Kapitel 126
Indra beleidigt seinen geistigen Meister, Bṛhaspati
Quellanomalie: vedabase.io unterlag während des Abrufs einer wiederholten, sehr strengen Ratenbegrenzung (HTTP 429) durch den Zugangsproxy; die Verse mussten daher mit z.T. langen Wartezeiten einzeln nacheinander abgerufen werden, was jedoch bei allen 40 Versen letztlich gelang - kein Vers musste durch eine andere Quelle ersetzt werden. Die Einzelverse 2 und 3 existieren auf vedabase.io nicht als eigene Seiten; sie sind dort zu einem einzigen fortlaufenden Satzgefüge über die Texte 2-8 zusammengefasst (eine Seite für '6.7.2-8'), ebenso sind die Texte 29-30 auf einer gemeinsamen Seite zusammengefasst. Diese Zusammenfassungen entsprechen der Struktur der Quelle selbst (durchlaufende Syntax über mehrere Śloka) und wurden daher als kombinierte Einheiten '2-8' und '29-30' übernommen. Die Wort-für-Wort-Gloss-Tabelle für Vers 37 war auf der abgerufenen Seite intern fehlerhaft angeordnet (Sanskrit- und Deutsch-Spalte liefen syntaktisch auseinander); die Zuordnung wurde anhand der IAST-Satzgrammatik selbständig korrigiert.
Der glückhafte König sprach: Aus welchem Grund wurden die Götter von ihrem eigenen Lehrer verlassen? Berichte dies, o Erhabener - das Fehlverhalten der Schüler gegenüber dem Guru.
śrī-bādarāyaṇir uvāca
indras tribhuvanaiśvarya-madollaṅghita-satpathaḥ
marudbhir vasubhī rudrair ādityair ṛbhubhir nṛpa
viśvedevaiś ca sādhyaiś ca nāsatyābhyāṁ pariśritaḥ
siddha-cāraṇa-gandharvair munibhir brahmavādibhiḥ
vidyādharāpsarobhiś ca kinnaraiḥ patagoragaiḥ
niṣevyamāṇo maghavān stūyamānaś ca bhārata
upagīyamāno lalitam āsthānādhyāsanāśritaḥ
pāṇḍureṇātapatreṇa candra-maṇḍala-cāruṇā
yuktaś cānyaiḥ pārameṣṭhyaiś cāmara-vyajanādibhiḥ
virājamānaḥ paulamyā sahārdhāsanayā bhṛśam
sa yadā paramācāryaṁ devānām ātmanaś ca ha
nābhyanandata samprāptaṁ pratyutthānāsanādibhiḥ
vācaspatiṁ muni-varaṁ surāsura-namaskṛtam
noccacālāsanād indraḥ paśyann api sabhāgatam
Śrī-Bādarāyaṇi sprach: O König, Indra - der durch den Rausch der Herrschaft über die drei Welten den Pfad der Rechtschaffenen überschritten hatte, umgeben von den Maruts, den Vasus, den Rudras, den Ādityas und den Ṛbhus, sowie von den Viśvedevas und den Sādhyas und den beiden Nāsatyas [Aśvins], von Siddhas, Cāraṇas und Gandharvas, von Weisen und Kennern des Brahman, von Vidyādharas und Apsaras, von Kinnaras und geflügelten Schlangenwesen bedient, und, o Bhārata, gepriesen, lieblich besungen, auf dem Thron der Versammlung sitzend, mit einem weißen Schirm, schön wie die Mondscheibe, versehen auch mit anderen königlichen Insignien wie Yakschwanzwedeln und dergleichen, überaus strahlend, gemeinsam mit Paulomī [Śacī], die den halben Sitz mit ihm teilte - er, als er den höchsten Lehrer der Götter und seiner selbst, den angekommenen Vācaspati [Bṛhaspati], den besten der Weisen, der von Göttern und Dämonen verehrt wird, nicht willkommen hieß durch Aufstehen, Anbieten eines Sitzes und dergleichen - Indra erhob sich nicht von seinem Sitz, obwohl er ihn die Versammlung betreten sah.
der durch den Rausch der Herrschaft über die drei Welten den Pfad der Rechtschaffenen überschritten hatte (Nom.Sg., Kompositum)
marudbhiḥ
von den Maruts (Instr.Pl.)
vasubhiḥ
von den Vasus (Instr.Pl.)
rudraiḥ
von den Rudras (Instr.Pl.)
