Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 30: vidura-praśnaḥ Fragen des Vidura

Skandha 3, Adhyāya 1. Quelle: vedabase.io, eigene Übersetzung ohne Konsultation bestehender Übertragungen. Erstes Kapitel von Skandha 3 (33 Adhyāyas gesamt laut vedabase.io-Index).

evam etat purā pṛṣṭo maitreyo bhagavān kila | kṣattrā vanaṁ praviṣṭena tyaktvā sva-gṛham ṛddhimat

So wurde, wie es heißt, einst der erhabene Maitreya befragt von Kṣattā [Vidura], der, nachdem er sein prächtiges eigenes Heim verlassen hatte, in den Wald gegangen war.

Wort für Wort
evam etat purā
so [wurde] dies einst
pṛṣṭaḥ maitreyaḥ bhagavān
befragt der erhabene Maitreya
kṣattrā
von Kṣattā [Vidura]
vanam praviṣṭena
der in den Wald gegangen war
tyaktvā sva-gṛham ṛddhimat
nachdem er sein prächtiges eigenes Heim verlassen hatte

[Anm.: Vermutlich noch Sūtas eigene Erzählstimme (Fortsetzung von Bhāgavata 2.10.51), die nun zur Rahmenerzählung von Viduras Begegnung mit Maitreya überleitet und den Beginn von Skandha 3 einleitet.]

yad vā ayaṁ mantra-kṛd vo bhagavān akhileśvaraḥ | pauravendra-gṛhaṁ hitvā praviveśātmasāt kṛtam

Oder [höre] dies: wie dieser erhabene Herrscher über alles, [einst als] Ratgeber für euch [tätig], das Haus des Fürsten der Pauravas [Duryodhana] mied und [stattdessen bei Vidura] eintrat, es sich ganz zu eigen machend.

Wort für Wort
yad vā ayam
oder [höre] dies: wie dieser
mantra-kṛt vaḥ bhagavān akhileśvaraḥ
der erhabene Herrscher über alles, [euer] Ratgeber
pauravendra-gṛham hitvā
das Haus des Fürsten der Pauravas meidend
praviveśa ātmasāt kṛtam
er trat ein, es sich zu eigen machend

[?] Der genaue Bezug von 'vaḥ' (für euch) sowie das Objekt von 'praviveśa' bleiben unsicher; vermutlich gemeint ist die Episode, in der Kṛṣṇa als Gesandter der Pāṇḍavas nicht im Palast Duryodhanas, sondern bei Vidura wohnte.

rājā uvāca: kutra kṣattur bhagavatā maitreyeṇāsa saṅgamaḥ | kadā vā saha-saṁvāda etad varṇaya naḥ prabho

Der König sprach: Wo fand die Begegnung Kṣattās mit dem erhabenen Maitreya statt, oder wann das gemeinsame Gespräch? Beschreibe uns dies, o Herr.

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
kutra kṣattuḥ saṅgamaḥ
wo die Begegnung Kṣattās
bhagavatā maitreyeṇa
mit dem erhabenen Maitreya
kadā vā saha-saṁvādaḥ
oder wann das gemeinsame Gespräch
etat varṇaya naḥ prabho
beschreibe uns dies, o Herr

na hy alpārthodayas tasya vidurasyāmalātmanaḥ | tasmin varīyasi praśnaḥ sādhu-vādopabṛṁhitaḥ

Denn nicht gering ist der Gewinn, [der aus einer Antwort] über jenen Vidura von makelloser Seele erwächst; über ihn, den Erhabensten, ist [diese] Frage durch lobenswerte Rede bereichert.

Wort für Wort
na hi alpa-artha-udayaḥ
denn nicht gering ist der [daraus erwachsende] Gewinn
tasya vidurasya amala-ātmanaḥ
jenes Vidura von makelloser Seele
tasmin varīyasi
über ihn, den Erhabensten
praśnaḥ sādhu-vāda-upabṛṁhitaḥ
die Frage, durch lobenswerte Rede bereichert

sūta uvāca: sa evam ṛṣi-varyo 'yaṁ pṛṣṭo rājñā parīkṣitā | pratyāha taṁ subahu-vit prītātmā śrūyatām iti

Sūta sprach: So von König Parīkṣit befragt, erwiderte ihm jener vorzüglichste der Weisen [Śukadeva], reich an Wissen, frohen Herzens: 'Es werde gehört!'

Wort für Wort
sūtaḥ uvāca
Sūta sprach
saḥ ṛṣi-varyaḥ ayam pṛṣṭaḥ rājñā parīkṣitā
dieser vorzüglichste Weise, von König Parīkṣit befragt
pratyāha tam subahu-vit prīta-ātmā
erwiderte ihm, reich an Wissen, frohen Herzens
śrūyatām iti
'es werde gehört', [so sprach er]

śrī-śuka uvāca: yadā tu rājā sva-sutān asādhūn puṣṇan na dharmeṇa vinaṣṭa-dṛṣṭiḥ | bhrātur yaviṣṭhasya sutān vibandhūn praveśya lākṣā-bhavane dadāha

Śrī Śuka sprach: Als aber der König [Dhṛtarāṣṭra], seine unrechtschaffenen Söhne nicht nach Dharma fördernd, mit verblendeter Einsicht, die schutzlosen Söhne seines jüngsten Bruders in das Lackhaus führen ließ und [es] verbrannte...

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
yadā tu rājā
als aber der König
sva-sutān asādhūn puṣṇan
seine unrechtschaffenen Söhne fördernd
na dharmeṇa vinaṣṭa-dṛṣṭiḥ
nicht nach Dharma, mit verblendeter Einsicht
bhrātuḥ yaviṣṭhasya sutān vibandhūn
die schutzlosen Söhne des jüngsten Bruders
praveśya lākṣā-bhavane dadāha
in das Lackhaus führen ließ und verbrannte

[Anm.: Beginn eines langen, über V.6-10 laufenden Satzgefüges (yadā... yadā... yadā... atha āha), das in V.10 seine Hauptaussage findet.]

yadā sabhāyāṁ kuru-deva-devyāḥ keśābhimarśaṁ suta-karma garhyam | na vārayām āsa nṛpaḥ snuṣāyāḥ svāsrair harantyāḥ kuca-kuṅkumāni

...als in der Versammlungshalle das Ergreifen der Haare der Fürstin der Kuru-Frauen [Draupadī] - eine schändliche Tat seines Sohnes - der König nicht verhinderte, während sie, seine Schwiegertochter, mit ihren eigenen Tränen den Kuṅkuma-Puder von ihren Brüsten abwusch...

