Kapitel 26: avatāra-nirūpaṇam
Die planmäßigen Inkarnationen mit ihren besonderen Aufgaben
Skandha 2, Adhyāya 7. Quelle: vedabase.io, vers-für-vers abgerufen (V.34-35 und V.43-45 auf der Quellseite als zusammenhängende Einheiten gruppiert; V.6 und V.48 sind im Original Halbverse). Brahmā erfüllt seine am Ende von Kapitel 6 gegebene Ankündigung und schildert Nārada der Reihe nach die līlā-Inkarnationen des Höchsten: Varāha, Yajña, Kapila, Dattātreya, die vier Kumāras, Nara-Nārāyaṇa, Dhruva, Pṛthu, Ṛṣabha, Hayagrīva, Matsya, Kūrma, Nṛsiṁha, die Gajendra-mokṣa-Episode, Vāmana, Dhanvantari, Paraśurāma, Rāma (mit Ozeanüberquerung und Rāvaṇas Tod), sowie ausführlich die Kṛṣṇa-Inkarnation mit ihren Kindheits- und Jugendtaten (Pūtanā, Śakaṭāsura, die Arjuna-Bäume, Kāliya, der Waldbrand, die Universum-Vision im Mund, Govardhana, Rāsa-līlā) bis hin zu den im Mahābhārata-Krieg fallenden Gegnern (V.1-35). Es folgen Vyāsa, Buddha und Kalki als weitere Inkarnationen sowie eine Zusammenfassung der drei guṇa-avatāras (V.36-39). Den Abschluss bildet eine Reihe von Versen über die Unermesslichkeit der Lord-Herrlichkeit, das bhakti-Universalitätsmotiv, das reine Brahman-Wissen und schließlich Brahmās Auftrag an Nārada, diese hier nur zusammengefasste Lehre - das 'Bhāgavatam' - ausführlich zu verbreiten (V.40-53).
Als der Unendliche, um die Erde emporzuheben, den Eberkörper annahm, der ganz aus dem Opfer besteht, durchbohrte er mit seinem Stoßzahn den ursprünglichen Dämon, der im großen Ozean erschienen war, wie der Träger des Donnerkeils einen Berg [durchbohrt].
Wort für Wort
yatrodyataḥ kṣiti-tala-uddharaṇāya
als er sich erhob, um die Erdoberfläche emporzuheben
bibhrat krauḍīṁ tanuṁ sakala-yajña-mayīm anantaḥ
der Unendliche, den ganz aus dem Opfer bestehenden Eberkörper tragend
antar-mahārṇava upāgatam ādi-daityaṁ
den im großen Ozean erschienenen ursprünglichen Dämon
taṁ daṁṣṭrayādrim iva vajra-dharo dadāra
durchbohrte er mit dem Stoßzahn, wie der Donnerkeil-Träger einen Berg
[Anm.: Varāha-Avatāra, der Eber, der die Erde aus den kosmischen Gewässern rettet und den Urdämon Hiraṇyākṣa tötet.]
Als Suyajña, der Sohn der Ākūti, von Ruci geboren, zeugte er mit Dakṣiṇā die Suyama-Götter; da er die große Not der drei Welten hinwegnahm, wurde er vom Svāyambhuva Manu 'Hari' genannt.
Wort für Wort
jāto rucer ajanayat suyamān suyajña
als Suyajña, von Ruci geboren, zeugte er die Suyamas
ākūti-sūnur amarān atha dakṣiṇāyām
der Sohn der Ākūti, die Götter, mit Dakṣiṇā
loka-trayasya mahatīm aharad yad ārtiṁ
da er die große Not der drei Welten hinwegnahm
svāyambhuvena manunā harir ity anūktaḥ
wurde er vom Svāyambhuva Manu 'Hari' genannt
[Anm.: Yajña-Avatāra, der als Indra der Suyama-Periode unter Svāyambhuva Manu herrschte.]
Und, o Zweifachgeborener, er wurde im Haus Kardamas von Devahūti geboren, zusammen mit neun Frauen; seiner eigenen Mutter erklärte er den Weg zum Selbst, wodurch sie den Schmutz der Verstrickung in die Erscheinungsweisen von sich abwusch und den Weg Kapilas erlangte.
Wort für Wort
jajñe ca kardama-gṛhe dvija devahūtyāṁ
und er wurde, o Zweifachgeborener, im Haus Kardamas von Devahūti geboren
strībhiḥ samaṁ navabhir ātma-gatiṁ sva-mātre
zusammen mit neun Frauen, der eigenen Mutter den Weg zum Selbst
ūce yayātma-śamalaṁ guṇa-saṅga-paṅkam
erklärte er, wodurch sie den Schmutz der Verstrickung in die Erscheinungsweisen
asmin vidhūya kapilasya gatiṁ prapede
davon abwusch und den Weg Kapilas erlangte
[Anm.: Kapila-Avatāra, Begründer der Sāṅkhya-Philosophie, geboren als Sohn Kardamas und Devahūtis.]
atrer apatyam abhikāṅkṣata āha tuṣṭo
datto mayāham iti yad bhagavān sa dattaḥ
yat-pāda-paṅkaja-parāga-pavitra-dehā
yogarddhim āpur ubhayīṁ yadu-haihayādyāḥ
Dem Atri, der sich Nachkommenschaft wünschte, sprach er, zufrieden: 'Ich bin dir gegeben' - so wurde er der Erhabene Dattātreya; durch den Blütenstaub seiner Lotosfüße mit reinem Körper erlangten Yadu, Haihaya und andere die zweifache Vollkommenheit des Yoga.
Wort für Wort
atrer apatyam abhikāṅkṣata āha tuṣṭo
dem Atri, der sich Nachkommenschaft wünschte, sprach er, zufrieden
datto mayāham iti yad bhagavān sa dattaḥ
'ich bin von mir gegeben' - so wurde er der Erhabene Dattātreya
yat-pāda-paṅkaja-parāga-pavitra-dehā
durch den Blütenstaub seiner Lotosfüße mit reinem Körper
yogarddhim āpur ubhayīṁ yadu-haihayādyāḥ
erlangten Yadu, Haihaya und andere die zweifache Vollkommenheit des Yoga
[Anm.: Dattātreya-Avatāra, Sohn des Atri (und Anasūyā), Lehrer des Yadu und Haihaya (Kārtavīryārjuna).]
taptaṁ tapo vividha-loka-sisṛkṣayā me
ādau sanāt sva-tapasaḥ sa catuḥ-sano 'bhūt
prāk-kalpa-samplava-vinaṣṭam ihātma-tattvaṁ
samyag jagāda munayo yad acakṣatātman
Aus der Buße, die ich am Anfang übte, um die vielfältigen Welten zu erschaffen, entstand von jeher aus seiner eigenen Buße der Vierfach-Sana [die vier Kumāras]; er verkündete vollständig die Wahrheit des Selbst, die bei der Auflösung des vorherigen Weltzeitalters verlorengegangen war, [jene Wahrheit,] die die Weisen [seither] im Selbst schauen.
Wort für Wort
taptaṁ tapo vividha-loka-sisṛkṣayā me
aus der Buße, die ich übte, um die vielfältigen Welten zu erschaffen
ādau sanāt sva-tapasaḥ sa catuḥ-sano 'bhūt
entstand am Anfang aus (dieser) eigenen Buße der Vierfach-Sana
prāk-kalpa-samplava-vinaṣṭam ihātma-tattvaṁ
die bei der Auflösung des vorherigen Weltzeitalters verlorengegangene Wahrheit des Selbst
samyag jagāda munayo yad acakṣatātman
verkündete er vollständig, die die Weisen im Selbst schauen
[Anm.: die vier Kumāras (Sanaka, Sanandana, Sanātana, Sanatkumāra), aus Brahmās Buße entstanden.]
dharmasya dakṣa-duhitary ajaniṣṭa mūrtyāṁ
nārāyaṇo nara iti sva-tapaḥ-prabhāvaḥ
dṛṣṭvātmano bhagavato niyamāvalopaṁ
devyas tv anaṅga-pṛtanā ghaṭituṁ na śekuḥ
Von Mūrti, der Tochter Dakṣas, wurde er dem Dharma geboren als Nārāyaṇa und Nara, seine Kraft durch eigene Buße; als sie eine Beeinträchtigung der Gelübde dieses Erhabenen selbst befürchteten, vermochte das Götterheer Anaṅgas [Kāmas] nicht, [ihn zu bezwingen].