ādityaiḥ
von den Ādityas (Instr.Pl.)
ṛbhubhiḥ
von den Ṛbhus (Instr.Pl.)
nṛpa
o König (Vok.Sg., Anrede an Parīkṣit)
viśvedevaiḥ ca
und von den Viśvedevas (Instr.Pl.)
sādhyaiḥ ca
und von den Sādhyas (Instr.Pl.)
nāsatyābhyām
von den beiden Nāsatyas/Aśvins (Instr.Dual)
pariśritaḥ
umgeben (Nom.Sg., PPP)
siddha-cāraṇa-gandharvaiḥ
von Siddhas, Cāraṇas und Gandharvas (Instr.Pl.)
munibhiḥ
von Weisen (Instr.Pl.)
brahma-vādibhiḥ
von Kennern des Brahman (Instr.Pl.)
vidyādhara-apsarobhiḥ ca
und von Vidyādharas und Apsaras (Instr.Pl.)
kinnaraiḥ
von Kinnaras (Instr.Pl.)
pataga-uragaiḥ
von Vogelwesen und Schlangenwesen (Instr.Pl.)
niṣevyamāṇaḥ
bedient werdend (Nom.Sg., Ptz.Präs.Pass.)
maghavān
Maghavan [Indra] (Nom.Sg.)
stūyamānaḥ ca
und gepriesen werdend (Nom.Sg., Ptz.Präs.Pass.)
bhārata
o Nachkomme Bharatas (Vok.Sg.)
upagīyamānaḥ
besungen werdend (Nom.Sg., Ptz.Präs.Pass.)
lalitam
lieblich (Adv.)
āsthāna-adhyāsana-āśritaḥ
auf dem Thron der Versammlung sitzend (Nom.Sg.)
pāṇḍureṇa ātapatreṇa
mit einem weißen Schirm (Instr.Sg.)
candra-maṇḍala-cāruṇā
schön wie die Mondscheibe (Instr.Sg.)
yuktaḥ ca
und versehen (Nom.Sg.)
anyaiḥ pārameṣṭhyaiḥ
mit anderen königlichen Insignien (Instr.Pl.)
cāmara-vyajana-ādibhiḥ
mit Yakschwanzwedeln und dergleichen (Instr.Pl.)
virājamānaḥ
strahlend (Nom.Sg., Ptz.Präs.)
paulamyā saha
zusammen mit Paulomī [Śacī] (Instr.Sg.)
ardha-āsanayā
die den halben Sitz [teilte] (Instr.Sg.)
bhṛśam
überaus (Adv.)
saḥ yadā
er, als (Nom.Sg. / Konj.)
parama-ācāryam
den höchsten Lehrer (Akk.Sg.)
devānām
der Götter (Gen.Pl.)
ātmanaḥ ca ha
und seiner selbst, wahrlich (Gen.Sg.)
na abhyanandata
hieß nicht willkommen (3.Sg.Impf.)
samprāptam
den Angekommenen (Akk.Sg.)
pratyutthāna-āsana-ādibhiḥ
durch Aufstehen, Sitzanbieten und dergleichen (Instr.Pl.)
vācaspatim
Vācaspati [Bṛhaspati] (Akk.Sg.)
muni-varam
den besten der Weisen (Akk.Sg.)
sura-asura-namaskṛtam
von Göttern und Dämonen verehrt (Akk.Sg.)
na uccacāla āsanāt
erhob sich nicht vom Sitz (3.Sg.Perf. + Abl.Sg.)
indraḥ
Indra (Nom.Sg.)
paśyan api
obwohl sehend (Nom.Sg., Ptz.Präs.)
sabhā-āgatam
der die Versammlung betreten hatte (Akk.Sg.)
Ein einziges, über sieben Śloka (Texte 2-8) durchlaufendes Satzgefüge; auf vedabase.io als gemeinsame Seite '6/7/2-8' geführt, da die Einzelverse 2 und 3 dort keine eigenen Seiten besitzen.
Daraufhin ging der weise Herr, der Sohn des Aṅgiras [Bṛhaspati], plötzlich hinaus und kehrte schweigend in sein eigenes Haus zurück, da er um die Verderbnis wusste, die aus dem Rausch des Wohlstands entsteht.