Wort für Wort
yadā sabhāyām
als in der Versammlungshalle
kuru-deva-devyāḥ keśābhimarśam
das Ergreifen der Haare der Fürstin der Kuru-Frauen
suta-karma garhyam
die schändliche Tat des Sohnes
na vārayām āsa nṛpaḥ
der König nicht verhinderte
snuṣāyāḥ svāsraiḥ harantyāḥ kuca-kuṅkumāni
während die Schwiegertochter mit eigenen Tränen den Kuṅkuma-Puder von den Brüsten abwusch

dyūte tv adharmeṇa jitasya sādhoḥ satyāvalambasya vanaṁ gatasya | na yācato 'dāt samayena dāyaṁ tamo-juṣāṇo yad ajāta-śatroḥ

...als er dem Rechtschaffenen [Yudhiṣṭhira], der beim unrechtmäßigen Würfelspiel besiegt worden war, der sich auf die Wahrheit stützte und in den Wald gegangen war - dem 'Feindlosen' (Ajātaśatru), der [nach der vereinbarten Frist sein Erbe] erbat -, dieses Erbe nicht gab, [ganz] der Finsternis (tamas) hingegeben...

Wort für Wort
dyūte adharmeṇa jitasya sādhoḥ
dem beim unrechtmäßigen Würfelspiel besiegten Rechtschaffenen
satya-avalambasya vanam gatasya
der sich auf die Wahrheit stützte und in den Wald ging
na adāt samayena dāyam
er gab nicht das [nach] der Frist [fällige] Erbe
yācataḥ ajāta-śatroḥ
dem erbetenden 'Feindlosen'
tamaḥ-juṣāṇaḥ
der Finsternis hingegeben

yadā ca pārtha-prahitaḥ sabhāyāṁ jagad-gurur yāni jagāda kṛṣṇaḥ | na tāni puṁsām amṛtāyanāni rājoru mene kṣata-puṇya-leśaḥ

...und als der König, dessen letzter Rest an Verdienst [bereits] vernichtet war, die Worte, die Kṛṣṇa - der von Pārtha [Yudhiṣṭhira] entsandte Lehrer der Welt - in der Versammlungshalle sprach, Worte, die für die Menschen wie ein Weg zur Unsterblichkeit sind, nicht hoch schätzte...

Wort für Wort
yadā ca pārtha-prahitaḥ
und als der von Pārtha entsandte
sabhāyām jagat-guruḥ yāni jagāda kṛṣṇaḥ
die Worte, die Kṛṣṇa, der Lehrer der Welt, in der Versammlungshalle sprach
na tāni puṁsām amṛta-ayanāni
[Worte,] die nicht als Weg zur Unsterblichkeit für die Menschen
rājā uru mene kṣata-puṇya-leśaḥ
der König, dessen Verdienstrest zerstört war, hoch achtete

yadopahūto bhavanaṁ praviṣṭo mantrāya pṛṣṭaḥ kila pūrvajena | athāha tan mantra-dṛśāṁ varīyān yan mantriṇo vaidurikaṁ vadanti

...als er [Vidura], herbeigerufen, das Haus betrat und von seinem älteren Bruder [Dhṛtarāṣṭra] um Rat gefragt wurde, da sprach er, der Vorzüglichste unter den Rat-Kundigen, jenes, was die Ratgeber als 'die Vidura-Weisheit' (vaidurika) bezeichnen.

Wort für Wort
yadā upahūtaḥ bhavanam praviṣṭaḥ
als er, herbeigerufen, das Haus betrat
mantrāya pṛṣṭaḥ kila pūrvajena
von seinem älteren Bruder um Rat gefragt
atha āha tat
da sprach er dies
mantra-dṛśām varīyān
der Vorzüglichste unter den Rat-Kundigen
yat mantriṇaḥ vaidurikam vadanti
was die Ratgeber als 'Vidura-Weisheit' bezeichnen

ajāta-śatroḥ pratiyaccha dāyaṁ titikṣato durviṣahaṁ tavāgaḥ | sahānujo yatra vṛkodarāhiḥ śvasan ruṣā yat tvam alaṁ bibheṣi

'Gib dem "Feindlosen" [Yudhiṣṭhira] sein Erbe zurück, der geduldig dein schwer erträgliches Vergehen erduldet - ihm, bei dem, samt seinen jüngeren Brüdern, die Schlange Vṛkodara [Bhīma] zischend vor Zorn [bereitsteht], vor dem du dich zu Recht sehr fürchtest.'

Wort für Wort
ajāta-śatroḥ pratiyaccha dāyam
gib dem 'Feindlosen' [sein] Erbe zurück
titikṣataḥ durviṣaham tava āgaḥ
der dein schwer erträgliches Vergehen erduldet
saha-anujaḥ yatra vṛkodara-ahiḥ
bei dem, samt jüngeren Brüdern, die Schlange Vṛkodara
śvasan ruṣā
zischend vor Zorn
yat tvam alam bibheṣi
vor dem du dich zu Recht sehr fürchtest

pārthāṁs tu devo bhagavān mukundo gṛhītavān sakṣiti-deva-devaḥ | āste sva-puryāṁ yadu-deva-devo vinirjitāśeṣa-nṛdeva-devaḥ

'Die Pārthas aber hat der göttliche, erhabene Mukunda [Kṛṣṇa] - er, der Gott der Erd-Götter [Brahmanen] - zu den Seinen gemacht; er weilt in seiner eigenen Stadt, der Gott der Götter der Yadus, der alle Götter unter den Königen [gänzlich] besiegt hat.'

Wort für Wort
pārthān tu devaḥ bhagavān mukundaḥ gṛhītavān
die Pārthas aber hat der göttliche, erhabene Mukunda [zu den Seinen] gemacht
sa-kṣiti-deva-devaḥ
er, der Gott der Erd-Götter
āste sva-puryām yadu-deva-devaḥ
er weilt in seiner Stadt, der Gott der Götter der Yadus
vinirjita-aśeṣa-nṛ-deva-devaḥ
der alle Götter unter den Königen [restlos] besiegt hat

sa eṣa doṣaḥ puruṣa-dviḍ āste gṛhān praviṣṭo yam apatya-matyā | puṣṇāsi kṛṣṇād vimukho gata-śrīs tyajāśv aśaivaṁ kula-kauśalāya

'Eben dieser [Duryodhana], der Feind des [Höchsten] Puruṣa, weilt [nun als] dieses Übel in [deinem] Haus, eingedrungen, den du aus [bloßer] Sohnesliebe nährst - du, der du, von Kṛṣṇa abgewandt, deines Glücks beraubt bist; gib ihn, den Unheilvollen, sogleich auf, zum Wohl des [ganzen] Geschlechts.'

