Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 151 Das Verhalten einer vollkommenen Person

śrī-nārada uvāca kalpas tv evaṁ parivrajya deha-mātrāvaśeṣitaḥ grāmaika-rātra-vidhinā nirapekṣaś caren mahīm

Śrī Nārada sprach: Der dazu Fähige aber soll, so wandernd, nur noch mit dem bloßen Körper zurückbleibend, nach der Regel, in jedem Dorf nur eine Nacht zu verweilen, ungebunden über die Erde ziehen.

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
Śrī Nārada (Nom.) sprach (Perf.)
kalpaḥ
der Fähige/Taugliche (Nom. Sg.)
tu
aber
evam
so
parivrajya
umherziehend, nachdem er gewandert ist (Absolutiv)
deha-mātra-avaśeṣitaḥ
nur den Körper übriglassend (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
grāmaika-rātra-vidhinā
nach der Regel einer Nacht je Dorf (Instr. Sg.)
nirapekṣaḥ
unabhängig, ungebunden (Nom. Sg.)
caret
er soll wandern (Optativ 3. Sg.)
mahīm
die Erde (Akk. Sg.)

bibhṛyād yady asau vāsaḥ kaupīnācchādanaṁ param tyaktaṁ na liṅgād daṇḍāder anyat kiñcid anāpadi

Wenn er (der Wandermönch) ein Gewand tragen will, so sei es nur die Bedeckung durch das Lendentuch; nichts anderes als die Kennzeichen wie Stab und dergleichen soll er, außer in Notzeiten, besitzen [?; die Wortfolge lässt auch die Lesart zu: nichts davon soll er aufgeben].

Wort für Wort
bibhṛyāt
er möge tragen/behalten (Optativ 3. Sg.)
yadi
wenn
asau
dieser (der Entsagende) (Nom. Sg.)
vāsaḥ
Gewand (Nom./Akk. Sg.)
kaupīna-ācchādanam
Bedeckung durch ein Lendentuch (Akk. Sg.)
param
nur, höchstens (Adv.)
tyaktam
aufgegeben, entbehrlich (Nom./Akk. Sg. neutr.)
na
nicht
liṅgāt
außer dem Kennzeichen (Abl. Sg.)
daṇḍa-ādeḥ
wie Stab und dergleichen (Abl. Sg.)
anyat
anderes (Akk. Sg. neutr.)
kiñcit
irgendetwas
anāpadi
in Zeiten ohne Not (Lok. Sg.)

Syntax leicht mehrdeutig; Sinn nach Kontext (Sparsamkeit des Sannyāsī) erschlossen.

eka eva cared bhikṣur ātmārāmo 'napāśrayaḥ sarva-bhūta-suhṛc-chānto nārāyaṇa-parāyaṇaḥ

Allein nur soll der Bettelmönch wandern, sich im eigenen Selbst erfreuend, ohne (äußere) Zuflucht, allen Wesen wohlgesinnt, friedvoll, Nārāyaṇa ganz ergeben.

Wort für Wort
ekaḥ
allein (Nom. Sg.)
eva
nur
caret
er soll wandern (Optativ 3. Sg.)
bhikṣuḥ
der Bettelmönch (Nom. Sg.)
ātma-ārāmaḥ
sich im Selbst erfreuend (Nom. Sg.)
anapāśrayaḥ
ohne (äußere) Zuflucht/Abhängigkeit (Nom. Sg.)
sarva-bhūta-suhṛt
Freund aller Wesen (Nom. Sg.)
śāntaḥ
friedvoll (Nom. Sg.)
nārāyaṇa-parāyaṇaḥ
ganz Nārāyaṇa ergeben (Nom. Sg.)

paśyed ātmany ado viśvaṁ pare sad-asato 'vyaye ātmānaṁ ca paraṁ brahma sarvatra sad-asan-maye

Er soll dieses Universum im Selbst (verankert) sehen, im Höchsten, dem Unvergänglichen, das Ursache von Seiendem und Nichtseiendem ist; und (er soll) sich selbst als das höchste Brahman (erkennen), überall, im aus Ursache und Wirkung Bestehenden.

Wort für Wort
paśyet
er soll sehen (Optativ 3. Sg.)
ātmani
im Selbst (Lok. Sg.)
adaḥ
dieses (Nom./Akk. Sg. neutr.)
viśvam
das Universum (Akk. Sg.)
pare
im Höchsten (Lok. Sg.)
sat-asataḥ
von Ursache und Wirkung/Seiendem und Nichtseiendem (Gen. Sg.)
avyaye
im Unvergänglichen (Lok. Sg.)
ātmānam
das (eigene) Selbst (Akk. Sg.)
ca
und
param brahma
das höchste Brahman (Akk. Sg.)
sarvatra
überall (Adv.)
sad-asan-maye
im aus Ursache und Wirkung Bestehenden (Lok. Sg.)

supti-prabodhayoḥ sandhāv ātmano gatim ātma-dṛk paśyan bandhaṁ ca mokṣaṁ ca māyā-mātraṁ na vastutaḥ

Wer das Selbst wahrnimmt, soll, den Zustand des Selbst in der Übergangsphase von Schlaf und Erwachen betrachtend, erkennen, dass Bindung und Befreiung nur Illusion sind, nicht der Sache nach (real).

Wort für Wort
supti-prabodhayoḥ
von Schlaf und Erwachen (Gen. Dual)
sandhau
in der Übergangsphase/Zwischenlage (Lok. Sg.)
ātmanaḥ
des Selbst (Gen. Sg.)
gatim
den Zustand/die Bewegung (Akk. Sg.)
ātma-dṛk
wer das Selbst sieht/erkennt (Nom. Sg.)
paśyan
betrachtend, sehend (Part. Präs. Nom.)
bandham
Bindung (Akk. Sg.)
ca
und
mokṣam
Befreiung (Akk. Sg.)
ca
und
māyā-mātram
nur Illusion (Nom./Akk. Sg.)
na
nicht
vastutaḥ
der Sache nach, in Wirklichkeit (Adv.)

nābhinanded dhruvaṁ mṛtyum adhruvaṁ vāsya jīvitam kālaṁ paraṁ pratīkṣeta bhūtānāṁ prabhavāpyayam

Er soll nicht den gewissen Tod begrüßen, noch das ungewisse Leben dieses (Körpers); er soll die höchste Zeit erwarten, welche das Entstehen und Vergehen der Wesen (bewirkt).