Wort für Wort
tataḥ
daraufhin (Adv.)
nirgatya
hinausgehend (Absol.)
sahasā
plötzlich (Adv.)
kaviḥ
der Weise (Nom.Sg.)
āṅgirasaḥ
der Sohn des Aṅgiras [Bṛhaspati] (Nom.Sg.)
prabhuḥ
der Herr (Nom.Sg.)
āyayau
kehrte zurück (3.Sg.Perf.)
sva-gṛham
in sein eigenes Haus (Akk.Sg.)
tūṣṇīm
schweigend (Adv.)
vidvān
wissend (Nom.Sg., Ptz.Perf.Akt.)
śrī-mada-vikriyām
die Verderbnis durch den Rausch des Wohlstands (Akk.Sg.)
ko gṛdhyet paṇḍito lakṣmīṁ
tripiṣṭapa-pater api
yayāham āsuraṁ bhāvaṁ
nīto 'dya vibudheśvaraḥ
Welcher Gelehrte würde nach dem Reichtum begehren, und sei es dem des Herrn der drei Himmel [Indra selbst] - durch den ich, der Herr der Weisen, heute in dämonische Gesinnung geführt wurde?
Wort für Wort
kaḥ
wer (Nom.Sg.)
gṛdhyet
würde begehren (3.Sg.Opt.)
paṇḍitaḥ
ein Gelehrter (Nom.Sg.)
lakṣmīm
den Reichtum (Akk.Sg.)
tri-piṣṭa-pa-pateḥ api
selbst des Herrn der drei Himmel [Indra] (Gen.Sg.)
Daher werde ich, ohne Falschheit, den Lehrer der Unsterblichen, den Zweifachgeborenen von unergründlicher Weisheit, gnädig stimmen, indem ich mit meinem Haupt seine Füße berühre.
Während jener Indra so nachdachte, war der mächtige Bṛhaspati bereits von seinem Haus fortgegangen, zu einem unsichtbaren Ziel, durch seine geistige Māyā-Kraft.
Da der mächtige, unabhängige Indra keine Spur des Gurus fand, obwohl er überall suchte, und, umgeben von den Göttern, mit dem Verstand nachsann, erlangte er keinen Frieden des Geistes.
Wort für Wort
guroḥ
des Gurus (Gen.Sg.)
na adhigataḥ saṁjñām
fand keine Spur (Nom.Sg., PPP + Akk.Sg.)
parīkṣan
suchend, prüfend (Nom.Sg., Ptz.Präs.)
bhagavān svarāṭ
der mächtige, unabhängige [Indra] (Nom.Sg.)
dhyāyan dhiyā
mit dem Verstand nachsinnend (Ptz.Präs. + Instr.Sg.)
Sobald sie dies vernommen hatten, unternahmen alle Dämonen, dem Rat des Uśanas [Śukrācārya] folgend, in ihrem Übermut, bewaffnet, Maßnahmen gegen die Götter.
tair visṛṣṭeṣubhis tīkṣṇair
nirbhinnāṅgoru-bāhavaḥ
brahmāṇaṁ śaraṇaṁ jagmuḥ
sahendrā nata-kandharāḥ
An Leib, Schenkeln und Armen durchbohrt von den scharfen Pfeilen, die jene abgeschossen hatten, suchten sie, zusammen mit Indra, mit gesenktem Nacken, Zuflucht bei Brahmā.
Wort für Wort
taiḥ visṛṣṭa-iṣubhiḥ
durch die von ihnen abgeschossenen Pfeile (Instr.Pl.)
śrī-brahmovāca
aho bata sura-śreṣṭhā
hy abhadraṁ vaḥ kṛtaṁ mahat
brahmiṣṭhaṁ brāhmaṇaṁ dāntam
aiśvaryān nābhyanandata
Śrī-Brahmā sprach: Ach, wahrlich, o beste der Götter, ein großes Unheil wurde von euch begangen, da ihr aus [Rausch des] Wohlstands den im Brahman gefestigten, selbstbeherrschten Brāhmaṇa nicht willkommen geheißen habt.
Dies war die Niederlage, die euch, den Wohlhabenden, o Götter, wegen dieses Unrechts durch andere - durch eure eigenen, zuvor geschwächten Feinde - widerfuhr.
Wort für Wort
tasya ayam anayasya
dies, dieses Unrechts (Gen.Sg.)
