Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 195 König Yayāti erlangt seine Jugend zurück

śrī-śuka uvāca yatir yayātiḥ saṃyātir āyatir viyatiḥ kṛtiḥ ṣaḍ ime nahuṣasyāsann indriyāṇīva dehinaḥ

Śrī Śuka sprach: Yati, Yayāti, Saṃyāti, Āyati, Viyati und Kṛti – diese sechs waren die Söhne des Nahuṣa, wie die sechs Sinne dem verkörperten Wesen [eigen sind].

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
yatiḥ yayātiḥ saṃyātiḥ āyatiḥ viyatiḥ kṛtiḥ
Yati, Yayāti, Saṃyāti, Āyati, Viyati, Kṛti
ṣaḍ ime
diese sechs
nahuṣasya āsan
waren [Söhne] des Nahuṣa
indriyāṇi iva dehinaḥ
wie die Sinne des verkörperten Wesens

rājyaṃ naicchad yatiḥ pitrā dattaṃ tat-pariṇāma-vit yatra praviṣṭaḥ puruṣa ātmānaṃ nāvabudhyate

Yati wollte das vom Vater angebotene Königreich nicht, da er dessen Ausgang kannte: dass ein Mensch, der darin eingetreten ist, das Selbst nicht [mehr] erkennt.

Wort für Wort
rājyam
das Königreich
na aicchat
wollte nicht
yatiḥ
Yati
pitrā dattam
vom Vater gegeben/angeboten
tat-pariṇāma-vit
der dessen Ausgang kennend
yatra praviṣṭaḥ puruṣaḥ
worin ein Mensch eingetreten
ātmānam na avabudhyate
das Selbst nicht erkennt

pitari bhraṃśite sthānād indrāṇyā dharṣaṇād dvijaiḥ prāpite 'jagaratvaṃ vai yayātir abhavan nṛpaḥ

Als der Vater [Nahuṣa], weil er Indrāṇī bedrängt hatte, von den Zweifachgeborenen aus seiner [himmlischen] Stellung gestürzt und in den Zustand einer Riesenschlange versetzt worden war, wurde Yayāti König.

Wort für Wort
pitari bhraṃśite sthānāt
als der Vater von [seiner] Stellung gestürzt wurde
indrāṇyāḥ dharṣaṇāt
wegen der Bedrängung der Indrāṇī
dvijaiḥ
durch die Zweifachgeborenen (Brahmanen)
prāpite ajagaratvam
in den Zustand einer Riesenschlange versetzt
vai
fürwahr
yayātiḥ abhavat nṛpaḥ
Yayāti wurde König

catasṛṣv ādiśad dikṣu bhrātṝn bhrātā yavīyasaḥ kṛta-dāro jugoporvīṃ kāvyasya vṛṣaparvaṇaḥ

Der jüngere Bruder [Yayāti] wies seine [übrigen] Brüder an, über die vier Himmelsrichtungen zu herrschen; er selbst, der sich die Töchter des Kāvya [Śukra] und des Vṛṣaparvā zur Frau genommen hatte, beschützte [fortan] die Erde.

Wort für Wort
catasṛṣu dikṣu
über die vier Richtungen
ādiśat bhrātṝn
wies die Brüder an
bhrātā yavīyasaḥ
der jüngere Bruder
kṛta-dāraḥ
der sich eine Frau/Frauen genommen hatte
jugopa urvīm
beschützte die Erde
kāvyasya
des Kāvya (Śukra) [Tochter]
vṛṣaparvaṇaḥ
des Vṛṣaparvā [Tochter]

[Anm.: 'kāvyasya vṛṣaparvaṇaḥ' steht elliptisch für 'die Tochter des Kāvya und die des Vṛṣaparvā'; das Bezugswort 'duhitṛ' ist nicht ausgeschrieben, ergibt sich aber aus dem Handlungszusammenhang der folgenden Verse.]

śrī-rājā uvāca brahmarṣir bhagavān kāvyaḥ kṣatrabandhuś ca nāhuṣaḥ rājanya-viprayoḥ kasmād vivāhaḥ pratilomakaḥ

Der König [Parīkṣit] sprach: Kāvya [Śukrācārya] war ein erhabener Brahmanenweiser, und der Sohn des Nahuṣa [Yayāti] gehörte der Kṣatriya-Kaste an – wie kam es da zwischen einem Königlichen und einem Brahmanen zu einer der [natürlichen] Ordnung zuwiderlaufenden Heirat?

Wort für Wort
śrī-rājā uvāca
der König sprach
brahma-ṛṣiḥ bhagavān kāvyaḥ
der erhabene Brahmanenweise Kāvya
kṣatra-bandhuḥ ca nāhuṣaḥ
und der Sohn des Nahuṣa [war] ein Kṣatriya
rājanya-viprayoḥ
zwischen einem Königlichen und einem Brahmanen
kasmāt vivāhaḥ
wie [kam es zu] einer Heirat
pratilomakaḥ
gegen die [natürliche] Ordnung

śrī-śuka uvāca ekadā dānavendrasya śarmiṣṭhā nāma kanyakā sakhī-sahasra-saṃyuktā guru-putryā ca bhāminī devayānyā purodyāne puṣpita-druma-saṅkule vyacarat kala-gītāli-nalinī-puline 'balā

