Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 177: matsyāvatāra-varṇanam Matsya, die Fischinkarnation des Herrn

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śrī-rājā uvāca bhagavan śrotum icchāmi harer adbhuta-karmaṇaḥ avatāra-kathām ādyāṃ māyā-matsya-viḍambanam

Śrī Rāja [Parīkṣit] sprach: O Herr, ich wünsche die Erzählung von der ersten Inkarnation Haris, dessen Taten wunderbar sind, zu hören - die täuschende, durch māyā bewirkte Nachahmung eines Fisches.

Wort für Wort
śrī-rājā uvāca
Śrī Rāja sprach
bhagavan
o Herr
śrotum
zu hören
icchāmi
ich wünsche
hareḥ
Haris
adbhuta-karmaṇaḥ
dessen Taten wunderbar sind
avatāra-kathām
die Erzählung der Inkarnation
ādyām
die erste
māyā-matsya-viḍambanam
die durch māyā bewirkte Nachahmung eines Fisches

yad-artham adadhād rūpaṃ mātsyaṃ loka-jugupsitam tamaḥ-prakṛti-durmarṣaṃ karma-grasta iveśvaraḥ

Weshalb nahm der Herr jene von der Welt verabscheute Fischgestalt an, deren Wesen aus Finsternis besteht und die schwer erträglich ist - der Herr, gleichsam vom Karma ergriffen?

Wort für Wort
yad-artham
weswegen
adadhāt
er nahm an
rūpam
die Gestalt
mātsyam
fischartige
loka-jugupsitam
von der Welt verabscheute
tamaḥ-prakṛti-durmarṣam
von der Natur der Dunkelheit, kaum erträglich
karma-grastaḥ
vom karma ergriffen
iva
gleichsam
īśvaraḥ
der Herr

etan no bhagavan sarvaṃ yathāvad vaktum arhasi uttama-śloka-caritaṃ sarva-loka-sukhāvaham

O Herr, du mögest uns dies alles wahrheitsgemäß erzählen - die Taten des Hochgepriesenen (uttamaśloka), die allen Welten Glück bringen.

Wort für Wort
etat
dies
naḥ
uns
bhagavan
o Herr
sarvam
alles
yathāvat
wahrheitsgemäß
vaktum
zu sprechen
arhasi
du mögest
uttama-śloka-caritam
die Taten des Hochgepriesenen
sarva-loka-sukhāvaham
allen Welten Glück bringend

śrī-sūta uvāca ity ukto viṣṇurātena bhagavān bādarāyaṇiḥ uvāca caritaṃ viṣṇor matsya-rūpeṇa yat kṛtam

Śrī Sūta sprach: So von Viṣṇurāta [Parīkṣit] angesprochen, erzählte der erhabene Sohn Bādarāyaṇas [Śukadeva] die Geschichte dessen, was Viṣṇu in Fischgestalt vollbrachte.

Wort für Wort
śrī-sūtaḥ uvāca
Śrī Sūta sprach
iti
so
uktaḥ
angesprochen
viṣṇurātena
von Viṣṇurāta
bhagavān
der erhabene
bādarāyaṇiḥ
der Sohn Bādarāyaṇas
uvāca
sprach
caritam
die Geschichte
viṣṇoḥ
Viṣṇus
matsya-rūpeṇa
in Fischgestalt
yat
was
kṛtam
getan wurde

śrī-śuka uvāca go-vipra-sura-sādhūnāṃ chandasām api ceśvaraḥ rakṣām icchaṃs tanūr dhatte dharmasyārthasya caiva hi

Śrī Śuka sprach: Der Herr nimmt, den Schutz der Kühe, der Brahmanen, der Götter, der Frommen und selbst der vedischen Hymnen wünschend, Gestalten an - ebenso um der Rechtschaffenheit und des rechten Nutzens willen.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
go
der Kühe
vipra
der Brahmanen
sura
der Götter
sādhūnām
und der Frommen
chandasām api
und auch der vedischen Hymnen
ca
und
īśvaraḥ
der Herr
rakṣām
den Schutz
icchan
wünschend
tanūḥ dhatte
nimmt Gestalten an
dharmasya
der Rechtschaffenheit
arthasya
des rechten Nutzens
ca eva hi
und wahrlich auch

uccāvaceṣu bhūteṣu caran vāyur iveśvaraḥ noccāvacatvaṃ bhajate nirguṇatvād dhiyo guṇaiḥ

Wie der Wind, der sich durch höhere und niedere Wesen bewegt, nimmt der Herr, wandelnd unter den Geschöpfen hoch und niedrig, doch selbst kein Hoch- oder Niedrigsein an, da er jenseits der Erscheinungsweisen (guṇas) ist, mit denen der Verstand der Wesen behaftet ist.

Wort für Wort
ucca-avaceṣu
in höheren und niederen
bhūteṣu
Wesen
caran
wandelnd
vāyuḥ iva
wie der Wind
īśvaraḥ
der Herr
na
nicht
ucca-avacatvam
Höher- oder Niedrigsein
bhajate
nimmt an
nirguṇatvāt
wegen seiner Eigenschaftslosigkeit
dhiyaḥ
des Verstandes
guṇaiḥ
durch die Erscheinungsweisen

āsīd atīta-kalpānte brāhmo naimittiko layaḥ samudropaplutās tatra lokā bhūrādayo nṛpa

O König, am Ende des vergangenen kalpa geschah die gelegentliche Auflösung [zum Tage] Brahmās; da wurden die Welten, angefangen mit der Erde, vom Ozean überflutet.

Wort für Wort
āsīt
es geschah
atīta-kalpa-ante
am Ende des vergangenen kalpa
brāhmaḥ
Brahmās (zugehörig)
naimittikaḥ
gelegentliche, durch besondere Ursache bedingte
layaḥ
Auflösung
samudra-upaplutāḥ
vom Ozean überflutet
tatra
da
lokāḥ
die Welten
bhūḥ-ādayaḥ
angefangen von der Erde
nṛpa
o König

kālenāgata-nidrasya dhātuḥ śiśayiṣor balī mukhato niḥsṛtān vedān hayagrīvo 'ntike 'harat

Als durch die Zeit dem Schöpfer Brahmā der Schlaf nahte und er sich zur Ruhe begeben wollte, raubte der mächtige Hayagrīva die aus seinem Mund hervorgekommenen Veden, die in der Nähe waren.

