Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 91: Prācīnabarhiṣi-nāradasaṁvādaḥ [?] Gespräche zwischen Nārada und König Prācīnabarhi

prācīnabarhir uvāca bhagavaṁs te vaco 'smābhir na samyag avagamyate kavayas tad vijānanti na vayaṁ karma-mohitāḥ

Prācīnabarhi sprach: O Herr, dein Wort wird von uns nicht vollständig verstanden. Die Weisen verstehen das; wir aber nicht, da wir durch unsere Werke verblendet sind.

Wort für Wort
prācīnabarhiḥ uvāca
Prācīnabarhi sprach
bhagavan
o Herr (Vok.)
te
dein (Gen.Sg.)
vacaḥ
Wort/Rede (Nom.Sg.)
asmābhiḥ
von uns (Instr.Pl.)
na
nicht
samyak
vollständig (Adv.)
avagamyate
wird verstanden (Präs.Pass. 3.Sg.)
kavayaḥ
die Weisen (Nom.Pl.)
tat
das (Akk.Sg.n.)
vijānanti
sie verstehen (3.Pl.Präs.)
na vayam
nicht wir (Nom.Pl.)
karma-mohitāḥ
durch Werke verblendet (Nom.Pl.Ppp.)

nārada uvāca puruṣaṁ purañjanaṁ vidyād yad vyanakty ātmanaḥ puram eka-dvi-tri-catuṣ-pādaṁ bahu-pādam apādakam

Nārada sprach: Man soll den Purusha als Purañjana erkennen, weil er sich selbst eine Stadt erschafft - ein-, zwei-, drei- oder vierfüßig, vielfüßig oder fußlos.

Wort für Wort
nāradaḥ uvāca
Nārada sprach
puruṣam
den Purusha/die Person (Akk.Sg.)
purañjanam
als Purañjana (Akk.Sg., Eigenname)
vidyāt
man soll erkennen (Opt.3.Sg.)
yat
weil (Konj.)
vyanakti
er offenbart/erschafft (3.Sg.Präs.)
ātmanaḥ
für sich selbst (Gen.Sg.)
puram
die Stadt/den Körper (Akk.Sg.)
eka-dvi-tri-catuṣ-pādam
ein-, zwei-, drei-, vierfüßig (Akk.Adj.)
bahu-pādam
vielfüßig (Akk.Adj.)
apādakam
fußlos (Akk.Adj.)

yo 'vijñātāhṛtas tasya puruṣasya sakheśvaraḥ yan na vijñāyate pumbhir nāmabhir vā kriyā-guṇaiḥ

Er, der unerkannt zu jenem Purusha gekommen ist, ist der Freund und Herr jenes Purusha - weil er von den Menschen weder durch Namen noch durch Taten und Eigenschaften erkannt wird.

Wort für Wort
yaḥ
welcher (Nom.Sg.)
avijñāta-āhṛtaḥ
unerkannt herbeigekommen (Nom.Sg.Kompositum)
tasya puruṣasya
jenes Purusha (Gen.Sg.)
sakhā
Freund (Nom.Sg.)
īśvaraḥ
Herr (Nom.Sg.)
yat
weil (Konj.)
na vijñāyate
wird nicht erkannt (Präs.Pass.)
pumbhiḥ
von den Menschen (Instr.Pl.)
nāmabhiḥ vā
oder durch Namen (Instr.Pl.)
kriyā-guṇaiḥ
durch Taten und Eigenschaften (Instr.Pl.)

yadā jighṛkṣan puruṣaḥ kārtsnyena prakṛter guṇān nava-dvāraṁ dvi-hastāṅghri tatrāmanuta sādhv iti

Als der Purusha die Erscheinungsweisen der Natur gänzlich zu genießen begehrte, urteilte er darüber - über den Körper mit neun Toren, zwei Händen und Füßen: "Das ist vortrefflich."

Wort für Wort
yadā
als
jighṛkṣan
zu ergreifen/genießen begehrend (Desid.Ppr.Nom.Sg.)
puruṣaḥ
der Purusha (Nom.Sg.)
kārtsnyena
gänzlich (Instr.Adv.)
prakṛteḥ
der Natur (Gen.Sg.)
guṇān
die Erscheinungsweisen (Akk.Pl.)
nava-dvāram
mit neun Toren (Akk.Adj.)
dvi-hasta-aṅghri
mit zwei Händen und Füßen (Akk.Adj.)
tatra
darüber/darin
amanuta
er urteilte (Impf.Med.3.Sg. von √man)
sādhu
vortrefflich
iti
so (Zitatpartikel)

buddhiṁ tu pramadāṁ vidyān mamāham iti yat-kṛtam yām adhiṣṭhāya dehe 'smin pumān bhuṅkte 'kṣabhir guṇān

Die Buddhi aber soll man als die junge Frau erkennen, durch welche die Vorstellung "mein" und "ich" bewirkt wird; gestützt auf sie genießt die Seele in diesem Körper mit den Sinnen die Sinnesobjekte.

Wort für Wort
buddhim
die Buddhi/den Intellekt (Akk.Sg.)
tu
aber
pramadām
als die junge Frau (Akk.Sg.)
vidyāt
man soll erkennen (Opt.3.Sg.)
mama aham iti
"mein", "ich" - so
yat-kṛtam
was dadurch bewirkt ist (Akk.Sg.)
yām
welche (Akk.Sg.f.)
adhiṣṭhāya
sich stützend auf (Abs.)
dehe asmin
in diesem Körper (Lok.Sg.)
pumān
die Seele (Nom.Sg.)
bhuṅkte
genießt (3.Sg.Präs.Med.)
akṣabhiḥ
mit den Sinnen (Instr.Pl.)
guṇān
die Sinnesobjekte/Erscheinungsweisen (Akk.Pl.)

sakhāya indriya-gaṇā jñānaṁ karma ca yat-kṛtam sakhyas tad-vṛttayaḥ prāṇaḥ pañca-vṛttir yathoragaḥ

Die Erkenntnissinne sind die Freunde, durch die Erkenntnis und Handlung bewirkt werden; die Handlungssinne, deren Tätigkeit jenen entspricht, sind die Freundinnen; der Lebensatem mit seinen fünf Funktionen ist wie eine Schlange.

Wort für Wort
sakhāyaḥ
die (männlichen) Freunde (Nom.Pl.)
indriya-gaṇāḥ
die Scharen der Erkenntnissinne (Nom.Pl.)
jñānam
Erkenntnis (Nom.Sg.)
karma
Handlung (Nom.Sg.)
ca
und
yat-kṛtam
was von ihnen bewirkt wird (Nom.Sg.)
sakhyaḥ
die (weiblichen) Freundinnen (Nom.Pl.)
tad-vṛttayaḥ
deren Betätigung jenen entspricht (Nom.Pl.)
prāṇaḥ
der Lebensatem (Nom.Sg.)
pañca-vṛttiḥ
mit fünf Funktionen (Nom.Adj.)
yathā
wie
uragaḥ
eine Schlange (Nom.Sg.)

bṛhad-balaṁ mano vidyād ubhayendriya-nāyakam pañcālāḥ pañca viṣayā yan-madhye nava-khaṁ puram

Man soll das Manas als von großer Kraft erkennen, als den Anführer beider Arten von Sinnen; die "Pañcālas" sind die fünf Sinnesobjekte, in deren Mitte die Stadt mit den neun Öffnungen liegt.

Wort für Wort
bṛhat-balam
von großer Kraft (Akk.Adj.)
manaḥ
den Geist/das Manas (Akk.Sg.)
vidyāt
man soll erkennen (Opt.3.Sg.)
ubhaya-indriya-nāyakam
den Anführer beider Sinnesarten (Akk.Sg.)
pañcālāḥ
die Pañcālas (Nom.Pl., Landesname = Sinnesobjekte)
pañca viṣayāḥ
die fünf Sinnesobjekte (Nom.Pl.)
yat-madhye
in dessen Mitte
nava-kham
mit neun Öffnungen (Nom.Adj.)
puram
die Stadt (Nom.Sg.)

akṣiṇī nāsike karṇau mukhaṁ śiśna-gudāv iti dve dve dvārau bahir yāti yas tad-indriya-saṁyutaḥ

Die zwei Augen, die zwei Nasenlöcher, die zwei Ohren, der Mund, Geschlechtsorgan und After - so gibt es je zwei gepaarte Tore; durch sie geht derjenige Purusha, der mit jenen Sinnen ausgestattet ist, nach außen.

Wort für Wort
akṣiṇī
die zwei Augen (Nom.Du.)
nāsike
die zwei Nasenlöcher (Nom.Du.)
karṇau
die zwei Ohren (Nom.Du.)
mukham
der Mund (Nom.Sg.)
śiśna-gudau
Geschlechtsorgan und After (Nom.Du.)
iti
so (aufgezählt)
dve dve
je zwei (Nom.Du., wiederholend)
dvārau
als Tore (Nom.Du.)
bahiḥ
nach außen
yāti
geht (3.Sg.Präs.)
yaḥ
welcher (Purusha) (Nom.Sg.)
tat-indriya-saṁyutaḥ
mit jenen Sinnen ausgestattet (Nom.Sg.)

[Anm.: 'dve dve dvārau' (wörtl. 'je zwei Tore') bezieht sich vermutlich zusammenfassend auf die vier Paare (Augen, Nasenlöcher, Ohren, Genital-After) neben dem einzelnen Mund; die genaue Distribution bleibt im Text elliptisch [?].]

akṣiṇī nāsike āsyam iti pañca puraḥ kṛtāḥ dakṣiṇā dakṣiṇaḥ karṇa uttarā cottaraḥ smṛtaḥ paścime ity adho dvārau gudaṁ śiśnam ihocyate

Augen, Nasenlöcher und Mund - das sind die fünf, die im Osten der Stadt angelegt sind; das südliche Tor gilt als das rechte Ohr, das nördliche als das linke Ohr; im Westen, das heißt unten, liegen die zwei Tore, die hier After und Geschlechtsorgan genannt werden.

Wort für Wort
akṣiṇī nāsike āsyam
Augen, Nasenlöcher, Mund (Nom.)
iti
so
pañca
fünf
puraḥ
im Osten/vorn (Adv.)
kṛtāḥ
angelegt (Nom.Pl.Ppp.)
dakṣiṇā
das südliche (Tor) (Nom.Sg.f.)
dakṣiṇaḥ karṇaḥ
das rechte Ohr (Nom.Sg.)
uttarā
das nördliche (Tor) (Nom.Sg.f.)
ca uttaraḥ
und das linke (Ohr) (Nom.Sg.)
smṛtaḥ
gilt als (Nom.Sg.Ppp.)
paścime
im Westen (Lok.Sg.)
iti adhaḥ
das heißt unten
dvārau
die zwei Tore (Nom.Du.)
gudam śiśnam
After und Geschlechtsorgan (Nom.Sg.)
iha ucyate
wird hier genannt (3.Sg.Präs.Pass.)

khadyotāvirmukhī cātra netre ekatra nirmite rūpaṁ vibhrājitaṁ tābhyāṁ vicaṣṭe cakṣuṣeśvaraḥ

Khadyotā und Āvirmukhī, hier an einer Stelle angelegt, sind die beiden Augen; mit ihnen erblickt der Herrscher der Stadt durch den Sehsinn die erstrahlende Gestalt Vibhrājita.

Wort für Wort
khadyotā nālinī
Khadyotā (Nom.Sg., Eigenname)
āvirmukhī
Āvirmukhī (Nom.Sg., Eigenname)
ca atra
und hier
netre
die zwei Augen (Nom.Du.)
ekatra
an einer Stelle
nirmite
angelegt (Nom.Du.Ppp.)
rūpam
Gestalt (Akk.Sg.)
vibhrājitam
namens Vibhrājita/das Erstrahlende (Akk.Sg.)
tābhyām
durch die beiden (Instr.Du.)
vicaṣṭe
er erblickt (3.Sg.Präs.Med.)
cakṣuṣā
mit dem Sehsinn (Instr.Sg.)
īśvaraḥ
der Herrscher (Nom.Sg.)

nalinī nālinī nāse gandhaḥ saurabha ucyate ghrāṇo 'vadhūto mukhyāsyaṁ vipaṇo vāg rasavid rasaḥ

Nalinī und Nālinī sind die zwei Nasenlöcher; der Geruch wird "Saurabha" genannt, der Geruchssinn "Avadhūta"; Mukhyā ist der Mund, "Vipaṇa" die Sprache; der Geschmackssinn heißt "Rasavit", der Geschmack selbst "Rasa".