Śrī Śuka sprach: Einst wandelte Śarmiṣṭhā, die Tochter des Daitya-Herrschers [Vṛṣaparvā], eine leicht erregbare junge Frau, begleitet von tausend Gefährtinnen und zusammen mit der Tochter des Lehrers, Devayānī, im Palastgarten umher – einem Garten voller blühender Bäume, an den Ufern eines Lotusteichs, wo Bienen süß summten, wandelte die junge, arglose Frau.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
ekadā dānava-indrasya
einst des Daitya-Herrschers
śarmiṣṭhā nāma kanyakā
die Tochter mit Namen Śarmiṣṭhā
sakhī-sahasra-saṃyuktā
begleitet von tausend Freundinnen
guru-putryā ca bhāminī
und die launische, mit der Tochter des Lehrers
devayānyā
mit Devayānī
pura-udyāne
im Palastgarten
puṣpita-druma-saṅkule
voll blühender Bäume
vyacarat
wandelte umher
kala-gīta-ali-nalinī-puline
am Ufer eines Lotusteichs mit süß summenden Bienen
abalā
die junge, arglose [Frau]

tā jalāśayam āsādya kanyāḥ kamalalocanāḥ tīre nyasya dukūlāni vijahruḥ siñcatīr mithaḥ

Diese lotusäugigen Mädchen erreichten den Wasserteich, legten ihre feinen Gewänder am Ufer ab und vergnügten sich, indem sie einander [mit Wasser] bespritzten.

Wort für Wort
tāḥ jala-āśayam āsādya
diese, den Wasserteich erreicht habend
kanyāḥ kamala-locanāḥ
die lotusäugigen Mädchen
tīre nyasya dukūlāni
am Ufer die feinen Gewänder ablegend
vijahruḥ
sie vergnügten sich
siñcatīḥ mithaḥ
einander bespritzend

vīkṣya vrajantaṃ giriśaṃ saha devyā vṛṣasthitam sahasottīrya vāsāṃsi paryadhur vrīḍitāḥ striyaḥ

Als sie Giriśa [Śiva], der mit der Göttin auf seinem Stier reitend vorüberzog, erblickten, stiegen die Frauen eilends aus dem Wasser und legten beschämt [wieder ihre] Gewänder an.

Wort für Wort
vīkṣya vrajantam
erblickend den Vorüberziehenden
giriśam saha devyā
Giriśa zusammen mit der Göttin
vṛṣa-sthitam
auf dem Stier sitzend
sahasā uttīrya
eilends herausgestiegen
vāsāṃsi paryadhuḥ
die Gewänder legten sie an
vrīḍitāḥ striyaḥ
die beschämten Frauen

śarmiṣṭhājānatī vāso guruputryāḥ samavyayat svīyaṃ matvā prakupitā devayānī idam abravīt

Śarmiṣṭhā vertauschte unwissend das Gewand der Lehrertochter [mit dem ihren] und hielt es für ihr eigenes; darüber sehr erzürnt, sprach Devayānī folgendes:

Wort für Wort
śarmiṣṭhā ajānatī
Śarmiṣṭhā, unwissend
vāsaḥ guru-putryāḥ samavyayat
vertauschte das Gewand der Lehrertochter
svīyam matvā
als ihr eigenes meinend
prakupitā devayānī
die sehr erzürnte Devayānī
idam abravīt
sprach dies

aho nirīkṣyatām asyā dāsyāḥ karma hy asāmpratam asmad-dhāryaṃ dhṛtavatī śunīva havir adhvare

„Oh, seht doch die unschickliche Tat dieser Dienerin! Sie hat das, was mir zu tragen zusteht, angelegt – wie eine Hündin, die das Opfergut beim Opfer [an sich reißt]!“

Wort für Wort
aho nirīkṣyatām
oh, man betrachte
asyāḥ dāsyāḥ karma
die Tat dieser Dienerin
hi asāmpratam
fürwahr unschicklich
asmad-dhāryam
das mir zustehende [Gewand]
dhṛtavatī
sie hat angelegt
śunī iva haviḥ adhvare
wie eine Hündin das Opfergut beim Opfer [raubt]

yair idaṃ tapasā sṛṣṭaṃ mukhaṃ puṃsaḥ parasya ye dhāryate yair iha jyotiḥ śivaḥ panthāḥ pradarśitaḥ yān vandanty upatiṣṭhante lokanāthāḥ sureśvarāḥ bhagavān api viśvātmā pāvanaḥ śrīniketanaḥ vayaṃ tatrāpi bhṛgavaḥ śiṣyo 'syā naḥ pitāsuraḥ asmad-dhāryaṃ dhṛtavatī śūdro vedam ivāsatī

„Wir sind es, durch deren Askese dieses [Universum] erschaffen wurde, die das Antlitz des Höchsten Purusha sind; durch uns wird hier [das] Licht [der Erkenntnis] aufrechterhalten, und durch uns wurde der heilbringende Pfad gezeigt – die selbst die Herren der Welten und die Götterfürsten verehren und ihnen aufwarten – ja, sogar der Erhabene selbst, die Seele des Universums, der Reinigende, die Wohnstatt der [Göttin] Śrī, [verehrt uns Brahmanen]! Wir aber gehören sogar zum [erhabenen Geschlecht der] Bhṛgus, während der Vater dieser [Śarmiṣṭhā] nur ein Schüler von uns ist, [noch dazu] ein Dämon! Diese Unkeusche hat das, was mir zusteht, angelegt – wie ein Śūdra, der sich die Veden aneignet!“

