Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 70: dhruva-caritam / dhruva-gṛha-tyāgaḥ [?] Dhruva Mahārāja verlässt sein Zuhause und geht in den Wald

maitreya uvāca sanakādyā nāradaś ca ṛbhur haṁso 'ruṇir yatiḥ naite gṛhān brahma-sutā hy āvasann ūrdhva-retasaḥ

Maitreya sprach: Sanaka und die anderen [Kumāras], Nārada, sowie Ṛbhu, Haṁsa, Aruṇi und Yati – diese Söhne Brahmās wohnten gewiss nicht zuhause, denn ihr Same war aufwärtsgerichtet [d.h. sie waren ewige Brahmacārīs].

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya (Nom.) sprach
sanaka-ādyāḥ
die mit Sanaka beginnenden (Nom.Pl.)
nāradaḥ ca
und Nārada (Nom.)
ṛbhuḥ haṁsaḥ aruṇiḥ yatiḥ
Ṛbhu, Haṁsa, Aruṇi, Yati (Nom.)
na ete gṛhān
nicht diese (Nom.) [wohnten] in Häusern (Akk., 'zuhause')
brahma-sutāḥ
die Söhne Brahmās (Nom.Pl.)
hi āvasan
gewiss wohnten sie (3.Pl.Impf.)
ūrdhva-retasaḥ
deren Same aufwärtsgerichtet ist (Nom.Pl., Bahuvrīhi)

mṛṣādharmasya bhāryāsīd dambhaṁ māyāṁ ca śatru-han asūta mithunaṁ tat tu nirṛtir jagṛhe 'prajaḥ

Mṛṣā war die Gattin des Adharma, o Feindevernichter; sie gebar das Zwillingspaar Dambha [Heuchelei] und Māyā [Täuschung]. Dieses aber nahm Nirṛti, da er kinderlos war, [als eigenes Kind] an.

Wort für Wort
mṛṣā
Mṛṣā (Nom.)
adharmasya bhāryā āsīt
war die Gattin (Nom.) des Adharma (Gen.); 3.Sg.Impf.
dambham māyām ca
Dambha und Māyā (Akk.)
śatru-han
o Feindevernichter (Vok.)
asūta mithunam tat
sie gebar (3.Sg.Impf.Med.) jenes Zwillingspaar (Akk.)
tu nirṛtiḥ
aber Nirṛti (Nom.)
jagṛhe
nahm an (3.Sg.Perf.Med.)
aprajaḥ
kinderlos seiend (Nom.)

tayoḥ samabhaval lobho nikṛtiś ca mahā-mate tābhyāṁ krodhaś ca hiṁsā ca yad duruktiḥ svasā kaliḥ

Von jenen beiden [Dambha und Māyā] entstanden Lobha [Gier] und Nikṛti [Arglist], o Großgesinnter; von jenen beiden [Lobha und Nikṛti] aber Krodha [Zorn] und Hiṁsā [Gewalttätigkeit], von denen wiederum Kali und seine Schwester Durukti [üble Rede geboren wurden].

Wort für Wort
tayoḥ
von jenen beiden (Gen./Abl.Dual)
samabhavat
entstand (3.Sg.Impf.)
lobhaḥ nikṛtiḥ ca
Lobha und Nikṛti (Nom.)
mahā-mate
o Großgesinnter (Vok.)
tābhyām
von jenen beiden (Abl.Dual)
krodhaḥ ca hiṁsā ca
und Krodha und Hiṁsā (Nom.)
yat
von denen (Rel.Pron.)
duruktiḥ svasā
Durukti [als] Schwester (Nom.)
kaliḥ
Kali (Nom.)

'yad' bezieht sich auf Krodha/Hiṁsā als Elternpaar von Kali und Durukti, die in der überlieferten Genealogie als Zwillingspaar gelten [Anm.].

duruktau kalir ādhatta bhayaṁ mṛtyuṁ ca sattama tayoś ca mithunaṁ jajñe yātanā nirayas tathā

In Durukti zeugte Kali Bhaya [Furcht] und Mṛtyu [Tod], o Bester der Guten; und von jenen beiden wurde wiederum ein Zwillingspaar geboren: Yātanā [Qual] und ebenso Niraya [die Hölle].

Wort für Wort
duruktau
in Durukti (Lok.)
kaliḥ ādhatta
Kali erzeugte (3.Sg.Impf.Med.)
bhayam mṛtyum ca
Bhaya und Mṛtyu (Akk.)
sattama
o Bester der Guten (Vok.)
tayoḥ ca mithunam
und von jenen beiden [entstand] ein Zwillingspaar (Nom.)
jajñe
wurde geboren (3.Sg.Perf.Med.)
yātanā nirayaḥ tathā
Yātanā und ebenso Niraya (Nom.)

saṅgraheṇa mayākhyātaḥ pratisargas tavānagha triḥ śrutvaitat pumān puṇyaṁ vidhunoty ātmano malam

In Kürze wurde dir, o Sündenloser, von mir diese Weiterschöpfung erzählt. Wer dies Heilige dreimal gehört hat, wäscht als Mensch den Schmutz von seiner Seele ab.

Wort für Wort
saṅgraheṇa
zusammenfassend, in Kürze (Instr.)
mayā ākhyātaḥ
von mir verkündet (Nom., PPP)
pratisargaḥ
die Weiterschöpfung (Nom.)
tava anagha
dir, o Sündenloser (Dat./Vok.)
triḥ śrutvā
dreimal gehört habend (Absolutiv)
etat puṇyam
dieses Heilige (Akk.)
pumān
ein Mensch (Nom.)
vidhunoti
wäscht ab (3.Sg.Präs.)
ātmanaḥ malam
den Schmutz (Akk.) der Seele (Gen.)

'pratisarga' = Nach- bzw. Weiterschöpfung (Genealogie nach der Urschöpfung) [?]; 'puṇyam' wird hier attributiv zu 'etat' gelesen ('dieses heilige [Berichtete]'), nicht zu 'malam'.

athātaḥ kīrtaye vaṁśaṁ puṇya-kīrteḥ kurūdvaha svāyambhuvasyāpi manor harer aṁśāṁśa-janmanaḥ

Nun werde ich fortan die Dynastie besingen, deren Ruhm heilig ist, o Bester der Kurus – die Dynastie des Svāyambhuva Manu, der selbst aus einem Teil einer Teilerweiterung Haris geboren ist.

Wort für Wort
atha ataḥ
nun, von hier an (Adv.)
kīrtaye
ich werde besingen (1.Sg.Präs.Med., futurisch)
vaṁśam
die Dynastie (Akk.)
puṇya-kīrteḥ
dessen Ruhm heilig ist (Gen.)
kuru-udvaha
o Bester der Kurus (Vok.)
svāyambhuvasya manoḥ
des Svāyambhuva Manu (Gen.)
api hareḥ
auch/sogar Haris (Gen.)
aṁśa-aṁśa-janmanaḥ
der aus einem Teil-eines-Teils geboren ist (Gen.)

priyavratottānapādau śatarūpā-pateḥ sutau vāsudevasya kalayā rakṣāyāṁ jagataḥ sthitau

Priyavrata und Uttānapāda waren die beiden Söhne Śatarūpās und ihres Gatten [Manu], die durch eine Erweiterung Vāsudevas zum Schutz der Welt eingesetzt waren.

Wort für Wort
priyavrata-uttānapādau
Priyavrata und Uttānapāda (Nom.Dual)
śatarūpā-pateḥ sutau
die beiden Söhne (Nom.Dual) der Śatarūpā und ihres Gatten (Gen.)
vāsudevasya kalayā
durch eine Teilerweiterung (Instr.) Vāsudevas (Gen.)
rakṣāyām jagataḥ
zum Schutz (Lok.) der Welt (Gen.)
sthitau
die beiden befindlich/eingesetzt (Nom.Dual, Ptz.)

jāye uttānapādasya sunītiḥ suruciḥ tayoḥ suruciḥ preyasī patyur netarā yat-suto dhruvaḥ

Die beiden Gattinnen König Uttānapādas waren Sunīti und Suruci; von den beiden war Suruci dem Gatten die Liebere, nicht die andere; deren [Sunītis] Sohn war Dhruva.

Wort für Wort
jāye
die beiden Gattinnen (Nom.Dual)
uttānapādasya
Königs Uttānapāda (Gen.)
sunītiḥ suruciḥ
Sunīti [und] Suruci (Nom.)
tayoḥ
von den beiden (Gen.Dual)
suruciḥ preyasī
Suruci [war] die Liebere (Nom.)
patyuḥ
des Gatten (Gen.)
na itarā
nicht die andere (Nom.)
yat-sutaḥ dhruvaḥ
deren Sohn Dhruva [war] (Nom.)

Auf der Quellseite war im zweiten Pāda ein Devanagari-Fragment mit dem IAST vermischt; hier zu 'suruciḥ tayoḥ' korrigiert [Anm.].

ekadā suruceḥ putram aṅkam āropya lālayan uttamaṁ nārurukṣantaṁ dhruvaṁ rājābhyanandata

Einst, als der König seinen Sohn Uttama, den Surucis, auf den Schoß gehoben hatte und liebkoste, hieß er Dhruva, der ebenfalls hinaufzusteigen begehrte, nicht willkommen.

Wort für Wort
ekadā
einst (Adv.)
suruceḥ putram
den Sohn (Akk.) Surucis (Gen.)
aṅkam āropya
auf den Schoß (Akk.) gehoben habend (Absolutiv)
lālayan uttamam
Uttama (Akk.) liebkosend (Ppr.)
na ārurukṣantam dhruvam
Dhruva (Akk.), der nicht hinaufzusteigen begehrte (Akk.Ppr.)
rājā abhyanandata
der König hieß willkommen (3.Sg.Impf.Med.)

tathā cikīrṣamāṇaṁ taṁ sapatnyās tanayaṁ dhruvam suruciḥ śṛṇvato rājñaḥ serṣyam āhātigarvitā

Als Dhruva, der Sohn ihrer Nebenfrau, ebenso [auf den Schoß zu steigen] begehrte, sprach Suruci, überaus hochmütig, voller Eifersucht, während der König zuhörte.

