Śrī Śuka sprach: Nābhāga war der Sohn Nabhagas. Ihm, dem jüngsten und gelehrten [Bruder], der als Brahmacārī zurückgekehrt war, teilten die [älteren] Brüder bei der Erbteilung nur den Vater selbst zu.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
nābhāgaḥ
Nābhāga
nabhaga-apatyam
der Sohn Nabhagas
yam
dem
tatam
den Vater (als Anteil)
bhrātaraḥ
die (älteren) Brüder
kavim
dem gelehrten
yaviṣṭham
dem jüngsten
vyabhajan
teilten zu
dāyam
das Erbe
brahmacāriṇam
der ein Brahmacārī (Keuschheitsschüler) gewesen war
[Nābhāga sprach:] „O Brüder, was habt ihr mir zugeteilt?“ [Sie erwiderten:] „Wir teilen dir den Vater als deinen Anteil zu.“ [Nābhāga zum Vater:] „Dich haben mir, o Vater, meine älteren Brüder als Anteil gegeben.“ [Der Vater sprach:] „O mein Sohn, miss dem keine Bedeutung bei.“
Wort für Wort
bhrātaraḥ
o Brüder
abhāṅkta kim mahyam
was habt ihr mir zugeteilt
bhajāma pitaram tava
wir teilen dir den Vater zu
tvām
dich
mama āryāḥ
meine älteren Brüder
tata
o Vater
abhāṅkṣuḥ
haben zugeteilt
mā putraka
o mein Sohn, nicht
tat ādṛthāḥ
miss dem Bedeutung bei
[Anm.: Der Vers enthält, wie im Original üblich, mehrere Redewechsel ohne explizite Sprecherkennzeichnung; die Zuordnung folgt der Erzähllogik.]
[Der Vater sprach:] „Diese Nachkommen Aṅgirās vollziehen heute ein Opfer; obwohl höchst gelehrt, geraten sie, wenn sie jeweils den sechsten Tag erreichen, o Weiser, hinsichtlich der [rechten] Handlung in Verwirrung.“
tāṁs tvaṁ śaṁsaya sūkte dve vaiśvadeve mahātmanaḥ / te svar yanto dhanaṁ satra-pariśeṣitam ātmanaḥ // dāsyanti te 'tha tān arccha tathā sa kṛtavān yathā / tasmai dattvā yayuḥ svargaṁ te satra-pariśeṣaṇam //
„Trage du ihnen, den Großmütigen, die beiden vaiśvadeva-Hymnen vor; sie werden dir, wenn sie zum Himmel aufbrechen, den nach dem Opfer übriggebliebenen Reichtum als dein Eigentum geben. Geh daher zu ihnen.“ So handelte er [Nābhāga], wie [ihm geraten war]. Nachdem sie ihm [die Opferreste] gegeben hatten, gingen sie – jene Überreste des Opfers [hinterlassend] – zum Himmel.
Als er [im Begriff war], [den Reichtum] anzunehmen, kam von Norden her eine dunkel aussehende Gestalt auf ihn zu und sprach: „Dies ist mein Reichtum, der Rückstand vom Opferplatz.“
mamedam ṛṣibhir dattam iti tarhi sma mānavaḥ / syān nau te pitari praśnaḥ pṛṣṭavān pitaraṁ yathā
„Dies ist mir von den Weisen gegeben worden“, [erwiderte Nābhāga]. Da [sprach der Fremde]: „So sei die Frage von uns beiden an deinen Vater gerichtet.“ Und so befragte der Sohn Manus [Nābhāga] seinen Vater dementsprechend.
