Kapitel 89: caṇḍavegena purañjana-nṛpa-puram prati ākramaṇam, kāla-kanyāyāś ca caritram [?]
Der Angriff Caṇḍavegas auf die Stadt des Königs Purañjana; das Wesen der Kālakanyā
Nārada sprach: Auf diese Weise, o großer König, nachdem sie Purañjana durch ihre Reize gänzlich unter [ihre] Botmäßigkeit gebracht hatte, genoss Purañjanī [das Leben], indem sie ihren Gatten erfreute.
Wort für Wort
nāradaḥ
Nārada (Nom.Sg.)
uvāca
sprach (3.Sg.Perf.Akt., √vac)
ittham
so, auf diese Weise (Adv.)
purañjanam
Purañjana (Akk.Sg.)
sadhryak
gänzlich, vollständig (Adv.)
vaśam ānīya
unter [ihre] Botmäßigkeit gebracht habend (Absolutiv)
[Er] hieß sie, die zurückgekehrt war, willkommen: die gut Gebadete, von anmutigem Antlitz, die die Segensriten vollzogen hatte [und nun] gesättigt war.
Wort für Wort
su-snātām
die gut Gebadete (Akk.Sg.f.)
rucira-ānanām
die mit anmutigem Antlitz (Akk.Sg.f., Bahuvrīhi)
kṛta-svastyayanām
die die Segensriten vollzogen hatte (Akk.Sg.f., Bahuvrīhi)
tṛptām
die Gesättigte, Zufriedene (Akk.Sg.f., Part.Perf.Pass. von √tṛp)
abhyanandat
er hieß willkommen (3.Sg.Impf.Akt., abhi-√nand)
upāgatām
die Herangekommene, Zurückgekehrte (Akk.Sg.f., Part.Perf.Pass. von upa-√gam)
Subjekt (er = Purañjana) und Objekt-Bezug (sie = Purañjanī) aus V.1 ergänzt; der Vers besteht grammatisch nur aus Prädikatsnomina zu einem impliziten 'tām'.
Von ihr umarmt, seine Schultern umschlungen, im Verborgenen durch [ihre] Liebesworte betört, sein Bewusstsein getrübt, bemerkte er, von der Frau gefangen, das unüberwindliche [Fortschreiten] der Zeit nicht – sei es Tag oder Nacht.
Wort für Wort
tayā
von ihr (Instr.Sg.f.)
upagūḍhaḥ
umarmt (Nom.Sg.m., Part.Perf.Pass.)
parirabdha-kandharaḥ
dessen Nacken/Schultern umschlungen waren (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
rahaḥ
im Verborgenen, an einsamem Ort (Adv.)
anumantraiḥ
durch [ihre] Liebesworte/Beschwörungen (Instr.Pl.)
apakṛṣṭa-cetanaḥ
dessen Bewusstsein herabgezogen/getrübt war (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
śayāna unnaddha-mado mahā-manā
mahārha-talpe mahiṣī-bhujopadhiḥ
tām eva vīro manute paraṁ
yatas tamo-'bhibhūto na nijaṁ paraṁ ca yat
Daliegend, von gesteigertem Stolz [erfüllt], der [vermeintlich] Hochgesinnte, auf dem kostbaren Bett, den Arm der Königin als Kissen [habend], hält der Held gerade sie für das Höchste – weshalb er, von Finsternis überwältigt, weder sein eigenes [wahres Selbst] noch das Höchste [Wesen] kennt, welches [wirklich] ist.
Wort für Wort
śayānaḥ
daliegend (Nom.Sg.m., Part.Präs.Med.)
unnaddha-madaḥ
dessen Rausch/Stolz gesteigert war (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
mahā-manāḥ
der Hochgesinnte [hier ironisch] (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
mahā-arha-talpe
auf dem kostbaren Bett (Lok.Sg.n.)
mahiṣī-bhuja-upadhiḥ
dessen Kissen der Arm der Königin war (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
tām
sie (Akk.Sg.f.)
eva
gerade, allein (Partikel)
vīraḥ
der Held (Nom.Sg.m.)
manute
er hält für, betrachtet als (3.Sg.Präs.Med., √man)
O Fürst der Könige, während er sich so mit ihr vergnügte, sein Bewusstsein von der Befleckung des Verlangens erfüllt, verging seine junge Lebenszeit wie im Nu, gleichsam wie ein halber Augenblick.
