Kapitel 16: parīkṣitaḥ kali-nigrahaḥ
Wie Parīkṣit das Zeitalter des Kali empfing
Parīkṣit heiratet Irāvatī, vollzieht drei Aśvamedhas und zieht zur Welteroberung aus, wobei er überall vom Ruhm Kṛṣṇas hört (V.1-17). Auf seinem Zug erblickt er einen Śūdra in Königstracht, der eine Kuh mit dem Fuß schlägt - dies ist Kali selbst. Bevor die eigentliche Konfrontation geschildert wird, folgt ein philosophischer Exkurs (V.5-9) sowie die berühmte allegorische Szene: Dharma in Stiergestalt (nur noch auf einem Bein stehend) findet die Erde in Kuhgestalt, glanzlos und weinend, und befragt sie nach dem Grund ihres Kummers (V.18-24). Die Erde antwortet mit einer langen Klage über den Verlust aller Tugenden und schließlich über die Trennung von Kṛṣṇa selbst, dessen Fußspuren sie einst tragen durfte (V.25-35). Am Ende (V.36) erreicht Parīkṣit, während die beiden noch sprechen, den Ort des Geschehens an der Sarasvatī - die eigentliche Begegnung mit Kali folgt in Kapitel 17.
sūta uvāca
tataḥ parīkṣid dvija-varya-śikṣayā mahīṁ mahā-bhāgavataḥ śaśāsa ha |
yathā hi sūtyām abhijāta-kovidāḥ samādiśan vipra mahad-guṇas tathā ||
Sūta sprach: Darauf beherrschte Parīkṣit, der große Bhāgavata, nach der Unterweisung der vortrefflichen Brahmanen die Erde – so, o Brahmane [Śaunaka], wie es die in der Geburtsastrologie Kundigen zur Stunde seiner Geburt vorhergesagt hatten: dass er von großen Eigenschaften sein werde, so [geschah es].
Wort für Wort
sūtaḥ uvāca
Sūta sprach
tataḥ parīkṣit
darauf Parīkṣit
dvija-varya-śikṣayā
nach der Unterweisung der vortrefflichen Brahmanen
mahīm mahā-bhāgavataḥ śaśāsa ha
beherrschte fürwahr die Erde, der große Bhāgavata
yathā hi sūtyām
so wie fürwahr zur Geburtsstunde
abhijāta-kovidāḥ samādiśan
die in der Geburtsastrologie Kundigen vorhergesagt hatten
vipra mahat-guṇaḥ tathā
o Brahmane, [dass er] von großen Eigenschaften [sein werde], so [geschah es]
Er heiratete Irāvatī, die Tochter Uttaras, und zeugte mit ihr die vier Söhne, mit Janamejaya an der Spitze.
Wort für Wort
saḥ uttarasya tanayām upayeme irāvatīm
er heiratete Irāvatī, die Tochter Uttaras
janamejaya-ādīn caturaḥ
die vier [Söhne] mit Janamejaya an der Spitze
tasyām utpādayat sutān
zeugte er in ihr als Söhne
[Anm.: „uttarasya tanayām“ könnte auch „die Tochter [seines Onkels] Uttara“ meinen – Uttara war Sohn des Virāṭa und Bruder von Parīkṣits Mutter Uttarā; Irāvatī wäre demnach seine Cousine mütterlicherseits.]
Er vollzog an der Gaṅgā drei Pferdeopfer mit reichlichen Priestergaben, nachdem er den Śāradvata [Kṛpa] zum Opferpriester gemacht hatte, wobei die Götter [selbst] dort mit bloßem Auge sichtbar waren.
Wort für Wort
ājahāra aśva-medhān trīn
er vollzog drei Pferdeopfer
gaṅgāyām bhūri-dakṣiṇān
an der Gaṅgā, mit reichlichen Priestergaben
śāradvatam gurum kṛtvā
nachdem er den Śāradvata (Kṛpa) zum Priester gemacht hatte
Der Held ergriff mit Kraft einst bei seinem Welteroberungszug den Kali – [erschienen als] einen Śūdra, der das Abzeichen eines Königs trug und ein Rinderpaar mit dem Fuß schlug.