yajña-vāstu-gataṁ sarvam ucchiṣṭam ṛṣayaḥ kvacit / cakrur hi bhāgaṁ rudrāya sa devaḥ sarvam arhati
[Der Vater sprach:] „Alles, was auf dem Opferplatz verbleibt, ist Rückstand; die Weisen machten dies einst zum Anteil Rudras – jenem Gott gebührt in der Tat alles.“
nābhāgas taṁ praṇamyāha taveśa kila vāstukam / ity āha me pitā brahmañ chirasā tvāṁ prasādaye
Nābhāga verneigte sich vor ihm und sprach: „O Herr, dies ist in der Tat dein [Anteil vom] Opferrückstand – so sprach mein Vater. O Brahmane, mit gesenktem Haupt erbitte ich deine Gnade.“
yat te pitāvadad dharmaṁ tvaṁ ca satyaṁ prabhāṣase / dadāmi te mantra-dṛśo jñānaṁ brahma sanātanam
[Śiva sprach:] „Was dein Vater als Dharma erklärte und was du in Wahrheit aussprichst – [beides ist wahr]. Ich gebe dir, dem Kenner der Mantras, das ewige transzendente Wissen (Brahman).“
ya etat saṁsmaret prātaḥ sāyaṁ ca susamāhitaḥ / kavir bhavati mantra-jño gatiṁ caiva tathātmanaḥ
Wer sich dies morgens und abends mit gesammeltem Geist ins Gedächtnis ruft, wird gelehrt, kundig der Mantras, und [erlangt] ebenso das [wahre] Ziel der Seele.
Von Nābhāga stammte Ambarīṣa, ein höchst vollkommener, großer Gottgeweihter; nicht einmal der Fluch eines Brahmanen konnte ihn berühren – [ein Fluch,] der sonst niemals wirkungslos blieb.
Śrī König [Parīkṣit] sprach: O Erhabener, ich möchte von jenem klugen königlichen Weisen hören, bei dem der entfesselte, unüberwindliche Brahmanenfluch keine Macht hatte.
śrī-śuka uvāca / ambarīṣo mahā-bhāgaḥ sapta-dvīpavatīṁ mahīm / avyayāṁ ca śriyaṁ labdhvā vibhavaṁ cātulaṁ bhuvi // mene 'tidurlabhaṁ puṁsāṁ sarvaṁ tat svapna-saṁstutam / vidvān vibhava-nirvāṇaṁ tamo viśati yat pumān //
Śrī Śuka sprach: Ambarīṣa, der höchst Glückhafte, erlangte die aus sieben Inseln bestehende Erde, unvergängliche Schönheit und auf Erden unvergleichliche Macht – all das, was für [gewöhnliche] Menschen kaum erreichbar ist –, hielt jedoch all dies für [flüchtig] wie im Traum gepriesen. Denn er wusste: Ein Mensch verfällt, wenn diese Macht erlischt, in Finsternis (Unwissenheit).
Er hatte höchste Hingabe zum Erhabenen Vāsudeva und zu Seinen heiligen Geweihten erlangt, durch welche ihm dieses ganze Universum wie ein bloßer Erdklumpen erschien.
sa vai manaḥ kṛṣṇa-padāravindayor vacāṁsi vaikuṇṭha-guṇānuvarṇane / karau harer mandira-mārjanādiṣu śrutiṁ cakārācyuta-sat-kathodaye // mukunda-liṅgālaya-darśane dṛśau tad-bhṛtya-gātra-sparśe 'ṅga-saṅgamam / ghrāṇaṁ ca tat-pāda-saroja-saurabhe śrīmat-tulasyā rasanāṁ tad-arpite // pādau hareḥ kṣetra-padānusarpaṇe śiro hṛṣīkeśa-padābhivandane / kāmaṁ ca dāsye na tu kāma-kāmyayā yathottamaśloka-janāśrayā ratiḥ //
Er richtete seinen Geist auf die Lotosfüße Kṛṣṇas, seine Worte auf die Beschreibung der Eigenschaften Vaikuṇṭhas, seine Hände auf Dienste wie das Reinigen des Tempels Haris, sein Gehör auf das Erklingen der heiligen Erzählungen über den Unfehlbaren; seine Augen auf den Anblick der Bildgestalt, der Symbole und Stätten Mukundas, [die Empfindung] seines Körpers auf die Berührung der Leiber Seiner Diener, seinen Geruchssinn auf den Duft [Seiner] Lotosfüße samt der heiligen Tulasī, seine Zunge auf das Ihm Dargebrachte (Prasāda); seine Füße auf das Wandern zu den heiligen Stätten Haris, sein Haupt auf die Verehrung der Füße Hṛṣīkeśas, und sein Verlangen [richtete er] auf den Dienst [des Herrn] – nicht aber aus Wunsch nach Sinnenfreude –, so wie [bei] Personen, die bei dem durch erhabene Verse Gepriesenen Zuflucht suchen, [wahre] Zuneigung [beschaffen ist].
