Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 161: Kṣīra-sāgara-manthanam Das Quirlen des Milchozeans

śrī-śuka uvāca | pīte gare vṛṣāṅkeṇa prītās te 'mara-dānavāḥ | mamanthus tarasā sindhuṁ havirdhānī tato 'bhavat

Śrī Śuka sprach: Nachdem das Gift von dem, der das Stierzeichen trägt [Śiva], getrunken worden war, quirlten die erfreuten Götter und Dämonen mit Kraft den Ozean, und daraufhin entstand die Kuh Havirdhānī [Surabhi, die Spenderin der Opfergaben].

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
pīte
nachdem getrunken war
gare
das Gift
vṛṣa-aṅkeṇa
von dem mit dem Stierzeichen (Śiva)
prītāḥ
erfreut
te
sie
amara-dānavāḥ
Götter und Dämonen
mamanthuḥ
sie quirlten
tarasā
mit Kraft
sindhum
den Ozean
havirdhānī
die Opfergaben-Trägerin (Kuh Surabhi)
tataḥ
daraufhin
abhavat
entstand

tām agni-hotrīm ṛṣayo jagṛhur brahma-vādinaḥ | yajñasya deva-yānasya medhyāya haviṣe nṛpa

O König, jene für das Agnihotra-Opfer geeignete Kuh nahmen die Weisen, die Kenner der vedischen Lehre, in Empfang, um für das zu den Göttern führende Opfer die reine Opfergabe [Ghee] zu gewinnen.

Wort für Wort
tām
sie (die Kuh)
agni-hotrīm
die für das Agnihotra-Opfer geeignete
ṛṣayaḥ
die Weisen
jagṛhuḥ
nahmen (in Empfang)
brahma-vādinaḥ
die Kenner der vedischen Lehre
yajñasya
des Opfers
deva-yānasya
das zu den Göttern führt
medhyāya
für das reine
haviṣe
für die Opfergabe
nṛpa
o König

tan naicchan daitya-patayo mahā-puruṣa-ceṣṭitam | na gṛhṇīmo vayaṁ puccham aher aṅgam amaṅgalam

Das wollten die Daitya-Fürsten nicht, [obwohl es] die Anordnung der Großen Person [des Herrn] war: 'Wir nehmen nicht den Schwanz, das unheilvolle Glied der Schlange [Vāsuki]', [sagten sie].

Wort für Wort
tat
das
na aicchan
sie wollten nicht
daitya-patayaḥ
die Daitya-Fürsten
mahā-puruṣa-ceṣṭitam
die Anordnung/das Handeln der Großen Person
na gṛhṇīmaḥ
wir nehmen nicht
vayam
wir
puccham
den Schwanz
aheḥ
der Schlange
aṅgam
das Glied
amaṅgalam
das unheilvolle

Bezug auf die Vorgeschichte: Zuweisung von Kopf- und Schwanzende der Schlange Vāsuki an Götter/Dämonen beim Quirlen.

tata airāvato nāma vāraṇendro vinirgataḥ | dantaiś caturbhiḥ śvetādrer haran bhagavato mahim

Daraufhin trat der Elefantenfürst namens Airāvata hervor, der mit seinen vier Stoßzähnen, [weiß] wie der Weiße Berg [Kailāsa], gleichsam die Herrlichkeit des Herrn raubte [ihr gleichkam].

Wort für Wort
tataḥ
daraufhin
airāvataḥ nāma
namens Airāvata
vāraṇa-indraḥ
der Elefantenfürst
vinirgataḥ
trat hervor
dantaiḥ caturbhiḥ
mit vier Stoßzähnen
śveta-adreḥ
des Weißen Berges (Kailāsa, wie)
haran
raubend/gleichkommend
bhagavataḥ
des Herrn
mahim
die Herrlichkeit

[?] Bezug von "bhagavataḥ" unsicher – evtl. Śiva (wegen Kailāsa-Vergleich) oder allgemein göttliche Herrlichkeit; sparsamste Lesart gewählt.

airāvaṇādayas tv aṣṭau dig-gajā abhavaṁs tataḥ | abhramu-prabhṛtayo 'ṣṭau ca kariṇyas tv abhavan nṛpa

Daraufhin entstanden acht Elefanten der Himmelsrichtungen, angeführt von Airāvaṇa, o König, und auch acht Elefantenkühe, angeführt von Abhramu.

Wort für Wort
airāvaṇa-ādayaḥ
angeführt von Airāvaṇa
tu
aber/und
aṣṭau
acht
dik-gajāḥ
Elefanten der Himmelsrichtungen
abhavan
entstanden
tataḥ
daraufhin
abhramu-prabhṛtayaḥ
angeführt von Abhramu
aṣṭau
acht
ca
und
kariṇyaḥ
Elefantenkühe
tu
auch
abhavan
entstanden
nṛpa
o König

kaustubhākhyam abhūd ratnaṁ padmarāgo mahodadheḥ | tasmin maṇau spṛhāṁ cakre vakṣo-'laṅkaraṇe hariḥ

Aus dem großen Ozean entstand ein Juwel namens Kaustubha, ein Padmarāga-Rubin; nach jenem Juwel fasste Hari Verlangen, um damit seine Brust zu schmücken.

Wort für Wort
kaustubha-ākhyam
mit Namen Kaustubha
abhūt
entstand
ratnam
ein Juwel
padmarāgaḥ
ein Padmarāga (Rubin)
mahā-udadheḥ
aus dem großen Ozean
tasmin maṇau
nach jenem Juwel
spṛhām cakre
fasste Verlangen
vakṣaḥ-alaṅkaraṇe
zur Zierde der Brust
hariḥ
Hari (Viṣṇu)

tato 'bhavat pārijātaḥ sura-loka-vibhūṣaṇam | pūrayaty arthino yo 'rthaiḥ śaśvad bhuvi yathā bhavān

Daraufhin entstand der Pārijāta-Baum, die Zierde der Götterwelt, welcher den Bittenden beständig mit den erwünschten Dingen ihre Wünsche erfüllt – auf Erden so, wie du [o König, es tust].

Wort für Wort
tataḥ
daraufhin
abhavat
entstand
pārijātaḥ
der Pārijāta-Baum
sura-loka-vibhūṣaṇam
die Zierde der Götterwelt
pūrayati
erfüllt
arthinaḥ
den Bittenden
yaḥ
welcher
arthaiḥ
mit den erwünschten Dingen
śaśvat
beständig
bhuvi
auf Erden
yathā
wie
bhavān
du (Eure Ehren)

"yathā bhavān": vermutlich schmeichelnder Vergleich Śukadevas mit König Parīkṣit als Wunscherfüller.

tataś cāpsaraso jātā niṣka-kaṇṭhyaḥ suvāsasaḥ | ramaṇyaḥ svargiṇāṁ valgu-gati-līlāvalokanaiḥ

Und daraufhin entstanden die Apsaras, mit goldenen Halsketten geschmückt und schön gekleidet, bezaubernd für die Himmelsbewohner durch ihren lieblichen Gang und ihre spielerischen Blicke.

Wort für Wort
tataḥ ca
und daraufhin
apsarasaḥ
die Apsaras
jātāḥ
entstanden
niṣka-kaṇṭhyaḥ
mit goldenen Halsketten geschmückt
su-vāsasaḥ
schön gekleidet
ramaṇyaḥ
bezaubernd
svargiṇām
für die Himmelsbewohner
valgu-gati-līlā-avalokanaiḥ
durch lieblichen Gang und spielerische Blicke

tataś cāvirabhūt sākṣāc chrī ramā bhagavat-parā | rañjayantī diśaḥ kāntyā vidyut saudāmanī yathā

Und daraufhin erschien leibhaftig Śrī, [genannt] Ramā, ganz dem Herrn ergeben, die mit ihrem Glanz die Himmelsrichtungen erhellte, wie der Blitz Saudāmanī.

Wort für Wort
tataḥ ca
und daraufhin
āvirabhūt
erschien
sākṣāt
leibhaftig
śrī ramā
Śrī, genannt Ramā
bhagavat-parā
ganz dem Herrn ergeben
rañjayantī
erhellend
diśaḥ
die Himmelsrichtungen
kāntyā
mit ihrem Glanz
vidyut saudāmanī yathā
wie der Blitz Saudāmanī

tasyāṁ cakruḥ spṛhāṁ sarve sasurāsuramānavāḥ | rūpaudāryavayovarṇa mahimākṣiptacetasaḥ

Nach ihr fassten alle Verlangen, Götter, Dämonen und Menschen zugleich, deren Sinn gefesselt war von der Erhabenheit ihrer Schönheit, Großmut, Jugend und ihres Glanzes.

Wort für Wort
tasyām
nach ihr
cakruḥ spṛham
fassten Verlangen
sarve
alle
sa-sura-asura-mānavāḥ
samt Göttern, Dämonen und Menschen
rūpa-audārya-vayaḥ-varṇa-mahimā
Erhabenheit von Schönheit, Großmut, Jugend, Glanz
ākṣipta-cetasaḥ
deren Sinn gefesselt war

tasyā āsanam āninye mahendro mahad adbhutam | mūrtimatyaḥ saric-chreṣṭhā hema-kumbhair jalaṁ śuci

Für sie brachte der große Indra einen großartigen, wunderbaren Sitz herbei; die besten Flüsse [erschienen] in verkörperter Gestalt und [brachten] reines Wasser in goldenen Krügen.

Wort für Wort
tasyāḥ
für sie
āsanam
einen Sitz
āninye
brachte herbei
mahā-indraḥ
der große Indra
mahat adbhutam
einen großen, wunderbaren
mūrtimatyaḥ
in verkörperter Gestalt
sarit-śreṣṭhāḥ
die besten Flüsse
hema-kumbhaiḥ
mit goldenen Krügen
jalam
Wasser
śuci
rein

ābhiṣecanikā bhūmir āharat sakalauṣadhīḥ | gāvaḥ pañca pavitrāṇi vasanto madhu-mādhavau

Die Erde brachte alle für die Weihezeremonie [geeigneten] Kräuter herbei, die Kühe die fünf reinigenden Erzeugnisse [Pañcagavya], und der Frühling [brachte] seine beiden Monate Madhu und Mādhava.

Wort für Wort
ābhiṣecanikā
für die Weihe-(Abhiṣeka-)Zeremonie geeignet
bhūmiḥ
die Erde
āharat
brachte herbei
sakala-oṣadhīḥ
alle Kräuter
gāvaḥ
die Kühe
pañca pavitrāṇi
die fünf reinigenden (Kuh-Erzeugnisse)
vasantaḥ
der Frühling
madhu-mādhavau
(die Monate) Madhu und Mādhava

ṛṣayaḥ kalpayāṁ cakrur abhiṣekaṁ yathāvidhi | jagur bhadrāṇi gandharvā naṭyaś ca nanṛtur jaguḥ

Die Weisen vollzogen vorschriftsgemäß die Weihewaschung; die Gandharvas sangen Segenslieder, und die Tänzerinnen tanzten und sangen.

Wort für Wort
ṛṣayaḥ
die Weisen
kalpayāṁ cakruḥ
vollzogen
abhiṣekam
die Weihewaschung
yathā-vidhi
vorschriftsgemäß
jaguḥ
sie sangen
bhadrāṇi
Segenslieder
gandharvāḥ
die Gandharvas
naṭyaḥ ca
und die Tänzerinnen
nanṛtuḥ
tanzten
jaguḥ
sangen

meghā mṛdaṅga-paṇava-muraja-ānaka-gomukhān | vyanādayan śaṅkha-veṇu-vīṇās tumula-niḥsvanān

Die Wolken[götter] ließen die Trommeln – Mṛdaṅga, Paṇava, Muraja, Ānaka und Gomukha – erschallen, sowie Muschelhörner, Flöten und Vīṇās, mit tosendem Klang.

Wort für Wort
meghāḥ
die Wolken(götter)
mṛdaṅga-paṇava-muraja-ānaka-gomukhān
die Trommelarten Mṛdaṅga, Paṇava, Muraja, Ānaka, Gomukha
vyanādayan
ließen erschallen
śaṅkha-veṇu-vīṇāḥ
Muschelhörner, Flöten, Vīṇās
tumula-niḥsvanān
mit tosendem Klang

tato 'bhiṣiṣicur devīṁ śriyaṁ padma-karāṁ satīm | digibhāḥ pūrṇa-kalaśaiḥ sūkta-vākyair dvijeritaiḥ

Daraufhin besprengten die Elefanten der Himmelsrichtungen mit gefüllten Krügen die Göttin Śrī, die Tugendhafte, die einen Lotos in der Hand trägt, während die Brahmanen vedische Hymnenworte rezitierten.

Wort für Wort
tataḥ
daraufhin
abhiṣiṣicuḥ
sie weihten/besprengten
devīm
die Göttin
śriyam
Śrī
padma-karām
die einen Lotos in der Hand hält
satīm
die Tugendhafte
dig-ibhāḥ
die Elefanten der Himmelsrichtungen
pūrṇa-kalaśaiḥ
mit gefüllten Krügen
sūkta-vākyaiḥ
mit vedischen Hymnenworten
dvija-īritaiḥ
von den Brahmanen gesprochen

samudraḥ pīta-kauśeya vāsasī samupāharat | varuṇaḥ srajaṁ vaijayantīṁ madhunā matta-ṣaṭpadām

Der Ozean brachte ein Paar gelbe Seidengewänder dar; Varuṇa [schenkte] die Girlande Vaijayantī, um die vor Honig trunkene Bienen [schwärmten].

Wort für Wort
samudraḥ
der Ozean
pīta-kauśeya vāsasī
ein Paar gelbe Seidengewänder
samupāharat
brachte dar
varuṇaḥ
Varuṇa
srajam
eine Girlande
vaijayantīm
namens Vaijayantī
madhunā
vom Honig
matta-ṣaṭpadām
mit trunkenen Bienen (umschwärmt)

bhūṣaṇāni vicitrāṇi viśvakarmā prajāpatiḥ | hāraṁ sarasvatī padmam ajo nāgāś ca kuṇḍale

Der Prajāpati Viśvakarmā [schenkte] mannigfaltige Schmuckstücke, Sarasvatī eine Halskette, der Ungeborene [Brahmā] einen Lotos, und die Nāgas ein Paar Ohrringe.

Wort für Wort
bhūṣaṇāni
Schmuckstücke
vicitrāṇi
mannigfaltige
viśvakarmā prajāpatiḥ
der Prajāpati Viśvakarmā
hāram
eine Halskette
sarasvatī
Sarasvatī
padmam
einen Lotos
ajaḥ
der Ungeborene (Brahmā)
nāgāḥ ca
und die Nāgas
kuṇḍale
ein Paar Ohrringe

tataḥ kṛta-svasty-ayanotpala-srajaṁ nadad-dvirephāṁ parigṛhya pāṇinā | cacāla vaktraṁ su-kapola-kuṇḍalaṁ savrīḍa-hāsaṁ dadhatī su-śobhanam

Darauf, nachdem die Segensriten vollzogen waren, ergriff sie mit der Hand eine von summenden Bienen umschwärmte Lotosgirlande und schritt einher, ihr wunderschönes Antlitz mit schönen Wangen und Ohrringen, ein schamhaftes Lächeln tragend.

Wort für Wort
tataḥ
darauf
kṛta-svasti-ayana
nachdem die Segensriten vollzogen waren
utpala-srajam
eine Lotosgirlande
nadat-dvirephām
von summenden Bienen (umschwärmt)
parigṛhya
ergreifend
pāṇinā
mit der Hand
cacāla
schritt sie
vaktram
(ihr) Antlitz
su-kapola-kuṇḍalam
mit schönen Wangen und Ohrringen
sa-vrīḍa-hāsam
mit schamhaftem Lächeln
dadhatī
tragend
su-śobhanam
wunderschön

stana-dvayaṁ cāti-kṛśodarī samaṁ nirantaraṁ candana-kuṅkumokṣitam | tatas tato nūpura-valgu-śiñjitair visarpatī hema-lateva sā babhau

Sie, mit sehr schlanker Taille, deren Brustpaar gleichmäßig und durchgängig mit Sandelpaste und Kuṅkuma benetzt war, erstrahlte, indem sie mit dem lieblichen Klirren ihrer Fußspangen hierhin und dorthin dahinglitt, wie eine goldene Ranke.

Wort für Wort
stana-dvayam
das Brustpaar
ca
und
ati-kṛśa-udarī
die sehr schlank Taillierte
samam
gleichmäßig
nirantaram
durchgängig
candana-kuṅkuma-ukṣitam
mit Sandelpaste und Kuṅkuma benetzt
tatas tataḥ
hierhin und dorthin
nūpura-valgu-śiñjitaiḥ
mit dem lieblichen Klirren der Fußspangen
visarpatī
dahingleitend
hema-latā iva
wie eine goldene Ranke
sā
sie
babhau
erstrahlte

vilokayantī niravadyam ātmanaḥ padaṁ dhruvaṁ cāvyabhicāri-sad-guṇam | gandharva-siddhāsura-yakṣa-cāraṇa-traipiṣṭapeyādiṣu nānvavindata

Sie suchte für sich einen tadellosen, beständigen Platz [Gemahl] mit unwandelbar guten Eigenschaften, fand aber unter den Gandharvas, Siddhas, Asuras, Yakṣas, Cāraṇas, den Himmelsbewohnern und anderen keinen.

Wort für Wort
vilokayantī
umherblickend/suchend
niravadyam
tadellos
ātmanaḥ
für sich selbst
padam
einen Platz (Gemahl)
dhruvam
beständig
ca
und
avyabhicāri-sad-guṇam
mit unwandelbar guten Eigenschaften
gandharva-siddha-asura-yakṣa-cāraṇa-traipiṣṭapeya-ādiṣu
unter Gandharvas, Siddhas, Asuras, Yakṣas, Cāraṇas, Himmelsbewohnern u.a.
na anvavindata
fand sie nicht

nūnaṁ tapo yasya na manyu-nirjayo jñānaṁ kvacit tac ca na saṅga-varjitam | kaścin mahāṁs tasya na kāma-nirjayaḥ sa īśvaraḥ kiṁ parato vyapāśrayaḥ

Fürwahr, bei manchem geht die Askese nicht mit der Überwindung des Zorns einher; bei manchem ist das Wissen nicht frei von Anhaftung; mancher Erhabene besitzt nicht die Überwindung des Verlangens – und wie könnte [ein wahrer] Herrscher von einem anderen abhängig sein?

Wort für Wort
nūnam
fürwahr
tapaḥ
Askese
yasya
dessen
na manyu-nirjayaḥ
nicht die Überwindung des Zorns
jñānam
Wissen
kvacit
bei manchem
tat ca na saṅga-varjitam
und das nicht frei von Anhaftung
kaścit mahān
mancher Erhabene
tasya na kāma-nirjayaḥ
dessen nicht die Überwindung des Verlangens
saḥ īśvaraḥ
der Herrscher
kim parataḥ vyapāśrayaḥ
wie könnte er von einem anderen abhängig sein

Elliptisch-gnomischer Stil: Lakṣmīs Erwägungen über die Mängel möglicher Freier; Satzbau sehr komprimiert.

dharmaḥ kvacit tatra na bhūta-sauhṛdaṁ tyāgaḥ kvacit tatra na mukti-kāraṇam | vīryaṁ na puṁso 'sty aja-vega-niṣkṛtaṁ na hi dvitīyo guṇa-saṅga-varjitaḥ

Bei manchem geht die Pflichterfüllung nicht mit Wohlwollen gegenüber allen Geschöpfen einher; bei manchem ist Entsagung nicht die Ursache der Befreiung; kein Mann besitzt eine Kraft, welche die Wucht der [unaufhaltsamen] Zeit zunichtemacht, denn es gibt keinen Zweiten, der frei wäre von Anhaftung an die [materiellen] Erscheinungsweisen.

Wort für Wort
dharmaḥ
Pflichterfüllung
kvacit tatra na bhūta-sauhṛdam
bei manchem darin nicht Wohlwollen gegenüber den Geschöpfen
tyāgaḥ
Entsagung
kvacit tatra na mukti-kāraṇam
bei manchem darin nicht Ursache der Befreiung
vīryam
Kraft/Tapferkeit
na puṁsaḥ asti
besitzt der Mann nicht
aja-vega-niṣkṛtam
das die Wucht der Zeit (des Ungeborenen) zunichtemacht
na hi dvitīyaḥ
denn es gibt keinen Zweiten
guṇa-saṅga-varjitaḥ
frei von Anhaftung an die Erscheinungsweisen

kvacic cirāyur na hi śīla-maṅgalaṁ kvacit tad apy asti na vedyam āyuṣaḥ | yatrobhayaṁ kutra ca so 'py amaṅgalaḥ su-maṅgalaḥ kaśca na kāṅkṣate hi mām

Mancher ist langlebig, doch nicht von gutem Charakter; bei manchem gibt es dies zwar, doch die Dauer seines Lebens ist ungewiss; und wo beides [vorhanden] ist, da ist er wiederum in anderer Hinsicht unheilvoll. Wer wäre der wahrhaft Glückverheißende – und wer begehrte mich nicht?

Wort für Wort
kvacit cira-āyuḥ
mancher langlebig
na hi śīla-maṅgalam
aber nicht von gutem Charakter
kvacit tat api asti
bei manchem gibt es das zwar
na vedyam āyuṣaḥ
das Ausmaß des Lebens ist nicht bekannt
yatra ubhayam
wo beides ist
kutra ca saḥ api amaṅgalaḥ
und irgendwo ist er dennoch unheilvoll
su-maṅgalaḥ
der wahrhaft Glückverheißende
kaḥ ca na kāṅkṣate hi mām
und wer begehrt mich nicht

evaṁ vimṛśyāvyabhicāri-sad-guṇair varaṁ nijaikāśrayatayāguṇāśrayam | vavre varaṁ sarva-guṇair apekṣitaṁ ramā mukundaṁ nirapekṣam īpsitam

So erwählte Ramā, nachdem sie [dies] überlegt hatte, wegen seiner unwandelbaren guten Eigenschaften und weil er einzig auf sich selbst beruht als Träger der [materiell] eigenschaftslosen [Wirklichkeit], zum Gemahl den von allen guten Eigenschaften Ersehnten, den unabhängigen, begehrten Mukunda.

Wort für Wort
evam
so
vimṛśya
nachdem sie überlegt hatte
avyabhicāri-sad-guṇaiḥ
durch (seine) unwandelbaren guten Eigenschaften
varam
den Gemahl
nija-eka-āśrayatayā
weil er einzig auf sich selbst beruht
aguṇa-āśrayam
den Träger des Eigenschaftslosen
vavre
erwählte
varam
den Erwählten
sarva-guṇaiḥ apekṣitam
von allen guten Eigenschaften ersehnt
ramā
Ramā
mukundam
Mukunda
nirapekṣam
den Unabhängigen
īpsitam
den Begehrten

tasyāṁsa-deśa uśatīṁ nava-kañja-mālāṁ mādyan-madhuvrata-varūtha-giropaghuṣṭām | tasthau nidhāya nikaṭe tad-uraḥ sva-dhāma savrīḍa-hāsa-vikasan-nayanena yātā

Sie, die [zu ihm] gegangen war, legte auf dessen Schulterbereich eine begehrenswerte Girlande aus frischen Lotosblüten, umsummt vom Lärm berauschter Bienenscharen, und verweilte, mit vor schamhaftem Lächeln sich weitenden Augen, nahe bei dessen Brust, die [fortan] ihre eigene Wohnstatt [war].

Wort für Wort
tasya aṁsa-deśe
auf dessen Schulterbereich
uśatīm
die begehrenswerte
nava-kañja-mālām
eine Girlande aus frischen Lotosblüten
mādyat-madhuvrata-varūtha-gira-upaghuṣṭām
umsummt vom Lärm berauschter Bienenscharen
tasthau
sie verweilte
nidhāya
nachdem sie (sie) gelegt hatte
nikaṭe
in der Nähe
tat-uraḥ
dessen Brust
sva-dhāma
ihre eigene Wohnstatt
sa-vrīḍa-hāsa-vikasat-nayanena
mit vor schamhaftem Lächeln sich weitenden Augen
yātā
die gegangen war

Komplexer kāvya-Satzbau; Syntax auf mehrere Verszeilen verteilt.

tasyāḥ śriyas tri-jagato janako jananyā vakṣo nivāsam akarot paramaṁ vibhūteḥ | śrīḥ svāḥ prajāḥ sa-karuṇena nirīkṣaṇena yatra sthitaidhayata sādhipatīṁs tri-lokān

Für jene Śrī, die Mutter [aller], machte der Vater der drei Welten seine Brust zur höchsten Wohnstatt der Herrlichkeit; und Śrī, dort weilend, ließ mit mitleidsvollem Blick ihre eigenen Geschöpfe, die drei Welten samt ihren Herrschern, gedeihen.

Wort für Wort
tasyāḥ śriyaḥ
für jene Śrī
tri-jagataḥ janakaḥ
der Vater der drei Welten
jananyāḥ
der Mutter
vakṣaḥ
(seine) Brust
nivāsam akarot
machte er zur Wohnstatt
paramam vibhūteḥ
die höchste der Herrlichkeit
śrīḥ
Śrī
svāḥ prajāḥ
ihre eigenen Geschöpfe
sa-karuṇena nirīkṣaṇena
mit mitleidsvollem Blick
yatra sthitā
dort weilend
edhayata
ließ gedeihen
sa-adhipatīn tri-lokān
die drei Welten samt ihren Herrschern

śaṅkha-tūrya-mṛdaṅgānāṁ vāditrāṇāṁ pṛthuḥ svanaḥ | devānugānāṁ sa-strīṇāṁ nṛtyatāṁ gāyatām abhūt

Ein gewaltiger Klang von Muschelhörnern, Trompeten, Trommeln und [anderen] Musikinstrumenten erhob sich, [begleitet] von den Gefolgsleuten der Götter samt ihren Frauen, die tanzten und sangen.

Wort für Wort
śaṅkha-tūrya-mṛdaṅgānām
von Muschelhörnern, Trompeten, Trommeln
vāditrāṇām
der Musikinstrumente
pṛthuḥ svanaḥ
ein gewaltiger Klang
deva-anugānām
der Gefolgsleute der Götter
sa-strīṇām
samt ihren Frauen
nṛtyatām
die tanzten
gāyatām
die sangen
abhūt
erhob sich

brahma-rudrāṅgiro-mukhyāḥ sarve viśva-sṛjo vibhum | īḍire 'vitathair mantrais tal-liṅgaiḥ puṣpa-varṣiṇaḥ

Alle Weltenschöpfer, angeführt von Brahmā, Rudra und Aṅgiras, priesen den Allmächtigen mit unfehlbaren Mantras, die seine [göttlichen] Merkmale [besingen], und ließen Blüten herabregnen.