Śaunaka sprach: Aus welchem Grund ergriff der König bei [seinem] Welteroberungszug den Kali – jenen Śūdra, der das Abzeichen eines Königs trug und die Kuh mit dem Fuß schlug? Das möge erzählt werden, o Hochbeglückter, sofern es mit einer Erzählung über Kṛṣṇa verbunden ist.
athavāsya padāmbhoja-makaranda-lihāṁ satām |
kim anyair asad-ālāpair āyuṣo yad asad-vyayaḥ ||
Oder vielmehr: Was [nützen] den Guten, die den Honig des Lotosfußes jenes [Kṛṣṇa] kosten, andere, nichtige Gespräche, die [nur] eine nichtige Vergeudung der Lebenszeit sind?
Wort für Wort
athavā
oder vielmehr
asya pada-ambhoja-makaranda-lihām satām
für die Guten, die den Honig des Lotosfußes jenes [Kṛṣṇa] kosten
Für die Menschen von kurzer Lebenszeit, o Lieber, die Sterblichen, die das Ewige begehren, wurde hier der erhabene Tod [selbst] zum „Besänftigungsdienst“ [des Opfers] herbeigerufen.
Wort für Wort
kṣudra-āyuṣām nṛṇām
der Menschen von kurzer Lebenszeit
aṅga
o Lieber
martyānām ṛtam icchatām
der Sterblichen, die das Ewige begehren
iha upahūtaḥ bhagavān mṛtyuḥ
hier wurde der erhabene Tod herbeigerufen
śāmitra-karmaṇi
zum Besänftigungsdienst [des Opfers]
[Anm.: „śāmitra“ bezeichnet technisch das Amt des Opferpriesters, der das Opfertier „beruhigt“ (tötet); hier auf den personifizierten Tod angewandt – vermutlicher Bezug auf die Rahmenerzählung, wonach die Weisen von Naimiṣāraṇya den Tod selbst herbeiriefen, damit während ihres jahrtausendlangen Opfers niemand sterbe und die Erzählung ungestört fortgesetzt werden könne (vgl. V.8).]
na kaścin mriyate tāvad yāvad āsta ihāntakaḥ |
etad-arthaṁ hi bhagavān āhūtaḥ paramarṣibhiḥ |
aho nṛ-loke pīyeta hari-līlāmṛtaṁ vacaḥ ||
Solange der Bezwinger [Tod] hier verweilt, stirbt niemand; eben zu diesem Zweck wurde der Erhabene von den höchsten Weisen herbeigerufen – auf dass, wahrlich, in der Menschenwelt die unsterblichkeitsspendende Rede von Haris Spiel getrunken werde.
Wort für Wort
na kaścit mriyate
niemand stirbt
tāvat yāvat āste iha antakaḥ
solange der Bezwinger [Tod] hier verweilt
etat-artham hi
eben zu diesem Zweck
bhagavān āhūtaḥ paramarṣibhiḥ
wurde der Erhabene von den höchsten Weisen herbeigerufen
aho nṛ-loke pīyeta
auf dass in der Menschenwelt getrunken werde
hari-līlā-amṛtam vacaḥ
die unsterblichkeitsspendende Rede von Haris Spiel
mandasya manda-prajñasya vayo mandāyuṣaś ca vai |
nidrayā hriyate naktaṁ divā ca vyartha-karmabhiḥ ||
Des Trägen, des an Einsicht Trägen, des an Lebenskraft Geringen Lebenszeit wird fürwahr durch Schlaf in der Nacht weggenommen, und der Tag durch nutzlose Tätigkeiten.
Wort für Wort
mandasya manda-prajñasya
des Trägen, des an Einsicht Trägen
vayaḥ manda-āyuṣaḥ ca vai
und fürwahr des an Lebenskraft Geringen Lebenszeit
Sūta sprach: Als Parīkṣit, [während er] in Kurujāṅgala weilte, vernahm, dass Kali in sein eigenes Kaiserreich eingedrungen sei – [eine] wenig erfreuliche Nachricht –, ergriff darauf der im Kampf Kühne seinen Bogen.
