Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 120 Die Geschichte vom Leben Ajāmilas

śrī-parīkṣid uvāca nivṛtti-mārgaḥ kathitaḥ ādau bhagavatā yathā krama-yoga-upalabdhena brahmaṇā yad asaṁsṛtiḥ

Śrī Parīkṣit sprach: Am Anfang wurde von dir, dem Erhabenen, der Pfad der Entsagung dargelegt: wie man durch das stufenweise im Yoga erlangte Brahman zusammen [mit ihm] die Befreiung vom Kreislauf der Wiedergeburt erreicht.

Wort für Wort
śrī-parīkṣit uvāca
Śrī Parīkṣit (sprach)
nivṛtti-mārgaḥ
der Pfad (Nom.) der Entsagung/des Rückzugs
kathitaḥ
dargelegt/erzählt (PPP Nom.)
ādau
am Anfang (Lok.)
bhagavatā
vom Erhabenen (Instr.)
yathā
wie, auf welche Weise
krama-yoga-upalabdhena
durch das stufenweise im Yoga erlangte (Instr.)
brahmaṇā
mit/durch Brahman (Instr.)
yat
wodurch
asaṁsṛtiḥ
Nicht-Wiedergeburt, Freiheit vom Kreislauf (Nom.)

Vers setzt Parīkṣits Frage fort, die sich auf ein früheres Kapitel bezieht (Bericht über Brahmās/Kapilas Lehre); ‚brahmaṇā‘ evtl. auch personal als ‚mit Brahmā‘ zu verstehen (Erreichen der Befreiung zusammen mit Brahmā bei der kosmischen Auflösung) [?].

pravṛtti-lakṣaṇaḥ caiva traiguṇya-viṣayo mune yo 'sāv alīna-prakṛter guṇa-sargaḥ punaḥ punaḥ

Und ebenso [gibt es jenen Pfad], der durch Tätigkeitsdrang gekennzeichnet ist und die drei Erscheinungsweisen der Natur zum Gegenstand hat, o Weiser – jener, durch den bei dem, der nicht von der materiellen Natur befreit ist, immer wieder die Erzeugung neuer Körper gemäß den Erscheinungsweisen stattfindet.

Wort für Wort
pravṛtti-lakṣaṇaḥ
gekennzeichnet durch Tätigkeitsdrang (Nom.)
ca eva
und auch, ebenso
traiguṇya-viṣayaḥ
der die drei Erscheinungsweisen zum Gegenstand hat (Nom.)
mune
o Weiser (Vok.)
yaḥ asau
welcher jener (Nom.)
alīna-prakṛteḥ
dessen, der nicht von der (materiellen) Natur befreit ist (Gen.)
guṇa-sargaḥ
die Erzeugung gemäß den Erscheinungsweisen (Nom.)
punaḥ punaḥ
immer wieder

adharma-lakṣaṇāḥ nānā narakāḥ ca anuvarṇitāḥ manu-antaraḥ ca vyākhyātaḥ ādyaḥ svāyambhuvaḥ yataḥ

Die verschiedenen, durch Unrecht gekennzeichneten Höllen wurden geschildert, und auch das Zeitalter der Manus wurde erklärt, angefangen mit dem des Svāyambhuva, von dem aus alles seinen Ausgang nahm.

Wort für Wort
adharma-lakṣaṇāḥ
gekennzeichnet durch Unrecht (Nom. Pl.)
nānā
verschiedene
narakāḥ
Höllen (Nom. Pl.)
ca
und
anuvarṇitāḥ
wurden geschildert (PPP Nom. Pl.)
manu-antaraḥ
das Zeitalter der Manus (Nom.)
ca
auch
vyākhyātaḥ
wurde erklärt (PPP Nom.)
ādyaḥ
der erste (Nom.)
svāyambhuvaḥ
des Svāyambhuva (Nom., attr.)
yataḥ
von dem aus, seitdem

priyavrata-uttānapadoḥ vaṁśaḥ tat-caritāni ca dvīpa-varṣa-samudra-adri-nadī-udyāna-vanaspatīn dharā-maṇḍala-saṁsthānam bhāga-lakṣaṇa-mānataḥ jyotiṣām vivarāṇām ca yathā idam asṛjat vibhuḥ

[Berichtet wurde über] die Dynastie von Priyavrata und Uttānapāda und deren Taten, über die Inseln, Länder, Ozeane, Berge, Flüsse, Gärten und Bäume, über die Gestalt der Erdscheibe nach ihren Unterteilungen, Merkmalen und Maßen, sowie über die Himmelslichter und die unteren Planetenräume – wie all dies vom Allmächtigen erschaffen wurde.

Wort für Wort
priyavrata-uttānapadoḥ
von Priyavrata und Uttānapāda (Gen. Dual)
vaṁśaḥ
die Dynastie (Nom.)
tat-caritāni
deren Taten (Nom./Akk. Pl. Neutr.)
ca
und
dvīpa-varṣa-samudra-adri-nadī-udyāna-vanaspatīn
Inseln, Länder, Ozeane, Berge, Flüsse, Gärten und Bäume (Akk. Pl.)
dharā-maṇḍala-saṁsthānam
die Gestalt der Erdscheibe (Akk.)
bhāga-lakṣaṇa-mānataḥ
gemäß Unterteilungen, Merkmalen und Maßen
jyotiṣām
der Himmelslichter (Gen. Pl.)
vivarāṇām
der unteren Planetenräume (Gen. Pl.)
ca
und
yathā
wie
idam
dies
asṛjat
erschuf (Aor./Impf.)
vibhuḥ
der Allmächtige (Nom.)

Das Hauptverb (etwa ‚wurde dargelegt/beschrieben‘) ist aus dem vorangehenden Vers 3 zu ergänzen [?]; der Sinnzusammenhang setzt Parīkṣits Rückblick auf bereits Gehörtes fort.

adhunā iha mahā-bhāga yathā eva narakān naraḥ nānā-ugra-yātanān na īyāt tat me vyākhyātum arhasi

Nun, o Hochbeglückter, erkläre mir bitte, auf welche Weise ein Mensch die Höllen, die vielfältigen, schrecklichen Qualen, nicht erleiden muss.

Wort für Wort
adhunā
jetzt, nun
iha
hier, in diesem Zusammenhang
mahā-bhāga
o Hochbeglückter (Vok.)
yathā eva
auf welche Weise genau
narakān
die Höllen (Akk. Pl.)
naraḥ
ein Mensch (Nom.)
nānā-ugra-yātanān
die vielfältigen schrecklichen Qualen (Akk. Pl.)
na īyāt
nicht erleiden möge (Opt.)
tat
das
me
mir (Dat.)
vyākhyātum arhasi
du sollst erklären, mögest du erklären

śrī-śukaḥ uvāca na cet iha eva apacitim yathā aṁhasaḥ kṛtasya kuryāt manaḥ-ukta-pāṇibhiḥ dhruvam saḥ vai pretya narakān upaiti ye kīrtitāḥ me bhavataḥ tigma-yātanāḥ

Śrī Śuka sprach: Wenn einer nicht schon hier, in diesem Leben, für die begangene Sünde durch Geist, Wort und Hände – das heißt in Gedanken, Worten und Taten – eine entsprechende Sühne leistet, dann geht er nach dem Tod gewiss in jene Höllen ein, die dir von mir eben geschildert wurden, mit ihren stechenden Qualen.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
na cet
wenn nicht
iha eva
gerade hier, in diesem Leben
apacitim
die Wiedergutmachung, Sühne (Akk.)
yathā
entsprechend
aṁhasaḥ kṛtasya
der begangenen Sünde (Gen.)
kuryāt
vollzöge (Opt.)
manaḥ-ukta-pāṇibhiḥ
mit Geist, Wort und Händen (Instr. Pl.)
dhruvam
gewiss
saḥ vai
er fürwahr
pretya
nach dem Tod
narakān upaiti
geht in die Höllen ein
ye
welche (Nom. Pl.)
kīrtitāḥ
genannt, geschildert (PPP Nom. Pl.)
me
von mir (Instr./Agens)
bhavataḥ
dir (Gen./Dat.)
tigma-yātanāḥ
mit stechenden Qualen (Nom. Pl.)

tasmāt purā eva āśu iha pāpa-niṣkṛtau yateta mṛtyoḥ avipadyata ātmanā doṣasya dṛṣṭvā guru-lāghavam yathā bhiṣak cikitseta rujām nidāna-vit

Deshalb sollte man sich, solange der Körper noch nicht dem Tod verfallen ist, rechtzeitig und rasch, noch in diesem Leben, um die Tilgung der Sünde bemühen – so wie ein in der Diagnose kundiger Arzt, nachdem er die Schwere der Verfehlung erkannt hat, die Krankheit behandelt.

