Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 197: pūru-vaṁśānuvarṇanam Die Dynastie des Pūru

Kapitel 20 aus Skandha 9 der Śrīmad-Bhāgavata-Purāṇa: Genealogie der Pūru-Dynastie, die Geschichte von Duṣmanta und Śakuntalā, die Geburt und Großtaten Bharatas, sowie der Ursprung des Namens Bharadvāja.

śrī-bādarāyaṇir uvāca pūror vaṁśaṁ pravakṣyāmi yatra jāto 'si bhārata yatra rājarṣayo vaṁśyā brahma-vaṁśyāś ca jajñire

Śrī Bādarāyaṇi [Śukadeva] sprach: Ich werde nun die Dynastie des Pūru schildern, in der du geboren wurdest, o Bhārata; in ihr wurden nacheinander königliche Weise (rājarṣis) geboren, und aus ihr gingen auch Brahmanen-Dynastien hervor.

Wort für Wort
śrī-bādarāyaṇiḥ uvāca
Śrī Bādarāyaṇi (Śukadeva) sprach
pūroḥ vaṁśam
die Dynastie des Pūru
pravakṣyāmi
ich werde verkünden
yatra
in welcher
jātaḥ asi bhārata
du geboren wurdest, o Bhārata
yatra rāja-ṛṣayaḥ vaṁśyāḥ
in welcher königliche Weise zur Dynastie gehörten
brahma-vaṁśyāḥ ca jajñire
und Brahmanen-Dynastien entstanden

janamejayo hy abhūt pūroḥ pracinvāṁs tat-sutas tataḥ pravīro 'tha manusyur vai tasmāc cārupado 'bhavat

Von Pūru stammte fürwahr Janamejaya; dessen Sohn war Pracinvān; von ihm [kam] Pravīra, dann Manusyu; von diesem entstand Cārupada.

Wort für Wort
janamejayaḥ hi abhūt pūroḥ
von Pūru entstand fürwahr Janamejaya
pracinvān tat-sutaḥ
Pracinvān, dessen Sohn
tataḥ pravīraḥ
von ihm Pravīra
atha manusyuḥ vai
dann fürwahr Manusyu
tasmāt cārupadaḥ abhavat
von diesem entstand Cārupada

tasya sudyur abhūt putras tasmād bahugavas tataḥ saṁyātis tasyāhaṁyātī raudrāśvas tat-sutaḥ smṛtaḥ

Dessen Sohn war Sudyu; von ihm [kam] Bahugava; von diesem Saṃyāti; von ihm Ahaṃyāti; und dessen Sohn ist als Raudrāśva bekannt.

Wort für Wort
tasya sudyuḥ abhūt putraḥ
dessen Sohn war Sudyu
tasmāt bahugavaḥ tataḥ
von ihm Bahugava, darauf
saṁyātiḥ
Saṃyāti
tasya ahaṁyātī
von diesem Ahaṃyāti
raudrāśvaḥ tat-sutaḥ smṛtaḥ
Raudrāśva gilt als dessen Sohn

ṛteyus tasya kakṣeyuḥ sthaṇḍileyuḥ kṛteyukaḥ jaleyuḥ sannateyuś ca dharma-satya-vrateyavaḥ daśaite 'psarasaḥ putrā vaneyuś cāvamaḥ smṛtaḥ ghṛtācyām indriyāṇīva mukhyasya jagad-ātmanaḥ

Von ihm [entstanden] Ṛteyu, Kakṣeyu, Sthaṇḍileyu, Kṛteyu, Jaleyu und Santateyu, sowie Dharmeyu, Satyeyu und Vrateyu. Dies sind die zehn Söhne von der Apsaras [Ghṛtācī], und Vaneyu gilt als der jüngste von ihnen – [gezeugt] in Ghṛtācī, gleich den zehn Sinnesorganen, die vom höchsten, im Weltall waltenden [Lebenshauch] ausgehen.

