Maitreya sprach: Nachdem der erhabene Herr, von den Söhnen Barhiṣats verehrt, so unterwiesen hatte, verschwand Hara genau dort, während die Königssöhne zusahen.
O Kṣattā, Nārada, der Kenner der Wahrheit über das Selbst, der Mitleidsvolle, belehrte den König Prācīnabarhiṣat, dessen Geist an [rituelle] Werke gebunden war.
Wort für Wort
prācīnabarhiṣam
Prācīnabarhiṣat (Akk. Sg.)
kṣattaḥ
o Kṣattā [Vidura] (Vok. Sg.)
karmasu
an die [rituellen] Werke (Lok. Pl.)
āsakta-mānasam
dessen Geist gebunden ist (Akk. Sg., Bahuvrīhi)
nāradaḥ
Nārada (Nom. Sg.)
adhyātma-tattva-jñaḥ
der Kenner der Wahrheit über das Selbst (Nom. Sg.)
Welches höchste Gut, o König, erstrebst du für dich selbst durch [rituelles] Werk? Das Schwinden des Leids [und] das Erlangen von Glück – dieses vermeintliche höchste Gut wird hierdurch nicht erreicht.
rājovāca
na jānāmi mahā-bhāga paraṁ karmāpaviddha-dhīḥ
brūhi me vimalaṁ jñānaṁ yena mucyeya karmabhiḥ
Der König sprach: Ich kenne das Höchste nicht, o Hochgesegneter, mein Verstand ist von Werken durchbohrt. Sprich zu mir das makellose Wissen, wodurch ich von den Werken befreit werden möge.
Wort für Wort
rājā uvāca
der König (Nom.) sprach
na jānāmi
ich weiß nicht (1. Sg. Präs.)
mahā-bhāga
o Hochgesegneter (Vok.)
param
das Höchste (Akk. Sg.)
karma-apaviddha-dhīḥ
dessen Verstand von Werken durchbohrt ist (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
gṛheṣu kūṭa-dharmeṣu putra-dāra-dhanārtha-dhīḥ
na paraṁ vindate mūḍho bhrāmyan saṁsāra-vartmasu
In den trügerischen Pflichten des Hauslebens – dessen Sinn auf Söhne, Gattin, Reichtum [und weltliches] Ziel gerichtet ist – erlangt der Tor nicht das Höchste, sondern wandert umher auf den Pfaden des Daseinskreislaufs.
Wort für Wort
gṛheṣu
im Hausleben (Lok. Pl.)
kūṭa-dharmeṣu
in den trügerischen Pflichten (Lok. Pl.)
putra-dāra-dhana-artha-dhīḥ
dessen Sinn auf Sohn, Gattin, Reichtum, Ziel [gerichtet ist] (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
Nārada sprach: He, he, Herr der Geschöpfe, o König! Sieh die Tiere – die Scharen von Lebewesen –, die von dir im Opfer mitleidlos zu Tausenden getötet wurden.
Diese erwarten dich, sich an dein grausames Tun erinnernd; sobald du gestorben bist, werden sie dich mit eisernen Hörnern zerreißen, von aufgestiegenem Zorn erfüllt.
Er hielt nicht für gut all jene Städte, so viele es auf der Erdoberfläche gab, er, der für dies und jenes [Bedürfnis] das Erlangen von Genüssen begehrte.
[Eine Stadt,] überall gedrängt voll mit Häusern – mit Mauern, Gärten, Wachtürmen, Wassergräben, [Tor-]Achsen und Torbögen, mit Giebeln aus Gold, Silber und Eisen.
Wort für Wort
prākāra
Mauer, Wall (Kompositionsglied)
upavana
Park (Kompositionsglied)
aṭṭāla
Wachturm (Kompositionsglied)
parikhaiḥ
mit Wassergräben (Instr. Pl.)
akṣa-toraṇaiḥ
mit [Tor-]Achsen und Torbögen (Instr. Pl.) [Anm.: akṣa hier unsicher, evtl. „Türangel“ [?]]
[Eine Stadt,] deren Palastböden mit Saphiren, Bergkristall, Beryll, Perlen, Smaragden und Rubinen ausgelegt waren, leuchtend vor Pracht – wie [die Schlangenstadt] Bhogavatī.
