Śrī Parīkṣit sprach: Am Anfang wurde von dir, dem Erhabenen, der Pfad der Entsagung dargelegt: wie man durch das stufenweise im Yoga erlangte Brahman zusammen [mit ihm] die Befreiung vom Kreislauf der Wiedergeburt erreicht.
Wort für Wort
śrī-parīkṣit uvāca
Śrī Parīkṣit (sprach)
nivṛtti-mārgaḥ
der Pfad (Nom.) der Entsagung/des Rückzugs
kathitaḥ
dargelegt/erzählt (PPP Nom.)
ādau
am Anfang (Lok.)
bhagavatā
vom Erhabenen (Instr.)
yathā
wie, auf welche Weise
krama-yoga-upalabdhena
durch das stufenweise im Yoga erlangte (Instr.)
brahmaṇā
mit/durch Brahman (Instr.)
yat
wodurch
asaṁsṛtiḥ
Nicht-Wiedergeburt, Freiheit vom Kreislauf (Nom.)
Vers setzt Parīkṣits Frage fort, die sich auf ein früheres Kapitel bezieht (Bericht über Brahmās/Kapilas Lehre); ‚brahmaṇā‘ evtl. auch personal als ‚mit Brahmā‘ zu verstehen (Erreichen der Befreiung zusammen mit Brahmā bei der kosmischen Auflösung) [?].
pravṛtti-lakṣaṇaḥ caiva traiguṇya-viṣayo mune
yo 'sāv alīna-prakṛter guṇa-sargaḥ punaḥ punaḥ
Und ebenso [gibt es jenen Pfad], der durch Tätigkeitsdrang gekennzeichnet ist und die drei Erscheinungsweisen der Natur zum Gegenstand hat, o Weiser – jener, durch den bei dem, der nicht von der materiellen Natur befreit ist, immer wieder die Erzeugung neuer Körper gemäß den Erscheinungsweisen stattfindet.
Wort für Wort
pravṛtti-lakṣaṇaḥ
gekennzeichnet durch Tätigkeitsdrang (Nom.)
ca eva
und auch, ebenso
traiguṇya-viṣayaḥ
der die drei Erscheinungsweisen zum Gegenstand hat (Nom.)
mune
o Weiser (Vok.)
yaḥ asau
welcher jener (Nom.)
alīna-prakṛteḥ
dessen, der nicht von der (materiellen) Natur befreit ist (Gen.)
adharma-lakṣaṇāḥ nānā narakāḥ ca anuvarṇitāḥ
manu-antaraḥ ca vyākhyātaḥ ādyaḥ svāyambhuvaḥ yataḥ
Die verschiedenen, durch Unrecht gekennzeichneten Höllen wurden geschildert, und auch das Zeitalter der Manus wurde erklärt, angefangen mit dem des Svāyambhuva, von dem aus alles seinen Ausgang nahm.
priyavrata-uttānapadoḥ vaṁśaḥ tat-caritāni ca
dvīpa-varṣa-samudra-adri-nadī-udyāna-vanaspatīn
dharā-maṇḍala-saṁsthānam bhāga-lakṣaṇa-mānataḥ
jyotiṣām vivarāṇām ca yathā idam asṛjat vibhuḥ
[Berichtet wurde über] die Dynastie von Priyavrata und Uttānapāda und deren Taten, über die Inseln, Länder, Ozeane, Berge, Flüsse, Gärten und Bäume, über die Gestalt der Erdscheibe nach ihren Unterteilungen, Merkmalen und Maßen, sowie über die Himmelslichter und die unteren Planetenräume – wie all dies vom Allmächtigen erschaffen wurde.
Wort für Wort
priyavrata-uttānapadoḥ
von Priyavrata und Uttānapāda (Gen. Dual)
vaṁśaḥ
die Dynastie (Nom.)
tat-caritāni
deren Taten (Nom./Akk. Pl. Neutr.)
ca
und
dvīpa-varṣa-samudra-adri-nadī-udyāna-vanaspatīn
Inseln, Länder, Ozeane, Berge, Flüsse, Gärten und Bäume (Akk. Pl.)
dharā-maṇḍala-saṁsthānam
die Gestalt der Erdscheibe (Akk.)
bhāga-lakṣaṇa-mānataḥ
gemäß Unterteilungen, Merkmalen und Maßen
jyotiṣām
der Himmelslichter (Gen. Pl.)
vivarāṇām
der unteren Planetenräume (Gen. Pl.)
ca
und
yathā
wie
idam
dies
asṛjat
erschuf (Aor./Impf.)
vibhuḥ
der Allmächtige (Nom.)
