maitreya uvāca
evaṁ sa bhagavān vainyaḥ
khyāpito guṇa-karmabhiḥ
chandayām āsa tān kāmaiḥ
pratipūjyābhinandya ca
Maitreya sprach: So wurde jener Erhabene, der Sohn Venas, durch (seine) Eigenschaften und Taten gepriesen; er erfreute jene (Lobsänger) mit Gaben nach (deren) Wünschen, nachdem er (sie) geehrt und beglückwünscht hatte.
Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach (Nom. Sg. m. + 3. Sg. Perf.)
evam
so, auf diese Weise (Adv.)
saḥ
er (Nom. Sg. m.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg. m.)
vainyaḥ
der Sohn Venas (Nom. Sg. m., Patronymikon = Pṛthu)
khyāpitaḥ
gepriesen, verkündet (Nom. Sg. m., PPP Kausativ von khyā)
guṇa-karmabhiḥ
durch (seine) Eigenschaften und Taten (Instr. Pl., Kompositum)
chandayām āsa
er erfreute, besänftigte (3. Sg. periphrast. Perf. von chad)
tān
jene (Akk. Pl. m., die Rezitatoren)
kāmaiḥ
mit (Gaben nach ihren) Wünschen (Instr. Pl.)
pratipūjya
nachdem er geehrt hatte (Absolutiv)
abhinandya
nachdem er beglückwünscht hatte (Absolutiv)
ca
und
„tān“ bezieht sich auf die berufsmäßigen Lobsänger/Rezitatoren aus dem vorangehenden Kapitel.
Er erwies den Ständen, deren Häupter die Brahmanen waren, den Dienern, Ministern und Hauspriestern, den Stadt- und Landbewohnern, den Zünften und (allen) Untertanen gebührende Ehre.
Wort für Wort
brāhmaṇa-pramukhān
deren Häupter die Brahmanen sind (Akk. Pl. m., Kompositum, Adj. zu varṇān)
varṇān
die (sozialen) Stände (Akk. Pl. m.)
bhṛtya-amātya-purodhasaḥ
Diener, Minister und Hauspriester (Akk. Pl. m., Dvandva)
O Brahmane, nachdem er von Sanatkumāra, dem Erhabenen, dem Besten der Kenner des Brahman, Wissen samt praktischer Erfahrung erlangt hatte - zu welchem Ziel gelangte der königliche Weise?
Wort für Wort
sanat-kumārāt
von Sanatkumāra (Abl. Sg.)
bhagavataḥ
des Erhabenen (Abl./Gen. Sg., Adj. zu Sanatkumāra)
brahman
o Brahmane (Vok. Sg., Anrede an Maitreya)
brahma-vid-uttamāt
vom Besten der Kenner des Brahman (Abl. Sg., Kompositum)
labdhvā
nachdem er erlangt hatte (Absolutiv von labh)
jñānam
Wissen (Akk. Sg. n.)
sa-vijñānam
samt praktischer Erfahrung/Verwirklichung (Akk. Sg. n., Adj.)
yac cānyad api kṛṣṇasya
bhavān bhagavataḥ prabhoḥ
śravaḥ suśravasaḥ puṇyaṁ
pūrva-deha-kathāśrayam
bhaktāya me 'nuraktāya
tava cādhokṣajasya ca
vaktum arhasi yo 'duhyad
vainya-rūpeṇa gām imām
Und was es sonst noch, o Ehrwürdiger, über Kṛṣṇa, den Erhabenen Herrn, gibt - jene heilige, wohlklingende Kunde, die von der Erzählung seiner früheren Verkörperung handelt -, das mögest du mir, deinem hingegebenen und (dir) zugetanen (Schüler), erzählen: über dich und über Adhokṣaja - (die Kunde) von ihm, der in Gestalt des Venasohnes diese Kuh (die Erde) molk.
Wort für Wort
yat
was (Akk. Sg. n., Relativpron.)
ca
und
anyat
anderes (Akk. Sg. n.)
api
auch, sogar
kṛṣṇasya
von/über Kṛṣṇa (Gen. Sg.)
bhavān
du, Ehrwürdiger (Nom. Sg. m., höfl. Anrede)
bhagavataḥ
des Erhabenen (Gen. Sg.)
prabhoḥ
des Herrn (Gen. Sg.)