Wort für Wort
sūtaḥ uvāca
Sūta sprach
yadā parīkṣit kuru-jāṅgale avasat
als Parīkṣit in Kurujāṅgala weilte
kalim praviṣṭam nija-cakravartite
dass Kali in sein eigenes Kaiserreich eingedrungen sei
niśamya vārtām anatipriyām
nachdem er die wenig erfreuliche Nachricht vernommen hatte
Er bestieg [seinen] wohlgeschmückten, mit dunklen Pferden bespannten Wagen mit dem Löwenbanner und zog, umgeben von seinem eigenen, aus Wagen, Pferden, Elefanten und Fußvolk bestehenden Heer, aus der Stadt zur Welteroberung aus.
Wort für Wort
su-alaṅkṛtam śyāma-turaṅga-yojitam ratham
den wohlgeschmückten, mit dunklen Pferden bespannten Wagen
mṛgendra-dhvajam āśritaḥ purāt
mit dem Löwenbanner besteigend, [zog er] aus der Stadt
vṛtaḥ ratha-aśva-dvipa-patti-yuktayā sva-senayā
umgeben von seinem aus Wagen, Pferden, Elefanten und Fußvolk bestehenden Heer
Nachdem er Bhadrāśva, Ketumāla, Bhārata[varṣa], die nördlichen Kurus und die Länder, mit Kiṃpuruṣa beginnend, besiegt hatte, nahm er [von ihnen] Tribut entgegen.
Wort für Wort
bhadrāśvam ketumālam ca
Bhadrāśva und Ketumāla
bhāratam ca uttarān kurūn
und Bhārata[varṣa] und die nördlichen Kurus
kimpuruṣa-ādīni varṣāṇi vijitya
nachdem er die mit Kiṃpuruṣa beginnenden Länder besiegt hatte
jagṛhe balim
nahm er Tribut entgegen
[Anm.: Bezugnahme auf die traditionelle neunfache Kontinent-Einteilung (Navadvīpa) der purāṇischen Kosmographie.]
ātmānaṁ ca paritrātam aśvatthāmno 'stra-tejasaḥ |
snehaṁ ca vṛṣṇipārthānāṁ teṣāṁ bhaktiṁ ca keśave ||
– [wie] er selbst vor der Glut der Waffe Aśvatthāmans gerettet worden war, und [von] der Zuneigung zwischen den Vṛṣṇis und Pārthas und deren Hingabe an Keśava –
[Ihm bewusst, wie Kṛṣṇa] den geliebten Pāṇḍus gegenüber [Dienste erwiesen hatte wie] Wagenlenken, Ratsdienst, Dienerschaft, Freundschaft, Botengang, Abtreten des Heldensitzes, Nachfolgen, Lobpreis und Verehrung, und [wie] die [ganze] Welt sich vor Viṣṇu verneigt, übte der Herrscher [Parīkṣit] Hingabe an [dessen] Lotosfuß.
tasyaivaṁ vartamānasya pūrveṣāṁ vṛttim anvaham |
nātidūre kilāścaryaṁ yad āsīt tan nibodha me ||
Während er sich so verhielt, täglich dem Beispiel der Vorfahren folgend, [geschah] nicht weit entfernt – wie es heißt – etwas Wunderbares; das vernimm von mir.
Wort für Wort
tasya evam vartamānasya
während er sich so verhielt
pūrveṣām vṛttim anvaham
täglich dem Wandel der Vorfahren [folgend]
na atidūre kila āścaryam yat āsīt
nicht weit entfernt geschah, wie es heißt, etwas Wunderbares
Dharma [in Gestalt eines Stieres], auf einem einzigen Fuß wandelnd, erblickte die glanzlose Kuh und fragte sie, deren Gesicht tränenüberströmt war, wie eine Mutter, die ihr Kalb [verloren hat]:
Dharma sprach: Ist es dir wohl, du Gute, mit deiner Gesundheit? Du bist glanzlos, dein Gesicht leicht welk. Ich erkenne an dir eine innere Sorge – du trauerst wohl um einen fernen Verwandten, o Mutter?