Das Hauptverb (etwa ‚wurde dargelegt/beschrieben‘) ist aus dem vorangehenden Vers 3 zu ergänzen [?]; der Sinnzusammenhang setzt Parīkṣits Rückblick auf bereits Gehörtes fort.
śrī-śukaḥ uvāca
na cet iha eva apacitim yathā aṁhasaḥ
kṛtasya kuryāt manaḥ-ukta-pāṇibhiḥ
dhruvam saḥ vai pretya narakān upaiti
ye kīrtitāḥ me bhavataḥ tigma-yātanāḥ
Śrī Śuka sprach: Wenn einer nicht schon hier, in diesem Leben, für die begangene Sünde durch Geist, Wort und Hände – das heißt in Gedanken, Worten und Taten – eine entsprechende Sühne leistet, dann geht er nach dem Tod gewiss in jene Höllen ein, die dir von mir eben geschildert wurden, mit ihren stechenden Qualen.
Deshalb sollte man sich, solange der Körper noch nicht dem Tod verfallen ist, rechtzeitig und rasch, noch in diesem Leben, um die Tilgung der Sünde bemühen – so wie ein in der Diagnose kundiger Arzt, nachdem er die Schwere der Verfehlung erkannt hat, die Krankheit behandelt.
Wort für Wort
tasmāt
deshalb
purā eva
schon vorher, rechtzeitig
āśu
schnell
iha
in diesem Leben
pāpa-niṣkṛtau
zur Tilgung der Sünde (Lok.)
yateta
er sollte sich bemühen (Opt.)
mṛtyoḥ avipadyata ātmanā
mit einem noch nicht dem Tod verfallenen Körper (Instr.)
Der König sprach: Wenn einer, obwohl er durch eigenes Sehen und Hören weiß, dass die Sünde ihm selbst schädlich ist, sie, unfähig sich zu beherrschen, immer wieder begeht – welchen Sinn hat dann die Sühne?
śrī-bādarāyaṇiḥ uvāca
karmaṇā karma-nirhāraḥ
na hi ātyantikaḥ iṣyate
avidvat-adhikāritvāt
prāyaścittam vimarśanam
Śrī Bādarāyaṇi sprach: Durch (rituelle) Handlung wird die Beseitigung der Handlung(sreaktionen) gewiss nicht endgültig erreicht, da sie nur für den Unwissenden bestimmt ist; die wahre Sühne ist vielmehr die rechte Unterscheidung.
na aśnataḥ pathyam eva annam
vyādhayaḥ abhibhavanti hi
evam niyama-kṛt rājan
śanaiḥ kṣemāya kalpate
Wer nicht nur zuträgliche Speise isst, den überwältigen gewiss Krankheiten; ebenso, o König, wird der, der die Regeln einhält, allmählich zum Wohlergehen befähigt.
tapasā brahmacaryeṇa śamena ca damena ca
tyāgena satya-śaucābhyām yamena niyamena vā
deha-vāk-buddhi-jam dhīrāḥ dharma-jñāḥ śraddhayā anvitāḥ
kṣipanti agham mahat api veṇu-gulmam iva analaḥ
Durch Askese, Keuschheit, Geistes- und Sinnesbeherrschung, durch Entsagung, Wahrhaftigkeit und Reinheit, durch Yama und Niyama vertreiben die Besonnenen, die das Dharma kennen und von Glauben erfüllt sind, die durch Körper, Wort und Verstand entstandene Sünde, mag sie auch noch so groß sein – wie Feuer ein Bambusdickicht vernichtet.
na tathā hi agha-vān rājan
pūyeta tapaḥ-ādibhiḥ
yathā kṛṣṇa-arpita-prāṇaḥ
tat-puruṣa-niṣevayā
Nicht so sehr, o König, wird der Sündenbehaftete durch Askese und dergleichen gereinigt, wie durch den Dienst an einem, der sein Leben Kṛṣṇa geweiht hat.