Wort für Wort
tayā
mit ihr (Instr.Sg.f.)
evam
so, auf diese Weise (Adv.)
ramamāṇasya
dessen, der sich vergnügte (Gen.Sg.m., Part.Präs.Med.)
kāma-kaśmala-cetasaḥ
dessen Bewusstsein von der Befleckung des Verlangens [erfüllt war] (Gen.Sg.m., Bahuvrīhi)
kṣaṇa-ardham
eine halbe Augenblicksspanne (Akk.Sg.n.)
iva
gleichsam, wie (Partikel)
rājendra
o Fürst der Könige (Vok.Sg.m., Anrede an König Prācīnabarhiṣat)
[Und] hundertzehn Töchter, Purañjanas Töchter, o Herr der Geschöpfe, die Vater und Mutter Ruhm brachten, ausgestattet mit den Tugenden guten Charakters und der Großzügigkeit.
Wort für Wort
duhitṝḥ
Töchter (Akk.Pl.f.)
daśa-uttara-śatam
hundertzehn (Akk., Zahlwort)
pitṛ-mātṛ-yaśaskarīḥ
die Vater und Mutter Ruhm bringend (Akk.Pl.f.)
śīla-audārya-guṇa-upetāḥ
ausgestattet mit den Tugenden des guten Charakters und der Großzügigkeit (Akk.Pl.f.)
paurañjanyaḥ
die Töchter Purañjanas (Nom./Akk.Pl.f.)
prajā-pate
o Herr der Geschöpfe (Vok.Sg.m., Anrede an den König)
Der Vers setzt syntaktisch V.6 fort (Objekt 'duhitṝḥ' weiterhin von 'ajanayat' abhängig).
Und den Söhnen wiederum wurden Söhne geboren, je hundert einem jeden – durch sie wurde fürwahr das Geschlecht Purañjanas in Pañcāla zum Gedeihen gebracht.
Wort für Wort
putrāṇām
der Söhne (Gen.Pl.m.)
ca
und (Konj.)
abhavan
sie entstanden, wurden geboren (3.Pl.Impf.Akt., √bhū)
putrāḥ
Söhne (Nom.Pl.m.)
eka-ekasya
eines jeden einzelnen (Gen.Sg.m., distributiv)
śatam śatam
je hundert (distributive Wiederholung)
yaiḥ
durch die (Instr.Pl.m., Rel.Pron.)
vai
fürwahr (Partikel)
paurañjanaḥ
der Purañjana[-Nachkommen] (Nom.Sg.m.)
vaṁśaḥ
Geschlecht, Dynastie (Nom.Sg.m.)
pañcāleṣu
in [dem Land] Pañcāla (Lok.Pl.m.)
samedhitaḥ
zum Gedeihen gebracht (Nom.Sg.m., Part.Perf.Pass.)
An ihnen, den Erben seines Besitzes, die von Haus und Schatzkammer lebten, ward er durch tief verwurzeltes Besitzdenken an die Sinnesobjekte gefesselt.
Wort für Wort
teṣu
an ihnen (Lok.Pl.m.)
tat-riktha-hāreṣu
die seinen [hinterlassenen] Besitz an sich nehmen würden, den Erben (Lok.Pl.m.)
gṛha-kośa-anujīviṣu
die von Haus und Schatzkammer abhängig lebten (Lok.Pl.m.)
Und, für schreckliche Opferriten geweiht, bei denen Tiere getötet werden, verehrte er die Götter, die Vorväter [und] die Herren der Wesen, von mannigfaltigen Wünschen [getrieben] – so wie [auch] du [es tust].
