Śrī Śuka sprach: Als der Hausherr Bali so von seinem Familienlehrer angesprochen worden war, o König, wurde er für einen Augenblick still; dann sprach er, aufmerksam gesammelt, zu seinem Guru.
śrī-balir uvāca
satyaṁ bhagavatā proktaṁ
dharmo 'yaṁ gṛhamedhinām
arthaṁ kāmaṁ yaśo vṛttiṁ
yo na bādheta karhicit
Śrī Bali sprach: Wahr ist, was Ehrwürdiger gesprochen hat: Jenes ist die religiöse Pflicht der Haushälter, welche niemals Gewinn, Sinnesgenuss, Ruhm und Lebensunterhalt behindern soll.
Wie könnte ich, ein solcher, aus Gier nach Reichtum einem Brahmanen die Gabe verweigern, nachdem ich versprochen habe „ich gebe“ – ich, der Enkel Prahlādas, wie ein gewöhnlicher Betrüger?
na hy asatyāt paro 'dharma
iti hovāca bhūr iyam
sarvaṁ soḍhum alaṁ manye
ṛte 'līka-paraṁ naram
„Wahrlich, es gibt kein größeres Unrecht als die Unwahrheit“ – so sprach fürwahr diese Erde: „Alles halte ich mich für imstande zu ertragen, außer einen Menschen, der der größte Lügner ist.“
nāhaṁ bibhemi nirayān
nādhanyād asukhārṇavāt
na sthāna-cyavanān mṛtyor
yathā vipra-pralambhanāt
Ich fürchte mich weder vor der Hölle, noch vor Mittellosigkeit, noch vor dem Ozean des Leids, noch vor dem Verlust meines Ranges, noch vor dem Tod – so wie ich mich vor der Täuschung eines Brahmanen fürchte.
yad yad dhāsyati loke 'smin
samparetaṁ dhanādikam
tasya tyāge nimittaṁ kiṁ
vipras tuṣyen na tena cet
Was auch immer ein Verstorbener in dieser Welt an Reichtum und dergleichen zurücklässt – welchen Sinn hätte dessen Weggabe, wenn der Brahmane dadurch nicht zufrieden würde?
śreyaḥ kurvanti bhūtānāṁ
sādhavo dustyajāsubhiḥ
dadhyaṅ-śibi-prabhṛtayaḥ
ko vikalpo dharādiṣu
Die Frommen wie Dadhīci, Śibi und andere vollbringen das Höchste für die Lebewesen, indem sie sogar ihr schwer aufzugebendes Leben hingeben – welches Bedenken sollte da bei der Erde und dergleichen bestehen?
O Brahmane, diese Erde wurde von unerschrockenen Herrschern der Daityas genossen; ihre Besitztümer verschlang die Zeit, doch Ruhm auf Erden erlangten sie nicht.
sulabhā yudhi viprarṣe
hy anivṛttās tanu-tyajaḥ
na tathā tīrtha āyāte
śraddhayā ye dhana-tyajaḥ
O weiser Brahmane, leicht zu finden im Kampf sind wahrlich jene, die unerschrocken ihr Leben hingeben; nicht ebenso leicht aber sind jene, die, wenn ein Heiliger gekommen ist, mit Vertrauen ihren Reichtum hingeben.
manasvinaḥ kāruṇikasya śobhanaṁ
yad arthi-kāmopanayena durgatiḥ
kutaḥ punar brahma-vidāṁ bhavādṛśāṁ
tato vaṭor asya dadāmi vāñchitam
Rühmlich ist es für einen Großherzigen und Mitleidsvollen, selbst wenn ihm durch die Erfüllung des Wunsches eines Bittstellers Not entstehen sollte – wie viel mehr erst für Kenner des Brahman wie Ehrwürdigen. Darum gebe ich diesem jungen Asketen, was er wünscht.
Wort für Wort
manasvinaḥ
eines Großherzigen
kāruṇikasya
eines Mitleidsvollen
śobhanam
rühmlich
yat
dass
arthi-kāma-upanayena
durch das Erfüllen des Wunsches eines Bittstellers
yajanti yajñaṁ kratubhir yam ādṛtā
bhavanta āmnāya-vidhāna-kovidāḥ
sa eva viṣṇur varado 'stu vā paro
dāsyāmy amuṣmai kṣitim īpsitāṁ mune
Der, den ihr Ehrwürdigen, kundig der vedischen Ordnung, mit Opferhandlungen ehrfürchtig verehrt – eben jener Viṣṇu, sei er nun ein Gewährer von Segen oder ein Gegner –, ihm gebe ich das gewünschte Land, o Weiser.