Wort für Wort
tathā cikīrṣamāṇam
der ebenso zu tun begehrte (Akk., Ppr.Desid.)
tam sapatnyāḥ tanayam dhruvam
ihn, Dhruva, den Sohn (Akk.) der Nebenfrau (Gen.)
suruciḥ
Suruci (Nom.)
śṛṇvataḥ rājñaḥ
während der König (Gen.) zuhörte (Gen.Ptz.)
sa-īrṣyam āha
voller Eifersucht sprach sie (3.Sg.Perf.)
atigarvitā
überaus hochmütig (Nom.)

na vatsa nṛpater dhiṣṇyaṁ bhavān āroḍhum arhati na gṛhīto mayā yat tvaṁ kukṣāv api nṛpātmajaḥ

Nicht, mein Kind, verdienst du es, den Sitz des Königs zu besteigen, weil du, obgleich Königssohn, nicht von mir im Leibe aufgenommen wurdest.

Wort für Wort
na vatsa
nicht, mein Kind (Vok.)
nṛpateḥ dhiṣṇyam
den Sitz (Akk.) des Königs (Gen.)
bhavān āroḍhum arhati
du (Nom.) verdienst zu besteigen (Inf., 3.Sg.Präs. höfl.)
na gṛhītaḥ mayā
nicht aufgenommen (Nom.PPP) von mir (Instr.)
yat tvam
weil du (Nom.)
kukṣau api
obgleich im Leibe (Lok.)
nṛpa-ātmajaḥ
Königssohn (Nom.)

bālo 'si bata nātmānam anya-strī-garbha-sambhṛtam nūnaṁ veda bhavān yasya durlabhe 'rthe manorathaḥ

Ein Kind bist du fürwahr, das nicht einmal sich selbst kennt – dass du im Leib einer anderen Frau getragen wurdest –, und dessen Herzenswunsch dennoch auf ein unerreichbares Ziel gerichtet ist.

Wort für Wort
bālaḥ asi bata
ein Kind bist du fürwahr (2.Sg.Präs.)
na ātmānam
nicht sich selbst (Akk.)
anya-strī-garbha-sambhṛtam
im Leib einer anderen Frau getragen (Akk., Ptz.)
nūnam veda
wahrlich kennst du (2./3.Sg.Perf.)
bhavān
du (Nom.)
yasya durlabhe arthe
dessen Herzenswunsch auf ein unerreichbares (Lok.) Ziel (Lok.) [gerichtet ist]
manorathaḥ
der Herzenswunsch (Nom.)

tapasārādhya puruṣaṁ tasyaivānugraheṇa me garbhe tvaṁ sādhayātmānaṁ yadīcchasi nṛpāsanam

Wenn du den Königsthron begehrst, dann verehre den Höchsten Puruṣa durch Askese, und bewirke dich selbst – allein durch dessen Gnade – in meinem Leib [geboren zu werden].

Wort für Wort
tapasā ārādhya
durch Askese (Instr.) verehrt habend (Absolutiv)
puruṣam
die Höchste Person (Akk.)
tasya eva anugraheṇa
allein durch dessen Gnade (Instr.)
me garbhe
in meinem Leib (Lok.)
tvam sādhaya ātmānam
bewirke (Imp.) dich selbst (Akk.)
yadi icchasi
wenn du wünschst (2.Sg.Präs.)
nṛpa-āsanam
den Königsthron (Akk.)

maitreya uvāca mātuḥ sapatnyāḥ sa durukti-viddhaḥ śvasan ruṣā daṇḍa-hato yathāhiḥ hitvā miṣantaṁ pitaraṁ sanna-vācaṁ jagāma mātuḥ prarudan sakāśam

Maitreya sprach: Von den harschen Worten der Nebenfrau seiner Mutter durchbohrt, vor Zorn schnaubend wie eine mit dem Stock geschlagene Schlange, verließ er seinen [nur] zuschauenden, sprachlosen Vater und ging weinend zu seiner Mutter.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
mātuḥ sapatnyāḥ
von der Nebenfrau der Mutter (Gen.)
saḥ durukti-viddhaḥ
er, durchbohrt von harschen Worten (Nom., PPP)
śvasan ruṣā
vor Zorn (Instr.) schnaubend (Ppr.)
daṇḍa-hataḥ yathā ahiḥ
vom Stock geschlagen wie eine Schlange (Nom.)
hitvā
verlassend (Absolutiv)
miṣantam pitaram sanna-vācam
den [nur] zusehenden, sprachlosen Vater (Akk.)
jagāma mātuḥ sakāśam
ging (3.Sg.Perf.) in die Nähe der Mutter (Gen. + Akk.)
prarudan
weinend (Ppr., Nom.)

taṁ niḥśvasantaṁ sphuritādharoṣṭhaṁ sunītir utsaṅga udūhya bālam niśamya tat-paura-mukhān nitāntaṁ sā vivyathe yad gaditaṁ sapatnyā

Sunīti hob das Kind, das schwer atmete und dessen Lippen zitterten, auf ihren Schoß; und als sie aus dem Mund der Stadtbewohner alles vernommen hatte, was von der Nebenfrau gesprochen worden war, wurde sie zutiefst erschüttert.

Wort für Wort
tam niḥśvasantam
ihn, schwer atmend (Akk., Ppr.)
sphurita-adhara-oṣṭham
dessen Lippen zitterten (Akk.)
sunītiḥ
Sunīti (Nom.)
utsaṅge udūhya bālam
hob das Kind (Akk.) auf den Schoß (Lok.); Absolutiv
niśamya
vernommen habend (Absolutiv)
tat-paura-mukhāt nitāntam
aus dem Mund jener Stadtbewohner (Abl.) gänzlich (Adv.)
sā vivyathe
sie wurde erschüttert (3.Sg.Perf.Med.)
yat gaditam sapatnyā
was von der Nebenfrau (Instr.) gesprochen worden war (Nom./Akk., PPP)

sotsṛjya dhairyaṁ vilalāpa śoka- dāvāgninā dāva-lateva bālā vākyaṁ sapatnyāḥ smaratī saroja- śriyā dṛśā bāṣpa-kalām uvāha

Sie, die junge Frau, gab ihre Fassung auf und klagte, wie eine vom Waldbrand des Kummers versengte Schlingpflanze; sich der Worte ihrer Nebenfrau erinnernd, brachte sie mit lotosgleich schönem, tränenerfülltem Blick eine von Tränen erstickte Stimme hervor.

Wort für Wort
sā utsṛjya dhairyam
sie, die Fassung (Akk.) aufgebend (Absolutiv)
vilalāpa
klagte (3.Sg.Perf.)
śoka-dāva-agninā
durch das Feuer (Instr.) des Kummer-Waldbrands
dāva-latā iva bālā
wie eine [versengte] Schlingpflanze (Nom.), die junge Frau (Nom.)
vākyam sapatnyāḥ smaratī
sich der Worte (Akk.) der Nebenfrau (Gen.) erinnernd (Nom.Ptz.)
saroja-śriyā dṛśā
mit lotosgleicher Schönheit (Instr.), mit dem Blick (Instr.)
bāṣpa-kalām uvāha
brachte eine tränenerstickte [Stimme] (Akk.) hervor (3.Sg.Perf.)

dīrghaṁ śvasantī vṛjinasya pāram apaśyatī bālakam āha bālā māmaṅgalaṁ tāta pareṣu maṁsthā bhuṅkte jano yat para-duḥkhadas tat

Schwer seufzend, kein Ende ihres Kummers erblickend, sprach die junge Frau zum Kind: 'Wünsche keinem anderen Unheil, mein Kind; denn wer anderen Leid zufügt, erleidet selbst das, was er ihnen zufügt.'

Wort für Wort
dīrgham śvasantī
lang/schwer seufzend (Nom.Ptz.)
vṛjinasya pāram apaśyatī
das Ende (Akk.) der Notlage (Gen.) nicht sehend (Nom.Ptz.)
bālakam āha bālā
die junge Frau (Nom.) sprach (3.Sg.Perf.) zum Kind (Akk.)
mā amaṅgalam
nicht Unheil (Akk.)
tāta pareṣu maṁsthāḥ
mein Kind (Vok.), gegen andere (Lok.) sollst du wünschen (2.Sg.Inj.)
bhuṅkte janaḥ
es erleidet der Mensch (3.Sg.Präs.Med., Nom.)
yat para-duḥkha-daḥ tat
was der Leidzufüger (Nom.) [den anderen zufügt], eben das (Akk.)

satyaṁ surucyābhihitaṁ bhavān me yad durbhagāyā udare gṛhītaḥ stanyena vṛddhaś ca vilajjate yāṁ bhāryeti vā voḍhum iḍaspatir mām

Wahr ist, was Suruci gesagt hat: Du wurdest im Leib von mir, der Unglücklichen, empfangen und bist an [meiner] Muttermilch aufgewachsen – von mir, deren sich der Herr der Erde schämt, mich als Gattin anzuerkennen.

Wort für Wort
satyam surucyā abhihitam
wahr [ist], was von Suruci (Instr.) gesagt wurde (Nom.PPP)
bhavān me
du, meiner (Gen.)
yat durbhagāyāḥ udare gṛhītaḥ
dass du im Leib (Lok.) der Unglücklichen (Gen.) empfangen wurdest (Nom.PPP)
stanyena vṛddhaḥ ca
und mit Muttermilch (Instr.) aufgewachsen (Nom.)
vilajjate
er schämt sich (3.Sg.Präs.Med.)
yām bhāryā iti vā voḍhum
mich (Akk., als 'yām'), als Gattin anzuerkennen (Inf.)
iḍaḥ-patiḥ mām
der Herr der Erde (Nom.) mich (Akk.)

ātiṣṭha tat tāta vimatsaras tvam uktaṁ samātrāpi yad avyalīkam ārādhayādhokṣaja-pāda-padmaṁ yadīcchase 'dhyāsanam uttamo yathā

Vollziehe also, mein Kind, ohne Neid, das, was auch deine Stiefmutter gesagt hat, denn es ist wahr: Verehre die Lotosfüße des Transzendenten, wenn du wünschst, wie Uttama einen [ebenbürtigen] Sitz zu erlangen.

