Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 141 Hiraṇyakaśipus Plan, unsterblich zu werden

Verse 1-7: IAST und Wort-für-Wort-Gloss-Tabellen von vedabase.io abgerufen (Stand 2026-09-21). vedabase.io fasst dabei die letzte Pada-Zeile des Sanskrit-Verses 6 (GRETIL 07.03.006) mit der ersten Pada-Zeile von Vers 7 (GRETIL 07.03.007) unter „TEXT 6“ zusammen (Grenzverschiebung der Quelle, unveraendert übernommen; siehe notes zu Vers 6). Ab Vers 8 war vedabase.io trotz mehrfacher Wartezyklen (ueber 10 Minuten, mehrere Anlaeufe) dauerhaft mit HTTP 403/429 blockiert (bestaetigt durch den Proxy-Status: wiederholte 'connect_rejected'-Eintraege fuer vedabase.io:443). Gemaess Anweisung wurde daher auf die lokale GRETIL-Quelldatei /mnt/user-data/uploads/3_purana/bhagp/bhp_07u.htm ausgewichen (reiner IAST-Text, Verse 07.03.008-038, kreuzgeprueft mit den erfolgreich abgerufenen Versen 1-7: identischer Wortlaut). Da GRETIL keine englische Wort-für-Wort-Gloss-Tabelle enthaelt, wurden die wfw-Glossen fuer Verse 8-38 eigenstaendig durch morphologische Analyse des Sanskrit-Texts erstellt (nicht von vedabase uebernommen). Die deutsche Übersetzung wurde für alle 38 Verse durchgehend eigenständig aus dem Sanskrit erarbeitet.

śrī-nārada uvāca hiraṇyakaśipū rājann ajeyam ajarāmaram ātmānam apratidvandvam eka-rājaṁ vyadhitsata

Śrī Nārada sprach: O König, Hiraṇyakaśipu wünschte, sich selbst unbesiegbar, alterslos und unsterblich, ohne Rivalen und Gegner, zum alleinigen Herrscher [aller Welten] zu machen.

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
Śrī Nārada sprach
hiraṇyakaśipuḥ
der dämonische König Hiraṇyakaśipu (Nom. Sg.)
rājan
o König [Yudhiṣṭhira] (Vok. Sg.)
ajeyam
unbesiegbar durch jeden Feind (Akk. Sg.)
ajara
ohne Alter oder Krankheit
amaram
unsterblich (Akk. Sg.)
ātmānam
sich selbst (Akk. Sg.)
apratidvandvam
ohne Rivalen oder Gegner (Akk. Sg.)
eka-rājam
den alleinigen König des Universums (Akk. Sg.)
vyadhitsata
wünschte zu werden (3. Sg. Desiderativ-Impf. Med.)

sa tepe mandara-droṇyāṁ tapaḥ parama-dāruṇam ūrdhva-bāhur nabho-dṛṣṭiḥ pādāṅguṣṭhāśritāvaniḥ

Er übte in einem Tal des Mandara-Berges höchst schwere Askese, mit erhobenen Armen, den Blick zum Himmel gerichtet, den Boden nur mit den großen Zehen berührend.

Wort für Wort
saḥ
er (Hiraṇyakaśipu, Nom. Sg.)
tepe
übte (3. Sg. Perfekt Med., tap)
mandara-droṇyām
in einem Tal des Mandara-Berges (Lok. Sg.)
tapaḥ
Askese (Akk. Sg.)
parama-dāruṇam
höchst schwierig/grausam (Akk. Sg.)
ūrdhva-bāhuḥ
mit erhobenen Armen (Nom. Sg.)
nabhaḥ-dṛṣṭiḥ
dessen Blick zum Himmel [gerichtet war] (Nom. Sg.)
pāda-aṅguṣṭha-āśrita-avaniḥ
dessen Boden[berührung] auf den großen Zehen ruhte (Nom. Sg.)

jaṭā-dīdhitibhī reje saṁvartārka ivāṁśubhiḥ tasmiṁs tapas tapyamāne devāḥ sthānāni bhejire

Durch den Glanz seiner verfilzten Asketen-Haare erstrahlte er wie die Sonne der kosmischen Auflösung mit ihren Strahlen; während er diese Askese übte, kehrten die Götter zu ihren eigenen Wohnstätten zurück.

Wort für Wort
jaṭā-dīdhitibhiḥ
durch den Glanz der [verfilzten] Haarsträhnen (Instr. Pl.)
reje
er erstrahlte (3. Sg. Perfekt Med., rāj)
saṁvarta-arkaḥ
die Sonne zur Zeit der [kosmischen] Vernichtung (Nom. Sg.)
iva
wie
aṁśubhiḥ
durch die Strahlen (Instr. Pl.)
tasmin ... tapyamāne
während er (Loc. absolutus) Askese übte
tapaḥ
Askese (Akk. Sg.)
devāḥ
die Götter, die umherwanderten, um sein Tun zu beobachten (Nom. Pl.)
sthānāni
zu ihren [eigenen] Stätten (Akk. Pl.)
bhejire
kehrten zurück (3. Pl. Perfekt Med., bhaj)

tasya mūrdhnaḥ samudbhūtaḥ sadhūmo 'gnis tapomayaḥ tīryag ūrdhvam adho lokān prātapad viṣvag īritaḥ

Aus seinem Haupt entstand ein von Rauch begleitetes, aus der Kraft seiner Askese bestehendes Feuer, das, sich nach allen Seiten ausbreitend, die Welten seitwärts, oberhalb und unterhalb gleichermaßen versengte.