śravaḥ
Kunde, Erzählung (Akk. Sg. n.)
su-śravasaḥ
dessen Kunde erfreulich zu hören ist (Gen. Sg. m., Adj. zu Kṛṣṇasya)
puṇyam
heilig, verdienstvoll (Akk. Sg. n., Adj. zu śravaḥ)
pūrva-deha-kathā-āśrayam
das sich auf die Erzählung (seiner) früheren Verkörperung bezieht (Akk. Sg. n., Kompositum)
bhaktāya
dem Hingegebenen, d.h. mir (Dat. Sg. m.)
me
mir, mein (Dat./Gen. Sg.)
anuraktāya
dem (dir) sehr Zugeneigten (Dat. Sg. m.)
tava
dein (Gen. Sg.)
ca
und
adhokṣajasya
des Adhokṣaja, d.h. Viṣṇus (Gen. Sg.)
ca
und, auch
vaktum
zu sprechen (Infinitiv)
arhasi
du bist würdig, du sollst (2. Sg. Präs. von arh)
yaḥ
welcher (Nom. Sg. m., Relativpron., bezogen auf Kṛṣṇa)
aduhyat
er molk (3. Sg. Impf. Akt. von duh)
vainya-rūpeṇa
in der Gestalt des Venasohnes (Instr. Sg., Kompositum)
gām
die Kuh (Akk. Sg. f.)
imām
diese (Akk. Sg. f.)
Vidura bittet Maitreya, nun (nach dem Bericht über die Krönung) auch die weitere, mit Kṛṣṇa/Viṣṇu verbundene Geschichte des früheren Avatāra (Varāha, dessen 'Teil' Pṛthu ist) zu erzählen, in der die Erde als Kuh gemolken wurde.
Maitreya sprach: Als Pṛthu inthronisiert und von den Brahmanen zum Beschützer des Volkes erklärt worden war, o Lieber, kamen die Untertanen, deren Körper vor Hunger abgezehrt waren, auf der (nun) getreidelosen Erdoberfläche zu ihm heran und sprachen zu ihrem Herrn.
Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
yadā
als (Adv.)
abhiṣiktaḥ
gesalbt, inthronisiert (Nom. Sg. m., PPP von abhi-ṣic)
pṛthuḥ
Pṛthu (Nom. Sg. m.)
aṅga
o Lieber (Vok., Anrede an Vidura)
vipraiḥ
von den Brahmanen (Instr. Pl.)
āmantritaḥ
ernannt, erklärt (Nom. Sg. m., PPP von ā-mantr)
janatāyāḥ
des Volkes (Gen. Sg.)
ca
und
pālaḥ
(als) Beschützer (Nom. Sg. m., Prädikatsnomen)
prajāḥ
die Untertanen (Nom. Pl. f.)
niranne
als (sie) ohne Getreide (war), d.h. auf der getreidelosen (Erde) (Lok. Sg., Adj. zu kṣiti-pṛṣṭhe)
kṣiti-pṛṣṭhe
auf der Erdoberfläche (Lok. Sg., Kompositum)
etya
nachdem sie herangekommen waren (Absolutiv von i mit Präfix)
kṣut-kṣāma-dehāḥ
deren Körper von Hunger abgezehrt waren (Nom. Pl. f., Bahuvrihi)
vayaṁ rājañ jāṭhareṇābhitaptā
yathāgninā koṭara-sthena vṛkṣāḥ
tvām adya yātāḥ śaraṇaṁ śaraṇyaṁ
yaḥ sādhito vṛtti-karaḥ patir naḥ
tan no bhavān īhatu rātave 'nnaṁ
kṣudhārditānāṁ naradeva-deva
yāvan na naṅkṣyāmaha ujjhitorjā
vārtā-patis tvaṁ kila loka-pālaḥ
O König, wir sind, wie Bäume durch ein Feuer in einer Baumhöhlung, durch das (Feuer) in unserem Magen sehr gequält. Wir sind jetzt zu dir gekommen, (unserer) Zuflucht, die würdig ist, Zuflucht zu gewähren, der du als unser Herr eingesetzt worden bist, der (uns) Lebensunterhalt gewährt. Darum möge Eure Majestät sich bemühen, uns, den vom Hunger Gequälten, Nahrung zu geben, o Gott der Könige - damit wir nicht zugrunde gehen, wir, die aller Kraft beraubt sind. Du bist fürwahr der Herr über den Lebensunterhalt (aller), der Beschützer der Welt.
Wort für Wort
vayam
wir (Nom. Pl.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
jāṭhareṇa
durch das (Feuer) im Magen (Instr. Sg.)
abhitaptāḥ
sehr gequält, verbrannt (Nom. Pl. m., PPP von abhi-tap)
yathā
so wie
agninā
durch das Feuer (Instr. Sg.)
koṭara-sthena
das sich in der (Baum-)Höhlung befindet (Instr. Sg., Kompositum)
vṛkṣāḥ
(wie) Bäume (Nom. Pl. m.)
tvām
zu dir (Akk. Sg.)
adya
jetzt, heute
yātāḥ
gekommen (Nom. Pl. m., PPP von yā)
śaraṇam
Zuflucht (Akk. Sg. n.)