Wort für Wort
saḥ eṣaḥ doṣaḥ puruṣa-dviṭ āste
eben dieser Feind des Puruṣa weilt [als] dieses Übel
gṛhān praviṣṭaḥ yam apatya-matyā puṣṇāsi
eingedrungen, den du aus Sohnesliebe nährst
kṛṣṇāt vimukhaḥ gata-śrīḥ
von Kṛṣṇa abgewandt, deines Glücks beraubt
tyaja āśu aśaivam kula-kauśalāya
gib den Unheilvollen sogleich auf, zum Wohl des Geschlechts

pravṛddha-kopa-sphuritādhareṇa asat-kṛtaḥ sat-spṛhaṇīya-śīlaḥ | kṣattā sakarṇānuja-saubalena

Kṣattā [Vidura], dessen Wesen den Rechtschaffenen erstrebenswert war, wurde missachtet/beschimpft von [Duryodhana], dessen Lippen vor wachsendem Zorn zuckten, zusammen mit Karṇa, [seinem] jüngeren Bruder [Duḥśāsana] und dem Sohn Subalas [Śakuni] -

Wort für Wort
pravṛddha-kopa-sphurita-adhareṇa
von dem, dessen Lippen vor wachsendem Zorn zuckten
asat-kṛtaḥ sat-spṛhaṇīya-śīlaḥ
missachtet, [er,] dessen Wesen den Rechtschaffenen erstrebenswert war
kṣattā
Kṣattā [Vidura]
sa-karṇa-anuja-saubalena
zusammen mit Karṇa, dem jüngeren Bruder und Subalas Sohn

[Anm.: Der Satz setzt sich in V.15 fort, wo der Inhalt der Beschimpfung wiedergegeben wird; Vers 14 besteht laut Quelle aus nur drei Pādas (ungewöhnlich, per Rohtext-Nachfrage bestätigt). Die genaue Zusammensetzung von 'sakarṇānuja-saubalena' bleibt unsicher.]

ka enam atropajuhāva jihmaṁ dāsyāḥ sutaṁ yad-balinaiva puṣṭaḥ | tasmin pratīpaḥ parakṛtya āste nirvāsyatām āśu purāc chvasānaḥ

'Wer hat diesen Hinterhältigen hierher gerufen - den Sohn einer Dienerin, der doch nur durch eben diese [Familien-]Kraft großgezogen wurde? Feindselig steht er auf der Seite der Gegner; er werde, hier schnaubend, sogleich aus der Stadt verbannt!'

Wort für Wort
kaḥ enam atra upajuhāva jihmam
wer hat diesen Hinterhältigen hierher gerufen
dāsyāḥ sutam yad-balinā eva puṣṭaḥ
den Sohn einer Dienerin, der durch eben diese Kraft großgezogen wurde
tasmin pratīpaḥ para-kṛtye āste
feindselig steht er auf der Seite der Gegner
nirvāsyatām āśu purāt śvasānaḥ
er werde, schnaubend, sogleich aus der Stadt verbannt

svayaṁ dhanur dvāri nidhāya māyāṁ bhrātuḥ puro marmasu tāḍito 'pi | sa ittham atyulbaṇa-karṇa-bāṇair gata-vyatho 'yād uru mānayānaḥ

Er selbst, [seinen] Bogen an der Tür ablegend, ertrug es, vor seinem Bruder mitten ins Herz getroffen zu werden; so, von den überaus scharfen Pfeilen aus Karṇas [Mund] getroffen, zog er dennoch, [den Schmerz] überwindend, fort, [die Sache] als bedeutsam erachtend.

Wort für Wort
svayam dhanuḥ dvāri nidhāya māyām
er selbst, den Bogen an der Tür ablegend, [seine göttliche] Macht [zurückhaltend]
bhrātuḥ puraḥ marmasu tāḍitaḥ api
obwohl vor seinem Bruder mitten ins Herz getroffen
atyulbaṇa-karṇa-bāṇaiḥ
durch die überaus scharfen Pfeile aus Karṇas [Mund]
gata-vyathaḥ ayāt uru mānayānaḥ
[den Schmerz] überwindend, zog er fort, [die Sache] als bedeutsam erachtend

[?] Bildreich-verdichtete Formulierung (Pfeile = beleidigende Worte); die genaue Konstruktion bleibt unsicher.

sa nirgataḥ kaurava-puṇya-labdho gajāhvayāt tīrtha-padaḥ padāni | anvākramat puṇya-cikīrṣayorvyām adhiṣṭhito yāni sahasra-mūrtiḥ

Er, von den Kauravas durch [deren eigenes] Verdienst noch gehalten, verließ [nun dennoch] Hastināpura (Gajāhvaya) und schritt, [selbst] von der Gestalt des 'Fußes der Pilgerstätten', die Fußspuren jener [Orte] ab, die - in tausendfacher Gestalt gegenwärtig - Verdienst zu erwerben wünschten.

Wort für Wort
saḥ nirgataḥ kaurava-puṇya-labdhaḥ
er, von den Kauravas durch [deren] Verdienst [noch] gehalten, verließ [dennoch]
gaja-āhvayāt
Hastināpura (Gajāhvaya)
tīrtha-padaḥ padāni anvākramat
er, von der Gestalt des Pilgerstätten-Fußes, schritt die Fußspuren ab
puṇya-cikīrṣayā urvyām adhiṣṭhitaḥ yāni sahasra-mūrtiḥ
jener [Orte], die, in tausendfacher Gestalt auf der Erde gegenwärtig, Verdienst zu erwerben wünschten

[?] Sehr verdichtete, bildhafte Formulierung; Sinn vermutlich: Vidura verließ Hastināpura, um die heiligen Pilgerstätten der Erde zu bereisen, die selbst gleichsam nach Verdienst durch seinen Besuch verlangten.

pureṣu puṇyopavanādri-kuñjeṣv apaṅka-toyeṣu sarit-saraḥsu | ananta-liṅgaiḥ samalaṅkṛteṣu cacāra tīrthāyataneṣv ananyaḥ

In heiligen Städten, Gärten, Berghainen, in schlammfreien Gewässern, Flüssen und Seen, geschmückt mit den Liṅgas des Ananta, wanderte er, ungeteilten Sinnes, durch die Pilgerstätten-Heiligtümer.