Wort für Wort
tasmāt
deshalb
purā eva
schon vorher, rechtzeitig
āśu
schnell
iha
in diesem Leben
pāpa-niṣkṛtau
zur Tilgung der Sünde (Lok.)
yateta
er sollte sich bemühen (Opt.)
mṛtyoḥ avipadyata ātmanā
mit einem noch nicht dem Tod verfallenen Körper (Instr.)
doṣasya
der Verfehlung (Gen.)
dṛṣṭvā
nachdem er erkannt hat
guru-lāghavam
die Schwere und Leichtigkeit (Akk.)
yathā
so wie
bhiṣak
ein Arzt (Nom.)
cikitseta
würde behandeln (Opt.)
rujām
der Krankheit (Gen. Pl.)
nidāna-vit
der in der Diagnose kundig ist (Nom.)

śrī-rājā uvāca dṛṣṭa-śrutābhyām yat pāpam jānan api ātmanaḥ ahitam karoti bhūyaḥ vivaśaḥ prāyaścittam atho katham

Der König sprach: Wenn einer, obwohl er durch eigenes Sehen und Hören weiß, dass die Sünde ihm selbst schädlich ist, sie, unfähig sich zu beherrschen, immer wieder begeht – welchen Sinn hat dann die Sühne?

Wort für Wort
śrī-rājā uvāca
der König sprach
dṛṣṭa-śrutābhyām
durch eigenes Sehen und Hören (Instr.)
yat pāpam
welche Sünde
jānan api
obwohl er weiß
ātmanaḥ ahitam
dass sie ihm selbst schädlich ist
karoti
er begeht
bhūyaḥ
wieder
vivaśaḥ
unfähig sich zu beherrschen, hilflos
prāyaścittam
die Sühne (Nom.)
atho
dann, also
katham
wie, welchen Sinn

kvacit nivartate abhadrāt kvacit carati tat punaḥ prāyaścittam atho apārtham manye kuñjara-śauca-vat

Manchmal lässt er vom Übel ab, manchmal verübt er es wieder – daher halte ich die Sühne für zwecklos, wie das Bad eines Elefanten.

Wort für Wort
kvacit
manchmal
nivartate
hält er inne, lässt er ab
abhadrāt
vom Übel (Abl.)
kvacit
manchmal
carati
verübt er
tat
dies
punaḥ
wieder
prāyaścittam
die Sühne (Nom.)
atho
daher
apārtham
zwecklos, nutzlos
manye
ich halte für
kuñjara-śauca-vat
wie das Bad eines Elefanten

śrī-bādarāyaṇiḥ uvāca karmaṇā karma-nirhāraḥ na hi ātyantikaḥ iṣyate avidvat-adhikāritvāt prāyaścittam vimarśanam

Śrī Bādarāyaṇi sprach: Durch (rituelle) Handlung wird die Beseitigung der Handlung(sreaktionen) gewiss nicht endgültig erreicht, da sie nur für den Unwissenden bestimmt ist; die wahre Sühne ist vielmehr die rechte Unterscheidung.

Wort für Wort
śrī-bādarāyaṇiḥ uvāca
Śrī Bādarāyaṇi (Śukadeva) sprach
karmaṇā
durch (rituelle) Handlung (Instr.)
karma-nirhāraḥ
die Beseitigung der Handlungsreaktionen (Nom.)
na hi
gewiss nicht
ātyantikaḥ
endgültig (Nom.)
iṣyate
gilt, wird angesehen
avidvat-adhikāritvāt
weil nur für den Unwissenden zuständig (Abl.)
prāyaścittam
die (wahre) Sühne (Nom.)
vimarśanam
die rechte Unterscheidung, Erkenntnis (Nom.)

na aśnataḥ pathyam eva annam vyādhayaḥ abhibhavanti hi evam niyama-kṛt rājan śanaiḥ kṣemāya kalpate

Wer nicht nur zuträgliche Speise isst, den überwältigen gewiss Krankheiten; ebenso, o König, wird der, der die Regeln einhält, allmählich zum Wohlergehen befähigt.

Wort für Wort
na aśnataḥ
der nicht isst
pathyam eva annam
nur zuträgliche Nahrung
vyādhayaḥ
Krankheiten (Nom. Pl.)
abhibhavanti hi
überwältigen gewiss
evam
ebenso
niyama-kṛt
wer die Regeln einhält (Nom.)
rājan
o König (Vok.)
śanaiḥ
allmählich
kṣemāya kalpate
wird zum Wohlergehen befähigt

tapasā brahmacaryeṇa śamena ca damena ca tyāgena satya-śaucābhyām yamena niyamena vā deha-vāk-buddhi-jam dhīrāḥ dharma-jñāḥ śraddhayā anvitāḥ kṣipanti agham mahat api veṇu-gulmam iva analaḥ

Durch Askese, Keuschheit, Geistes- und Sinnesbeherrschung, durch Entsagung, Wahrhaftigkeit und Reinheit, durch Yama und Niyama vertreiben die Besonnenen, die das Dharma kennen und von Glauben erfüllt sind, die durch Körper, Wort und Verstand entstandene Sünde, mag sie auch noch so groß sein – wie Feuer ein Bambusdickicht vernichtet.

Wort für Wort
tapasā
durch Askese (Instr.)
brahmacaryeṇa
durch Keuschheit (Instr.)
śamena
durch Geistesbeherrschung (Instr.)
ca damena ca
und durch Sinnesbeherrschung
tyāgena
durch Entsagung (Instr.)
satya-śaucābhyām
durch Wahrhaftigkeit und Reinheit (Instr. Dual)
yamena niyamena vā
durch Yama und Niyama (Instr.)
deha-vāk-buddhi-jam
entstanden durch Körper, Wort und Verstand (Akk.)
dhīrāḥ
die Besonnenen (Nom. Pl.)
dharma-jñāḥ
die das Dharma kennen (Nom. Pl.)
śraddhayā anvitāḥ
von Glauben erfüllt (Nom. Pl.)
kṣipanti
vertreiben
agham mahat api
die Sünde, auch wenn groß
veṇu-gulmam iva analaḥ
wie Feuer ein Bambusdickicht

kecit kevalayā bhaktyā vāsudeva-parāyaṇāḥ aghaṁ dhunvanti kārtsnyena nīhāram iva bhāskaraḥ

Manche, die durch reine Hingabe ganz auf Vāsudeva ausgerichtet sind, vertreiben die Sünde vollständig – wie die Sonne den Nebel.

Wort für Wort
kecit
manche
kevalayā bhaktyā
durch reine Hingabe (Instr.)
vāsudeva-parāyaṇāḥ
ganz auf Vāsudeva ausgerichtet (Nom. Pl.)
agham
die Sünde (Akk.)
dhunvanti
vertreiben, schütteln ab
kārtsnyena
vollständig (Instr.)
nīhāram iva bhāskaraḥ
wie die Sonne den Nebel

na tathā hi agha-vān rājan pūyeta tapaḥ-ādibhiḥ yathā kṛṣṇa-arpita-prāṇaḥ tat-puruṣa-niṣevayā

Nicht so sehr, o König, wird der Sündenbehaftete durch Askese und dergleichen gereinigt, wie durch den Dienst an einem, der sein Leben Kṛṣṇa geweiht hat.