Wort für Wort
ātiṣṭha tat
vollziehe (Imp.) das (Akk.)
tāta vimatsaraḥ tvam
mein Kind (Vok.), frei von Neid (Nom.) du
uktam sa-mātrā api
gesagt (Akk./Nom.) auch von der Stiefmutter (Instr.)
yat avyalīkam
was unverfälscht/wahr ist (Nom.)
ārādhaya
verehre (Imp.)
adhokṣaja-pāda-padmam
die Lotosfüße (Akk.) des Transzendenten
yadi icchase
wenn du wünschst (2.Sg.Präs.Med.)
adhyāsanam uttamaḥ yathā
den [gleichrangigen] Sitz (Akk.), wie Uttama

yasyāṅghri-padmaṁ paricarya viśva- vibhāvanāyātta-guṇābhipatteḥ ajo 'dhyatiṣṭhat khalu pārameṣṭhyaṁ padaṁ jitātma-śvasanābhivandyam

Nachdem Brahmā, der Ungeborene, die Lotosfüße dessen verehrt und dadurch die zur Erschaffung des Universums nötigen Eigenschaften erlangt hatte, bestieg er wahrlich die höchste Stellung, die von jenen verehrt wird, die Geist und Lebensatem gemeistert haben.

Wort für Wort
yasya aṅghri-padmam paricarya
dessen Lotosfuß (Akk.) verehrt habend (Absolutiv)
viśva-vibhāvanāya
zur Erschaffung des Universums (Dat.)
ātta-guṇa-abhipatteḥ
der die [nötigen] Eigenschaften erlangt hat (Gen.)
ajaḥ adhyatiṣṭhat khalu
der Ungeborene [Brahmā] bestieg wahrlich (3.Sg.Impf.)
pārameṣṭhyam padam
die höchste Stellung (Akk.)
jita-ātma-śvasana-abhivandyam
die von den Geist-und-Atem-Bezwingern verehrt wird (Akk.)

tathā manur vo bhagavān pitāmaho yam eka-matyā puru-dakṣiṇair makhaiḥ iṣṭvābhipede duravāpam anyato bhaumaṁ sukhaṁ divyam athāpavargyam

Ebenso hat euer verehrungswürdiger Großvater Manu, nachdem er Ihn mit ungeteiltem Sinn durch Opfer mit reichen Gaben verehrt hatte, das erlangt, was anderweitig schwer zu erreichen ist: irdisches, himmlisches sowie das Glück der Erlösung.

Wort für Wort
tathā manuḥ vaḥ bhagavān pitāmahaḥ
ebenso euer (Gen.Pl.) verehrungswürdiger Großvater Manu (Nom.)
yam eka-matyā
den (Akk.) mit ungeteiltem Sinn (Instr.)
puru-dakṣiṇaiḥ makhaiḥ iṣṭvā
durch Opfer (Instr.) mit reichen Gaben (Instr.) verehrt habend (Absolutiv)
abhipede duravāpam anyataḥ
erlangte (3.Sg.Perf.Med.) das anderweitig (Adv.) schwer erreichbare (Akk.)
bhaumam sukham divyam atha āpavargyam
irdisches, himmlisches und das Glück der Erlösung (Akk.)

tam eva vatsāśraya bhṛtya-vatsalaṁ mumukṣubhir mṛgya-padābja-paddhatim ananya-bhāve nija-dharma-bhāvite manasy avasthāpya bhajasva pūruṣam

Nimm Zuflucht zu eben Ihm, mein Kind, der seinen Dienern liebevoll zugetan ist und dessen Lotosfuß-Pfad von denen gesucht wird, die Befreiung begehren; verehre die Höchste Person, indem du deinen Geist, der von ungeteilter, in der eigenen [wesenhaften] Pflicht gegründeter Hingabe erfüllt ist, [auf Ihn] gefestigt hältst.

Wort für Wort
tam eva vatsa āśraya
eben Ihn, mein Kind, nimm Zuflucht zu (Imp.)
bhṛtya-vatsalam
der seinen Dienern zugetan ist (Akk.)
mumukṣubhiḥ mṛgya-pada-abja-paddhatim
dessen Lotosfuß-Pfad von den Befreiung-Suchenden (Instr.) gesucht wird (Akk.)
ananya-bhāve nija-dharma-bhāvite
in ungeteilter, von eigener Pflicht durchdrungener Gestimmtheit (Lok.)
manasi avasthāpya
im Geist (Lok.) gefestigt habend (Absolutiv)
bhajasva pūruṣam
verehre (Imp.Med.) die Höchste Person (Akk.)

nānyaṁ tataḥ padma-palāśa-locanād duḥkha-cchidaṁ te mṛgayāmi kañcana yo mṛgyate hasta-gṛhīta-padmayā śriyetarair aṅga vimṛgyamāṇayā

Außer Ihm, dem Lotosblatt-Äugigen, suche ich für dich, mein Lieber, keinen anderen, der das Leid durchtrennt – Ihn, den sogar die Glücksgöttin sucht, die selbst, einen Lotos in der Hand haltend, von anderen gesucht wird.

Wort für Wort
na anyam tataḥ padma-palāśa-locanāt
keinen anderen (Akk.) als Ihn, den Lotosblatt-Äugigen (Abl.)
duḥkha-cchidam te
der das Leid durchtrennt (Akk.), für dich (Dat.)
mṛgayāmi kañcana
suche ich (1.Sg.Präs.) irgendeinen (Akk.)
yaḥ mṛgyate
der (Nom.) gesucht wird (3.Sg.Präs.Pass.)
hasta-gṛhīta-padmayā śriyā
von der Glücksgöttin (Instr.), die einen Lotos in der Hand hält
itaraiḥ aṅga vimṛgyamāṇayā
mein Lieber (Vok.), die von anderen (Instr.) [selbst] gesucht wird (Instr.Ptz.Pass.)

maitreya uvāca evaṁ sañjalpitaṁ mātur ākarṇyārthāgamaṁ vacaḥ sanniyamyātmanātmānaṁ niścakrāma pituḥ purāt

Maitreya sprach: Nachdem er so die sinnvolle Rede seiner Mutter vernommen hatte, festigte er sich selbst durch seinen eigenen Geist und trat aus der Stadt seines Vaters hinaus.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
evam sañjalpitam mātuḥ vacaḥ
so gesprochene Rede (Akk.) der Mutter (Gen.)
ākarṇya artha-āgamam
vernommen habend (Absolutiv) die sinnvolle/zielführende (Akk.)
sanniyamya ātmanā ātmānam
durch den [eigenen] Geist (Instr.) sich selbst (Akk.) beherrscht/gefestigt habend (Absolutiv)
niścakrāma
er trat hinaus (3.Sg.Perf.)
pituḥ purāt
aus der Stadt (Abl.) des Vaters (Gen.)

nāradas tad upākarṇya jñātvā tasya cikīrṣitam spṛṣṭvā mūrdhany agha-ghnena pāṇinā prāha vismitaḥ

Nārada, der dies vernommen und seine Absicht erkannt hatte, berührte ihn mit seiner sündentilgenden Hand am Haupt und sprach, erstaunt, zu ihm.

Wort für Wort
nāradaḥ tat upākarṇya
Nārada, dies vernommen habend (Absolutiv)
jñātvā tasya cikīrṣitam
erkannt habend (Absolutiv) seine Absicht (Akk.)
spṛṣṭvā mūrdhani
berührt habend (Absolutiv) am Haupt (Lok.)
agha-ghnena pāṇinā
mit der sündentilgenden Hand (Instr.)
prāha vismitaḥ
sprach (3.Sg.Perf.), erstaunt (Nom.)

aho tejaḥ kṣatriyāṇāṁ māna-bhaṅgam amṛṣyatām bālo 'py ayaṁ hṛdā dhatte yat samātur asad-vacaḥ

Ach, welch Kraft besitzen die Kṣatriyas, die eine Kränkung ihrer Ehre nicht ertragen! Selbst als Kind noch trägt dieser die unpassenden Worte seiner Stiefmutter im Herzen.

Wort für Wort
aho tejaḥ kṣatriyāṇām
ach, welch Kraft (Nom.) der Kṣatriyas (Gen.)
māna-bhaṅgam amṛṣyatām
die eine Kränkung der Ehre (Akk.) nicht ertragen (Gen.Pl., 'derer, die nicht ertragen')
bālaḥ api ayam
selbst als Kind dieser (Nom.)
hṛdā dhatte
trägt im Herzen (Instr., 3.Sg.Präs.Med.)
yat samātuḥ asat-vacaḥ
die unpassenden Worte (Akk.) der Stiefmutter (Gen.)

nārada uvāca nādhunāpy avamānaṁ te sammānaṁ vāpi putraka lakṣayāmaḥ kumārasya saktasya krīḍanādiṣu

Nārada sprach: Weder eine Kränkung noch eine Ehrerweisung dir gegenüber, mein Söhnchen, bemerken wir jetzt bei einem Knaben, der doch sonst an Spiel und dergleichen hängt.

Wort für Wort
nāradaḥ uvāca
Nārada sprach
na adhunā api avamānam te
nicht einmal jetzt eine Kränkung (Akk.) dir (Gen.) gegenüber
sammānam vā api putraka
oder auch eine Ehrerweisung (Akk.), mein Söhnchen (Vok.)
lakṣayāmaḥ kumārasya
wir bemerken (1.Pl.Präs.) bei einem Knaben (Gen.)
saktasya krīḍana-ādiṣu
der an Spiel und dergleichen (Lok.) hängt (Gen.)

vikalpe vidyamāne 'pi na hy asantoṣa-hetavaḥ puṁso moham ṛte bhinnā yal loke nija-karmabhiḥ

Auch wenn Verschiedenheit im Los der Menschen besteht, sind – abgesehen von Verblendung – die durch das eigene Karma in der Welt entstandenen Unterschiede keine wahren Gründe für die Unzufriedenheit eines Menschen.