Wort für Wort
nalinī nālinī
Nalinī und Nālinī (Nom.Du., Eigennamen)
nāse
die zwei Nasenlöcher (Nom.Du.)
gandhaḥ
der Geruch (Nom.Sg.)
saurabhaḥ
(genannt) Saurabha (Nom.Sg.)
ucyate
wird genannt (Präs.Pass.)
ghrāṇaḥ
der Geruchssinn (Nom.Sg.)
avadhūtaḥ
(genannt) Avadhūta (Nom.Sg.)
mukhyā
Mukhyā (Nom.Sg., Eigenname)
āsyam
der Mund (Nom.Sg.)
vipaṇaḥ
(genannt) Vipaṇa (Nom.Sg.)
vāk
die Sprache (Nom.Sg.)
rasa-vit
(genannt) Rasavit (Nom.Sg.)
rasaḥ
der Geschmack(ssinn) (Nom.Sg.)

āpaṇo vyavahāro 'tra citram andho bahūdanam pitṛhūr dakṣiṇaḥ karṇa uttaro devahūḥ smṛtaḥ

Das Geschäft hier am Tor des Mundes heißt "Āpaṇa"; die mannigfaltige Speise heißt "Bahūdana". Das rechte Ohr gilt als "Pitṛhū", der Anrufer der Ahnen, das linke als "Devahū", der Anrufer der Götter.

Wort für Wort
āpaṇaḥ
(genannt) Āpaṇa (Nom.Sg.)
vyavahāraḥ
das Geschäft (Nom.Sg.)
atra
hier
citram andhaḥ
die mannigfaltige Speise (Nom.Sg.)
bahūdanam
(genannt) Bahūdana (Nom.Sg.)
pitṛ-hūḥ
(genannt) Anrufer der Ahnen (Nom.Sg.)
dakṣiṇaḥ karṇaḥ
das rechte Ohr (Nom.Sg.)
uttaraḥ
das linke (Ohr) (Nom.Sg.)
deva-hūḥ
(genannt) Anrufer der Götter (Nom.Sg.)
smṛtaḥ
gilt als (Nom.Sg.Ppp.)

pravṛttaṁ ca nivṛttaṁ ca śāstraṁ pañcāla-saṁjñitam pitṛ-yānaṁ deva-yānaṁ śrotrāc chruta-dharād vrajet

Die Schrift, die "Pañcāla" genannt wird, besteht aus der zum Sinnesgenuss hinführenden und der davon abwendenden Weisung; vom Gehörsinn, das heißt vom Freund Śrutadhara aus, gelangt man auf den Pfad der Ahnen oder den Pfad der Götter.

Wort für Wort
pravṛttam
die (zum Genuss) hinführende (Weisung) (Nom.Sg.)
ca
und
nivṛttam
die (davon) abwendende (Nom.Sg.)
ca
und
śāstram
die Schrift/Lehre (Nom.Sg.)
pañcāla-saṁjñitam
"Pañcāla" genannt (Nom.Sg.)
pitṛ-yānam
der Pfad der Ahnen (Nom.Sg.)
deva-yānam
der Pfad der Götter (Nom.Sg.)
śrotrāt
vom Gehörsinn aus (Abl.Sg.)
śruta-dharāt
vom (Freund) Śrutadhara aus (Abl.Sg.)
vrajet
man gelangt (Opt.3.Sg.)

āsurī meḍhram arvāg-dvār vyavāyo grāmiṇāṁ ratiḥ upastho durmadaḥ prokto nirṛtir guda ucyate

"Āsurī" heißt das Geschlechtsorgan, das niedere Tor; der Geschlechtsakt ist das Vergnügen der gewöhnlichen sinnlichen Menschen; das Zeugungsvermögen wird "Durmada" genannt; der After wird "Nirṛti" genannt.

Wort für Wort
āsurī
(genannt) Āsurī (Nom.Sg.f.)
meḍhram
das Geschlechtsorgan (Nom.Sg.)
arvāk-dvāḥ
das niedere Tor (Nom.Sg.)
vyavāyaḥ
der Geschlechtsakt (Nom.Sg.)
grāmiṇām
der gewöhnlichen (sinnlichen Menschen) (Gen.Pl.)
ratiḥ
Vergnügen (Nom.Sg.)
upasthaḥ
das Zeugungsvermögen (Nom.Sg.)
durmadaḥ
(genannt) Durmada (Nom.Sg.)
proktaḥ
genannt (Nom.Sg.Ppp.)
nirṛtiḥ
(genannt) Nirṛti (Nom.Sg.)
gudaḥ
der After (Nom.Sg.)
ucyate
wird genannt (Präs.Pass.)

vaiśasaṁ narakaṁ pāyur lubdhako 'ndhau tu me śṛṇu hasta-pādau pumāṁs tābhyāṁ yukto yāti karoti ca

Der Aftersinn heißt "Vaiśasa", die Hölle; er heißt auch "Lubdhaka", der Gierige. Höre nun von mir über die "Blinden": mit Händen und Füßen ausgestattet geht die Seele umher und handelt.

Wort für Wort
vaiśasam
(genannt) Vaiśasa (Nom.Sg.)
narakam
die Hölle (Nom.Sg.)
pāyuḥ
der Aftersinn (Nom.Sg.)
lubdhakaḥ
(genannt) Lubdhaka (Nom.Sg.)
andhau
die zwei Blinden (Nom.Du.)
tu
aber/nun
me
von mir (Gen.Sg.)
śṛṇu
höre! (Imp.2.Sg.)
hasta-pādau
die zwei Hände und Füße (Nom.Du.)
pumān
die Seele (Nom.Sg.)
tābhyām
mit ihnen beiden (Instr.Du.)
yuktaḥ
ausgestattet (Nom.Sg.Ppp.)
yāti
er geht (3.Sg.)
karoti ca
und handelt (3.Sg.)

[Anm.: 'andhau' ('die zwei Blinden') bezieht sich vermutlich vorausdeutend auf Hände und Füße, die - ohne eigenes Urteilsvermögen - dem Willen der übrigen Sinne folgen [?].]

antaḥ-puraṁ ca hṛdayaṁ viṣūcir mana ucyate tatra mohaṁ prasādaṁ vā harṣaṁ prāpnoti tad-guṇaiḥ

Das Herz ist der innere Palast, und der Geist wird "Viṣūcīna" genannt; dort erlangt die Seele durch dessen (des Geistes) Erscheinungsweisen Verwirrung, Klarheit oder Freude.

Wort für Wort
antaḥ-puram
der innere Palast (Nom.Sg.)
ca hṛdayam
und das Herz (Nom.Sg.)
viṣūciḥ
(genannt) Viṣūcīna (Nom.Sg.)
manaḥ
der Geist (Nom.Sg.)
ucyate
wird genannt (Präs.Pass.)
tatra
dort
moham
Verwirrung (Akk.Sg.)
prasādam vā
oder Klarheit (Akk.Sg.)
harṣam
Freude (Akk.Sg.)
prāpnoti
er erlangt (3.Sg.)
tad-guṇaiḥ
durch dessen Eigenschaften (Instr.Pl.)

yathā yathā vikriyate guṇākto vikaroti vā tathā tathopadraṣṭātmā tad-vṛttīr anukāryate

Je nachdem, wie der von den Erscheinungsweisen durchdrungene Geist erregt wird oder selbst verändert, ahmt die Seele als Zuschauer dessen Zustände entsprechend nach.

Wort für Wort
yathā yathā
je nachdem, wie
vikriyate
(der Geist) wird erregt/verändert (Präs.Pass.)
guṇa-aktaḥ
von den Erscheinungsweisen durchdrungen (Nom.Sg.)
vikaroti vā
oder selbst verändert (3.Sg.Akt.)
tathā tathā
so entsprechend
upadraṣṭā
der Betrachter (Nom.Sg.)
ātmā
die Seele (Nom.Sg.)
tat-vṛttīḥ
dessen Zustände (Akk.Pl.)
anukāryate
wird nachvollzogen (Präs.Pass.)

deho rathas tv indriyāśvaḥ saṁvatsara-rayo 'gatiḥ dvi-karma-cakras tri-guṇa-dhvajaḥ pañcāsu-bandhuraḥ mano-raśmir buddhi-sūto hṛn-nīḍo dvandva-kūbaraḥ pañcendriyārtha-prakṣepaḥ sapta-dhātu-varūthakaḥ ākūtir vikramo bāhyo mṛga-tṛṣṇāṁ pradhāvati ekādaśendriya-camūḥ pañca-sūnā-vinoda-kṛt

Der Körper ist ein Wagen, mit den Sinnen als Pferden, mit dem Jahreslauf als Geschwindigkeit, an sich aber ziellos; mit den zwei Arten von Werk als Rädern, mit den drei Erscheinungsweisen als Fahnen, mit den fünf Lebensatemströmen als Wagenkasten, mit dem Geist als Zügel, mit dem Intellekt als Wagenlenker, mit dem Herzen als Nest, mit den Gegensatzpaaren als Deichsel, mit den fünf Sinnesobjekten als Wurfgeschossen, mit den sieben Körperelementen als Panzerung. Mit dem Willen als äußerer Kraftentfaltung läuft er einer Luftspiegelung nach, mit den elf Sinnen als Heerschar, und macht sich die fünf "Schlachtstätten" des Haushalts zum Zeitvertreib.

Wort für Wort
dehaḥ
der Körper (Nom.Sg.)
rathaḥ
ein Wagen (Nom.Sg.)
tu
aber/nun
indriya-aśvaḥ
mit den Sinnen als Pferden (Nom.Sg.)
saṁvatsara-rayaḥ
mit dem Jahreslauf als Geschwindigkeit (Nom.Sg.)
agatiḥ
ziellos/ohne (eigenen) Fortschritt (Nom.Sg.)
dvi-karma-cakraḥ
mit den zwei Werkarten als Rädern (Nom.Sg.)
tri-guṇa-dhvajaḥ
mit den drei Erscheinungsweisen als Fahnen (Nom.Sg.)
pañca-asu-bandhuraḥ
mit den fünf Lebensatemströmen als Wagenkasten (Nom.Sg.)
manaḥ-raśmiḥ
mit dem Geist als Zügel (Nom.Sg.)
buddhi-sūtaḥ
mit dem Intellekt als Wagenlenker (Nom.Sg.)
hṛt-nīḍaḥ
mit dem Herzen als Nest (Nom.Sg.)
dvandva-kūbaraḥ
mit den Gegensatzpaaren als Deichsel (Nom.Sg.)
pañca-indriya-artha-prakṣepaḥ
mit den fünf Sinnesobjekten als Wurfgeschossen (Nom.Sg.)
sapta-dhātu-varūthakaḥ
mit den sieben Körperelementen als Panzerung (Nom.Sg.)
ākūtiḥ
der Wille (Nom.Sg.)
vikramaḥ bāhyaḥ
als äußere Kraftentfaltung (Nom.Sg.)
mṛga-tṛṣṇām
einer Luftspiegelung (Akk.Sg.)
pradhāvati
er läuft nach (3.Sg.)
ekādaśa-indriya-camūḥ
mit den elf Sinnen als Heerschar (Nom.Sg.)
pañca-sūnā-vinoda-kṛt
der die fünf Schlachtstätten zum Zeitvertreib macht (Nom.Sg.)

