śrī-nārada uvāca
jīvātman paśya bhadraṁ te
mātaraṁ pitaraṁ ca te
suhṛdo bāndhavās taptāḥ
śucā tvat-kṛtayā bhṛśam
Śrī Nārada sprach: O verkörperte Seele, sieh nur – Heil dir! –, wie deine Mutter und dein Vater, deine Freunde und Verwandten, durch den von dir verursachten Kummer heftig gequält sind.
Wort für Wort
śrī-nāradaḥ
Śrī Nārada (Nom.)
uvāca
sprach
jīva-ātman
o verkörperte Seele (Vok.)
paśya
sieh (Imp.)
bhadram
Wohlergehen, Heil (Akk.)
te
dir (Dat.)
mātaram
die Mutter (Akk.)
pitaram
den Vater (Akk.)
ca
und
te
dein, von dir (Gen.)
suhṛdaḥ
Freunde (Nom. Pl.)
bāndhavāḥ
Verwandte (Nom. Pl.)
taptāḥ
gequält, verbrannt (Nom. Pl. Part.)
śucā
durch Kummer (Instr.)
tvat-kṛtayā
durch dich verursacht (Instr.)
bhṛśam
heftig, sehr (Adv.)
„bhadraṁ te“ ist eine feststehende Segensformel („Heil dir“), hier als Einschub verwendet.
Tritt wieder in deinen eigenen Körper ein, genieße, umgeben von [deinen] Freunden, für die verbleibende Lebenszeit die vom Vater gegebenen Genüsse, und besteige den Königsthron.
Das Lebewesen sprach: In welcher Geburt waren diese [Menschen] mir Väter und Mütter – mir, der ich durch [die Folgen meiner] Werke durch die Mutterschöße der Halbgötter, Tiere und Menschen umherirre?
bandhu-jñāty-ari-madhyastha-
mitrodāsīna-vidviṣaḥ
sarva eva hi sarveṣāṁ
bhavanti kramaśo mithaḥ
Freund, Verwandter, Feind, Neutraler, Wohlgesinnter, Gleichgültiger und Missgünstiger – fürwahr, alle werden nach und nach wechselseitig alles davon füreinander.
So wie Handelsgüter, wie Gold und dergleichen, von einem [Menschen] zum anderen unter den Menschen umherwandern, so [wandert] das Lebewesen durch die Mutterschöße, von einem [leiblichen] Erzeuger zum anderen.
nityasyārthasya sambandho
hy anityo dṛśyate nṛṣu
yāvad yasya hi sambandho
mamatvaṁ tāvad eva hi
Fürwahr, die Verbindung mit einem ewigen Ding erweist sich unter den Menschen als vergänglich; solange jemandes Verbindung [mit etwas besteht], solange eben besteht gewiss auch das Gefühl von 'mein'.
evaṁ yoni-gato jīvaḥ
sa nityo nirahaṅkṛtaḥ
yāvad yatropalabhyeta
tāvat svatvaṁ hi tasya tat
So ist das Lebewesen, das in einen [bestimmten] Mutterschoß eingegangen ist, [an sich] ewig und ohne [falsche] Ich-Identifikation; nur solange es irgendwo wahrgenommen wird, solange besteht fürwahr sein Gefühl von 'das ist mein'.
Dieser ist ewig, unvergänglich, fein; dieser ist die Zuflucht von allem, selbstschauend; durch die Erscheinungsweisen der eigenen Illusionskraft erschafft der Herr das Universum [und] sich selbst.
Wort für Wort
eṣaḥ
dieser (Nom.)
nityaḥ
ewig (Nom.)
avyayaḥ
unvergänglich (Nom.)
sūkṣmaḥ
fein, subtil (Nom.)
eṣaḥ
dieser (Nom.)
sarva-āśrayaḥ
die Zuflucht von allem (Nom.)
sva-dṛk
selbstschauend (Nom.)
ātma-māyā-guṇaiḥ
durch die Erscheinungsweisen der eigenen Illusionskraft (Instr. Pl.)
na hy asyāsti priyaḥ kaścin
nāpriyaḥ svaḥ paro 'pi vā
ekaḥ sarva-dhiyāṁ draṣṭā
kartṝṇāṁ guṇa-doṣayoḥ
Fürwahr, für diesen gibt es niemanden, der lieb, und niemanden, der unlieb wäre, weder einen Eigenen noch einen Fremden; er, der Eine, ist der Betrachter aller Gedanken und der Taten der Handelnden, seien sie Verdienst oder Fehler.
nādatta ātmā hi guṇaṁ
na doṣaṁ na kriyā-phalam
udāsīnavad āsīnaḥ
parāvara-dṛg īśvaraḥ
Fürwahr, das Selbst nimmt weder Verdienst noch Fehler noch die Frucht der Tat an; wie ein Unbeteiligter sitzend, ist der Herrscher der Seher von Ursache und Wirkung.