Wort für Wort
īje
er verehrte, opferte (3.Sg.Perf.Med., √yaj)
ca
und (Konj.)
kratubhiḥ
mit Opferriten (Instr.Pl.m.)
ghoraiḥ
schrecklichen (Instr.Pl.m.)
dīkṣitaḥ
geweiht (Nom.Sg.m., Part.Perf.Pass.)
paśu-mārakaiḥ
bei denen Tiere getötet werden (Instr.Pl.m.)
devān
die Götter (Akk.Pl.m.)
pitṝn
die Vorväter (Akk.Pl.m.)
bhūta-patīn
die Herren der [Geist-]Wesen (Akk.Pl.m.)
nānā-kāmaḥ
von mannigfaltigen Wünschen [erfüllt] (Nom.Sg.m.)
yathā
wie, so wie (Adv.)
bhavān
du [ehrenvoll] (Nom.Sg.m., Anrede an König Prācīnabarhiṣat)
'yathā bhavān' ist ein einschiebender Vergleich Nāradas mit dem angesprochenen König.
yukteṣv evaṁ pramattasya
kuṭumbāsakta-cetasaḥ
āsasāda sa vai kālo
yo 'priyaḥ priya-yoṣitām
So, unachtsam hinsichtlich der [rechten] Pflichten, sein Bewusstsein an die Familie gebunden, nahte sich ihm fürwahr jene Zeit [des Todes], die denen unwillkommen ist, die geliebte Frauen [besitzen].
Wort für Wort
yukteṣu
in den [vorgeschriebenen] Pflichten (Lok.Pl.n.)
evam
so (Adv.)
pramattasya
dessen, der unachtsam/berauscht war (Gen.Sg.m., Part.Perf.Pass.)
kuṭumba-āsakta-cetasaḥ
dessen Bewusstsein an die Familie/Sippe gebunden war (Gen.Sg.m., Bahuvrīhi)
āsasāda
sie näherte sich, kam heran (3.Sg.Perf.Akt., ā-√sad)
gandharvyas tādṛśīr asya
maithunyaś ca sitāsitāḥ
parivṛttyā vilumpanti
sarva-kāma-vinirmitām
Und ebenso viele Gandharvī-Gattinnen hat er, helle und dunkle, welche im [ständigen] Wechsel jene [Stadt] plündern, die aus allem Begehrten erschaffen ist.
Wort für Wort
gandharvyaḥ
Gandharvī-Frauen (Nom.Pl.f.)
tādṛśīḥ
ebenso viele, derartige (Nom.Pl.f.)
asya
seine [Caṇḍavegas] (Gen.Sg.m.)
maithunyaḥ
Gattinnen, Geliebte (Nom.Pl.f.)
ca
und (Konj.)
sita-asitāḥ
helle und dunkle (Nom.Pl.f.)
parivṛttyā
im [abwechselnden] Umlauf, Wechsel (Instr.Sg.f.)
vilumpanti
sie plündern, rauben (3.Pl.Präs.Akt.)
sarva-kāma-vinirmitām
die aus allem Begehrten erschaffene [Stadt] (Akk.Sg.f.)
'sitāsitāḥ' (helle/dunkle Gandharvīs) und 'parivṛttyā' deuten allegorisch auf Tage und Nächte, die abwechselnd die Lebenszeit der Stadt (des Körpers) plündern.
Als dieser einzelne eigene Vertraute [Purañjanas] durch den Kampf gegen die vielen [Gandharvas] geschwächt wurde, geriet [Purañjana], bekümmert, zusammen mit [seinem] Reich, [seiner] Stadt und [seinen] Verwandten in äußerste Sorge.
Wort für Wort
kṣīyamāṇe
während er geschwächt wurde (Lok.Sg.m., Part.Präs.Pass.)
sva-sambandhe
der eigene Verbündete/Vertraute (Lok.Sg.m., bez. auf Prajāgara)
ekasmin
der Einzelne (Lok.Sg.m.)
bahubhiḥ
durch die vielen (Instr.Pl.m.)
yudhā
im Kampf (Instr.Sg.f.)
cintām
Sorge (Akk.Sg.f.)
parām
große, äußerste (Akk.Sg.f.)
jagāma
er geriet in, gelangte zu (3.Sg.Perf.Akt., √gam)
ārtaḥ
bekümmert, gequält (Nom.Sg.m.)
sa-rāṣṭra-pura-bāndhavaḥ
zusammen mit Reich, Stadt und Verwandten (Nom.Sg.m.)
sa eva puryāṁ madhu-bhuk
pañcāleṣu sva-pārṣadaiḥ
upanītaṁ baliṁ gṛhṇan
strī-jito nāvidad bhayam
Er selbst aber, in der Stadt Süßes [d.h. Sinnesfreuden] genießend, in Pañcāla, [und] den von seinen Begleitern herbeigebrachten Tribut annehmend, erkannte, von der Frau besiegt, keine Furcht.
