Kapitel 158: sura-gaṇānāṁ bhagavac-charaṇa-prārthanā
Die Götter bitten den Herrn um Schutz
Editorisch konstruierter Titel (das Bhāgavata-Purāṇa selbst trägt keine Kapitelüberschrift im Sanskrit-Text); vgl. engl. Standardtitel 'The Demigods Appeal to the Lord for Protection'.
śrī-śuka uvāca
rājann uditam etat te hareḥ karmāgha-nāśanam
gajendra-mokṣaṇaṁ puṇyaṁ raivataṁ tv antaraṁ śṛṇu
Śrī Śuka sprach: O König, dies wurde dir bereits verkündet – die unheilvernichtende Tat Haris, die heilsame Befreiung Gajendras, des Elefantenkönigs. Höre nun von der Periode (Manvantara) des Raivata.
Vibhu war Indra (der König des Himmels), o König; die Halbgötter waren angeführt von den Bhūtarayas, und die zweifachgeborenen Weisen waren Hiraṇyaromā, Vedaśirā, Ūrdhvabāhu und andere.
Die Gattin Śubhras war Vikuṇṭhā, [begleitet] von den Vaikuṇṭhas, den besten der Götter. Von den beiden wurde durch Seine eigene Teilexpansion der Herr selbst als Vaikuṇṭha geboren.
Wort für Wort
patnī
die Gattin
vikuṇṭhā
Vikuṇṭhā (Name)
śubhrasya
des Śubhra
vaikuṇṭhaiḥ
von den Vaikuṇṭhas
sura-sattamaiḥ
den besten der Götter
tayoḥ
von den beiden
sva-kalayā
durch Seine eigene Teilexpansion
jajñe
wurde geboren
vaikuṇṭhaḥ
Vaikuṇṭha
bhagavān
der Herr
svayam
selbst
Nur GRETIL (vedabase 429/blockiert). Eigenständig übersetzt.
vaikuṇṭhaḥ kalpito yena loko loka-namaskṛtaḥ
ramayā prārthyamānena devyā tat-priya-kāmyayā
Von Ihm, der von der Göttin Ramā aus dem Wunsch, Ihm zu gefallen, gebeten wurde, wurde die Welt Vaikuṇṭha erschaffen, die von allen Welten verehrt wird.
tasyānubhāvaḥ kathito guṇāś ca paramodayāḥ
bhaumān reṇūn sa vimame yo viṣṇor varṇayed guṇān
Seine Herrlichkeit wurde erzählt, und Seine Eigenschaften von höchster Erhabenheit. Eher könnte einer die Staubkörner der Erde zählen, als dass er die Eigenschaften Viṣṇus vollständig beschreiben könnte.
Auch dort wurde von Devasambhūti, [der Gattin] des Vairāja, ein Sohn geboren, mit Namen Ajita, der Herr des Universums, eine Teilexpansion des Höchsten Herrn.
Durch den, nachdem er den Milchozean gequirlt hatte, wurde der Nektar der Götter hervorgebracht; der im Wasser umherschwankende Berg Mandara wurde von Ihm in Gestalt einer Schildkröte getragen.
Der König sprach: O Brahmane, wie wurde vom Herrn der Milchozean gequirlt, wozu und weshalb, und wie trug Er den Berg in einer im Wasser beweglichen Gestalt?
Śrī Sūta sprach: So gefragt, o Brahmanen, hieß der erhabene Sohn Dvaipāyanas [die Frage] willkommen und begann, die heldenhaften Taten Haris zu erzählen.
Śrī Śuka sprach: Als in der Schlacht die Götter von den Asuras mit scharfen Waffen geschlagen wurden und, des Lebensodems beraubt, in großer Zahl gefallen zu Boden lagen und sich nicht mehr erhoben,
Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
yadā
als
yuddhe
in der Schlacht
asuraiḥ
von den Asuras
devāḥ
die Götter
badhyamānāḥ
geschlagen wurden
śita-āyudhaiḥ
mit scharfen Waffen
gata-asavaḥ
des Lebensodems beraubt
nipatitāḥ
gefallen
na uttiṣṭheran sma
erhoben sich nicht mehr
bhūriśaḥ
in großer Zahl
Nur GRETIL. Eigenständig übersetzt. Satz setzt sich in Vers 16–17 fort (yadā...yadā...na adhyagacchan).