Wort für Wort
ṛteyuḥ tasya
Ṛteyu, von ihm
kakṣeyuḥ sthaṇḍileyuḥ kṛteyukaḥ
Kakṣeyu, Sthaṇḍileyu, Kṛteyu
jaleyuḥ sannateyuḥ ca
Jaleyu und Santateyu
dharma-satya-vrateyavaḥ
Dharmeyu, Satyeyu und Vrateyu
daśa ete apsarasaḥ putrāḥ
diese zehn Söhne von der Apsaras
vaneyuḥ ca avamaḥ smṛtaḥ
und Vaneyu gilt als der jüngste
ghṛtācyām
in Ghṛtācī (gezeugt)
indriyāṇi iva
wie die Sinnesorgane
mukhyasya jagad-ātmanaḥ
des höchsten, im Weltall waltenden [Lebenshauchs]

'mukhyasya jagad-ātmanaḥ' bezieht sich traditionell auf den 'Haupt-Prāṇa' (Lebenshauch) als Analogie zu den zehn Sinnesorganen [?]

ṛteyo rantināvo 'bhūt trayas tasyātmajā nṛpa sumatir dhruvo 'pratirathaḥ kaṇvo 'pratirathātmajaḥ

Von Ṛteyu entstand Rantināva; dessen Söhne waren drei, o König: Sumati, Dhruva und Apratiratha; Kaṇva war der Sohn des Apratiratha.

Wort für Wort
ṛteyoḥ rantināvaḥ abhūt
von Ṛteyu entstand Rantināva
trayaḥ tasya ātmajāḥ nṛpa
drei waren dessen Söhne, o König
sumatiḥ dhruvaḥ apratirathaḥ
Sumati, Dhruva, Apratiratha
kaṇvaḥ apratiratha-ātmajaḥ
Kaṇva, der Sohn des Apratiratha

tasya medhātithis tasmāt praskannādyā dvijātayaḥ putro 'bhūt sumate rebhir duṣmantas tat-suto mataḥ

Dessen Sohn war Medhātithi; von ihm [entstammten] die Brahmanen, angeführt von Praskanna. Von Sumati wurde ein Sohn namens Rebhi geboren; als dessen Sohn gilt Duṣmanta.

Wort für Wort
tasya medhātithiḥ
dessen Sohn war Medhātithi
tasmāt praskanna-ādyāḥ dvijātayaḥ
von ihm die Brahmanen, angeführt von Praskanna
putraḥ abhūt sumate rebhiḥ
ein Sohn namens Rebhi wurde dem Sumati geboren
duṣmantaḥ tat-sutaḥ mataḥ
Duṣmanta gilt als dessen Sohn

duṣmanto mṛgayāṁ yātaḥ kaṇvāśrama-padaṁ gataḥ tatrāsīnāṁ sva-prabhayā maṇḍayantīṁ ramām iva vilokya sadyo mumuhe deva-māyām iva striyam babhāṣe tāṁ varārohāṁ bhaṭaiḥ katipayair vṛtaḥ

Duṣmanta, der zur Jagd ausgezogen war, gelangte zur Einsiedelei Kaṇvas. Dort [sah er eine Frau], die durch ihren eigenen Glanz [den Ort] schmückte wie die Glücksgöttin Ramā selbst. Sobald er sie erblickte, war er sogleich bezaubert, [als sähe er] eine Frau gleich der täuschenden Macht eines Gottes. Von wenigen Kriegern begleitet, sprach er die Schönhüftige an.

Wort für Wort
duṣmantaḥ mṛgayāṁ yātaḥ
Duṣmanta, der zur Jagd ausgezogen war
kaṇva-āśrama-padaṁ gataḥ
gelangte zur Einsiedelei Kaṇvas
tatra āsīnām
dort eine sitzende (Frau)
sva-prabhayā maṇḍayantīm
die durch ihren eigenen Glanz schmückte
ramām iva
wie [die Göttin] Ramā
vilokya sadyaḥ mumuhe
sobald er sie erblickte, war er bezaubert
deva-māyām iva striyam
eine Frau gleich der Täuschungsmacht eines Gottes
babhāṣe tāṁ varārohām
er sprach die Schönhüftige an
bhaṭaiḥ katipayaiḥ vṛtaḥ
von wenigen Kriegern umgeben

tad-darśana-pramuditaḥ sannivṛtta-pariśramaḥ papraccha kāma-santaptaḥ prahasañ ślakṣṇayā girā