Wort für Wort
na tathā hi
nicht so sehr gewiss
agha-vān
der Sündenbehaftete (Nom.)
rājan
o König (Vok.)
pūyeta
wird gereinigt (Opt.)
tapaḥ-ādibhiḥ
durch Askese und dergleichen (Instr.)
yathā
wie sehr
kṛṣṇa-arpita-prāṇaḥ
wer sein Leben Kṛṣṇa geweiht hat (Nom.)
tat-puruṣa-niṣevayā
durch den Dienst an dessen Person/Vertretern (Instr.)
Dies fürwahr ist der rechte, sichere und furchtlose Pfad in der Welt, auf dem die wohlgesitteten, frommen Menschen wandeln, die ganz auf Nārāyaṇa ausgerichtet sind.
prāyaścittāni cīrṇāni
nārāyaṇa-parāṅmukham
na niṣpunanti rājendra
surā-kumbham iva āpagāḥ
Auch ausgeführte Sühnehandlungen reinigen den, der Nārāyaṇa den Rücken kehrt, nicht, o Fürst der Könige – wie auch Flüsse einen Krug voll Alkohol nicht reinigen können.
sakṛt manaḥ kṛṣṇa-pada-aravindayoḥ
niveśitam tat-guṇa-rāgi yaiḥ iha
na te yamam pāśa-bhṛtaḥ ca tat-bhaṭān
svapne api paśyanti hi cīrṇa-niṣkṛtāḥ
Diejenigen, von denen der Geist auch nur einmal, an Kṛṣṇas Eigenschaften hingezogen, auf dessen beide Lotosfüße gerichtet wurde – die sehen hier fürwahr weder Yama noch die Fesselträger noch dessen Gefolgsleute, selbst nicht im Traum; sie haben damit die wahre Sühne bereits vollzogen.
In Kānyakubja lebte ein gewisser Brahmane namens Ajāmila, der Gatte einer Dienerin, der seinen guten Lebenswandel verloren hatte, verdorben durch den Umgang mit dieser Dienerin.
Wort für Wort
kānya-kubje
in Kānyakubja (Lok.)
dvijaḥ
ein Brahmane (Nom.)
kaścit
ein gewisser
dāsī-patiḥ
Gatte einer Dienerin (Nom.)
ajāmilaḥ nāmnā
namens Ajāmila
naṣṭa-sat-ācāraḥ
der seinen guten Lebenswandel verloren hatte (Nom.)
dāsyāḥ saṁsarga-dūṣitaḥ
verdorben durch den Umgang mit der Dienerin (Nom.)
Durch widerrechtliches Gefangennehmen, Würfelspiel, Betrug und Diebstahl ging er einem verwerflichen Broterwerb nach; während er, unrein, seine Familie unterhielt, quälte er andere verkörperte Wesen.
bhuñjānaḥ prapiban khādan
bālakam sneha-yantritaḥ
bhojayan pāyayan mūḍhaḥ
na veda āgatam antakam
Während er aß, trank und naschte, von Zuneigung zu dem Kind gefesselt, es speisend und tränkend, wusste der Törichte nicht, dass der Tod bereits herangekommen war.
Als für ihn, den so lebenden Unwissenden, die Stunde des Todes eingetreten war, richtete er seinen Sinn auf seinen Sohn, das Kind, das den Namen Nārāyaṇa trug.
Als er drei höchst furchterregende Gestalten sah, mit Fesseln in den Händen, mit verzerrten Gesichtern und gesträubten Haaren, die gekommen waren, um ihn selbst fortzuführen, rief er, dessen Sinne verwirrt waren, mit tränenüberströmter, lauter Stimme nach seinem Sohn Nārāyaṇa, der in einiger Entfernung mit seinem Spielzeug beschäftigt war.
Als sie, o großer König, aus dem Mund des Sterbenden das Aussprechen des Namens Hari vernahmen, den Namen ihres Herrn, erschienen die göttlichen Diener sogleich.