Wort für Wort
dharmasya dakṣa-duhitary ajaniṣṭa mūrtyāṁ
von Mūrti, der Tochter Dakṣas, wurde er dem Dharma geboren
nārāyaṇo nara iti sva-tapaḥ-prabhāvaḥ
als Nārāyaṇa und Nara, dessen Kraft die eigene Buße ist
dṛṣṭvātmano bhagavato niyamāvalopaṁ
als sie eine Beeinträchtigung der Gelübde dieses Erhabenen sahen (befürchteten)
devyas tv anaṅga-pṛtanā ghaṭituṁ na śekuḥ
vermochte das Götterheer Anaṅgas (Kāmas) nicht, (dies zu bewirken)
kāmaṁ dahanti kṛtino nanu roṣa-dṛṣṭyā
roṣaṁ dahantam uta te na dahanty asahyam
so 'yaṁ yad antaram alaṁ praviśan bibheti
kāmaḥ kathaṁ nu punar asya manaḥ śrayeta
Zwar verbrennen die Vollkommenen das Verlangen durch den Blick des Zorns, doch verbrennen sie nicht den unerträglichen Zorn selbst, der [dabei entsteht] - er [Kāma] aber, der eindringend fürchtet [sogar] in [Naras] Innerstes zu gelangen - wie sollte dann das Verlangen je wieder in seinem Geist Zuflucht finden?
Wort für Wort
kāmaṁ dahanti kṛtino nanu roṣa-dṛṣṭyā
zwar verbrennen die Vollkommenen das Verlangen durch den Blick des Zorns
roṣaṁ dahantam uta te na dahanty asahyam
doch verbrennen sie nicht den unerträglichen (entstehenden) Zorn selbst
so 'yaṁ yad antaram alaṁ praviśan bibheti
er (Kāma), der fürchtet, in (Naras) Innerstes einzudringen
kāmaḥ kathaṁ nu punar asya manaḥ śrayeta
wie sollte das Verlangen je wieder in seinem Geist Zuflucht finden
[?: die genaue rhetorische Struktur dieses Verses - Vergleich zwischen dem Verbrennen des Kāma durch Zorn versus Naras völliger Freiheit von beidem - ist verdichtet wiedergegeben.]
viddhaḥ sapatny-udita-patribhir anti rājño
bālo 'pi sann upagatas tapase vanāni
tasmā adād dhruva-gatiṁ gṛṇate prasanno
divyāḥ stuvanti munayo yad upary-adhastāt
Verwundet durch die von der Nebenfrau des Königs gesprochenen [scharfen] Worte, zog er, obwohl noch ein Kind, in die Wälder zur Buße; ihm, der ihn pries, gewährte er zufrieden den unwandelbaren Standort [den Polarstern], den die göttlichen Weisen von oben und unten preisen.
Wort für Wort
viddhaḥ sapatny-udita-patribhir anti rājño
verwundet durch die von der Nebenfrau des Königs gesprochenen Worte
bālo 'pi sann upagatas tapase vanāni
zog er, obwohl noch ein Kind, in die Wälder zur Buße
tasmā adād dhruva-gatiṁ gṛṇate prasanno
ihm, der (ihn) pries, gewährte er zufrieden den unwandelbaren Standort
divyāḥ stuvanti munayo yad upary-adhastāt
den die göttlichen Weisen von oben und unten preisen
[Anm.: Dhruva, der als Kind von seiner Stiefmutter Suruci gekränkt wurde und durch Buße den Polarstern (dhruva-loka) erlangte.]
yad venam utpatha-gataṁ dvija-vākya-vajra-
niṣpluṣṭa-pauruṣa-bhagaṁ niraye patantam
trātvārthito jagati putra-padaṁ ca lebhe
dugdhā vasūni vasudhā sakalāni yena
Als er den vom rechten Weg abgeirrten Vena, dessen Kraft und Glück durch den Donnerkeil der Worte der Brahmanen vernichtet war und der in die Hölle stürzte, errettete, erlangte er, darum gebeten, in der Welt die Stellung eines Sohnes - durch ihn wurden alle Schätze der Erde gemolken.
Wort für Wort
yad venam utpatha-gataṁ dvija-vākya-vajra-niṣpluṣṭa-pauruṣa-bhagaṁ
den vom rechten Weg abgeirrten Vena, dessen Kraft und Glück durch den Donnerkeil der Brahmanenworte vernichtet war
niraye patantam trātvārthito jagati putra-padaṁ ca lebhe
der in die Hölle stürzte, errettend, erlangte er, darum gebeten, in der Welt die Stellung eines Sohnes
dugdhā vasūni vasudhā sakalāni yena
durch den alle Schätze der Erde gemolken wurden
[Anm.: Pṛthu, aus dem Körper des gottlosen Königs Vena entstanden, der die Erde als Kuh melkte, um sie fruchtbar zu machen.]
nābher asāv ṛṣabha āsa sudevi-sūnur
yo vai cacāra sama-dṛg jaḍa-yoga-caryām
yat pāramahaṁsyam ṛṣayaḥ padam āmananti
svasthaḥ praśānta-karaṇaḥ parimukta-saṅgaḥ
Er wurde als Ṛṣabha, Sohn der Sudevī, dem Nābhi geboren, der, gleichmütig, den Lebenswandel eines scheinbar Törichten im Yoga führte; dessen Zustand die Weisen als den Zustand der Paramahaṃsas preisen - in sich ruhend, mit befriedeten Sinnen, völlig frei von Bindung.
Wort für Wort
nābher asāv ṛṣabha āsa sudevi-sūnur
er wurde als Ṛṣabha, Sohn der Sudevī, dem Nābhi (geboren)
yo vai cacāra sama-dṛg jaḍa-yoga-caryām
der, gleichmütig, den Lebenswandel eines scheinbar Törichten im Yoga führte
yat pāramahaṁsyam ṛṣayaḥ padam āmananti
dessen Zustand die Weisen als den Zustand der Paramahaṃsas preisen
svasthaḥ praśānta-karaṇaḥ parimukta-saṅgaḥ
in sich ruhend, mit befriedeten Sinnen, völlig frei von Bindung
In meinem Opfer erschien der Erhabene mit Pferdehaupt, der leibhaftige Opfer-Puruṣa von goldener Farbe, aus den Versmaßen und dem Opfer bestehend, die Seele aller Gottheiten; aus seinen Nüstern beim Atmen entstanden die begehrenswerten [vedischen] Worte.
Wort für Wort
satre mamāsa bhagavān haya-śīraṣātho
in meinem Opfer erschien der Erhabene mit Pferdehaupt
sākṣāt sa yajña-puruṣas tapanīya-varṇaḥ
der leibhaftige Opfer-Puruṣa von goldener Farbe
chandomayo makhamayo 'khila-devatātmā
aus den Versmaßen und dem Opfer bestehend, die Seele aller Gottheiten
vāco babhūvur uśatīḥ śvasato 'sya nastaḥ
aus seinen Nüstern beim Atmen entstanden die begehrenswerten (vedischen) Worte
[Anm.: Hayagrīva-Avatāra, das pferdeköpfige Opfer-Selbst, aus dessen Atem die Veden hervorgingen.]
matsyo yugānta-samaye manunopalabdhaḥ
kṣoṇīmayo nikhila-jīva-nikāya-ketaḥ
visraṁsitān uru-bhaye salile mukhān me
ādāya tatra vijahāra ha veda-mārgān
Als Fisch, zur Zeit des Weltuntergangs, von Manu gefunden, das Refugium aller Lebewesenklassen, aus der Erde bestehend, nahm er die in großer Gefahr aus meinem Mund ins Wasser geglittenen Wege der Veden und spielte damit dort.
Wort für Wort
matsyo yugānta-samaye manunopalabdhaḥ
als Fisch, zur Zeit des Weltuntergangs, von Manu gefunden
kṣoṇīmayo nikhila-jīva-nikāya-ketaḥ
aus der Erde bestehend, das Refugium aller Lebewesenklassen
visraṁsitān uru-bhaye salile mukhān me
die in großer Gefahr aus meinem Mund ins Wasser geglittenen
ādāya tatra vijahāra ha veda-mārgān
Wege der Veden nehmend, spielte er damit dort
[Anm.: Matsya-Avatāra, der Fisch, der Manu bei der großen Flut rettet und die aus Brahmās Mund entglittenen Veden bewahrt.]