Wort für Wort
yaiḥ idam tapasā sṛṣṭam
durch die [Brahmanen] dieses durch Askese erschaffen wurde
mukham puṃsaḥ parasya ye
die das Antlitz des Höchsten Purusha [sind]
dhāryate yaiḥ iha jyotiḥ
durch die hier das Licht aufrechterhalten wird
śivaḥ panthāḥ pradarśitaḥ
der heilbringende Pfad wurde gezeigt
yān vandanti
die sie verehren
upatiṣṭhante
sie warten auf
loka-nāthāḥ sura-īśvarāḥ
die Herren der Welten, die Götterfürsten
bhagavān api
sogar der Erhabene
viśva-ātmā pāvanaḥ
die Seele des Universums, der Reinigende
śrī-niketanaḥ
die Wohnstatt der Śrī
vayam tatra api bhṛgavaḥ
wir aber gehören sogar den Bhṛgus [an]
śiṣyaḥ asyāḥ naḥ pitā asuraḥ
der Vater dieser [Śarmiṣṭhā] ist unser Schüler, ein Dämon
asmad-dhāryam dhṛtavatī
sie hat das mir Zustehende angelegt
śūdraḥ vedam iva
wie ein Śūdra die Veden
asatī
die Unkeusche

evaṃ kṣipantīṃ śarmiṣṭhā guruputrīm abhāṣata ruṣā śvasanty uraṅgīva dharṣitā daṣṭadacchadā

Zu Devayānī, die so [gegen sie] schmähte, sprach Śarmiṣṭhā – vor Zorn keuchend wie eine gereizte Schlange, sich auf die Lippe beißend:

Wort für Wort
evam kṣipantīm
die so Schmähende
śarmiṣṭhā guru-putrīm abhāṣata
Śarmiṣṭhā sprach zur Tochter des Lehrers
ruṣā śvasantī
vor Zorn keuchend
uraṅgī iva dharṣitā
wie eine gereizte Schlange
daṣṭa-dacchadā
sich auf die Lippe beißend

ātmavṛttam avijñāya katthase bahu bhikṣuki kiṃ na pratīkṣase 'smākaṃ gṛhān balibhujo yathā

„Ohne deine eigene Lage zu kennen, prahlst du so sehr, du Bettlerin! Wartest du nicht [etwa auf Almosen] an unseren Häusern, wie [Krähen,] die von Opferresten leben?“

Wort für Wort
ātma-vṛttam avijñāya
die eigene Lage nicht kennend
katthase bahu
du prahlst sehr
bhikṣuki
o Bettlerin
kim na pratīkṣase
wartest du nicht
asmākam gṛhān
an unseren Häusern
bali-bhujaḥ yathā
wie [Vögel], die von Opferresten leben

evaṃvidhaiḥ suparuṣaiḥ kṣiptvācāryasutāṃ satīm śarmiṣṭhā prākṣipat kūpe vāsaścādāya manyunā

Nachdem sie die tugendhafte Tochter des Lehrers mit solch harten Worten beschimpft hatte, stieß Śarmiṣṭhā sie im Zorn in einen Brunnen und nahm ihr Gewand an sich.

Wort für Wort
evaṃvidhaiḥ su-paruṣaiḥ
mit solchen sehr harten [Worten]
kṣiptvā ācārya-sutām satīm
die tugendhafte Tochter des Lehrers beschimpft habend
śarmiṣṭhā prākṣipat kūpe
Śarmiṣṭhā stieß [sie] in den Brunnen
vāsaḥ ca ādāya
und das Gewand an sich nehmend
manyunā
im Zorn

tasyāṃ gatāyāṃ svagṛhaṃ yayātir mṛgayāṃ caran prāpto yadṛcchayā kūpe jalārthī tāṃ dadarśa ha

Als sie [Śarmiṣṭhā] zu ihrem Haus zurückgegangen war, kam Yayāti, der auf der Jagd war, zufällig zu jenem Brunnen, wasserbedürftig, und erblickte sie [Devayānī] dort.

Wort für Wort
tasyām gatāyām sva-gṛham
als diese zu [ihrem] eigenen Haus gegangen war
yayātiḥ mṛgayām caran
Yayāti, auf der Jagd umherziehend
prāptaḥ yadṛcchayā kūpe
kam zufällig zum Brunnen
jala-arthī
wasserbedürftig
tām dadarśa ha
erblickte sie

dattvā svam uttaraṃ vāsas tasyai rājā vivāsase gṛhītvā pāṇinā pāṇim ujjahāra dayāparaḥ

Der König gab ihr, die ohne Gewand [dastand], sein eigenes Obergewand, ergriff mitleidsvoll ihre Hand mit seiner Hand und zog sie [aus dem Brunnen] heraus.