Die Boten Viṣṇus hinderten mit Nachdruck die Boten Yamas, die gerade dabei waren, Ajāmila, den Gatten der Dienerin, aus dem Innern seines Herzens herauszuzerren.
kasya vā kutaḥ āyātāḥ
kasmāt asya niṣedhatha
kim devāḥ upadevāḥ yāḥ
yūyam kim siddha-sat-tamāḥ
Wessen Diener seid ihr, oder woher seid ihr gekommen? Weshalb verwehrt ihr uns diesen hier? Seid ihr etwa Götter oder Untergötter, oder seid ihr die Besten der Vollendeten?
Alle von euch haben Augen wie Lotosblütenblätter, sind in gelbe Seidengewänder gekleidet, tragen Diademe, Ohrringe und leuchtende Lotosgirlanden; alle sind von stets jugendlichem Alter, alle haben vier schöne Arme, geschmückt mit Bogen, Köcher, Schwert, Keule, Muschelhorn, Diskus und Lotos, und erhellen mit eurem eigenen Glanz die Himmelsrichtungen, sie von Dunkel befreiend – warum hindert ihr uns, die Diener des Hüters des Dharma?
Wort für Wort
sarve
alle (Nom. Pl.)
padma-palāśa-akṣāḥ
mit Augen wie Lotosblütenblätter (Nom. Pl.)
pīta-kauśeya-vāsasaḥ
in gelbe Seidengewänder gekleidet (Nom. Pl.)
kirīṭinaḥ
mit Diademen (Nom. Pl.)
kuṇḍalinaḥ
mit Ohrringen (Nom. Pl.)
lasat-puṣkara-mālinaḥ
mit leuchtenden Lotosgirlanden geschmückt (Nom. Pl.)
śrī-śukaḥ uvāca
iti ukte yama-dūtaiḥ te
vāsudeva-ukta-kāriṇaḥ
tān pratyūcuḥ prahasya idam
megha-nirhrādayā girā
Śrī Śuka sprach: Als dies von den Boten Yamas gesagt worden war, antworteten jene, die die Weisungen Vāsudevas ausführen, lachend, mit einer Stimme, die wie Donnergrollen tönte, Folgendes.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
iti ukte
als dies gesagt worden war (Lok. abs.)
yama-dūtaiḥ
von den Boten Yamas (Instr.)
te
jene (Nom. Pl.)
vāsudeva-ukta-kāriṇaḥ
die die Weisungen Vāsudevas ausführen (Nom. Pl.)
tān pratyūcuḥ
antworteten ihnen
prahasya
lachend
idam
dies
megha-nirhrādayā girā
mit einer wie Donnergrollen tönenden Stimme (Instr.)
śrī-viṣṇu-dūtāḥ ūcuḥ
yūyam vai dharma-rājasya
yadi nirdeśa-kāriṇaḥ
brūta dharmasya naḥ tattvam
yat ca adharmasya lakṣaṇam
Die Boten Viṣṇus sprachen: Wenn ihr wahrhaftig die Ausführenden des Befehls des Königs des Dharma seid, dann verkündet uns das Wesen des Dharma und was das Kennzeichen des Adharma ist.
katham svit dhriyate daṇḍaḥ
kim vā asya sthānam īpsitam
daṇḍyāḥ kim kāriṇaḥ sarve
āho svit katicit nṛṇām
Auf welche Weise denn wird die Strafe verhängt, und was ist ihr rechter Geltungsbereich? Sind etwa alle Übeltäter strafwürdig, oder vielleicht nur einige der Menschen?
Das Dharma ist fürwahr das, was von den Veden vorgeschrieben ist, das Adharma dessen Gegenteil. Der Veda ist unmittelbar Nārāyaṇa selbst, der Selbstentstandene – so haben wir gehört.