Wort für Wort
na abhinandet
er soll nicht begrüßen/gutheißen (Optativ 3. Sg.)
dhruvam
das Gewisse (Akk. Sg.)
mṛtyum
den Tod (Akk. Sg.)
adhruvam
das Ungewisse (Akk. Sg.)
vā
oder
asya
dieses (Körpers) (Gen. Sg.)
jīvitam
das Leben (Akk. Sg.)
kālam
die Zeit (Akk. Sg.)
param
die höchste (Akk. Sg.)
pratīkṣeta
er soll erwarten (Optativ 3. Sg.)
bhūtānām
der Wesen (Gen. Pl.)
prabhava-apyayam
Entstehen und Vergehen (Akk. Sg.)

nāsac-chāstreṣu sajjeta nopajīveta jīvikām vāda-vādāṁs tyajet tarkān pakṣaṁ kaṁca na saṁśrayet

Er soll nicht an nichtigen Schriften haften, noch soll er davon seinen Lebensunterhalt bestreiten; Wortgefechte soll er aufgeben, ebenso (bloße) Spekulationen, und keiner Partei soll er sich anschließen.

Wort für Wort
na
nicht
asat-śāstreṣu
an nichtigen/unwahren Schriften (Lok. Pl.)
sajjeta
er soll haften/sich binden (Optativ 3. Sg.)
na upajīveta
er soll nicht (davon) leben (Optativ 3. Sg.)
jīvikām
als Lebensunterhalt (Akk. Sg.)
vāda-vādān
Wortgefechte, Streitreden (Akk. Pl.)
tyajet
er soll aufgeben (Optativ 3. Sg.)
tarkān
Spekulationen, Disputationen (Akk. Pl.)
pakṣam
eine Partei/Position (Akk. Sg.)
kaṁca
irgendeine
na saṁśrayet
er soll nicht Zuflucht nehmen (Optativ 3. Sg.)

na śiṣyān anubadhnīta granthān naivābhyased bahūn na vyākhyām upayuñjīta nārambhān ārabhet kvacit

Er soll keine Schüler an sich binden, noch soll er viele Bücher (eifrig) studieren; er soll keinen Lehrvortrag (als Broterwerb) benutzen, und niemals soll er (weltliche) Unternehmungen beginnen.

Wort für Wort
na
nicht
śiṣyān
Schüler (Akk. Pl.)
anubadhnīta
er soll (an sich) binden (Optativ 3. Sg.)
granthān
Bücher, Schriften (Akk. Pl.)
na eva
und gewiss nicht
abhyaset
er soll (eifrig) studieren (Optativ 3. Sg.)
bahūn
viele (Akk. Pl.)
na
nicht
vyākhyām
Lehrvortrag, Auslegung (Akk. Sg.)
upayuñjīta
er soll (als Mittel) gebrauchen (Optativ 3. Sg.)
na
nicht
ārambhān
Unternehmungen (Akk. Pl.)
ārabhet
er soll beginnen (Optativ 3. Sg.)
kvacit
jemals, irgendwann

na yater āśramaḥ prāyo dharma-hetur mahātmanaḥ śāntasya sama-cittasya bibhṛyād uta vā tyajet

Das äußere Ordenszeichen des Asketen ist meist nicht die Ursache des Dharma für den Erhabenen, den Friedvollen, dessen Sinn im Gleichmut ruht; er mag es tragen oder auch ablegen.

Wort für Wort
na
nicht
yateḥ
des Asketen (Gen. Sg.)
āśramaḥ
das (äußere) Ordenszeichen (Nom. Sg.)
prāyaḥ
meist, in der Regel (Adv.)
dharma-hetuḥ
Ursache des Dharma (Nom. Sg.)
mahā-ātmanaḥ
des Erhabenen/Großmütigen (Gen. Sg.)
śāntasya
des Friedvollen (Gen. Sg.)
sama-cittasya
dessen Sinn im Gleichmut ruht (Gen. Sg.)
bibhṛyāt
er möge tragen (Optativ 3. Sg.)
uta vā
oder auch
tyajet
er möge aufgeben (Optativ 3. Sg.)

avyakta-liṅgo vyaktārtho manīṣy unmatta-bālavat kavir mūkavad ātmānaṁ sa dṛṣṭyā darśayen nṛṇām

Der Weise, dessen (äußere) Kennzeichen verborgen, dessen (innerer) Sinn aber offenbar ist, soll sich selbst den Menschen wie ein Wahnsinniger, wie ein Kind, oder — als Gelehrter — wie ein Stummer, durch sein Verhalten zeigen.

Wort für Wort
avyakta-liṅgaḥ
dessen Kennzeichen unmanifestiert/verborgen sind (Nom. Sg.)
vyakta-arthaḥ
dessen Ziel/Sinn offenbar ist (Nom. Sg.)
manīṣī
der Weise (Nom. Sg.)
unmatta-bāla-vat
wie ein Wahnsinniger und ein Kind (Adv.)
kaviḥ
der Gelehrte, Dichter (Nom. Sg.)
mūka-vat
wie ein Stummer (Adv.)
ātmānam
sich selbst (Akk. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
dṛṣṭyā
durch (sein) Verhalten/seine Anschauung (Instr. Sg.)
darśayet
er soll zeigen (Optativ Kausativ 3. Sg.)
nṛṇām
den Menschen (Gen. Pl.)

atrāpy udāharantīmam itihāsaṁ purātanam prahrādasya ca saṁvādaṁ muner ājagarasya ca

Hierzu führen (die Weisen) auch diese uralte Geschichte an: das Gespräch zwischen Prahrāda und dem Weisen, der (das Leben) einer Python (führte).

Wort für Wort
atra
hierzu, dazu (Adv.)
api
auch
udāharanti
sie führen an, zitieren (Präs. 3. Pl.)
imam
diese (Akk. Sg.)
itihāsam
Geschichte, Überlieferung (Akk. Sg.)
purātanam
uralt (Akk. Sg.)
prahrādasya
Prahrādas (Gen. Sg.)
ca
und
saṁvādam
Gespräch, Zwiegespräch (Akk. Sg.)
muneḥ
des Weisen (Gen. Sg.)
ājagarasya
des 'Python'-Weisen (Gen. Sg.)
ca
und

taṁ śayānaṁ dharopasthe kāveryāṁ sahya-sānuni rajas-valais tanū-deśair nigūḍhāmala-tejasam dadarśa lokān vicaran loka-tattva-vivitsayā vṛto 'mātyaiḥ katipayaiḥ prahrādo bhagavat-priyaḥ

Ihn, wie er auf der Erde lag, an der (Fluss) Kāverī, auf einem Grat des Sahya-Gebirges, seine Körperteile von Staub bedeckt, doch seine Kraft verborgen und makellos, erblickte, während er, vom Verlangen getrieben, das Wesen der Welt(en) zu erkennen, durch die Welten wanderte — umgeben von einigen wenigen Ministern —, Prahrāda, der dem Erhabenen liebe (Gottgeweihte).

