Kapitel 34: vidura-maitreya-saṁvādaḥ
Viduras Gespräch mit Maitreya
Skandha 3, Adhyāya 5. Quelle: vedabase.io, individuell verifizierte Einzelverse (1-51, keine vom Quelltext ausgewiesenen Gruppierungen). Vidura stellt Maitreya philosophische Fragen zu Karma und Leid (V.1-16); Maitreya lobt Vidura und enthüllt dessen Identität als Inkarnation Yamas, geboren durch den Fluch des Māṇḍavya (V.17-21); Übergang zur eigentlichen kosmogonischen Erzählung (V.22-28); die Sāṅkhya-Schöpfungsfolge von Puruṣa/Māyā über das Mahat-Tattva, die dreifache Ahaṅkāra-Aufspaltung (vaikārika/taijasa/tāmasa), Manas und Sinne, bis zur sequentiellen Erschaffung der subtilen Elemente Äther-Luft-Feuer-Wasser-Erde (V.29-37); die Elementgottheiten, unfähig zu eigenem Handeln, preisen den Herrn mit einem ausführlichen Gebet (V.38-51), das den Fuß des Herrn als Zuflucht, den bhakti-Weg gegenüber dem mühevollen Yoga-Weg und die wechselseitige Opfer-Nahrungs-Beziehung zwischen Welten und Schöpfer behandelt.
An der Pforte des Himmelsflusses [Gaṅgā, bei Haridwar] näherte sich Vidura, der Beste der Kurus, vollendet in Hingabe zum Unvergänglichen [Kṛṣṇa], dem dort sitzenden Maitreya von unergründlichem Wissen und befragte ihn, erfreut durch dessen gütige Wesensart.
sukhāya karmāṇi karoti loko na taiḥ sukhaṁ vānyad-upāramaṁ vā vindeta bhūyas tata eva duḥkhaṁ yad atra yuktaṁ bhagavān vaden naḥ
[Vidura sprach:] Um Glück zu erlangen, vollbringen die Menschen Taten; doch dadurch finden sie weder Glück noch ein Ende [ihres Leidens] noch Ruhe - vielmehr nur noch mehr Leid daraus. Was hier das Richtige ist, das möge uns der Erhabene sagen.
Wort für Wort
sukhāya karmāṇi karoti lokaḥ
um Glück zu erlangen vollbringt die Welt (der Mensch) Taten
Gewiss wandeln die heilbringenden Diener Janārdanas [Kṛṣṇas] hier aus Gnade umher, um dem Menschen zu helfen, der sich von Kṛṣṇa abgewandt hat, vom Schicksal zu unrechtem Wesen bestimmt und sehr leidgeplagt ist.
Deshalb, oh Bester der Heiligen, weise uns den heilvollen Pfad, wodurch der wohlverehrte Erhabene, der im Herzen der Menschen weilt, im durch Hingabe gereinigten Herzen das uralte Wissen samt dem Erlangen der Wahrheit gewährt.
Der Erhabene, Herr der drei [Welten], der sich selbst genügt, vollbringt, obwohl er wunschlos ist, in seiner Herabkunft Taten - so wie er zuvor dieses Universum erschuf und, nachdem er den Bestand der Welt festgesetzt hat, sie nun lenkt.
Wort für Wort
karoti karmāṇi kṛta-avatāraḥ
vollbringt Taten, der die Herabkunft vollzogen hat
yathā punaḥ sve kha idaṁ niveśya śete guhāyāṁ sa nivṛtta-vṛttiḥ yogeśvarādhīśvara eka etad anupraviṣṭo bahudhā yathāsīt
Und wie er wiederum, nachdem er dieses Universum in seinen eigenen inneren Raum gelegt hat, in der Höhle [des Herzens] ruht, sein Wirken zurückgezogen - er, der Herr der Herren des Yoga, der Eine, der in dieses All eingegangen ist, wie er dabei vielfältig wurde.
krīḍan vidhatte dvija-go-surāṇāṁ kṣemāya karmāṇy avatāra-bhedaiḥ mano na tṛpyaty api śṛṇvatāṁ naḥ suśloka-mauleś caritāmṛtāni
Spielend vollbringt er zum Wohl der Brahmanen, Kühe und Götter Taten durch seine verschiedenen Inkarnationen; unser Geist wird nicht gesättigt, obwohl wir immerfort den nektargleichen Taten des herrlich Besungenen zuhören.
yais tattva-bhedair adhiloka-nātho lokān alokān saha lokapālān acīkḷpad yatra hi sarva-sattva-nikāya-bhedo 'dhikṛtaḥ pratītaḥ
Durch welche Unterscheidungen der Wahrheitsprinzipien der Herr über die Welten die Welten, Höllen und Weltenhüter gestaltete, worin fürwahr die Einteilung aller Klassen von Lebewesen als eingesetzt erkennbar ist -
Wort für Wort
yaiḥ tattva-bhedaiḥ
durch welche Unterscheidungen der Wahrheitsprinzipien
adhiloka-nāthaḥ
der Herr über die Welten
lokān alokān saha loka-pālān
die Welten, Nicht-Welten und Weltenhüter
acīkḷpat
gestaltete
yatra hi sarva-sattva-nikāya-bhedaḥ
worin fürwahr die Einteilung aller Klassen von Wesen
yena prajānām uta ātma-karma-rūpābhidhānāṁ ca bhidāṁ vyadhatta nārāyaṇo viśvasṛg ātma-yonir etac ca no varṇaya vipra-varya
...und wodurch Nārāyaṇa, der Weltenschöpfer, der Selbstentstandene, auch die Vielfalt von Wesensart, Werk, Gestalt und Namen der Geschöpfe festsetzte - dies alles beschreibe uns, oh Bester der Brahmanen.