Wort für Wort
veda-praṇihitaḥ
von den Veden vorgeschrieben (Nom.)
dharmaḥ
das Dharma (Nom.)
hi
fürwahr
adharmaḥ
das Adharma (Nom.)
tat-viparyayaḥ
dessen Gegenteil (Nom.)
vedaḥ
der Veda (Nom.)
nārāyaṇaḥ sākṣāt
unmittelbar Nārāyaṇa selbst (Nom.)
svayam-bhūḥ
der Selbstentstandene (Nom.)
iti śuśruma
so haben wir gehört
Sprecherzuweisung (‚die Boten Yamas sprachen‘) aus Kontext/Kommentar erschlossen, im IAST-Text selbst nicht ausdrücklich als eigene Zeile vorhanden [?].
Durch ihn werden, in seinem eigenen Bereich, diese aus Rajas, Sattva und Tamas bestehenden Zustände durch ihre jeweiligen Eigenschaften, Namen, Tätigkeiten und Formen genau zutreffend dargestellt.
Wort für Wort
yena
durch den (Instr.)
sva-dhāmni
in dessen eigenem Bereich (Lok.)
amī bhāvāḥ
diese Zustände (Nom. Pl.)
rajaḥ-sattva-tamaḥ-mayāḥ
aus Rajas, Sattva und Tamas bestehend (Nom. Pl.)
guṇa-nāma-kriyā-rūpaiḥ
durch Eigenschaften, Namen, Tätigkeiten und Formen (Instr. Pl.)
sūryaḥ agniḥ kham marut devaḥ
somaḥ sandhyā ahanī diśaḥ
kam kuḥ svayam dharmaḥ iti
hi ete daihyasya sākṣiṇaḥ
Die Sonne, das Feuer, der Raum, der Wind, die Gottheit, der Mond, die Dämmerung, Tag und Nacht, die Himmelsrichtungen, das Wasser, die Erde und das Dharma (Yama) selbst – fürwahr, diese sind die Zeugen der Taten des Verkörperten.
Durch diese Zeugen wird das Unrecht erkannt, und danach bestimmt sich der rechte Ort der Strafe; alle Übeltäter verdienen Strafe entsprechend ihrer Tat.
sambhavanti hi bhadrāṇi
viparītāni ca anaghāḥ
kāriṇām guṇa-saṅgaḥ asti
deha-vān na hi akarma-kṛt
Fürwahr, o ihr Makellosen, es geschehen gute wie entgegengesetzte Taten; bei den Handelnden besteht stets eine Verbindung mit den drei Erscheinungsweisen der Natur – wer einen materiellen Körper besitzt, ist gewiss niemals untätig.
yena yāvān yathā adharmaḥ
dharmaḥ vā iha samīhitaḥ
saḥ eva tat-phalam bhuṅkte
tathā tāvat amutra vai
In welchem Ausmaß und auf welche Weise von wem in diesem Leben Unrecht oder Recht verübt wurde – eben dieser genießt oder erleidet dessen Frucht fürwahr im selben Maß im Jenseits.
So wie hier, o Vorzüglichste der Götter, bei den Lebewesen aufgrund der Verschiedenartigkeit der drei Erscheinungsweisen die Dreifachheit wahrgenommen wird, so wird sie auch anderswo erschlossen.
Wort für Wort
yathā iha
so wie hier
deva-pravarāḥ
o Vorzüglichste der Götter (Vok. Pl.)
trai-vidhyam
die Dreifachheit (Nom.)
upalabhyate
wird wahrgenommen
bhūteṣu
bei den Lebewesen (Lok. Pl.)
guṇa-vaicitryāt
aufgrund der Verschiedenartigkeit der Erscheinungsweisen (Abl.)
So wie die gegenwärtige Zeit erkennen lässt, welche Eigenschaften die beiden anderen Zeiten haben, so ist ebenso diese gegenwärtige Geburt die Anzeige von Recht und Unrecht der beiden anderen Geburten.
manasā eva pure devaḥ
pūrva-rūpam vipaśyati
anumīmāṁsate apūrvam
manasā bhagavān ajaḥ
Allein durch den Geist erblickt die Gottheit (Yama) in seiner Wohnstätte die frühere Gestalt eines Wesens, und mit dem Geist erschließt der erhabene, ungeborene Yama auch den künftigen Zustand.