Wort für Wort
saḥ vai manaḥ
er richtete gewiss seinen Geist
kṛṣṇa-pada-aravindayoḥ
auf die Lotosfüße Kṛṣṇas
vacāṁsi
seine Worte
vaikuṇṭha-guṇa-anuvarṇane
auf die Beschreibung der Eigenschaften Vaikuṇṭhas
karau
seine beiden Hände
hareḥ mandira-mārjana-ādiṣu
auf Dienste wie das Reinigen des Tempels Haris
śrutim cakāra
richtete er sein Gehör
acyuta-sat-kathā-udaye
auf das Erklingen der heiligen Erzählungen des Unfehlbaren
mukunda-liṅga-ālaya-darśane
auf den Anblick der Bildgestalt, Symbole und Tempel Mukundas
dṛśau
seine beiden Augen
tad-bhṛtya-gātra-sparśe
auf die Berührung der Leiber Seiner Diener
aṅga-saṅgamam
die Berührung seines Körpers
ghrāṇam ca
und seinen Geruchssinn
tat-pāda-saroja-saurabhe
auf den Duft Seiner Lotosfüße
śrīmat-tulasyāḥ
der heiligen Tulasī
rasanām
seine Zunge
tat-arpite
auf das Ihm Dargebrachte
pādau
seine beiden Füße
hareḥ kṣetra-pada-anusarpaṇe
auf das Wandern zu den heiligen Stätten Haris
śiraḥ
sein Haupt
hṛṣīkeśa-pada-abhivandane
auf die Verehrung der Füße Hṛṣīkeśas
kāmam ca dāsye
und sein Verlangen auf den Dienst
na tu kāma-kāmyayā
nicht aber aus Verlangen nach Sinnesgenuss
yathā uttamaśloka-jana-āśrayā ratiḥ
wie die Zuneigung derer, die beim Herrn der erhabenen Verse Zuflucht suchen
evaṁ sadā karma-kalāpam ātmanaḥ pare 'dhiyajñe bhagavaty adhokṣaje / sarvātma-bhāvaṁ vidadhan mahīm imāṁ tan-niṣṭha-viprābhihitaḥ śaśāsa ha
So weihte er stets die Gesamtheit seiner [vorgeschriebenen] Handlungen mit ganzer Hingabe dem Höchsten, dem Herrn des Opfers, dem Erhabenen jenseits der Sinneswahrnehmung; und, geleitet von Brahmanen, die ebenso [Ihm] ergeben waren, beherrschte er einst diese Erde.
Wort für Wort
evam sadā
so stets
karma-kalāpam ātmanaḥ
die Gesamtheit seiner (vorgeschriebenen) Handlungen
Er verehrte den Höchsten Herrscher, den Herrn des Opfers, mit Pferdeopfern, reich ausgestattet mit üppigen Gaben (Dakṣiṇā) und allem Zubehör, ausgeführt von Vasiṣṭha, Asita, Gautama und anderen, in der Wüste, am Ufer der dort fließenden Sarasvatī.
Bei dessen Opfern sah man die Ratsmitglieder, Priester und [übrigen] Menschen den Göttern gleichgestaltet, mit unbewegten Augen wie [die Götter selbst] und prächtig gekleidet.
Wort für Wort
yasya kratuṣu
bei dessen Opfern
gīrvāṇaiḥ
mit den Göttern
sadasyāḥ ṛtvijaḥ janāḥ
die Ratsmitglieder, Priester und (übrigen) Menschen
svargo na prārthito yasya manujair amara-priyaḥ / śṛṇvadbhir upagāyadbhir uttamaśloka-ceṣṭitam
Der Himmel selbst, obwohl den Unsterblichen [Göttern] lieb, wurde von dessen Untertanen nicht [einmal] erwünscht, da sie [beständig] die Taten des durch erhabene Verse Gepriesenen hörten und besangen.