Wort für Wort
nīla
Saphir (Kompositionsglied)
sphaṭika
Bergkristall (Kompositionsglied)
vaidūrya
Beryll (Kompositionsglied)
muktā
Perle (Kompositionsglied)
marakata
Smaragd (Kompositionsglied)
aruṇaiḥ
mit Rubinen (Instr. Pl.)
kḷpta-harmya-sthalīm
deren Palastböden [damit] ausgestattet sind (Akk. Sg., Bahuvrīhi)
[Eine Stadt,] ausgestattet mit Versammlungshallen, Plätzen, Straßen, Spielstätten, Wohnhäusern, Läden, mit Kultbäumen, Bannern und Flaggen, mit Altären aus Koralle.
Wort für Wort
sabhā
Versammlungshalle (Kompositionsglied)
catvara
Platz (Kompositionsglied)
rathyābhiḥ
mit Straßen (Instr. Pl.)
ākrīḍa
Spielstätte (Kompositionsglied)
āyatana
Wohnstätte (Kompositionsglied)
āpaṇaiḥ
mit Läden (Instr. Pl.)
caitya
Kultbaum, heilige Stätte (Kompositionsglied)
dhvaja-patākābhiḥ
mit Bannern und Flaggen (Instr. Pl.)
yuktām
ausgestattet (Akk. Sg.)
vidruma
Koralle (Kompositionsglied) [Anm.: nicht „ohne Bäume“, sondern „Koralle“ – Grundbedeutung von vidruma]
puryās tu bāhyopavane divya-druma-latākule
nadad-vihaṅgāli-kula-kolāhala-jalāśaye
Im äußeren Garten jener Stadt aber, der voll war von himmlischen Bäumen und Schlingpflanzen, mit einem Wasserbecken [voll] vom Lärm der Scharen tönender Vögel und Bienen …
Wort für Wort
puryāḥ
jener Stadt (Gen. Sg.)
tu
aber
bāhya-upavane
im äußeren Garten (Lok. Sg.)
divya
himmlisch (Kompositionsglied)
druma-latā-ākule
voll von Bäumen und Schlingpflanzen (Lok. Sg., Bahuvrīhi)
… durch den Wind des Frühlings, der Tröpfchen von den eisigen Wasserfällen trug, an dem reichen Ufer des Lotusteichs, dessen Zweige und junge Triebe sich bewegten.
Wo der Wanderer sich durch das Kuckucksgurren wie eingeladen fühlt – [ein Ort,] ungestört von den Scharen mancherlei wilder Waldtiere, die [dort] wie durch das Gelübde von Weisen [gebunden, gewaltlos leben].
Wort für Wort
nānā
mancherlei
araṇya-mṛga
Waldtiere (Kompositionsglied)
vrātaiḥ
durch Scharen (Instr. Pl.)
anābādhe
ungestört (Lok. Sg.)
muni-vrataiḥ
wie durch das Gelübde von Weisen [gebunden] (Instr. Pl.) [Anm.: bezogen auf die Tiere, die gewaltlos wie Asketen leben]
yadṛcchayāgatāṁ tatra dadarśa pramadottamām
bhṛtyair daśabhir āyāntīm ekaika-śata-nāyakaiḥ
Dort erblickte er eine von selbst herangekommene, vortreffliche junge Frau, die herannahte, begleitet von zehn Dienern, von denen jeder einzelne Anführer von hundert [weiteren] war.
Wort für Wort
yadṛcchayā
von selbst, zufällig (Instr. Sg., adv.)
āgatām
gekommen (Akk. Sg. PPP)
tatra
dort
dadarśa
er erblickte (3. Sg. Perf.)
pramadā-uttamām
die vortrefflichste junge Frau (Akk. Sg.)
bhṛtyaiḥ daśabhiḥ
mit zehn Dienern (Instr. Pl.)
āyāntīm
herankommend (Akk. Sg. Part. Fem.)
eka-eka-śata-nāyakaiḥ
von denen je einer Anführer von hundert war (Instr. Pl.)
[Sie war] von einer fünfköpfigen Schlange als Türhüter von allen Seiten beschützt, auf der Suche nach einem [passenden] Gebieter, [noch] nicht ganz erwachsen, von begehrenswerter Gestalt.
Wort für Wort
pañca-śīrṣa-ahinā
von einer fünfköpfigen Schlange (Instr. Sg.)
guptām
beschützt (Akk. Sg. PPP)
pratīhāreṇa
als Türwächter (Instr. Sg., Apposition zur Schlange)
[Er sah] eine junge Frau mit schöner Nase, schönen Zähnen, schönen Wangen, einem vortrefflichen Antlitz, die mit ihren gleichmäßig gesetzten Ohren den Glanz [ihrer] Ohrringe trug.