Wort für Wort
vikalpe vidyamāne api
auch wenn Verschiedenheit besteht (Lok.abs.)
na hi asantoṣa-hetavaḥ
gewiss nicht die Gründe der Unzufriedenheit (Nom.Pl.)
puṁsaḥ
eines Menschen (Gen.)
moham ṛte
abgesehen von Verblendung (Akk. + Präp.)
bhinnāḥ yat loke
die verschiedenen [Dinge], die in der Welt (Lok.) [entstehen]
nija-karmabhiḥ
durch die eigenen Taten (Instr.)

parituṣyet tatas tāta tāvan-mātreṇa pūruṣaḥ daivopasāditaṁ yāvad vīkṣyeśvara-gatiṁ budhaḥ

Daher, mein Kind, sollte ein Mensch sich mit so viel zufriedengeben, wie ihm vom Schicksal zugeteilt wird, sofern er als Weiser das Walten des Herrn erkennt.

Wort für Wort
parituṣyet tataḥ tāta
daher sollte er sich zufriedengeben (Opt.), mein Kind (Vok.)
tāvat-mātreṇa pūruṣaḥ
ein Mensch (Nom.) mit so viel (Instr.)
daiva-upasāditam yāvat
wie [viel] ihm vom Schicksal zugeteilt wird (Akk.)
vīkṣya īśvara-gatim
erkannt habend (Absolutiv) das Walten des Herrn (Akk.)
budhaḥ
als Weiser (Nom.)

atha mātropadiṣṭena yogenāvarurutsasi yat-prasādaṁ sa vai puṁsāṁ durārādhyo mato mama

Nun begehrst du dich mittels der von deiner Mutter gelehrten Yoga-Methode zu Ihm zu erheben; doch Er, dessen Gnade zu erlangen ist, gilt meiner Meinung nach als schwer erreichbar für die Menschen.

Wort für Wort
atha mātrā upadiṣṭena yogena
nun mittels der von der Mutter gelehrten Methode (Instr.)
avarurutsasi
du begehrst dich zu erheben (2.Sg.Präs.Desid.)
yat-prasādam saḥ
dessen Gnade (Akk.), Er (Nom.)
vai puṁsām durārādhyaḥ
gewiss für die Menschen (Gen.Pl.) schwer zu verehren (Nom.)
mataḥ mama
[so ist meine] Meinung (Nom.), meine (Gen.)

munayaḥ padavīṁ yasya niḥsaṅgenoru-janmabhiḥ na vidur mṛgayanto 'pi tīvra-yoga-samādhinā

Selbst die Weisen kennen dessen Pfad nicht, obwohl sie ihn, durch Loslösung über viele Geburten hinweg gereift, mittels intensiver Yoga-Versenkung suchen.

Wort für Wort
munayaḥ padavīm yasya
die Weisen (Nom.) den Pfad (Akk.) dessen
niḥsaṅgena uru-janmabhiḥ
durch Loslösung (Instr.), über viele Geburten (Instr.)
na viduḥ
kennen nicht (3.Pl.Perf.)
mṛgayantaḥ api
obwohl suchend (Nom.Ptz.)
tīvra-yoga-samādhinā
mittels intensiver Yoga-Versenkung (Instr.)

ato nivartatām eṣa nirbandhas tava niṣphalaḥ yatiṣyati bhavān kāle śreyasāṁ samupasthite

Daher soll dieser dein fruchtloser Entschluss aufgegeben werden; du magst es [erneut] versuchen, wenn zur rechten Zeit die reife Gelegenheit für dein Heil eintritt.

Wort für Wort
ataḥ nivartatām
daher soll aufgegeben werden (Imp.Pass.)
eṣaḥ nirbandhaḥ tava niṣphalaḥ
dieser fruchtlose (Nom.) Entschluss (Nom.) dein (Gen.)
yatiṣyati bhavān kāle
du (Nom.) wirst versuchen (3.Sg.Fut., höfl. für 2.P.) zur Zeit (Lok.)
śreyasām samupasthite
wenn [die Gelegenheit] des Heils (Gen.) eingetreten ist (Lok.abs.)

yasya yad daiva-vihitaṁ sa tena sukha-duḥkhayoḥ ātmānaṁ toṣayan dehī tamasaḥ pāram ṛcchati

Wer immer sich mit dem, was ihm vom Schicksal bestimmt ist, in Glück und Leid zufriedenstellt, ein solcher Verkörperter erreicht das jenseitige Ufer der Dunkelheit.

Wort für Wort
yasya yat daiva-vihitam
wem was auch immer vom Schicksal bestimmt ist (Nom.)
saḥ tena
dieser, durch das (Instr.)
sukha-duḥkhayoḥ
in Glück und Leid (Lok.Dual)
ātmānam toṣayan
sich selbst zufriedenstellend (Akk. + Nom.Ptz.)
dehī
der Verkörperte (Nom.)
tamasaḥ pāram ṛcchati
erreicht das jenseitige Ufer (Akk.) der Dunkelheit (Gen.); 3.Sg.Präs.

guṇādhikān mudaṁ lipsed anukrośaṁ guṇādhamāt maitrīṁ samānād anviccheṇ na tāpair abhibhūyate

Man sollte von den höher Qualifizierten Freude zu gewinnen suchen, Mitleid gegenüber dem geringer Qualifizierten empfinden und Freundschaft mit dem Gleichgestellten erstreben; so wird man nicht von Leiden überwältigt.

Wort für Wort
guṇa-adhikāt mudam lipset
von dem höher Qualifizierten (Abl.) sollte man Freude (Akk.) zu gewinnen suchen (Opt.Desid.)
anukrośam guṇa-adhamāt
Mitleid (Akk.) gegenüber dem geringer Qualifizierten (Abl.)
maitrīm samānāt anviccheṭ
Freundschaft (Akk.) mit dem Gleichgestellten (Abl.) sollte man erstreben (Opt.)
na tāpaiḥ abhibhūyate
nicht wird man von Leiden (Instr.) überwältigt (3.Sg.Präs.Pass.)

dhruva uvāca so 'yaṁ śamo bhagavatā sukha-duḥkha-hatātmanām darśitaḥ kṛpayā puṁsāṁ durdarśo 'smad-vidhais tu yaḥ

Dhruva sprach: Diese Gleichmut, die für Menschen wie uns, deren Herz von Glück und Leid überwältigt ist, gewöhnlich schwer zu erschauen ist, wurde mir von Euch aus Mitleid gezeigt.

Wort für Wort
dhruvaḥ uvāca
Dhruva sprach
saḥ ayam śamaḥ
eben diese Gleichmut (Nom.)
bhagavatā darśitaḥ kṛpayā
von Euch (Instr.) gezeigt (Nom.PPP) aus Mitleid (Instr.)
sukha-duḥkha-hata-ātmanām puṁsām
der Menschen (Gen.Pl.), deren Selbst von Glück und Leid überwältigt ist
durdarśaḥ tu yaḥ
die aber schwer zu erschauen ist (Nom.)
asmat-vidhaiḥ
für Menschen wie uns (Instr.)

athāpi me 'vinītasya kṣāttraṁ ghoram upeyuṣaḥ surucyā durvaco-bāṇair na bhinne śrayate hṛdi

Dennoch weilt sie nicht in meinem Herzen, das, da ich unerzogen bin und den schrecklichen Kṣatriya-Geist angenommen habe, von den Pfeilen der harschen Worte Surucis durchbohrt ist.

Wort für Wort
atha api me avinītasya
dennoch, meinem, des Unerzogenen (Gen.)
kṣāttram ghoram upeyuṣaḥ
der den schrecklichen Kṣatriya-Geist (Akk.) angenommen hat (Gen.Ptz.Perf.)
surucyā durvacaḥ-bāṇaiḥ
durch die Pfeile (Instr.) der harschen Worte (Gen.) Surucis (Gen.)
na bhinne śrayate hṛdi
weilt nicht (3.Sg.Präs.Med.) im durchbohrten Herzen (Lok.)

padaṁ tri-bhuvanotkṛṣṭaṁ jigīṣoḥ sādhu vartma me brūhy asmat-pitṛbhir brahmann anyair apy anadhiṣṭhitam

Nenne mir, o Brahmane, den rechten Weg zu jener über die drei Welten erhabenen Stellung, die weder von unseren Vorvätern noch von anderen jemals eingenommen wurde, da ich danach zu streben begehre.

Wort für Wort
padam tri-bhuvana-utkṛṣṭam
die über die drei Welten (Akk.) erhabene Stellung (Akk.)
jigīṣoḥ sādhu vartma me
für mich, der ich [danach] zu streben begehre (Gen.Ptz.Desid.), den rechten Weg (Akk.) mir (Dat.)
brūhi asmat-pitṛbhiḥ brahman
sage, o Brahmane (Vok.), von unseren Vorvätern (Instr.)
anyaiḥ api anadhiṣṭhitam
auch von anderen (Instr.) nicht eingenommen (Akk.PPP)

nūnaṁ bhavān bhagavato yo 'ṅgajaḥ parameṣṭhinaḥ vitudann aṭate vīṇāṁ hitāya jagato 'rkavat

Gewiss bist du, der du der leibliche Sohn des verehrungswürdigen Brahmā bist, derjenige, der, seine Vīṇā spielend, zum Wohl der Welt umherwandert wie die Sonne.

Wort für Wort
nūnam bhavān
gewiss du (Nom.)
bhagavataḥ parameṣṭhinaḥ yaḥ aṅgajaḥ
der leibliche Sohn (Nom.) des verehrungswürdigen Brahmā (Gen.)
vitudan vīṇām aṭate
spielend (Ppr.) die Vīṇā (Akk.) wanderst du umher (2./3.Sg.Präs.)
hitāya jagataḥ arka-vat
zum Wohl (Dat.) der Welt (Gen.), wie die Sonne (Adv.)

maitreya uvāca ity udāhṛtam ākarṇya bhagavān nāradas tadā prītaḥ pratyāha taṁ bālaṁ sad-vākyam anukampayā

Maitreya sprach: Nachdem der verehrungswürdige Nārada dies vernommen hatte, sprach er, erfreut, aus Mitgefühl gute Worte zu dem Knaben.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
iti udāhṛtam ākarṇya
dies Gesagte (Akk.) vernommen habend (Absolutiv)
bhagavān nāradaḥ tadā
der verehrungswürdige Nārada (Nom.) daraufhin
prītaḥ pratyāha
erfreut (Nom.) antwortete (3.Sg.Perf.)
tam bālam sat-vākyam
dem Knaben (Akk.) gute Worte (Akk.)
anukampayā
aus Mitgefühl (Instr.)

nārada uvāca jananyābhihitaḥ panthāḥ sa vai niḥśreyasasya te bhagavān vāsudevas taṁ bhaja taṁ pravaṇātmanā

Nārada sprach: Der von deiner Mutter genannte Pfad ist wahrlich der zum höchsten Heil für dich; verehre daher den verehrungswürdigen Vāsudeva, Ihn, mit geneigtem [hingegebenem] Sinn.

