Kapitel 72: dhruva-yakṣa-yuddham [?]
Dhruva Mahārājas Kampf mit den Yakṣas
Hinweis zur Feldbezeichnung 'num': Die Aufgabenstellung nennt in der Validierungsvorschrift den Wert 72, was mit der eigentlichen Aufgabe (Skandha 4, Kapitel 10) nicht übereinstimmt und offenbar ein Vorlagenfehler ist. Hier wurde num=10 gesetzt, entsprechend der tatsächlichen Kapitelnummer. title_sa ist erschlossen/rekonstruiert, da das Sanskrit-Original keinen eigenen Kapiteltitel überliefert (der Titel stammt aus Prabhupadas englischer Ausgabe); daher die [?]-Markierung.
Der Starkkräftige [Dhruva] zeugte auch mit Ilā, der Tochter des Windgottes Vāyu, seiner Gattin, einen Sohn namens Utkala und ein Mädchen, ein wahres Juwel.
Wort für Wort
ilāyām
bei/mit Ilā (Lok. Sg.)
api
auch
bhāryāyām
bei der Gattin (Lok. Sg.)
vāyoḥ
des Vāyu (Gen. Sg., Windgott)
putryām
bei der Tochter (Lok. Sg.)
mahā-balaḥ
der Starkkräftige (Nom. Sg., Dhruva)
putram
einen Sohn (Akk. Sg.)
utkala-nāmānam
mit Namen Utkala (Akk. Sg.)
yoṣit-ratnam
ein Juwel von einem Mädchen/eine Tochter (Akk. Sg.)
Uttama aber, noch unverheiratet, wurde bei der Jagd auf dem Berg von einem sehr mächtigen Yakṣa getötet; seine [Uttamas] Mutter folgte seinem Weg [in den Tod].
Wort für Wort
uttamaḥ
Uttama (Nom. Sg.)
tu
aber
akṛta-udvāhaḥ
unverheiratet, ohne vollzogene Heirat (Nom. Sg.)
mṛgayāyām
bei der Jagd (Lok. Sg.)
balīyasā
von einem sehr Mächtigen (Instr. Sg., Komparativ)
hataḥ
getötet (Nom. Sg., PPP)
puṇya-janena
durch einen Yakṣa (Instr. Sg., wörtl. 'gesegnete Person')
Nachdem der König in die nördliche Richtung gegangen war, sah er im Tal des Himālaya eine von den Gefolgsleuten Rudras bewohnte Stadt, voll von Guhyakas.
Der Starkarmige blies die Muschel, den Himmel und die Richtungen widerhallen lassend; dadurch, o Vidura, erzitterten die Frauen der Yakṣas heftig, mit ängstlichem Blick.
Auch sie, wie Schlangen, die eine Berührung des Fußes nicht ertragen, durchbohrten jenen [Dhruva] gleichzeitig mit Pfeilen, doppelt so heftig, um [ihm] zu vergelten.
Wort für Wort
te api
auch sie (Nom. Pl.)
ca
und
amum
jenen (Akk. Sg., Dhruva)
amṛṣyantaḥ
nicht ertragend (Nom. Pl., Präs. Part.)
pāda-sparśam
die Berührung des Fußes (Akk. Sg.)
iva
wie
uragāḥ
Schlangen (Nom. Pl.)
śaraiḥ
mit Pfeilen (Instr. Pl.)
avidhyan
durchbohrten (3. Pl. Impf. von vyadh)
yugapat
gleichzeitig (Adv.)
dvi-guṇam
doppelt so heftig (Adv.)
pracikīrṣavaḥ
vergelten wollend (Nom. Pl., Desid.-Nom. ag. von kṛ)
tataḥ parigha-nistriṁśaiḥ prāsaśūla-paraśvadhaiḥ / śakty-ṛṣṭibhir bhuśuṇḍībhiś citra-vājaiḥ śarair api / abhyavarṣan prakupitāḥ sarathaṁ saha-sārathim / icchantas tat pratīkartum ayutānāṁ trayodaśa
Dann überschütteten die dreizehn Myriaden [Yakṣas], erzürnt, ihn samt Wagen und Wagenlenker mit Eisenkeulen, Schwertern, Speeren, Dreizacken, Streitäxten, Lanzen, Wurfspießen, Bhuśuṇḍī-Waffen und auch bunt gefiederten Pfeilen, in der Absicht, das [zuvor Erlittene] zu vergelten.