Wort für Wort
tasya mūrdhnaḥ
aus seinem Haupt (Abl./Gen. Sg.)
samudbhūtaḥ
entstanden, hervorgebracht (Nom. Sg. Part.)
sa-dhūmaḥ
mit Rauch (Nom. Sg.)
agniḥ
Feuer (Nom. Sg.)
tapaḥ-mayaḥ
aus [der Kraft der] Askese bestehend (Nom. Sg.)
tīryak
seitwärts
ūrdhvam
nach oben
adhaḥ
nach unten
lokān
die Welten (Akk. Pl.)
prātapat
es versengte (3. Sg. Impf., tap)
viṣvak īritaḥ
sich nach allen Seiten ausbreitend (Nom. Sg. Part.)

cukṣubhur nady-udanvantaḥ sadvīpādriś cacāla bhūḥ nipetuḥ sagrahās tārā jajvaluś ca diśo daśa

Flüsse und Meere gerieten in Aufruhr, die Erde samt ihren Inseln und Bergen erbebte, die Sterne fielen samt den Planeten aus ihren Bahnen, und die zehn Himmelsrichtungen loderten.

Wort für Wort
cukṣubhuḥ
sie gerieten in Aufruhr (3. Pl. Perfekt, kṣubh)
nadī-udanvantaḥ
die Flüsse und Ozeane (Nom. Pl.)
sa-dvīpa-adriḥ
samt Inseln und Bergen (Nom. Sg.)
cacāla
erbebte (3. Sg. Perfekt, cal)
bhūḥ
die Erde (Nom. Sg.)
nipetuḥ
sie fielen (3. Pl. Perfekt, pat)
sa-grahāḥ
samt den Planeten (Nom. Pl.)
tārāḥ
die Sterne (Nom. Pl.)
jajvaluḥ
sie loderten (3. Pl. Perfekt, jval)
ca
auch
diśaḥ daśa
die zehn Himmelsrichtungen (Nom. Pl.)

tena taptā divaṁ tyaktvā brahmalokaṁ yayuḥ surāḥ dhātre vijñāpayām āsur deva-deva jagat-pate daityendra-tapasā taptā divi sthātuṁ na śaknumaḥ

Von diesem Feuer versengt, verließen die Götter den Himmel und begaben sich zur Brahmā-Welt; sie teilten dem Schöpfer mit: „O Gott der Götter, o Herr des Universums! Versengt von der Askese des Daitya-Herrschers vermögen wir nicht länger im Himmel zu verweilen.

Wort für Wort
tena taptāḥ
durch dieses (Feuer) versengt (Nom. Pl. Part.)
divam tyaktvā
nachdem sie den Himmel verlassen hatten (Abs.)
brahma-lokam
zur Welt Brahmās (Akk. Sg.)
yayuḥ
sie gingen (3. Pl. Perfekt, yā)
surāḥ
die Götter (Nom. Pl.)
dhātre
dem Schöpfer [Brahmā] (Dat. Sg.)
vijñāpayām āsuḥ
sie teilten mit (3. Pl. periphr. Perfekt)
deva-deva
o Gott der Götter (Vok. Sg.)
jagat-pate
o Herr des Universums (Vok. Sg.)
daitya-indra-tapasā
durch die Askese des Daitya-Herrschers (Instr. Sg.)
taptāḥ
versengt, geröstet (Nom. Pl. Part.)
divi sthātum
im Himmel zu verweilen (Inf.)
na śaknumaḥ
wir vermögen nicht (1. Pl. Präs.)

Vedabase fasst hier das Ende des Sanskrit-Verses 6 (GRETIL 07.03.006) mit der ersten Zeile von Vers 7 (GRETIL 07.03.007/1) unter „TEXT 6“ zusammen; diese Grenzverschiebung wurde unverändert aus der Quelle übernommen.

tasya copaśamaṁ bhūman vidhehi yadi manyase lokā na yāvan naṅkṣyanti bali-hārās tavābhibhūḥ

Bewirke doch, o Gewaltiger, wenn du es für richtig hältst, ein Ende dieser Askese, solange die Welten, die dir Opfergaben darbringen, o Allüberwinder, noch nicht zugrunde gehen.“

Wort für Wort
tasya
von dieser [Askese] (Gen. Sg.)
ca
und, wahrlich
upaśamam
die Beendigung (Akk. Sg.)
bhūman
o große Persönlichkeit (Vok. Sg.)
vidhehi
bewirke! (2. Sg. Imp.)
yadi manyase
wenn du es für richtig hältst (2. Sg. Präs. Med.)
lokāḥ
die Bewohner der Welten (Nom. Pl.)
na yāvat naṅkṣyanti
solange sie nicht verloren gehen (3. Pl. Fut.)
bali-hārāḥ
die [dir] Opfergaben darbringen (Nom. Pl.)
tava
dir (Gen. Sg.)
abhibhūḥ
o Allüberwinder, Oberhaupt des Universums (Vok. Sg.)

tasyāyaṁ kila saṅkalpaś carato duścaraṁ tapaḥ śrūyatāṁ kiṁ na viditas tavāthāpi niveditam

Dies also ist, wie es heißt, der Entschluss dessen, der schwer auszuführende Askese übt – so höre! Ist er dir nicht ohnehin bekannt? Dennoch sei er dir berichtet.