Erfreut durch ihren Anblick, seine Müdigkeit vergessend, von Verlangen erhitzt, fragte er lächelnd mit sanfter Stimme:

Wort für Wort
tat-darśana-pramuditaḥ
erfreut durch ihren Anblick
sannivṛtta-pariśramaḥ
dessen Müdigkeit gewichen war
papraccha
er fragte
kāma-santaptaḥ
von Verlangen erhitzt
prahasan ślakṣṇayā girā
lächelnd mit sanfter Stimme

kā tvaṁ kamala-patrākṣi kasyāsi hṛdayaṅgame kiṁ svic cikīrṣitaṁ tatra bhavatyā nirjane vane

Wer bist du, Lotusäugige? Wessen [Tochter] bist du, Herzerfreuende? Was gedenkst du hier zu tun, in diesem einsamen Wald?

Wort für Wort
kā tvam
wer bist du
kamala-patra-akṣi
o Lotusblütenblatt-Äugige
kasya asi
wessen [Tochter] bist du
hṛdayaṅgame
o Herzerfreuende
kiṁ svit cikīrṣitam
was gedenkst du zu tun
tatra bhavatyā nirjane vane
hier von dir im einsamen Wald

vyaktaṁ rājanya-tanayāṁ vedmy ahaṁ tvāṁ su-madhyame na hi cetaḥ pauravāṇām adharme ramate kvacit

Offenkundig erkenne ich dich als Tochter eines Kṣatriya-Königs, du Schlankhüftige; denn das Herz der Pauravas (Nachkommen Pūrus) findet niemals Gefallen an Unrecht.

Wort für Wort
vyaktam
offenkundig
rājanya-tanayām
als Tochter eines Königs (Kṣatriya)
vedmi aham tvām su-madhyame
ich erkenne dich, o Schlankhüftige
na hi cetaḥ pauravāṇām
denn nicht das Herz der Pauravas
adharme ramate kvacit
findet jemals Gefallen an Unrecht

śrī-śakuntalovāca viśvāmitrātmajaivāhaṁ tyaktā menakayā vane vedaitad bhagavān kaṇvo vīra kiṁ karavāma te

Śrī Śakuntalā sprach: Ich bin fürwahr die Tochter Viśvāmitras, die von Menakā im Wald zurückgelassen wurde. Dies weiß der erhabene Kaṇva. O Held, was können wir für dich tun?

Wort für Wort
śrī-śakuntalā uvāca
Śrī Śakuntalā sprach
viśvāmitra-ātmajā eva aham
ich bin fürwahr die Tochter Viśvāmitras
tyaktā menakayā vane
von Menakā im Wald zurückgelassen
veda etat bhagavān kaṇvaḥ
dies weiß der erhabene Kaṇva
vīra kiṁ karavāma te
o Held, was sollen wir für dich tun

āsyatāṁ hy aravindākṣa gṛhyatām arhaṇaṁ ca naḥ bhujyatāṁ santi nīvārā uṣyatāṁ yadi rocate

Setze dich doch, Lotusäugiger, und nimm unsere Ehrengabe an; iss – es gibt Wildreis – und verweile, wenn es dir beliebt.

Wort für Wort
āsyatām hi aravindākṣa
setze dich doch, o Lotusäugiger
gṛhyatām arhaṇaṁ ca naḥ
und nimm unsere Ehrengabe an
bhujyatām
iss
santi nīvārāḥ
es gibt Wildreis
uṣyatāṁ yadi rocate
und verweile, wenn es dir beliebt

śrī-duṣmanta uvāca upapannam idaṁ subhru jātāyāḥ kuśikānvaye svayaṁ hi vṛṇute rājñāṁ kanyakāḥ sadṛśaṁ varam

Śrī Duṣmanta sprach: Dies ziemt sich wohl, o Schönbraue, für eine, die in der Familie Kuśikas geboren wurde; denn die Töchter der Könige wählen ja selbst einen ihnen ebenbürtigen Gatten.