– als, o König, durch den Fluch Durvāsās die drei Welten samt Indra ihres Glanzes beraubt wurden und dort die Opfer und anderen Riten nicht mehr stattfinden konnten,
Wort für Wort
yadā
als
durvāsaḥ śāpena
durch den Fluch Durvāsās
sa-indrāḥ
samt Indra
lokāḥ trayaḥ
die drei Welten
nṛpa
o König
niḥśrīkāḥ
ihres Glanzes beraubt
ca abhavan
wurden
tatra
dort
na īśuḥ
vermochten nicht [stattzufinden]
ijyā-ādayaḥ kriyāḥ
die Opfer und anderen Riten
Nur GRETIL. Eigenständig übersetzt. Fortsetzung von Vers 15.
– als sie dies wahrnahmen, gelangten die Scharen der Götter, angeführt von Mahendra und Varuṇa, obwohl sie miteinander berieten, aus eigener Kraft zu keinem endgültigen Entschluss.
Wort für Wort
niśāmya
nachdem sie wahrgenommen hatten
etat
dies
sura-gaṇāḥ
die Scharen der Götter
mahendra-varuṇa-ādayaḥ
angeführt von Mahendra und Varuṇa
na adhyagacchan
gelangten nicht
svayam
aus eigener Kraft
mantraiḥ
durch Beratungen
mantrayantaḥ
beratschlagend
viniścitam
zu einem endgültigen Entschluss
Nur GRETIL. Eigenständig übersetzt. Hauptsatz des in Vers 15 begonnenen Satzgefüges.
sa vilokyendra-vāyv-ādīn niḥsattvān vigata-prabhān
lokān amaṅgala-prāyān asurān ayathā vibhuḥ
Er, der Mächtige (Brahmā), sah, wie Indra, Vāyu und die anderen [Götter] kraftlos und ihres Glanzes beraubt waren, die Welten größtenteils unheilvoll, während die Asuras davon unberührt [gediehen] –
Wort für Wort
saḥ
er
vilokya
nachdem er gesehen hatte
indra-vāyu-ādīn
Indra, Vāyu und andere
niḥsattvān
kraftlos
vigata-prabhān
ihres Glanzes beraubt
lokān
die Welten
amaṅgala-prāyān
größtenteils unheilvoll
asurān
die Asuras
ayathā
im Gegensatz dazu [unbeeinträchtigt] [?]
vibhuḥ
der Mächtige (Brahmā)
Nur GRETIL. Eigenständig übersetzt. 'ayathā' [?]: Bedeutung unsicher, hier als 'im Gegensatz/unbeeinträchtigt' gedeutet (Kontrast zu den geschwächten Göttern). Satz setzt sich in Vers 20 fort (Hauptverb 'uvāca').
samāhitena manasā saṁsmaran puruṣaṁ param
uvācotphulla-vadano devān sa bhagavān paraḥ
– mit gesammeltem Geist an die Höchste Person denkend, sprach er, der erhabene Brahmā, der Höchste [unter den Göttern], mit heiterem, aufblühendem Antlitz zu den Göttern:
Wort für Wort
samāhitena manasā
mit gesammeltem Geist
saṁsmaran
sich erinnernd/meditierend
puruṣam param
an die Höchste Person
uvāca
sprach
utphulla-vadanaḥ
mit aufblühendem Antlitz
devān
zu den Göttern
saḥ
er
bhagavān
der Erhabene
paraḥ
der Höchste (Brahmā)
Nur GRETIL. Eigenständig übersetzt. Fortsetzung/Abschluss von Vers 19.
Ich, Śiva, ihr, sowie die Asuras und andere, die als Menschen, Tiere, Bäume und aus Feuchtigkeit Geborenen – wir alle, hervorgebracht als Seine Avatāras, Teilexpansionen und Anteile – lasst uns alle Zuflucht suchen bei jenem Unvergänglichen.