Wort für Wort
tasya
dessen (Gen. Sg.)
ayam
dieser (Nom. Sg.)
kila
wahrlich, wie es heißt
saṅkalpaḥ
der Entschluss (Nom. Sg.)
carataḥ
dessen, der [Askese] übt (Gen. Sg. Part.)
duścaram
schwer auszuführende (Akk. Sg.)
tapaḥ
Askese (Akk. Sg.)
śrūyatām
es werde gehört! (3. Sg. Imp. Pass.)
kim na
ist [er] nicht etwa...
viditaḥ
bekannt (Nom. Sg. Part.)
tava
dir (Dat./Gen. Sg.)
atha api
dennoch
niveditam
es sei mitgeteilt (Nom./Akk. Sg. Part.)

sṛṣṭvā carācaram idaṁ tapo-yoga-samādhinā adhyāste sarva-dhiṣṇyebhyaḥ parameṣṭhī nijāsanam

Nachdem er durch seine in Askese, Yoga und Versenkung bestehende Kraft dieses Universum mit dem Beweglichen und Unbeweglichen erschaffen hat, thront der Höchste [Brahmā] über allen anderen Wohnstätten auf seinem eigenen Sitz.

Wort für Wort
sṛṣṭvā
nachdem er erschaffen hat (Abs.)
cara-acaram
das Bewegliche und Unbewegliche (Akk. Sg.)
idam
dieses [Universum] (Akk. Sg.)
tapaḥ-yoga-samādhinā
durch [seine] Askese-Yoga-Versenkung (Instr. Sg.)
adhyāste
er thront (3. Sg. Präs. Med.)
sarva-dhiṣṇyebhyaḥ
über allen [anderen] Sitzen (Abl. Pl.)
parameṣṭhī
der Höchste [Brahmā] (Nom. Sg.)
nija-āsanam
seinen eigenen Thron (Akk. Sg.)

tad ahaṁ vardhamānena tapo-yoga-samādhinā kālātmanoś ca nityatvāt sādhayiṣye tathātmanaḥ

Deshalb werde ich mir, gestützt auf meine beständig wachsende, in Askese, Yoga und Versenkung bestehende Kraft, und weil Zeit und Selbst ewig sind, ebenso [jenen Rang] erwirken.

Wort für Wort
tat
deshalb
aham
ich (Nom. Sg.)
vardhamānena
durch [meine] wachsende (Instr. Sg. Part.)
tapaḥ-yoga-samādhinā
Askese-Yoga-Versenkung (Instr. Sg.)
kāla-ātmanoḥ
der Zeit und der Seele (Gen. Dual)
ca
und
nityatvāt
wegen der Ewigkeit (Abl. Sg.)
sādhayiṣye
ich werde erwirken (1. Sg. Fut. Med.)
tathā
ebenso
ātmanaḥ
für mich selbst (Gen. Sg.)

Objekt von „sādhayiṣye“ (der Rang Brahmās) ist elliptisch aus V.9 zu ergänzen [?].

anyathedaṁ vidhāsye 'ham ayathā pūrvam ojasā kim anyaiḥ kāla-nirdhūtaiḥ kalpānte vaiṣṇavādibhiḥ

Anders werde ich dies alles, nicht wie zuvor, durch meine eigene Kraft einrichten. Was nützen mir die anderen – die Anhänger Viṣṇus und die übrigen Götter –, die ohnehin am Ende des Weltzeitalters von der Zeit hinweggerafft werden?

Wort für Wort
anyathā
anders
idam
dieses [Universum] (Akk. Sg.)
vidhāsye
ich werde einrichten (1. Sg. Fut. Med.)
aham
ich
ayathā pūrvam
nicht wie zuvor
ojasā
durch [meine] Kraft (Instr. Sg.)
kim anyaiḥ
was [nützen] die anderen (Instr. Pl.)
kāla-nirdhūtaiḥ
die von der Zeit hinweggerafft werden (Instr. Pl. Part.)
kalpa-ante
am Ende des Weltzeitalters (Lok. Sg.)
vaiṣṇava-ādibhiḥ
mit den Anhängern Viṣṇus und den übrigen (Instr. Pl.)

iti śuśruma nirbandhaṁ tapaḥ paramam āsthitaḥ vidhatsvānantaraṁ yuktaṁ svayaṁ tri-bhuvaneśvara

So haben wir von seiner festen Entschlossenheit gehört – er verharrt in äußerster Askese. Verfüge daher selbst, o Herr der drei Welten, was nun weiter angemessen ist.

Wort für Wort
iti
so
śuśruma
wir haben gehört (1. Pl. Perfekt)
nirbandham
die feste Entschlossenheit (Akk. Sg.)
tapaḥ
Askese (Akk. Sg.)
paramam
höchste (Akk. Sg.)
āsthitaḥ
[er,] ausharrend in (Nom. Sg. Part.)
vidhatsva
verfüge! (2. Sg. Imp. Med.)
anantaram
das Weitere
yuktam
das Angemessene (Akk. Sg.)
svayam
selbst
tri-bhuvana-īśvara
o Herr der drei Welten (Vok. Sg.)

tavāsanaṁ dvija-gavāṁ pārameṣṭhyaṁ jagat-pate bhavāya śreyase bhūtyai kṣemāya vijayāya ca

Dein Thron, o Herr des Universums, ist der höchste Rang, gewährt zum Wohl der Brahmanen und Kühe – zum Wohlergehen, zum Heil, zum Gedeihen, zum Schutz und zum Sieg der Welten.

Wort für Wort
tava
dein (Gen. Sg.)
āsanam
Thron (Nom. Sg.)
dvija-gavām
der Brahmanen und Kühe (Gen. Pl.)
pārameṣṭhyam
der höchste [Rang] (Nom. Sg.)
jagat-pate
o Herr des Universums (Vok. Sg.)
bhavāya
zum Wohl (Dat. Sg.)
śreyase
zum Heil (Dat. Sg.)
bhūtyai
zum Gedeihen (Dat. Sg.)
kṣemāya
zum Schutz (Dat. Sg.)
vijayāya
zum Sieg (Dat. Sg.)
ca
und

iti vijñāpito devair bhagavān ātma-bhūr nṛpa parito bhṛgu-dakṣādyair yayau daityeśvarāśramam

So von den Göttern ersucht, o König, begab sich der Erhabene, der Selbstentstandene [Brahmā], umgeben von Bhṛgu, Dakṣa und den anderen Weisen, zur Einsiedelei des Herrschers der Daityas.

