Sanskrit-Text nach GRETIL (bhp_09u.htm, Datei deckt Skandha 9 vollständig ab); vedabase.io war während der Bearbeitung durchgehend blockiert (HTTP 429). Deutsche Übersetzung und Wort-für-Wort-Glossen eigenständig aus dem Sanskrit erarbeitet.
śrīśuka uvāca | māndhātuḥ putrapravaro yo 'mbarīṣaḥ prakīrtitaḥ | pitāmahena pravṛto yauvanāśvastu tatsutaḥ | hārītastasya putro 'bhūn māndhātṛpravarā ime
Śrī Śuka sprach: Der vorzüglichste Sohn Māndhātās, der als Ambarīṣa gepriesen wird, wurde vom Großvater eingesetzt; Yauvanāśva aber ist dessen Sohn. Hārīta war dessen Sohn - diese sind die Erlauchtesten aus Māndhātās Geschlecht.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
māndhātuḥ putra-pravaraḥ
der vorzüglichste Sohn Māndhātās
yaḥ ambarīṣaḥ prakīrtitaḥ
der als Ambarīṣa gepriesen wird
pitāmahena pravṛtaḥ
vom Großvater eingesetzt/beauftragt
yauvanāśvaḥ tu tat-sutaḥ
Yauvanāśva aber (ist) dessen Sohn
hārītaḥ tasya putraḥ abhūt
Hārīta war dessen Sohn
māndhātṛ-pravarāḥ ime
diese sind die Erlauchtesten (aus) Māndhātās (Geschlecht)
Narmadā wurde von ihren Schlangenbrüdern dem Purukutsa gegeben. Von ihr, die vom Schlangenkönig beauftragt worden war, wurde er in die Unterwelt (Rasātala) geführt.
Wort für Wort
narmadā
Narmadā (die Schlangenjungfrau)
bhrātṛbhiḥ dattā
von (ihren) Brüdern gegeben
purukutsāya
dem Purukutsa
yaḥ uragaiḥ
(Brüdern,) welche Schlangen (waren)
tayā rasātalaṃ nītaḥ
von ihr wurde er in die Unterwelt (Rasātala) geführt
gandharvān avadhīt tatra vadhyān vai viṣṇuśaktidhṛk | nāgāl labdhavaraḥ sarpādabhayaṃ smaratāmidam
Dort tötete er, mit Viṣṇus Kraft ausgestattet, die zu Recht zu tötenden Gandharvas. Vom Nāga(könig) erlangte er einen Segen: Furchtlosigkeit vor Schlangen für alle, die sich daran erinnern.
Dessen Sohn war Satyavrata, bekannt als Triśaṅku. Durch den Fluch seines Lehrers erlangte er den Stand eines Caṇḍāla - und (blieb dennoch bewahrt) durch die Macht des Kauśika (Viśvāmitra).
Wort für Wort
tasya satyavrataḥ putraḥ
dessen Sohn (war) Satyavrata
triśaṅkuḥ iti viśrutaḥ
als Triśaṅku bekannt
prāptaḥ ca cāṇḍālatām
und er erlangte den Stand eines Caṇḍāla
śāpāt guroḥ
durch den Fluch des Lehrers
kauśika-tejasā
durch die Macht des Kauśika (Viśvāmitra)
Anm.: 'kauśikatejasā' (durch Viśvāmitras Macht) wirkt syntaktisch in Vers 6 hinein, wo geschildert wird, wie Triśaṅku trotz seines Caṇḍāla-Standes leibhaftig zum Himmel gelangte.
Mit seinem (eigenen) Körper ging er zum Himmel und wird noch heute am Firmament gesehen. Von den Göttern wurde er kopfüber herabgestürzt, doch eben durch ihn (Viśvāmitra) wurde er mit Macht in der Schwebe gehalten.
Wort für Wort
sa-śarīraḥ gataḥ svargam
mit (seinem eigenen) Körper ging er zum Himmel
adya api divi dṛśyate
noch heute wird er am Himmel gesehen
pātitaḥ avāk-śirāḥ devaiḥ
von den Göttern kopfüber herabgestürzt
tena eva stambhitaḥ balāt
eben durch ihn wurde er mit Macht angehalten/in der Schwebe gehalten
Der Sohn Triśaṅkus war Hariścandra, dessentwegen zwischen Viśvāmitra und Vasiṣṭha ein viele Jahre währender Streit der beiden (als Vögel Kämpfenden) entstand.