[Anm.: 'pañca-sūnāḥ' bezeichnet die fünf häuslichen 'Tötungsstätten' (Feuerstelle, Mahlstein, Besen, Wasserkrug, Mörser), an denen im Alltag unabsichtlich Lebewesen zu Schaden kommen [?].]

saṁvatsaraś caṇḍavegaḥ kālo yenopalakṣitaḥ tasyāhānīha gandharvā gandharvyo rātrayaḥ smṛtāḥ haranty āyuḥ parikrāntyā ṣaṣṭy-uttara-śata-trayam

Das Jahr, "Caṇḍavega" genannt, ist die Zeit, durch die alles gekennzeichnet wird; dessen Tage gelten hier als die Gandharvas, die Nächte als die Gandharvī-Frauen; durch ihren Umlauf rauben sie die Lebenszeit - dreihundertsechzig an der Zahl.

Wort für Wort
saṁvatsaraḥ
das Jahr (Nom.Sg.)
caṇḍa-vegaḥ
(genannt) Caṇḍavega (Nom.Sg.)
kālaḥ
die Zeit (Nom.Sg.)
yena
durch welche (Instr.Sg.)
upalakṣitaḥ
gekennzeichnet (Nom.Sg.Ppp.)
tasya
dessen (des Jahres) (Gen.Sg.)
ahāni
die Tage (Nom.Pl.)
iha
hier
gandharvāḥ
die Gandharvas (Nom.Pl.)
gandharvyaḥ
die Gandharvī-Frauen (Nom.Pl.)
rātrayaḥ
die Nächte (Nom.Pl.)
smṛtāḥ
gelten als (Nom.Pl.Ppp.)
haranti
sie rauben (3.Pl.)
āyuḥ
die Lebenszeit (Akk.Sg.)
parikrāntyā
durch (ihren) Umlauf (Instr.Sg.)
ṣaṣṭi-uttara-śata-trayam
dreihundertsechzig (Akk.Sg.)

kāla-kanyā jarā sākṣāl lokas tāṁ nābhinandati svasāraṁ jagṛhe mṛtyuḥ kṣayāya yavaneśvaraḥ

Das Alter ist leibhaftig die Tochter der Zeit; die Welt heißt sie nicht willkommen. Der Tod, der Herr der Yavanas, nahm sie zur Vernichtung der Wesen als Schwester zu sich.

Wort für Wort
kāla-kanyā
die Tochter der Zeit (Nom.Sg.)
jarā
das Alter (Nom.Sg.)
sākṣāt
leibhaftig (Adv.)
lokaḥ
die Welt (Nom.Sg.)
tām
sie (Akk.Sg.)
na abhinandati
begrüßt nicht (3.Sg.)
svasāram
als Schwester (Akk.Sg.)
jagṛhe
er nahm (Perf.Med.3.Sg.)
mṛtyuḥ
der Tod (Nom.Sg.)
kṣayāya
zur Vernichtung (Dat.Sg.)
yavana-īśvaraḥ
der Herr der Yavanas (Nom.Sg.)

ādhayo vyādhayas tasya sainikā yavanāś carāḥ bhūtopasargāśu-rayaḥ prajvāro dvi-vidho jvaraḥ evaṁ bahu-vidhair duḥkhair daiva-bhūtātma-sambhavaiḥ kliśyamānaḥ śataṁ varṣaṁ dehe dehī tamo-vṛtaḥ prāṇendriya-mano-dharmān ātmany adhyasya nirguṇaḥ śete kāma-lavān dhyāyan mamāham iti karma-kṛt

Geistige und körperliche Leiden sind dessen (des Todes) Soldaten, die Yavanas seine Gefolgsleute; sein Verbündeter Prajvāra - das zweifache Fieber - ist von rascher, durch andere Wesen verursachter Wucht. So verweilt, gequält durch vielerlei Leiden, die durch Schicksal, andere Wesen und den eigenen Körper und Geist entstehen, die verkörperte Seele, von Unwissenheit umhüllt, hundert Jahre im Körper. Indem sie die Eigenschaften von Lebensatem, Sinnen und Geist fälschlich sich selbst zuschreibt, ruht die an sich eigenschaftslose Seele, über Bruchstücke des Begehrens sinnend, "mein", "ich" denkend - so zur Handelnden geworden.

Wort für Wort
ādhayaḥ
geistige Leiden (Nom.Pl.)
vyādhayaḥ
körperliche Leiden (Nom.Pl.)
tasya
dessen (des Todes) (Gen.Sg.)
sainikāḥ
Soldaten (Nom.Pl.)
yavanāḥ carāḥ
die Yavanas, Gefolgsleute (Nom.Pl.)
bhūta-upasarga-āśu-rayaḥ
von rascher, durch (andere) Wesen verursachter Wucht (Nom.Sg.)
prajvāraḥ
(genannt) Prajvāra (Nom.Sg.)
dvi-vidhaḥ
zweifach (Nom.Adj.)
jvaraḥ
Fieber (Nom.Sg.)
evam
so
bahu-vidhaiḥ duḥkhaiḥ
durch vielerlei Leiden (Instr.Pl.)
daiva-bhūta-ātma-sambhavaiḥ
entstanden durch Schicksal, (andere) Wesen und den eigenen (Körper/Geist) (Instr.Pl.)
kliśyamānaḥ
gequält werdend (Nom.Sg.Ppr.Pass.)
śatam varṣam
hundert Jahre (Akk.Sg., Zeitdauer)
dehe
im Körper (Lok.Sg.)
dehī
die verkörperte Seele (Nom.Sg.)
tamaḥ-vṛtaḥ
von Unwissenheit umhüllt (Nom.Sg.)
prāṇa-indriya-manaḥ-dharmān
die Eigenschaften von Lebensatem, Sinnen und Geist (Akk.Pl.)
ātmani
sich selbst (Lok.Sg.)
adhyasya
fälschlich zuschreibend (Abs.)
nirguṇaḥ
(obwohl) eigenschaftslos (Nom.Sg.)
śete
sie ruht (3.Sg.)
kāma-lavān
Bruchstücke des Begehrens (Akk.Pl.)
dhyāyan
sinnend über (Ppr.Nom.Sg.)
mama aham iti
"mein", "ich" - so
karma-kṛt
zur Handelnden geworden (Nom.Sg.)

yadātmānam avijñāya bhagavantaṁ paraṁ gurum puruṣas tu viṣajjeta guṇeṣu prakṛteḥ sva-dṛk guṇābhimānī sa tadā karmāṇi kurute 'vaśaḥ śuklaṁ kṛṣṇaṁ lohitaṁ vā yathā-karmābhijāyate

Wenn aber der Mensch, ohne die höchste Seele - den Erhabenen, den höchsten Lehrer - zu erkennen, sich an den Erscheinungsweisen der Natur verstrickt, obwohl er doch sein eigenes Wohl sehen könnte - dann, sich mit den Erscheinungsweisen identifizierend, vollbringt er unfreiwillig Werke und wird entsprechend seinem Werk weiß, schwarz oder rot wiedergeboren.

Wort für Wort
yadā
wenn
ātmānam
die (höchste) Seele (Akk.Sg.)
avijñāya
ohne zu erkennen (Abs.negiert)
bhagavantam
den Erhabenen (Akk.Sg.)
param gurum
den höchsten Lehrer (Akk.Sg.)
puruṣaḥ
der Mensch (Nom.Sg.)
tu
aber
viṣajjeta
er verstrickt sich (Opt.3.Sg.)
guṇeṣu
an den Erscheinungsweisen (Lok.Pl.)
prakṛteḥ
der Natur (Gen.Sg.)
sva-dṛk
der sein eigenes (Wohl) sehen könnte (Nom.Sg.)
guṇa-abhimānī
sich mit den Erscheinungsweisen identifizierend (Nom.Sg.)
saḥ
er (Nom.Sg.)
tadā
dann
karmāṇi
Werke (Akk.Pl.)
kurute
er vollbringt (3.Sg.Med.)
avaśaḥ
unfreiwillig (Nom.Adv.)
śuklam kṛṣṇam lohitam vā
weiß, schwarz oder rot (Akk.Sg.)
yathā-karma
entsprechend (seinem) Werk (Adv.)
abhijāyate
er wird wiedergeboren (3.Sg.)

śuklāt prakāśa-bhūyiṣṭhāḻ lokān āpnoti karhicit duḥkhodarkān kriyāyāsāṁs tamaḥ-śokotkaṭān kvacit

Von der Geburt in der Erscheinungsweise "weiß" aus erlangt er manchmal Welten, die meist von Licht geprägt sind, manchmal aber Welten, deren Ende Leid ist, voller Mühsal der Tätigkeit, und manchmal Welten, die von Dunkelheit und Kummer überwältigt sind.

Wort für Wort
śuklāt
von (der Geburt in) 'weiß' her (Abl.Sg.)
prakāśa-bhūyiṣṭhān
meist von Licht geprägte (Akk.Pl.)
lokān
Welten (Akk.Pl.)
āpnoti
er erlangt (3.Sg.)
karhicit
manchmal
duḥkha-udarkān
deren Ende Leid ist (Akk.Pl.)
kriyā-āyāsān
voller Mühsal der Tätigkeit (Akk.Pl.)
tamaḥ-śoka-utkaṭān
von Dunkelheit und Kummer überwältigte (Akk.Pl.)
kvacit
manchmal

kvacit pumān kvacic ca strī kvacin nobhayam andha-dhīḥ devo manuṣyas tiryag vā yathā-karma-guṇaṁ bhavaḥ

Manchmal männlich, manchmal weiblich, manchmal keins von beiden - mit verblendetem Verstand wird er geboren als Gott, Mensch oder Tier; die Geburt richtet sich nach Werk und dessen Eigenschaft.

Wort für Wort
kvacit pumān
manchmal männlich (Nom.Sg.)
kvacit ca strī
und manchmal weiblich (Nom.Sg.)
kvacit na ubhayam
manchmal keins von beiden (Nom.Sg.)
andha-dhīḥ
mit verblendetem Verstand (Nom.Sg.)
devaḥ manuṣyaḥ tiryak vā
Gott, Mensch oder Tier (Nom.Sg.)
yathā-karma-guṇam
entsprechend Werk und (dessen) Eigenschaft (Adv.)
bhavaḥ
die Geburt (Nom.Sg.)

kṣut-parīto yathā dīnaḥ sārameyo gṛhaṁ gṛham caran vindati yad-diṣṭaṁ daṇḍam odanam eva vā tathā kāmāśayo jīva uccāvaca-pathā bhraman upary adho vā madhye vā yāti diṣṭaṁ priyāpriyam

Wie ein von Hunger ergriffener, elender Hund, der von Haus zu Haus streift, nur das erhält, was ihm zugewiesen ist - sei es Schläge oder Speise -, so auch erlangt die von Begierden erfüllte verkörperte Seele, auf höheren und niederen Pfaden umherirrend, oben, unten oder in der Mitte geboren, das ihr zugewiesene Angenehme und Unangenehme.

Wort für Wort
kṣut-parītaḥ
von Hunger ergriffen (Nom.Sg.)
yathā
wie
dīnaḥ
elend (Nom.Sg.)
sārameyaḥ
ein Hund (Nom.Sg.)
gṛham gṛham
von Haus zu Haus (Akk.distr.)
caran
umherstreifend (Ppr.Nom.Sg.)
vindati
er erhält (3.Sg.)
yat-diṣṭam
was zugewiesen ist (Akk.Sg.)
daṇḍam
Schläge (Akk.Sg.)
odanam eva vā
oder Speise (Akk.Sg.)
tathā
so (auch)
kāma-āśayaḥ
von Begierden erfüllt (Nom.Sg.)
jīvaḥ
die (verkörperte) Seele (Nom.Sg.)
ucca-avaca-pathā
auf höheren und niederen Pfaden (Instr.Sg.)
bhraman
umherirrend (Ppr.Nom.Sg.)
upari adhaḥ vā madhye vā
oben, unten oder in der Mitte
yāti
sie erlangt (3.Sg.)
diṣṭam
das Zugewiesene (Akk.Sg.)
priya-apriyam
Angenehmes und Unangenehmes (Akk.Sg.)

duḥkheṣv ekatareṇāpi daiva-bhūtātma-hetuṣu jīvasya na vyavacchedaḥ syāc cet tat-tat-pratikriyā

Selbst wenn es gegen jedes einzelne dieser Leiden - deren Ursachen Schicksal, andere Wesen und der eigene Körper/Geist sind - eine je eigene Gegenmaßnahme gäbe, so gäbe es für die verkörperte Seele dennoch keine Beendigung, und sei es auch nur hinsichtlich einer einzigen dieser Leidarten.