Im Milchozean trug der uranfängliche Gott, damit die Scharen der Götter und Dämonen, die [ihn] aufwühlten, die Ambrosia erlangten, mit dem Rücken in Schildkrötengestalt den Berg, wobei ihm das Drehen des Berges gleichsam ein Jucken zum genüsslichen Schlafen war.
Wort für Wort
kṣīrodadhāv amara-dānava-yūthapānām
im Milchozean, der Scharen der Götter und Dämonen
unmathnatām amṛta-labdhaya ādi-devaḥ
die (ihn) aufwühlten, damit sie die Ambrosia erlangten, der uranfängliche Gott
pṛṣṭhena kacchapa-vapur vidadhāra gotraṁ
trug mit dem Rücken in Schildkrötengestalt den Berg
nidrākṣaṇo 'dri-parivarta-kaṣāṇa-kaṇḍūḥ
wobei das Drehen des Berges ihm ein Jucken zum genüsslichen Schlafen war
[Anm.: Kūrma-Avatāra, die Schildkröte, die den Berg Mandara beim Quirlen des Milchozeans trägt.]
Er, der Hinwegnehmer der großen Furcht der Götter, nahm die Gestalt des Mannlöwen an, mit zuckenden Augenbrauen und einem von Stoßzähnen schrecklichen Antlitz; als der Dämonenkönig eilig mit der Keule angriff, riss er ihn, nahe herangekommen, auf seine Schenkel niederwerfend, mit den Krallen entzwei, während er sich wand.
Wort für Wort
trai-piṣṭaporu-bhaya-hā sa nṛsiṁha-rūpaṁ
er, der Hinwegnehmer der großen Furcht der Götter, die Gestalt des Mannlöwen
kṛtvā bhramad-bhrukuṭi-daṁṣṭra-karāla-vaktram
annehmend, mit zuckenden Augenbrauen, ein von Stoßzähnen schreckliches Antlitz
daityendram āśu gadayābhipatantam ārād
als der Dämonenkönig eilig mit der Keule angriff, nahe herangekommen
ūrau nipātya vidadāra nakhaiḥ sphurantam
auf die Schenkel niederwerfend, riss er ihn, sich windend, mit den Krallen entzwei
[Anm.: Nṛsiṁha-Avatāra, der Mannlöwe, der den Dämonenkönig Hiraṇyakaśipu tötet.]
Im Inneren des Sees, am Fuß von einem übermächtigen Krokodil gepackt, rief der Herdenführer [Elefant], gequält, mit lotosgleicher Rüsselhand: 'O uranfänglicher Puruṣa, Herr aller Welten, dessen Ruhm heilig, dessen Name das Hören segensreich macht!' Als der unermessliche Hari, den nach Hilfe Rufenden hörend, mit der Diskus-Waffe, auf den Schultern des Vogelkönigs [Garuḍa] reitend, herbeieilte, spaltete er mit dem Diskus das Krokodilsmaul und zog, den Elefanten an der Hand ergreifend, ihn mit Erbarmen heraus.
Wort für Wort
antaḥ-sarasy uru-balena pade gṛhīto
im Inneren des Sees, am Fuß von einem übermächtigen (Krokodil) gepackt
grāheṇa yūtha-patir ambuja-hasta ārtaḥ
durch das Krokodil, der Herdenführer, mit lotosgleicher (Rüssel-)Hand, gequält
āhedam ādi-puruṣākhila-loka-nātha
rief dies: 'o uranfänglicher Puruṣa, Herr aller Welten'
tīrtha-śravaḥ śravaṇa-maṅgala-nāmadheya
'dessen Ruhm heilig, dessen Name das Hören segensreich macht'
śrutvā haris tam araṇārthinam aprameyaś
als der unermessliche Hari, den nach Hilfe Rufenden hörend
cakrāyudhaḥ patagarāja-bhujādhirūḍhaḥ
mit der Diskus-Waffe, auf den Schultern des Vogelkönigs (Garuḍa) reitend
cakreṇa nakra-vadanaṁ vinipāṭya tasmād
mit dem Diskus das Krokodilsmaul spaltend, davon
dhaste pragṛhya bhagavān kṛpayojjahāra
an der Hand ergreifend, zog ihn der Erhabene mit Erbarmen heraus
[Anm.: die berühmte Gajendra-mokṣa-Episode - Kṛṣṇa/Viṣṇu befreit den Elefantenkönig aus dem Krokodilsrachen; wird traditionell ausführlich im 8. Skandha erzählt.]
jyāyān guṇair avarajo 'py aditeḥ sutānāṁ
lokān vicakrama imān yad athādhiyajñaḥ
kṣmāṁ vāmanena jagṛhe tripada-cchalena
yācñām ṛte pathi caran prabhubhir na cālyaḥ
Größer an Eigenschaften, obwohl der Jüngste der Söhne Aditis, durchschritt er als Herr des Opfers diese Welten; er nahm die Erde durch die Zwerggestalt mittels der List der drei Schritte, ohne zu betteln - ein Weg, von dem selbst Machthaber nicht abgebracht werden können.
Wort für Wort
jyāyān guṇair avarajo 'py aditeḥ sutānāṁ
größer an Eigenschaften, obwohl der Jüngste der Söhne Aditis
lokān vicakrama imān yad athādhiyajñaḥ
durchschritt er als Herr des Opfers diese Welten
kṣmāṁ vāmanena jagṛhe tripada-cchalena
er nahm die Erde durch die Zwerggestalt mittels der List der drei Schritte
yācñām ṛte pathi caran prabhubhir na cālyaḥ
ohne zu betteln - ein Weg, von dem selbst Machthaber nicht abgebracht werden können
[Anm.: Vāmana-Avatāra, der Zwerg, jüngster Sohn Aditis, der durch die List der drei Schritte die drei Welten von Bali zurückfordert.]
nārtho baler ayam urukrama-pāda-śaucam
āpaḥ śikhā-dhṛtavato vibudhādhipatyam
yo vai pratiśrutam ṛte na cikīrṣad anyad
ātmānam aṅga manasā haraye 'bhimene
Für Bali war nicht die Götterherrschaft der [eigentliche] Gewinn, [sondern] das Wasser der Fußwaschung des Weitschreitenden, auf seinem Scheitel getragen; denn er, der außer dem Versprochenen nichts anderes zu tun wünschte, weihte, mein Lieber, mit dem Geist sich selbst dem Hari.
Wort für Wort
nārtho baler ayam urukrama-pāda-śaucam
für Bali war nicht dieser (Gewinn), das Wasser der Fußwaschung des Weitschreitenden
āpaḥ śikhā-dhṛtavato vibudhādhipatyam
auf seinem Scheitel getragen, (war ihm wichtiger als) die Götterherrschaft
yo vai pratiśrutam ṛte na cikīrṣad anyad
denn er, der außer dem Versprochenen nichts anderes zu tun wünschte
ātmānam aṅga manasā haraye 'bhimene
weihte, mein Lieber, mit dem Geist sich selbst dem Hari
tubhyaṁ ca nārada bhṛśaṁ bhagavān vivṛddha-
bhāvena sādhu parituṣṭa uvāca yogam
jñānaṁ ca bhāgavatam ātma-satattva-dīpaṁ
yad vāsudeva-śaraṇā vidur añjasaiva
Und dir, o Nārada, ganz zufrieden mit deiner reichlich gewachsenen [Hingabe], sprach der Erhabene [gütig] Yoga und Wissen - die bhāgavata-[Lehre], die Leuchte der wahren Natur des Selbst -, welche jene, die bei Vāsudeva Zuflucht suchen, ohne Umschweife erkennen.
Wort für Wort
tubhyaṁ ca nārada bhṛśaṁ bhagavān
und dir, o Nārada, der Erhabene, sehr
vivṛddha-bhāvena sādhu parituṣṭa uvāca yogam
mit deiner reichlich gewachsenen (Hingabe) zufrieden, sprach gütig Yoga
jñānaṁ ca bhāgavatam ātma-satattva-dīpaṁ
und Wissen, die bhāgavata-(Lehre), die Leuchte der wahren Natur des Selbst
yad vāsudeva-śaraṇā vidur añjasaiva
welche jene, die bei Vāsudeva Zuflucht suchen, ohne Umschweife erkennen
Seinen Diskus, in den zehn Richtungen ungehindert, seine eigene Glut - so trägt er durch die Manvantaras hindurch die Manu-Dynastie; über böse Könige verhängte er Zucht, seinen eigenen Ruhm im Reich der Wahrheit ausbreitend, der Dreifach-Höchste, durch seine Taten den begehrenswerten [Ruhm] verbreitend.