Wort für Wort
dattvā svam uttaram vāsaḥ
sein eigenes Obergewand gegeben habend
tasyai rājā vivāsase
ihr, der ohne Gewand [Dastehenden], der König
gṛhītvā pāṇinā pāṇim
die Hand mit der Hand ergriffen habend
ujjahāra dayā-paraḥ
er zog heraus, von Mitleid erfüllt

taṃ vīram āha auśanasī prema-nirbharayā girā rājaṃs tvayā gṛhīto me pāṇiḥ parapurañjaya hastagrāho 'paro mā bhūd gṛhītāyās tvayā hi me eṣa īśa-kṛto vīra sambandho nau na pauruṣaḥ yad idaṃ kūpam-agnāyā bhavato darśanaṃ mama

Zu jenem Helden sprach die Tochter des Uśanas [Devayānī] mit liebevoll bewegter Stimme: „O König, du hast meine Hand ergriffen, du Bezwinger feindlicher Städte! Kein anderer soll je meine Hand ergreifen, da du sie [schon] ergriffen hast, o Held! Dies ist eine von Gott bewirkte Verbindung zwischen uns beiden, nicht [bloß] Menschenwerk – dass ausgerechnet dir, als ich in den Brunnen gestürzt war, dieser Anblick meiner [Person] zuteilwurde.“

Wort für Wort
tam vīram āha
zu jenem Helden sprach
auśanasī prema-nirbharayā girā
die Tochter des Uśanas mit liebeserfüllter Stimme
rājan tvayā gṛhītaḥ me pāṇiḥ
o König, von dir wurde meine Hand ergriffen
para-pura-añjaya
o Bezwinger feindlicher Städte
hasta-grāhaḥ aparaḥ mā bhūt
ein anderer Handnehmer soll nicht sein
gṛhītāyāḥ tvayā hi me
da ich von dir ergriffen wurde
eṣaḥ īśa-kṛtaḥ sambandhaḥ
dies ist eine von Gott bewirkte Verbindung
vīra nau na pauruṣaḥ
o Held, zwischen uns beiden, nicht menschengemacht
yat idam kūpa-magnāyāḥ
dass dies, der in den Brunnen Gesunkenen
bhavataḥ darśanam mama
dein Anblick von mir [zuteilwurde]

na brāhmaṇo me bhavitā hastagrāho mahābhuja kacasya bārhaspatyasya śāpād yam aśapaṃ purā

„Kein Brahmane wird [je] mein Ehemann sein, o Starkarmiger – dies wegen des Fluches [im Zusammenhang] mit Kaca, dem Sohn des Bṛhaspati, den ich einst verflucht habe.“

Wort für Wort
na brāhmaṇaḥ me bhavitā
kein Brahmane wird mein sein
hasta-grāhaḥ mahā-bhuja
Ehemann, o Starkarmiger
kacasya bārhaspatyasya
des Kaca, des Sohnes von Bṛhaspati
śāpāt
wegen des Fluches
yam aśapam purā
den ich einst verfluchte

[Anm.: Anspielung auf die Vorgeschichte, in der Devayānī und Kaca einander gegenseitig verfluchten, weshalb ihr kein Brahmane zum Gatten bestimmt sein sollte.]

yayātir anabhipretaṃ daivopahṛtam ātmanaḥ manas tu tad-gataṃ buddhvā pratijagrāha tad-vacaḥ

Obwohl es ihm [Yayāti] nicht [ursprünglich] in den Sinn gekommen war, [erkannte er es] als vom Schicksal ihm dargebracht; doch als er erkannte, dass ihr Herz [bereits ganz] daran hing, nahm er ihre Worte an.

Wort für Wort
yayātiḥ
Yayāti
anabhipretam daiva-upahṛtam ātmanaḥ
das für ihn nicht beabsichtigte, vom Schicksal Dargebrachte
manaḥ tu tad-gatam buddhvā
als er aber erkannte, dass [ihr] Herz daran hing
pratijagrāha tad-vacaḥ
nahm er ihre Worte an

gate rājani sā dhīre tatra sma rudatī pituḥ nyavedayat tataḥ sarvam uktaṃ śarmiṣṭhayā kṛtam

Nachdem der besonnene König fortgegangen war, blieb sie dort weinend zurück. Dann berichtete sie [ihrem] Vater alles, was von Śarmiṣṭhā gesagt und getan worden war.

Wort für Wort
gate rājani dhīre
als der besonnene König gegangen war
sā tatra sma rudatī
sie blieb dort weinend
pituḥ nyavedayat
sie berichtete dem Vater
tataḥ sarvam
dann alles
uktam śarmiṣṭhayā kṛtam
was von Śarmiṣṭhā gesagt und getan war

durmanā bhagavān kāvyaḥ paurohityaṃ vigarhayan stuvan vṛttiṃ ca kāpotīṃ duhitrā sa yayau purāt

Betrübt tadelte der erhabene Kāvya [Śukrācārya] das Amt des Hofpriesters und pries stattdessen die [bescheidene] Lebensweise der Taube; zusammen mit seiner Tochter verließ er die Stadt.

Wort für Wort
durmanāḥ bhagavān kāvyaḥ
der betrübte, erhabene Kāvya
paurohityam vigarhayan
das Priesteramt tadelnd
stuvan vṛttim ca kāpotīm
und die Lebensweise der Taube preisend
duhitrā saḥ yayau purāt
er ging mit [seiner] Tochter aus der Stadt

vṛṣaparvā tam ājñāya pratyanīkavivakṣitam guruṃ prasādayan mūrdhnā pādayoḥ patitaḥ pathi

Als Vṛṣaparvā erkannte, dass jener [Śukra] mit feindseliger Absicht [die Stadt verließ], warf er sich, um seinen Lehrer zu besänftigen, mit dem Haupt [voran] zu dessen Füßen auf den Weg.