O Barhiṣmat, eine gewisse Tochter der [personifizierten] Zeit, die, einen Gatten wünschend, durch die drei Welten wanderte, wurde von niemandem angenommen.
Wort für Wort
kālasya
der [personifizierten] Zeit (Gen.Sg.m.)
duhitā
Tochter (Nom.Sg.f.)
kācit
eine gewisse (Nom.Sg.f., Indef.Pron.)
tri-lokīm
die drei Welten (Akk.Sg.f.)
varam
einen Gatten (Akk.Sg.m.)
icchatī
wünschend (Nom.Sg.f., Part.Präs.)
paryaṭantī
umherwandernd (Nom.Sg.f., Part.Präs.)
na
nicht (Neg.)
barhiṣman
o Barhiṣmat (Vok.Sg.m., Anrede an König Prācīnabarhiṣat)
pratyanandata
er/sie hieß willkommen, nahm an (3.Sg.Impf.Med., prati-√nand)
Sie, die wegen ihres eigenen Missgeschicks in der Welt als 'die Unglückliche' bekannt ist – sie, die zufriedengestellt wurde, da sie vom königlichen Weisen [Pūru] angenommen worden war, gewährte dem Pūru [dafür] eine Gunst.
Wort für Wort
daurbhāgyena
durch [ihr] Missgeschick, Unglück (Instr.Sg.n.)
ātmanaḥ
ihres eigenen [Wesens] (Gen.Sg.m.)
loke
in der Welt (Lok.Sg.m.)
viśrutā
bekannt, berühmt (Nom.Sg.f., Part.Perf.Pass.)
durbhagā
die Unglückliche (Nom.Sg.f.)
iti
so [genannt] (Partikel)
sā
sie (Nom.Sg.f.)
yā
die (Rel.Pron.Nom.Sg.f.)
tuṣṭā
zufriedengestellt (Nom.Sg.f., Part.Perf.Pass.)
rāja-ṛṣaye
dem königlichen Weisen (Dat.Sg.m.)
tu
aber, jedoch (Konj.)
vṛtā
angenommen, erwählt (Nom.Sg.f., Part.Perf.Pass.)
adāt
sie gab (3.Sg.Aor.Akt., √dā)
pūrave
dem Pūru (Dat.Sg.m.)
varam
einen Segen, eine Gunst (Akk.Sg.m.)
[?] Die syntaktische Beziehung von 'vṛtā' (wörtl. 'erwählt/angenommen') ist nicht eindeutig – gemeint ist wohl, dass der königliche Weise Pūru sie (als Alter/Jarā) annahm und sie ihm dafür eine Gunst gewährte.
Einst, umherwandernd, warb sie, [selbst] von Brahmaloka zur Erde gekommen, um mich, der ich das große [Keuschheits-]Gelübde halte – [obwohl sie es] wusste, [war sie doch] von Verlangen verblendet.
Wort für Wort
kadācit
einst, einmal (Adv.)
aṭamānā
umherwandernd (Nom.Sg.f., Part.Präs.)
sā
sie (Nom.Sg.f.)
brahma-lokāt
von Brahmaloka (Abl.Sg.m.)
mahīm
zur Erde (Akk.Sg.f.)
gatam
der [dorthin] gegangen war (Akk.Sg.m., Part.Perf.Pass., bez. auf mām)
vavre
sie erwählte, warb um (3.Sg.Perf.Med., √vṛ)
bṛhat-vratam
den, der das große [Keuschheits-]Gelübde hält (Akk.Sg.m., Beiname Nāradas)
mām
mich (Akk.Sg.m.)
tu
aber, jedoch (Konj.)
jānatī
wissend (Nom.Sg.f., Part.Präs.)
kāma-mohitā
von Verlangen verblendet (Nom.Sg.f.)