Wort für Wort
kālena
durch die Zeit
āgata-nidrasya
dem der Schlaf gekommen war
dhātuḥ
des Schöpfers
śiśayiṣoḥ
der schlafen wollte
balī
der Mächtige
mukhataḥ
aus dem Mund
niḥsṛtān
herausgekommene
vedān
die Veden
hayagrīvaḥ
Hayagrīva
antike
in der Nähe
aharat
raubte

jñātvā tad-dānavendrasya hayagrīvasya ceṣṭitam dadhāra śapharī-rūpaṃ bhagavān harir īśvaraḥ

Als der erhabene Herr Hari das Treiben jenes Dämonenfürsten Hayagrīva erkannte, nahm er die Gestalt eines kleinen Fisches (śapharī) an.

Wort für Wort
jñātvā
erkennend
tat-dānava-indrasya
jenes Dämonenfürsten
hayagrīvasya
Hayagrīvas
ceṣṭitam
Treiben
dadhāra
nahm an
śapharī-rūpam
die Gestalt eines kleinen Fisches
bhagavān
der Erhabene
hariḥ
Hari
īśvaraḥ
der Herr

tatra rāja-ṛṣiḥ kaścin nāmnā satyavrato mahān nārāyaṇa-paro 'tapat tapaḥ sa salilāśanaḥ

Damals lebte ein bedeutender königlicher Weiser namens Satyavrata, der Nārāyaṇa ergeben war; er übte Askese und nahm dabei nur Wasser zu sich.

Wort für Wort
tatra
damals
rāja-ṛṣiḥ
ein königlicher Weiser
kaścit
ein gewisser
nāmnā
mit Namen
satyavrataḥ
Satyavrata
mahān
der Bedeutende
nārāyaṇa-paraḥ
Nārāyaṇa ergeben
atapat
übte
tapaḥ
Askese
saḥ
er
salila-āśanaḥ
nur Wasser zu sich nehmend

yo 'sāv asmin mahā-kalpe tanayaḥ sa vivasvataḥ śrāddhadeva iti khyāto manutve hariṇārpitaḥ

Jener [Satyavrata] war in diesem großen kalpa der Sohn Vivasvats, bekannt als Śrāddhadeva, und wurde von Hari in das Amt des Manu eingesetzt.

Wort für Wort
yaḥ asau
jener
asmin mahā-kalpe
in diesem großen kalpa
tanayaḥ
Sohn
saḥ
er
vivasvataḥ
des Vivasvat
śrāddhadevaḥ
Śrāddhadeva
iti khyātaḥ
so bekannt
manutve
im Amt des Manu
hariṇā
von Hari
arpitaḥ
eingesetzt

ekadā kṛtamālāyāṃ kurvato jala-tarpaṇam tasyāñjaly-udake kācic chaphary ekābhyapadyata

Einst, als er im Fluss Kṛtamālā die Wasserspende (tarpaṇa) vollzog, geriet ein einzelner kleiner Fisch in das Wasser seiner hohlen Hände.

Wort für Wort
ekadā
einst
kṛtamālāyām
im Fluss Kṛtamālā
kurvataḥ
während er vollzog
jala-tarpaṇam
die Wasserspende
tasya
seinem
añjali-udake
im Wasser der hohlen Hände
kācit
eine gewisse
śapharī
kleiner Fisch
ekā
ein einziger
abhyapadyata
geriet hinein

satyavrato 'ñjali-gatāṃ saha toyena bhārata utsasarja nadī-toye śapharīṃ draviḍeśvaraḥ

O Nachkomme Bharatas, Satyavrata, der Herrscher von Draviḍa, ließ den in seinen hohlen Händen befindlichen kleinen Fisch mitsamt dem Wasser wieder ins Flusswasser.

Wort für Wort
satyavrataḥ
Satyavrata
añjali-gatām
die in den hohlen Händen befindliche
saha toyena
zusammen mit dem Wasser
bhārata
o Nachkomme Bharatas
utsasarja
er ließ los
nadī-toye
in das Flusswasser
śapharīm
den kleinen Fisch
draviḍa-īśvaraḥ
der Herrscher von Draviḍa

tam āha sātikaruṇaṃ mahā-kāruṇikaṃ nṛpam yādobhyo jñāti-ghātibhyo dīnāṃ māṃ dīna-vatsala kathaṃ visṛjase rājan bhītām asmin sarij-jale

Sehr kläglich sprach sie zu dem überaus mitleidsvollen König: 'Vor den Wassertieren, die die eigenen Artgenossen morden - mich Elende, o du, der den Elenden zugetan ist, wie kannst du mich Verängstigte in diesem Flusswasser preisgeben, o König?'

Wort für Wort
tam
zu ihm
āha
sprach
sā
sie
ati-karuṇam
sehr kläglich
mahā-kāruṇikam
zum überaus mitleidsvollen
nṛpam
König
yādobhyaḥ
vor den Wassertieren
jñāti-ghātibhyaḥ
die die eigenen Artgenossen töten
dīnām
die elende
mām
mich
dīna-vatsala
o du, der den Elenden zugetan ist
katham
wie
visṛjase
gibst du preis
rājan
o König
bhītām
die verängstigte
asmin sarit-jale
in diesem Flusswasser

tam ātmano 'nugrahārthaṃ prītyā matsya-vapur-dharam ajānan rakṣaṇārthāya śapharyāḥ sa mano dadhe

Ihn, der aus Liebe die Fischgestalt angenommen hatte, um ihm selbst [dem König] Gnade zu erweisen, nicht erkennend, richtete Satyavrata seinen Sinn darauf, den kleinen Fisch zu beschützen.

Wort für Wort
tam
ihn
ātmanaḥ
seiner selbst
anugraha-artham
zum Zweck der Gnade
prītyā
aus Liebe
matsya-vapuḥ-dharam
der die Fischgestalt trug
ajānan
nicht erkennend
rakṣaṇa-arthāya
zum Zweck des Schutzes
śapharyāḥ
des kleinen Fisches
saḥ
er
manaḥ dadhe
richtete seinen Sinn

ātmanaḥ bezieht sich auf den König selbst, dem der Fisch zur eigenen Gnade erscheint; Stelle leicht verdichtet wiedergegeben.

tasyā dīna-taraṃ vākyam āśrutya sa mahī-patiḥ kalaśāpsu nidhāyaināṃ dayālur ninya āśramam

Nachdem er ihre noch klagendere Rede vernommen hatte, legte der mitleidige Erdenherrscher sie in das Wasser eines Kruges und brachte sie zu seiner Einsiedelei.