Wort für Wort
yena prajānām
wodurch der Geschöpfe
ātma-karma-rūpa-abhidhānām ca bhidām vyadhatta
und die Vielfalt von Wesensart, Werk, Gestalt und Namen festsetzte
nārāyaṇaḥ viśva-sṛk ātma-yoniḥ
Nārāyaṇa, der Weltenschöpfer, der Selbstentstandene
Oh Herr, die frommen Werke der höheren und niederen Weisen habe ich wiederholt aus Vyāsas Mund gehört; doch an diesen, die nur geringes Glück bringen, wurden wir nicht gesättigt - außer durch die Flut des Nektars der Erzählungen von Kṛṣṇa.
Wort für Wort
para-avareṣām
der höheren und niederen [Wesen]
bhagavan vratāni śrutāni me
oh Herr, die Gelübde/Werke von mir gehört
vyāsa-mukhāt abhīkṣṇam
wiederholt aus Vyāsas Mund
atṛpnuma
wir wurden gesättigt (hier verneint: nicht gesättigt)
kṣulla-sukha-āvahānāṁ teṣām ṛte
ohne diese, die geringes Glück bringen
kṛṣṇa-kathā-amṛta-oghāt
außer durch die Flut des Nektars der Kṛṣṇa-Erzählungen
Wer könnte gesättigt werden durch die Erwähnung dessen, dessen Füße selbst Pilgerstätten sind - eine Erwähnung, die in euren Opferversammlungen von den Weisen gepriesen wird und die, einmal in den Gehörgang eines Menschen gelangt, die daseinsbindende Freude am Hauswesen zerschneidet?
Wort für Wort
kaḥ tṛpnuyāt
wer könnte gesättigt werden
tīrtha-padaḥ abhidhānāt
durch die Erwähnung dessen, dessen Füße Pilgerstätten sind
satreṣu vaḥ sūribhiḥ īḍyamānāt
die in euren Opferversammlungen von den Weisen gepriesen wird
munir vivakṣur bhagavad-guṇānāṁ sakhāpi te bhāratam āha kṛṣṇaḥ yasmin nṛṇāṁ grāmya-sukhānuvādair matir gṛhītā nu hareḥ kathāyām
Der Weise Kṛṣṇa[-Dvaipāyana, Vyāsa], gewillt, die Herrlichkeiten des Erhabenen zu verkünden, verfasste, obgleich er dein Freund war, das Mahābhārata, worin durch vordergründige Erzählungen vom weltlichen Glück der Menschen ihr Sinn fürwahr zuletzt doch in die Erzählung von Hari eingefangen wird.
Wort für Wort
muniḥ vivakṣuḥ bhagavad-guṇānām
der Weise, gewillt die Eigenschaften des Erhabenen zu verkünden
sakhā api te kṛṣṇaḥ
obwohl er dein Freund war, Kṛṣṇa [Dvaipāyana]
bhāratam āha
verkündete das Mahābhārata
yasmin nṛṇāṁ grāmya-sukha-anuvādaiḥ
worin durch Erzählungen vom weltlichen Glück der Menschen
matiḥ gṛhītā nu hareḥ kathāyām
der Sinn wird fürwahr in die Erzählung von Hari eingefangen
[Anm.: "sakhā api te" ("obwohl er dein/euer Freund war") - unklar, ob sich "te" hier auf Vidura oder Maitreya bezieht; Vyāsa und Maitreya galten als Studiengefährten.]
Diese Erzählung von Hari, für den Gläubigen wachsend, bewirkt die Loslösung des Menschen von allem anderen; für den, der durch stetes Gedenken an Haris Füße Erfüllung findet, bewirkt sie rasch das Schwinden allen Leids.
Wort für Wort
sā śraddadhānasya vivardhamānā
diese [Erzählung], für den Gläubigen wachsend
viraktim anyatra karoti puṁsaḥ
bewirkt Loslösung des Menschen von anderem
hareḥ pada-anusmṛti-nirvṛtasya
dessen, der durch Gedenken an Haris Füße Erfüllung findet
Jene wahrhaft bemitleidenswerten Unwissenden, die sich von der Erzählung Haris abgewandt haben, bemitleide ich um ihrer Sünde willen - während doch die nie blinzelnde Gottheit [die Zeit] die Lebenszeit derer verzehrt, die sie mit nutzlosem Reden, Tun und Denken vertun.