śaraṇyam
die würdig ist, Zuflucht zu gewähren (Akk. Sg. n., Adj.)
yaḥ
welcher (Nom. Sg. m.)
sādhitaḥ
eingesetzt, bestimmt (Nom. Sg. m., PPP von sādh)
vṛtti-karaḥ
der Lebensunterhalt gewährt (Nom. Sg. m., Kompositum)
patiḥ
Herr (Nom. Sg. m.)
naḥ
unser (Gen. Pl.)
tat
deshalb (Adv.)
naḥ
uns (Dat. Pl.)
bhavān
Eure Majestät (Nom. Sg.)
īhatu
möge (er) sich bemühen (3. Sg. Imperativ von īh)
rātave
zu geben (Dat.-Infinitiv)
annam
Nahrung, Getreide (Akk. Sg. n.)
kṣudhā arditānām
der vom Hunger Gequälten (Gen. Pl. m.)
nara-deva-deva
o Gott der Könige (Vok. Sg.)
yāvat na
damit nicht, solange nicht
naṅkṣyāmahe
wir werden zugrunde gehen (1. Pl. Fut. Med. von naś)
ujjhita-ūrjāḥ
die (wir) aller Kraft/Nahrung beraubt sind (Nom. Pl. m., Bahuvrihi)
vārtā-patiḥ
der Herr über den Lebensunterhalt (Nom. Sg. m., Kompositum)
pravepamānā dharaṇī
niśāmyodāyudhaṁ ca tam
gauḥ satī apādravad bhītā
mṛgīva mṛgayu-drutā
Die Erde, zitternd, als sie ihn mit erhobener Waffe erblickt hatte, floh, da sie (nun) eine Kuh war, erschrocken davon, wie eine Hirschkuh, die von einem Jäger verfolgt wird.
Wort für Wort
pravepamānā
zitternd (Nom. Sg. f., Präs.Part.Med. von pra-vep)
dharaṇī
die Erde (Nom. Sg. f.)
niśāmya
nachdem sie gesehen hatte (Absolutiv)
udāyudham
mit erhobener Waffe (Akk. Sg. m., Kompositum, Adj. zu tam)
ca
und
tam
ihn (Akk. Sg. m.)
gauḥ
(als) Kuh (Nom. Sg. f.)
satī
seiend (Nom. Sg. f., Präs.Part. von as)
apādravat
sie floh (3. Sg. Impf. von apa-dru)
bhītā
erschrocken (Nom. Sg. f.)
mṛgī iva
wie eine Hirschkuh (Nom. Sg. f. + Partikel)
mṛgayu-drutā
von einem Jäger verfolgt (Nom. Sg. f., PPP-Kompositum)
Sie, die Göttin, floh in die Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen, und in den Zwischenraum zwischen Himmel und Erde - und überallhin sah sie ihn mit stets erhobener Waffe hinter sich.
Wort für Wort
sā
sie (Nom. Sg. f.)
diśaḥ
in die Himmelsrichtungen (Akk. Pl. f.)
vidiśaḥ
in die Zwischenrichtungen (Akk. Pl. f.)
devī
die Göttin (Nom. Sg. f.)
rodasī
Himmel und Erde, die beiden Welten (Akk. Dual)
ca
und
antaram
den Zwischenraum (Akk. Sg. n.)
tayoḥ
von beiden (Gen. Dual)
dhāvantī
laufend, fliehend (Nom. Sg. f., Präs.Part.)
tatra tatra
überallhin, dort und dort
enam
ihn (Akk. Sg. m.)
dadarśa
sie sah (3. Sg. Perf. von dṛś)
anu-udyata-āyudham
mit (stets) hinterher erhobener Waffe (Akk. Sg. m., Kompositum)
In der Welt fand sie keine Rettung vor dem Sohn Venas, so wie die Geschöpfe (keine Rettung finden) vor dem Tod; erschrocken kehrte sie da um, das Herz von Qual erzitternd.