Wort für Wort
iti vijñāpitaḥ
so ersucht (Nom. Sg. Part.)
devaiḥ
von den Göttern (Instr. Pl.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
ātma-bhūḥ
der Selbstentstandene [Brahmā] (Nom. Sg.)
nṛpa
o König (Vok. Sg.)
paritaḥ
umgeben von
bhṛgu-dakṣa-ādyaiḥ
von Bhṛgu, Dakṣa und den übrigen (Instr. Pl.)
yayau
er begab sich (3. Sg. Perfekt)
daitya-īśvara-āśramam
zur Einsiedelei des Daitya-Herrschers (Akk. Sg.)

na dadarśa praticchannaṁ valmīka-tṛṇa-kīcakaiḥ pipīlikābhir ācīrṇaṁ medas-tvaṅ-māṁsa-śoṇitam

Er sah ihn zunächst nicht, so sehr war er verborgen von Ameisenhügel, Gras und Bambusrohr, seine Haut, sein Fleisch, Fett und Blut von Ameisen benagt.

Wort für Wort
na dadarśa
er sah nicht (3. Sg. Perfekt)
praticchannam
verborgen (Akk. Sg. Part.)
valmīka-tṛṇa-kīcakaiḥ
von Ameisenhügel, Gras und Bambusrohr (Instr. Pl.)
pipīlikābhiḥ
von Ameisen (Instr. Pl.)
ācīrṇam
benagt, verzehrt (Akk. Sg. Part.)
medaḥ-tvak-māṁsa-śoṇitam
[an] Fett, Haut, Fleisch und Blut (Akk. Sg.)

tapantaṁ tapasā lokān yathābhrāpihitaṁ ravim vilakṣya vismitaḥ prāha hasaṁs taṁ haṁsa-vāhanaḥ

Als er ihn erblickte, der mit seiner Askese die Welten versengte, gleich der selbst von Wolken verdeckten Sonne, sprach der auf dem Schwan reitende Brahmā, erstaunt und lächelnd, zu ihm:

Wort für Wort
tapantam
[ihn,] der versengte (Akk. Sg. Part.)
tapasā
durch [seine] Askese (Instr. Sg.)
lokān
die Welten (Akk. Pl.)
yathā
wie
abhra-apihitam
von Wolken verdeckt (Akk. Sg.)
ravim
die Sonne (Akk. Sg.)
vilakṣya
nachdem er erblickt hatte (Abs.)
vismitaḥ
erstaunt (Nom. Sg.)
prāha
er sprach (3. Sg. Perfekt)
hasan
lächelnd (Nom. Sg. Part.)
tam
zu ihm (Akk. Sg.)
haṁsa-vāhanaḥ
der auf dem Schwan Reitende [Brahmā] (Nom. Sg.)

śrī-brahmā uvāca uttiṣṭhottiṣṭha bhadraṁ te tapaḥ-siddho 'si kāśyapa varado 'ham anuprāpto vriyatām īpsito varaḥ

Śrī Brahmā sprach: Erhebe dich, erhebe dich, Heil dir! Du bist durch Askese vollendet, o Sohn des Kaśyapa. Ich, der Gewährer von Gaben, bin herbeigekommen – wähle die gewünschte Gabe!

Wort für Wort
śrī-brahmā uvāca
Śrī Brahmā sprach
uttiṣṭha uttiṣṭha
erhebe dich, erhebe dich! (2. Sg. Imp.)
bhadram te
Heil dir
tapaḥ-siddhaḥ
durch Askese vollendet (Nom. Sg.)
asi
du bist
kāśyapa
o Sohn Kaśyapas (Vok. Sg.)
vara-daḥ
der Gabenspender (Nom. Sg.)
aham
ich
anuprāptaḥ
herbeigekommen (Nom. Sg. Part.)
vriyatām
es werde gewählt (3. Sg. Imp. Pass.)
īpsitaḥ
der gewünschte (Nom. Sg.)
varaḥ
die Gabe (Nom. Sg.)

adrākṣam aham etaṁ te hṛt-sāraṁ mahad adbhutam daṁśa-bhakṣita-dehasya prāṇā hy asthiṣu śerate

Ich habe diese deine große, erstaunliche Herzensstärke gesehen: obwohl dein Leib von Insekten zerfressen wurde, ruhen deine Lebenskräfte fürwahr noch in deinen Knochen.

Wort für Wort
adrākṣam
ich habe gesehen (1. Sg. Aorist)
aham
ich
etam
diese (Akk. Sg.)
te
deine (Gen. Sg.)
hṛt-sāram
Herzensstärke (Akk. Sg.)
mahat
große
adbhutam
erstaunliche
daṁśa-bhakṣita-dehasya
dessen Leib von Insekten gefressen wurde (Gen. Sg.)
prāṇāḥ
die Lebenskräfte (Nom. Pl.)
hi
fürwahr
asthiṣu
in den Knochen (Lok. Pl.)
śerate
sie ruhen (3. Pl. Präs. Med.)

naitat pūrvarṣayaś cakrur na kariṣyanti cāpare nirambur dhārayet prāṇān ko vai divya-samāḥ śatam

Dies haben selbst die früheren Weisen nicht vollbracht, noch werden andere es künftig tun – wer könnte fürwahr, ohne Wasser zu sich zu nehmen, hundert Götterjahre lang seine Lebenskräfte bewahren?