Wort für Wort
nāradaḥ uvāca
Nārada sprach
jananyā abhihitaḥ panthāḥ
der von der Mutter (Instr.) genannte Pfad (Nom.)
saḥ vai niḥśreyasasya te
dieser ist gewiss der des höchsten Heils (Gen.) für dich (Dat.)
bhagavān vāsudevaḥ tam
der verehrungswürdige Vāsudeva (Nom.), Ihn (Akk.)
bhaja
verehre (Imp.)
taṁ pravaṇa-ātmanā
Ihn mit geneigtem Sinn (Instr.)

dharmārtha-kāma-mokṣākhyaṁ ya icchec chreya ātmanaḥ ekaṁ hy eva hares tatra kāraṇaṁ pāda-sevanam

Wer immer das als Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa benannte Heil der Seele begehrt – dafür ist einzig und allein der Dienst an den Füßen Haris die Ursache.

Wort für Wort
dharma-artha-kāma-mokṣa-ākhyam
das als Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa benannte (Akk.)
yaḥ icchet śreyaḥ ātmanaḥ
wer immer das Heil (Akk.) der Seele (Gen.) begehrte (Opt.)
ekam hi eva hareḥ tatra kāraṇam
dafür ist einzig und allein die Ursache (Nom.) Haris (Gen.)
pāda-sevanam
der Dienst an den Füßen (Nom.)

tat tāta gaccha bhadraṁ te yamunāyās taṭaṁ śuci puṇyaṁ madhuvanaṁ yatra sānnidhyaṁ nityadā hareḥ

Darum, mein Kind, geh – Segen sei mit dir – zum reinen, heiligen Ufer der Yamunā, zum Madhuvana, wo stets die Nähe Haris zu spüren ist.

Wort für Wort
tat tāta gaccha
darum, mein Kind, geh (Imp.)
bhadram te
Segen (Nom.) sei mit dir (Dat.)
yamunāyāḥ taṭam śuci
zum reinen (Akk.) Ufer (Akk.) der Yamunā (Gen.)
puṇyam madhuvanam yatra
zum heiligen Madhuvana (Akk.), wo
sānnidhyam nityadā hareḥ
stets die Nähe (Nom.) Haris (Gen.) [ist]

snātvānusavanaṁ tasmin kālindyāḥ salile śive kṛtvocitāni nivasann ātmanaḥ kalpitāsanaḥ

Bade dort dreimal täglich im heilvollen Wasser der Kālindī, verrichte die gebührenden [Riten], und weile, nachdem du dir einen Sitz bereitet hast, [in Versenkung].

Wort für Wort
snātvā anusavanam tasmin
dort dreimal täglich gebadet habend (Absolutiv)
kālindyāḥ salile śive
im heilvollen Wasser (Lok.) der Kālindī (Gen.)
kṛtvā ucitāni
verrichtet habend (Absolutiv) die gebührenden [Riten] (Akk.)
nivasan
weilend (Ppr., Nom.)
ātmanaḥ kalpita-āsanaḥ
für sich selbst (Gen.) einen bereiteten Sitz habend (Nom.)

prāṇāyāmena tri-vṛtā prāṇendriya-mano-malam śanair vyudasyābhidhyāyen manasā guruṇā gurum

Durch die dreifache Atemkontrolle beseitige allmählich den Schmutz von Lebenshauch, Sinnen und Geist, und meditiere dann mit gefestigtem, gesammeltem Geist über den höchsten Lehrer.

Wort für Wort
prāṇāyāmena tri-vṛtā
durch die dreifache (Instr.) Atemkontrolle (Instr.)
prāṇa-indriya-manaḥ-malam
den Schmutz (Akk.) von Lebenshauch, Sinnen und Geist
śanaiḥ vyudasya
allmählich (Adv.) beseitigt habend (Absolutiv)
abhidhyāyet
er sollte meditieren (Opt.)
manasā guruṇā gurum
mit gefestigtem/gewichtigem Geist (Instr.) über den höchsten Lehrer (Akk.)

prasādābhimukhaṁ śaśvat prasanna-vadanekṣaṇam sunāsaṁ subhruvaṁ cāru- kapolaṁ sura-sundaram

[Meditiere über Ihn, der] stets zur Gnade geneigt ist, dessen Antlitz und Augen heiter sind, der eine schöne Nase, schöne Augenbrauen, liebliche Wangen besitzt und von göttlicher Schönheit ist.

Wort für Wort
prasāda-abhimukham śaśvat
stets (Adv.) zur Gnade geneigt (Akk.)
prasanna-vadana-īkṣaṇam
dessen Antlitz und Blick heiter sind (Akk.)
su-nāsam su-bhruvam
mit schöner Nase, schönen Augenbrauen (Akk.)
cāru-kapolam
mit lieblichen Wangen (Akk.)
sura-sundaram
von göttlicher Schönheit (Akk.)

taruṇaṁ ramaṇīyāṅgam aruṇoṣṭhekṣaṇādharam praṇatāśrayaṇaṁ nṛmṇaṁ śaraṇyaṁ karuṇārṇavam

[Über Ihn, der] jugendlich ist und dessen Glieder anmutig sind, dessen Lippen, Augen und Unterlippe rötlich wie die Morgenröte sind, der den sich Ergebenden Zuflucht gewährt, wohltätig, zufluchtswürdig und ein Ozean des Mitgefühls ist.

Wort für Wort
taruṇam ramaṇīya-aṅgam
jugendlich, mit anmutigen Gliedern (Akk.)
aruṇa-oṣṭha-īkṣaṇa-adharam
mit rötlichen Lippen, Augen und Unterlippe (Akk.)
praṇata-āśrayaṇam nṛmṇam
der den Ergebenen Zuflucht gewährt, wohltätig (Akk.)
śaraṇyam karuṇā-arṇavam
zufluchtswürdig, ein Ozean des Mitgefühls (Akk.)

śrīvatsāṅkaṁ ghana-śyāmaṁ puruṣaṁ vana-mālinam śaṅkha-cakra-gadā-padmair abhivyakta-caturbhujam

[Über] die Höchste Person, gekennzeichnet mit dem Śrīvatsa-Zeichen, von dichter, dunkler Farbe, einen Waldblumenkranz tragend, deren vier Arme durch Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotos kenntlich gemacht sind.

Wort für Wort
śrīvatsa-aṅkam ghana-śyāmam
mit dem Śrīvatsa-Zeichen versehen, dicht-dunkel (Akk.)
puruṣam vana-mālinam
die Höchste Person, einen Waldblumenkranz tragend (Akk.)
śaṅkha-cakra-gadā-padmaiḥ
durch Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotos (Instr.)
abhivyakta-catuḥ-bhujam
deren vier Arme kenntlich gemacht sind (Akk.)

kirīṭinaṁ kuṇḍalinaṁ keyūra-valayānvitam kaustubhābharaṇa-grīvaṁ pīta-kauśeya-vāsasam

[Über Ihn, der] eine Krone und Ohrringe trägt, mit Armreifen und Armbändern geschmückt ist, dessen Hals mit dem Kaustubha-Juwel geziert ist, und der in gelbe Seidengewänder gekleidet ist.

Wort für Wort
kirīṭinam kuṇḍalinam
mit Krone, mit Ohrringen (Akk.)
keyūra-valaya-anvitam
mit Armreifen und Armbändern versehen (Akk.)
kaustubha-ābharaṇa-grīvam
dessen Hals mit dem Kaustubha-Juwel geziert ist (Akk.)
pīta-kauśeya-vāsasam
in gelbe Seidengewänder gekleidet (Akk.)

kāñcī-kalāpa-paryastaṁ lasat-kāñcana-nūpuram darśanīyatamaṁ śāntaṁ mano-nayana-vardhanam

[Über Ihn, dessen Hüfte] von einem Gürtelband kleiner Glöckchen umgeben ist, dessen Füße mit glänzenden goldenen Fußspangen geschmückt sind, überaus anzuschauen, friedvoll, der Geist und Auge erfreut.

Wort für Wort
kāñcī-kalāpa-paryastam
von einem Gürtelband kleiner Glöckchen umgeben (Akk.)
lasat-kāñcana-nūpuram
mit glänzenden goldenen Fußspangen (Akk.)
darśanīya-tamam śāntam
überaus anzuschauen, friedvoll (Akk.)
manaḥ-nayana-vardhanam
der Geist und Auge mehrt/erfreut (Akk.)

padbhyāṁ nakha-maṇi-śreṇyā vilasadbhyāṁ samarcatām hṛt-padma-karṇikā-dhiṣṇyam ākramyātmany avasthitam

[Über Ihn, der] mit den beiden Füßen, die durch die Reihe juwelengleicher Zehennägel erstrahlen und von den Ihn Verehrenden verehrt werden, die Stätte der Herzens-Lotosblüte betreten hat und so im Selbst weilt.

Wort für Wort
padbhyām nakha-maṇi-śreṇyā vilasadbhyām
mit den beiden Füßen (Instr.), die durch die Reihe (Instr.) juwelengleicher Nägel erstrahlen (Instr.Ptz.)
samarcatām
der [Ihn] Verehrenden (Gen.Pl.)
hṛt-padma-karṇikā-dhiṣṇyam ākramya
die Stätte der Herzens-Lotosblüte (Akk.) betreten habend (Absolutiv)
ātmani avasthitam
im Selbst (Lok.) weilend (Akk.)

smayamānam abhidhyāyet sānurāgāvalokanam niyatenaika-bhūtena manasā varadarṣabham

Man sollte über den Lächelnden meditieren, dessen Blick voller Liebe ist, über Ihn, den besten der Gewährer von Segnungen, mit geregeltem, geeintem Geist.