Wort für Wort
loke
in der Welt (Lok. Sg.)
na avindata
sie fand nicht (3. Sg. Impf. Med. von vid)
trāṇam
Rettung, Schutz (Akk. Sg. n.)
vainyāt
vor dem Sohn Venas (Abl. Sg.)
mṛtyoḥ
vor dem Tod (Abl. Sg.)
iva
wie (Vergleichspartikel)
prajāḥ
die Geschöpfe (Nom. Pl. f., Vergleichspunkt)
trastā
erschrocken (Nom. Sg. f.)
tadā
da, dann
nivavṛte
sie kehrte um (3. Sg. Perf. Med. von ni-vṛt)
hṛdayena
mit (ihrem) Herzen (Instr. Sg.)
vidūyatā
das erzitterte, litt (Instr. Sg., Präs.Part. von vi-dū)
uvāca ca mahā-bhāgaṁ
dharma-jñāpanna-vatsala
trāhi mām api bhūtānāṁ
pālane 'vasthito bhavān
Und sie sprach zu dem Hochbeglückten: 'O Kenner der Dharma, o du, der den Hilfesuchenden zugetan ist, rette auch mich - Eure Majestät steht ja im Schutz der Geschöpfe.'
Wort für Wort
uvāca
sie sprach (3. Sg. Perf. von vac)
ca
und
mahā-bhāgam
zu dem Hochbeglückten (Akk. Sg. m., Objekt von uvāca)
dharma-jña
o Kenner der Dharma (Vok. Sg.)
āpanna-vatsala
o (du,) der den Hilfesuchenden zugetan ist (Vok. Sg., Bahuvrihi)
trāhi
rette! (2. Sg. Imperativ von trā)
mām
mich (Akk. Sg.)
api
auch
bhūtānām
der Geschöpfe (Gen. Pl.)
pālane
im Schutz (Lok. Sg.)
avasthitaḥ
befindlich, stehend (Nom. Sg. m.)
bhavān
Eure Majestät (Nom. Sg.)
„mahā-bhāgam“ (Akk.) ist Objekt von „uvāca“ (sie sprach zu ...); „dharma-jña“ und „āpanna-vatsala“ sind Vokative innerhalb der direkten Rede.
sa tvaṁ jighāṁsase kasmād
dīnām akṛta-kilbiṣām
ahaniṣyat kathaṁ yoṣāṁ
dharma-jña iti yo mataḥ
Du, der du als Kenner der Dharma giltst - weshalb willst du (mich), die Elende, die kein Vergehen begangen hat, töten? Wie könnte einer, der als Kenner der Dharma gilt, eine Frau töten?
Wort für Wort
saḥ
jener, d.h. der als (Kenner der Dharma bekannte) (Nom. Sg. m.)
tvam
du (Nom. Sg.)
jighāṁsase
du willst töten (2. Sg. Präs. Desiderativ Med. von han)
kasmāt
weshalb
dīnām
die Elende (Akk. Sg. f.)
akṛta-kilbiṣām
die kein Vergehen begangen hat (Akk. Sg. f., Bahuvrihi)
praharanti na vai strīṣu
kṛtāgaḥsv api jantavaḥ
kim uta tvad-vidhā rājan
karuṇā dīna-vatsalāḥ
Selbst (gewöhnliche) Lebewesen schlagen fürwahr nicht gegen Frauen, auch wenn diese Vergehen begangen haben - wie viel weniger (würden) solche wie du, o König, die doch mitleidig und den Elenden zugetan sind, (dies tun)?
Wort für Wort
praharanti
sie schlagen (3. Pl. Präs. von pra-hṛ)
na
nicht
vai
fürwahr
strīṣu
gegen Frauen (Lok. Pl.)
kṛta-āgaḥsu
die (selbst) Vergehen begangen haben (Lok. Pl. f., Bahuvrihi)
Nachdem du mich, das alterslose Boot, worin die (ganze) Welt ruht, zerschmettert hast - wie wirst du dann dich selbst und diese (deine) Untertanen im Wasser halten?
pṛthur uvāca
vasudhe tvāṁ vadhiṣyāmi
mac-chāsana-parāṅ-mukhīm
bhāgaṁ barhiṣi yā vṛṅkte
na tanoti ca no vasu
Pṛthu sprach: O Erde, ich werde dich töten, die du dich meinem Gebot widersetzt - die du beim Opfer (deinen) Anteil empfängst, uns aber keinen Ertrag lieferst.
Wort für Wort
pṛthuḥ uvāca
Pṛthu sprach
vasudhe
o Erdenträgerin (Vok. Sg.)
tvām
dich (Akk. Sg.)
vadhiṣyāmi
ich werde töten (1. Sg. Fut. von han)
mat-śāsana-parāṅ-mukhīm
die sich von meinem Gebot abwendet (Akk. Sg. f., Bahuvrihi)
yavasaṁ jagdhy anudinaṁ
naiva dogdhy audhasaṁ payaḥ
tasyām evaṁ hi duṣṭāyāṁ
daṇḍo nātra na śasyate
(Du) frisst täglich Gras, gibst aber keineswegs Milch aus dem Euter - bei einer solchen (Kuh), die sich derart schlecht verhält, ist Züchtigung fürwahr keineswegs unangebracht.