Wort für Wort
tam
ihn (Akk. Sg.)
śayānam
liegend (Part. Akk. Sg.)
dharā-upasthe
auf der Erdoberfläche (Lok. Sg.)
kāveryām
an der (Fluss) Kāverī (Lok. Sg.)
sahya-sānuni
auf einem Grat des (Berges) Sahya (Lok. Sg.)
rajaḥ-valaiḥ
staubbedeckt (Instr. Pl.)
tanū-deśaiḥ
mit Körperteilen (Instr. Pl.)
nigūḍha-amala-tejasam
dessen verborgene, makellose Kraft (Akk. Sg.)
dadarśa
er sah (Perf. 3. Sg.)
lokān
die Welten (Akk. Pl.)
vicaran
umherwandernd (Part. Präs.)
loka-tattva-vivitsayā
aus Verlangen, das Wesen der Welt(en) zu erkennen (Instr. Sg.)
vṛtaḥ
umgeben (Nom. Sg.)
amātyaiḥ
von Ministern, Gefährten (Instr. Pl.)
katipayaiḥ
einigen wenigen (Instr. Pl.)
prahrādaḥ
Prahrāda (Nom. Sg.)
bhagavat-priyaḥ
der dem Erhabenen liebe (Gottgeweihte) (Nom. Sg.)

karmaṇākṛtibhir vācā liṅgair varṇāśramādibhiḥ na vidanti janā yaṁ vai so 'sāv iti na veti ca

Wen die Leute weder durch (seine) Taten, (seine äußere) Gestalt, (seine) Rede, (seine) Kennzeichen noch durch (Merkmale von) Kaste und Lebensstand erkennen können, so dass sie sagen, 'ist er dies, oder ist er es nicht' —

Wort für Wort
karmaṇā
durch (seine) Tat (Instr. Sg.)
ākṛtibhiḥ
durch (äußere) Gestalt (Instr. Pl.)
vācā
durch Rede (Instr. Sg.)
liṅgaiḥ
durch Kennzeichen (Instr. Pl.)
varṇa-āśrama-ādibhiḥ
durch (Merkmale von) Kaste, Lebensstand usw. (Instr. Pl.)
na vidanti
sie erkennen nicht (Präs. 3. Pl.)
janāḥ
die Leute (Nom. Pl.)
yam
wen (Akk. Sg.)
vai
fürwahr
saḥ asau
er, jener (Nom. Sg.)
iti na vā iti ca
'so ist er' oder 'nicht', und

Der Satz ist syntaktisch unabgeschlossen und wird in Vers 15 fortgeführt.

taṁ natvābhyarcya vidhivat pādayoḥ śirasā spṛśan vivitsur idam aprākṣīn mahā-bhāgavato 'suraḥ

Ihn, sich verneigend und ihn vorschriftsgemäß verehrend, mit dem Haupt seine Füße berührend, befragte, wissbegierig, der große Gottgeweihte, obwohl ein Asura, mit diesen (Worten).

Wort für Wort
tam
ihn (Akk. Sg.)
natvā
sich verneigend (Absolutiv)
abhyarcya
verehrend (Absolutiv)
vidhi-vat
vorschriftsgemäß (Adv.)
pādayoḥ
die (beiden) Füße (Gen./Akk. Dual)
śirasā
mit dem Haupt (Instr. Sg.)
spṛśan
berührend (Part. Präs.)
vivitsuḥ
wissbegierig (Nom. Sg.)
idam
dies (Akk. Sg.)
aprākṣīt
er fragte (Aorist 3. Sg.)
mahā-bhāgavataḥ
der große Gottgeweihte (Nom. Sg.)
asuraḥ
der Dämon(ensohn) (Nom. Sg.)

bibharṣi kāyaṁ pīvānaṁ sodyamo bhogavān yathā vittaṁ caivodyamavatāṁ bhogo vittavatām iha bhogināṁ khalu deho 'yaṁ pīvā bhavati nānyathā

Du erhältst (deinen) Körper feist, wie einer, der sich anstrengt, (wie) ein Genießender. Reichtum ist fürwahr (das Ergebnis) derer, die sich anstrengen, und Genuss (das Los) derer, die Reichtum besitzen, hier (in dieser Welt); der Körper der Genießenden wird fürwahr feist, nicht anders.

Wort für Wort
bibharṣi
du erhältst, trägst (Präs. 2. Sg.)
kāyam
den Körper (Akk. Sg.)
pīvānam
feist, wohlgenährt (Akk. Sg.)
sa-udyamaḥ
wie einer, der sich anstrengt (Nom. Sg.)
bhogavān
ein Genießender (Nom. Sg.)
yathā
wie
vittam
Reichtum (Nom. Sg.)
ca eva
und gewiss
udyama-vatām
derer, die sich (wirtschaftlich) anstrengen (Gen. Pl.)
bhogaḥ
Genuss (Nom. Sg.)
vitta-vatām
derer, die Reichtum besitzen (Gen. Pl.)
iha
hier, in dieser Welt
bhoginām
der Genießenden (Gen. Pl.)
khalu
fürwahr
dehaḥ
der Körper (Nom. Sg.)
ayam
dieser (Nom. Sg.)
pīvā
feist (Nom. Sg.)
bhavati
wird, ist (Präs. 3. Sg.)
na anyathā
nicht anders

na te śayānasya nirudyamasya brahman nu hārtho yata eva bhogaḥ abhogino 'yaṁ tava vipra dehaḥ pīvā yatas tad vada naḥ kṣamaṁ cet

Dir, dem so Liegenden, Tätigkeitslosen, o Brahmane, fehlt doch offenbar der Reichtum, aus dem der Genuss erst entsteht; dieser dein Körper, o Gelehrter, gehört doch einem, der nicht genießt — warum ist er dennoch feist? Sag uns das, wenn (unsere Frage) verzeihlich ist.

Wort für Wort
na
nicht
te
dein (Gen. Sg.)
śayānasya
des Liegenden (Gen. Sg.)
nirudyamasya
des Tätigkeitslosen (Gen. Sg.)
brahman
o Brahmane (Vok. Sg.)
nu ha
fürwahr, offenbar
arthaḥ
Reichtum, Gewinn (Nom. Sg.)
yataḥ
woraus (Adv.)
eva
gewiss
bhogaḥ
Genuss (Nom. Sg.)
abhoginaḥ
eines Nicht-Genießenden (Gen. Sg.)
ayam
dieser (Nom. Sg.)
tava
dein (Gen. Sg.)
vipra
o Gelehrter (Vok. Sg.)
dehaḥ
Körper (Nom. Sg.)
pīvā
feist (Nom. Sg.)
yataḥ
wodurch, warum (Adv.)
tat
das (Akk. Sg.)
vada
sag (Imperativ 2. Sg.)
naḥ
uns (Dat. Pl.)
kṣamam
verzeihlich (Akk. Sg.)
cet
wenn

kaviḥ kalpo nipuṇa-dṛk citra-priya-kathaḥ samaḥ lokasya kurvataḥ karma śeṣe tad-vīkṣitāpi vā

(Du bist) gelehrt, tüchtig, von scharfem Blick, von mannigfaltig-angenehmer Rede, gleichmütig — und (doch) liegst du (untätig) da, während die Leute ihre Werke verrichten, sei es, dass du dies (alles) betrachtet hast, oder nicht [?].