Wort für Wort
duḥkheṣu
unter den Leiden (Lok.Pl.)
ekatareṇa api
selbst durch eine einzige (Ursache) (Instr.Sg.)
daiva-bhūta-ātma-hetuṣu
deren Ursachen Schicksal, (andere) Wesen und der eigene (Körper/Geist) sind (Lok.Pl.)
jīvasya
der (verkörperten) Seele (Gen.Sg.)
na vyavacchedaḥ
keine Beendigung (Nom.Sg.)
syāt
es gäbe (Opt.3.Sg.)
cet
selbst wenn
tat-tat-pratikriyā
eine je eigene Gegenmaßnahme (Nom.Sg.)

[Anm.: Die genaue logische Verschränkung von 'ekatareṇa api' und 'cet tat-tat-pratikriyā' ist im Sanskrit elliptisch; Übersetzung nach wahrscheinlichstem Sinn [?].]

yathā hi puruṣo bhāraṁ śirasā gurum udvahan taṁ skandhena sa ādhatte tathā sarvāḥ pratikriyāḥ

So wie ein Mann, der eine schwere Last auf dem Kopf trägt, sie zur Erleichterung auf die Schulter verlagert - ebenso verhält es sich mit allen Gegenmaßnahmen gegen das Leid: sie verschieben es nur.

Wort für Wort
yathā hi
so wie ja
puruṣaḥ
ein Mann (Nom.Sg.)
bhāram
eine Last (Akk.Sg.)
śirasā
mit dem Kopf (Instr.Sg.)
gurum
schwer (Akk.Sg.)
udvahan
tragend (Ppr.Nom.Sg.)
tam
sie (Akk.Sg.)
skandhena
mit der Schulter (Instr.Sg.)
saḥ ādhatte
er verlagert (3.Sg.Med.)
tathā
so (auch)
sarvāḥ pratikriyāḥ
alle Gegenmaßnahmen (Nom.Pl.)

naikāntataḥ pratīkāraḥ karmaṇāṁ karma kevalam dvayaṁ hy avidyopasṛtaṁ svapne svapna ivānagha

Die Gegenmaßnahme gegen Werke ist niemals endgültig, sondern lediglich wieder ein neues Werk; beides nämlich ist der Unwissenheit unterworfen - wie im Traum ein weiterer Traum, o Sündloser.

Wort für Wort
na ekāntataḥ
nicht endgültig (Adv.)
pratīkāraḥ
Gegenmaßnahme (Nom.Sg.)
karmaṇām
gegen Werke (Gen.Pl.)
karma kevalam
lediglich (ein neues) Werk (Nom.Sg.)
dvayam
beides (Nom.Sg.)
hi
denn
avidyā-upasṛtam
der Unwissenheit unterworfen (Nom.Sg.)
svapne
im Traum (Lok.Sg.)
svapnaḥ iva
wie ein (weiterer) Traum (Nom.Sg.)
anagha
o Sündloser (Vok.)

arthe hy avidyamāne 'pi saṁsṛtir na nivartate manasā liṅga-rūpeṇa svapne vicarato yathā

Denn selbst wenn der reale Gegenstand nicht vorhanden ist, hört das weltliche Dasein nicht auf - wie bei einem, der im Traum durch den Geist, in Gestalt des Subtilkörpers, umherwandert.

Wort für Wort
arthe
obwohl der (reale) Gegenstand (Lok.Sg.)
hi
denn
avidyamāne api
nicht vorhanden ist, obgleich (Lok.Abs.)
saṁsṛtiḥ
das weltliche Dasein (Nom.Sg.)
na nivartate
hört nicht auf (3.Sg.)
manasā
durch den Geist (Instr.Sg.)
liṅga-rūpeṇa
in Gestalt des Subtilkörpers (Instr.Sg.)
svapne
im Traum (Lok.Sg.)
vicarataḥ
dessen, der umherwandert (Gen.Sg.Ppr.)
yathā
wie

athātmano 'rtha-bhūtasya yato 'nartha-paramparā saṁsṛtis tad-vyavacchedo bhaktyā paramayā gurau vāsudeve bhagavati bhakti-yogaḥ samāhitaḥ sadhrīcīnena vairāgyaṁ jñānaṁ ca janayiṣyati

Daher gilt: das weltliche Dasein, von dem aus für die Seele, deren eigentliches Wohl ein anderes ist, eine Kette von Übeln entsteht - dessen Beendigung geschieht durch höchste Hingabe zum göttlichen Meister. Die fest auf Vāsudeva, den Erhabenen, gerichtete Praxis der Hingabe wird auf wahrhaftige Weise Entsagung und Erkenntnis hervorbringen.

Wort für Wort
atha
daher
ātmanaḥ
der Seele (Gen.Sg.)
artha-bhūtasya
deren (eigentliches) Wohl (ein anderes ist) (Gen.Sg.)
yataḥ
von welchem (Zustand) aus
anartha-paramparā
eine Kette von Übeln (Nom.Sg.)
saṁsṛtiḥ
das weltliche Dasein (Nom.Sg.)
tat-vyavacchedaḥ
dessen Beendigung (Nom.Sg.)
bhaktyā paramayā
durch höchste Hingabe (Instr.Sg.)
gurau
zum (göttlichen) Meister (Lok.Sg.)
vāsudeve bhagavati
zu Vāsudeva, dem Erhabenen (Lok.Sg.)
bhakti-yogaḥ
die Praxis der Hingabe (Nom.Sg.)
samāhitaḥ
fest gerichtet (Nom.Sg.)
sadhrīcīnena
auf wahrhaftige Weise (Instr.Adv.)
vairāgyam
Entsagung (Akk.Sg.)
jñānam ca
und Erkenntnis (Akk.Sg.)
janayiṣyati
wird hervorbringen (Fut.3.Sg.)

so 'cirād eva rājarṣe syād acyuta-kathāśrayaḥ śṛṇvataḥ śraddadhānasya nityadā syād adhīyataḥ

Dies wird, o Königsweiser, sehr bald geschehen, gestützt auf die Erzählungen vom Unfehlbaren, für den, der sie voller Glauben hört; beständig wird es geschehen für den, der sie auch selbst studiert.

Wort für Wort
saḥ
dies (Bhakti-Yoga) (Nom.Sg.)
acirāt eva
schon sehr bald (Adv.)
rāja-ṛṣe
o Königsweiser (Vok.)
syāt
es wird geschehen (Opt.3.Sg.)
acyuta-kathā-āśrayaḥ
gestützt auf Erzählungen vom Unfehlbaren (Nom.Sg.)
śṛṇvataḥ
für den, der hört (Gen.Sg.Ppr.)
śraddadhānasya
der voller Glauben ist (Gen.Sg.Ppr.)
nityadā
beständig
syāt
es wird geschehen (Opt.3.Sg.)
adhīyataḥ
für den, der studiert/rezitiert (Gen.Sg.Ppr.)

yatra bhāgavatā rājan sādhavo viśadāśayāḥ bhagavad-guṇānukathana- śravaṇa-vyagra-cetasaḥ tasmin mahan-mukharitā madhubhic-caritra-pīyūṣa- śeṣa-saritaḥ paritaḥ sravanti tā ye pibanty avitṛṣo nṛpa gāḍha-karṇais tān na spṛśanty aśana-tṛḍ- bhaya-śoka-mohāḥ

Wo, o König, Verehrer des Erhabenen - fromme Menschen von lauterem Herzen -, deren Sinn eifrig auf das beständige Erzählen und Hören der Eigenschaften des Erhabenen gerichtet ist, versammelt sind - dort fließen ringsum, aus dem Mund der Großen ertönend, die Ströme, die der übriggebliebene Nektar der Taten des Töters von Madhu sind; diejenigen, die sie mit lauschenden Ohren unersättlich trinken, o König - jene berühren Hunger, Durst, Furcht, Kummer und Verblendung nicht.

Wort für Wort
yatra
wo
bhāgavatāḥ
Verehrer des Erhabenen (Nom.Pl.)
rājan
o König (Vok.)
sādhavaḥ
fromme (Menschen) (Nom.Pl.)
viśada-āśayāḥ
von lauterem Herzen (Nom.Pl.)
bhagavat-guṇa-anukathana-śravaṇa-vyagra-cetasaḥ
deren Sinn eifrig auf Erzählen und Hören der Eigenschaften des Erhabenen gerichtet ist (Nom.Pl.)
tasmin
dort (Lok.Sg.)
mahat-mukharitāḥ
aus dem Mund der Großen ertönend (Nom.Pl.)
madhu-bhit-caritra-pīyūṣa-śeṣa-saritaḥ
die Ströme des übriggebliebenen Nektars der Taten des Madhu-Töters (Nom.Pl.)
paritaḥ sravanti
ringsum fließen (3.Pl.)
tāḥ
diese (Akk.Pl.)
ye pibanti
welche trinken (3.Pl.)
avitṛṣaḥ
unersättlich (Nom.Pl.)
nṛpa
o König (Vok.)
gāḍha-karṇaiḥ
mit lauschenden Ohren (Instr.Pl.)
tān na spṛśanti
jene berühren nicht (3.Pl.)
aśana-tṛṭ-bhaya-śoka-mohāḥ
Hunger, Durst, Furcht, Kummer, Verblendung (Nom.Pl.)

etair upadruto nityaṁ jīva-lokaḥ svabhāvajaiḥ na karoti harer nūnaṁ kathāmṛta-nidhau ratim

Beständig durch diese naturgemäß entstehenden Übel bedrängt, entwickelt die Welt der verkörperten Seelen gewiss keine Freude am Ozean des Erzählungsnektars von Hari.

Wort für Wort
etaiḥ
durch diese (Instr.Pl.)
upadrutaḥ nityam
beständig bedrängt (Nom.Sg.)
jīva-lokaḥ
die Welt der (verkörperten) Seelen (Nom.Sg.)
svabhāva-jaiḥ
naturgemäß entstehenden (Instr.Pl.)
na karoti
entwickelt nicht (3.Sg.)
hareḥ
für Hari (Gen.Sg.)
nūnam
gewiss
kathā-amṛta-nidhau
im Ozean des Erzählungsnektars (Lok.Sg.)
ratim
Freude/Anhaftung (Akk.Sg.)

prajāpati-patiḥ sākṣād bhagavān giriśo manuḥ dakṣādayaḥ prajādhyakṣā naiṣṭhikāḥ sanakādayaḥ marīcir atry-aṅgirasau pulastyaḥ pulahaḥ kratuḥ bhṛgur vasiṣṭha ity ete mad-antā brahma-vādinaḥ adyāpi vācas-patayas tapo-vidyā-samādhibhiḥ paśyanto 'pi na paśyanti paśyantaṁ parameśvaram

Der Herr der Prajāpatis leibhaftig, der erhabene Śiva, Manu, die von Dakṣa angeführten Herrscher über die Geschöpfe, die beständig im Keuschheitsgelübde verharrenden, von Sanaka angeführten Weisen, Marīci, Atri und Aṅgiras, Pulastya, Pulaha, Kratu, Bhṛgu und Vasiṣṭha - diese, mich eingeschlossen, sind Verkünder des Brahman. Selbst noch heute sehen die Herren der Rede, obwohl sie durch Askese, Wissen und Versenkung manches wahrnehmen, dennoch nicht den höchsten Herrn, der alles sieht.