Wort für Wort
na tathā hi
nicht so sehr gewiss
agha-vān
der Sündenbehaftete (Nom.)
rājan
o König (Vok.)
pūyeta
wird gereinigt (Opt.)
tapaḥ-ādibhiḥ
durch Askese und dergleichen (Instr.)
yathā
wie sehr
kṛṣṇa-arpita-prāṇaḥ
wer sein Leben Kṛṣṇa geweiht hat (Nom.)
tat-puruṣa-niṣevayā
durch den Dienst an dessen Person/Vertretern (Instr.)

sadhrīcīnaḥ hi ayam loke panthāḥ kṣemaḥ akutaḥ-bhayaḥ su-śīlāḥ sādhavaḥ yatra nārāyaṇa-parāyaṇāḥ

Dies fürwahr ist der rechte, sichere und furchtlose Pfad in der Welt, auf dem die wohlgesitteten, frommen Menschen wandeln, die ganz auf Nārāyaṇa ausgerichtet sind.

Wort für Wort
sadhrīcīnaḥ hi
der richtige, gerade, fürwahr
ayam
dieser
loke
in der Welt (Lok.)
panthāḥ
der Pfad (Nom.)
kṣemaḥ
sicher, heilsam (Nom.)
akutaḥ-bhayaḥ
furchtlos (Nom.)
su-śīlāḥ
wohlgesittet (Nom. Pl.)
sādhavaḥ
die Frommen (Nom. Pl.)
yatra
wo, auf dem
nārāyaṇa-parāyaṇāḥ
ganz auf Nārāyaṇa ausgerichtet (Nom. Pl.)

prāyaścittāni cīrṇāni nārāyaṇa-parāṅmukham na niṣpunanti rājendra surā-kumbham iva āpagāḥ

Auch ausgeführte Sühnehandlungen reinigen den, der Nārāyaṇa den Rücken kehrt, nicht, o Fürst der Könige – wie auch Flüsse einen Krug voll Alkohol nicht reinigen können.

Wort für Wort
prāyaścittāni
die Sühnehandlungen (Nom. Pl.)
cīrṇāni
ausgeführt (PPP Nom. Pl.)
nārāyaṇa-parāṅmukham
einen, der Nārāyaṇa den Rücken kehrt (Akk.)
na niṣpunanti
reinigen nicht
rājendra
o Fürst der Könige (Vok.)
surā-kumbham
einen Krug voll Alkohol (Akk.)
iva āpagāḥ
wie Flüsse (Nom. Pl.)

sakṛt manaḥ kṛṣṇa-pada-aravindayoḥ niveśitam tat-guṇa-rāgi yaiḥ iha na te yamam pāśa-bhṛtaḥ ca tat-bhaṭān svapne api paśyanti hi cīrṇa-niṣkṛtāḥ

Diejenigen, von denen der Geist auch nur einmal, an Kṛṣṇas Eigenschaften hingezogen, auf dessen beide Lotosfüße gerichtet wurde – die sehen hier fürwahr weder Yama noch die Fesselträger noch dessen Gefolgsleute, selbst nicht im Traum; sie haben damit die wahre Sühne bereits vollzogen.

Wort für Wort
sakṛt
auch nur einmal
manaḥ
der Geist (Nom.)
kṛṣṇa-pada-aravindayoḥ
an die beiden Lotosfüße Kṛṣṇas (Lok. Dual)
niveśitam
gerichtet, versenkt (Nom.)
tat-guṇa-rāgi
an dessen Eigenschaften hingezogen (Nom.)
yaiḥ
von wem (Instr. Pl.)
iha
hier
na te
die nicht (Nom. Pl.)
yamam
Yama (Akk.)
pāśa-bhṛtaḥ
die Fesselträger (Akk. Pl.)
ca
und
tat-bhaṭān
dessen Gefolgsleute (Akk. Pl.)
svapne api
selbst im Traum
paśyanti hi
sehen fürwahr
cīrṇa-niṣkṛtāḥ
die die Sühne bereits vollzogen haben (Nom. Pl.)

atra ca udāharanti imam itihāsam purātanam dūtānām viṣṇu-yamayoḥ saṁvādaḥ tam nibodha me

Hierzu führt man diese uralte Geschichte an, das Streitgespräch der Boten Viṣṇus und Yamas – vernimm es von mir.

Wort für Wort
atra ca
hierzu, in diesem Zusammenhang
udāharanti
man führt an
imam itihāsam
diese Geschichte (Akk.)
purātanam
uralt (Akk.)
dūtānām viṣṇu-yamayoḥ
der Boten Viṣṇus und Yamas (Gen.)
saṁvādaḥ
das Streitgespräch (Nom.)
tam
dieses
nibodha
vernimm (Imp.)
me
von mir

kānya-kubje dvijaḥ kaścit dāsī-patiḥ ajāmilaḥ nāmnā naṣṭa-sat-ācāraḥ dāsyāḥ saṁsarga-dūṣitaḥ

In Kānyakubja lebte ein gewisser Brahmane namens Ajāmila, der Gatte einer Dienerin, der seinen guten Lebenswandel verloren hatte, verdorben durch den Umgang mit dieser Dienerin.

Wort für Wort
kānya-kubje
in Kānyakubja (Lok.)
dvijaḥ
ein Brahmane (Nom.)
kaścit
ein gewisser
dāsī-patiḥ
Gatte einer Dienerin (Nom.)
ajāmilaḥ nāmnā
namens Ajāmila
naṣṭa-sat-ācāraḥ
der seinen guten Lebenswandel verloren hatte (Nom.)
dāsyāḥ saṁsarga-dūṣitaḥ
verdorben durch den Umgang mit der Dienerin (Nom.)

bandī-akṣaiḥ kaitavaiḥ cauryaiḥ garhitām vṛttim āsthitaḥ bibhrat kuṭumbam aśuciḥ yātayām āsa dehinaḥ

Durch widerrechtliches Gefangennehmen, Würfelspiel, Betrug und Diebstahl ging er einem verwerflichen Broterwerb nach; während er, unrein, seine Familie unterhielt, quälte er andere verkörperte Wesen.

Wort für Wort
bandī-akṣaiḥ
durch Gefangennehmen und Würfelspiel (Instr.)
kaitavaiḥ
durch Betrug (Instr.)
cauryaiḥ
durch Diebstahl (Instr.)
garhitām vṛttim āsthitaḥ
der einem verwerflichen Broterwerb nachging
bibhrat kuṭumbam
seine Familie unterhaltend
aśuciḥ
unrein (Nom.)
yātayām āsa
quälte
dehinaḥ
die verkörperten Wesen (Akk. Pl.)

evam nivasataḥ tasya lālayānasya tat-sutān kālaḥ atyagāt mahān rājan aṣṭāśītyā āyuṣaḥ samāḥ

So verging, während er auf diese Weise lebte und deren Söhne aufzog, o König, eine lange Zeit – achtundachtzig Jahre seines Lebens.

Wort für Wort
evam
so
nivasataḥ tasya
während er (so) lebte (Gen.)
lālayānasya
während er verhätschelte, aufzog (Gen.)
tat-sutān
deren Söhne (Akk. Pl.)
kālaḥ atyagāt
die Zeit verging
mahān
eine lange (Zeit) (Nom.)
rājan
o König (Vok.)
aṣṭāśītyā samāḥ
achtundachtzig Jahre
āyuṣaḥ
seines Lebens (Gen.)

tasya pravayasaḥ putrāḥ daśa teṣām tu yaḥ avamaḥ bālaḥ nārāyaṇaḥ nāmnā pitroḥ ca dayitaḥ bhṛśam

Er, der inzwischen hochbetagt war, hatte zehn Söhne; von diesen war der jüngste ein Kind namens Nārāyaṇa, das den Eltern überaus lieb war.

Wort für Wort
tasya
dessen (Gen.)
pravayasaḥ
der hochbetagt war (Gen.)
putrāḥ daśa
zehn Söhne (Nom.)
teṣām tu
von diesen aber (Gen. Pl.)
yaḥ avamaḥ
welcher der jüngste (Nom.)
bālaḥ
das Kind (Nom.)
nārāyaṇaḥ nāmnā
namens Nārāyaṇa
pitroḥ ca
und den Eltern (Dat./Gen. Dual)
dayitaḥ bhṛśam
überaus lieb (Nom.)

saḥ baddha-hṛdayaḥ tasmin arbhake kala-bhāṣiṇi nirīkṣamāṇaḥ tat-līlām mumude jaraṭhaḥ bhṛśam

Er, sein Herz an dieses Kind gebunden, das noch lallend sprach, betrachtete dessen kindliches Treiben, und der alte Mann freute sich sehr daran.