Wort für Wort
manasā eva
allein durch den Geist (Instr.)
pure
in der Wohnstätte (Lok.)
devaḥ
die Gottheit (Nom.)
pūrva-rūpam
die frühere Gestalt (Akk.)
vipaśyati
erblickt genau
anumīmāṁsate
erschließt, erwägt
apūrvam
den künftigen, noch nicht dagewesenen (Zustand) (Akk.)
yathā ajñaḥ tamasā yuktaḥ
upāste vyaktam eva hi
na veda pūrvam aparam
naṣṭa-janma-smṛtiḥ tathā
So wie ein Unwissender, vom Schlaf befangen, sich nur dem im Traum Erscheinenden hingibt und weder den früheren noch den künftigen Zustand kennt, seine Erinnerung an jene andere Existenz verloren, so verhält es sich auch mit der Erinnerung an frühere und künftige Geburten.
Wort für Wort
yathā
so wie
ajñaḥ
ein Unwissender (Nom.)
tamasā yuktaḥ
vom Schlaf/Dunkel befangen (Nom.)
upāste
gibt sich hin
vyaktam eva hi
nur dem (im Traum) Erscheinenden
na veda
kennt nicht
pūrvam
den früheren (Zustand) (Akk.)
aparam
den künftigen (Zustand) (Akk.)
naṣṭa-janma-smṛtiḥ
dessen Erinnerung an die (andere) Existenz verloren ist (Nom.)
Mit den fünf Handlungssinnen verrichtet er seine eigennützigen Zwecke, mit den fünf Wahrnehmungssinnen nimmt er sodann die fünf Sinnesobjekte wahr; mit dem sechzehnten, dem Geist, aber erfährt er die drei Zustände von Freude, Leid und deren Mischung, während er selbst, als der Siebzehnte, all dies genießt.
tat etat ṣoḍaśa-kalam
liṅgam śakti-trayam mahat
dhatte anusaṁsṛtim puṁsi
harṣa-śoka-bhaya-arti-dām
Eben dieser aus sechzehn Teilen bestehende, aus den drei Kräften der Natur gebildete, übermächtige feinstoffliche Körper bewirkt für das Lebewesen das fortwährende Umherwandern in Geburt und Tod und verleiht ihm Freude, Kummer, Furcht und Schmerz.
Wort für Wort
tat etat
eben dieser (Nom.)
ṣoḍaśa-kalam
aus sechzehn Teilen bestehend (Nom.)
liṅgam
der feinstoffliche Körper (Nom.)
śakti-trayam
aus den drei Kräften bestehend (Nom.)
mahat
der gewaltige, übermächtige (Nom.)
dhatte
bewirkt
anusaṁsṛtim
das fortwährende Umherwandern (Akk.)
puṁsi
für das Lebewesen (Lok./Dat.)
harṣa-śoka-bhaya-arti-dām
der Freude, Kummer, Furcht und Schmerz verleiht (Akk.)
Der unwissende Verkörperte, dessen sechs Sinne unbezwungen sind, wird, selbst ohne es zu wollen, zu Taten veranlasst; er hüllt sich, wie die Seidenraupe, durch seine eigene Tat selbst ein und gerät so in Verwirrung.
na hi kaścit kṣaṇam api
jātu tiṣṭhati akarma-kṛt
kāryate hi avaśaḥ karma
guṇaiḥ svābhāvikaiḥ balāt
Niemand fürwahr verharrt jemals, auch nur für einen Augenblick, ohne zu handeln; er wird fürwahr, machtlos, durch die ihm eigenen, angeborenen Erscheinungsweisen zwangsläufig zur Tat veranlasst.
Wort für Wort
na hi kaścit
niemand fürwahr
kṣaṇam api
auch nur für einen Augenblick
jātu
jemals
tiṣṭhati
verharrt
akarma-kṛt
ohne zu handeln (Nom.)
kāryate hi
wird fürwahr veranlasst
avaśaḥ
machtlos, unfreiwillig (Nom.)
karma
zur Tat (Akk.)
guṇaiḥ svābhāvikaiḥ
durch die ihm eigenen (angeborenen) Erscheinungsweisen (Instr.)
