Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 62: devahūti-mokṣaḥ kapila-prayāṇaṁ ca Devahūtis Befreiung und Kapilas Weggang

maitreya uvāca evaṁ niśamya kapilasya vaco janitrī sā kardamasya dayitā kila devahūtiḥ visrasta-moha-paṭalā tam abhipraṇamya tuṣṭāva tattva-viṣayāṅkita-siddhi-bhūmim

Maitreya sprach: Nachdem sie so die Worte Kapilas vernommen hatte, verneigte sich jene Mutter – die geliebte Gattin Kardamas, nämlich Devahūti, von der sich der Schleier der Verblendung gelöst hatte – vor ihm und pries ihn, der die durch die Wahrheit der Grundprinzipien gekennzeichnete Grundlage der Vollkommenheit ist.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
evaṁ niśamya
so gehört habend
kapilasya vacaḥ
die Worte Kapilas
janitrī sā
jene Mutter
kardamasya dayitā
die geliebte (Gattin) Kardamas
kila devahūtiḥ
nämlich Devahūti
visrasta-moha-paṭalā
deren Schleier der Verblendung sich gelöst hatte
tam abhipraṇamya
sich vor ihm verneigend
tuṣṭāva
sie pries (mit Lobpreisungen)
tattva-viṣaya-aṅkita-siddhi-bhūmim
ihn, die durch die Wahrheit der Grundprinzipien gekennzeichnete Grundlage der Vollkommenheit

devahūtir uvāca athāpy ajo 'ntaḥ-salile śayānaṁ bhūtendriyārthātma-mayaṁ vapus te guṇa-pravāhaṁ sad-aśeṣa-bījaṁ dadhyau svayaṁ yaj-jaṭharābja-jātaḥ

Devahūti sprach: Und ferner meditierte Brahmā, der Ungeborene, der selbst aus dem Lotos deines Nabels geboren wurde, über deine im Urwasser liegende Gestalt, die aus den groben Elementen, den Sinnen, den Sinnesobjekten und dem Geist besteht, über den Strom der Erscheinungsweisen, den Samen alles Bestehenden.

Wort für Wort
devahūtiḥ uvāca
Devahūti sprach
atha api ajaḥ
und ferner der Ungeborene (Brahmā)
antaḥ-salile śayānam
der im Urwasser Liegende
bhūta-indriya-artha-ātma-mayaṁ vapuḥ te
deine aus Elementen, Sinnen, Sinnesobjekten und Geist bestehende Gestalt
guṇa-pravāham
den Strom der Erscheinungsweisen
sad-aśeṣa-bījam
den Samen alles Seienden
dadhyau svayam
meditierte selbst
yat-jaṭhara-abja-jātaḥ
der aus dem Lotos deines Bauches geboren wurde

sa eva viśvasya bhavān vidhatte guṇa-pravāheṇa vibhakta-vīryaḥ sargādy anīho 'vitathābhisandhir ātmeśvaro 'tarkya-sahasra-śaktiḥ

Eben du selbst lenkst das Universum, wobei deine Kraft durch den Strom der Erscheinungsweisen aufgeteilt ist – du, der bei Schöpfung und so fort untätig bleibst, dessen Entschluss nie fehlgeht, der Herr der Seelen, mit tausend unbegreiflichen Kräften.

Wort für Wort
saḥ eva bhavān
eben du selbst
viśvasya vidhatte
lenkst das Universum
guṇa-pravāheṇa vibhakta-vīryaḥ
dessen Kraft durch den Strom der Erscheinungsweisen geteilt ist
sarga-ādi-anīhaḥ
untätig bei Schöpfung usw.
avitatha-abhisandhiḥ
dessen Entschluss nicht fehlgeht
ātma-īśvaraḥ
der Herr der Seelen
atarkya-sahasra-śaktiḥ
mit tausend unbegreiflichen Kräften

sa tvaṁ bhṛto me jaṭhareṇa nātha kathaṁ nu yasyodara etad āsīt viśvaṁ yugānte vaṭa-patra ekaḥ śete sma māyā-śiśur aṅghri-pānaḥ

Du selbst, o Herr, wurdest von meinem Leib getragen – wie ist das möglich, da doch in deinem Bauch dieses Universum ruhte, als du am Ende des Zeitalters allein auf einem Banyanblatt lagst, ein Kind deiner eigenen Māyā, an deiner Zehe saugend?