Wort für Wort
cakraṁ ca dikṣv avihataṁ daśasu sva-tejo
seinen Diskus, in den zehn Richtungen ungehindert, seine eigene Glut
manvantareṣu manu-vaṁśa-dharo bibharti
trägt er durch die Manvantaras hindurch, die Manu-Dynastie tragend
duṣṭeṣu rājasu damaṁ vyadadhāt sva-kīrtiṁ
über böse Könige verhängte er Zucht, seinen eigenen Ruhm
satye tri-pṛṣṭha uśatīṁ prathayaṁś caritraiḥ
im Reich der Wahrheit ausbreitend, der Dreifach-Höchste, durch seine Taten
[?: dieser Vers wird traditionell allgemein auf Viṣṇus fortwährenden Schutz der Manu-Dynastien durch alle Manvantaras hindurch bezogen, nicht auf eine einzelne, namentlich genannte Inkarnation - die genaue Referenz von "tri-pṛṣṭha" (der Dreifach-Höchste) bleibt unsicher.]
dhanvantariś ca bhagavān svayam eva kīrtir
nāmnā nṛṇāṁ puru-rujāṁ ruja āśu hanti
yajñe ca bhāgam amṛtāyur-avāvarundha
āyuṣya-vedam anuśāsty avatīrya loke
Und der Erhabene Dhanvantari, dessen Name selbst schon Ruhm ist, vernichtet rasch die vielfältigen Krankheiten der Menschen; und im Opfer erlangte er seinen Anteil, unsterbliches Leben [gewährend], und lehrt, in der Welt herabgestiegen, das Wissen der Lebensdauer [Āyurveda].
Wort für Wort
dhanvantariś ca bhagavān svayam eva kīrtir
und der Erhabene Dhanvantari, dessen Name selbst schon Ruhm ist
nāmnā nṛṇāṁ puru-rujāṁ ruja āśu hanti
vernichtet rasch die vielfältigen Krankheiten der Menschen
yajñe ca bhāgam amṛtāyur-avāvarundha
und im Opfer erlangte er seinen Anteil, unsterbliches Leben (gewährend)
āyuṣya-vedam anuśāsty avatīrya loke
lehrt, in der Welt herabgestiegen, das Wissen der Lebensdauer
[Anm.: Dhanvantari-Avatāra, Begründer der Heilkunde (Āyurveda), Träger des Ambrosia-Gefäßes beim Quirlen des Milchozeans.]
Die vom Schicksal zur Vernichtung bestimmte, den Weg [des Dharma] verlassende, gegen die Brahmanen frevelnde Kriegerkaste, die nach der Qual der Hölle verlangte, rottete diese große Seele, der von schrecklicher Kraft, als Dorn der Erde einundzwanzigmal aus mit der breitklingigen Axt.
Wort für Wort
kṣatraṁ kṣayāya vidhinopabhṛtaṁ mahātmā
die zur Vernichtung bestimmte Kriegerkaste, diese große Seele
brahma-dhrug ujjhita-pathaṁ narakārti-lipsu
gegen die Brahmanen frevelnd, den Weg verlassend, nach Höllenqual verlangend
uddhanty asāv avanikaṇṭakam ugra-vīryas
rottete er, von schrecklicher Kraft, als Dorn der Erde, aus
triḥ-sapta-kṛtva urudhāra-paraśvadhena
einundzwanzigmal, mit der breitklingigen Axt
[Anm.: Paraśurāma-Avatāra, der einundzwanzigmal die frevelhaft gewordene Kriegerkaste (Kṣatriyas) mit seiner Axt vernichtete.]
Uns gnädig zugewandt, o Herr der Zeit, stieg er mit einem Teil [seiner Kraft] in der Ikṣvāku-Dynastie herab; auf Geheiß seines Vaters/Lehrers weilend, betrat er zusammen mit der Geliebten und dem jüngeren Bruder den Wald, in welchem der Zehnhalsige [Rāvaṇa], sich ihm widersetzend, ins Elend geriet.
Wort für Wort
asmat-prasāda-sumukhaḥ kalayā kaleśa
uns gnädig zugewandt, o Herr der Zeit, mit einem Teil (seiner Kraft)
ikṣvāku-vaṁśa avatīrya guror nideśe
in der Ikṣvāku-Dynastie herabgestiegen, auf Geheiß des Vaters
tiṣṭhan vanaṁ sa-dayitānuja āviveśa
weilend, betrat er zusammen mit der Geliebten und dem jüngeren Bruder den Wald
yasmin virudhya daśa-kandhara ārtim ārcchat
in welchem der Zehnhalsige, sich widersetzend, ins Elend geriet
[Anm.: Rāma-Avatāra, geboren in der Ikṣvāku-Dynastie, mit Sītā und Lakṣmaṇa im Wald, Gegner Rāvaṇas.]
Dem gewährte der Ozean, dessen Leib vor Furcht erzitterte, sogleich einen Weg, als er, wie Śiva, die Feindesstadt zu verbrennen wünschte, mit seinem durch den Zorn über den zerschmetterten Freund glutrot gewordenen Blick, der aus der Ferne die Scharen der Krokodile, Schlangen und Haie quälte.
Wort für Wort
yasmā adād udadhir ūḍha-bhayāṅga-vepo
dem gewährte der Ozean, dessen Leib vor Furcht erzitterte
mārgaṁ sapady ari-puraṁ haravad didhakṣoḥ
sogleich einen Weg, als er, wie Śiva, die Feindesstadt zu verbrennen wünschte
dūre suhṛn-mathita-roṣa-suśoṇa-dṛṣṭyā
durch seinen aus der Ferne, durch Zorn über den zerschmetterten Freund glutroten Blick
tātapyamāna-makaroraga-nakra-cakraḥ
der die Scharen der Krokodile, Schlangen und Haie quälte
Dem [Rāvaṇa], dessen Herausforderung an alle Himmelsrichtungen durch die an seiner Brust zerbrochenen Stoßzähne von Indras Elefant [nur] verspottetes Gelächter war, wird er, dem Gattinnenräuber, durch das Dröhnen seines im Heer erschallenden Bogens sogleich zusammen mit dessen Lebensatem ein Ende bereiten.
Wort für Wort
vakṣaḥ-sthala-sparśa-rugna-mahendra-vāha-dantair
durch die an seiner Brust zerbrochenen Stoßzähne von Indras Elefanten
viḍambita-kakubjuṣa ūḍha-hāsam
dessen Herausforderung an die Himmelsrichtungen (nur) verspottetes Gelächter (war)
sadyo 'subhiḥ saha vineṣyati dāra-hartur
sogleich, zusammen mit dem Lebensatem, wird er dem Gattinnenräuber ein Ende bereiten
visphūrjitair dhanuṣa uccarato 'dhisainye
durch das Dröhnen seines im Heer erschallenden Bogens
Um die Qual der von den Scharen der Gottlosen zertretenen Erde zu beenden, wird er, mit hellem und dunklem Haar, in Teilkraft geboren, [er,] dessen Weg für die Menschen nicht zu erkennen ist, Taten vollbringen, die Zeugnis seiner eigenen Herrlichkeit sind.
Wort für Wort
bhūmeḥ suretara-varūtha-vimarditāyāḥ
der von den Scharen der Gottlosen zertretenen Erde
kleśa-vyayāya kalayā sita-kṛṣṇa-keśaḥ
um deren Qual zu beenden, in Teilkraft, mit hellem und dunklem Haar
jātaḥ kariṣyati janānupalakṣya-mārgaḥ
geboren, wird er, dessen Weg für die Menschen nicht erkennbar ist, vollbringen
karmāṇi cātma-mahimopanibandhanāni
Taten, die Zeugnis seiner eigenen Herrlichkeit sind
[Anm.: Kṛṣṇa-Balarāma-Avatāra - "sita-kṛṣṇa-keśaḥ" (hell- und dunkelhaarig) wird oft als Anspielung auf das Bruderpaar Balarāma (hell) und Kṛṣṇa (dunkel) gelesen.]
tokena jīva-haraṇaṁ yad ulūki-kāyās
trai-māsikasya ca padā śakaṭo 'pavṛttaḥ
yad riṅgatāntara-gatena divi-spṛśor vā
unmūlanaṁ tv itarathārjunayor na bhāvyam
Als Kind wird er der Eulengestaltigen [Pūtanā] das Leben nehmen; mit dem Fuß des Dreimonatigen wird der Karren umgestürzt; und beim Kriechen dazwischen wird er die beiden himmelsberührenden Arjuna-Bäume entwurzeln - anders wäre dies nicht möglich.