Wort für Wort
na etat
nicht dies
pūrva-ṛṣayaḥ
die früheren Weisen (Nom. Pl.)
cakruḥ
sie vollbrachten (3. Pl. Perfekt)
na kariṣyanti
sie werden nicht tun (3. Pl. Fut.)
ca apare
und andere
niḥ-ambu
ohne Wasser
dhārayet
er könnte bewahren (3. Sg. Optativ)
prāṇān
die Lebenskräfte (Akk. Pl.)
kaḥ
wer
vai
fürwahr
divya-samāḥ śatam
hundert Götterjahre (Akk. Pl.)

vyavasāyena te 'nena duṣkareṇa manasvinām tapo-niṣṭhena bhavatājito 'haṁ diti-nandana

Durch diese deine Entschlossenheit, die selbst für Willensstarke schwer auszuführen ist, durch diese in Askese verankerte Entschlossenheit bin ich von dir bezwungen worden, o Sohn der Diti.

Wort für Wort
vyavasāyena
durch [diese] Entschlossenheit (Instr. Sg.)
te
deine (Gen. Sg.)
anena
durch diese (Instr. Sg.)
duṣkareṇa
schwer auszuführende (Instr. Sg.)
manasvinām
selbst für die Willensstarken (Gen. Pl.)
tapaḥ-niṣṭhena
in Askese verankerte (Instr. Sg.)
bhavatā
von dir (Instr. Sg.)
ajitaḥ
besiegt (Nom. Sg.)
aham
ich
diti-nandana
o Sohn der Diti (Vok. Sg.)

tatas ta āśiṣaḥ sarvā dadāmy asura-puṅgava martasya te hy amartasya darśanaṁ nāphalaṁ mama

Daher gebe ich dir alle gewünschten Segnungen, o Bester der Asuras; denn der Anblick meiner – eines Unsterblichen – ist für dich, einen Sterblichen, nicht fruchtlos.

Wort für Wort
tataḥ
daher
te
dir (Dat. Sg.)
āśiṣaḥ
Segnungen (Akk. Pl.)
sarvāḥ
alle
dadāmi
ich gebe (1. Sg. Präs.)
asura-puṅgava
o Bester der Asuras (Vok. Sg.)
martasya
eines Sterblichen (Gen. Sg.)
te
dein (Gen. Sg.)
hi
denn
amartasya
eines Unsterblichen (Gen. Sg.)
darśanam
der Anblick (Nom. Sg.)
na aphalam
nicht fruchtlos
mama
mein (Gen. Sg.)

śrī-nārada uvāca ity uktvādi-bhavo devo bhakṣitāṅgaṁ pipīlikaiḥ kamaṇḍalu-jalenaukṣad divyenāmogha-rādhasā

Śrī Nārada sprach: Nachdem der urerst-entstandene Gott [Brahmā] so gesprochen hatte, besprengte er ihn, dessen Glieder von den Ameisen zerfressen waren, mit dem göttlichen, unfehlbar wirksamen Wasser seines Kruges.

Wort für Wort
śrī-nārada uvāca
Śrī Nārada sprach
iti uktvā
nachdem er so gesprochen hatte (Abs.)
ādi-bhavaḥ
der Urerst-Entstandene (Nom. Sg.)
devaḥ
der Gott (Nom. Sg.)
bhakṣita-aṅgam
[ihn,] dessen Glieder zerfressen waren (Akk. Sg.)
pipīlikaiḥ
von den Ameisen (Instr. Pl.)
kamaṇḍalu-jalena
mit dem Wasser [seines] Kruges (Instr. Sg.)
aukṣat
er besprengte (3. Sg. Imperfekt)
divyena
mit dem göttlichen (Instr. Sg.)
amogha-rādhasā
mit dem unfehlbar wirksamen [Wasser] (Instr. Sg.)

sa tat kīcaka-valmīkāt sahojo-balānvitaḥ sarvāvayava-sampanno vajra-saṁhanano yuvā utthitas tapta-hemābho vibhāvasur ivaidhasaḥ

Daraufhin erhob er sich aus dem Bambusrohr-Ameisenhügel, zugleich mit neuer Kraft und Stärke ausgestattet, mit allen Gliedern vollständig wiederhergestellt, von diamantgleichem Körperbau, ein Jüngling, im Glanz geschmolzenen Goldes erstrahlend, wie Feuer aus dem Brennholz hervortretend.

Wort für Wort
saḥ
er
tat
daraufhin
kīcaka-valmīkāt
aus dem Bambusrohr-Ameisenhügel (Abl. Sg.)
saha ojaḥ-bala-anvitaḥ
zugleich mit Kraft und Stärke ausgestattet (Nom. Sg.)
sarva-avayava-sampannaḥ
mit allen Gliedern vollständig [wiederhergestellt] (Nom. Sg.)
vajra-saṁhananaḥ
mit diamantgleichem Körperbau (Nom. Sg.)
yuvā
ein Jüngling (Nom. Sg.)
utthitaḥ
hervorgetreten (Nom. Sg. Part.)
tapta-hema-ābhaḥ
im Glanz geschmolzenen Goldes (Nom. Sg.)
vibhāvasuḥ iva
wie das Feuer
edhasaḥ
aus dem Brennholz (Abl. Sg.)

sa nirīkṣyāmbare devaṁ haṁsa-vāham upasthitam nanāma śirasā bhūmau tad-darśana-mahotsavaḥ

Als er am Himmel den auf dem Schwan reitenden Gott erblickte, der sich dort eingefunden hatte, verneigte er sich mit dem Haupt zur Erde, denn dessen Anblick war ihm ein großes Freudenfest.