Jene Wünsche, erfüllt von [der Freude an] der eigenen [Stellung im Dienst des Herrn], mehren [sein Glück] – etwas, das selbst vollkommenen [Mystikern] kaum zuteilwird, [wohl aber] dem, der Mukunda [beständig] im Herzen schaut.
Wort für Wort
saṁvardhayanti
sie mehren, steigern
yat kāmāḥ
jene Wünsche, die
svārājya-paribhāvitāḥ
erfüllt von (der Freude an) der eigenen (höchsten) Stellung
durlabhāḥ na api
kaum erreichbar, nicht einmal
siddhānām
für die Vollkommenen (Mystiker)
mukundam hṛdi paśyataḥ
für den, der Mukunda im Herzen schaut
[Anm.: Vers philosophisch verdichtet; Deutung nach dem Zusammenhang mit dem vorangehenden Vers gewählt.]
So gab der König, indem er durch Bhakti-yoga – verbunden mit Askese – und durch die ihm eigene [Pflicht-]Ausübung Hari erfreute, nach und nach alle [weltlichen] Wünsche auf.
An Haus, Gattinnen, Söhnen, Verwandten, prächtigen Elefanten, Wagen, Pferden und dergleichen, an unerschöpflichen Juwelen, Schmuckstücken, Gewändern und Ähnlichem, an [seinem] grenzenlosen Schatz – an all dem hegte er keine [bindende] Anhaftung.
Wort für Wort
gṛheṣu dāreṣu suteṣu bandhuṣu
an Haus, Gattinnen, Söhnen, Verwandten
dvipa-uttama-syandana-vāji-vastuṣu
an prächtigen Elefanten, Wagen, Pferden und dergleichen
akṣayya-ratna-ābharaṇa-ambara-ādiṣu
an unerschöpflichen Juwelen, Schmuck, Gewändern u. a.
Ihm gab Hari, erfreut über seine ausschließliche Hingabe, [Seinen] Diskus – Furcht bringend für [seine] Feinde, [zum Zweck des] Schutzes [Seiner] Geweihten.
In dem Wunsch, Kṛṣṇa zu verehren, hielt der heldenhafte [König] zusammen mit seiner an Wesensart gleichrangigen Gemahlin ein Jahr lang das Dvādaśī-Gelübde ein.
Am Ende des Gelübdes, im Monat Kārtika, nachdem er drei Nächte vollständig gefastet und in der Kālindī gebadet hatte, verehrte er einst Hari in Madhuvana.
mahābhiṣeka-vidhinā sarvopaskara-sampadā / abhiṣicyāmbarākalpair gandha-mālyārhaṇādibhiḥ // tad-gatāntara-bhāvena pūjayām āsa keśavam / brāhmaṇāṁś ca mahā-bhāgān siddhārthān api bhaktitaḥ //
Nach den Regeln der großen Bade[zeremonie], mit aller Fülle des Zubehörs, nachdem [die Bildgestalt] gebadet und mit Gewändern, Schmuck, duftenden Girlanden, Verehrungsgaben und Ähnlichem geschmückt war, verehrte er, den Geist ganz auf Ihn gerichtet, Keśava, und – mit Hingabe – auch die hochbeglückten Brahmanen, obgleich diese [an sich] schon vollkommen zufrieden [und wunschlos] waren.
Von Kühen, deren Hörner mit Gold, deren Hufe mit Silber überzogen waren, die prächtig geschmückt, milchreich, jung, schön von Gestalt und samt trefflichen Kälbern und allem Zubehör [versehen] waren, schenkte er den tugendhaften Brahmanen sechs mal zehn Millionen an ihre Häuser. Nachdem er zuerst die Brahmanen mit schmackhafter, höchst vorzüglicher Speise gespeist hatte, und von jenen, nun zufriedengestellten, die Erlaubnis erhalten hatte, wollte er mit dem [rituellen] Fastenbrechen beginnen – da erschien plötzlich, als unerwarteter Gast, in eigener Person der mächtige Durvāsā.
