab, wehrten ab
ud-āyudhāḥ
mit erhobenen Waffen

nandaḥ sunando 'tha jayo vijayaḥ prabalo balaḥ | kumudaḥ kumuda-akṣaś ca viṣvaksenaḥ patattri-rāṭ

Nanda, Sunanda, dann Jaya, Vijaya, Prabala, Bala, Kumuda und Kumudākṣa, sowie Viṣvaksena [und] der Vogelfürst (Patattrirāṭ),

Wort für Wort
nandaḥ
Nanda
sunandaḥ
Sunanda
atha
sodann
jayaḥ
Jaya
vijayaḥ
Vijaya
prabalaḥ
Prabala
balaḥ
Bala
kumudaḥ
Kumuda
kumuda-akṣaḥ ca
und Kumudākṣa
viṣvaksenaḥ
Viṣvaksena
patattri-rāṭ
der Vogelfürst [Anm.: wohl Garuḍa]

jayantaḥ śruta-devaś ca puṣpa-danto 'tha sātvataḥ | sarve nāga-ayuta-prāṇāś camūṃ te jaghnur āsurīm

Jayanta, Śrutadeva, Puṣpadanta und dann Sātvata – sie alle, mit der Kraft von zehntausend Elefanten begabt, zerschlugen jenes Dämonenheer.

Wort für Wort
jayantaḥ
Jayanta
śruta-devaḥ ca
und Śrutadeva
puṣpa-dantaḥ
Puṣpadanta
atha
sodann
sātvataḥ
Sātvata
sarve
sie alle
nāga-ayuta-prāṇāḥ
mit der Lebenskraft von zehntausend Elefanten
camūm te
jenes Heer
jaghnuḥ
sie zerschlugen, erschlugen
āsurīm
das dämonische [Heer]

hanyamānān svakān dṛṣṭvā puruṣa-anucarair baliḥ | vārayām āsa saṃrabdhān kāvya-śāpam anusmaran

Als Bali sah, wie seine eigenen [Krieger] von den Gefolgsleuten des Höchsten Purusha erschlagen wurden, hielt er die Erzürnten zurück, sich des Fluches Kāvyas (Śukrācāryas) erinnernd.

Wort für Wort
hanyamānān svakān
seine eigenen [Krieger], die erschlagen wurden
dṛṣṭvā
gesehen habend
puruṣa-anucaraiḥ
von den Gefolgsleuten des [Höchsten] Purusha
baliḥ
Bali
vārayām āsa
er hielt zurück, hinderte
saṃrabdhān
die Erzürnten, Aufgebrachten
kāvya-śāpam
den Fluch Kāvyas (Śukrācāryas)
anusmaran
sich erinnernd

he vipracitte he rāho he neme śrūyatāṃ vacaḥ | mā yudhyata nivartadhvaṃ na naḥ kālo 'yam artha-kṛt

O Vipracitti! O Rāhu! O Nemi! Höret meine Worte: Kämpfet nicht, kehret um – diese Zeit bringt uns keinen Nutzen.

Wort für Wort
he vipracitte
o Vipracitti
he rāho
o Rāhu
he neme
o Nemi
śrūyatām vacaḥ
es höre [meine] Rede
mā yudhyata
kämpfet nicht
nivartadhvam
kehret um, lasset ab
na naḥ
nicht für uns
kālaḥ ayam
diese Zeit
artha-kṛt
nutzenbringend, zuträglich

yaḥ prabhuḥ sarva-bhūtānāṃ sukha-duḥkha-upapattaye | taṃ na ativartituṃ daityāḥ pauruṣair īśvaraḥ pumān

Er, der Herr aller Wesen für das Erlangen von Glück und Leid – Ihn, o Daityas, vermag kein Mensch durch eigene Kraftanstrengung zu überwinden.