Wort für Wort
aham
ich
bhavaḥ
Śiva (Bhava)
yūyam
ihr
atho
sowie
asura-ādayaḥ
die Asuras und andere
manuṣya-tiryak-druma-gharma-jātayaḥ
die als Menschen, Tiere, Bäume und aus Feuchtigkeit Geborenen
yasya
dessen
avatāra-aṁśa-kalā-visarjitāḥ
als Avatāras, Teilexpansionen und Anteile hervorgebracht
na yasya vadhyo na ca rakṣaṇīyo nopekṣaṇīyādaraṇīya-pakṣaḥ
tathāpi sarga-sthiti-saṁyamārthaṁ dhatte rajaḥ-sattva-tamāṁsi kāle
Für Ihn gibt es niemanden, der zu töten, noch jemanden, der zu beschützen wäre, keine Partei, die zu vernachlässigen oder zu bevorzugen wäre; dennoch nimmt Er zum Zweck von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung zur rechten Zeit die Erscheinungsweisen Rajas, Sattva und Tamas an.
Wort für Wort
na
nicht
yasya
für den
vadhyaḥ
zu tötend(er)
na ca
und nicht
rakṣaṇīyaḥ
zu beschützend(er)
na upekṣaṇīya-ādaraṇīya-pakṣaḥ
keine zu vernachlässigende oder zu bevorzugende Partei
ayaṁ ca tasya sthiti-pālana-kṣaṇaḥ sattvaṁ juṣāṇasya bhavāya dehinām
tasmād vrajāmaḥ śaraṇaṁ jagad-guruṁ svānāṁ sa no dhāsyati śaṁ sura-priyaḥ
Und dies ist der Augenblick Seiner Erhaltung und Seines Schutzes, da Er zum Wohl der verkörperten Wesen die Erscheinungsweise Sattva annimmt. Darum lasst uns Zuflucht suchen beim Lehrer des Universums – Er, der den Göttern gewogen ist, wird uns, die wir Ihm gehören, Wohlergehen gewähren.
So zu den Göttern gesprochen habend, ging Brahmā zusammen mit den Göttern, o Bezwinger der Feinde, unmittelbar zum Reich Ajitas, das jenseits der [materiellen] Dunkelheit liegt.
tatrādṛṣṭa-svarūpāya śruta-pūrvāya vai prabhuḥ
stutim abrūta daivībhir gīrbhis tv avahitendriyaḥ
Dort sprach der Herr (Brahmā) zu Ihm, dessen Gestalt [bisher] ungesehen und von dem [bisher] nur gehört worden war, mit gesammelten Sinnen einen Lobpreis in göttlichen Worten.
Dem Unveränderlichen, dem Wahren, dem Grenzenlosen, dem Uranfänglichen, dem im Herzen Wohnenden, dem Unteilbaren, dem durch Logik nicht zu Erfassenden, dem, den der Geist nicht einholt, dem durch Worte nicht Auszudrückenden – wir verneigen uns vor dem besten und verehrungswürdigsten der Götter.
vipaścitaṁ prāṇa-mano-dhiyātmanām arthendriyābhāsam anidram avraṇam
chāyātapau yatra na gṛdhra-pakṣau tam akṣaraṁ khaṁ tri-yugaṁ vrajāmahe
Zu Ihm, dem Allwissenden, der die Objekte und Sinne aller mit Lebensluft, Geist, Intellekt und Selbst [ausgestatteten Wesen] erhellt, dem Schlaflosen, dem Makellosen, dort, wo weder Schatten noch Sonnenlicht noch die 'Geierschwingen' [Anm.] sind – zu Ihm, dem Unvergänglichen, dem Transzendenten, [genannt] Triyuga, nehmen wir Zuflucht.
Wort für Wort
vipaścitam
dem Allwissenden
prāṇa-manaḥ-dhī-ātmanām
der Lebensluft, des Geistes, des Intellekts und des Selbst
artha-indriya-ābhāsam
der die Objekte und Sinne erhellt
anidram
dem Schlaflosen
avraṇam
dem Makellosen
chāyā-ātapau
Schatten und Sonnenlicht
yatra
wo
na
nicht
gṛdhra-pakṣau
die 'Geierschwingen' [Anm.]
tam
zu Ihm
akṣaram
dem Unvergänglichen
kham
dem Transzendenten/Ätherischen
tri-yugam
[genannt] Triyuga
vrajāmahe
wir nehmen Zuflucht
Nur GRETIL. Eigenständig übersetzt. [Anm.]: 'gṛdhra-pakṣau' (wörtl. 'Geierflügel') ist bildlicher Ausdruck, vermutlich für ein Gegensatzpaar (z.B. Tugend/Laster); genaue Referenz unsicher [?].
ajasya cakraṁ tv ajayeryamāṇaṁ mano-mayaṁ pañcadaśāram āśu
tri-nābhi vidyuc-calam aṣṭa-nemi yad akṣam āhus tam ṛtaṁ prapadye
Zum Rad des Ungeborenen, das durch Seine Māyā angetrieben wird, aus Geist bestehend, mit fünfzehn Speichen, schnell, mit drei Naben, sich bewegend wie ein Blitz, mit acht Felgen – zu Ihm, den man dessen Achse nennt, dem ewig Wahren, nehme ich Zuflucht.
ya eka-varṇaṁ tamasaḥ paraṁ tad alokam avyaktam ananta-pāram
āsāṁ cakāropasuparṇam enam upāsate yoga-rathena dhīrāḥ
Ihn, der von einheitlicher Beschaffenheit, jenseits der Dunkelheit, jenes Unsichtbare, Unmanifestierte, dessen Grenze unendlich ist [Anm.] – Ihn verehren die standhaften Weisen mittels des Wagens des Yoga.
Wort für Wort
yaḥ
der
eka-varṇam
von einheitlicher Beschaffenheit
tamasaḥ param
jenseits der Dunkelheit
tat
jenes
a-lokam
Unsichtbare
avyaktam
Unmanifestierte
ananta-pāram
dessen Grenze unendlich ist
āsāṁ cakāra
[?] unklare Wendung, s. Anm.
upasuparṇam
[?] evtl. Bezug auf Suparṇa/Garuḍa
enam
Ihn
upāsate
verehren
yoga-rathena
mit dem Wagen des Yoga
dhīrāḥ
die standhaften Weisen
Nur GRETIL. Eigenständig übersetzt. [Anm.]: Die Wortfolge 'āsāṁ cakāropasuparṇam' (Pāda c) ist sandhi-mehrdeutig und konnte nicht sicher aufgelöst werden [?]; evtl. Bezug auf Garuḍa (Suparṇa) als Sinnbild des Trägers. Übrige Verspassagen sind eindeutig übersetzt.
na yasya kaścid atitarati māyāṁ yayā jano muhyati veda nārtham
taṁ nirjitātma-ātma-guṇaṁ pareśaṁ namāma bhūteṣu samaṁ carantam
Dessen Māyā niemand zu überwinden vermag, durch die die Menschen verwirrt werden und den wahren Sinn nicht erkennen – vor Ihm, der Seine eigenen Sinne und Erscheinungsweisen völlig bezwungen hat, dem Höchsten Herrn, der gleichmütig unter allen Wesen wandelt, verneigen wir uns.
Wort für Wort
na
nicht
yasya
dessen
kaścit
irgendjemand
atitarati
überwindet
māyām
die Māyā
yayā
durch die
janaḥ
die Menschen
muhyati
werden verwirrt
veda na artham
kennen nicht den wahren Sinn
tam
Ihn
nirjita-ātma-ātma-guṇam
der Seine eigenen Sinne/Selbst und Erscheinungsweisen völlig bezwungen hat
pareśam
den Höchsten Herrn
namāma
wir verneigen uns
bhūteṣu
unter den Wesen
samam
gleichmütig
carantam
wandelnd
Nur GRETIL. Eigenständig übersetzt. GRETIL-Form 'kaścāt' als 'kaścit' gelesen (naheliegende Normalform).
ime vayaṁ yat-priyayaiva tanvā sattvena sṛṣṭā bahir antarāviḥ
gatiṁ na sūkṣmām ṛṣayaś ca vidmahe kuto 'surādyā itara-pradhānāḥ
Wir hier, erschaffen durch Seine liebevolle Gestalt aus [reiner] Güte, offenbar außen wie innen – nicht einmal die Weisen kennen Seinen subtilen Weg; wie viel weniger [erst] die Asuras und andere, die von geringerer Bedeutung sind.
pādau mahīyaṁ sva-kṛtaiva yasya catur-vidho yatra hi bhūta-sargaḥ
sa vai mahā-pūruṣa ātma-tantraḥ prasīdatāṁ brahma mahā-vibhūtiḥ
Diese Erde, von Ihm selbst geschaffen, ist Sein Fußpaar, worin fürwahr die vierfache Schöpfung der Lebewesen [geschieht]; möge Er, die Große Person, der Selbstbestimmte, das Absolute von großer Herrlichkeit, uns gnädig sein.