Wort für Wort
su-nāsām
mit schöner Nase (Akk. Sg.)
su-datīm
mit schönen Zähnen (Akk. Sg.)
bālām
die junge Frau (Akk. Sg.)
su-kapolām
mit schönen Wangen (Akk. Sg.)
vara-ānanām
mit vortrefflichem Antlitz (Akk. Sg.)
sama-vinyasta-karṇābhyām
mit den gleichmäßig platzierten Ohren (Instr. Dual)
[Sie trug] ein gelblich-orangefarbenes Gewand, hatte schöne Hüften, war dunkel [von Teint], [trug] einen goldenen Gürtel, ging mit ihren klirrenden Füßen samt Fußglöckchen einher wie eine Himmlische.
[Er sah] sie, deren beide Brüste die einsetzende Jugend zeigten, gleichmäßig rund und eng beieinander, die [sie] aus Scham mit dem Saum ihres Gewandes verbarg – sie, die wie ein Elefant [majestätisch] schreitende.
Wort für Wort
stanau
die beiden Brüste (Akk. Dual)
vyañjita-kaiśorau
die die einsetzende Jugend anzeigen (Akk. Dual, Bahuvrīhi)
[Er sah sie,] die durch ihr schamvolles Lächeln reizend war; [und Purañjana selbst wurde] von dem zärtlichen Pfeil ihres Seitenblicks getroffen, während ihre Augenbrauen sich vor Liebe kräuselten.
Wort für Wort
sa-vrīḍa-smita-śobhanām
die durch schamvolles Lächeln reizvoll ist (Akk. Sg., Bahuvrīhi)
snigdhena apāṅga-puṅkhena
durch den zärtlichen Pfeilschaft des Seitenblicks (Instr. Sg.)
spṛṣṭaḥ
berührt, getroffen (Nom. Sg. PPP, bezogen auf Purañjana)
prema-udbhramad-bhruvā
durch die vor Liebe kräuselnde Augenbraue (Instr. Sg.)
[Anm.: Der Vers ist in der herangezogenen Quelle (vedabase) nur mit drei pādas belegt; ein vierter pāda fehlt in der zugrundeliegenden Textwiedergabe – vermutlich eine Lücke der Vorlage [?].]
kā tvaṁ kañja-palāśākṣi kasyāsīha kutaḥ sati
imām upa purīṁ bhīru kiṁ cikīrṣasi śaṁsa me
Wer bist du, [du] mit Augen wie Lotusblütenblätter? Wessen [Angehörige] bist du hier, [du] Reine, von woher? Was gedenkst du bei dieser Stadt zu tun, [du] Furchtsame? Sag es mir!
Bist du [die Göttin der] Scham, oder bist du Bhavānī? Oder [bist du] die [Göttin der] Rede oder Ramā, die auf der Suche nach [ihrem] Gatten ist? Warum [bist du] wie eine Asketin allein im Wald? [Wer] deine Füße begehrt, dessen Wünsche sind alle erfüllt – wo ist [dir] die Lotusknospe aus der Hand gefallen?
Wort für Wort
tvam
du (Nom. Sg.)
hrīḥ
[die Göttin der] Scham (Nom. Sg.)
bhavānī
Bhavānī [Pārvatī] (Nom. Sg.)
asi
du bist (2. Sg.)
atha
oder
vāk
die [Göttin der] Rede [Sarasvatī] (Nom. Sg.)
ramā
Ramā [Lakṣmī] (Nom. Sg.)
patim
[ihren] Gatten (Akk. Sg.)
vicinvatī
suchend (Nom. Sg. Part. Fem.)
kim
warum
muni-vat
wie eine Asketin (Adv.)
rahaḥ
einsam (Adv.)
vane
im Wald (Lok. Sg.)
tvat-aṅghri-kāma
[wer] deine Füße begehrt (Kompositionsglied)
āpta-samasta-kāmam
[dessen] alle Wünsche erlangt sind (Akk. Sg., Bahuvrīhi)
Keine von diesen, o Schönhüftige, berührt so wie du den Boden; du verdienst es, zusammen mit dem vortrefflichsten, von unermesslichen Taten [erfüllten] Helden diese Stadt zu schmücken, so wie [die Göttin] Śrī die höchste Welt [schmückt] zusammen mit dem Herrn der Opfer.
yad eṣa māpāṅga-vikhaṇḍitendriyaṁ savrīḍa-bhāva-smita-vibhramad-bhruvā
tvayopasṛṣṭo bhagavān mano-bhavaḥ prabādhate 'thānugṛhāṇa śobhane
Weil dieser mächtige Liebesgott, dessen Sinn durch [deinen] Seitenblick zerspalten ist, durch dich – deren Augenbrauen sich in schamvoller Zärtlichkeit und Lächeln kräuseln – angestachelt, [mich] quält, so erweise [mir] Gnade, [du] Schöne!