Wort für Wort
yaḥ prabhuḥ
er, der Herr
sarva-bhūtānām
aller Wesen
sukha-duḥkha-upapattaye
für das Zuteilwerden von Glück und Leid
tam
ihn
na ativartitum
nicht zu überwinden/überschreiten
daityāḥ
o Daityas
pauruṣaiḥ
durch [eigene] Manneskraft
īśvaraḥ pumān
ein fähiger/vermögender Mensch

yo naḥ bhavāya prāg āsīd abhavāya divaukasām | sa eva bhagavān adya vartate tad-viparyayam

Er, der einst zu unserem Wohlergehen und zum Untergang der Himmelsbewohner da war – eben dieser Herr wirkt heute im Gegenteil davon.

Wort für Wort
yaḥ
der, welcher
naḥ bhavāya
zu unserem Wohlergehen/Entstehen
prāk āsīt
einst war
abhavāya divaḥ-okasām
zum Nicht-Sein/Untergang der Himmelsbewohner
saḥ eva bhagavān
eben dieser Herr
adya
heute
vartate
wirkt, verhält sich
tat-viparyayam
im Gegenteil davon

balena sacivair buddhyā durgair mantra-auṣadha-ādibhiḥ | sāma-ādibhir upāyaiś ca kālaṃ na atyeti vai janaḥ

Weder durch Kraft, noch durch Minister, noch durch Klugheit, noch durch Festungen, noch durch Zaubersprüche, Heilmittel und dergleichen, noch durch die [politischen] Mittel, angefangen mit Versöhnung – durch nichts vermag ein Mensch wahrlich die Zeit zu überwinden.

Wort für Wort
balena
durch Kraft
sacivaiḥ
durch Minister/Ratgeber
buddhyā
durch Klugheit, Verstand
durgaiḥ
durch Festungen
mantra-auṣadha-ādibhiḥ
durch Zaubersprüche, Heilmittel und dergleichen
sāma-ādibhiḥ upāyaiḥ ca
und durch die [politischen] Mittel, angefangen mit Versöhnung (Sāma)
kālam
die Zeit
na atyeti
überwindet nicht, entgeht nicht
vai janaḥ
wahrlich ein Mensch

bhavadbhir nirjitā hy ete bahuśo 'nucarā hareḥ | daivena ṛddhās ta eva adya yudhi jitvā nadanti naḥ

Von euch wurden diese Gefolgsleute Haris fürwahr schon oft besiegt; doch heute, durch das Schicksal gestärkt, brüllen eben sie, nachdem sie uns im Kampf besiegt haben, gegen uns.

Wort für Wort
bhavadbhiḥ
von euch
nirjitāḥ
besiegt
hi ete
fürwahr diese
bahuśaḥ
oftmals, vielfach
anucarāḥ hareḥ
die Gefolgsleute Haris
daivena ṛddhāḥ
durch das Schicksal gestärkt, gediehen
te eva adya
eben sie heute
yudhi jitvā
im Kampf besiegt habend
nadanti naḥ
sie brüllen gegen uns

etān vayaṃ vijeṣyāmo yadi daivaṃ prasīdati | tasmāt kālaṃ pratīkṣadhvaṃ yo naḥ arthatvāya kalpate

Wir werden sie besiegen, wenn das Schicksal uns gewogen ist. Darum wartet die Zeit ab, die uns [wieder] zum Vorteil gereichen wird.

Wort für Wort
etān vayam
diese wir
vijeṣyāmaḥ
wir werden besiegen
yadi daivam prasīdati
wenn das Schicksal gnädig/gewogen ist
tasmāt
deshalb
kālam pratīkṣadhvam
wartet die Zeit ab
yaḥ
die, welche
naḥ arthatvāya
zu unserem Vorteil/Nutzen
kalpate
gereicht, sich eignet

śrī-śuka uvāca | patyur nigaditaṃ śrutvā daitya-dānava-yūtha-pāḥ | rasāṃ nirviviśū rājan viṣṇu-pārṣada-tāḍitāḥ