Wort für Wort
prajāpati-patiḥ
der Herr der Prajāpatis (Nom.Sg.)
sākṣāt
leibhaftig
bhagavān giriśaḥ
der erhabene Śiva (Nom.Sg.)
manuḥ
Manu (Nom.Sg.)
dakṣa-ādayaḥ
mit Dakṣa an der Spitze (Nom.Pl.)
prajā-adhyakṣāḥ
Herrscher über die Geschöpfe (Nom.Pl.)
naiṣṭhikāḥ
die beständig (im Keuschheitsgelübde verharrenden) (Nom.Pl.)
sanaka-ādayaḥ
mit Sanaka an der Spitze (Nom.Pl.)
marīciḥ
Marīci (Nom.Sg.)
atri-aṅgirasau
Atri und Aṅgiras (Nom.Du.)
pulastyaḥ pulahaḥ kratuḥ
Pulastya, Pulaha, Kratu (Nom.Sg.)
bhṛguḥ vasiṣṭhaḥ
Bhṛgu, Vasiṣṭha (Nom.Sg.)
iti ete
so diese (Nom.Pl.)
mat-antāḥ
mich eingeschlossen/mit mir endend (Nom.Pl.)
brahma-vādinaḥ
Verkünder des Brahman (Nom.Pl.)
adya api
selbst noch heute
vācaḥ-patayaḥ
die Herren der Rede (Nom.Pl.)
tapaḥ-vidyā-samādhibhiḥ
durch Askese, Wissen und Versenkung (Instr.Pl.)
paśyantaḥ api
obwohl wahrnehmend (Ppr.Nom.Pl.)
na paśyanti
sehen nicht (3.Pl.)
paśyantam
den (alles) Sehenden (Akk.Sg.)
parama-īśvaram
den höchsten Herrn (Akk.Sg.)

śabda-brahmaṇi duṣpāre caranta uru-vistare mantra-liṅgair vyavacchinnaṁ bhajanto na viduḥ param

Diejenigen, die sich im weit ausgedehnten, schwer zu durchquerenden klanglichen Brahman - den Veden - bewegen und das Göttliche, durch die Merkmale der Vedasprüche nur eingegrenzt erfasst, verehren, erkennen das Höchste nicht.

Wort für Wort
śabda-brahmaṇi
im klanglichen Brahman (Veda) (Lok.Sg.)
duṣpāre
dessen (anderes) Ufer schwer zu erreichen ist (Lok.Sg.)
carantaḥ
sich bewegend (Ppr.Nom.Pl.)
uru-vistare
weit ausgedehnt (Lok.Sg.)
mantra-liṅgaiḥ
durch die Merkmale der (Veda-)Sprüche (Instr.Pl.)
vyavacchinnam
(nur) eingegrenzt erfasst (Akk.Sg.)
bhajantaḥ
verehrend (Ppr.Nom.Pl.)
na viduḥ
sie erkennen nicht (3.Pl.)
param
das Höchste (Akk.Sg.)

yadā yasyānugṛhṇāti bhagavān ātma-bhāvitaḥ sa jahāti matiṁ loke vede ca pariniṣṭhitām

Wem der Erhabene, im Herzen verwirklicht, Gnade erweist, der gibt die bisher fest in weltlichen Dingen und in den Veden verankerte Gesinnung auf.

Wort für Wort
yadā yasya
wenn wem (Gen.Sg.)
anugṛhṇāti
er Gnade erweist (3.Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.Sg.)
ātma-bhāvitaḥ
im Herzen verwirklicht (Nom.Sg.)
saḥ jahāti
der gibt auf (3.Sg.)
matim
die Gesinnung (Akk.Sg.)
loke
in weltlichen (Dingen) (Lok.Sg.)
vede ca
und in den Veden (Lok.Sg.)
pariniṣṭhitām
fest verankert (Akk.Sg.)

tasmāt karmasu barhiṣmann ajñānād artha-kāśiṣu mārtha-dṛṣṭiṁ kṛthāḥ śrotra- sparśiṣv aspṛṣṭa-vastuṣu

Deshalb, o Barhiṣmat, richte nicht aus Unwissenheit deinen Blick auf rituelle Werke, die nur als wertvoller Gewinn erscheinen, als hätten sie wahren Sinn - Werke, die nur das Ohr berühren, deren wahre Substanz aber unerreicht bleibt.

Wort für Wort
tasmāt
deshalb
karmasu
auf (rituelle) Werke (Lok.Pl.)
barhiṣman
o Barhiṣmat (Vok.)
ajñānāt
aus Unwissenheit (Abl.Sg.)
artha-kāśiṣu
die als (wertvoller) Gewinn erscheinen (Lok.Pl.)
mā
nicht!
artha-dṛṣṭim
die Ansicht, sie hätten wahren Sinn (Akk.Sg.)
kṛthāḥ
richte! (Inj.2.Sg.)
śrotra-sparśiṣu
die (nur) das Ohr berühren (Lok.Pl.)
aspṛṣṭa-vastuṣu
deren (wahre) Substanz unerreicht bleibt (Lok.Pl.)

svaṁ lokaṁ na vidus te vai yatra devo janārdanaḥ āhur dhūmra-dhiyo vedaṁ sakarmakam atad-vidaḥ

Jene, deren Verstand wie von Rauch getrübt ist und die jenes Höchste nicht kennen, kennen fürwahr nicht die eigene wahre Welt, wo der Gott Janārdana weilt; sie erklären den Veda nur als mit rituellen Werken verbunden.

Wort für Wort
svam lokam
die eigene (wahre) Welt (Akk.Sg.)
na viduḥ
sie kennen nicht (3.Pl.)
te vai
jene fürwahr (Nom.Pl.)
yatra
wo
devaḥ janārdanaḥ
der Gott Janārdana (Nom.Sg.)
āhuḥ
sie erklären (3.Pl.)
dhūmra-dhiyaḥ
deren Verstand (wie von) Rauch (getrübt ist) (Nom.Pl.)
vedam
den Veda (Akk.Sg.)
sa-karmakam
(nur) mit (rituellen) Werken verbunden (Akk.Sg.)
a-tat-vidaḥ
die jenes (Höchste) nicht kennen (Nom.Pl.)

āstīrya darbhaiḥ prāg-agraiḥ kārtsnyena kṣiti-maṇḍalam stabdho bṛhad-vadhān mānī karma nāvaiṣi yat param tat karma hari-toṣaṁ yat sā vidyā tan-matir yayā

Nachdem du den Erdkreis gänzlich mit ostwärts gerichtetem Kuśa-Gras bestreut hast, kennst du, starr in deinem Ritual und stolz auf das große Töten im Opfer, nicht das höchste Werk. Jenes Werk ist das, was Hari erfreut; jenes allein ist wahres Wissen - die Gesinnung, wodurch man auf jenes gerichtet ist.

Wort für Wort
āstīrya
bestreut habend (Abs.)
darbhaiḥ prāk-agraiḥ
mit ostwärts gerichtetem Kuśa-Gras (Instr.Pl.)
kārtsnyena
gänzlich (Adv.)
kṣiti-maṇḍalam
den Erdkreis (Akk.Sg.)
stabdhaḥ
starr (Nom.Sg.)
bṛhat-vadhāt
wegen des großen Tötens (im Opfer) (Abl.Sg.)
mānī
stolz (Nom.Sg.)
karma
das (wahre) Werk (Akk.Sg.)
na avaiṣi
du kennst nicht (2.Sg.)
yat param
welches das höchste (ist) (Akk.Sg.)
tat karma
jenes Werk (Nom.Sg.)
hari-toṣam
was Hari erfreut (Nom.Sg.)
yat
welches
sā vidyā
jenes (ist wahres) Wissen (Nom.Sg.)
tat-matiḥ
die auf jenes gerichtete Gesinnung (Nom.Sg.)
yayā
wodurch (Instr.Sg.)

harir deha-bhṛtām ātmā svayaṁ prakṛtir īśvaraḥ tat-pāda-mūlaṁ śaraṇaṁ yataḥ kṣemo nṛṇām iha

Hari ist die Seele der verkörperten Wesen; er selbst ist zugleich Herrscher über die Natur. Der Grund Seiner Füße ist die Zuflucht, von woher den Menschen hier in dieser Welt Wohlergehen zuteilwird.

Wort für Wort
hariḥ
Hari (Nom.Sg.)
deha-bhṛtām
der verkörperten (Wesen) (Gen.Pl.)
ātmā
die Seele (Nom.Sg.)
svayam
er selbst
prakṛtiḥ īśvaraḥ
Herrscher über die Natur (Nom.Sg.)
tat-pāda-mūlam
der Grund Seiner Füße (Nom.Sg.)
śaraṇam
die Zuflucht (Nom.Sg.)
yataḥ
von woher
kṣemaḥ
Wohlergehen (Nom.Sg.)
nṛṇām
der Menschen (Gen.Pl.)
iha
hier (in dieser Welt)

sa vai priyatamaś cātmā yato na bhayam aṇv api iti veda sa vai vidvān yo vidvān sa gurur hariḥ

Er fürwahr ist der Liebste und das wahre Selbst, von dem her nicht die geringste Furcht entsteht; wer dies so erkennt, der ist fürwahr ein Wissender - und wer ein Wissender ist, der ist selbst zum Lehrer geworden, gleich Hari.

Wort für Wort
saḥ vai
er fürwahr (Nom.Sg.)
priya-tamaḥ ca ātmā
und das liebste Selbst (Nom.Sg.)
yataḥ
von wem her
na bhayam aṇu api
nicht die geringste Furcht (Nom.Sg.)
iti veda
so weiß/erkennt (Perf.3.Sg.)
saḥ vai vidvān
der ist fürwahr ein Wissender (Nom.Sg.)
yaḥ vidvān
wer ein Wissender (ist) (Nom.Sg.)
saḥ guruḥ hariḥ
der ist Lehrer, (gleich) Hari (Nom.Sg.)

nārada uvāca praśna evaṁ hi sañchinno bhavataḥ puruṣarṣabha atra me vadato guhyaṁ niśāmaya suniścitam

Nārada sprach: So, o Bester der Menschen, ist deine Frage fürwahr beantwortet. Höre nun, während ich weiter spreche, aufmerksam das Geheime, wohlbegründet dargelegt.

Wort für Wort
nāradaḥ uvāca
Nārada sprach
praśnaḥ evam hi
die Frage so fürwahr (Nom.Sg.)
sañchinnaḥ
beantwortet/gelöst (Nom.Sg.)
bhavataḥ
deine (Gen.Sg.)
puruṣa-ṛṣabha
o Bester der Menschen (Vok.)
atra me vadataḥ
während ich hierzu spreche (Gen.Abs.)
guhyam
das Geheime (Akk.Sg.)
niśāmaya
höre! (Imp.2.Sg.)
su-niścitam
wohlbegründet (Akk./Adv.)

kṣudraṁ caraṁ sumanasāṁ śaraṇe mithitvā raktaṁ ṣaḍaṅghri-gaṇa-sāmasu lubdha-karṇam agre vṛkān asu-tṛpo 'vigaṇayya yāntaṁ pṛṣṭhe mṛgaṁ mṛgaya lubdhaka-bāṇa-bhinnam

Suche in dir den Hirsch, der auf niedrigem Gras weidet, im Bereich schöner Blüten mit einer Hirschkuh vereint, hingezogen zum Gesang der Bienenscharen, dessen Ohr danach begehrt, der - ohne vorn die lebensraubenden Wölfe zu beachten - dahinzieht und von hinten vom Pfeil des Jägers durchbohrt wird.