Wort für Wort
saḥ
er
baddha-hṛdayaḥ
mit gebundenem Herzen (Nom.)
tasmin arbhake
an dieses Kind (Lok.)
kala-bhāṣiṇi
das lallend sprach (Lok.)
nirīkṣamāṇaḥ
betrachtend (Nom.)
tat-līlām
dessen kindliches Spiel (Akk.)
mumude
freute sich
jaraṭhaḥ
der Alte (Nom.)
bhṛśam
sehr

bhuñjānaḥ prapiban khādan bālakam sneha-yantritaḥ bhojayan pāyayan mūḍhaḥ na veda āgatam antakam

Während er aß, trank und naschte, von Zuneigung zu dem Kind gefesselt, es speisend und tränkend, wusste der Törichte nicht, dass der Tod bereits herangekommen war.

Wort für Wort
bhuñjānaḥ
essend
prapiban
trinkend
khādan
kauend, naschend
bālakam
das Kind (Akk.)
sneha-yantritaḥ
von Zuneigung gefesselt (Nom.)
bhojayan
es speisend
pāyayan
es tränkend
mūḍhaḥ
der Törichte (Nom.)
na veda
wusste nicht
āgatam antakam
dass der Tod herangekommen war

saḥ evam vartamānaḥ ajñaḥ mṛtyu-kāle upasthite matim cakāra tanaye bāle nārāyaṇa-āhvaye

Als für ihn, den so lebenden Unwissenden, die Stunde des Todes eingetreten war, richtete er seinen Sinn auf seinen Sohn, das Kind, das den Namen Nārāyaṇa trug.

Wort für Wort
saḥ evam vartamānaḥ
er, so lebend (Nom.)
ajñaḥ
der Unwissende (Nom.)
mṛtyu-kāle upasthite
als die Todesstunde eingetreten war (Lok. abs.)
matim cakāra
richtete den Sinn
tanaye bāle
auf den Sohn, das Kind (Lok.)
nārāyaṇa-āhvaye
das den Namen Nārāyaṇa trug (Lok.)

saḥ pāśa-hastān trīn dṛṣṭvā puruṣān ati-dāruṇān vakra-tuṇḍān ūrdhva-romṇaḥ ātmānam netum āgatān dūre krīḍanaka-āsaktam putram nārāyaṇa-āhvayam plāvitena svareṇa uccaiḥ ājuhāva ākula-indriyaḥ

Als er drei höchst furchterregende Gestalten sah, mit Fesseln in den Händen, mit verzerrten Gesichtern und gesträubten Haaren, die gekommen waren, um ihn selbst fortzuführen, rief er, dessen Sinne verwirrt waren, mit tränenüberströmter, lauter Stimme nach seinem Sohn Nārāyaṇa, der in einiger Entfernung mit seinem Spielzeug beschäftigt war.

Wort für Wort
saḥ
er
pāśa-hastān
mit Fesseln in den Händen (Akk. Pl.)
trīn
drei (Akk.)
dṛṣṭvā
als er sah
puruṣān
Gestalten, Männer (Akk. Pl.)
ati-dāruṇān
höchst furchterregend (Akk. Pl.)
vakra-tuṇḍān
mit verzerrten Gesichtern (Akk. Pl.)
ūrdhva-romṇaḥ
mit gesträubten Haaren (Akk. Pl.)
ātmānam netum āgatān
gekommen, um ihn selbst fortzuführen
dūre
in einiger Entfernung
krīḍanaka-āsaktam
mit Spielzeug beschäftigt (Akk.)
putram nārāyaṇa-āhvayam
seinen Sohn mit Namen Nārāyaṇa (Akk.)
plāvitena svareṇa
mit tränenüberströmter Stimme (Instr.)
uccaiḥ
laut
ājuhāva
rief
ākula-indriyaḥ
dessen Sinne verwirrt waren (Nom.)

niśamya mriyamāṇasya mukhataḥ hari-kīrtanam bhartuḥ nāma mahā-rāja pārṣadāḥ sahasā āpatan

Als sie, o großer König, aus dem Mund des Sterbenden das Aussprechen des Namens Hari vernahmen, den Namen ihres Herrn, erschienen die göttlichen Diener sogleich.

Wort für Wort
niśamya
als sie hörten
mriyamāṇasya
des Sterbenden (Gen.)
mukhataḥ
aus dem Mund
hari-kīrtanam
das Aussprechen des Namens Hari (Akk.)
bhartuḥ nāma
den Namen ihres Herrn (Akk.)
mahā-rāja
o großer König (Vok.)
pārṣadāḥ
die göttlichen Diener (Nom. Pl.)
sahasā
sogleich
āpatan
erschienen

vikarṣataḥ antaḥ hṛdayāt dāsī-patim ajāmilam yama-preṣyān viṣṇu-dūtāḥ vārayām āsuḥ ojasā

Die Boten Viṣṇus hinderten mit Nachdruck die Boten Yamas, die gerade dabei waren, Ajāmila, den Gatten der Dienerin, aus dem Innern seines Herzens herauszuzerren.

Wort für Wort
vikarṣataḥ
die herauszerrten (Akk. Pl., attr.)
antaḥ hṛdayāt
aus dem Innern des Herzens (Abl.)
dāsī-patim ajāmilam
Ajāmila, den Gatten der Dienerin (Akk.)
yama-preṣyān
die Boten Yamas (Akk. Pl.)
viṣṇu-dūtāḥ
die Boten Viṣṇus (Nom. Pl.)
vārayām āsuḥ
hinderten
ojasā
mit Nachdruck (Instr.)

ūcuḥ niṣedhitāḥ tān te vaivasvata-puraḥsarāḥ ke yūyam pratiṣeddhāraḥ dharma-rājasya śāsanam

Daran gehindert, sprachen sie, die Vorausgesandten des Vaivasvata, zu jenen: Wer seid ihr, die ihr den Befehl des Königs des Rechts verhindert?

Wort für Wort
ūcuḥ
sie sprachen
niṣedhitāḥ
daran gehindert (Nom. Pl.)
tān
zu jenen (Akk. Pl.)
te
sie (Nom. Pl.)
vaivasvata-puraḥsarāḥ
die Vorausgesandten Vaivasvatas/Yamas (Nom. Pl.)
ke yūyam
wer seid ihr
pratiṣeddhāraḥ
die ihr verhindert (Nom. Pl.)
dharma-rājasya śāsanam
den Befehl des Königs des Rechts (Akk.)

kasya vā kutaḥ āyātāḥ kasmāt asya niṣedhatha kim devāḥ upadevāḥ yāḥ yūyam kim siddha-sat-tamāḥ

Wessen Diener seid ihr, oder woher seid ihr gekommen? Weshalb verwehrt ihr uns diesen hier? Seid ihr etwa Götter oder Untergötter, oder seid ihr die Besten der Vollendeten?

Wort für Wort
kasya vā
wessen (Diener) oder
kutaḥ āyātāḥ
von wo seid ihr gekommen
kasmāt
aus welchem Grund
asya
bei diesem (Gen.)
niṣedhatha
verwehrt ihr
kim devāḥ
seid ihr etwa Götter
upadevāḥ yāḥ
die ihr Untergötter (seid)
yūyam kim siddha-sat-tamāḥ
oder seid ihr die Besten der Vollendeten

sarve padma-palāśa-akṣāḥ pīta-kauśeya-vāsasaḥ kirīṭinaḥ kuṇḍalinaḥ lasat-puṣkara-mālinaḥ sarve ca nūtna-vayasaḥ sarve cāru-catur-bhujāḥ dhanuḥ-niṣaṅga-asi-gadā- śaṅkha-cakra-ambuja-śriyaḥ diśaḥ vitimira-ālokāḥ kurvantaḥ svena tejasā kim artham dharma-pālasya kiṅkarān naḥ niṣedhatha

Alle von euch haben Augen wie Lotosblütenblätter, sind in gelbe Seidengewänder gekleidet, tragen Diademe, Ohrringe und leuchtende Lotosgirlanden; alle sind von stets jugendlichem Alter, alle haben vier schöne Arme, geschmückt mit Bogen, Köcher, Schwert, Keule, Muschelhorn, Diskus und Lotos, und erhellen mit eurem eigenen Glanz die Himmelsrichtungen, sie von Dunkel befreiend – warum hindert ihr uns, die Diener des Hüters des Dharma?