Wort für Wort
tasyāḥ
ihre
dīna-taram
noch klagendere
vākyam
Rede
āśrutya
nachdem er gehört hatte
saḥ mahī-patiḥ
er, der Erdenherrscher
kalaśa-apsu
in das Wasser des Kruges
nidhāya
nachdem er gelegt hatte
enām
sie
dayāluḥ
der Mitleidige
ninye
brachte
āśramam
zur Einsiedelei

sā tu tatraika-rātreṇa vardhamānā kamaṇḍalau alabdhvātmāvakāśaṃ vā idam āha mahī-patim

Sie aber wuchs dort binnen einer einzigen Nacht im Wasserkrug so sehr, dass sie keinen Raum mehr für sich fand, und sprach dies zum König:

Wort für Wort
sā tu
sie aber
tatra
dort
eka-rātreṇa
binnen einer einzigen Nacht
vardhamānā
wachsend
kamaṇḍalau
im Wasserkrug
alabdhvā
nicht findend
ātma-avakāśam
Raum für sich selbst
idam
dies
āha
sprach
mahī-patim
zum König

nāhaṃ kamaṇḍalāv asmin kṛcchraṃ vastum ihotsahe kalpayaukaḥ su-vipulaṃ yatrāhaṃ nivase sukham

'Ich vermag hier in diesem Wasserkrug nicht beengt zu wohnen. Verschaffe mir eine sehr geräumige Wohnstatt, wo ich bequem leben kann.'

Wort für Wort
na aham
ich nicht
kamaṇḍalau asmin
in diesem Wasserkrug
kṛcchram
mühsam, beengt
vastum
zu wohnen
iha
hier
utsahe
vermag ich
kalpaya
verschaffe
okaḥ
eine Wohnstatt
su-vipulam
sehr geräumige
yatra
wo
aham
ich
nivase
wohnen kann
sukham
bequem

sa enāṃ tata ādāya nyadhād audañcanodake tatra kṣiptā muhūrtena hasta-trayam avardhata

Da nahm er sie und setzte sie in das Wasser eines größeren Gefäßes. Dort hineingesetzt, wuchs sie binnen einer muhūrta um drei Ellen (hastas).

Wort für Wort
saḥ
er
enām
sie
tataḥ
daraufhin
ādāya
nehmend
nyadhāt
setzte er hinein
audañcana-udake
in das Wasser eines größeren Behälters
tatra
dort
kṣiptā
hineingeworfen
muhūrtena
binnen einer muhūrta
hasta-trayam
um drei Ellen
avardhata
wuchs

na ma etad alaṃ rājan sukhaṃ vastum udañcanam pṛthu dehi padaṃ mahyaṃ yat tvāhaṃ śaraṇaṃ gatā

'Dieser Wasserbehälter, o König, reicht mir nicht, um bequem zu wohnen. Gib mir einen weiten Platz, da ich zu dir meine Zuflucht genommen habe.'

Wort für Wort
na
nicht
me
mir
etat
dieses
alam
genügend
rājan
o König
sukham
bequem
vastum
zu wohnen
udañcanam
der Wasserbehälter
pṛthu
ein weites
dehi
gib
padam
einen Platz
mahyam
mir
yat
da
tvā
zu dir
aham
ich
śaraṇam gatā
Zuflucht genommen habe

tata ādāya sā rājñā kṣiptā rājan sarovare tadāvṛtyātmanā so 'yaṃ mahā-mīno 'nvavardhata

Daraufhin nahm der König sie und warf sie, o König [Parīkṣit], in einen See; und da wuchs dieser große Fisch weiter, bis er ihn mit seinem eigenen Leib ganz ausfüllte.

Wort für Wort
tataḥ
daraufhin
ādāya
nehmend
sā
sie
rājñā
vom König
kṣiptā
hineingeworfen
rājan
o König
sarovare
in einen See
tadā
dann
āvṛtya
ausfüllend
ātmanā
mit ihrem eigenen Leib
saḥ ayam mahā-mīnaḥ
dieser große Fisch
anvavardhata
wuchs weiter

naitan me svastaye rājann udakaṃ salilaukasaḥ nidhehi rakṣā-yogena hrade mām avidāsini

'Dieses Wasser, o König, taugt nicht zu meinem Wohlergehen als Wasserbewohnerin. Setze mich mit gehöriger Vorsorge in einen nie versiegenden See.'

Wort für Wort
na etat
nicht dieses
me
mir
svastaye
zum Wohlergehen
rājan
o König
udakam
Wasser
salila-okasaḥ
für eine Wasserbewohnerin
nidhehi
setze
rakṣā-yogena
mit gehöriger Vorsorge
hrade
in einen See
mām
mich
avidāsini
nie versiegenden

ity uktaḥ so 'nayan matsyaṃ tatra tatrāvidāsini jalāśaye 'sammitaṃ taṃ samudre prākṣipaj jhaṣam

So angesprochen, brachte er den Fisch von einem nie versiegenden Gewässer zum anderen; und als dieser schließlich unermesslich groß geworden war, warf er ihn in den Ozean.

Wort für Wort
iti uktaḥ
so angesprochen
saḥ
er
anayat
brachte
matsyam
den Fisch
tatra tatra
dahin und dorthin
avidāsini
in nie versiegende
jala-āśaye
Gewässer
asammitam
unermesslich geworden
tam
ihn
samudre
in den Ozean
prākṣipat
warf
jhaṣam
den Fisch

kṣipyamāṇas tam āhedam iha māṃ makarādayaḥ adanty atibalā vīra māṃ nehotsraṣṭum arhasi

Während er hineingeworfen wurde, sprach er dies zu ihm: 'Hier werden mich die überaus starken Krokodile und andere Meeresungeheuer fressen, o Held; du sollst mich hier nicht preisgeben.'

Wort für Wort
kṣipyamāṇaḥ
während er hineingeworfen wurde
tam
zu ihm
āha
sprach
idam
dies
iha
hier
mām
mich
makara-ādayaḥ
Krokodile und andere
adanti
fressen
ati-balāḥ
überaus starke
vīra
o Held
mām
mich
na
nicht
iha
hier
utsraṣṭum
preiszugeben
arhasi
du sollst

evaṃ vimohitas tena vadatā valgu-bhāratīm tam āha ko bhavān asmān matsya-rūpeṇa mohayan

So von ihm, der eine liebliche Rede sprach, verwirrt, sagte er zu ihm: 'Wer bist du, der uns durch eine Fischgestalt täuscht?'