Wort für Wort
tataḥ
dann
parigha-nistriṁśaiḥ
mit Eisenkeulen [und] Schwertern (Instr. Pl.)
prāsa-śūla-paraśvadhaiḥ
mit Speeren, Dreizacken [und] Streitäxten (Instr. Pl.)
auttānapādiḥ sa tadā śastra-varṣeṇa bhūriṇā / na evādṛśyatācchanna āsāreṇa yathā giriḥ
Der Sohn Uttānapādas [Dhruva] wurde da, verhüllt durch den reichlichen Waffenregen, überhaupt nicht mehr gesehen, wie ein Berg durch einen Sturzregen [verhüllt wird].
Wort für Wort
auttānapādiḥ
der Sohn Uttānapādas (Nom. Sg., Dhruva)
saḥ
er
tadā
da/dann
śastra-varṣeṇa
durch den Waffenregen (Instr. Sg.)
bhūriṇā
reichlichen (Instr. Sg.)
na eva adṛśyata
wurde überhaupt nicht gesehen (3. Sg. Impf. Passiv)
Er ließ seinen göttlichen Bogen erdröhnen, den Feinden Bestürzung bereitend, und zerstreute die Menge der Geschosse mit [seinen] Pfeilen, wie der Wind eine Wolkenmasse [zerstreut].
Jene scharfen, vom Bogen entlassenen Pfeile von ihm durchbohrten die Panzer der Dämonen und drangen in [ihre] Körper ein, wie Blitze in Berge [eindringen].
bhallaiḥ sañchidyamānānāṁ śirobhiś cāru-kuṇḍalaiḥ / ūrubhir hema-tālābhair dorbhir valaya-valgubhiḥ / hāra-keyūra-mukuṭair uṣṇīṣaiś ca mahā-dhanaiḥ / āstṛtās tā raṇa-bhuvo rejur vīra-mano-harāḥ
Jene Schlachtfelder, bedeckt mit den durch [seine] Pfeile abgetrennten, mit schönen Ohrringen [geschmückten] Köpfen, mit goldenen Palmen gleichenden Schenkeln, mit schönen Armreifen [geschmückten] Armen sowie mit Halsketten, Armbändern, Kronen und wertvollen Turbanen, erstrahlten und raubten den Helden die Herzen.
Wort für Wort
bhallaiḥ
durch [breitköpfige] Pfeile (Instr. Pl.)
sañchidyamānānām
der zerschnittenen [Dämonen] (Gen. Pl., Präs. Part. Passiv)
Die übrig gebliebenen anderen Dämonenscharen, deren Glieder größtenteils durch die Pfeile des besten der Kṣatriyas zerschnitten waren, flohen vom Schlachtfeld auseinander, wie von einem Löwen zerspielte Herdenführer[-Elefanten].