Wort für Wort
vṛṣaparvā tam ājñāya
Vṛṣaparvā, ihn erkennend
pratyanīka-vivakṣitam
als mit feindseliger Absicht [handelnd]
gurum prasādayan
um den Lehrer zu besänftigen
mūrdhnā pādayoḥ patitaḥ pathi
mit dem Haupt fiel er zu [dessen] Füßen auf den Weg

kṣaṇārdhamanyurbhagavān śiṣyaṃ vyācaṣṭa bhārgavaḥ kāmo 'syāḥ kriyatāṃ rājan naināṃ tyaktumihotsahe

Der erhabene Bhārgava [Śukra], dessen Zorn [nur] einen halben Augenblick währte, sprach zu seinem Schüler: „O König, erfülle den Wunsch dieser [meiner Tochter]! Ich vermag es nicht, sie hier zu verlassen.“

Wort für Wort
kṣaṇa-ardha-manyuḥ bhagavān
der erhabene, dessen Zorn einen halben Augenblick währte
śiṣyam vyācaṣṭa bhārgavaḥ
der Bhārgava sprach zum Schüler
kāmaḥ asyāḥ kriyatām
der Wunsch dieser [Tochter] werde erfüllt
rājan
o König
na enām tyaktum iha utsahe
sie hier zu verlassen vermag ich nicht

tathetyavasthite prāha devayānī manogatam pitrā dattā yato yāsye sānugā yātu māmanu

Als [Vṛṣaparvā] „So sei es“ gesagt hatte und dabei blieb, sprach Devayānī ihren Herzenswunsch aus: „Wohin ich auch gehe, nachdem mein Vater mich [einem Gatten] gegeben hat, dorthin soll sie [Śarmiṣṭhā] mit [ihrem] Gefolge mir nachfolgen.“

Wort für Wort
tathā iti avasthite
als es bei 'So sei es' blieb
prāha devayānī manaḥ-gatam
Devayānī sprach [ihren] Herzenswunsch aus
pitrā dattā yataḥ yāsye
wohin ich, vom Vater gegeben, gehen werde
sa-anugā yātu mām anu
sie soll mit [ihrem] Gefolge mir nachfolgen

pitrā dattā devayānyai śarmiṣṭhā sānugā tadā svānāṃ tat saṅkaṭaṃ vīkṣya tadarthasya ca gauravam devayānīṃ paryacarat strīsahasreṇa dāsavat

Da wurde Śarmiṣṭhā mit ihrem Gefolge vom Vater der Devayānī übergeben. Als sie die Bedrängnis der Ihrigen und die Schwere dieser Angelegenheit erkannte, diente sie Devayānī, begleitet von tausend Frauen, wie eine Sklavin.

Wort für Wort
pitrā dattā devayānyai
vom Vater der Devayānī gegeben
śarmiṣṭhā sa-anugā tadā
Śarmiṣṭhā mit [ihrem] Gefolge, da
svānām tat saṅkaṭam vīkṣya
die Bedrängnis der Ihrigen erkennend
tad-arthasya ca gauravam
und die Schwere dieser Angelegenheit
devayānīm paryacarat
sie diente Devayānī
strī-sahasreṇa dāsa-vat
mit tausend Frauen, wie eine Sklavin

nāhuṣāya sutāṃ dattvā saha śarmiṣṭhayauśanā tamāha rājan charmiṣṭhāmādhāstalpe na karhicit

Nachdem der Sohn des Uśanas [Śukra] seine Tochter zusammen mit Śarmiṣṭhā dem Sohn des Nahuṣa [Yayāti] übergeben hatte, sprach er zu ihm: „O König, du sollst Śarmiṣṭhā niemals in dein [Ehe]lager aufnehmen.“

Wort für Wort
nāhuṣāya sutām dattvā
dem Sohn des Nahuṣa die Tochter gegeben habend
saha śarmiṣṭhayā auśanāḥ
zusammen mit Śarmiṣṭhā, der Sohn des Uśanas
tam āha rājan
sprach zu ihm: o König
śarmiṣṭhām ādhāḥ talpe na karhicit
Śarmiṣṭhā sollst du niemals ins [Ehe]lager aufnehmen

vilokyauśanasīṃ rājañ charmiṣṭhā suprajāṃ kvacit tameva vavre rahasi sakhyāḥ patimṛtau satī

O König, als Śarmiṣṭhā einst sah, dass die Tochter des Uśanas [Devayānī] mit gutem Nachwuchs gesegnet war, erwählte sie, in [ihrer] fruchtbaren Zeit, heimlich eben ihn, den Gatten ihrer Freundin, für sich.

Wort für Wort
vilokya auśanasīm
sehend die Tochter des Uśanas
rājan śarmiṣṭhā su-prajām kvacit
o König, Śarmiṣṭhā [sah sie] einst mit gutem Nachwuchs
tam eva vavre rahasi
eben ihn erwählte sie heimlich
sakhyāḥ patim ṛtau satī
den Gatten der Freundin, in [ihrer] fruchtbaren Zeit, die Tugendhafte

rājaputryārthito 'patye dharmaṃ cāvekṣya dharmavit smaran chukravacaḥ kāle diṣṭamevābhyapadyata

Von der Königstochter um Nachkommenschaft gebeten, fügte sich der Rechtskundige [Yayāti], das Dharma erwägend und sich der Worte Śukras erinnernd, zur [rechten] Zeit dem vom Schicksal Bestimmten.

Wort für Wort
rāja-putryā arthitaḥ apatye
von der Königstochter um Nachkommenschaft gebeten
dharmam ca avekṣya dharma-vit
und das Dharma erwägend, der Dharma-Kundige
smaran śukra-vacaḥ
sich der Worte Śukras erinnernd
kāle diṣṭam eva abhyapadyata
fügte sich zur Zeit eben dem Bestimmten

yaduṃ ca turvasuṃ caiva devayānī vyajāyata druhyuṃ cānuṃ ca pūruṃ ca śarmiṣṭhā vārṣaparvaṇī

Devayānī gebar Yadu und Turvasu; Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvā, [gebar] Druhyu, Anu und Pūru.

Wort für Wort
yadum ca turvasum ca eva
und Yadu und auch Turvasu
devayānī vyajāyata
gebar Devayānī
druhyum ca anum ca pūrum ca
und Druhyu, Anu und Pūru
śarmiṣṭhā vārṣaparvaṇī
Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvā

garbhasambhavamāsuryā bharturvijñāya māninī devayānī piturgehaṃ yayau krodhavimūrchitā

Als die stolze Devayānī erfuhr, dass ihr Gatte mit der Tochter des Asura [Śarmiṣṭhā] Kinder gezeugt hatte, ging sie, vor Zorn außer sich, zum Haus ihres Vaters.

Wort für Wort
garbha-sambhavam āsuryāḥ
die Empfängnis mit der Tochter des Asura
bhartuḥ vijñāya māninī
vom Gatten erfahrend, die stolze
devayānī pituḥ geham yayau
Devayānī ging zum Haus des Vaters
krodha-vimūrchitā
vor Zorn betäubt

priyāmanugataḥ kāmī vacobhirupamantrayan na prasādayituṃ śeke pādasaṃvāhanādibhiḥ

Der [nach ihrer Zuneigung] verlangende König folgte seiner Geliebten nach und versuchte, sie mit Worten zu beschwichtigen; doch auch durch Fußmassage und Ähnliches vermochte er sie nicht zu besänftigen.

Wort für Wort
priyām anugataḥ kāmī
der Geliebten nachfolgend, der Begierige
vacobhiḥ upamantrayan
mit Worten beschwichtigend
na prasādayitum śeke
er vermochte nicht zu besänftigen
pāda-saṃvāhana-ādibhiḥ
durch Fußmassage und dergleichen

śukrastamāha kupitaḥ strīkāmānṛtapūruṣa tvāṃ jarā viśatāṃ manda virūpakaraṇī nṛṇām

Der erzürnte Śukra sprach zu ihm: „Du nach Frauen begieriger, unwahrhaftiger Mann! Möge dich das Alter befallen, o Tor – jenes, das die Menschen entstellt!“

Wort für Wort
śukraḥ tam āha kupitaḥ
der erzürnte Śukra sprach zu ihm
strī-kāma anṛta-pūruṣa
o nach Frauen begieriger, unwahrhaftiger Mann
tvām jarā viśatām
dich möge das Alter befallen
manda virūpa-karaṇī nṛṇām
o Tor, [jenes Alter,] das die Menschen entstellt

śrī-yayātir uvāca atṛpto 'smyadya kāmānāṃ brahman duhitari sma te vyatyasyatāṃ yathākāmaṃ vayasā yo 'bhidhāsyati

Śrī Yayāti sprach: „O Brahmane, ich bin [noch] nicht gesättigt an Genüssen mit deiner Tochter. Möge [das Alter] nach Belieben mit der Jugend dessen vertauscht werden, der sich [dazu] bereit erklären wird.“

Wort für Wort
śrī-yayātiḥ uvāca
Śrī Yayāti sprach
atṛptaḥ asmi adya kāmānām
ich bin jetzt nicht gesättigt an Genüssen
brahman duhitari sma te
o Brahmane, mit deiner Tochter
vyatyasyatām yathā-kāmam
es werde nach Belieben vertauscht
vayasā yaḥ abhidhāsyati
mit dem [Jugend]alter dessen, der sich bereit erklären wird

iti labdhavyavasthānaḥ putraṃ jyeṣṭhamavocata yado tāta pratīcchemāṃ jarāṃ dehi nijaṃ vayaḥ

Nachdem er so diese Übereinkunft erlangt hatte, sprach er zu seinem ältesten Sohn: „O Yadu, mein Lieber, nimm dieses Alter [von mir] an und gib [mir dafür] deine eigene Jugend.“

Wort für Wort
iti labdha-vyavasthānaḥ
so, der die Übereinkunft erlangt hatte
putram jyeṣṭham avocata
sprach zum ältesten Sohn
yado tāta pratīccha
o Yadu, mein Lieber, nimm an
imām jarām dehi nijam vayaḥ
dieses Alter, gib [mir] deine eigene Jugend

mātāmahakṛtāṃ vatsa na tṛpto viṣayeṣv aham vayasā bhavadīyena raṃsye katipayāḥ samāḥ