Wort für Wort
evam
so
vimohitaḥ
verwirrt
tena
von ihm
vadatā
der da sprach
valgu-bhāratīm
eine liebliche Rede
tam
zu ihm
āha
sprach
kaḥ
wer
bhavān
du
asmān
uns
matsya-rūpeṇa
durch die Fischgestalt
mohayan
täuschend

naivaṃ vīryo jala-caro dṛṣṭo 'smābhiḥ śruto 'pi vā yo bhavān yojana-śatam ahnābhivyānaśe saraḥ

Niemals haben wir ein Wasserwesen von solcher Kraft gesehen noch gehört, wie du, der du an einem einzigen Tag einen See von hundert Yojanas Ausdehnung erfüllt hast.

Wort für Wort
na evam-vīryaḥ
nicht von solcher Kraft
jala-caraḥ
ein Wasserbewohner
dṛṣṭaḥ
gesehen
asmābhiḥ
von uns
śrutaḥ api vā
oder auch gehört
yaḥ bhavān
der du
yojana-śatam
hundert Yojanas
ahnā
an einem einzigen Tag
abhivyānaśe
durchmessen hast
saraḥ
den See

nūnaṃ tvaṃ bhagavān sākṣād harir nārāyaṇo 'vyayaḥ anugrahāya bhūtānāṃ dhatse rūpaṃ jalaukasām

Gewiss bist du der erhabene Hari selbst, der unvergängliche Nārāyaṇa, der zur Gnade der Geschöpfe die Gestalt eines Wasserbewohners angenommen hat.

Wort für Wort
nūnam
gewiss
tvam
du
bhagavān
der Erhabene
sākṣāt
leibhaftig
hariḥ
Hari
nārāyaṇaḥ
Nārāyaṇa
avyayaḥ
der Unvergängliche
anugrahāya
zur Gnade
bhūtānām
der Geschöpfe
dhatse
du nimmst an
rūpam
die Gestalt
jala-okasām
der Wasserbewohner

namas te puruṣa-śreṣṭha sthity-utpatty-apyayeśvara bhaktānāṃ naḥ prapannānāṃ mukhyo hy ātma-gatir vibho

Verehrung dir, o Bester der Wesen, Herr über Entstehung, Erhaltung und Vergehen! O Allmächtiger, du bist fürwahr die vornehmste Zuflucht unser, der Hingegebenen, die sich dir ergeben haben.

Wort für Wort
namaḥ te
Verehrung dir
puruṣa-śreṣṭha
o Bester der Wesen
sthiti-utpatti-apyaya-īśvara
o Herr über Erhaltung, Entstehung und Vergehen
bhaktānām naḥ
unser, der Hingegebenen
prapannānām
die sich ergeben haben
mukhyaḥ
der vornehmste
hi
fürwahr
ātma-gatiḥ
die Zuflucht des Selbst
vibho
o Allmächtiger

sarve līlāvatārās te bhūtānāṃ bhūti-hetavaḥ jñātum icchāmy ado rūpaṃ yad-arthaṃ bhavatā dhṛtam

Alle deine Spiel-Inkarnationen sind Ursachen des Wohlergehens der Geschöpfe. Ich möchte wissen, wozu du diese [Fisch-]Gestalt angenommen hast.

Wort für Wort
sarve
alle
līlā-avatārāḥ te
deine Spiel-Inkarnationen
bhūtānām
der Geschöpfe
bhūti-hetavaḥ
Ursachen des Wohlergehens
jñātum
zu wissen
icchāmi
ich wünsche
adaḥ rūpam
jene Gestalt
yat-artham
weswegen
bhavatā
von dir
dhṛtam
angenommen

na te 'ravindākṣa padopasarpaṇaṃ mṛṣā bhavet sarva-suhṛt-priyātmanaḥ yathetareṣāṃ pṛthag-ātmanāṃ satām adīdṛśo yad-vapur adbhutaṃ hi naḥ

O Lotusäugiger, nicht vergeblich sei uns das Nahen zu deinen Füßen, dir, der du allen Wesen Freund und lieb bist - so wie es für die anderen Frommen, die sich [fälschlich] als gesondert [von dir] betrachten, nicht vergeblich war; denn du hast uns fürwahr diese wunderbare Gestalt gezeigt.

Wort für Wort
na
nicht
te
dein
aravinda-akṣa
o Lotusäugiger
pada-upasarpaṇam
das Nahen zu den Füßen
mṛṣā bhavet
möge vergeblich sein
sarva-suhṛt-priya-ātmanaḥ
dessen Wesen allen Freund und lieb ist
yathā
wie
itareṣām
der anderen
pṛthak-ātmanām
die sich als gesondert wähnen
satām
der Frommen
adīdṛśaḥ
du hast gezeigt
yat-vapuḥ
welche Gestalt
adbhutam
wunderbare
hi
fürwahr
naḥ
uns

śrī-śuka uvāca iti bruvāṇaṃ nṛpatiṃ jagat-patiḥ satyavrataṃ matsya-vapur yuga-kṣaye vihartu-kāmaḥ pralayārṇave 'bravīc cikīrṣur ekānta-jana-priyaḥ priyam

Śrī Śuka sprach: Zu Satyavrata, der so sprach, sagte der Weltenherr - in Fischgestalt beim Untergang des Zeitalters, gewillt sich im Ozean der Auflösung zu vergnügen und zu handeln entschlossen, er, dem seine ausschließlich Ergebenen lieb sind - liebevolle Worte.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
iti bruvāṇam
der so sprechenden
nṛpatim
zum König
jagat-patiḥ
der Weltenherr
satyavratam
zu Satyavrata
matsya-vapuḥ
in Fischgestalt
yuga-kṣaye
beim Untergang des Zeitalters
vihartu-kāmaḥ
der sich zu vergnügen wünschte
pralaya-arṇave
im Ozean der Auflösung
abravīt
sprach
cikīrṣuḥ
der zu handeln beabsichtigte
ekānta-jana-priyaḥ
dem seine ausschließlich Ergebenen lieb sind
priyam
Liebevolles

śrī-bhagavān uvāca saptame hy adyatanād ūrdhvam ahany etad arindama nimaṅkṣyaty apyayāmbhodhau trai-lokyaṃ bhūr-bhuvādikam

Der erhabene Herr sprach: O Bezwinger der Feinde, fürwahr, am siebten Tag von heute an wird dies - die drei Welten, angefangen mit Erde und Luftraum - im Ozean der Auflösung versinken.