Wort für Wort
sarve
alle (Nom. Pl.)
padma-palāśa-akṣāḥ
mit Augen wie Lotosblütenblätter (Nom. Pl.)
pīta-kauśeya-vāsasaḥ
in gelbe Seidengewänder gekleidet (Nom. Pl.)
kirīṭinaḥ
mit Diademen (Nom. Pl.)
kuṇḍalinaḥ
mit Ohrringen (Nom. Pl.)
lasat-puṣkara-mālinaḥ
mit leuchtenden Lotosgirlanden geschmückt (Nom. Pl.)
sarve ca
und alle
nūtna-vayasaḥ
von jugendlichem Alter (Nom. Pl.)
cāru-catur-bhujāḥ
mit vier schönen Armen (Nom. Pl.)
dhanuḥ-niṣaṅga-asi-gadā-śaṅkha-cakra-ambuja-śriyaḥ
geschmückt mit Bogen, Köcher, Schwert, Keule, Muschelhorn, Diskus und Lotos (Nom. Pl.)
diśaḥ
die Himmelsrichtungen (Akk. Pl.)
vitimira-ālokāḥ kurvantaḥ
frei von Dunkel machend, erhellend
svena tejasā
durch euren eigenen Glanz (Instr.)
kim artham
aus welchem Grund
dharma-pālasya
des Hüters des Dharma (Gen.)
kiṅkarān
die Diener (Akk. Pl.)
naḥ
uns (Akk.)
niṣedhatha
hindert ihr

śrī-śukaḥ uvāca iti ukte yama-dūtaiḥ te vāsudeva-ukta-kāriṇaḥ tān pratyūcuḥ prahasya idam megha-nirhrādayā girā

Śrī Śuka sprach: Als dies von den Boten Yamas gesagt worden war, antworteten jene, die die Weisungen Vāsudevas ausführen, lachend, mit einer Stimme, die wie Donnergrollen tönte, Folgendes.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
iti ukte
als dies gesagt worden war (Lok. abs.)
yama-dūtaiḥ
von den Boten Yamas (Instr.)
te
jene (Nom. Pl.)
vāsudeva-ukta-kāriṇaḥ
die die Weisungen Vāsudevas ausführen (Nom. Pl.)
tān pratyūcuḥ
antworteten ihnen
prahasya
lachend
idam
dies
megha-nirhrādayā girā
mit einer wie Donnergrollen tönenden Stimme (Instr.)

śrī-viṣṇu-dūtāḥ ūcuḥ yūyam vai dharma-rājasya yadi nirdeśa-kāriṇaḥ brūta dharmasya naḥ tattvam yat ca adharmasya lakṣaṇam

Die Boten Viṣṇus sprachen: Wenn ihr wahrhaftig die Ausführenden des Befehls des Königs des Dharma seid, dann verkündet uns das Wesen des Dharma und was das Kennzeichen des Adharma ist.

Wort für Wort
śrī-viṣṇu-dūtāḥ ūcuḥ
die Boten Viṣṇus sprachen
yūyam vai
wenn ihr wahrhaftig
dharma-rājasya
des Königs des Dharma (Gen.)
yadi nirdeśa-kāriṇaḥ
wenn Ausführende seines Befehls (Nom. Pl.)
brūta
verkündet (Imp.)
dharmasya naḥ tattvam
uns das Wesen des Dharma (Akk.)
yat ca
und was
adharmasya lakṣaṇam
das Kennzeichen des Adharma (Nom.)

katham svit dhriyate daṇḍaḥ kim vā asya sthānam īpsitam daṇḍyāḥ kim kāriṇaḥ sarve āho svit katicit nṛṇām

Auf welche Weise denn wird die Strafe verhängt, und was ist ihr rechter Geltungsbereich? Sind etwa alle Übeltäter strafwürdig, oder vielleicht nur einige der Menschen?

Wort für Wort
katham svit
auf welche Weise denn
dhriyate daṇḍaḥ
wird die Strafe verhängt
kim vā
oder auch
asya sthānam īpsitam
was ist ihr (dafür bestimmter) Geltungsbereich
daṇḍyāḥ kim
sind etwa strafwürdig
kāriṇaḥ sarve
alle Handelnden (Übeltäter) (Nom. Pl.)
āho svit
oder vielleicht
katicit nṛṇām
nur einige der Menschen (Gen. Pl.)

veda-praṇihitaḥ dharmaḥ hi adharmaḥ tat-viparyayaḥ vedaḥ nārāyaṇaḥ sākṣāt svayam-bhūḥ iti śuśruma

Das Dharma ist fürwahr das, was von den Veden vorgeschrieben ist, das Adharma dessen Gegenteil. Der Veda ist unmittelbar Nārāyaṇa selbst, der Selbstentstandene – so haben wir gehört.

Wort für Wort
veda-praṇihitaḥ
von den Veden vorgeschrieben (Nom.)
dharmaḥ
das Dharma (Nom.)
hi
fürwahr
adharmaḥ
das Adharma (Nom.)
tat-viparyayaḥ
dessen Gegenteil (Nom.)
vedaḥ
der Veda (Nom.)
nārāyaṇaḥ sākṣāt
unmittelbar Nārāyaṇa selbst (Nom.)
svayam-bhūḥ
der Selbstentstandene (Nom.)
iti śuśruma
so haben wir gehört

Sprecherzuweisung (‚die Boten Yamas sprachen‘) aus Kontext/Kommentar erschlossen, im IAST-Text selbst nicht ausdrücklich als eigene Zeile vorhanden [?].

yena sva-dhāmni amī bhāvāḥ rajaḥ-sattva-tamaḥ-mayāḥ guṇa-nāma-kriyā-rūpaiḥ vibhāvyante yathā-tatham

Durch ihn werden, in seinem eigenen Bereich, diese aus Rajas, Sattva und Tamas bestehenden Zustände durch ihre jeweiligen Eigenschaften, Namen, Tätigkeiten und Formen genau zutreffend dargestellt.

Wort für Wort
yena
durch den (Instr.)
sva-dhāmni
in dessen eigenem Bereich (Lok.)
amī bhāvāḥ
diese Zustände (Nom. Pl.)
rajaḥ-sattva-tamaḥ-mayāḥ
aus Rajas, Sattva und Tamas bestehend (Nom. Pl.)
guṇa-nāma-kriyā-rūpaiḥ
durch Eigenschaften, Namen, Tätigkeiten und Formen (Instr. Pl.)
vibhāvyante
werden dargestellt, unterschieden
yathā-tatham
genau zutreffend, der Wahrheit gemäß

sūryaḥ agniḥ kham marut devaḥ somaḥ sandhyā ahanī diśaḥ kam kuḥ svayam dharmaḥ iti hi ete daihyasya sākṣiṇaḥ

Die Sonne, das Feuer, der Raum, der Wind, die Gottheit, der Mond, die Dämmerung, Tag und Nacht, die Himmelsrichtungen, das Wasser, die Erde und das Dharma (Yama) selbst – fürwahr, diese sind die Zeugen der Taten des Verkörperten.

Wort für Wort
sūryaḥ
die Sonne (Nom.)
agniḥ
das Feuer (Nom.)
kham
der Raum (Nom.)
marut
der Wind (Nom.)
devaḥ
die Gottheit (Nom.)
somaḥ
der Mond (Nom.)
sandhyā
die Dämmerung (Nom.)
ahanī
Tag und Nacht (Nom. Dual)
diśaḥ
die Himmelsrichtungen (Nom. Pl.)
kam
das Wasser (Nom.)
kuḥ
die Erde (Nom.)
svayam dharmaḥ
das Dharma (Yama) selbst (Nom.)
iti hi
fürwahr, so
ete
diese (Nom. Pl.)
daihyasya
des Verkörperten (Gen.)
sākṣiṇaḥ
Zeugen (Nom. Pl.)

etaiḥ adharmaḥ vijñātaḥ sthānam daṇḍasya yujyate sarve karma-anurodhena daṇḍam arhanti kāriṇaḥ

Durch diese Zeugen wird das Unrecht erkannt, und danach bestimmt sich der rechte Ort der Strafe; alle Übeltäter verdienen Strafe entsprechend ihrer Tat.