Wort für Wort
yavasam
Futter, Gras (Akk. Sg. n.)
jagdhi
du frisst / sie frisst (2./3. Sg. Präs. von ad, Form unsicher) [?]
anudinam
täglich (Adv.)
na eva
keineswegs, gar nicht
dogdhi
du gibst / sie gibt (Milch) (2./3. Sg. Präs. von duh) [?]
audhasam
aus dem Euter (Akk. Sg. n., Adj. zu payaḥ)
payaḥ
Milch (Akk. Sg. n.)
tasyām
bei einer solchen (Lok. Sg. f.)
evam
so, derart
hi
denn, fürwahr
duṣṭāyām
die sich schlecht verhält (Lok. Sg. f., Adj.)
daṇḍaḥ
Strafe, Züchtigung (Nom. Sg. m.)
na atra na
hier keineswegs nicht = keineswegs untunlich (doppelte Verneinung)
śasyate
wird gutgeheißen, gepriesen (3. Sg. Präs. Passiv von śaṁs)
[Anm.: Die Verbformen jagdhi und dogdhi sind hier als (archaische bzw. dichterische) 2./3. Sg. Präs. der Wurzeln ad 'essen' und duh 'melken, Milch geben' aufzufassen [?]; reguläre klassische Paradigmen weichen leicht ab.]
Du, fürwahr, gibst die Samen der Pflanzen, die einst von dem Selbstentstandenen (Brahmā) erschaffen wurden, nicht heraus, sondern hältst sie zurück, indem du mich missachtest, du von stumpfem Verstand!
Wort für Wort
tvam
du (Nom. Sg.)
khalu
fürwahr, doch
oṣadhi-bījāni
die Samen der Pflanzen/Kräuter (Akk. Pl. n., Kompositum)
prāk
einst, zuvor (Adv.)
sṛṣṭāni
erschaffen (Akk. Pl. n., PPP von sṛj)
svayambhuvā
durch den Selbstentstandenen, d.h. Brahmā (Instr. Sg.)
na muñcasi
du gibst nicht heraus, lässt nicht frei (2. Sg. Präs. von muc)
ātma-ruddhāni
von dir selbst zurückgehalten (Akk. Pl. n., Kompositum)
mām
mich (Akk. Sg.)
avajñāya
missachtend (Absolutiv von ava-jñā)
manda-dhīḥ
du von stumpfem Verstand (Nom. Sg. f., Bahuvrihi, Anrede)
Für diesen Vers bietet die Quelle keine gesonderte Wort-für-Wort-Glosse; die Analyse erfolgt eigenständig anhand von Devanagari/IAST.
Das Wehklagen dieser vom Hunger ergriffenen Notleidenden werde ich stillen - mit dem Fleisch von dir, die du durch meine Pfeile zerschnitten sein wirst.
Wort für Wort
amūṣām
von diesen da (Gen. Pl. f., Demonstrativ, bez. auf prajāḥ)
kṣut-parītānām
die von Hunger ergriffen sind (Gen. Pl. f., Kompositum)
ārtānām
der Notleidenden (Gen. Pl. f.)
paridevitam
das Wehklagen (Akk. Sg. n.)
śamayiṣyāmi
ich werde stillen (1. Sg. Fut. Kausativ von śam)
mat-bāṇaiḥ
mit meinen Pfeilen (Instr. Pl.)
bhinnāyāḥ
der Zerschnittenen (Gen. Sg. f., PPP von bhid, bez. auf tava)
Ein Mann, eine Frau oder ein Eunuch, der - nur auf sich selbst bedacht - der Niedrigste (unter den Wesen ist und) ohne Mitgefühl gegenüber den Geschöpfen (lebt) - dessen Tötung ist für Könige kein (wirkliches) Töten.
Wort für Wort
pumān
ein Mann (Nom. Sg. m.)
yoṣit
eine Frau (Nom. Sg. f.)
uta
oder
klībaḥ
ein Eunuch (Nom. Sg. m.)
ātma-sambhāvanaḥ
der nur sich selbst schätzt (Nom. Sg. m., Kompositum)
Nachdem ich dich, die Starre und Verblendete, (nun als) Trugkuh, mit (meinen) Pfeilen in winzige Stücke zerteilt habe, werde ich durch die Kraft meiner eigenen (mystischen) Macht diese Untertanen erhalten.
