Kapitel 113: [?] Jambūdvīpādi-bhū-golādi-varṣa-vibhāga-varṇanam (kein Sanskrit-Kolophon in der Quelle überliefert; IAST-Titel aus dem Kapitelinhalt erschlossen)
Die Erforschung der Struktur des Universums
Śrī Śuka sprach: Hiernach wird, ausgehend von Plakṣa und den übrigen (Inseln), die Einteilung der Länder (varṣa) nach Maß, Merkmal und Gestalt beschrieben.
Diese Jambūdvīpa ist, soweit ihr Maß an Ausdehnung reicht, ebenso weit vom Salzozean umgeben, so wie (der Berg) Meru von der nach Jambū benannten (Insel umgeben ist); der Salzozean wiederum ist von der doppelt so ausgedehnten, nach Plakṣa benannten (Insel) umschlossen, so wie ein Wallgraben von einem äußeren Lustgarten (umgeben ist). Der Plakṣa(-Baum), von der Größe des Jambū(-Baumes), der Namensgeber der Insel, golden emporragend, worin ein siebenzüngiges Feuer weilt - dessen Herrscher, der Sohn Priyavratas namens Idhmajihva, teilte seine Insel in sieben Länder ein und übertrug sie, nach den sieben Ländern benannt, seinen eigenen Söhnen; er selbst zog sich durch die Verbindung mit dem Selbst (ātma-yoga) zurück.
Wort für Wort
jambū-dvīpaḥ
die Insel Jambū (Nom.)
ayam
diese (Nom.)
yāvat-pramāṇa-vistāraḥ
so groß wie ihr Maß an Ausdehnung ist
tāvatā
ebenso groß (Instr.)
kṣāra-udadhinā
vom Salzozean (Instr.)
pariveṣṭitaḥ
umgeben (Part. Perf. Pass.)
yathā
so wie
meruḥ
der Berg Meru (Nom.)
jambū-ākhyena
von der Jambū genannten (Insel) (Instr.)
lavaṇa-udadhiḥ
der Salzozean (Nom.)
api
auch, wiederum
tataḥ
danach
dvi-guṇa-viśālena
vom doppelt so ausgedehnten (Instr.)
plakṣa-ākhyena
von der Plakṣa genannten (Insel) (Instr.)
parikṣiptaḥ
umschlossen (Part.)
yathā parikhā
wie ein Wallgraben
bāhya-upavanena
von einem äußeren Lustgarten (Instr.)
plakṣaḥ
der Plakṣa-Baum (Nom.)
jambū-pramāṇaḥ
von der Größe des Jambū-Baumes
dvīpa-ākhyā-karaḥ
der Namensgeber der Insel
hiraṇmayaḥ
golden, glanzvoll
utthitaḥ
emporragend (Part.)
yatra
worin
agniḥ
ein Feuer (Nom.)
upāste
weilt (3. Sg. Präs.)
sapta-jihvaḥ
mit sieben Zungen (Nom.)
tasya
dessen (Gen.)
adhipatiḥ
der Herrscher (Nom.)
priyavrata-ātmajaḥ
der Sohn Priyavratas
idhma-jihvaḥ
namens Idhmajihva
svam dvīpam
seine eigene Insel (Akk.)
sapta varṣāṇi
sieben Länder (Akk. Pl.)
vibhajya
nachdem er geteilt hatte (Gerundium)
sapta-varṣa-nāmabhyaḥ
denen die Namen der sieben Länder gegeben wurden (Dat.)
ātmajebhyaḥ
seinen eigenen Söhnen (Dat.)
ākalayya
nachdem er übertragen/zugeteilt hatte (Ger.)
svayam
selbst
ātma-yogena
durch die Verbindung mit dem Selbst / hingebungsvollen Dienst (Instr.)