Wort für Wort
śrī-duṣmantaḥ uvāca
Śrī Duṣmanta sprach
upapannam idaṁ subhru
dies ziemt sich wohl, o Schönbraue
jātāyāḥ kuśika-anvaye
für eine, die in der Familie Kuśikas geboren wurde
svayaṁ hi vṛṇute
denn selbst wählt
rājñāṁ kanyakāḥ sadṛśaṁ varam
die Töchter der Könige einen ebenbürtigen Gatten

om ity ukte yathā-dharmam upayeme śakuntalām gāndharva-vidhinā rājā deśa-kāla-vidhāna-vit

Nachdem 'Om' [als Zustimmung] gesprochen war, vermählte sich der König, der Ort und Zeit [richtig] zu bestimmen wusste, pflichtgemäß mit Śakuntalā nach dem Gāndharva-Ritus.

Wort für Wort
om iti ukte
nachdem 'Om' gesprochen war
yathā-dharmam upayeme śakuntalām
vermählte er sich pflichtgemäß mit Śakuntalā
gāndharva-vidhinā
nach dem Gāndharva-Ritus
rājā deśa-kāla-vidhāna-vit
der König, der Ort und Zeit [richtig] zu bestimmen wusste

amogha-vīryo rājarṣir mahiṣyāṁ vīryam ādadhe śvo-bhūte sva-puraṁ yātaḥ kālenāsūta sā sutam

Der königliche Weise von unfehlbarer Zeugungskraft legte seinen Samen in die Fürstin; am nächsten Tag zog er in seine eigene Stadt; nach einiger Zeit gebar sie einen Sohn.

Wort für Wort
amogha-vīryaḥ rājarṣiḥ
der königliche Weise von unfehlbarer Zeugungskraft
mahiṣyāṁ vīryam ādadhe
legte seinen Samen in die Fürstin
śvo-bhūte sva-puraṁ yātaḥ
als der nächste Tag anbrach, zog er in seine eigene Stadt
kālena asūta sā sutam
nach [einiger] Zeit gebar sie einen Sohn

kaṇvaḥ kumārasya vane cakre samucitāḥ kriyāḥ baddhvā mṛgendraṁ tarasā krīḍati sma sa bālakaḥ

Kaṇva vollzog im Wald die vorgeschriebenen Riten für den Knaben. Dieser Knabe pflegte, nachdem er kraftvoll einen Löwen gebunden hatte, mit ihm zu spielen.

Wort für Wort
kaṇvaḥ kumārasya vane
Kaṇva für den Knaben im Wald
cakre samucitāḥ kriyāḥ
vollzog die vorgeschriebenen Riten
baddhvā mṛgendraṁ tarasā
nachdem er kraftvoll einen Löwen gebunden hatte
krīḍati sma sa bālakaḥ
pflegte dieser Knabe zu spielen

taṁ duratyaya-vikrāntam ādāya pramadottamā harer aṁśāṁśa-sambhūtaṁ bhartur antikam āgamat

Diesen, dessen Tapferkeit unüberwindlich war, den aus einem Teil eines Teils Haris Entstandenen, nahm die vortreffliche Frau mit sich und begab sich zu ihrem Gatten.

Wort für Wort
taṁ duratyaya-vikrāntam
diesen, dessen Tapferkeit unüberwindlich war
ādāya pramadottamā
nahm die vortreffliche Frau [mit sich]
hareḥ aṁśa-aṁśa-sambhūtam
den aus einem Teil eines Teils Haris Entstandenen
bhartuḥ antikam āgamat
begab sich in die Nähe ihres Gatten

yadā na jagṛhe rājā bhāryā-putrāv aninditau śṛṇvatāṁ sarva-bhūtānāṁ khe vāg āhāśarīriṇī

Als der König die makellose Gattin und den Sohn nicht anerkannte, ertönte, während alle Wesen zuhörten, am Himmel eine körperlose Stimme, die sprach:

Wort für Wort
yadā na jagṛhe rājā
als der König nicht anerkannte
bhāryā-putrau aninditau
die makellose Gattin und den [makellosen] Sohn
śṛṇvatāṁ sarva-bhūtānām
während alle Wesen zuhörten
khe vāk āha aśarīriṇī
ertönte am Himmel eine körperlose Stimme, die sprach

mātā bhastrā pituḥ putro yena jātaḥ sa eva saḥ bharasva putraṁ duṣmanta māvamaṁsthāḥ śakuntalām

'Die Mutter ist nur der Blasebalg [des Vaters]; der Sohn, durch den der Vater gezeugt wird, ist er selbst. Ernähre deinen Sohn, Duṣmanta! Verachte Śakuntalā nicht!