Wort für Wort
tvām
dich (Akk. Sg.)
stabdhām
die Starre, Hochmütige (Akk. Sg. f., PPP von stambh)
durmadām
die Verblendete, Übermütige (Akk. Sg. f.)
nītvā
nachdem ich gemacht/gebracht habe (Absolutiv von nī)
māyā-gām
die Trugkuh (Akk. Sg. f., Kompositum)
tilaśaḥ
in winzige Stücke (Adv.)
śaraiḥ
mit (meinen) Pfeilen (Instr. Pl.)
ātma-yoga-balena
durch die Kraft meiner eigenen (mystischen) Macht (Instr. Sg., Kompositum)
So sprach die Erde, bei der ein Zittern entstanden war, sich verneigend, mit gefalteten Händen, zu ihm, der - eine von Zorn erfüllte Gestalt tragend - gleichwie der Todesgott (Yama war).
Wort für Wort
evam
so, auf diese Weise
manyu-mayīm
von Zorn erfüllte (Akk. Sg. f., Kompositum, Adj. zu mūrtim)
mūrtim
Gestalt (Akk. Sg. f.)
kṛta-antam
den Todesgott, d.h. Yama (Akk. Sg. m.)
iva
gleichwie
bibhratam
tragend (Akk. Sg. m., Präs.Part. von bhṛ)
praṇatā
sich verneigend (Nom. Sg. f.)
prāñjaliḥ
mit gefalteten Händen (Nom. Sg. f., Bahuvrihi)
prāha
sie sprach (3. Sg. Perf. von pra-ah)
mahī
die Erde (Nom. Sg. f.)
sañjāta-vepathuḥ
bei der ein Zittern entstanden war (Nom. Sg. f., Bahuvrihi)
Die Erde sprach: Verehrung dem Höchsten, der (Ur-)Person, die durch ihre Māyā vielfältige Gestalten angelegt hat, deren Wesen die (drei) Erscheinungsweisen (der Natur) sind; Verehrung (Ihm), dessen Wellen der Verwirrung von Substanz, Handlung und Handelndem durch das Erkennen der eigenen wahren Gestalt abgeschüttelt sind.
Wort für Wort
dharā uvāca
die Erde sprach (Nom. Sg. f. + 3. Sg. Perf.)
namaḥ
Verehrung! (Interj., mit Dat. konstruiert)
parasmai
dem Höchsten (Dat. Sg.)
puruṣāya
der (Ur-)Person (Dat. Sg.)
māyayā
durch (dessen) Māyā (Instr. Sg.)
vinyasta-nānā-tanave
der die vielfältigen Gestalten angelegt hat (Dat. Sg., Bahuvrihi-Kompositum)
guṇa-ātmane
dessen Wesen die (drei) Erscheinungsweisen sind (Dat. Sg., Bahuvrihi)
namaḥ
Verehrung!
svarūpa-anubhavena
durch das Erkennen der eigenen wahren Gestalt (Instr. Sg.)
nirdhuta-dravya-kriyā-kāraka-vibhrama-ūrmaye
dessen Wellen der Verwirrung von Substanz, Handlung und Handelndem abgeschüttelt sind (Dat. Sg., langes Bahuvrihi-Kompositum)
yenāham ātmāyatanaṁ vinirmitā
dhātrā yato 'yaṁ guṇa-sarga-saṅgrahaḥ
sa eva māṁ hantum udāyudhaḥ svarāḍ
upasthito 'nyaṁ śaraṇaṁ kam āśraye
Durch wen ich als Wohnstätte für (alle) Lebewesen erschaffen wurde, durch den Schöpfer, aus dem diese Gesamtheit der aus den (drei) Erscheinungsweisen hervorgebrachten Schöpfung (stammt) - eben er, der Selbstherrscher, steht (nun) mit erhobener Waffe da, um mich zu töten; zu welchem anderen (Beschützer) soll ich denn noch Zuflucht nehmen?
Wort für Wort
yena
durch wen (Instr. Sg.)
aham
ich (Nom.)
ātma-āyatanam
(als) Wohnstätte für (alle) Lebewesen (Akk. Sg. n., prädikativ zu vinirmitā)
vinirmitā
erschaffen worden (Nom. Sg. f., PPP von vi-nir-mā)
dhātrā
durch den Schöpfer (Instr. Sg.)
yataḥ
aus dem heraus, von dem (Adv.)
ayam
dieses (Nom. Sg. m.)
guṇa-sarga-saṅgrahaḥ
die Gesamtheit der aus den Erscheinungsweisen hervorgebrachten Schöpfung (Nom. Sg. m., Kompositum)
saḥ
er (Nom.)
eva
eben, gerade
mām
mich (Akk.)
hantum
zu töten (Infinitiv)
udāyudhaḥ
mit erhobener Waffe (Nom. Sg. m., Bahuvrihi)
svarāṭ
der Selbstherrscher (Nom. Sg. m.)
upasthitaḥ
dastehend, bereitstehend (Nom. Sg. m.)
anyam
zu einem anderen (Akk. Sg. m.)
śaraṇam
Zuflucht (Akk. Sg. n.)
kam
zu wem (Akk. Sg. m., Frage)
āśraye
soll ich Zuflucht nehmen (1. Sg. Präs. Med. von ā-śri)
ya etad ādāv asṛjac carācaraṁ
sva-māyayātmāśrayayāvitarkyayā
tayaiva so 'yaṁ kila goptum udyataḥ
kathaṁ nu māṁ dharma-paro jighāṁsati
Er, der am Anfang dieses Bewegliche und Unbewegliche durch seine eigene, in ihm selbst ruhende, unbegreifliche Māyā erschuf - eben durch diese (Māyā) ist er, obwohl fürwahr bereit, (mich) zu beschützen - wie könnte er, der doch der Dharma ergeben ist, mich töten wollen?
Wort für Wort
yaḥ
welcher (Nom. Sg. m.)
etat
dieses (Akk. Sg. n.)
ādau
am Anfang (Lok. Sg.)
asṛjat
erschuf (3. Sg. Impf. von sṛj)
cara-acaram
das Bewegliche und Unbewegliche (Akk. Sg. n., Dvandva)
sva-māyayā
durch seine eigene Māyā (Instr. Sg.)
ātma-āśrayayā
die in ihm selbst ihren Sitz hat (Instr. Sg. f., Adj. zu māyayā)
nūnaṁ bateśasya samīhitaṁ janais
tan-māyayā durjayayākṛtātmabhiḥ
na lakṣyate yas tv akarod akārayad
yo 'neka ekaḥ parataś ca īśvaraḥ
Gewiss, ach, das Wirken des Herrn wird von Menschen, die - infolge dessen schwer zu überwindender Māyā - (ihr) Selbst nicht geläutert haben, nicht erkannt: von ihm, der (selbst) wirkte und (andere) wirken ließ, der - viele (zugleich) und doch einer - darüber hinaus (noch) der Herrscher ist.
Wort für Wort
nūnam
gewiss
bata
ach (Ausruf)
īśasya
des Herrn (Gen. Sg.)
samīhitam
das Vorhaben, Wirken (Nom. Sg. n.)
janaiḥ
von den Menschen (Instr. Pl.)
tat-māyayā
durch dessen Māyā (Instr. Sg.)
durjayayā
die schwer zu überwinden ist (Instr. Sg. f., Adj.)
akṛta-ātmabhiḥ
die (ihr) Selbst nicht geläutert haben (Instr. Pl. m., Bahuvrihi)
na lakṣyate
wird nicht erkannt (3. Sg. Präs. Passiv von lakṣ)
yaḥ
welcher (Nom. Sg. m.)
tu
aber, doch
akarot
er wirkte (3. Sg. Impf. von kṛ)
akārayat
er ließ (andere) wirken (3. Sg. Impf. Kausativ von kṛ)
Ihm, der durch seine Kräfte, deren Wesen Substanz, Handlung, Handlungsmittel und Bewusstsein sind, Schöpfung, Erhaltung und Auflösung dieser (Welt) fortlaufend bewirkt, ihm, dessen Kräfte (bald) entfaltet, (bald) zurückgehalten sind - Verehrung sei dem Höchsten, der (Ur-)Person, dem Ordner (aller Dinge)!
sa vai bhavān ātma-vinirmitaṁ jagad
bhūtendriyāntaḥ-karaṇātmakaṁ vibho
saṁsthāpayiṣyann aja māṁ rasātalād
abhyujjahārāmbhasa ādi-sūkaraḥ
Eben du, fürwahr, o Allmächtiger, hast mich, o Ungeborener, um die von dir selbst geschaffene Welt - die aus den Grobelementen, den Sinnesorganen und dem inneren Organ (Geist) besteht - wiederherzustellen, aus Rasātala, aus dem Wasser, herausgehoben, damals als der ursprüngliche Eber.
Wort für Wort
saḥ
jener (Nom.)
vai
fürwahr
bhavān
du, Eure Ehren (Nom. Sg.)