Wort für Wort
pureṣu puṇya-upavana-adri-kuñjeṣu
in heiligen Städten, Gärten, Berghainen
apaṅka-toyeṣu sarit-saraḥsu
in schlammfreien Gewässern, Flüssen und Seen
ananta-liṅgaiḥ samalaṅkṛteṣu
geschmückt mit den Liṅgas des Ananta
cacāra tīrtha-āyataneṣu ananyaḥ
wanderte er, ungeteilten Sinnes, durch die Pilgerstätten-Heiligtümer

gāṁ paryaṭan medhya-vivikta-vṛttiḥ sadāpluto 'dhaḥ śayano 'vadhūtaḥ | alakṣitaḥ svair avadhūta-veṣo vratāni cere hari-toṣaṇāni

Über die Erde wandernd, mit reiner, zurückgezogener Lebensweise, stets [in heiligen Gewässern] badend, auf dem Boden schlafend, [alle äußeren Bindungen] abgeschüttelt (avadhūta), von den Seinen unerkannt, in der Tracht eines Avadhūta, übte er Gelübde, die Hari erfreuen.

Wort für Wort
gām paryaṭan medhya-vivikta-vṛttiḥ
über die Erde wandernd, mit reiner, zurückgezogener Lebensweise
sadā-aplutaḥ adhaḥ śayanaḥ avadhūtaḥ
stets badend, auf dem Boden schlafend, abgeschüttelt
alakṣitaḥ svaiḥ avadhūta-veṣaḥ
von den Seinen unerkannt, in Avadhūta-Tracht
vratāni cere hari-toṣaṇāni
er übte Gelübde, die Hari erfreuen

itthaṁ vrajan bhāratam eva varṣaṁ kālena yāvad gatavān prabhāsam | tāvac chaśāsa kṣitim eka cakrām ekātapatrām ajitena pārthaḥ

So durch das Bhārata-Land wandernd, gelangte er mit der Zeit schließlich nach Prabhāsa; unterdessen beherrschte, von dem Unbesiegten [Kṛṣṇa] unterstützt, Pārtha [Yudhiṣṭhira] die Erde als Einzel-Rad-Reich unter einem einzigen [Königs-]Schirm.

Wort für Wort
ittham vrajan bhāratam eva varṣam
so durch das Bhārata-Land wandernd
kālena yāvat gatavān prabhāsam
gelangte er mit der Zeit schließlich nach Prabhāsa
tāvat śaśāsa kṣitim eka-cakrām eka-ātapatrām
unterdessen beherrschte er die Erde als Einzel-Rad-Reich unter einem Schirm
ajitena pārthaḥ
Pārtha, von dem Unbesiegten [unterstützt]

tatrātha śuśrāva suhṛd-vinaṣṭiṁ vanaṁ yathā veṇuja-vahni-saṁśrayam | saṁspardhayā dagdham athānuśocan sarasvatīṁ pratyag iyāya tūṣṇīm

Dort nun vernahm er die Vernichtung seiner Verwandten - wie ein Wald, der durch aus Bambusreibung entstandenes Feuer, [durch gegenseitige] Rivalität, verbrannt worden war; darüber trauernd, wandte er sich schweigend gen Westen zur Sarasvatī.

Wort für Wort
tatra atha śuśrāva suhṛt-vinaṣṭim
dort nun vernahm er die Vernichtung der Verwandten
vanam yathā veṇuja-vahni-saṁśrayam
wie ein Wald durch aus Bambusreibung entstandenes Feuer
saṁspardhayā dagdham
durch [gegenseitige] Rivalität verbrannt
atha anuśocan sarasvatīm pratyak iyāya tūṣṇīm
darüber trauernd wandte er sich schweigend gen Westen zur Sarasvatī

[Anm.: Das Gleichnis bezieht sich vermutlich auf die gegenseitige Vernichtung der Yadu-Sippe (Bruderkrieg von Prabhāsa, wie am Ende von Skandha 1 berichtet).]

tasyāṁ tritasyośanaso manoś ca pṛthor athāgner asitasya vāyoḥ | tīrthaṁ sudāsasya gavāṁ guhasya yac chrāddhadevasya sa āsiṣeve

An ihr [der Sarasvatī] besuchte er die Pilgerstätten des Trita, des Uśanas, des Manu, ferner des Pṛthu, des Agni, des Asita, des Vāyu, des Sudāsa, der 'Kühe', des Guha und die des Śrāddhadeva.

Wort für Wort
tasyām tritasya uśanasaḥ manoḥ ca
an ihr [die Stätten] des Trita, Uśanas, Manu
pṛthoḥ atha agneḥ asitasya vāyoḥ
ferner des Pṛthu, Agni, Asita, Vāyu
tīrtham sudāsasya gavām guhasya
die Pilgerstätte des Sudāsa, der Kühe, des Guha
yat śrāddhadevasya saḥ āsiṣeve
und die des Śrāddhadeva besuchte er

[?] Einige der genannten Namen (z.B. 'gavām', 'der Kühe') sind als Tīrtha-Namen unsicher zuzuordnen.

anyāni ceha dvija-deva-devaiḥ kṛtāni nānāyatanāni viṣṇoḥ | pratyaṅga-mukhyāṅkita-mandirāṇi yad-darśanāt kṛṣṇam anusmaranti

Und andere, hier von den Göttern der Zweifachgeborenen [Brahmanen] errichtete vielfältige Heiligtümer Viṣṇus, Tempel, die mit den wichtigsten Gliedern [des Herrn] gekennzeichnet sind, bei deren Anblick man sich Kṛṣṇas erinnert.

Wort für Wort
anyāni ca iha dvija-deva-devaiḥ kṛtāni
und andere, hier von den Göttern der Brahmanen errichtete
nānā-āyatanāni viṣṇoḥ
vielfältige Heiligtümer Viṣṇus
pratyaṅga-mukhya-aṅkita-mandirāṇi
Tempel, mit den wichtigsten Gliedern gekennzeichnet
yad-darśanāt kṛṣṇam anusmaranti
bei deren Anblick man sich Kṛṣṇas erinnert

tatas tv ativrajya surāṣṭram ṛddhaṁ sauvīra-matsyān kurujāṅgalāṁś ca | kālena tāvad yamunām upetya tatroddhavaṁ bhāgavataṁ dadarśa

Von dort aber weiterziehend durch das reiche Land Surāṣṭra, durch Sauvīra und Matsya sowie Kurujāṅgala, gelangte er mit der Zeit schließlich zur Yamunā und erblickte dort Uddhava, den Verehrer des Erhabenen.