Wort für Wort
tān śocya-śocyān avidaḥ
jene wahrhaft bemitleidenswerten Unwissenden
anuśoce
ich bemitleide
hareḥ kathāyāṁ vimukhān aghena
die der Erzählung Haris abgewandt sind, um [ihrer] Sünde willen
kṣiṇoti devaḥ animiṣaḥ tu
während die nicht blinzelnde Gottheit [Zeit] verzehrt
yeṣām āyuḥ vṛthā-vāda-gati-smṛtīnām
deren Lebenszeit derer, die mit nutzlosem Reden, Tun, Denken [verbringen]
tad asya kauṣārava śarma-dātur hareḥ kathām eva kathāsu sāram uddhṛtya puṣpebhya ivārta-bandho śivāya naḥ kīrtaya tīrtha-kīrteḥ
Deshalb, oh Sohn Kuṣārus, oh Freund der Leidenden, ziehe die Erzählung von Hari, dem Segensspender, als die Essenz unter allen Erzählungen heraus, wie man Honig aus Blüten zieht, und verkünde sie uns zu unserem Heil - von ihm, dessen Ruhm selbst eine Pilgerstätte ist.
Wort für Wort
tat asya kauṣārava śarma-dātuḥ
deshalb, oh Sohn Kuṣārus, dessen, der Segen gewährt
hareḥ kathām eva kathāsu sāram
eben die Erzählung von Hari, die Essenz unter [allen] Erzählungen
Er, der zum Zweck von Entstehung, Bestand und Auflösung des Universums die Herabkunft vollzog, seine Kräfte ergreifend, vollbrachte übermenschliche Taten - jene Taten des Herrschers verkünde mir.
Wort für Wort
saḥ viśva-janma-sthiti-saṁyama-arthe
er, zum Zweck von Entstehung, Bestand, Auflösung des Universums
kṛta-avatāraḥ pragṛhīta-śaktiḥ
der die Herabkunft vollzog, seine Kräfte ergreifend
sa evaṁ bhagavān pṛṣṭaḥ kṣattrā kauṣāravo muniḥ puṁsāṁ niḥśreyasārthena tam āha bahu-mānayan
[Śrī Śuka sprach:] So von dem verehrungswürdigen Vidura befragt, sprach der Weise Maitreya, Sohn Kuṣārus, zu ihm - zum höchsten Heil der Menschen antwortend und ihn hoch achtend.
Wort für Wort
saḥ evaṁ bhagavān pṛṣṭaḥ kṣattrā
so von dem verehrungswürdigen [Maitreya], von Kṣattā [Vidura] befragt
[Maitreya sprach:] Trefflich gefragt hast du, oh Tugendhafter, der du damit die Welten wohltuend segnest und deinen eigenen Ruhm - dessen Selbst im Transzendenten verankert ist - in der Welt ausbreitest.
Wort für Wort
sādhu pṛṣṭaṁ tvayā sādho
trefflich gefragt von dir, oh Guter
lokān sādhu anugṛhṇatā
der die Welten wohltuend segnet
kīrtiṁ vitanvatā loke
der den Ruhm in der Welt ausbreitet
ātmanaḥ adhokṣaja-ātmanaḥ
dessen Selbst im Transzendenten [verankert] ist
[Anm.: Maitreya lobt hier Viduras eigenen Ruhm als großer Hingebungsvoller, dessen Wesen im Transzendenten (Adhokṣaja/Kṛṣṇa) verankert ist.]
Dies ist nicht verwunderlich an dir, oh Kṣattā, der du aus der Kraft Bādarāyaṇas [Vyāsas] geboren bist - dass du Hari, den Herrscher, mit ungeteilter Hingabe erfasst hast.
Durch den Fluch des Māṇḍavya wurde der erhabene Yama, der Ordner der Geschöpfe, im Feld [Leib] der Dienerin, gezeugt vom Sohn Satyavatīs [Vyāsa] im Namen des Bruders, geboren [als du, Vidura].
Wort für Wort
māṇḍavya-śāpāt
durch den Fluch des Māṇḍavya
bhagavān prajā-saṁyamanaḥ yamaḥ
der erhabene Yama, der Ordner der Geschöpfe
bhrātuḥ kṣetre bhujiṣyāyām jātaḥ
im Feld des Bruders, in der Dienerin geboren
satyavatī-sutāt
vom Sohn Satyavatīs [Vyāsa]
[Anm.: Zentrale Enthüllung - Vidura wird hier als Inkarnation Yamas offenbart, der durch den Fluch des Weisen Māṇḍavya auf Erden geboren wurde, gezeugt durch Vyāsas Niyoga mit einer Magd (Bhujiṣyā) anstelle der eigentlichen Witwe, im 'Feld' des verstorbenen Bruders Vicitravīrya.]