Wort für Wort
pādau
die beiden Füße
mahī iyam
diese Erde
sva-kṛtā
von Ihm selbst geschaffen
eva
eben
yasya
dessen
catuḥ-vidhaḥ
vierfach
yatra
worin
hi
fürwahr
bhūta-sargaḥ
die Schöpfung der Lebewesen
saḥ vai
er fürwahr
mahā-pūruṣaḥ
die Große Person
ātma-tantraḥ
der Selbstbestimmte
prasīdatām
möge gnädig sein
brahma
das Absolute
mahā-vibhūtiḥ
von großer Herrlichkeit
Nur GRETIL. Eigenständig übersetzt. Ab hier beginnt die Reihe der 'prasīdatāṁ naḥ sa mahāvibhūtiḥ'-Verse.
ambhas tu yad-retaḥ udāra-vīryaṁ sidhyanti jīvanty uta vardhamānāḥ
lokā yato 'thākhila-loka-pālāḥ prasīdatāṁ naḥ sa mahā-vibhūtiḥ
Das Wasser ist Sein Same von erhabener Kraft, durch den [die Wesen] zur Vollendung gelangen, leben und gedeihen; woraus die Welten und auch alle Welthüter [entstehen] – möge Er, von großer Herrlichkeit, uns gnädig sein.
somaṁ mano yasya samāmananti divaukasāṁ yo balam andha āyuḥ
īśo nagānāṁ prajanaḥ prajānāṁ prasīdatāṁ naḥ sa mahā-vibhūtiḥ
Der Mond, so lehrt man, ist Sein Geist, Er, der die Kraft, die Nahrung und die Lebensdauer der Himmelsbewohner [verkörpert]; der Herr der Berge, der Erzeuger der Geschöpfe – möge Er, von großer Herrlichkeit, uns gnädig sein.
agnir mukhaṁ yasya tu jāta-vedā jātaḥ kriyā-kāṇḍa-nimitta-janmā
antaḥ-samudre 'nupacan sva-dhātūn prasīdatāṁ naḥ sa mahā-vibhūtiḥ
Das Feuer, der Kenner alles Gewordenen, ist Sein Mund, entstanden um der [vedischen] Opferhandlungen willen; im Inneren des Ozeans die eigenen Elemente verdauend – möge Er, von großer Herrlichkeit, uns gnädig sein.
Wort für Wort
agniḥ
das Feuer
mukham
der Mund
yasya
dessen
tu
aber
jāta-vedāḥ
der Kenner alles Gewordenen [Epitheton Agnis]
jātaḥ
entstanden
kriyā-kāṇḍa-nimitta-janmā
dessen Entstehung um der Opferhandlungen willen geschah
yac cakṣur āsīt taraṇir deva-yānaṁ trayī-mayo brahmaṇa eṣa dhiṣṇyam
dvāraṁ ca mukter amṛtaṁ ca mṛtyuḥ prasīdatāṁ naḥ sa mahā-vibhūtiḥ
Die Sonne, die Sein Auge ist, ist der Pfad der Götter, aus den drei Veden bestehend, dieser Sitz Brahmans; sie ist die Pforte der Befreiung, die Unsterblichkeit und zugleich der Tod – möge Er, von großer Herrlichkeit, uns gnädig sein.
prāṇād abhūd yasya carācarāṇāṁ prāṇaḥ saho balam ojaś ca vāyuḥ
anvāsma samrājam ivānugā vayaṁ prasīdatāṁ naḥ sa mahā-vibhūtiḥ
Aus Seinem Lebensodem entstand der Wind, der der Lebensodem, die Ausdauer, die Kraft und die Vitalität der beweglichen und unbeweglichen Wesen ist; wir folgen [Ihm] wie Gefolgsleute einem Kaiser – möge Er, von großer Herrlichkeit, uns gnädig sein.