Wort für Wort
kṣudram caram
auf niedrigem (Gras) weidend (Akk.Sg.)
sumanasām śaraṇe
im Bereich schöner Blüten (Lok.Sg.)
mithitvā
(mit einer Hirschkuh) vereint (Abs.)
raktam
hingezogen/verliebt (Akk.Sg.)
ṣaṭ-aṅghri-gaṇa-sāmasu
zum Gesang der Bienenscharen (Lok.Pl.)
lubdha-karṇam
dessen Ohr (danach) begehrt (Akk.Sg.)
agre vṛkān
vorn die Wölfe (Akk.Pl.)
asu-tṛpaḥ
die sich am Leben (anderer) sättigen (Akk.Pl.)
avigaṇayya
ohne zu beachten (Abs.)
yāntam
dahinziehend (Akk.Sg.Ppr.)
pṛṣṭhe
von hinten (Adv.)
mṛgam
den Hirsch (Akk.Sg.)
mṛgaya
suche/erspähe! (Imp.2.Sg.)
lubdhaka-bāṇa-bhinnam
vom Pfeil des Jägers durchbohrt (Akk.Sg.)

sumanaḥ-sama-dharmaṇāṁ strīṇāṁ śaraṇa āśrame puṣpa-madhu-gandhavat kṣudratamaṁ kāmya-karma-vipākajaṁ kāma-sukha-lavaṁ jaihvyaupasthyādi vicinvantaṁ mithunī-bhūya tad-abhiniveśita-manasaṁ ṣaḍaṅghri-gaṇa-sāma-gītavad atimanohara-vanitādi-janālāpeṣv atitarām atipralobhita-karṇam agre vṛka-yūthavad ātmana āyur harato 'ho-rātrān tān kāla-lava-viśeṣān avigaṇayya gṛheṣu viharantaṁ pṛṣṭhata eva parokṣam anupravṛtto lubdhakaḥ kṛtānto 'ntaḥ śareṇa yam iha parāvidhyati tam imam ātmānam aho rājan bhinna-hṛdayaṁ draṣṭum arhasīti

In der Zuflucht des Haushaltslebens, bei Frauen, deren Wesensart der von Blüten gleicht - wie der Hirsch dem Duft von Blütenhonig -, das geringste, aus dem Reifen begehrter Werke entstandene Bruchstück von Sinnenglück, angefangen mit Genuss von Zunge und Geschlecht, suchend, sich mit der Frau vereinend, den Geist darauf versessen, durch überaus bezaubernde Reden von Frauen und anderen Hausgenossen, die dem Gesang der Bienenscharen gleichen, das Ohr übermäßig verlockt - während vorn, gleich einem Wolfsrudel, die Zeit die Lebensspanne raubt, nämlich jene Tage und Nächte, jene besonderen Zeitabschnitte, ohne sie zu beachten, im Haus sich vergnügend - während von hinten, unbemerkt, der Jäger namens Tod ihm folgt, der ihn hier von innen mit dem Pfeil durchbohrt - diesen, dich selbst, o König, mit durchbohrtem Herzen, solltest du erblicken.

Wort für Wort
sumanaḥ-sama-dharmaṇām strīṇām
von Frauen, deren Wesensart der von Blüten gleicht (Gen.Pl.)
śaraṇe āśrame
in der Zuflucht des Haushaltslebens (Lok.Sg.)
puṣpa-madhu-gandha-vat
wie den Duft von Blütenhonig (Adv.)
kṣudratamam
das Geringste (Akk.Sg.)
kāmya-karma-vipāka-jam
aus dem Reifen begehrter Werke entstanden (Akk.Sg.)
kāma-sukha-lavam
ein Bruchstück von Sinnenglück (Akk.Sg.)
jaihvya-aupasthya-ādi
angefangen mit Genuss von Zunge und Geschlecht (Akk.Sg.)
vicinvantam
suchend (Akk.Sg.Ppr.)
mithunī-bhūya
sich vereinend (Abs.)
tat-abhiniveśita-manasam
dessen Geist darauf versessen ist (Akk.Sg.)
ṣaṭ-aṅghri-gaṇa-sāma-gīta-vat
wie der Gesang der Bienenscharen (Adv.)
atimanohara-vanitā-ādi-jana-ālāpeṣu
durch überaus bezaubernde Reden von Frauen und Hausgenossen (Lok.Pl.)
atitarām atipralobhita-karṇam
dessen Ohr übermäßig verlockt ist (Akk.Sg.)
agre vṛka-yūtha-vat
vorn wie ein Wolfsrudel (Adv.)
ātmanaḥ āyuḥ haratāḥ
die die Lebensspanne rauben (Gen.Pl.Ppr.)
ahaḥ-rātrān
Tage und Nächte (Akk.Pl.)
tān kāla-lava-viśeṣān
jene besonderen Zeitabschnitte (Akk.Pl.)
avigaṇayya
ohne zu beachten (Abs.)
gṛheṣu viharantam
im Haus sich vergnügend (Akk.Sg.Ppr.)
pṛṣṭhataḥ eva parokṣam
von hinten, unbemerkt (Adv.)
anupravṛttaḥ
gefolgt (Nom.Sg.Ppp.)
lubdhakaḥ kṛta-antaḥ
der Jäger namens Tod (Nom.Sg.)
antaḥ śareṇa
von innen mit dem Pfeil (Instr.Sg.)
yam iha parāvidhyati
den er hier durchbohrt (3.Sg.)
tam imam ātmānam
diesen, dich selbst (Akk.Sg.)
aho rājan
o König (Vok.)
bhinna-hṛdayam
mit durchbohrtem Herzen (Akk.Sg.)
draṣṭum arhasi
du solltest erblicken (Inf.+2.Sg.)
iti
so

[Anm.: langer, im Original durchgehender Satzperiode mit zahlreichen Partizipialkonstruktionen; die deutsche Wiedergabe folgt der syntaktischen Struktur des Sanskrit so weit wie möglich.]

sa tvaṁ vicakṣya mṛga-ceṣṭitam ātmano 'ntaś cittaṁ niyaccha hṛdi karṇa-dhunīṁ ca citte jahy aṅganāśramam asattama-yūtha-gāthaṁ prīṇīhi haṁsa-śaraṇaṁ virama krameṇa

Du, der du im Hirsch dich wiedererkennst, erkenne das Verhalten des Hirsches und zügle im Innern des Selbst dein Bewusstsein; empfange im Herzen den Erzählungsstrom für das Ohr, und gib im Bewusstsein die Zuflucht bei der Frau auf - die Erzählung von der niedrigsten Schar des weltlichen Treibens; erfreue dich an der Zuflucht der reinen Schwäne und halte allmählich inne.

Wort für Wort
saḥ tvam
du (der Genannte) (Nom.Sg.)
vicakṣya
erkannt habend (Abs.)
mṛga-ceṣṭitam
das Verhalten des Hirsches (Akk.Sg.)
ātmanaḥ antaḥ
im Innern des Selbst (Adv.)
cittam niyaccha
zügle das Bewusstsein! (Imp.2.Sg.)
hṛdi
im Herzen (Lok.Sg.)
karṇa-dhunīm ca
und den (Erzählungs-)Strom für das Ohr (Akk.Sg.)
citte
im Bewusstsein (Lok.Sg.)
jahi
gib auf! (Imp.2.Sg.)
aṅganā-āśramam
die Zuflucht bei der Frau (Akk.Sg.)
asat-tama-yūtha-gātham
die Erzählung von der niedrigsten Schar (Akk.Sg.)
prīṇīhi
erfreue dich! (Imp.2.Sg.)
haṁsa-śaraṇam
an der Zuflucht der (reinen) Schwäne (Akk.Sg.)
virama
halte inne! (Imp.2.Sg.)
krameṇa
allmählich (Instr.Adv.)

rājā uvāca śrutam anvīkṣitaṁ brahman bhagavān yad abhāṣata naitaj jānanty upādhyāyāḥ kiṁ na brūyur vidur yadi

Der König sprach: Gehört und erwogen habe ich, o Brahmane, was du, Erhabener, gesprochen hast. Doch meine Lehrer wissen dies nicht - warum sollten sie es nicht sagen, wenn sie es wüssten?

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
śrutam anvīkṣitam
gehört und erwogen (Nom.Sg.Ppp.)
brahman
o Brahmane (Vok.)
bhagavān
der Erhabene (du) (Nom.Sg.)
yat abhāṣata
was du gesprochen hast (Impf.3.Sg.Med.)
na etat jānanti
dies wissen sie nicht (3.Pl.)
upādhyāyāḥ
die (rituellen) Lehrer (Nom.Pl.)
kim na brūyuḥ
warum sollten sie nicht sagen (Opt.3.Pl.)
viduḥ yadi
wenn sie wüssten (Perf./Opt.)

saṁśayo 'tra tu me vipra sañchinnas tat-kṛto mahān ṛṣayo 'pi hi muhyanti yatra nendriya-vṛttayaḥ

Mein großer, dadurch entstandener Zweifel, o Weiser, ist nun beseitigt; denn selbst die Seher geraten in Verwirrung, wo die Tätigkeiten der Sinne allein nicht ausreichen.

Wort für Wort
saṁśayaḥ atra tu
der Zweifel hierzu aber (Nom.Sg.)
me
mein (Gen.Sg.)
vipra
o Weiser (Vok.)
sañchinnaḥ
beseitigt (Nom.Sg.Ppp.)
tat-kṛtaḥ mahān
großer, dadurch entstandener (Nom.Sg.)
ṛṣayaḥ api hi
denn selbst die Seher (Nom.Pl.)
muhyanti
geraten in Verwirrung (3.Pl.)
yatra
wobei
na indriya-vṛttayaḥ
nicht die Tätigkeiten der Sinne (ausreichen) (Nom.Pl.)

karmāṇy ārabhate yena pumān iha vihāya tam amutrānyena dehena juṣṭāni sa yad aśnute

Zu erklären ist, wie der Mensch, nachdem er jenen Körper, mit dem er hier Werke begann, aufgegeben hat, dort mit einem anderen Körper das genießt, was er als Frucht jener Werke genießt.

Wort für Wort
karmāṇi ārabhate
er beginnt Werke (3.Sg.Med.)
yena
mit welchem (Körper) (Instr.Sg.)
pumān
der Mensch (Nom.Sg.)
iha
hier (in diesem Leben)
vihāya tam
jenen (Körper) aufgegeben habend (Abs.+Akk.)
amutra
dort (im nächsten Leben)
anyena dehena
mit einem anderen Körper (Instr.Sg.)
juṣṭāni
deren Früchte genossen werden (Akk.Pl.)
saḥ yat aśnute
was er genießt (3.Sg.)

[Anm.: Vers wird hier als Fortsetzung der Rede des Königs (fortbestehender Zweifel) verstanden, da vor Vers 60 kein neuer Sprecherwechsel markiert ist [?].]

iti veda-vidāṁ vādaḥ śrūyate tatra tatra ha karma yat kriyate proktaṁ parokṣaṁ na prakāśate

So vernimmt man hier und dort fürwahr die Lehrmeinung der Vedakundigen: das Werk, das in einem Leben getan wird, bleibt, wie gesagt, verborgen und offenbart sich im nächsten Leben äußerlich nicht.

Wort für Wort
iti veda-vidām vādaḥ
so die Lehrmeinung der Vedakundigen (Nom.Sg.)
śrūyate
wird vernommen (Präs.Pass.)
tatra tatra ha
hier und dort fürwahr
karma yat kriyate
das Werk, das getan wird (Nom.Sg.)
proktam
wie gesagt (Nom.Sg.)
parokṣam
verborgen (Nom.Sg.)
na prakāśate
offenbart sich nicht (3.Sg.)

nārada uvāca yenaivārabhate karma tenaivāmutra tat pumān bhuṅkte hy avyavadhānena liṅgena manasā svayam

Nārada sprach: Mit eben demselben Körper, mit dem er das Werk beginnt, genießt der Mensch fürwahr dort im nächsten Leben eben dieses Werkes Frucht - ohne Unterbrechung, nämlich mit dem Subtilkörper, das heißt mit dem Geist selbst.

Wort für Wort
nāradaḥ uvāca
Nārada sprach
yena eva ārabhate karma
mit eben demselben (Körper) beginnt er das Werk (3.Sg.)
tena eva amutra
mit eben diesem dort (im nächsten Leben)
tat pumān
jenes der Mensch (Akk.Sg./Nom.Sg.)
bhuṅkte hi
genießt fürwahr (3.Sg.Med.)
avyavadhānena
ohne Unterbrechung (Instr.Adv.)
liṅgena manasā svayam
mit dem Subtilkörper, mit dem Geist selbst (Instr.Sg.)

śayānam imam utsṛjya śvasantaṁ puruṣo yathā karmātmany āhitaṁ bhuṅkte tādṛśenetareṇa vā

So wie der Mensch, nachdem er diesen noch atmenden, aber im Schlaf daliegenden Körper vorübergehend verlassen hat, das im Traum Erlebte erfährt - ebenso genießt er das im Geist eingeprägte Werk mit einem gleichartigen oder einem anderen Körper, nach dem Tod.