Wort für Wort
mātā bhastrā
die Mutter ist [nur] der Blasebalg
pituḥ putraḥ
der Sohn des Vaters
yena jātaḥ sa eva saḥ
durch den [der Vater wieder]geboren wird, ist er selbst
bharasva putraṁ duṣmanta
ernähre deinen Sohn, Duṣmanta
mā avamaṁsthāḥ śakuntalām
verachte Śakuntalā nicht

reto-dhāḥ putro nayati naradeva yamakṣayāt tvaṁ cāsya dhātā garbhasya satyam āha śakuntalā

O Herrscher der Menschen, der Sohn, [dessen] Samen [du gespendet hast], errettet [dich] aus dem Reich Yamas; und du bist der Urheber dieses Keimes – Śakuntalā spricht die Wahrheit.'

Wort für Wort
retaḥ-dhāḥ putraḥ nayati
der Sohn, [der Träger des von dir gespendeten] Samens, errettet
naradeva yama-kṣayāt
o Herrscher der Menschen, aus der Behausung Yamas
tvaṁ ca asya dhātā garbhasya
und du bist der Urheber dieses Keimes
satyam āha śakuntalā
Śakuntalā spricht die Wahrheit

pitary uparate so 'pi cakravartī mahā-yaśāḥ mahimā gīyate tasya harer aṁśa-bhuvo bhuvi

Nach dem Hinscheiden seines Vaters wurde er [Bharata] zum ruhmreichen Weltherrscher; seine Größe, als eines aus einem Teil Haris Geborenen, wird auf Erden besungen.

Wort für Wort
pitari uparate
nach dem Hinscheiden des Vaters
saḥ api cakravartī mahā-yaśāḥ
wurde er zum ruhmreichen Weltherrscher
mahimā gīyate tasya
seine Größe wird besungen
hareḥ aṁśa-bhuvaḥ bhuvi
dessen, der aus einem Teil Haris geboren ist, auf Erden

cakraṁ dakṣiṇa-haste 'sya padma-kośo 'sya pādayoḥ īje mahābhiṣekeṇa so 'bhiṣikto 'dhirāḍ vibhuḥ pañca-pañcāśatā medhyair gaṅgāyām anu vājibhiḥ māmateyaṁ purodhāya yamunām anu ca prabhuḥ aṣṭa-saptatim medhyāśvān babandha pradadad vasu bharatasya hi dauṣmanter agniḥ sācī-guṇe citaḥ sahasraṁ badvaśo yasmin brāhmaṇā gā vibhejire

Ein Rad-Zeichen war auf seiner rechten Hand, ein Lotoskelch-Zeichen an seinen Füßen; er ließ sich mit der großen Weihe (Mahābhiṣeka) weihen und wirkte, so geweiht, als mächtiger Oberherrscher. Mit fünfundfünfzig geweihten Rossen [opferte er] entlang der Gaṅgā, mit Māmateya als Priester eingesetzt, ebenso entlang der Yamunā; er band achtundsiebzig für das Opfer geeignete Pferde und verschenkte dabei Reichtümer. Denn bei [dem Opfer] Bharatas, des Sohnes Duṣmantas, wurde das Feuer entlang der Sācī errichtet, wobei die Brahmanen wiederholt je tausend Kühe unter sich aufteilten.

Wort für Wort
cakraṁ dakṣiṇa-haste asya
ein Rad[-Zeichen] an seiner rechten Hand
padma-kośaḥ asya pādayoḥ
ein Lotoskelch[-Zeichen] an seinen Füßen
īje mahābhiṣekeṇa
er opferte/weihte sich mit der großen Weihe
saḥ abhiṣiktaḥ adhirāṭ vibhuḥ
er, geweiht, [wurde zum] mächtigen Oberherrscher
pañca-pañcāśatā medhyaiḥ vājibhiḥ
mit fünfundfünfzig geweihten Rossen
gaṅgāyām anu
entlang der Gaṅgā
māmateyaṁ purodhāya
mit Māmateya als Priester eingesetzt
yamunām anu ca prabhuḥ
und entlang der Yamunā, der Herrscher
aṣṭa-saptatim medhyāśvān babandha
er band achtundsiebzig für das Opfer geeignete Pferde
pradadat vasu
dabei Reichtümer verschenkend
bharatasya hi dauṣmanteḥ
denn [bei dem Opfer] Bharatas, des Sohnes Duṣmantas
agniḥ sācī-guṇe citaḥ
wurde das [Opfer-]Feuer entlang der Sācī errichtet
sahasraṁ badvaśaḥ yasmin
tausend[fach], wiederholt, wobei
brāhmaṇāḥ gāḥ vibhejire
die Brahmanen Kühe unter sich aufteilten