Wort für Wort
saḥ tvam bhṛtaḥ me jaṭhareṇa nātha
du wurdest von meinem Leib getragen, o Herr
katham nu
wie denn
yasya udare etat āsīt
in dessen Bauch dies (das Universum) war
viśvam yuga-ante
das Universum am Ende des Zeitalters
vaṭa-patre ekaḥ śete sma
lag allein auf einem Banyanblatt
māyā-śiśuḥ
als Kind der (eigenen) Māyā
aṅghri-pānaḥ
an der (eigenen) Zehe saugend

tvaṁ deha-tantraḥ praśamāya pāpmanāṁ nideśa-bhājāṁ ca vibho vibhūtaye yathāvatārās tava sūkarādayas tathāyam apy ātma-pathopalabdhaye

Du hast einen Körper angenommen, o Allmächtiger, um die Sünden zu besänftigen und um das Wohlergehen jener zu mehren, die deinen Weisungen folgen; so wie deine Inkarnationen, angefangen mit dem Eber, so dient auch diese Gestalt dazu, den Pfad der Selbsterkenntnis zu offenbaren.

Wort für Wort
tvam deha-tantraḥ
du, der einen Körper angenommen hat
praśamāya pāpmanām
zur Besänftigung der Sünden
nideśa-bhājāṁ ca vibho vibhūtaye
und zum Wohlergehen derer, die deinen Weisungen folgen, o Allmächtiger
yathā avatārāḥ tava sūkara-ādayaḥ
so wie deine Inkarnationen, angefangen mit dem Eber
tathā ayam api
so auch diese (Gestalt)
ātma-patha-upalabdhaye
zur Offenbarung des Pfades der Selbsterkenntnis

yan-nāmadheya-śravaṇānukīrtanād yat-prahvaṇād yat-smaraṇād api kvacit śvādo 'pi sadyaḥ savanāya kalpate kutaḥ punas te bhagavan nu darśanāt

Durch das Hören und Besingen wessen Namens, durch Verneigung vor wem, durch Erinnerung an wen – und sei es nur gelegentlich – selbst ein Hundeesser sogleich für ein Opfer geeignet wird, wie viel mehr erst, o Herr, durch das unmittelbare Erblicken deiner selbst!

Wort für Wort
yat-nāmadheya-śravaṇa-anukīrtanāt
durch Hören und Nachsingen wessen Namens
yat-prahvaṇāt
durch Verneigung vor wem
yat-smaraṇāt api kvacit
durch Erinnerung an wen, und sei es gelegentlich
śva-adaḥ api
selbst ein Hundeesser
sadyaḥ savanāya kalpate
wird sogleich für ein (Soma-)Opfer geeignet
kutaḥ punaḥ
wie viel mehr
te bhagavan nu darśanāt
durch dein Erblicken, o Herr

aho bata śva-paco 'to garīyān yaj-jihvāgre vartate nāma tubhyam tepus tapas te juhuvuḥ sasnur āryā brahmānūcur nāma gṛṇanti ye te

Oh, wie erstaunlich! Selbst ein Hundeesser, auf dessen Zungenspitze dein Name weilt, ist dadurch erhabener als jene, die Askese übten, Feueropfer darbrachten, sich wie die Ārya reinigten und die Veden rezitierten – ebenso erhaben sind jene, die deinen Namen aussprechen.