Wort für Wort
śayānam imam
diesen daliegenden (Körper) (Akk.Sg.)
utsṛjya
verlassen habend (Abs.)
śvasantam
atmend (Akk.Sg.Ppr.)
puruṣaḥ yathā
so wie der Mensch (Nom.Sg.)
karma
das Werk (Akk.Sg.)
ātmani āhitam
im Geist eingeprägt (Akk.Sg.)
bhuṅkte
er genießt (3.Sg.Med.)
tādṛśena itareṇa vā
mit einem gleichartigen oder einem anderen (Körper) (Instr.Sg.)

mamaite manasā yad yad asāv aham iti bruvan gṛhṇīyāt tat pumān rāddhaṁ karma yena punar bhavaḥ

Was auch immer jener Mensch mit dem Geist als "mein" betrachtet und, "ich" sagend, für sich in Anspruch nimmt - das gilt als sein vollbrachtes Werk, wodurch ihm erneut Wiedergeburt zuteilwird.

Wort für Wort
mama ete
dies (ist) mein (Nom.Pl.)
manasā
mit dem Geist (Instr.Sg.)
yat yat
was auch immer
asau aham iti bruvan
jener, "ich" sagend (Ppr.Nom.Sg.)
gṛhṇīyāt
er nimmt in Anspruch (Opt.3.Sg.)
tat pumān
das der Mensch (Akk.Sg./Nom.Sg.)
rāddham karma
vollbrachtes Werk (Akk.Sg.)
yena punaḥ bhavaḥ
wodurch erneut Wiedergeburt (entsteht) (Nom.Sg.)

yathānumīyate cittam ubhayair indriyehitaiḥ evaṁ prāg-dehajaṁ karma lakṣyate citta-vṛttibhiḥ

So wie der gegenwärtige Geisteszustand durch die Betätigungen beider Arten von Sinnen erschlossen wird, so wird auch das im früheren Körper entstandene Werk durch die gegenwärtigen Zustände des Bewusstseins erkannt.

Wort für Wort
yathā anumīyate cittam
so wie das Bewusstsein erschlossen wird (Präs.Pass.)
ubhayaiḥ indriya-īhitaiḥ
durch Betätigungen beider (Arten von) Sinnen (Instr.Pl.)
evam
ebenso
prāk-dehajam karma
im früheren Körper entstandenes Werk (Nom.Sg.)
lakṣyate
wird erkannt (Präs.Pass.)
citta-vṛttibhiḥ
durch die Zustände des Bewusstseins (Instr.Pl.)

nānubhūtaṁ kva cānena dehenādṛṣṭam aśrutam kadācid upalabhyeta yad rūpaṁ yādṛg ātmani

Nicht könnte jemals etwas, das mit diesem gegenwärtigen Körper nicht erfahren, nicht gesehen, nicht gehört wurde, manchmal im Geist wahrgenommen werden - welcherlei Gestalt es auch sei.

Wort für Wort
na anubhūtam
nicht erfahren (Nom.Sg.)
kva ca
irgendwo/jemals
anena dehena
mit diesem (gegenwärtigen) Körper (Instr.Sg.)
adṛṣṭam aśrutam
ungesehen, ungehört (Nom.Sg.)
kadācit upalabhyeta
könnte manchmal wahrgenommen werden (Opt.Pass.3.Sg.)
yat rūpam yādṛk
welcherlei Gestalt auch immer (Nom.Sg.)
ātmani
im Geist (Lok.Sg.)

tenāsya tādṛśaṁ rājal liṅgino deha-sambhavam śraddhatsvānanubhūto 'rtho na manaḥ spraṣṭum arhati

Deshalb, o König, vertraue darauf, dass es sich mit diesem Subtilkörper-Besitzer ebenso verhält - dass Erinnerungen, die im früheren Körper entstanden sind, sich zeigen -, denn ein nie erfahrener Gegenstand vermag den Geist nicht zu berühren.

Wort für Wort
tena
deshalb (durch dieses Argument) (Instr.Sg.)
asya liṅginaḥ
dieses (Subtilkörper-)Besitzers (Gen.Sg.)
tādṛśam deha-sambhavam
derartiges, im (früheren) Körper Entstandenes (Akk.Sg.)
rājan
o König (Vok.)
śraddhatsva
vertraue! (Imp.2.Sg.)
ananubhūtaḥ arthaḥ
ein nie erfahrener Gegenstand (Nom.Sg.)
na manaḥ spraṣṭum arhati
vermag den Geist nicht zu berühren (Inf.+3.Sg.)

mana eva manuṣyasya pūrva-rūpāṇi śaṁsati bhaviṣyataś ca bhadraṁ te tathaiva na bhaviṣyataḥ

Der Geist allein verkündet des Menschen frühere Gestalten - Segen sei mit dir! - und ebenso auch die Gestalten dessen, der künftig wiedergeboren werden wird, wie auch dessen, der nicht wieder geboren werden wird.

Wort für Wort
manaḥ eva
der Geist allein (Nom.Sg.)
manuṣyasya
des Menschen (Gen.Sg.)
pūrva-rūpāṇi śaṁsati
verkündet frühere Gestalten (3.Sg.+Akk.Pl.)
bhaviṣyataḥ ca
und dessen, der (künftig) sein wird (Gen.Sg.Ppr.)
bhadram te
Segen sei mit dir (Nom.Sg.+Dat.)
tathā eva
ebenso
na bhaviṣyataḥ
dessen, der nicht sein wird (Gen.Sg.Ppr.)

adṛṣṭam aśrutaṁ cātra kvacin manasi dṛśyate yathā tathānumantavyaṁ deśa-kāla-kriyāśrayam

Und wenn hier manchmal Ungesehenes und Ungehörtes dennoch im Geist wahrgenommen wird, so ist dies, wie es auch sei, als gestützt auf einen anderen Ort, eine andere Zeit und Handlung anzunehmen.

Wort für Wort
adṛṣṭam aśrutam ca
Ungesehenes und Ungehörtes (Nom.Sg.)
atra kvacit
hier manchmal
manasi dṛśyate
wird im Geist wahrgenommen (Präs.Pass.)
yathā tathā
wie es auch sei
anumantavyam
es ist anzunehmen (Ger.)
deśa-kāla-kriyā-āśrayam
gestützt auf (einen anderen) Ort, Zeit, Handlung (Nom./Akk.Sg.)

sarve kramānurodhena manasīndriya-gocarāḥ āyānti bahuśo yānti sarve samanaso janāḥ

Bei allen mit Geist versehenen Wesen kommen alle Sinnesgegenstände gemäß der zeitlichen Reihenfolge im Geist wiederholt hervor und vergehen vielfach wieder.

Wort für Wort
sarve
alle (Nom.Pl.)
krama-anurodhena
gemäß der (zeitlichen) Reihenfolge (Instr.Sg.)
manasi
im Geist (Lok.Sg.)
indriya-gocarāḥ
die Sinnesgegenstände (Nom.Pl.)
āyānti bahuśaḥ
sie kommen vielfach hervor (3.Pl.)
yānti
sie vergehen (3.Pl.)
sarve sa-manasaḥ janāḥ
alle mit Geist versehenen Wesen (Nom.Pl.)

sattvaika-niṣṭhe manasi bhagavat-pārśva-vartini tamaś candramasīvedam uparajyāvabhāsate

In einem allein in der Erscheinungsweise der Güte verankerten Geist, der sich an der Seite des Erhabenen befindet, erscheint dieses Weltgeschehen wie ein Schatten auf dem Mond, sich nur noch darauf abzeichnend.

Wort für Wort
sattva-eka-niṣṭhe manasi
in einem allein in der Güte verankerten Geist (Lok.Sg.)
bhagavat-pārśva-vartini
der sich an der Seite des Erhabenen befindet (Lok.Sg.)
tamaḥ
die Dunkelheit/der Schatten (Nom.Sg.)
candramasi iva
wie auf dem Mond (Lok.Sg.)
idam
dieses (Weltgeschehen) (Nom.Sg.)
uparajya
sich abzeichnend/färbend (Abs.)
avabhāsate
erscheint (3.Sg.)

nāhaṁ mameti bhāvo 'yaṁ puruṣe vyavadhīyate yāvad buddhi-mano-'kṣārtha- guṇa-vyūho hy anādimān

Diese "Ich"-"Mein"-Vorstellung wird in der Seele nicht beseitigt, solange die anfanglose Anordnung aus Intellekt, Geist, Sinnen, Sinnesobjekten und Erscheinungsweisen - der Subtilkörper - besteht.

Wort für Wort
na aham mama iti bhāvaḥ ayam
diese "Ich"-"Mein"-Vorstellung (Nom.Sg.)
puruṣe vyavadhīyate
wird in der Seele (nicht) beseitigt (Präs.Pass.)
yāvat
solange
buddhi-manaḥ-akṣa-artha-guṇa-vyūhaḥ
die Anordnung aus Intellekt, Geist, Sinnen, Sinnesobjekten, Erscheinungsweisen (Nom.Sg.)
hi anādi-mān
denn anfanglos (bestehend) (Nom.Sg.)

supti-mūrcchopatāpeṣu prāṇāyana-vighātataḥ nehate 'ham iti jñānaṁ mṛtyu-prajvārayor api

Im Tiefschlaf, in Ohnmacht und großer Erschütterung, ebenso bei Tod und hohem Fieber, regt sich - durch Behinderung der Bewegung des Lebensatems - das "Ich"-Bewusstsein nicht.

Wort für Wort
supti-mūrccha-upatāpeṣu
im Tiefschlaf, in Ohnmacht, in großer Erschütterung (Lok.Pl.)
prāṇa-ayana-vighātataḥ
durch Behinderung der Bewegung des Lebensatems (Abl.Sg.)
na īhate
es regt sich nicht (3.Sg.)
aham iti jñānam
das "Ich"-Bewusstsein (Nom.Sg.)
mṛtyu-prajvārayoḥ api
auch bei Tod und hohem Fieber (Lok.Du.)

garbhe bālye 'py apauṣkalyād ekādaśa-vidhaṁ tadā liṅgaṁ na dṛśyate yūnaḥ kuhvāṁ candramaso yathā

Im Mutterleib und auch in der Kindheit zeigt sich der elffache Subtilkörper, wegen noch unvollständiger Entfaltung, ebenso wenig wie die Gestalt des erwachsenen Mondes an dem Tag des Neumonds.

Wort für Wort
garbhe bālye api
im Mutterleib, auch in der Kindheit (Lok.Sg.)
apauṣkalyāt
wegen (noch) unvollständiger Entfaltung (Abl.Sg.)
ekādaśa-vidham tadā
dann elffach (Nom.Sg.)
liṅgam na dṛśyate
der Subtilkörper zeigt sich nicht (Präs.Pass.)
yūnaḥ candramasaḥ
des erwachsenen (vollen) Mondes (Gen.Sg.)
kuhvām
an (dem Tag) des Neumonds (Lok.Sg.)
yathā
wie

[Anm.: 'yūnaḥ candramasaḥ' - wörtlich 'des jugendlichen (d.h. vollen) Mondes' - meint den Vollmond, dessen Gestalt am Neumondtag nicht sichtbar ist, als Gleichnis für die im Embryo/Kind noch nicht manifeste Ganzheit des Subtilkörpers [?].]

arthe hy avidyamāne 'pi saṁsṛtir na nivartate dhyāyato viṣayān asya svapne 'narthāgamo yathā

Denn selbst wenn der Gegenstand nicht vorhanden ist, hört das weltliche Dasein nicht auf - wie bei diesem Menschen, der im Traum an Sinnesobjekte denkt, das Auftreten von Unheil nicht ausbleibt.

Wort für Wort
arthe hi avidyamāne api
obwohl der Gegenstand nicht vorhanden ist (Lok.Abs.)
saṁsṛtiḥ na nivartate
das weltliche Dasein hört nicht auf (3.Sg.)
dhyāyataḥ
dessen, der (im Traum) sinnt (Gen.Sg.Ppr.)
viṣayān
an Sinnesobjekte (Akk.Pl.)
asya
dieses (Menschen) (Gen.Sg.)
svapne
im Traum (Lok.Sg.)
anartha-āgamaḥ yathā
wie das Auftreten von Unheil (Nom.Sg.)

evaṁ pañca-vidhaṁ liṅgaṁ tri-vṛt ṣoḍaśa vistṛtam eṣa cetanayā yukto jīva ity abhidhīyate

So ist der Subtilkörper - fünffach, dreifach verflochten, sechzehnfach entfaltet; dieser, mit dem Bewusstsein verbunden, wird "Jīva", verkörperte Seele, genannt.