Wort für Wort
kaviḥ
gelehrt, weise (Nom. Sg.)
kalpaḥ
tüchtig, fähig (Nom. Sg.)
nipuṇa-dṛk
von scharfem Blick (Nom. Sg.)
citra-priya-kathaḥ
von mannigfaltig-angenehmer Rede (Nom. Sg.)
samaḥ
gleichmütig (Nom. Sg.)
lokasya
der Leute (Gen. Sg.)
kurvataḥ
die (ihr Werk) verrichten (Gen. Pl. Part.)
karma
Werk, Tätigkeit (Akk. Sg.)
śeṣe
du liegst (Präs. 2. Sg.)
tat-vīkṣitā
das betrachtet habend (Nom. Sg.) [?]
api vā
oder auch (nicht)

Konstruktion des letzten Pāda unsicher; Sinn nach Kontext erschlossen.

śrī-nārada uvāca sa itthaṁ daitya-patinā paripṛṣṭo mahā-muniḥ smayamānas tam abhyāha tad-vāg-amṛta-yantritaḥ

Śrī Nārada sprach: So vom Herrn der Daityas befragt, sprach der große Weise, lächelnd, zu ihm, gefesselt vom Nektar seiner (Prahrādas) Worte.

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
Śrī Nārada (Nom.) sprach (Perf.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
ittham
so
daitya-patinā
vom Herrn der Daityas (Instr. Sg.)
paripṛṣṭaḥ
befragt (Nom. Sg.)
mahā-muniḥ
der große Weise (Nom. Sg.)
smayamānaḥ
lächelnd (Part. Präs.)
tam
zu ihm (Akk. Sg.)
abhyāha
er sprach, antwortete (Perf. 3. Sg.)
tat-vāk-amṛta-yantritaḥ
gefesselt vom Nektar seiner Worte (Nom. Sg.)

śrī-brāhmaṇa uvāca vededam asura-śreṣṭha bhavān nanv ārya-sammataḥ īhoparamayor nṝṇāṁ padāny adhyātma-cakṣuṣā

Der Brahmane sprach: Du kennst dies, o Bester der Asuras, du, der gewiss von den Edlen anerkannt ist — die (verschiedenen) Stufen des Strebens und dessen Aufhörens bei den Menschen, mit dem Auge der Selbsterkenntnis.

Wort für Wort
śrī-brāhmaṇaḥ uvāca
der (heilige) Brahmane (Nom.) sprach (Perf.)
veda
du weißt, kennst (Präs. 2. Sg.)
idam
dies (Akk. Sg.)
asura-śreṣṭha
o Bester der Asuras (Vok. Sg.)
bhavān
du (höfl.) (Nom. Sg.)
nanu
gewiss, nicht wahr
ārya-sammataḥ
von den Edlen anerkannt (Nom. Sg.)
īhā-uparamayoḥ
von Streben und dessen Aufhören (Gen. Dual)
nṝṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
padāni
die Stufen, Zustände (Akk. Pl.)
adhyātma-cakṣuṣā
mit dem Auge der Selbsterkenntnis (Instr. Sg.)

yasya nārāyaṇo devo bhagavān hṛd-gataḥ sadā bhaktyā kevalayājñānaṁ dhunoti dhvāntam arkavat

Wessen Herz Nārāyaṇa, der Gott, der Erhabene, stets bewohnt, dessen Unwissenheit zerstreut er durch lautere Hingabe, wie die Sonne die Dunkelheit.

Wort für Wort
yasya
dessen (Gen. Sg.)
nārāyaṇaḥ
Nārāyaṇa (Nom. Sg.)
devaḥ
der Gott (Nom. Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
hṛt-gataḥ
im Herzen weilend (Nom. Sg.)
sadā
immer, stets
bhaktyā
durch Hingabe (Instr. Sg.)
kevalayā
lautere, alleinige (Instr. Sg.)
ajñānam
Unwissenheit (Akk. Sg.)
dhunoti
er zerstreut, schüttelt ab (Präs. 3. Sg.)
dhvāntam
Dunkelheit (Akk. Sg.)
arka-vat
wie die Sonne (Adv.)

tathāpi brūmahe praśnāṁs tava rājan yathā-śrutam sambhāṣaṇīyo hi bhavān ātmanaḥ śuddhim icchatā

Dennoch will ich, o König, deine Fragen beantworten, so wie ich es (von den Autoritäten) gehört habe; denn du bist es wert, angesprochen zu werden von einem, der die Reinigung des Selbst wünscht.

Wort für Wort
tathāpi
dennoch
brūmahe
wir/ich wollen sprechen (Präs. 1. Sg., Ātm.)
praśnān
auf die Fragen (Akk. Pl.)
tava
deine (Gen. Sg.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
yathā-śrutam
so wie (es) gehört wurde (Adv.)
sambhāṣaṇīyaḥ
ansprechenswert (Nom. Sg.)
hi
denn, gewiss
bhavān
du (Nom. Sg.)
ātmanaḥ
des Selbst (Gen. Sg.)
śuddhim
Reinigung (Akk. Sg.)
icchatā
von einem, der wünscht (Instr. Sg. Part.)

tṛṣṇayā bhava-vāhinyā yogyaiḥ kāmair apūryayā karmāṇi kāryamāṇo 'haṁ nānā-yoniṣu yojitaḥ

Durch den Durst (nach Dasein), der das Werden mit sich führt, und durch passende, nicht zu stillende Begierden zum Handeln gezwungen, wurde ich in mancherlei Existenzformen eingespannt.