Wort für Wort
gavām
von Kühen
rukma-viṣāṇīnām
deren Hörner mit Gold überzogen waren
rūpya-aṅghrīṇām
deren Hufe mit Silber überzogen waren
su-vāsasām
prächtig geschmückt
payaḥ-śīla-vayaḥ-rūpa-vatsa-upaskara-sampadām
milchreich, jung, schön, mit trefflichen Kälbern und allem Zubehör
prāhiṇot
er schenkte
sādhu-viprebhyaḥ
den tugendhaften Brahmanen
gṛheṣu
an ihre Häuser
nyarbudāni ṣaṭ
sechsmal zehn Millionen
bhojayitvā dvijān agre
nachdem er zuerst die Brahmanen gespeist hatte
svādu annam guṇavat-tamam
mit schmackhafter, höchst vorzüglicher Speise
labdha-kāmaiḥ anujñātaḥ
von den zufriedengestellten (Brahmanen) die Erlaubnis erhaltend
tam ānarcātithiṁ bhūpaḥ pratyutthānāsanārhaṇaiḥ / yayāce 'bhyavahārāya pāda-mūlam upāgataḥ
Diesen Gast verehrte der König, indem er sich erhob, ihm einen Sitz anbot und ihm Ehrengaben darbrachte; dann, zu seinen Füßen tretend, bat er ihn, [zuerst] zu speisen.
Er [Durvāsā] nahm diese Bitte freudig an, ging fort, um die notwendigen [rituellen Pflichten] zu verrichten, und tauchte, über das Höchste Brahman meditierend, in das reine Wasser der Kālindī ein.
muhūrtārdhāvaśiṣṭāyāṁ dvādaśyāṁ pāraṇaṁ prati / cintayām āsa dharma-jño dvijais tad-dharma-saṅkaṭe
Als von der Dvādaśī nur noch eine halbe Muhūrta übrig war, begann der [König], kundig des Dharma, angesichts dieser religiösen Zwangslage, gemeinsam mit den Brahmanen über das [rechte Vorgehen beim] Fastenbrechen nachzudenken.
brāhmaṇātikrame doṣo dvādaśyāṁ yad apāraṇe / yat kṛtvā sādhu me bhūyād adharmo vā na māṁ spṛśet // ambhasā kevalenātha kariṣye vrata-pāraṇam / āhur ab-bhakṣaṇaṁ viprā hy aśitaṁ nāśitaṁ ca tat //
[Der König dachte:] „Es ist ein Fehler, einen Brahmanen zu übergehen; ebenso ist es [ein Fehler], das Fastenbrechen an der Dvādaśī nicht [rechtzeitig] zu vollziehen. Was auch immer ich tue – möge es für mich heilsam sein, und keine Verfehlung möge mich berühren! So werde ich denn das Gelübde allein mit Wasser brechen; denn die Brahmanen erklären, dass das Trinken von Wasser zugleich als Essen wie auch als Nicht-Essen gilt.“
So sprechend trank der königliche Weise Wasser und wartete, im Geiste an den Unfehlbaren denkend, o Bester der Kurus, allein auf die Rückkehr des Brahmanen.
Durvāsā, der am Ufer der Yamunā die notwendigen [Riten] vollzogen hatte, kehrte zurück; vom König freudig empfangen, erkannte er mit [seinem geistigen] Verstand sogleich, was jener getan hatte.