Wort für Wort
dharmaḥ uvāca
Dharma sprach
kaccit bhadre anāmayam ātmanaḥ te
ist es dir wohl, du Gute, mit deiner Gesundheit?
vicchāyā asi mlāyatā iṣat mukhena
du bist glanzlos, mit leicht welkem Gesicht
ālakṣaye bhavatīm antarādhim
ich erkenne an dir eine innere Sorge
dūre bandhum śocasi kañcana amba
du trauerst wohl um einen fernen Verwandten, o Mutter
Trauerst du [etwa] um mich, der [nun] um [drei] Füße vermindert ist, oder um dich selbst, [die nur noch] einen Fuß [hat] und von Niederen beherrscht werden wird? Oder um die Götter und andere, deren Opferanteile geraubt wurden, oder um die Geschöpfe, wenn Indra keinen Regen spendet?
Wort für Wort
pādaiḥ nyūnam śocasi mā
trauerst du um mich, der um [drei] Füße vermindert ist
eka-pādam ātmānam vā
oder um dich selbst, die nur einen Fuß hat
vṛṣalaiḥ bhokṣyamāṇam
die von Niederen beherrscht werden wird
āho surādīn hṛta-yajña-bhāgān
oder um die Götter, deren Opferanteile geraubt wurden
prajāḥ uta svit maghavati avarṣati
oder um die Geschöpfe, wenn Indra keinen Regen spendet
[Trauerst du] um die unbeschützten Frauen, o [du] Weite [Erde], [oder] trauerst du auch um die Kinder, die wie von Menschenfressern gequält [werden]? [Oder] um die göttliche Vāc [Rede/Wissen] im Brahmanengeschlecht, [das nun] übler Tat [ergeben ist], [oder] um die Vornehmsten der Geschlechter im dem Brahman untreu gewordenen Königsgeschlecht?
Wort für Wort
arakṣyamāṇāḥ striyaḥ urvi
um die unbeschützten Frauen, o [du] Weite
bālān śocasi atho
trauerst du auch um die Kinder
puruṣa-adaiḥ iva ārtān
die wie von Menschenfressern gequält [werden]
vācam devīm brahma-kule kukarmaṇi
um die göttliche Vāc im [übler Tat ergebenen] Brahmanengeschlecht
abrahmaṇye rāja-kule kula-agryān
um die Vornehmsten der Geschlechter im dem Brahman untreuen Königsgeschlecht
kiṁ kṣatra-bandhūn kalinopasṛṣṭān
rāṣṭrāṇi vā tair avaropitāni |
itas tato vāśana-pāna-vāsaḥ-
snāna-vyavāyonmukha-jīva-lokam ||
[Trauerst du] um die [unwürdig gewordenen] Kṣatriya-Sprösslinge, die von Kali befallen sind, oder um die Reiche, die durch sie zerstört wurden, oder hier und dort um die Lebewesen, die [nur noch] auf Essen, Trinken, Kleidung, Baden und Geschlechtsverkehr aus sind?
Wort für Wort
kim kṣatra-bandhūn kalinā upasṛṣṭān
um die von Kali befallenen Kṣatriya-Sprösslinge
rāṣṭrāṇi vā tair avaropitāni
oder um die Reiche, die von ihnen zerstört wurden
itaḥ tataḥ vā
oder hier und dort
aśana-pāna-vāsaḥ-snāna-vyavāya-unmukha-jīva-lokam
um die auf Essen, Trinken, Kleidung, Baden und Geschlechtsverkehr aus seienden Lebewesen
Oder vielmehr, o Mutter, o Erdträgerin, trauerst du, dich jenes Hari erinnernd, der zur [Beseitigung] deiner überschweren Last herabgestiegen war und [nun wieder] verborgen ist, um [seine] Taten, die bis zu [seinem] Erlöschen [aus dieser Welt vollbracht und nun der Erinnerung anheimgestellt sind]?
