Kapila sprach: Der Mensch kennt wahrlich nicht die gewaltige Macht dieser [Zeit], obgleich er von der mächtigen [Zeit] fortgetragen wird – wie eine Wolkenmasse vom Wind.
Wort für Wort
kapilaḥ uvāca
Kapila sprach
tasya etasya
dieser (der Zeit)
janaḥ nūnam na ayam veda
der Mensch kennt gewiss nicht dies
uru-vikramam
die gewaltige Macht
kālyamānaḥ api
obwohl fortgetragen
balinaḥ
des Mächtigen
vāyoḥ iva ghana-āvaliḥ
wie eine Wolkenreihe vom Wind
[Anm.: 'tasyaitasya' bezieht sich auf den zuvor eingeführten Zeitfaktor (kāla).]
naraka-stho 'pi dehaṁ vai
na pumāṁs tyaktum icchati
nārakyāṁ nirvṛtau satyāṁ
deva-māyā-vimohitaḥ
Selbst wer sich in der Hölle befindet, wünscht seinen Leib nicht aufzugeben, solange selbst im höllischen [Zustand] Genuss besteht – so sehr ist er von der Täuschungsmacht des Herrn verblendet.
ākṣiptātmendriyaḥ strīṇām
asatīnāṁ ca māyayā
raho racitayālāpaiḥ
śiśūnāṁ kala-bhāṣiṇām
Sein Herz und seine Sinne werden geraubt durch die Täuschung unaufrichtiger Frauen sowie durch das im Verborgenen inszenierte Geplauder süß lallender Kinder.
In der Häuslichkeit, die von trügerischer Pflicht geprägt und ein Gespinst des Leids ist, unermüdlich tätig, hält der Hausherr das bloße Abwehren des Leids für Glück.
Wort für Wort
gṛheṣu kūṭa-dharmeṣu
im Haushalt, der von trügerischer Pflicht [geprägt] ist
Durch Reichtum, den er hier und dort mit schwerer Gewalt erlangt hat, nährt er jene [Angehörigen]; er selbst aber, der nur die Reste verzehrt, sinkt durch deren Unterhalt hinab.
Unfähig, seine Familie zu erhalten, vom Unglück verfolgt, seine Mühe vergeblich, des Wohlstands beraubt, elend – seufzt der in seinem Verstand verblendete Mann grübelnd.
So wird der zur eigenen Versorgung Unfähige von seiner Gattin und den übrigen [Angehörigen] nicht mehr geachtet wie zuvor – gleichwie Bauern einen alten Ochsen [verachten].
Selbst dort, nun von denen erhalten, die er einst selbst erhielt, entsteht in ihm keine Entsagung; durch das Alter entstellt, dem Tod entgegensehend, [verharrt er] zuhause.
Er verweilt und verzehrt, was man ihm geringschätzig hinwirft, wie ein Haushund; krank, das Verdauungsfeuer erloschen, mit wenig Nahrung und wenig Regung.
Seine Augen treten durch den aufsteigenden Lebenswind hervor, seine Luftröhre ist von Schleim verstopft; von Husten und schwerem Atmen geplagt, gibt er in der Kehle ein röchelndes Geräusch von sich.
Wort für Wort
vāyunā utkramata-uttāraḥ
dessen Augen durch den aufsteigenden Wind hervortreten
So, im Unterhalt der Familie verstrickten Geistes und mit unbezähmten Sinnen, stirbt er unter dem Weinen der Seinen, sein Bewusstsein durch gewaltigen Schmerz ausgelöscht.
yama-dūtau tadā prāptau
bhīmau sarabhasekṣaṇau
sa dṛṣṭvā trasta-hṛdayaḥ
śakṛn-mūtraṁ vimuñcati
Dann treffen die beiden Boten Yamas ein, furchterregend, mit zornerfülltem Blick; sobald er sie erblickt, entleert er, das Herz von Schrecken erfüllt, Kot und Urin.