Wort für Wort
tokena jīva-haraṇaṁ yad ulūki-kāyās
als Kind wird er der Eulengestaltigen (Pūtanā) das Leben nehmen
trai-māsikasya ca padā śakaṭo 'pavṛttaḥ
und mit dem Fuß des Dreimonatigen wird der Karren umgestürzt
yad riṅgatāntara-gatena divi-spṛśor vā
und beim Kriechen, dazwischen gehend, der beiden himmelsberührenden
unmūlanaṁ tv itarathārjunayor na bhāvyam
Arjuna-Bäume Entwurzelung - anders wäre dies nicht möglich
[Anm.: drei Kindheitswunder Kṛṣṇas - die Tötung der Dämonin Pūtanā, das Umstürzen des Karrens (Śakaṭāsura) und das Entwurzeln der Zwillings-Arjuna-Bäume beim Krabbeln.]
yad vai vraje vraja-paśūn viṣatoya-pītān
pālāṁs tv ajīvayad anugraha-dṛṣṭi-vṛṣṭyā
tac-chuddhaye 'ti-viṣa-vīrya-vilola-jihvam
uccāṭayiṣyad uragaṁ viharan hradinyām
Als in Vraja das Vieh und die Hirten, die vergiftetes Wasser getrunken hatten, durch den Regen seines gnädigen Blicks wieder belebt wurden - zu deren [völliger] Reinigung wird er, im Fluss spielend, die Schlange mit der von überstarkem Gift zuckenden Zunge vertreiben.
Wort für Wort
yad vai vraje vraja-paśūn viṣatoya-pītān
als in Vraja das Vieh, das vergiftetes Wasser getrunken hatte
pālāṁs tv ajīvayad anugraha-dṛṣṭi-vṛṣṭyā
und die Hirten wieder belebt wurden durch den Regen seines gnädigen Blicks
tac-chuddhaye 'ti-viṣa-vīrya-vilola-jihvam
zu deren Reinigung, die Schlange mit der von überstarkem Gift zuckenden Zunge
uccāṭayiṣyad uragaṁ viharan hradinyām
wird er vertreiben, im Fluss spielend
[Anm.: die Kāliya-damana-Episode - Kṛṣṇa bezwingt die vielköpfige Giftschlange Kāliya im Fluss Yamunā.]
tat karma divyam iva yan niśi niḥśayānaṁ
dāvāgninā śuci-vane paridahyamāne
unneṣyati vrajam ato 'vasitānta-kālaṁ
netre pidhāpya sabalo 'nadhigamya-vīryaḥ
Jene gleichsam göttliche Tat: als nachts, während [Vraja] schlief, im reinen Wald ringsum ein Waldbrand loderte, wird er, dessen Kraft unfassbar ist, zusammen mit Bala, [die Bewohner] Vrajas, deren letzte Stunde [schon] beschlossen schien, [retten], indem er ihnen die Augen verschließen lässt.
Wort für Wort
tat karma divyam iva yan niśi niḥśayānaṁ
jene gleichsam göttliche Tat: als nachts, während (Vraja) schlief
dāvāgninā śuci-vane paridahyamāne
im reinen Wald ringsum ein Waldbrand loderte
unneṣyati vrajam ato 'vasitānta-kālaṁ
wird er (die Bewohner) Vrajas, deren letzte Stunde beschlossen schien, herausführen
netre pidhāpya sabalo 'nadhigamya-vīryaḥ
indem er, zusammen mit Bala, dessen Kraft unfassbar ist, ihnen die Augen verschließen lässt
gṛhṇīta yad yad upabandham amuṣya mātā
śulbaṁ sutasya na tu tat tad amuṣya māti
yaj jṛmbhato 'sya vadane bhuvanāni gopī
saṁvīkṣya śaṅkita-manāḥ pratibodhitāsīt
Welchen Strick auch immer die Mutter nahm, um ihren Sohn zu binden - er reichte immer wieder nicht dafür aus; als die Gopī [Yaśodā], in seinem gähnenden Mund die Welten erblickend, im Geist erschrak, wurde sie [von ihm] wieder besänftigt.
Wort für Wort
gṛhṇīta yad yad upabandham amuṣya mātā
welchen Strick auch immer die Mutter nahm
śulbaṁ sutasya na tu tat tad amuṣya māti
um ihren Sohn zu binden, er reichte immer wieder nicht dafür aus
yaj jṛmbhato 'sya vadane bhuvanāni gopī
als in seinem gähnenden Mund die Welten die Gopī (Yaśodā)
saṁvīkṣya śaṅkita-manāḥ pratibodhitāsīt
erblickend, im Geist erschrak, wurde sie (von ihm wieder) besänftigt
[Anm.: die Dāmodara-līlā (Fesselung ans Mörsergefäß) und die Vision des Universums in Kṛṣṇas Mund.]
nandaṁ ca mokṣyati bhayād varuṇasya pāśād
gopān bileṣu pihitān maya-sūnunā ca
ahny āpṛtaṁ niśi śayānam atiśrameṇa
lokaṁ vikuṇṭham upaneṣyati gokulaṁ sma
Und er wird Nanda aus der Furcht vor Varuṇas Fessel befreien, und die Hirten, die vom Sohn Mayas in Höhlen eingeschlossen wurden; das tagsüber [mit Arbeit] beschäftigte, nachts von Erschöpfung [tief] schlafende Gokula wird er [dereinst ganz] zur Welt Vaikuṇṭhas erheben.
Wort für Wort
nandaṁ ca mokṣyati bhayād varuṇasya pāśād
und er wird Nanda aus der Furcht vor Varuṇas Fessel befreien
gopān bileṣu pihitān maya-sūnunā ca
und die Hirten, die vom Sohn Mayas in Höhlen eingeschlossen wurden
ahny āpṛtaṁ niśi śayānam atiśrameṇa
das tagsüber beschäftigte, nachts von Erschöpfung (tief) schlafende
lokaṁ vikuṇṭham upaneṣyati gokulaṁ sma
Gokula wird er (dereinst) zur Welt Vaikuṇṭhas erheben
[Anm.: Nandas Befreiung aus Varuṇas Reich, die Befreiung der von Śaṅkhacūḍa/Vidyādhara Śaṅkhacūḍa (hier "maya-sūnunā", Sohn Mayas) eingesperrten Hirten, und die Anspielung auf die Brahmā-vimohana-Episode, die mit der Erhebung Gokulas nach Vaikuṇṭha endet.]
Als das Opfer durch die Hirten unterbrochen wurde und der [Regen-]Gott, um Vraja zu vernichten, [in Strömen] herabregnete, wird er, siebenjährig, sündlos, aus Erbarmen das Vieh beschützend, sieben Tage lang mit einer Hand spielend den Berg wie einen Pilz emporhalten.
Wort für Wort
gopair makhe pratihate vraja-viplavāya
als das Opfer durch die Hirten unterbrochen wurde, um Vraja zu vernichten
deve 'bhivarṣati paśūn kṛpayā rirakṣuḥ
als der (Regen-)Gott herabregnete, das Vieh aus Erbarmen beschützend
dhartocchilīndhram iva sapta-dināni sapta-
wird er wie einen Pilz emporhalten, sieben Tage lang, siebenjährig
varṣo mahīdhram anaghaika-kare salīlam
sündlos, den Berg, mit einer Hand, spielend
[Anm.: die Govardhana-Episode - der siebenjährige Kṛṣṇa hält den Berg Govardhana sieben Tage lang hoch, um Vraja vor Indras Zornregen zu schützen.]