Wort für Wort
tataḥ tu ativrajya surāṣṭram ṛddham
von dort aber weiterziehend durch das reiche Surāṣṭra
sauvīra-matsyān kurujāṅgalān ca
durch Sauvīra, Matsya und Kurujāṅgala
kālena tāvat yamunām upetya
mit der Zeit schließlich zur Yamunā gelangend
tatra uddhavam bhāgavatam dadarśa
erblickte er dort Uddhava, den Verehrer des Erhabenen

sa vāsudevānucaraṁ praśāntaṁ bṛhaspateḥ prāk tanayaṁ pratītam | āliṅgya gāḍhaṁ praṇayena bhadraṁ svānām apṛcchad bhagavat-prajānām

Er umarmte innig und liebevoll ihn, den friedvollen Gefolgsmann Vāsudevas, den einst als Sohn Bṛhaspatis anerkannten [Uddhava], den Segensreichen, und erkundigte sich nach dem Wohlergehen der Seinen, der Untertanen des Erhabenen.

Wort für Wort
sa vāsudeva-anucaram praśāntam
er, den friedvollen Gefolgsmann Vāsudevas
bṛhaspateḥ prāk tanayam pratītam
den einst als Sohn Bṛhaspatis anerkannten
āliṅgya gāḍham praṇayena bhadram
innig und liebevoll umarmend, den Segensreichen
apṛcchat bhagavat-prajānām svānām
er erkundigte sich nach den Seinen, den Untertanen des Erhabenen

[?] 'bṛhaspateḥ prāk tanayam' (einst als Sohn Bṛhaspatis [geboren/bekannt]) bezieht sich vermutlich auf eine frühere Existenz Uddhavas.

kaccit purāṇau puruṣau svanābhya-pādmānuvṛttyeha kilāvatīrṇau | āsāta urvyāḥ kuśalaṁ vidhāya kṛta-kṣaṇau kuśalaṁ śūra-gehe

'Sind wohl die beiden uranfänglichen Puruṣas [Kṛṣṇa und Balarāma], die - der Lotus-Nabel-Überlieferung gemäß - hier herabgestiegen sind, wohlauf, nachdem sie der Erde Wohlergehen bereitet haben, im Hause Śūras, sich [dort] Muße gönnend?'

Wort für Wort
kaccit purāṇau puruṣau
sind wohl die beiden uranfänglichen Puruṣas
sva-nābhya-padma-anuvṛttyā iha kila avatīrṇau
die der Lotus-Nabel-Überlieferung gemäß hier herabgestiegen sind
āsāte urvyāḥ kuśalam vidhāya
sie sind, nachdem sie der Erde Wohlergehen bereitet haben
kṛta-kṣaṇau kuśalam śūra-gehe
sich Muße gönnend, wohlauf im Hause Śūras

kaccit kurūṇāṁ paramaḥ suhṛn no bhāmaḥ sa āste sukham aṅga śauriḥ | yo vai svasṝṇāṁ pitṛvad dadāti varān vadānyo vara-tarpaṇena

'Ist wohl, o Lieber, jener glanzvolle Śauri [Vasudeva], der vorzüglichste Freund von uns Kurus, wohlauf, der freigebig seinen Schwestern wie ein Vater Wünsche durch Gunstbezeigung erfüllt?'

Wort für Wort
kaccit kurūṇām paramaḥ suhṛt naḥ
ist wohl der vorzüglichste Freund von uns Kurus
bhāmaḥ sa āste sukham aṅga śauriḥ
jener glanzvolle Śauri wohlauf, o Lieber
yaḥ vai svasṝṇām pitṛvat dadāti varān
der seinen Schwestern wie ein Vater Wünsche gewährt
vadānyaḥ vara-tarpaṇena
freigebig durch Gunstbezeigung

kaccid varūthādhipatir yadūnāṁ pradyumna āste sukham aṅga vīraḥ | yaṁ rukmiṇī bhagavato 'bhilebhe ārādhya viprān smaram ādi-sarge

'Ist wohl, o Lieber, der Held Pradyumna, der Heerführer der Yadus, wohlauf - er, den Rukmiṇī vom Erhabenen erlangte, nachdem sie die Brahmanen verehrt hatte, er, Kāma [selbst] aus der ersten Schöpfung?'

Wort für Wort
kaccit varūtha-adhipatiḥ yadūnām
ist wohl der Heerführer der Yadus
pradyumnaḥ āste sukham aṅga vīraḥ
der Held Pradyumna wohlauf, o Lieber
yam rukmiṇī bhagavataḥ abhilebhe
den Rukmiṇī vom Erhabenen erlangte
ārādhya viprān smaram ādi-sarge
nachdem sie die Brahmanen verehrt hatte, [er,] Kāma aus der ersten Schöpfung

[Anm.: Pradyumna gilt hier als Wiedergeburt/Inkarnation des Liebesgottes Kāma aus der ersten Schöpfung.]

kaccid dhareḥ saumya sutaḥ sadṛkṣa āste 'graṇī rathināṁ sādhu sāmbaḥ | asūta yaṁ jāmbavatī vratāḍhyā devaṁ guhaṁ yo 'mbikayā dhṛto 'gre

'Ist wohl, o Sanftmütiger, Sāmba, der Sohn Haris, ihm ähnlich, der Vorzüglichste unter den Wagenkämpfern, wohlauf - er, den die gelübdereiche Jāmbavatī gebar, [er, der] dem Gott Guha [Skanda] gleicht, den einst Ambikā zuerst trug?'

Wort für Wort
kaccit hareḥ saumya sutaḥ sadṛkṣaḥ
ist wohl, o Sanftmütiger, der Sohn Haris, ihm ähnlich
āste agraṇīḥ rathinām sādhu sāmbaḥ
wohlauf der Vorzüglichste unter den Wagenkämpfern, der treffliche Sāmba
asūta yam jāmbavatī vrata-āḍhyā
den die gelübdereiche Jāmbavatī gebar
devam guham yaḥ ambikayā dhṛtaḥ agre
[er, der] dem Gott Guha gleicht, den einst Ambikā zuerst trug

[?] Der Vergleich Sāmbas mit dem von Ambikā (Pārvatī) getragenen Skanda bleibt in seiner genauen Bedeutung unsicher.

kaccit sukhaṁ sātvata-vṛṣṇi-bhoja-dāśārhakāṇām adhipaḥ sa āste | yam abhyaṣiñcac chata-patra-netro nṛpāsanāśāṁ parihṛtya dūrāt

'Ist er wohl wohlauf, der Herrscher der Sātvatas, Vṛṣṇis, Bhojas und Dāśārhas - er, den der Lotusäugige [Kṛṣṇa] gesalbt hat, nachdem er selbst die Hoffnung auf den Königsthron weit von sich gewiesen hatte?'

Wort für Wort
kaccit sukham sātvata-vṛṣṇi-bhoja-dāśārhakāṇām adhipaḥ
ist wohl wohlauf der Herrscher der Sātvatas, Vṛṣṇis, Bhojas und Dāśārhas
saḥ āste
er weilt/ist
yam abhyaṣiñcat śata-patra-netraḥ
den der Lotusäugige gesalbt hat
nṛpa-āsana-āśām parihṛtya dūrāt
nachdem er die Hoffnung auf den Königsthron weit von sich gewiesen hatte

[Anm.: Bezieht sich vermutlich auf Ugrasena, den von Kṛṣṇa wieder eingesetzten König der Yadus.]

kṣemaṁ sa kaccid yuyudhāna āste yaḥ phālgunāl labdha-dhanū-rahasyaḥ | lebhe 'ñjasādhokṣaja-sevayaiva gatiṁ tadīyāṁ yatibhir durāpām

'Ist Yuyudhāna [Sātyaki] wohl wohlbehalten, der von Phālguna [Arjuna] das Geheimnis des Bogens erlangte und allein durch den Dienst am Transzendenten [Kṛṣṇa] mühelos dessen Zustand erlangte, der [selbst] für Asketen schwer erreichbar ist?'

Wort für Wort
kṣemam sa kaccit yuyudhānaḥ āste
ist wohl Yuyudhāna wohlbehalten
yaḥ phālgunāt labdha-dhanuḥ-rahasyaḥ
der von Phālguna das Geheimnis des Bogens erlangte
lebhe añjasā adhokṣaja-sevayā eva
er erlangte mühelos allein durch den Dienst am Transzendenten
gatim tadīyām yatibhiḥ durāpām
dessen Zustand, für Asketen schwer erreichbar

kaccid budhaḥ svasty anamīva āste śvaphalka-putro bhagavat-prapannaḥ | yaḥ kṛṣṇa-pādāṅkita-mārga-pāṁsuṣv aceṣṭata prema-vibhinna-dhairyaḥ

'Ist der Weise [Akrūra], Śvaphalkas Sohn, dem Erhabenen ergeben, wohl unversehrt und wohlauf - er, der sich im Staub der von Kṛṣṇas Füßen gezeichneten Wege wälzte, seine Fassung durch Liebe aufgelöst?'

Wort für Wort
kaccit budhaḥ svasti anamīvaḥ āste
ist der Weise wohl unversehrt und wohlauf
śvaphalka-putraḥ bhagavat-prapannaḥ
Śvaphalkas Sohn, dem Erhabenen ergeben
yaḥ kṛṣṇa-pāda-aṅkita-mārga-pāṁsuṣu aceṣṭata
der sich im Staub der von Kṛṣṇas Füßen gezeichneten Wege wälzte
prema-vibhinna-dhairyaḥ
seine Fassung durch Liebe aufgelöst

kaccic chivaṁ devaka-bhoja-putryā viṣṇu-prajāyā iva deva-mātuḥ | yā vai sva-garbheṇa dadhāra devaṁ trayī yathā yajña-vitānam artham

'Geht es der Tochter Devaka-Bhojas [Devakī] wohl gut - ihr, [die ist] wie die Mutter der Götter [Aditi], die Nachkommenschaft Viṣṇus [in sich trug] - sie, die in ihrem eigenen Schoß den Gott trug, wie die dreifache Veda-Wissenschaft den Zweck des Opfers [in sich trägt]?'

Wort für Wort
kaccit śivam devaka-bhoja-putryāḥ
geht es der Tochter Devaka-Bhojas wohl gut
viṣṇu-prajāyāḥ iva deva-mātuḥ
wie der [Mutter der] Nachkommenschaft Viṣṇus, wie die Mutter der Götter
yā vai sva-garbheṇa dadhāra devam
die in ihrem eigenen Schoß den Gott trug
trayī yathā yajña-vitānam artham
wie die dreifache Veda-Wissenschaft den Zweck der Opferausbreitung [trägt]

[?] Der Vergleich 'trayī yathā yajña-vitānam artham' (wie die Dreiheit [der Veden] den Zweck der Opferausbreitung [trägt]) bleibt bildhaft-unsicher.

apisvid āste bhagavān sukhaṁ vo yaḥ sātvatāṁ kāma-dugho 'niruddhaḥ | yam āmananti sma hi śabda-yoniṁ mano-mayaṁ sattva-turīya-tattvam

'Ist wohl der Erhabene bei euch wohlauf - Aniruddha, der die Wünsche der Sātvatas [wie eine Wunschkuh] erfüllt - er, den man als den Ursprung des Wortes, aus Geist bestehend, als das vierte Prinzip der Reinheit (sattva) bezeichnet?'

Wort für Wort
api svit āste bhagavān sukham vaḥ
ist wohl der Erhabene bei euch wohlauf
yaḥ sātvatām kāma-dughaḥ aniruddhaḥ
Aniruddha, der die Wünsche der Sātvatas erfüllt
yam āmananti sma hi śabda-yonim
den man als den Ursprung des Wortes bezeichnet
manaḥ-mayam sattva-turīya-tattvam
aus Geist bestehend, das vierte Prinzip der Reinheit

[Anm.: Aniruddha wird hier in seiner theologischen Funktion als eine der vier vyūha-Emanationen (neben Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna) beschrieben, zuständig für den Geist/Manas.]

apisvid anye ca nijātma-daivam ananya-vṛttyā samanuvratā ye | hṛdīka-satyātmaja-cārudeṣṇa-gadādayaḥ svasti caranti saumya

'Und sind auch die anderen wohlauf, o Sanftmütiger, die dem eigenen [Familien-]Gott ungeteilt ergeben sind - Hṛdīka, Satyakis Sohn, Cārudeṣṇa, Gada und die anderen?'

Wort für Wort
api svit anye ca nija-ātma-daivam
und sind auch die anderen, dem eigenen [Familien-]Gott
ananya-vṛttyā samanuvratāḥ ye
die ungeteilt ergeben sind
hṛdīka-satya-ātmaja-cārudeṣṇa-gada-ādayaḥ
Hṛdīka, Satyakis Sohn, Cārudeṣṇa, Gada und die anderen
svasti caranti saumya
wohlauf, o Sanftmütiger

[?] 'satyātmaja' unklar - evtl. Patronym eines weiteren Yadu-Prinzen.

api sva-dorbhyāṁ vijayācyutābhyāṁ dharmeṇa dharmaḥ paripāti setum | duryodhano 'tapyata yat-sabhāyāṁ sāmrājya-lakṣmyā vijayānuvṛttyā

'Schützt wohl der Dharma [Yudhiṣṭhira] mit den beiden Armen Vijayas [Arjuna] und Acyutas [Kṛṣṇa] die Brücke des Dharma nach dem Dharma - er, in dessen Versammlungshalle Duryodhana sich [einst] quälte ob des Kaiserglanzes, [errungen] durch Vijayas [Arjunas] Gefolgschaft?'

Wort für Wort
api sva-dorbhyām vijaya-acyutābhyām
mit den beiden [eigenen] Armen Vijayas und Acyutas
dharmeṇa dharmaḥ paripāti setum
schützt der Dharma nach dem Dharma die Brücke
duryodhanaḥ atapyata yat-sabhāyām
in dessen Versammlungshalle sich Duryodhana quälte
sāmrājya-lakṣmyā vijaya-anuvṛttyā
ob des Kaiserglanzes, [errungen] durch Vijayas Gefolgschaft

kiṁ vā kṛtāgheṣv agham atyamarṣī bhīmo 'hivad dīrghatamaṁ vyamuñcat | yasyāṅghri-pātaṁ raṇa-bhūr na sehe mārgaṁ gadāyāś carato vicitram

'Oder hat der überaus zornentbrannte Bhīma, wie eine [Gift-]Schlange, sein lang [gehegtes] Übel gegen die Übeltäter entladen - er, dessen Fußtritt das Schlachtfeld nicht ertrug, er, der mit seiner Keule wunderliche Bahnen beschritt?'

Wort für Wort
kim vā kṛta-agheṣu agham atyamarṣī
oder hat der überaus Zornentbrannte gegen die Übeltäter [sein] Übel
bhīmaḥ ahi-vat dīrghatamam vyamuñcat
Bhīma wie eine Schlange lang [gehegt] entladen
yasya aṅghri-pātam raṇa-bhūḥ na sehe
dessen Fußtritt das Schlachtfeld nicht ertrug
mārgam gadāyāḥ carataḥ vicitram
der mit seiner Keule wunderliche Bahnen beschritt

gāṇḍīva-dhanvoparatārir āste alakṣito yac-chara-kūṭa-gūḍho māyā-kirāto giriśas tutoṣa

'Ist der Gāṇḍīva-Bogenträger [Arjuna], dessen Feinde zur Ruhe gebracht sind, wohlauf - er, durch dessen Pfeilhaufen verborgen der als Kirāta verkleidete Berg-Herr [Śiva] unerkannt blieb und dennoch zufrieden war?'

Wort für Wort
gāṇḍīva-dhanvā uparata-ariḥ āste
ist der Gāṇḍīva-Bogenträger, dessen Feinde zur Ruhe gebracht sind, wohlauf
alakṣitaḥ yat-śara-kūṭa-gūḍhaḥ
durch dessen Pfeilhaufen verborgen, unerkannt
māyā-kirātaḥ giriśaḥ tutoṣa
der als Kirāta verkleidete Berg-Herr [Śiva] war zufrieden

[Anm.: Verweist auf die Kirātārjunīya-Episode (Śiva als Jäger verkleidet, kämpft mit Arjuna und ist am Ende zufrieden). Vers hat laut Quelle (per Rohtext-Nachfrage bestätigt) nur 3 Pādas statt der üblichen 4 - ungewöhnlich, aber nicht als Fetch-Fehler zu werten.]

yamāv utasvit tanayau pṛthāyāḥ pārthair vṛtau pakṣmabhir akṣiṇīva | remāta uddāya mṛdhe sva-rikthaṁ parāt suparṇāv iva vajri-vaktrāt

'Oder erfreuen sich die Zwillinge [Nakula und Sahadeva], Pṛthās Söhne, von den [übrigen] Pārthas wie von Wimpern die Augen umgeben, daran, im Kampf ihr eigenes Erbe dem Feind zu entreißen - wie zwei Adler [dem] aus Vajra-Angesicht [dem Blitzträger Indra Nektar rauben]?'

Wort für Wort
yamau uta svit tanayau pṛthāyāḥ
oder [erfreuen sich] die Zwillinge, Pṛthās Söhne
pārthaiḥ vṛtau pakṣmabhiḥ akṣiṇī iva
von den Pārthas umgeben wie von Wimpern die Augen
remāte uddāya mṛdhe sva-riktham
sie erfreuen sich, im Kampf ihr eigenes Erbe entreißend
parāt suparṇau iva vajri-vaktrāt
dem Feind, wie zwei Adler aus dem Vajra-Angesicht

[?] Der Bildvergleich mit den Adlern (die dem Indra Amṛta entrissen) bleibt in Einzelheiten unsicher.

aho pṛthāpi dhriyate 'rbhakārthe rājarṣi-varyeṇa vināpi tena | yas tv eka-vīro 'dhiratho vijigye dhanur dvitīyaḥ kakubhaś catasraḥ

'Ach, auch Pṛthā [Kuntī] erträgt [ihr Leben] um der Kinder willen, selbst ohne jenen vorzüglichsten Königsweisen [Pāṇḍu] - er, der als einzelner Held ohne [zweiten] Wagenkämpfer, mit nur dem Bogen als zweitem [Gefährten], die vier Himmelsrichtungen besiegte.'

Wort für Wort
aho pṛthā api dhriyate arbhaka-arthe
ach, auch Pṛthā erträgt [ihr Leben] um der Kinder willen
rājarṣi-varyeṇa vinā api tena
selbst ohne jenen vorzüglichsten Königsweisen
yaḥ tu eka-vīraḥ adhirathaḥ vijigye
der als einzelner Held ohne Wagenkämpfer besiegte
dhanuḥ dvitīyaḥ kakubhaḥ catasraḥ
mit dem Bogen als zweitem [Gefährten] die vier Himmelsrichtungen

saumyānuśoce tam adhaḥ-patantaṁ bhrātre paretāya vidudruhe yaḥ | niryāpito yena suhṛt sva-puryā ahaṁ sva-putrān samanuvratena

'O Sanftmütiger, ich trauere um jenen [Dhṛtarāṣṭra], der [einst] gegen seinen [bereits] verstorbenen Bruder [Pāṇḍu] Feindschaft hegte und, [nur] seinen eigenen Söhnen ergeben, durch den ich, sein Freund, aus meiner eigenen Stadt vertrieben wurde, [nun im Fallen begriffen ist].'

Wort für Wort
saumya anuśoce tam adhaḥ-patantam
o Sanftmütiger, ich trauere um jenen im Fallen begriffenen
bhrātre paretāya vidudruhe yaḥ
der gegen seinen [bereits] verstorbenen Bruder Feindschaft hegte
niryāpitaḥ yena suhṛt sva-puryāḥ aham
durch den ich, sein Freund, aus meiner eigenen Stadt vertrieben wurde
sva-putrān samanuvratena
[er, der nur] seinen eigenen Söhnen ergeben war

[?] Struktur und Bezug ('tam adhaḥ-patantam' - 'jenen im Fallen begriffenen') bleiben unsicher; evtl. Vorausdeutung auf Dhṛtarāṣṭras kommenden moralischen/physischen Niedergang.

so 'haṁ harer martya-viḍambanena dṛśo nṛṇāṁ cālayato vidhātuḥ | nānyopalakṣyaḥ padavīṁ prasādāc carāmi paśyan gata-vismayo 'tra

'Ich aber, durch die menschenähnliche Erscheinung Haris - des Ordners, der die Augen der Menschen [in die Irre] lenkt -, von niemand anderem erkennbar, wandere durch [seine] Gnade auf [seinem] Pfad, [alles] betrachtend, [meiner] Verwunderung entledigt.'

Wort für Wort
saḥ aham hareḥ martya-viḍambanena
ich [aber], durch die menschenähnliche Erscheinung Haris
dṛśaḥ nṛṇām cālayataḥ vidhātuḥ
des Ordners, der die Augen der Menschen [in die Irre] lenkt
na anya-upalakṣyaḥ padavīm prasādāt carāmi
von niemand anderem erkennbar wandere ich durch [seine] Gnade auf [dem] Pfad
paśyan gata-vismayaḥ atra
hier betrachtend, [meiner] Verwunderung entledigt

nūnaṁ nṛpāṇāṁ tri-madotpathānāṁ mahīṁ muhuś cālayatāṁ camūbhiḥ | vadhāt prapannārti-jihīrṣayeśo 'py upaikṣatāghaṁ bhagavān kurūṇām

'Gewiss hat der Erhabene, obwohl Herr [über alles], aus dem Wunsch, durch [ihre] Tötung das Leid der sich [ihm] Ergebenden zu beseitigen, das Unrecht der Kurus - der durch die dreifache Verblendung abgeirrten Könige, die mit ihren Heeren die Erde wiederholt erschütterten - [zunächst] übersehen/geduldet.'

Wort für Wort
nūnam nṛpāṇām tri-mada-utpathānām
gewiss der [durch] die dreifache Verblendung abgeirrten Könige
mahīm muhuḥ cālayatām camūbhiḥ
die mit ihren Heeren die Erde wiederholt erschütterten
vadhāt prapanna-ārti-jihīrṣayā īśaḥ api
aus dem Wunsch, durch Tötung das Leid der sich Ergebenden zu beseitigen, obwohl Herr
upaikṣata agham bhagavān kurūṇām
hat der Erhabene das Unrecht der Kurus [zunächst] übersehen

ajasya janmotpatha-nāśanāya karmāṇy akartur grahaṇāya puṁsām | nanv anyathā ko 'rhati deha-yogaṁ paro guṇānām uta karma-tantram

'Die Geburt des Ungeborenen [dient] der Vernichtung der Abirrenden, seine Taten - obwohl er nicht [wirklich] Handelnder ist - dem Ergreifen [des Verständnisses] der Menschen; wer sonst nämlich verdiente, jenseits der Erscheinungsweisen stehend, eine Körperverbindung oder ein Gewebe von Handlung [einzugehen]?'

Wort für Wort
ajasya janma utpatha-nāśanāya
die Geburt des Ungeborenen [dient] der Vernichtung der Abirrenden
karmāṇi akartuḥ grahaṇāya puṁsām
seine Taten, obwohl nicht [wirklich] Handelnder, dem Ergreifen [des Verständnisses] der Menschen
nanu anyathā kaḥ arhati deha-yogam
wer sonst nämlich verdiente eine Körperverbindung
paraḥ guṇānām uta karma-tantram
jenseits der Erscheinungsweisen stehend, oder ein Gewebe von Handlung

tasya prapannākhila-lokapānām avasthitānām anuśāsane sve | arthāya jātasya yaduṣv ajasya vārtāṁ sakhe kīrtaya tīrtha-kīrteḥ

'Erzähle, o Freund, die Geschichte des Ungeborenen, der - zum Nutzen aller sich ihm ergebenden Welthüter, die in seiner eigenen Ordnung verbleiben - unter den Yadus geboren wurde, er, dessen Ruhm [selbst] die Pilgerstätten heiligt.'

Wort für Wort
tasya prapanna-akhila-lokapānām
zum Nutzen aller sich ihm ergebenden Welthüter
avasthitānām anuśāsane sve
die in seiner eigenen Ordnung verbleiben
arthāya jātasya yaduṣu ajasya
der zu [ihrem] Nutzen unter den Yadus geboren wurde, des Ungeborenen
vārtām sakhe kīrtaya tīrtha-kīrteḥ
erzähle, o Freund, die Geschichte dessen, dessen Ruhm die Pilgerstätten heiligt

[Anm.: Mit diesem Vers endet Viduras Anfrage an Uddhava; das folgende Kapitel (3.2) enthält Uddhavas Antwort/Erinnerung an Kṛṣṇa.]

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