Nārada spricht hier von sich selbst in der 1. Person ('mām') innerhalb seiner Erzählung an König Prācīnabarhiṣat.
Da du, aus [deinem] übergroßen Stolz heraus gegen mich zornig geworden, mein Werben zurückgewiesen hast, o Weiser – [dies sei] ein schwer erträglicher Fluch: Du sollst nicht [imstande sein], an einem [einzigen] Ort zu verweilen.
Wort für Wort
mayi
gegen mich (Lok.Sg., 'gegenüber mir')
saṁrabhya
zornig geworden (Absolutiv, saṁ-√rabh)
vipula-madāt
aus übergroßem Stolz, Verblendung (Abl.Sg.m.)
śāpam
Fluch (Akk.Sg.m., in Apposition zum Satzinhalt)
su-duḥsaham
schwer erträglich (Akk.Sg.m.)
sthātum arhasi
du wirst [fähig] sein zu verweilen (Inf. + 2.Sg.Präs., verneint durch 'na')
na ekatra
nicht an einem [Ort] (Neg. + Adv.)
mat-yācñā-vimukhaḥ
der mein Werben/meine Bitte zurückgewiesen hat (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
mune
o Weiser (Vok.Sg.m., Anrede an Nārada)
[?] Die Kālakanyā verflucht Nārada, weil er ihren Heiratsantrag abgewiesen hat; die genaue Satzfügung ('śāpam ... sthātum arhasi') ist elliptisch und wird hier als Apposition gedeutet.
tato vihata-saṅkalpā
kanyakā yavaneśvaram
mayopadiṣṭam āsādya
vavre nāmnā bhayaṁ patim
Daraufhin, ihr Vorhaben vereitelt, suchte das Mädchen den von mir gewiesenen Herrscher der Yavanas auf und erwählte [ihn], mit Namen 'Furcht' [genannt], zum Gatten.
Wort für Wort
tataḥ
daraufhin, danach (Adv.)
vihata-saṅkalpā
deren Vorhaben/Entschluss vereitelt war (Nom.Sg.f.)
ṛṣabhaṁ yavanānāṁ tvāṁ
vṛṇe vīrepsitaṁ patim
saṅkalpas tvayi bhūtānāṁ
kṛtaḥ kila na riṣyati
Dich, den Stier [d.h. Besten] der Yavanas, erwähle ich, o Held, als [meinen] erwünschten Gatten; ein auf dich gerichteter Entschluss der Wesen scheitert gewiss nicht.
Wort für Wort
ṛṣabham
den Stier, den Besten (Akk.Sg.m.)
yavanānām
der Yavanas (Gen.Pl.m.)
tvām
dich (Akk.Sg.m.)
vṛṇe
ich erwähle (1.Sg.Präs.Med., √vṛ)
vīra
o Held (Vok.Sg.m.)
īpsitam
erwünscht (Akk.Sg.m.)
patim
Gatten (Akk.Sg.m.)
saṅkalpaḥ
der Entschluss, Wunsch (Nom.Sg.m.)
tvayi
auf dich [gerichtet] (Lok.Sg.m.)
bhūtānām
der [Lebe-]Wesen (Gen.Pl.n.)
kṛtaḥ
gefasst, gerichtet (Nom.Sg.m., Part.Perf.Pass.)
kila
fürwahr, gewiss (Partikel)
na
nicht (Neg.)
riṣyati
er scheitert, wird zunichte (3.Sg.Präs.Akt., √riṣ)
dvāv imāv anuśocanti
bālāv asad-avagrahau
yal loka-śāstropanataṁ
na rāti na tad icchati
Über diese zwei Törichten, die dem Falschen verhaftet sind, klagt man: [über den], der das von Brauch und heiliger Schrift Dargebotene nicht gewährt, und [über den, der] es nicht begehrt.