Wort für Wort
aho bata
oh, wie erstaunlich
śva-pacaḥ ataḥ garīyān
ein Hundeesser ist dadurch erhabener
yat-jihvā-agre vartate nāma tubhyam
auf dessen Zungenspitze dein Name weilt
te tepuḥ tapaḥ
jene übten Askese
juhuvuḥ
brachten Feueropfer dar
sasnuḥ āryāḥ
wuschen sich rein, die Ārya
brahma anūcuḥ
rezitierten die Veden
nāma gṛṇanti ye te
die deinen Namen aussprechen, jene (sind ebenso erhaben)

taṁ tvām ahaṁ brahma paraṁ pumāṁsaṁ pratyak-srotasy ātmani saṁvibhāvyam sva-tejasā dhvasta-guṇa-pravāhaṁ vande viṣṇuṁ kapilaṁ veda-garbham

Dich verehre ich, das höchste Brahman, die höchste Person, die in der nach innen gewandten Seele erkannt wird, der durch seinen eigenen Glanz den Strom der Erscheinungsweisen aufgelöst hat – dich, Viṣṇu, Kapila, den Ursprung der Veden.

Wort für Wort
tam tvām aham
dich, ich
brahma param pumāṁsam
das höchste Brahman, die höchste Person
pratyak-srotasi ātmani saṁvibhāvyam
der in der nach innen gewandten Seele erkannt wird
sva-tejasā dhvasta-guṇa-pravāham
der durch eigenen Glanz den Strom der Erscheinungsweisen zerstört hat
vande
ich verehre
viṣṇum kapilam veda-garbham
Viṣṇu, Kapila, den Ursprung der Veden

maitreya uvāca īḍito bhagavān evaṁ kapilākhyaḥ paraḥ pumān vācāviklavayety āha mātaraṁ mātṛ-vatsalaḥ

Maitreya sprach: So gepriesen, sprach der Herr, genannt Kapila, die höchste Person, die seiner Mutter sehr zugetan war, mit gefasster Stimme zu seiner Mutter also:

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
īḍitaḥ bhagavān evam
so gepriesen, der Herr
kapila-ākhyaḥ paraḥ pumān
genannt Kapila, die höchste Person
vācā aviklavayā iti āha
sprach mit gefasster (unerschütterter) Stimme also
mātaram mātṛ-vatsalaḥ
zu seiner Mutter, der Mutter zugetan

kapila uvāca mārgeṇānena mātas te susevyenoditena me āsthitena parāṁ kāṣṭhām acirād avarotsyasi

Kapila sprach: Auf diesem Pfad, o Mutter, den ich dir verkündet habe und der leicht zu befolgen ist, wirst du, wenn du ihm folgst, bald das höchste Ziel erlangen.

Wort für Wort
kapilaḥ uvāca
Kapila sprach
mārgeṇa anena mātaḥ
auf diesem Pfad, o Mutter
te susevyena uditena me
der von mir verkündete, leicht zu befolgende (Pfad), für dich
āsthitena
wenn du ihm folgst
parām kāṣṭhām
das höchste Ziel
acirāt avarotsyasi
wirst du bald erlangen

śraddhatsvaitan mataṁ mahyaṁ juṣṭaṁ yad brahma-vādibhiḥ yena mām abhayaṁ yāyā mṛtyum ṛcchanty atad-vidaḥ

Vertraue auf diese meine Lehre, die von den Kennern des Brahman geschätzt wird, durch die du furchtlos zu mir gelangen wirst – wer sie nicht kennt, erreicht immer wieder nur den Tod.

Wort für Wort
śraddhatsva etat matam mahyam
vertraue auf diese meine Lehre
yat juṣṭam brahma-vādibhiḥ
die von den Kennern des Brahman geschätzt wird
yena mām abhayam yāyāḥ
durch die du furchtlos zu mir gelangen wirst
mṛtyum ṛcchanti a-tad-vidaḥ
die dies nicht kennen, erreichen den Tod

maitreya uvāca iti pradarśya bhagavān satīṁ tām ātmano gatim sva-mātrā brahma-vādinyā kapilo 'numato yayau