Wort für Wort
smayamānam abhidhyāyet
über den Lächelnden (Akk.) sollte man meditieren (Opt.)
sa-anurāga-avalokanam
dessen Blick voller Liebe ist (Akk.)
niyatena eka-bhūtena manasā
mit geregeltem, geeintem Geist (Instr.)
vara-da-ṛṣabham
den besten der Gewährer von Segnungen (Akk.)

evaṁ bhagavato rūpaṁ subhadraṁ dhyāyato manaḥ nirvṛtyā parayā tūrṇaṁ sampannaṁ na nivartate

So kehrt der Geist dessen, der über die höchst verheißungsvolle Gestalt des Herrn meditiert, sogleich mit höchster [transzendentaler] Freude erfüllt, nicht mehr zurück.

Wort für Wort
evam bhagavataḥ rūpam subhadram
so über die höchst verheißungsvolle (Akk.) Gestalt (Akk.) des Herrn (Gen.)
dhyāyataḥ manaḥ
der Geist (Nom.) dessen, der meditiert (Gen.Ptz.)
nirvṛtyā parayā tūrṇam
mit höchster [transzendentaler] Freude (Instr.) sogleich (Adv.)
sampannam na nivartate
erfüllt (Nom.) kehrt nicht zurück (3.Sg.Präs.)

japaś ca paramo guhyaḥ śrūyatāṁ me nṛpātmaja yaṁ sapta-rātraṁ prapaṭhan pumān paśyati khecarān

Höre nun von mir, o Königssohn, das höchst geheime Mantra, durch dessen siebentägiges Rezitieren ein Mensch die im Himmel Wandelnden erblickt.

Wort für Wort
japaḥ ca paramaḥ guhyaḥ
das höchst geheime Mantra (Nom.)
śrūyatām me nṛpa-ātmaja
werde gehört von mir (Imp.Pass.), o Königssohn (Vok.)
yam sapta-rātram prapaṭhan
das (Akk.) sieben Nächte lang rezitierend (Ppr.)
pumān paśyati khe-carān
ein Mensch (Nom.) erblickt (3.Sg.Präs.) die im Himmel Wandelnden (Akk.)

oṁ namo bhagavate vāsudevāya mantreṇānena devasya kuryād dravyamayīṁ budhaḥ saparyāṁ vividhair dravyair deśa-kāla-vibhāgavit

'Oṁ, Verehrung dem verehrungswürdigen Vāsudeva.' Mit diesem Mantra soll der Weise, kundig der Einteilung nach Ort und Zeit, dem Herrn die aus [materiellen] Gegenständen bestehende Verehrung mit mannigfaltigen Dingen darbringen.

Wort für Wort
oṁ namaḥ bhagavate vāsudevāya
Oṁ, Verehrung (Nom.) dem verehrungswürdigen Vāsudeva (Dat.)
mantreṇa anena devasya
mit diesem Mantra (Instr.), des Herrn (Gen.)
kuryāt dravyamayīm budhaḥ
soll darbringen (Opt.) der Weise (Nom.) die aus Gegenständen bestehende (Akk.)
saparyām vividhaiḥ dravyaiḥ
die Verehrung (Akk.) mit mannigfaltigen Dingen (Instr.)
deśa-kāla-vibhāga-vit
kundig der Einteilung nach Ort und Zeit (Nom.)

salilaiḥ śucibhir mālyair vanyair mūla-phalādibhiḥ śastāṅkurāṁśukaiś cārcet tulasyā priyayā prabhum

Mit reinem Wasser, mit Waldblumen-Girlanden, mit Wurzeln, Früchten und dergleichen, mit erlesenen Sprossen und Rindenstücken sowie mit dem ihm lieben Tulasī[-Blatt] soll man den Herrn verehren.

Wort für Wort
salilaiḥ śucibhiḥ mālyaiḥ vanyaiḥ
mit reinem Wasser, mit Waldblumen-Girlanden (Instr.)
mūla-phala-ādibhiḥ
mit Wurzeln, Früchten und dergleichen (Instr.)
śasta-aṅkura-aṁśukaiḥ ca
und mit erlesenen Sprossen und Rindenstücken (Instr.)
arcet tulasyā priyayā prabhum
soll verehren (Opt.) mit dem lieben (Instr.) Tulasī[-Blatt] (Instr.) den Herrn (Akk.)

labdhvā dravyamayīm arcāṁ kṣity-ambv-ādiṣu vārcayet ābhṛtātmā muniḥ śānto yata-vāṅ mita-vanya-bhuk

Hat man noch keine geeignete materielle Bildgestalt erlangt, so verehre man den Herrn in Erde, Wasser und dergleichen – als beherrschter, friedvoller Weiser, der seine Rede zügelt und sich mäßig von Waldkost nährt.

Wort für Wort
labdhvā dravyamayīm arcām
erlangt habend (Absolutiv) eine materielle Bildgestalt (Akk.)
kṣiti-ambu-ādiṣu vā arcayet
oder in Erde, Wasser und dergleichen (Lok.) soll man verehren (Opt.)
ābhṛta-ātmā muniḥ śāntaḥ
als beherrschter (Nom.) friedvoller Weiser (Nom.)
yata-vāk mita-vanya-bhuk
dessen Rede gezügelt ist, der sich mäßig von Waldkost nährt (Nom.)

'labdhvā ... vā arcayet' im Sinn einer Alternative: fehlt eine Bildgestalt (arcā), verehre man in den Elementen [?].

svecchāvatāra-caritair acintya-nija-māyayā kariṣyaty uttamaślokas tad dhyāyed dhṛdayaṅ-gamam

Über das, was der Herr des erhabenen Lobpreises durch die Taten seiner freiwilligen Inkarnationen mittels seiner unbegreiflichen eigenen Māyā vollbringen wird, soll man als das herzergreifende [Geschehen] meditieren.

Wort für Wort
sva-icchā-avatāra-caritaiḥ
durch die Taten (Instr.) der freiwilligen Inkarnationen
acintya-nija-māyayā
mittels der unbegreiflichen eigenen Māyā (Instr.)
kariṣyati uttama-ślokaḥ
was vollbringen wird (3.Sg.Fut.) der Herr des erhabenen Lobpreises (Nom.)
tat dhyāyet hṛdayam-gamam
über das (Akk.) soll man meditieren (Opt.), das Herzergreifende (Akk.)

paricaryā bhagavato yāvatyaḥ pūrva-sevitāḥ tā mantra-hṛdayenaiva prayuñjyān mantra-mūrtaye

Alle Dienste am Herrn, die zuvor [von den früheren Weisen] geleistet wurden, soll man eben durch das Herz-Mantra dem darbringen, der mit dem Mantra selbst nicht verschieden ist.

Wort für Wort
paricaryāḥ bhagavataḥ
die Dienste (Nom.Pl.) am Herrn (Gen.)
yāvatyaḥ pūrva-sevitāḥ
so viele wie zuvor geleistet wurden (Nom.Pl.)
tāḥ mantra-hṛdayena eva
diese, eben durch das Herz-Mantra (Instr.)
prayuñjyāt mantra-mūrtaye
soll man darbringen (Opt.) dem, der mit dem Mantra nicht verschieden ist (Dat.)

evaṁ kāyena manasā vacasā ca mano-gatam paricaryamāṇo bhagavān bhaktimat-paricaryayā puṁsām amāyināṁ samyag bhajatāṁ bhāva-vardhanaḥ śreyo diśaty abhimataṁ yad dharmādiṣu dehinām

So wird der im Geist gegenwärtige verehrungswürdige Herr durch Körper, Geist und Rede mit hingebungsvollem Dienst verehrt. Und Er, der die [spirituelle] Ekstase mehrt, gewährt den aufrichtigen, vollkommen hingegebenen Menschen jenes ersehnte Heil, das den verkörperten Wesen hinsichtlich Dharma und den übrigen [Lebenszielen] zuteilwird.

Wort für Wort
evam kāyena manasā vacasā ca
so durch Körper, Geist und Rede (Instr.)
manaḥ-gatam paricaryamāṇaḥ
der im Geist gegenwärtige, [so] verehrt werdende (Nom.)
bhagavān bhaktimat-paricaryayā
der verehrungswürdige Herr (Nom.), mit hingebungsvollem Dienst (Instr.)
puṁsām amāyinām samyak bhajatām
der aufrichtigen, vollkommen hingegebenen Menschen (Gen.Pl.)
bhāva-vardhanaḥ
der die [spirituelle] Empfindung/Ekstase mehrt (Nom.)
śreyaḥ diśati abhimatam
das ersehnte Heil (Akk.) gewährt (3.Sg.Präs.)
yat dharma-ādiṣu dehinām
das den verkörperten Wesen (Gen.Pl.) hinsichtlich Dharma und dergleichen (Lok.) [zukommt]

viraktaś cendriya-ratau bhakti-yogena bhūyasā taṁ nirantara-bhāvena bhajetāddhā vimuktaye

Wer der Sinnenlust entsagt hat, sollte Ihn mit reichlichem Bhakti-Yoga, mit ununterbrochener [innerer] Haltung, unmittelbar zum Zweck der Befreiung verehren.

Wort für Wort
viraktaḥ ca indriya-ratau
und der entsagt hat (Nom.) der Sinnenlust (Lok.)
bhakti-yogena bhūyasā
mit reichlichem (Instr.) Bhakti-Yoga (Instr.)
tam nirantara-bhāvena
Ihn (Akk.), mit ununterbrochener Haltung (Instr.)
bhajeta addhā vimuktaye
sollte verehren (Opt.) unmittelbar (Adv.) zur Befreiung (Dat.)

ity uktas taṁ parikramya praṇamya ca nṛpārbhakaḥ yayau madhuvanaṁ puṇyaṁ hareś caraṇa-carcitam

So angesprochen, umschritt der Königsknabe ihn [Nārada], verneigte sich und begab sich zum heiligen Madhuvana, das von den Fußspuren Haris geheiligt ist.