Wort für Wort
saḥ
er
nirīkṣya
nachdem er erblickt hatte (Abs.)
ambare
am Himmel (Lok. Sg.)
devam
den Gott (Akk. Sg.)
haṁsa-vāham
den auf dem Schwan Reitenden (Akk. Sg.)
upasthitam
anwesenden (Akk. Sg. Part.)
nanāma
er verneigte sich (3. Sg. Perfekt)
śirasā
mit dem Haupt (Instr. Sg.)
bhūmau
zur Erde (Lok. Sg.)
tat-darśana-mahā-utsavaḥ
[er, für den] dessen Anblick ein großes Freudenfest war (Nom. Sg.)

utthāya prāñjaliḥ prahva īkṣamāṇo dṛśā vibhum harṣāśru-pulakodbhedo girā gadgadayāgṛṇāt

Nachdem er sich erhoben hatte, mit gefalteten Händen, demütig geneigt, mit seinem Blick den Erhabenen betrachtend, den Körper von Freudentränen und Haarsträuben durchzogen, sprach er mit stockender Stimme:

Wort für Wort
utthāya
nachdem er sich erhoben hatte (Abs.)
prāñjaliḥ
mit gefalteten Händen (Nom. Sg.)
prahvaḥ
demütig geneigt (Nom. Sg.)
īkṣamāṇaḥ
blickend (Nom. Sg. Part.)
dṛśā
mit [seinem] Blick (Instr. Sg.)
vibhum
auf den Erhabenen (Akk. Sg.)
harṣa-aśru-pulaka-udbhedaḥ
[bei dem] Freudentränen und Haarsträuben hervorbrachen (Nom. Sg.)
girā
mit [seiner] Stimme (Instr. Sg.)
gadgadayā
stockender (Instr. Sg.)
agṛṇāt
er sprach (3. Sg. Imperfekt)

śrī-hiraṇyakaśipur uvāca kalpānte kāla-sṛṣṭena yo 'ndhena tamasāvṛtam abhivyanag jagad idaṁ svayañ-jyotiḥ sva-rociṣā

Śrī Hiraṇyakaśipu sprach: Verehrung dem, der am Ende des Weltzeitalters dieses von der zeitgeschaffenen, blinden Finsternis eingehüllte Universum durch seinen eigenen Glanz, selbstleuchtend, wieder sichtbar machte,

Wort für Wort
śrī-hiraṇyakaśipuḥ uvāca
Śrī Hiraṇyakaśipu sprach
kalpa-ante
am Ende des Weltzeitalters (Lok. Sg.)
kāla-sṛṣṭena
durch die von der Zeit hervorgebrachte (Instr. Sg.)
yaḥ
welcher [Gott] (Nom. Sg.)
andhena tamasā
durch blinde Finsternis (Instr. Sg.)
āvṛtam
das bedeckte (Akk. Sg. Part.)
abhivyanak
er offenbarte (3. Sg. Wurzelaorist)
jagat idam
dieses Universum (Akk. Sg.)
svayam-jyotiḥ
selbstleuchtend (Nom. Sg.)
sva-rociṣā
mit dem eigenen Glanz (Instr. Sg.)

Der Verehrungssatz erstreckt sich syntaktisch über die Verse 26–28 (namaḥ am Ende von V.28).

ātmanā tri-vṛtā cedaṁ sṛjaty avati lumpati rajaḥ-sattva-tamo-dhāmne parāya mahate namaḥ

– der mit seiner eigenen, dreifach gewundenen Kraft der drei Erscheinungsweisen dieses Universum erschafft, erhält und vernichtet – Verehrung dem Höchsten, dem Großen, der Grundlage von Rajas, Sattva und Tamas!

Wort für Wort
ātmanā
durch sich selbst (Instr. Sg.)
tri-vṛtā
die dreifach gewundene [Kraft der Guṇas] (Instr. Sg.)
ca
und
idam
dieses (Akk. Sg.)
sṛjati
er erschafft (3. Sg. Präs.)
avati
er erhält (3. Sg. Präs.)
lumpati
er vernichtet (3. Sg. Präs.)
rajaḥ-sattva-tamaḥ-dhāmne
dem Sitz von Rajas, Sattva und Tamas (Dat. Sg.)
parāya
dem Höchsten (Dat. Sg.)
mahate
dem Großen (Dat. Sg.)
namaḥ
Verehrung

nama ādyāya bījāya jñāna-vijñāna-mūrtaye prāṇendriya-mano-buddhi- vikārair vyaktim īyuṣe

Verehrung dem Uranfänglichen, dem Samen aller Dinge, dessen Wesen aus Wissen und Erkenntnis besteht, der durch die Wandlungen von Lebensatem, Sinnen, Geist und Verstand zur Erscheinung gelangt ist!

Wort für Wort
namaḥ
Verehrung
ādyāya
dem Uranfänglichen (Dat. Sg.)
bījāya
dem Samen (Dat. Sg.)
jñāna-vijñāna-mūrtaye
dessen Gestalt aus Wissen und Erkenntnis besteht (Dat. Sg.)
prāṇa-indriya-manaḥ-buddhi-vikāraiḥ
durch die Wandlungen von Lebensatem, Sinnen, Geist und Verstand (Instr. Pl.)
vyaktim
zur Erscheinung (Akk. Sg.)
īyuṣe
dem Gelangten (Dat. Sg. Part.)

tvam īśiṣe jagatas tasthuṣaś ca prāṇena mukhyena patiḥ prajānām cittasya cittair manaindriyāṇāṁ patir mahān bhūta-guṇāśayeśaḥ

Du herrschst über das Bewegliche und das Unbewegliche als der vornehmste Lebensatem, du bist der Herr der Geschöpfe; du bist der Herr des individuellen Bewusstseins durch dein eigenes Bewusstsein, der Herr von Geist und Sinnen, der Große, der Gebieter über die Elemente, die Eigenschaften und die inneren Neigungen.