Wort für Wort
durvāsāḥ
Durvāsā
yamunā-kūlāt
vom Ufer der Yamunā
kṛta-āvaśyakaḥ
nachdem er die notwendigen (Riten) vollzogen hatte
manyunā pracalad-gātro bhru-kuṭī-kuṭilānanaḥ / bubhukṣitaś ca sutarāṁ kṛtāñjalim abhāṣata
Vor Zorn am ganzen Leibe zitternd, das Gesicht durch gerunzelte Brauen verzerrt und überdies sehr hungrig, sprach er zu [dem König], der mit gefalteten Händen [vor ihm stand].
aho asya nṛ-śaṁsasya śriyonmattasya paśyata / dharma-vyatikramaṁ viṣṇor abhaktasyeśa-māninaḥ
„Ach, seht nur die Übertretung des Dharma durch diesen grausamen, vom Reichtum berauschten Mann, der kein Geweihter Viṣṇus ist und sich dennoch für den Herrn selbst hält!“
yo mām atithim āyātam ātithyena nimantrya ca / adattvā bhuktavāṁs tasya sadyas te darśaye phalam
„Wer mich, den [uneingeladen] gekommenen Gast, [zwar] mit Gastfreundschaft eingeladen, [mir aber] nichts gegeben und [selbst zuerst] gegessen hat – dessen Tat Frucht will ich dir sogleich zeigen.“
So sprechend, riss er, von Zorn entflammt, eine Locke [seines verfilzten Haares] aus und erschuf daraus für ihn ein Dämonenwesen, gleich dem Feuer der Weltzerstörung.
tām āpatantīṁ jvalatīm asi-hastāṁ padā bhuvam / vepayantīṁ samudvīkṣya na cacāla padān nṛpaḥ
Als er sie auf sich zukommen sah, lodernd, ein Schwert in der Hand, den Erdboden mit ihrem Schritt erzittern lassend, wich der König nicht von seinem Platz.
Als Durvāsā sah, wie [der Diskus] auf ihn zustürmte und seine eigene Anstrengung vergeblich [gewesen] war, floh er voller Furcht in alle Richtungen, um sein Leben zu retten.
Der Diskus des Herrn verfolgte ihn, wie ein loderndes Waldfeuer eine Schlange [verfolgt]; und da der Weise [Durvāsā] ihn dicht hinter sich sah, eilte er, [Zuflucht suchend], zu einer Höhle des [Berges] Meru, um hineinzuschlüpfen.
diśo nabhaḥ kṣmāṁ vivarān samudrān lokān sapālāṁs tridivaṁ gataḥ saḥ / yato yato dhāvati tatra tatra sudarśanaṁ duṣprasahaṁ dadarśa
[Er durchquerte] die Himmelsrichtungen, den Luftraum, die Erde, Erdhöhlen, die Meere, die [verschiedenen] Welten samt ihren Herrschern, [ja sogar] die Himmelswelt; doch wohin er auch eilte – überall erblickte er den unerträglichen Sudarśana[-Diskus].
Wort für Wort
diśaḥ nabhaḥ kṣmām vivarān samudrān
die Himmelsrichtungen, den Luftraum, die Erde, Erdhöhlen, die Meere
Da er nirgends einen Beschützer fand, mit ständig angsterfülltem Herzen, auf der Suche nach einem, der ihm Zuflucht gewähren könnte, wandte er sich schließlich an den Gott Brahmā [und sprach]: „O Schöpfer, o Selbstentsprungener, rette mich vor der [verzehrenden] Glut des Unbesiegten!“