Selbst wenn er mich, den Schuldlosen, auf unrechte Weise fesseln sollte, werde ich ihm dennoch nichts zuleide tun – ihm, dem Feind, der furchtsam die Gestalt eines Brahmanen-Schülers angenommen hat.
eṣa vā uttamaśloko
na jihāsati yad yaśaḥ
hatvā mainaṁ hared yuddhe
śayīta nihato mayā
Dieser mit erhabenen Versen Gepriesene wird seinen Ruhm nicht aufgeben wollen: Entweder nehme er, nachdem er mich getötet hat, dieses Land; oder er liege, im Kampf von mir erschlagen.
Śrī Śuka sprach: So verfluchte der Lehrer, vom Schicksal getrieben, den Schüler, der seinen Rat missachtet und seine Anweisung nicht befolgt hatte – ihn, den in Wahrheit gefestigten, Großherzigen.
Hartnäckig hältst du dich für gelehrt, dabei bist du unwissend; überheblich bist du geworden aus Missachtung gegen uns. Du, der du meine Anweisung überschreitest, wirst bald von deiner Herrlichkeit fallen.
So von seinem eigenen Lehrer verflucht, wich der Erhabene dennoch nicht von der Wahrheit ab; er verehrte Vāmana und gab ihm, nach vorangehender Wasserspende, das Land.
tadāsurendraṁ divi devatā-gaṇā
gandharva-vidyādhara-siddha-cāraṇāḥ
tat karma sarve 'pi gṛṇanta ārjavaṁ
prasūna-varṣair vavṛṣur mudānvitāḥ
Da priesen die Scharen der Götter im Himmel sowie Gandharvas, Vidyādharas, Siddhas und Cāraṇas allesamt die Aufrichtigkeit jener Tat des Herrschers der Asuras und ließen, von Freude erfüllt, einen Blütenregen auf ihn niedergehen.
Zu Tausenden ertönten wiederholt die Pauken, und Gandharvas, Kimpūruṣas und Kinnaras sangen: „Von diesem Großherzigen wurde eine überaus schwere Tat vollbracht, der er wissend die drei Welten seinem Feind gab!“
Jene wunderbare Vāmana-Gestalt des unbegrenzten Hari, aus den drei Erscheinungsweisen der Natur bestehend, wuchs und dehnte sich aus, so dass Erde, Himmelsraum, Himmelsrichtungen, Himmelswelt, die Hohlräume des Universums, die Ozeane sowie Tiere, Menschen, Götter und Weise darin ihren Platz fanden.
Bali erblickte zusammen mit den Opferpriestern, dem Lehrer und den Versammlungsmitgliedern im Körper jenes von großer Macht Erfüllten dieses Universum, bestehend aus den drei Erscheinungsweisen, geprägt von materiellen Eigenschaften und versehen mit den Elementen, den Sinnen, den Sinnesobjekten, dem inneren Bewusstseinsorgan und den Lebewesen.
Wort für Wort
kāye
im Körper
baliḥ
Bali
tasya
von ihm
mahā-vibhūteḥ
von großer Macht
saha-ṛtvik-ācārya-sadasyaḥ
zusammen mit Opferpriestern, Lehrer und Versammlungsmitgliedern
etat
dies
dadarśa
erblickte
viśvam
das Universum
tri-guṇam
aus den drei Erscheinungsweisen bestehend
guṇa-ātmake
in dem, was von Eigenschaften geprägt ist
bhūta-indriya-artha-āśaya-jīva-yuktam
versehen mit Elementen, Sinnen, Sinnesobjekten, Bewusstseinsorgan und Lebewesen
An der Fußsohle erblickte Bali – genannt Indrasena – die unterste Welt Rasātala; an den Füßen der kosmischen, alles verkörpernden Person die Erde, an den Unterschenkeln die Berge, am Knie die fliegenden Wesen, an den Schenkeln die Scharen der Winde.
Er erblickte die Abenddämmerung im Gewand des Allmächtigen, an verborgener Stelle die Prajāpatis, an der Hüfte seine eigenen höchsten Diener, am Nabel den Luftraum, an den Flanken die sieben Meere und an der Brust dessen, der in gewaltigen Schritten schreitet, die Kette der Sterne.
hṛdy aṅga dharmaṁ stanayor murārer
ṛtaṁ ca satyaṁ ca manasy athendum
śriyaṁ ca vakṣasy aravinda-hastāṁ
kaṇṭhe ca sāmāni samasta-rephān
Im Herzen sah er die Rechtschaffenheit, an den Brustseiten Murāris die rechte Ordnung und die Wahrhaftigkeit, im Geist den Mond, auf der Brust die Glücksgöttin mit dem Lotos in der Hand, am Hals die Sāma-Hymnen und sämtliche Laute.