Während er nachts im Wald, in dem vom Mondlicht silbern schimmernden [Gelände], zum Rāsa-Tanz bereit, mit leisem, gedehntem, hingebungsvollem Gesang [spielte], wird er dem Räuber, [der] die Gattinnen der Vraja-Bewohner, deren Liebesqual entfacht war, [raubte,] dem Gefolgsmann Dhanadas [Kubera], das Haupt nehmen.
Wort für Wort
krīḍan vane niśi niśākara-raśmi-gauryāṁ
während er nachts im Wald, im vom Mondlicht silbernen (Gelände) spielte
rāsonmukhaḥ kala-padāyata-mūrcchitena
zum Rāsa-Tanz bereit, mit leisem, gedehntem, hingebungsvollem (Gesang)
uddīpita-smara-rujāṁ vraja-bhṛd-vadhūnāṁ
der Gattinnen der Vraja-Bewohner, deren Liebesqual entfacht war
hartur hariṣyati śiro dhanadānugasya
wird er dem Räuber, dem Gefolgsmann Dhanadas, das Haupt nehmen
[Anm.: die Rāsa-līlā und die Tötung des Yakṣa Śaṅkhacūḍa, eines Gefolgsmannes Kuberas (Dhanada), der während des Tanzes Gopīs entführte.]
ye ca pralamba-khara-dardura-keśy-ariṣṭa-
mallebha-kaṁsa-yavanāḥ kapi-pauṇḍrakādyāḥ
anye ca śālva-kuja-balvala-dantavakra-
saptokṣa-śambara-vidūratha-rukmi-mukhyāḥ
ye vā mṛdhe samiti-śālina ātta-cāpāḥ
kāmboja-matsya-kuru-sṛñjaya-kaikayādyāḥ
yāsyanty adarśanam alaṁ bala-pārtha-bhīma-
vyājāhvayena hariṇā nilayaṁ tadīyam
Und die Dämonen Pralamba, Khara [Dhenuka], Dardura, Keśī, Ariṣṭa, die Ringkämpfer, [der Elefant Kuvalayapīḍa], Kaṁsa und Yavana [Kālayavana], der Affe [Dvivida], Pauṇḍraka und andere, sowie Śālva, Kuja [Naraka], Balvala, Dantavakra, die sieben Stiere, Śambara, Vidūratha, Rukmi und andere führende [Gegner] - und diejenigen, die kampfgeübt im Kriege den Bogen führen, wie die Könige von Kāmboja, Matsya, Kuru, Sṛñjaya und Kaikaya - sie alle werden gänzlich ins Nichtsein eingehen, durch Hari, unter dem Vorwand der Namen Balas, Pārthas und Bhīmas, in dessen eigene Wohnstatt [zurückkehrend].
Wort für Wort
ye ca pralamba-khara-dardura-keśy-ariṣṭa-mallebha-kaṁsa-yavanāḥ
die Dämonen Pralamba, Khara, Dardura, Keśī, Ariṣṭa, die Ringkämpfer/Elefant, Kaṁsa, Yavana
kapi-pauṇḍrakādyāḥ
der Affe, Pauṇḍraka und andere
anye ca śālva-kuja-balvala-dantavakra-saptokṣa-śambara-vidūratha-rukmi-mukhyāḥ
und andere, Śālva, Kuja, Balvala, Dantavakra, die sieben Stiere, Śambara, Vidūratha, Rukmi und weitere führende
ye vā mṛdhe samiti-śālina ātta-cāpāḥ
und die, kampfgeübt im Kriege, die den Bogen führen
kāmboja-matsya-kuru-sṛñjaya-kaikayādyāḥ
die Könige von Kāmboja, Matsya, Kuru, Sṛñjaya, Kaikaya und andere
werden gänzlich ins Nichtsein eingehen, durch Hari, unter dem Vorwand der Namen Balas, Pārthas und Bhīmas
nilayaṁ tadīyam
in dessen eigene Wohnstatt (zurückkehrend)
[Anm.: dichte Aufzählung von Dämonen und Königen, die Kṛṣṇa direkt tötet (Pralamba, Dhenuka, Keśī, Ariṣṭa, Kaṁsa, Kālayavana, Dvivida, Pauṇḍraka, Śālva, Narakāsura, Dantavakra, Śambara, Rukmi u.a.) oder die im Mahābhārata-Krieg unter dem Deckmantel Balarāmas, Arjunas (Pārtha) und Bhīmas fallen - ein Verweis auf Kṛṣṇas Rolle als verborgener Lenker des großen Krieges.]
kālena mīlita-dhiyām avamṛśya nṝṇāṁ
stokāyuṣāṁ sva-nigamo bata dūra-pāraḥ
āvirhitas tv anuyugaṁ sa hi satyavatyāṁ
veda-drumaṁ viṭa-paśo vibhajiṣyati sma
Erwägend, dass die eigene [vedische] Überlieferung für die durch die Zeit im Verstand getrübten, kurzlebigen Menschen fürwahr allzu weit entfernt [unerreichbar] geworden ist, wird er, entsprechend jedem Zeitalter erscheinend, in Satyavatī [geboren], den Baum der Veden verzweigen.
Wort für Wort
kālena mīlita-dhiyām avamṛśya nṝṇāṁ
erwägend, dass für die durch die Zeit im Verstand getrübten Menschen
stokāyuṣāṁ sva-nigamo bata dūra-pāraḥ
der kurzlebigen, die eigene Überlieferung fürwahr allzu fern geworden ist
āvirhitas tv anuyugaṁ sa hi satyavatyāṁ
erscheinend entsprechend jedem Zeitalter, er, in Satyavatī (geboren)
veda-drumaṁ viṭa-paśo vibhajiṣyati sma
wird den Baum der Veden verzweigen
[Anm.: Vyāsa-Avatāra, Sohn Satyavatīs, der den einen Veda in vier Teile gliederte, um ihn den kurzlebigen Menschen der jeweiligen Zeitalter zugänglich zu machen.]
Für die Gottesfeinde, die fest im [äußeren] Pfad der [vedischen] Überlieferung verankert sind, [aber] mit den von Maya errichteten, unsichtbaren [Zauber-]Festungen die Welten vernichten, wird er, eine höchst verlockende, den Verstand verwirrende Gestalt annehmend, vielerlei Falschlehren verkünden.
Wort für Wort
deva-dviṣāṁ nigama-vartmani niṣṭhitānāṁ
für die Gottesfeinde, die fest im Pfad der Überlieferung verankert sind
pūrbhir mayena vihitābhir adṛśya-tūrbhiḥ
die mit den von Maya errichteten, unsichtbaren (Zauber-)Festungen
lokān ghnatāṁ mati-vimoham atipralobhaṁ
die Welten vernichten, eine höchst verlockende, den Verstand verwirrende
veṣaṁ vidhāya bahu bhāṣyata aupadharmyam
Gestalt annehmend, wird er vielerlei Falschlehren verkünden
[Anm.: Buddha-Avatāra, dessen Lehre traditionell im Bhāgavata als absichtliche, den äußerlich-vedisch gesinnten Feinden der Götter verwirrende "Falschlehre" (aupadharmya) gedeutet wird, um sie von Gewalt abzubringen.]
yarhy ālayeṣv api satāṁ na hareḥ kathāḥ syuḥ
pāṣaṇḍino dvija-janā vṛṣalā nṛdevāḥ
svāhā svadhā vaṣaḍ iti sma giro na yatra
śāstā bhaviṣyati kaler bhagavān yugānte
Wenn selbst in den Häusern der Frommen keine Erzählungen von Hari mehr sein werden, die Zweifachgeborenen zu Ketzern und die Herrscher zu Śūdra-gleichen [geworden sein werden], wo die [heiligen] Worte 'svāhā', 'svadhā' und 'vaṣaṭ' nicht mehr [erklingen] - dann wird der Erhabene am Ende des Kali-Zeitalters als Züchtiger erscheinen.