Sie hüllen ihn in einen Leib der Pein, binden ihn gewaltsam mit Stricken am Hals und führen ihn einen weiten Weg fort – wie Häscher des Königs einen Verurteilten führen.
Wort für Wort
yātanā-dehe āvṛtya
nachdem sie ihn in einen Leib der Pein gehüllt haben
Von Hunger und Durst gequält, von Sonnenglut, Waldbrand und [heißen] Winden versengt, auf einem Weg aus glühendem Sand, unter Qual auf dem Rücken von der Peitsche geschlagen, schleppt er sich, obwohl kraftlos, weiter durch eine Gegend ohne Zuflucht und Wasser.
Wort für Wort
kṣut-tṛṭ-parītaḥ
von Hunger und Durst gequält
arka-dava-anala-anilaiḥ santapyamānaḥ
von Sonne, Waldbrand und Wind versengt
pathi tapta-vāluke
auf einem Weg aus glühendem Sand
kṛcchreṇa pṛṣṭhe kaśayā ca tāḍitaḥ
unter Qual auf dem Rücken von der Peitsche geschlagen
calati aśaktaḥ api nirāśrama-udake
schleppt sich, obgleich kraftlos, durch eine Gegend ohne Obdach und Wasser
tatra tatra patañ chrānto
mūrcchitaḥ punar utthitaḥ
pathā pāpīyasā nītas
tarasā yama-sādanam
Immer wieder fällt er erschöpft hin, sinkt bewusstlos nieder und wird wieder aufgerichtet; auf diesem überaus üblen Weg wird er eilends zur Wohnstatt Yamas geführt.
Das Verbrennen der eigenen Glieder, mit brennenden Scheiten und dergleichen umwickelt, sowie mancherorts das Essen des eigenen Fleisches – sei es von ihm selbst getan oder auch von anderen.
Und, noch lebend, das Herausreißen der Eingeweide durch Hunde und Geier in Yamas Wohnstatt, sowie die eigene Zerfleischung durch beißende Schlangen, Skorpione, Bremsen und dergleichen.
Wort für Wort
jīvataḥ ca antra-abhyuddhāraḥ
und das Herausreißen der Eingeweide, noch lebend
śva-gṛdhraiḥ yama-sādane
durch Hunde und Geier in Yamas Wohnstatt
sarpa-vṛścika-daṁśa-ādyaiḥ daśadbhiḥ
durch beißende Schlangen, Skorpione, Bremsen und dergleichen
Und das gliedweise Zerschneiden, das Zerreißen durch Elefanten und dergleichen, das Herabstürzen von Berggipfeln sowie das Einsperren in Wasser oder in Höhlen.
Jene Qualen – Tāmisra, Andhatāmisra, Raurava und dergleichen – erleidet Mann oder Frau, Qualen, die durch ihren gegenseitigen [unrechten] Umgang verursacht wurden.
Wer so seine Familie erhielt oder auch nur seinen eigenen Bauch nährte – nachdem er hier beides [Familie und Leib] verlassen hat, erleidet er nach dem Tod eine solche Frucht davon.
ekaḥ prapadyate dhvāntaṁ
hitvedaṁ sva-kalevaram
kuśaletara-pātheyo
bhūta-droheṇa yad bhṛtam
Allein geht er in die Finsternis ein, nachdem er diesen eigenen Leib verlassen hat – mit Unheil statt Wegzehrung versehen –, den Leib, der durch Verletzung anderer Lebewesen genährt wurde.
Die durch die Fügung [des Schicksals] erlangte Sündenlast für das Erhalten der Familie erleidet der Mensch in der Hölle, gleich einem Kranken, dem sein Vermögen geraubt wurde.
Nachdem er der Reihe nach alle die Qualen und dergleichen unterhalb der Welt der Menschen durchlaufen hat, kehrt er, nun geläutert, wieder hierher zurück.