indra-pradhānān amarān bhujeṣu
tat-karṇayoḥ kakubho dyauś ca mūrdhni
keśeṣu meghāñ chvasanaṁ nāsikāyām
akṣṇoś ca sūryaṁ vadane ca vahnim
An den Armen sah er die von Indra angeführten Götter, an dessen Ohren die Himmelsrichtungen, auf dem Scheitel die Himmelswelt, im Haar die Wolken, in den Nasenlöchern den Atem, in den Augen die Sonne und im Antlitz das Feuer.
vāṇyāṁ ca chandāṁsi rase jaleśaṁ
bhruvor niṣedhaṁ ca vidhiṁ ca pakṣmasu
ahaś ca rātriṁ ca parasya puṁso
manyuṁ lalāṭe 'dhara eva lobham
In der Rede sah er die vedischen Hymnen, auf der Zunge den Herrn des Wassers, an den Augenbrauen Verbot und Gebot, an den Wimpern Tag und Nacht, auf der Stirn der höchsten Person den Zorn und auf der Unterlippe eben die Gier.
sparśe ca kāmaṁ nṛpa retasāmbhaḥ
pṛṣṭhe tv adharmaṁ kramaṇeṣu yajñam
chāyāsu mṛtyuṁ hasite ca māyāṁ
tanū-ruheṣv oṣadhi-jātayaś ca
Im Tastsinn, o König, sah er das Verlangen, im Samen das Wasser, auf dem Rücken hingegen das Unrecht, in den Schritten das Opfer, in den Schatten den Tod, im Lächeln die Illusionsmacht und in den Körperhaaren die Arten der Kräuter.
nadīś ca nāḍīṣu śilā nakheṣu
buddhāv ajaṁ deva-gaṇān ṛṣīṁś ca
prāṇeṣu gātre sthira-jaṅgamāni
sarvāṇi bhūtāni dadarśa vīraḥ
In den Adern sah er die Flüsse, in den Nägeln die Steine, im Verstand den Ungeborenen, in den Sinnen die Scharen der Götter und die Weisen – im ganzen Körper erblickte der Held alle beweglichen und unbeweglichen Wesen.
Als sie dieses Universum im Selbst von allem erblickten, gerieten alle Asuras in Bestürzung, o Lieber – ebenso beim Anblick der Scheibe Sudarśana von unerträglichem Glanz und des Bogens Śārṅga, der wie Donnergrollen klang.
Sie erblickten das Muschelhorn Pāñcajanya mit einem Klang wie Gewitterwolken, die kraftvolle Keule Viṣṇus, Kaumodakī, das Schwert Vidyādhara mitsamt dem Schild mit den hundert Mondscheiben sowie die beiden vorzüglichen Köcher namens Akṣayasāyaka, deren Pfeile nie zur Neige gehen.
Die vornehmsten Gefährten, angeführt von Sunanda, warteten zusammen mit den Weltenhütern auf den Herrn, der mit leuchtender Krone, Armreifen und fischförmigen Ohrringen, mit dem Śrīvatsa-Zeichen, dem vorzüglichsten Juwel, Gürtel und Gewändern geschmückt war.
Wort für Wort
sunanda-mukhyāḥ
angeführt von Sunanda
upatasthuḥ
warteten auf
īśam
auf den Herrn
pārṣada-mukhyāḥ
die vornehmsten Gefährten
saha-loka-pālāḥ
zusammen mit den Weltenhütern
sphurat-kirīṭa-aṅgada-mīna-kuṇḍalaḥ
mit leuchtender Krone, Armreifen und fischförmigen Ohrringen
Umhüllt von der Waldblumen-Girlande, die von Bienen umschwärmt war, erstrahlte der Erhabene, der in gewaltigen Schritten Schreitende, o König; mit einem einzigen Schritt durchmaß er Balis Erde, mit seinem Körper den Himmelsraum und mit den Armen die Himmelsrichtungen.
padaṁ dvitīyaṁ kramatas triviṣṭapaṁ
na vai tṛtīyāya tadīyam aṇv api
urukramasyāṅghrir upary upary atho
mahar-janābhyāṁ tapasaḥ paraṁ gataḥ
Mit dem zweiten Schritt durchschritt er die drei Himmelswelten – doch für einen dritten Schritt blieb ihm nicht einmal ein Stäubchen mehr übrig. Der Fuß des in gewaltigen Schritten Schreitenden ging höher und immer höher, über Maharloka und Janaloka hinweg, bis über Tapoloka hinaus.