śrotrād diśo yasya hṛdaś ca khāni prajajñire khaṁ puruṣasya nābhyāḥ
prāṇendriyātmāsu-śarīra-ketaḥ prasīdatāṁ naḥ sa mahā-vibhūtiḥ
Aus Seinem Ohr entstanden die Himmelsrichtungen, und aus Seinem Herzen die Sinnesöffnungen; aus dem Nabel der Höchsten Person entstand der Äther – Er, dessen Kennzeichen Lebensluft, Sinne, Selbst, Lebenskraft und Körper sind – möge Er, von großer Herrlichkeit, uns gnädig sein.
Wort für Wort
śrotrāt
aus dem Ohr
diśaḥ
die Himmelsrichtungen
yasya
dessen
hṛdaḥ ca
und aus dem Herzen
khāni
die Sinnesöffnungen
prajajñire
entstanden
kham
der Äther
puruṣasya
der Höchsten Person
nābhyāḥ
aus dem Nabel
prāṇa-indriya-ātma-asu-śarīra-ketaḥ
dessen Kennzeichen Lebensluft, Sinne, Selbst, Lebenskraft und Körper sind
balān mahendras tridaśāḥ prasādān manyor girīśo dhiṣaṇād viriñcaḥ
khebhyas tu chandāṁsy ṛṣayo meḍhrataḥ kaḥ prasīdatāṁ naḥ sa mahā-vibhūtiḥ
Aus [Seiner] Kraft entstand Mahendra, aus [Seiner] Gnade die dreißig Götter, aus [Seinem] Zorn der Herr der Berge (Śiva), aus [Seinem] Verstand Viriñca (Brahmā); aus den Sinnesöffnungen aber die vedischen Hymnen und die Weisen, aus dem Zeugungsglied Ka (Prajāpati) – möge Er, von großer Herrlichkeit, uns gnädig sein.
Wort für Wort
balāt
aus Seiner Kraft
mahā-indraḥ
Mahendra (Indra)
tridaśāḥ
die dreißig Götter
prasādāt
aus Seiner Gnade
manyoḥ
aus Seinem Zorn
giri-īśaḥ
der Herr der Berge (Śiva)
dhiṣaṇāt
aus Seinem Verstand
viriñcaḥ
Viriñca (Brahmā)
khebhyaḥ tu
aber aus den Sinnesöffnungen
chandāṁsi
die vedischen Hymnen
ṛṣayaḥ
die Weisen
meḍhrataḥ
aus dem Zeugungsglied
kaḥ
Ka [Prajāpati]
prasīdatām
möge gnädig sein
naḥ
uns
saḥ mahā-vibhūtiḥ
er von großer Herrlichkeit
Nur GRETIL. Eigenständig übersetzt. Zuordnung von 'khebhyaḥ...ṛṣayaḥ' und 'meḍhrataḥ kaḥ' leicht unsicher [?]; plausibelste Aufteilung gewählt.
Śrī entstand aus Seiner Brust, die Ahnen aus Seinem Schatten, Dharma aus Seiner Brustwarze, der andere [Adharma] aus Seinem Rücken; der Himmel aus Seinem Haupt, die Apsaras aus Seinem Spiel – möge Er, von großer Herrlichkeit, uns gnädig sein.
vipro mukhād brahma ca yasya guhyaṁ rājanya āsīd bhujayor balaṁ ca
ūrvor viḍ ojo 'ṅghrir aveda-śūdrau prasīdatāṁ naḥ sa mahā-vibhūtiḥ
Der Brahmane entstand aus Seinem Mund, und ebenso das heilige Wissen (Brahman); aus Seinen geheimen [Gliedern] der Kṣatriya, und aus Seinen Armen die Kraft; aus Seinen Schenkeln der Vaiśya und die Vitalität, aus Seinem Fuß der Śūdra, dem der Veda verwehrt ist – möge Er, von großer Herrlichkeit, uns gnädig sein.