Śrī Śuka sprach: Als sie die Worte ihres Herrn vernommen hatten, zogen sich die Heerführer der Daityas und Dānavas, o König, von den Gefolgsleuten Viṣṇus geschlagen, in die Unterwelt (Rasātala) zurück.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
patyuḥ nigaditam
das vom Herrn Gesprochene
śrutvā
gehört habend
daitya-dānava-yūtha-pāḥ
die Heerführer der Daityas und Dānavas
rasām
in die Unterwelt (Rasātala)
nirviviśuḥ
sie zogen sich zurück, traten ein
rājan
o König
viṣṇu-pārṣada-tāḍitāḥ
von den Gefolgsleuten Viṣṇus geschlagen

atha tārkṣya-sutaḥ jñātvā virāṭ prabhu-cikīrṣitam | babandha vāruṇaiḥ pāśair baliṃ sūtye 'hani kratau

Da band der Sohn des Tārkṣya (Garuḍa), der Mächtige, da er die Absicht des Herrn erkannt hatte, Bali mit den Fesseln Varuṇas, am Sūtya-Tag des Opfers.

Wort für Wort
atha
da, sodann
tārkṣya-sutaḥ
der Sohn des Tārkṣya (Garuḍa)
jñātvā
erkannt habend
virāṭ
der Mächtige, Gewaltige
prabhu-cikīrṣitam
die Absicht des Herrn
babandha
er band
vāruṇaiḥ pāśaiḥ
mit den Fesseln Varuṇas
balim
Bali
sūtye ahani
am Sūtya-Tag (dem Tag der Soma-Pressung)
kratau
beim Opfer

hāhā-kāro mahān āsīd rodasyoḥ sarvato diśam | nigṛhyamāṇe 'sura-patau viṣṇunā prabhaviṣṇunā

Ein großer Wehruf ('Hāhā') erhob sich in Himmel und Erde, nach allen Richtungen, als der Herr der Asuras von Viṣṇu, dem Allmächtigen, ergriffen wurde.

Wort für Wort
hāhā-kāraḥ mahān
ein großer Wehruf ('Hāhā')
āsīt
erhob sich, entstand
rodasyoḥ
in Himmel und Erde
sarvataḥ diśam
nach allen Richtungen
nigṛhyamāṇe
als er ergriffen/gebunden wurde
asura-patau
der Herr der Asuras
viṣṇunā
von Viṣṇu
prabhaviṣṇunā
dem Allmächtigen

taṃ baddhaṃ vāruṇaiḥ pāśair bhagavān āha vāmanaḥ | naṣṭa-śriyaṃ sthira-prajñam udāra-yaśasaṃ nṛpa

Zu ihm, der mit den Fesseln Varuṇas gebunden war – zu ihm, dessen Glanz verloren war, [doch] dessen Weisheit standhaft und dessen Ruhm edel war –, sprach der Herr Vāmana, o König.

Wort für Wort
tam baddham
zu ihm, der gebunden war
vāruṇaiḥ pāśaiḥ
mit den Fesseln Varuṇas
bhagavān vāmanaḥ
der Herr Vāmana
āha
sprach
naṣṭa-śriyam
dessen Glanz/Reichtum verloren war
sthira-prajñam
dessen Weisheit standhaft war
udāra-yaśasam
dessen Ruhm edel war
nṛpa
o König

padāni trīṇi dattāni bhūmer mahyaṃ tvayā asura | dvābhyāṃ krāntā mahī sarvā tṛtīyam upakalpaya

'Drei Schritte Landes wurden Mir von dir gegeben, o Asura. Mit zweien wurde die ganze Erde durchmessen; verschaffe [Mir nun] den dritten.'

Wort für Wort
padāni trīṇi
drei Schritte
dattāni bhūmeḥ
an Land gegeben
mahyam
Mir
tvayā
von dir
asura
o Asura
dvābhyām
mit zweien [Schritten]
krāntā mahī sarvā
durchmessen wurde die ganze Erde
tṛtīyam
den dritten [Schritt]
upakalpaya
verschaffe, bereite [ihn]

yāvat tapaty asau gobhir yāvad induḥ saha-uḍubhiḥ | yāvad varṣati parjanyas tāvatī bhūr iyaṃ tava

'So weit diese Sonne mit ihren Strahlen brennt, so weit der Mond samt den Sternen [leuchtet], so weit die Regenwolke regnet – so groß ist diese deine Erde.'