[Anm.: 'sācī-guṇe' (Bedeutung eines Ort- oder Ritualbegriffs) und 'badvaśo' (vermutlich für 'bahuśo', 'vielfach') sind im überlieferten Text unklar; Lesart unsicher [?]

trayas-triṁśac-chataṁ hy aśvān baddhvā vismāpayan nṛpān dauṣmantir atyagān māyāṁ devānāṁ gurum āyayau

Nachdem er dreihundertunddreißig[hundert, d.h. 3300] Pferde gebunden und damit die Könige in Staunen versetzt hatte, übertraf der Sohn Duṣmantas [selbst] die Täuschungsmacht der Götter und erlangte [den Rang] Bṛhaspatis, des Lehrers der Götter.

Wort für Wort
trayas-triṁśat-śataṁ hi aśvān baddhvā
nachdem er fürwahr dreitausenddreihundert Pferde gebunden hatte
vismāpayan nṛpān
die Könige in Staunen versetzend
dauṣmantiḥ atyagāt māyāṁ devānām
der Sohn Duṣmantas übertraf die Täuschungsmacht der Götter
gurum āyayau
und erlangte den Lehrer/dessen Rang

'devānāṁ gurum āyayau' (er erlangte/erreichte Bṛhaspati, den Lehrer der Götter) ist in der genauen Bedeutung unsicher [?]

mṛgān śukla-dataḥ kṛṣṇān hiraṇyena parīvṛtān adāt karmaṇi māṣṇāre niyutāni caturdaśa

Schwarze Antilopen mit weißen Zähnen, mit Gold geschmückt, schenkte er beim Opfer in Māṣṇāra in der Zahl von vierzehn Niyuta [140.000].

Wort für Wort
mṛgān śukla-dataḥ kṛṣṇān
schwarze Antilopen mit weißen Zähnen
hiraṇyena parīvṛtān
mit Gold umgeben/geschmückt
adāt karmaṇi māṣṇāre
er schenkte [sie] beim Opfer in Māṣṇāra
niyutāni caturdaśa
vierzehn Niyuta (140.000)

bharatasya mahat karma na pūrve nāpare nṛpāḥ naivāpur naiva prāpsyanti bāhubhyāṁ tridivaṁ yathā

Die große Tat Bharatas erreichten weder frühere noch spätere Könige, noch werden sie sie je erreichen – ebensowenig, wie man mit bloßen Armen den Himmel [erreichen kann].

Wort für Wort
bharatasya mahat karma
die große Tat Bharatas
na pūrve na apare nṛpāḥ
weder frühere noch spätere Könige
na eva āpuḥ na eva prāpsyanti
erreichten sie nicht, noch werden sie sie erreichen
bāhubhyāṁ tridivaṁ yathā
so wie [man] mit [bloßen] Armen den Himmel [nicht erreicht]

kirāta-hūṇān yavanān pauṇḍrān kaṅkān khaśāñ chakān abrahmaṇya-nṛpāṁś cāhan mlecchān digvijaye 'khilān

Kirātas, Hūṇas, Yavanas, Pauṇḍras, Kaṅkas, Khaśas und Śakas sowie alle unfrommen, den Brahmanen feindlichen Könige und Mlecchas erschlug er auf seinem Feldzug zur Welteroberung.