„[Dieses Alter,] das vom [mütterlichen] Großvater bewirkt wurde, [nimm an,] mein Kind – ich bin an den Sinnesobjekten nicht gesättigt; mit deiner Jugend will ich mich [noch] einige Jahre vergnügen.“

Wort für Wort
mātāmaha-kṛtām vatsa
vom [mütterlichen] Großvater bewirkt, mein Kind
na tṛptaḥ viṣayeṣu aham
ich bin nicht gesättigt an den Sinnesobjekten
vayasā bhavadīyena
mit deiner Jugend
raṃsye katipayāḥ samāḥ
ich werde mich einige Jahre vergnügen

śrī-yadur uvāca notsahe jarasā sthātumantarā prāptayā tava aviditvā sukhaṃ grāmyaṃ vaitṛṣṇyaṃ naiti pūruṣaḥ

Śrī Yadu sprach: „Ich vermag es nicht, mit deinem, [mir] zwischenzeitlich zugefallenen Alter auszuharren. Denn ohne das weltliche [sinnliche] Glück erfahren zu haben, gelangt ein Mensch nicht zur Freiheit vom Verlangen [danach].“

Wort für Wort
śrī-yaduḥ uvāca
Śrī Yadu sprach
na utsahe jarasā sthātum
ich vermag nicht mit dem Alter auszuharren
antarā prāptayā tava
dem zwischenzeitlich zugefallenen, deinem [Alter]
aviditvā sukham grāmyam
ohne das weltliche Glück erfahren zu haben
vaitṛṣṇyam na eti pūruṣaḥ
gelangt der Mensch nicht zur Freiheit vom Verlangen

turvasuścoditaḥ pitrā druhyuścānuśca bhārata pratyācakhyuradharmajñā hyanitye nityabuddhayaḥ

O Nachkomme Bharatas, auch Turvasu, Druhyu und Anu, vom Vater dazu aufgefordert, lehnten ab, denn sie, dharma-unkundig, hafteten [fälschlich] mit der Vorstellung von Beständigkeit am Unbeständigen.

Wort für Wort
turvasuḥ coditaḥ pitrā
Turvasu, vom Vater aufgefordert
druhyuḥ ca anuḥ ca bhārata
und Druhyu und Anu, o Nachkomme Bharatas
pratyācakhyuḥ adharma-jñāḥ
sie lehnten ab, dharma-unkundig
hi anitye nitya-buddhayaḥ
denn am Unbeständigen mit der Vorstellung von Beständigkeit [behaftet]

apṛcchat tanayaṃ pūruṃ vayasonaṃ guṇādhikam na tvamagrajavadvatsa māṃ pratyākhyātumarhasi

Er fragte [dann seinen jüngsten] Sohn Pūru, der an Alter geringer, doch an [guten] Eigenschaften überlegen war: „Mein Kind, du sollst mich nicht wie deine älteren Brüder abweisen.“

Wort für Wort
apṛcchat tanayam pūrum
er fragte den Sohn Pūru
vayasā ūnam guṇa-adhikam
an Alter geringer, an Eigenschaften überlegen
na tvam agraja-vat vatsa
du sollst nicht wie [deine] älteren Brüder, mein Kind
mām pratyākhyātum arhasi
mich abweisen

śrī-pūrur uvāca ko nu loke manuṣyendra piturātmakṛtaḥ pumān pratikartuṃ kṣamo yasya prasādādvindate param

Śrī Pūru sprach: „Wer in [aller] Welt, o Herrscher der Menschen, wäre als ein vom Vater erschaffener Mensch [d.h. Sohn] imstande, [ihm die Wohltat] zu vergelten, durch dessen Gnade man das Höchste erlangt?“

Wort für Wort
kaḥ nu loke manuṣya-indra
wer denn in der Welt, o Herrscher der Menschen
pituḥ ātma-kṛtaḥ pumān
ein vom Vater erschaffener Mensch
pratikartum kṣamaḥ
imstande zu vergelten
yasya prasādāt vindate param
durch dessen Gnade man das Höchste erlangt

uttamaścintitaṃ kuryāt proktakārī tu madhyamaḥ adhamo 'śraddhayā kuryādakartoccaritaṃ pituḥ

Der Beste [Sohn] erfüllt [den Wunsch des Vaters bereits durch dessen bloßes] Erwägen; der Mittlere hingegen [erst,] wenn er ausgesprochen wird; der Geringste [tut es nur] widerwillig, und wer [selbst das] nicht tut, [zeigt] übles Verhalten gegenüber dem Vater.

Wort für Wort
uttamaḥ cintitam kuryāt
der Beste erfüllt das [bloß] Gedachte
prokta-kārī tu madhyamaḥ
der Mittlere aber führt das Ausgesprochene aus
adhamaḥ aśraddhayā kuryāt
der Geringste tut es widerwillig
akartā uccaritam pituḥ
der Nicht-Tuende [zeigt] übles Verhalten gegenüber dem Vater

iti pramuditaḥ pūruḥ pratyagṛhṇāj jarāṃ pituḥ so 'pi tadvayasā kāmān yathāvaj jujuṣe nṛpa

So sprechend, nahm Pūru freudig das Alter seines Vaters an; und jener [Yayāti] wiederum genoss mit dessen Jugend, o König [Parīkṣit], die Sinnesgenüsse, wie es sich geziemte.