Du bist dem Erhabenen samt seinem Gefolge stets teuer gewesen; zu deiner Unterweisung im Wissen hat mich der Erhabene, aus dieser Welt fortgehend, angewiesen, zu dir zu kommen.
atha te bhagaval-līlā yoga-māyorubṛṁhitāḥ viśva-sthity-udbhavāntārthā varṇayāmy anupūrvaśaḥ
Nun werde ich der Reihe nach die göttlichen Spiele des Erhabenen beschreiben, die durch seine Yoga-Māyā gewaltig entfaltet sind und Entstehung, Bestand und Ende des Universums zum Inhalt haben.
Wort für Wort
atha te bhagavat-līlāḥ
nun die göttlichen Spiele des Erhabenen
yoga-māyā-uru-bṛṁhitāḥ
durch [seine] Yoga-Māyā gewaltig ausgebreitet
viśva-sthiti-udbhava-anta-arthāḥ
die Bestand, Entstehung und Ende des Universums zum Inhalt haben
Der Erhabene allein war, bevor dieses Universum entstand, das Selbst der individuellen Selbste, der Allmächtige; erst wenn er seinem eigenen Willen folgt, erscheint das Selbst gekennzeichnet durch vielfältige Erkenntnisformen [d.h. als Vielheit individueller Wesen].
Wort für Wort
bhagavān ekaḥ āsa idam agre
der Erhabene allein war, bevor dies [war]
ātmā ātmanāṁ vibhuḥ
das Selbst der Selbste, der Allmächtige
ātma-icchā-anugatau
seinem eigenen Willen folgend
ātmā nānā-mati-upalakṣaṇaḥ
das Selbst, gekennzeichnet durch vielfältige Erkenntnis
[Anm.: Dichte Sāṅkhya-vedāntische Aussage über die vorschöpferische Einheit gegenüber der durch den Willen des Herrn entstehenden Vielheit individueller Bewusstseinsformen.]
Er, fürwahr, dieser Alleinherrscher, der Sehende, sah damals nichts Sichtbares vor sich und betrachtete das Selbst gleichsam als nicht-seiend - er, dessen Schöpferkraft ruhte, dessen Bewusstsein aber nicht ruhte.
Wort für Wort
saḥ vā eṣaḥ tadā draṣṭā
er, fürwahr, dieser, damals der Sehende
na apaśyat dṛśyam eka-rāṭ
sah nichts Sichtbares, der Alleinherrscher
mene asantam iva ātmānam
betrachtete das Selbst gleichsam als nicht-seiend
supta-śaktiḥ asupta-dṛk
dessen Kraft ruhte, dessen Sehen [Bewusstsein] nicht ruhte
Diese Kraft dieses Sehenden, deren Wesen Sein und Nichtsein zugleich ist, trägt den Namen Māyā, oh Hochgesegneter - wodurch der Allmächtige dieses Universum erschuf.
kāla-vṛttyā tu māyāyāṁ guṇa-mayyām adhokṣajaḥ puruṣeṇātma-bhūtena vīryam ādhatta vīryavān
Durch das Wirken der Zeit aber legte der Transzendente, der Kraftvolle, mittels seiner eigenen Puruṣa-Gestalt seinen Samen in die aus den Guṇas bestehende Māyā.
Wort für Wort
kāla-vṛttyā tu
durch das Wirken der Zeit aber
māyāyāṁ guṇa-mayyām
in die aus den Guṇas bestehende Māyā
adhokṣajaḥ
der Transzendente
puruṣeṇa ātma-bhūtena
durch [seine] Puruṣa-Gestalt, [die] sein eigenes Selbst [ist]
tato 'bhavan mahat-tattvam avyaktāt kāla-coditāt vijñānātmātma-deha-sthaṁ viśvaṁ vyañjaṁs tamo-nudaḥ
Daraus entstand, aus dem von der Zeit angetriebenen Unmanifesten, das Mahat-Prinzip, dessen Wesen reines Erkennen ist, die Finsternis vertreibend und das im eigenen kosmischen Leib befindliche Universum offenbarend.
Wort für Wort
tataḥ abhavat mahat-tattvam
daraus entstand das Mahat-Prinzip
avyaktāt kāla-coditāt
aus dem von der Zeit angetriebenen Unmanifesten
vijñāna-ātma
dessen Wesen Erkennen ist
ātma-deha-sthaṁ viśvaṁ vyañjan
das im eigenen Leib befindliche Universum offenbarend
so 'py aṁśa-guṇa-kālātmā bhagavad-dṛṣṭi-gocaraḥ ātmānaṁ vyakarod ātmā viśvasyāsya sisṛkṣayā
Dieses Mahat-Prinzip, dessen Wesen Anteil, Guṇas und Zeit ausmachen, in den Blick des Erhabenen gelangt, entfaltete sich selbst aus dem Wunsch, dieses Universum zu erschaffen.