Wort für Wort
dvau
zwei (Nom.Dual.m.)
imau
diese (Nom.Dual.m.)
anuśocanti
sie bedauern, beklagen (3.Pl.Präs.Akt.)
bālau
die [beiden] Törichten (Nom.Dual.m.)
asat-avagrahau
die dem Unwahren/Schlechten verhaftet sind (Nom.Dual.m.)
atho bhajasva māṁ bhadra
bhajantīṁ me dayāṁ kuru
etāvān pauruṣo dharmo
yad ārtān anukampate
So denn, nimm mich an, o Güter, [und] erweise mir, die [ich dich] liebe, Mitleid: Das ist die [wahre] Pflicht eines Mannes, dass er sich der Bedrängten erbarmt.
Wort für Wort
atho
so denn, daher (Adv.)
bhajasva
nimm an, liebe (2.Sg.Imp.Med., √bhaj)
mām
mich (Akk.Sg.f.)
bhadra
o Güt[ig]er (Vok.Sg.m.)
bhajantīm
die [dich] verehrende, liebende (Akk.Sg.f., Part.Präs.)
kāla-kanyodita-vaco
niśamya yavaneśvaraḥ
cikīrṣur deva-guhyaṁ
sa sasmitaṁ tām abhāṣata
Nachdem der Herrscher der Yavanas die von der Kālakanyā gesprochenen Worte vernommen hatte, sprach er, im Begriff das geheime Vorhaben der Götter auszuführen, lächelnd zu ihr.
Wort für Wort
kāla-kanyā-udita-vacaḥ
die von der Kālakanyā gesprochenen Worte (Akk.Sg.n.)
niśamya
gehört, vernommen habend (Absolutiv)
yavana-īśvaraḥ
der Herrscher der Yavanas (Nom.Sg.m.)
cikīrṣuḥ
der auszuführen wünschte (Nom.Sg.m., Desiderativ-Nomen)
deva-guhyam
das geheime Vorhaben der Götter/des Schicksals (Akk.Sg.n.)
saḥ
er (Nom.Sg.m.)
sa-smitam
lächelnd (Adv.)
tām
sie (Akk.Sg.f.)
abhāṣata
er sprach an, redete zu (3.Sg.Impf.Med., abhi-√bhāṣ)
Durch [meine eigene] geistige Erwägung habe ich [mich selbst] als Gatte für dich bestimmt; [doch] diese Welt heißt dich, die Unheilvolle, Ungeschätzte, nicht willkommen.
tvam avyakta-gatir bhuṅkṣva
lokaṁ karma-vinirmitam
yā hi me pṛtanā-yuktā
prajā-nāśaṁ praṇeṣyasi
Du, deren Gang unwahrnehmbar ist, genieße die durch [frühere] Taten geschaffene Welt; denn du wirst, mit meinem Heer verbunden, fürwahr die Vernichtung der Geschöpfe vollführen.
Wort für Wort
tvam
du (Nom.Sg.f.)
avyakta-gatiḥ
deren Gang/Bewegung unwahrnehmbar ist (Nom.Sg.f., Bahuvrīhi)
bhuṅkṣva
genieße (2.Sg.Imp.Med., √bhuj)
lokam
die Welt (Akk.Sg.m.)
karma-vinirmitam
die durch [frühere] Taten geschaffene (Akk.Sg.m.)
yā
die [du] (Rel.Pron.Nom.Sg.f.)
hi
denn, fürwahr (Partikel)
me
meinem (Gen.Sg.m.)
pṛtanā-yuktā
mit [meinem] Heer verbunden, ausgestattet (Nom.Sg.f.)
prajā-nāśam
die Vernichtung der Geschöpfe (Akk.Sg.m.)
praṇeṣyasi
du wirst bewirken, vollführen (2.Sg.Fut.Akt., pra-√nī)
prajvāro 'yaṁ mama bhrātā
tvaṁ ca me bhaginī bhava
carāmy ubhābhyāṁ loke 'sminn
avyakto bhīma-sainikaḥ
Dieser [Fieber-Dämon] Prajvāra ist mein Bruder, und du sei meine Schwester; mit euch beiden [zusammen] wandle ich, unsichtbar, mit furchtbarem Heer, durch diese Welt.
Wort für Wort
prajvāraḥ
Prajvāra [Personifikation des Fiebers] (Nom.Sg.m.)