Maitreya sprach: Nachdem der Herr so den wahrhaften Pfad zur Selbstverwirklichung dargelegt hatte, brach Kapila, von seiner eigenen Mutter, die nun eine Kennerin des Brahman war, verabschiedet, auf.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
iti pradarśya bhagavān
so dargelegt habend, der Herr
satīm tām ātmanaḥ gatim
jenen wahrhaften Pfad zur Selbstverwirklichung
sva-mātrā brahma-vādinyā
von seiner eigenen Mutter, die Kennerin des Brahman war
kapilaḥ anumataḥ yayau
Kapila, verabschiedet, brach auf

sā cāpi tanayoktena yogādeśena yoga-yuk tasminn āśrama āpīḍe sarasvatyāḥ samāhitā

Und auch sie, vertieft in Yoga gemäß der von ihrem Sohn gegebenen Anweisung, verharrte gesammelt in jener Einsiedelei, der Krone des Flusses Sarasvatī.

Wort für Wort
sā ca api
und auch sie
tanaya-uktena yoga-ādeśena
durch die vom Sohn gegebene Yoga-Anweisung
yoga-yuk
im Yoga verbunden/vertieft
tasmin āśrame āpīḍe sarasvatyāḥ
in jener Einsiedelei, der Krone der Sarasvatī
samāhitā
gesammelt, in Trance versunken

abhīkṣṇāvagāha-kapiśān jaṭilān kuṭilālakān ātmānaṁ cogra-tapasā bibhratī cīriṇaṁ kṛśam

Ihr Haar, durch häufiges Baden ergraut, verfilzt und gelockt – und ihren durch strenge Askese abgemagerten, in Lumpen gekleideten Körper tragend,

Wort für Wort
abhīkṣṇa-avagāha-kapiśān
durch häufiges Baden ergraut
jaṭilān kuṭila-alakān
verfilzt, mit gelockten Haaren
ātmānam ca ugra-tapasā
und ihren (Körper) durch strenge Askese
bibhratī
tragend
cīriṇam kṛśam
in Lumpen gekleidet, abgemagert

[Anm.: Satz grammatisch mit V. 15-20 verbunden; hier eigenständig übersetzt.]

prajāpateḥ kardamasya tapo-yoga-vijṛmbhitam sva-gārhasthyam anaupamyaṁ prārthyaṁ vaimānikair api

…das durch die Askese und den Yoga des Prajāpati Kardama entfaltete, unvergleichliche häusliche Leben, das selbst von den Bewohnern der Himmelswagen begehrt wurde,

Wort für Wort
prajā-pateḥ kardamasya
des Prajāpati Kardama
tapaḥ-yoga-vijṛmbhitam
durch Askese und Yoga entfaltet
sva-gārhasthyam anaupamyam
das eigene, unvergleichliche häusliche Leben
prārthyam vaimānikaiḥ api
begehrt selbst von den Bewohnern der Himmelswagen

[Anm.: Teil des mit V.20 (hitvā) verbundenen Satzes.]

payaḥ-phena-nibhāḥ śayyā dāntā rukma-paricchadāḥ āsanāni ca haimāni susparśāstaraṇāni ca

die Betten gleich Milchschaum, aus Elfenbein mit goldenen Decken, und die goldenen Sitze, und die weich anzufühlenden Polster,

Wort für Wort
payaḥ-phena-nibhāḥ śayyā
die Betten gleich Milchschaum
dāntā rukma-paricchadāḥ
aus Elfenbein, mit goldenen Decken
āsanāni ca haimāni
und die goldenen Sitze
su-sparśa-āstaraṇāni ca
und die weich anzufühlenden Polster

[Anm.: Teil des mit V.20 verbundenen Satzes.]

svaccha-sphaṭika-kuḍyeṣu mahā-mārakateṣu ca ratna-pradīpā ābhānti lalanā ratna-saṁyutāḥ

wo an den Wänden aus klarem Kristall und aus großem Smaragd juwelenbesetzte Lampen leuchteten, und mit Juwelen geschmückte Frauen gleich erstrahlten,

Wort für Wort
svaccha-sphaṭika-kuḍyeṣu
an den Wänden aus klarem Kristall
mahā-mārakateṣu ca
und aus großem Smaragd
ratna-pradīpāḥ ābhānti
juwelenbesetzte Lampen leuchten
lalanāḥ ratna-saṁyutāḥ
mit Juwelen geschmückte Frauen