Wort für Wort
hata-avaśiṣṭāḥ
die vom Getötetwerden übrig gebliebenen (Nom. Pl.)
itare
die anderen (Nom. Pl.)
raṇa-ajirāt
vom Schlachtfeld (Abl. Sg.)
rakṣaḥ-gaṇāḥ
die Dämonenscharen (Nom. Pl.)
kṣatriya-varya-sāyakaiḥ
durch die Pfeile des besten Kṣatriya (Instr. Pl.)
prāyaḥ
größtenteils (Adv.)
vivṛkṇa-avayavāḥ
mit zerschnittenen Gliedern (Nom. Pl.)
vidudruvuḥ
flohen auseinander (3. Pl. Perf. von vi-dru)
mṛgendra-vikrīḍita-yūthapāḥ
wie von einem Löwen zerspielte Herdenführer (Nom. Pl.)
apaśyamānaḥ sa tadātatāyinaṁ mahā-mṛdhe kañcana mānavottamaḥ / purīṁ didṛkṣann api nāviśad dviṣāṁ na māyināṁ veda cikīrṣitaṁ janaḥ
Er, der Beste der Nachkommen Manus, der auf dem großen Schlachtfeld keinen Angreifer mehr sah, betrat, obgleich er die Stadt zu sehen wünschte, sie dennoch nicht; denn niemand kennt die Absicht der illusionskundigen Feinde.
So zu seinem Wagenlenker sprechend, wachsam vor einem Gegenangriff der Feinde, hörte Dhruva [dessen Wagen wunderbar war] einen Klang, wie vom Ozean ertönend, [verursacht] vom Wind; und in den Himmelsrichtungen wurde daraufhin Staub erblickt.
In einem Augenblick war der Himmel von allen Seiten durch eine Wolkenmasse bedeckt, mit aufblitzendem Blitz in allen Richtungen, mit erschreckendem Donner.
vavṛṣū rudhiraughāsṛk-pūya-viṇ-mūtra-medasaḥ / nipetur gaganād asya kabandhāny agrato 'nagha
O Sündloser [Vidura], eine Flut von Blut, dazu Blut, Eiter, Kot, Urin und Fett regneten herab, und kopflose Rümpfe fielen vom Himmel vor ihm [Dhruva] herab.
Wort für Wort
vavṛṣuḥ
sie regneten (3. Pl. Perf. von vṛṣ)
rudhira-ogha-asṛk-pūya-viṭ-mūtra-medasaḥ
eine Flut von Blut, Blut, Eiter, Kot, Urin, Fett (Nom. Pl.)
Der Ozean, furchtbar mit [seinen] Wellen, die Erde überall überflutend, mit gewaltigem Tosen, näherte sich, schrecklich wie am Ende eines Weltzeitalters.
Wort für Wort
samudraḥ
der Ozean (Nom. Sg.)
ūrmibhiḥ
mit Wellen (Instr. Pl.)
bhīmaḥ
furchtbar (Nom. Sg.)
plāvayan
überflutend (Nom. Sg., Präs. Part.)
sarvataḥ
überall (Adv.)
bhuvam
die Erde (Akk. Sg.)
āsasāda
näherte sich (3. Sg. Perf. von ā-sad)
mahā-hrādaḥ
mit gewaltigem Tosen (Nom. Sg.)
kalpa-ante
am Ende eines Weltzeitalters (Lok. Sg.)
iva
wie
bhīṣaṇaḥ
schrecklich (Nom. Sg.)
[Anm.: Auf vedabase.io fehlt zu diesem Vers die eigenständige Synonyms-Sektion; die Wort-Glossen wurden ergänzend von prabhupadabooks.com übernommen und dienten nur als Vokabelhilfe.]
Derartige zahlreiche Schreckenserscheinungen für die Geistesschwachen erschufen die von grausamem Wesen seienden Dämonen durch dämonische Illusionsmacht.
Als die Weisen vernahmen, dass jene sehr schwer zu überwindende Illusionsmacht von den Dämonen gegen Dhruva angewandt worden war, versammelten sie sich und wünschten ihm Heil.
Die Weisen sprachen: O Sohn Uttānapādas, möge der Erhabene, dein Gott, der den Śārṅga-Bogen trägt, der die Not der Ergebenen hinwegnimmt, [deine] Feinde vernichten. O [Dhruva], allein durch das Aussprechen und Vernehmen seines Namens überwinden die Menschen sogleich und mühelos den schwer zu überwindenden Tod.