Wort für Wort
saḥ api aṁśa-guṇa-kāla-ātmā
dieses [Mahat] auch, dessen Wesen Anteil, Guṇas, Zeit [ausmachen]
Aus dem sich wandelnden Mahat-Prinzip entstand das Ahaṅkāra [Ich-Bewusstsein], dessen Wesen Wirkung, Ursache und Handelnder zugleich ist, bestehend aus [groben] Elementen, Sinnen und Geist - das Ahaṅkāra ist dreifach: als vaikārika (aus Sattva), taijasa (aus Rajas) und tāmasa (aus Tamas).
Wort für Wort
mahat-tattvāt vikurvāṇāt
aus dem sich wandelnden Mahat-Prinzip
ahaṁ-tattvaṁ vyajāyata
entstand das Ahaṅkāra-Prinzip
kārya-kāraṇa-kartṛ-ātmā
dessen Wesen Wirkung, Ursache, Handelnder ist
bhūta-indriya-manaḥ-mayaḥ
bestehend aus Elementen, Sinnen, Geist
vaikārikaḥ taijasaḥ ca tāmasaḥ ca iti ahaṁ tridhā
als vaikārika, taijasa und tāmasa - das Ahaṅkāra dreifach
ahaṁ-tattvād vikurvāṇān mano vaikārikād abhūt vaikārikāś ca ye devā arthābhivyañjanam yataḥ
Aus dem sich wandelnden Ahaṅkāra entstand aus dem vaikārika-Anteil der Geist [manas]; und aus ihm entstanden auch die Götter, die vaikārika sind, wodurch die Wahrnehmung der Sinnesobjekte ermöglicht wird.
Wort für Wort
ahaṁ-tattvāt vikurvāṇāt
aus dem sich wandelnden Ahaṅkāra
manaḥ vaikārikāt abhūt
entstand aus dem vaikārika [-Anteil] der Geist
vaikārikāḥ ca ye devāḥ
und die Götter, die vaikārika sind
artha-abhivyañjanaṁ yataḥ
wodurch die Offenbarung der [Sinnes-]Objekte [geschieht]
Aus dem taijasa-Anteil des Ahaṅkāra entstehen eben die Sinnesorgane, und zwar sowohl die Erkenntnis- als auch die Handlungssinne.
Wort für Wort
taijasāni indriyāṇi eva
aus dem taijasa[-Anteil] eben die Sinnesorgane
jñāna-karma-mayāni ca
und zwar die Erkenntnis- und Handlungssinne
[Anm.: Dieser Vers besteht im Original nur aus einer einzigen Halbzeile (16 statt der üblichen 32 Silben) - durch Rohtext-Nachpruefung mit eigener Verszaehlung im Quelltext als eigenstaendiger, vollstaendiger Einzelvers bestaetigt, keine fehlerhafte Kuerzung.]
Aus dem tāmasa-Anteil entsteht der Anfang der subtilen Elemente, woraus der Äther entsteht - das erste Kennzeichen der feinstofflichen Hülle des Selbst.
Wort für Wort
tāmasaḥ bhūta-sūkṣma-ādiḥ
aus dem tāmasa der Anfang der subtilen Elemente
yataḥ khaṁ liṅgam ātmanaḥ
woraus der Äther, das Kennzeichen des Selbst
[Anm.: Ebenfalls nur eine Halbzeile im Original - durch Rohtext-Nachprüfung als eigenständiger, vollständiger Vers bestätigt.]
Der vom Erhabenen erblickte Äther erschuf, durch die Verbindung mit dem Anteil von Zeit und Māyā die dem Äther anhaftende Tastqualität umwandelnd, die Luft [vāyu].
Wort für Wort
kāla-māyā-aṁśa-yogena
durch die Verbindung mit dem Anteil von Zeit und Māyā
Auch die Luft, sich wandelnd und mit der gewaltigen Kraft des Äthers ausgestattet, erschuf das subtile Element der Form, das Licht - das Auge der Welt.
Das mit Luft verbundene Licht, vom Höchsten erblickt, brachte, sich wandelnd, durch die Verbindung mit dem Anteil von Zeit und Māyā das aus Geschmack bestehende Wasser hervor.
Wort für Wort
anilena anvitaṁ jyotiḥ
das mit Luft verbundene Licht
vikurvat para-vīkṣitam
sich wandelnd, vom Höchsten erblickt
ādhatta ambhaḥ rasa-mayam
brachte das aus Geschmack bestehende Wasser hervor
kāla-māyā-aṁśa-yogataḥ
durch die Verbindung mit dem Anteil von Zeit und Māyā
Das mit dem Licht verbundene Wasser, vom Absoluten erblickt, brachte, sich wandelnd, durch die Verbindung mit dem Anteil von Zeit und Māyā die Erde hervor, deren Eigenschaft der Geruch ist.