Wort für Wort
tṛṣṇayā
durch Durst, Begehren (Instr. Sg.)
bhava-vāhinyā
das das Werden mit sich führt (Instr. Sg.)
yogyaiḥ
passenden (Instr. Pl.)
kāmaiḥ
durch Begierden (Instr. Pl.)
apūryayā
nicht zu stillendes (Instr. Sg.)
karmāṇi
Taten (Akk. Pl.)
kāryamāṇaḥ
zum Handeln gezwungen (Nom. Sg., Part. Pass.)
aham
ich (Nom. Sg.)
nānā-yoniṣu
in mancherlei Existenzformen (Lok. Pl.)
yojitaḥ
eingespannt, verstrickt (Nom. Sg.)

yadṛcchayā lokam imaṁ prāpitaḥ karmabhir bhraman svargāpavargayor dvāraṁ tiraścāṁ punar asya ca

Durch (meine) Taten umherirrend, gelangte ich von selbst zu dieser (menschlichen) Welt — die das Tor zu Himmel und Befreiung ist, (aber auch das Tor) zurück zu den Tieren und wieder zu dieser (menschlichen Geburt).

Wort für Wort
yadṛcchayā
durch Zufall, von selbst (Instr. Sg.)
lokam
zur Welt (Akk. Sg.)
imam
diese (Akk. Sg.)
prāpitaḥ
gelangt, gebracht (Nom. Sg.)
karmabhiḥ
durch (meine) Taten (Instr. Pl.)
bhraman
umherirrend (Part. Präs.)
svarga-apavargayoḥ
von Himmel und Befreiung (Gen. Dual)
dvāram
das Tor (Akk. Sg.)
tiraścām
der Tiere (Gen. Pl.)
punaḥ
wieder
asya
dieser (Menschen) (Gen. Sg.)
ca
und

tatrāpi dam-patīnāṁ ca sukhāyānyāpanuttaye karmāṇi kurvatāṁ dṛṣṭvā nivṛtto 'smi viparyayam

Als ich sah, wie auch dort die Eheleute Taten verrichten, um Glück zu erlangen und Leid abzuwehren, habe ich vom Gegenteil (davon, d.h. von solchem Tun) abgelassen.

Wort für Wort
tatra
dort, darin (Adv.)
api
auch
dam-patīnām
der Eheleute (Gen. Pl.)
ca
und
sukhāya
zum Glück, Vergnügen (Dat. Sg.)
anya-apanuttaye
zur Abwehr des anderen, d.h. des Leids (Dat. Sg.)
karmāṇi
Taten (Akk. Pl.)
kurvatām
die verrichten (Gen. Pl. Part.)
dṛṣṭvā
gesehen habend (Absolutiv)
nivṛttaḥ asmi
ich bin abgekehrt, habe abgelassen (Perf. 1. Sg.)
viparyayam
vom Gegenteil (Akk. Sg.)

sukham asyātmano rūpaṁ sarvehoparatis tanuḥ manaḥ-saṁsparśajān dṛṣṭvā bhogān svapsyāmi saṁviśan

Glück ist die wahre Natur dieses Selbst, und das Aufhören alles Strebens ist deren Mittel (der Verwirklichung); nachdem ich die Genüsse, die aus der Berührung mit dem Geist entstehen, durchschaut habe, will ich, mich niederlegend, ruhen.

Wort für Wort
sukham
Glück (Nom. Sg.)
asya
dieses (Gen. Sg.)
ātmanaḥ
des Selbst (Gen. Sg.)
rūpam
die (wahre) Natur, Gestalt (Nom. Sg.)
sarva-īhā-uparatiḥ
das Aufhören alles Strebens (Nom. Sg.)
tanuḥ
das Mittel, der Träger (davon) (Nom. Sg.)
manaḥ-saṁsparśa-jān
die aus der Berührung mit dem Geist entstehen (Akk. Pl.)
dṛṣṭvā
gesehen, durchschaut habend (Absolutiv)
bhogān
die Genüsse (Akk. Pl.)
svapsyāmi
ich werde schlafen, ruhen (Fut. 1. Sg.)
saṁviśan
mich niederlegend, eintretend (Part. Präs.)

ity etad ātmanaḥ svārthaṁ santaṁ vismṛtya vai pumān vicitrām asati dvaite ghorām āpnoti saṁsṛtim

So vergisst der Mensch, fürwahr, das im Selbst bestehende, eigene Wohl, und erlangt im unwirklichen Zweiheitsbereich (Dvaita) das mannigfaltige, schreckliche Weltendasein (Saṁsāra).

Wort für Wort
iti etat
so, dieses
ātmanaḥ
des Selbst (Gen. Sg.)
sva-artham
das eigene Wohl, Interesse (Akk. Sg.)
santam
das (in ihm selbst) bestehende (Akk. Sg.)
vismṛtya
vergessen habend (Absolutiv)
vai
fürwahr
pumān
der Mensch (Nom. Sg.)
vicitrām
mannigfaltige (Akk. Sg.)
asati
im Unwirklichen (Lok. Sg.)
dvaite
in der Zweiheit (Lok. Sg.)
ghorām
schreckliche (Akk. Sg.)
āpnoti
er erlangt (Präs. 3. Sg.)
saṁsṛtim
das Weltendasein, den Kreislauf (Akk. Sg.)

jalaṁ tad-udbhavaiś channaṁ hitvājño jala-kāmyayā mṛgatṛṣṇām upādhāvet tathānyatrārtha-dṛk svataḥ

So wie ein Unwissender das Wasser, das von dem daraus (entstandenen Gras) bedeckt ist, verlässt und, aus Verlangen nach Wasser, der Luftspiegelung nachläuft — ebenso (sucht) einer, der seinen wahren Nutzen (fälschlich) anderswo sieht, diesen nicht in sich selbst.

Wort für Wort
jalam
das Wasser (Akk. Sg.)
tat-udbhavaiḥ
durch daraus Entstandenes, d.h. Gras (Instr. Pl.)
channam
bedeckt (Akk. Sg.)
hitvā
aufgegeben, verlassen habend (Absolutiv)
ajñaḥ
der Unwissende (Nom. Sg.)
jala-kāmyayā
aus Verlangen nach Wasser (Instr. Sg.)
mṛgatṛṣṇām
der Luftspiegelung, Fata Morgana (Akk. Sg.)
upādhāvet
er läuft (ihr) nach (Präs./Opt. 3. Sg.)
tathā
ebenso
anyatra
anderswo
artha-dṛk
wer den (eigentlichen) Nutzen sieht (Nom. Sg.)
svataḥ
in sich selbst (Adv.)

dehādibhir daiva-tantrair ātmanaḥ sukham īhataḥ duḥkhātyayaṁ cānīśasya kriyā moghāḥ kṛtāḥ kṛtāḥ

Für den, der mittels Körper und dergleichen — Dingen, die der höheren Macht unterworfen sind — für das Selbst Glück und das Überwinden des Leids erstrebt, aber keine (wahre) Herrschaft (über sich) hat, werden die immer wieder unternommenen Taten (stets aufs Neue) fruchtlos.