[Brahmā sprach:] „Diese meine Wohnstätte samt dem ganzen Universum wird am Ende [meines] Spiels, zu der Zeit, die als ‚zwei Parārdha‘ bekannt ist, allein durch das Zusammenziehen der Brauen dessen vergehen, der, in Zeitgestalt, [alles] zu verbrennen wünscht. Ich, Śiva, Dakṣa, Bhṛgu und die anderen Ersten [unter den Weisen], die Herrscher der Geschöpfe, der Lebewesen und der Götter – wir alle sind Seiner Herrschaft unterworfen; mit gesenktem Haupt tragen wir, zum Wohl der Welten, [Seine Gebote] aus.“
Wort für Wort
sthānam madīyam
meine Wohnstätte
saha-viśvam etat
samt diesem (ganzen) Universum
krīḍā-avasāne
am Ende des Spiels
dvi-parārdha-saṁjñe
zur Zeit, genannt 'zwei Parārdha'
bhrū-bhaṅga-mātreṇa hi
allein durch das Zusammenziehen der Brauen
sandidhakṣoḥ
dessen, der zu verbrennen wünscht
kāla-ātmanaḥ
der in Zeitgestalt (ist)
yasya
dessen
tirobhaviṣyati
wird vergehen
aham bhavaḥ
ich, Śiva
dakṣa-bhṛgu-pradhānāḥ
Dakṣa, Bhṛgu und die Ersten (der Weisen)
prajā-īśa-bhūta-īśa-sura-īśa-mukhyāḥ
die Herrscher der Geschöpfe, Lebewesen und Götter, angeführt von ihnen
vayaṁ na tāta prabhavāma bhūmni yasmin pare 'nye 'py aja-jīva-kośāḥ / bhavanti kāle na bhavanti hīdṛśāḥ sahasraśo yatra vayaṁ bhramāmaḥ
Śiva sprach: „Wir, mein Sohn, vermögen nichts gegenüber jenem Erhabenen, in dem selbst andere [Wesen] wie Brahmā, die Lebewesen und die Welten im Laufe der Zeit entstehen und wieder vergehen – solche wie diese hier [entstehen und vergehen] zu Tausenden, während wir [selbst nur] in Ihm [umher]wandern.“
ahaṁ sanat-kumāraś ca nārado bhagavān ajaḥ / kapilo 'pāntaratamo devalo dharma āsuriḥ // marīci-pramukhāś cānye siddheśāḥ pāra-darśanāḥ / vidāma na vayaṁ sarve yan-māyāṁ māyayāvṛtāḥ // tasya viśveśvarasyedaṁ śastraṁ durviṣahaṁ hi naḥ / tam evaṁ śaraṇaṁ yāhi haris te śaṁ vidhāsyati //
„Ich, die Sanat-Kumāras, Nārada, der erhabene Brahmā, Kapila, Apāntaratama, Devala, Dharma, Āsuri, Marīci und andere, an der Spitze der Vollendeten stehend, die das Ende [allen] Wissens geschaut haben – wir alle, [selbst] von Seiner Täuschungsmacht umhüllt, verstehen dessen Māyā nicht. Diese Waffe des Herrn des Universums ist auch für uns unerträglich. Suche daher bei Ihm selbst Zuflucht – Hari wird dir Wohlergehen bereiten.“
Wort für Wort
aham sanat-kumāraḥ ca
ich (und) die Sanat-Kumāras
nāradaḥ bhagavān ajaḥ
Nārada, der erhabene Brahmā
kapilaḥ apāntaratamaḥ
Kapila, Apāntaratama
devalaḥ dharmaḥ āsuriḥ
Devala, Dharma, Āsuri
marīci-pramukhāḥ ca anye
Marīci und andere an der Spitze
siddha-īśāḥ pāra-darśanāḥ
die Herren der Vollendeten, die das Ende (des Wissens) geschaut haben
tato nirāśo durvāsāḥ padaṁ bhagavato yayau / vaikuṇṭhākhyaṁ yad adhyāste śrīnivāsaḥ śriyā saha
Daraufhin begab sich der hoffnungslose Durvāsā zum Wohnort des Erhabenen, [genannt] Vaikuṇṭha, wo der Herr des Glücks zusammen mit [der Göttin] Śrī weilt.