Wort für Wort
traiśaṅkavaḥ hariścandraḥ
der Sohn Triśaṅkus, Hariścandra
viśvāmitra-vasiṣṭhayoḥ
zwischen Viśvāmitra und Vasiṣṭha
yan-nimittam abhūt yuddham
dessentwegen ein Streit entstand
pakṣiṇoḥ bahu-vārṣikam
der beiden (als) Vögel (Kämpfenden), viele Jahre während
'Wenn er ein Held wird, o großer Herrscher, werde ich dich eben mit ihm anbeten' - so (sprach Hariścandra). 'So sei es', (sprach Varuṇa), und durch Varuṇa wurde ihm ein Sohn geboren, Rohita.
Wort für Wort
yadi vīraḥ
wenn (er) ein Held (wird)
mahārāja
o großer Herrscher (Anrede an Varuṇa)
tena eva tvāṃ yaje iti
mit ihm eben werde ich dich anbeten, (so sprach er)
'Der Sohn ist nun geboren; opfere mir mit ihm, mein Lieber', (sprach Varuṇa). Er (Hariścandra) erwiderte: 'Wenn das Opfertier die zehn (Tage der Unreinheit) überstanden hat, dann wird es opferfähig sein.'
Wort für Wort
jātaḥ sutaḥ hi anena aṅga
der Sohn ist ja mit diesem (Sohn), mein Lieber, geboren
māṃ yajasva iti
opfere mir, (so sprach Varuṇa)
saḥ abravīt
er (Hariścandra) erwiderte
yadā paśuḥ nirdaśaḥ syāt
wenn das Opfertier die zehn Tage (der Unreinheit) überstanden hat
nirdaśe ca sa āgatya yajasvetyāha so 'bravīt | dantāḥ paśoryaj jāyerannatha medhyo bhavediti
Als die zehn Tage überstanden waren, kam er (Varuṇa) und sprach: 'Opfere!' Er (Hariścandra) erwiderte: 'Wenn dem Opfertier die Zähne wachsen, dann wird es opferfähig sein.'
'Dem Opfertier sind die Zähne ausgefallen, opfere!' sprach er (Varuṇa). Er (Hariścandra) erwiderte: 'Wenn dem Opfertier die Zähne wieder wachsen, dann ist das Opfertier rein.'
punarjātā yajasveti sa pratyāhātha so 'bravīt | sānnāhiko yadā rājan rājanyo 'tha paśuḥ śuciḥ
'Sie sind wieder gewachsen, opfere!' entgegnete er (Varuṇa). Da sprach er (Hariścandra): 'Wenn er, o König, gerüstet und zum Kṣatriya (geworden) ist, dann ist das Opfertier rein.'
Wort für Wort
punaḥ jātāḥ
sie sind wieder gewachsen
yajasva iti
opfere!
sa pratyāha
er entgegnete
atha saḥ abravīt
dann sprach er
sānnāhikaḥ yadā rājan
wenn er, o König, gerüstet/bewaffnet ist
rājanyaḥ atha paśuḥ śuciḥ
(und) ein Kṣatriya (ist), dann ist das Opfertier rein
So hielt er, aus Zuneigung zu seinem Sohn und mit von Liebe gefesseltem Herzen, die Zeit mit immer neuen (Ausreden) hin; der so angesprochene Gott (Varuṇa) beobachtete ihn nur (abwartend).
Als Rohita hörte, dass sein Vater von Varuṇa ergriffen worden war und einen (krankhaft) geschwollenen Bauch bekommen hatte, wollte er zur Stadt gehen; doch Indra hielt ihn davon ab.
Wort für Wort
pitaraṃ varuṇa-grastam
dass der Vater von Varuṇa ergriffen (worden war)
śrutvā
nachdem er gehört hatte
jāta-mahodaram
dass (er) einen großen (geschwollenen) Bauch bekommen hatte
Indra wies Rohita an: 'Das Umherwandern auf der Erde durch den Besuch heiliger Stätten und Wallfahrtsorte ist verdienstvoll.' So verweilte auch er (weiterhin) ein Jahr im Wald.
Wort für Wort
bhūmeḥ paryaṭanaṃ puṇyam
das Umherwandern auf der Erde ist verdienstvoll
tīrtha-kṣetra-niṣevaṇaiḥ
durch den Besuch heiliger Stätten und Wallfahrtsorte
Ebenso kam im zweiten, dritten, vierten und fünften (Jahr) der Vṛtratöter (Indra) immer wieder, indem er die Gestalt eines alten Brahmanen annahm, und sprach (dasselbe).