Wort für Wort
deha-ādibhiḥ
mit Körper und dergleichen (Instr. Pl.)
daiva-tantraiḥ
die der höheren Macht unterworfen sind (Instr. Pl.)
ātmanaḥ
für das Selbst (Gen. Sg.)
sukham
Glück (Akk. Sg.)
īhataḥ
der (danach) strebt (Gen. Sg. Part.)
duḥkha-atyayam
das Überwinden des Leids (Akk. Sg.)
ca
und
anīśasya
dessen, der keine Herrschaft (über sich) hat (Gen. Sg.)
kriyāḥ
die Unternehmungen, Taten (Nom. Pl.)
moghāḥ
fruchtlos (Nom. Pl.)
kṛtāḥ kṛtāḥ
immer wieder ausgeführt (Nom. Pl., Reduplikation = Intensität)

ādhyātmikādibhir duḥkhair avimuktasya karhicit martyasya kṛcchropanatair arthaiḥ kāmaiḥ kriyeta kim

Was würde für den Sterblichen, der niemals frei ist von den Leiden — seien sie nun auf das Selbst (auf Götter, auf andere Wesen usw.) bezogen —, durch mühevoll erlangte Güter oder durch (die Erfüllung von) Begierden schon bewirkt?

Wort für Wort
ādhyātmika-ādibhiḥ
mit den (Übeln), beginnend mit dem auf das Selbst bezogenen (Instr. Pl.)
duḥkhaiḥ
durch Leiden (Instr. Pl.)
avimuktasya
dessen, der nicht befreit ist (Gen. Sg.)
karhicit
jemals (Adv.)
martyasya
des Sterblichen (Gen. Sg.)
kṛcchra-upanataiḥ
durch mühevoll erlangte (Instr. Pl.)
arthaiḥ
durch Güter, Reichtümer (Instr. Pl.)
kāmaiḥ
durch (Erfüllung von) Begierden (Instr. Pl.)
kriyeta
was würde bewirkt (Optativ Passiv 3. Sg.)
kim
was?

paśyāmi dhanināṁ kleśaṁ lubdhānām ajitātmanām bhayād alabdha-nidrāṇāṁ sarvato 'bhiviśaṅkinām

Ich sehe die Qual der Reichen, der Gierigen, deren Sinn unbezwungen ist, die aus Furcht keinen Schlaf finden und von allen Seiten (alles) argwöhnen.

Wort für Wort
paśyāmi
ich sehe (Präs. 1. Sg.)
dhaninām
der Reichen (Gen. Pl.)
kleśam
die Qual, Mühsal (Akk. Sg.)
lubdhānām
der Gierigen (Gen. Pl.)
ajita-ātmanām
deren Sinn unbezwungen ist (Gen. Pl.)
bhayāt
aus Furcht (Abl. Sg.)
alabdha-nidrāṇām
die keinen Schlaf finden (Gen. Pl.)
sarvataḥ
von allen Seiten (Adv.)
abhiviśaṅkinām
die argwöhnen, misstrauen (Gen. Pl.)

rājataś caurataḥ śatroḥ sva-janāt paśu-pakṣitaḥ arthibhyaḥ kālataḥ svasmān nityaṁ prāṇārthavad bhayam

Für den, der Leben (zu verlieren) oder Besitz (zu bewahren) hat, besteht beständig Furcht: vom König, von Dieben, vom Feind, von den eigenen Leuten, von Tieren und Vögeln, von Bittstellern, von der Zeit, ja sogar von sich selbst.

Wort für Wort
rājataḥ
von Seiten des Königs (Abl. Sg.)
caurataḥ
von Seiten der Diebe (Abl. Sg.)
śatroḥ
vom Feind (Abl. Sg.)
sva-janāt
von den eigenen Leuten (Abl. Sg.)
paśu-pakṣitaḥ
von Tieren und Vögeln (Abl. Sg.)
arthibhyaḥ
von den Bittstellern (Abl. Pl.)
kālataḥ
von der Zeit (Abl. Sg.)
svasmāt
von sich selbst (Abl. Sg.)
nityam
beständig (Adv.)
prāṇa-artha-vat
für den, der Leben(skraft) oder Besitz hat
bhayam
Furcht (Nom. Sg.)

śoka-moha-bhaya-krodha- rāga-klaibya-śramādayaḥ yan-mūlāḥ syur nṛṇāṁ jahyāt spṛhāṁ prāṇārthayor budhaḥ

Kummer, Verblendung, Furcht, Zorn, Leidenschaft, Ohnmacht, Mühsal und dergleichen — deren Wurzel dies (das Verlangen nach Leben und Besitz) bei den Menschen ist —: dieses Verlangen nach Lebenskraft und Besitz soll der Weise aufgeben.

Wort für Wort
śoka-moha-bhaya-krodha-rāga-klaibya-śrama-ādayaḥ
Kummer, Verblendung, Furcht, Zorn, Leidenschaft, Ohnmacht, Mühsal und dergleichen (Nom. Pl.)
yat-mūlāḥ
deren Wurzel (dies ist) (Nom. Pl.)
syuḥ
sie mögen sein (Optativ 3. Pl.)
nṝṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
jahyāt
er soll aufgeben (Optativ 3. Sg.)
spṛhām
das Verlangen (Akk. Sg.)
prāṇa-arthayoḥ
nach Lebenskraft und Besitz (Gen. Dual)
budhaḥ
der Weise (Nom. Sg.)

madhukāra-mahā-sarpau loke 'smin no gurūttamau vairāgyaṁ paritoṣaṁ ca prāptā yac-chikṣayā vayam

Die Biene und die große Schlange sind in dieser Welt unsere besten Lehrer, durch deren Unterweisung wir Entsagung und Zufriedenheit erlangt haben.

Wort für Wort
madhukāra-mahā-sarpau
die Biene und die große Schlange (Nom. Dual)
loke
in der Welt (Lok. Sg.)
asmin
dieser (Lok. Sg.)
naḥ
unsere (Gen. Pl.)
guru-uttamau
die beiden besten Lehrer (Nom. Dual)
vairāgyam
Entsagung (Akk. Sg.)
paritoṣam
Zufriedenheit (Akk. Sg.)
ca
und
prāptāḥ
erlangt habend (Nom. Pl.)
yat-śikṣayā
durch deren Unterweisung (Instr. Sg.)
vayam
wir (Nom. Pl.)

virāgaḥ sarva-kāmebhyaḥ śikṣito me madhu-vratāt kṛcchrāptaṁ madhuvad vittaṁ hatvāpy anyo haret patim

Loslösung von allen Begierden wurde mir von der Biene gelehrt: mühsam erworbenen, honigähnlichen Reichtum nimmt ein anderer weg, indem er sogar den Besitzer erschlägt.