Vom Feuer der Waffe des Unbesiegten verbrannt, fiel er, am ganzen Leibe zitternd, zu Seinen Füßen nieder und sprach: „O Unfehlbarer, o Endloser, o vom Erhabenen Ersehnter, o Herr – beschütze mich, den Übeltäter, o Wohltäter des Universums!“
Der Erhabene Herr sprach: „Ich bin, o Brahmane, meinen Geweihten untertan, gleichsam unfrei; von den Heiligen ist mein Herz gefangen genommen, von [Meinen] Geweihten – denn Mir ist [selbst] der Geweihte eines Geweihten teuer.“
Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene Herr sprach
aham bhakta-parādhīnaḥ
ich bin meinen Geweihten untertan
hi asvatantraḥ iva
gleichsam unfrei
dvija
o Brahmane
sādhubhiḥ grasta-hṛdayaḥ
von den Heiligen ist (mein) Herz gefangen genommen
[Durvāsā sprach:] „In Unkenntnis Deiner höchsten Macht habe ich eine Verfehlung gegen die Dir Lieben begangen. Verordne Du, o Lenker, die [angemessene] Wiedergutmachung dafür – [Du], bei dessen Namensnennung selbst ein zur Hölle Bestimmter erlöst wird.“
[Der Herr sprach:] „Ohne Meine Geweihten, die Heiligen, wünsche ich weder Mich selbst noch, o Brahmane, [Mein] höchstes Glück – jene, deren höchstes Ziel Ich bin.“
„Wie könnte Ich jene verlassen, die, nachdem sie Gattin, Haus, Söhne, Verwandte, [ihr eigenes] Leben, Reichtum, all dies und selbst das Jenseitige aufgegeben haben, bei Mir Zuflucht gesucht haben?“
Die Heiligen, deren Herz fest an Mich gebunden ist, die [alle Wesen] gleich betrachten, machen Mich durch [ihre] Hingabe Sich gefügig, so wie tugendhafte Frauen ihren tugendhaften Gatten.
Wort für Wort
mayi nirbaddha-hṛdayāḥ
deren Herz fest an Mich gebunden ist
sādhavaḥ
die Heiligen
sama-darśanāḥ
die (alle Wesen) gleich betrachten
vaśe kurvanti mām
machen Mich sich gefügig
bhaktyā
durch Hingabe
sat-striyaḥ sat-patim yathā
so wie tugendhafte Frauen ihren tugendhaften Gatten
Sie, durch ihren Dienst an Mir bereits vollkommen erfüllt, begehren nicht [einmal] die vier Arten der Befreiung [wie Sālokya usw.], die durch [bloßen] Dienst [an Mir] gewiss erlangt werden – wieviel weniger andere, in der Zeit vergängliche Dinge!
sādhavo hṛdayaṁ mahyaṁ sādhūnāṁ hṛdayaṁ tv aham / mad-anyat te na jānanti nāhaṁ tebhyo manāg api
Die Heiligen sind Mir Herz, und Ich bin fürwahr das Herz der Heiligen; sie kennen nichts außer Mir, und Ich [kenne nichts] außer ihnen, auch nicht im Geringsten.
upāyaṁ kathayiṣyāmi tava vipra śṛṇuṣva tat / ayaṁ hy ātmābhicāras te yatas taṁ yāhi mā ciram / sādhuṣu prahitaṁ tejaḥ prahartuḥ kurute 'śivam
„Ich werde dir, o Brahmane, das Mittel [zu deiner Rettung] nennen – so höre: Diese [Tat] ist in Wahrheit eine gegen dich selbst gerichtete Verwünschung; darum begib dich ohne Verzug zu jenem [König], von dem [du kamst]. Gegen Heilige gerichtete [feindliche] Macht wendet sich gegen den, der sie entsandt hat, [und bringt ihm] Unheil.“
Wort für Wort
upāyam kathayiṣyāmi
ich werde das Mittel nennen
tava vipra
für dich, o Brahmane
śṛṇuṣva tat
so höre dies
ayam hi ātma-abhicāraḥ te
diese (Tat) ist in Wahrheit eine gegen dich selbst gerichtete Verwünschung
tapo vidyā ca viprāṇāṁ niḥśreyasa-kare ubhe / te eva durvinītasya kalpete kartur anyathā
Askese und Wissen sind für Brahmanen beide Ursachen des höchsten Heils; eben diese beiden werden, wenn der, der sie ausübt, unbeherrscht ist, zum Gegenteil [ihrer selbst].
Wort für Wort
tapaḥ vidyā ca
Askese und Wissen
viprāṇām
für Brahmanen
niḥśreyasa-kare ubhe
sind beide Ursachen des höchsten Heils
te eva
eben diese
durvinītasya kartuḥ
wenn der Ausübende unbeherrscht (schlecht erzogen) ist