[Anm.: Teil des mit V.20 verbundenen Satzes.]

gṛhodyānaṁ kusumitai ramyaṁ bahv-amara-drumaiḥ kūjad-vihaṅga-mithunaṁ gāyan-matta-madhuvratam

den Hausgarten, lieblich durch die vielen blühenden himmlischen Bäume, in dem Vogelpaare gurrten und trunkene Bienen summten,

Wort für Wort
gṛha-udyānam
den Hausgarten
kusumitaiḥ ramyam bahu-amara-drumaiḥ
lieblich durch viele blühende himmlische Bäume
kūjat-vihaṅga-mithunam
mit gurrenden Vogelpaaren
gāyat-matta-madhuvratam
mit summenden, trunkenen Bienen

[Anm.: Teil des mit V.20 verbundenen Satzes.]

yatra praviṣṭam ātmānaṁ vibudhānucarā jaguḥ vāpyām utpala-gandhinyāṁ kardamenopalālitam

den Teich, duftend nach Lotos, in den einzutauchen die Gefährten der Götter besangen – sie, die von Kardama liebevoll umsorgt wurde,

Wort für Wort
yatra praviṣṭam ātmānam
sie selbst, als sie eingetreten war
vibudha-anucarāḥ jaguḥ
die Gefährten der Götter besangen
vāpyām utpala-gandhinyām
im Teich, duftend nach Lotos
kardamena upalālitam
von Kardama liebevoll umsorgt

[Anm.: Teil des mit V.20 verbundenen Satzes.]

hitvā tad īpsitatamam apy ākhaṇḍala-yoṣitām kiñcic cakāra vadanaṁ putra-viśleṣaṇāturā

Obwohl sie jenes Heim aufgegeben hatte, das selbst von den Gattinnen Indras heiß ersehnt war, machte sie ein wenig betrübtes Gesicht, gequält von der Trennung von ihrem Sohn.

Wort für Wort
hitvā tat īpsita-tamam
obwohl sie jenes höchst begehrte (Heim) aufgegeben hatte
api ākhaṇḍala-yoṣitām
selbst der Gattinnen Indras (begehrt)
kiñcit cakāra vadanam
machte ein wenig (betrübtes) Gesicht
putra-viśleṣaṇa-āturā
gequält von der Trennung vom Sohn

vanaṁ pravrajite patyāv apatya-virahāturā jñāta-tattvāpy abhūn naṣṭe vatse gaur iva vatsalā

Nachdem ihr Gatte in den Wald aufgebrochen war, zunächst von der Trennung vom Kind gequält, wurde sie, obwohl sie die Wahrheit kannte, als ihr Junges fortging, wie eine Kuh, die an ihrem Kalb hängt.

Wort für Wort
vanam pravrajite patyau
als der Gatte in den Wald aufgebrochen war
apatya-viraha-āturā
von der Trennung vom Kind gequält
jñāta-tattvā api abhūt
wurde sie, obwohl die Wahrheit erkennend
naṣṭe vatse
als das Junge (Kalb) fort war
gauḥ iva vatsalā
wie eine an ihrem Kalb hängende Kuh

tam eva dhyāyatī devam apatyaṁ kapilaṁ harim babhūvācirato vatsa niḥspṛhā tādṛśe gṛhe

Doch indem sie eben über jenen göttlichen Sohn, Kapila, Hari, meditierte, wurde sie, o Lieber, bald frei von Verlangen nach einem solchen Heim.

Wort für Wort
tam eva dhyāyatī devam
eben über jenen göttlichen (Sohn) meditierend
apatyam kapilam harim
den Sohn Kapila, Hari
babhūva acirataḥ vatsa
wurde sie bald, o Lieber
niḥspṛhā tādṛśe gṛhe
frei von Verlangen nach einem solchen Heim

dhyāyatī bhagavad-rūpaṁ yad āha dhyāna-gocaram sutaḥ prasanna-vadanaṁ samasta-vyasta-cintayā

über die Gestalt des Herrn meditierend, die ihr Sohn als Gegenstand der Meditation beschrieben hatte, mit heiterem Antlitz, indem sie sie als Ganzes und in ihren Teilen betrachtete,

Wort für Wort
dhyāyatī bhagavat-rūpam
über die Gestalt des Herrn meditierend
yat āha dhyāna-gocaram
die (ihr Sohn) als Gegenstand der Meditation genannt hatte
sutaḥ prasanna-vadanam
(die Gestalt) mit heiterem Antlitz, (wie sie ihr) der Sohn (beschrieben hatte)
samasta-vyasta-cintayā
durch Betrachtung als Ganzes und in Teilen

bhakti-pravāha-yogena vairāgyeṇa balīyasā yuktānuṣṭhāna-jātena jñānena brahma-hetunā viśuddhena tadātmānam ātmanā viśvato-mukham svānubhūtyā tirobhūta- māyā-guṇa-viśeṣaṇam

Durch die Kraft des ununterbrochenen Stromes hingebungsvoller Verbindung, durch starke Entsagung und durch das aus rechter Ausübung entstandene, zum Brahman führende Wissen – durch dieses geläuterte Wissen erfasste sie mit dem eigenen Geist den allgegenwärtigen Herrn, durch eigene unmittelbare Verwirklichung, dessen durch die Erscheinungsweisen der Māyā bedingte Unterscheidungsmerkmale ihr entschwunden waren.

Wort für Wort
bhakti-pravāha-yogena
durch den Strom hingebungsvoller Verbindung
vairāgyeṇa balīyasā
durch starke Entsagung
yukta-anuṣṭhāna-jātena jñānena
durch das aus rechter Ausübung entstandene Wissen
brahma-hetunā viśuddhena
das geläuterte, zum Brahman führende (Wissen)
tadā ātmānam ātmanā
dann (erfasste sie) das Selbst mit dem (eigenen) Geist
viśvataḥ-mukham
den Allgegenwärtigen (dessen Antlitz überallhin gewandt ist)
sva-anubhūtyā
durch eigene (unmittelbare) Verwirklichung
tiraḥ-bhūta-māyā-guṇa-viśeṣaṇam
dessen durch Māyās Erscheinungsweisen bedingte Unterscheidungsmerkmale entschwunden waren

[Anm.: Vedabase führt V.24 und V.25 als zusammenhängende Doppelverseinheit "24-25" (keine separate Seite für V.24 allein).]

brahmaṇy avasthita-matir bhagavaty ātma-saṁśraye nivṛtta-jīvāpattitvāt kṣīṇa-kleśāpta-nirvṛtiḥ

Ihr Geist war im Brahman verankert, im Herrn, der die Zuflucht des Selbst ist; da sie von der leidvollen Verfassung der bedingten Seele befreit war, erlangte sie, ihrer Leiden ledig, transzendentale Glückseligkeit.

Wort für Wort
brahmaṇi avasthita-matiḥ
deren Geist im Brahman verankert war
bhagavati ātma-saṁśraye
im Herrn, der die Zuflucht des Selbst ist
nivṛtta-jīva-āpattitvāt
da (sie) von der Verfassung der bedingten Seele befreit war
kṣīṇa-kleśa-āpta-nirvṛtiḥ
mit geschwundenen Leiden Glückseligkeit erlangend

nityārūḍha-samādhitvāt parāvṛtta-guṇa-bhramā na sasmāra tadātmānaṁ svapne dṛṣṭam ivotthitaḥ

Da sie beständig in Trance verharrte und von der durch die Erscheinungsweisen verursachten Täuschung abgewandt war, erinnerte sie sich nicht mehr an jenes ihr eigenes materielles Selbst – wie jemand, der erwacht ist, sich nicht mehr an das im Traum Gesehene erinnert.