Wort für Wort
jyotiṣā ambhaḥ anusaṁsṛṣṭam
das mit dem Licht verbundene Wasser
vikurvat brahma-vīkṣitam
sich wandelnd, vom Absoluten erblickt
mahīṁ gandha-guṇām ādhāt
brachte die Erde hervor, deren Eigenschaft der Geruch ist
kāla-māyā-aṁśa-yogataḥ
durch die Verbindung mit dem Anteil von Zeit und Māyā
bhūtānāṁ nabha-ādīnāṁ yad yad bhavyāvarāvaram teṣāṁ parānusaṁsargād yathā saṅkhyaṁ guṇān viduḥ
Von den Elementen, beginnend mit dem Äther, kennt man - je nachdem, welches höher oder niedriger in der Schöpfungsreihenfolge steht - die Eigenschaften entsprechend ihrer Entstehungsreihenfolge, durch die Verbindung mit dem jeweils vorangehenden Element [d.h. jedes spätere Element trägt zusätzlich die Eigenschaften aller vorangehenden in sich].
Wort für Wort
bhūtānāṁ nabha-ādīnām
der Elemente, beginnend mit dem Äther
yad yad bhavya-avara-avaram
was jeweils höher oder niedriger ist
teṣāṁ para-anusaṁsargāt
durch die Verbindung mit dem vorangehenden
yathā-saṅkhyaṁ guṇān viduḥ
kennt man die Eigenschaften der Reihenfolge entsprechend
Diese Götter, Teilaspekte Viṣṇus, gekennzeichnet durch den Anteil von Zeit und Māyā, wegen ihrer Vielheit unfähig, aus eigener Kraft zu handeln, sprachen mit gefalteten Händen zum Allmächtigen:
namāma te deva padāravindaṁ prapanna-tāpopaśamātapatram yan-mūla-ketā yatayo 'ñjasoru-saṁsāra-duḥkhaṁ bahir utkṣipanti
[Die Götter sprachen:] Wir verneigen uns vor deinem Lotosfuß, oh Gott, dem Sonnenschirm, der die Qual der Zufluchtsuchenden stillt - an dessen Wurzel Zuflucht nehmend die Asketen mühelos das gewaltige Leid des Daseinskreislaufs von sich werfen.
Wort für Wort
namāma te deva pada-aravindam
wir verneigen uns vor deinem Lotosfuß, oh Gott
prapanna-tāpa-upaśama-ātapatram
dem Sonnenschirm, der die Qual der Zufluchtsuchenden stillt
yat-mūla-ketāḥ yatayaḥ
die Asketen, deren Zuflucht dessen Wurzel ist
añjasā uru-saṁsāra-duḥkhaṁ bahiḥ utkṣipanti
werfen mühelos das gewaltige Leid des Daseinskreislaufs von sich
dhātar yad asmin bhava īśa jīvās tāpa-trayeṇābhihatā na śarma ātman labhante bhagavaṁs tavāṅghri-cchāyāṁ sa-vidyām ata āśrayema
Oh Schöpfer, weil in diesem Dasein, oh Herr, die Lebewesen, von der dreifachen Qual geschlagen, kein Heil im Selbst finden - deshalb wollen wir, oh Erhabener, Zuflucht suchen im Schatten deiner Füße, zusammen mit wahrem Wissen.
Wort für Wort
dhātaḥ yat asmin bhave īśa
oh Schöpfer, weil in diesem Dasein, oh Herr
jīvāḥ tāpa-trayeṇa abhihatāḥ
die Lebewesen, von der dreifachen Qual geschlagen
na śarma ātman labhante
finden kein Heil im Selbst
bhagavan tava aṅghri-chāyām sa-vidyām
oh Erhabener, deiner Füße Schatten, zusammen mit Wissen
Deine Füße, die die Weisen in der Einsamkeit mit den Adlern der Vedenmetren suchen, deren Nest dein Lotosgesicht ist - Schritt für Schritt haben sie, die zu dir, dessen Füße Pilgerstätten sind, Zuflucht genommen haben, jenen Fuß gesucht, aus dem der beste, sündentilgende Fluss [die Gaṅgā] entspringt.
Wort für Wort
mārganti yat te mukha-padma-nīḍaiḥ
die suchen, deren Nest dein Lotosgesicht ist
chandaḥ-suparṇaiḥ ṛṣayaḥ vivikte
mit den Adlern der Vedenmetren, die Weisen in der Einsamkeit
yasya agha-marṣa-uda-sarid-varāyāḥ
dessen [Fuß], von dem der beste sündentilgende Fluss
padaṁ padaṁ tīrtha-padaḥ prapannāḥ
Schritt für Schritt, die Zuflucht genommen haben zu dem, dessen Füße Pilgerstätten sind
[Anm.: Bezug auf die Veden als "Vögel" (Chandas als Suparṇa/Adler), die im "Nest" des Lotosgesichts des Herrn wohnen, sowie auf die Gaṅgā, die der Überlieferung nach aus Viṣṇus Fuß entspringt.]
yac chraddhayā śrutavatyā ca bhaktyā sammṛjyamāne hṛdaye 'vadhāya jñānena vairāgya-balena dhīrā vrajema tat te 'ṅghri-saroja-pīṭham
Indem wir ihn im durch Glauben, wahre Gelehrsamkeit und Hingabe gereinigten Herzen verankern, wollen wir, die Standhaften, durch Wissen und die Kraft der Entsagung zu jenem Sitz deiner Lotosfüße gelangen.