Wort für Wort
yadvā amba
oder vielmehr, o Mutter
te bhūri-bhara-avatāra-kṛta-avatārasya hareḥ
jenes Hari, der zur [Beseitigung] deiner überschweren Last herabgestiegen war
dharitri
o Erdträgerin
antarhitasya smaratī
dich erinnernd, der [nun] verborgen ist
visṛṣṭā karmāṇi nirvāṇa-vilambitāni
[seine] hinterlassenen, bis zu [seinem] Erlöschen [verrichteten] Taten
Das erkläre mir: die Wurzel deines Kummers, o Erdreiche, durch die du abgezehrt bist. Oder wurde [dir], o Mutter, durch die Zeit, die stärker ist als die Starken, dein von den Göttern verehrtes Glück geraubt?
Wort für Wort
idam mama ācakṣva
das erkläre mir
tava ādhi-mūlam vasundhare
die Wurzel deines Kummers, o Erdreiche
yena vikarśitā asi
durch die du abgezehrt bist
kālena vā te balinām balīyasā
oder durch die Zeit, die stärker ist als die Starken
sura-arcitam kim hṛtam amba saubhagam
wurde [dir], o Mutter, dein von den Göttern verehrtes Glück geraubt?
dharaṇy uvāca
bhavān hi veda tat sarvaṁ yan māṁ dharmānupṛcchasi |
caturbhir vartase yena pādair loka-sukhāvahaiḥ ||
Die Erde sprach: Du weißt fürwahr all das, o Dharma, wonach du mich fragst – durch [eben] die vier Füße, mit denen du [einst] wandeltest, die der Welt Glück brachten.
Um seinetwillen, des Gefäßes der Tugenden, der Wohnstatt der Śrī, trauere ich nun um die Welt, die [seiner] beraubt und vom Sünder Kali heimgesucht ist.
Und ich trauere um mich selbst und um dich, den Besten der Unsterblichen, um die Götter, Ahnen, Weisen und Frommen, um alle [gesellschaftlichen] Stände und ebenso die Lebensstufen.
Brahmā und andere [Götter] übten, dem Erhabenen ergeben, viele Zeitalter hindurch Buße, [nur] um die Gunst seines Seitenblicks zu erlangen; jene Śrī [Lakṣmī selbst] verlässt ihre eigene Wohnstatt, den Lotoshain, und verehrt voller Zuneigung übergenug das Glück an seinem Fuß.
Wort für Wort
brahma-ādayaḥ bahu-tithaṁ
Brahmā und andere, viele [Zeitalter] lang
yat-apāṅga-mokṣa-kāmāḥ tapaḥ samacaran
die die Gunst seines Seitenblicks begehrten, übten Buße
bhagavat-prapannāḥ
[ihm,] dem Erhabenen, ergeben
sā śrīḥ sva-vāsam aravinda-vanam vihāya
jene Śrī, ihre eigene Wohnstatt, den Lotoshain, verlassend
yat-pāda-saubhagam alam bhajate anuraktā
verehrt voller Zuneigung übergenug das Glück seines Fußes
tasyāhamabjakuliśāṅkuśaketuketaiḥ
śrīmatpadairbhagavataḥ samalaṅkṛtāṅgī |
trīnatyaroca upalabhya tato vibhūtiṁ
lokān sa māṁ vyasṛjadutsmayatīṁ tadante ||
Ich [die Erde], durch die glückverheißenden, mit den Zeichen Lotos, Blitzkeil, Elefantenstachel und Banner [versehenen] Füße des Erhabenen an meinem Leib geschmückt, übertraf strahlend die drei [Welten] und erlangte darauf höchste Herrlichkeit unter den Welten – [doch] er ließ mich [schließlich wieder] los, während ich [noch] lächelte, an jenem Ende [seines irdischen Verweilens].