Nachdem er die unmanifeste Ur-Ursache erlangt hat, entsteht, entsprechend dem jeweiligen Mutterschoß und dem jeweiligen Samen, durch die übermächtige eigene Wesensart, wieder ein neuer, zugleich manifester und unmanifester Körper.
eṣaḥ prakṛti-saṅgena
puruṣasya viparyayaḥ
āsīt saḥ eva na cirāt
īśa-saṅgāt vilīyate
Diese Verkehrung des eigentlichen Wesens der (wahren) Person entstand durch ihre Verbindung mit der materiellen Natur; eben diese Verkehrung löst sich in nicht langer Zeit durch die Verbindung mit dem Herrn wieder auf.
Wort für Wort
eṣaḥ
dieser, diese (Nom.)
prakṛti-saṅgena
durch die Verbindung mit der (materiellen) Natur (Instr.)
Dieser Ajāmila war fürwahr wohlbewandert in den heiligen Schriften, eine Schatzkammer guten Charakters, guten Verhaltens und guter Eigenschaften; er hielt seine Gelübde ein, war sanftmütig, selbstbeherrscht, wahrhaftig redend, kannte die heiligen Sprüche und war rein; dem geistigen Lehrer, dem Opferfeuer, den Gästen und den Alten diente er, frei von Stolz, allen Wesen wohlgesinnt, rechtschaffen, maßvoll in der Rede und frei von Missgunst.
Wort für Wort
ayam hi
dieser fürwahr
śruta-sampannaḥ
wohlbewandert in den heiligen Schriften (Nom.)
śīla-vṛtta-guṇa-ālayaḥ
eine Schatzkammer von Charakter, Verhalten und Eigenschaften (Nom.)
dhṛta-vrataḥ
der seine Gelübde einhielt (Nom.)
mṛduḥ
sanftmütig (Nom.)
dāntaḥ
selbstbeherrscht (Nom.)
satya-vāk
wahrhaftig redend (Nom.)
mantra-vit
der die heiligen Sprüche kannte (Nom.)
śuciḥ
rein (Nom.)
guru-agni-atithi-vṛddhānām
dem Lehrer, dem Feuer, den Gästen und den Alten (Gen. Pl.)
Einst war dieser Brahmane, den Auftrag seines Vaters ausführend, in den Wald gegangen; nachdem er Früchte, Blumen, Opferholz und Kuśa-Gras gesammelt hatte und von dort zurückkehrte, erblickte er einen gewissen lüsternen Śūdra zusammen mit einer Dienerin, die Met und ein anderes berauschendes Getränk getrunken hatte, deren Augen vor Rausch rollten, trunken, deren Gürtel sich gelöst hatte, außer sich, ohne Scham, wie er in ihrer Nähe tändelte, sang und lachte.
Wort für Wort
ekadā asau
einst dieser (Ajāmila)
vanam yātaḥ
in den Wald gegangen (Nom.)
pitṛ-sandeśa-kṛt
der den Auftrag des Vaters ausführte (Nom.)
dvijaḥ
der Brahmane (Nom.)
ādāya
nachdem er gesammelt hatte
tataḥ āvṛttaḥ
von dort zurückkehrend (Nom.)
phala-puṣpa-samit-kuśān
Früchte, Blumen, Opferholz und Kuśa-Gras (Akk. Pl.)
dadarśa
erblickte
kāminam kañcit śūdram
einen gewissen lüsternen Śūdra (Akk.)
saha bhujiṣyayā
zusammen mit einer Dienerin (Instr.)
pītvā ca madhu maireyam
die Met und ein anderes berauschendes Getränk getrunken hatte
dṛṣṭvā tām kāma-liptena
bāhunā parirambhitām
jagāma hṛt-śaya-vaśam
sahasā eva vimohitaḥ
Als er sie sah, umarmt von einem zur Erregung mit duftenden Salben bestrichenen Arm, verfiel er, plötzlich völlig betört, unter die Macht des im Herzen wohnenden Begehrens.
Wort für Wort
dṛṣṭvā
als er sah
tām
sie (Akk.)
kāma-liptena bāhunā
mit einem zur Erregung von Lust bestrichenen Arm (Instr.)
parirambhitām
umarmt (Akk.)
jagāma
geriet, verfiel
hṛt-śaya-vaśam
unter die Macht des im Herzen wohnenden Begehrens (Akk.)