Wort für Wort
yat śraddhayā śrutavatyā ca bhaktyā
wodurch durch Glauben, Gelehrsamkeit und Hingabe
sammṛjyamāne hṛdaye avadhāya
im gereinigten Herzen verankernd
jñānena vairāgya-balena dhīrāḥ
durch Wissen und die Kraft der Entsagung, die Standhaften
vrajema tat te aṅghri-saroja-pīṭham
wollen wir gelangen zu jenem Sitz deiner Lotosfüße
viśvasya janma-sthiti-saṁyamārthe kṛtāvatārasya padāmbujaṁ te vrajema sarve śaraṇaṁ yad īśa smṛtaṁ prayacchaty abhayaṁ sva-puṁsām
Wir alle wollen als Zuflucht deinen Lotosfuß aufsuchen, den Fuß deiner Inkarnation zum Zweck von Entstehung, Bestand und Auflösung des Universums - der, oh Herr, wenn er nur erinnert wird, den zu dir Gehörenden Furchtlosigkeit gewährt.
Wort für Wort
viśvasya janma-sthiti-saṁyama-arthe
zum Zweck von Entstehung, Bestand, Auflösung des Universums
yat sānubandhe 'sati deha-gehe mamāham ity ūḍha-durāgrahāṇām puṁsāṁ sudūraṁ vasato 'pi puryāṁ bhajema tat te bhagavan padābjam
Obwohl Leib und Haus samt Anhang in Wahrheit nicht bestehen, wohnen die von der Verblendung 'mein' und 'ich' fest ergriffenen Menschen dennoch weit entfernt von ihrem wahren Selbst in dieser Stadt des Körpers - dennoch wollen wir jenen deinen Lotosfuß verehren, oh Erhabener.
Wort für Wort
yat sa-anubandhe asati deha-gehe
obwohl Leib und Haus samt Anhang nicht [wirklich] bestehend sind
mama-aham iti ūḍha-durāgrahāṇām
derer, die von "mein" und "ich" fest ergriffen sind
puṁsāṁ sudūraṁ vasataḥ api puryām
der Menschen, die weit entfernt in [dieser] Stadt wohnen
bhajema tat te bhagavan pada-abjam
wir wollen jenen deinen Lotosfuß verehren, oh Erhabener
tān vai hy asad-vṛttibhir akṣibhir ye parāhṛtāntar-manasaḥ pareśa atho na paśyanty urugāya nūnaṁ ye te padanyāsa-vilāsa-lakṣyāḥ
Jene fürwahr, oh höchster Herr, deren inneres Denken durch auf Unwirkliches gerichtete Augen nach außen weggetragen ist, sehen gewiss nicht, oh Vielbesungener, jene Zeichen, die das Ziel des Spiels deines Schreitens [deine Fußspuren] sind.
Wort für Wort
tān vai hi asad-vṛttibhiḥ akṣibhiḥ
jene fürwahr, mit auf Unwirkliches gerichteten Augen
ye parāhṛta-antaḥ-manasaḥ pareśa
deren inneres Denken weggetragen ist, oh höchster Herr
atho na paśyanti urugāya
sehen fürwahr nicht, oh Vielbesungener
nūnaṁ ye te pada-nyāsa-vilāsa-lakṣyāḥ
gewiss jene, die das Ziel des Spiels deines Schreitens sind
pānena te deva kathā-sudhāyāḥ pravṛddha-bhaktyā viśadāśayā ye vairāgya-sāraṁ pratilabhya bodhaṁ yathāñjasānvīyur akuṇṭha-dhiṣṇyam
Durch das Trinken des Nektars deiner Erzählung, oh Gott, gelangen jene, deren Herz durch gewachsene Hingabe geklärt ist und die die Essenz der Entsagung - wahre Erkenntnis - wiedererlangt haben, mühelos zum ungetrübten höchsten Wohnsitz.
Wort für Wort
pānena te deva kathā-sudhāyāḥ
durch das Trinken des Nektars deiner Erzählung, oh Gott
pravṛddha-bhaktyā viśada-āśayāḥ ye
jene, deren Herz durch gewachsene Hingabe geklärt ist
vairāgya-sāraṁ pratilabhya bodham
die die Essenz der Entsagung, Erkenntnis, wiedererlangt haben
tathāpare cātma-samādhi-yoga-balena jitvā prakṛtiṁ baliṣṭhām tvām eva dhīrāḥ puruṣaṁ viśanti teṣāṁ śramaḥ syān na tu sevayā te
Und ebenso gehen andere, die Standhaften, nachdem sie durch die Kraft der Yoga-Versenkung ins Selbst die überaus mächtige Natur besiegt haben, eben in dich, den Puruṣa, ein - doch ihre Mühe dabei ist groß, [was sie erlangen, geschieht] nicht aber durch bloßen Dienst an dir.