Wort für Wort
yāvat tapati asau
so weit diese [Sonne] brennt/scheint
gobhiḥ
mit [ihren] Strahlen
yāvat induḥ
so weit der Mond
saha-uḍubhiḥ
samt den Sternen
yāvat varṣati parjanyaḥ
so weit die Regenwolke regnet
tāvatī bhūḥ iyam
so groß [ist] diese Erde
tava
deine

Beschreibt den Umfang der 'Erde', die durch zwei Schritte bereits ganz durchmessen wurde.

pada-ekena mayā ākrānto bhūr-lokaḥ khaṃ diśas tanoḥ | svar-lokas te dvitīyena paśyata te sva-ātmanā

'Mit einem Schritt wurden von Mir die Erdenwelt, der Himmelsraum und die Richtungen mit [meinem] Körper durchschritten; mit dem zweiten die Himmelswelt (Svarloka) – sehet [dies] selbst mit euren eigenen Augen.'

Wort für Wort
pada-ekena
mit einem Schritt
mayā ākrāntaḥ
von mir durchschritten
bhūḥ-lokaḥ
die Erdenwelt
kham diśaḥ
der Himmelsraum [und] die Richtungen
tanoḥ
mit [meinem] Körper
svaḥ-lokaḥ
die Himmelswelt
te dvitīyena
mit dem zweiten [Schritt]
paśyata
sehet [ihr alle]
te sva-ātmanā
ihr selbst, mit eigenen Augen

pratiśrutam adātus te niraye vāsa iṣyate | viśa tvaṃ nirayaṃ tasmād guruṇā ca anumoditaḥ

'Für dich, den Nichtgeber des Versprochenen, ist der Aufenthalt in der Hölle bestimmt. Geh du daher in die Hölle – du, der du auch von [deinem] Guru gebilligt bist.'

Wort für Wort
pratiśrutam
das Versprochene
adātuḥ te
für dich, den Nichtgeber
niraye vāsaḥ
der Aufenthalt in der Hölle
iṣyate
wird gewünscht, ist bestimmt
viśa tvam nirayam
geh du in die Hölle
tasmāt
deshalb, daher
guruṇā ca anumoditaḥ
und von [deinem] Guru gebilligt

'guruṇā anumoditaḥ' spielt wohl auf den früheren Fluch/die Warnung Śukrācāryas an, der dies vorausgesagt hatte.

vṛthā manorathas tasya dūraḥ svargaḥ patati adhaḥ | pratiśrutasya adānena yo arthinaṃ vipralambhate

'Vergeblich ist [dann] sein Herzenswunsch, fern der Himmel, [ja] er stürzt hinab – für den, der durch Nichtgeben des Versprochenen einen Bittsteller betrügt.'

Wort für Wort
vṛthā manorathaḥ tasya
vergeblich [ist] dessen Herzenswunsch
dūraḥ svargaḥ
fern [ist der] Himmel
patati adhaḥ
er stürzt hinab
pratiśrutasya adānena
durch das Nichtgeben des Versprochenen
yaḥ arthinam
wer einen Bittsteller
vipralambhate
betrügt, täuscht

vipralabdho dadāmīti tvayā ahaṃ ca āḍhya-māninā | tad-vyalīka-phalaṃ bhuṅkṣva nirayaṃ katicit samāḥ

'Betrogen wurde Ich von dir, [der du sagtest] 'Ich gebe', und der du dich selbst für reich hieltst. Genieße [nun] die Frucht dieser Täuschung – die Hölle, für etliche Jahre.'

Wort für Wort
vipralabdhaḥ
betrogen
dadāmi iti
'ich gebe' – so [sagtest du]
tvayā aham ca
von dir wurde ich
āḍhya-māninā
von dir, der du dich für reich hieltst
tat-vyalīka-phalam
die Frucht dieser Täuschung
bhuṅkṣva
genieße, erfahre
nirayam
die Hölle
katicit samāḥ
für etliche Jahre

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