Wort für Wort
yarhy ālayeṣv api satāṁ na hareḥ kathāḥ syuḥ
wenn selbst in den Häusern der Frommen keine Hari-Erzählungen mehr sein werden
pāṣaṇḍino dvija-janā vṛṣalā nṛdevāḥ
die Zweifachgeborenen zu Ketzern, die Herrscher zu Śūdra-gleichen (geworden)
svāhā svadhā vaṣaḍ iti sma giro na yatra
wo die Worte svāhā, svadhā, vaṣaṭ nicht mehr (erklingen)
śāstā bhaviṣyati kaler bhagavān yugānte
wird der Erhabene als Züchtiger erscheinen, am Ende des Kali-Zeitalters
[Anm.: Kalki-Avatāra, der am Ende des Kali-Yuga erscheint, um die verfallene Weltordnung wiederherzustellen.]
sarge tapo 'ham ṛṣayo nava ye prajeśāḥ
sthāne 'tha dharma-makha-manv-amarāvanīśāḥ
ante tv adharma-hara-manyu-vaśāsurādyā
māyā-vibhūtaya imāḥ puru-śakti-bhājaḥ
Bei der Schöpfung [sind es] Buße, ich selbst, die neun Weisen, die Herren der Geschöpfe; bei der Erhaltung Dharma, Opfer, die Manus, Götter und Königsschützer; bei der Zerstörung Unrecht, Śiva, [Śivas] Zorn und die Asuras und andere - dies sind die Māyā-Herrlichkeiten [Guṇa-Inkarnationen] des von großer Macht Erfüllten.
Wort für Wort
sarge tapo 'ham ṛṣayo nava ye prajeśāḥ
bei der Schöpfung: Buße, ich, die neun Weisen, die Herren der Geschöpfe
sthāne 'tha dharma-makha-manv-amarāvanīśāḥ
bei der Erhaltung: Dharma, Opfer, die Manus, Götter, Königsschützer
ante tv adharma-hara-manyu-vaśāsurādyā
bei der Zerstörung: Unrecht, Śiva, (dessen) Zorn, die Asuras und andere
māyā-vibhūtaya imāḥ puru-śakti-bhājaḥ
dies sind die Māyā-Herrlichkeiten des von großer Macht Erfüllten
[Anm.: Zusammenfassung der drei guṇa-avatāras - Brahmā (Schöpfung), Viṣṇu (Erhaltung), Śiva/Rudra (Zerstörung) - mit ihren jeweiligen Begleiterscheinungen.]
viṣṇor nu vīrya-gaṇanāṁ katamo 'rhatīha
yaḥ pārthivāny api kavir vimame rajāṁsi
caskambha yaḥ sva-rahasāskhalatā tri-pṛṣṭhaṁ
yasmāt tri-sāmya-sadanād uru-kampayānam
Wer wäre hier fähig, Viṣṇus Machttaten aufzuzählen, er, der selbst der weise [Zähler] die Staubkörner der Erde zu berechnen [vermöchte]; der mit seiner eigenen, unermüdlichen Kraft den dreifach höchsten [Himmel] stützte, der von seinem Sitz der dreifachen Gleichheit [aus] gewaltig erzittern [ließ]?
Wort für Wort
viṣṇor nu vīrya-gaṇanāṁ katamo 'rhatīha
wer wäre hier fähig, Viṣṇus Machttaten aufzuzählen
yaḥ pārthivāny api kavir vimame rajāṁsi
er, der selbst als Weiser die Staubkörner der Erde berechnen könnte
caskambha yaḥ sva-rahasāskhalatā tri-pṛṣṭhaṁ
der mit eigener, unermüdlicher Kraft den dreifach höchsten (Himmel) stützte
yasmāt tri-sāmya-sadanād uru-kampayānam
der von seinem Sitz der dreifachen Gleichheit gewaltig erzittern ließ
[?: "tri-pṛṣṭham" und "tri-sāmya-sadanāt" sind kosmologische Fachbegriffe unsicherer genauer Referenz - vermutlich Bezüge auf die höchste Himmelsregion bzw. den Sitz der drei Guṇas im Gleichgewicht (Mahat/Prakṛti).]
Weder ich noch diese erstgeborenen Weisen kennen das Ende der Macht der Māyā des Puruṣa - wieviel weniger dann jene, die geringer sind; selbst Śeṣa, der uranfängliche Gott mit tausend Mündern, der [seine] Eigenschaften besingt, erreicht auch jetzt noch nicht dessen [äußerste] Grenze.
Wort für Wort
nāntaṁ vidāmy aham amī munayo 'gra-jās te
weder ich noch diese erstgeborenen Weisen kennen das Ende
māyā-balasya puruṣasya kuto 'varā ye
der Macht der Māyā des Puruṣa - wieviel weniger die Geringeren
gāyan guṇān daśa-śatānana ādi-devaḥ
besingend die Eigenschaften, der uranfängliche Gott mit tausend Mündern
śeṣo 'dhunāpi samavasyati nāsya pāram
Śeṣa erreicht auch jetzt noch nicht dessen (äußerste) Grenze
yeṣāṁ sa eṣa bhagavān dayayed anantaḥ
sarvātmanāśrita-pado yadi nirvyalīkam
te dustarām atitaranti ca deva-māyāṁ
naiṣāṁ mamāham iti dhīḥ śva-śṛgāla-bhakṣye
Wem dieser Unendliche, Erhabene Gnade erweist, wenn sie sich mit ganzer Seele und ohne Falschheit seinen Füßen zuwenden, die durchqueren auch die unüberwindliche göttliche Māyā; ihnen kommt der Gedanke 'mein' und 'ich' nicht mehr auf, [bezogen] auf das, was [ohnehin nur] Hunden und Schakalen zum Fraß [bestimmt ist, den Körper].
Wort für Wort
yeṣāṁ sa eṣa bhagavān dayayed anantaḥ
wem dieser unendliche, erhabene (Herr) Gnade erweist
sarvātmanāśrita-pado yadi nirvyalīkam
wenn sie sich mit ganzer Seele und ohne Falschheit seinen Füßen zuwenden
te dustarām atitaranti ca deva-māyāṁ
die durchqueren die unüberwindliche göttliche Māyā
naiṣāṁ mamāham iti dhīḥ śva-śṛgāla-bhakṣye
ihnen kommt der Gedanke 'mein/ich' nicht mehr auf, bezogen auf das Hunden und Schakalen zum Fraß (Bestimmte)
vedāham aṅga paramasya hi yoga-māyāṁ
yūyaṁ bhavaś ca bhagavān atha daitya-varyaḥ
patnī manoḥ sa ca manuś ca tad-ātmajāś ca
prācīnabarhir ṛbhur aṅga uta dhruvaś ca
ikṣvākur aila-mucukunda-videha-gādhi-
raghv-ambarīṣa-sagarā gaya-nāhuṣādyāḥ
māndhātr-alarka-śatadhanv-anu-rantidevā
devavrato balir amūrttarayo dilīpaḥ
saubhary-utaṅka-śibi-devala-pippalāda-
sārasvatoddhava-parāśara-bhūriṣeṇāḥ
ye 'nye vibhīṣaṇa-hanūmad-upendradatta-
pārthārṣṭiṣeṇa-vidura-śrutadeva-varyāḥ
Ich kenne, mein Lieber, fürwahr die Yoga-Māyā des Höchsten, ebenso ihr [Weisen], Śiva, der erhabene Beste der Daityas [Prahlāda], die Gattin Manus, Manu selbst und seine Söhne, Prācīnabarhi, Ṛbhu und auch Dhruva; Ikṣvāku, Aila, Mucukunda, Videha, Gādhi, Raghu, Ambarīṣa, Sagara, Gaya, Nahuṣa und andere; Māndhātā, Alarka, Śatadhanu, Rantideva, Devavrata [Bhīṣma], Bali, Amūrtaraya, Dilīpa; Saubhari, Utaṅka, Śibi, Devala, Pippalāda, Sārasvata, Uddhava, Parāśara, Bhūriṣeṇa; und andere, die Besten wie Vibhīṣaṇa, Hanumān, Upendradatta, Pārtha [Arjuna], Ṛṣṭiṣeṇa, Vidura und Śrutadeva.