Wort für Wort
nitya-ārūḍha-samādhitvāt
da sie beständig in Trance verharrte
parāvṛtta-guṇa-bhramā
von der durch die Erscheinungsweisen verursachten Täuschung abgewandt
na sasmāra tadā ātmānam
erinnerte sich dann nicht an jenes (materielle) Selbst
svapne dṛṣṭam iva utthitaḥ
wie ein Erwachter (sich nicht erinnert) an das im Traum Gesehene

tad-dehaḥ parataḥ poṣo 'py akṛśaś cādhy-asambhavāt babhau malair avacchannaḥ sadhūma iva pāvakaḥ

Ihr Körper, obgleich von anderen versorgt, wurde nicht abgezehrt, da keine innere Angst mehr in ihr entstand; von Schmutz bedeckt, erstrahlte er dennoch, einem von Rauch umhüllten Feuer gleich.

Wort für Wort
tat-dehaḥ parataḥ poṣaḥ api
ihr Körper, obgleich von anderen versorgt
akṛśaḥ ca ādhi-asambhavāt
nicht abgezehrt, da keine (innere) Angst entstand
babhau malaiḥ avacchannaḥ
erstrahlte, von Schmutz bedeckt
sadhūmaḥ iva pāvakaḥ
wie ein von Rauch umhülltes Feuer

svāṅgaṁ tapo-yogamayaṁ mukta-keśaṁ gatāmbaram daiva-guptaṁ na bubudhe vāsudeva-praviṣṭa-dhīḥ

Ihren eigenen Körper, ganz der Askese und dem Yoga hingegeben, das Haar gelöst, das Gewand entglitten, doch von der Vorsehung beschützt, nahm sie, deren Geist in Vāsudeva versunken war, nicht mehr wahr.

Wort für Wort
sva-aṅgam tapaḥ-yoga-mayam
ihren eigenen, ganz der Askese und dem Yoga hingegebenen Körper
mukta-keśam gata-ambaram
das Haar gelöst, das Gewand entglitten
daiva-guptam
von der Vorsehung beschützt
na bubudhe
nahm sie nicht wahr
vāsudeva-praviṣṭa-dhīḥ
sie, deren Geist in Vāsudeva versunken war

evaṁ sā kapiloktena mārgeṇācirataḥ param ātmānaṁ brahma-nirvāṇaṁ bhagavantam avāpa ha

So erlangte sie, auf dem von Kapila gewiesenen Pfad, alsbald das höchste Selbst, das Erlöschen im Brahman, den Herrn selbst.

Wort für Wort
evam sā
so, sie
kapila-uktena mārgeṇa
auf dem von Kapila gewiesenen Pfad
acirataḥ param
alsbald das Höchste
ātmānam brahma-nirvāṇam bhagavantam
das (höchste) Selbst, das Erlöschen im Brahman, den Herrn
avāpa ha
erlangte sie fürwahr

tad vīrāsīt puṇyatamaṁ kṣetraṁ trailokya-viśrutam nāmnā siddha-padaṁ yatra sā saṁsiddhim upeyuṣī

Jener Ort, o Held, war der heiligste, berühmt in den drei Welten, mit Namen Siddhapada, wo sie die Vollkommenheit erlangte.

Wort für Wort
tat vīra āsīt puṇya-tamam
jener (Ort), o Held, war der heiligste
kṣetram trailokya-viśrutam
der Ort, berühmt in den drei Welten
nāmnā siddha-padam
mit dem Namen Siddhapada
yatra sā saṁsiddhim upeyuṣī
wo sie die Vollkommenheit erlangt hatte

tasyās tad yoga-vidhuta- mārtyaṁ martyam abhūt sarit srotasāṁ pravarā saumya siddhidā siddha-sevitā

Ihr sterblicher Leib, dessen Sterblichkeit durch jenen Yoga abgeschüttelt wurde, wurde zu einem Fluss, o Sanfter – dem vorzüglichsten der Ströme, der Vollkommenheit verleiht und von den Vollendeten aufgesucht wird.