Wort für Wort
iti uktaḥ
so angesprochen (Nom.PPP)
tam parikramya praṇamya ca
ihn umschritten und sich verneigt habend (Absolutiv)
nṛpa-arbhakaḥ yayau
der Königsknabe (Nom.) ging (3.Sg.Perf.)
madhuvanam puṇyam
zum heiligen Madhuvana (Akk.)
hareḥ caraṇa-carcitam
das von den Fußspuren Haris (Gen.) geheiligt ist (Akk.)

tapo-vanaṁ gate tasmin praviṣṭo 'ntaḥ-puraṁ muniḥ arhitārhaṇako rājñā sukhāsīna uvāca tam

Als jener zum Buß-Wald gegangen war, betrat der Weise Nārada das innere Gemach des Palastes; vom König mit gebührender Ehrerbietung empfangen, sprach er, bequem sitzend, zu ihm.

Wort für Wort
tapaḥ-vanam gate tasmin
als jener zum Buß-Wald (Akk.) gegangen war (Lok.abs.)
praviṣṭaḥ antaḥ-puram muniḥ
der Weise (Nom.) betrat (Nom.PPP) das innere Gemach (Akk.)
arhita-arhaṇakaḥ rājñā
mit gebührender Ehrerbietung empfangen (Nom.) vom König (Instr.)
sukha-āsīnaḥ uvāca tam
bequem sitzend (Nom.) sprach er (3.Sg.Perf.) zu ihm (Akk.)

nārada uvāca rājan kiṁ dhyāyase dīrghaṁ mukhena pariśuṣyatā kiṁ vā na riṣyate kāmo dharmo vārthena saṁyutaḥ

Nārada sprach: O König, worüber grübelst du so lange, mit ausgetrocknetem Antlitz? Ist etwa dein sinnliches Verlangen zunichtegegangen, oder deine Pflichterfüllung samt Wohlstand?

Wort für Wort
nāradaḥ uvāca
Nārada sprach
rājan kim dhyāyase dīrgham
o König (Vok.), worüber grübelst du (2.Sg.Präs.) so lange (Adv.)
mukhena pariśuṣyatā
mit dem austrocknenden (Instr.Ptz.) Antlitz (Instr.)
kim vā na riṣyate kāmaḥ
ist etwa das Verlangen (Nom.) zunichtegegangen (3.Sg.Präs.Pass.)
dharmaḥ vā arthena saṁyutaḥ
oder die Pflichterfüllung (Nom.) samt (Nom.) dem Wohlstand (Instr.)

rājovāca suto me bālako brahman straiṇenākaruṇātmanā nirvāsitaḥ pañca-varṣaḥ saha mātrā mahān kaviḥ

Der König sprach: Mein Sohn, o Brahmane, ein fünfjähriger Knabe – ein großer Weiser von Geburt an –, wurde von mir, der ich meiner Frau ergeben und hartherzig bin, samt seiner Mutter verstoßen.

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
sutaḥ me bālakaḥ brahman
mein (Gen.) Sohn (Nom.), das Kind (Nom.), o Brahmane (Vok.)
straiṇena akaruṇa-ātmanā
von mir, dem der Frau Ergebenen (Instr.), dem Hartherzigen (Instr.)
nirvāsitaḥ pañca-varṣaḥ
verstoßen (Nom.PPP), fünfjährig (Nom.)
saha mātrā mahān kaviḥ
samt der Mutter (Instr.), ein großer (Nom.) Weiser (Nom.)

apy anāthaṁ vane brahman mā smādanty arbhakaṁ vṛkāḥ śrāntaṁ śayānaṁ kṣudhitaṁ parimlāna-mukhāmbujam

Fressen ihn wohl, den schutzlosen Knaben im Wald, o Brahmane, nicht etwa die Wölfe – ihn, den erschöpften, dort liegenden, hungrigen, dessen lotosgleiches Antlitz verwelkt ist?

Wort für Wort
api anātham vane brahman
wohl den schutzlosen (Akk.) im Wald (Lok.), o Brahmane (Vok.)
mā sma adanti arbhakam vṛkāḥ
fressen etwa nicht (Neg. + 3.Pl.Präs.) den Knaben (Akk.) die Wölfe (Nom.)
śrāntam śayānam kṣudhitam
den erschöpften, liegenden, hungrigen (Akk.)
parimlāna-mukha-ambujam
dessen lotosgleiches Antlitz verwelkt ist (Akk.)

aho me bata daurātmyaṁ strī-jitasyopadhāraya yo 'ṅkaṁ premṇārurukṣantaṁ nābhyanandam asattamaḥ

Ach, bedenke doch meine Bosheit – ich, der von einer Frau Besiegte –, der ich, der Niederträchtigste, ihn, der aus Liebe auf meinen Schoß zu steigen begehrte, nicht willkommen hieß!

Wort für Wort
aho me bata daurātmyam
ach, meine (Gen.) Bosheit (Akk.) fürwahr
strī-jitasya upadhāraya
bedenke (Imp.) [meine, des] von einer Frau Besiegten (Gen.)
yaḥ aṅkam premṇā ārurukṣantam
ich, der ihn, der aus Liebe (Instr.) auf den Schoß (Akk.) zu steigen begehrte (Akk.Ptz.)
na abhyanandam asattamaḥ
nicht willkommen hieß (1.Sg.Impf.), der Niederträchtigste (Nom.)

nārada uvāca mā mā śucaḥ sva-tanayaṁ deva-guptaṁ viśāmpate tat-prabhāvam avijñāya prāvṛṅkte yad-yaśo jagat

Nārada sprach: Betrübe dich nicht, betrübe dich nicht, o Herrscher über die Menschen, um deinen eigenen Sohn, der von den Göttern beschützt wird – dessen Ruhm sich, ohne dass du seine Macht kenntest, bereits über die ganze Welt verbreitet.

Wort für Wort
nāradaḥ uvāca
Nārada sprach
mā mā śucaḥ sva-tanayam
betrübe dich nicht, betrübe dich nicht (Inj.), um den eigenen Sohn (Akk.)
deva-guptam viśāmpate
der von den Göttern beschützt wird (Akk.), o Herrscher der Menschen (Vok.)
tat-prabhāvam avijñāya
dessen Macht (Akk.), ohne [sie] zu kennen (Absolutiv, negiert)
prāvṛṅkte yat-yaśaḥ jagat
dessen Ruhm (Nom.) sich über die Welt (Akk.) verbreitet (3.Sg.Präs.Med.)

suduṣkaraṁ karma kṛtvā loka-pālair api prabhuḥ aiṣyaty acirato rājan yaśo vipulayaṁs tava

Nachdem er eine selbst für die Weltenhüter äußerst schwer auszuführende Tat vollbracht hat, wird er, der Fähige, o König, unverzüglich zurückkehren und dabei deinen Ruhm mehren.

Wort für Wort
su-duṣkaram karma kṛtvā
eine äußerst schwer auszuführende Tat (Akk.) vollbracht habend (Absolutiv)
loka-pālaiḥ api
auch für die Weltenhüter (Instr.)
prabhuḥ aiṣyati aciritaḥ rājan
der Fähige (Nom.) wird kommen (3.Sg.Fut.) unverzüglich (Adv.), o König (Vok.)
yaśaḥ vipulayan tava
deinen (Gen.) Ruhm (Akk.) mehrend (Ppr.)

maitreya uvāca iti devarṣiṇā proktaṁ viśrutya jagatī-patiḥ rāja-lakṣmīm anādṛtya putram evānvacintayat

Maitreya sprach: Nachdem der Herrscher der Erde dies vom Götterweisen Nārada Gesagte vernommen hatte, achtete er nicht auf den Glanz seines Königreichs, sondern dachte nur an seinen Sohn.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
iti devarṣiṇā proktam
dies vom Götterweisen (Instr.) Gesagte (Akk.)
viśrutya jagatī-patiḥ
vernommen habend (Absolutiv) der Herrscher der Erde (Nom.)
rāja-lakṣmīm anādṛtya
den Königsglanz (Akk.) nicht achtend (Absolutiv)
putram eva anvacintayat
nur an den Sohn (Akk.) dachte er (3.Sg.Impf.)

tatrābhiṣiktaḥ prayatas tām upoṣya vibhāvarīm samāhitaḥ paryacarad ṛṣy-ādeśena pūruṣam

Dort verehrte Dhruva, nachdem er gebadet und, achtsam, jene Nacht fastend verbracht hatte, gesammelt und der Anweisung des Weisen gemäß, die Höchste Person.

Wort für Wort
tatra abhiṣiktaḥ prayataḥ
dort gebadet (Nom.PPP), achtsam (Nom.)
tām upoṣya vibhāvarīm
jene Nacht (Akk.) fastend verbracht habend (Absolutiv)
samāhitaḥ paryacarat
gesammelt (Nom.) verehrte er (3.Sg.Impf.)
ṛṣi-ādeśena pūruṣam
der Anweisung des Weisen gemäß (Instr.) die Höchste Person (Akk.)

Subjekt ist weiterhin Dhruva; die Erzählung kehrt hier von König Uttānapāda zurück zu Dhruvas Askese im Wald [Anm.].

tri-rātrānte tri-rātrānte kapittha-badarāśanaḥ ātma-vṛtty-anusāreṇa māsaṁ ninye 'rcayan harim

Jeweils am Ende von drei Nächten sich von Kapittha- und Beerenfrüchten nährend, verbrachte er, dem Erfordernis seines Leibes entsprechend, den ersten Monat mit der Verehrung Haris.

Wort für Wort
tri-rātra-ante tri-rātra-ante
jeweils am Ende von drei Nächten (Lok.)
kapittha-badara-aśanaḥ
sich von Kapittha- und Beerenfrüchten nährend (Nom.)
ātma-vṛtti-anusāreṇa
dem Erfordernis des [eigenen] Leibes entsprechend (Instr.)
māsam ninye arcayan harim
verbrachte (3.Sg.Aor.Med.) den Monat (Akk.), Hari (Akk.) verehrend (Ppr.)

dvitīyaṁ ca tathā māsaṁ ṣaṣṭhe ṣaṣṭhe 'rbhako dine tṛṇa-parṇādibhiḥ śīrṇaiḥ kṛtānno 'bhyarcayan vibhum

Ebenso verbrachte der Knabe den zweiten Monat, indem er jeden sechsten Tag mit vertrockneten Gräsern und Blättern und dergleichen seine Nahrung bereitete und so den Allmächtigen verehrte.