Wort für Wort
kirāta-hūṇān yavanān
Kirātas, Hūṇas, Yavanas
pauṇḍrān kaṅkān khaśān śakān
Pauṇḍras, Kaṅkas, Khaśas, Śakas
abrahmaṇya-nṛpān ca ahan
und er erschlug die den Brahmanen feindlichen Könige
mlecchān digvijaye akhilān
alle Mlecchas bei [seiner] Welteroberung

jitvā purāsurā devān ye rasaukāṁsi bhejire deva-striyo rasāṁ nītāḥ prāṇibhiḥ punar āharat

Die Frauen der Götter, die von den Dämonen – welche einst, nachdem sie die Götter besiegt hatten, in die Unterwelt (Rasātala) geflohen waren – in jene Region verschleppt worden waren, brachte er, zusammen mit deren Bewohnern, wieder zurück.

Wort für Wort
jitvā purā asurāḥ devān
nachdem die Dämonen einst die Götter besiegt hatten
ye rasa-okāṁsi bhejire
die [Dämonen], welche die Wohnstätten der Rasā (Unterwelt) aufsuchten
deva-striyaḥ rasāṁ nītāḥ
die Frauen der Götter, in die Rasā (Unterwelt) verschleppt
prāṇibhiḥ punaḥ āharat
brachte er, samt deren Lebewesen, wieder zurück

'prāṇibhiḥ' (zusammen mit den Lebewesen/Bewohnern [der Unterwelt]) ist in der genauen Bezugnahme unsicher [?]

sarvān kāmān duduhatuḥ prajānāṁ tasya rodasī samās triṇava-sāhasrīr dikṣu cakram avartayat

Himmel und Erde spendeten unter seiner Herrschaft alle Wünsche der Untertanen; siebenundzwanzigtausend Jahre lang ließ er sein [Herrschafts-]Rad in alle Richtungen rollen.

Wort für Wort
sarvān kāmān duduhatuḥ
alle Wünsche spendeten
prajānāṁ tasya rodasī
dem Volk Himmel und Erde unter seiner Herrschaft
samāḥ triṇava-sāhasrīḥ
siebenundzwanzigtausend Jahre
dikṣu cakram avartayat
ließ er das [Herrschafts-]Rad in alle Richtungen rollen

'triṇava-sāhasrīḥ' (wörtl. 'drei-neun-tausend') ist eine vedische Zahlformel für 27.000 [?]

sa saṁrāḍ loka-pālākhyam aiśvaryam adhirāṭ śriyam cakraṁ cāskhalitaṁ prāṇān mṛṣety upararāma ha

Dieser Herrscher (Samrāṭ), der als Oberherrscher (Adhirāj) die 'Hüterschaft der Welt' genannte Herrschaft, den Glanz, das ungehinderte [Rad seiner Macht] und [selbst] die Lebenskräfte innehatte, betrachtete all dies als nichtig und zog sich [davon] zurück.

Wort für Wort
sa saṁrāṭ
dieser Herrscher (Samrāṭ)
loka-pāla-ākhyam aiśvaryam
die 'Hüterschaft der Welt' genannte Herrschaft
adhirāṭ śriyam
als Oberherrscher [innehabend] den Glanz
cakraṁ ca askhalitam
und das ungehinderte [Herrschafts-]Rad
prāṇān
[sowie] die Lebenskräfte
mṛṣā iti upararāma ha
hielt [all dies] für nichtig und zog sich zurück

'upararāma' (er hörte auf/zog sich zurück) könnte auf Bharatas späteres Hinscheiden oder seine Entsagung anspielen [?]

tasyāsan nṛpa vaidarbhyaḥ patnyas tisraḥ susammatāḥ jaghnus tyāga-bhayāt putrān nānurūpā itīrite

Dieser [Bharata] hatte, o König, drei hochangesehene Gattinnen aus Vidarbha; aus Furcht, [von ihm] verstoßen zu werden, töteten sie [ihre eigenen] Söhne, da gesagt worden war, diese seien [ihm] nicht ebenbürtig.

Wort für Wort
tasya āsan nṛpa
dieser hatte, o König
vaidarbhyaḥ patnyaḥ tisraḥ susammatāḥ
drei hochangesehene Gattinnen aus Vidarbha
jaghnuḥ tyāga-bhayāt putrān
sie töteten aus Furcht vor Verstoßung [ihre] Söhne
na anurūpāḥ iti īrite
da gesagt worden war, [diese seien] nicht ebenbürtig

tasyaivaṁ vitathe vaṁśe tad-arthaṁ yajataḥ sutam marut-stomena maruto bharadvājam upādaduḥ

Als so seine Dynastie fruchtlos (vitatha) geworden war, gaben ihm, während er zu diesem Zweck opferte, die Maruts mittels des Marut-stoma-Opfers Bharadvāja [als Sohn].