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der erhabene Herr sprach
saptame
am siebten
hi
fürwahr
adyatanāt ūrdhvam
von heute an
ahani
am Tag
etat
dies
arim-dama
o Bezwinger der Feinde
nimaṅkṣyati
wird versinken
apyaya-ambhodhau
im Ozean der Auflösung
trai-lokyam
die drei Welten
bhūḥ-bhuvaḥ-ādikam
angefangen mit Erde und Luftraum

tri-lokyāṃ līyamānāyāṃ saṃvartāmbhasi vai tadā upasthāsyati nauḥ kācid viśālā tvāṃ mayeritā

Wenn dann die drei Welten sich in den Fluten der Weltzerstörung auflösen, wird sich ein großes Schiff einfinden, von mir zu dir gesandt.

Wort für Wort
tri-lokyām
die drei Welten
līyamānāyām
während sie sich auflösen
saṃvarta-ambhasi
in den Fluten der Weltzerstörung
vai tadā
dann fürwahr
upasthāsyati
wird sich einfinden
nauḥ kācit
ein gewisses Schiff
viśālā
großes
tvām
zu dir
mayā
von mir
īritā
gesandt

tvaṃ tāvad oṣadhīḥ sarvā bījāny uccāvacāni ca saptarṣibhiḥ parivṛtaḥ sarva-sattvopabṛṃhitaḥ

Du sollst alsdann alle Heilpflanzen und Samen, höhere wie niedere, [mitnehmen], umgeben von den sieben Weisen und begleitet von allen Arten von Lebewesen.

Wort für Wort
tvam
du
tāvat
alsdann
oṣadhīḥ sarvāḥ
alle Heilpflanzen
bījāni
Samen
ucca-avacāni ca
höhere und niedere
sapta-ṛṣibhiḥ
von den sieben Weisen
parivṛtaḥ
umgeben
sarva-sattva-upabṛṃhitaḥ
begleitet von allen Arten von Lebewesen

āruhya bṛhatīṃ nāvaṃ vicariṣyasy aviklavaḥ ekārṇave nirāloke ṛṣīṇām eva varcasā

Nachdem du das große Schiff bestiegen hast, wirst du unerschrocken im einen, lichtlosen Ozean umherfahren, allein durch den Glanz der Weisen [geleitet].

Wort für Wort
āruhya
nachdem du bestiegen hast
bṛhatīm nāvam
das große Schiff
vicariṣyasi
du wirst umherfahren
aviklavaḥ
unerschrocken
eka-arṇave
im einen Ozean
nirāloke
im lichtlosen
ṛṣīṇām eva
allein durch die Weisen
varcasā
durch den Glanz

dodhūyamānāṃ tāṃ nāvaṃ samīreṇa balīyasā upasthitasya me śṛṅge nibadhnīhi mahāhinā

Jenes Schiff, vom übermächtigen Wind hin- und hergeschüttelt, binde mit der großen Schlange [als Seil] an mein Horn fest, das sich [dir] darbieten wird.

Wort für Wort
dodhūyamānām
hin- und hergeschüttelt werdend
tām nāvam
jenes Schiff
samīreṇa
vom Wind
balīyasā
dem übermächtigen
upasthitasya me
meinem sich einfindenden
śṛṅge
am Horn
nibadhnīhi
binde fest
mahā-ahinā
mit der großen Schlange

ahaṃ tvām ṛṣibhiḥ sārdhaṃ saha-nāvam udanvati vikarṣan vicariṣyāmi yāvad brāhmī niśā prabho

Ich werde dich, zusammen mit den Weisen und mitsamt dem Schiff, im Ozean ziehend umherfahren, bis die Nacht Brahmās zu Ende ist, o Gebieter.

Wort für Wort
aham
ich
tvām
dich
ṛṣibhiḥ sārdham
zusammen mit den Weisen
saha-nāvam
mitsamt dem Schiff
udanvati
im Ozean
vikarṣan
ziehend
vicariṣyāmi
werde ich umherfahren
yāvat
solange bis
brāhmī niśā
die Nacht Brahmās
prabho
o Gebieter

madīyaṃ mahimānaṃ ca paraṃ brahmeti śabditam vetsyasy anugṛhītaṃ me sampraśnair vivṛtaṃ hṛdi

Meine Herrlichkeit und das, was man das höchste Brahman nennt, wirst du erkennen, von mir begnadet, im Herzen offenbart durch deine Fragen.

Wort für Wort
madīyam mahimānam
meine Herrlichkeit
ca
und
param brahma
das höchste Brahman
iti śabditam
so genannt
vetsyasi
du wirst erkennen
anugṛhītam me
von mir begnadet
sampraśnaiḥ
durch deine Fragen
vivṛtam
offenbart
hṛdi
im Herzen

ittham ādiśya rājānaṃ harir antaradhīyata so 'nvavaikṣata taṃ kālaṃ yaṃ hṛṣīkeśa ādiśat

Nachdem er den König so unterwiesen hatte, verschwand Hari. Jener aber hielt Ausschau nach der Zeit, die Hṛṣīkeśa angekündigt hatte.

Wort für Wort
ittham
so
ādiśya
nachdem er unterwiesen hatte
rājānam
den König
hariḥ
Hari
antaradhīyata
verschwand
saḥ
er
anvavaikṣata
hielt Ausschau nach
tam kālam
jener Zeit
yam
die
hṛṣīkeśaḥ
Hṛṣīkeśa
ādiśat
angekündigt hatte

āstīrya darbhān prāk-kūlān rāja-ṛṣiḥ prāg-udaṅ-mukhaḥ niṣasāda hareḥ pādau cintayan matsya-rūpiṇaḥ

Nachdem der königliche Weise Kuśagras mit den Spitzen nach Osten ausgebreitet hatte, setzte er sich, das Gesicht nach Nordosten gewandt, an die Füße Haris, an den in Fischgestalt Weilenden denkend.

Wort für Wort
āstīrya
nachdem er ausgebreitet hatte
darbhān
Kuśagras
prāk-kūlān
mit den Spitzen nach Osten
rāja-ṛṣiḥ
der königliche Weise
prāk-udak-mukhaḥ
mit dem Gesicht nach Nordosten
niṣasāda
setzte sich
hareḥ pādau
an die Füße Haris
cintayan
denkend an
matsya-rūpiṇaḥ
den in Fischgestalt Weilenden

tataḥ samudra udvelaḥ sarvataḥ plāvayan mahīm vardhamāno mahā-meghair varṣadbhiḥ samadṛśyata

Da trat der Ozean über seine Ufer und überflutete überallhin die Erde, anschwellend durch die großen regnenden Wolken.