Wort für Wort
tasya aham abja-kuliśa-aṅkuśa-ketu-ketaiḥ
ich, von jenem, mit den Zeichen Lotos, Blitzkeil, Elefantenstachel und Banner
śrīmat-padaiḥ bhagavataḥ samalaṅkṛta-aṅgī
mit den glückverheißenden Füßen des Erhabenen am Leib geschmückt
trīn atyaroca
übertraf strahlend die drei [Welten]
upalabhya tataḥ vibhūtim lokān
darauf die Herrlichkeit unter den Welten erlangend
saḥ mām vyasṛjat utsmayatīm tad-ante
er ließ mich, die ich lächelte, an jenem Ende los
[Anm.: Die Erde beschreibt hier rückblickend das Privileg, Kṛṣṇas Fußspuren getragen zu haben, und ihren nun eingetretenen Verlust dieses Glücks nach seinem Weggang.]
yo vai mamātibharam āsuravaṁśarājñā-
m akṣauhiṇī-śatam apānudadātmatantraḥ |
tvāṁ duḥsthamūnapadamātmani pauruṣeṇa
sampādayan yaduṣu ramyamabibhradaṅgam ||
Er, der fürwahr meine übergroße Last von hundert Akṣauhiṇī-Heeren der Könige dämonischer Abkunft vertrieb, der Selbstherrliche – der dich [Dharma], in schlechter Lage, um [deine] Füße vermindert, durch [seine] Tatkraft [wieder] aufrichtete, [während er selbst] unter den Yadus seinen lieblichen Leib trug –
Wort für Wort
yaḥ vai mama ati-bharam
der fürwahr meine übergroße Last
āsura-vaṁśa-rājñām akṣauhiṇī-śatam apānudat
von hundert Akṣauhiṇī-Heeren der Könige dämonischer Abkunft vertrieb
ātma-tantraḥ
der Selbstherrliche
tvām duḥstham ūna-padam
dich, in schlechter Lage, um Füße vermindert
ātmani pauruṣeṇa sampādayan
durch [seine] Tatkraft in sich [wieder] herstellend
yaduṣu ramyam abibhrat aṅgam
unter den Yadus [seinen] lieblichen Leib tragend
[?: Die genaue Konstruktion von „tvāṁ ... ātmani ... sampādayan“ (dich in [sich] selbst herstellend) ist syntaktisch verdichtet; Sinn vermutlich, dass Kṛṣṇa Dharma durch seine eigene Kraft stützte/wiederherstellte.]
kā vā saheta virahaṁ puruṣottamasya
premāvaloka-rucira-smita-valgu-jalpaiḥ |
sthairyaṁ samānamaharan madhumāninīnāṁ
romotsavo mama yad-aṅghri-viṭaṅkitāyāḥ ||
Wer könnte die Trennung vom höchsten Purusa ertragen – er, der durch [seine] liebevollen Blicke, [sein] anmutiges Lächeln und liebliche Reden [selbst] den von [ihrem eigenen] Liebreiz stolzen Frauen die Standhaftigkeit nahm – wieviel weniger ich, deren Haare sich vor Freude sträuben, [ich,] die von seinem Fuß geprägt bin!
Wort für Wort
kā vā saheta viraham puruṣottamasya
wer könnte die Trennung vom höchsten Purusa ertragen
prema-avaloka-rucira-smita-valgu-jalpaiḥ
durch liebevolle Blicke, anmutiges Lächeln, liebliche Reden
sthairyam samānam aharat
der [ihnen] die gleiche Standhaftigkeit nahm
madhu-māninīnām
der von [ihrem] Liebreiz stolzen Frauen
roma-utsavaḥ mama yat-aṅghri-viṭaṅkitāyāḥ
[wieviel mehr] mein Haaresträuben, [ich] die von seinem Fuß geprägt bin
Während jene beiden, die Erde und Dharma, so miteinander sprachen, gelangte der königliche Weise namens Parīkṣit dorthin, zur östlich fließenden Sarasvatī.