Wort für Wort
evaṃ dvitīye tṛtīye caturthe pañcame tathā
ebenso im zweiten, dritten, vierten und fünften (Jahr)
Śunaḥśepha übergab er als Opfertier seinem Vater und verneigte sich (ehrerbietig vor ihm). Daraufhin (opferte) Hariścandra, von großem Ruhm, mittels eines Menschenopfers (Puruṣamedha) ...
Wort für Wort
śunaḥśepham paśum
Śunaḥśepha als Opfertier
pitre pradāya
dem Vater übergebend
samavandata
er verneigte sich (ehrerbietig)
tataḥ puruṣa-medhena
daraufhin mittels eines Menschenopfers
hariścandraḥ mahā-yaśāḥ
Hariścandra, von großem Ruhm
Anm.: der Satz setzt sich grammatisch in Vers 22 fort (ayajat devān = 'er opferte den Göttern').
...von seiner (Wassersucht-)Krankheit befreit, opferte er, dessen Geschichte groß ist, den Göttern, angeführt von Varuṇa. Bei diesem (Opfer) war Viśvāmitra sowohl Hotā- als auch, selbstbeherrscht, Adhvaryu-Priester.
Wort für Wort
mukta-udaraḥ
von der (krankhaften) Bauchgeschwulst befreit
ayajat devān
er opferte den Göttern
varuṇa-ādīn
angeführt von Varuṇa
mahat-kathaḥ
dessen Geschichte groß ist
viśvāmitraḥ abhavat tasmin
Viśvāmitra war bei diesem (Opfer)
hotā ca adhvaryuḥ ātmavān
sowohl Hotā- als auch, selbstbeherrscht, Adhvaryu-Priester
śunaḥśephasya māhātmyamupariṣṭātpracakṣyate | satyaṃ sāraṃ dhṛtiṃ dṛṣṭvā sabhāryasya ca bhūpateḥ
Die Erhabenheit Śunaḥśephas wird weiter unten geschildert werden. (Viśvāmitra), die Wahrhaftigkeit, Kraft und Standhaftigkeit des Königs samt seiner Gattin sehend, ...
Wort für Wort
śunaḥśephasya māhātmyam
die Erhabenheit Śunaḥśephas
upariṣṭāt pracakṣyate
wird weiter unten geschildert werden
satyaṃ sāraṃ dhṛtiṃ dṛṣṭvā
Wahrhaftigkeit, Kraft und Standhaftigkeit sehend
sa-bhāryasya ca bhū-pateḥ
des Königs samt seiner Gattin
Anm.: der Satz setzt sich grammatisch in Vers 25 fort (viśvāmitro bhṛśaṃ prīto dadāv avihatāṃ gatim).
...war Viśvāmitra überaus erfreut und gewährte (ihm) den ungehinderten (spirituellen) Zustand: (er lehrte,) den Geist in die Erde (aufzulösen), diese (Erde) in das Wasser, (das Wasser) durch das Feuer (in dieses), und jenes (Feuer) in den Wind (aufzulösen).
(Er lehrte ihn,) den Wind in den Äther aufzulösen, diesen (Äther) in das Element-Prinzip (Bhūtādi), und dieses in das Mahat (die kosmische Intelligenz) zu versenken; in diesem (Mahat) einen Strahl reinen Wissens zu erschauen und durch ihn die Unwissenheit zu verbrennen.
Wort für Wort
khe vāyuṃ dhārayan
den Wind im Äther auflösend
tat ca bhūtādau
und diesen (Äther) im Element-Prinzip (Bhūtādi)
tam mahātmani
dieses (Bhūtādi) im Mahat
tasmin jñāna-kalāṃ dhyātvā
in diesem (Mahat) einen Strahl des Wissens erschauend
Nachdem er auch diese (letzte Erkenntniskraft) durch sein eigenes, unbeschreibliches und unfassbares (wahres) Wesen - das Bewusstsein der Glückseligkeit der Befreiung - aufgegeben hatte, verweilte er, von allen Fesseln befreit.
Wort für Wort
hitvā tām
diese (Erkenntniskraft) aufgegeben habend
svena bhāvena
durch sein eigenes (wahres) Wesen
nirvāṇa-sukha-saṃvidā
mit dem Bewusstsein der Glückseligkeit der Befreiung