Wort für Wort
yat
weil
eṣaḥ
dieser (Nom. Sg.)
mā
mich (Akk. Sg.)
apāṅga
durch den Seitenblick (Kompositionsglied)
vikhaṇḍita-indriyam
dessen Sinn zerspalten ist (Akk. Sg. [?], bezogen auf „mich“)
sa-vrīḍa-bhāva-smita-vibhramat-bhruvā
durch [dich], deren Augenbrauen sich in schamvoller Empfindung und Lächeln kräuseln (Instr. Sg.)
tvad-ānanaṁ subhru sutāra-locanaṁ vyālambi-nīlālaka-vṛnda-saṁvṛtam
unnīya me darśaya valgu-vācakaṁ yad vrīḍayā nābhimukhaṁ śuci-smite
O Schönbraue, hebe dein Antlitz mit den strahlenden Augen, umrahmt von herabhängenden dunklen Locken, empor und zeige es mir – [dein Antlitz], das liebliche Worte spricht [und] das aus Scham nicht [mir] zugewandt ist, [du] mit reinem Lächeln.
Wort für Wort
tvat-ānanam
dein Antlitz (Akk. Sg.)
su-bhru
o Schönbraue (Vok.)
su-tāra-locanam
mit strahlenden Augen (Akk. Sg.)
vyālambi-nīla-alaka-vṛnda-saṁvṛtam
umgeben von der Schar herabhängender dunkler Locken (Akk. Sg.)
na vidāma vayaṁ samyak kartāraṁ puruṣarṣabha
ātmanaś ca parasyāpi gotraṁ nāma ca yat-kṛtam
Wir kennen nicht wirklich, o Bester unter den Männern, [unseren] Schöpfer, weder unsere eigene noch eines anderen Herkunft und Namen, noch von wem [dies alles] gemacht wurde.
Wir kennen nur, dass hier jetzt das Selbst existiert, [aber] nicht darüber hinaus, [nämlich] von wem, o Held, diese Stadt – die Zuflucht des Selbst – erschaffen wurde.
diṣṭyāgato 'si bhadraṁ te grāmyān kāmān abhīpsase
udvahiṣyāmi tāṁs te 'haṁ sva-bandhubhir arindama
Zum Glück bist du gekommen, Segen [sei] dir; du wünschst dir weltliche Genüsse – diese werde ich dir mitsamt meinen eigenen Gefährten verschaffen, o Bezwinger der Feinde.
kaṁ nu tvad-anyaṁ ramaye hy arati-jñam akovidam
asamparāyābhimukham aśvastana-vidaṁ paśum
Wen anderen als dich sollte ich denn erfreuen – [einen,] der die Liebeslust nicht kennt, unkundig, dem Jenseits nicht zugewandt, der das Morgen nicht kennt, [wie] ein Tier?
dharmo hy atrārtha-kāmau ca prajānando 'mṛtaṁ yaśaḥ
lokā viśokā virajā yān na kevalino viduḥ
Denn hier [im Hausleben gibt es] Tugend, Wohlstand und Genuss, die Freude an Nachkommenschaft, Unsterblichkeit(sfrucht), Ruhm [und] kummerlose, makellose Welten – [Dinge,] die die [reinen] Transzendentalisten nicht kennen.
pitṛ-devarṣi-martyānāṁ bhūtānām ātmanaś ca ha
kṣemyaṁ vadanti śaraṇaṁ bhave 'smin yad gṛhāśramaḥ
Man sagt, dass für Ahnen, Götter, Weise, Sterbliche, [alle] Wesen und für das Selbst das Hausleben in dieser Welt des Werdens die heilbringende Zuflucht ist.