Wort für Wort
tasya evaṁ vitathe vaṁśe
als so seine Dynastie fruchtlos/erblos geworden war
tad-artham yajataḥ sutam
während er zu diesem Zweck [für einen] Sohn opferte
marut-stomena marutaḥ
die Maruts mittels des Marut-stoma-Opfers
bharadvājam upādaduḥ
gaben [ihm] Bharadvāja

antarvatnyāṁ bhrātṛ-patnyāṁ maithunāya bṛhaspatiḥ pravṛtto vārito garbhaṁ śaptvā vīryam upāsṛjat

Bṛhaspati, der sich der schwangeren Frau seines Bruders zum Beischlaf näherte, wurde [von ihr] zurückgewiesen; dennoch verspritzte er, nachdem er den Embryo verflucht hatte, seinen Samen.

Wort für Wort
antarvatnyāṁ bhrātṛ-patnyām
der schwangeren Frau seines Bruders
maithunāya bṛhaspatiḥ pravṛttaḥ
Bṛhaspati, der sich zum Beischlaf näherte
vāritaḥ
wurde [von ihr] zurückgewiesen
garbhaṁ śaptvā vīryam upāsṛjat
nachdem er den Embryo verflucht hatte, verspritzte er seinen Samen

taṁ tyaktu-kāmāṁ mamatāṁ bhartus tyāga-viśaṅkitām nāma-nirvācanaṁ tasya ślokam enaṁ surā jaguḥ

Als Mamatā diesen [Sohn] fortwerfen wollte, aus Furcht vor der Verstoßung durch ihren Gatten, sangen die Götter über ihn diesen Vers zur Namensgebung:

Wort für Wort
taṁ tyaktu-kāmām
ihn [wollte sie] fortwerfen
mamatām bhartuḥ tyāga-viśaṅkitām
Mamatā, die die Verstoßung durch ihren Gatten fürchtete
nāma-nirvācanam tasya
zur Namensgebung für ihn
ślokam enaṁ surā jaguḥ
sangen die Götter diesen Vers

mūḍhe bhara dvājam imaṁ bhara dvājaṁ bṛhaspate yātau yad uktvā pitarau bharadvājas tatas tv ayam

'Törin, trage diesen Vogel (dvāja)!' – 'Trage du den Vogel, Bṛhaspati!' – Nachdem die beiden Eltern dies gesagt hatten, gingen sie fort; daher [heißt] dieser seither Bharadvāja ('den Vogel Tragender').

Wort für Wort
mūḍhe bhara dvājam imam
Törin, trage diesen Vogel
bhara dvājaṁ bṛhaspate
trage [du] den Vogel, Bṛhaspati
yātau yat uktvā pitarau
nachdem die Eltern dies gesagt hatten, gingen sie fort
bharadvājaḥ tataḥ tu ayam
daher [heißt] dieser seither Bharadvāja

codyamānā surair evaṁ matvā vitatham ātmajam vyasṛjan maruto 'bibhran datto 'yaṁ vitathe 'nvaye

So von den Göttern gedrängt, hielt sie ihn dennoch für einen unrechtmäßigen Sohn und gab ihn fort; die Maruts nahmen ihn auf. Dieser wurde [später, als Erbe] in die kinderlos gebliebene (vitatha) Linie [Bharatas] gegeben.

Wort für Wort
codyamānā suraiḥ evam
so von den Göttern gedrängt
matvā vitatham ātmajam
ihn für einen unrechtmäßigen Sohn haltend
vyasṛjan
gab sie [ihn] fort
marutaḥ abibhran
die Maruts nahmen [ihn] auf
dattaḥ ayaṁ vitathe anvaye
dieser wurde in die 'leere' (vitatha) Linie [Bharatas] gegeben

'vitathe 'nvaye' spielt zugleich auf den späteren Beinamen Bharadvājas als 'Vitatha' in der Bharata-Dynastie an [?]

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