ātma-vinirmitam
von dir selbst geschaffene (Akk. Sg. n., Kompositum)
jagat
die Welt (Akk. Sg. n.)
bhūta-indriya-antaḥ-karaṇa-ātmakam
die aus Grobelementen, Sinnesorganen und innerem Organ besteht (Akk. Sg. n., Kompositum, Adj. zu jagat)
vibho
o Allmächtiger (Vok. Sg.)
saṁsthāpayiṣyan
im Begriff, wiederherzustellen (Nom. Sg. m., Fut.Part. Kausativ von sam-sthā)
aja
o Ungeborener (Vok. Sg.)
mām
mich (Akk.)
rasātalāt
aus Rasātala (Abl. Sg.)
abhyujjahāra
du hast herausgehoben (3. Sg. Perf. von abhi-ud-hṛ)
ambhasaḥ
aus dem Wasser (Abl. Sg.)
ādi-sūkaraḥ
als der ursprüngliche Eber (Nom. Sg. m., Kompositum, Apposition zu bhavān)
apām upasthe mayi nāvy avasthitāḥ
prajā bhavān adya rirakṣiṣuḥ kila
sa vīra-mūrtiḥ samabhūd dharā-dharo
yo māṁ payasy ugra-śaro jighāṁsasi
Du, der du (stets) die Geschöpfe zu beschützen wünschtest, die auf der Wasseroberfläche, in mir wie in einem Boot, sich befanden - eben jener bist du, der (einst) in Heldengestalt zum Träger der Erde wurde; (wie kannst) du, der du das bist, mich jetzt im Wasser mit furchtbaren Pfeilen töten wollen?
Wort für Wort
apām
des Wassers (Gen. Pl.)
upasthe
auf der Oberfläche (Lok. Sg.)
mayi
in mir (Lok. Sg.)
nāvi
wie in einem Boot (Lok. Sg.)
avasthitāḥ
befindlich (Nom. Pl. f., PPP, bez. auf prajāḥ)
prajāḥ
die Geschöpfe (Nom. Pl. f.)
bhavān
du (Nom. Sg.)
adya
jetzt, (stets) (Adv.) [?]
rirakṣiṣuḥ
(du bist) zu beschützen wünschend (Nom. Sg. m., Desiderativ-Part. von rakṣ)
kila
fürwahr
saḥ
jener (Nom.)
vīra-mūrtiḥ
in Heldengestalt (Nom. Sg. m., Kompositum)
samabhūt
er wurde, erschien (3. Sg. Aor. von sam-bhū)
dharā-dharaḥ
der Träger der Erde (Nom. Sg. m., Kompositum)
yaḥ
welcher (Nom. Sg. m.)
mām
mich (Akk.)
payasi
im Wasser (Lok. Sg.)
ugra-śaraḥ
mit furchtbaren Pfeilen (Nom. Sg. m., Bahuvrihi)
jighāṁsasi
du willst (jetzt) töten (2. Sg. Präs. Desiderativ von han)
Der syntaktische Bezug von „adya“ (jetzt) ist nicht eindeutig; es könnte sowohl das damalige Beschützen-Wollen als eine grundsätzliche, fortdauernde Eigenschaft kennzeichnen als auch stärker das gegenwärtige Töten-Wollen kontrastieren [?].
nūnaṁ janair īhitam īśvarāṇām
asmad-vidhais tad-guṇa-sarga-māyayā
na jñāyate mohita-citta-vartmabhis
tebhyo namo vīra-yaśas-karebhyaḥ
Gewiss wird das Wirken der Herrscher(-Persönlichkeiten) von Menschen wie uns, deren Geistes-Wege durch dessen (des Herrn) aus den Erscheinungsweisen hervorgebrachte Schöpfungs-Māyā verblendet sind, nicht erkannt. Verehrung sei ihnen, die Helden Ruhm verschaffen!
Wort für Wort
nūnam
gewiss
janaiḥ
von den Menschen (Instr. Pl.)
īhitam
das Wirken (Nom. Sg. n.)
īśvarāṇām
der Herrscher (Gen. Pl.)
asmat-vidhaiḥ
von solchen wie uns (Instr. Pl. m.)
tat-guṇa-sarga-māyayā
durch dessen aus den Erscheinungsweisen hervorgebrachte Schöpfungs-Māyā (Instr. Sg., Kompositum)
na jñāyate
wird nicht erkannt (3. Sg. Präs. Passiv von jñā)
mohita-citta-vartmabhiḥ
deren Geistes-Wege verblendet sind (Instr. Pl. m., Bahuvrihi)
tebhyaḥ
ihnen (Dat. Pl.)
namaḥ
Verehrung!
vīra-yaśas-karebhyaḥ
die Helden Ruhm verschaffen (Dat. Pl. m., Kompositum)
Die Erde erkennt an, dass die Taten der von der göttlichen Māyā ermächtigten Herrscher (wie Pṛthu) für gewöhnliche Menschen unergründlich sind, und erweist ihnen Verehrung.