Wort für Wort
etaiḥ
durch diese (Instr. Pl.)
adharmaḥ vijñātaḥ
das Unrecht wird erkannt
sthānam daṇḍasya yujyate
der (rechte) Ort der Strafe wird bestimmt
sarve
alle (Nom. Pl.)
karma-anurodhena
entsprechend der Tat (Instr.)
daṇḍam arhanti
verdienen Strafe
kāriṇaḥ
die Übeltäter (Nom. Pl.)

sambhavanti hi bhadrāṇi viparītāni ca anaghāḥ kāriṇām guṇa-saṅgaḥ asti deha-vān na hi akarma-kṛt

Fürwahr, o ihr Makellosen, es geschehen gute wie entgegengesetzte Taten; bei den Handelnden besteht stets eine Verbindung mit den drei Erscheinungsweisen der Natur – wer einen materiellen Körper besitzt, ist gewiss niemals untätig.

Wort für Wort
sambhavanti hi
es geschehen fürwahr
bhadrāṇi
gute (Taten) (Nom. Pl.)
viparītāni ca
und entgegengesetzte (Nom. Pl.)
anaghāḥ
o Makellose (Vok. Pl.)
kāriṇām
der Handelnden (Gen. Pl.)
guṇa-saṅgaḥ asti
es besteht Verbindung mit den Erscheinungsweisen
deha-vān
wer einen Körper besitzt (Nom.)
na hi akarma-kṛt
ist gewiss nicht untätig

yena yāvān yathā adharmaḥ dharmaḥ vā iha samīhitaḥ saḥ eva tat-phalam bhuṅkte tathā tāvat amutra vai

In welchem Ausmaß und auf welche Weise von wem in diesem Leben Unrecht oder Recht verübt wurde – eben dieser genießt oder erleidet dessen Frucht fürwahr im selben Maß im Jenseits.

Wort für Wort
yena
von wem (Instr.)
yāvān
in welchem Ausmaß (Nom.)
yathā
auf welche Weise
adharmaḥ dharmaḥ vā
Unrecht oder Recht (Nom.)
iha
in diesem Leben
samīhitaḥ
verübt (Nom.)
saḥ eva
eben dieser (Nom.)
tat-phalam bhuṅkte
genießt/erleidet dessen Frucht
tathā tāvat
in eben dem Maß
amutra vai
fürwahr im Jenseits

yathā iha deva-pravarāḥ trai-vidhyam upalabhyate bhūteṣu guṇa-vaicitryāt tathā anyatra anumīyate

So wie hier, o Vorzüglichste der Götter, bei den Lebewesen aufgrund der Verschiedenartigkeit der drei Erscheinungsweisen die Dreifachheit wahrgenommen wird, so wird sie auch anderswo erschlossen.

Wort für Wort
yathā iha
so wie hier
deva-pravarāḥ
o Vorzüglichste der Götter (Vok. Pl.)
trai-vidhyam
die Dreifachheit (Nom.)
upalabhyate
wird wahrgenommen
bhūteṣu
bei den Lebewesen (Lok. Pl.)
guṇa-vaicitryāt
aufgrund der Verschiedenartigkeit der Erscheinungsweisen (Abl.)
tathā anyatra
so ebenso anderswo
anumīyate
wird erschlossen, gefolgert

vartamānaḥ anyayoḥ kālaḥ guṇa-abhijñāpakaḥ yathā evam janma anyayoḥ etat dharma-adharma-nidarśanam

So wie die gegenwärtige Zeit erkennen lässt, welche Eigenschaften die beiden anderen Zeiten haben, so ist ebenso diese gegenwärtige Geburt die Anzeige von Recht und Unrecht der beiden anderen Geburten.

Wort für Wort
vartamānaḥ kālaḥ
die gegenwärtige Zeit (Nom.)
anyayoḥ
der beiden anderen (Gen. Dual)
guṇa-abhijñāpakaḥ
was die Eigenschaften erkennen lässt (Nom.)
yathā
so wie
evam
ebenso
janma
die Geburt (Nom.)
anyayoḥ
der beiden anderen (Geburten) (Gen. Dual)
etat
dies (Nom.)
dharma-adharma-nidarśanam
die Anzeige von Recht und Unrecht (Nom.)

manasā eva pure devaḥ pūrva-rūpam vipaśyati anumīmāṁsate apūrvam manasā bhagavān ajaḥ

Allein durch den Geist erblickt die Gottheit (Yama) in seiner Wohnstätte die frühere Gestalt eines Wesens, und mit dem Geist erschließt der erhabene, ungeborene Yama auch den künftigen Zustand.

Wort für Wort
manasā eva
allein durch den Geist (Instr.)
pure
in der Wohnstätte (Lok.)
devaḥ
die Gottheit (Nom.)
pūrva-rūpam
die frühere Gestalt (Akk.)
vipaśyati
erblickt genau
anumīmāṁsate
erschließt, erwägt
apūrvam
den künftigen, noch nicht dagewesenen (Zustand) (Akk.)
manasā
mit dem Geist (Instr.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.)
ajaḥ
der Ungeborene (Nom.)

yathā ajñaḥ tamasā yuktaḥ upāste vyaktam eva hi na veda pūrvam aparam naṣṭa-janma-smṛtiḥ tathā

So wie ein Unwissender, vom Schlaf befangen, sich nur dem im Traum Erscheinenden hingibt und weder den früheren noch den künftigen Zustand kennt, seine Erinnerung an jene andere Existenz verloren, so verhält es sich auch mit der Erinnerung an frühere und künftige Geburten.

Wort für Wort
yathā
so wie
ajñaḥ
ein Unwissender (Nom.)
tamasā yuktaḥ
vom Schlaf/Dunkel befangen (Nom.)
upāste
gibt sich hin
vyaktam eva hi
nur dem (im Traum) Erscheinenden
na veda
kennt nicht
pūrvam
den früheren (Zustand) (Akk.)
aparam
den künftigen (Zustand) (Akk.)
naṣṭa-janma-smṛtiḥ
dessen Erinnerung an die (andere) Existenz verloren ist (Nom.)
tathā
ebenso

pañcabhiḥ kurute svārthān pañca vedātha pañcabhiḥ ekaḥ tu ṣoḍaśena trīn svayam saptadaśaḥ aśnute

Mit den fünf Handlungssinnen verrichtet er seine eigennützigen Zwecke, mit den fünf Wahrnehmungssinnen nimmt er sodann die fünf Sinnesobjekte wahr; mit dem sechzehnten, dem Geist, aber erfährt er die drei Zustände von Freude, Leid und deren Mischung, während er selbst, als der Siebzehnte, all dies genießt.

Wort für Wort
pañcabhiḥ
mit den fünf (Handlungssinnen) (Instr.)
kurute svārthān
verrichtet seine (eigennützigen) Zwecke
pañca
die fünf (Sinnesobjekte) (Akk.)
veda atha
erkennt sodann
pañcabhiḥ
mit den fünf (Wahrnehmungssinnen) (Instr.)
ekaḥ tu
der eine (das Lebewesen) aber (Nom.)
ṣoḍaśena
mit dem sechzehnten (dem Geist) (Instr.)
trīn
die drei (Zustände) (Akk.)
svayam
selbst
saptadaśaḥ
als der Siebzehnte (Nom.)
aśnute
genießt, erfährt

tat etat ṣoḍaśa-kalam liṅgam śakti-trayam mahat dhatte anusaṁsṛtim puṁsi harṣa-śoka-bhaya-arti-dām

Eben dieser aus sechzehn Teilen bestehende, aus den drei Kräften der Natur gebildete, übermächtige feinstoffliche Körper bewirkt für das Lebewesen das fortwährende Umherwandern in Geburt und Tod und verleiht ihm Freude, Kummer, Furcht und Schmerz.