āsīt
war (3.Sg.Impf.)
parebhyaḥ
durch andere (Abl.Pl.)
vaḥ parābhavaḥ
eure Niederlage (Nom.Sg.)
prakṣīṇebhyaḥ sva-vairibhyaḥ
durch eure zuvor geschwächten eigenen Feinde (Abl.Pl.)
O Maghavan [Indra], sieh die Feinde, die wegen der Missachtung des Gurus geschwächt waren, jetzt aber wieder erstarkt sind, da sie Kāvya [Śukrācārya] mit Hingabe verehrt haben - diese Anhänger des Bhṛgu[-Nachkommen] könnten sogar meine eigene Wohnstatt an sich reißen.
Wort für Wort
maghavan
o Maghavan [Indra] (Vok.Sg.)
dviṣataḥ paśya
sieh die Feinde (Akk.Pl. + 2.Sg.Imp.)
prakṣīṇān
die geschwächten (Akk.Pl.)
guru-atikramāt
wegen der Missachtung des Gurus (Abl.Sg.)
samprati
jetzt (Adv.)
upacitān bhūyaḥ
wieder erstarkten (Akk.Pl.)
kāvyam
Kāvya [Śukrācārya] (Akk.Sg.)
ārādhya bhaktitaḥ
mit Hingabe verehrend (Absol. + Adv.)
ādadīran
sie könnten an sich reißen (3.Pl.Opt.)
nilayanam mama api
sogar meine Wohnstatt (Akk.Sg.)
bhṛgu-devatāḥ
die Anhänger des Bhṛgu[-Nachkommen] (Nom.Pl.)
Der Śloka umfasst sechs Pāda (drei Zeilenpaare), abweichend vom sonst üblichen vierteiligen Anuṣṭubh-Vers.
Was kümmert es jene, deren Ratschluss unerschütterlich ist und die die Lehren der Nachkommen Bhṛgus befolgt haben, schon um das Himmelreich? Denjenigen Königen, die Brāhmaṇas, Govinda und die Kuh als Herren verehren, widerfährt kein Unheil.
Wort für Wort
tri-piṣṭa-pam
das Himmelreich (Akk.Sg.)
kim gaṇayanti
was kümmert es sie (3.Pl.Präs.)
abhedya-mantrāḥ
jene mit unerschütterlichem Ratschluss (Nom.Pl.)
bhṛgūṇām anuśikṣita-arthāḥ
die die Lehren der Nachkommen Bhṛgus befolgt haben (Nom.Pl.)
na
nicht (Neg.)
vipra-govinda-gav-īśvarāṇām
denen, die Brāhmaṇas, Govinda und die Kuh als Herren [verehren] (Gen.Pl.)
tad viśvarūpaṁ bhajatāśu vipraṁ
tapasvinaṁ tvāṣṭram athātmavantam
sabhājito 'rthān sa vidhāsyate vo
yadi kṣamiṣyadhvam utāsya karma
Daher verehrt eilends Viśvarūpa als [euren Guru] - den vollkommenen Brāhmaṇa, den Asketen, den Sohn des Tvaṣṭṛ, und zudem den Selbstbeherrschten; geehrt, wird er eure Anliegen erfüllen, wenn ihr auch sein Tun ertragt.
Śrī-Śuka sprach: O König, sie, von ihrem Kummer befreit, nachdem sie so von Brahmā angesprochen worden waren, traten zu dem Weisen, dem Sohn des Tvaṣṭṛ, umarmten ihn und sprachen dies.
śrī-devā ūcuḥ
vayaṁ te 'tithayaḥ prāptā
āśramaṁ bhadram astu te
kāmaḥ sampādyatāṁ tāta
pitṛṇāṁ samayocitaḥ
Die Götter sprachen: Wir sind als deine Gäste zu deiner Einsiedelei gekommen - Segen sei mit dir! O Sohn, erfülle den der Zeit gemäßen Wunsch der Väter.
putrāṇāṁ hi paro dharmaḥ
pitṛ-śuśrūṣaṇaṁ satām
api putravatāṁ brahman
kim uta brahmacāriṇām
Denn für Söhne, o Brāhmaṇa, ist der Dienst an den Vätern die höchste Pflicht der Rechtschaffenen - selbst für diejenigen, die bereits eigene Söhne haben, wie viel mehr für Brahmacārīs.