Wort für Wort
vedāham aṅga paramasya hi yoga-māyāṁ
ich kenne, mein Lieber, fürwahr die Yoga-Māyā des Höchsten
yūyaṁ bhavaś ca bhagavān atha daitya-varyaḥ
ebenso ihr, Śiva, und der erhabene Beste der Daityas
ye 'nye vibhīṣaṇa-hanūmad-upendradatta-pārthārṣṭiṣeṇa-vidura-śrutadeva-varyāḥ
und andere Beste wie Vibhīṣaṇa, Hanumān, Upendradatta, Pārtha, Ṛṣṭiṣeṇa, Vidura, Śrutadeva
[Anm.: umfangreiche Liste großer Weiser, Könige und Gottgeweihter, die - laut Brahmā - ebenfalls Kenntnis der Yoga-Māyā des Höchsten besitzen; die genauen biographischen Zuordnungen einiger selten genannter Namen (z.B. Amūrtaraya, Upendradatta, Ṛṣṭiṣeṇa) sind traditionell nicht restlos gesichert.]
te vai vidanty atitaranti ca deva-māyāṁ
strī-śūdra-hūṇa-śabarā api pāpa-jīvāḥ
yady adbhuta-krama-parāyaṇa-śīla-śikṣās
tiryag-janā api kim u śruta-dhāraṇā ye
Sie [alle] erkennen und überwinden fürwahr die göttliche Māyā; selbst Frauen, Śūdras, Hūṇas und Śabaras, selbst Menschen sündhaften Lebens, wenn sie sich dem Wesen und der Lehre des wundervoll Schreitenden hingeben; wieviel mehr dann [Menschen], die [heilige] Überlieferung bewahren - ja selbst Tiere [können dies].
Wort für Wort
te vai vidanty atitaranti ca deva-māyāṁ
sie erkennen und überwinden fürwahr die göttliche Māyā
strī-śūdra-hūṇa-śabarā api pāpa-jīvāḥ
selbst Frauen, Śūdras, Hūṇas, Śabaras, selbst Menschen sündhaften Lebens
yady adbhuta-krama-parāyaṇa-śīla-śikṣās
wenn sie sich dem Wesen und der Lehre des wundervoll Schreitenden hingeben
tiryag-janā api kim u śruta-dhāraṇā ye
selbst Tiere - wieviel mehr dann, die (heilige) Überlieferung bewahren
[Anm.: klassisches bhakti-Universalitätsmotiv - selbst gesellschaftlich Ausgegrenzte, sündige Menschen oder gar Tiere können durch Hingabe an den Herrn die Māyā überwinden.]
śaśvat praśāntam abhayaṁ pratibodha-mātraṁ
śuddhaṁ samaṁ sad-asataḥ paramātma-tattvam
śabdo na yatra puru-kārakavān kriyārtho
māyā paraity abhimukhe ca vilajjamānā
tad vai padaṁ bhagavataḥ paramasya puṁso
brahmeti yad vidur ajasra-sukhaṁ viśokam
Die stets befriedete, furchtlose, aus reinem Bewusstsein bestehende, reine, im Sein und Nichtsein gleichmütige höchste Wahrheit des Selbst, wo kein Wort mit vielfacher Handlungskraft und Zweck der Handlung [hindringt], und die Māyā, sich schämend, [vor der sie] zurückweicht - das ist wahrlich der Zustand des Erhabenen, höchsten Menschen, den sie als Brahman kennen, unaufhörliches Glück, frei von Leid.
Wort für Wort
śaśvat praśāntam abhayaṁ pratibodha-mātraṁ
die stets befriedete, furchtlose, aus reinem Bewusstsein bestehende
śuddhaṁ samaṁ sad-asataḥ paramātma-tattvam
reine, im Sein und Nichtsein gleichmütige höchste Wahrheit des Selbst
śabdo na yatra puru-kārakavān kriyārtho
wo kein Wort mit vielfacher Handlungskraft und Handlungszweck (hindringt)
māyā paraity abhimukhe ca vilajjamānā
und die Māyā, sich schämend, davor zurückweicht
tad vai padaṁ bhagavataḥ paramasya puṁso
das ist wahrlich der Zustand des Erhabenen, höchsten Menschen
brahmeti yad vidur ajasra-sukhaṁ viśokam
den sie als Brahman kennen, unaufhörliches, leidfreies Glück
Die vollständig disziplinierten Asketen legen die Waffe des Todesbringers [die Furcht] ab, so wie der Herrscher [selbst], Indra, den Grabstock am Wasserloch [nach getaner Arbeit fortwirft].
Wort für Wort
sadhryaṅ niyamya yatayo yama-karta-hetiṁ
die vollständig disziplinierten Asketen (legen ab) die Waffe des Todesbringers
jahyuḥ svarāḍ iva nipāna-khanitram indraḥ
wie der Herrscher Indra den Grabstock am Wasserloch (fortwirft)
[Anm.: dieser Vers besteht im Original nur aus einem Halbvers (zwei Pādas), wie bereits bei 2.6.6 - so auf der Quellseite bestätigt. Das Bild vergleicht die endgültige Ablegung aller weltlichen 'Werkzeuge' durch den vollendeten Yogī mit einem Herrscher, der ein einfaches Grabwerkzeug wegwirft, sobald es seinen Zweck erfüllt hat.]
sa śreyasām api vibhur bhagavān yato 'sya
bhāva-svabhāva-vihitasya sataḥ prasiddhiḥ
dehe sva-dhātu-vigame 'nuviśīryamāṇe
vyomeva tatra puruṣo na viśīryate 'jaḥ
Er, der Erhabene, ist auch der Herr über alle höchsten Güter, da von ihm die Verwirklichung dessen [kommt], was durch [des Wesens] Zustand und Eigennatur bestimmt ist; wenn der Körper sich auflöst, indem seine eigenen Elemente sich zersetzen, wird der Puruṣa dort, gleich dem Raum, nicht mit-zersetzt, der Ungeborene.
Wort für Wort
sa śreyasām api vibhur bhagavān yato 'sya
er, der Erhabene, ist auch der Herr über die höchsten Güter, da von ihm
bhāva-svabhāva-vihitasya sataḥ prasiddhiḥ
die Verwirklichung dessen kommt, was durch Zustand und Eigennatur bestimmt ist
dehe sva-dhātu-vigame 'nuviśīryamāṇe
wenn der Körper sich auflöst, indem seine eigenen Elemente sich zersetzen
vyomeva tatra puruṣo na viśīryate 'jaḥ
wird der Puruṣa dort, gleich dem Raum, nicht mit-zersetzt, der Ungeborene
so 'yaṁ te 'bhihitas tāta
bhagavān viśva-bhāvanaḥ
samāsena harer nānyad
anyasmāt sad-asac ca yat
Dieser [Wahrheit] also, mein Sohn, wurde dir der Erhabene, der Schöpfer des Universums, in Kürze erklärt; es gibt nichts anderes außer Hari - was immer, seiend oder nichtseiend, [existiert, ist] nicht von einem anderen [als ihm].
Wort für Wort
so 'yaṁ te 'bhihitas tāta
dieser (Wahrheit), mein Sohn, wurde dir erklärt
bhagavān viśva-bhāvanaḥ
der Erhabene, der Schöpfer des Universums
samāsena harer nānyad
in Kürze - es gibt nichts anderes außer Hari
anyasmāt sad-asac ca yat
was seiend oder nichtseiend (existiert), ist nicht von einem anderen
idaṁ bhāgavataṁ nāma
yan me bhagavatoditam
saṅgraho 'yaṁ vibhūtīnāṁ
tvam etad vipulī kuru
Dies, genannt 'Bhāgavatam', wurde mir vom Erhabenen verkündet; dies ist [nur] eine Zusammenfassung seiner Herrlichkeiten - du sollst es ausführlich darlegen.
Wort für Wort
idaṁ bhāgavataṁ nāma
dies, genannt 'Bhāgavatam'
yan me bhagavatoditam
wurde mir vom Erhabenen verkündet
saṅgraho 'yaṁ vibhūtīnāṁ
dies ist eine Zusammenfassung (seiner) Herrlichkeiten
tvam etad vipulī kuru
du sollst es ausführlich darlegen
[Anm.: Übergangsvers - Brahmā beauftragt Nārada, die von ihm empfangene, hier nur zusammengefasste Lehre (das 'Bhāgavatam') ausführlich zu verbreiten.]
So, dass in den Menschen Hingabe zu Hari, dem Erhabenen, der Seele von allem, der Grundlage von allem, entstehen möge - mit diesem Vorsatz sollst du es darlegen.
māyāṁ varṇayato 'muṣya
īśvarasyānumodataḥ
śṛṇvataḥ śraddhayā nityaṁ
māyayātmā na muhyati
Wer die Māyā dieses Herrn beschreibt, wer sie [bei anderen] gutheißt, wer sie stets mit Glauben hört - dessen Selbst wird durch die Māyā nicht [mehr] verwirrt.