Wort für Wort
virāgaḥ
Entsagung, Loslösung (Nom. Sg.)
sarva-kāmebhyaḥ
von allen Begierden (Abl. Pl.)
śikṣitaḥ
gelehrt (Nom. Sg.)
me
mir (Dat./Gen. Sg.)
madhu-vratāt
von der Biene (Abl. Sg.)
kṛcchra-āptam
mühsam erworben (Akk. Sg.)
madhu-vat
wie Honig (Adv.)
vittam
Reichtum, Besitz (Akk. Sg.)
hatvā
erschlagend, tötend (Absolutiv)
api
sogar
anyaḥ
ein anderer (Nom. Sg.)
haret
er nimmt weg (Präs./Opt. 3. Sg.)
patim
den Besitzer (Akk. Sg.)

anīhaḥ parituṣṭātmā yadṛcchopanatād aham no cec chaye bahv-ahāni mahāhir iva sattvavān

Ohne (eigenes) Streben, vollkommen zufrieden mit dem, was sich von selbst darbietet, (lebe) ich; und wenn auch das nicht (geschieht), so liege ich viele Tage (ohne Nahrung), beharrlich wie die große Python.

Wort für Wort
anīhaḥ
ohne (eigenes) Streben (Nom. Sg.)
parituṣṭa-ātmā
dessen Selbst völlig zufrieden ist (Nom. Sg.)
yadṛcchā-upanatāt
von dem, was zufällig dargeboten wird (Abl. Sg.)
aham
ich (Nom. Sg.)
na u cet
und wenn nicht
śaye
ich liege (Präs. 1. Sg.)
bahu-ahāni
viele Tage (Akk. Pl.)
mahā-ahiḥ
die große Schlange, der Python (Nom. Sg.)
iva
wie
sattva-vān
beharrlich, standhaft (Nom. Sg.)

kvacid alpaṁ kvacid bhūri bhuñje 'nnaṁ svādv asvādu vā kvacid bhūri guṇopetaṁ guṇa-hīnam uta kvacit śraddhayopahṛtaṁ kvāpi kadācin māna-varjitam bhuñje bhuktvātha kasmiṁś cid divā naktaṁ yadṛcchayā

Manchmal esse ich wenig, manchmal viel Speise, schmackhaft oder unschmackhaft; manchmal reichlich und von guter Beschaffenheit, manchmal ohne gute Beschaffenheit; manchmal (Speise,) die mit Ehrerbietung dargebracht wurde, zuweilen auch solche ohne Ehrerbietung — ich esse (sie); und nach dem Essen (weile ich) an irgendeinem Ort, bei Tag oder bei Nacht, wie es sich gerade ergibt.

Wort für Wort
kvacit
manchmal
alpam
wenig (Akk. Sg.)
kvacit
manchmal
bhūri
viel (Akk. Sg.)
bhuñje
ich esse (Präs. 1. Sg.)
annam
Speise (Akk. Sg.)
svādu
schmackhaft (Akk. Sg.)
asvādu
unschmackhaft (Akk. Sg.)
vā
oder
kvacid bhūri guṇa-upetam
manchmal reichlich, mit guten Eigenschaften versehen (Akk. Sg.)
guṇa-hīnam
der guten Eigenschaften beraubt (Akk. Sg.)
uta kvacit
und manchmal
śraddhayā
mit Ehrerbietung (Instr. Sg.)
upahṛtam
dargebracht (Akk. Sg.)
kvāpi
manchmal
kadācit
zuweilen
māna-varjitam
ohne Ehrerbietung (dargebracht) (Akk. Sg.)
bhuñje
ich esse (Präs. 1. Sg.)
bhuktvā
gegessen habend (Absolutiv)
atha
dann, sodann
kasmiṁścit
an irgendeinem (Ort) (Lok. Sg.)
divā
am Tag (Adv.)
naktam
in der Nacht (Adv.)
yadṛcchayā
wie es sich zufällig ergibt (Instr. Sg.)

kṣaumaṁ dukūlam ajinaṁ cīraṁ valkalam eva vā vase 'nyad api samprāptaṁ diṣṭa-bhuk tuṣṭa-dhīr aham

In Leinen, feines Tuch, Fell, Lumpen oder Baumrinde kleide ich mich, oder auch in anderes, was (mir zufällig) zufällt — denn ich genieße, was das Schicksal zuteilt, meinen Sinn zufrieden (haltend).

Wort für Wort
kṣaumam
Leinengewand (Akk. Sg.)
dukūlam
feines Tuch, Seide (Akk. Sg.)
ajinam
Fell (Akk. Sg.)
cīram
Lumpen, Lendenschurz (Akk. Sg.)
valkalam
Baumrinde (Akk. Sg.)
eva vā
oder auch
vase
ich kleide mich (Präs. 1. Sg.)
anyat
anderes (Akk. Sg.)
api
auch
samprāptam
zufällig Erlangtes (Akk. Sg.)
diṣṭa-bhuk
der von der Vorsehung Zugeteiltes genießt (Nom. Sg.)
tuṣṭa-dhīḥ
dessen Sinn zufrieden ist (Nom. Sg.)
aham
ich (Nom. Sg.)

kvacic chaye dharopasthe tṛṇa-parṇāśma-bhasmasu kvacit prāsāda-paryaṅke kaśipau vā parecchayā

Manchmal liege ich auf der bloßen Erde, auf Gras, Laub, Stein oder Asche; manchmal auf einem Bett in einem Palast oder auf einem Polster, je nach dem Wunsch eines anderen.

Wort für Wort
kvacit
manchmal
śaye
ich liege (Präs. 1. Sg.)
dharā-upasthe
auf der Erdoberfläche (Lok. Sg.)
tṛṇa-parṇa-aśma-bhasmasu
auf Gras, Laub, Stein, Asche (Lok. Pl.)
kvacit
manchmal
prāsāda-paryaṅke
auf einem Bett in einem Palast (Lok. Sg.)
kaśipau
auf einem Polster (Lok. Sg.)
vā
oder
para-icchayā
nach dem Wunsch eines anderen (Instr. Sg.)

kvacit snāto 'nuliptāṅgaḥ suvāsāḥ sragvy alaṅkṛtaḥ rathebhāśvaiś care kvāpi dig-vāsā grahavad vibho

Manchmal, gebadet, die Glieder gesalbt, schön gekleidet, bekränzt und geschmückt, bewege ich mich mit Wagen, Elefant und Pferden; manchmal, o Erhabener, wandere ich nackt umher, wie einer, der von einem Dämon besessen ist.