Wort für Wort
brahma-rudra-aṅgiraḥ-mukhyāḥ
angeführt von Brahmā, Rudra und Aṅgiras
sarve viśva-sṛjaḥ
alle Weltenschöpfer
vibhum
den Allmächtigen
īḍire
sie priesen
avitathaiḥ mantraiḥ
mit unfehlbaren Mantras
tat-liṅgaiḥ
die dessen Merkmale (bezeichnen)
puṣpa-varṣiṇaḥ
Blüten regnend

śriyāvalokitā devāḥ sa-prajāpatayaḥ prajāḥ | śīlādi-guṇa-sampannā lebhire nirvṛtiṁ parām

Von Śrī erblickt, erlangten die Götter samt den Prajāpatis sowie die Geschöpfe, ausgestattet mit gutem Charakter und anderen Tugenden, höchste Freude.

Wort für Wort
śriyā
von Śrī
avalokitāḥ
erblickt
devāḥ
die Götter
sa-prajāpatayaḥ
samt den Prajāpatis
prajāḥ
die Geschöpfe
śīla-ādi-guṇa-sampannāḥ
mit gutem Charakter und anderen Tugenden ausgestattet
lebhire
erlangten
nirvṛtim parām
höchste Freude

niḥsattvā lolupā rājan nirudyogā gata-trapāḥ | yadā copekṣitā lakṣmyā babhūvur daitya-dānavāḥ

O König, als die Daityas und Dānavas von Lakṣmī übergangen wurden, wurden sie kraftlos, gierig, tatenlos und der Scham beraubt.

Wort für Wort
niḥsattvāḥ
kraftlos
lolupāḥ
gierig
rājan
o König
nirudyogāḥ
tatenlos
gata-trapāḥ
der Scham beraubt
yadā ca
und als
upekṣitāḥ
übergangen/missachtet
lakṣmyā
von Lakṣmī
babhūvuḥ
wurden
daitya-dānavāḥ
die Daityas und Dānavas

athāsīd vāruṇī devī kanyā kamala-locanā | asurā jagṛhus tāṁ vai harer anumatena te

Darauf erschien die Göttin Vāruṇī, eine lotosäugige Jungfrau; jene Asuras nahmen sie fürwahr mit Haris Erlaubnis an sich.

Wort für Wort
atha
darauf
āsīt
erschien
vāruṇī devī
die Göttin Vāruṇī
kanyā
die Jungfrau
kamala-locanā
lotosäugig
asurāḥ
die Asuras
jagṛhuḥ
nahmen an sich
tām
sie
vai
fürwahr
hareḥ anumatena
mit Haris Erlaubnis
te
jene

athodadher mathyamānāt kāśyapair amṛtārthibhiḥ | udatiṣṭhan mahārāja puruṣaḥ paramādbhutaḥ

Dann, o großer König, erhob sich aus dem Ozean, der von den nach dem Nektar verlangenden Kāśyapas gequirlt wurde, eine höchst wunderbare Person.

Wort für Wort
atha
dann
udadheḥ
aus dem Ozean
mathyamānāt
der gequirlt wurde
kāśyapaiḥ
von den Kāśyapas (Nachkommen Kaśyapas)
amṛta-arthibhiḥ
die nach dem Nektar verlangten
udatiṣṭhat
erhob sich
mahā-rāja
o großer König
puruṣaḥ
eine Person
parama-adbhutaḥ
höchst wunderbar

dīrgha-pīvara-dor-daṇḍaḥ kambu-grīvo 'ruṇekṣaṇaḥ | śyāmalas taruṇaḥ sragvī sarvābharaṇa-bhūṣitaḥ

[Er hatte] lange, kräftige Arme, einen muschelförmigen Hals, rötliche Augen, war dunkelfarben, jugendlich, bekränzt und mit allerlei Schmuck geziert.

Wort für Wort
dīrgha-pīvara-dor-daṇḍaḥ
mit langen, kräftigen (keulenartigen) Armen
kambu-grīvaḥ
mit muschelförmigem Hals
aruṇa-īkṣaṇaḥ
mit rötlichen Augen
śyāmalaḥ
dunkelfarben
taruṇaḥ
jugendlich
sragvī
bekränzt
sarva-ābharaṇa-bhūṣitaḥ
mit allerlei Schmuck geziert

pīta-vāsā mahoraskaḥ su-mṛṣṭa-maṇi-kuṇḍalaḥ | snigdha-kuñcita-keśānta subhagaḥ siṁha-vikramaḥ

Gelbgekleidet, breitbrüstig, mit blitzblank polierten Juwelenohrringen, glänzendem, gelocktem Haar, von schönem Wuchs, schritt er mit dem Gang eines Löwen einher.

Wort für Wort
pīta-vāsāḥ
gelbgekleidet
mahā-uraskaḥ
breitbrüstig
su-mṛṣṭa-maṇi-kuṇḍalaḥ
mit blitzblank polierten Juwelenohrringen
snigdha-kuñcita-keśa-antaḥ
mit glänzendem, gelocktem Haar(ansatz)
su-bhagaḥ
von schönem Wuchs
siṁha-vikramaḥ
mit dem Gang eines Löwen

amṛtāpūrṇa-kalasaṁ bibhrad valaya-bhūṣitaḥ | sa vai bhagavataḥ sākṣād viṣṇor aṁśāṁśa-sambhavaḥ

Einen mit Nektar gefüllten Krug tragend, mit Armreifen geschmückt – er war fürwahr eine unmittelbare Manifestation, entstanden aus einem Teil eines Teils des Herrn Viṣṇu selbst.