Wort für Wort
dvitīyam ca tathā māsam
und ebenso den zweiten Monat (Akk.)
ṣaṣṭhe ṣaṣṭhe arbhakaḥ dine
der Knabe (Nom.) an jedem sechsten Tag (Lok.)
tṛṇa-parṇa-ādibhiḥ śīrṇaiḥ
mit vertrockneten Gräsern, Blättern und dergleichen (Instr.)
kṛta-annaḥ abhyarcayan vibhum
seine Nahrung bereitet habend (Nom.), verehrte er (Ppr.) den Allmächtigen (Akk.)

tṛtīyaṁ cānayan māsaṁ navame navame 'hani ab-bhakṣa uttamaślokam upādhāvat samādhinā

Und den dritten Monat verbrachte er, sich an jedem neunten Tag nur von Wasser nährend, in Versenkung dem Herrn des erhabenen Lobpreises zugewandt.

Wort für Wort
tṛtīyam ca ānayan māsam
und den dritten Monat (Akk.) verbringend (Ppr.)
navame navame ahani
an jedem neunten Tag (Lok.)
ap-bhakṣaḥ
sich nur von Wasser nährend (Nom.)
uttama-ślokam upādhāvat samādhinā
dem Herrn des erhabenen Lobpreises (Akk.) zugewandt war (3.Sg.Impf.) in Versenkung (Instr.)

caturtham api vai māsaṁ dvādaśe dvādaśe 'hani vāyu-bhakṣo jita-śvāso dhyāyan devam adhārayat

Auch den vierten Monat trug er durch, indem er sich an jedem zwölften Tag nur von Luft nährte, den Atem beherrschte und, Ihn meditierend, den Herrn im Geist festhielt.

Wort für Wort
caturtham api vai māsam
auch den vierten Monat (Akk.) gewiss
dvādaśe dvādaśe ahani
an jedem zwölften Tag (Lok.)
vāyu-bhakṣaḥ jita-śvāsaḥ
sich nur von Luft nährend, den Atem beherrschend (Nom.)
dhyāyan devam adhārayat
meditierend (Ppr.) hielt er den Herrn (Akk.) fest (3.Sg.Impf.)

pañcame māsy anuprāpte jita-śvāso nṛpātmajaḥ dhyāyan brahma padaikena tasthau sthāṇur ivācalaḥ

Als der fünfte Monat anbrach, stand der Königssohn, den Atem beherrschend, über das Brahman meditierend, auf einem Fuß da, unbeweglich wie ein Pfahl.

Wort für Wort
pañcame māsi anuprāpte
als der fünfte Monat (Lok.) angebrochen war (Lok.abs.)
jita-śvāsaḥ nṛpa-ātmajaḥ
der Königssohn (Nom.), den Atem beherrschend (Nom.)
dhyāyan brahma padā ekena
über das Brahman (Akk.) meditierend (Ppr.), mit einem Fuß (Instr.)
tasthau sthāṇuḥ iva acalaḥ
stand er da (3.Sg.Perf.), unbeweglich (Nom.) wie ein Pfahl (Nom.)

sarvato mana ākṛṣya hṛdi bhūtendriyāśayam dhyāyan bhagavato rūpaṁ nādrākṣīt kiñcanāparam

Nachdem er seinen Geist gänzlich zurückgezogen hatte – die Ruhestätte der Elemente und Sinne im Herzen [gebündelt] –, sah er, über die Gestalt des Herrn meditierend, nichts anderes mehr.

Wort für Wort
sarvataḥ manaḥ ākṛṣya
den Geist (Akk.) gänzlich zurückgezogen habend (Absolutiv)
hṛdi bhūta-indriya-āśayam
die Ruhestätte der Elemente und Sinne (Akk.) im Herzen (Lok.)
dhyāyan bhagavataḥ rūpam
über die Gestalt (Akk.) des Herrn (Gen.) meditierend (Ppr.)
na adrākṣīt kiñcana aparam
sah er nichts anderes mehr (3.Sg.Aor., Akk.)

ādhāraṁ mahad-ādīnāṁ pradhāna-puruṣeśvaram brahma dhārayamāṇasya trayo lokāś cakampire

Als er das Brahman – die Grundlage des Mahat und der übrigen [Kategorien], den Herrn über Pradhāna und Puruṣa – in sich festhielt, erzitterten die drei Welten.

Wort für Wort
ādhāram mahat-ādīnām
die Grundlage (Akk.) des Mahat und der übrigen (Gen.)
pradhāna-puruṣa-īśvaram
den Herrn über Pradhāna und Puruṣa (Akk.)
brahma dhārayamāṇasya
während er das Brahman (Akk.) [in sich] festhielt (Gen.Ptz.)
trayaḥ lokāḥ cakampire
die drei (Nom.) Welten (Nom.) erzitterten (3.Pl.Perf.Med.)

yadaika-pādena sa pārthivārbhakas tasthau tad-aṅguṣṭha-nipīḍitā mahī nanāma tatrārdham ibhendra-dhiṣṭhitā tarīva savyetarataḥ pade pade

Als jener Königsknabe auf einem einzigen Bein dastand, neigte sich, von seinem Großzehen gedrückt, die Erde zur einen Hälfte, gleich einem Boot, das von einem Elefantenfürsten bestiegen wird, bei jedem Schritt abwechselnd nach rechts und links.

Wort für Wort
yadā eka-pādena
als auf einem [einzigen] Bein (Instr.)
saḥ pārthiva-arbhakaḥ tasthau
jener Königsknabe (Nom.) dastand (3.Sg.Perf.)
tat-aṅguṣṭha-nipīḍitā mahī
die von seinem Großzehen gedrückte (Nom.) Erde (Nom.)
nanāma tatra ardham
neigte sich (3.Sg.Perf.) dort zur Hälfte (Akk./Adv.)
ibha-indra-dhiṣṭhitā tarī iva
gleich einem Boot (Nom.), das von einem Elefantenfürsten (Instr.) bestiegen wird (Nom.)
savya-itarataḥ pade pade
abwechselnd nach rechts und links (Adv.) bei jedem Schritt (Lok.)

tasminn abhidhyāyati viśvam ātmano dvāraṁ nirudhyāsum ananyayā dhiyā lokā nirucchvāsa-nipīḍitā bhṛśaṁ sa-loka-pālāḥ śaraṇaṁ yayur harim

Während jener [Dhruva], mit ungeteiltem Sinn, die Öffnungen seines eigenen Selbst und den Lebensatem des Weltganzen zurückhaltend, so meditierte, wandten sich die Welten, heftig vom Ausbleiben des Atems bedrängt, samt ihren Weltenhütern schutzsuchend an Hari.

Wort für Wort
tasmin abhidhyāyati
während jener meditierte (Lok.abs.)
viśvam ātmanaḥ dvāram nirudhya
die Öffnungen (Akk.) des eigenen [und des Welt-]Selbst (Gen.) zurückhaltend (Absolutiv)
asum ananyayā dhiyā
den Lebensatem (Akk.), mit ungeteiltem Sinn (Instr.)
lokāḥ nirucchvāsa-nipīḍitāḥ bhṛśam
die Welten (Nom.), heftig vom Ausbleiben des Atems bedrängt (Nom.)
sa-loka-pālāḥ śaraṇam yayuḥ harim
wandten sich samt den Weltenhütern (Nom.) schutzsuchend (Akk.) an Hari (Akk.); 3.Pl.Perf.

devā ūcuḥ naivaṁ vidāmo bhagavan prāṇa-rodhaṁ carācarasyākhila-sattva-dhāmnaḥ vidhehi tan no vṛjinād vimokṣaṁ prāptā vayaṁ tvāṁ śaraṇaṁ śaraṇyam

Die Götter sprachen: Wir verstehen nicht, o Herr, dieses Anhalten des Lebensatems des Beweglichen und Unbeweglichen, der Stätte alles Seienden. Gewähre uns daher Befreiung von dieser Bedrängnis; wir sind zu dir, dem Zufluchtswürdigen, als Zuflucht gekommen.

Wort für Wort
devāḥ ūcuḥ
die Götter sprachen
na evam vidāmaḥ bhagavan
wir verstehen nicht so, o Herr (Vok.)
prāṇa-rodham cara-acarasya
dieses Anhalten des Atems (Akk.) des Beweglichen und Unbeweglichen (Gen.)
akhila-sattva-dhāmnaḥ
der Stätte alles Seienden (Gen.)
vidhehi tat naḥ vṛjināt vimokṣam
gewähre (Imp.) uns (Dat.) Befreiung (Akk.) von dieser Bedrängnis (Abl.)
prāptāḥ vayam tvām śaraṇam śaraṇyam
gekommen (Nom.) sind wir (Nom.) zu dir (Akk.), als Zuflucht (Akk.), dem Zufluchtswürdigen (Akk.)

śrī-bhagavān uvāca mā bhaiṣṭa bālaṁ tapaso duratyayān nivartayiṣye pratiyāta sva-dhāma yato hi vaḥ prāṇa-nirodha āsīd auttānapādir mayi saṅgatātmā

Der Erhabene Herr sprach: Fürchtet euch nicht; ich werde den Knaben von seiner schwer zu überwindenden Askese abbringen – kehrt zu euren eigenen Wohnstätten zurück. Denn der Sohn Uttānapādas, dessen Selbst ganz in mir aufgegangen ist, war die Ursache eures angehaltenen Lebensatems.

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene Herr sprach
mā bhaiṣṭa
fürchtet euch nicht (Inj.Aor. 2.Pl.)
bālam tapasaḥ duratyayāt
den Knaben (Akk.) von der schwer zu überwindenden (Abl.) Askese (Abl.)
nivartayiṣye
ich werde abbringen (1.Sg.Fut.Med.)
pratiyāta sva-dhāma
kehrt zurück (Imp.) zu euren eigenen Wohnstätten (Akk.)
yataḥ hi vaḥ prāṇa-nirodhaḥ āsīt
denn gewiss war euer (Gen.) Anhalten des Lebensatems (Nom.) [dessentwegen]
auttānapādiḥ mayi saṅgata-ātmā
der Sohn Uttānapādas (Nom.), dessen Selbst in mir (Lok.) aufgegangen ist (Nom.)

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