Wort für Wort
tataḥ
dann
samudraḥ
der Ozean
udvelaḥ
über die Ufer tretend
sarvataḥ
überallhin
plāvayan
überflutend
mahīm
die Erde
vardhamānaḥ
anschwellend
mahā-meghaiḥ
durch große Wolken
varṣadbhiḥ
die regneten
samadṛśyata
erschien

dhyāyan bhagavad-ādeśaṃ dadṛśe nāvam āgatām tām āruroha viprendrair ādāyauṣadhi-vīrudhaḥ

Über die Anweisung des Herrn meditierend, sah er das Schiff ankommen. Er bestieg es, nachdem er die Heilpflanzen und Gewächse mitgenommen hatte, zusammen mit den besten Brahmanen.

Wort für Wort
dhyāyan
meditierend
bhagavat-ādeśam
über die Anweisung des Herrn
dadṛśe
er sah
nāvam āgatām
das ankommende Schiff
tām
es
āruroha
er bestieg
vipra-indraiḥ
mit den besten Brahmanen
ādāya
nachdem er mitgenommen hatte
oṣadhi-vīrudhaḥ
die Heilpflanzen und Gewächse

tam ūcur munayaḥ prītā rājan dhyāyasva keśavam sa vai naḥ saṅkaṭād asmād avitā śaṃ vidhāsyati

Zu ihm sprachen die wohlgesonnenen Weisen: 'O König, meditiere über Keśava. Er wird uns fürwahr aus dieser Bedrängnis erretten und Heil gewähren.'

Wort für Wort
tam
zu ihm
ūcuḥ
sprachen
munayaḥ
die Weisen
prītāḥ
wohlgesonnen
rājan
o König
dhyāyasva
meditiere
keśavam
über Keśava
saḥ vai
er fürwahr
naḥ
uns
saṅkaṭāt asmāt
aus dieser Bedrängnis
avitā
wird beschützen
śam
Heil
vidhāsyati
wird gewähren

so 'nudhyātas tato rājñā prādurāsīn mahārṇave eka-śṛṅga-dharo matsyo haimo niyuta-yojanaḥ

Von ihm - dem König - meditiert, erschien er daraufhin im großen Ozean: ein goldener, einhörniger Fisch von einer Million Yojanas Ausdehnung.

Wort für Wort
saḥ
er
anudhyātaḥ
meditiert über
tataḥ
daraufhin
rājñā
vom König
prādurāsīt
erschien
mahā-arṇave
im großen Ozean
eka-śṛṅga-dharaḥ
einhörnig
matsyaḥ
der Fisch
haimaḥ
golden
niyuta-yojanaḥ
eine Million Yojanas groß

nibadhya nāvaṃ tac-chṛṅge yathokto hariṇā purā varatreṇāhinā tuṣṭas tuṣṭāva madhusūdanam

Nachdem er das Schiff an dessen Horn festgebunden hatte, mit der Schlange als Strick, wie ihm zuvor von Hari geboten worden war, pries der zufriedene König Madhusūdana.

Wort für Wort
nibadhya
nachdem er festgebunden hatte
nāvam
das Schiff
tat-śṛṅge
an dessen Horn
yathā uktaḥ
wie angewiesen
hariṇā
von Hari
purā
zuvor
varatreṇa
mit dem Strick
ahinā
der Schlange
tuṣṭaḥ
zufrieden
tuṣṭāva
er pries
madhusūdanam
Madhusūdana

śrī-rājovāca anādy-avidyopahatātma-saṃvidas tan-mūla-saṃsāra-pariśramāturāḥ yadṛcchayopasṛtā yam āpnuyur vimuktido naḥ paramo gurur bhavān

Śrī Rāja sprach: Diejenigen, deren Selbsterkenntnis durch anfanglose Unwissenheit getrübt ist und die, deren Wurzel eben diese ist, von der Mühsal des Daseinskreislaufs geplagt sind - sie mögen dich, den Geber der Befreiung, durch Fügung erlangen. Du bist unser höchster Lehrer.

Wort für Wort
śrī-rājā uvāca
Śrī Rāja sprach
anādi-avidyā
durch anfanglose Unwissenheit
upahata-ātma-saṃvidaḥ
deren Selbsterkenntnis getrübt ist
tat-mūla
deren Wurzel dies ist
saṃsāra-pariśrama-āturāḥ
von der Mühsal des Daseinskreislaufs Geplagte
yadṛcchayā
durch Fügung
upasṛtāḥ
sich nähernd
yam
den
āpnuyuḥ
sie mögen erlangen
vimukti-daḥ
der Geber der Befreiung
naḥ
unser
paramaḥ guruḥ
höchster Lehrer
bhavān
du

jano 'budho 'yaṃ nija-karma-bandhanaḥ sukhecchayā karma samīhate 'sukham yat-sevayā tāṃ vidhunoty asan-matiṃ granthiṃ sa bhindyād dhṛdayaṃ sa no guruḥ

Dieser unwissende Mensch, gefesselt durch die eigenen Taten, unternimmt aus Verlangen nach Glück leidvolle Handlungen. Wer durch dessen Dienst jenen falschen Sinn abschüttelt und den Knoten des Herzens durchtrennt - der ist unser Lehrer.

Wort für Wort
janaḥ abudhaḥ ayam
dieser unwissende Mensch
nija-karma-bandhanaḥ
gefesselt durch die eigenen Taten
sukha-icchayā
aus Verlangen nach Glück
karma samīhate
unternimmt Handlung
asukham
leidvolle
yat-sevayā
durch dessen Dienst
tām
jene
vidhunoti
abschüttelt
asat-matim
den falschen Sinn
granthim
den Knoten
saḥ bhindyāt
der durchtrenne
hṛdayam
des Herzens
saḥ naḥ guruḥ
der ist unser Lehrer

yat-sevayāgner iva rudra-rodanaṃ pumān vijahyān malam ātmanas tamaḥ bhajeta varṇaṃ nijam eṣa so 'vyayo bhūyāt sa īśaḥ paramo guror guruḥ

Durch dessen Dienst möge der Mensch - wie [der Rauch] durch das Feuer [vergeht - Anm.: Stelle unsicher] - den Schmutz und die Finsternis des Selbst ablegen und zu seiner eigenen, unvergänglichen Natur gelangen. Er, der Herr, sei der höchste Lehrer der Lehrer.