Wort für Wort
kvacit
manchmal
snātaḥ
gebadet (Nom. Sg.)
anulipta-aṅgaḥ
dessen Glieder gesalbt sind (Nom. Sg.)
su-vāsāḥ
schön gekleidet (Nom. Sg.)
sragvī
bekränzt (Nom. Sg.)
alaṅkṛtaḥ
geschmückt (Nom. Sg.)
ratha-ibha-aśvaiḥ
mit Wagen, Elefant und Pferden (Instr. Pl.)
care
ich bewege mich, wandere (Präs. 1. Sg.)
kvāpi
manchmal
dik-vāsāḥ
von den Himmelsrichtungen bekleidet, d.h. nackt (Nom. Sg.)
graha-vat
wie ein von einem Dämon Besessener (Adv.)
vibho
o Erhabener (Vok. Sg.)

nāhaṁ ninde na ca staumi sva-bhāva-viṣamaṁ janam eteṣāṁ śreya āśāse utaikātmyaṁ mahātmani

Ich tadle nicht, noch preise ich den Menschen, dessen eigenes Wesen (von Natur aus) widersprüchlich ist; ich erflehe für diese das Heil, und ferner die Einheit mit dem höchsten Selbst.

Wort für Wort
na aham
nicht ich
ninde
ich tadle (Präs. 1. Sg.)
na ca
und nicht
staumi
ich preise (Präs. 1. Sg.)
sva-bhāva-viṣamam
dessen eigenes Wesen widersprüchlich ist (Akk. Sg.)
janam
die Person, den Menschen (Akk. Sg.)
eteṣām
für diese (Gen. Pl.)
śreyaḥ
das Heil (Akk. Sg.)
āśāse
ich erflehe, wünsche (Präs. 1. Sg., Ātm.)
uta
und, ferner
aikātmyam
die Einheit (Akk. Sg.)
mahā-ātmani
im höchsten Selbst (Lok. Sg.)

vikalpaṁ juhuyāc cittau tāṁ manasy artha-vibhrame mano vaikārike hutvā taṁ māyāyāṁ juhoty anu

Die (dualistische) Unterscheidung soll er ins Feuer des Bewusstseins opfern, dieses Bewusstsein in das der Objektverwirrung verstrickte Denken, das Denken sodann in das (aus der Wandlung geborene) Ich-Bewusstsein, und dieses Ich-Bewusstsein opfert er dann in die Māyā.

Wort für Wort
vikalpam
die (dualistische) Unterscheidung (Akk. Sg.)
juhuyāt
er soll opfern, darbringen (Optativ 3. Sg.)
cittau
ins Feuer des Bewusstseins (Lok. Sg.)
tām
dieses (Bewusstsein) (Akk. Sg.)
manasi
ins Denken, den Geist (Lok. Sg.)
artha-vibhrame
in die Verwirrung über die (Sinnes-)Objekte (Lok. Sg.)
manaḥ
den Geist (Akk. Sg.)
vaikārike
ins (aus der Wandlung entstandene) Ich-Bewusstsein (Lok. Sg.)
hutvā
geopfert habend (Absolutiv)
tam
dieses (Ich-Bewusstsein) (Akk. Sg.)
māyāyām
in die Māyā (Lok. Sg.)
juhoti
er opfert (Präs. 3. Sg.)
anu
daraufhin, der Reihe nach

ātmānubhūtau tāṁ māyāṁ juhuyāt satya-dṛṅ muniḥ tato nirīho viramet svānubhūty-ātmani sthitaḥ

Diese Māyā soll der die Wahrheit erkennende Weise in die Selbsterfahrung opfern; danach soll er, ohne (weiteres) Streben, innehalten, verweilend im Selbst, das auf eigener Erfahrung beruht.

Wort für Wort
ātma-anubhūtau
in die Selbsterfahrung (Lok. Sg.)
tām
diese (Māyā) (Akk. Sg.)
māyām
die Māyā (Akk. Sg.)
juhuyāt
er soll opfern (Optativ 3. Sg.)
satya-dṛk
wer die Wahrheit erkennt (Nom. Sg.)
muniḥ
der Weise (Nom. Sg.)
tataḥ
danach
nirīhaḥ
ohne (weiteres) Streben (Nom. Sg.)
viramet
er soll innehalten, aufhören (Optativ 3. Sg.)
sva-anubhūti-ātmani
im auf eigener Erfahrung beruhenden Selbst (Lok. Sg.)
sthitaḥ
verweilend (Nom. Sg.)

svātma-vṛttaṁ mayetthaṁ te suguptam api varṇitam vyapetaṁ loka-śāstrābhyāṁ bhavān hi bhagavat-paraḥ

So habe ich dir die Geschichte meines eigenen Selbst geschildert, obgleich sie wohlgehütet und frei vom (Urteil der) Welt und der Schriften ist — denn du bist ja dem Erhabenen ganz ergeben.

Wort für Wort
sva-ātma-vṛttam
die Geschichte des eigenen Selbst (Akk. Sg.)
mayā
von mir (Instr. Sg.)
ittham
so
te
dir (Dat. Sg.)
su-guptam
sehr geheim, wohlgehütet (Akk. Sg.)
api
obwohl, auch
varṇitam
geschildert (Akk. Sg.)
vyapetam
frei (davon) (Akk. Sg.)
loka-śāstrābhyām
vom (Urteil der) Welt und der Schriften (Instr. Dual)
bhavān
du (Nom. Sg.)
hi
denn
bhagavat-paraḥ
dem Erhabenen ganz ergeben (Nom. Sg.)

śrī-nārada uvāca dharmaṁ pāramahaṁsyaṁ vai muneḥ śrutvāsureśvaraḥ pūjayitvā tataḥ prīta āmantrya prayayau gṛham

Śrī Nārada sprach: Nachdem der Herr der Asuras das Gesetz der Paramahaṁsas vom Weisen gehört hatte, verehrte er ihn, und, erfreut, nahm er darauf Abschied und zog nach Hause.

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
Śrī Nārada (Nom.) sprach (Perf.)
dharmam
das (Pflicht-)Gesetz (Akk. Sg.)
pāramahaṁsyam
der Paramahaṁsas, höchsten Asketen (Akk. Sg.)
vai
fürwahr
muneḥ
vom Weisen (Abl. Sg.)
śrutvā
gehört habend (Absolutiv)
asura-īśvaraḥ
der Herr der Asuras (Nom. Sg.)
pūjayitvā
verehrt habend (Absolutiv)
tataḥ
darauf
prītaḥ
erfreut (Nom. Sg.)
āmantrya
Abschied nehmend (Absolutiv)
prayayau
er zog fort (Perf. 3. Sg.)
gṛham
nach Hause (Akk. Sg.)

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks