Śrī Śuka sprach: In der hellen Monatshälfte des Mārgaśīrṣa soll eine Frau mit der Erlaubnis ihres Gatten vom ersten Tag an dieses alle Wünsche erfüllende Gelübde beginnen. Nachdem sie von der Geburt der Maruts gehört und die Brahmanen befragt hat, soll sie sich baden, die Zähne reinigen, sich in weiße, geschmückte Gewänder kleiden und vor dem Frühstück den Herrn zusammen mit der Glücksgöttin verehren.
alaṁ te nirapekṣāya pūrṇa-kāma namo 'stu te
mahāvibhūti-pataye namaḥ sakala-siddhaye
Genug [an Bitten] für dich, den Bedürfnislosen — Verbeugung sei dir, o du, dessen Wunsch stets erfüllt ist! Verbeugung dem Gemahl der großen Fülle [Lakṣmīs], Verbeugung dem Herrn aller [mystischen] Vollkommenheiten.
Da du, o Herr, mit Gnade, Reichtum, Glanz, Ruhm und Kraft sowie mit allen [transzendentalen] Eigenschaften ausgestattet bist, darum bist du Bhagavān, der Meister.
viṣṇupatni mahāmāye mahāpuruṣalakṣaṇe
prīyethā me mahābhāge lokamātar namo 'stu te
O Gattin Viṣṇus, große Māyā, die du die Merkmale des Höchsten Puruṣa trägst — sei mir gnädig zugetan, o Hochbeglückte, o Mutter der Welt! Verbeugung sei dir.
Wort für Wort
viṣṇu-patni
o Gattin Viṣṇus (Vok.Sg.)
mahā-māye
o große Māyā (Vok.Sg.)
mahāpuruṣa-lakṣaṇe
o [du], die die Merkmale des Höchsten Puruṣa trägt (Vok.Sg.)
oṁ namo bhagavate mahā-puruṣāya mahānubhāvāya mahāvibhūti-pataye saha mahā-vibhūtibhir balim upaharāmīti; anenāhar-ahar mantreṇa viṣṇor āvāhanārghya-pādyopasparśana-snāna-vāsa-upavīta-vibhūṣaṇa-gandha-puṣpa-dhūpa-dīpopahārādy-upacārān susamāhitopāharet
»Om, Verbeugung dem Erhabenen, dem höchsten Puruṣa, dem Mächtigsten, dem Gemahl der großen Fülle — zusammen mit den Gefährten der großen Fülle biete ich [dieses] Opfer dar« — so [spreche sie]. Mit diesem Mantra soll sie Tag für Tag, mit großer Achtsamkeit, Viṣṇu die Darbietungen der Anrufung, des Wassers für Hände, Füße und Mund, des Badewassers, der Gewänder, der heiligen Schnur, des Schmucks, der Duftstoffe, der Blumen, des Räucherwerks, der Lampen, der Gaben und so weiter darbringen.
Wort für Wort
om
o [mein Herr]/Om (Interj.)
namaḥ
Verbeugung (Nom.Sg.n.)
bhagavate
dem Erhabenen (Dat.Sg.)
mahā-puruṣāya
dem höchsten Puruṣa (Dat.Sg.)
mahānubhāvāya
dem Mächtigsten (Dat.Sg.)
mahāvibhūti-pataye
dem Gemahl der großen Fülle (Dat.Sg.)
saha
zusammen mit (Postp.)
mahāvibhūtibhiḥ
mit den Gefährten der großen Fülle (Instr.Pl.)
balim
das Opfer/die Gabe (Akk.Sg.)
upaharāmi
ich biete dar (Präs.1.Sg.)
iti
so [wörtliche Rede] (Part.)
anena
mit diesem (Instr.Sg.)
ahaḥ-ahaḥ
Tag für Tag (Adv.)
mantreṇa
mit dem Mantra (Instr.Sg.)
viṣṇoḥ
Viṣṇu (Dat./Gen.Sg.)
āvāhana
der Anrufung (Kompositionsglied, Akk.)
arghya-pādya-upasparśana
des Gastwassers für Hände, Füße, Mund (Kompositionsglied)
haviḥśeṣaṁ ca juhuyādanale dvādaśāhutīḥ
oṁ namo bhagavate mahāpuruṣāya mahāvibhūtipataye svāheti
Und die Überreste der Opfergabe soll sie mit zwölf Opferungen ins Feuer geben: »Om, Verbeugung dem Erhabenen, dem höchsten Puruṣa, dem Gemahl der großen Fülle — svāhā!«
Wort für Wort
haviḥ-śeṣam
den Rest der Opfergabe (Akk.Sg.n.)
ca
und (Konj.)
juhuyāt
sie soll darbringen (Opt.3.Sg.)
anale
ins Feuer (Lok.Sg.)
dvādaśa
zwölf (Num.)
āhutīḥ
Opfergaben (Akk.Pl.)
om namaḥ bhagavate mahā-puruṣāya mahāvibhūti-pataye
Man soll sich, der Länge nach wie ein Stab, mit von Hingabe gebeugtem Herzen auf dem Boden verneigen, das Mantra zehnmal murmeln und danach das Lobgebet vortragen.
yuvāṁ tu viśvasya vibhū jagataḥ kāraṇaṁ param
iyaṁ hi prakṛtiḥ sūkṣmā māyāśaktirduratyayā
Ihr beide seid wahrlich die Gebieter des Alls, die höchste Ursache der Welt. Diese [Śrī] ist gewiss [deine] subtile Natur, die schwer zu überwindende Māyā-Kraft.
Von dieser [Māyā] bist du selbst unmittelbar der Gebieter, die höchste Person. Du bist das gesamte Opfer [in Person]; diese [Göttin] ist die Verehrung, dies [Ritual] ist die Handlung, und du bist der Genießer der Früchte.
Diese Göttin ist die Manifestation [aller] Eigenschaften, du bist ihr Offenbarer, der Genießer der Eigenschaften. Du wahrlich bist die Überseele aller verkörperten Wesen; Śrī ist Körper, Sinne und Geist. Für Name und Form ist Bhagavatī der Anlass, du bist die [letzte] Stütze.
yathā yuvāṁ trilokasya varadau parameṣṭhinau
tathā ma uttamaśloka santu satyā mahāśiṣaḥ
Da ihr beide die Gewährer von Segnungen der drei Welten, die höchsten Herrscher seid, so mögen, o du, der mit erhabenen Versen Gepriesene, meine großen Wünsche wahr werden.
Wort für Wort
yathā
da/wie (Konj.)
yuvām
ihr beide (Nom.Du.)
tri-lokasya
der drei Welten (Gen.Sg.)
vara-dau
die beiden Segensspender (Nom.Du.)
parameṣṭhinau
die beiden höchsten Herrscher (Nom.Du.)
tathā
so/deshalb (Adv.)
me
meine (Gen.Sg.)
uttama-śloka
o [du], der mit erhabenen Versen gepriesen wird (Vok.Sg.)
ityabhiṣṭūya varadaṁ śrīnivāsaṁ śriyā saha
tannniḥsāryopaharaṇaṁ dattvācamanamarcayet
So soll sie, nachdem sie den Segensspender Śrīnivāsa [Viṣṇu] zusammen mit Śrī gepriesen hat, die Verehrungsgegenstände entfernen, das Waschwasser darbieten und [weiter] verehren.
Wort für Wort
iti
so (Part.)
abhiṣṭūya
gepriesen habend (Absolutiv)
vara-dam
den Segensspender (Akk.Sg.)
śrī-nivāsam
Śrīnivāsa [Viṣṇu, die Wohnstatt der Glücksgöttin] (Akk.Sg.)
śriyā saha
zusammen mit Śrī (Instr. + Postp.)
tat
dann/jenes (Adv./Akk.)
niḥsārya
entfernt habend (Absolutiv)
upaharaṇam
die Verehrungsgegenstände (Akk.Sg.)
dattvā
dargeboten habend (Absolutiv)
ācamanam
das Wasser zum Waschen von Hand und Mund (Akk.Sg.)
patiṁ ca parayā bhaktyā mahāpuruṣacetasā
priyaistaistairupanamet premaśīlaḥ svayaṁ patiḥ
bibhṛyāt sarvakarmāṇi patnyā uccāvacāni ca
Und den Gatten soll sie mit höchster Hingabe, ihn als die Höchste Person betrachtend, mit jenen und jenen lieben [Gaben] verehren. Der Gatte selbst, von liebevoller Natur, soll [seinerseits] alle Pflichten der Gattin, die hohen wie die niederen, übernehmen.
Wort für Wort
patim
den Gatten (Akk.Sg.)
ca
und (Konj.)
parayā
mit höchster (Instr.Sg.f.)
bhaktyā
Hingabe (Instr.Sg.)
mahā-puruṣa-cetasā
mit dem Gedanken [an die] Höchste Person (Instr.Sg.)
[Das Gelübde,] von einem der beiden Ehepartner ausgeführt, [gilt] für beide. Sollte die Gattin dazu unfähig sein, so soll der Gatte dies mit Aufmerksamkeit ausführen.
Sie trage dieses Gelübde für Viṣṇu und unterbreche es auf keine Weise. Tag für Tag soll sie, mit Hingabe, den Regeln folgend, mit Girlanden, Duftstoff, Speiseopfergaben und Schmuck die Brahmanen sowie die Frauen, die [ihren] Gatten und Söhne haben, verehren, [und ebenso] den Gott.
Nachdem sie den Gott an seine Ruhestätte geleitet hat, soll sie das ihm zuvor Dargebotene, [unter den anderen] verteilt, zur Selbstreinigung und zur Erfüllung aller Wünsche essen.
Wort für Wort
viṣṇoḥ
Viṣṇus (Gen.Sg.)
vratam
das Gelübde (Akk.Sg.n.)
idam
dieses (Akk.Sg.n.)
bibhrat
tragend/ausführend (Ptz.Präs., Nom.Sg.f.)
na
nicht (Neg.)
vihanyāt
sie soll unterbrechen/zerstören (Opt.3.Sg.)
kathañcana
auf irgendeine Weise (Adv.)
viprān
die Brahmanen (Akk.Pl.)
striyaḥ
die Frauen (Akk.Pl.)
vīra-vatīḥ
die Gatten und Söhne habenden (Akk.Pl.f.)
srak
mit Girlanden (Kompositionsglied, Instr.)
gandha
Duftstoff (Kompositionsglied)
bali
Speiseopfergaben (Kompositionsglied)
maṇḍanaiḥ
und Schmuck (Instr.Pl.)
arcet
sie soll verehren (Opt.3.Sg.)
ahaḥ-ahaḥ
Tag für Tag (Adv.)
bhaktyā
mit Hingabe (Instr.Sg.)
devam
den Gott [Viṣṇu] (Akk.Sg.)
niyamam
den Regeln (Akk.Sg.)
āsthitā
folgend (Nom.Sg.f., Ptz.Perf.)
udvāsya
an seine Ruhestätte geleitet habend (Absolutiv)
devam
den Gott (Akk.Sg.)
sve dhāmni
an seinen eigenen Ort (Lok.Sg.)
tat-niveditam
das ihm Dargebotene (Akk.Sg.n.)
agrataḥ
zuerst [verteilt] (Adv.)
adyāt
sie soll essen (Opt.3.Sg.)
ātma-viśuddhi-artham
zum Zweck der Selbstreinigung (Akk.Sg., Adv.)
sarva-kāma
aller Wünsche (Kompositionsglied)
samṛddhaye
zur Erfüllung (Dat.Sg.)
[Anm.: Quellanomalie — die auf vedabase.io angezeigte Devanagari-Wiedergabe für Vers 19 setzt erst mit der zweiten Pada ein und lässt die erste, in IAST-Text und Wort-für-Wort-Liste eindeutig belegte Pada "viṣṇor vratam idaṁ bibhran na vihanyāt kathañcana" aus; sie wurde hier anhand der wfw-Gloss-Tabelle ergänzt.]
Nachdem sie mit dieser Art der Verehrung zwölf Monate, ein [ganzes] Jahr, verbracht hat, soll die tugendhafte [Frau] dann am letzten Tag des [Monats] Kārttika [das Gelübde] beenden.
Am folgenden Morgen, nachdem er Wasser berührt und Kṛṣṇa wie zuvor verehrt hat, soll der Gatte gemäß der Anweisung des Kochopfers mit gekochter Milch, Süßreis und Ghee gewiss zwölf Opfergaben darbringen.
Die von den erfreuten Brahmanen ausgesprochenen Segnungen mit dem Haupt annehmend, sich mit Hingabe und gesenktem Haupt verneigend, soll er mit deren Erlaubnis essen.
ācāryamagrataḥ kṛtvā vāgyataḥ saha bandhubhiḥ
dadyātpatnyai caroḥ śeṣaṁ suprajāstvaṁ susaubhagam
Nachdem er zuerst den Lehrer bewirtet hat und, die Rede beherrschend, zusammen mit den Verwandten [gespeist hat], soll er der Gattin den Rest des Süßreisopfers geben, der gute Nachkommenschaft und gutes Glück sichert.
Wer dieses Gelübde für den Herrn den Vorschriften gemäß ausführt — ein Mann erlangt dadurch in diesem [Leben] das erwünschte Ziel. Und eine Frau, die dies befolgt, kann Glück, Wohlstand, Nachkommenschaft, einen langlebigen Gatten, Ruhm und ein [gutes] Heim erlangen.
kanyā ca vindeta samagra-lakṣaṇaṁ patiṁ tv avīrā hata-kilbiṣāṁ gatim
mṛta-prajā jīva-sutā dhaneśvarī sudurbhagā subhagā rūpam agryam
vinded virūpā virujā vimucyate ya āmayāvīndriya-kalya-deham
etat paṭhann abhyudaye ca karmaṇy ananta-tṛptiḥ pitṛ-devatānām
tuṣṭāḥ prayacchanti samasta-kāmān homāvasāne huta-bhuk śrī-hariś ca
rājan mahan marutāṁ janma puṇyaṁ diter vrataṁ cābhihitaṁ mahat te
Ein unverheiratetes Mädchen kann [durch dieses Gelübde] einen mit allen guten Merkmalen ausgestatteten Gatten erlangen; eine gattenlose Frau [erlangt] den von Schuld befreiten Zustand; eine Frau, deren Kinder gestorben sind, [erlangt] ein langlebiges Kind, [eine bedürftige] Herrschaft über Reichtum; eine unglückliche Frau [erlangt] Glück und vorzügliche Schönheit.