Wort für Wort
yat-sevayā
durch dessen Dienst
agneḥ iva
wie durch Feuer
rudra-rodanam
[Anm.: unsichere Stelle, wörtl. etwa 'das Weinen/der Rauch']
pumān
der Mensch
vijahyāt
möge ablegen
malam
den Schmutz
ātmanaḥ
des Selbst
tamaḥ
die Finsternis
bhajeta
möge erlangen
varṇam nijam
die eigene Natur
eṣaḥ saḥ avyayaḥ
dieser Unvergängliche
bhūyāt
möge sein
saḥ īśaḥ
er, der Herr
paramaḥ guroḥ guruḥ
der höchste Lehrer der Lehrer

'agner iva rudra-rodanam' ist eine sprachlich schwierige, mehrdeutige Stelle [?]; sinngemäß auf einen Reinigungsvorgang durch Feuer bezogen wiedergegeben.

na yat-prasādāyuta-bhāga-leśam anye ca devā guravo janāḥ svayam kartuṃ sametāḥ prabhavanti puṃsas tam īśvaraṃ tvāṃ śaraṇaṃ prapadye

Nicht einmal einen winzigen Teil - ein Zehntausendstel - deiner Gnade vermögen andere Götter, Lehrer und Menschen, selbst wenn sie sich vereinten, für den Menschen zu bewirken. Zu dir, dem Herrn, nehme ich Zuflucht.

Wort für Wort
na
nicht
yat-prasāda
dessen Gnade
ayuta-bhāga-leśam
einen winzigen Teil von einem Zehntausendstel
anye ca devāḥ
und andere Götter
guravaḥ
Lehrer
janāḥ
Menschen
svayam
selbst
kartum
zu bewirken
sametāḥ
vereint
prabhavanti
vermögen
puṃsaḥ
für den Menschen
tam īśvaram
zu jenem Herrn
tvām
dir
śaraṇam prapadye
nehme ich Zuflucht

acakṣur-andhasya yathāgraṇīḥ kṛtas tathā janasyāviduṣo 'budho guruḥ tvam arka-dṛk sarva-dṛśāṃ samīkṣaṇo vṛto gurur naḥ sva-gatiṃ bubhutsatām

So wie ein Blinder sich einen [ebenso blinden] Führer nimmt, so nimmt sich der unwissende Mensch einen unwissenden Lehrer. Du aber, dessen Auge der Sonne gleicht, der Betrachter aller Sehenden, bist von uns, die wir unser eigenes Ziel erkennen wollen, als Lehrer erwählt.

Wort für Wort
acakṣuḥ-andhasya
für einen Blinden ohne Auge
yathā
wie
agraṇīḥ kṛtaḥ
ein Führer genommen wird
tathā
ebenso
janasya aviduṣaḥ
für den unwissenden Menschen
abudhaḥ guruḥ
ein unwissender Lehrer
tvam
du
arka-dṛk
dessen Auge der Sonne gleicht
sarva-dṛśām
aller Sehenden
samīkṣaṇaḥ
der Betrachter
vṛtaḥ guruḥ
als Lehrer erwählt
naḥ
von uns
sva-gatim
das eigene Ziel
bubhutsatām
für die, die erkennen wollen

jano janasyādiśate 'satīṃ gatiṃ yayā prapadyeta duratyayaṃ tamaḥ tvaṃ tv avyayaṃ jñānam amogham añjasā prapadyate yena jano nijaṃ padam

Ein Mensch weist dem andern einen trügerischen Weg, durch den er in schwer überwindbare Finsternis gerät. Du aber gewährst unvergängliches, untrügliches Wissen, durch das der Mensch unmittelbar zu seiner eigenen wahren Stätte gelangt.

Wort für Wort
janaḥ
ein Mensch
janasya
einem anderen
ādiśate
weist
asatīm gatim
eine trügerische Bahn
yayā
durch die
prapadyeta
er gelangt
duratyayam tamaḥ
schwer überwindbare Finsternis
tvam tu
du aber
avyayam jñānam
unvergängliches Wissen
amogham
untrügliches
añjasā
unmittelbar
prapadyate
erlangt
yena
durch das
janaḥ
der Mensch
nijam padam
die eigene Stätte

tvaṃ sarva-lokasya suhṛt priyeśvaro hy ātmā gurur jñānam abhīṣṭa-siddhiḥ tathāpi loko na bhavantam andha-dhīr jānāti santaṃ hṛdi baddha-kāmaḥ

Du bist der Freund aller Welten, der geliebte Herr, fürwahr das Selbst, der Lehrer, das Wissen und die Erfüllung alles Erwünschten. Dennoch erkennt dich die Welt, deren Verstand verblendet und deren Begehren gebunden ist, nicht, obwohl du im Herzen gegenwärtig bist.

Wort für Wort
tvam
du
sarva-lokasya suhṛt
der Freund aller Welten
priya-īśvaraḥ
der geliebte Herr
hi ātmā
fürwahr das Selbst
guruḥ
der Lehrer
jñānam
das Wissen
abhīṣṭa-siddhiḥ
die Erfüllung des Erwünschten
tathā api
dennoch
lokaḥ
die Welt
na
nicht
bhavantam
dich
andha-dhīḥ
mit verblendetem Verstand
jānāti
erkennt
santam
der gegenwärtig ist
hṛdi
im Herzen
baddha-kāmaḥ
dessen Begehren gebunden ist

taṃ tvām ahaṃ deva-varaṃ vareṇyaṃ prapadya īśaṃ pratibodhanāya chindhy artha-dīpair bhagavan vacobhir granthīn hṛdayyān vivṛṇu svam okaḥ

Zu dir, dem besten der Götter, dem Erwählenswerten, dem Herrn, nehme ich Zuflucht, auf dass mein Wissen erweckt werde. Durchtrenne, o Herr, mit deinen erleuchtenden Worten die Knoten meines Herzens, und offenbare mir deine eigene Wohnstatt.