Wort für Wort
tat etat
eben dieser (Nom.)
ṣoḍaśa-kalam
aus sechzehn Teilen bestehend (Nom.)
liṅgam
der feinstoffliche Körper (Nom.)
śakti-trayam
aus den drei Kräften bestehend (Nom.)
mahat
der gewaltige, übermächtige (Nom.)
dhatte
bewirkt
anusaṁsṛtim
das fortwährende Umherwandern (Akk.)
puṁsi
für das Lebewesen (Lok./Dat.)
harṣa-śoka-bhaya-arti-dām
der Freude, Kummer, Furcht und Schmerz verleiht (Akk.)

dehī ajñaḥ ajita-ṣaṭ-vargaḥ na icchan karmāṇi kāryate kośa-kāraḥ iva ātmānam karmaṇā ācchādya muhyati

Der unwissende Verkörperte, dessen sechs Sinne unbezwungen sind, wird, selbst ohne es zu wollen, zu Taten veranlasst; er hüllt sich, wie die Seidenraupe, durch seine eigene Tat selbst ein und gerät so in Verwirrung.

Wort für Wort
dehī
der Verkörperte (Nom.)
ajñaḥ
unwissend (Nom.)
ajita-ṣaṭ-vargaḥ
dessen sechs Sinne unbezwungen sind (Nom.)
na icchan
ohne zu wollen
karmāṇi kāryate
wird zu Taten veranlasst
kośa-kāraḥ iva
wie die Seidenraupe (Nom.)
ātmānam
sich selbst (Akk.)
karmaṇā
durch (die eigene) Tat (Instr.)
ācchādya
einhüllend
muhyati
gerät in Verwirrung

na hi kaścit kṣaṇam api jātu tiṣṭhati akarma-kṛt kāryate hi avaśaḥ karma guṇaiḥ svābhāvikaiḥ balāt

Niemand fürwahr verharrt jemals, auch nur für einen Augenblick, ohne zu handeln; er wird fürwahr, machtlos, durch die ihm eigenen, angeborenen Erscheinungsweisen zwangsläufig zur Tat veranlasst.

Wort für Wort
na hi kaścit
niemand fürwahr
kṣaṇam api
auch nur für einen Augenblick
jātu
jemals
tiṣṭhati
verharrt
akarma-kṛt
ohne zu handeln (Nom.)
kāryate hi
wird fürwahr veranlasst
avaśaḥ
machtlos, unfreiwillig (Nom.)
karma
zur Tat (Akk.)
guṇaiḥ svābhāvikaiḥ
durch die ihm eigenen (angeborenen) Erscheinungsweisen (Instr.)
balāt
zwangsläufig, mit Gewalt

labdhvā nimittam avyaktam vyakta-avyaktam bhavati uta yathā-yoni yathā-bījam sva-bhāvena balīyasā

Nachdem er die unmanifeste Ur-Ursache erlangt hat, entsteht, entsprechend dem jeweiligen Mutterschoß und dem jeweiligen Samen, durch die übermächtige eigene Wesensart, wieder ein neuer, zugleich manifester und unmanifester Körper.

Wort für Wort
labdhvā
nachdem er erlangt hat
nimittam avyaktam
die unmanifeste (Ur-)Ursache (Akk.)
vyakta-avyaktam
zugleich manifest und unmanifest (Nom.)
bhavati uta
entsteht fürwahr
yathā-yoni
entsprechend dem (jeweiligen) Mutterschoß
yathā-bījam
entsprechend dem (jeweiligen) Samen
sva-bhāvena balīyasā
durch die übermächtige eigene Wesensart (Instr.)

eṣaḥ prakṛti-saṅgena puruṣasya viparyayaḥ āsīt saḥ eva na cirāt īśa-saṅgāt vilīyate

Diese Verkehrung des eigentlichen Wesens der (wahren) Person entstand durch ihre Verbindung mit der materiellen Natur; eben diese Verkehrung löst sich in nicht langer Zeit durch die Verbindung mit dem Herrn wieder auf.

Wort für Wort
eṣaḥ
dieser, diese (Nom.)
prakṛti-saṅgena
durch die Verbindung mit der (materiellen) Natur (Instr.)
puruṣasya
der (wahren) Person (Gen.)
viparyayaḥ
die Verkehrung (Nom.)
āsīt
entstand
saḥ eva
eben diese (Nom.)
na cirāt
in nicht langer Zeit
īśa-saṅgāt
durch die Verbindung mit dem Herrn (Abl.)
vilīyate
löst sich auf

ayam hi śruta-sampannaḥ śīla-vṛtta-guṇa-ālayaḥ dhṛta-vrataḥ mṛduḥ dāntaḥ satya-vāk mantra-vit śuciḥ guru-agni-atithi-vṛddhānām śuśrūṣuḥ anahaṅkṛtaḥ sarva-bhūta-suhṛt sādhuḥ mita-vāk anasūyakaḥ

Dieser Ajāmila war fürwahr wohlbewandert in den heiligen Schriften, eine Schatzkammer guten Charakters, guten Verhaltens und guter Eigenschaften; er hielt seine Gelübde ein, war sanftmütig, selbstbeherrscht, wahrhaftig redend, kannte die heiligen Sprüche und war rein; dem geistigen Lehrer, dem Opferfeuer, den Gästen und den Alten diente er, frei von Stolz, allen Wesen wohlgesinnt, rechtschaffen, maßvoll in der Rede und frei von Missgunst.

Wort für Wort
ayam hi
dieser fürwahr
śruta-sampannaḥ
wohlbewandert in den heiligen Schriften (Nom.)
śīla-vṛtta-guṇa-ālayaḥ
eine Schatzkammer von Charakter, Verhalten und Eigenschaften (Nom.)
dhṛta-vrataḥ
der seine Gelübde einhielt (Nom.)
mṛduḥ
sanftmütig (Nom.)
dāntaḥ
selbstbeherrscht (Nom.)
satya-vāk
wahrhaftig redend (Nom.)
mantra-vit
der die heiligen Sprüche kannte (Nom.)
śuciḥ
rein (Nom.)
guru-agni-atithi-vṛddhānām
dem Lehrer, dem Feuer, den Gästen und den Alten (Gen. Pl.)
śuśrūṣuḥ
dienstbereit (Nom.)
anahaṅkṛtaḥ
frei von Stolz (Nom.)
sarva-bhūta-suhṛt
allen Wesen wohlgesinnt (Nom.)
sādhuḥ
rechtschaffen (Nom.)
mita-vāk
maßvoll in der Rede (Nom.)
anasūyakaḥ
frei von Missgunst (Nom.)

ekadā asau vanam yātaḥ pitṛ-sandeśa-kṛt dvijaḥ ādāya tataḥ āvṛttaḥ phala-puṣpa-samit-kuśān dadarśa kāminam kañcit śūdram saha bhujiṣyayā pītvā ca madhu maireyam mada-āghūrṇita-netrayā mattayā viślathat-nīvyā vyapetam nirapatrapam krīḍantam anugāyantam hasantam anayā antike

Einst war dieser Brahmane, den Auftrag seines Vaters ausführend, in den Wald gegangen; nachdem er Früchte, Blumen, Opferholz und Kuśa-Gras gesammelt hatte und von dort zurückkehrte, erblickte er einen gewissen lüsternen Śūdra zusammen mit einer Dienerin, die Met und ein anderes berauschendes Getränk getrunken hatte, deren Augen vor Rausch rollten, trunken, deren Gürtel sich gelöst hatte, außer sich, ohne Scham, wie er in ihrer Nähe tändelte, sang und lachte.