Wort für Wort
pitṛ-deva-ṛṣi-martyānām
der Ahnen, Götter, Weisen und Sterblichen (Gen. Pl.)
kasyā manas te bhuvi bhogi-bhogayoḥ
striyā na sajjed bhujayor mahā-bhuja
yo 'nātha-vargādhim alaṁ ghṛṇoddhata-smitāvalokena caraty apohitum
Welcher Frau Geist würde, o Starkarmiger, auf Erden nicht an deinen beiden Armen haften bleiben, die [gleich den] Windungen einer Schlange [sind] – [an dir,] der durch sein von Mitleid erhabenes, lächelndes Blicken umherwandelt, um den Kummer der herrenlosen [Frauen] hinlänglich zu vertreiben?
Wort für Wort
kasyāḥ striyāḥ
welcher Frau (Gen. Sg.)
manaḥ
Geist (Nom. Sg.)
te
dein (Gen. Sg.)
bhuvi
auf Erden (Lok. Sg.)
bhogi-bhogayoḥ
an den [Schlangen-]Windungen (Lok./Gen. Dual)
na sajjet
würde nicht haften bleiben (3. Sg. Opt.)
bhujayoḥ
an den beiden Armen (Lok./Gen. Dual)
mahā-bhuja
o Starkarmiger (Vok.)
yaḥ
der (Nom. Sg.)
anātha-varga-adhim
den Kummer der Schar der Herrenlosen (Akk. Sg.)
alam
hinlänglich
ghṛṇā-uddhata-smita-avalokena
durch sein von Mitleid erhabenes, lächelndes Blicken (Instr. Sg.)
nārada uvāca
iti tau dam-patī tatra samudya samayaṁ mithaḥ
tāṁ praviśya purīṁ rājan mumudāte śataṁ samāḥ
Nārada sprach: So schlossen jene beiden, das Ehepaar, dort einen gegenseitigen Bund; nachdem sie, o König, in jene Stadt eingetreten waren, erfreuten sie sich hundert Jahre lang.
saptopari kṛtā dvāraḥ puras tasyās tu dve adhaḥ
pṛthag-viṣaya-gaty-arthaṁ tasyāṁ yaḥ kaścaneśvaraḥ
Sieben Tore jener Stadt waren oben gemacht, zwei [aber] unten, zum Zweck des Zugangs zu je verschiedenen Bereichen – [Tore, durch die] irgendein Gebieter in ihr [ging].
Wort für Wort
sapta
sieben
upari
oben
kṛtāḥ dvāraḥ
gemachte Tore (Nom. Pl.)
puraḥ tasyāḥ
jener Stadt (Gen. Sg.)
tu
aber
dve adhaḥ
zwei unten (Nom. Dual)
pṛthak-viṣaya-gati-artham
zum Zweck des Gehens zu je verschiedenen Bereichen (Akk. Sg., adv.)
Khadyotā und Āvirmukhī, an einer Stelle im Osten errichtet – durch diese beiden [Tore] geht [Purañjana] mit seinem Freund Dyumat in das Land Vibhrājita.
Mukhyā genannt ist das Tor im Osten; durch dieses geht der Herrscher der Stadt, begleitet von Rasajña und Vipaṇa, in die beiden Gebiete Āpaṇa und Bahūdana.
sa yarhy antaḥpura-gato viṣūcīna-samanvitaḥ
mohaṁ prasādaṁ harṣaṁ vā yāti jāyātmajodbhavam
Wenn er, begleitet von Viṣūcīna, in die inneren Gemächer [des Palastes] eintritt, gerät er in Verblendung, Zufriedenheit oder Freude, die durch [seine] Frau [und] Kinder entsteht.
Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg.)
yarhi
wann immer
antaḥpura-gataḥ
in die inneren Gemächer eingegangen (Nom. Sg.)
viṣūcīna-samanvitaḥ
begleitet von Viṣūcīna (Nom. Sg.)
moham prasādam harṣam vā
Verblendung, Zufriedenheit oder Freude (Akk. Sg.)
yāti
er gerät (3. Sg.)
jāyā-ātmaja-udbhavam
entstanden aus [seiner] Frau und den Kindern (Akk. Sg.)
evaṁ karmasu saṁsaktaḥ kāmātmā vañcito 'budhaḥ
mahiṣī yad yad īheta tat tad evānvavartata
So den [rituellen] Werken verhaftet, von Lust erfüllten Geistes, betrogen, unklug [wie er war] – was auch immer die Königin begehrte, das befolgte er genau.
kvacit pibantyāṁ pibati madirāṁ mada-vihvalaḥ
aśnantyāṁ kvacid aśnāti jakṣatyāṁ saha jakṣiti
kvacid gāyati gāyantyāṁ rudatyāṁ rudati kvacit
kvacid dhasantyāṁ hasati jalpantyām anu jalpati
kvacid dhāvati dhāvantyāṁ tiṣṭhantyām anu tiṣṭhati
anu śete śayānāyām anvāste kvacid āsatīm
kvacic chṛṇoti śṛṇvantyāṁ paśyantyām anu paśyati
kvacij jighrati jighrantyāṁ spṛśantyāṁ spṛśati kvacit
kvacic ca śocatīṁ jāyām anu śocati dīnavat
anu hṛṣyati hṛṣyantyāṁ muditām anu modate
Manchmal trank er, wenn sie trank, vom Rausch überwältigt; manchmal aß er, wenn sie aß, und kaute mit ihr zusammen.