Wort für Wort
amṛta-āpūrṇa-kalasam
einen mit Nektar gefüllten Krug
bibhrat
tragend
valaya-bhūṣitaḥ
mit Armreifen geschmückt
saḥ vai
er fürwahr
bhagavataḥ
des Herrn
sākṣāt
unmittelbar
viṣṇoḥ
Viṣṇus
aṁśa-aṁśa-sambhavaḥ
aus einem Teil eines Teils entstanden

dhanvantarir iti khyāta āyur-veda-dṛg ijya-bhāk | tam ālokyāsurāḥ sarve kalasaṁ cāmṛtābhṛtam

Er war als Dhanvantari bekannt, der Seher der Āyurveda-Wissenschaft, dem Opfergaben zustehen. Als alle Asuras ihn erblickten, sowie den nektargefüllten Krug...

Wort für Wort
dhanvantariḥ iti khyātaḥ
als Dhanvantari bekannt
āyur-veda-dṛk
der Seher der Āyurveda-Wissenschaft
ijya-bhāk
dem Opfergaben zustehen
tam
ihn
ālokya
erblickend
asurāḥ sarve
alle Asuras
kalasam ca
und den Krug
amṛta-ābhṛtam
den nektargefüllten

Satz läuft syntaktisch in Vers 37 weiter (Enjambement).

lipsantaḥ sarva-vastūni kalasaṁ tarasāharan | nīyamāne 'suras tasmin kalase 'mṛta-bhājane

...in ihrem Verlangen, sich alle Dinge [des Weltmeers] anzueignen, rissen sie mit Gewalt den Krug an sich; während jener Krug, das Gefäß des Nektars, von den Asuras fortgetragen wurde...

Wort für Wort
lipsantaḥ
begehrend zu erlangen
sarva-vastūni
alle Dinge
kalasam
den Krug
tarasā
mit Gewalt
aharan
rissen sie an sich
nīyamāne
als er weggetragen wurde
asuraiḥ
von den Asuras
tasmin kalase
in jenem Krug
amṛta-bhājane
dem Gefäß des Nektars

Satz aus Vers 36 fortgesetzt und in Vers 38 abgeschlossen (Enjambement über drei Verse).

viṣaṇṇa-manaso devā hariṁ śaraṇam āyayuḥ | iti tad-dainyam ālokya bhagavān bhṛtya-kāma-kṛt | mā khidyata mitho 'rthaṁ vaḥ sādhayiṣye sva-māyayā

...die Götter, niedergeschlagenen Gemüts, nahmen [daraufhin] Zuflucht zu Hari. Als der Herr, der die Wünsche seiner Diener erfüllt, ihre Notlage erblickte, [sprach er]: 'Seid nicht untereinander bekümmert – euer Anliegen werde ich durch meine eigene Māyā vollbringen.'

Wort für Wort
viṣaṇṇa-manasaḥ
niedergeschlagenen Gemüts
devāḥ
die Götter
harim
zu Hari
śaraṇam āyayuḥ
nahmen Zuflucht
iti
so (sprach er)
tat-dainyam
deren Notlage
ālokya
erblickend
bhagavān
der Herr
bhṛtya-kāma-kṛt
der die Wünsche seiner Diener erfüllt
mā khidyata
seid nicht bekümmert
mithaḥ
untereinander
artham vaḥ
euer Anliegen
sādhayiṣye
ich werde vollbringen
sva-māyayā
durch meine eigene Māyā

Vers besteht ausnahmsweise aus 6 Pādas (Erzählung + direkte Rede); GRETIL-Nummerierung 038/1, 038/3, 038/5.

mithaḥ kalir abhūt teṣāṁ tad-arthe tarṣa-cetasām | ahaṁ pūrvam ahaṁ pūrvaṁ na tvaṁ na tvam iti prabho

Unter ihnen, deren Sinn von Gier erfüllt war, entstand um jenes [Nektars] willen ein Streit untereinander: 'Ich zuerst, ich zuerst! Nicht du, nicht du!' – so [riefen sie], o Gebieter.

Wort für Wort
mithaḥ
untereinander
kaliḥ abhūt
entstand Streit
teṣām
unter ihnen
tat-arthe
um jenes (des Nektars) willen
tarṣa-cetasām
deren Sinn von Gier erfüllt war
aham pūrvam
ich zuerst
aham pūrvam
ich zuerst
na tvam
nicht du
na tvam
nicht du
iti
so (riefen sie)
prabho
o Gebieter

[Anm.: "prabho" als Anrede ist hier ungewöhnlich (Śukadeva redet Parīkṣit sonst meist mit "rājan"/"nṛpa" an); wörtlich übernommen.

devāḥ svaṁ bhāgam arhanti ye tulyāyāsa-hetavaḥ | satra-yāga ivaitasminn eṣa dharmaḥ sanātanaḥ

'Die Götter verdienen ihren [eigenen] Anteil, da sie [an dieser Aufgabe] gleiche Mühe aufgewandt haben; wie bei einem gemeinschaftlichen [Satra-]Opfer ist dies bei diesem Unternehmen das ewige Gesetz.'