Eine hässliche [Frau] kann [Schönheit] erlangen, eine kranke wird von der Krankheit befreit; wer [selbst] leidend ist, [erlangt] einen gesunden Körper mit [wohlfunktionierenden] Sinnen. Wer dies rezitiert, auch bei einem den Vorvätern und Göttern [gewidmeten] Opfer, [bewirkt] die unbegrenzte Zufriedenheit der Vorväter und Götter.
Zufriedengestellt gewähren sie alle Wünsche; bei Beendigung des Feueropfers auch der Opfergenießer [Agni] und Śrī Hari. O König, [so] habe ich dir die große, heilige Geburt der Maruts und das bedeutende Gelübde Ditis dargelegt.
Wort für Wort
kanyā
ein [unverheiratetes] Mädchen (Nom.Sg.)
ca
und (Konj.)
vindeta
kann erlangen (Opt.3.Sg.Med.)
samagra-lakṣaṇam
mit allen guten Merkmalen ausgestattet (Akk.Sg.)
patim
einen Gatten (Akk.Sg.)
tu
und/aber (Part.)
avīrā
eine Frau ohne Gatten oder Sohn (Nom.Sg.)
hata-kilbiṣām
die von Schuld befreite (Akk.Sg.f.)
gatim
den Zustand/das Ziel (Akk.Sg.)
mṛta-prajā
eine Frau, deren Kinder gestorben sind (Nom.Sg.)
jīva-sutā
eine Frau, deren Kind langlebig ist (Akk.Sg.f., substantiviert)
dhana-īśvarī
Herrschaft über Reichtum (Akk.Sg.f.)
su-durbhagā
eine unglückliche [Frau] (Nom.Sg.)
su-bhagā
Glück (Akk.Sg.f., subst.)
rūpam
Schönheit (Akk.Sg.n.)
agryam
vorzügliche (Akk.Sg.n.)
vindet
kann erlangen (Opt.3.Sg.)
virūpā
eine hässliche [Frau] (Nom.Sg.)
virujā
von der Krankheit (Abl./Instr.Sg.)
vimucyate
wird befreit (Präs.Pass.3.Sg.)
yaḥ
wer (Nom.Sg., Relativpron.)
āmayāvī
ein Kranker (Nom.Sg.)
indriya-kalya-deham
einen [an Sinnen] gesunden Körper (Akk.Sg.)
etat
dies (Akk.Sg.n.)
paṭhan
rezitierend (Ptz.Präs., Nom.Sg.)
abhyudaye ca karmaṇi
und bei einem den Vorvätern/Göttern gewidmeten Opfer (Lok.Sg.)
ananta-tṛptiḥ
unbegrenzte Zufriedenheit (Nom.Sg.)
pitṛ-devatānām
der Vorväter und Götter (Gen.Pl.)
tuṣṭāḥ
zufriedengestellt (Nom.Pl.)
prayacchanti
sie gewähren (Präs.3.Pl.)
samasta-kāmān
alle Wünsche (Akk.Pl.)
homa-avasāne
bei Beendigung des Feueropfers (Lok.Sg.)
huta-bhuk
der Genießer des Opfers [Agni] (Nom.Sg.)
śrī-hariḥ
Śrī Hari (Nom.Sg.)
ca
und/auch (Konj.)
rājan
o König (Vok.Sg.)
mahat
groß/bedeutend (Akk.Sg.n.)
marutām
der Maruts (Gen.Pl.)
janma
die Geburt (Akk.Sg.n.)
puṇyam
heilig/verdienstvoll (Akk.Sg.n.)
diteḥ
Ditis (Gen.Sg.)
vratam
das Gelübde (Akk.Sg.n.)
ca
und (Konj.)
abhihitam
dargelegt/erklärt (PPP, Nom.Sg.n.)
mahat
bedeutend (Nom.Sg.n.)
te
dir (Dat.Sg.)
[Anm.: Die drei zusammengefassten Verse 26-28 enthalten eine Serie parallel konstruierter Elliptischer Wunschsätze (welche Segnung wer erlangt); einzelne Ellipsen wurden im Deutschen mit [?]-Ergänzungen sinngemäß aufgefüllt.]