Wort für Wort
tvam
du
īśiṣe
du herrschst (2. Sg. Präs. Med.)
jagataḥ
über das Bewegliche (Gen. Sg.)
tasthuṣaḥ
und über das Unbewegliche (Gen. Sg. Part.)
ca
und
prāṇena mukhyena
als der vornehmste Lebensatem (Instr. Sg.)
patiḥ prajānām
der Herr der Geschöpfe (Nom. Sg.)
cittasya
des [individuellen] Bewusstseins (Gen. Sg.)
cittaiḥ
durch [dein] Bewusstsein (Instr. Pl.)
manaḥ-indriyāṇām
von Geist und Sinnen (Gen. Pl.)
patiḥ
der Herr
mahān
der Große
bhūta-guṇa-āśaya-īśaḥ
der Gebieter über Elemente, Eigenschaften und Neigungen (Nom. Sg.)

„cittasya cittaiḥ“ ist elliptisch/schwer eindeutig auflösbar [?]; hier als „Herr des Bewusstseins durch [sein eigenes] Bewusstsein“ gedeutet.

tvaṁ sapta-tantūn vitanoṣi tanvā trayyā catur-hotraka-vidyayā ca tvam eka ātmātmavatām anādir ananta-pāraḥ kavir antarātmā

Du vollziehst die sieben Opfer-Fäden mit deiner Gestalt, bestehend aus der dreifachen vedischen Weisheit und der Wissenschaft der vier Opferpriester; du allein bist die Seele der Selbstbeherrschten, ohne Anfang, ohne Ende, der Seher, die innere Seele aller Wesen.

Wort für Wort
tvam
du
sapta-tantūn
die sieben [Opfer-]Fäden (Akk. Pl.)
vitanoṣi
du vollziehst (2. Sg. Präs.)
tanvā
mit [deiner] Gestalt (Instr. Sg.)
trayyā
der dreifachen [vedischen Weisheit] (Instr. Sg.)
catuḥ-hotraka-vidyayā
mit der Wissenschaft der vier Opferpriester (Instr. Sg.)
ca
und
tvam ekaḥ
du allein
ātmā
die Seele
ātmavatām
der Selbstbeherrschten (Gen. Pl.)
anādiḥ
ohne Anfang
ananta-pāraḥ
ohne Ende
kaviḥ
der Seher
antarātmā
die innere Seele

tvam eva kālo 'nimiṣo janānām āyur-lavādy-avayavaiḥ kṣiṇoṣi kūṭastha ātmā parameṣṭhy ajo mahāṁs tvaṁ jīva-lokasya ca jīva ātmā

Du allein bist die unaufhörlich wache Zeit, die das Leben der Geschöpfe mit dessen Teilen wie Augenblicken usw. verringert; du bist das unveränderliche Selbst, der Höchste, der Ungeborene, der Große, und du bist zugleich die individuelle Lebensseele der Welt der Lebewesen.

Wort für Wort
tvam eva
du allein
kālaḥ
die Zeit
animiṣaḥ
unaufhörlich wach
janānām
der Geschöpfe (Gen. Pl.)
āyuḥ
die Lebenszeit (Akk. Sg.)
lava-ādi-avayavaiḥ
mit Teilen wie Augenblicken usw. (Instr. Pl.)
kṣiṇoṣi
du lässt schwinden (2. Sg. Präs.)
kūṭa-sthaḥ
unveränderlich (Nom. Sg.)
ātmā
das Selbst
parameṣṭhī
der Höchste
ajaḥ
der Ungeborene
mahān
der Große
tvam
du
jīva-lokasya
der Welt der Lebewesen (Gen. Sg.)
ca
und
jīva-ātmā
die individuelle Lebensseele (Nom. Sg.)

tvattaḥ paraṁ nāparam apy anejad ejac ca kiñcid vyatiriktam asti vidyāḥ kalās te tanavaś ca sarvā hiraṇyagarbho 'si bṛhat tri-pṛṣṭhaḥ

Außer dir gibt es weder ein Höheres noch ein Niedrigeres, nichts Bewegliches oder Unbewegliches, das von dir verschieden wäre; die heiligen Wissenschaften, die Künste sind deine, und alle diese Erscheinungsformen sind deine Körper – du bist Hiraṇyagarbha, der Gewaltige, der über den drei Welten Thronende.

Wort für Wort
tvattaḥ
außer dir (Abl. Sg.)
param
Höheres
na
nicht
aparam api
auch nicht Niedrigeres
anejat
das Unbewegliche
ejat
das Bewegliche
ca
und
kiñcit
irgendetwas
vyatiriktam
Verschiedenes
asti
es gibt
vidyāḥ
die Wissenschaften (Nom. Pl.)
kalāḥ
die Künste (Nom. Pl.)
te
deine (Gen. Sg.)
tanavaḥ
Körper, Erscheinungsformen (Nom. Pl.)
ca sarvāḥ
und alle
hiraṇyagarbhaḥ
der Goldene Embryo [Brahmā] (Nom. Sg.)
asi
du bist
bṛhat
der Gewaltige
tri-pṛṣṭhaḥ
der über den drei Welten Thronende (Nom. Sg.)

vyaktaṁ vibho sthūlam idaṁ śarīraṁ yenendriya-prāṇa-mano-guṇāṁs tvam bhuṅkṣe sthito dhāmani pārameṣṭhye 'vyakta ātmā puruṣaḥ purāṇaḥ

O Allmächtiger, dieser grobstoffliche Körper ist dein offenbarer Aspekt, durch den du, weilend im höchsten Reich, die Sinne, den Lebensatem, den Geist und ihre Eigenschaften erfährst – du, das unmanifeste Selbst, die uralte Urperson.