Obwohl er sich mit dem eigenen Verstand, mit aller ihm eigenen Fassung, wie er es aus den Schriften gelernt hatte, zu beherrschen versuchte, vermochte er den vom Liebesgott erzittern gemachten Geist nicht zu sammeln.
Wort für Wort
stambhayan
zu beherrschen versuchend
ātmanā ātmānam
mit dem (eigenen) Verstand sich selbst (Instr./Akk.)
yāvat sattvam
mit aller (ihm eigenen) Fassung
yathā-śrutam
entsprechend dem (zuvor) Gehörten, Gelernten
na śaśāka
er vermochte nicht
samādhātum
zu sammeln, zu fassen
manaḥ
den Geist (Akk.)
madana-vepitam
von Kāma (dem Liebesgott) erzittern gemacht (Akk.)
tat-nimitta-smara-vyāja-
graha-grastaḥ vicetanaḥ
tām eva manasā dhyāyan
sva-dharmāt virarāma ha
Von diesem Anlass ergriffen, wie von einem unter dem Vorwand des Liebesgottes wirkenden Dämon befallen, seiner Sinne beraubt, ließ er, im Geist beständig nur an sie denkend, gänzlich von seiner brahmanischen Pflicht ab.
Wort für Wort
tat-nimitta
aus diesem Anlass
smara-vyāja-graha-grastaḥ
ergriffen von einem unter dem Vorwand des Liebesgottes (wirkenden) Anfall/Dämon (Nom.)
tām eva toṣayām āsa
pitryeṇa arthena yāvatā
grāmyaiḥ manaḥ-ramaiḥ kāmaiḥ
prasīdeta yathā tathā
Er suchte eben sie mit dem vom Vater ererbten Vermögen, soweit er es besaß, zufriedenzustellen – mit weltlichen, dem Gemüt gefälligen Gaben, damit sie zufrieden werde.
Seine eigene, noch junge Gattin, die Tochter eines Brahmanen, die in eine angesehene Familie hinein mit ihm verheiratet worden war, verstieß der Sündige, dessen Verstand vom Seitenblick der zügellosen Dirne durchbohrt war, bald darauf.
Wort für Wort
viprām
die (Tochter) eines Brahmanen (Akk.)
sva-bhāryām
seine eigene Gattin (Akk.)
aprauḍhām
noch jung, unerfahren (Akk.)
kule mahati
in eine angesehene Familie (Lok.)
lambhitām
verheiratet (Akk.)
visasarja
verstieß
acirāt
bald, nach kurzer Zeit
pāpaḥ
der Sündige (Nom.)
svairiṇyā apāṅga-viddha-dhīḥ
dessen Verstand vom Seitenblick der zügellosen (Frau) durchbohrt war (Nom.)
Von hier und dort, rechtmäßig und unrechtmäßig, brachte dieser Ajāmila, der Schwachsinnige, Geld herbei und unterhielt den Haushalt dieser Dirne, die selbst schon Kinder hatte.
Wort für Wort
yataḥ tataḥ ca
von hier und dort, auf jede erdenkliche Weise
upaninye
brachte er herbei
nyāyataḥ anyāyataḥ
rechtmäßig und unrechtmäßig
dhanam
Geld, Reichtum (Akk.)
babhāra
unterhielt, erhielt
asyāḥ kuṭumbinyāḥ
dieser (Dirne), die (selbst schon) Familie hatte (Gen.)
Denn dieser, die heilige Schrift übertretend, nach eigenem Belieben lebend, höchst verachtenswert, verharrte lange Zeit in diesem Zustand, sein Leben voller Sünde, unrein durch Befleckung.
tataḥ enam daṇḍa-pāṇeḥ
sakāśam kṛta-kilbiṣam
neṣyāmaḥ akṛta-nirveśam
yatra daṇḍena śuddhyati
Darum werden wir ihn, der seine Verfehlungen begangen, aber noch keine Sühne geleistet hat, in die Gegenwart des Stabträgers führen, wo er durch Strafe gereinigt wird.