Wort für Wort
devāḥ
die Götter
svam bhāgam
ihren eigenen Anteil
arhanti
verdienen
ye
welche
tulya-āyāsa-hetavaḥ
Urheber gleicher Mühe
satra-yāge iva
wie bei einem gemeinschaftlichen Opfer
etasmin
bei diesem (Unternehmen)
eṣaḥ dharmaḥ
dies ist die Regel
sanātanaḥ
ewig/uralt

Sprecher nicht explizit genannt; sinngemäß Fortsetzung des Streitgesprächs bzw. allgemeiner dharmischer Grundsatz.

iti svān pratyaṣedhan vai daiteyā jāta-matsarāḥ | durbalāḥ prabalān rājan gṛhīta-kalasān muhuḥ

So [im Streit] wiesen die von Eifersucht erfüllten Daityas fürwahr wiederholt die eigenen [Genossen] zurück, o König: die Schwächeren die Stärkeren, die den Krug ergriffen hatten.

Wort für Wort
iti
so (sprechend)
svān
die eigenen (Leute)
pratyaṣedhan
wiesen sie zurück
vai
fürwahr
daiteyāḥ
die Daityas
jāta-matsarāḥ
von Eifersucht erfüllt
durbalāḥ
die Schwächeren
prabalān
die Stärkeren
rājan
o König
gṛhīta-kalasān
die den Krug ergriffen hatten
muhuḥ
wiederholt

etasminn antare viṣṇuḥ sarvopāya-vid īśvaraḥ | yoṣid-rūpam anirdeśyaṁ dadhāra parama-adbhutam

In diesem Augenblick nahm Viṣṇu, der Herr, der Kenner aller Mittel, eine unbeschreibliche, höchst wunderbare weibliche Gestalt an.

Wort für Wort
etasmin antare
in diesem Augenblick
viṣṇuḥ
Viṣṇu
sarva-upāya-vit
der Kenner aller Mittel
īśvaraḥ
der Herr
yoṣit-rūpam
eine weibliche Gestalt
anirdeśyam
unbeschreiblich
dadhāra
nahm an
parama-adbhutam
höchst wunderbar

prekṣaṇīyotpala-śyāmaṁ sarvāvayava-sundaram | samāna-karṇābharaṇaṁ su-kapolonnasānanam

[Sie war] anzuschauen, blauschwarz wie eine Lotosblüte, an allen Gliedern schön, mit gleichmäßigem Ohrschmuck, [ihr] Antlitz mit schönen Wangen und feiner Nase.

Wort für Wort
prekṣaṇīya
anzuschauen (reizvoll)
utpala-śyāmam
blauschwarz wie eine Lotosblüte
sarva-avayava-sundaram
an allen Gliedern schön
samāna-karṇa-ābharaṇam
mit gleichmäßigem Ohrschmuck
su-kapola-unnasa-ānanam
mit schönen Wangen und feiner Nase im Antlitz

nava-yauvana-nirvṛtta-stana-bhāra-kṛśodaram | mukhāmodānurakty-āli-jhaṅkārodvigna-locanam

[Sie hatte] durch die frische Jugend gebildete, volle Brüste bei schlankem Leib; von dem Duft ihres Mundes angezogene Bienen, deren Summen [ihre] Augen unruhig [wandern ließ].

Wort für Wort
nava-yauvana-nirvṛtta
durch frische Jugend hervorgebracht
stana-bhāra
die Fülle der Brüste
kṛśa-udaram
mit schlankem Leib
mukha-āmoda
der Duft des Mundes
anurakta-āli
angezogene Bienen
jhaṅkāra
deren Summen
udvigna-locanam
mit unruhigen Augen

bibhrat sukeśa-bhāreṇa mālām utphulla-mallikām | su-grīva-kaṇṭhābharaṇaṁ su-bhujāṅgada-bhūṣitam

Mit der Fülle ihres schönen Haares eine Girlande aus voll erblühtem Jasmin tragend, war sie mit Halsschmuck an ihrem schönen Nacken und mit Armreifen an ihren schönen Armen geziert.

Wort für Wort
bibhrat
tragend
su-keśa-bhāreṇa
mit der Fülle des schönen Haares
mālām
eine Girlande
utphulla-mallikām
aus voll erblühtem Jasmin
su-grīva-kaṇṭha-ābharaṇam
mit Halsschmuck am schönen Nacken
su-bhuja-aṅgada-bhūṣitam
mit Armreifen an schönen Armen geschmückt

viraja-ambara-saṁvīta-nitamba-dvīpa-śobhayā | kāñcyā pravilasad-valgu calac-caraṇa-nūpuram

Mit makellosem Gewand umhüllt, mit der Schönheit der 'Insel' ihrer Hüften, [geschmückt] mit einem reizvoll erglänzenden Hüftgürtel und mit Fußspangen, die an ihren sich bewegenden Füßen [klirrten].

Wort für Wort
viraja-ambara-saṁvīta
mit makellosem Gewand umhüllt
nitamba-dvīpa-śobhayā
mit der Schönheit der Hüften-"Insel"
kāñcyā
mit einem Hüftgürtel
pravilasat-valgu
reizvoll erglänzend
calat-caraṇa-nūpuram
mit an den sich bewegenden Füßen (klirrenden) Fußspangen

Satz ohne finites Verb – Beschreibung Mohinīs setzt sich in Kapitel 8.9 fort (Enjambement zum nächsten Kapitel).

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