Śrī Bādarāyaṇi sprach: So sprechend ging das Lebewesen fort; seine Verwandten, damals erstaunt, gaben, nachdem sie die Kette der [familiären] Zuneigung durchtrennt hatten, die Trauer auf.
Nachdem die Verwandten den Leichnam des Verwandten [des Kindes] hinausgetragen und die gebührenden Riten ausgeführt hatten, gaben sie die schwer aufzugebende Zuneigung auf, die Trauer, Verblendung, Furcht und Leid verursacht.
bāla-ghnyo vrīḍitās tatra
bāla-hatyā-hata-prabhāḥ
bāla-hatyā-vrataṁ cerur
brāhmaṇair yan nirūpitam
yamunāyāṁ mahārāja
smarantyo dvija-bhāṣitam
Die Kindestöterinnen, dort beschämt, ihres Glanzes durch die Kindestötung beraubt, vollzogen das von den Brahmanen festgelegte Gelübde zur Sühne der Kindestötung an der Yamunā, o großer König, indem sie sich der Worte des Zweifachgeborenen erinnerten.
Wort für Wort
bāla-ghnyaḥ
die Kindestöterinnen (Nom. Pl. fem.)
vrīḍitāḥ
beschämt (Nom. Pl.)
tatra
dort, dabei
bāla-hatyā
durch die Kindestötung
hata-prabhāḥ
deren Glanz vernichtet war (Nom. Pl.)
bāla-hatyā-vratam
das Sühnegelübde für Kindestötung (Akk.)
ceruḥ
führten aus (Perf.)
brāhmaṇaiḥ
von den Brahmanen (Instr. Pl.)
yat
welches (Akk.)
nirūpitam
festgelegt (Akk.)
yamunāyām
an der Yamunā (Lok.)
mahā-rāja
o großer König (Vok.)
smarantyaḥ
sich erinnernd (Nom. Pl. Part.)
dvija-bhāṣitam
an die Worte des Zweifachgeborenen (Akk.)
bāla-ghnyaḥ (fem.) bezieht sich auf die Nebenfrauen Citraketus, die das Kind vergiftet hatten.
sa itthaṁ pratibuddhātmā
citraketur dvijoktibhiḥ
gṛhāndha-kūpān niṣkrāntaḥ
saraḥ-paṅkād iva dvipaḥ
So, mit erwecktem Selbst durch die Worte des Zweifachgeborenen, trat Citraketu aus dem blinden Brunnen des Hausstandes heraus, wie ein Elefant aus dem Schlamm eines Sees.
Wort für Wort
saḥ
er (Nom.)
ittham
so, auf diese Weise
pratibuddha-ātmā
dessen Selbst erwacht war (Nom.)
citraketuḥ
Citraketu (Nom.)
dvija-uktibhiḥ
durch die Worte des Zweifachgeborenen (Instr. Pl.)
Nachdem er sich in der Kālindī vorschriftsgemäß gebadet und die frommen Wasserriten vollzogen hatte, verehrte er, mit beherrschtem Atem in Schweigen, die beiden Söhne Brahmās.
Wort für Wort
kālindyām
in der Kālindī [Yamunā] (Lok.)
vidhi-vat
vorschriftsgemäß (Adv.)
snātvā
gebadet habend (Abs.)
kṛta
vollzogen habend (Nom.)
puṇya
fromme
jala-kriyaḥ
Wasserriten (Nom.)
maunena
mit Schweigen (Instr.)
saṁyata-prāṇaḥ
mit beherrschtem Atem (Nom.)
brahma-putrau
die beiden Söhne Brahmās (Akk. Dual)
avandata
verehrte, grüßte ehrerbietig (Impf.)
brahma-putrau (Dual) [?] – vermutlich Nārada in Begleitung eines weiteren Sohnes Brahmās.
Darauf sprach der ehrwürdige Nārada, erfreut, zu ihm, der sich [ihm] ergeben hatte, dem Hingebungsvollen, dessen Geist geläutert war, fürwahr dieses [heilige] Wissen.