Śrī Śuka sprach: Nachdem der Lotusgeborene (Brahmā) die Wahrheit erkannt hatte, näherte er sich – er, dessen eigener Wohnstätte Glanz von den Mond-gleichen Nägeln (des Herrn) überstrahlt worden war –, umgeben von den Weisen mit Marīci an der Spitze, den Strenggelobten, und den Yogis mit Sanandana an der Spitze, o Herrscher der Menschen.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
satyam
die Wahrheit
samīkṣya
erkannt/erblickt habend
abja-bhavaḥ
der Lotusgeborene (Brahmā)
nakha-indubhiḥ
durch die Mond-(gleichen) Nägel
hata-sva-dhāma-dyutiḥ
dessen eigener Wohnstätte Glanz überstrahlt/besiegt war
veda-upavedā niyamā yama-anvitās tarka-itihāsa-aṅga-purāṇa-saṃhitāḥ | ye ca apare yoga-samīra-dīpita jñāna-agninā randhita-karma-kalmaṣāḥ | vavandire yat-smaraṇa-anubhāvataḥ svāyambhuvaṃ dhāma gatā akarmakam
Die Veden und Upaveden, die Niyamas samt den Yamas, die Logiklehren, Geschichtswerke, Vedāṅgas und Purāṇas samt den Saṃhitās – und was es sonst noch gab, deren Sünden des Handelns durch das vom Wind des Yoga entfachte Feuer der Erkenntnis verbrannt waren [und] die durch die Macht des Sich-Erinnerns an Ihn zum selbstentstandenen, handlungsfreien Reich gelangt waren –, sie alle huldigten [Ihm].
Wort für Wort
veda-upavedāḥ
die Veden und Upaveden (personifiziert)
niyamāḥ yama-anvitāḥ
die Niyamas, verbunden mit den Yamas
tarka-itihāsa-aṅga-purāṇa-saṃhitāḥ
die Logiklehren, Geschichtswerke, Vedāṅgas, Purāṇas [und] Saṃhitās
ye ca apare
und welche anderen [es noch gab]
yoga-samīra-dīpita-jñāna-agninā
durch das vom Wind des Yoga entfachte Feuer der Erkenntnis
randhita-karma-kalmaṣāḥ
deren Sünden/Makel des Handelns verbrannt/gekocht waren
vavandire
sie huldigten, priesen
yat-smaraṇa-anubhāvataḥ
durch die Kraft des Sich-Erinnerns an Ihn
svāyambhuvam dhāma
zum selbstentstandenen Reich/Wohnsitz
gatāḥ
gelangt
akarmakam
handlungsfrei, jenseits des Karma
Subjekt: personifizierte Schriften/Disziplinen, die durch Erkenntnis von Karma befreit waren und den Herrn priesen.
Da brachte der Lotusgeborene (Brahmā) dem erhobenen Fuß Viṣṇus das Ehrenwasser (Arghya) dar; nachdem er [ihn] mit Hingabe verehrt hatte, pries ihn der Reinberühmte – er, der selbst aus dem Lotus Seines Nabels entstanden war.
O Herrscher der Menschen! Das Wasser aus dem Wasserkrug des Schöpfers (Brahmā) wurde, kraft seiner reinigenden Wirkung beim Waschen der Füße jenes Herrn der weiten Schritte (Urukrama), zur Himmelsflut (Svardhunī) am Firmament; sie, herabfallend, reinigt die drei Welten – sie ist wahrhaftig der lautere Ruhm des Herrn selbst.
Wort für Wort
dhātuḥ kamaṇḍalu-jalam
das Wasser aus dem Wasserkrug des Schöpfers (Brahmā)
Brahmā und die anderen Herren der Welten brachten, samt ihrem Gefolge, ehrerbietig Opfergaben (Bali) ihrem eigenen Herrn dar – Ihm, dessen [unermessliche] Eigenmacht [in der Gestalt Vāmanas] zusammengezogen war.