Manchmal sang er, wenn sie sang, manchmal weinte er, wenn sie weinte; manchmal lachte er, wenn sie lachte, und plapperte, wenn sie plapperte.
Manchmal lief er, wenn sie lief, blieb stehen, wenn sie stehen blieb; er legte sich [nieder], wenn sie lag, saß, wenn sie [irgendwo] saß.
Manchmal hörte er [zu], wenn sie hörte, sah [hin], wenn sie sah; manchmal roch er, wenn sie roch, berührte, wenn sie berührte.
Und wenn seine Gattin trauerte, trauerte er wie ein Elender mit ihr; er freute sich, wenn sie sich freute, und war fröhlich, wenn sie fröhlich war.
Wort für Wort
kvacit
manchmal
pibantyām
während sie trank (Lok. Sg. Part. Fem.)
pibati
er trank (3. Sg. Präs.)
madirām
Wein (Akk. Sg.)
mada-vihvalaḥ
vom Rausch überwältigt (Nom. Sg.)
aśnantyām
während sie aß (Lok. Sg. Part.)
aśnāti
er aß (3. Sg. Präs.)
jakṣatyām
während sie kaute (Lok. Sg. Part.)
saha jakṣiti
er kaute mit (3. Sg. Präs.)
gāyati / gāyantyām
er sang / während sie sang (3. Sg. / Lok. Sg.)
rudatyām / rudati
während sie weinte / er weinte (Lok. Sg. / 3. Sg.)
hasantyām / hasati
während sie lachte / er lachte (Lok. Sg. / 3. Sg.)
jalpantyām / anu jalpati
während sie plapperte / er plapperte hinterher (Lok. Sg. / 3. Sg.)
dhāvati / dhāvantyām
er lief / während sie lief (3. Sg. / Lok. Sg.)
tiṣṭhantyām / anu tiṣṭhati
während sie stand / er stand ebenso (Lok. Sg. / 3. Sg.)
anu śete / śayānāyām
er legte sich hin / während sie lag (3. Sg. / Lok. Sg. Part.)
anvāste / āsatīm
er saß dabei / die Sitzende (3. Sg. / Akk. Sg. Part. [?])
śṛṇoti / śṛṇvantyām
er hörte / während sie hörte (3. Sg. / Lok. Sg.)
paśyantyām / anu paśyati
während sie sah / er sah ebenso (Lok. Sg. / 3. Sg.)
jighrati / jighrantyām
er roch / während sie roch (3. Sg. / Lok. Sg.)
spṛśantyām / spṛśati
während sie berührte / er berührte (Lok. Sg. / 3. Sg.)
śocatīm jāyām
die trauernde Gattin (Akk. Sg. Part.)
anu śocati
er trauerte mit (3. Sg. Präs.)
dīnavat
wie ein Elender (Adv.)
anu hṛṣyati / hṛṣyantyām
er freute sich ebenso / während sie sich freute (3. Sg. / Lok. Sg.)
muditām / anu modate
die fröhliche / er war ebenso fröhlich (Akk. Sg. Part. / 3. Sg.)
[Anm.: Diese fünf Verse (57–61) bilden auf vedabase.io eine einzige zusammengefasste Seite/Einheit; daher hier als kombiniertes Label geführt.]
So von der Königin getäuscht, um [seine] ganze [wahre] Natur betrogen, ahmte der Unwissende [sie] nach, ohne [es eigentlich] zu wollen, aus Unmännlichkeit, wie ein [an der Leine geführtes] Spieltier.
Wort für Wort
vipralabdhaḥ
getäuscht, verführt (Nom. Sg. PPP)
mahiṣyā
von der Königin (Instr. Sg.)
evam
so
sarva-prakṛti-vañcitaḥ
um [seine] ganze [wahre] Natur betrogen (Nom. Sg.)