Wort für Wort
vyaktam
das offenbare
vibho
o Allmächtiger (Vok. Sg.)
sthūlam
grobstoffliche
idam śarīram
dieser Körper (Nom. Sg.)
yena
durch den
indriya-prāṇa-manaḥ-guṇān
Sinne, Lebensatem, Geist und ihre Eigenschaften (Akk. Pl.)
tvam
du
bhuṅkṣe
du erfährst (2. Sg. Präs. Med.)
sthitaḥ
weilend (Nom. Sg.)
dhāmani pārameṣṭhye
im höchsten Reich (Lok. Sg.)
avyaktaḥ
der Unmanifeste
ātmā
das Selbst
puruṣaḥ
die Urperson
purāṇaḥ
die uralte

anantāvyakta-rūpeṇa yenedam akhilaṁ tatam cid-acic-chakti-yuktāya tasmai bhagavate namaḥ

Durch dessen grenzenlose, unmanifeste Gestalt dieses ganze Universum durchdrungen ist – jenem Erhabenen, der mit der Kraft des Bewussten und Unbewussten ausgestattet ist, sei Verehrung!

Wort für Wort
ananta-avyakta-rūpeṇa
durch [seine] grenzenlose, unmanifeste Gestalt (Instr. Sg.)
yena
durch die
idam akhilam
dieses ganze [Universum]
tatam
durchdrungen (Part.)
cit-acit-śakti-yuktāya
dem mit der Kraft des Bewussten und Unbewussten Ausgestatteten (Dat. Sg.)
tasmai bhagavate
jenem Erhabenen (Dat. Sg.)
namaḥ
Verehrung

yadi dāsyasy abhimatān varān me varadottama bhūtebhyas tvad-visṛṣṭebhyo mṛtyur mā bhūn mama prabho

Wenn du mir die gewünschten Segnungen gewähren willst, o Bester der Gabenspender – dann möge mir, o Herr, der Tod nicht von irgendeinem der Wesen kommen, die von dir selbst erschaffen wurden;

Wort für Wort
yadi
wenn
dāsyasi
du geben wirst (2. Sg. Fut.)
abhimatān
die gewünschten (Akk. Pl.)
varān
Segnungen (Akk. Pl.)
me
mir (Dat. Sg.)
varada-uttama
o Bester der Gabenspender (Vok. Sg.)
bhūtebhyaḥ
von den [erschaffenen] Wesen (Abl. Pl.)
tvat-visṛṣṭebhyaḥ
von dir erschaffenen (Abl. Pl.)
mṛtyuḥ
der Tod
mā bhūt
möge nicht eintreten (Prohibitiv, 3. Sg. Aorist)
mama
mir (Gen. Sg.)
prabho
o Herr (Vok. Sg.)

nāntar bahir divā naktam anyasmād api cāyudhaiḥ na bhūmau nāmbare mṛtyur na narair na mṛgair api

– weder von innen noch von außen, weder bei Tag noch bei Nacht, auch nicht durch ein anderes Wesen oder durch Waffen; nicht auf der Erde und nicht in der Luft sei mir der Tod bestimmt, auch nicht durch Menschen oder durch Tiere;

Wort für Wort
na antaḥ
nicht innen
bahiḥ
[noch] außen
divā
bei Tag
naktam
[noch] bei Nacht
anyasmāt api
auch nicht durch ein anderes [Wesen]
ca āyudhaiḥ
und nicht durch Waffen
na bhūmau
nicht auf der Erde
na ambare
nicht in der Luft
mṛtyuḥ
der Tod
na naraiḥ
nicht durch Menschen
na mṛgaiḥ api
auch nicht durch Tiere

vyasubhir vāsumadbhir vā surāsura-mahoragaiḥ apratidvandvatāṁ yuddhe aikapatyaṁ ca dehinām

– weder durch leblose noch durch belebte Wesen, weder durch Götter, Dämonen noch durch große Schlangenwesen; gewähre mir Unbesiegbarkeit im Kampf und Alleinherrschaft über die verkörperten Wesen,

Wort für Wort
vyasubhiḥ
durch leblose [Wesen] (Instr. Pl.)
vā
oder
asumadbhiḥ
durch belebte [Wesen] (Instr. Pl.)
vā
oder
sura-asura-mahā-uragaiḥ
durch Götter, Dämonen und große Schlangenwesen (Instr. Pl.)
apratidvandvatām
Unbesiegbarkeit (Akk. Sg.)
yuddhe
im Kampf (Lok. Sg.)
aikapatyam
Alleinherrschaft (Akk. Sg.)
ca
und
dehinām
über die verkörperten Wesen (Gen. Pl.)

sarveṣāṁ loka-pālānāṁ mahimānaṁ yathātmanaḥ tapo-yoga-prabhāvāṇāṁ yan na riṣyati karhicit

– die Herrlichkeit aller Weltenhüter, vereint wie in meinem eigenen Selbst, jene Macht, die aus der Kraft von Askese und Yoga erwächst und die niemals zunichtewird.

Wort für Wort
sarveṣām loka-pālānām
aller Weltenhüter (Gen. Pl.)
mahimānam
die Herrlichkeit (Akk. Sg.)
yathā ātmanaḥ
wie [meine] eigene
tapaḥ-yoga-prabhāvāṇām
derer, [deren Macht] aus Askese und Yoga [erwächst] (Gen. Pl.)
yat
welche
na riṣyati
nicht zunichtewird
karhicit
jemals

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