Wort für Wort
brahma-ādayaḥ
Brahmā und die anderen
loka-nāthāḥ
die Herren der Welten
sva-nāthāya
ihrem eigenen Herrn
samādṛtāḥ
ehrerbietig, achtungsvoll
sa-anugāḥ
samt [ihrem] Gefolge
balim
Opfergaben
ājahruḥ
sie brachten dar
saṅkṣipta-ātma-vibhūtaye
dem, dessen eigene Herrlichkeit/Macht zusammengezogen war
mit Wasser, mit trefflichen Ehrengaben, mit Blumengirlanden, mit himmlischen duftenden Salben, mit Räucherwerk, mit Lichtern, mit wohlriechenden [Stoffen], mit geröstetem Reis, ungebrochenen Reiskörnern, Früchten und Sprossen,
Wort für Wort
toyaiḥ
mit Wasser
samarhaṇaiḥ
mit trefflichen Ehrengaben
sragbhiḥ
mit Blumengirlanden
divya-gandha-anulepanaiḥ
mit himmlischen duftenden Salben
dhūpaiḥ
mit Räucherwerk
dīpaiḥ
mit Lichtern
surabhibhiḥ
mit wohlriechenden [Dingen]
lāja-akṣata-phala-aṅkuraiḥ
mit geröstetem Reis, ungebrochenen Reiskörnern, Früchten und Sprossen
Fortsetzung der Aufzählung der Verehrungsgaben aus Vers 5.
stavanair jaya-śabdaiś ca tad-vīrya-mahima-aṅkitaiḥ | nṛtya-vāditra-gītaiś ca śaṅkha-dundubhi-niḥsvanaiḥ
mit Lobgesängen und Siegesrufen, die von Seiner Heldenkraft und Erhabenheit kündeten, mit Tanz, Instrumentalmusik und Gesang, mit dem Schall von Muschelhörnern und Kesselpauken –
Wort für Wort
stavanaiḥ
mit Lobgesängen
jaya-śabdaiḥ ca
und mit Siegesrufen
tad-vīrya-mahima-aṅkitaiḥ
die von Seiner Heldenkraft und Erhabenheit gekennzeichnet/gezeichnet waren
nṛtya-vāditra-gītaiḥ ca
und mit Tanz, Instrumentalmusik und Gesang
śaṅkha-dundubhi-niḥsvanaiḥ
mit dem Schall von Muschelhörnern und Kesselpauken
Jāmbavān aber, der König der Bären, gedankenschnell, verkündete mit dem Klang von Kriegstrommeln in alle Himmelsrichtungen den Sieg und das große Fest.
Als sie sahen, dass die ganze Erde unter dem Vorwand der Bitte um drei Schritte geraubt worden war, sprachen die Asuras, aufs Äußerste erzürnt, zu ihrem [noch] geweihten Herrn (Bali):
Das ist wahrlich kein bloßer Möchtegern-Brahmane! Das ist Viṣṇu, der Beste der Zauberkundigen, verborgen in der Gestalt eines Zweifachgeborenen – er will das Werk der Götter vollbringen.
Wort für Wort
na vai ayam
dieser [ist] wahrlich nicht
brahma-bandhuḥ
ein bloßer 'Brahmanen-Verwandter' (Brahmane nur dem Namen nach)
Von diesem Feind, der bettelnd in Gestalt eines jungen Brahmacārin-Schülers (Vaṭu) erschien, wurde alles Hab und Gut unseres Herrn geraubt – unseres Herrn, der [während des Opfers] auf dem Opfergras seinen Stab niedergelegt hatte.
Wort für Wort
anena
von diesem
yācamānena
der da bettelte, bat
śatruṇā
vom Feind
vaṭu-rūpiṇā
in Gestalt eines jungen [Brahmacārin-]Schülers
sarva-svam
alles Eigentum, Hab und Gut
naḥ bhartuḥ
unseres Herrn
hṛtam
geraubt
nyasta-daṇḍasya
der [seinen] Stab/[seine] Strafgewalt niedergelegt hatte
Für einen, der stets wahrhaftig im Gelübde ist, zumal für einen [gerade] Geweihten, für einen den Brahmanen Ergebenen, einen Mitleidsvollen – für einen solchen ist es nicht möglich, Unwahrheit zu sprechen.
tasmād asya vadho dharmo bhartuḥ śuśrūṣaṇaṃ ca naḥ | ity āyudhāni jagṛhur baler anucarā asurāḥ
'Darum ist es unsere Pflicht, ihn zu töten, und [zugleich] unser Dienst an unserem Herrn' – so [sprechend] ergriffen die Asura-Gefolgsleute Balis ihre Waffen.