Wort für Wort
putrāṇām hi
für Söhne wahrlich (Gen.Pl.)
paraḥ dharmaḥ
die höchste Pflicht (Nom.Sg.)
pitṛ-śuśrūṣaṇam satām
der Dienst der Rechtschaffenen an den Vätern (Nom.Sg.)
Der Lehrer ist die Verkörperung des Brahman [der Veden], der Vater die Verkörperung Prajāpatis, der Bruder die Verkörperung des Herrn der Maruts [Indra], die Mutter unmittelbar der verkörperte Leib der Erde selbst, die Schwester die Verkörperung des Mitgefühls, der eigene Gast selbst die Verkörperung des Dharma, der ins Haus gekommene Gast die Verkörperung Agnis, und alle Lebewesen sind die Verkörperung des Selbst [des Höchsten].
Wort für Wort
ācāryaḥ
der Lehrer (Nom.Sg.)
brahmaṇaḥ mūrtiḥ
die Verkörperung des Brahman/der Veden (Nom.Sg.)
pitā
der Vater (Nom.Sg.)
mūrtiḥ prajāpateḥ
die Verkörperung Prajāpatis (Nom.Sg.)
bhrātā
der Bruder (Nom.Sg.)
marut-pateḥ mūrtiḥ
die Verkörperung des Herrn der Maruts [Indra] (Nom.Sg.)
mātā
die Mutter (Nom.Sg.)
sākṣāt kṣiteḥ tanuḥ
unmittelbar der verkörperte Leib der Erde (Nom.Sg.)
dayāyāḥ bhaginī mūrtiḥ
die Schwester [ist] die Verkörperung des Mitgefühls (Nom.Sg.)
dharmasya ātmā atithiḥ svayam
der eigene Gast ist selbst die Verkörperung des Dharma (Nom.Sg.)
agneḥ abhyāgataḥ mūrtiḥ
der ins Haus gekommene Gast ist die Verkörperung Agnis (Nom.Sg.)
sarva-bhūtāni ca ātmanaḥ
und alle Lebewesen [sind die Verkörperung] des Selbst [des Höchsten] (Nom.Pl.)
Daher, o Sohn, sollst du, indem du durch deine Askese den Kummer der leidenden Väter - die Not der Niederlage durch andere - hinwegnimmst, den Auftrag ausführen.
Wort für Wort
tasmāt
daher (Adv.)
pitṛṇām ārtānām
der leidenden Väter (Gen.Pl.)
ārtim
den Kummer (Akk.Sg.)
para-parābhavam
die Not der Niederlage durch andere (Akk.Sg.)
tapasā
durch Askese (Instr.Sg.)
apanayan
hinwegnehmend (Nom.Sg., Ptz.Präs.)
tāta
o Sohn (Vok.Sg.)
sandeśam kartum arhasi
du sollst den Auftrag ausführen (Inf. + 2.Sg.Präs.)
na garhayanti hy artheṣu
yaviṣṭhāṅghry-abhivādanam
chandobhyo 'nyatra na brahman
vayo jyaiṣṭhyasya kāraṇam
Man tadelt nämlich nicht die Verehrung der Füße eines Jüngeren, wenn es [notwendige] Angelegenheiten betrifft; außer bei den Veda-Hymnen, o Brāhmaṇa, ist das Alter nicht der [alleinige] Grund für den Vorrang.
Der Weise [Śuka] sprach: Von der Schar der Götter um das Priesteramt gebeten, sprach jener Viśvarūpa, groß in Askese, zufrieden, mit sanfter Stimme zu ihnen.
Wort für Wort
śrī-ṛṣiḥ uvāca
der Weise [Śuka] sprach
abhyarthitaḥ sura-gaṇaiḥ
gebeten von der Schar der Götter (Nom.Sg. + Instr.Pl.)
śrī-viśvarūpa uvāca
vigarhitaṁ dharma-śīlair
brahmavarca-upavyayam
kathaṁ nu mad-vidho nāthā
lokeśair abhiyācitam
pratyākhyāsyati tac-chiṣyaḥ
sa eva svārtha ucyate
Śrī-Viśvarūpa sprach: Wie könnte einer meinesgleichen, o Herren, das von den Herrschern der Welten Erbetene - das zwar von den Tugendhaften als Verlust brahmanischer Kraft getadelt wird - ablehnen, da er doch [zugleich] ihr Schüler ist? Eben das nennt man das eigene [wahre] Interesse.