Śiva, Yavasa, Subhadra, Śānta, Kṣema, Amṛta und Abhaya - so (heißen) die Länder. In ihnen sind Berge und Flüsse als je sieben bekannt: Maṇikūṭa, Vajrakūṭa, Indrasena, Jyotiṣmān, Suparṇa, Hiraṇyaṣṭhīva und Meghamāla - so (heißen) die Grenzgebirge; Aruṇā, Nṛmṇā, Āṅgirasī, Sāvitrī, Suptabhātā, Ṛtambharā und Satyambharā - so (heißen) die großen Flüsse. Durch deren Wasser wird, bei Berührung, der Staub der Leidenschaft und der Dunkelheit abgeschüttelt - (dort leben) die vier mit den Namen Haṁsa, Pataṅga, Ūrdhvāyana und Satyāṅga benannten Stände (varṇa), tausend Jahre lebend, den Göttern an Aussehen und Zeugungskraft gleich; sie verehren das Tor zum Himmel, den erhabenen Herrn, der die dreifache Veda-Wissenschaft verkörpert, die Sonne, das Selbst, mittels des dreifachen Wissens (trayī-vidyā).
pratnasya viṣṇo rūpaṁ yat satyasya ṛtasya brahmaṇaḥ amṛtasya ca mṛtyoś ca sūryam ātmānam īmahi iti
'Die Gestalt des uralten Viṣṇu, die des Wahren, des Ṛta (der Wahrheitsordnung), des Brahman, des Unsterblichen und zugleich des Todes - die Sonne, das Selbst, suchen wir auf' - so (sprechen sie).
In den fünf (Inseln), angefangen mit Plakṣa, besitzen die Menschen Lebensdauer, Sinnesvermögen, Vitalkraft, Tatkraft, körperliche Stärke, Verstand und Tapferkeit - all dies besteht bei ihnen allen gleichermaßen als angeborene Vollkommenheit, ohne Unterschied.
So wie Plakṣa von einem ihm selbst gleich (breiten) Zuckerrohrsaft-Ozean umgeben ist, ebenso ist auch die doppelt so große Insel Śālmala, von einem gleich (breiten) Surā(Rauschtrank)-Ozean umgeben, umschlossen.
yatra ha vai śālmalī plakṣāyāmā yasyāṁ vāva kila nilayam āhur bhagavataś chandaḥ-stutaḥ patattri-rājasya sā dvīpa-hūtaye upalakṣyate.
Wo sich fürwahr der Śālmalī(-Baum) befindet, von der Ausdehnung des Plakṣa(-Baumes), in dem, wie man sagt, der Wohnsitz des mächtigen, durch Vedenhymnen gepriesenen Königs der Vögel (Garuḍa) ist - jener (Baum) wird als Namensgeber der Insel erkannt.
Der Herrscher jener Insel, der Sohn Priyavratas namens Yajñabāhu, teilte seinen sieben Söhnen die nach ihnen benannten sieben Länder zu: Surocana, Saumanasya, Ramaṇaka, Deva-varṣa, Pāribhadra, Āpyāyana und Avijñāta.
In ihnen sind je sieben Landesgebirge und Flüsse bekannt: Svarasa, Śataśṛṅga, Vāmadeva, Kunda, Mukunda, Puṣpa-varṣa und Sahasra-śruti; die Flüsse: Anumati, Sinīvālī, Sarasvatī, Kuhū, Rajanī, Nandā und Rākā.
Die Bewohner jener Länder, mit den Namen Śrutadhara, Vīryadhara, Vasundhara und Iṣandhara, verehren mittels des Veda den erhabenen Herrn, das Selbst, in Gestalt des Soma, der aus dem Veda besteht.
'Er, der durch seine eigenen Strahlen den Vätern (Pitṛs) und Göttern zuteilt, in den beiden, der dunklen und der hellen (Monatshälfte) - Soma, der König, die Nahrung aller Geschöpfe, er möge uns gewogen sein' - so (sprechen sie).
Wort für Wort
sva-gobhiḥ
durch seine eigenen Strahlen (Instr.)
pitṛ-devebhyaḥ
den Vätern (Pitṛs) und Göttern (Dat.)
vibhajan
zuteilend (Part. Präs. Akt.)
kṛṣṇa-śuklayoḥ
in der dunklen und der hellen (Monatshälfte) (Lok. Dual)
prajānām sarvāsām
aller Geschöpfe (Gen. Pl.)
rājā
der König (Nom.) [?]
annam
die Nahrung, das Getreide (Nom., appositiv) [?]
somaḥ
Soma (Nom., appositiv zu rājā)
naḥ
uns (Dat.)
āstu
er möge sein/bleiben (Imp. 3. Sg.)
iti
so
[Anm.: Die im Quelltext angezeigte Wortglosse enthielt an dieser Stelle eine offenbar fehlerhafte Transliteration ('andhaḥ'), deren Bedeutung jedoch mit 'food grains' (Nahrung/Getreide) angegeben wurde; dies entspricht sinngemäß 'annam'. Der Sanskrit-Text wurde entsprechend als 'rājānnaṁ' (rājā + annam) rekonstruiert; mit [?] als unsicher zu kennzeichnen.]
So (folgt) außerhalb des Surā-Ozeans, doppelt so groß (wie Śālmala), gleichermaßen umgeben von einem Ghṛta(Butteröl)-Ozean, wie zuvor, die Insel Kuśa, worin ein von den Göttern geschaffener Kuśa-Grasbüschel, der Namensgeber jener Insel, wie ein zweites Feuer durch den Glanz seiner jungen Sprossen die Himmelsrichtungen erstrahlen lässt.
Der Herr jener Insel, o König, ein Sohn Priyavratas, namens Hiraṇyaretas, teilte seine Insel gemäß Anteil seinen sieben eigenen Söhnen zu - mit Namen Vasu, Vasudāna, Dṛḍharuci, Nābhigupta, Stutyavrata, Vivikta und Vāmadeva - und übte er selbst Askese.
In deren Ländern sind je sieben Grenzgebirge und Flüsse bekannt: Cakra, Catuḥśṛṅga, Kapila, Citrakūṭa, Devānīka, Ūrdhvaromā und Draviṇa; die Flüsse: Rasakulyā, Madhukulyā, Mitravindā, Śrutavindā, Devagarbhā, Ghṛtacyutā und Mantramālā.
Mit deren Wasser verehren die Bewohner Kuśadvīpas, mit Namen Kuśala, Kovida, Abhiyukta und Kulaka, mittels Geschicklichkeit im (rituellen) Handeln den erhabenen Herrn in der Gestalt des Feuergottes (Jātaveda).
Wort für Wort
yāsām
mit deren (Wasser) (Gen. Pl. f.)
payobhiḥ
mit dem Wasser (Instr.)
kuśa-dvīpa-okasaḥ
die Bewohner Kuśadvīpas (Nom.)
kuśala, kovida, abhiyukta, kulaka
Kuśala, Kovida, Abhiyukta, Kulaka (Namen)
saṁjñāḥ
so benannt
bhagavantam
den erhabenen Herrn (Akk.)
jātaveda-sa-rūpiṇam
in der Gestalt des Feuergottes Jātaveda
karma-kauśalena
durch Geschicklichkeit im (rituellen) Handeln (Instr.)
'Du, o Jātaveda, bist unmittelbar (die Gestalt) des höchsten Brahman, der Träger der Opfergaben; opfere durch das Opfer dem Puruṣa, dessen Glieder die Götter sind' - so (sprechen sie).
Ebenso (folgt) außerhalb des Ghṛta-Ozeans die doppelt so große Insel Krauñca, ringsum eingerichtet und umgeben von einem ihr eigenen Maß entsprechenden Milch-Ozean, so wie Kuśadvīpa vom Ghṛta-Ozean (umgeben ist); in ihr befindet sich der Bergkönig namens Krauñca, der Urheber des Inselnamens.
yo 'sau guha-praharaṇonmathita-nitamba-kuñjo 'pi kṣīrodenāsicyamāno bhagavatā varuṇenābhigupto vibhayo babhūva
Jener (Berg), dessen Talgebüsche zwar durch die Waffen Guhas (Kārttikeyas) erschüttert wurden, wurde, beständig vom Milch-Ozean benetzt und vom erhabenen Varuṇa beschützt, dennoch furchtlos.
Auch auf jener (Insel) teilte der Sohn Priyavratas namens Ghṛtapṛṣṭha, der Herrscher, seiner Insel sieben Länder zu, setzte darin seine sieben, nach den Söhnen benannten Erben als Herren der Länder ein und begab sich selbst, überaus mächtig, zu den Lotosfüßen Haris, des höchst wohltätig-ruhmreichen, des zum Selbst aller Wesen gewordenen (Herrn).
Āma, Madhuruha, Meghapṛṣṭha, Sudhāmā, Bhrājiṣṭha, Lohitārṇa und Vanaspati - so (heißen) die Söhne Ghṛtapṛṣṭhas. Deren Landesgebirge sind ebenfalls je sieben bekannt, sowie die Flüsse: Śukla, Vardhamāna, Bhojana, Upabarhiṇa, Nanda, Nandana und Sarvatobhadra (Gebirge); Abhayā, Amṛtaughā, Āryakā, Tīrthavatī, Rūpavatī, Pavitravatī und Śuklā (Flüsse).
Deren reines, makelloses Wasser nutzend, verehren die Bewohner der Länder, mit Namen Puruṣa, Ṛṣabha, Draviṇa und Devaka, den aus Wasser bestehenden Gott mit vollen, wassergefüllten Handflächen.
'O Wasser, die ihr die Tatkraft des Puruṣa in euch tragt, ihr reinigt Bhūḥ, Bhuvaḥ und Svaḥ; reinigt uns, ihr Übel-Vernichtenden, durch euer eigenes Wesen die Leiber derer, die (euch) berühren' - so (sprechen sie).
Wort für Wort
āpaḥ
o Wasser (Vok. Pl.)
puruṣa-vīryāḥ
die die Tatkraft des Puruṣa in sich tragen (Vok.)
stha
ihr seid (2. Pl. Präs.)
punantīḥ
reinigend (Part. Präs. Akt. f. Pl.)
bhūḥ-bhuvaḥ-suvaḥ
Bhūḥ, Bhuvaḥ, Svaḥ (die drei Welten, Gen./Akk.)
tāḥ
jene (Wasser) (Nom.)
naḥ
uns (Akk./Dat.)
punīta
reinigt! (Imp. 2. Pl.)
amīva-ghnīḥ
die das Übel/die Krankheit vernichtenden (Vok./Nom. Pl. f.)
So (folgt) jenseits des Milch-Ozeans ringsum gelegen die Insel Śāka, mit einer Ausdehnung von zweiunddreißig Hunderttausend Yojanas, gleichermaßen umgeben vom Dickmilch(dadhi-maṇḍa)-Ozean; in ihr (befindet sich) der Baum namens Śāka, der Namensgeber des ihm eigenen Gebietes, dessen überaus wohlriechender Duft, wahrlich, jene Insel durchduftet.
Wort für Wort
evam
so
purastāt
jenseits, weiter draußen
kṣīra-udāt
vom Milch-Ozean (Abl.)
paritaḥ
ringsum
upaveśitaḥ
gelegen, angesiedelt
śāka-dvīpaḥ
die Insel Śāka (Nom.)
dvā-triṁśat-lakṣa-yojana-āyāmaḥ
mit einer Ausdehnung von 32 Hunderttausend Yojanas
Auch über jene (Insel) herrschte ein Sohn Priyavratas, mit Namen Medhātithi; auch er teilte sieben, nach den Söhnen benannte Länder ein und setzte darin seine eigenen Söhne, mit Namen Purojava, Manojava, Pavamāna, Dhūmrānīka, Citrarepha, Bahurūpa und Viśvadhāra, als Herrscher ein; er selbst, seinen Sinn auf den erhabenen, unendlichen (Herrn) gerichtet, betrat den Wald der Askese.
Deren Grenzgebirge der Länder und Flüsse sind je sieben bekannt: Īśāna, Uruśṛṅga, Balabhadra, Śatakesara, Sahasrasrota, Devapāla und Mahānasa; die Flüsse: Anaghā, Āyurdā, Ubhayaspṛṣṭi, Aparājitā, Pañcapadī, Sahasraśruti und Nijadhṛti.
[Anm.: Der Vers-Text wurde anhand der vollständigeren Wortglosse (die 'sahasra-srutiḥ' und 'nija-dhṛtiḥ' als zusätzliche Flussnamen auswies) zu sieben Flussnamen ergänzt/rekonstruiert, da die abgerufene Transliteration nach 'pañcapadī saha' abzubrechen schien.]
Die Bewohner jener Länder, mit Namen Ṛtavrata, Satyavrata, Dānavrata und Anuvrata, verehren, nachdem sie durch Atemkontrolle (prāṇāyāma) Leidenschaft und Dunkelheit abgeschüttelt haben, mittels höchster Versenkung (samādhi) den erhabenen Herrn in Gestalt des Windes (Vāyu).
Wort für Wort
tat-varṣa-puruṣāḥ
die Bewohner jener Länder (Nom.)
ṛtavrata, satyavrata, dānavrata, anuvrata
Ṛtavrata, Satyavrata, Dānavrata, Anuvrata (Namen)
nāmānaḥ
so benannt
bhagavantam
den erhabenen Herrn (Akk.)
vāyu-ātmakam
der aus dem Wind(gott) besteht
prāṇāyāma
durch Atemkontrolle (Instr., kompositionell)
vidhūta-rajaḥ-tamasaḥ
die Leidenschaft und Dunkelheit abgeschüttelt haben (Nom. Pl.)
antaḥ-praviśya bhūtāni yo bibharty ātma-ketubhiḥ antaryāmīśvaraḥ sākṣāt pātu no yad-vaśe sphuṭam
'Er, der, in die Wesen eingehend, sie durch die ihm eigenen Zeichen (Lebenskräfte) trägt, der innerlich wohnende Herr, der unmittelbare - er möge uns schützen, in dessen Gewalt (die Welt) offenkundig steht' - so (sprechen sie).
evam eva dadhi-maṇḍodāt parataḥ puṣkaradvīpas tato dvi-guṇāyāmaḥ samantata upakalpitaḥ samānena svādūdakena samudreṇa bahir āvṛto yasmin bṛhat-puṣkaraṁ jvalana-śikhāmala-kanaka-patrāyutāyutaṁ bhagavataḥ kamalāsanasyādhyāsanaṁ parikalpitam.
Ebenso (folgt) jenseits des Dickmilch-Ozeans die Insel Puṣkara, doppelt so ausgedehnt, ringsum eingerichtet, außen umgeben von einem gleich (breiten) Süßwasser-Ozean; in ihr befindet sich der große Lotos, mit je zehntausendmal zehntausend makellosen, wie Feuerspitzen goldenen Blütenblättern, der als Sitzplatz des erhabenen, auf dem Lotos thronenden (Brahmā) eingerichtet ist.
Wort für Wort
evam eva
ebenso
dadhi-maṇḍa-udāt
vom Dickmilch(dadhi-maṇḍa)-Ozean (Abl.)
parataḥ
jenseits, weiter draußen
puṣkara-dvīpaḥ
die Insel Puṣkara (Nom.)
tataḥ
als jener (Insel vorangehend)
dvi-guṇa-āyāmaḥ
doppelt so ausgedehnt
samantataḥ
ringsum
upakalpitaḥ
eingerichtet
samānena
mit gleichem (Maß) (Instr.)
svādu-udakena samudreṇa
vom Süßwasser-Ozean (Instr.)
bahiḥ āvṛtaḥ
außen umgeben
yasmin
worin
bṛhat puṣkaram
der große Lotos (Nom.)
jvalana-śikhā-amala-kanaka-patra
mit makellosen, wie Feuerspitzen goldenen Blütenblättern
In der Mitte jener Insel (steht) das einzige, Mānasottara genannte Grenzgebirge zwischen dem diesseitigen und dem jenseitigen Land, mit einer Höhe und Ausdehnung von zehntausend Yojanas; darauf befinden sich in den vier Himmelsrichtungen vier Städte der Weltenhüter, angeführt von Indra; über diesem (Gebirge) bewegt sich, um den Meru kreisend, das dem Jahr entsprechende Rad des Sonnenwagens, im Wechsel von Tag und Nacht der Götter, umlaufend.
Wort für Wort
tat-dvīpa-madhye
in der Mitte jener Insel (Lok.)
mānasottara-nāma
namens Mānasottara
ekaḥ eva
das einzige
arvācīna-parācīna-varṣayoḥ
zwischen dem diesseitigen und jenseitigen Land (Gen. Dual)
maryādā-acalaḥ
das Grenzgebirge (Nom.)
ayuta-yojana-ucchrāya-āyāmaḥ
mit einer Höhe und Ausdehnung von zehntausend Yojanas
Auch der Herrscher jener Insel, ein Sohn Priyavratas, namens Vītihotra, setzte seine zwei Söhne, mit Namen Ramaṇaka und Dhātaki, als Herren der (beiden) Länder ein, und er selbst verharrte, wie seine älteren Brüder, ganz dem (dienenden) Handeln für den erhabenen Herrn hingegeben.
Die Bewohner jenes Landes verehren den erhabenen Herrn in der Gestalt Brahmās durch (auf Frucht) gerichtetes rituelles Handeln, und sie sprechen dieses (folgende) aus:
Wort für Wort
tat-varṣa-puruṣāḥ
die Bewohner jenes Landes (Nom.)
bhagavantam
den erhabenen Herrn (Akk.)
brahma-rūpiṇam
in der Gestalt Brahmās
sa-karmakeṇa karmaṇā
durch (auf Frucht) gerichtetes rituelles Handeln (Instr.)
yat tat karmamayaṁ liṅgaṁ brahma-liṅgaṁ jano 'rcayet ekāntam advayaṁ śāntaṁ tasmai bhagavate nama iti
'Jene durch (rituelles) Handeln erlangbare Gestalt, die die Zeichen des Brahman kundtut, möge der Mensch verehren; dem Einzig-Einen, dem Nichtzweiten, dem Friedvollen - ihm, dem erhabenen Herrn, sei Verehrung' - so (sprechen sie).
Wort für Wort
yat tat
jene, welche
karma-mayam liṅgam
die durch (rituelles) Handeln erlangbare Gestalt (Akk.)
So groß wie der Abstand zwischen Mānasottara und Meru ist, ebenso groß ist ein weiteres goldenes Land, dessen Oberfläche einem Spiegel gleicht; auf ihm wird ein hingeworfener Gegenstand auf keine Weise wiedergefunden; deshalb wurde es von allen Lebewesen gemieden.
lokāloka iti samākhyā yad anenācalena lokālokasyāntarvartināvasthāpyate
'Loka-Aloka' - so lautet die Bezeichnung, weil durch dieses Gebirge, das zwischen (den Bereichen von) Loka und Aloka liegt, (die Grenze) festgelegt wird.
Wort für Wort
lokāloka iti samākhyā
'Loka-Aloka' - so (lautet) die Bezeichnung
yat
weil
anena acalena
durch dieses Gebirge (Instr.)
loka-alokasya antarvartinā
das zwischen Loka und Aloka liegt (Instr., attributiv)
Jenes (Gebirge) wurde am Ende der drei Welten, ringsum, vom Herrn errichtet, so dass die Strahlen der Lichtscharen, angefangen mit der Sonne bis hin zu Dhruva (und den übrigen), die diesseitigen drei Welten durchdringend, niemals imstande sind, jenseits (davon) zu gelangen - so groß ist dessen Höhe und Ausdehnung.
etāvāḻ loka-vinyāso māna-lakṣaṇa-saṁsthābhir vicintitaḥ kavibhiḥ sa tu pañcāśat-koṭi-gaṇitasya bhū-golasya turīya-bhāgo 'yaṁ lokālokācalaḥ.
So groß ist die von den Weisen nach Maß, Merkmal und Gestalt erwogene Anordnung der Welten; dieses Lokāloka-Gebirge aber (bildet) den vierten Teil des mit fünfzig Hundertmillionen (Yojanas) bemessenen Erdenballs (bhū-gola).
Wort für Wort
etāvān
so groß, so viel (Nom.)
loka-vinyāsaḥ
die Anordnung der Welten (Nom.)
māna-lakṣaṇa-saṁsthābhiḥ
nach Maß, Merkmal und Gestalt (Instr.)
vicintitaḥ
erwogen, ermittelt
kavibhiḥ
von den Weisen (Instr.)
saḥ tu
dieses aber
pañcāśat-koṭi-gaṇitasya
des mit fünfzig Hundertmillionen bemessenen (Gen.)
Auf dessen Höhe, in den vier Himmelsrichtungen, wurden von dem Selbstentsprungenen (Brahmā), dem Lehrer des gesamten Universums, jene Elefantenfürsten eingesetzt - Ṛṣabha, Puṣkaracūḍa, Vāmana und Aparājita -, die Ursachen des Bestandes aller Welten.
Zur Mehrung der mannigfaltigen Kraft jener seiner eigenen Erscheinungsformen und der Weltenhüter weilt der erhabene, höchste Puruṣa, der Herr der großen Machtfülle, der innerlich Lenkende, auf jenem herausragenden Berg - umringt von Viṣvaksena und den übrigen besten seiner persönlichen Gefolgsleute, mit seinen eigenen, mit vorzüglichen Waffen geschmückten Armen eine reine, aus lauterer Seinsgüte (viśuddha-sattva) bestehende, durch Rechtschaffenheit, Wissen, Entsagung, Herrschermacht und die (übrigen) acht großen mystischen Vollkommenheiten gekennzeichnete Gestalt seines eigenen Selbst tragend -, ringsum zum Wohle aller Welten.
Wort für Wort
teṣām sva-vibhūtīnām
jener seiner eigenen Erscheinungsformen (Gen.)
loka-pālānām ca
und der Weltenhüter (Gen.)
vividha-vīrya-upabṛṁhaṇāya
zur Mehrung der mannigfaltigen Kraft (Dat.)
bhagavān
der erhabene Herr (Nom.)
parama-mahā-puruṣaḥ
der höchste, große Puruṣa
mahā-vibhūti-patiḥ
der Herr der großen Machtfülle
antaryāmī
der innerlich Lenkende
ātmanaḥ
des eigenen Selbst (Gen.)
viśuddha-sattvam
die aus lauterer Seinsgüte bestehende (Gestalt) (Akk.)
Bis zum Ende des Weltzeitalters nimmt dieser erhabene Herr so eine Gestalt an, um die durch seine eigene Yogamāyā geschaffene mannigfaltige Lebensordnung der Welten zu beschützen - dies ist der Sinn.
Wort für Wort
ā-kalpam
bis zum Ende des Weltzeitalters (Akk., adverbial)
evam veṣam
eine solche Gestalt (Akk.)
gataḥ
angenommen habend (Part. Perf.)
eṣaḥ bhagavān
dieser erhabene Herr (Nom.)
ātma-yoga-māyayā
durch seine eigene Yogamāyā (Instr.)
viracita-vividha-loka-yātrā
die geschaffene mannigfaltige Lebensordnung der Welten
gopīyāya
um zu beschützen (Dat., Gerundiv-artig)
iti arthaḥ
dies ist der Sinn
[Anm.: Der Schluss 'ity arthaḥ' ('dies ist der Sinn') deutet darauf hin, dass es sich hier um eine paraphrasierende Erläuterung (evtl. im Übergang zu Vers 41/42, wie auf vedabase.io abgegrenzt) statt um reinen Wurzeltext handelt; gemäß Aufgabenstellung dennoch als eigene Einheit mit eigenständiger Übersetzung wiedergegeben.]
yo 'ntar-vistāra etena hy aloka-parimāṇaṁ ca vyākhyātaṁ yad bahir lokālokācalāt; tataḥ parastād yogeśvara-gatiṁ viśuddhām udāharanti.
Jene innere Ausdehnung ist hiermit erklärt worden, sowie das Ausmaß des 'Aloka' (Nicht-Welt-Bereichs), der außerhalb des Lokāloka-Gebirges liegt; was jenseits davon (liegt), das bezeichnen sie als den reinen Weg des Herrn der Yogis.
aṇḍa-madhya-gataḥ sūryo dyāv-ābhūmyor yad antaram sūryāṇḍa-golayor madhye koṭyaḥ syuḥ pañca-viṁśatiḥ
Die Sonne befindet sich in der Mitte des (Welten-)Eies; was den Zwischenraum zwischen Himmel und Erde betrifft, so sind es in der Mitte zwischen Sonne und der Eikugel (des Universums) fünfundzwanzig Hundertmillionen (Yojanas).
mṛte 'ṇḍa eṣa etasmin yad abhūt tato mārtaṇḍa iti vyapadeśaḥ; hiraṇyagarbha iti yad dhiraṇyāṇḍa-samudbhavaḥ.
Weil dieser (Sonnengott) in jenem toten Ei entstand, (daher rührt) die Bezeichnung 'Mārtaṇḍa'; (die Bezeichnung) 'Hiraṇyagarbha' (rührt daher), weil er aus dem goldenen Ei hervorging.
sūryeṇa hi vibhajyante diśaḥ khaṁ dyaur mahī bhidā svargāpavargau narakā rasaukāṁsi ca sarvaśaḥ
Durch die Sonne nämlich werden die Himmelsrichtungen, der Luftraum, der Himmel, die Erde in (ihren) Unterteilungen, Himmel und Erlösung, die Höllen sowie die unterirdischen Wohnstätten allesamt eingeteilt.
Der Sonnengott ist die Seele und der Herr des Sehvermögens aller Scharen von Lebewesen - der Götter, Tiere und Menschen, der Kriechtiere zusammen mit den Pflanzen.