lobho 'dharāt prītir upary abhūd dyutir nastaḥ paśavyaḥ sparśena kāmaḥ
bhruvor yamaḥ pakṣma-bhavas tu kālaḥ prasīdatāṁ naḥ sa mahā-vibhūtiḥ
Die Gier entstand aus Seiner Unterlippe, die Zuneigung aus der oberen [Lippe]; der Glanz aus der Nase, das der Fortpflanzung zuträgliche Verlangen aus dem Tastsinn; Yama aus den Augenbrauen, die Zeit aber aus den Wimpern – möge Er, von großer Herrlichkeit, uns gnädig sein.
dravyaṁ vayaḥ karma guṇān viśeṣaṁ yad-yoga-māyā-vihitān vadanti
yad durvibhāvyaṁ prabudhāpabādhaṁ prasīdatāṁ naḥ sa mahā-vibhūtiḥ
Stoff, Lebensalter, Handeln, die Erscheinungsweisen und ihre Verschiedenheit – dies, so sagt man, ist durch Seine Yogamāyā angeordnet; das, was schwer zu begreifen ist, [aber] von den Erwachten als [bloßer Schein] durchschaut wird – möge Er, von großer Herrlichkeit, uns gnädig sein.
namo 'stu tasmā upaśānta-śaktaye svārājya-lābha-pratipūritātmane
guṇeṣu māyāraciteṣu vṛttibhir na sajjamānāya nabhasvad-ūtaye
Verehrung sei Ihm, dessen [Māyā-]Kräfte zur Ruhe gebracht sind, dessen Selbst durch die Erlangung Seiner eigenen Souveränität völlig erfüllt ist, der durch Seine Wirkweisen nicht an den von Māyā geschaffenen Erscheinungsweisen haftet, und dessen Gunst dem Wind gleicht [allgegenwärtig, unsichtbar].
Wort für Wort
namaḥ astu
Verehrung sei
tasmai
Ihm
upaśānta-śaktaye
dessen Kräfte zur Ruhe gebracht sind
sva-ārājya-lābha-pratipūrita-ātmane
dessen Selbst durch die Erlangung der eigenen Souveränität völlig erfüllt ist
sa tvaṁ no darśayātmānam asmat-karaṇa-gocaram
prapannānāṁ didṛkṣūṇāṁ sasmitaṁ te mukhāmbujam
Zeige uns, der Du der Höchste bist, Dein Selbst, das außerhalb der Reichweite unserer Sinne liegt; [zeige] uns, die wir uns Dir ergeben haben und Dich zu sehen wünschen, Dein lächelndes Lotusgesicht.
tais taiḥ svecchā-bhūtai rūpaiḥ kāle kāle svayaṁ vibho
karma durviṣahaṁ yan no bhagavāṁs tat karoti hi
Durch jene verschiedenen, aus eigenem Willen entstandenen Gestalten vollbringst Du selbst, o Allmächtiger, zu verschiedenen Zeiten fürwahr jene für uns unerträgliche Aufgabe.
kleśa-bhūry alpa-sārāṇi karmāṇi viphalāni vā
dehināṁ viṣayārtānāṁ na tathaivārpitaṁ tvayi
Die Handlungen der verkörperten Wesen, die von Sinnesobjekten geplagt sind – reich an Mühsal, von geringem Wert oder fruchtlos –, [diese Mühsal gilt] nicht in gleicher Weise, wenn sie Dir dargebracht werden.
nāvamaḥ karma-kalpo 'pi viphalāyeśvarārpitaḥ
kalpate puruṣasyaiva sa hy ātmā dayito hitaḥ
Nicht einmal der geringste Ansatz einer Handlung, wenn er dem Herrn dargebracht wird, erweist sich als fruchtlos; er wird [zum Segen] für die Person selbst, denn Er, der Herr, ist ja ihr geliebtes und wohlgesinntes eigenes Selbst.
namas tubhyam anantāya durvitarkyātma-karmaṇe
nirguṇāya guṇeśāya sattva-sthāya ca sāmpratam
Verehrung sei Dir, dem Endlosen, dessen eigenes Wesen und Tun unergründlich sind; dem Eigenschaftslosen, dem Herrn der [materiellen] Erscheinungsweisen, der jetzt in der Erscheinungsweise Güte weilt.