Wort für Wort
tam tvām
zu dir
aham
ich
deva-varam
den besten der Götter
vareṇyam
den Erwählenswerten
prapadye
ich nehme Zuflucht
īśam
zum Herrn
pratibodhanāya
zur Erweckung des Wissens
chindhi
durchtrenne
artha-dīpaiḥ
mit erleuchtenden
bhagavan
o Herr
vacobhiḥ
mit Worten
granthīn
die Knoten
hṛdayyān
des Herzens
vivṛṇu
offenbare
svam okaḥ
deine eigene Wohnstatt

śrī-śuka uvāca ity uktavantaṃ nṛpatiṃ bhagavān ādi-pūruṣaḥ matsya-rūpī mahāmbhodhau viharaṃs tattvam abravīt

Śrī Śuka sprach: Dem so sprechenden König erzählte der erhabene Urmensch, in Fischgestalt sich im großen Ozean vergnügend, die Wahrheit.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
iti uktavantam
dem so gesprochen habenden
nṛpatim
König
bhagavān
der Erhabene
ādi-pūruṣaḥ
die Urperson
matsya-rūpī
in Fischgestalt
mahā-ambhodhau
im großen Ozean
viharan
sich vergnügend
tattvam
die Wahrheit
abravīt
sprach

purāṇa-saṃhitāṃ divyāṃ sāṅkhya-yoga-kriyāvatīm satyavratasya rāja-ṛṣer ātma-guhyam aśeṣataḥ

Er erzählte dem königlichen Weisen Satyavrata vollständig das Geheimnis des Selbst - die göttliche Purāṇa-Sammlung, die Sāṅkhya, Yoga und rechtes Handeln enthält.

Wort für Wort
purāṇa-saṃhitām
die Purāṇa-Sammlung
divyām
die göttliche
sāṅkhya-yoga-kriyāvatīm
die Sāṅkhya, Yoga und Handlung enthält
satyavratasya
dem Satyavrata
rāja-ṛṣeḥ
dem königlichen Weisen
ātma-guhyam
das Geheimnis des Selbst
aśeṣataḥ
vollständig

aśrauṣīd ṛṣibhiḥ sākam ātma-tattvam asaṃśayam nāvy āsīno bhagavatā proktaṃ brahma sanātanam

Zusammen mit den Weisen, im Schiff sitzend, hörte er die zweifelsfreie Wahrheit vom Selbst - das ewige Brahman, vom Erhabenen verkündet.

Wort für Wort
aśrauṣīt
er hörte
ṛṣibhiḥ sākam
zusammen mit den Weisen
ātma-tattvam
die Wahrheit vom Selbst
asaṃśayam
zweifelsfrei
nāvi āsīnaḥ
im Schiff sitzend
bhagavatā
vom Erhabenen
proktam
verkündet
brahma sanātanam
das ewige Brahman

atīta-pralayāpāya utthitāya sa vedhase hatvāsuraṃ hayagrīvaṃ vedān pratyāharad dhariḥ

Nachdem er den Dämon Hayagrīva getötet hatte, brachte Hari dem Schöpfer Brahmā, der nach dem Ende der vergangenen Auflösung erwacht war, die Veden zurück.

Wort für Wort
atīta-pralaya-apāye
nach dem Ende der vergangenen Auflösung
utthitāya
dem erwachten
saḥ vedhase
jenem Schöpfer
hatvā
nachdem er getötet hatte
asuram hayagrīvam
den Dämon Hayagrīva
vedān
die Veden
pratyāharat
brachte zurück
hariḥ
Hari

sa tu satyavrato rājā jñāna-vijñāna-saṃyutaḥ viṣṇoḥ prasādāt kalpe 'sminn āsīd vaivasvato manuḥ

Jener König Satyavrata aber, ausgestattet mit Wissen und dessen Verwirklichung, wurde durch die Gnade Viṣṇus in diesem kalpa zum Vaivasvata Manu.

Wort für Wort
saḥ tu satyavrataḥ rājā
jener König Satyavrata aber
jñāna-vijñāna-saṃyutaḥ
ausgestattet mit Wissen und dessen Verwirklichung
viṣṇoḥ prasādāt
durch die Gnade Viṣṇus
kalpe asmin
in diesem kalpa
āsīt
wurde
vaivasvataḥ manuḥ
der Vaivasvata Manu

satyavratasya rāja-ṛṣer māyā-matsyasya śārṅgiṇaḥ saṃvādaṃ mahad-ākhyānaṃ śrutvā mucyeta kilbiṣāt

Wer diese große Erzählung vom Zwiegespräch des königlichen Weisen Satyavrata mit dem durch māyā erschienenen Fisch, dem Träger des Bogens Śārṅga, gehört hat, wird von aller Schuld befreit.

Wort für Wort
satyavratasya
Satyavratas
rāja-ṛṣeḥ
des königlichen Weisen
māyā-matsyasya
des durch māyā erschienenen Fisches
śārṅgiṇaḥ
des Trägers des Bogens Śārṅga
saṃvādam
das Zwiegespräch
mahat-ākhyānam
die große Erzählung
śrutvā
nachdem er gehört hat
mucyeta
möge er befreit werden
kilbiṣāt
von Schuld

avatāraṃ harer yo 'yaṃ kīrtayed anv-ahaṃ naraḥ saṅkalpās tasya sidhyanti sa yāti paramāṃ gatim

Der Mensch, der diese Inkarnation Haris Tag für Tag besingt, dessen Wünsche gehen in Erfüllung, und er geht ein in das höchste Ziel.

Wort für Wort
avatāram hareḥ
die Inkarnation Haris
yaḥ ayam
diese, welche
kīrtayet
besinge
anu-aham
Tag für Tag
naraḥ
der Mensch
saṅkalpāḥ tasya
dessen Wünsche
sidhyanti
gehen in Erfüllung
saḥ yāti
er geht ein
paramām gatim
in das höchste Ziel

pralaya-payasi dhātuḥ supta-śakter mukhebhyaḥ śruti-gaṇam apanītaṃ pratyupādatta hatvā diti-jam akathayad yo brahma satyavratānāṃ tam aham akhila-hetuṃ jihma-mīnaṃ nato 'smi

Ihm, der aus den Mündern des Schöpfers, dessen Kraft im Schlaf eingeschlafen war, die geraubten Veden zurücknahm, nachdem er den Sohn Ditis getötet hatte, und der dem Satyavrata das Brahman verkündete - ihm, der Ursache von allem, dem listenreichen Fisch, verneige ich mich.

Wort für Wort
pralaya-payasi
in den Wassern der Auflösung
dhātuḥ
des Schöpfers
supta-śakteḥ
dessen Kraft eingeschlafen war
mukhebhyaḥ
aus den Mündern
śruti-gaṇam
die Gesamtheit der Veden
apanītam
geraubte
pratyupādatta
nahm zurück
hatvā
nachdem er getötet hatte
diti-jam
den Sohn Ditis
akathayat
er verkündete
yaḥ
der
brahma
das Brahman
satyavratānām
dem Satyavrata
tam
ihm
aham
ich
akhila-hetum
der Ursache von allem
jihma-mīnam
dem listenreichen Fisch
nataḥ asmi
verneige ich mich

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