Wort für Wort
tathā apare ca
und ebenso andere
ātma-samādhi-yoga-balena
durch die Kraft der Yoga-Versenkung ins Selbst
jitvā prakṛtiṁ baliṣṭhām
nachdem sie die überaus mächtige Natur besiegt haben
tvām eva dhīrāḥ puruṣaṁ viśanti
die Standhaften gehen eben in dich, den Puruṣa, ein
teṣāṁ śramaḥ syāt na tu sevayā te
ihre Mühe ist groß, nicht aber durch Dienst an dir
[Anm.: Der Vers stellt implizit den mühevollen Jñāna/Yoga-Weg dem leichteren Bhakti-Weg gegenüber.]
tat te vayaṁ loka-sisṛkṣayādya tvayānusṛṣṭās tribhir ātmabhiḥ sma sarve viyuktāḥ sva-vihāra-tantraṁ na śaknumas tat pratihartave te
Deshalb sind wir, von dir zum Zweck der Weltenschöpfung jetzt mit unseren drei Körpern erschaffen, allesamt doch von dir getrennt und vermögen nicht, dir dein eigenes Spielwerk zu vergelten.
Wort für Wort
tat te vayam
deshalb wir, [Diener] von dir
loka-sisṛkṣayā adya
zum Zweck der Weltenschöpfung jetzt
tvayā anusṛṣṭāḥ tribhiḥ ātmabhiḥ
von dir erschaffen mit drei Körpern
sma sarve viyuktāḥ
wir alle getrennt
sva-vihāra-tantraṁ na śaknumaḥ tat pratihartave te
yāvad baliṁ te 'ja harāma kāle yathā vayaṁ cānnam adāma yatra yathobhayeṣāṁ ta ime hi lokā baliṁ haranto 'nnam adanty anūhāḥ
Solange wir dir, oh Ungeborener, zur rechten Zeit Opfergaben darbringen und wir dadurch selbst Nahrung erhalten - so besteht für beide Seiten dieser Kreislauf: diese Welten fürwahr, die Opfergaben darbringen, erhalten ohne Zweifel im Gegenzug Nahrung.
Wort für Wort
yāvat baliṁ te aja harāma kāle
solange wir dir, oh Ungeborener, zur rechten Zeit Opfergaben darbringen
yathā vayaṁ ca annam adāma yatra
und wodurch wir Nahrung erhalten
yathā ubhayeṣāṁ ta ime hi lokāḥ
so für beide, diese Welten fürwahr
baliṁ harantaḥ annam adanti anūhāḥ
die Opfergaben darbringend, erhalten ohne Zweifel Nahrung
tvaṁ naḥ surāṇām asi sānvayānāṁ kūṭa-sthaḥ ādyaḥ puruṣaḥ purāṇaḥ tvaṁ deva śaktyā guṇa-karma-yonau retas tv ajāyāṁ kaviṁ ādadhe 'jaḥ
Du bist für uns, die Götter samt unserer Nachkommenschaft, der unveränderliche, ursprüngliche, uralte Puruṣa. Du, oh Gott, legtest durch deine Kraft den Samen des Wissens in den aus Guṇa und Karma bestehenden Schoß der ungeborenen Urmaterie, du, der Ungeborene.
Wort für Wort
tvaṁ naḥ surāṇāṁ asi sa-anvayānām
du bist für uns, die Götter samt Nachkommenschaft
kūṭa-sthaḥ ādyaḥ puruṣaḥ purāṇaḥ
der unveränderliche, ursprüngliche, uralte Puruṣa
tvaṁ deva śaktyā
du, oh Gott, durch [deine] Kraft
guṇa-karma-yonau retaḥ tu ajāyām
den Samen aber in den aus Guṇa-Karma bestehenden Schoß der Ungeborenen
kaviṁ ādadhe ajaḥ
legtest den Weisen hinein, der Ungeborene
[Anm.: Dichter, mehrdeutiger Vers - "kaviṁ ādadhe" ("legte den Weisen/das Samenprinzip des Wissens hinein") könnte sich auf die Erzeugung Brahmās oder allgemein auf das "weise" Samenprinzip der Schöpfung beziehen.]
tato vayaṁ mat-pramukhā yad-arthe babhūvimātman karavāma kiṁ te tvaṁ naḥ sva-cakṣuḥ paridehi śaktyā deva kriyārthe yad-anugrahāṇām
Deshalb, oh höchstes Selbst, [fragen] wir, mit mir an der Spitze, die wir wozu wir entstanden sind - was sollen wir für dich tun? Gewähre uns, oh Gott, durch deine Kraft dein eigenes Auge zum Zweck des Handelns, uns, die wir auf deine Gnade warten.
Wort für Wort
tataḥ vayaṁ mat-pramukhāḥ
deshalb wir, mit mir an der Spitze
yat-arthe babhūvima ātman
wozu wir entstanden sind, oh Selbst
karavāma kiṁ te
was sollen wir für dich tun
tvaṁ naḥ sva-cakṣuḥ paridehi śaktyā
gewähre uns durch [deine] Kraft dein eigenes Auge
deva kriyā-arthe yat-anugrahāṇām
oh Gott, zum Zweck des Handelns derer, die [deine] Gnade [erwarten]