Wort für Wort
iti pramuditaḥ pūruḥ
so, der freudige Pūru
pratyagṛhṇāt jarām pituḥ
nahm das Alter des Vaters an
saḥ api tad-vayasā
er aber mit dessen Jugend
kāmān yathāvat jujuṣe nṛpa
genoss die Sinnesgenüsse, wie es sich gebührte, o König

saptadvīpapatiḥ saṃyak pitṛvat pālayan prajāḥ yathopajoṣaṃ viṣayāñ jujuṣe 'vyāhatendriyaḥ

Als Herr der sieben Kontinente beschützte er die Untertanen trefflich wie ein Vater, und mit ungehinderten Sinnen genoss er die Sinnesobjekte nach Belieben.

Wort für Wort
sapta-dvīpa-patiḥ samyak
der Herr der sieben Kontinente, trefflich
pitṛ-vat pālayan prajāḥ
wie ein Vater die Untertanen beschützend
yathā-upajoṣam viṣayān jujuṣe
nach Belieben genoss er die Sinnesobjekte
avyāhata-indriyaḥ
mit ungehinderten Sinnen

devayānyapyanudinaṃ manovāgdehavastubhiḥ preyasaḥ paramāṃ prītimuvāha preyasī rahaḥ

Auch Devayānī bereitete, sie, die Liebste, Tag für Tag durch Geist, Rede, Körper und [dargebrachte] Dinge dem Geliebten [Yayāti] im Verborgenen höchste Freude.

Wort für Wort
devayānī api anudinam
auch Devayānī, Tag für Tag
manaḥ-vāk-deha-vastubhiḥ
durch Geist, Rede, Körper und Dinge
preyasaḥ paramām prītim
dem Geliebten höchste Freude
uvāha preyasī rahaḥ
bereitete die Liebste im Verborgenen

ayajadyajñapuruṣaṃ kratubhirbhūridakṣiṇaiḥ sarvadevamayaṃ devaṃ sarvavedamayaṃ harim

Er verehrte den Herrn des Opfers mit Opferzeremonien, die reichliche Priestergaben umfassten – den Gott, der das Wesen aller Götter ist, Hari, der das Wesen aller Veden ist.

Wort für Wort
ayajat yajña-puruṣam
er verehrte den Herrn des Opfers
kratubhiḥ bhūri-dakṣiṇaiḥ
mit Opferzeremonien mit reichlichen [Priester]gaben
sarva-deva-mayam devam
den Gott, der das Wesen aller Götter ist
sarva-veda-mayam harim
Hari, der das Wesen aller Veden ist

yasminnidaṃ viracitaṃ vyomnīva jaladāvaliḥ nāneva bhāti nābhāti svapnamāyāmanorathaḥ

In wem dieses [Universum] gestaltet ist wie eine Wolkenreihe am Himmel – [dieses Universum,] das wie mannigfaltig erscheint [und doch] nicht [wirklich] erscheint, [gleich] einem Traum, einer Illusion, einem bloßen Wunschgebilde.

Wort für Wort
yasmin idam viracitam
in wem dieses [Universum] gestaltet ist
vyomni iva jalada-āvaliḥ
wie eine Wolkenreihe am Himmel
nānā iva bhāti
wie mannigfaltig erscheint es
na abhāti
es erscheint nicht [wirklich]
svapna-māyā-manorathaḥ
[gleich] einem Traum, einer Illusion, einem Wunschgebilde

tameva hṛdi vinyasya vāsudevaṃ guhāśayam nārāyaṇamaṇīyāṃsaṃ nirāśīrayajat prabhum

Indem er eben Ihn, Vāsudeva, der [in der Höhle des Herzens] verborgen wohnt, im Herzen niederlegte, verehrte er wunschlos den Herrn Nārāyaṇa, den Feinsten [der Kleinsten].

Wort für Wort
tam eva hṛdi vinyasya
eben Ihn im Herzen niederlegend
vāsudevam guhā-āśayam
Vāsudeva, der in der Höhle [des Herzens] wohnt
nārāyaṇam aṇīyāṃsam
Nārāyaṇa, den Feinsten
nirāśīḥ ayajat prabhum
wunschlos verehrte er den Herrn

evaṃ varṣasahasrāṇi manaḥṣaṣṭhairmanaḥsukham vidadhāno 'pi nātṛpyat sārvabhaumaḥ kadindriyaiḥ

So [verbrachte er] tausend Jahre; obwohl der Herrscher der ganzen Erde sich, mit dem Geist als sechstem [Sinnesorgan], geistiges Vergnügen bereitete, wurde er mit den [seinen] unzulänglichen Sinnen dennoch nicht gesättigt.

Wort für Wort
evam varṣa-sahasrāṇi
so, tausend Jahre
manaḥ-ṣaṣṭhaiḥ manaḥ-sukham
mit dem Geist als sechstem [Sinn], geistiges Vergnügen
vidadhānaḥ api
obwohl er bereitete
na atṛpyat sārva-bhaumaḥ
wurde nicht gesättigt der Herrscher der ganzen Erde
kat-indriyaiḥ
mit den unzulänglichen Sinnen

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