Als Bali sah, wie seine eigenen [Krieger] von den Gefolgsleuten des Höchsten Purusha erschlagen wurden, hielt er die Erzürnten zurück, sich des Fluches Kāvyas (Śukrācāryas) erinnernd.
balena sacivair buddhyā durgair mantra-auṣadha-ādibhiḥ | sāma-ādibhir upāyaiś ca kālaṃ na atyeti vai janaḥ
Weder durch Kraft, noch durch Minister, noch durch Klugheit, noch durch Festungen, noch durch Zaubersprüche, Heilmittel und dergleichen, noch durch die [politischen] Mittel, angefangen mit Versöhnung – durch nichts vermag ein Mensch wahrlich die Zeit zu überwinden.
Wort für Wort
balena
durch Kraft
sacivaiḥ
durch Minister/Ratgeber
buddhyā
durch Klugheit, Verstand
durgaiḥ
durch Festungen
mantra-auṣadha-ādibhiḥ
durch Zaubersprüche, Heilmittel und dergleichen
sāma-ādibhiḥ upāyaiḥ ca
und durch die [politischen] Mittel, angefangen mit Versöhnung (Sāma)
bhavadbhir nirjitā hy ete bahuśo 'nucarā hareḥ | daivena ṛddhās ta eva adya yudhi jitvā nadanti naḥ
Von euch wurden diese Gefolgsleute Haris fürwahr schon oft besiegt; doch heute, durch das Schicksal gestärkt, brüllen eben sie, nachdem sie uns im Kampf besiegt haben, gegen uns.
Śrī Śuka sprach: Als sie die Worte ihres Herrn vernommen hatten, zogen sich die Heerführer der Daityas und Dānavas, o König, von den Gefolgsleuten Viṣṇus geschlagen, in die Unterwelt (Rasātala) zurück.
Zu ihm, der mit den Fesseln Varuṇas gebunden war – zu ihm, dessen Glanz verloren war, [doch] dessen Weisheit standhaft und dessen Ruhm edel war –, sprach der Herr Vāmana, o König.
'So weit diese Sonne mit ihren Strahlen brennt, so weit der Mond samt den Sternen [leuchtet], so weit die Regenwolke regnet – so groß ist diese deine Erde.'
Wort für Wort
yāvat tapati asau
so weit diese [Sonne] brennt/scheint
gobhiḥ
mit [ihren] Strahlen
yāvat induḥ
so weit der Mond
saha-uḍubhiḥ
samt den Sternen
yāvat varṣati parjanyaḥ
so weit die Regenwolke regnet
tāvatī bhūḥ iyam
so groß [ist] diese Erde
tava
deine
Beschreibt den Umfang der 'Erde', die durch zwei Schritte bereits ganz durchmessen wurde.
pada-ekena mayā ākrānto bhūr-lokaḥ khaṃ diśas tanoḥ | svar-lokas te dvitīyena paśyata te sva-ātmanā
'Mit einem Schritt wurden von Mir die Erdenwelt, der Himmelsraum und die Richtungen mit [meinem] Körper durchschritten; mit dem zweiten die Himmelswelt (Svarloka) – sehet [dies] selbst mit euren eigenen Augen.'
pratiśrutam adātus te niraye vāsa iṣyate | viśa tvaṃ nirayaṃ tasmād guruṇā ca anumoditaḥ
'Für dich, den Nichtgeber des Versprochenen, ist der Aufenthalt in der Hölle bestimmt. Geh du daher in die Hölle – du, der du auch von [deinem] Guru gebilligt bist.'
Wort für Wort
pratiśrutam
das Versprochene
adātuḥ te
für dich, den Nichtgeber
niraye vāsaḥ
der Aufenthalt in der Hölle
iṣyate
wird gewünscht, ist bestimmt
viśa tvam nirayam
geh du in die Hölle
tasmāt
deshalb, daher
guruṇā ca anumoditaḥ
und von [deinem] Guru gebilligt
'guruṇā anumoditaḥ' spielt wohl auf den früheren Fluch/die Warnung Śukrācāryas an, der dies vorausgesagt hatte.
'Vergeblich ist [dann] sein Herzenswunsch, fern der Himmel, [ja] er stürzt hinab – für den, der durch Nichtgeben des Versprochenen einen Bittsteller betrügt.'
'Betrogen wurde Ich von dir, [der du sagtest] 'Ich gebe', und der du dich selbst für reich hieltst. Genieße [nun] die Frucht dieser Täuschung – die Hölle, für etliche Jahre.'