Wort für Wort
tasyāḥ tat yoga-vidhuta-mārtyam
ihr durch jenen Yoga von Sterblichkeit befreiter
martyam abhūt sarit
sterblicher (Leib) wurde zu einem Fluss
srotasām pravarā saumya
der vorzüglichste der Ströme, o Sanfter
siddhidā siddha-sevitā
Vollkommenheit verleihend, von den Vollendeten aufgesucht

kapilo 'pi mahā-yogī bhagavān pitur āśramāt mātaraṁ samanujñāpya prāg-udīcīṁ diśaṁ yayau

Auch Kapila, der große Yogī, der Herr, brach, nachdem er von seiner Mutter Erlaubnis erhalten hatte, aus der Einsiedelei seines Vaters auf und zog in Richtung Nordosten.

Wort für Wort
kapilaḥ api mahā-yogī bhagavān
auch Kapila, der große Yogī, der Herr
pituḥ āśramāt
aus der Einsiedelei des Vaters
mātaram samanujñāpya
nachdem er von der Mutter Erlaubnis erhalten hatte
prāk-udīcīm diśam yayau
zog in Richtung Nordosten

siddha-cāraṇa-gandharvair munibhiś cāpsaro-gaṇaiḥ stūyamānaḥ samudreṇa dattārhaṇa-niketanaḥ

gepriesen von Siddhas, Cāraṇas, Gandharvas, Weisen und Scharen von Apsaras, und von dem Ozean, der ihm Verehrung darbrachte, eine Wohnstätte gewährt bekommend,

Wort für Wort
siddha-cāraṇa-gandharvaiḥ
von Siddhas, Cāraṇas, Gandharvas
munibhiḥ ca apsaraḥ-gaṇaiḥ
und von Weisen und Scharen von Apsaras
stūyamānaḥ
gepriesen
samudreṇa datta-arhaṇa-niketanaḥ
vom Ozean, der Verehrung darbrachte und eine Wohnstätte gab

āste yogaṁ samāsthāya sāṅkhyācāryair abhiṣṭutaḥ trayāṇām api lokānām upaśāntyai samāhitaḥ

verweilt er dort, in Yoga versunken, gepriesen von den Lehrern des Sāṅkhya, in Sammlung versenkt zum Frieden aller drei Welten.

Wort für Wort
āste yogam samāsthāya
er verweilt, in Yoga versunken
sāṅkhya-ācāryaiḥ abhiṣṭutaḥ
gepriesen von den Lehrern des Sāṅkhya
trayāṇām api lokānām
aller drei Welten
upaśāntyai samāhitaḥ
zum Frieden in Sammlung versenkt

etan nigaditaṁ tāta yat pṛṣṭo 'haṁ tavānagha kapilasya ca saṁvādo devahūtyāś ca pāvanaḥ

Dies, o Lieber, habe ich dargelegt, worum du mich gebeten hattest, o Sündloser – das läuternde Zwiegespräch zwischen Kapila und Devahūti.

Wort für Wort
etat nigaditam tāta
dies habe ich dargelegt, o Lieber
yat pṛṣṭaḥ aham tava anagha
worum ich von dir gebeten wurde, o Sündloser
kapilasya ca saṁvādaḥ
und das Zwiegespräch Kapilas
devahūtyāḥ ca pāvanaḥ
und Devahūtis, das läuternde

ya idam anuśṛṇoti yo 'bhidhatte kapila-muner matam ātma-yoga-guhyam bhagavati kṛta-dhīḥ suparṇa-ketāv upalabhate bhagavat-padāravindam

Wer dies vernimmt oder wer diese geheime Lehre des Weisen Kapila über die Verbindung mit dem Selbst verkündet, wer seinen Geist auf den Herrn richtet, dessen Banner Garuḍa trägt, erlangt die Lotosfüße des Herrn.

Wort für Wort
yaḥ idam anuśṛṇoti
wer dies vernimmt
yaḥ abhidhatte
oder wer verkündet
kapila-muneḥ matam
die Lehre des Weisen Kapila
ātma-yoga-guhyam
die geheime (Lehre) über die Verbindung mit dem Selbst
bhagavati kṛta-dhīḥ
wer seinen Geist auf den Herrn gerichtet hat
suparṇa-ketau
dessen Banner Garuḍa (trägt)
upalabhate bhagavat-pada-aravindam
erlangt die Lotosfüße des Herrn

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