Wort für Wort
evam pañca-vidham liṅgam
so der fünffache Subtilkörper (Nom.Sg.)
tri-vṛt
dreifach verflochten (Nom.Adj.)
ṣoḍaśa vistṛtam
sechzehnfach entfaltet (Nom.Sg.)
eṣaḥ cetanayā yuktaḥ
dieser, mit dem Bewusstsein verbunden (Nom.Sg.)
jīvaḥ iti abhidhīyate
wird 'Jīva' genannt (Präs.Pass.)

anena puruṣo dehān upādatte vimuñcati harṣaṁ śokaṁ bhayaṁ duḥkhaṁ sukhaṁ cānena vindati

Durch diesen Subtilkörper nimmt der Mensch grobe Körper an und gibt sie wieder auf; und durch diesen erfährt er Freude, Kummer, Furcht, Leid und Glück.

Wort für Wort
anena
durch diesen (Subtilkörper) (Instr.Sg.)
puruṣaḥ dehān upādatte
der Mensch nimmt Körper an (3.Sg.)
vimuñcati
er gibt (sie) auf (3.Sg.)
harṣam śokam bhayam duḥkham sukham ca
Freude, Kummer, Furcht, Leid und Glück (Akk.Sg.)
anena vindati
durch diesen erfährt er (3.Sg.)

yathā tṛṇa-jalūkeyaṁ nāpayāty apayāti ca na tyajen mriyamāṇo 'pi prāg-dehābhimatiṁ janaḥ yāvad anyaṁ na vindeta vyavadhānena karmaṇām mana eva manuṣyendra bhūtānāṁ bhava-bhāvanam

So wie diese Raupe erst dann vom alten Halt fortgeht, nachdem sie einen neuen ergriffen hat, und vorher nicht fortgeht - so gibt der Mensch, selbst im Sterben liegend, die Identifikation mit dem früheren Körper nicht auf, solange er nicht durch das Dazwischentreten neuer Werke einen anderen Körper erlangt. Der Geist allein, o Herrscher der Menschen, ist der Bewirker der Wiedergeburt der verkörperten Wesen.

Wort für Wort
yathā tṛṇa-jalūkā iyam
so wie diese Raupe/dieser Blutegel (Nom.Sg.)
na apayāti
geht nicht fort (3.Sg.)
apayāti ca
und geht (dann erst) fort (3.Sg.)
na tyajet
so gibt (der Mensch) nicht auf (Opt.3.Sg.)
mriyamāṇaḥ api
selbst im Sterben liegend (Nom.Sg.Ppr.)
prāk-deha-abhimatim
die Identifikation mit dem früheren Körper (Akk.Sg.)
janaḥ
der Mensch (Nom.Sg.)
yāvat anyam na vindeta
solange er nicht einen anderen (Körper) erlangt (Opt.3.Sg.)
vyavadhānena karmaṇām
durch das Dazwischentreten (neuer) Werke (Instr.Sg.)
manaḥ eva
der Geist allein (Nom.Sg.)
manuṣya-indra
o Herrscher der Menschen (Vok.)
bhūtānām
der (verkörperten) Wesen (Gen.Pl.)
bhava-bhāvanam
der Bewirker der Wiedergeburt (Nom.Sg.)

yadākṣaiś caritān dhyāyan karmāṇy ācinute 'sakṛt sati karmaṇy avidyāyāṁ bandhaḥ karmaṇy anātmanaḥ

Wenn der Mensch, über die durch die Sinne vollzogenen Handlungen sinnend, beständig neue Werke anhäuft, dann besteht, solange dieses Werk und die zugrundeliegende Unwissenheit bestehen, für den, der sich fälschlich mit dem Nicht-Selbst identifiziert, Bindung durch immer neues Werk.

Wort für Wort
yadā akṣaiḥ caritān dhyāyan
wenn er über die durch die Sinne vollzogenen (Handlungen) sinnt (Ppr.Nom.Sg.)
karmāṇi ācinute asakṛt
er häuft beständig Werke an (3.Sg.Med.)
sati karmaṇi
solange (dieses) Werk besteht (Lok.Abs.)
avidyāyām
solange (auch) Unwissenheit (besteht) (Lok.Abs.)
bandhaḥ
Bindung (Nom.Sg.)
karmaṇi
durch (immer neues) Werk (Lok.Sg.)
anātmanaḥ
dessen, der sich mit dem Nicht-Selbst identifiziert (Gen.Sg.)

atas tad apavādārthaṁ bhaja sarvātmanā harim paśyaṁs tad-ātmakaṁ viśvaṁ sthity-utpatty-apyayā yataḥ

Verehre deshalb, um dies - die Bindung - zu beseitigen, mit ganzem Selbst Hari, indem du das Universum als auf ihm gegründet erblickst, von dem aus Entstehung, Erhaltung und Vergehen aller Dinge geschehen.

Wort für Wort
ataḥ tat apavāda-artham
deshalb, um dies (die Bindung) zu beseitigen (Akk.Sg.)
bhaja
verehre! (Imp.2.Sg.)
sarva-ātmanā
mit ganzem Selbst (Instr.Sg.)
harim
Hari (Akk.Sg.)
paśyan
erblickend (Ppr.Nom.Sg.)
tat-ātmakam viśvam
das auf ihm gegründete Universum (Akk.Sg.)
sthiti-utpatti-apyayāḥ
Erhaltung, Entstehung, Vergehen (Nom.Pl.)
yataḥ
von wem (aus)

maitreya uvāca bhāgavata-mukhyo bhagavān nārado haṁsayor gatim pradarśya hy amum āmantrya siddha-lokaṁ tato 'gamat

Maitreya sprach: Nachdem der erhabene Nārada, der Erste der Gottgeweihten, dem König den wahren Zustand der beiden Schwäne - der individuellen Seele und der Überseele - gezeigt und jenen König verabschiedet hatte, ging er darauf zur Welt der Vollendeten.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
bhāgavata-mukhyaḥ
der Erste der Gottgeweihten (Nom.Sg.)
bhagavān nāradaḥ
der erhabene Nārada (Nom.Sg.)
haṁsayoḥ gatim
den (wahren) Zustand der beiden Schwäne (Akk.Sg.)
pradarśya hi
gezeigt habend, fürwahr (Abs.)
amum āmantrya
jenen (König) verabschiedet habend (Abs.)
siddha-lokam
zur Welt der Vollendeten (Akk.Sg.)
tataḥ agamat
darauf ging er (Impf.3.Sg.)

prācīnabarhī rājarṣiḥ prajā-sargābhirakṣaṇe ādiśya putrān agamat tapase kapilāśramam

Der Königsweise Prācīnabarhi, nachdem er seine Söhne zum Schutz der Untertanenschar angewiesen hatte, begab sich zur Askese in den Āśrama Kapilas.

Wort für Wort
prācīnabarhiḥ rāja-ṛṣiḥ
der Königsweise Prācīnabarhi (Nom.Sg.)
prajā-sarga-abhirakṣaṇe
zum Schutz der Untertanenschar (Lok.Sg.)
ādiśya putrān
die Söhne angewiesen habend (Abs.+Akk.Pl.)
agamat
er ging (Impf.3.Sg.)
tapase
zur Askese (Dat.Sg.)
kapila-āśramam
zum Āśrama Kapilas (Akk.Sg.)

tatraikāgra-manā dhīro govinda-caraṇāmbujam vimukta-saṅgo 'nubhajan bhaktyā tat-sāmyatām agāt

Dort, mit einsgerichtetem Geist, von weltlicher Bindung befreit, die Lotosfüße Govindas fortwährend verehrend, erlangte der Standhafte durch Hingabe Gleichheit mit Ihm.

Wort für Wort
tatra eka-agra-manāḥ
dort mit einsgerichtetem Geist (Nom.Sg.)
dhīraḥ
der Standhafte (Nom.Sg.)
govinda-caraṇa-ambujam
die Lotosfüße Govindas (Akk.Sg.)
vimukta-saṅgaḥ
von (weltlicher) Bindung befreit (Nom.Sg.)
anubhajan
fortwährend verehrend (Ppr.Nom.Sg.)
bhaktyā
durch Hingabe (Instr.Sg.)
tat-sāmyatām agāt
er erlangte Gleichheit mit Ihm (Akk.Sg.+3.Sg.Impf.)

etad adhyātma-pārokṣyaṁ gītaṁ devarṣiṇānagha yaḥ śrāvayed yaḥ śṛṇuyāt sa liṅgena vimucyate

Diese geheime, spirituelle Lehre, vom Götterweisen vorgetragen, o Sündloser - wer sie verkündet, wer sie hört, der wird vom Subtilkörper befreit.

Wort für Wort
etat adhyātma-pārokṣyam
diese geheime spirituelle (Lehre) (Nom.Sg.)
gītam devarṣiṇā
vorgetragen vom Götterweisen (Instr.Sg.)
anagha
o Sündloser (Vok.)
yaḥ śrāvayet
wer verkündet (Opt.3.Sg.)
yaḥ śṛṇuyāt
wer hört (Opt.3.Sg.)
saḥ liṅgena vimucyate
der wird vom Subtilkörper befreit (Präs.Pass.)

etan mukunda-yaśasā bhuvanaṁ punānaṁ devarṣi-varya-mukha-niḥsṛtam ātma-śaucam yaḥ kīrtyamānam adhigacchati pārameṣṭhyaṁ nāsmin bhave bhramati mukta-samasta-bandhaḥ

Wer diese Erzählung, die durch den Ruhm Mukundas die Welt reinigt, aus dem Mund des Besten der Götterweisen hervorgegangen, das Selbst reinigend, während sie gepriesen wird, aufnimmt, erlangt die höchste göttliche Stellung; von aller Bindung befreit, irrt er nicht mehr in diesem weltlichen Dasein umher.

Wort für Wort
etat
dies (die Erzählung) (Nom.Sg.)
mukunda-yaśasā
durch den Ruhm Mukundas (Instr.Sg.)
bhuvanam punānam
die Welt reinigend (Akk.Sg.)
devarṣi-varya-mukha-niḥsṛtam
aus dem Mund des Besten der Götterweisen hervorgegangen (Akk.Sg.)
ātma-śaucam
das Selbst reinigend (Akk.Sg.)
yaḥ kīrtyamānam adhigacchati
wer, während es gepriesen wird, aufnimmt (3.Sg.)
pārameṣṭhyam
die höchste (göttliche) Stellung (Akk.Sg.)
na asmin bhave bhramati
er irrt nicht in diesem (weltlichen) Dasein umher (3.Sg.)
mukta-samasta-bandhaḥ
von aller Bindung befreit (Nom.Sg.)

adhyātma-pārokṣyam idaṁ mayādhigatam adbhutam evaṁ striyāśramaḥ puṁsaś chinno 'mutra ca saṁśayaḥ

Diese wunderbare, geheime spirituelle Lehre habe ich von dir empfangen. So ist nun mein Zweifel über das Leben des Menschen mit der Frau beendet, und ebenso der Zweifel über das Leben im Jenseits.

Wort für Wort
adhyātma-pārokṣyam idam
diese geheime spirituelle (Lehre) (Nom.Sg.)
mayā adhigatam
von mir empfangen (Nom.Sg.Ppp.)
adbhutam
wunderbar (Nom.Sg.)
evam
so
striyā āśramaḥ puṁsaḥ
das Leben des Menschen mit der Frau (Nom.Sg.)
chinnaḥ
beendet (Nom.Sg.Ppp.)
amutra ca saṁśayaḥ
und der Zweifel über das Jenseits (Nom.Sg.)

[Anm.: Kein Sprecherwechsel ('vidura uvāca' o.ä.) auf der Quellseite verzeichnet; aus der Ich-Form ('mayā', 'von mir') und dem Inhalt (Abschluss der Zweifel) erschließt sich, dass hier vermutlich Vidura, der Zuhörer, resümierend zu Wort kommt [?].]

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