Wort für Wort
śrī-viśvarūpaḥ uvāca
Śrī-Viśvarūpa sprach
vigarhitam dharma-śīlaiḥ
getadelt von den Tugendhaften (Akk.Sg. + Instr.Pl.)
brahma-varcaḥ-upavyayam
als Verlust brahmanischer Kraft (Akk.Sg.)
katham nu
wie denn (Adv.)
mat-vidhaḥ
einer meinesgleichen (Nom.Sg.)
nāthāḥ
o Herren (Vok.Pl.)
loka-īśaiḥ abhiyācitam
das von den Herrschern der Welten Erbetene (Akk.Sg. + Instr.Pl.)
pratyākhyāsyati
wird ablehnen (3.Sg.Fut.)
tat-śiṣyaḥ
wer doch ihr Schüler ist (Nom.Sg.)
saḥ eva sva-arthaḥ ucyate
eben das nennt man das eigene Interesse (Nom.Sg. + 3.Sg.Präs.Pass.)
akiñcanānāṁ hi dhanaṁ śiloñchanaṁ
teneha nirvartita-sādhu-satkriyaḥ
kathaṁ vigarhyaṁ nu karomy adhīśvarāḥ
paurodhasaṁ hṛṣyati yena durmatiḥ
Der Reichtum der Besitzlosen ist wahrlich das Ährenlesen [übriggebliebener Körner]; dadurch habe ich hier alle guten Pflichten der Tugendhaften vollzogen - wie sollte ich also, o ihr Herrscher, das Verwerfliche tun, das Priesteramt, an dem sich der Unverständige erfreut?
Wort für Wort
akiñcanānām hi dhanam
der Reichtum der Besitzlosen wahrlich (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
śila-uñchanam
das Ährenlesen (Nom.Sg.)
tena iha
dadurch hier (Instr.Sg. + Adv.)
nirvartita-sādhu-sat-kriyaḥ
der alle guten Pflichten der Tugendhaften vollzogen hat (Nom.Sg.)
katham vigarhyam nu karomi
wie sollte ich also das Verwerfliche tun (1.Sg.Präs.)
adhīśvarāḥ
o ihr Herrscher (Vok.Pl.)
paurodhasam
das Priesteramt (Akk.Sg.)
hṛṣyati yena durmatiḥ
an dem sich der Unverständige erfreut (3.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
tathāpi na pratibrūyāṁ
gurubhiḥ prārthitaṁ kiyat
bhavatāṁ prārthitaṁ sarvaṁ
prāṇair arthaiś ca sādhaye
Dennoch würde ich nicht widersprechen - wie gering ist schon die Bitte derer, die wie Gurus [für mich] sind! Euren gesamten Wunsch werde ich mit [meinem] Leben und [meinem] Besitz erfüllen.
Wort für Wort
tathā api
dennoch (Adv.)
na pratibrūyām
ich würde nicht widersprechen (1.Sg.Opt.)
gurubhiḥ prārthitam
das von Guru-gleichen Erbetene (Instr.Pl. + Akk.Sg.)
kiyat
wie gering (Adv./Akk.Sg.)
bhavatām prārthitam sarvam
euren gesamten Wunsch (Akk.Sg.)
prāṇaiḥ arthaiḥ ca
mit Leben und Besitz (Instr.Pl.)
sādhaye
werde ich erfüllen (1.Sg.Fut.Med.)
Die auf vedabase.io angezeigte Wort-für-Wort-Tabelle war für diesen Vers offensichtlich fehlerhaft angeordnet (die deutsche Spalte lief nicht Zeile für Zeile mit der IAST-Spalte); die Zuordnung wurde hier anhand der Sanskrit-Wortfolge selbständig richtiggestellt.
Śrī-Bādarāyaṇi sprach: Nachdem er ihnen dies so versprochen hatte, übernahm Viśvarūpa, groß in Askese, von ihnen erwählt, das Priesteramt mit höchster Sammlung.
Der mächtige Viśvarūpa entriss den Feinden der Götter deren Reichtum, der durch die Kunst des Uśanas geschützt war, mit Hilfe des Wissens [Mantras] Viṣṇus und übergab ihn dem großen Indra.
Jenes [Wissen], durch das geschützt der Tausendäugige [Indra], mächtig geworden, die Heerscharen der Dämonen besiegte - das lehrte der großherzige Viśvarūpa dem großen Indra.