Wort für Wort
ekadā asau
einst dieser (Ajāmila)
vanam yātaḥ
in den Wald gegangen (Nom.)
pitṛ-sandeśa-kṛt
der den Auftrag des Vaters ausführte (Nom.)
dvijaḥ
der Brahmane (Nom.)
ādāya
nachdem er gesammelt hatte
tataḥ āvṛttaḥ
von dort zurückkehrend (Nom.)
phala-puṣpa-samit-kuśān
Früchte, Blumen, Opferholz und Kuśa-Gras (Akk. Pl.)
dadarśa
erblickte
kāminam kañcit śūdram
einen gewissen lüsternen Śūdra (Akk.)
saha bhujiṣyayā
zusammen mit einer Dienerin (Instr.)
pītvā ca madhu maireyam
die Met und ein anderes berauschendes Getränk getrunken hatte
mada-āghūrṇita-netrayā
deren Augen vor Rausch rollten (Instr.)
mattayā
trunken (Instr.)
viślathat-nīvyā
deren Gürtel sich gelöst hatte (Instr.)
vyapetam
außer sich, ihres Anstands entblößt (Akk.)
nirapatrapam
ohne Scham (Akk.)
krīḍantam
spielend, tändelnd (Akk.)
anugāyantam
dabei singend (Akk.)
hasantam
lachend (Akk.)
anayā antike
in deren Nähe

dṛṣṭvā tām kāma-liptena bāhunā parirambhitām jagāma hṛt-śaya-vaśam sahasā eva vimohitaḥ

Als er sie sah, umarmt von einem zur Erregung mit duftenden Salben bestrichenen Arm, verfiel er, plötzlich völlig betört, unter die Macht des im Herzen wohnenden Begehrens.

Wort für Wort
dṛṣṭvā
als er sah
tām
sie (Akk.)
kāma-liptena bāhunā
mit einem zur Erregung von Lust bestrichenen Arm (Instr.)
parirambhitām
umarmt (Akk.)
jagāma
geriet, verfiel
hṛt-śaya-vaśam
unter die Macht des im Herzen wohnenden Begehrens (Akk.)
sahasā eva
plötzlich, sogleich
vimohitaḥ
völlig betört (Nom.)

stambhayan ātmanā ātmānam yāvat sattvam yathā-śrutam na śaśāka samādhātum manaḥ madana-vepitam

Obwohl er sich mit dem eigenen Verstand, mit aller ihm eigenen Fassung, wie er es aus den Schriften gelernt hatte, zu beherrschen versuchte, vermochte er den vom Liebesgott erzittern gemachten Geist nicht zu sammeln.

Wort für Wort
stambhayan
zu beherrschen versuchend
ātmanā ātmānam
mit dem (eigenen) Verstand sich selbst (Instr./Akk.)
yāvat sattvam
mit aller (ihm eigenen) Fassung
yathā-śrutam
entsprechend dem (zuvor) Gehörten, Gelernten
na śaśāka
er vermochte nicht
samādhātum
zu sammeln, zu fassen
manaḥ
den Geist (Akk.)
madana-vepitam
von Kāma (dem Liebesgott) erzittern gemacht (Akk.)

tat-nimitta-smara-vyāja- graha-grastaḥ vicetanaḥ tām eva manasā dhyāyan sva-dharmāt virarāma ha

Von diesem Anlass ergriffen, wie von einem unter dem Vorwand des Liebesgottes wirkenden Dämon befallen, seiner Sinne beraubt, ließ er, im Geist beständig nur an sie denkend, gänzlich von seiner brahmanischen Pflicht ab.

Wort für Wort
tat-nimitta
aus diesem Anlass
smara-vyāja-graha-grastaḥ
ergriffen von einem unter dem Vorwand des Liebesgottes (wirkenden) Anfall/Dämon (Nom.)
vicetanaḥ
seiner Sinne beraubt (Nom.)
tām eva
an sie allein (Akk.)
manasā dhyāyan
im Geist denkend (Instr.)
sva-dharmāt
von seiner (brahmanischen) Pflicht (Abl.)
virarāma ha
ließ gänzlich ab

tām eva toṣayām āsa pitryeṇa arthena yāvatā grāmyaiḥ manaḥ-ramaiḥ kāmaiḥ prasīdeta yathā tathā

Er suchte eben sie mit dem vom Vater ererbten Vermögen, soweit er es besaß, zufriedenzustellen – mit weltlichen, dem Gemüt gefälligen Gaben, damit sie zufrieden werde.

Wort für Wort
tām eva
eben sie (Akk.)
toṣayām āsa
suchte er zu erfreuen, zufriedenzustellen
pitryeṇa arthena
mit dem vom Vater (ererbten) Vermögen (Instr.)
yāvatā
so viel er hatte (Instr.)
grāmyaiḥ kāmaiḥ
mit weltlichen Gaben (Instr.)
manaḥ-ramaiḥ
die dem Gemüt gefällig waren (Instr.)
prasīdeta yathā tathā
so, dass sie zufrieden werde

viprām sva-bhāryām aprauḍhām kule mahati lambhitām visasarja acirāt pāpaḥ svairiṇyā apāṅga-viddha-dhīḥ

Seine eigene, noch junge Gattin, die Tochter eines Brahmanen, die in eine angesehene Familie hinein mit ihm verheiratet worden war, verstieß der Sündige, dessen Verstand vom Seitenblick der zügellosen Dirne durchbohrt war, bald darauf.

Wort für Wort
viprām
die (Tochter) eines Brahmanen (Akk.)
sva-bhāryām
seine eigene Gattin (Akk.)
aprauḍhām
noch jung, unerfahren (Akk.)
kule mahati
in eine angesehene Familie (Lok.)
lambhitām
verheiratet (Akk.)
visasarja
verstieß
acirāt
bald, nach kurzer Zeit
pāpaḥ
der Sündige (Nom.)
svairiṇyā apāṅga-viddha-dhīḥ
dessen Verstand vom Seitenblick der zügellosen (Frau) durchbohrt war (Nom.)

yataḥ tataḥ ca upaninye nyāyataḥ anyāyataḥ dhanam babhāra asyāḥ kuṭumbinyāḥ kuṭumbam manda-dhīḥ ayam

Von hier und dort, rechtmäßig und unrechtmäßig, brachte dieser Ajāmila, der Schwachsinnige, Geld herbei und unterhielt den Haushalt dieser Dirne, die selbst schon Kinder hatte.

Wort für Wort
yataḥ tataḥ ca
von hier und dort, auf jede erdenkliche Weise
upaninye
brachte er herbei
nyāyataḥ anyāyataḥ
rechtmäßig und unrechtmäßig
dhanam
Geld, Reichtum (Akk.)
babhāra
unterhielt, erhielt
asyāḥ kuṭumbinyāḥ
dieser (Dirne), die (selbst schon) Familie hatte (Gen.)
kuṭumbam
den Haushalt (Akk.)
manda-dhīḥ
der Schwachsinnige (Nom.)
ayam
dieser (Ajāmila) (Nom.)

yat asau śāstram ullaṅghya svaira-cārī ati-garhitaḥ avartata ciram kālam agha-āyuḥ aśuciḥ malāt

Denn dieser, die heilige Schrift übertretend, nach eigenem Belieben lebend, höchst verachtenswert, verharrte lange Zeit in diesem Zustand, sein Leben voller Sünde, unrein durch Befleckung.

Wort für Wort
yat
weil, da
asau
dieser (Nom.)
śāstram ullaṅghya
die heilige Schrift übertretend
svaira-cārī
nach eigenem Belieben lebend (Nom.)
ati-garhitaḥ
höchst verachtenswert (Nom.)
avartata
verharrte, lebte
ciram kālam
lange Zeit (Akk.)
agha-āyuḥ
dessen Leben voller Sünde war (Nom.)
aśuciḥ
unrein (Nom.)
malāt
aus Befleckung heraus (Abl.)

tataḥ enam daṇḍa-pāṇeḥ sakāśam kṛta-kilbiṣam neṣyāmaḥ akṛta-nirveśam yatra daṇḍena śuddhyati

Darum werden wir ihn, der seine Verfehlungen begangen, aber noch keine Sühne geleistet hat, in die Gegenwart des Stabträgers führen, wo er durch Strafe gereinigt wird.

Wort für Wort
tataḥ
darum, deshalb
enam
ihn (Akk.)
daṇḍa-pāṇeḥ
des Stabträgers (Yama) (Gen.)
sakāśam
in die Gegenwart (Akk.)
kṛta-kilbiṣam
der Verfehlungen begangen hat (Akk.)
neṣyāmaḥ
wir werden führen
akṛta-nirveśam
der noch keine Sühne geleistet hat (Akk.)
yatra
wo
daṇḍena
durch Strafe (Instr.)
śuddhyati
er wird gereinigt

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